Donnerstag, 16. Juli 2026

Influencers - Influencer 2 (2025)

https://www.imdb.com/title/tt36833584/
https://letterboxd.com/film/influencers-2025/

Die clevere CW (Cassandra Naud) macht mit ihrer Freundin Diane (Lisa Delamar) in deren Heimat Südfrankreich Ferien. Dort will das junge Paar den ersten Jahrestag seiner Beziehung feiern. Leider werden sie aber ausgerechnet bei dieser Gelegenheit von der Hotelführung aus ihrer Suite hinauskomplimentiert und in ein deutlich kleineres Gästezimmer umquartiert – was CW vor Wut schäumen lässt. Noch angeschlagener ist ihr Ego, als sie den Grund für den Verlust ihres glamourösen Liebesnestes erfährt: Die Direktion wollte sie nämlich aus der Luxusbleibe heraushaben, um dort eine populärere britische Influencerin unterbringen zu können, von der sie sich positive Publicity verspricht. Doch damit nicht genug. Diese Charlotte (Georgina Campbell) scheint sich obendrein auch noch recht schamlos an Diane heranmachen zu wollen. CW findet das natürlich überhaupt nicht witzig und beschließt, dem dreisten Treiben ein Ende zu setzen…

Mit "Influencer: Trau niemandem, dem Du folgst" brachte Regisseur Kurtis David Harder 2023 einen der überraschendsten Genre-Mix der Streaming-Ära. Der Film kombinierte Psychothriller, Identitätsdiebstahl und bissige Kritik an der Welt der Social-Media-Stars zu einem ungewöhnlich cleveren, aber dennoch unterm Strich mittelmäßigen Horrorfilm. Entsprechend ungewöhnlich war dann, dass eine Fortsetzung kam, und man muss sagen, dass der Nachfolger viele der Stärken des Originals bewahrt, allerdings dessen Frische und Konsequenz nicht ganz erreicht. Die Geschichte setzt die Ereignisse des ersten Films fort und rückt erneut die rätselhafte und manipulative CW (Cassandra Naud) in den Mittelpunkt. Wie schon im Vorgänger nutzt der Film die Welt der Influencer als Spielplatz für Täuschungen, Manipulation und gesellschaftliche Satire.

Inszenatorisch macht "Influencer 2" vieles richtig. Die exotischen Schauplätze, die elegante Kameraarbeit und die dynamische Montage verleihen dem Film einen deutlich größeren und hochwertigeren Look, als es das Budget vermutlich vermuten lässt. Kurtis David Harder beweist erneut ein gutes Gespür für Spannung und visuelle Stilmittel. Vor allem in den ruhigeren Momenten erzeugt der Film eine angenehme Unberechenbarkeit, bei der man nie ganz sicher ist, wer gerade die Kontrolle besitzt. Hinzu kommt, dass die Fortsetzung ihre Kritik an der Welt der sozialen Medien weiterführt. Die Jagd nach Aufmerksamkeit, künstlich inszenierte Online-Identitäten und die Oberflächlichkeit der Influencer-Kultur werden erneut mit einer gehörigen Portion Zynismus betrachtet. Zwar ist diese Gesellschaftskritik nicht sonderlich subtil, doch sie verleiht dem Film eine zusätzliche Ebene, die ihn von vielen anderen Genreproduktionen abhebt.

Allerdings zeigt sich auch, warum der Film nicht ganz an seinen Vorgänger heranreicht. Das Drehbuch wirkt stellenweise überladen und versucht, immer neue Wendungen und Überraschungen einzubauen. Nicht jede davon geht auf, und einige Entwicklungen erscheinen eher konstruiert als organisch. Gerade im letzten Drittel schlägt der Film einen deutlich verspielteren und teilweise fast schwarzen-komödiantischen Ton an, der nicht immer perfekt mit der zuvor aufgebauten Spannung harmoniert. Er ist zweifellos unterhaltsam, aber tonal etwas uneinheitlich. Letztlich besitzt der Film aber genug Tempo, Stil und ausreichend eigene Ideen, um nicht wie eine bloße Wiederholung des ersten Teils zu wirken. Vor allem Horror- und Thrillerfans, die Freude an cleveren Identitätsspielen und modernen Social-Media-Albträumen haben, kommen hier durchaus auf ihre Kosten.

