Mittwoch, 14. Oktober 2026

Virus - Virus: Schiff ohne Wiederkehr (1999)

https://www.imdb.com/de/title/tt0120458/
https://letterboxd.com/film/virus-1999/

Der amerikanische Schleppkutter "Sea Star" gerät in einen Sturm und wird schwer beschädigt. Während der Reparaturarbeiten stößt die Besatzung um Captain Everton (Donald Sutherland) auf ein verlassenes, russisches Satellitenüberwachungsschiff und beschließt an Bord zu gehen - immerhin stehen ihnen nach internationalem Seerecht für die Bergung des Schiffes rund zehn Prozent seines Wertes zu. Doch ihre Entscheidung erweist sich als folgenschwerer Fehler: Kaum sind der Maschinist Steve Baker (William Baldwin) und die Navigationsoffizierin Kelly Foster (Jamie Lee Curtis) an Bord des Geisterschiffes, wird die "Sea Star" mitsamt zweier Crewmitglieder vom Ozean verschluckt. Ihnen wird klar, dass sie nicht alleine sind. Eine fremde Lebensform hat die Kontrolle über das Schiff übernommen und sieht in der Menschheit nichts weiter als einen lästigen Virus, der ausgemerzt werden muss...

"Virus" ist einer dieser typischen Sci-Fi-Horrorfilme der späten 90er, die deutlich mehr Wert auf spektakuläre Effekte, düstere Schauplätze und ordentliches Monsterkino legen als auf eine besonders ausgefeilte Geschichte. Die Handlung schickt eine Bergungsschlepper-Crew während eines Taifuns auf ein verlassenes russisches Forschungsschiff. Dort entdecken sie eine außerirdische Lebensform, die Elektrizität als Lebensgrundlage nutzt und aus menschlichen Körpern und Maschinenteilen eine eigene Armee erschafft. Die Mischung aus Science-Fiction, Horror und Action ist dabei ziemlich offensichtlich von "Alien", "Terminator" und ähnlichen Genrevorbildern beeinflusst und besitzt deutliche Parallelen zu "Octalus". Ja - die Geschichte ist sicher nicht die große Stärke des Films. Das Drehbuch von Chuck Pfarrer und Dennis Feldman arbeitet mit bekannten Motiven und entwickelt seine Bedrohung relativ geradlinig. Die Idee einer außerirdischen Intelligenz, die Technik und menschliche Körper miteinander verschmilzt, besitzt allerdings durchaus Reiz. Besonders die Verbindung von organischen und mechanischen Elementen verleiht dem Monsterkonzept eine eigene Note. Schade ist nur, dass der Film daraus kaum mehr als eine klassische "Überlebende gegen Monster"-Geschichte macht. Die zeitweise interessanten Ansätze werden zugunsten von Verfolgungsjagden und Action schnell wieder beiseitegeschoben.

Deutlich besser funktioniert die Inszenierung. Regisseur John Bruno, der zuvor vor allem als Spezialeffektkünstler gearbeitet hatte, schafft eine schön dreckige und klaustrophobische Atmosphäre. Das verlassene Schiff, die dunklen Gänge, der permanente Sturm und die vielen technischen Elemente geben dem Film genau den richtigen Look für ein 90er-Jahre-Sci-Fi-Abenteuer. Kameramann David Eggby arbeitet viel mit Schatten und begrenzten Lichtquellen, während Joel McNeelys wuchtiger Score die Bedrohung zusätzlich unterstreicht. Allerdings ist der Film teilweise tatsächlich so dunkel, dass manche Szenen eher schwer zu erkennen als atmosphärisch wirken. Das eigentliche Highlight sind die Spezial- und Kreaturen-Effekte. Hier merkt man Brunos Erfahrung sofort. Die biomechanischen Kreaturen, Roboterwesen und grotesken Körpermaschinen gehören zu den interessantesten Elementen des Films und wirken auch heute noch teilweise erstaunlich kreativ. Gerade aus heutiger Sicht besitzen die handgemachten Effekte einen gewissen Charme, weil sie noch stark auf praktische Konstruktionen, Masken und Modelle setzen. Auch die Besetzung ist besser, als das Drehbuch es manchmal verdient. Jamie Lee Curtis funktioniert als taffe und entschlossene Kit Foster überzeugend und bringt die nötige Genre-Erfahrung mit. William Baldwin bleibt als Steve Baker eher blass, während Donald Sutherland als skrupelloser Kapitän Robert Everton sichtbar Spaß daran hat, einen egoistischen und zunehmend besessenen Charakter zu spielen. Joanna Pacula bekommt als Nadia ebenfalls einige gute Momente. Variety bescheinigte Curtis und Pacula trotz der dünnen Rollen ausdrücklich überzeugende Leistungen.

Beim Spannungsaufbau schwankt "Virus" allerdings deutlich. Die ersten Minuten mit dem Sturm und der Entdeckung des verlassenen Schiffes funktionieren noch richtig gut. Sobald die Bedrohung etabliert ist, verwandelt sich der Film jedoch zunehmend in eine Abfolge aus Rennen, Schießen, Verstecken und Monsterangriffen. Wirklich überraschend ist dabei wenig. Trotzdem würde ich "Virus" heute etwas positiver beurteilen. Der Film ist sicher kein unterschätztes Meisterwerk und erzählerisch teilweise ausgesprochen dünn. Aber als unkomplizierter Sci-Fi-Horror mit starker Ausstattung, ordentlichen Darstellern, einer gelungenen düsteren Atmosphäre und teilweise wirklich coolen Creature-Designs funktioniert er erstaunlich gut. Wer mit 90er-Jahre-Genre-Kino etwas anfangen kann und keine innovative Geschichte erwartet, bekommt zumindest solide Unterhaltung.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Universal Pictures/Mutual Film Company/Dark Horse Entertainment/Valhalla Motion Pictures/UGC PH/BBC Film/Marubeni/TOHO-TOWA/Tele München

