Sonntag, 28. Juni 2026

Sebelum Iblis Menjemput - May The Devil Take You - Der Teufel soll dich holen (2018)

https://www.imdb.com/de/title/tt8765496/

Alfie (Chelsea Islan) ereilt ein böses Schicksal, als ihr Vater auf einmal auf unerklärliche Weise ins Koma fällt. In Wirklichkeit haben sich beide allerdings schon vor Jahren auseinandergelebt und entfremdet. Die junge Tochter ist dennoch getroffen und versucht mit ihrer Stiefschwester Maya (Pevita Pearce) Lösungen und Antworten in einer alten, abgelegenen Villa zu finden. Doch dort stoßen beide auf eine grausame Wahrheit und dunkle Mächte.

Mit "May The Devil Take You" bewies der indonesische Regisseur Timo Tjahjanto einmal mehr, dass er nicht nur Action inszenieren kann. Bevor er mit Filmen wie "The Shadow Strays" oder "The Big 4" internationale Aufmerksamkeit als Action-Spezialist erhielt, lieferte er mit diesem übernatürlichen Horrorfilm eine düstere und blutige Hommage an das klassische Dämonen- und Haunted-House-Kino. Das Ergebnis ist ein Film, der zwar nicht jede Genre-Konvention neu erfindet, seine Vorbilder jedoch mit sichtbarer Leidenschaft und einer beeindruckenden Energie interpretiert. Bereits die Grundidee erinnert an zahlreiche Genreklassiker, von "Evil Dead" bis hin zu asiatischen Geisterfilmen der frühen 2000er-Jahre. Tjahjanto macht jedoch keinen Hehl daraus, dass er diese Einflüsse bewusst aufgreift. Statt Originalität um jeden Preis anzustreben, konzentriert er sich darauf, bekannte Elemente möglichst effektiv umzusetzen. Genau darin liegt eine der größten Stärken des Films.

Atmosphärisch funktioniert "May The Devil Take You" auch ausgesprochen gut. Die abgelegene Villa entwickelt sich schnell zu einem Ort, an dem hinter jeder Tür eine neue Bedrohung lauern könnte. Dunkle Flure, verfallene Räume und verstörende Visionen erzeugen eine konstante Spannung, die den Zuschauer über weite Strecken bei der Stange hält. Ein weiterer Pluspunkt ist Chelsea Islan in der Hauptrolle. Sie verleiht Alfie eine glaubwürdige Mischung aus Verletzlichkeit, Entschlossenheit und emotionaler Tiefe. Gerade weil die Figur nicht als typische Horrorfilm-Protagonistin angelegt ist, entsteht schnell eine Bindung zum Publikum. Auch das übrige Ensemble erfüllt seine Aufgaben solide und trägt dazu bei, dass die familiären Konflikte innerhalb der Geschichte nicht völlig in den Hintergrund geraten. Besonders hervorzuheben sind die praktischen Effekte und die Make-up-Arbeiten. Tjahjanto setzt erfreulich oft auf handgemachte Horrorbilder statt auf übermäßige Computereffekte. Das Ergebnis sind einige wirklich unangenehme und visuell einprägsame Szenen, die Genrefans lange im Gedächtnis bleiben dürften. Die Mischung aus Körperhorror, Dämonenkino und übernatürlichem Terror sorgt für zahlreiche intensive Momente.

Allerdings folgen viele der Schockmomente bekannten Mustern, und der erfahrene Horrorfan riecht manche Wendungen schon 10 Meilen gegen den Wind. Auch die Handlung verliert im Mittelteil gelegentlich etwas an Fokus, wenn immer neue Enthüllungen und übernatürliche Elemente eingeführt werden. Auch eine gewissen Eigenständigkeit fällt bei den zahlreichen Verweise auf Genreklassiker hinten runter. Dennoch gelingt es Tjahjanto, die Geschichte mit genügend Energie und Stil zu erzählen, um diese Schwächen weitgehend auszugleichen. Seine Regie sorgt dafür, dass selbst vertraute Szenarien frisch wirken. Der Film weiß genau, wann er Spannung aufbauen, wann er das Tempo erhöhen und wann er den Zuschauer mit einer besonders verstörenden Szene überraschen muss. Damit gehört er zwar nicht zu den innovativsten Horrorfilmen seiner Zeit, aber durchaus zu den unterhaltsamsten. Gerade Fans klassischer Dämonenfilme und asiatischer Horrorproduktionen finden hier eine gelungene Mischung aus Atmosphäre, Schocks und handwerklich überzeugender Inszenierung.

6/10


Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Netflix/Legacy Pictures/Screenplay Films/Sky Media/Ideate Media

Samstag, 27. Juni 2026

The Big 4 (2022)

https://www.imdb.com/title/tt15528292/

Dina (Putri Marino) ist nach dem Tod ihres Vaters untröstlich, aber sie muss unbedingt herausfinden, wer ihn getötet hat und warum. Während ihrer Ermittlungen erfährt Dina, dass ihr Vater der Mentor einer Assassinen-Bande war. Eine Gruppe, die jeden Job annahm und für ordentlich Aufsehen sorgte. Und obwohl sie ihre Waffen niedergelegt haben und in den Ruhestand gegangen sind, sind die Big 4 bald wieder im Einsatz, um Dina bei ihrem Streben nach Gerechtigkeit zu helfen. Denn nun sind die Feinde ihres Vaters auch hinter ihr her.

