Sonntag, 5. Juli 2026

Westworld (1973)

https://www.imdb.com/title/tt0070909/

Im Freizeitpark der Zukunft kann jeder den Helden spielen! Ob Cowboy, Ritter oder römischer Herrscher - der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Die Gegner und Statisten sind allesamt Androiden, die "verletzt" oder gar "getötet" werden können, während den Menschen durch eine spezielle Sensorik in den Waffen nichts geschehen kann. Peter Martin (Richard Benjamin) und John Blane (James Brolin) beschließen den Wilden Westen unsicher zu machen. Durch einen Systemfehler geraten die Androiden außer Kontrolle und die Sicherheitsprotokolle für die Waffen werden aufgehoben. Aus dem Spiel wird plötzlich tödlicher Ernst. Der mechanische Revolverheld (Yul Brynner), den Peter bereits zweimal im Duell geschlagen hat, macht sich - gemäß seiner Programmierung - auf die Suche nach seinem Gegner, um Rache für die Niederlage zu nehmen...

Lange bevor Michael Crichton mit "Jurassic Park" ein weltweites Phänomen erschuf, beschäftigte ihn bereits eine Frage, die bis heute nichts von ihrer Faszination verloren hat: Was passiert, wenn Technologie versagt und die Kontrolle über künstlich erschaffene Welten verloren geht? Die Antwort lieferte er 1973 mit "Westworld", einem Science-Fiction-Thriller, der nicht nur als Regiedebüt Crichtons beeindruckte, sondern auch den Grundstein für zahlreiche spätere Filme und Serien legte. Aus heutiger Sicht wirkt manches technisch überholt, doch die Ideen hinter dem Film sind erstaunlich modern geblieben. Was "Westworld" auch mehr als fünf Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung so interessant macht, ist die enorme Weitsicht seiner Grundidee. Themen wie künstliche Intelligenz, Automatisierung und die Gefahren technologischer Abhängigkeit wirken heute aktueller denn je. Besonders eindrucksvoll bleibt die Figur des namenlosen Revolvermannes, gespielt von Yul Brynner. Mit seinem schwarzen Outfit und seinem emotionslosen Blick wird er schnell zur eigentlichen Hauptattraktion des Films. Anfangs dient er lediglich als Attraktion für die Besucher, doch sobald die Systeme versagen, entwickelt er sich zu einer unaufhaltsamen Bedrohung. Seine stoische Präsenz verleiht dem Film eine Spannung, die bis heute hervorragend funktioniert. 

Dabei nimmt sich "Westworld" zunächst überraschend viel Zeit für den Aufbau seiner Welt. Crichton interessiert sich sichtbar für die Möglichkeiten seines futuristischen Freizeitparks. Die ersten Szenen wirken fast wie eine Werbebroschüre für Delos und laden den Zuschauer dazu ein, sich selbst vorzustellen, wie es wäre, in eine perfekt simulierte Vergangenheit einzutauchen. Diese ausführliche Einführung verleiht der späteren Eskalation zusätzliches Gewicht. Gleichzeitig sorgt sie jedoch dafür, dass der Film im ersten Drittel etwas gemächlicher wirkt. Sobald die Katastrophe beginnt, entwickelt sich "Westworld" jedoch zu einem spannenden Verfolgungsthriller. Die zweite Hälfte lebt vor allem von der simplen, aber effektiven Idee eines Gegners, der niemals müde wird, niemals aufgibt und immer näher kommt. Die Spannung entsteht weniger durch Action als durch die stetig wachsende Ausweglosigkeit der Situation. In dieser Hinsicht funktioniert der Film auch heute noch erstaunlich gut. 

Natürlich merkt man dem Film sein Alter an. Die Figuren bleiben teilweise recht oberflächlich, und einige Dialoge wirken aus heutiger Sicht etwas hölzern. Auch die Spezialeffekte besitzen nicht mehr dieselbe Wirkung wie in den 1970er-Jahren. Gleichzeitig liegt darin aber auch ein gewisser Charme. Besonders interessant ist, dass "Westworld" zu den ersten Filmen gehörte, die digitale Bildbearbeitung einsetzten - ein kleiner technischer Meilenstein, dessen Bedeutung oft übersehen wird. Letztlich bleibt "Westworld" ein faszinierender Science-Fiction-Klassiker, dessen Einfluss auf das Genre kaum überschätzt werden kann. Viele seiner Konzepte wurden später von anderen Filmen und Serien weiterentwickelt, doch die ursprüngliche Vision besitzt bis heute ihren ganz eigenen Reiz.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Metro-Goldwyn-Mayer

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