リング0 バースデイ - Ringu Zero: Bāsudei - Ring 0: Birthday - Ring 0 (2000)

https://www.imdb.com/title/tt0235712/
https://letterboxd.com/film/ring-0/

30 Jahre vor den Ereignissen von "Ring" lebt die junge Sadako Yamamura (Yukie Nakama) zurückgezogen und versucht, als Schauspielerin in einer Theatergruppe Fuß zu fassen. Als eine Hauptdarstellerin unter mysteriösen Umständen stirbt, übernimmt Sadako ihre Rolle. Gleichzeitig häufen sich im Umfeld des Ensembles unerklärliche Ereignisse und weitere Todesfälle. Nur der Toningenieur Hiroshi Toyama (Seiichi Tanabe) glaubt an Sadakos Unschuld und entwickelt Gefühle für sie. Währenddessen untersucht die Journalistin Akiko Miyaji (Yoshiko Tanaka) Sadakos Vergangenheit und die übersinnlichen Kräfte ihrer Mutter Shizuko Yamamura (Masako). Schon bald gerät Sadako selbst ins Zentrum einer tödlichen Spirale aus Angst, Misstrauen und übernatürlichen Ereignissen. 

Mit "Ring 0" wagt sich die japanische "Ring"-Reihe zurück zu den Ursprüngen ihrer wohl bekanntesten Figur. Die Vorgeschichte erweitert damit die Mythologie, erzählt aber bewusst eine deutlich geradlinigere Geschichte als die Vorgänger. Das Interessante daran ist zunächst der Perspektivwechsel: Aus dem nahezu übermenschlichen Schrecken der ersten Filme wird eine junge Frau mit Verletzlichkeit, Isolation und einer tragischen Beziehung zu ihrer eigenen Vergangenheit. Yukie Nakama spielt Sadako entsprechend zurückhaltend und verleiht ihr eine überraschend menschliche Seite. Auch Seiichi Tanabe als Hiroshi Toyama funktioniert als emotionaler Gegenpol. Gleichzeitig bleiben viele Figuren der Theatergruppe relativ schematisch, wodurch das Drama nicht die gewünschte Tiefe erreicht.

Atmosphärisch geht "Ring 0" einen anderen Weg. Statt der beklemmenden Alltagsangst und des technologischen Unbehagens von Hideo Nakatas "Ring" setzt Tsuruta stärker auf klassische Mystery- und Theaterhorror-Elemente. Bühne, Probenräume, Gerüchte und merkwürdige Todesfälle liefern durchaus brauchbares Material, doch die Inszenierung ist wesentlich weniger verstörend. Gerade im Vergleich zum ersten Film fehlt häufig jene stille, unterschwellige Bedrohung, die den Schrecken von Sadako ursprünglich so wirkungsvoll machte. Auch das Drehbuch von Hiroshi Takahashi hat Licht und Schatten. Positiv ist, dass der Film versucht, Sadako nicht einfach als eindimensionale Horrorfigur zu behandeln, sondern ihre Geschichte emotionaler zu erzählen. Gleichzeitig wirken einige Wendungen konstruiert und die Erklärung ihrer Vergangenheit nimmt dem Mythos teilweise das Geheimnisvolle. Mehrere Kritiken bemängeln genau diese Entscheidung und sehen in der Vorgeschichte eher eine Abschwächung als eine Vertiefung der ursprünglichen Mythologie.

Handwerklich ist der Film durchaus solide. Kamera und Ausstattung erzeugen besonders im Theatermilieu einige schöne, düstere Bilder, während Musik und Sounddesign die Spannung unterstützen. Die Effekte sind nicht das Problem - vielmehr fehlt es vielen Szenen an Intensität. Erst im letzten Abschnitt zieht der Horror spürbar an und liefert einige wirklich gelungene Momente. Thematisch funktioniert "Ring 0" deshalb am besten als tragische Charakterstudie und weniger als klassischer J-Horror. Einsamkeit, Ausgrenzung, Misstrauen und die Angst vor dem eigenen Anderssein stehen stärker im Vordergrund als der Schrecken des unbekannten Fluchs. Das macht Sadako interessanter, nimmt ihrer Figur aber gleichzeitig einen Teil ihrer ursprünglichen Unheimlichkeit. Unterm Strich ist "Ring 0" eine durchaus interessante Ergänzung der Reihe, die ihrer Hauptfigur mehr Hintergrund und Menschlichkeit gibt. Als Horrorfilm bleibt er jedoch deutlich hinter "Ring" und "Ring 2" zurück: zu geradlinig, stellenweise zu langsam und insgesamt nicht unheimlich genug. Die solide Inszenierung, Yukie Nakamas überzeugende Darstellung und einige starke Momente im letzten Drittel reichen für einen ordentlichen, aber nicht herausragenden Abschluss der ursprünglichen "Ring"-Trilogie.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Ring 0 Production Group

Dienstag, 13. Oktober 2026

Carrie (2002)

https://www.imdb.com/de/title/tt0319970/
https://letterboxd.com/film/carrie-2002/

Carrie White (Angela Bettis) wächst unter der strengen Kontrolle ihrer religiös fanatischen Mutter Margaret White (Patricia Clarkson) auf und wird auch in der Schule wegen ihrer schüchternen, unbeholfenen Art regelmäßig ausgegrenzt. Als Carrie entdeckt, dass sie über telekinetische Fähigkeiten verfügt, beginnt sich ihr Leben grundlegend zu verändern. Während sie versucht, ihren Platz in der Welt zu finden, nehmen die Spannungen mit ihrer Mutter und ihren Mitschülern immer weiter zu. Die Neuverfilmung von Stephen Kings Horrorroman erzählt die Geschichte einer jungen Außenseiterin, deren unterdrückte Gefühle und außergewöhnliche Kräfte zunehmend außer Kontrolle geraten...

