Sonntag, 12. April 2026

DellaMorte DellAmore - Cemetery Man - Zombie Graveyard (1994)

https://www.imdb.com/title/tt0109592/

Francesco Dellamorte (Rupert Everett) verdient seine Brötchen als Totengräber in der kleinen italienische Stadt Buffalora. Allerdings hat die Sache einen Haken: Alle auf dem Friedhof begrabenen Toten steigen nach sieben Tagen wieder aus ihren Gräbern und müssen dann mit einem gezielten Kopfschuss endgültig ins Jenseits befördert werden. Dabei unterstützt ihn der geistig zurückgebliebene Gnaghi (François Hadji-Lazaro), mit dem sich Francesco auch seine schäbige Behausung teilt. Zusammen haben sie bereits Routine entwickelt: Um die verwesenden Zombies zurück ins Reich der Toten zu befördern, müssen sie sich nicht mal aus dem Fernsehsessel erheben. Doch als sich Francesco eines Tages bei einer Beerdigung in eine junge Witwe (Anna Falchi) verliebt, sind die Tage der grusligen Gemütlichkeit gezählt...

Es gibt Filme, die man nach der Handlung beurteilt, und es gibt Filme wie "DellaMorte DellAmore", die man eher als Geisteszustand erfährt. Regisseur Michele Soavi hat hier keinen gewöhnlichen Horrorfilm gedreht, sondern eine seltsam elegante Totenmesse für das Begehren, die Wiederholung und die Unmöglichkeit, dem eigenen Leben zu entkommen. Wer eine geradlinige Zombiestory erwartet, bekommt etwas viel Unheimlicheres: einen Film, der so tut, als ginge es um die Toten, während er in Wahrheit die Lebenden seziert - ihre Libido, ihre Langeweile, ihre Todessehnsucht und ihre lächerliche, rührende Weigerung, vernünftig zu werden. Das Ergebnis ist ein Werk, das zwischen schwarzer Komödie, Gothic-Romanze und existentialistischem Fiebertraum pendelt und gerade deshalb so lange im Gedächtnis bleibt. Francesco Dellamorte, gespielt von Rupert Everett mit jener trockenen, leicht gelangweilten Eleganz, die seine Figur erst wirklich unwirklich macht, ist Friedhofswärter in einer Stadt, die ebenso gut am Rand der Realität liegen könnte wie am Rand Europas. Seine Arbeit besteht darin, die Toten zu erledigen, die nicht tot bleiben wollen. Das klingt zunächst nach einem makabren Routinejob, und Soavi spielt diese Grundidee zunächst fast wie eine groteske Büropflicht: Francesco schießt, sägt, begräbt und vergräbt erneut, während sein einfältiger, aber herzensguter Gehilfe Gnaghi (François Hadji-Lazaro) die Welt mit der Ruhe eines Mannes hinnimmt, der nie gelernt hat, dass es ungewöhnlich ist, von einem Kopf zu schwärmen. Doch der Film ist von Anfang an weniger an Handlung interessiert als an Wiederholung. Die Zombies sind nicht die Pointe; sie sind das System. 

Diese Wiederholung wird zum eigentlichen Thema des Films. Francesco liebt Frauen, oder genauer: Er liebt die Idee, dass er Frauen lieben könnte. Sobald eine von ihnen auftaucht, verwandelt sich der Film in eine Bewegung der Projektion. Die schöne Witwe, die bei einem Begräbnis auftaucht, wird zu "Ihr", zu einer idealisierten Erscheinung, die Francesco sofort in ein romantisches und sexuelles Begehren hineinliest. Dass diese Beziehung nicht lange überleben kann, ahnt man früh; dass sie ausgerechnet an der Kreuzung von Eros und Verwesung endet, ist ganz im Sinn des Films. Soavi und seine Autoren behandeln die Liebe hier nicht als Erlösung, sondern als einen Zustand permanenter Verwechslung. Francesco begehrt nicht die Frau, sondern die Möglichkeit, in ihr etwas Endgültiges zu finden. Und gerade deshalb muss er immer wieder scheitern. Der Film wird dabei immer freier, immer fiebriger. Was als makabre Zombie-Groteske beginnt, kippt nach und nach in einen psychischen Ausnahmezustand. Francesco trifft auf Frauen, die "Ihr" gleichen, als hätte das Universum beschlossen, ihm dieselbe Täuschung in immer neuen Varianten vorzusetzen. Zugleich beginnt er mit einer Figur zu sprechen, die sich als der Tod selbst ausgibt. Diese Gespräche sind vielleicht der Schlüssel zum ganzen Film: Der Tod ist hier kein Ende, sondern eine Verwaltungsinstanz. Er beklagt sich darüber, dass Francesco ihm die Arbeit wegnimmt, indem er die Toten zu früh vernichtet. In dieser Idee steckt mehr als nur schwarzer Humor. Sie macht deutlich, dass Soavi nicht einfach mit Horror spielt, sondern mit der Vorstellung, dass selbst der Tod eine Ordnung besitzt, die der Mensch nicht ungestraft stört. 

Visuell ist "DellaMorte DellAmore" von einer düsteren Opulenz, die weit über das hinausgeht, was man von einem bloßen Genrebeitrag erwarten würde. Die Friedhofslandschaften sind nicht einfach Kulisse, sondern seelischer Raum: neblig, einsam, etwas zu schön, um harmlos zu sein, und immer mit jener leicht surreale Note versehen, die italienische Genrefilme der besten Sorte so unverwechselbar macht. Soavi, der aus der italienischen Horrortradition kommt, aber nie bloß deren Diener ist, inszeniert mit großer Lust an der Form. Die Kamera bewegt sich nicht nur durch Räume, sie tastet eine metaphysische Stimmung ab. Ein Schädel, ein Grabstein, eine verwitterte Wand, ein Blick in die Ferne - all das wirkt hier nie beiläufig. Es sind Bausteine einer Welt, in der das Normale schon längst aufgehört hat, gültig zu sein. Besonders bemerkenswert ist, wie der Film zwischen Ekel und Zärtlichkeit balanciert. Er ist blutig, ja, und manchmal absichtlich geschmacklos. Aber er hat auch etwas Merkwürdig-Melancholisches, das ihn von vielen splatterlastigen Zeitgenossen unterscheidet. Die Gewalt ist nie nur Effekt. Sie ist Ausdruck einer Verzweiflung, die keine andere Sprache mehr findet. Wenn Figuren zu Zombies werden, wenn Körper aufbrechen oder wieder aufstehen, dann geschieht das nicht nur, um zu schockieren. Es ist, als wolle der Film sagen, dass Liebe, Sex, Begehren und Tod im Grunde untrennbar ineinander verkeilt sind. Wer das Anstößige daran sieht, hat nicht unrecht; wer die Schönheit darin erkennt, ebenso wenig.

