Freitag, 13. März 2026

Amsterdamned - Verfluchtes Amsterdam (1988)

https://www.imdb.com/de/title/tt0094651/

In den trüben Gewässern der Amsterdamer Grachten wird eine junge Prostituierte tot aufgefunden - kopfüber von einer Brücke baumelnd, von Touristenbooten aus sichtbar, der Körper brutal zerfetzt und blutleer. Inspektor Eric Visser (Huub Stapel), ein routinierter Polizist und Vater einer rebellischen Tochter, übernimmt die Ermittlungen unter enormem Druck: Die Medien spekulieren über einen Serienmörder, der aus dem Wasser zuschlägt, und der Bürgermeister fürchtet um den Ruf der Stadt als Touristenmagnet. Die ersten Ermittlungen laufen gerade, schon werden weitere Frauen kaltblütig abgeschlachtet. Wie es scheint, taucht der Mörder vollkommen überraschend für seine Opfer aus dem Wasser auf. Nachdem Visser die hübsche Taucherin Laura (Monique van de Ven) kennenlernt, ergeben sich plötzlich merkwürdige Verbindungen zu dem gnadenlosen Killer... Die Ermittlungen führen durch Amsterdams Unterwelt - von Rotlichtvierteln über belebte Grachten bis in die labyrinthartige Kanalisation -, begleitet von atemlosen Bootjagden und nächtlichen Tauchgängen, während die Angst vor dem unsichtbaren Räuber die Stadt lähmt. 

Dick Mass' nasskalter, dreckiger Genremix aus Slasher, Cop- und Action-Thriller aus den Kanälen einer Stadt, die sonst nur für Tulpen und Fahrräder bekannt ist liefert genau die Art von 80er-Jahre-Unterhaltung, die man sich in einer Sommernacht auf VHS reinzieht, auch wenn die finale Auflösung etwas patzt. In "Verfluchtes Amsterdam" (der Originaltitel "Amsterdamned" ist um so vieles besser!)  wird die titelgebende Stadt nicht als Postkartenidylle inszeniert, sondern als finsteres Labyrinth: trübe Grachten, Rotlichtviertel, modrige Hinterhöfe und eine Kanalisation, die wie ein Abgrund wirkt. Maas nutzt die Stadt genial als Spielfeld - die berüchtigte Leichen-Szene, in der eine Tote über das Glasdach eines Schulboots rutscht und eine rote Blutspur zieht, ist ein bitterböser Höhepunkt, der an Dario Argentos Werke  erinnert. Die Bootsjagd durch enge Kanäle fühlt sich wie ein europäischer James Bond an, mit Carpenter-ähnlichem Synthie-Score und düsterer Atmosphäre, die in den ersten zwei Akten greift. Der Killer bleibt lange ein Schatten im Wasser, was Spannung erzeugt, ohne in Klischees abzugleiten. 

Huub Stapel trägt den Film als sympathischer Cop, der Raubüberfälle im Vorbeigehen löst und mit seiner Tochter herumfrotzelt - ein Hauch von Humor mildert die Brutalität. Monique van de Ven als Taucherin Laura bringt Chemie rein, während das Ensemble (Serge Henri Valcke, Tatum Dagelet) die Ermittlerfamilie abrundet. Es ist kein Deep-Acting-Kino, aber solide für B-Movie-Niveau. "Verfluchtes Amsterdam" liefert genau, was man erwartet und ist unterm Strich ein unterhaltsamen Genre-Mix aus Thriller, Slasher und Action“ - und ja, es stimmt: Amsterdam glänzt als Kulisse, die Morde sind kreativ und blutig, die Stunts echt. Kritik muss sich der Film dann lediglich im Finale gefallen lassen, denn dieses wirkt gehetzt, die Motive des Täters  sind geradezu haarsträubend und völlig aus dem Kontext gerissen, doch seis drum - bis hierhin hatte man eine gute Zeit. "Verfluchtes Amsterdam" ist damit zwar irgendwo Kult, aber kein Meisterwerk. Er bietet Nervenkitzel, er ist blutig, wartet mit einem herrlich-bissigen schwarzem Humor auf - und einer Erinnerung daran, dass selbst europäische Genrefilme der 80er international mithalten konnten.

7/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: First Floor Features

Donnerstag, 12. März 2026

Wednesday, Seson 02 (2025)

https://www.imdb.com/title/tt13443470/

Wednesday Addams (Jenna Ortega) hat es nicht einfach. Sie hat mit Emotionen nicht wirklich viel zu tun und lässt sich Freude und Liebe gar nicht anmerken. Sie ist noch sehr neu auf der kuriosen Nevermore Academy und sie tut sich von Beginn auch genauso schwer unter Sirenen, Werwölfen und Vampiren zu leben, wie auch schon auf einer normalen Highschool. Ein zusätzliches Hindernis sind für sie, ihre aufkeimenden übernatürlichen Kräfte. Plötzlich wird die Stadt von einer brutalen Mordserie erschüttert. Während sie sich mit der Liebe und Teenager-Problemen auf der Highschool rumschlagen muss, versucht Wednesday, das 25 Jahre alte übernatürliche Geheimnis aufzudecken, in das ihre Familie, vor allem ihre Eltern (Catherine Zeta-Jones und Luiz Gusmán) verstrickt ist.

