Montag, 14. September 2026

Anacondas: The Hunt For The Blood Orchid - Anacondas: Die Jagd nach der Blut-Orchidee (2004)

https://www.imdb.com/title/tt0366174/
https://letterboxd.com/film/anacondas-the-hunt-for-the-blood-orchid/

Ein Pharmakonzern hat es auf die ausgesprochen selten und wertvolle Blut-Orchidee abgesehen, denn die Pflanze verheißt eine Verlängerung des Lebens. Allerdings ist es absolut notwendig, in den Besitz eines blühenden Exemplars zu kommen, um den Wirkstoff nutzen zu können. Dieses sehr seltene Ereignis dauert noch ungefähr zwei Wochen an, als sich eine Expedition des Konzerns auf den Weg in den Dschungel Borneos macht. Die Reise steht aber unter keinen guten Stern, da die Regenzeit das Fortkommen auf den Flüssen extrem erschwert. Nachdem es zu einem Unfall mit dem Schiff gekommen ist, muss sich die Expeditionstruppe über Land durch den Dschungel schlagen. Noch ahnen sie nicht, dass in den verschlungenen Wäldern Borneos Riesenanakondas lauern, denen so eine Gruppe junger Menschen gerade recht kommt.

"Anacondas: Die Jagd nach der Blut-Orchidee" ist genau die Sorte Fortsetzung, die gar nicht erst vorgibt, etwas anderes sein zu wollen als ein ordentlich produzierter Creature-Feature-B-Movie. Eine Expedition sucht im Dschungel Borneos nach einer seltenen Orchidee, deren Wirkstoff die Zellalterung verlangsamen soll - dummerweise lockt die Pflanze auch riesige Anakondas an. Nach dem Vorbild des Vorgängers von 1997 wird daraus eine Mischung aus Abenteuerfilm, Survival-Horror und Monsterkino. Die Geschichte ist dabei der größte Schwachpunkt. Das Drehbuch arbeitet die bekannten Genre-Regeln fast nach Lehrbuch ab: Expedition, Naturkatastrophe, zunehmend zerstrittene Gruppe, skrupelloser Geschäftsmann und natürlich ein Monster, das die Teilnehmer nach und nach dezimiert. Wirkliche Überraschungen gibt es kaum. Auch die Motivation rund um die Blut-Orchidee wirkt eher wie ein MacGuffin als wie ein ernsthaft entwickeltes Element. 

Dafür besitzt "Anacondas: Die Jagd nach der Blut-Orchidee" einen gewissen Trash-Charme. Die Figuren sind zwar größtenteils wandelnde Genreklischees, aber Matthew Marsden darf als geldgieriger Wissenschaftler wenigstens etwas Bosheit entwickeln. Auch Johnny Messner, KaDee Strickland, Morris Chestnut und Salli Richardson-Whitfield schlagen sich ordentlich. Die Darsteller machen aus ihren eher dünnen Rollen das Beste - mehr Charaktertiefe bietet das Drehbuch allerdings kaum. Regisseur Dwight H. Little nutzt dafür die Dschungelkulisse effektiv und versteht, dass ein Monsterfilm nicht ständig sein Monster zeigen sollte. Die Anacondas bleiben häufig im Wasser, im Unterholz oder im Schatten verborgen, wodurch einige Begegnungen tatsächlich Spannung entwickeln. Wenn die Tiere schließlich auftauchen, schwankt die Qualität allerdings deutlich. Die CGI-Effekte sind für ihre Zeit akzeptabel, wirken heute aber sichtbar künstlich. Gleichzeitig besitzt der Film genügend übertriebene Action – von Wasserfällen über Krokodile bis zu Spinnen und Riesenschlangen -, um zumindest als unkomplizierter Monsterfilm zu funktionieren. 

Im Vergleich zu "Anaconda" von 1997 fehlt allerdings das gewisse Etwas. Jennifer Lopez, Ice Cube und vor allem Jon Voight verliehen dem Vorgänger eine eigentümliche Mischung aus Starpower, Wahnsinn und Selbstironie. "Anacondas: Die Jagd nach der Blut-Orchidee" ist dagegen deutlich nüchterner und damit paradoxerweise weniger erinnerungswürdig. Denn die Dschungelatmosphäre funktioniert, einige Monstersequenzen machen Spaß und der bewusst trashige Ton verhindert, dass die Vorhersehbarkeit völlig langweilig wird. Das macht "Anacondas: Die Jagd nach der Blut-Orchidee" noch lange nicht zu einem guten Film im klassischen Sinne, aber ein passabler Monsterfilm für einen Abend, an dem man nicht viel mehr erwartet als Dschungel, Schlangen und ordentlich B-Movie-Action. Die Zutaten stimmen, nur das Rezept ist reichlich bekannt.

