Mittwoch, 1. Juli 2026

力王 - Lik Wong - Story Of Ricky (1991)

https://www.imdb.com/de/title/tt0102293/

Im Jahr 2001 wurden sämtliche staatlichen Einrichtungen privatisiert und die Haftanstalten werden von den Konzernen wie brutale Arbeitslager geführt. Ricky (Fan Siu Wong) wird für den Mord an seiner Freundin zu zehn Jahren Haft verurteilt. Obwohl er unschuldig ist, möchte er in Ruhe seine Strafe absitzen. Doch es kommt anders, Ricky kann den von Gewalt und Selbstjustiz geprägten Alltag in dem Hochsicherheitsgefängnis nicht tatenlos mit ansehen und geht bald gegen die Obrigkeit vor.

Manche Filme lassen sich nur schwer beschreiben, weil sie sich konsequent jeder Vernunft verweigern. "Story Of Ricky" ist genau so ein Film. Regisseur Lam Nai-Choi adaptierte den gleichnamigen Manga von Tetsuya Saruwatari und schuf dabei einen Martial-Arts-Film, der Action, Splatter, Gefängnisdrama und schwarzen Humor zu einer völlig durchgeknallten Mischung verbindet. Was dabei entsteht, ist weder subtil noch realistisch - dafür aber eines der kompromisslosesten und unterhaltsamsten Kultwerke des Hongkong-Kinos, sowie einer der ersten Filme in Hongkong, die außerhalb der Pornoindustrie mit der Kategorie-III-Wertung versehen wurden, was einem strengen Jugendverbot entspricht.

Schon nach wenigen Minuten wird klar, dass "Story Of Ricky" keinerlei Interesse daran hat, glaubwürdig zu wirken. Stattdessen setzt der Film auf maximale Übertreibung. Arme werden abgerissen, Schädel platzen, Körper explodieren und Gegner werden mit bloßen Händen förmlich auseinandergerissen. Die praktischen Splattereffekte sind aus heutiger Sicht zwar sichtbar künstlich, genau das macht jedoch einen großen Teil des Charmes aus. Die handgemachten Gore-Effekte wirken herrlich überzogen und erinnern eher an einen blutigen Comic als an einen klassischen Actionfilm. Aber genau diese kompromisslose Inszenierung wurde über die Jahre zum Markenzeichen des Films.  Dabei überrascht der Film sogar mit einigen gesellschaftskritischen Untertönen. Hinter der blutigen Fassade verbirgt sich eine deutliche Kritik an Korruption, Machtmissbrauch und der Privatisierung des Strafvollzugs. Das Gefängnis dient als Sinnbild eines Systems, in dem Gewalt und Unterdrückung zum Alltag gehören. Diese Themen bleiben zwar stets im Hintergrund, verleihen der ansonsten völlig überdrehten Handlung aber eine interessante zusätzliche Ebene. Auch Hauptdarsteller Fan Siu-wong trägt erheblich zum Gelingen bei. Als Ricky verkörpert er den klassischen stoischen Helden, dessen moralischer Kompass niemals ins Wanken gerät. Große Charakterentwicklung darf man zwar nicht erwarten, doch genau diese kompromisslose Geradlinigkeit passt hervorragend zum comichaften Ton des Films. Ricky ist weniger ein realistischer Mensch als vielmehr eine wandelnde Naturgewalt - und genau das macht seinen Reiz aus.

Trotz aller Begeisterung ist "Story Of Ricky" allerdings kein Film für jedermann. Die Handlung bleibt bewusst simpel und dient in erster Linie als Verbindung zwischen den zahlreichen Kämpfen. Viele Figuren sind kaum mehr als überzeichnete Karikaturen, Dialoge geraten häufig unfreiwillig komisch und die schauspielerischen Leistungen erreichen selten ein hohes Niveau. Der Film erzielt eben seine Wirkung vor allem durch seine kompromisslose Überzeichnung und weniger durch erzählerische Raffinesse. Doch gerade diese hemmungslose Lust am Exzess macht "Story Of Ricky" aber so einzigartig. Der Film kennt praktisch keine Grenzen und steigert jede Szene noch weiter, als man es für möglich hält. Was auf dem Papier völlig absurd klingt, entwickelt auf der Leinwand einen kaum erklärbaren Unterhaltungswert. Viele spätere Kultfilme haben versucht, ähnliche Extreme zu erreichen - nur wenige besitzen jedoch diese unverkrampfte Spielfreude.