Das ist auch der Grund, warum der Film sich jeder sauberen Einordnung entzieht. Er ist weder einfach eine Horrorparodie noch ein ernstes Drama mit Zombies. Er ist eher ein Stück grotesker Philosophie, das seine Ideen mit den Mitteln des Exploitation-Kinos ausdrückt. Manche Filme erklären uns, was sie bedeuten wollen. "DellaMorte DellAmore" dagegen zwingt einen, sein Unbehagen auszuhalten. Das kann verwirrend sein, sogar frustrierend. Aber es ist die Art von Verwirrung, die aus echter Eigenständigkeit kommt. Der Film glaubt nicht an klare Trennlinien zwischen Leben und Tod, zwischen Lust und Angst, zwischen Lachen und Entsetzen. Gerade darum wirkt er so geschlossen in seiner Unruhe. Rupert Everett trägt diese Unruhe mit erstaunlicher Genauigkeit. Seine Darstellung ist nie überhitzte Groteske, sondern meist eine Mischung aus Distanz und innerem Verschleiß. Man glaubt ihm sofort, dass dieser Mann schon zu lange auf dem Friedhof lebt, um noch in die Welt der Lebenden zurückzufinden. Everett spielt Francesco nicht als Helden, sondern als jemanden, dessen Selbstbild längst von der Wirklichkeit untergraben wurde. Gerade dadurch wird er zu einer tragischen Figur inmitten des Grotesken. Auch Anna Falchi als "Sie" verleiht dem Film jene sinnliche Schwermut, die nötig ist, damit die Liebesgeschichte nicht bloß als makabrer Gag endet. Und Anna, die im Film immer wieder zur Wiederkehr verurteilt wird, wird zur Verkörperung eines Verlangens, das seine eigene Unmöglichkeit nicht überleben kann. 

Wenn "DellaMorte DellAmore" heute so unvergesslich wirkt, dann auch deshalb, weil er sich seiner eigenen Exzentrik nie schämt. Viele Filme möchten originell sein; dieser Film ist es einfach. Er ist seltsam, aber nicht exzentrisch um der Seltsamkeit willen. Er folgt einer sehr klaren inneren Logik, die nur eben nicht der Logik des Alltags entspricht. Seine Welt ist ein Ort, an dem Liebe buchstäblich aus dem Grab aufsteht, an dem ein Mann mit einem Gewehr versucht, Ordnung ins Jenseits zu bringen, und an dem die Sehnsucht nach Nähe unweigerlich mit Verfall verbunden ist. Das ist kein hübscher Gedanke, aber ein kraftvoller. Und Soavi hat die seltene Gabe, ihn nicht zu glätten, sondern in Bilder zu verwandeln. Am Ende bleibt "DellaMorte DellAmore" ein Film über das Scheitern an der Wiederholung. Francesco versucht immer wieder, derselbe Mann zu sein, derselbe Liebhaber, derselbe Wächter, derselbe Mensch. Doch alles kehrt zurück, nur nie in derselben Form. Das macht den Film so traurig, aber auch so komisch. Denn was ist das Leben anderes als ein Friedhof aus wiederholten Fehlern, an dessen Tor jemand steht und so tut, als könne er die Angelegenheit verwalten? Soavi beantwortet diese Frage nicht mit moralischer Klarheit, sondern mit Stil, Schwermut und einem sehr dunklen Lächeln. Genau deshalb ist sein Film nicht nur ein Kultobjekt, sondern ein echtes Unikat.

7/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Audifilm/Urania Film/K.G. Productions/Canal+

Samstag, 11. April 2026

One Piece, Season 02 (2026)

https://www.imdb.com/title/tt11737520/

Vor vielen Jahren wurde der damalige Piratenkönig Gol D. Roger öffentlich hingerichtet, doch nicht, bevor er der Welt von seinem Vermächtnis erzählte, dem "One Piece". Ein sagenumwobener Schatz, für den sich über die Jahre zahlreiche angehende Piraten auf die Suche begeben würden. Unter ihnen befindet sich Monkey D. Ruffy (Iñaki Godoy). Ausgestattet mit den Kräften der Teufelsfrucht will er sich eine eigene Crew zusammensuchen, um das "One Piece" zu finden und selbst den Titel des Piratenkönigs zu übernehmen. Auf seiner Reise schließen sich ihm die junge Navigatorin Nami (Emily Rudd), der Schwertkünstler Zorro (Mackenyu), der Schütze Lysop (Jacob Gibson) und der Koch Sanji (Taz Skylar) an. Gemeinsam bilden sie die Strohhut-Piratenbande...

https://www.imdb.com/de/title/tt29137511/
2.1 Der Anfang und das Ende (The Beginning And The End)
In einer Rückblende teilt Gold Rogers, kurz vor seiner  Hinrichtung in seinem Geburtsort Loguetown, Garp mit, dass er einen Sohn hat und bittet ihn, diesen aufzuziehen. In der Gegenwart stürmen die Agenten von Baroque Works, Miss All Sunday, Miss Valentine und Mr. 5 die Marinebasis von Shellstown, wo ihr Kollege Mr. 7 von Zoro getötet war, und finden heraus, dass dieser nun zu Ruffys Crew gehört. Die Strohhutpiraten treffen unterdessen in Loguetown, wo die Hinrichtung Rogers stattgefunden hat, ein, um ihre Vorräte an Proviant und Ausrüstung aufzustocken. Zoro begegnet Tashigi, die ihm hilft, zwei neue Schwerter zu erhalten, nachdem er sein Glück mit einem der neuen, angeblich verfluchten Schwerter versucht hat. Ruffy besucht mit der Hilfe von Dieb Bartolomeo voller Vorfreude Rogers Hinrichtungsplattform, wird aber von Buggy und Alvida, die durch eine Teufelsfrucht ihren Körper glitschig gemacht hat, gefangen genommen. Der Marinekapitän Smoker beobachtet, wie Buggy versucht, Ruffy zu töten, der sein mögliches Ende mit einem Lachen akzeptiert, bevor ein Blitz Buggy trifft, die Plattform zerstört und Ruffy rettet. Tashigi, die sich als Marinesoldatin entpuppt, erkennt, dass sie einem Piraten bei der Auswahl von Waffen geholfen hat. In der Überzeugung, dass Ruffy der neue Roger werden wird, versucht Smoker, der sich in Rauch verwandeln kann, ihn gefangen zu nehmen, wird aber von dem mysteriösen Dragon, dem Anführer der Revolutionsarmee, daran gehindert. Die Strohhutbande erreicht den Reverse Mountain, einen bergauf führenden Fluss, der den einzigen Zugang zur Grand Line darstellt. - 8,5/10