4,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkMiddle Fork Productions/Screen Gems/Columbia Pictures

Sonntag, 13. September 2026

バイオハザード デスアイランド - Baiohazādo Desuairando - Resident Evil: Death Island (2023)

https://www.imdb.com/de/title/tt26674627/
https://letterboxd.com/film/resident-evil-death-island/

Der Agent der Division of Security Operations, Leon S. Kennedy (Stimme im Original: Matthew Mercer), versucht, einen entführten Arzt zu retten, als seine Mission von einer mysteriösen Frau gestört wird. Zur gleichen Zeit untersucht der Agent der Bioterrorism Security Assessment Alliance, Chris Redfield (Kevin Dorman), einen unerklärlichen Ausbruch von Infektionen an der Westküste, die ihren Ursprung auf der Insel Alcatraz zu haben scheinen. Chris und sein Team, bestehend aus Claire Redfield (Stephanie Panisello) und Rebecca Chambers (Erin Cahill), setzen die Puzzleteile zusammen und begeben sich auf die Insel der Verzweiflung, um die Bedrohung weiter zu untersuchen.

"Resident Evil: Death Island" ist weniger eigenständiger Horrorfilm als animiertes Bonuskapitel für Fans der Videospielreihe - und genau daran sollte man seine Erwartungen messen. Regisseur Eiichirō Hasumi versammelt mit Chris Redfield, Jill Valentine, Leon S. Kennedy, Claire Redfield und Rebecca Chambers erstmals die wichtigsten Figuren des Spieleuniversums in einer gemeinsamen Geschichte. Ein Ausbruch eines mutierten T-Virus führt sie nach Alcatraz, wo hinter den Ereignissen ein neuer Gegenspieler steckt. Die größte Stärke ist tatsächlich diese Zusammenführung. "Resident Evil: Death Island" versteht, was Fans an "Resident Evil" mögen: bekannte Figuren, groteske Kreaturen, Biowaffen, große Schusswechsel und jede Menge Anspielungen auf die Spiele. Besonders die Rückkehr von Jill Valentine besitzt Gewicht, schließlich war sie seit "Resident Evil 5" nicht mehr Teil einer größeren Spielgeschichte. Für Kenner des Franchise funktioniert das beinahe wie ein großes Klassentreffen. 

Technisch kann sich der Film ebenfalls sehen lassen. Die CGI-Animation ist detailliert und gerade bei den Kreaturen, Waffen und Actionsequenzen beeindruckend. Alcatraz bietet zudem eine atmosphärisch passende Kulisse: Gefängnismauern, dunkle Korridore und unterirdische Anlagen liefern genau die klaustrophobische Umgebung, die man von "Resident Evil" erwartet. Selbst Wasser und komplexe Bewegungsabläufe sind bemerkenswert sauber umgesetzt. Und wenn die Action loslegt, funktioniert "Resident Evil: Death Island" deshalb am besten. Schießereien, Nahkämpfe und Monsterattacken sind dynamisch inszeniert und gelegentlich angenehm überdreht. Hier kommt das Videospielgefühl besonders deutlich zum Vorschein. Das Problem ist allerdings die Geschichte. Das Drehbuch von Makoto Fukami liefert zwar reichlich Lore, aber nur wenig Überraschendes. Der zentrale Konflikt ist schnell durchschaubar, der Bösewicht bleibt trotz einiger Rückblenden relativ eindimensional und auch die obligatorische Superwaffe samt Gegenmaßnahme bewegt sich tief im bekannten "Resident Evil"-Baukasten. Auch bei den Dialogen verschenkt der Film einiges. Die Figuren besitzen zwar ihre vertrauten Persönlichkeiten, sprechen aber häufig in jener funktionalen Videospiel-Logik, die zwischen Missionsbesprechung, Exposition und markigen Sprüchen pendelt. 