Nach dem kompromisslosen Actioner "The Night Comes For Us" schlug Regisseur Timo Tjahjanto mit *The Big 4* einen deutlich anderen Ton an. Zwar bleiben spektakuläre Prügeleien, Schusswechsel und jede Menge Körperverletzung weiterhin fester Bestandteil seines Repertoires, doch diesmal mischt er die Action mit einer ordentlichen Portion Humor und einer fast schon familienähnlichen Gruppendynamik. Das Ergebnis ist ein unterhaltsamer Actionfilm, der nicht ganz die Wucht seiner düstereren Genre-Kollegen erreicht, dafür aber mit Charme, Tempo und sympathischen Figuren punktet - wenn man sich darauf einlassen kann. Die Handlung selbst gehört dabei nicht zu den größten Stärken des Films. Die Geschichte ist funktional und liefert genügend Motivation für die zahlreichen Actionsequenzen, überrascht aber nur selten. Die Handlung wirkt zu dem auf mich gelegentlich etwas überladen und nicht jede Wendung erscheint zwingend notwendig. Dennoch gelingt es dem Film, durch sein hohes Tempo und seine sympathischen Figuren stets unterhaltsam zu bleiben.

Der eigentliche Star des Films ist die Dynamik innerhalb der titelgebenden Gruppe. Jeder der vier Ex-Killer besitzt eine eigene Persönlichkeit, eigene Macken und einen individuellen Kampfstil. Dadurch entsteht eine lockere Teamchemie, die stark an moderne Actionkomödien erinnert. Die Dialoge sind oft bewusst überdreht, funktionieren aber erstaunlich gut und verleihen den Figuren mehr Persönlichkeit als man in vielen vergleichbaren Produktionen findet. Natürlich wäre ein Timo-Tjahjanto-Film ohne Action nicht komplett. Auch wenn "The Big 4" insgesamt deutlich humorvoller ausfällt als "The Night Comes For Us", bleibt die Action auf einem beeindruckenden Niveau. Die Kampfszenen sind dynamisch, kreativ und erfreulich übersichtlich inszeniert. Besonders positiv fällt auf, dass die Choreografien trotz des komödiantischen Tons niemals zur Parodie werden. Die Kämpfe behalten ihre Intensität und sorgen regelmäßig für echte Highlights. Visuell zeigt sich erneut Tjahjantos Gespür für Stil. Die tropischen Schauplätze, farbenfrohen Kulissen und dynamischen Kamerabewegungen verleihen dem Film einen frischen Look, der sich angenehm von den oft grauen und düsteren Actionthrillern des Genres abhebt. Gleichzeitig sorgt die flotte Inszenierung dafür, dass kaum Leerlauf entsteht.

Allerdings erreicht "The Big 4" nicht den Wert seiner besten Arbeiten. Einige Figuren bleiben trotz ihrer sympathischen Darstellung eher oberflächlich, und manche humorvollen Einlagen treffen nicht immer ins Schwarze. Auch die Laufzeit von über zwei Stunden wirkt stellenweise etwas großzügig bemessen. Dennoch überwiegt der positive Eindruck. Der Film weiß genau, was er sein möchte: ein temporeiches Action-Abenteuer mit Humor, Herz und jeder Menge spektakulärer Prügeleien. Statt sich zu ernst zu nehmen, setzt "The Big 4" auf Spaß, Gruppendynamik und kreative Action - und fährt damit erstaunlich gut. Die Handlung bleibt zwar vorhersehbar und einige Längen sind nicht zu übersehen, doch die sympathischen Figuren, die gelungene Mischung aus Humor und Action sowie die hervorragend inszenierten Kampfszenen sorgen für kurzweilige Unterhaltung. Wer Spaß an überdrehten Actionkomödien mit ordentlich Tempo hat, wird hier bestens bedient.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Netflix/Frontier Pictures

The Shadow Strays - Codename 13 (2024)

https://www.imdb.com/de/title/tt28349451/

13 (Aurora Ribero) ist eine 17-Jährige mit mysteriöser Vergangenheit, die von einem Syndikat namens "The Shadow" von Kindesbeinen an zur Attentäterin ausgebildet wird. Als 13 bei einer Mission in Japan ein Fehler unterläuft, wird sie in die indonesische Hauptstadt Jakarta geschickt, wo über ihre weitere Zukunft entschieden werden soll. In den Slums der Metropole trifft sie per Zufall auf den 11-jährigen Monji (Ali Fikry), dessen Mutter vor kurzem von lokalen Gangstern ermordet wurde. Die beiden freunden sich an – doch dann ist Monji plötzlich spurlos verschwunden, entführt von denjenigen, die schon seine Mutter auf dem Gewissen haben. Wutentbrannt sucht 13 nach den Kidnappern und hinterlässt dabei eine Schneise der Verwüstung, was auch ihre Mentorin Umbra (Hana Malasan) und die anderen von "The Shadow" gegen sie aufbringt.