Stephen Kings "Carrie" wurde 1976 von Brian De Palma eindrucksvoll verfilmt. Die TV-Neuauflage von David Carson versucht 2002, der Geschichte um die gemobbte Außenseiterin und ihre telekinetischen Fähigkeiten eine neue Perspektive zu geben. Carrie White (Angela Bettis) wächst unter der Kontrolle ihrer streng religiösen Mutter Margaret (Patricia Clarkson) auf und wird auch in der Schule regelmäßig gedemütigt. Als ihre Mitschülerinnen sie beim Abschlussball erneut zum Opfer eines grausamen Streichs machen, entlädt sich ihre angestaute Verzweiflung in einer blutigen Katastrophe. Die Geschichte funktioniert nach wie vor, doch diese Neuverfilmung findet nur selten einen überzeugenden eigenen Zugang. Angela Bettis verleiht Carrie eine verletzliche, verschlossene und zugleich unterschwellig bedrohliche Seite. Auch Patricia Clarkson bringt die religiöse Besessenheit und Kontrollsucht der Mutter grundsätzlich überzeugend auf den Bildschirm, während David Keith als ermittelnder Detective für eine zusätzliche Perspektive sorgt. Die Besetzung ist also durchaus brauchbar, doch nicht alle Figuren gewinnen an Tiefe. Vor allem die Beziehungen zwischen den Jugendlichen bleiben teilweise oberflächlich, sodass die Grausamkeit des Mobbings nicht immer die emotionale Wirkung entfaltet, die sie haben sollte. Auch die Chemie zwischen den Figuren wirkt mitunter etwas künstlich.

Drehbuchautor Bryan Fuller orientiert sich stärker an Stephen Kings Roman als De Palmas berühmte Verfilmung. Die ergänzende Rahmenhandlung mit den Ermittlungen nach den Ereignissen und die nicht chronologische Erzählweise sollen dem Stoff eine zusätzliche Dimension verleihen. Das ist zumindest ein interessanter Ansatz, denn die Geschichte wird dadurch nicht einfach Szene für Szene wiederholt. Allerdings zieht sich die Erzählung stellenweise unnötig in die Länge. Mit rund 132 Minuten ist der Fernsehfilm für seine Geschichte zu ausgedehnt, und manche Dialoge erklären mehr, als sie tatsächlich vermitteln. Die zusätzlichen Elemente sorgen nicht durchgehend für neue Erkenntnisse, sondern bremsen häufig den Erzählfluss. Auch atmosphärisch bleibt "Carrie" hinter seinen Möglichkeiten zurück. Die Demütigungen in der Schule und die bedrückende Situation zu Hause bilden zwar eine solide Grundlage für psychologischen Horror, doch die Inszenierung entwickelt nur selten echte Spannung. Wo De Palmas Version mit Bildsprache, Montage und einem stetig wachsenden Gefühl des Unbehagens arbeitete, wirkt diese Fassung deutlich nüchterner und fernsehfilmtypischer. Die Ausstattung und die Kulissen erscheinen vergleichsweise schlicht, und auch die Kamera findet kaum prägnante Bilder, die länger im Gedächtnis bleiben. Besonders deutlich zeigen sich die Grenzen bei den Spezialeffekten. Carries telekinetische Kräfte sind zentral für die Geschichte, doch ihre Darstellung wirkt häufig billig und sichtbar künstlich. Gerade in den Szenen, in denen Gegenstände durch die Luft fliegen oder Carrie ihre Kräfte immer weniger kontrollieren kann, fehlt es an visueller Wucht. Der Abschlussball bleibt zwar der dramaturgische Höhepunkt, erreicht aber nicht die Intensität und verstörende Wirkung des Originals. Die Musik unterstützt die düstere Stimmung, kann die fehlende Spannung jedoch nicht ausgleichen.

Eine interessante Entscheidung ist das veränderte Finale, das sich stärker vom bekannten Filmende entfernt und die Möglichkeit einer Fortsetzung offenhält. Die Idee ist zumindest ungewöhnlich, wirkt in der Umsetzung aber nicht wie eine wirkliche Verbesserung. Statt die Tragik von Carries Geschichte konsequent zuzuspitzen, hinterlässt das Ende eher den Eindruck, dass die Verantwortlichen noch eine Tür für weitere Geschichten offenlassen wollten. Damit verliert der Film einen Teil der emotionalen Wucht, die den Stoff eigentlich auszeichnet. Im Vergleich zur Verfilmung von 1976 fehlt es dieser Version schlicht an Eigenständigkeit. Die Geschichte über Ausgrenzung, religiösen Fanatismus, unterdrückte Sexualität und die zerstörerischen Folgen von Demütigung ist weiterhin relevant. Doch „Carrie“ erzählt sie zu routiniert, ist zu lang und nutzt seine Möglichkeiten im Horrorbereich nur unzureichend. Angela Bettis liefert einzelne überzeugende Momente, und die stärkere Orientierung am Roman bringt einige interessante Ansätze mit sich. Unterm Strich ist "Carrie" von 2002 eine weitgehend überflüssige Neuverfilmung eines bereits hervorragend adaptierten Stoffes. Die Besetzung ist ordentlich und die erzählerischen Änderungen sind nicht uninteressant, doch sie reichen nicht aus, um dem Film eine eigene Identität zu geben. Für Fans von Stephen King mag die alternative Interpretation einen Blick wert sein; als Horrorfilm bleibt sie allerdings enttäuschend und kann dem Klassiker von 1976 kaum etwas entgegensetzen.

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: MGM Television/Trilogy Entertainment Group

Montag, 12. Oktober 2026

Infiesto (2023)

https://www.imdb.com/de/title/tt15789492/
https://letterboxd.com/film/infiesto/

In einer kleinen Stadt in Asturien wird eine junge Frau entdeckt, die schon seit Monaten für tot gehalten wurde – nur mit einem Nachthemd bekleidet und offenbar traumatisiert, aber immerhin noch am Leben. Die Polizei entsendet das Ermittlerduo Samuel García ((Isak Férriz) und Marta Castro (Iria del Río) in das triste Bergbaugebiet, wo es sich um den rätselhaften Fall kümmern soll – vor dem Hintergrund der sich gerade erst aufbauenden Covid-19-Pandemie im Frühjahr 2020 unter erschwerten Vorzeichen. Bei ihren Nachforschungen stoßen García und Castro auf Hinweise für ein Verbrechen dramatischen Ausmaßes.