https://www.imdb.com/title/tt25754350/
2.1 Neuer Tag, neues Leid (Here We Woe Again)
Wednesday nutzt in den Ferien ihre hellseherischen Fähigkeiten, um in Kansas City einen Serienmörder aufzuspüren und ihn zu töten. Zum Schuljahresbeginn reist sie samt Familie nach Nevermore, ihr Bruder Pugsley ist jetzt ebenfalls dort Schüler. Unterdessen wird ein Privatdetektiv in der Nähe der Schule von einem Krähenschwarm ermordet. Der neue Schuldirektor Barry Dort rekrutiert für die Organisation der Schulgala Bianca (zum Spendensammeln) sowie Wednesdays Mutter Morticia, weshalb beide Eltern in ein Gästehaus auf dem Schulgelände ziehen. In Pugleys Schlafsaal wird den neuen Schülern eine Horrorgeschichte erzählt: Vor Jahren habe ein kränklicher und technisch sehr begabter Schüler sich selbst ein mechanisches Herz gebaut viele weitere Erfindungen gemacht. Bei einer Laborexplosion sei er aber zu Tode gekommen und jetzt am Schädelbaum begraben, den nur die Mutigsten bei Nacht aufsuchen würden. Wednesdays Romanmanuskript wird gestohlen und sie erhält eine anonyme Notiz, dass sie beim anstehenden Fest unter das Freudenfeuer kommen solle, wo sie ihr Manuskript gerade noch retten kann. Unterdessen wandert Pugsley zum Schädelbaum, wo er stolpert und durch seine Blitz-Fähigkeit versehentlich den begrabenen ehemaligen Schüler erweckt. Wednesday hat eine Vision, in der sie erfährt, dass Enid ihretwegen sterben werde. - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt33100407/
2.2 Besser das Leid, das man kennt (The Devil You Woe)
Morticia erklärt Wednesday, sie habe ihre hellseherischen Fähigkeiten schon wieder verloren, weil sie verantwortungslos handele. Sie solle auf einen neuen Geistberater warten, statt Goodies Buch zu nutzen. Wednesday sucht den ehemaligen Sheriff Galpin auf, findet ihn von Krähen ermordet und wird von der ankommenden Polizei festgenommen, aber ihr Vater holt sie raus. Pugsley hat den von ihm erweckten Zombie im Imkerhaus eingesperrt. Direktor Dort erpresst Bianca, damit sie Wednesdays reiche Großmutter Hester zu einer großen Spende für die Gala überzeugt. Bianca möchte sich mit ihrer Sirenenfähigkeit wehren, aber der Direktor ist durch ein Amulett geschützt. Bianca setzt ihre Fähigkeit daher gegen Morticia ein, um die Spende zu ermöglichen. Enid und ihr Freund Bruno werden entführt und Wednesday bekommt eine Notiz mit einer Deadline. Sie kann die beiden vor einer Klingenvorrichtung retten. Das Ganze stellt sich als Streich der Mitschülerin Agnes im Rahmen des "Prank Day" raus. Wednesday bemerkt, dass ihre Mutter Goodies Buch weggenommen hat. - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt33100412/
2.3 Ruf des Leids (Call Of The Woe)
Morticia lädt ihre Mutter als Ehrengast zur Gala ein und erwischt Wednesday, die Goodies Buch zurückholen will. Ihre Mutter gewährt Wednesday die geforderte Anhörung, gibt ihr das Buch aber dennoch nicht zurück. Bianca hat ihre Mutter Gabrielle aus der Sekte Morning Song befreit und in einer Herberge versteckt. Zwecks Nachforschungen geht Wednesday mit auf einen Zeltausflug. Pugsley hat den Zombie heimlich in einem Sarg mitgebracht; Die Eltern kommen als Begleiter mit. Am Zeltplatz erscheint ein Offizier mit seinen Rekruten, da es zu einer Doppelbuchung gekommen ist. Wednesday schlägt einen Wettkampf vor, um zu bestimmen, welche Gruppe bleiben darf. Sie veranstalten eine Art Capture-the-Flag, was die Schüler gewinnen. Nachts untersucht Wednesday die nahegelegene Hütte, deretwegen sie gekommen ist und findet eine Sammlung von Traueranzeigen und den Namen „Lois“. Die Soldaten wollen das Zeltlager „zurückerobern“ und befreien versehentlich den Zombie, der das Gehirn des Offiziers frisst. Wednesday fordert ihre Mutter zu einem Fechtduell mit verbundenen Augen heraus. Gewinnt sie, bekommt sie Goodies Buch zurück, gewinnt die Mutter, verbrennt sie das Buch. Morticia gewinnt. Der Zombie verursacht großes Chaos und wird schließlich in die Psychiatrie in Willow Hill gebracht. Auch die ehemalige Lehrerin Thornhill wird dorthin verlegt. - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt33100413/
2.4 Wenn diese Wände ihr Leid beklagen könnten (If These Woes Could Talk)
In der Psychiatrie darf Thornhill Tyler besuchen, der sie fast tötet. Nachdem sie von ihrer Großmutter Hinweise erhalten hat, die auf die Psychiatrie hinweisen, bittet Wednesday ihren Onkel Fester, sich einweisen zu lassen. Er wird festgenommen und dorthin verbracht, nachdem er sich in der Herberge merkwürdig verhält und Chaos stiftet. Gabrielle wird deswegen ohne Ausweisdokumente aufgefunden und Bianca nutzt ihre Sirenenfähigkeit, um sie aus der Polizeiwache zu holen. In der Psychiatrie wird Fester in Bezug auf „Lois“ auf eine bestimmte Tür hingewiesen. Thornhill erkennt ihn allerdings und verrät der Psychiaterin Fairburn seine wahre Identität, woraufhin er mit dem Zombie eingesperrt wird. Hester sucht Morticia auf und erklärt, dass sie für die Schule spenden wird, wenn Wednesday das Buch zurückerhält. Morticia erklärt, bei der Familie keine Kompromisse einzugehen, und verbrennt das Buch. Auf dem Schulhof kommt es zu einer Krähenattacke. Wednesday verfolgt eine Kapuzengestalt und trifft im Musikraum auf die Musiklehrerin Capri und Doktor Fairburn, die sie beide verdächtigt. Wednesday bricht mit Agnes‘ Hilfe in die Psychiatrie ein. Sie holt ihren Onkel aus der Zelle, wobei der Zombie ebenfalls freikommt. Im folgenden Chaos befreit sich auch Thornhill. Wednesday und Fester durchqueren die Tür, die er identifiziert hat und finden heraus, dass „Lois“ ein Akronym für ein Forschungsprogramm ist, um normalen Leuten Fähigkeiten zu übertragen. Die vermeintlich toten Personen aus den Traueranzeigen werden hier festgehalten. Die Direktorin der Psychiatrie, Judi Stonehurst, hat so die Fähigkeit erhalten, Vögel zu kontrollieren. Sie bedroht Wednesday mit einer Pistole. Fester kann sie mit einer Blitzattacke ausschalten. Es kommt zu einem Stromausfall mit Massenflucht und Chaos. Wednesday befreit eine stille und harmlos wirkende Frau (Patient 1938) und nimmt sie mit. Der Zombie frisst die Gehirne mehrerer Personen. Thornhill befreit Tyler, der sie tötet, Wednesday aus einem Fenster schleudert und nach einem Gefecht mit der Polizei flieht. - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt33100417/
2.5 Leidiges Katz- und Mausspiel (Hyde And Woe Seek)
Wednesday liegt im Krankenhaus. In einem Traum präsentiert sich die frühere Schuldirektorin Weems als ihre neue Geistberaterin. Von den aus der Psychiatrie entflohenen Personen sind nur noch Tyler, Onkel Fester und der Zombie auf freiem Fuß. Bianca und Ajax verstecken Gabrielle in der Schule. Wednesday kocht nach einer Anleitung aus Thornhills Unterlagen ein Elixier, mit dem sie Tyler kontrollieren will. Enid will die Studentenvereinigung der Nightshades wiederbeleben, die vom Direktor aufgelöst wurde. Im Freizeitpark Pilgrim World frisst der Zombie Gehirne von Besuchern. Die Polizei, die eigentlich Nevermore bewachen wollte, fährt dorthin. Tyler klettert aufs Schulgelände. Die Nightshades locken ihn davon und Wednesday versucht, ihm das Elixier zu spritzen, was aber misslingt. Ein zweiter, weiblicher Hyde kommt hinzu, beide fliehen. Man erfährt, dass Patientin 1938 Francoise heißt und Tylers Mutter bzw. der weibliche Hyde ist. Der Zombie heißt Isaac und erhält durch den Verzehr von Gehirnen nach und nach seine ursprüngliche Gestalt zurück. In der letzten Szene verwandelt sich Enid in ihre Wolfsgestalt, obwohl kein Vollmond ist. - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt33100419/
2.6 Kenne deine Leiden (Woe Thyself)