https://www.imdb.com/de/title/tt38079830/
2.2 Good Whale Hunting (Good Whale Hunting)
Die Strohhutbande steuert die Going Merry vorsichtig den Reverse Mountain hinauf. Laboon, ein riesiger Wal, der mit dem Kopf gegen den Berg prallt, verschluckt die Going Merry und alle Strohhüte bis auf Ruffy. Auf einer Klippe trifft Ruffy den Leuchtturmwärter Krokus, der sich um Laboon kümmert. Vor 50 Jahren hatten die musikbegeisterten Rumbar-Piraten aus dem West Blue Laboon zu Krokus' Schutz zurückgelassen. Seitdem stößt er immer wieder seinen Kopf gegen den Berg. In Loguetown schickt Garp Smoker auf die Grand Line, um die Identität des Baroque-Anführers Mr. 0, aufzudecken. Statt zurückzubleiben, geht Tashigi mit ihm, um ihrem Traum, Meisterschwerter zu sammeln, nachzugehen und nachdem Koby sie überzeugt hat, ihrem Ehrenkodex zu folgen. Im Innern des Wals stoßen die Strohhutpiraten auf die Baroque-Agenten Mr. 9 und Miss Wednesday und nehmen sie gefangen. Die Strohhutbande flieht, nachdem Ruffy Laboon ein Lied der Rumbar-Piraten vorsingt. Krokus schenkt Nami einen Logueport, einen besonderen Kompass, der sich immer neu nach der nächsten Insel ausrichtett und das einzige Gerät ist, mit dem man die Grand Line befahren kann. Ruffy malt Laboon seine Piratenflagge auf den Kopf. Krokus bemerkt zu seinem Foto von Roger, dass Ruffy vielleicht derjenige ist, der Laugh Tale, den Ort des One Piece, erreichen kann. - 8,5/10

https://www.imdb.com/de/title/tt38079831/
2.3 Whiskey Business (Whiskey Business)
Die Strohhutbande erreicht Cactus Island, wo der Bürgermeister von Whiskey Peak, Igaram, die Piraten willkommen heißt. Die Bewohner veranstalten ein Gelage für die Strohhutbande, doch Nami und Zorro entdecken bald, dass es sich um einen Ort für Baroque-Agenten handelt, die dort Piraten betrunken machen, um sie zu töten. Nachdem Ruffy sie von ihren Fesseln befreit, flüchten Miss Wednesday und Mr. 9 von der Merry; Mr. 9 führt 100 Agenten von Baroque Works gegen Zoro an, der alle Attentäter bis auf Mr. 9 tötet. Miss Wednesday trifft sich wieder mit Igaram (Mr. 8), und die beiden betäuben Ruffy, um die Going Merry zu stehlen, bevor sie von Mr. 5, dessen Popel explodieren, und Miss Valentine, die ihr Gewicht verändern kann, entdeckt werden und Ruffy und Nami ihre Identitäten als Spione enthüllen: Miss Wednesday ist Prinzessin Nefertari Vivi von Alabasta, während Igaram der Chef der königlichen Garde ist. Beide ermitteln undercover bei Baroque Works, um die Verbindung zwischen der Organisation und einem drohenden Bürgerkrieg in Alabasta aufzudecken. Der verwundete Igaram opfert sich, damit Vivi mit den Strohhüten fliehen kann, wird aber schließlich von Mr. 5s Bomb-Bomb-Frucht-Kräften getötet. Miss Valentine nutzt ihre Kilo-Kilo-Frucht-Kräfte, um Mr. 9 zu töten, weil er sich weigert, ihnen bei der Jagd nach Vivi zu helfen. Miss All Sunday versteckt sich daraufhin auf der Going Merry. - 9/10

https://www.imdb.com/de/title/tt38079833/
2.4 Riesenärger auf Little Garden (Big Trouble In Little Garden)
Auf der Going Merry wird die Strohhutbande von Miss All Sunday überrascht. Sie warnt sie, dass ihr nächstes Ziel, Little Garden, ein gefährlicher prähistorischer Dschungel ist. Sie bietet ihnen einen Loguepost an, der dauerhaft auf eine Insel ausgerichtet ist, auf der sie Mr. 0 aus dem Weg gehen könnten, was Ruffy aber ablehnt. In Little Garden angekommen, wetteifern Zorro und Sanji um die Jagd nach einem Dinosaurier. Nami und Usopp begegnen Boogey, einem Riesen von der Insel Elbaph, der Lysop dazu inspiriert, eines Tages dorthin zu reisen; Ruffy und Vivi treffenm auf Woogey, einen weiteren Riesen von Elbaph, der sich seit 100 Jahren mit Boogey duelliert. Die beiden führen jeden Tag ein Duell, die jedes Mal im Unentschieden enden. Mr. 5 und Miss Valentine folgen den Strohhüten nach Little Garden und treffen dort auf Mr. 3, einen Attentäter von Baroque Works, der die Wachs-Wachs-Frucht gegessen hat. Während des Duells zwischen Boogey und Woogey vergiftet Mr. 5 mit einer Popelbombe Boogeys Bier, woraufhin Woogey ihn verletzt. Mr. 3s Partnerin Miss Goldenweek hypnotisiert Zoro, Nami und Ruffy, während Vivi von Mr. 5 gefangen genommen wird. Alle außer Ruffy sind in Mr. 3s Haus gefangen. Woogey, der um Boogeys scheinbaren Tod trauert, wird von Mr. 3 in Wachs eingeschlossen. - 8,5/10

https://www.imdb.com/de/title/tt38079834/
2.5 Wax On, Wax Off (Wax On, Wax Off)
Vivi, Nami und Zoro werden von Mr. 3 in seiner Wachsfigur gefangen gehalten und sollen langsam ersticken, während Ruffy von Miss Goldenweek, die mit Malfarben die Stimmung anderer beeinflussen kann, als Spielzeug gefangen gehalten wird. Sanji, der sich als Mr. Prince ausgibt und nach den anderen Strohhüten sucht, findet Mr. 3s Haus und fängt einen Anruf von Mr. 0 ab. Mr. 0 schickt die Unluckies, einen Otter und einen Geier, um seine Behauptungen zu überprüfen. Sanji tötet die Unluckies und erhält einen Logueport, der auf Alabasta zeigt. Lysop entdeckt, dass Boogey noch lebt, und erhält Ratschläge, wie man ein tapferer Krieger wird. Lysop befreit Ruffy aus den Fängen von Miss Goldenweek und überlistet Miss Valentine, Vivi, Zoro und Nami freizulassen. Ruffy spürt Mr. 3 inmitten eines Waldes aus Wachsfiguren auf und besiegt ihn in der Nähe des eingesperrten Dorry. Zoro tötet Mr. 5, während Nami und Vivi Miss Valentine kampfunfähig machen. Woogey und Boogey verabschieden sich von den Strohhüten und versprechen, Lysop in Elbaph wiederzusehen, bevor sie ihren Kampf fortsetzen. Mr. 3 tötet Miss Valentine, um sie daran zu hindern, ihre Misserfolge zu melden. Während die Going Merry nach Alabasta segelt, kippt Nami plötzlich bewusstlos um. - 8,5/10