"Infiesto" von Patxi Amezcua spielt im März 2020, unmittelbar zu Beginn des Corona-Lockdowns. Die Ermittler Samuel García (Isak Férriz) und Marta Castro (Iria del Río) werden mit dem Fall einer jungen Frau konfrontiert, die nach langer Zeit wieder auftaucht. Was zunächst wie ein klassischer Vermisstenfall wirkt, führt bald zu einer wesentlich größeren und düsteren Verschwörung. Die Verbindung von Polizeithriller und Pandemie ist dabei durchaus interessant. Seine größte Stärke ist die Atmosphäre. Die trostlosen Landschaften Asturiens, verregnete Orte, dunkle Innenräume und die bedrückende Stimmung der ersten Pandemiephase erzeugen ein permanent ungutes Gefühl. Gerade die Kombination aus realer gesellschaftlicher Unsicherheit und der zunächst unbekannten Bedrohung funktioniert erstaunlich gut. Auch einige Schauplätze, insbesondere die Szenen in der Mine, sind visuell und inszenatorisch gelungen. 

Isak Férriz und Iria del Río liefern als Ermittlerpaar eine solide Leistung ab und funktionieren auch im Zusammenspiel gut. Die Figuren bleiben allerdings relativ zweckmäßig geschrieben und bekommen wenig Raum für eine wirkliche persönliche Entwicklung. Das gilt auch für viele Nebenfiguren, die eher dazu dienen, die Handlung voranzutreiben. Problematischer wird es einmal mehr beim Drehbuch. "Infiesto" versucht, Kriminalfall, Serienkiller-Thriller, Sektenmythologie, archaische Rituale und Pandemieängste miteinander zu verbinden. Daraus entstehen zwar einige interessante Ansätze, wirklich vertieft wird aber kaum einer davon. Besonders die Mythologie hätte deutlich mehr Potenzial gehabt. Stattdessen hangelt sich die Handlung relativ geradlinig von einer Enthüllung zur nächsten. Auch einige Entscheidungen der Figuren wirken eher wie Mittel zum Zweck. Spannung ist trotzdem durchaus vorhanden, vor allem in den stärkeren Action- und Ermittlungsszenen. Die rund 96 Minuten sorgen außerdem dafür, dass der Film kaum unnötige Längen entwickelt. Gleichzeitig fehlen aber die wirklich überraschenden Wendungen und die psychologische Tiefe, die aus einem ordentlichen Thriller einen herausragenden machen würden. Das Ende ist letztlich deutlich weniger überraschend, als der Film gerne wäre.

Und genau hier liegt für mich das Problem: Ich habe bereits deutlich bessere spanische Thriller gesehen. "Mörderland" beispielsweise verbindet Kriminalfall, Atmosphäre und gesellschaftliche Themen wesentlich überzeugender. Auch "Der unsichtbare Gast" ist mit seinen raffinierten Wendungen und seiner deutlich ausgefeilteren Konstruktion eine wesentlich stärkere Genrearbeit. "Infiesto" ist aber deshalb keineswegs ein Totalausfall. Die düstere Atmosphäre, die ordentliche Besetzung und einige effektiv inszenierte Sequenzen sorgen für solide Thriller-Unterhaltung. Letztlich verschenkt der Film aber viel von seinem interessanten Potenzial und bleibt erzählerisch zu konventionell. Gerade die Kombination aus Pandemie, Verschwörung und Folk-Horror hätte wesentlich mehr hergeben können.

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Vaca Films

Sonntag, 11. Oktober 2026

Jaula - The Chalk Line - Die Kreidelinie (2022)

https://www.imdb.com/de/title/tt12683756/
https://letterboxd.com/film/the-chalk-line/

Paula (Elena Anaya) und ihr Mann sind auf dem Rückweg von einem Abendessen mit Freunden, als sie während der Fahrt auf ein Mädchen stoßen, das allein auf der Straße läuft. Sie beschließen, sie zu den Behörden zu bringen, die sich im Laufe der Wochen für sie interessieren und überrascht sind, dass niemand gekommen ist, um sie abzuholen. Aus diesem Grund nehmen Paula und ihr Mann sie vorübergehend bei sich auf, auch um ihre Beziehung zu retten. Die Situation ist kompliziert, denn das junge Mädchen ist von einem vermeintlichen Monster besessen, das sie bestrafen wird, wenn sie aus einem mit Kreide gemalten Quadrat auf dem Boden heraustritt. Nachdem sich zwischen den beiden Frauen eine starke Bindung entwickelt hat, begibt sich Paula auf dunkle Pfade, um das Rätsel der Vergangenheit des kleinen Mädchens zu entschlüsseln.

Mit "Die Kreidelinie" liefert der Spanier Ignacio Tatay ein bemerkenswertes Langfilmdebüt, das sich irgendwo zwischen Psychothriller, Mystery und Horror bewegt. Ein Ehepaar findet nachts ein verstörtes Mädchen mitten auf der Straße. Paula (Elena Anaya) nimmt die schweigsame Clara (Eva Tennear) schließlich bei sich auf und versucht herauszufinden, warum das Kind panische Angst davor hat, einen mit Kreide gezogenen Bereich zu verlassen. Tatay hält dabei bewusst lange offen, ob hier tatsächlich etwas Übernatürliches vor sich geht oder ob hinter Claras Verhalten ein viel realerer Schrecken steckt. Und die Ausgangsidee macht den Film von Anfang an interessant. Das Kreidequadrat wird zu einem einfachen, aber effektiven visuellen Symbol für Angst, Kontrolle und Gefangenschaft. Gleichzeitig entwickelt sich zwischen Paula und Clara eine glaubwürdige emotionale Bindung. Elena Anaya verleiht ihrer Paula genügend Wärme und Verletzlichkeit, während die junge Eva Tennear überraschend stark auftritt. Ihre zurückhaltende, beinahe wortlose Darstellung macht Clara gleichzeitig bemitleidenswert und unheimlich. Auch Pablo Molinero als Simón funktioniert als glaubwürdiger Gegenpol.