Wednesday erfährt, dass Francoise und der Zombie Isaac Geschwister sind. Die Musiklehrerin Capri fragt nach Enids Verwandlung und erklärt, sie sei wohl ein Alpha-Werwolf. Francoise hat sich mit Tyler versteckt. Isaac kommt hinzu und erklärt, er könne mit einer Maschine in Willow Hill Francoises Hyde austreiben. Wednesdays hellseherische Fähigkeiten funktionieren nach wie vor nicht. Weem erklärt, sie solle sich deshalb mit ihrer Mutter gutstellen. Sie geht stattdessen zu Hester und die empfiehlt ihr den Grabstein der verstorbenen Lehrerin Rotwood, um temporäre Fähigkeiten zu erhalten, wo sie trotz Ausgangssperre nachts hingeht. Rotwood erklärt in einer Vision, Wednesday müsse ihre Hand über eine Kerze halten und dürfe sie auf keinen Fall verfrüht wegziehen. Enid erfährt, dass die Schlafräume kontrolliert werden, und hat Angst um ihren Tanzauftritt, falls herauskommt, dass Wednesday nicht da ist. Sie will ihre Mitbewohnerin daher zurückholen und zieht sie vom Grabstein weg. Als Wednesday ihre Hand verfrüht von der Kerze nimmt, werden die Körper der beiden vertauscht, was sie am nächsten Morgen bemerken. Beide verhalten sich für ihren Körper untypisch und fallen sofort auf. Zurück auf dem Friedhof versucht Wednesday (in Enid), herauszufinden, wie sie den Körpertausch beheben kann. Später findet Capri sie beim Cello Spielen und hält sie für Enid, weswegen Wednesday erfährt, dass Enid ein Alpha ist. Sie geht weiter zum Gästehaus, wo Rotwood in einer Statue erscheint und erklärt, dass nur bis zum nächsten Morgen Zeit ist, den Körpertausch rückgängig zu machen. Dazu müssten die beiden die innersten Geheimnisse der jeweils anderen verstehen. Enid (in Wednesday) liest in Wednesdays Romanmanuskript. Die Beschreibung der Figur, die ihr selbst entspricht, verärgert sie. Sie zieht sich bunt an und verhält sich in Wednesdays Körper Enid-typisch, was mit einem heftigen Ausschlag wegen Wednesdays Farballergie endet. Wednesday (in Enid) erwischt Bruno, Enids Freund, beim Telefonat mit einer zweiten Freundin, stellt ihn zur Rede und macht dann mit ihm Schluss. Agnes spricht mit Enid (in Wednesday), erzählt vom Schlussmachen mit Bruno und von der Vision von Enids Tod. Dann schlägt sie vor, Wednesday solle Enid die Freundschaft kündigen. Enid (in Wednesday) kündigt aber stattdessen Wednesdays Freundschaft mit Agnes. Als sie beim Abendessen mit den Addams ist, erscheint Weem Morticia, die schließlich den Körpertausch durchschaut. Agnes beobachtet, wie Isaac Professor Orloff tötet und die Energiequelle aus seinem fahrenden Untersatz entwendet. Sie versteckt sich im Kofferraum, als Isaac mit Tyler und Francoise nach Willow Hill fahren. Enid (in Wednesday) geht zum Werwolfskäfig, um ihre Freundin mit den Informationen zu konfrontieren, die diese ihr vorenthalten hat. Als Agnes anruft, wollen die beiden ihr helfen, obwohl sie sich um den Körpertausch kümmern müssten. In Willow Hill beobachten sie, wie Isaac die Maschine in Betrieb nimmt. Tyler erwischt die drei, aber Agnes macht sich unsichtbar und sabotiert die Maschine. Wednesday (in Enid), die sich in einen Wolf verwandelt hat, greift Tyler an. Die Maschine explodiert, beide Gruppen fliehen. Enid und Wednesday gehen auf den Friedhof und erklären am Grabstein, was sie über die jeweils andere gelernt haben, wodurch der Körpertausch rückgängig gemacht wird. Wednesday erfährt von Weem, dass in der Vision statt Enid nun jemand aus der Addams-Familie sterben würde. - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt33310267/
2.7 Das leidige Geld (Woe Me The Money)
Vor 15 Jahren in Florida: Der spätere Direktor Dort spricht den Barkeeper Arnold an. Die beiden beschließen, die Morning-Song-Bewegung zu gründen. Dort zieht im Hintergrund die Fäden, Arnold übernimmt die repräsentative Rolle des Gideon. In der Gegenwart findet Direktor Dort die versteckte Gabrielle und erpresst Bianca. Ajax schöpft Verdacht und warnt Wednesday und Enid vor Dort und Morning Song. Capri fragt Enid nach dem Ausbruch aus dem Werwolfskäfig und erklärt, als Alpha müsse sie sehr aufpassen, da sie sich sonst permanent in einen Wolf verwandeln könne und dann von ihren Artgenossen gejagt würde. Der Direktor spricht mit Hester und erklärt ihr, dass er die Schule ihr zu Ehren zum Teil in eine Totengräberschule umbauen wolle. Sie erklärt, dass sie keine Spende vorhat, aber Bianca kommt hinzu und zwingt sie mit der Sirenenfähigkeit, der Schule ihr ganzes Vermögen zu vermachen. Die gesamte Addams-Familie trifft Dort in seinem Büro. Hester erklärt, was sie mit ihrem Vermögen vorhat und äußert sich abfällig über Outcasts ohne Fähigkeiten. Wednesday konfrontiert Bianca und bezwingt sie in einem Fechtduell. Bianca erklärt ihr die Wahrheit über Morning Song und Dort. Zwar lässt sie Wednesday durch ihre Sirenenfähigkeit alles vergessen, aber Agnes, die unsichtbar mitgehört hat, gibt das Gespräch noch mal wieder. In Dorts Büro fordert Arnold seinen Anteil des Geldes aus den gemeinsamen Aktivitäten, woraufhin Dort ihn vor Biancas Augen verbrennt. Vor Enids Tanzperformance taucht überraschend Brunos zweite Freundin auf, woraufhin Enid ihn endgültig abserviert und Agnes als Tanzpartnerin annimmt. Während der Gala befreit Ajax Gabrielle. Enid und Agnes führen gemeinsam ihren Tanz auf. Da Agnes bei der Performance immer wieder unsichtbar wird, kann sie Dorts Schutzamulett entwenden. Bianca hält eine Ansprache, bittet Dort auf die Bühne und zwingt ihn, seine gesamten Machenschaften preiszugeben. Er bedroht anschließend Bianca mit einem Messer, um zu fliehen, aber Ajax versteinert ihn und er wird von einem herabfallenden Leuchter zertrümmert. Hester möchte Wednesday in den Sommerferien einladen. Wegen der abfälligen Äußerungen über Outcasts ohne Fähigkeiten fordert diese aber eine Entschuldigung bei Gomez und eine Spende in seinem Namen. Unterdessen entführt Isaac Pugsley, der am Friedhof abhängt. - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt33310268/
2.8 Das Leid hat begonnen (This Means Woe)
Die Polizei sucht nach Pugsley, verfolgt später aber falsche Fährten, die von Tyler gelegt wurden. Weem erklärt, dass Wednesday, Morticia und Hester sich vertragen und gemeinsam ihre hellseherischen Fähigkeiten nutzen müssen. Nachdem Wednesday so eine Vision erhält, müssen Gomez und Morticia erklären, was tatsächlich mit Isaac passiert ist. Damals hatte Gomez noch Blitz-Fähigkeiten und Isaac wollte ihn als Energiequelle nutzen, um Francoise den Hyde auszutreiben. Morticia verstand, dass Gomez dabei zu Tode kommen könnte und sabotierte die Maschine, die explodierte und Isaac tötete. Die beiden vergruben Isaac in dem Grab, das er für Gomez vorgesehen hatte. Wednesday erhält eine Nachricht von Isaac: Mitternacht am Schädelbaum. Sie versteckt Händchen mit einer geladenen Armbrust in einem Baum. Der Hinterhalt schlägt fehl, Isaac erklärt, dass Händchen seine Hand ist, und näht ihn an seinen Armstumpf, bevor er Wednesday lebendig begräbt. Agnes hat das Ganze beobachtet und holt Enid aus dem Werwolfs-Käfig. Entgegen allen Warnungen verwandelt sie sich gezielt, um Wednesday besser ausgraben zu können und läuft dann in Wolfsgestalt weg. Wednesday und Morticia konfrontieren Isaac auf dem Uhrturm, wo er das Labor wieder in Betrieb nimmt. Es kommt heraus, dass er und Francoise eigentlich Tylers Hyde austreiben wollen, weil die Hilfe für sie sowieso zu spät kommt. Als Energiequelle wollen sie Pugsley nutzen. Tyler bittet Wednesday, ihn zu töten, aber sie löst stattdessen seine Fesseln, bevor sie Pugsley von der Maschine trennt und diese zerstört. Tyler und Francoise bekämpfen sich in Hyde-Form. Als sie von einer Dachkante hängt, lässt sie sich absichtlich in den Tod stürzen. Die Addams appellieren an Händchen, der sich gegen Isaac wendet, ihm das mechanische Herz herausreißt und sich selbst von dessen Körper losreißt. Im Nachgang akzeptiert Tyler Capris Einladung, die ihm anbietet, in ein Rudel für Hydes zu kommen, Morticia gibt Wednesday das Tagebuch von Tante Ophelia, die man eingesperrt auf Hesters Anwesen sieht. Weem erklärt, sie werde nicht mehr gebraucht, weil Wednesday und ihre Mutter sich vertragen. Wednesday fährt mit Fester weg, um Enid zu retten, die als Werwolf von einer Wildkamera an der kanadischen Grenze gesichtet wurde. - 7,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Netflix
Poster/Artwork: Netflix