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Jackrabbit Media

Shallow Hal - Schwer verliebt (2001)

https://www.imdb.com/de/title/tt0256380/
https://letterboxd.com/film/shallow-hal/

Für den Durchschnittstypen Hal (Jack Black) zählen bei Frauen nur Äußerlichkeiten, und somit muss seine Traumfrau auch Traummaße haben. Als er mit dem Persönlichkeitstrainer Tony Robbins (spielt sich selbst) im Aufzug steckenbleibt, erzählt er ihm von seinen Problemen, eine Frau zu finden. Robbins verspricht ihm zu helfen: durch Hypnose. Nach der Sitzung ist nichts mehr, wie es vorher war. Hal verliebt sich unsterblich in die 300 Pfund schwere Rosemary (Gwyneth Paltrow), die er als gertenschlanke Schönheit wahrnimmt. Als sein Kumpel Mauricio (Jason Alexander) die Gehirnwäsche rückgängig macht, steht Hal vor einer schweren Prüfung...

Die Farrelly-Brüder waren Anfang der 2000er-Jahre vor allem für derbe Komödien wie "Dumm und Dümmer" oder "Verrückt nach Mary" bekannt. Umso überraschender war "Schwer verliebt", eine romantische Komödie, die zwar den typischen Humor der Regisseure beibehält, gleichzeitig aber eine Geschichte über Oberflächlichkeit, Selbstbild und innere Schönheit erzählen möchte. Das Ergebnis ist ein sympathischer und durchaus mutiger Film, der seine Botschaft nicht immer perfekt vermittelt, aber dennoch viel Charme und Herz besitzt. Dabei sind die beiden Hauptdarsteller das A und O des Films. Jack Black beweist hier sein Talent für liebenswerte, etwas chaotische Figuren. Hal ist zwar anfangs oberflächlich und selbstbezogen, bleibt aber sympathisch genug, damit man ihm seine spätere Entwicklung abnimmt. Black verleiht der Figur eine ehrliche Wärme und sorgt dafür, dass die romantischen Momente ebenso gut funktionieren wie die komödiantischen. Gwyneth Paltrow überzeugt in einer der ungewöhnlicheren Rollen ihrer Karriere. Sie spielt Rosemary mit großer Herzlichkeit und verleiht der Figur eine natürliche Ausstrahlung, die deutlich macht, warum Hal sich in sie verliebt. Dabei gelingt es dem Film immer wieder, die Zuschauer daran zu erinnern, dass Attraktivität weit mehr ist als ein äußeres Erscheinungsbild.

Besonders gelungen ist die grundlegende Idee der Geschichte. Die Vorstellung, dass jemand ausschließlich die innere Schönheit eines Menschen wahrnimmt, eröffnet interessante Möglichkeiten für Humor und gesellschaftliche Beobachtungen. Viele Szenen funktionieren gerade deshalb so gut, weil sie den Zuschauer dazu bringen, die eigenen Vorurteile und Schönheitsideale zu hinterfragen. Allerdings liegt hier auch die größte Schwäche des Films. Während "Schwer verliebt" eine positive Botschaft vermitteln möchte, arbeitet er gleichzeitig immer wieder mit Witzen, die sich gerade aus dem Äußeren der Figuren ergeben. Dieser Spagat gelingt nicht immer. Einige Gags wirken aus heutiger Sicht problematisch oder stehen im Widerspruch zu der eigentlich sehr warmherzigen Aussage des Films. Die guten Absichten der Farrelly-Brüder, sind erkennbar, die Umsetzung besitzt aber nicht immer die notwendige Sensibilität. Auch die Handlung verläuft insgesamt recht vorhersehbar. Die romantischen und dramatischen Wendungen folgen weitgehend den bekannten Regeln des Genres, und manche Konflikte werden etwas zu einfach aufgelöst. Zudem verliert der Film im letzten Drittel etwas von seiner Leichtigkeit und bemüht sich stellenweise zu sehr, seine Botschaft zu vermitteln. Dennoch besitzt "Schwer verliebt" eine Aufrichtigkeit, die viele romantische Komödien vermissen lassen. Hinter den Witzen steckt ein ehrliches Interesse an seinen Figuren und die klare Botschaft, Menschen nicht ausschließlich nach ihrem Äußeren zu beurteilen. Gerade dadurch gewinnt der Film eine emotionale Ebene, die ihn über eine gewöhnliche RomCom hinaushebt.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork20th Century Fox/Conundrum Entertainment