Regisseur Tatay setzt dankenswerter Weise weniger auf klassische Schockeffekte als auf Atmosphäre und Unsicherheit. Die Kamera von Oriol Barcelona nutzt statische Einstellungen, dunkle Räume und scheinbar harmlose Details, um eine unterschwellige Bedrohung aufzubauen. Vieles wirkt bewusst kalt und distanziert. Das erinnert stellenweise an europäischen Mystery-Horror, ohne einfach dessen bekannte Formeln zu kopieren. Gerade die Entscheidung, Informationen zurückzuhalten und Situationen teilweise aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten, sorgt dafür, dass man als Zuschauer ständig versucht, die einzelnen Puzzleteile zusammenzusetzen. Der Score von Snorri Hallgrímsson bleibt überwiegend zurückhaltend und verstärkt eher das Gefühl von Unbehagen, als jeden Schreckmoment musikalisch anzukündigen. Tatay versteht es zudem, mit Stille zu arbeiten. Das macht einige Szenen wesentlich unangenehmer, als es eine klassische Jump-Scare-Inszenierung könnte. Handwerklich ist das für ein Langfilmdebüt durchaus beachtlich. 

Beim Drehbuch von Tatay und Isabel Peña zeigen sich allerdings auch die Schwächen. Die erste Hälfte lebt hervorragend von der Frage, wer Clara ist und was hinter ihrem Verhalten steckt. Sobald der Film beginnt, Antworten zu liefern, wird die Geschichte konventioneller. Einige Erklärungen wirken weniger überraschend als die zuvor aufgebaute Atmosphäre, und manche Figuren bleiben eher funktionale Bestandteile des Rätsels. Dafür zieht "Die Kreidelinie" im letzten Drittel spürbar an. Der Film wird härter, emotionaler und deutlich bedrohlicher. Dabei verzichtet Tatay erfreulicherweise darauf, den Horror ausschließlich über übernatürliche Elemente zu definieren. Hinter dem Mystery steckt ein erschreckend realistischer Kern, wodurch manche Szenen sogar unangenehmer wirken als klassische Geisterfilm-Momente. Die Gewalt ist teilweise durchaus drastisch und thematisch nicht leicht verdaulich; gerade dadurch bekommt der Film eine düstere Ernsthaftigkeit.

Was bleibt, ist ein guter Thriller mit einigen wirklich starken Momenten, der sein vorhandenes Potenzial aber nicht vollständig ausschöpft. "Die Kreidelinie", im Original "Jaula", ist atmosphärisch, gut gespielt und clever genug, um das Interesse über weite Strecken aufrechtzuerhalten. Die etwas konventionelle Auflösung, kleinere Logiklücken und die nicht immer natürliche Dialogführung verhindern jedoch den ganz großen Wurf. Trotzdem ist Tatays Debüt sehenswert - insbesondere, wenn man Mystery-Thriller mag, die lieber Fragen stellen und Unbehagen erzeugen, als permanent mit Jump Scares zu arbeiten.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Pokeepsie Films/Mogambo Films

Carrie (2026)

https://www.imdb.com/title/tt11540908/
https://letterboxd.com/film/carrie-2026/

Carrie White (Summer H. Howell) wächst weitgehend abgeschottet von der Außenwelt bei ihrer dominanten Mutter auf. Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters verändert sich ihr bisheriges Leben grundlegend: Carrie besucht fortan eine öffentliche Highschool und muss sich in einer für sie völlig fremden Umgebung zurechtfinden. Der Kontakt zu ihren Mitschüler:innen stellt die zurückgezogen lebende Jugendliche vor große Herausforderungen, während ein Mobbing-Skandal die Schulgemeinschaft erschüttert und weitreichende Folgen nach sich zieht. Gleichzeitig bemerkt Carrie rätselhafte Veränderungen an sich. Sie entwickelt telekinetische Fähigkeiten, die sie zunächst weder versteht noch vollständig kontrollieren kann. Zwischen den Konflikten an der Schule, ihrem schwierigen familiären Umfeld und den neu erwachten Kräften gerät Carries Leben zunehmend aus den Fugen.

https://www.imdb.com/title/tt36629144/
1. Erste Stunde (First Period)
Nach dem Tod des Bauarbeiters Ralph White bei einem Arbeitsunfall stellt sich heraus, dass eigentlich niemand etwas über diesen Mann wusste. Polizei und Sozialarbeiter führen daraufhin eine Überprüfung in Whites Haus durch und finden seine zurückgezogen lebende Frau Margaret White und ihre Teenager-Tochter Carrie, die das Elternhaus noch nie verlassen hat. Als Bedingung dafür, dass Margaret das Sorgerecht für Carrie behält, muss diese die nahegelegene Thomas Ewen Consolidated High School besuchen. An ihrem ersten Schultag freundet sich die zu Hause unterrichtete Carrie mit Sue Snell an, wird aber von Christine Hargensen abfällig beäugt. Während einer Übung für den Ernstfall eines Amoklaufs gerät Carrie in Panik und löst dabei einen an der Wand hängenden Fernseher, der einem Schulpolizisten auf den Fuß fällt. Die tiefreligiöse Margaret missbilligt die Übung, da sie darin eine Bestätigung dafür sieht, dass die Welt da draußen sündig und böse ist. An ihrem zweiten Schultag bekommt Carrie nach dem Sportunterricht ihre erste Periode im Umkleideraum, was sie in Panik versetzt. Christine macht sich über Carrie lustig und stiftet Mitschülerinnen dazu an, Carrie mit Tampons zu bewerfen und das Ganze live in den sozialen Medien zu übertragen. Carries Angst sorgt für Stromschwankungen in der Umkleide und ihre übersinnlichen Fähigkeiten erregen die Aufmerksamkeit mehrerer Sektenmitglieder, darunter Caitlin und ihrer Anführerin Adelaide. In Interviews mit Sue sowie ehemaligen Klassenkameraden und Nachbarn der Whites wird eine Katastrophe gigantischen Ausmaßes gezeigt, die einen Großteil der Stadt zerstörte. Sue deutet dabei an, dass Carrie nicht allein für das verantwortlich war, was in jener Nacht geschah. - 9/10