Dienstag, 10. März 2026

War Machine (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt15940132/

Soldat 81 (Alan Ritchson) trägt, genau wie seine Kollegen (u. a. Daniel Webber, Jack Patten, Joshua Diaz), nur eine Nummer. Von Sergeant Colonel Maj Sheridan (Dennis Quaid) werden sie nach einem harten Training in die finale Runde eines gnadenlosen Auswahlprozesses geschickt, deren Sieger eine neue Eliteeinheit formen sollen. Doch im unwegsamen Gelände einer ebenso bergigen wie bewaldeten Wildnis stoßen sie an einem Flusslauf völlig unvermittelt auf eine todbringende Überraschung: Ein gigantischer Kampfroboter wartet hier auf sie, um sie anzugreifen und zu dezimieren. Handelt es sich um Alien-Technologie oder um ein außer Kontrolle geratenes Militärexperiment? Oder ist es vielmehr der ultimative Test, durch den die Armee herausfinden will, wer das Zeug für den Job hat? Verzweifelt kämpfen 81 und die anderen Soldaten um ihr Überleben - und möglicherweise auch um das der gesamten Menschheit.

Netflix liefert mit seinem neuesten Action-"Kracher" "War Machine" einen sehr formelhaften, explosiven Sci-Fi-Action-Thriller, der die gnadenlose Auswahl von Soldaten ins US Army Ranger Regiment in einen Überlebenskampf gegen eine außerirdische Killer-Roboter-Maschine verwandelt - ein Konzept, das in den letzten 24 Stunden des Trainings von Training zu blutigem Gemetzel eskaliert. Alan Ritchson spielt Kandidat 81, einen traumatisierten Veteranen mit PTSD, der nach dem Verlust seines Bruders in Afghanistan (inklusive Silver Star) den Beitritt in die Eliteeinheit anstrebt und sein Trauma überwinden muss, um im Kampf zu bestehen. 

Regisseur Patrick Hughes liefert magere, aber teilweise auch propulsive Action mit beeindruckenden praktischen Stunts und immersiven Nahkämpfen, die man nachvollziehen kann - von Unterwasser-Übungen bis zu blutigen Roboterschlachten, unterstützt von dosierten computergenerierten Special Effects. Der Plot startet routiniert mit dem RASP-Training (Ranger Assessment and Selection Program), wo 81 sich isoliert, bevor der Roboter zuschlägt und Heldentode provoziert; es fühlt sich wie ein Throwback an Old-School-Action an, der mit Charisma und Tempo über formelhafte Schwächen hinwegtäuscht. Dennis Quaid als Sergeant Major Sheridan, Jai Courtney, Stephan James und Esai Morales füllen das Ensemble aus, doch Nebenfiguren bleiben austauschbar und undefiniert.

Ritchson trägt den Film mit seiner physischen Dominanz und unterdrückten Emotionen - ein Mann, der Gefühle verdrängt, bis der Roboter ihn zwingt, zu kämpfen; "War Machine" liefert damit gerade genug Inhalt, um nicht vollständig zu langweilen. Es ist kein tiefgründiges Drama, sondern ein popcorn-tauglicher Ritt, der erst beim Sci-Fi-Twist richtig zündet. Damit ist "War Machine" zwar mäßig unterhaltsam, aber nicht bahnbrechend - die VFX wackeln stellenweise, der Plot kratzt nur an der Oberfläche von Trauma und Kameradschaft. Dennoch: Für Netflix-Action-Fans ein solides Ding, der Ritchson als Leading Man festigt und mit blutigen Szenen, Heldenmomenten und Robotik-Wahnsinn erwartbar unspannend unterhält - bombastisch, formelhaft, aber mit Herzschlag. 