Selbst beim Horror bleibt "Resident Evil: Death Island" hinter seinen Möglichkeiten zurück. Zwar gibt es Zombies, Mutationen und einige durchaus groteske Kreaturen, doch der Film interessiert sich stärker für Action als für echte Angst. Wer die beklemmende Atmosphäre der frühen Spiele erwartet, dürfte enttäuscht sein. Trotzdem ist "Resident Evil: Death Island" gegenüber "Resident Evil: Vendetta" ein kleiner Fortschritt. Die Figurenkonstellation wirkt reizvoller, die Animation ist hochwertig und der Film hat zumindest den Charme eines großen Franchise-Crossovers. Für Neueinsteiger funktioniert das allerdings deutlich schlechter: Ohne Kenntnis der Figuren und ihrer Vorgeschichten bleibt vieles oberflächlich oder wirkt wie reine Fanpflege. Die Zusammenführung von Chris, Jill, Leon, Claire und Rebecca macht Spaß, die Animation ist stark und die Action besitzt ordentlich Druck. Dafür sind Handlung, Dialoge und Bösewicht bestenfalls zweckmäßig, während der Horror zugunsten spektakulärer Kämpfe deutlich zurücktritt. Für Fans sicherlich ein unterhaltsamer Franchise-Happen, für alle anderen eher ein hübsch animierter, aber ziemlich austauschbarer Zombie-Actionfilm. 

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkCapcom/Quebico/Sony Pictures/Sammy/Robot Communications/KADOKAWA/TMS Entertainment

Coyote vs. Acme (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt1756855/
https://letterboxd.com/film/coyote-vs-acme/

Nach unzähligen erfolglosen Versuchen, den Road Runner zu fangen, hat Wile E. Coyote genug von den Produkten der ACME Corporation, die seine Pläne immer wieder scheitern lassen. Überzeugt davon, dass der Konzern für seine zahlreichen Misserfolge verantwortlich ist, beschließt er, rechtliche Schritte einzuleiten. Unterstützung erhält er dabei vom Anwalt Kevin Avery (Will Forte), der sich auf den ungewöhnlichen Fall einlässt und ACME vor Gericht herausfordert. Die Auseinandersetzung wird zusätzlich erschwert, weil ausgerechnet der frühere Vorgesetzte des Juristen inzwischen als Geschäftsführer der ACME Corporation (John Cena) auf der Gegenseite steht. Während sich der Rechtsstreit zuspitzt, entwickelt sich zwischen Wile E. Coyote und seinem Anwalt eine enge Freundschaft. Gemeinsam stellen sie sich dem einflussreichen Unternehmen und kämpfen dafür, den Prozess zu ihren Gunsten zu entscheiden.

Was wäre, wenn Wile E. Coyote irgendwann einfach genug davon hätte, von seinen eigenen ACME-Produkten in die Luft gesprengt zu werden - und den Hersteller verklagen würde? Aus diesem herrlich absurden Gedanken macht Dave Green eine überraschend clevere Mischung aus Live-Action-Komödie, Looney-Tunes-Slapstick, Gerichtsfilm und Konzernsatire. Wile E. Coyote zieht gemeinsam mit dem erfolglosen Anwalt Kevin Avery (Will Forte) gegen den übermächtigen ACME-Konzern vor Gericht, vertreten durch John Cena. Die Grundidee geht auf Ian Fraziers satirischen "New Yorker"-Text von 1990 zurück. Das Bemerkenswerte ist, wie gut der Film seine beiden Welten zusammenführt. Wile E., Road Runner, Bugs Bunny, Daffy Duck und zahlreiche weitere Looney-Tunes-Figuren bewegen sich selbstverständlich durch eine ansonsten reale Welt. Die Animation fügt sich erstaunlich sauber in die Live-Action-Bilder ein, während Green die klassische Cartoon-Physik respektiert: Körper dürfen explodieren, Raketen funktionieren grundsätzlich nie und ein Sturz aus großer Höhe ist eher ein vorübergehendes Ärgernis als eine tödliche Angelegenheit. Gerade die Rückkehr zu diesem anarchischen Regelwerk macht den Film sympathisch.

Will Forte bildet dazu einen angenehm bodenständigen Kontrapunkt. Sein Kevin Avery ist kein genialer Superanwalt, sondern ein sympathischer Loser, der plötzlich eine Sache bekommt, für die es sich zu kämpfen lohnt. John Cena hat sichtlich Spaß an seiner Rolle als aalglatter Vertreter von ACME und versteht es, die Figur zwischen überzogenem Comic-Bösewicht und klassischem Konzernanwalt anzusiedeln. Die menschlichen Figuren funktionieren gerade deshalb, weil sie den Cartoon-Wahnsinn nicht permanent kommentieren. Lana Condor ergänzt das Ensemble als Averys Nichte und bringt zusätzlich eine familiäre Ebene in die Geschichte. Die eigentliche Überraschung ist jedoch das Drehbuch von Samy Burch. Hinter dem Slapstick steckt eine erstaunlich deutliche Konzernkritik. ACME ist längst nicht mehr nur der Hersteller von Raketen, Sprungfedern und Dynamit, sondern ein gigantisches Unternehmen, das nahezu jeden Lebensbereich kontrolliert. Aus dem Kampf eines einzelnen Kojoten gegen einen Hersteller wird damit eine David-gegen-Goliath-Geschichte über Monopole, Machtkonzentration und die Frage, was passiert, wenn ein Konzern praktisch über dem Gesetz steht. 