https://www.imdb.com/de/title/tt38079837/
2.6 Geweihte Nami (Nami Deerest)
Nachdem Nami vier Tage später erwacht, beschließt die Crew, mit Vivis Einverständnis anstelle von Alabasta zur nächstgelegenen Insel, dem Drumm-Königreich zu segeln, um medizinische Hilfe für Nami zu suchen. Zwischen Alabasta und Drumm herrschen politische Spannungen, da Vivis Vater Cobra und König Wapol von Drumm bei einer Reverie, einem Treffen der Könige der Welt, in Streit gerieten. Auf Drumm werden sie von Dalton, Hauptmann der Wache, empfangen, der erzählt, dass Wapol mit den meisten Ärzten der Insel vor dem Piraten Blackbeard geflohen ist und erhält von Miss All Sunday die Munch-Munch-Frucht als Dank für seine finanzielle Unterstützung von Baroque Works. Die letzte Ärztin lebt im Palast auf einem Berg. Ruffy und Sanji erklimmen mit Nami im Schlepptau die senkrechte Bergwand zu Dr. Kureha, Drums einziger verbliebener Ärztin, die in Wapols Schloss lebt. Die beiden erleiden beim Aufstieg Erfrierungen und Prellungen, brechen oben angekommen zusammen und werden von Kurehas Assistenten Tony Tony Chopper gerettet, einem Rentier, das die Menschen-Mensch-Frucht gegessen hat. Chopper und Kureha behandeln Namis Krankheit sowie Ruffys und Sanjis Verletzungen. Smoker und Tashigi kommen zu einer von den Baroque Works-Attentätern Miss Thursday und Mr. 11 massakrierten Marinestützpunkt. Smoker tötet Miss Thursday und Tashigi verhaftet Mr. 11 und sie hören eine Aufzeichnung des Anrufs zwischen Mr. 0 und Mr. Prince. - 8,5/10

https://www.imdb.com/de/title/tt38079840/
2.7 Reindeer Shames (Reindeer Shames)
Als Ruffy nach Choppers Piratenflagge fragt, erzählt Kureha seiner Gruppe von Choppers Vergangenheit. Chopper wurde von Dr. Hiriluk adoptiert und benannt, dem einzigen Arzt neben Kureha, den Wapol nicht für sich behalten hat. Hiriluk zeichnete eine Piratenflagge mit Kirschblüten, um seinen Traum zu symbolisieren, alle Krankheiten zu heilen, nachdem er angeblich durch den Anblick von Kirschblüten von einer unheilbaren Krankheit geheilt worden war. Als Chopper erfährt, dass Hiriluk immer noch krank ist, findet er in dessen Tagebuch einen mit einem Totenkopf beschrifteten Pilz und gibt ihn ihm in dem Glauben, es sei Medizin. Kureha klärt Chopper jedoch auf, dass der Pilz giftig ist. Hiriluk hört zufällig, dass Wapols Ärzte krank sind, und reist daraufhin zum Schloss, nur um festzustellen, dass es sich um eine Falle handelt, die ihn hinrichten soll. Krank, vergiftet und mit vorgehaltener Waffe hält Hiriluk eine Rede darüber, dass ein Mensch nicht mit dem Tod seines Körpers stirbt, sondern mit dem Verschwinden seines Traums, der von Chopper weitergetragen wird. Anschließend sprengt er sich in die Luft. Dalton wird von Wapol gefeuert, weil er Chopper verschont hat. In der Gegenwart kehren Wapol und seine Leutnants nach Drumm zurück, um das Königreich zurückzuerobern. - 9,5/10

https://www.imdb.com/de/title/tt38752902/
2.8 Ren und Schrecken im Königreich Drumm (Deer And Loathing In Drum Kingdom)
Wapol entfesselt seine Soldaten auf Drumm, die er mithilfe seiner Teufelsfrucht mit ihren Waffen verschmolzen hat. Dalton, Zoro und Lysop führen die Bürger an, um die Soldaten aufzuhalten. Vivi begibt sich zur Burg, um Ruffys Gruppe vor Wapols Rückkehr zu warnen. Wapol und seine Leutnants folgen ihr. Sanji und Chopper besiegen die Leutnants, während Ruffy und Vivi gegen Wapol kämpfen. Wapol schießt auf Hiriluks Piratenflagge, doch Ruffy blockt den Schuss und wirft Wapol aus dem Fenster, wodurch die Soldaten von ihren Waffen getrennt werden. Nach dem Kampf schließt sich Chopper den Strohhüten als ihr Arzt an. Kureha und Dalton verabschieden sich von Chopper, indem sie künstliche Kirschblüten freilassen. Kureha bemerkt, dass Ruffy Ähnlichkeiten mit Gold Roger hat, da beide den „Willen des D.“ teilen. Die Strohhutbande teilt Vivi mit, dass sie ihr helfen werden, Alabasta zu retten. Mr. O ist der Samurai der Meere, Sir Crocodile, der den Bürgerkrieg in Alabasta anzettelt, während Miss All Sunday Nico Robin ist, die ein eigenes Ziel verfolgt, das sich derzeit mit Crocodiles Zielen deckt und die ihr aktuelles Kopfgeld bereits als Kind erhalten hat. - 9,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Netflix
Poster/Artwork: Netflix

Thrash (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt32362890/

Viele Bewohner einer australischen Küstenstadt glauben, es werde mal wieder übertrieben, als sie im Radio hören, dass sich über dem Meer ein Hurrikan der Stufe 5 zusammenbraut. Der Marinewissenschaftler Dale Edwards (Djimon Hounsou) nimmt die Sache ernster und warnt seine Nichte Dakota (Whitney Peak) vor dem drohenden Jahrhundertsturm. Doch die misstraut ihm und auch die meisten anderen Menschen bereiten sich nicht wirklich auf einen Ernstfall vor. Ein tödlicher Fehler, denn die Wassermassen, die sie schließlich erreichen, sind nicht nur für sich genommen eine lebensbedrohliche Gefahr – sie spülen auch noch hungrige Haie in die überfluteten Straßen, die sich auf alles stürzen, was ihnen in ihrem unerwarteten neuen Jagdrevier vor die messerscharfen Zähne kommt. Werden auch die in ihrem Auto eingeklemmte hochschwangere Lisa (Phoebe Dynevor) und die drei zu Hause auf Hilfe hoffenden Olsen-Geschwister Dee, Ron und Will (Alyla Browne, Stacy Clausen, Dante Ubaldi) zu Opfern der Raubfische?

