Samstag, 7. November 2026

Raging Grace (2023)

https://www.imdb.com/de/title/tt14946978/
https://letterboxd.com/film/raging-grace/

Joy (Max Eigenmann), eine philippinische Einwanderin ohne Papiere, will das Beste für ihre Tochter. Sie kann es gar nicht glauben, als sie den perfekten Job bekommt. Sie kümmert sich um einen extrem reichen, aber sehr alten Mann, der vermutlich bald sterben wird. Die neue Stelle wird gut bezahlt und garantiert ihnen ein Dach über dem Kopf. Doch schon bald merken Joy und ihre Tochter Grace (Jaeden Paige Boadilla), dass nicht alles so ist, wie es scheint. Etwas brodelt unter der Oberfläche und bedroht alles, wofür sie gearbeitet haben...

Eine gute Arbeitsstelle, ein prachtvolles Herrenhaus und ein schwer kranker Patient - für Joy scheint sich endlich eine Tür zu einem besseren Leben zu öffnen. Doch in Paris Zarcillas Spielfilmdebüt "Raging Grace" lauert hinter der vermeintlichen Rettung ein düsteres Geheimnis. Der Film verbindet Gothic Horror mit einer Geschichte über Rassismus, soziale Ungleichheit und die prekäre Situation undokumentierter Migrantinnen. Das ist ambitioniert und atmosphärisch, geht aber nicht immer überzeugend auf. Visuell überzeugt "Raging Grace" mit dunklen Räumen, unheimlichen Perspektiven und einer beklemmenden Atmosphäre. Das Herrenhaus wird zum klaustrophobischen Labyrinth, in dem jede Tür ein weiteres Geheimnis versprechen könnte. Auch der zurückhaltende, dröhnende Sound unterstützt das Gefühl ständiger Bedrohung. Zarcilla versteht es, Spannung langsam aufzubauen und die Machtverhältnisse innerhalb des Hauses geschickt zu verschieben. Allerdings greift er dabei mitunter zu oft auf bekannte Horror-Motive und vorhersehbare Schreckmomente zurück. Wirklich gruselig wird der Film seltener, als seine Inszenierung verspricht.

Seine größte Stärke ist ohnehin die gesellschaftliche Ebene. Joy muss nicht nur um ihre Tochter und ihren Arbeitsplatz fürchten, sondern sich auch gegen die Geringschätzung und Ausbeutung durch wohlhabende Arbeitgeber behaupten. Der Horror wirkt dadurch wie eine zugespitzte Fortsetzung realer Machtverhältnisse: Wer über Geld und gesellschaftlichen Status verfügt, bestimmt, wer gesehen, gehört und als Mensch ernst genommen wird. Auch die koloniale Vergangenheit Großbritanniens und die Abwertung philippinischer Kultur spielen eine wichtige Rolle. Mitunter drängt Zarcilla diese Botschaften allerdings so deutlich in den Vordergrund, dass Figuren und Handlung etwas konstruiert wirken. Im letzten Drittel verliert der Film stellenweise sein gutes Gespür für Zwischentöne. Das Melodramatische nimmt zu, manche Wendung wirkt überzogen, und der Horror erreicht nicht immer die Intensität, die der Aufbau erwarten lässt. Trotzdem bleibt "Raging Grace" ein interessantes Debüt mit starken Hauptdarstellerinnen, einer eindringlichen Atmosphäre und einem gesellschaftlichen Anliegen, das weit über die üblichen Spukhausgeschichten hinausgeht.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Last Conker

ゴジラ-0.0 - Gojira Mainasu Zero - Gojira -0.0 - Godzilla Minus Zero (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt34384661/
https://letterboxd.com/film/godzilla-minus-zero/