Dabei vergisst "Coyote vs. Acme" nie, dass es in erster Linie Spaß machen möchte. Die zahlreichen Cameos und Easter Eggs sind nicht bloß Pflichtprogramm für Fans, sondern werden häufig tatsächlich in die Handlung integriert. Besonders die absurden Zeugenaussagen und die Verwendung weniger offensichtlicher Looney-Tunes-Figuren sorgen für einige der besten Gags. Auch die wiederkehrenden ACME-Pannen funktionieren erstaunlich gut, weil der Film Wile E.s jahrzehntelanges Scheitern nicht einfach wiederholt, sondern daraus eine Art Lebensphilosophie macht: Entscheidend ist nicht, wie oft man fällt, sondern dass man wieder aufsteht. Ganz auf dem Niveau der klassischen Kurzfilme ist das allerdings nicht. Die alten Road-Runner-Cartoons waren in ihrer Kürze gnadenlos präzise und entwickelten aus wenigen Sekunden Vorbereitung eine geradezu explosive Pointe. "Coyote vs. Acme" muss dagegen eine komplette Spielfilmhandlung tragen. Dadurch entstehen zwangsläufig Längen, und nicht jeder Gag besitzt die anarchische Energie seiner Vorbilder. Auch die Gerichts- und Konzernhandlung ist nicht durchgehend so bissig, wie sie sein könnte. Manchmal wird die Satire zugunsten einer sehr konventionellen Underdog-Dramaturgie zurückgenommen. Emotional funktioniert das zwar, nimmt dem Film aber etwas von seiner anarchischen Schärfe. Dafür gelingt ihm etwas, woran viele moderne Franchise-Filme scheitern: Er behandelt seine Figuren nicht bloß als nostalgische Markenmaskottchen, sondern versucht tatsächlich zu verstehen, warum Wile E. Coyote als Figur seit Jahrzehnten funktioniert.

Und natürlich ist die Geschichte hinter dem Film selbst beinahe schon Teil seiner Handlung. Das bereits fertiggestellte Projekt wurde von Warner Bros. 2023 zunächst eingestampft und sollte als Steuerabschreibung verschwinden. Erst der spätere Verkauf an Ketchup Entertainment ermöglichte die Veröffentlichung. Dass ausgerechnet ein Film über einen hoffnungslos unterlegenen Außenseiter, der sich gegen einen mächtigen Konzern stellt, diesen Weg genommen hat, verleiht dem Ganzen eine fast schon absurde Metaebene. "Coyote vs. Acme" ist beileibe keine perfekte Rückkehr der Looney Tunes, aber eine ausgesprochen charmante. Die Mischung aus Cartoon-Chaos, Buddy-Komödie, Gerichtsfilm und Konzernsatire funktioniert erstaunlich gut, Will Forte und John Cena sind bestens aufgelegt und die Animation respektiert den Geist der klassischen Figuren. Zwar fehlt über die gesamte Laufzeit die irrwitzige Präzision der alten Kurzfilme und die Geschichte wird gelegentlich etwas zu sentimental und konventionell. Trotzdem ist das Ergebnis deutlich besser, als ein Film über einen von ACME verfolgten Kojoten eigentlich sein dürfte. Ein überraschend intelligenter, sehr unterhaltsamer und vor allem liebevoller Looney-Tunes-Film - und vielleicht der seltene Fall, in dem ein Film über das Scheitern selbst zum kleinen Triumph wird. 

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkTroll Court Entertainment/Keylight Pictures/Warner Animation Group/Warner Bros. Pictures

Samstag, 12. September 2026

In The Line Of Fire - In The Line Of Fire: Die zweite Chance (1993)

https://www.imdb.com/de/title/tt0107206/
https://letterboxd.com/film/in-the-line-of-fire/

Agent Frank Horrigan (Clint Eastwood) ist ein alter Hase beim Secret Service und gehörte zu den Leibwächtern von John F. Kennedy. Der Mord am Präsidenten beschäftigt ihn auch nach 30 Jahren noch. Dann erhält er einen seltsamen Anruf: Ein Fremder (John Malkovich), er nennt sich Booth, kündigt an, den Präsidenten zu töten. Horrigan nimmt diese Bedrohung ernst und setzt alles daran, dass nicht wieder ein US-Präsident ins Gras beißt, womöglich durch seine Schuld. Er nimmt seinen alten Dienst wieder auf - doch die Sicherheitsvorkehrungen werden durch das Wahlkampfprogramm des Präsidenten erheblich erschwert. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, gegen einen scheinbar perfekten Killer...