There’s Something About Mary - Verrückt nach Mary (1998)

https://www.imdb.com/de/title/tt0129387/
https://letterboxd.com/film/theres-something-about-mary/

13 Jahre nachdem Teds (Ben Stiller) Highschool-Rendezvous mit der schönen und intelligenten Mary (Cameron Diaz) ein jähes und vor allem schmerzhaftes Ende nahm, hat er das Zusammentreffen mit ihr immer noch nicht überwunden und trauert ihr nach. Um endlich zu erfahren, wie es Mary seitdem ergangen ist, engagiert Ted den windigen Privatdetektiv Healy (Matt Dillon), um sie aufzuspüren. Nach kurzer Zeit findet dieser Mary in Florida und verliebt sich im Laufe seiner Spionagearbeiten seinerseits in die Frau, die ein perfektes Leben zu führen scheint. Daraufhin ändert Healy seine Pläne und erzählt Ted Lügen über Mary, damit er ihn als Nebenbuhler loswird. Doch Ted erfährt von den Unwahrheiten und setzt alles daran, ebenfalls Mary für sich zu gewinnen. Dabei ist er jedoch nicht darauf vorbereitet, wie viele Kontrahenten er wirklich hat. Denn eines wird schnell klar: Hier sind eine ganze Menge schräger Vögel sprichwörtlich verrückt nach Mary.

Komödien altern oft schlecht. Witze verlieren ihre Wirkung, gesellschaftliche Konventionen ändern sich und manche einst gefeierten Gags wirken Jahre später nur noch bemüht. "Verrückt nach Mary" gehört jedoch zu jener seltenen Sorte von Filmen, die auch Jahrzehnte nach ihrer Veröffentlichung noch erstaunlich gut funktionieren. Die Farrelly-Brüder schufen 1998 nicht nur einen der größten Komödienhits des Jahrzehnts, sondern auch einen Film, der die sogenannte Gross-Out-Komödie maßgeblich prägte und unzählige Nachahmer inspirierte. Was den Film von vielen ähnlichen Komödien unterscheidet, ist die perfekte Balance zwischen schamlosem Klamauk und echter Herzlichkeit. Natürlich ist der Film berüchtigt für seine legendären Szenen - vom berüchtigten Reißverschluss-Unfall bis zur inzwischen ikonischen "Haargel"-Sequenz. Diese Momente sind auch heute noch ebenso schockierend wie komisch und gehören längst zur Popkultur. Doch der Film lebt nicht allein von seinen derben Gags. Unter der zotigen Oberfläche verbirgt sich eine überraschend sympathische und sogar romantische Geschichte. 

Ben Stiller befindet sich hier in absoluter Hochform. Kaum ein Schauspieler kann den liebenswerten Pechvogel so überzeugend verkörpern wie er. Ted stolpert von einer Katastrophe in die nächste, macht sich regelmäßig zum Gespött aller Beteiligten und bleibt dennoch durchweg sympathisch. Man fiebert mit ihm mit, selbst wenn man gleichzeitig über sein Unglück lachen muss. Auch Cameron Diaz liefert eine ihrer besten und wichtigsten Rollen ab. Mary ist weit mehr als nur das klassische Objekt der Begierde. Sie ist charmant, selbstbewusst und besitzt eine natürliche Ausstrahlung, die nachvollziehbar macht, warum sämtliche Männer in ihrer Umgebung augenblicklich die Fassung verlieren. Nicht vergessen werden darf Matt Dillon, der als schmieriger Privatdetektiv Healy eine herrlich überzogene Performance abliefert. Seine Lügen, Intrigen und seine unerschütterliche Selbstüberschätzung gehören zu den großen komödiantischen Highlights des Films. Überhaupt ist die gesamte Nebenbesetzung hervorragend aufgelegt und trägt entscheidend dazu bei, dass der Film selbst in ruhigeren Momenten nie an Tempo verliert.