Zwei Jahre nach den Ereignissen von "Godzilla Minus One" versucht sich Japan im Jahr 1949 mühsam vom Krieg und den verheerenden Folgen von Godzillas erstem Angriff zu erholen. Kōichi Shikishima (Ryûnosuke Kamiki) und Noriko Shikishima (Minami Hamabe) versuchen gemeinsam, sich in dem zerstörten Nachkriegsjapan ein neues Leben aufzubauen. Doch die fragile Hoffnung auf einen Neuanfang wird jäh zerstört, als erneut eine gewaltige Bedrohung über das Land hereinbricht. Unterstützung erhalten sie unter anderem von Kenji Noda (Hidetaka Yoshioka), der inzwischen das neu eingerichtete Disaster Response Bureau leitet, sowie von Shirō Mizushima (Yuki Yamada) und Seiji Akitsu (Kuranosuke Sasaki), die bereits im Vorgänger gemeinsam mit Shikishima gegen die Bedrohung kämpften. Godzilla kehrt zurück und droht die mühsam wiederaufgebaute Hoffnung des Landes endgültig zu zerstören. Für Kōichi und die Menschen um ihn herum beginnt ein neuer Kampf ums Überleben - und zugleich ein Kampf darum, ob Japan nach Krieg und Zerstörung überhaupt noch eine Zukunft haben kann...

Nach dem überraschenden Erfolg von "Godzilla Minus One" stand Regisseur Takashi Yamazaki vor einer schwierigen Aufgabe: Wie lässt sich ein Film fortsetzen, der Monsteraction, menschliches Drama und die Verarbeitung historischer Schuld so überzeugend miteinander verbunden hat? "Godzilla Minus Zero" liefert eine imposante Antwort, erreicht aber nicht ganz die emotionale Geschlossenheit seines Vorgängers. Zwei Jahre nach den Ereignissen des ersten Films versucht der ehemalige Kamikaze-Pilot Kōichi Shikishima (Ryūnosuke Kamiki), mit seiner Frau Noriko (Minami Hamabe) und der gemeinsamen Tochter Akiko ein normales Leben aufzubauen. Doch eine neue, monströse Bedrohung stürzt Japan erneut ins Chaos. Während Wissenschaftler und Militär nach einer Lösung suchen, wird auch Godzilla wieder zum entscheidenden Faktor im Überlebenskampf. 

Wie schon beim Vorgänger liegt die eigentliche Stärke nicht allein im titelgebenden Monster, sondern in den Menschen, die mit den Folgen seiner Zerstörung leben müssen. Yamazaki verankert die Geschichte erneut im Japan der Nachkriegszeit und verbindet den Kampf gegen die Kaijū mit Fragen nach Schuld, Verlust und gesellschaftlicher Verantwortung. Besonders interessant ist die Skepsis gegenüber politischen und militärischen Institutionen, deren Streben nach strategischer Überlegenheit nicht zwangsläufig dem Schutz der Bevölkerung dient. Godzilla bleibt dabei mehr als ein spektakuläres Ungeheuer: Er verkörpert die unkontrollierbare Gewalt, die aus menschlichen Machtfantasien und nuklearen Ängsten erwächst. Allerdings wiederholt der Film viele Motive aus "Godzilla Minus One". Wo der Vorgänger die traumatischen Erfahrungen seiner Figuren noch eindrucksvoll aufarbeitete, muss die Fortsetzung neue Schicksale und Konflikte etablieren, die nicht immer dieselbe emotionale Tiefe erreichen.

Darstellerisch funktioniert das Ensemble dennoch gut. Ryūnosuke Kamiki verleiht Kōichi erneut eine Mischung aus innerer Zerrissenheit und entschlossenem Überlebenswillen. Minami Hamabe ergänzt ihn als Noriko, deren eigene Erfahrungen die familiäre Geschichte um zusätzliche Spannung bereichern. Die Rückkehr vertrauter Figuren schafft Kontinuität, während neue Charaktere weitere Perspektiven auf die gesellschaftlichen Folgen der Katastrophe eröffnen. Allerdings bleiben einige Nebenfiguren eher skizzenhaft; ihre individuellen Traumata und Beweggründe dienen mitunter mehr der Dramaturgie als einer wirklich differenzierten Charakterzeichnung. Die Darsteller spielen ihre Rollen mit großer Ernsthaftigkeit, doch nicht jede emotionale Zuspitzung entfaltet die gewünschte Wirkung.

