Samstag, 4. Juli 2026

Der Nachname (2022)

https://www.imdb.com/de/title/tt14005338/

Zwei Jahre nach den Ereignissen von "Der Vorname" findet sich die ganze Familie Berger/Böttcher für einen Wochenendtrip auf der Finca von Dorothea (Iris Berben) auf Lanzarote zusammen. Sommer, Sonne und gute Laune sollen die nächsten Tage bestimmen, an denen Doro zudem eine große Ankündigung zu machen hat. Allerdings beginnt die Zeit unter der Sonne des Südens schon ziemlich chaotisch. Stephan (Christoph Maria Herbst), Elisabeth (Caroline Peters), Thomas (Florian David Fitz) und Anna (Janina Uhse) haben ihre eigenen Probleme im Gepäck, die ausgepackt werden wollen: Sie sind mittlerweile Eltern geworden, völlig abgebrannt, haben Eheprobleme oder ihren Job geschmissen. Die Zündschnur ist bei allen Anwesenden recht kurz und die Dauer bis zur Explosion ist nur eine Frage von Augenblicken. Zusätzlich werden noch einige Geheimnisse an die Oberfläche gezerrt und es kommt zu Katastrophen, mit denen nicht zu rechnen war.

Fortsetzungen erfolgreicher Komödien haben es selten leicht. Nach dem großen Erfolg von "Der Vorname" kehrte Regisseur Sönke Wortmann 2022 mit "Der Nachname" zu jener dysfunktionalen Großfamilie zurück, die bereits im Vorgänger für hitzige Diskussionen, politische Debatten und zahlreiche komische Momente gesorgt hatte. Die Erwartungen waren entsprechend hoch. Schließlich gehörte "Der Vorname" zu den erfolgreichsten deutschen Komödien der letzten Jahre und überzeugte vor allem durch seine scharf geschriebenen Dialoge und das hervorragend aufeinander abgestimmte Ensemble. "Der Nachname" knüpft in vielerlei Hinsicht an diese Stärken an, erreicht jedoch nicht ganz die Treffsicherheit und Frische des ersten Teils.

Wie bereits beim Vorgänger liegt die größte Stärke des Films in seinem Ensemble. Christoph Maria Herbst beweist erneut, warum er zu den besten Komödiendarstellern Deutschlands gehört. Seine Figur Stephan bewegt sich weiterhin zwischen Besserwisserei, Unsicherheit und herrlicher Selbstüberschätzung. Florian David Fitz bringt als Thomas gewohnt viel Charme und Schlagfertigkeit mit, während Justus von Dohnányi erneut für einige der trockensten und zugleich komischsten Momente des Films sorgt. Auch Caroline Peters und Iris Berben nutzen ihre Rollen geschickt, um die familiären Spannungen immer wieder anzuheizen. Besonders gelungen ist dabei das Zusammenspiel. Man merkt, dass die Figuren bereits etabliert sind und die Schauspieler ihre Dynamiken verinnerlicht haben. Viele der besten Szenen entstehen nicht durch große Gags, sondern durch die Reaktionen der Figuren aufeinander. Gerade die Wortgefechte und kleinen Spitzen innerhalb der Familie sorgen regelmäßig für Unterhaltung.

Inhaltlich versucht "Der Nachname", aktuelle gesellschaftliche Themen aufzugreifen, ohne dabei seine Leichtigkeit zu verlieren. Diskussionen über moderne Familienmodelle, Rollenbilder, Eheverständnisse und persönliche Freiheit bilden den Kern vieler Konflikte. Dabei gelingt es dem Film immer wieder, unterschiedliche Perspektiven auf humorvolle Weise aufeinanderprallen zu lassen. Kritiker lobten insbesondere die Dialoge, die trotz gelegentlicher Überzeichnung oft einen wahren Kern treffen und viele Situationen wiedererkennbar machen. Allerdings offenbart sich hier auch eine der Schwächen des Films. Während "Der Vorname" seine zentrale Prämisse konsequent nutzte und die Eskalation nahezu perfekt steigerte, wirkt "Der Nachname" gelegentlich etwas zerfasert. Die Handlung verteilt ihre Aufmerksamkeit auf mehrere Konflikte gleichzeitig, wodurch einzelne Erzählstränge nicht immer die notwendige Tiefe entwickeln. Manche Enthüllungen wirken zudem etwas konstruiert und dienen erkennbar dazu, die nächste Diskussion auszulösen. Auch der Überraschungseffekt des Vorgängers fehlt zwangsläufig. Viele Dynamiken und Konfliktmuster sind bereits bekannt, wodurch einige Szenen vorhersehbarer ausfallen. 

Dennoch bleibt "Der Nachname" über die gesamte Laufzeit hinweg kurzweilig. Das liegt vor allem daran, dass die Figuren trotz ihrer Überzeichnungen menschlich bleiben. Hinter den bissigen Kommentaren, Streitereien und Missverständnissen steckt immer wieder eine gewisse Wärme, die verhindert, dass die Charaktere zu Karikaturen werden. Gerade diese Mischung aus Komik und familiärer Vertrautheit macht den Reiz des Films aus. Damit avanciert der Film zu einer gelungenen, wenn auch nicht überragenden Fortsetzung. Der Film lebt von seinen hervorragenden Darstellern, seinem pointierten Humor und der Fähigkeit, alltägliche Familienstreitigkeiten auf unterhaltsame Weise zuzuspitzen. Zwar erreicht er nicht ganz die Klasse seines Vorgängers, bietet aber dennoch genügend Witz und Charme, um Fans des ersten Films zufriedenzustellen.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Constantin Film

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