Wolfgang Petersens "In The Line Of Fire" ist ein Politthriller der alten Schule: geradlinig erzählt, hervorragend besetzt und vor allem deshalb spannend, weil er seine Action immer mit einem psychologischen Duell verbindet. Clint Eastwood spielt den Secret-Service-Agenten Frank Horrigan, der seit dem Kennedy-Attentat von 1963 mit dem Gefühl lebt, versagt zu haben. Als der psychopathische Attentäter Mitch Leary (John Malkovich) den amtierenden Präsidenten ins Visier nimmt und Horrigan telefonisch mit seinen Plänen provoziert, wird aus einem Sicherheitsauftrag eine persönliche Konfrontation. Die Prämisse ist nicht neu, aber Jeff Maguires Drehbuch nutzt sie erstaunlich effektiv. Statt sich ausschließlich auf spektakuläre Anschläge zu konzentrieren, macht der Film Horrigans Schuldgefühle zum emotionalen Motor. Leary kennt dessen Vergangenheit und benutzt sie als Waffe. Dadurch entsteht ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem beide Männer einander beobachten, analysieren und zunehmend persönlich herausfordern. 

Clint Eastwood ist dabei die ideale Besetzung. Seine altersbedingte Verletzlichkeit wird nicht kaschiert, sondern zum zentralen Bestandteil der Figur. Horrigan ist kein unbesiegbarer Actionheld mehr, sondern ein erfahrener Mann, der weiß, dass seine körperlichen Grenzen näher rücken. Gerade deshalb besitzt sein möglicher letzter Einsatz emotionales Gewicht. Rene Russo funktioniert als Kollegin Lilly Raines ebenfalls gut; ihre Beziehung zu Horrigan bringt etwas Leichtigkeit in den ansonsten düsteren Stoff, bleibt allerdings stärker Nebenhandlung als wirklich gleichwertiger Handlungsstrang. Der eigentliche Star auf der Gegenseite ist John Malkovich. Sein Mitch Leary ist kein brüllender Filmpsychopath, sondern höflich, kontrolliert und gerade deshalb beunruhigend. Malkovich spielt ihn mit einer Mischung aus Intelligenz, Ironie und völliger moralischer Kälte. Seine Telefongespräche mit Horrigan gehören zu den besten Szenen des Films. 

Petersen, der zuvor mit "Das Boot" seine Fähigkeit zu klaustrophobischer Spannung bewiesen hatte, inszeniert "In The Line Of Fire" bemerkenswert souverän. Washington wird nicht zur bloßen Kulisse, sondern zum realistischen politischen Raum, durch den sich die Figuren bewegen. Paraden, Wahlkampfveranstaltungen, Flughäfen und Straßen verwandeln sich jederzeit in potenzielle Gefahrenzonen. Die Spannung entsteht dabei häufig aus der Frage, wo Leary zuschlagen könnte - und weniger aus dem eigentlichen Anschlag. Auch die technische Seite überzeugt. Die Kameraarbeit, die präzise Montage und Ennio Morricones Musik unterstützen die Atmosphäre, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Besonders gelungen ist der Umgang mit Archivmaterial rund um John F. Kennedy: Horrigans persönliche Vergangenheit wird dadurch unmittelbar mit der Gegenwart verknüpft. Gleichzeitig ist gerade dieser Umgang mit dem Kennedy-Attentat nicht völlig unproblematisch, weil der Film reale Bilder teilweise sehr wirkungsvoll, aber auch ausgesprochen manipulativ für seine Dramaturgie einsetzt.