https://www.imdb.com/title/tt36629145/
2. Fremdsprachen (Foreign Language)
Während ihrer Arbeit als Supermarktkassiererin wird Margaret nach Auseinandersetzungen mit Kunden zum Wartungsdienst versetzt. Nach dem Vorfall in der Umkleidekabine erfährt Carrie von ihrer Sportlehrerin Rita Desjardin von der Pubertät. Als sie ihre Mutter zur Rede stellt, weil diese ihr nichts davon erzählt hat, schickt Margaret sie zur Strafe in den Gebetsraum, wo Carrie kurz den Geist ihres Vaters sieht. Rita bestraft die anderen Mädchen, darunter Chris und Sue, indem sie sie Runden in der Turnhalle laufen lässt. Desjardin beauftragt die reumütige Sue außerdem, auf Carrie aufzupassen. Nachdem Chris an der Duke University angenommen wurde, aber aus finanziellen Gründen nicht studieren kann, gerät sie mit ihren getrennt lebenden Eltern, John und Madison Hargensen, und Kent Kirby, Madisons neuem Freund, aneinander. Nachdem Madison sie davor warnt, Kents Tochter Brooklyn zu mobben, erstellt Chris einen gefälschten Instagram-Account namens "Carrie Red", um sich als Carrie auszugeben. Carrie freundet sich mit Peter Morton, dem Schulberater, an, der ihre Liebe zur Literatur fördert, und mit ihrer Mitschülerin Emaline West. - 9/10

https://www.imdb.com/title/tt36629146/
3. Gesellschaftskunde (Social Studies)
Auf Anraten von Emaline liest Carrie Bücher über Telekinese und Telepathie. Da ihre Familie finanziell nicht gut gestellt ist und sie nicht früher BAföG beantragt hat, rät Morton Chris, sich zunächst an einem Community College zu bewerben, bevor sie im Frühjahr an die Duke University wechselt. Chris entschuldigt sich halbherzig bei Carrie und gibt vor, sich mit ihr anzufreunden, indem er sie zu Sues Übernachtungsparty einlädt. Während Margaret als Reinigungskraft Nachtschicht hat, fährt Carrie ihre Nachbarin Stella Horan zur Party. Dort freundet sie sich mit Sues Freund Tommy Ross an und unterhält sich mit Emaline. Die betrunkene Chris drängt Brooklyn dazu, die Party frühzeitig zu verlassen, wobei Brooklyn erfährt, dass sich ihre Eltern scheiden lassen. Später fährt Sue Chris nach Hause, während Tommy Carrie nach Hause bringt. Chris macht den Instagram-Account "Carrie Red" öffentlich und lädt heimlich kompromittierende Fotos von Schülern und Lehrern hoch, die schnell viele Anhänger unter den Schülern der Ewen High School gewinnen. Am nächsten Morgen entdeckt die entsetzte Carrie den Account, inklusive eines Videos vom Vorfall in der Umkleidekabine. - 9/10

https://www.imdb.com/title/tt36629147/
4. Theater AG (Dramatic Arts)
Mithilfe des Accounts "Carrie Red" sät Chris Zwietracht unter den Schülern und Lehrern der Ewen High School. Nachdem ihr Auto wegen der Schulden ihres Vaters John gepfändet wurde, sucht sie Trost bei ihrem kriminellen Freund Billy Nolan. Margaret, die unbedingt den Nachtschichten entkommen will (sie wurde eingeteilt, um einer Entlassung zu entgehen), verbreitet bösartige Gerüchte über ihren Supermarktmanager, was zu dessen Suspendierung wegen angeblichen Rassismus führt. Später entdeckt Carrie, dass Margaret Ralphs Asche nicht aus dem Krematorium abgeholt hat, woraufhin es zu einem Streit kommt. Carrie wendet sich Sue zu und lernt deren Familie kennen. Später lädt Chris Carrie und Sue zu einem gemeinsamen Ausflug mit Billy und Tina Blake ein und führt sie zur ehemaligen Baustelle, wo Ralph ums Leben kam (nachdem er erfahren hat, dass dessen Tod auf der Baustelle ihren Vater in finanzielle Schwierigkeiten gebracht hatte). Traumatisiert von der erneuten Erinnerung an den Tod ihres Vaters, erkennt Carrie, dass Chris sie manipuliert hat, und flieht. Sie sucht Trost bei Emaline und versöhnt sich mit Margaret, die Chris Rache schwört. Nachdem Sue entdeckt, dass Chris Carrie heimlich aufgenommen hat, und Tina ausplaudert, dass Chris hinter dem "Carrie Red"-Account steckt, beendet Sue die Freundschaft zu Chris. - 9,5/10

https://www.imdb.com/title/tt36629148/
5. Sportliche Ertüchtigung (Physical Education)
Nach dem Schulausflug erzählt Margaret Mr. Grayle, dass Chris hinter dem Carrie-Red-Account steckt. John verteidigt seine Tochter, die sich weigert, ihr Handy von der Schule untersuchen zu lassen. Nachdem Chris Margaret beleidigt hat, bricht Carrie ihr telekinetisch die Nase. Carrie ist zunächst entsetzt über ihre neu entdeckte Kraft, doch Emaline ermutigt sie, ihre telekinetischen Fähigkeiten auf dem Schrottplatz der Stadt zu trainieren. Chris, der nicht nachgeben will, verbreitet Gerüchte, der Englischlehrer Seth Peist sei ein Pädophiler, wodurch dem Kollegium klar wird, dass Carrie Red ein größeres Publikum erreicht hat. Margaret eskaliert die Situation weiter, indem sie einen eigenen Instagram-Account erstellt und Chris beschuldigt, Carrie Red zu sein. Aus Rache brechen Chris und Billy in das Haus der Whites ein und manipulieren die Überwachungsaufnahmen. Margaret fordert daraufhin öffentlich Chris' Schulverweis während einer Elternversammlung. Nachdem Sue Chris nicht dazu bringen konnte, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen, meldet sie sie Mr. Morton und zeigt ihr eine Tonaufnahme mit Chris' Geständnis. Als Chris die gestohlenen Überwachungsaufnahmen von Carries Zusammenbruch zu Hause veröffentlicht, während sie mit Emaline spricht, bemerkt Carrie, dass Emaline auf den Aufnahmen fehlt. Sie schlussfolgert, dass Emaline eine Halluzination gewesen sein könnte, ähnlich wie bei ihren Erlebnissen mit ihrem verstorbenen Vater. - 9,5/10