6/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Netflix

Montag, 9. März 2026

Kinds Of Kindness (2024)

https://www.imdb.com/de/title/tt22408160/

"Kinds Of Kindness" ist ein aus drei Episoden bestehender Anthologie-Film, wobei zwar in allen Abschnitten dieselben Schauspieler*innen mitspielen, diese jedoch jeweils andere Rollen verkörpern: Der erste Teil handelt von Robert (Jesse Plemons), der sich von seinem Boss (Willem Dafoe) alles vorschreiben lässt - was er isst, was er liest, wann und mit wem er Sex hat, wirklich alles eben. In der zweiten Episode kehrt die bei einer Forschungsreise verschollene und eigentlich schon totgeglaubte Liz (Emma Stone) doch noch nach Hause zurück - nur glaubt ihr Mann Daniel (Jesse Plemons) nicht, dass die Person neben ihm im Bett tatsächlich seine Frau ist. Im finalen Film machen sich die Sektenmitglieder Emily (Emma Stone) und Andrew (Jesse Plemons) im Auftrag ihrer Wasser-Gurus Omi (Willem Dafoe) und Aka (Hong Chau) auf die Suche nach einem neuen Heiland, der jedoch sehr spezielle Voraussetzungen erfüllen muss (die Fähigkeit, Tote erwecken zu können, ist nur eine davon)…

"Kinds Of Kindness" ist Yorgos Lanthimos in Reinform: ein bösartiger Witz über die menschliche Bedürftigkeit, der so lang, so konsequent und so unerbittlich ist, dass man zwischendurch vergisst zu lachen - bis man merkt, dass das Lachen längst im Hals stecken geblieben ist. Der Film ist eine als Triptychon-Fabel strukturierte Filmtrilogie, drei Geschichten, lose verbunden durch Motive, Schauspieler und Initialen, in denen Menschen alles tun, um geliebt, geführt oder gebraucht zu werden - selbst wenn es sie zerstört. Die drei Kapitel tragen programmatische Titel, die alle auf dieselbe unsichtbare Figur verweisen: R.M.F. Zur Story der einzelnen Geschichten:

"The Death of R.M.F.": Robert Fletcher (Jesse Plemons) ist ein Mann, der seinen freien Willen abgegeben hat wie andere ihren Autoschlüssel an der Garderobe. Sein Boss Raymond (Willem Dafoe) kontrolliert alles: Roberts Job, seine Wohnung, seine Ehe mit Sarah (Emma Stone), sogar die Tage, an denen sie Sex haben dürfen.  Als Raymond Robert bittet, einen Wagen zu rammen, um einen Mann zu töten, dessen Überleben Raymonds Pläne stört, gerät Roberts perfekt gesteuerte Welt aus der Bahn – nicht, weil der Auftrag unmoralisch wäre, sondern weil Robert zum ersten Mal überhaupt entscheiden muss, ob er sich weigern kann. 

"R.M.F. is Flying": Im zweiten Segment spielt Plemons einen Polizisten, dessen Ehefrau Liz (Stone) nach einem mysteriösen Verschwinden plötzlich wieder auftaucht.  Sie sieht aus wie Liz, spricht wie Liz, weiß alles über ihr früheres Leben – und doch ist er überzeugt, sie sei eine Doppelgängerin, eine Art Invasorin, die seine vertraute Welt gekapert hat.  Die Geschichte driftet in paranoiden Body-Horror: Tests, Erniedrigungen, misstrauische Rituale, bis klar wird, dass es weniger um die Frage geht, wer Liz ist, sondern darum, dass er die Kontrolle über das Bild seiner Frau zurückerlangen will. 

"R.M.F. Eats A Sandwich": Im letzten Teil folgen wir einer kultartig organisierten Gruppe, die davon überzeugt ist, eine "Auserwählte" zu finden: eine Frau, die Tote wieder zum Leben erwecken kann.  Emma Stone spielt hier eine fanatisch suchende Anhängerin, die um Anerkennung und Zugehörigkeit kämpft, während Dafoe als spiritueller Führer und Margaret Qualley als schillernde Mit-Jüngerin agieren.  Die Suche nach dem Wundertäter wird zur Eskalation von Prüfungen, Demütigungen und Gewalt - eine Sektenlogik, in der "Freundlichkeit" bedeutet, jemandem zu erlauben, sich vollends für dich zu opfern.

Diese drei Geschichten sind nicht narrativ im klassischen Sinne verbunden, aber sie kreisen alle um dieselbe Frage: "Wie weit gehen Menschen, um geliebt und akzeptiert zu werden?"


Der Titel "Kinds Of Kindness" klingt sanft, fast harmlos; der Film ist das Gegenteil. In allen Episoden wird die titelgebende Freundlichkeit zur Währung der Macht, zur Waffe: der Boss, der für einen sorgt, die Ehe, die vermeintlich Schutz bietet, die Gemeinschaft, die einem einen Platz gibt. Im ersten Teil ist Freundlichkeit das vermeintliche Geschenk totaler Führung: Raymond nimmt Robert jede Entscheidung ab - Beruf, Partnerin, Alltag -, und verkauft das als Fürsorge. Die wahre Gewalt liegt nicht in seinem Mordauftrag, sondern in der Tatsache, dass Robert ohne ihn nicht weiß, wer er ist. Im zweiten Teil kippt das alles ins Intime: Die Ehe wird zum paranoiden Vertrag, in dem Liebe nur noch als Besitzanspruch existiert. Liz darf nicht sie selbst sein, sondern muss exakt die Projektion verkörpern, die ihr Mann verlangt - sonst wird sie zur Feindin. Im dritten Teil wird Freundlichkeit letztlich religiös: Der Kult verspricht Erlösung, Wiedergeburt, Sinn - aber nur, wenn sich Personen bedingungslos unterwerfen, und Körper, Leben und Moral abgeben. 

Lanthimos teilt die Menschheit ganz unverblümt in diejenigen, die ficken, und diejenigen, die gefickt werden  - Chefs und Angestellte, Gurus und Jünger, Eheleute, Eltern, Liebende. Die vermeintlichen Arten der Freundlichkeit (so die sinngemäße deutsche Übersetzung des Titels) sind in Wahrheit Spielarten derselben Dynamik: Dominanz und Komplizenschaft, Sadismus und freiwilliger Masochismus. 


Nach den barock überbordenden Welten von "The Favourite" und "Poor Things" wirkt „Kinds of Kindness“ fast asketisch. Lanthimos kehrt hier zu seinen Wurzeln mit geringem Budget und hohem Konzept zurück: nüchterne Räume, banale Büros, Motelzimmer, Parkplätze - Schauplätze, in denen das Absurde nicht durch Ausstattung, sondern durch Verhalten ins Bild kommt. Die Kamera von Robbie Ryan bleibt oft auf Distanz, beobachtet frontal oder mit leicht versetzter, fast dokumentarischer Kälte, während Lanthimos' Trademark-Dialoge - trocken, repetitiv, absichtlich falsch betont - die Figuren in eine emotional entkernte Zone schieben. Damit ist "Kinds Of Kindness" visuell weniger opulent als beispielsweise "Poor Things", dafür aber umso gnadenloser in seiner Tonlage, die den Zuschauer eher auslaugt als verführt. Doch genau darin liegt aber seine Kohärenz: Die Welt ist gewöhnlich, die Handlungen sind extrem - und das Extreme wirkt umso schärfer, weil es in Wohnungen, Büros und im Diner verankert ist, also in Dingen, die man die wir zu kennen glaubt. 