Tommy Wirkolas "Thrash" ist ein Film, der mit der Wucht eines Sturmhochs ansetzt und dabei doch nie ganz entscheidet, ob er Katastrophenfilm, Hai-Horror oder ironische B-Movie-Parodie sein will. Die Ausgangslage ist simpel und effektiv: Ein Kategorie‑5‑Hurrikan verwüstet eine Küstenstadt, die Flut setzt alles unter Wasser, und in diesem Chaos treiben plötzlich hungrige Haie durch Straßen, Häuser und das, was von der Zivilisation noch übrig ist. Wirkola, der den Film auch geschrieben hat, besetzt die Geschichte mit Phoebe Dynevor, Whitney Peak und Djimon Hounsou und verlegt die Bedrohung in eine begrenzte, fast klaustrophobische Überlebenssituation. Der interessanteste Aspekt von "Thrash" ist nicht sein Plot, sondern die Art, wie er seine Figuren gegeneinander ausspielt. Dazu sind da die vertrauten Zutaten des Katastrophenkinos, das ökologische Unwetter, die Haibedrohung, die engen Innenräume, die improvisierte Flucht; dazu kommt eine leicht schalkhafte, teils schwarze Komik, die den Film immer wieder in Richtung B-Movie schiebt. Das kann reizvoll sein, doch es erzeugt auch Reibung: Nicht jede Idee trägt, und nicht jeder tonale Sprung fühlt sich verdient an.

Wirkola ist, wie man weiß, kein Regisseur der großen psychologischen Feinzeichnung, sondern einer des kinetischen Überdrucks. In "Thrash" nutzt er diesen Instinkt zunächst gut: Die filmische Energie kommt aus Bewegung, aus dem Zusammenstoß von Wasser, Wind, Trümmern und Raubtieren, und aus dem Einfall, vertraute Orte in provisorische Überlebensmaschinen zu verwandeln. Gerade die Soundebene rockt: das Splittern der Zähne, das Prasseln des Regens, das Schlagen des Wassers gegen Wände und Fenster. Solche Momente geben dem Film eine unmittelbare Körperlichkeit, die stärker wirkt als seine allzu bekannten dramaturgischen Muster. Doch wo der Film im unmittelbaren Schrecken punktet, bleibt er in der Figurenzeichnung oft erstaunlich dünn. Die Charaktere wirken häufig eher wie Funktionen des Genres als wie Menschen mit einer Geschichte, die über das Überleben hinausreicht. Das ist im B‑Movie nicht automatisch ein Makel, solange die Selbstironie, die Fantasie und die Schärfe stimmen; genau daran scheiden sich hier aber die Geister. Denn "Thrash" will zwar Spaß machen, doch er schwankt zu sehr zwischen ernsthaftem Alarm und augenzwinkerndem Schlock, ohne einen echten Ton zu finden.

Besonders auffällig ist, wie sehr der Film auf kurze Laufzeit und schnelle Eskalation setzt. Das macht ihn zügig und leicht konsumierbar, aber auch gelegentlich hastig; man spürt die Absicht, sofort zum nächsten Schock, zum nächsten Einfall, zum nächsten Angriff zu kommen. Dadurch bleibt wenig Raum für die Art von Spannungsaufbau, der aus einer gefährlichen Lage mehr macht als bloße Reizfolge. Der Film arbeitet mit der Erwartung, dass das Publikum schon weiß, was ein Hai-Hurrikan-Film leisten soll, und verlässt sich darauf, dass die Grundidee allein genug sei. Gerade im Vergleich zu besseren Genrevertretern zeigt sich die Schwäche von "Thrash": Er hat ausreichend Einfälle, aber nicht immer die Disziplin, sie zu ordnen. Wenn der Film am besten ist, verbindet er Überlebenshorror mit grotesker Energie und nutzt seine begrenzten Schauplätze erfinderisch. Wenn er schwächer ist, wirkt er wie eine Reihe guter Momente, die sich gegenseitig die Luft nehmen, statt sich zu einem großen, durchgehenden Druck aufzubauen. So bleibt am Ende der Eindruck eines Films, der sich ständig in Bewegung hält, aber nicht immer vorankommt. "Thrash" ist deshalb weniger ein sauber gebauter Katastrophenfilm als ein ruppiger, manchmal unterhaltsamer, manchmal frustrierender Genre-Mix. Wer Wirkola für seine Vorliebe für überdrehte, dunkle Genrespielereien schätzt, wird hier genug Material für anderthalb Stunden Adrenalin, Chaos und Zähne finden. Wer eine präzise erzählte Überlebensgeschichte mit glaubwürdigen Figuren sucht, wird die leeren Stellen deutlicher sehen als die Zähne der Haie. 

5,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Netflix

The Poughkeepsie Tapes - The Poughkeepsie Tapes: Aufzeichnungen eines Serienkillers (2007)

https://www.imdb.com/de/title/tt1010271/

In einem verlassenen Haus werden hunderte Videos gefunden. Darauf befinden sich Beweise eines Serienkillers. Dieser hatte alle seine Verbrechen, vom einfachen Mord bis zu grausamen Folterszenen, gefilmt. Die Polizei versucht nun, den Killer zu finden...

"The Poughkeepsie Tapes" ist ein Film, mit dem man sich nicht einfach unterhalten möchte. John Erick Dowdle erzählt hier nicht eine klassische Horror‑Geschichte, sondern eine kalt dokumentierte Abrechnung mit einem Serienkiller, dessen Opfer nicht nur sterben, sondern als bewegtes Bildarchiv weiterleben sollen. Die Rahmenform ist simpel, aber effektiv: Polizei‑ und FBI‑Beamte in Poughkeepsie analysieren nach einem Razzia‑Schlagfall in einem verlassenen Haus eine Sammlung von über 800 Videobändern, die der Täter, Edward Carver, über Jahre hinweg über seine Entführungen, Morde und Misshandlungen gefilmt hat. Vieles an diesem Film erinnert an die Form eines investigativen Dokumentarfilms, obwohl alles erfunden ist. Interviews, Archivaufnahmen, Überwachungskameras, Polizeiberichte und die eigenen Bänder Carvers werden zu einem Puzzle zusammengesetzt, das nicht nur den Mörder, sondern auch die Verletzlichkeit einer ganzen Stadt zeigt. Die pointierte Idee, dass ein Mörder seine Verbrechen nicht nur ausführt, sondern als eine Art Personal‑Archiv ablegt, verleiht dem Film etwas Unheimlich Modernes, obwohl die Optik der Videokassetten ganz im frühen Internet‑Alter verhaftet bleibt. 

Carver selbst bleibt lange Zeit eine verschleierte, mechanische Präsenz, die ihre Sadismen systematisch aufzeichnet, ohne sich zu zeigen. Die erste vollständige Tat auf einem Band - die Entführung, Vergewaltigung und Ermordung eines kleinen Mädchens - ist so brutal, dass sie den Film direkt außerhalb der konventionellen Unterhaltung positioniert. Das macht ihn zu einer Sammlung von Fallstudien, die sich wie ein akustisches Album des Schreckens anhört: jede Szene ein neues, nicht unbedingt vollständig erklärtes, aber immer wiederkehrendes Muster von Gewalt. In der Mitte dieses Archivs ragt die Geschichte von Cheryl Dempsey heraus, die von Stacy Chbosky überzeugend gespielt wird. Sie ist die Frau, die im Keller des Täters als Sklavin gefangen, misshandelt und psychisch zerstört wird, während er ihre Demütigung dokumentiert. Ihre Rettung, die langsame, aber nicht vollständige Rekonvaleszenz und ihr Verhältnis zu ihrem Peiniger bleiben bis zum Ende brüchig, rätselhaft, verstörend - und genau das macht ihre Figur zu einem zentralen moralischen Anker des Films.