https://www.imdb.com/title/tt36629149/
6. Hauswirtschaft (Home Economics)
Carrie fühlt sich verraten und meidet Emaline zunächst, versöhnt sich aber später mit ihrer spirituellen Mentorin. Morton konfrontiert Chris mit Sues Tonaufnahme, in der sie zugibt, den Instagram-Account "Carrie Red" zu betreiben. Als John behauptet, die Aufnahme sei ein Deepfake, und die Thomas Ewan High School verklagt, wird Chris von der Schule suspendiert. Aus Rache veröffentlicht Chris ein Foto von Sue beim Kauf eines Schwangerschaftstests, woraufhin Sue und Tommy ihre Beziehung beenden. Nachdem Chris Peists minderjährige Beziehung zu Brooklyn öffentlich macht, begeht Peist Selbstmord, was Chris weiter von ihren Stiefverwandten entfremdet. Angesichts des darauf folgenden Medienspektakels und der zunehmenden Spannungen in der Gemeinde versuchen Direktor Grayle und Schulberater Morton, zwischen den Familien White und Hargensen zu vermitteln, indem sie Chris dazu bringen, sich bei Carrie zu entschuldigen, im Gegenzug für den Verzicht auf ihre Suspendierung. Margaret provoziert Chris jedoch, indem sie ihre Eltern beleidigt, woraufhin diese Carrie beleidigen. Nach Chris' Schulverweis bricht unter den Schülern ein Aufruhr aus, in dessen Verlauf sowohl Carrie als auch Chris von einer aufgebrachten Menge angegriffen werden. Wütend auf ihre Mutter, weil diese Chris weiter provoziert und gemobbt hat, unterbricht Carrie Margarets Livestream und sperrt sie in den Gebetsraum. - 9,5/10

https://www.imdb.com/title/tt36629150/
7. Romantische Literatur (Romantic Literature)
Nach Chris' Schulverweis und den Schülerunruhen übernimmt Morton die Verantwortung für den Skandal um Carrie Red und tritt als Schulberater zurück. Chris zieht zu Billy, während John wegen Veruntreuung im Gefängnis sitzt. Carrie nutzt ihre telekinetischen Kräfte, um ihre Mutter Margaret zu kontrollieren, die daraufhin ihren Online-Aktivismus einstellt. Verzweifelt über den Kontrollverlust über ihre Tochter trifft Margaret auf Amanda, die Mutter eines Astralreisenden. Amanda warnt sie vor der Existenz von Wesen mit Superkräften, den sogenannten „Anderen“. Sie rät der innerlich zerrissenen Margaret, Carrie zu töten. Aufgrund der Unruhen debattiert die Schulgemeinschaft, ob der jährliche Abschlussball stattfinden soll. Gegner, darunter Margaret, argumentieren, dass die Veranstaltung kriminelles Verhalten und Verkommenheit belohnen würde. Carrie gelingt es, die Schüler und ihre Eltern von der Durchführung des Balls zu überzeugen, indem sie ihn als Chance zur Heilung und Erneuerung darstellt. Carrie beginnt eine Beziehung mit Tommy. Der rachsüchtige Chris verschwört sich mit Billy, um den Abschlussball zu sabotieren. Er will die Wahl der Ballkönigin zu Carries Gunsten manipulieren und sie und Tommy mit Schweineblut übergießen. Tina, die von Chris und Billy gezwungen wurde, ihnen den Zutritt zum Ball zu verschaffen, beginnt zu ahnen, was Chris vorhat, sobald Carrie gekrönt ist. Sie versucht, sie anzurufen. Sue entdeckt Chris' Plan auf eigene Faust und eilt zur Schule, um ihn zu verhindern. Beide Versuche, den Streich zu stoppen, kommen zu spät. - 9,5/10

https://www.imdb.com/title/tt36629151/
8. Fortgeschrittene Physik (AP Physics)
Die Interviewerin entpuppt sich als Adelaide. Sie befragt Sue, Tina und Margaret zu den Ereignissen des Abschlussballs. Carrie ist wütend, weil die Leute sie in ihrem blutbefleckten Kleid auslachen und filmen. Von Emaline angestachelt, setzt Carrie ihre telekinetischen Kräfte ein, um Rache zu üben. Sie tötet viele der Partygäste, darunter Tommy, Mr. Grayle und Miss Desjardin, und legt ein Feuer, das die Schule erfasst. Einige Partygäste, darunter Chris, Billy, Tina und Sue, können kurz vor Carries Flucht aus der Turnhalle entkommen. Carries Amoklauf fällt mit einem Gefecht zwischen Amanda und Adelaides Kultisten zusammen, darunter Cara, deren Pyrokinese weitere Brände auslöst. Chris und Billy versuchen später, Carrie zu überfahren, doch sie überschlägt ihr Auto und zerquetscht beide. Befreit tanzen Carrie und Emaline durch Chamberlain, Carries Kräfte richten Chaos und Zerstörung an, bevor Emaline plötzlich verschwindet. Entsetzt kehrt Carrie nach Hause zurück, wo Margaret versucht, ihr auf Amandas Rat hin einen Stich in den Kopf zu versetzen. Es kommt zum Kampf, und Carrie zerstört telekinetisch das Haus um sie herum, doch Margaret überlebt dank ihrer eigenen latenten Telekinese und lässt die Trümmer schweben. Emaline taucht persönlich auf, enthüllt, dass sie angeschossen wurde, und fährt mit der traumatisierten und verletzten Carrie davon. Später erzählt Adelaide Margaret, dass Carrie mit Emaline reist, die die Fähigkeit zur Astralprojektion besitzt (am Ende stellt sich sogar heraus, dass Emaline Amandas Tochter ist). Als Margaret ihre telepathischen Kräfte ablehnt, setzt Adelaide ihre eigenen ein, um Margarets Herz zum Stillstand zu bringen und sie so zu töten. Adelaide löscht außerdem Sues Erinnerung an die Rolle der Mitglieder ihres Kultes beim Abschlussball. - 8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Amazon MGM Studios/Intrepid Pictures/Red Room Pictures