Wie schon in  "The Favourite" und "Poor Things" verlässt sich Lanthimos auf ein Ensemble, das bereit ist, jede Würde an der Garderobe abzugeben. Jesse Plemons spielt in allen drei Teilen Variationen desselben Mannes: passiv, hungrig nach Führung, latent gefährlich. In Cannes wurde er dafür mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet - zu Recht, denn er macht aus minimalen Regungen ganze seelische Landschaften.  In "The Death Of R.M.F." ist er die perfekte Laborratte, im zweiten Segment ein Mann, der aus seiner Unsicherheit Terror macht, im dritten ein Suchender am Rand des Kults. Emma Stone beugt sich Lanthimos' Masochismus mit sichtbarer Lust: als gehorsame Ehefrau, als möglicherweise falsche Liz, als fanatische Kultanhängerin, die ihre eigene Identität unter Gläubigkeit begräbt.  Stone ist hier weniger grotesk-überzeichnet wie in "Poor Things", sondern eine wandelnde Wunde - bereit, sich in jeder Episode neu zu deformieren, emotional wie körperlich. Willem Dafoe, Margaret Qualley, Hong Chau, Joe Alwyn und Mamoudou Athie variieren von Episode zu Episode ebenfalls ihre Rollen: mal Autorität, mal Opfer, mal verführerisches Phantom. Gerade Dafoe verkörpert den Archetyp des Lanthimos-Gurus: ruhig, freundlich, mit einem Unterton, der sagt: Du wirst dich selbst zerstören - und du wirst mir dankbar dafür sein.


Das wiederkehrende Ensemble unterstreicht die Aussage des Films: Die Geschichten sind getrennt, aber es fühlt sich an, als würde man dieselben Seelen in leicht veränderten Hüllen beobachten, gefangen in immer neuen Variationen der Abhängigkeit. "Kinds Of Kindness" steht deutlich näher bei "Dogtooth" und "The Lobster" als bei "Poor Things": weniger märchenhaft, mehr chirurgisch, weniger weltbildend, mehr experimentell. Es geht um Systeme, Familie, Arbeit, Ehe, Religion, in denen Menschen sich missbrauchen lassen, weil das Gefühl, geführt zu werden, angenehmer ist als die Zumutung der Freiheit. In 164 Minuten zeigt "Kinds Of Kindness" seine Unnachgiebigkeit: drei Variationen desselben Themas, immer neue, manchmal bewusst sadistische Prüfungen für Figuren, die selten Sympathie im klassischen Sinn einlösen. Und irgendwann im Film hat man das Gefühl, dass man hier nicht mit den Figuren mitleidet, sondern längst Komplize einer Versuchsanordnung, die einen unweigerlich in die Beobachterrolle drängt. 

Doch vielleicht liegt man auch irgendwo dazwischen. "Kinds Of Kindness" ist eine Studie in masochistischer Hingabe - der Figuren an ihre Herren, der Zuschauer an den Regisseur. Lanthimos suggeriert, dass falsche Liebe und falsche Götter eine Leerstelle hinterlassen haben, in der Menschen jede Art von Herrschaft akzeptieren, solange sie ihnen Bedeutung verspricht. Es ist kein freundlicher Film, aber ein ehrlicher über das Unbehagen, das man spürt, wenn man merkt, wie viel des eigenen Lebens von diesem Tauschgeschäft abhängt. "Kinds Of Kindness" ist kein Film, den man für einen netten, unterhaltsamen Abend empfiehlt. Es ist ein Film, den man jemandem zumutet, der bereit ist, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, was er alles tun würde, um jemandem zu gehören - oder selbst jemandem zu gehören. In dieser Hinsicht ist "Kinds Of Kindness" eine besonders morbide Version der Erkenntnis: Sie zeigt einem nicht, wie gut man sein könnte, sondern wie weit man sich verbiegt, nur um nicht allein dazustehen. 

7/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Searchlight Pictures/Film4/Element Pictures

Sonntag, 8. März 2026

GOAT - G.O.A.T.: Bock auf große Sprünge (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt27613895/

Will (Stimme im englischen Original: Caleb McLaughlin) träumt davon, mehr zu sein als nur ein gewöhnlicher Ziegenbock. Als sich ihm die Gelegenheit bietet, Teil eines Profiteams im Roarball zu werden – einem schnellen, körperbetonten Sport, der von starken und furchteinflößenden Tieren beherrscht wird – steht er plötzlich vor seiner größten Herausforderung. Im Team trifft er auf skeptische Mitspieler, die sich schwer damit tun, ausgerechnet einem kleinen Neuling wie ihm zu vertrauen. Doch Will lässt sich nicht entmutigen. Mit Mut, Ausdauer und einer ordentlichen Portion Ehrgeiz will er zeigen, dass wahre Größe nicht von der Statur abhängt.

"G.O.A.T.: Bock auf große Sprünge" ist der neueste Animationsfilm von Sony Pictures Animation, der sich als energiegeladener Sportfilm entpuppt, in dem ein kleiner Ziegenbock namens Will Harris gegen die Eliten eines brutalen Basketball-ähnlichen Sports namens Roarball antritt. Regie führte Tyree Dillihay, mit Stimmen von Caleb McLaughlin als Will, Gabrielle Union und anderen, in einer Laufzeit von rund 100 Minuten, die sich wie eine Trainingsmontage anfühlt: schnell, schweißtreibend, aber letztlich vorhersehbar. Es ist ein Film, der seine Zuschauer - vor allem die Jüngeren - mit rohem Tempo und tierischem Humor bei der Stange halten will, doch ihm fehlen jene Momente der Stille, die eine echte emotionale Bindung schaffen könnten.


Die Story folgt dem klassischen Underdog-Muster: Der schmächtige Ziegenbock Will schließt sich einem Profiteam aus den viel mächtigeren Giraffen, Komodowaranen und Sträußen an, die ihn zunächst verachten, bis er durch Cleverness und Teamgeist siegt. Wie in vielen Sportfilmen gibt es Trainingssequenzen, Konflikte und einen Showdown, doch die Dramaturgie bleibt formelhaft, ohne echte Überraschungen oder nuancierte Motivationen. Die Figuren aber sind das Herzstück des Films: überzogene, spleenige Typen wie der großspurige Komodowaran oder der stoische Trainer sorgen für Lacher und emotionale Anker, auch wenn ihr Humor oft auf Körperkomik und Tierklischees setzt. 


Sony Pictures Animation glänzt hier erneut mit einem mutigen, dreckigen Stil, der bewusst von Disney/Pixars glatter Perfektion abweicht: verwaschene Texturen, unruhige Kamerafahrten, Split-Screens und Zeitlupen in Actionsequenzen erzeugen eine rohe, live-action-ähnliche Energie, die beispielsweise Verfolgungsjagden atemberaubend macht. Die Tierwelt fühlt sich lebendig an - Größenunterschiede, Fellstrukturen und urbane Settings vermitteln Regeln intuitiv, ohne weitere Exposition. "G.O.A.T.: Bock auf große Sprünge" erinnert in Teilen an "Spider-Man: Into The Spider-Verse", wo Innovation die Form vorantreibt. Leider ermüdet das sehr hohe Tempo auf Dauer, da wirkliche Ruhephasen fehlen.