Wer in den vergangenen Jahren die Entwicklung des modernen Actionkinos verfolgt hat, kommt an Regisseur Timo Tjahjanto kaum vorbei. Spätestens seit seinem "The Night Comes For Us" gilt er als einer der kompromisslosesten Action-Regisseure der Gegenwart. Mit "The Shadow Strays" liefert er nun einen weiteren brachialen Beitrag zum Genre ab - größer, brutaler, blutiger, aber auch emotionaler als viele seiner bisherigen Arbeiten. Das Ergebnis ist ein Film, der den Actionfan in mir vollauf begeistert, auch wenn er ganz offensichtlich nicht ganz frei von erzählerischen Schwächen ist. Im Mittelpunkt steht die junge Auftragskillerin Codename 13 (Aurora Ribero), die nach einem missglückten Einsatz von ihrer geheimen Organisation suspendiert wird. Als sie den Jungen Monji kennenlernt und dieser in die Hände eines kriminellen Syndikats gerät, beginnt für sie ein blutiger Rachefeldzug gegen Gangster, Menschenhändler und schließlich ihre eigenen Auftraggeber. Die Handlung folgt dabei bekannten Genrepfaden, konzentriert sich aber stärker auf die menschliche Seite ihrer Protagonistin als man zunächst erwarten würde.

Die größte Stärke des Films sind (erwartungsgemäß) seine Actionsequenzen. Tjahjanto inszeniert Kämpfe nicht einfach nur als notwendige Handlungselemente, sondern als spektakuläre Choreografien voller Kreativität und Energie. Messer, Schusswaffen, improvisierte Gegenstände und pure Körperkraft kommen gleichermaßen zum Einsatz. Die Ideen, wie der nächste Gegner ausgeschaltet wird, und die kompromisslose Härte der Inszenierung sind absolut grandios. Besonders beeindruckend ist dabei Hauptdarstellerin Aurora Ribero. Obwohl sie keine klassische Martial-Arts-Vergangenheit mitbringt, trägt sie den Film mit bemerkenswerter Präsenz. Ihre Figur wirkt gleichermaßen verletzlich und gefährlich, was der Geschichte eine emotionale Grundlage verleiht. Ihre Entwicklung von einer gehorsamen Killerin zu einer eigenständig handelnden Figur verkörpert Ribero glaubwürdig und nachvollziehbar. Visuell präsentiert sich der Film ebenfalls stark. Die nächtlichen Straßen Jakartas, Neonlichter, Regen und dunkle Hinterhöfe erzeugen eine coole Atmosphäre, die stellenweise an moderne Neo-Noir-Thriller erinnert. Gleichzeitig bleibt die Kamera erstaunlich übersichtlich, selbst wenn Dutzende Gegner gleichzeitig durch die Gegend fliegen. Die Action wirkt deshalb nie chaotisch, sondern bleibt jederzeit überschaubar. 

Allerdings ist "The Shadow Strays" mit rund 145 Minuten Laufzeit schlicht zu lang. Einige Handlungsstränge und Actionsequenzen hätten durchaus gestrafft werden können und so manches Mal entsteht bei mir der Eindruck, dass Tjahjanto jede neue Idee hier unbedingt unterbringen wollte. Die Geschichte verliert dadurch im Mittelteil etwas an Fokus. Langweilig wird es trotzdem nie. Trotzdem bleibt die Handlung selbst letztlich eher funktional. Sie bietet nichts neues, erfüllt allerdings ihren Zweck, liefert emotionale Motivation und einige interessante Figurenmomente, erreicht aber nie die Komplexität oder Tiefe, die man von einem 145-minütigem Film durchaus erwarten könnte. Denkt man an "Brawl in Cell Block 99", der mit ebenso kompromissloser Härte vorgeht, hat man beispielhaft das erzäherlische Gegengewicht.

Doch am Ende weiß "The Shadow Strays" genau, was er sein möchte. Er will eben auch keine tiefgründige Charakterstudie oder raffinierte Thrillerhandlung erzählen. Stattdessen liefert er ein kompromissloses Actionfeuerwerk, das seine Stärken selbstbewusst ausspielt und dabei in keienr Minute langweilig wird. Als Vorbereitung auf "The Furious" harter war das Ding genau richtig und die Martial-Arts-Action gehört zweifellos zu den Highlights im asiatischen Actionkino: laut, sehr brutal, überdreht und oftmals spektakulär. Die Handlung bleibt zwar vergleichsweise simpel und die Laufzeit fällt zu großzügig aus, doch die herausragenden Kampfsequenzen, die starke Hauptdarstellerin und Timo Tjahjantos unverwechselbare Inszenierung machen den Film zu einem der sehenswertesten Actiontitel der letzten Jahre.