Inszenatorisch legt Yamazaki noch einmal eine Schippe drauf. Die Zerstörungssequenzen sind gewaltig, die Kreatureneffekte beeindruckend und die Action deutlich abwechslungsreicher als in vielen konventionellen Monsterfilmen. Besonders eine spektakuläre Luftkampfsequenz zeigt, wie geschickt der Regisseur Perspektive, Bewegung und Gefahr miteinander verbindet. Auch die neue Bedrohung sorgt für visuell einprägsame Momente, während Godzillas Auftritte erneut eine Mischung aus Ehrfurcht und blankem Entsetzen erzeugen. Die visuellen Effekte sind dabei nicht bloß Selbstzweck, sondern vermitteln die Dimension der Katastrophe. Kameraführung, Montage und Sounddesign tragen wesentlich zur Wucht der Szenen bei. Der orchestrale Score unterstreicht die Tragik und Größe des Geschehens, ohne jede Szene unnötig zu überhöhen. Mit rund 135 Minuten ist der Film allerdings spürbar länger als sein Vorgänger, und nicht jede Passage rechtfertigt den zusätzlichen Umfang.

Auch die Härte wurde erhöht. Die Zerstörung wirkt brutaler, die menschlichen Verluste werden deutlicher gezeigt (es ist der erste "Godzilla"-Film mit einer FSK-16!), und manche Bilder bleiben unangenehm lange im Gedächtnis. Das passt zur düsteren Grundstimmung, birgt aber die Gefahr, dass der Film seine Wirkung gelegentlich durch schiere Überwältigung statt durch erzählerische Präzision erzielen möchte. Zudem dauert es, bis die Monsterhandlung richtig Fahrt aufnimmt. Die ruhigeren Passagen sind für die menschliche Ebene wichtig, doch manche Dialoge wirken etwas plakativ, und die politischen Konflikte werden nicht immer so subtil ausgearbeitet, wie es das Thema verdient hätte.

Gerade im Vergleich zu "Godzilla Minus One" zeigen sich damit Licht und Schatten. Der Vorgänger verband persönliche Schuld und kollektives Trauma zu einer bemerkenswert geschlossenen Geschichte. "Godzilla Minus Zero" erweitert diese Perspektive und stellt stärker die Frage, wem staatliche Macht eigentlich dient und welchen Preis eine Gesellschaft für militärische Überlegenheit zu zahlen bereit ist. Die Anspielungen auf Japans nukleare Vergangenheit bleiben zentral, während das Verhältnis zu den amerikanischen Verbündeten zusätzliche politische Spannung erzeugt. Diese thematische Erweiterung ist reizvoll, wird aber gelegentlich zu deutlich ausgesprochen, statt sich allein aus den Bildern und Entscheidungen der Figuren zu ergeben. Auch die neue Monsterkonstellation bietet reichlich Schauwert, nimmt der Geschichte jedoch etwas von der unmittelbaren Fokussierung des ersten Films.

Unterm Strich ist "Godzilla Minus Zero" trotz all der Kritik eine eindrucksvolle Fortsetzung, die technisch beeindruckt, mit gewaltigen Monstersequenzen (vor allem im IMAX!) punktet und den politischen wie historischen Unterbau der Reihe konsequent weiterführt. Takashi Yamazaki versteht es weiterhin, das Ungeheuer als Symbol menschlicher Katastrophenängste einzusetzen. Allerdings wiederholt der Film erzählerische Muster, überzeichnet manche Konflikte und erreicht bei seinen Figuren nicht durchgehend die emotionale Tiefe des Vorgängers. Das verhindert eine noch höhere Wertung, ändert aber wenig daran, dass hier ein über weite Strecken mitreißendes Monsterdrama gelungen ist. Großes Genrekino mit beeindruckender visueller Wucht - auch wenn der Vorgänger die ausgewogenere Geschichte erzählt.

