https://www.imdb.com/de/title/tt29623480/https://letterboxd.com/film/the-wild-robot/Das epische Abenteuer folgt der Reise eines Roboters - der ROZZUM-Einheit 7134, kurz "Roz" -, der auf einer unbewohnten Insel Schiffbruch erleidet und lernen muss, sich an die raue Umgebung anzupassen. Doch leichter gesagt als getan, denn die tierischen Inselbewohner scheuen die Anwesenheit des metallenen Neuankömmlings – und fürchten sich regelrecht vor der blinkenden und lärmenden Gestalt, die eigentlich nur helfen möchte. Selbst als sich Roz (Stimme im Original: Lupita Nyong'o / Deutsche Stimme: Judith Rakers) die Sprache der pelzigen und gefiederten Insulaner aneignet, ändert dies nichts an ihrem angespannten Verhältnis. Doch als er ein verwaistes Gänseküken findet, bekommt das Dasein des Roboters eine neue Berechtigung. Fortan kümmert er sich aufopferungsvoll um sein Ziehkind und versucht ihm mit Überlebenstipps zur Seite zu stehen. Zudem muss die auf den Namen Brightbill (Kit Connor) getaufte Zwerggans auf den bevorstehenden Vogelzug vorzubereiten. Nur wer an diesem teilnimmt, hat auch die Chance, den harten Winter zu überstehen...
DreamWorks Animation hat in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen, dass das Studio weit mehr kann als reine Familienunterhaltung. 2024 gelang dem Studio mit "Der wilde Roboter" einer der stärksten Animationsfilme der letzten Jahre. Regisseur Chris Sanders adaptierte den erfolgreichen Kinderroman von Peter Brown und erschafft daraus ein bewegendes Abenteuer, das mit einer wunderbar emotionalen Geschichte, außergewöhnlicher, ansprechender Animation und liebevoll geschriebenen Figuren gleichermaßen Kinder wie Erwachsene anspricht. Er wurde für mehr als 160 Filmpreise nominiert und gewann davon 50. Bei der Oscarverleihung 2025 war er ebenfalls als bester Animationsfilm nominiert, musste sich aber "Flow" geschlagen geben, was etwas schade ist, denn rein objektiv betrachtet, hätten beide Filme die Auszeichnung mehr als verdient. Und das völlig zurecht.

Die Geschichte beginnt mit einem Schiffsunglück, nach dem die Serviceroboterin Roz (im Original gesprochen von Lupita Nyong’o) als einzige auf einer unbewohnten Insel strandet. Ohne Kenntnisse über die Tierwelt versucht sie zunächst lediglich, ihren Programmauftrag zu erfüllen. Doch nach und nach gewinnt sie das Vertrauen der Waldbewohner und übernimmt schließlich die Verantwortung für ein verwaistes Gänseküken namens Brightbill. Aus der zunächst rein funktionalen Maschine entwickelt sich langsam ein Wesen, das Mitgefühl, Fürsorge und Liebe erfährt - und genau darin liegt die große Stärke des Films. Was "Der wilde Roboter" so besonders macht, ist seine emotionale Ehrlichkeit. Die Geschichte handelt zwar von einer Maschine, erzählt aber letztlich von universellen Themen wie Familie, Zugehörigkeit, Verlust, Verantwortung und dem Mut, seinen eigenen Weg zu gehen. Dabei verzichtet der Film erfreulicherweise auf übertriebene Sentimentalität. Stattdessen entstehen die emotionalsten Momente ganz natürlich aus den Beziehungen der Figuren. Gerade die Entwicklung zwischen Roz und Brightbill gehört zu den schönsten Mutter-Kind-Geschichten, die das Animationskino der letzten Jahre hervorgebracht hat.

Auch optisch setzt der Film neue Maßstäbe. Chris Sanders kombiniert klassische CGI-Technik mit einer beinahe gemäldehaften Ästhetik, die stark an handgemalte Illustrationen erinnert. Die Wälder, Flüsse und Jahreszeiten wirken lebendig und voller Atmosphäre. Jede Einstellung könnte beinahe als Kunstwerk für sich stehen. Hinzu kommt eine außergewöhnlich stimmige Inszenierung. Der Film findet die perfekte Balance zwischen ruhigen, nachdenklichen Momenten und humorvollen Szenen. Die zahlreichen tierischen Nebenfiguren sorgen immer wieder für charmante Auflockerungen, ohne den emotionalen Kern der Geschichte zu verwässern. Der Humor wirkt dabei angenehm natürlich und richtet sich nie ausschließlich an Kinder. Großen Anteil am Erfolg haben auch die Sprecherinnen und Sprecher. Lupita Nyong’o verleiht Roz eine faszinierende Entwicklung - von der nüchternen Maschine hin zu einer Figur voller Wärme und Mitgefühl. Pedro Pascal, Kit Connor, Bill Nighy, Catherine O'Hara, Mark Hamill und Stephanie Hsu ergänzen das Ensemble mit viel Persönlichkeit und verleihen selbst kleineren Rollen eine überraschende Tiefe.
Auch der gefühlvolle Score unterstreicht die großen Emotionen, ohne sie jemals künstlich zu verstärken. Gerade in den ruhigeren Passagen entwickelt der Film dadurch eine fast meditative Atmosphäre, die lange nachwirkt. Wenn überhaupt Kritikpunkte bleiben, dann auf sehr hohem Niveau. Einige Handlungselemente folgen bekannten Mustern des Familienkinos, und manche Wendungen lassen sich früh erahnen. Auch der Konflikt im letzten Drittel fällt etwas konventioneller aus als der außergewöhnlich starke Aufbau. Diese kleinen Schwächen ändern jedoch kaum etwas daran, wie eindrucksvoll der Film seine Botschaft vermittelt. Denn "Der wilde Roboter" ist weit mehr als nur ein weiterer Animationsfilm über sprechende Tiere oder einen lernfähigen Roboter. Er erzählt davon, dass Menschlichkeit nicht von biologischer Herkunft abhängt, sondern von Mitgefühl, Fürsorge und der Bereitschaft, Verantwortung für andere zu übernehmen. Genau diese zeitlose Botschaft verleiht dem Film seine besondere Kraft.
"Der wilde Roboter" gehört damit ohne Zweifel zu den besten Animationsfilmen der vergangenen Jahre. Mit seiner atemberaubenden Optik, den liebenswerten Figuren und einer Geschichte voller Herz, Humor und Emotionen begeistert er Zuschauer jeden Alters. Kleine erzählerische Konventionen verhindern zwar die volle Punktzahl, doch insgesamt liefert DreamWorks hier ein modernes Animationsmärchen, das noch lange im Gedächtnis bleibt und das Zeug zum zukünftigen Klassiker besitzt.
9/10
Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: DreamWorks Animation