7,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Netflix/Frontier Pictures/XYZ Films

Freitag, 26. Juni 2026

The Night Comes For Us (2018)

https://www.imdb.com/title/tt6116856/

Ito (Joe Taslim), ein Elite-Vollstrecker, kehrt zu seinem heimischen Clan in Jakarta zurück, nachdem er einige Zeit bei den berüchtigten South East Asia Triaden verbracht hat. Was er vorfindet, ist eine Welt voller Verrat und Chaos - als die Banden mit einer blutigen Kampagne versuchen, ihren Einflussbereich zu vergrößern...

Wenn über moderne Actionfilme gesprochen wird, fallen oft dieselben Titel. Doch wer glaubt, nach den "John Wick"-Filmen oder "The Raid" bereits alles gesehen zu haben, sollte einen Blick auf "The Night Comes for Us" werfen. Regisseur Timo Tjahjanto liefert hier ein kompromissloses Actionfeuerwerk ab, das sich kaum um Konventionen schert und stattdessen voll auf spektakuläre Kampfchoreografien, intensive Atmosphäre und gnadenlose Härte setzt. Das Ergebnis ist ein Film, der für Fans des Action-Genres  zu den absoluten Highlightszählen dürfte. Allein die kreative Inszenierung und die außergewöhnlich hohe Qualität der Actionsequenzen reißen einen vollends mit und lassen "The Night Comes For Us" an keiner Sekunde auch nur kurz langweilig werden. Für mich einer der besten asiatischen Actioner.

Die Geschichte beginnt mit Ito (Joe Taslim), einem Elite-Vollstrecker der berüchtigten Triaden-Organisation South East Asian Six Seas. Während eines brutalen Einsatzes entscheidet er sich gegen die Befehle seiner Auftraggeber und rettet ein junges Mädchen vor einem Massaker. Damit macht er sich selbst zur Zielscheibe. Plötzlich wird der einst gefürchtete Killer von seinen ehemaligen Verbündeten gejagt, während eine ganze Armee von Auftragsmördern auf ihn angesetzt wird. Man sieht: die Handlung ist bewusst simpel aber ansprechend geradlinig gehalten. Verrat, Loyalität, Schuld und Erlösung bilden das emotionale Fundament, doch man kann kaum behaupten, dass die Geschichte die größte Stärke des Films sei. Das muss sie allerdings auch nicht sein. Tjahjanto weiß offenbar sehr genau, weshalb die Zuschauer Filme wie diesen einschalten - und liefert genau das in beeindruckender Qualität: Action, bei der man die Augen aufreißt und einem die Kinnlade herunterklappt.

Schon die erste größere Actionsequenz macht deutlich, dass hier keine Kompromisse gemacht werden. Messer, Macheten, Drähte, Schusswaffen, Billardkugeln oder schlicht die eigenen Fäuste – nahezu alles wird zur Waffe. Die Kämpfe sind außergewöhnlich kreativ choreografiert und gleichzeitig erstaunlich übersichtlich gefilmt. Während viele moderne Actionfilme ihre Schläge hinter hektischen Schnitten verstecken, lässt "The Night Comes For Us" seine Darsteller tatsächlich arbeiten. Das Ergebnis sind Kämpfe, die roh, intensiv und körperlich spürbar wirken - und das macht den Film zu einem der brutalsten Actionfilme der letzten Jahre. Rein vom Gewaltlevel her stellt er sogar "The Raid" in den Schatten.

Aber auch die Besetzung ist ein wesentlicher Grund dafür. Joe Taslim bringt als Ito genau die Mischung aus physischer Präsenz und stiller Melancholie mit, die seine Figur benötigt. Noch stärker ist allerdings das Ensemble um ihn herum. Besonders Iko Uwais, bekannt aus "The Raid", sorgt in seiner Nebenrolle für einige der besten Szenen des Films. Hinzu kommen Julie Estelle, Sunny Pang und Zack Lee, die durch die Bank weg beweisen, warum Indonesien inzwischen als eines der spannendsten Zentren des modernen Actionkinos gilt. Beeindruckend ist außerdem, wie der Film seine Gewalt inszeniert. Sie dient nicht bloß als Selbstzweck, sondern vermittelt die Konsequenzen der Entscheidungen seiner Figuren. Die Kämpfe wirken schmerzhaft, chaotisch und erschöpfend. Jeder Treffer hat Gewicht, jede Verletzung hinterlässt Spuren. Dadurch entsteht eine Intensität, die den erfahrenen Actionfan in mir überrascht hat.

Die größte Schwachpunkt des Film ist, wie zu erwarten, seine Handlung. Diese verliert sich im Mittelteil gelegentlich etwas zwischen den zahlreichen Figuren und Fraktionen und man merkt deutlich, dass der Streifen narrativ nicht vollends mit seiner visuellen Wucht mithalten kann. Dennoch überwiegen die Stärken deutlich. Besonders die Atmosphäre des kriminellen Untergrunds von Jakarta, die düsteren Bilder und die fast schon apokalyptische Grundstimmung verleihen dem Film eine eigene Identität. Tjahjanto inszeniert keine glamouröse Actionwelt, sondern ein brutales Universum, in dem Gewalt immer nur neue, blutigere Gewalt hervorbringt. 