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: TOHO/Robot Communications/TOHO Studios

Freitag, 6. November 2026

Das Geschenk (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt38999812/
https://letterboxd.com/film/the-birthday-gift-2026/

In der eleganten Landhausvilla ihres Bruders richtet Marlene Frischmann (Jeanne Goursaud) für ihren Sohn Theo (Levin Wopp) einen perfekt durchorganisierten Kindergeburtstag aus. Ballons, glutenfreier Kuchen, Piñata und sogar exotische Tiere sollen den Tag unvergesslich machen. Doch die sorgsam geplante Feier gerät schnell außer Kontrolle und verwandelt sich in ein turbulentes Durcheinander voller Streitgespräche über Erziehung, Rollenbilder und elterliche Ideale. Für das eskalierende Chaos sorgen nicht zuletzt Marlenes lautstarker Bruder Timo (Edin Hasanović), ihr eigenwilliger Vater Hans (Heiner Lauterbach), die engagierte Kollegin Jenny (Amal Keller) und ein Geschenk, das unerwartete Folgen hat.

Ein Kindergeburtstag, ein Spielzeuggewehr und jede Menge Menschen, die offenbar nur darauf gewartet haben, sich gegenseitig die Meinung zu sagen: Vanessa Jopps Komödie "Das Geschenk" hat eine durchaus brauchbare Ausgangsidee. Zwischen Helikopter-Eltern, ideologischen Grundsatzdebatten und familiären Konflikten wird die Feier zunehmend zum chaotischen Kräftemessen. Das erinnert in seiner Anlage durchaus an "Der Vorname", erreicht aber weder dessen Dialogwitz noch dessen dramaturgische Treffsicherheit. Denn was als bissige Gesellschaftskomödie über Erziehung, politische Korrektheit und unterschiedliche Weltbilder beginnt, entwickelt sich schnell zu einem ziemlich angestrengten Schlagabtausch, dem es vor allem an wirklich guten Pointen fehlt.

Dabei ist die Besetzung eigentlich ein echtes Pfund. Jeanne Goursaud und Edin Hasanović liefern sich einige unterhaltsame Wortgefechte, und insbesondere Hasanović kann mit seiner lockeren, angenehm unprätentiösen Art punkten. Auch Heiner Lauterbach bringt als exzentrischer Vater etwas Leben in das Geschehen, doch insgesamt bleibt eher ein prolliges Auftreten der Figuren im Gedächtnis. Die jungen Darsteller sorgen gelegentlich für erfrischend freche Momente, sind aber überwiegend nur nervig. Leider können selbst die spielfreudigeren Schauspieler nicht verhindern, dass viele Figuren eher viel zu überzeichnete Karikaturen als glaubwürdige Charaktere bleiben. Inszenatorisch ist das Ganze dagegen ganz ordentlich, aber wenig aufregend. Die begrenzte Handlung rund um einen einzigen Geburtstag bietet zwar Raum für ein temporeiches Kammerspiel, doch der Film verliert sich zunehmend in Wiederholungen und vorhersehbaren Konflikten. Die Diskussion um das Spielzeuggewehr hätte durchaus eine interessante Auseinandersetzung mit Gewalt, Männlichkeitsbildern und Erziehung ermöglichen können. Stattdessen dient sie hauptsächlich als Anlass für immer neue Streitereien. Auch musikalisch und visuell bleibt die Komödie weitgehend unauffällig.