Die Handlung verlangt dem Zuschauer gelegentlich jedoch einiges an Gutgläubigkeit ab, und manche Elemente des Secret-Service-Apparats wirken erstaunlich inkompetent. Auch der romantische Subplot zwischen Eastwood und Russo bleibt etwas schematisch. Dafür besitzt der Film etwas, das vielen heutigen Thrillern fehlt: Geduld. Petersen lässt seine Figuren reden, beobachten und ermitteln. Die Action ist nicht permanent vorhanden, sondern wird vorbereitet. Wenn sie schließlich einsetzt, besitzt sie dadurch deutlich mehr Wirkung. Im Vergleich zu modernen Politthrillern wirkt der Film heute stellenweise konventionell, aber gerade darin liegt sein Reiz. Er erinnert an die großen Paranoia- und Verschwörungsthriller der 1970er, kombiniert diese aber mit der Starpower eines klassischen Hollywood-Thrillers. Und anders als viele reine Actionfilme interessiert er sich tatsächlich für die psychologischen Folgen seines zentralen Konflikts. "In The Line Of Fire" ist damit am Ende kein radikal innovativer Thriller, aber ein ausgesprochen souverän gemachter. Clint Eastwood und John Malkovich liefern sich ein großartiges Duell, Petersen hält das Tempo kontrolliert und das Drehbuch verbindet persönliche Schuld mit politischer Spannung. Einige Nebenhandlungen und logische Konstruktionen sind deutlich konventioneller, als die hervorragende Hauptgeschichte vermuten lässt. Trotzdem bleibt der Film ein Beispiel dafür, wie spannend ein klassischer Thriller sein kann, wenn Figuren, Schauspieler und Dramaturgie tatsächlich zusammenarbeiten.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkCastle Rock Entertainment/Apple / Rose/Columbia Pictures

Freitag, 11. September 2026

Protector (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt34471850/
https://letterboxd.com/film/protector-2025/

Nikki (Milla Jovovich) ist eine Kriegsheldin, will ihre gewaltvolle Vergangenheit aber nun endlich hinter sich lassen und sich ganz dem Familienleben mit ihrer Tochter Chloe widmen. Doch ein Leben in Frieden scheint ihr nicht vergönnt, denn eines Tages erwacht sie in einer verlassenen Fabrikhalle und stellt fest: Ihre Tochter wurde entführt! Nikki bleibt nichts anderes übrig, als sich auf ihre ausgeprägten kämpferischen Fähigkeiten zu besinnen, um ihre Tochter zurückzubekommen. Sie begibt sie in die Unterwelt der Stadt, um die Entführer aufzuspüren. Weil sie dabei aber ordentlich Staub aufwirbelt, sind ihr auch schon bald die Polizei und das Militär auf den Fersen.

Adrian Grünbergs "Protector" ist ein klassischer Rache- und Entführungsthriller, der Milla Jovovich einmal mehr als kompromisslose Actionheldin ins Zentrum stellt. Sie spielt Nikki, eine ehemalige Soldatin, die eigentlich mit ihrer gewalttätigen Vergangenheit abgeschlossen hat, bis ihre Tochter Chloe (Isabel Myers) entführt wird. Innerhalb von 72 Stunden muss sie das Mädchen finden und legt sich dabei nicht nur mit einem Menschenhändlerring, sondern auch mit Polizei und Militär an. Die Nähe zu "Taken" ist dabei kaum zu übersehen - bis hin zur klar definierten Zeitfrist und der "besonderen Fähigkeiten" der Hauptfigur. Milla Jovovich spielt Nikki nicht als unverwundbare Superfrau, sondern als körperlich und emotional angeschlagene Mutter, die ordentlich einstecken muss. Gerade die Härte ihrer Kämpfe funktioniert: Die Action ist brutal, direkt und erfreulich wenig glamourös. Auch Matthew Modine sorgt als ehemaliger Vorgesetzter für etwas Charakter, wobei seine Rolle auffällig an den klassischen Mentor aus "Rambo" erinnert. Leider kann das Drehbuch mit Jovovichs Einsatz kaum mithalten. Die Handlung hangelt sich durch bekannte Entführungs-, Menschenhandels- und Rachefilm-Motive, während die meisten Nebenfiguren kaum mehr als Funktionsträger bleiben. Besonders der Gegner bleibt erschreckend blass. Das eigentlich interessante Thema Menschenhandel wird dadurch eher als düstere Kulisse benutzt, statt ernsthaft ausgelotet zu werden. 

Auch die Inszenierung ist zweischneidig. Grünberg, der bereits "Rambo: Last Blood" verantwortete, weiß durchaus, wie man körperliche Action mit Wucht inszeniert. Einige Kämpfe und Verfolgungen besitzen ordentlich Druck. Gleichzeitig ist die Choreografie nicht immer übersichtlich, und die Handlung wird regelmäßig durch erklärende Dialoge ausgebremst. RogerEbert.com kritisierte entsprechend sowohl die abgenutzten Genreklischees als auch die übererklärende Dialogführung. Am problematischsten ist jedoch der späte Twist. Ohne ihn vorwegzunehmen: Die Idee hätte durchaus Potenzial, kommt aber so spät, dass sie den zuvor erzählten Film kaum noch sinnvoll bereichert. Statt einer cleveren Neubewertung entsteht eher der Eindruck, dass ein Überraschungseffekt nachträglich Bedeutung erzeugen soll.  Damit bleibt "Protector" vor allem ein Film für Zuschauer, die Milla Jovovich in einer ruppigen Actionrolle sehen möchten. Wer nach einem neuen "Taken" sucht, bekommt solide Genrekost, aber kaum etwas, das man nicht schon besser gesehen hätte. Die Diskrepanz zwischen Jovovichs überzeugender körperlicher Präsenz und dem formelhaften Drehbuch ist letztlich bezeichnend für den gesamten Film.