"G.O.A.T.: Bock auf große Sprünge" leiht sich ganz offensichtlich von Disneys "Zoomania" die anthropomorphe Tierwelt mit Hierarchien zwischen kleinen und großen Tieren, inklusive des Außenseiters, der das etablierte System herausfordert - dort ein Hasen-Polizist gegen Vorurteile, hier eine Ziege gegen Sporteliten. Während aber "Zoomania" satirisch Vorurteile dekonstruiert und mit cleverem Plot-Twist glänzt, bleibt "G.O.A.T.: Bock auf große Sprünge" bei oberflächlichen Botschaften zu Teamwork und Selbstvertrauen, ohne wirklichen Biss. Die Stärken liegen eindeutig auf dem Figurenensemble und der hohen Gagdichte;  der Film opfert dafür emotionalen Tiefgang und verlässt sich eben auf die altbewährte Formel. Ist das schade? Ja. Macht des trotzdem Spaß? Auch ja. Der Film ist nämlich definitiv unterhaltsam (vor allem für Kids), aber kein Meilenstein.


Insgesamt verdient "G.O.A.T.: Bock auf große Sprünge" aber ein positives Ergebnis: Es überzeugt durch visuelle Wucht und Charme, scheitert aber an mangelnder Substanz. Für Familien ein Hit, für Erwachsene ein netter Zeitvertreib - doch wer bereits "Zoomania" (und dessen Sequel, sowie das darin enthalten Worldbuilding und die Vielfalt an quietschbunten Figuren und Charakteren liebt, vermisst vielleicht den letzten Kick, findet sich aber dennoch schnell in dieser unterhaltsamen, wenngleich altbekannten Geschichte wieder.

7/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Sony

Samstag, 7. März 2026

The Bride! - The Bride!: Es lebe die Braut (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt30851137/

Chicago in den 1930er-Jahren: Frankensteins Monster (Christian Bale), stets von schier unendlicher Einsamkeit gequält, sucht die Hilfe der rätselhaften Dr. Euphronius (Annette Bening). Der innigste Wunsch des Monsters: eine Gefährtin, die an seiner Seite steht. Gemeinsam machen sich die beiden also an ein düsteres Werk - sie wählen eine Frau als Opfer aus und bringen ihren Leichnam (Jessie Buckley) mit wissenschaftlicher Raffinesse zurück ins Leben. Was zunächst als grausames Experiment beginnt, verwandelt sich schon bald in eine leidenschaftliche Liebesgeschichte zwischen dem Monster und seiner wiedergängerischen Braut. Doch die ungewöhnliche Romanze bleibt nicht unentdeckt: Schon bald setzt die Polizei alles daran, das ungleiche Paar zu jagen - und ihre Liebe muss sich einer gefährlichen Bewährungsprobe stellen...

Das Remake des Monsterfilmklassikers "Frankensteins Braut" aus dem Jahre 1935 ist weniger ein Remake als eine Art kommentierende Antwort auf "Frankensteins Braut" - und stellt die Figur, die 1935 kaum drei Minuten sprechen durfte, radikal in den Mittelpunkt. Regisseurin Maggie Gyllenhaal inszeniert ein lautes, exzessives Horror-Musical, das James Whales elegantes Gothic-Märchen nicht nur erneuern oder gar ersetzen, sondern hinterfragen will: Was wäre, wenn die Braut sich weigert, Projektionsfläche zu bleiben? "The Bride!: Es lebe die Braut" verlegt die Geschichte in die 1930er Jahre, zwischen Speakeasies, Großstadtneon und Monster-Mythos: Frank - ein von Doktor Frankenstein erschaffenes, lustvolles Monster - sucht in New York die Wissenschaftlerin Doktor Euphronious auf, um eine Gefährtin zu finden. Durch einen Zufall exhumieren sie Ida, eine junge Frau, die zuvor in einem Chicagoer Nachtclub die Aufmerksamkeit von Mary Shelley selbst auf sich zog - als Geistfigur, die "noch so viel mehr hätte sagen wollen" als in ihrem Roman. Ida wird zur Braut, und zwischen ihr und Frank entspinnt sich eine wilde, anarchische Romanze, während Polizei und Öffentlichkeit auf dieses "unmögliche" Liebespaar reagieren und ein radikaler sozialer Aufruhr entsteht. 

Formell baut Gyllenhaal auf opulente Ausstattung, IMAX-Bilder von Kameramann Lawrence Sher und große Musicalnummern - ein bewusst großes Studioprojekt mit einem Budget um 80 Millionen Dollar.  Hildur Guðnadóttir komponiert die Musik, unterstützt von Fever Ray, was den Film klar in eine zeitgenössische, experimentell-poppige Klangwelt versetzt, weit entfernt von den klassisch-romantischen Horror-Scores der 1930er. James Whales "Frankensteins Braut" war schon 1935 weniger simples Sequel als makaber-ironischer Kommentar auf die Figur des Monsters und auf religiöse wie gesellschaftliche Moralvorstellungen seiner Zeit. Elsa Lanchesters Braut erscheint erst am Schluss, ist visuell ikonisch - die ikonische, hochstehende Frisur mit dem weißen seitlichen "Blitz", der bandagierte Körper - aber dramatisch fast stumm, ein Geschöpf, das sich vor dem Monster entsetzt und im Finale gemeinsam mit ihm vernichtet wird.  Die eigentliche Hauptfigur ist das Monster selbst, tragisch und kindlich, während die Braut zur Pointe einer tragischen Groteske wird.   

Gyllenhaal knüpft genau hier an: Sie nimmt eine Figur, die in der Filmgeschichte als Bild existiert, aber nie als Subjekt, und fragt: Was geht in dieser Kreatur vor, wenn sie nicht sofort "Nein" sagt und im Labor explodiert - sondern lebt, liebt, denkt? Gyllenhaal macht damit das, was man locker als "Punkrock-Horror-Story" beschreiben könnte: Sie dreht die Blickrichtung um, von der Frage "Bekommt das Monster seine Frau?" hin zu "Was, wenn diese Frau das System zerlegt, das sie erschaffen hat?"  Wo Whale noch tief im Produktionskodex, in Zensur und in heteronormativen Konventionen verankert war, erlaubt sich "The Bride!: Es lebe die Braut" offene Sexualität, queere und feministische Untertöne und einen expliziten politischen Gestus - inklusive der Entscheidung, Gewaltspitzen in der Postproduktion wieder zurückzunehmen, weil der Film nicht zum reinen Schockkino werden soll.

Jessie Buckley trägt den neuen Film mit einer Dreifachrolle: als Ida, als reanimierte Braut und als Mary Shelley - eine Entscheidung, die die Autorin selbst als Figur in das Geflecht von Schöpferin, Kreatur und Legende einbindet. Christian Bale spielt Frank, das Monster, diesmal weniger stumm-tragisch als charismatischer, aber gefährlicher Außenseiter, dessen Wunsch nach Liebe immer wieder in Besitzanspruch kippt. Annette Bening als Dr. Euphronious und Penélope Cruz als Myrna Mallow geben dem Ensemble zusätzliche Gravitation; Jake Gyllenhaal und Peter Sarsgaard ergänzen das Panorama derjenigen, die von der "neuen Frau" fasziniert, verängstigt oder bedroht sind. Im Originalfilm von 1935 war Elsa Lanchester gleichzeitig Mary Shelley und die Braut - aber die Mary-Shelley-Szene diente hauptsächlich dazu, den Film literarisch zu rahmen. Gyllenhaal greift diese Doppeldeutigkeit sichtbar auf und radikalisiert ihn: Wenn Buckley wiederum Mary Shelley spielt, wird die Autorin zur inneren Stimme der Braut - eine Art Selbstkorrektur der eigenen Geschichte, die damals unausgesprochen blieb. 

