Manche Filme lassen sich nur schwer beschreiben, weil sie sich konsequent jeder Vernunft verweigern. "Story Of Ricky" ist genau so ein Film. Regisseur Lam Nai-Choi adaptierte den gleichnamigen Manga von Tetsuya Saruwatari und schuf dabei einen Martial-Arts-Film, der Action, Splatter, Gefängnisdrama und schwarzen Humor zu einer völlig durchgeknallten Mischung verbindet. Was dabei entsteht, ist weder subtil noch realistisch - dafür aber eines der kompromisslosesten und unterhaltsamsten Kultwerke des Hongkong-Kinos, sowie einer der ersten Filme in Hongkong, die außerhalb der Pornoindustrie mit der Kategorie-III-Wertung versehen wurden, was einem strengen Jugendverbot entspricht.
Schon nach wenigen Minuten wird klar, dass "Story Of Ricky" keinerlei Interesse daran hat, glaubwürdig zu wirken. Stattdessen setzt der Film auf maximale Übertreibung. Arme werden abgerissen, Schädel platzen, Körper explodieren und Gegner werden mit bloßen Händen förmlich auseinandergerissen. Die praktischen Splattereffekte sind aus heutiger Sicht zwar sichtbar künstlich, genau das macht jedoch einen großen Teil des Charmes aus. Die handgemachten Gore-Effekte wirken herrlich überzogen und erinnern eher an einen blutigen Comic als an einen klassischen Actionfilm. Aber genau diese kompromisslose Inszenierung wurde über die Jahre zum Markenzeichen des Films. Dabei überrascht der Film sogar mit einigen gesellschaftskritischen Untertönen. Hinter der blutigen Fassade verbirgt sich eine deutliche Kritik an Korruption, Machtmissbrauch und der Privatisierung des Strafvollzugs. Das Gefängnis dient als Sinnbild eines Systems, in dem Gewalt und Unterdrückung zum Alltag gehören. Diese Themen bleiben zwar stets im Hintergrund, verleihen der ansonsten völlig überdrehten Handlung aber eine interessante zusätzliche Ebene. Auch Hauptdarsteller Fan Siu-wong trägt erheblich zum Gelingen bei. Als Ricky verkörpert er den klassischen stoischen Helden, dessen moralischer Kompass niemals ins Wanken gerät. Große Charakterentwicklung darf man zwar nicht erwarten, doch genau diese kompromisslose Geradlinigkeit passt hervorragend zum comichaften Ton des Films. Ricky ist weniger ein realistischer Mensch als vielmehr eine wandelnde Naturgewalt - und genau das macht seinen Reiz aus.
Trotz aller Begeisterung ist "Story Of Ricky" allerdings kein Film für jedermann. Die Handlung bleibt bewusst simpel und dient in erster Linie als Verbindung zwischen den zahlreichen Kämpfen. Viele Figuren sind kaum mehr als überzeichnete Karikaturen, Dialoge geraten häufig unfreiwillig komisch und die schauspielerischen Leistungen erreichen selten ein hohes Niveau. Der Film erzielt eben seine Wirkung vor allem durch seine kompromisslose Überzeichnung und weniger durch erzählerische Raffinesse. Doch gerade diese hemmungslose Lust am Exzess macht "Story Of Ricky" aber so einzigartig. Der Film kennt praktisch keine Grenzen und steigert jede Szene noch weiter, als man es für möglich hält. Was auf dem Papier völlig absurd klingt, entwickelt auf der Leinwand einen kaum erklärbaren Unterhaltungswert. Viele spätere Kultfilme haben versucht, ähnliche Extreme zu erreichen - nur wenige besitzen jedoch diese unverkrampfte Spielfreude.
"Story Of Ricky" ist laut, blutig, hemmungslos überdreht und gerade deshalb so faszinierend. Die einfache Geschichte, die teilweise hölzernen Dialoge und die bewusst comichafte Inszenierung verhindern zwar die Höchstwertung, doch als kompromissloses Kultkino funktioniert der Film hervorragend. Wer sich auf diese völlig verrückte Welt einlässt und bereit ist, jede Form von Realismus an der Gefängnispforte abzugeben, erlebt einen Film, den man so schnell garantiert nicht wieder vergisst.