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkAanaxion Studio/828 Productions/BondIt Media Capital/Magenta Light Studios/Blossom Studio/Allbarun Company/SSS Entertainment/American Picture House Corporation/CaliWood Pictures

Donnerstag, 10. September 2026

Panic Room (2002)

https://www.imdb.com/de/title/tt0258000/
https://letterboxd.com/film/panic-room/

Die frisch geschiedene Mutter Meg Altman (Jodie Foster) zieht mit ihrer elfjährigen Tochter Sarah (Kristen Stewart) in ein traumhaftes Stadthaus in der New Yorker Upper East Side. Mit zu der Luxusausstattung des neuen Domizils gehört auch ein einbruchsicherer Raum, der perfekten Schutz bietet und mit modernster Technik ausgestattet ist. Doch dummerweise ist genau dieses Zimmer das Ziel einer Gangsterbande (Forest Whitaker, Jared Leto, Dwight Joakam), die in der ersten Nacht in die Villa einbricht. Meg und Sarah können sich in letzter Sekunde in den "Panic Room" retten und dort verbarrikadieren. Das hält die Einbrecher aber nicht davon ab, zu versuchen, in den Zufluchtsort vorzudringen...

David Finchers "Panic Room" ist vielleicht einer seiner weniger ambitionierten, aber dafür präzisesten Filme. Aus einer denkbar simplen Ausgangslage - eine frisch geschiedene Mutter und ihre Tochter werden in ihrem neuen New Yorker Stadthaus von Einbrechern überrascht - entwickelt Fincher ein beinahe chirurgisch konstruiertes Katz-und-Maus-Spiel. Meg Altman (Jodie Foster) und Sarah (Kristen Stewart) verschanzen sich im titelgebenden Schutzraum, während drei Eindringlinge versuchen, an das dort versteckte Geld zu gelangen. Was folgt, ist weniger Charakterdrama als ein hochkonzentriertes Spiel aus Raum, Bewegung und Strategie. Gerade diese Reduktion funktioniert hervorragend. Der Film wirkt wie eine Schachpartie, bei der beide Seiten das Spielfeld und die Regeln kennen und jede Entscheidung die Möglichkeiten des nächsten Zuges verändert. Genau daraus bezieht "Panic Room" seine Spannung: Fincher muss nicht ständig neue Überraschungen aus dem Hut zaubern, weil bereits die räumliche Konstellation genügend Möglichkeiten bietet. 

Jodie Foster trägt den Film mit einer bemerkenswert entschlossenen Performance. Meg ist keine klassische Actionheldin, sondern eine Mutter, die angesichts einer extremen Situation improvisieren muss. Kristen Stewart ist als Sarah ebenfalls überzeugend und verleiht der Beziehung zwischen Mutter und Tochter eine glaubwürdige Verletzlichkeit. Auf der anderen Seite stehen Forest Whitaker als vergleichsweise menschlicher Einbrecher Burnham, Jared Leto als nervöser Junior und Dwight Yoakam als der brutale Raoul. Besonders Whitaker verhindert, dass die Gegenspieler zu eindimensionalen Bösewichten verkommen. Finchers eigentliche Hauptfigur ist allerdings das Haus. Die Kamera gleitet durch Wände, Schlösser, Treppengeländer und Lüftungsschächte, als wäre die Architektur durchsichtig. Diese spektakulären Kamerafahrten sind nicht bloß Selbstzweck: Sie machen den Zuschauer mit dem Gebäude vertraut und verwandeln es anschließend in ein taktisches Spielfeld. Dabei ist *Panic Room* erstaunlich ökonomisch. Fincher und Drehbuchautor David Koepp benötigen kaum überflüssige Nebenhandlungen. Selbst der Hintergrund von Megs Scheidung und die Beziehung zu ihrem Ex-Mann Stephen dienen letztlich dazu, die emotionale Situation der Figuren zu definieren. Die klaustrophobische Konstruktion funktioniert deshalb nicht nur physisch: Meg hat sich nach ihrer Scheidung ein neues Zuhause geschaffen und wird ausgerechnet dort gezwungen, sich in einen Raum zurückzuziehen, der eigentlich Sicherheit garantieren sollte.