Natürlich ist "Verrückt nach Mary" kein makelloser Film. Einige Witze über Behinderungen oder sexuelle Orientierung wirken aus heutiger Sicht nicht mehr ganz zeitgemäß und würden in einer modernen Produktion vermutlich anders umgesetzt werden. Auch die Farrelly-Brüder überschreiten gelegentlich bewusst die Grenzen des guten Geschmacks - ein Umstand, der schon damals für Diskussionen sorgte. Dennoch gelingt dem Film das Kunststück, trotz seiner Provokationen nie wirklich bösartig oder zynisch zu wirken. Vielmehr steckt hinter dem Humor oft eine überraschende Wärme und Menschlichkeit. Besonders bemerkenswert ist, wie viele Nachahmer der Film hervorgebracht hat, ohne dass viele von ihnen dessen Qualität erreichten. Zahlreiche derben Komödien der frühen 2000er-Jahre übernahmen die Schockgags und den Humor unterhalb der Gürtellinie, vergaßen dabei aber, ihren Figuren Herz und Charme zu verleihen. "Verrückt nach Mary" funktioniert gerade deshalb so gut, weil die romantische Geschichte und die liebenswerten Figuren genauso wichtig sind wie die großen Lacher. Dank eines großartig aufgelegten Ensembles, zahlreicher inzwischen legendärer Szenen und einer unerwartet warmherzigen Liebesgeschichte bleibt der Film auch heute noch ein äußerst unterhaltsamer Genreklassiker. Nicht jeder Gag ist gut gealtert, doch sein Charme und seine Spielfreude sind bis heute ungebrochen.

7,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: 20th Century Fox

Mittwoch, 15. Juli 2026

Abducted By My Teacher: The Elizabeth Thomas Story - Entführt von meinem Lehrer (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt28226615/
https://letterboxd.com/film/abducted-by-my-teacher-the-elizabeth-thomas-story/

Basierend auf einer wahren Geschichte: Die 15-jährige Schülerin Elizabeth Thomas (Summer H. Howell) weiß nicht so recht, wie ihr geschieht, als sie von ihrem Lehrer Tad Cummins (Michael Fishman) umworben wird. Schließlich kommt sie den manipulativen Avancen des verheirateten, 35 Jahre älteren Mannes nach und hat auch Sex mit ihm. Als eine Mitschülerin eines Tages einen Kuss zwischen den beiden beobachtet und dies meldet, wird Cummins zur Rede gestellt und suspendiert. Den Kontakt zu Elizabeth hält er danach aber aufrecht. Zwei Monate später trifft er sich mit ihr in seinem Wagen und zwingt sie durch Drohungen, sich selbst oder ihrer Familie etwas anzutun, mit ihm quer durch die USA zu reisen – fast vierzig Tage werden vergehen, bis Elizabeth wieder frei ist.

Wahre Verbrechen und Entführungsfälle haben im Fernsehen seit Jahren ihren festen Platz. Umso schwieriger ist es, eine reale Tragödie sensibel und gleichzeitig filmisch packend umzusetzen. "Entführt von meinem Lehrer" widmet sich einem erschütternden Fall, der 2017 weltweit Schlagzeilen machte: der Entführung der damals 15-jährigen Elizabeth Thomas durch ihren Lehrer Tad Cummins. Die Geschichte selbst ist erschreckend genug - der Film schafft es jedoch nur teilweise, ihr die emotionale und erzählerische Tiefe zu verleihen, die sie verdient hätte. Der größte Pluspunkt des Films ist dabei noch, dass er die Geschichte nicht als sensationsheischenden Thriller inszeniert. Stattdessen bemüht sich die Produktion, den Fokus auf die Perspektive des Opfers zu legen und die Mechanismen von Grooming und psychischer Manipulation zu verdeutlichen. Gerade in einer Zeit, in der solche Themen stärker öffentlich diskutiert werden, besitzt der Film zweifellos eine wichtige Botschaft. 