Gleichzeitig ist "The Poughkeepsie Tapes" ein Beispiel dafür, wie sehr die Form über die Figuren triumphiert. Die Interviews, die die Ermittler, Nachbarn und Verwandten führen, wirken teils holprig, eindimensional, manchmal nahe an der Amateuraufnahme, was vielen Kritiken auffällig an der Stimmung stört, aber auch manchmal als Teil der bewussten, schnörkellosen Realitätsnähe bewertet wird. Der Film bleibt aber auch ungemein problematisch. Die Konzentration auf die technische Planung, die optische Nähe zum Kamerablick des Mörders und die akribische Wiedergabe von Gewalt produziert einen Film, der als Folter-Porno ausgelegt werden könnte, obwohl Dowdle ihn eher als eine Art pseudo‑dokumentarisches Exposé anlegt. Die Frage, die sich stellt, ist nicht nur, ob man die Gewalt sehen will, sondern auch, ob der Film über sie hinausgeht. "The Poughkeepsie Tapes" ist ein Film, der sich weigert, die Grenze zwischen Publikum und Täter zu schützen, weil er sie selbst aufbrechen will. Er ist kein angenehmer, kein klassisch erhellender Film, aber auch kein reines, hohles Effekt‑Spektakel. Wer sich darauf einlässt, muss akzeptieren, in die Nähe eines Archivs zu rücken, das niemand hätte anlegen sollen - und sich gleichzeitig fragen, warum er sich dorthin führt. Am Ende bleibt ein Film, der sich wie ein Fundstück aus einem dunklen Keller anfühlt: schmutzig, verstörend, lokal sehr spezifisch, aber global bedrückend, weil er die Vorstellung, dass Sadismus dokumentiert werden kann, in unseren Blick zwingt - und keinen Ausweg bietet, nur die Frage, ob man hier überhaupt hingehört. 

5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: MGM//Poughkeepsie Films/Brothers Dowdle Productions

Freitag, 10. April 2026

Keeper (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt32332404/

Das Paar Liz (Tatiana Maslany) und Malcolm (Rossif Sutherland) verbringt ihrem Jahrestag an einem  Wochenende in einer abgeschiedenes Waldhütte. Zunächst wirkt die Atmosphäre romantisch, doch schon bald stellt sich eine unheimliche Stimmung ein, verstärkt durch die Nähe zu einem isolierten, eigenartigen Ort mitten im Wald. Als Malcolm kurzfristig in die Stadt zurückfahren muss, bleibt Liz allein mit ihrem Hund Josie zurück und wird in der Hütte mit leisen Geräuschen, undeutlichen Eindrücken und einem Gefühl zunehmender Bedrohung konfrontiert. Gleichzeitig tauchen Menschen wie Malone (Guy Burnet) und der Hundeführer Wolfer (Shaun McKinney) auf, die die ohnehin angespannte Situation mit ihren merkwürdigen Reaktionen weiter verschärfen...

"Keeper" von Osgood Perkins ist ein Film, der erst einmal so tut, als wolle er einen vertrauten Weg gehen: Ein Paar fährt für ein romantisches Jubiläumswochenende in eine abgelegene Hütte, und was nach stiller Zweisamkeit klingt, kippt schnell in Isolation, Misstrauen und eine schleichende Bedrohung, die sich mit jeder Minute dichter um die Figuren legt. Liz und Malcolm, gespielt von Tatiana Maslany und Rossif Sutherland, sind dabei nicht bloß die Bewohner eines unheimlichen Ortes, sondern auch das Zentrum eines psychologischen Kammerspiels, in dem Zuneigung, Abhängigkeit und Macht ständig ineinander übergehen. 

Perkins baut seinen Horror nicht aus der Lautstärke, sondern aus dem Gefühl, dass etwas in diesem Haus nicht stimmt und dass die Frau, die wir beobachten, immer weniger sicher sein kann, ob sie einer äußeren Gefahr oder ihren eigenen Wahrnehmungen ausgeliefert ist. Der Film bleibt lange in Liz’ Perspektive gefangen, macht die Hütte zu einem Raum der Desorientierung und arbeitet mit einer Atmosphäre, in der selbst einfache Gesten, Blicke und Pausen bedrohlich wirken können.  Genau darin liegt zunächst seine Stärke: "Keeper" versteht, dass Schrecken oft nicht aus dem Monster kommt, sondern aus dem Moment, in dem Vertrauen seinen Halt verliert. Tatiana Maslany spielt mit einer beeindruckenden Mischung aus Verletzlichkeit und innerer Spannung. Ihre Präsenz bildet das Zentrum des Films und hält die Geschichte selbst dann zusammen, wenn die Handlung bewusst im Dunkeln bleibt oder sich in ihrer Surrealität verliert. Rossif Sutherland spielt Malcolm dagegen mit einer kühlen, schwer lesbaren Zurückhaltung, die passend unheimlich, aber etwas zu schematisch wirkt. Das Verhältnis der beiden Figuren ist damit weniger eine klassische Romanze als ein unruhiges Machtgefüge, das schon vor dem eigentlichen Horror Risse zeigt.


Visuell und atmosphärisch ist "Keeper" ganz im Stil von Perkins angelegt: kontrolliert, seltsam, ästhetisch präzise und mit einer Vorliebe für Unruhe statt Erklärung. Es ist eine verstörende, eigensinnige Horrorarbeit, die sich nicht den üblichen Regeln des Genres unterwirft, sondern eher auf Albtraumlogik und schleichende Beklemmung setzt. Dies wird allerdings auch zum Problem, weil die Geschichte lange auf Andeutungen baut und ihre Geheimnisse erst sehr spät oder nur teilweise preisgibt. Das führt zu einem Spannungsbogen, der einerseits zwar packend, aber manchmal auch ermüdend wirkt. Am überzeugendsten ist der Film dort, wo er Isolation als seelischen Zustand begreift. Die Hütte ist nicht nur ein Ort im Wald, sondern ein psychologischer Verstärker, in dem jede Unstimmigkeit sofort größer erscheint und jede fehlende Erklärung bedrohlicher wird. Wenn "Keeper" funktioniert, dann deshalb, weil er seine Zuschauer in denselben Zustand versetzt wie seine Hauptfigur: wachsam, verunsichert, immer einen Schritt hinter dem Geschehen. Weniger überzeugend ist der Film, wenn er seine eigenen Geheimnisse zu sehr gegen den Zuschauer abschirmt. Die Geschichte bleibt im Kern unterentwickelt und verlässt sich am Ende zu sehr auf Stil, Stimmung und ein finales Ausbrechen in groteske Bilder. Dadurch entsteht ein Film, der im Gedächtnis bleibt, aber nicht immer aus den richtigen Gründen: faszinierend in seinen Oberflächen, unbefriedigend in seiner inneren Logik.