"Story Of Ricky" ist laut, blutig, hemmungslos überdreht und gerade deshalb so faszinierend. Die einfache Geschichte, die teilweise hölzernen Dialoge und die bewusst comichafte Inszenierung verhindern zwar die Höchstwertung, doch als kompromissloses Kultkino funktioniert der Film hervorragend. Wer sich auf diese völlig verrückte Welt einlässt und bereit ist, jede Form von Realismus an der Gefängnispforte abzugeben, erlebt einen Film, den man so schnell garantiert nicht wieder vergisst.

7,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkDiagonal Pictures/Paragon Films/Orange Sky Golden Harvest

Little Brother (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt34888871/

Rudd (John Cena) ist ein erfolgreicher Immobilienmakler und glücklich mit seiner Frau Deirdre (Michelle Monaghan) verheiratet, obwohl es in ihrer Beziehung zuletzt aufgrund seiner Pedanterie immer mehr an Leidenschaft mangelt. Eines Tages erhält Rudd einen Anruf, dass sein Bruder nach einem Autounfall im Krankenhaus gelandet sei. Als er und Deirdre zu dem Verletzten eilen, stellen sie fest, dass es sich gar nicht um Rudds echten Bruder handelt, sondern um Marcus (Eric André), für den Rudd vor vielen Jahren im Rahmen eines Higschool-Programms lediglich der Einschulungs-Pate war. Weil Marcus aktuell nirgendwo anders unterkommen kann, nehmen Rudd und Deirdre ihn nach dem Krankenhausaufenthalt vorübergehend bei sich auf – und damit zieht das Chaos bei ihnen ein.

Buddy-Komödien leben von ihrer Chemie - und genau hier liegt die größte Stärke von "Little Brother". Regisseur Matt Spicer bringt mit John Cena und Eric André zwei völlig unterschiedliche Charaktere zusammen und schafft damit immer wieder unterhaltsame Momente. Leider reicht das allein nicht aus, um aus einer guten Grundidee eine rundum gelungene Komödie zu machen. Zwischen gelungenen Gags und ehrlichen Charaktermomenten verliert der Film immer wieder seinen Rhythmus und findet nie ganz die Balance zwischen Chaos und Herz. Dabei beweist John Cena einmal mehr sein gutes Gespür für trockenes Timing, während Eric André mit seiner gewohnt unberechenbaren Art für die meisten Lacher sorgt. Immer dann, wenn die beiden einfach miteinander spielen dürfen, entfaltet "Little Brother" seinen größten Charme. Auch die emotionaleren Szenen funktionieren überraschend gut und verhindern, dass der Film zur reinen Klamaukveranstaltung verkommt. 

Leider verliert sich das Drehbuch zu häufig in einer Mischung aus derbem Humor, vorhersehbaren Handlungswendungen und Figuren, die kaum über ihre Klischees hinauswachsen. Manche Gags zünden hervorragend, andere wirken bemüht oder unnötig aufgesetzt. Auch der Wechsel zwischen herzlicher Buddy-Komödie und schrägem Chaos gelingt nicht immer, wodurch der Film stellenweise etwas unausgegoren wirkt. Dabei steckt durchaus Potenzial in der Geschichte. Themen wie Freundschaft, Verantwortung und psychische Gesundheit werden angerissen, bleiben letztlich aber eher oberflächlich. Statt diese Ansätze konsequent zu vertiefen, setzt der Film immer wieder auf den nächsten schrägen Einfall. Das sorgt zwar für Unterhaltung, verhindert aber, dass "Little Brother" emotional wirklich nachhallt. Guckt man halt einfach so weg. 