"Das Geschenk" hat einzelne amüsante Szenen, einen guten Cast und eine durchaus zeitgemäße Grundidee. Doch das Drehbuch verwechselt Lautstärke zu oft mit Witz und Provokation mit cleverer Satire. Was als bissige Familienkomödie beginnt, wird mit zunehmender Laufzeit eher anstrengend als unterhaltsam. Zwei Sterne für die Darsteller und einige gelungene Dialogmomente - ein wirkliches Geschenk an das Komödiengenre ist dieser Film leider nicht.

4/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: UFA Fiction

Hellkat - Hellkat: Fight For Your Soul (2021)

https://www.imdb.com/title/tt8804830/
https://letterboxd.com/film/hellkat/

Katrina 'HellKat' Bash (Sarah T. Cohen) ist eine knallharte MMA-Kämpferin und gerade auf dem Weg zu ihrem nächsten Match. Nun steckt sie mitten im Nirgendwo mit ihrem Auto fest und hat eigentlich noch die Niederlage beim gestrigen Kampf zu verdauen. Als Glück im Unglück erweist sich Jimmy (Ryan Davies), der sie in seinem Auto mitnimmt. Doch auf seinem Beifahrersitz Platz zu nehmen, war keine weise Entscheidung! In Jimmy steckt ein Dämon, der es auf Katrina abgesehen hat. Zum Glück kann sie sich zur Wehr setzen und sich in eine schummrige Bar retten, wo im Keller ein Mixed-Martial-Arts-Kampf um Leben und Tod stattfindet...

Eine MMA-Kämpferin muss in einem dämonischen Turnier um ihre Seele kämpfen - klingt nach herrlich bescheuertem Horror-Trash. Doch "HellKat: Fight For Your Soul" ist leider nicht einmal unterhaltsam schlecht. Statt packender Kämpfe und höllischer Monster gibt es lahme Choreografien, lächerliche Effekte und Dialoge, bei denen man sich fragt, ob das wirklich jemand ernst gemeint hat. Die Regie verliert sich in langweiligen Szenen, die Darsteller wirken hölzern, werfen mit bemüht-"coolen" Sätzen um sich und die wenigen Horror-Elemente sind eher unfreiwillig komisch als gruselig. Auch das geringe Budget wäre verzeihlich, wenn wenigstens Kreativität oder Selbstironie vorhanden wären. Doch selbst als trashiger Mitternachtsfilm fehlt dem Ganzen der nötige Unterhaltungswert. "HellKat" ist ein zusammengeschustertes Genre-Chaos, das seine eigentlich herrlich absurde Prämisse konsequent gegen die Wand fährt. Weder als Actionfilm noch als Horror-Trash funktioniert dieser Film - eine echte Zeitverschwendung.

1,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Wild Eye Releasing/Uncork'd Entertainment

Donnerstag, 5. November 2026

Rumpelstiltskin (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt35451787/
https://letterboxd.com/film/rumpelstiltskin-2025-1/

Tim (Billy Blair) und Emma (Paula Marcenaro Solinger) erwarten ihr erstes Kind und um demnächst zu dritt mehr Platz zu haben, zieht das Paar um in ein neues Haus. Dort entdecken die beiden im künftigen Kinderzimmer eine Nähmaschine und Nähzubehör – vor allem aber auch eine sonderbare Maske, die Tim spaßeshalber überstreift. Ein fataler Fehler, wie sich bald zeigen wird, denn nach und nach ergreift der böse Waldkobold Rumpelstilzchen, der in der Maske gefangen war, Besitz von Tim und bringt ihn dazu, grauenvolle Taten zu begehen. Um das mörderische Treiben zu beenden und ihr ungeborenes Kind zu retten, sieht sich Emma dazu gezwungen, einen furchtbaren Pakt mit dem Wesen einzugehen...