"Keeper" ist deshalb am stärksten als Erfahrung, weniger als vollständig befriedigende Erzählung. Wer Perkins für seine eigenwilligen, unruhigen Horrorräume schätzt und Tatiana Maslany in einer intensiven, körperlich spürbaren Rolle sehen will, bekommt hier einen Film von beträchtlicher Wirkung. Wer dagegen Klarheit, erzählerische Präzision und eine sauber ausformulierte Mythologie erwartet, wird sich vermutlich gegen die bewusste Rätselhaftigkeit des Films stemmen. Am Ende ist "Keeper" ein ungleiches Stück Horrorkino: oft unheimlich, manchmal brillant inszeniert, gelegentlich prätentiös, aber nie belanglos. Es ist ein Film über Liebe, Kontrolle und das langsame Auseinanderdriften von Wahrnehmung und Wirklichkeit, der sich lieber wie ein dunkler Traum anfühlt als wie eine sauber erzählte Geschichte. 

7/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Oddfellows Pictures/Range Media PartnersWayward Entertainment/DMC

Donnerstag, 9. April 2026

Ready Or Not 2: Here I Come - Ready Or Not 2 (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt33978029/

Grace (Samara Weaving) hat zwar das tödliche Versteckspiel gegen die Le Domas', die Familie ihres frisch angetrauten Ehemanns, überlebt, doch damit ist die Sache noch lange nicht überstanden. Ehe sie es sich versieht, wird sie direkt in die nächste mörderische Hetzjagd vermittelt, bei der es dieses Mal um alles oder nichts geht. An ihrer Seite ist dabei nun ihre Schwester Faith (Kathryn Newton), die als Druckmittel eingesetzt wurde, um Grace dazu zu zwingen, erneut ihr Leben auf Spiel zu setzen. Dieses Mal werden die Schwestern von ganzen vier Familien ins Visier genommen – darunter auch die superreichen Danforths (u.a. Sarah Michelle Gellar und David Cronenberg), die sich durch einen Sieg im mörderischen Spiel zu einem höheren Rang aufschwingen wollen. An denen müssen Grace und Faith jedoch erst mal vorbei, um so schließlich den Hohen Rat und damit die blutige Spiele ein für alle Mal beenden zu können.

"Ready Or Not 2: Here I Come" knüpft unmittelbar an die Ereignisse des ersten Films an und verschiebt das Überleben von Grace in eine größere, härtere und zugleich problematischere Arena. Samara Weaving kehrt als Grace zurück, diesmal an der Seite ihrer entfremdeten Schwester Faith, gespielt von Kathryn Newton, während mehrere rivalisierende Elitefamilien sie jagen und um einen Sitz in einer machtbesetzten Ordnung kämpfen. Genau hier liegt der Reiz des Films, aber auch sein größtes Problem. Was im ersten Teil als präzise zugespitzter, fast bösartig klarer Klassen-Horror funktionierte, wächst hier zu einem komplizierteren Geflecht aus Schwesternkonflikt, Ritualmythologie und weltumspannender Verschwörung an, ohne sich immer organisch aus dem bereits Etablierten zu entwickeln. Das Ergebnis ist ein Film, der sichtbar mehr will, aber nicht immer besser weiß, wie er die einzelnen Einfälle zu einem wirklich lebendigen Ganzen verbindet. 

Vor allem die Schwesternschaft zwischen Grace und Faith trägt den Film. Die Idee, Grace nicht mehr nur als Einzelkämpferin gegen eine toxische Familie, sondern als Frau mit einer emotional beschädigten Verbindung zur eigenen Schwester zu zeigen, ist die stärkste menschliche Erweiterung des Stoffes. Samara Weaving spielt diese neue Form von Überlebenswut mit der gleichen elektrischen Präsenz wie zuvor, während Kathryn Newton der Figur der Faith eine Mischung aus Verletztheit, Trotz und spitzer Unberechenbarkeit gibt. Ihre Szenen haben dann die Wirkung, die der Rest des Films so oft sucht: Sie sind komisch, bitter und kurzfristig aufrichtig zugleich. Doch gerade weil die Schwesterndynamik so viel verspricht, fällt auf, wie oft der Film sie unter Schichten von Weltbau und Folklore begräbt. Statt die Beziehung der beiden über kleine Verschiebungen, alte Kränkungen und neue Bündnisse langsam zu vertiefen, stapelt der Film neue Regeln, neue Familien und neue Machtstrukturen aufeinander. Das macht ihn größer, aber nicht zwingend reichhaltiger. Man spürt die Absicht, die Mythologie auszubauen, doch oft wirkt dieses Wachstum eher wie das Hinzufügen weiterer Etagen zu einem Haus, dessen Fundament schon im ersten Stock zu wackeln begann.

Auch die zusammengestückelten Ideen sind schwer zu übersehen. Der Film will zugleich Fortsetzung, Satire auf Elitenmacht, blutige Spielvariante, Familienmelodram und expansionistisches Weltmodell sein. Einzelne Einfälle blitzen auf und sind in ihrer Bosheit oder Absurdität durchaus reizvoll, doch nicht jeder Gedanke bekommt die dramaturgische Luft, die er braucht. Dadurch entsteht bisweilen das Gefühl, man sehe weniger einen souverän gebauten Film als eine Kette cleverer, aber nicht immer sauber vernähter Ideen. Am deutlichsten zeigt sich das in der Welt des Films. Der erste Teil lebte gerade davon, dass seine absurde Prämisse klar begrenzt war: eine Familie, ein Ritual, eine Nacht, ein scharf umrissener Klassenhorror. Das Sequel öffnet diese Welt nun für Rivalen, Räte und globale Machtfragen, doch mit der Vergrößerung geht ein Teil der ursprünglichen Eleganz verloren. Die Welt wird breiter, aber nicht wirklich tiefer; sie wirkt weniger wie ein organisch gewachsenes Universum als wie ein nützlicher Schauplatz, der auf Abruf neue Spiele und neue Gegner liefern soll. 

Trotzdem ist "Ready Or Not 2: Here I Come" nicht bloß ein Fall von mehr Lärm als Substanz. Der Film besitzt Energie, Biss und genug schauspielerische Spielfreude, um die Lücken zeitweise zu kaschieren. Gerade Weaving hält alles zusammen; ihre Grace wirkt wie jemand, der gelernt hat, dass Überleben nicht nur Kampf, sondern auch Form der Selbstbehauptung ist. Wenn der Film die Konzentration auf sie und Faith nicht verliert, gewinnt er an menschlicher Spannung, die ihm seine Konstruktion sonst häufig wieder entzieht. So bleibt am Ende ein Sequel, das den richtigen Instinkt hat, den Stoff nicht einfach zu wiederholen, sondern zu vergrößern. Aber die Erweiterung kostet Klarheit, und die Lust am Weltaufbau ersetzt nicht automatisch die emotionale Genauigkeit, die den ersten Film so giftig und so wirkungsvoll machte. Das Ergebnis ist ein noch unterhaltsamer, oft sehr wilder und gelegentlich scharf beobachteter Horror-Satire-Mix, der vor allem dann überzeugt, wenn er bei den beiden Schwestern bleibt und nicht glaubt, dass mehr Mythologie automatisch mehr Bedeutung bedeutet. 