"The Bride!: Es lebe die Braut" ist weniger daran zu messen, ob sie dem Original gerecht wird, sondern daran, ob sie eine eigene moralische und emotionale Wahrheit findet. Der Film versucht nicht, Whales Meisterwerk zu übertreffen; er versucht, mit ihm zu sprechen. Er nimmt die ikonische Stummheit der Braut, füllt sie mit Gesang, Wut und Humor - und riskiert damit Überladung, Kitsch, vielleicht sogar den Vorwurf der Radikalität auf Bestellung. Aber genau dieses Risiko gehört immer auch zum lebendigen Kino: Wenn ein Film mit einem so kanonischen Text ringt, kann er abstürzen oder etwas Neues freilegen. "Frankensteins Braut" bleibt das fein geschnitzte, ironisch-melancholische Kleinod der Universal-Ära. "The Bride!: Es lebe die Braut" ist nun seine laute Enkelin, die mit Neonlicht, Choreografien und wütenden Liebesliedern in denselben Saal stürmt und schreit: "Ich war damals nur eine Pointe. Jetzt erzähle ich meinen eigenen Film!"

6,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/ArtworkWarner Bros./First Love Films/In The Current Company

Donnerstag, 5. März 2026

Possession (1981)

https://www.imdb.com/de/title/tt0082933/

Der Agent Mark (Sam Neill) erledigt für die Regierung verschiedene, diskrete Angelegenheiten, die ihn oft mit einem Koffer voller Geld für einige Tage an weit entfernte Orte führen. Als er eines Tages von einem Auftrag zurückkehrt, bittet ihn seine Frau Anna (Isabelle Adjani) ohne Angabe von Gründen um die Scheidung. Obwohl Mark die Ehe lieber retten würde, stimmt er der Scheidung zu und überlässt Anna das Sorgerecht für ihren gemeinsamen Sohn Bob (Michael Hogben) und das Apartment. Doch er kann nicht loslassen. Er entwickelt eine Sehnsucht nach ihr, die bald in eine Obsession umschlägt. Als er Annas Apartment aufsucht, findet er nur den vernachlässigten Sohn vor. Von einer Freundin Annas erfährt er schließlich, dass diese sich schon seit Längerem sehr merkwürdig verhält und des Öfteren für einige Zeit unauffindbar ist. Nach und nach dämmert Mark, dass mit Anna etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist...

"Possession" ist kein Horrorfilm im üblichen Sinn, sondern ein fiebriger Albtraum aus einer Ehe, die buchstäblich auseinanderfetzt - ein Werk, das so roh und überwältigend ist, dass man sich fühlt, als würde man ein privates Inferno belauschen. Regisseur Andrzej Żuławskis radikales Meisterwerk aus dem geteilten Berlin fühlt sich an wie ein Nervenzusammenbruch, den man miterlebt - ein Film, der Ehekrisen nicht psychologisiert, sondern in pure, körperliche Agonie verwandelt. Ein Film, der erst nach zwei Stunden endet, aber tagelang nachhallt; es ist das Kino als Schreikabine, in dem Isabelle Adjani und Sam Neill eine Beziehung auseinandernehmen, bis nur noch Schleim und Doppelgänger übrigbleiben.  

Mark (Sam Neill), ein Spion, kehrt nach langem Auslandaufenthalt in seine Berliner Wohnung zurück und findet seine Frau Anna (Isabelle Adjani) verändert: Sie will sich scheiden lassen, schläft mit dem esoterischen Heinrich (Heinz Bennent) und zieht schließlich in eine schimmlige Sublet-Wohnung um die Ecke, wo sie etwas Unaussprechliches verbirgt.  Was als banales Beziehungsdrama beginnt - endlose Streitereien, Schuldzuweisungen, das Kind Bob als stummer Zeuge -, eskaliert rasch in Body Horror: Anna erleidet in einer U-Bahn-Station eine blutige Ekstase, tanzt wie von Furien besessen, und aus ihrer Wohnung kriecht ein tentakelbewehrtes Geschöpf, das sie nährt und liebt. Was als Scheidungskrise beginnt, eskaliert in Hysterie, Tentakelungeheuer und Doppelgänger, bis die gesamte Realität zerbricht. 

Żuławski filmt die erste Stunde wie einen Krieg der Geschlechter: er dreht mit Handkamera durch enge Berliner Treppenhäuser und U-Bahnen, schafft Klaustrophobie ohne Effekte - nur mit Schauspielern, die explodieren und Schreien, die durch graue Treppenhäuser hallen. Bruno Nuyttens Licht fängt Schatten wie lebende Wesen ein, Andrzej Korzyńskis Score mischt dissonante Streicher mit sakralen Chören, und die berüchtigte U-Bahn-Szene mit Adjani wird zur Achse des Films: Sie spuckt Blut, verliert eine Fehlgeburt und tanzt sich in Trance - ein Moment purer physischer Katharsis, der an die Ekstase-Filme von Pasolini erinnert. Carlo Rambaldis Tentakelmonster, ein schlaffer Phallus aus Schleim und Tentakeln, ist keine CGI-Farce, sondern eine greifbare Metapher für unterdrückte Triebe, die ausbrechen. Isabelle Adjani gewann für ihre Anna den César als beste Darstellerin - und das völlig zu Recht: Sie ist Raserei, Verführung und Wahnsinn in einem, eine Frau, die ihre Besessenheit nicht nur spielt, sondern lebt; ihre Schreie durchschneiden den Zuschauer wie Glasscherben. Sam Neill kontert als Mark mit unterdrückter Wut, die in Paranoia kippt; sein langsamer Zerfall, vom kontrollierten Spion zum zitternden Wrack, ist ebenso fesselnd. Adjani und Neill spielen mit einer nie dagewesenen Intensität; ihre Szenen sind so körperlich, dass man die Erschöpfung spürt. Heinz Bennent und Margit Carstensen ergänzen als Heinrich und Helen, die voyeuristische Umwelt, die das Chaos beobachtet.

"Possession" ist keine Allegorie mit Lösung, sondern ein fiebriger Blick auf das Scheitern: Die Ehe als Labor, in dem Menschen mutieren, Besessenheit als Flucht vor der Langeweile des Alltags, Berlin als Kulisse kalter Teilung. Ein Film, der nicht erklärt, sondern überwältigt, und dadurch tiefer ins Bewusstsein sickert als rationale Analysen. In Zeiten von Paartherapie wirkt er radikaler denn je: Was, wenn Liebe nicht heilt, sondern zerstört? "Possession" ist definitiv kein gemütlicher Horrorabend, sondern ein Trauma auf Zelluloid - 127 Minuten, die man erleidet und nie vergisst. 

8/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/ArtworkGaumont/Oliane Productions/Marianne Productions/Soma Film Produktion