Brett Bentmans "Rumpelstiltskin" macht aus dem bekannten Märchen einen modernen Besessenheitshorror: Die Idee, Rumpelstilzchen über eine verfluchte Maske in die Gegenwart zu holen, hat durchaus Potenzial, doch die Umsetzung bleibt weit hinter den Möglichkeiten zurück. Das Drehbuch wirkt unausgereift, die Figuren bleiben blass und die Dialoge überzeugen nur selten. Auch schauspielerisch ist das Ergebnis durchwachsen: Billy Blair bemüht sich um einen glaubwürdigen Kontrollverlust, doch die Inszenierung gibt ihm wenig Unterstützung. Die begrenzten Schauplätze und die wenig dynamische Kameraarbeit lassen den Film zudem oft amateurhaft wirken. Immerhin besitzt die Maske einen gewissen Wiedererkennungswert, und einzelne visuelle Ideen zeigen, was aus dem Konzept hätte werden können. Als Horrorfilm enttäuscht "Rumpelstiltskin" vor allem durch fehlende Spannung, schwache Effekte und wenig Atmosphäre. Auch die Themen Angst vor dem Vaterwerden und der Verlust der eigenen Kontrolle werden kaum vertieft. So bleibt ein Low-Budget-Film mit einer brauchbaren Grundidee, der weder als Märchenadaption noch als Gruselfilm wirklich überzeugt. Die Punkte gibt es für den Ansatz und die Maske - für mehr fehlt es an handwerklicher Sicherheit und erzählerischer Konsequenz.

3/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Paranoid Android Films

El Llanto - The Wailing - The Wailing: Der Tod hat viele Gesichter (2024)

https://www.imdb.com/title/tt26750774/
https://letterboxd.com/film/the-wailing-2024/

Andrea (Ester Expósito) hat Angst. Sie wird im heutigen Madrid von einer unsichtbaren Bedrohung verfolgt, aber niemand, nicht einmal sie selbst, kann es mit bloßem Auge sehen. Vor zwanzig Jahren, zehntausend Kilometer entfernt, terrorisierte die gleiche Präsenz Marie (Mathilde Ollivier). Und auch Camila (Malena Villa) blieb nicht verschont. Sie war die einzige Person, die verstehen konnte, was mit ihr geschah, aber niemand glaubte ihr...

Drei Frauen, drei unterschiedliche Lebenssituationen und eine unheimliche Präsenz, die sich jeder Erklärung entzieht: Mit "The Wailing: Der Tod hat viele Gesichter" legt der spanische Regisseur Pedro Martín-Calero einen atmosphärischen Horrorthriller vor, der weniger auf platte Schockeffekte als auf psychologische Verunsicherung setzt. Die verschachtelte Erzählstruktur gehört zu den interessantesten Elementen des Films. Die drei Geschichten sind über Zeit und Raum hinweg miteinander verbunden, ohne dass sich ihre Zusammenhänge sofort erschließen. Martín-Calero baut daraus ein rätselhaftes Geflecht aus Angst, Gewalt und weiblicher Ohnmacht. Besonders gelungen ist, wie alltägliche Situationen allmählich ins Unheimliche kippen. Statt jede Bedrohung offen zu zeigen, arbeitet der Film mit Blicken, Spiegelungen, Überwachungsperspektiven und dem beklemmenden Gefühl, beobachtet zu werden. Die Kamera von Constanza Sandoval nutzt Räume und Bildkompositionen gezielt, um Unbehagen zu erzeugen. Das Ergebnis ist ein visuell präziser, kühl inszenierter Horrorfilm, der seine Wirkung häufig aus dem entwickelt, was außerhalb des Bildes lauert.