5,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Searchlight Pictures/Radio Silence Productions/Project X

Mittwoch, 8. April 2026

Der Spitzname (2024)

https://www.imdb.com/de/title/tt33111620/

Anna (Janina Uhse) und Thomas (Florian David Fitz) planen ihre Hochzeit in den malerischen Tiroler Alpen und haben die gesamte Familie eingeladen. Doch schon im Ski-Lift sinniert Stephan (Christoph Maria Herbst), gewohnt schlecht gelaunt, über die aktuellen Entwicklungen in den Leben der Böttchers, Wittmanns, Bergers und Königs: Anna hat überraschend doch noch als Schauspielerin Karriere gemacht, während Thomas kurz vor einem Aufstieg in den Vorstand eines Immobilienkonzerns steht – allerdings nur, wenn er die vorgeschriebene Sensibility-Schulung besteht. Stephans Frau Elisabeth (Caroline Peters) ist weiterhin Lehrerin, bessert jedoch heimlich die Haushaltskasse mit Bitcoin-Handel auf. René (Justus von Dohnányi), verheiratet mit Dorothea (Iris Berben) und seit drei Jahren Vater von Zwillingen, zeigt sich als überbesorgter Helikopter-Vater. Stephan selbst musste kürzlich seine Professorenstelle aufgeben – nach einem Vorfall an der Uni. Hinzu kommt noch das Chaos, das seine jugendlich-woken Kinder Cajus (Jona Volkmann) und Antigone (Kya-Celina Barucki) in die idyllische Winterkulisse bringen. Die ohnehin angespannten Familienverhältnisse drohen, die geplante Hochzeit zu gefährden und führen zu einer turbulenten Eskalation.

Fortsetzung von "Der Vorname" und "Der Nachname", die die Trilogie um eine dysfunktionale Familie aus gutbürgerlichem Milieu abschließt. "Der Spitzname" von Sönke Wortmann setzt dort an, wo moderne Familienkomödie und gesellschaftliche Diskussion aufeinanderprallen: nicht an den großen Weltuntergangsszenarien, sondern an einem geplanten Hochzeitswochenende in den Tiroler Alpen.  Anna (Janina Uhse) und Thomas (Florian David Fitz) wollen heiraten, doch anstatt einer ruhigen, verschneiten Winteridylle wartet eine Familie, die sich selbst mit ihren eigenen Lebensentwürfen, Widersprüchen und politischen Meinungen im Weg steht. Die Geschichte kreist um die gekonnte Collage aus Alltagskarrieren, digitalen Zeiten und sich verändernden Rollen: Anna hat überraschend eine Karriere als Schauspielerin gemacht, während Thomas kurz vor einer Beförderung in den Vorstand eines amerikanischen Immobilienkonzerns steht - vorausgesetzt, er übersteht eine Sensibilitäts‑Schulung, die ihn ungewohnt verletzlich macht. Dazwischen bewegt sich die Familie Böttcher‑Wittmann‑Berger‑König in einer Mischung aus Skigebiet‑Idylle und generationaler Verwirrung: Stephan (Christoph Maria Herbst), der ehemalige Professor, grübelt skeptisch darüber nach, wie aus seinen Mitmenschen geworden sind, während seine Frau Elisabeth (Caroline Peters) als Lehrerin den Haushalt heimlich mit Bitcoin‑Handel aufbessert. In den Bergen trifft die Runde auf Dorothea (Iris Berben), die mittlerweile mit René (Justus von Dohnányi) verheiratet ist und mit ihm Zwillinge aus einer Leihmutterschaft großzieht, wobei René als überfürsorglicher Helikopter‑Vater auftritt, der jede Kleinigkeit in den Griff zu bekommen versucht. Ergänzt wird das Spektrum durch die jüngere Generation: den 18‑jährigen Cajus (Jona Volkmann), der seinen Vornamen ohne Wissen der Eltern ändern ließ, und die 17‑jährige Antigone (Kya‑Celina Barucki), die die Hochzeitsgesellschaft mit Themen rund um Woke‑Debatten, Feminismus und nichtbinäre Geschlechtsidentität herausfordert. 

Wortmanns Film erzählt erneut weniger eine einzelne große Krisengeschichte als vielmehr eine Serie kleiner Zünder, die irgendwann und unausweichlich auf engstem Raum ohne Möglichkeit des Entkommens aufeinanderprallen: Streit über Job‑ und Karriereentscheidungen, Kritik an Mobbing‑Kultur und Geschlechterbildern, Unbehagen mit modernen Diversity‑Konzepten und der altbekannte Ego‑Kampf alter Familienharmonie versus neue Selbstoptimierung. Der Titel "Der Spitzname" hängt dabei an einem alltäglichen, fast liebevollen Detail - Thomas' Kosenamen für die gemeinsame Tochter, mit dem sich indirekt Spannungen um Geschlechtsidentität und Erziehungseinstellungen berühren - und macht deutlich, wie sehr die kleinen Worte in dieser Familie weitreichendes Gewicht tragen. Trotz der Fülle an Themen bleibt der Film formal klar und handlich, fast klassisch in der Besetzung einer sauber choreografierten Familienkomödie: ein gut eingespielter, hochkarätiger Cast, schnelle, dialogreiche Szenen und eine Ästhetik, die die winterliche Kulisse nutzen kann, ohne sentimentale Klischees zu übertreiben. Wortmann verzichtet auf dramatische Zerreißproben oder moralische Apokalypsen und setzt stattdessen auf ein Pointen‑Feuerwerk, das die Zuschauer zugleich lächeln und nachdenken lässt - weniger durch eine aufrührerische These, sondern durch die schlichte, oft unbequeme Einsicht, dass manche politischen Debatten uns am liebsten dort erreichen, wo wir sie am wenigsten erwarten: beim Familienessen, im Skilift, im Gespräch über einen simplen Kosenamen.

In der Tradition von Gesellschaftskomödien, die sich an der Familie abarbeiten, ist "Der Spitzname" kein revolutionärer Film, aber ein genau beobachtender Zeitgenosse, der mit Augenzwinkern, nicht ohne Spott, aber ohne wahllose Häme, zeigt, wie sehr sich die moderne Familie in Begriffe und Biografien verheddert. Wer die ersten beiden Teile kennt, wird die Charaktere wiedererkennen, doch wer neu einsteigt, bekommt eine kompakte, unterhaltsame Mini‑Erforschung von Sprache, Karriere, Digitalisierung, Identität und dem simplen Wunsch nach einem ruhigen Hochzeitstag - vergeblich, wie sich zeigt, weil jede Familie, die sich versammelt, gleichzeitig beginnt, mit sich selbst zu diskutieren. Ganz amüsant.

6/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Constantin Film