Doch der Film kratzt nur an der Oberfläche dessen, wie gezielt und perfide Täter wie Cummins ihre Opfer emotional abhängig machen. Dadurch verliert die Geschichte an psychologischer Tiefe. Überhaupt leidet der Film immer wieder unter seinem typischen Lifetime-Format. Die Inszenierung bleibt funktional, aber wenig inspirierend. Viele Dialoge wirken hölzern, Nebenfiguren erhalten kaum Profil und manche Entwicklungen werden erstaunlich schnell abgehandelt, bestimmte familiäre Hintergründe und Details des realen Falls werden nur unzureichend erklärt. Besonders im letzten Drittel macht sich bemerkbar, dass die Produktion ihre begrenzte Laufzeit kaum nutzen kann, um die emotionalen Folgen der Entführung wirklich zu vertiefen. Die Geschichte endet beinahe abrupt, obwohl gerade die Zeit nach der Rettung von Elizabeth und die langfristigen Auswirkungen des Traumas noch deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient hätten.

Letztlich erzählt "Entführt von meinem Lehrer" eine wichtige und erschütternde wahre Geschichte, bleibt als Film jedoch meilenweit hinter seinem Potenzial zurück. Solide Darstellerleistungen und der sensible Umgang mit dem Thema können nicht vollständig darüber hinwegtäuschen, dass die Inszenierung zu konventionell und die Figurenzeichnung zu oberflächlich ausfällt. Das Ergebnis ist ein respektvoll gemeintes, aber nur unterdurchschnittlich gelungenes Drama, dessen reale Vorlage deutlich bewegender  und vielschichtiger ist als ihre filmische Umsetzung.

4/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkMarwar Junction Productions/Lifetime

The Game - The Game: Das Geschenk seines Lebens (1997)

https://www.imdb.com/de/title/tt0119174/
https://letterboxd.com/film/the-game/

Nicholas Van Orton (Michael Douglas) ist reich, intelligent und erfolgreich. Ein knallharter Geschäftsmann mit Prinzipien und Selbstdisziplin. Er hat die absolute Kontrolle über sein Leben und seine Geschäfte - bis ihm sein Bruder Conrad (Sean Penn) zu seinem 48.Geburtstag die Eintrittskarte für ein geheimnisvolles Spiel der Firma Consumer Recreation Services schenkt. Ein Spiel ohne Spielregeln, aber mit höchstem Einsatz. Nur zögernd lässt Van Orten sich auf "The Game" ein - und erlebt den Alptraum seines Lebens: Zunächst scheint alles harmlos zu sein, doch schon bald gerät Nicholas in eine Spirale aus Manipulation, Verschwörungen und lebensbedrohlichen Situationen, bei denen er nicht mehr zwischen Realität und Inszenierung unterscheiden kann. Erst verliert er die Kontrolle, dann seinen Besitz und schließlich geht es nur noch ums nackte Überleben...

"Was, wenn nichts von dem, was du gerade siehst, wirklich echt ist?" David Fincher nahm sich nach seinem düsteren Durchbruch mit "Sieben" einen Stoff vor, der weniger auf Gewalt als auf psychologischen Terror setzt - und schuf einen der faszinierendsten Paranoia-Thriller der 1990er-Jahre. Auch wenn das Finale bis heute die Gemüter spaltet und der Film irgendwo ein "One-Trick-Pony" ist, bleibt "The Game" ein nahezu meisterhaft konstruiertes Stück Spannungskino. Allein die Atmosphäre ist der Wahnsinn. Fincher erschafft ein permanentes Gefühl der Unsicherheit. Jeder Fremde, jedes Telefonklingeln und jede noch so beiläufige Begegnung könnte Teil des Spiels sein. Der Zuschauer erlebt die Ereignisse konsequent aus Nicholas' Perspektive und verliert genauso den Boden unter den Füßen wie die Hauptfigur selbst. Diese Form der Paranoia erinnert an die großen Verschwörungsthriller der 1970er-Jahre und funktioniert auch heute noch hervorragend.