Für Fans von Action und brutaler Inszenierung ist "The Night Comes For Us" genau richtig. Er ist ein wuchtiger, kompromissloser und beeindruckend inszenierter Actionfilm, der einen von der ersten bis zur letzten Minute mitreißt. Die Handlung bleibt zwar relativ simpel und die extreme Gewalt dürfte nicht jedermanns Sache sein, doch die herausragenden Kampfsequenzen, das starke Ensemble und die düstere Atmosphäre machen den Film zu einem der besten Actionbeiträge der letzten Jahre. Für Genrefans ist er nahezu Pflichtprogramm.

7,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkNetflix/Screenplay Infinite Films/XYZ Films

Donnerstag, 25. Juni 2026

Village Of The Damned - Das Dorf der Verdammten (1995)

https://www.imdb.com/de/title/tt0114852/

Während die Bewohner der abgelegenen Kleinstadt Midwich ein Jubiläum feiern, wird das Dorf von einer unheimlichen Macht heimgesucht: Sämtliche Einwohner und Tiere fallen für exakt sechs Stunden in tiefe Ohnmacht. Wenige Wochen nach dem unerklärlichen Ereignis, stellt der Arzt Dr. Alan Chaffee (Christopher Reeve) fest, dass zehn Frauen aus der Gemeinde an diesem Tag eine Empfängnis hatten - darunter auch seine eigene Ehefrau Barbara (Karen Kahn). Neun Monate später werden die Kinder geboren. Sie haben eine große Ähnlichkeit und wachsen ungewöhnlich schnell heran. Bald wird die Gemeinde von einer Reihe rätselhafter Vorkommnisse aufgerüttelt: Zuerst stürzt sich Barbara von einer Klippe in den Tod, dann erblindet die örtliche Augenärztin unter mysteriösen Umständen. Bei seinen Untersuchungen kommt Dr. Chaffee einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur...

Als John Carpenter 1995 seine Neuverfilmung von "Das Dorf der Verdammten" veröffentlichte, waren die Erwartungen entsprechend hoch. Der Regisseur hatte mit Klassikern wie "Halloween", "The Thing" und "They Live" bewiesen, dass er Spannung, Horror und gesellschaftliche Untertöne meisterhaft miteinander verbinden konnte. Seine Neuinterpretation des gleichnamigen britischen Science-Fiction-Klassikers von 1960 bot erneut eine faszinierende Prämisse, erreichte jedoch nicht ganz die Wirkung seiner besten Arbeiten. Die Handlung spielt in der kleinen Küstenstadt Midwich in Kalifornien. Eines Tages fallen sämtliche Bewohner für mehrere Stunden plötzlich in Ohnmacht. Niemand kann erklären, was geschehen ist. Wenige Wochen später stellt sich heraus, dass zahlreiche Frauen der Gemeinde schwanger sind - unabhängig von Alter, Lebenssituation oder vorherigen Umständen. Die Kinder, die schließlich geboren werden, wirken zunächst normal, entwickeln jedoch schon bald außergewöhnliche Fähigkeiten und ein beunruhigendes kollektives Bewusstsein. Während die Einwohner versuchen zu verstehen, was mit ihren Kindern geschieht, wächst die Erkenntnis, dass von ihnen eine zunehmende Gefahr ausgeht. Bereits diese Ausgangssituation gehört zu den größten Stärken des Films. Die Vorstellung einer ganzen Generation von Kindern, die äußerlich menschlich erscheinen, aber emotional und geistig fremd sind, besitzt eine nachhaltige Unheimlichkeit. Carpenter versteht es besonders in der ersten Hälfte, aus dieser Idee eine Atmosphäre schleichender Bedrohung zu erzeugen. Die ruhigen Straßen der Kleinstadt, die scheinbare Normalität des Alltags und die zunehmend verstörenden Verhaltensweisen der Kinder sorgen für ein konstantes Gefühl des Unbehagens.