Auch die drei Hauptdarstellerinnen tragen wesentlich zur Atmosphäre bei. Ester Expósito vermittelt Andreas wachsende Verunsicherung überzeugend, während Mathilde Ollivier der Geschichte eine verletzliche, zugleich entschlossene Note verleiht. Besonders Malena Villa bleibt mit ihrer intensiven, eigenwilligen Darstellung im Gedächtnis. Die Frauen wirken nicht bloß wie austauschbare Opfer eines übernatürlichen Fluchs, sondern stehen für unterschiedliche Erfahrungen mit Bedrohung, Unglauben und gesellschaftlicher Gleichgültigkeit. Damit verknüpft der Film seine Horrorgeschichte mit einem feministischen Unterton: Die Angst der Betroffenen wird nicht ernst genommen, während die eigentliche Gefahr lange unsichtbar bleibt. Technisch überzeugt "The Wailing" vor allem durch seine Bildgestaltung und den Ton. Die ruhige Kamera, die präzise Kadrierung und die oft beklemmende Stille sorgen für eine dichte Atmosphäre. Olivier Arsons Musik und das Sounddesign setzen gezielte Akzente, ohne jede Szene mit lauten Schreckmomenten zu überfrachten. Wenn der Film doch auf klassische Horror-Mittel zurückgreift, sind diese meist wirkungsvoll platziert. Allerdings verlangt die Inszenierung Geduld: Das langsame Erzähltempo und die bewusst zurückgehaltenen Informationen erzeugen zwar Spannung, lassen manche Passagen aber auch unnötig zäh erscheinen. 

Das größte Problem liegt in der Auflösung. Je stärker sich die einzelnen Handlungsstränge annähern, desto deutlicher wird, dass der Film mehr Fragen aufwirft, als er überzeugend beantworten kann. Die übernatürliche Bedrohung bleibt reizvoll geheimnisvoll, doch die gesellschaftskritischen Ideen werden teilweise zu plakativ formuliert, während die eigentliche Mythologie vergleichsweise vage bleibt. Dadurch entsteht der Eindruck, dass die symbolische Ebene wichtiger genommen wird als eine dramaturgisch befriedigende Auflösung. Wer eindeutige Erklärungen erwartet, dürfte deshalb enttäuscht sein. Unterm Strich ist "The Wailing" ein stilistisch eigenständiger Horrorfilm, der mit starken Darstellerinnen, sorgfältiger Bildgestaltung und einer beklemmenden Atmosphäre punktet. Seine Verbindung aus übernatürlichem Schrecken und der Erfahrung weiblicher Bedrohung verleiht dem bekannten Genreansatz eine interessante Perspektive. Doch das langsame Tempo, die teilweise überdeutliche Symbolik und das nicht vollständig überzeugende Finale verhindern, dass aus der vielversprechenden Idee ein rundum stimmiges Ganzes wird. Ein intensiver, visuell eindrucksvoller Horrortrip, der lange nachwirkt - auch wenn nicht jede seiner Fragen zu einem überzeugenden Schluss führt.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Tandem Films/Setembro Cine/Caballo Films/Tarea Fina/Noodles Production/Instituto de la Cinematografía y de las Artes Audiovisuales/Ayuntamiento de Madrid/Amazon Studios/RTVE

Mittwoch, 4. November 2026

自殺サークル - Jisatsu Sākuru - Suicide Circle - Suicide Club (2001)

https://www.imdb.com/de/title/tt0312843/
https://letterboxd.com/film/suicide-club/

In Tokio erschüttert eine rätselhafte Selbstmordserie die Öffentlichkeit, nachdem sich 54 Schülerinnen gemeinsam vor einen einfahrenden Zug stürzen. Detective Kuroda (Ryō Ishibashi) und sein Kollege Shibusawa (Masatoshi Nagase) übernehmen die Ermittlungen und stoßen auf merkwürdige Hinweise, eine mysteriöse Website und mögliche Verbindungen zur japanischen Popkultur. Während sich die Todesfälle häufen, wird immer unklarer, wer oder was hinter dem Phänomen steckt - und ob sich die Ereignisse überhaupt mit herkömmlichen Ermittlungsmethoden erklären lassen...

