Die 16-jährige Alice Palmer ertrinkt im örtlichen Stausee. Als ihr Tod als Unfall abgehakt ist, wird sie von ihrer trauernden Familie begraben. In der Folge erlebt die Familie eine Reihe von unerklärlichen Vorkommnissen, die sich in und um ihr Haus herum abspielen. Beunruhigt nehmen die Palmers die Dienste des Parapsychologen Ray Kemeny in Anspruch. Ray entdeckt, dass Alice ein heimliches Doppelleben geführt hat. Die Spuren führen die Familie direkt zum Lake Mungo, wo sie mit Alices Vergangenheit konfroniert wird...
Wer bei "Lake Mungo" einen klassischen Found-Footage-Schocker mit permanenter Anspannung und einer Flut an Jump Scares erwartet, dürfte überrascht sein. Joel Andersons australischer Independent-Film geht einen völlig anderen Weg. Statt auf laute Schockmomente setzt "Lake Mungo" auf eine dokumentarische Erzählweise, unterschwelligen Horror und eine melancholische Geschichte über Verlust und Trauer. Das macht den Film zu einem ungewöhnlichen Genrevertreter - wenn man sich darauf einlassen kann. Anderson verzichtet fast vollständig auf die typischen Mechanismen moderner Horrorfilme und baut stattdessen langsam ein Gefühl von Unbehagen auf. Die Bedrohung ist selten sichtbar, sondern entsteht vielmehr durch Andeutungen, Stille und die allmähliche Erkenntnis, dass hinter Alices Tod weit mehr steckt, als zunächst angenommen. Dadurch entwickelt der Film eine unterschwellige Beklemmung, die einen noch nach dem Abspann beschäftigt.
Gleichzeitig ist "Lake Mungo" weniger ein Geisterfilm als vielmehr ein Drama über Trauer. Der eigentliche Horror entsteht nicht allein durch mögliche übernatürliche Ereignisse, sondern durch die Erkenntnis, wie wenig die Familienmitglieder tatsächlich voneinander wussten. Je tiefer die Nachforschungen gehen, desto deutlicher wird, dass Alice ein Leben führte, das selbst ihren Eltern weitgehend verborgen geblieben war. Diese emotionale Ebene verleiht dem Film eine Tiefe, die viele Genreproduktionen vermissen lassen. Es ist eine ebenso traurige wie unheimliche Auseinandersetzung mit Verlust und Vergänglichkeit. Auch schauspielerisch funktioniert das Konzept erstaunlich gut. Die Darsteller wirken nie wie klassische Filmfiguren, sondern eher wie echte Menschen, die in einer Dokumentation über ein tragisches Ereignis interviewt werden. Gerade diese Natürlichkeit trägt erheblich dazu bei, dass die Geschichte glaubwürdig erscheint. Man vergisst zeitweise beinahe, dass man einen Spielfilm sieht.Allerdings bringt genau dieser dokumentarische Stil auch einige Probleme mit sich. Das Erzähltempo ist ausgesprochen ruhig und verlangt wirklich Geduld. Über lange Strecken passiert nur wenig, stattdessen besteht der Film aus Interviews, Fotos und Rekonstruktionen. Wer auf klassische Horrorszenen oder eine kontinuierliche Spannungssteigerung hofft, kann sich stellenweise unterfordert fühlen. Die konsequente Atmosphäre ist zwar lobenswert, leider kann der Film seine Wirkung nicht bis zum Ende vollständig aufrechterhalten. Hinzu kommt, dass manche Wendungen zu konstruiert wirken und nicht jede Enthüllung die gewünschte emotionale oder erzählerische Wirkung entfaltet. Einige Handlungsstränge verlaufen im Sande oder werfen neue Fragen auf, ohne sie wirklich zu beantworten. Das passt zwar grundsätzlich zur mysteriösen Ausrichtung des Films, ist aber dennoch kaum zufriedenstellend.Trotzdem besitzt "Lake Mungo" einen Moment gegen Ende, der ohne große Effekte oder laute Musik einen Schock erzeugt, der sich tief einprägt und die gesamte Geschichte im Nachhinein noch einmal in einem anderen Licht erscheinen lässt. Das macht aus "Lake Mungo" einen insgesamt ungewöhnlichen Horrorfilm, der den Zuschauer eben nicht mit Jump Scares, sondern mit Atmosphäre, Trauer und subtiler Beklemmung konfrontiert. Die authentische Inszenierung, die glaubwürdigen Darsteller und einige nachhaltig verstörende Momente machen den Film sehenswert. Als melancholischer Mystery-Horror funktioniert "Lake Mungo" ganz gut - als packender Horrorfilm hingegen nur mit kleinen Einschränkungen.



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