Auch die Besetzung trägt erheblich dazu bei. Christopher Reeve überzeugt als Arzt Dr. Alan Chaffee, der versucht, die Vorgänge rational zu erklären und dabei zunehmend mit moralischen Fragen konfrontiert wird. Reeve verleiht der Figur Glaubwürdigkeit und Menschlichkeit, was dem Film insbesondere in seinen ruhigeren Momenten zugutekommt. Unterstützt wird er von Kirstie Alley als Wissenschaftlerin Dr. Susan Verner, die eine deutlich pragmatischere Sicht auf die Ereignisse vertritt. Das Zusammenspiel der beiden Figuren verleiht der Geschichte eine interessante Dynamik zwischen wissenschaftlicher Neugier und menschlicher Verantwortung. Visuell setzt Carpenter auf eine eher zurückhaltende Inszenierung. Mit vergleichsweise einfachen Mitteln erzeugt der Film ein wirkungsvolles Gefühl der Bedrohung und statt spektakulärer Effekte stehen Atmosphäre und Spannung im Vordergrund. Besonders die Kinder selbst sorgen mit ihren blassen Haaren, den ausdruckslosen Gesichtern und den leuchtenden Augen für einige der eindrucksvollsten Bilder des Films. Dennoch offenbaren sich im Verlauf der Handlung einige Schwächen. Während die Prämisse faszinierend bleibt, entwickelt sich die Geschichte nicht immer so spannend, wie sie könnte. Der Mittelteil verliert stellenweise an Tempo, und manche Figuren bleiben überraschend oberflächlich. Zudem erreicht die emotionale Wirkung der Konflikte nicht immer die Intensität, die das Thema eigentlich ermöglichen würde und auch das Finale hinterlässt einen etwas zwiespältigen Eindruck. Zwar greift es die zentralen Themen des Films konsequent auf, doch die Auflösung wirkt weniger kraftvoll als der vielversprechende Aufbau. Gerade im Vergleich zu Carpenters stärksten Werken fehlt jener letzte Funke, der einen guten Horrorfilm zu einem unvergesslichen Erlebnis macht.

Trotzdem besitzt "Das Dorf der Verdammten" Qualitäten, die ihn über durchschnittliche Genrekost hinausheben. Die Mischung aus Science-Fiction, Horror und psychologischem Drama funktioniert über weite Strecken gut, und die zentrale Idee hat bis heute nichts von ihrer Wirkung verloren. Zudem profitiert der Film von Carpenters sicherer Regie, die selbst schwächere Passagen stets professionell und atmosphärisch inszeniert. Als atmosphärischer Science-Fiction-Horrorfilm mit einer starken Grundidee, überzeugenden Hauptdarstellern und einigen nachhaltig verstörenden Momenten punktet er als ein etwas überdurchschnittlicher Horrorthriller. Die erzählerischen Schwächen und das etwas unspektakuläre Finale verhindern zwar eine höhere Bewertung, doch als intelligente und ungewöhnliche Genreunterhaltung bleibt der Film auch heute noch sehenswert.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkUniversal Pictures/Alphaville Films

Mittwoch, 24. Juni 2026

火遮眼 - Huo zhe yan - The Furious (2025)

https://www.imdb.com/title/tt33311069/

Als die Tochter (Enyou Yang) eines einfachen Handwerkers (Miao Xie) auf offener Straße entführt wird, muss der Vater sich durch ein komplexes Netz von Kriminellen kämpfen, um sie zurückzugewinnen – koste es, was es wolle. Als sein einziger Verbündeter entpuppt sich ein Journalist (Joe Taslim). Obwohl die beiden Männer sehr gegensätzlich sind, müssen sie lernen, sich zu vertrauen und zusammenzuarbeiten. Und sie brauchen die Kampffähigkeiten aus ihren lange versteckten Vergangenheiten...

In einer Zeit, in der viele Actionfilme ihre spektakulärsten Momente digitalen Effekten überlassen, wirkt der chinesische "The Furious" wie ein wuchtiger Gegenentwurf. Regisseur Kenji Tanigaki, der sich als Stuntkoordinator und Actionchoreograf bereits einen exzellenten Ruf erarbeitet hat, liefert mit diesem Martial-Arts-Thriller einen Film ab, der vor allem eines sein will: ein Fest für Liebhaber handgemachter Action. Und genau darin liegt seine größte Stärke. Die Handlung ist bewusst einfach gehalten und nun wirklich nicht gerade eine Innovation. Der stumme Arbeiter Wang Wei (Xie Miao) führt ein bescheidenes Leben mit seiner Tochter, bis diese von einer kriminellen Organisation entführt wird. Als die Behörden versagen und die Polizei tief in Korruption verstrickt scheint, nimmt Wang die Verfolgung selbst auf. Unterstützung erhält er von dem Journalisten Navin (Joe Taslim), dessen eigene Suche nach seiner verschwundenen Ehefrau ihn auf dieselbe Spur geführt hat. Gemeinsam geraten sie in einen brutalen Krieg gegen Menschenhändler, Auftragskiller und ein weit verzweigtes Verbrechernetzwerk. Wer bei dieser Inhaltsangabe an "Taken", "John Wick" oder "The Raid" denkt, liegt daher nicht völlig falsch. Tatsächlich bewegt sich "The Furious" erzählerisch auf vertrautem Terrain. Die Geschichte bietet nur wenige Überraschungen und folgt den bekannten Mustern des Rachethrillers. Doch Tanigaki weiß genau, dass die Handlung hier nicht der eigentliche Star ist. Sie dient als Fundament für eine Reihe von Actionsequenzen, die zu den beeindruckendsten gehören, die das Genre in den letzten Jahren hervorgebracht hat. 