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Middle Child Films/Netflix

All The Boys Love Mandy Lane (2006)

https://www.imdb.com/title/tt0490076/

Mandy Lane (Amber Heard) ist traumhaft schön und das Objekt der Begierde jedes männlichen Mitschülers einer Highschool im tiefsten Texas. Jeder will sie für sich, doch niemand scheint auch nur den Hauch einer Chance bei der kühlen blonden Schönheit zu haben. Nur zu dem Außenseiter Emmet (Michael Welch) hält sie freundschaftlichen Kontakt. Auch den Mädchen dient die zurückhaltende, strebsame Augenweide als Vorbild. Die Faszination für Mandy eskaliert auf einer Party, bei der sich einer ihrer Verehrer (Adam Powell), von Emmet angestachelt, betrunken vom Dach seines Hauses in den Tod stürzt. Neun Monate später willigt Mandy ein, ein paar ihrer Mitschüler auf einen Wochenendausflug zu begleiten. Die drei männlichen Begleiter können ihr Glück kaum fassen und erhoffen sich alle bei Mandy zu landen, wobei die zwei weiblichen Begleiter schlicht die Nähe der Schönheit genießen. Am Ziel angekommen fließt schnell viel Alkohol, der Konsum von Cannabis steigt stündlich und auch vor dem Gebrauch von zerstampften ADS-Tabletten wird nicht halt gemacht. Die partywütigen Jugendlichen ahnen jedoch nicht, dass draußen auf den Feldern ein psychopathischer Killer nur auf sie wartet, um sie alle, einen nach dem anderen, zu töten...

Manche Filme entwickeln ihren Kultstatus nicht durch ihren Erfolg, sondern durch die ungewöhnlichen Umstände ihrer Veröffentlichung. "All The Boys Love Mandy Lane" gehört zweifellos in diese Kategorie. Obwohl Jonathan Levines Horrorfilm bereits 2006 auf Festivals gezeigt wurde, dauerte es Jahre, bis er in den USA regulär veröffentlicht wurde. Diese lange Verzögerung führte dazu, dass der Film beinahe mythische Züge annahm. Nach seiner verspäteten Veröffentlichung zeigte sich jedoch schnell, dass sich hinter dem Hype weder ein vergessenes Meisterwerk noch ein Totalausfall verbarg, sondern ein durchaus interessanter Slasher mit bemerkenswerten Stärken und ebenso offensichtlichen Schwächen. Eine der größten Stärken des Films ist seine Atmosphäre. Levine und Kameramann Darren Genet verleihen dem Geschehen einen staubigen, fast schon an die Horrorfilme der 1970er-Jahre erinnernden Look. Die ländliche Kulisse, die ausgebleichten Farben und die sommerliche Hitze erzeugen ein Gefühl permanenter Unruhe. 

Auch Amber Heard hinterlässt einen starken Eindruck in der Titelrolle. Mandy bleibt bewusst geheimnisvoll, wodurch sie sich von den üblichen Horrorfilm-Protagonistinnen unterscheidet. Gleichzeitig gelingt es Heard, die Figur weder zur reinen Projektionsfläche noch zum klassischen „Final Girl“ werden zu lassen. Unterstützt wird sie von einem jungen Ensemble, das die Dynamik einer Gruppe hormongetriebener Teenager erstaunlich glaubwürdig einfängt. Besonders die Darstellung von Gruppendruck, sexueller Unsicherheit und jugendlicher Oberflächlichkeit wirkt oftmals authentischer als in vielen Genrefilmen. Problematisch wird es allerdings beim Drehbuch. Zwar bemüht sich "All The Boys Love Mandy Lane" sichtbar darum, mehr zu sein als ein gewöhnlicher Slasher, doch nicht alle erzählerischen Ideen funktionieren. Einige Wendungen erscheinen eher konstruiert als organisch entwickelt. Auch das Erzähltempo erweist sich als zweischneidiges Schwert. Die ruhige erste Hälfte investiert viel Zeit in Stimmung und Figurenaufbau, was dem Film zwar Tiefe verleiht, gleichzeitig aber die Spannung ausbremst. Wer einen klassischen Slasher mit hohem Tempo erwartet, könnte die Entwicklung als etwas schleppend empfinden. Erst im letzten Drittel gewinnt die Geschichte deutlich an Intensität. 

Zwischen Konvention und Innovation besitzt der Film immerhin genug Eigenständigkeit, um sich von der Masse ähnlicher Produktionen abzuheben, erreicht jedoch nie ganz die erzählerische Raffinesse, die er anstrebt. Seine stilistische Sicherheit, die starke Atmosphäre und einige gelungene Ideen machen ihn dennoch zu einem mittelmäßig-sehenswerten Beitrag des modernen Slasherkinos. 

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Occupant Films