Als die Tochter (Enyou Yang) eines einfachen Handwerkers (Miao Xie) auf offener Straße entführt wird, muss der Vater sich durch ein komplexes Netz von Kriminellen kämpfen, um sie zurückzugewinnen – koste es, was es wolle. Als sein einziger Verbündeter entpuppt sich ein Journalist (Joe Taslim). Obwohl die beiden Männer sehr gegensätzlich sind, müssen sie lernen, sich zu vertrauen und zusammenzuarbeiten. Und sie brauchen die Kampffähigkeiten aus ihren lange versteckten Vergangenheiten...
In einer Zeit, in der viele Actionfilme ihre spektakulärsten Momente digitalen Effekten überlassen, wirkt der chinesische "The Furious" wie ein wuchtiger Gegenentwurf. Regisseur Kenji Tanigaki, der sich als Stuntkoordinator und Actionchoreograf bereits einen exzellenten Ruf erarbeitet hat, liefert mit diesem Martial-Arts-Thriller einen Film ab, der vor allem eines sein will: ein Fest für Liebhaber handgemachter Action. Und genau darin liegt seine größte Stärke. Die Handlung ist bewusst einfach gehalten und nun wirklich nicht gerade eine Innovation. Der stumme Arbeiter Wang Wei (Xie Miao) führt ein bescheidenes Leben mit seiner Tochter, bis diese von einer kriminellen Organisation entführt wird. Als die Behörden versagen und die Polizei tief in Korruption verstrickt scheint, nimmt Wang die Verfolgung selbst auf. Unterstützung erhält er von dem Journalisten Navin (Joe Taslim), dessen eigene Suche nach seiner verschwundenen Ehefrau ihn auf dieselbe Spur geführt hat. Gemeinsam geraten sie in einen brutalen Krieg gegen Menschenhändler, Auftragskiller und ein weit verzweigtes Verbrechernetzwerk. Wer bei dieser Inhaltsangabe an "Taken", "John Wick" oder "The Raid" denkt, liegt daher nicht völlig falsch. Tatsächlich bewegt sich "The Furious" erzählerisch auf vertrautem Terrain. Die Geschichte bietet nur wenige Überraschungen und folgt den bekannten Mustern des Rachethrillers. Doch Tanigaki weiß genau, dass die Handlung hier nicht der eigentliche Star ist. Sie dient als Fundament für eine Reihe von Actionsequenzen, die zu den beeindruckendsten gehören, die das Genre in den letzten Jahren hervorgebracht hat.
Schon die ersten größeren Auseinandersetzungen machen deutlich, worauf der Film hinauswill. Die Kämpfe sind nicht nur präzise choreografiert, sondern besitzen eine kreative Dynamik, die man im modernen Actionkino selten sieht. Fahrräder, Motorräder, enge Korridore und improvisierte Waffen werden nahtlos in die Choreografie integriert. Die Kamera bleibt dabei erfreulich nah am Geschehen, ohne die Übersicht zu verlieren. Statt hektischer Schnitte setzt Tanigaki auf lange Einstellungen und klar erkennbare Bewegungsabläufe, wodurch jede Aktion ihre volle Wirkung entfalten kann. Die Kampfsequenzen sind regelrechte Meisterklasse in der modernen Martial-Arts-Inszenierung. Besonders beeindruckend ist die körperliche Leistung des Ensembles. Xie Miao überzeugt als wortkarger Protagonist, dessen Entschlossenheit in jeder Bewegung spürbar wird. Joe Taslim bringt seine bekannte Mischung aus Athletik und Leinwandpräsenz ein, während Genregrößen wie Yayan Ruhian zusätzliche Klasse in die ohnehin hochkarätigen Kampfszenen bringen. Die Figuren bleiben zwar eher funktional als tiefgründig, doch die Darsteller verleihen ihnen genügend Persönlichkeit, um emotional investiert zu bleiben.
Ganz frei von Schwächen ist der Film allerdings nicht. Dialoge und Handlung bleiben oftmals deutlich hinter der Qualität der Action zurück, manche Wendungen wirken konstruiert, einige Nebenfiguren bleiben blass, und das Drehbuch verlässt sich häufig darauf, dass die nächste spektakuläre Prügelei bereits vor der Tür steht. Tatsächlich gibt es Momente, in denen "The Furious" eher wie eine lose Aneinanderreihung herausragender Actionsequenzen wirkt als wie ein vollständig ausgereifter Thriller. Dennoch fällt es schwer, dem Film diese Schwächen nachhaltig übelzunehmen. Zu mitreißend ist sein Tempo, zu kreativ seine Inszenierung und zu offensichtlich die Leidenschaft, mit der hier gearbeitet wurde. "The Furious" kann man also getrost als den besten Martial-Arts-Film seit den "The Raid"-Filmen loben und insbesondere die Kombination aus klassischer Hongkong-Action und moderner Härte ist ein selten gewordenes Beispiel für kompromissloses Actionkino.Letztlich ist "The Furious" aber auch kein Film, den man wegen seiner komplexen Geschichte oder tiefgründigen Charakterentwicklung in Erinnerung behalten wird. Seine Stärke liegt vielmehr in der nahezu perfekten Beherrschung seines eigentlichen Handwerks. Wenn Fäuste fliegen, Körper dumpf aufschlagen, Knochen brechen und Gegner durch Wände geschleudert werden, erreicht der Film ein Niveau, das nur wenige aktuelle Produktionen bieten können. "The Furious" ist ein energiegeladener, kompromissloser Martial-Arts-Thriller, der die Kunst der Action ins Zentrum stellt. Die Handlung bleibt zwar konventionell und das Drehbuch hat erkennbare Schwächen, doch die spektakulären Kampfsequenzen, die starke Besetzung und die beeindruckende Regie machen den Film zu einem der bemerkenswertesten Actiontitel des Jahres. Für Liebhaber handgemachter Action ist er ohne Umschweife absolutes Pflichtprogramm.