Mit einem der verstörendsten Einstiege des japanischen Horrorkinos macht "Suicide Club" sofort klar, dass hier keine gewöhnliche Kriminalgeschichte wartet. Als sich 54 Schülerinnen gemeinsam vor einen einfahrenden Zug stürzen, beginnt in Tokio eine rätselhafte Welle kollektiver Suizide. Detective Kuroda versucht herauszufinden, ob hinter den scheinbar zusammenhanglosen Todesfällen ein System steckt. Doch je weiter die Ermittlungen voranschreiten, desto unübersichtlicher wird ein Fall, der sich jeder einfachen Erklärung entzieht. 

Regisseur Sion Sono verbindet Horror, Polizeithriller, Gesellschaftssatire und surreale Elemente zu einem bewusst verstörenden Film. Dabei richtet sich sein Blick auf eine Gesellschaft, in der Gruppenzwang, mediale Reizüberflutung und der Verlust individueller Identität eine unheilvolle Verbindung eingehen. Besonders aus heutiger Sicht wirkt die Beschäftigung mit Internetkultur, Popmusik und der Verbreitung kollektiver Verhaltensmuster erstaunlich vorausschauend. Sono interessiert sich weniger für eine klassische Täterjagd als für die Frage, warum Menschen ihre Individualität verlieren und sich scheinbar sinnlosen Bewegungen anschließen. Die Inszenierung ist dabei kompromisslos und visuell einprägsam. Die drastischen Gewaltdarstellungen, die kalte Atmosphäre und die verstörenden Bilder erzeugen eine unangenehme Sogwirkung. Gleichzeitig setzt Sono immer wieder auf schwarzen Humor und absurde musikalische Einlagen, die den Schrecken ins Groteske kippen lassen. Gerade dieser Kontrast zwischen fröhlicher Popästhetik und brutaler Gewalt gehört zu den markantesten Merkmalen des Films. Ryo Ishibashi überzeugt als zunehmend überforderter Ermittler, während die übrigen Figuren bewusst rätselhaft bleiben. Das verstärkt zwar das Gefühl einer Welt, in der niemand den Überblick hat, erschwert aber auch eine emotionale Bindung. 

Das größte Problem ist die Dramaturgie. Was zunächst als packender Kriminalfall beginnt, verzweigt sich zunehmend in Nebenhandlungen, bizarre Figuren und schwer einzuordnende Wendungen. Nicht jede Abzweigung trägt zur zentralen Idee bei, und im letzten Drittel verliert der Film spürbar an Fokus. Statt die vielen offenen Fragen zu einem befriedigenden Abschluss zu führen, setzt Sono auf Mehrdeutigkeit und Provokation. Das kann als konsequente Absage an einfache Erklärungen verstanden werden, wirkt aber ebenso häufig wie ein Drehbuch, das seine eigenen Ideen nicht mehr zusammenhalten kann. Auch der Soundtrack ist bewusst widersprüchlich: Die eingängigen Popsongs stehen in einem irritierenden Kontrast zu den Bildern, während manche musikalischen Einlagen die Atmosphäre eher unterbrechen als vertiefen. "Suicide Club" ist damit ein ambitionierter, verstörender und thematisch interessanter Film, dessen stärkste Szenen lange im Gedächtnis bleiben. Seine Gesellschaftskritik und die Verbindung von Popkultur und Horror sind reizvoll, doch die sprunghafte Handlung, die überladene Symbolik und das unbefriedigende Finale verhindern ein wirklich geschlossenes Filmerlebnis. Wer experimentellen japanischen Horror schätzt, findet hier reichlich Diskussionsstoff - wer eine nachvollziehbare Kriminalgeschichte erwartet, dürfte eher frustriert zurückbleiben. Ein ungewöhnlicher Kultfilm, dessen Ideen stärker sind als ihre erzählerische Umsetzung.

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Omega Project