Samstag, 10. Oktober 2026

Die weiße Massai (2005)

https://www.imdb.com/title/tt0436889/
https://letterboxd.com/film/the-white-masai/

Verfilmung des gleichnamigen autobiografischen Buches, das die Lebensgeschichte der Schweizerin Corinne Hofmann schildert. Corinne heißt im Film Carola (Nina Hoss) und verlebt mit ihrem Freund Stefan (Janek Rieke) einen harmonischen Urlaub in Kenia. Doch als sie kurz vor der Rückreise den Samburu-Krieger Lemalian (Jacky Ido) sieht, ist es um sie geschehen. Die eindrucksvoll-edel wirkende Gestalt des stolzen Kriegers, dessen Muskeln unter der kaffeebraunen Haut so geschmeidig wirken, dass sie sämtliche Gefühle bei Carola in Wallung bringen, lassen sie nicht mehr los. Da in diesem Gemütszustand ein Rückflug unmöglich ist, bleibt sie in Kenia und lässt Stefan alleine davonfliegen. An dem ist sie ohnehin nicht mehr interessiert, sie will mit dem Krieger den Rest ihres Lebens verbringen. Deswegen spürt sie das Dorf auf, in dem Lemalian lebt. Sie heiratet ihn und versucht, als weiße Massai zu leben. Aber schon bald schlagen die kulturellen Grenzen unerbittlich zu.

Hermine Huntgeburths "Die weiße Massai" erzählt nach dem autobiografischen Bestseller von Corinne Hofmann die ungewöhnliche Geschichte der Schweizerin Carola, die sich während eines Kenia-Urlaubs in den Samburu-Krieger Lemalian verliebt und spontan beschließt, ihr bisheriges Leben hinter sich zu lassen. Was zunächst wie eine große romantische Geste wirkt, entwickelt sich zu einem immer schwierigeren Zusammenprall zweier Kulturen und Lebensentwürfe. Nina Hoss spielt Carola nicht als naive Weltverbesserin, sondern als eine widersprüchliche Frau, deren Entschlossenheit ebenso beeindruckt wie ihre manchmal erstaunliche Blauäugigkeit. Hoss trägt praktisch jede Szene und macht auch die weniger überzeugend geschriebenen Momente glaubwürdig. Jacky Ido ist als Lemalian ein interessanter Gegenpol: zurückhaltend, stolz und körperlich präsent, zugleich aber bewusst nicht zum exotischen Märchenprinzen verklärt. Katja Flint als Elisabeth und Nino Prester als Pater Bernardo ergänzen das Ensemble sinnvoll. 

Besonders beeindruckend sind die Bilder Kenias. Gedreht wurde an Originalschauplätzen, und Kameramann Martin Langer nutzt die Weite der Landschaften, das harte Licht und die staubigen Wege, um Carolas Fremdheit körperlich spürbar zu machen. Der Film wirkt dadurch häufig beinahe dokumentarisch. Gleichzeitig bleibt die Kamera eng bei den Figuren und beobachtet ihre Konflikte, anstatt nur touristische Postkartenbilder zu produzieren. Auch Niki Reisers Musik funktioniert überwiegend zurückhaltend und unterstützt die Atmosphäre, ohne die emotionalen Momente permanent zu überhöhen. Zusammen mit den authentischen Schauplätzen, den lokalen Darstellern und den vielen Alltagssituationen entsteht ein glaubwürdiges Gefühl für Carolas neues Leben. Und diese Mischung aus Liebesdrama und Abenteuerfilm gehört zu den gelungensten Aspekten der Inszenierung. Problematischer wird es beim Drehbuch von Johannes W. Betz. Die grundlegende Geschichte ist spannend, doch viele Entwicklungen wirken vorhersehbar. Der Film arbeitet sich teilweise recht schematisch von einem kulturellen Konflikt zum nächsten vor, während wichtige Hintergründe nur angerissen werden. Gerade die Lebensweise der Samburu und bestimmte Rituale werden nicht immer ausreichend erklärt. Das kann zwar als bewusste Perspektive verstanden werden - Carola selbst versteht ihre neue Umgebung schließlich ebenfalls nicht -, führt aber dazu, dass der Film stellenweise mehr Fragen aufwirft, als er beantwortet. Dazu kommt die lange Laufzeit von rund 131 Minuten, die nicht immer gerechtfertigt wirkt. Manche Episoden hätten durchaus etwas gestrafft werden können. Der Film nimmt sich viel Zeit für Carolas Anpassungsversuche, ohne daraus immer eine entsprechend tiefe Charakterentwicklung abzuleiten. Gleichzeitig gelingt es Huntgeburth, die Beziehung nicht einfach als kitschige exotische Liebesgeschichte zu verkaufen. Vielmehr zeigt sie, wie schnell romantische Vorstellungen an Alltag, Rollenbildern, Eifersucht und unterschiedlichen Vorstellungen von Freiheit und Partnerschaft zerbrechen können. Interessant ist allerdings, dass "Die weiße Massai" die afrikanische Lebenswelt trotz seines Authentizitätsanspruchs nicht immer differenziert genug betrachtet. Mehrere Kritiken bemängelten, dass der Film eher die Abenteuerlichkeit von Carolas Geschichte betont als ein wirklich komplexes Bild der afrikanischen Realität zu entwickeln. Genau hier bleibt er hinter seinem Potenzial zurück: Er erzählt überzeugend von einer europäischen Frau, die in einer völlig fremden Welt ihren Platz sucht, aber weniger überzeugend von dieser Welt selbst.

Unterm Strich ist der Film ein gut gespieltes und atmosphärisch starkes Drama, dessen authentische Schauplätze und Nina Hoss' überzeugende Hauptrolle einiges auffangen. Die Geschichte ist interessant, aber stellenweise zu vorhersehbar, die kulturelle Perspektive bleibt etwas oberflächlich und die Laufzeit hätte kürzer ausfallen dürfen. Kein großes Meisterwerk, aber ein sehenswertes, emotionales Drama über Liebe, Selbstbestimmung und die Grenzen kultureller Anpassung - getragen von einer starken Nina Hoss und beeindruckenden Kenia-Bildern.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Bayerischer Banken-Fonds/Constantin Film