Schon die ersten größeren Auseinandersetzungen machen deutlich, worauf der Film hinauswill. Die Kämpfe sind nicht nur präzise choreografiert, sondern besitzen eine kreative Dynamik, die man im modernen Actionkino selten sieht. Fahrräder, Motorräder, enge Korridore und improvisierte Waffen werden nahtlos in die Choreografie integriert. Die Kamera bleibt dabei erfreulich nah am Geschehen, ohne die Übersicht zu verlieren. Statt hektischer Schnitte setzt Tanigaki auf lange Einstellungen und klar erkennbare Bewegungsabläufe, wodurch jede Aktion ihre volle Wirkung entfalten kann. Die Kampfsequenzen sind regelrechte Meisterklasse in der modernen Martial-Arts-Inszenierung. Besonders beeindruckend ist die körperliche Leistung des Ensembles. Xie Miao überzeugt als wortkarger Protagonist, dessen Entschlossenheit in jeder Bewegung spürbar wird. Joe Taslim bringt seine bekannte Mischung aus Athletik und Leinwandpräsenz ein, während Genregrößen wie Yayan Ruhian zusätzliche Klasse in die ohnehin hochkarätigen Kampfszenen bringen. Die Figuren bleiben zwar eher funktional als tiefgründig, doch die Darsteller verleihen ihnen genügend Persönlichkeit, um emotional investiert zu bleiben.

Ganz frei von Schwächen ist der Film allerdings nicht. Dialoge und Handlung bleiben oftmals deutlich hinter der Qualität der Action zurück, manche Wendungen wirken konstruiert, einige Nebenfiguren bleiben blass, und das Drehbuch verlässt sich häufig darauf, dass die nächste spektakuläre Prügelei bereits vor der Tür steht. Tatsächlich gibt es Momente, in denen "The Furious" eher wie eine lose Aneinanderreihung herausragender Actionsequenzen wirkt als wie ein vollständig ausgereifter Thriller. Dennoch fällt es schwer, dem Film diese Schwächen nachhaltig übelzunehmen. Zu mitreißend ist sein Tempo, zu kreativ seine Inszenierung und zu offensichtlich die Leidenschaft, mit der hier gearbeitet wurde. "The Furious" kann man also getrost als den besten Martial-Arts-Film seit den "The Raid"-Filmen loben und insbesondere die Kombination aus klassischer Hongkong-Action und moderner Härte ist ein selten gewordenes Beispiel für kompromissloses Actionkino. 

Letztlich ist "The Furious" aber auch kein Film, den man wegen seiner komplexen Geschichte oder tiefgründigen Charakterentwicklung in Erinnerung behalten wird. Seine Stärke liegt vielmehr in der nahezu perfekten Beherrschung seines eigentlichen Handwerks. Wenn Fäuste fliegen, Körper dumpf aufschlagen, Knochen brechen und Gegner durch Wände geschleudert werden, erreicht der Film ein Niveau, das nur wenige aktuelle Produktionen bieten können. "The Furious" ist ein energiegeladener, kompromissloser Martial-Arts-Thriller, der die Kunst der Action ins Zentrum stellt. Die Handlung bleibt zwar konventionell und das Drehbuch hat erkennbare Schwächen, doch die spektakulären Kampfsequenzen, die starke Besetzung und die beeindruckende Regie machen den Film zu einem der bemerkenswertesten Actiontitel des Jahres. Für Liebhaber handgemachter Action ist er ohne Umschweife absolutes Pflichtprogramm. 

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkEdko Films/XYZ Films/Zhejiang Hengdian Film Production/Lionsgate

Backrooms (2026)

https://www.imdb.com/title/tt26657236/

Clark (Chiwetel Ejiofor) ist Eigentümer und Geschäftsführer eines heruntergekommenen Möbelgeschäfts, seit seiner Scheidung wohnt er außerdem dort. Eines Tages entdeckt er im Keller des Ladens eine unsichtbare Tür, hinter der sich ein endloses Labyrinth seltsamer Räume befindet. Mit der Zeit steigert er sich immer mehr in seine Besessenheit rein und möchte unbedingt das Geheimnis der verborgenen Räume lüften. Letztendlich vertraut er sich seiner Psychotherapeutin Dr. Mary Kline (Renate Reinsve) an und berichtet ihr von den Mysterien des unerklärlichen Raumes. Als diese ihm zunächst nicht glaubt, begibt sich Clark zusammen mit seinen Angestellten Kat (Lukita Maxwell) und Bobby (Finn Bennett), sowie einer Videokamera, in die Räume, um Beweise zu sammeln. Da er jedoch nie wieder zurückkehrt, macht sich Mary letztendlich selbst auf den Weg in die unbekannte Welt hinter der verborgenen Tür.