Ganz frei von Schwächen ist das Drehbuch allerdings nicht. Einige technische Lösungen sind arg bequem, manche Verletzungen und körperlichen Belastungen werden großzügig übergangen und bestimmte Entscheidungen der Figuren verlangen dem Zuschauer etwas gutwillige Mitarbeit ab. Auch dramaturgisch ist "Panic Room" weniger überraschend, als Finchers Ruf zunächst erwarten lässt. Wer "Sieben", "Fight Club" oder "The Game" erwartet, bekommt keinen ähnlich komplexen oder philosophisch aufgeladenen Thriller. Der Film interessiert sich primär für Spannung und Inszenierung. Das ist einerseits eine Einschränkung, andererseits seine große Stärke: "Panic Room" weiß ziemlich genau, was er sein möchte, und verliert sich nicht in unnötigem Tiefsinn. Damit avanciert "Panic Room" nicht zum Meisterwerk, aber zu einem nahezu perfekt gebauten Genrefilm. Jodie Foster überzeugt, Forest Whitaker sorgt für moralische Nuancen und Fincher macht aus einem einzigen Haus ein faszinierendes Labyrinth. Einige Drehbuchkonstruktionen sind nicht ganz wasserdicht und die spektakuläre Kameraarbeit ist gelegentlich demonstrativ - doch Spannung, Atmosphäre und handwerkliche Präzision stimmen. Ein intelligenter, ausgesprochen stilvoller Thriller, der auch mehr als zwei Jahrzehnte später noch hervorragend funktioniert.

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkColumbia Pictures/Hofflund/Polone/Indelible Pictures

LOL Next (2026)

https://www.imdb.com/title/tt38956012/

"LOL Next" ist das neue Spin-off von LOL: Last One Laughing und startet mit einer jüngeren, stark aus Social Media und dem Internet kommenden Comedy-Generation. Statt Michael "Bully" Herbig übernimmt diesmal Hazel Brugger die Gastgeberrolle. Die zehn Teilnehmer müssen sich gegenseitig mit Stand-up, Improvisation, Figuren und spontanen Aktionen zum Lachen bringen - wer selbst lacht, fliegt allerdings bereits beim ersten Lacher raus. Mit dabei sind: Adrian Vogt / Aditotoro, Alina Bock, Torge Oelrich / Freshtorge, Helge Mark, Laura Larsson, Maria Ziffy, Marti Fischer, Paul Luca Fischer, Phil Laude und Sandra Safiulov / Selfiesandra.

1. Das crazy
Zehn witzige Social Media-Influencer akzeptieren die härteste Challenge ihres Lebens: Vier Stunden im LOL Next-Loft ohne Zugriff aufs Handy! Und als wäre das nicht crazy genug, verkündet Host Hazel Brugger auch noch einen Game-Changer: "Ein einziger Lacher reicht und ihr seid raus!" Jedes Kichern könnte das Letzte sein und Hazel warnt die Talents vor: "Leute, ich bin heut nah am Buzzer gebaut!" - 5/10

2. Das Huhn mit Schluckauf
Ein Talent stellt seine Doppelgängerin vor. Oder ist das ein Doppelgänger? Der kleine Unterschied ist wichtig, denn einer von den beiden darf lachen und die andere nicht! Klingt kryptisch? Ist aber so! Hazel haut in der zweiten Folge gleich mehrmals auf den Buzzer und das ist eine gute Nachricht - zumindest für uns Fans: Scheinbar gibt's hier einiges zu lachen...! - 5/10

3. Hier hat doch einer...
Die Generation LOL Next bekommt Besuch von der Presse und auf den Typ haben alle gerade noch gewartet - not! Aber irgendwie sieht dieser landesweit bekannte Schmierfink verdächtig auf-ge-weckt aus!? Sein stiller Abgang wird für alle Teilnehmer zur akrobatischen Heraufforderung. Davon erholt, bringt ein Nextie die ganze Bande mal so richtig auf Trab! Das ist ziemlich hü aber auch ein bisschen hott. - 5/10

4. Ein einziger Fiebertraum
Ein Blitz-Date läutet für alle Verbliebenen die letzte Folge ein! Leider ohne Happy End, denn einer von den beiden Verbalerotikern hat sein ABC nicht ganz im Griff. Plötzlich schaut Hazel vorbei - und schwupps, da waren's nur noch zwei! Fürs Finale schickt sie zwei Top-Comedians ins Loft, aber erst ein Wal sorgt dafür, dass eine(r) von den Beiden auf dem letzten Loch bläst... - 6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: amazon Video