Nur wenige Horrorfilme der letzten Jahre waren mit einer derart ungewöhnlichen Entstehungsgeschichte verbunden wie "The Backrooms". Was als virale YouTube-Serie des damals erst 16-jährigen Kane Parsons begann, entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zu einem weltweiten Phänomen. Mit seiner ersten Spielfilmregie stand Parsons nun vor der schwierigen Aufgabe, ein Konzept, das ursprünglich von Atmosphäre und Andeutungen lebte, auf Spielfilmlänge auszudehnen. Überraschenderweise gelingt ihm dieses Kunststück über weite Strecken beeindruckend gut. Das Ergebnis ist ein ebenso verstörender wie faszinierender Horrorfilm, der zwar nicht frei von Schwächen ist, aber eindrucksvoll beweist, dass aus Internetkultur ernstzunehmendes Kino entstehen kann.

Die Geschichte folgt dem Möbelhausbesitzer Clark (Chiwetel Ejiofor), der auf ein unerklärliches Portal stößt, das in die sogenannten Backrooms führt - ein endloses Labyrinth aus gelb beleuchteten Fluren, verlassenen Büroräumen und architektonischen Albträumen, die jeder Logik trotzen. Parallel begleitet der Film die Therapeutin Mary (Renate Reinsve), deren Schicksal zunehmend mit dieser surrealen Parallelwelt verknüpft wird. Was zunächst wie ein klassischer Mystery-Horrorfilm beginnt, entwickelt sich zunehmend zu einer psychologischen Reise durch Erinnerungen, Traumata und die Zerbrechlichkeit der Realität. Die größte Stärke von "The Backrooms" ist zweifellos seine Atmosphäre. Parsons versteht besser als jeder andere Filmemacher, warum das ursprüngliche Konzept Millionen Menschen faszinierte. Die Backrooms sind nicht einfach nur ein Ort, sondern ein Gefühl - die verstörende Vertrautheit eines Raumes, der fast normal erscheint und gerade deshalb beunruhigt. Das Produktionsdesign und die visuelle Umsetzung dieser albtraumhaften Welt, die sterile Beleuchtung, das monotone Brummen der Neonröhren und die scheinbar endlosen Korridore erzeugen eine Form von Unbehagen, die sich tief unter die Haut schleicht.

Auch schauspielerisch überrascht der Film positiv. Chiwetel Ejiofor verleiht Clark eine glaubwürdige Mischung aus Verzweiflung, Neugier und Angst, während Renate Reinsve die emotional komplexere Rolle übernimmt. Beide Figuren fungieren weniger als klassische Horrorfilmhelden und mehr als emotionale Ankerpunkte in einer Geschichte, die bewusst mit Unsicherheit und Mehrdeutigkeit arbeitet. Viele Kritiken hoben hervor, dass gerade die ernsthaften Darstellungen verhindern, dass die Geschichte zu einer bloßen Aneinanderreihung surrealer Bilder verkommt. Besonders bemerkenswert ist die visuelle Reife von Parsons' Regiearbeit. Obwohl dies sein Spielfilmdebüt ist, zeigt er ein erstaunliches Gespür für Bildkomposition, Rhythmus und Spannung. Immer wieder entstehen Szenen, die weniger wie traditionelle Horrorsequenzen wirken als wie bewegte surrealistische Gemälde - eine Art Neudefinition dessen, was moderner Konzept-Horror leisten kann. 

Ganz ohne Probleme kommt der Film allerdings nicht aus. Das ursprüngliche Konzept als Kurzform funktionierte möglicherweise stärker als über eine Laufzeit von fast zwei Stunden. Tatsächlich verliert die Handlung im Mittelteil gelegentlich an Fokus, und manche Figuren bleiben etwas zu skizzenhaft. Auch die Entscheidung, die Mythologie der Backrooms stärker zu erklären, nimmt etwas von der Mystik. Ein Teil der ursprünglichen Faszination beruhte gerade auf dem Geheimnisvollen und Unerklärlichen. Dennoch überwiegt der positive Eindruck. Die einzigartige Atmosphäre, die ambitionierte Inszenierung und Parsons' bemerkenswertes Talent als Regisseur sind hervorragend. Und letztlich ist "The Backrooms" weit mehr als eine bloße Verfilmung eines Internet-Memes. Es ist ein ungewöhnlicher, mutiger und oftmals erschreckend wirkungsvoller Horrorfilm, der die Angst vor dem Vertrauten in eindrucksvolle Bilder übersetzt. Nicht jede erzählerische Entscheidung funktioniert vollständig, doch die kreative Vision dahinter ist jederzeit spürbar. Damit gehört "The Backrooms" sicherlich zu den originellsten Horrorfilmen des Jahres 2026, vielleicht sogar der letzten Jahre. Kane Parsons gelingt der seltene Sprung vom Internetphänomen zum ernstzunehmenden Filmemacher, ähnlich wie schon Curry Barker mit "Obsession", indem er aus einem simplen Konzept ein atmosphärisch dichtes, visuell beeindruckendes und nachhaltig verstörendes Kinoerlebnis erschafft. Kleine erzählerische Schwächen verhindern die Höchstwertung, ändern aber nichts daran, dass hier eine bemerkenswerte neue Stimme des Horrorfilms zu entdecken ist.

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkAtomic Monster/21 Laps Entertainment/A24/Phobos/The North Road Company