Michael Douglas trägt den Film dabei mit einer seiner besten Leistungen. Niemand verkörpert arrogante, kontrollsüchtige und innerlich zerrissene Männer so überzeugend wie er. Zu Beginn wirkt Nicholas beinahe unsympathisch - ein Mann, der Menschen auf Distanz hält und nur in Zahlen und Erfolgen denkt. Gerade deshalb funktioniert seine langsame Demontage so hervorragend. Douglas spielt diesen Wandel mit beeindruckender Präzision und macht aus Nicholas eine Figur, mit der man trotz aller Fehler zunehmend mitfiebert. Auch inszenatorisch zeigt sich bereits der spätere Meisterregisseur, den Filmfans aus "Fight Club", "Zodiac" oder "Gone Girl" kennen. Die düsteren Bilder, die präzise Kameraarbeit und Howard Shores zurückhaltender, aber wirkungsvoller Score verleihen dem Film eine fast albtraumhafte Qualität. Fincher versteht es meisterhaft, Spannung nicht durch Hektik, sondern durch permanente Verunsicherung zu erzeugen.

Bemerkenswert ist zudem die thematische Ebene des Films. Hinter der Thrillergeschichte verbirgt sich eine Erzählung über Isolation, Verlust und die Frage, ob ein Mensch wirklich die Kontrolle über sein Leben besitzt. Nicholas ist ein Gefangener seiner Routinen und seiner eigenen Ängste. Das Spiel zwingt ihn dazu, seine Komfortzone zu verlassen und sich seinen innersten Unsicherheiten zu stellen. Gerade diese emotionale Komponente hebt "The Game" über viele andere Genrevertreter hinaus. Das Finale gehört dann aber zu den umstrittensten Enden in Finchers Filmografie. Für mich ist die letzte Wendung und ihre Konsequenzen absolut passend und nur folgerichtig, andere  könnten das Ende für zu konstruiert und kaum glaubwürdig halten. Diese Dissonanz macht aber gerade den Film und seine Diskussionswürdigkeit aus.  Tatsächlich gerät die Handlung gegen Ende an einen Punkt, an dem man besser nicht zu lange über die logistischen Details nachdenkt. Der Film funktioniert letztlich mehr auf emotionaler als auf realistischer Ebene. Doch gerade weil Fincher seine Geschichte wie einen Albtraum erzählt, lässt sich dieser Einwand erstaunlich gut verschmerzen. 

"The Game" ist ein brillant inszenierter Psychothriller, der sein Publikum mit derselben Unsicherheit und Paranoia konfrontiert wie seine Hauptfigur. Dank eines herausragenden Michael Douglas, einer meisterhaften Atmosphäre und David Finchers präziser Regie entwickelt sich der Film zu einem fesselnden Gedankenspiel über Kontrolle und Identität. Mit den Jahren hat "The Game" sogar noch an Ansehen gewonnen. Es ist vermutlich einer der unterschätztesten Filme in David Finchers Werk - ein packendes, intelligentes Thriller-Puzzle, das auch nach mehreren Sichtungen seine unheimliche Wirkung nicht verliert. Das Ende mag nicht jeden überzeugen, doch die Reise dorthin gehört zum Spannendsten, was das Thrillerkino der 1990er-Jahre hervorgebracht hat.

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkPolyGram Filmed Entertainment/Propaganda Films

ตาคลี เจเนซิส - Taklee Genesis - Taklee Genesis x Worlds Collide - Project Genesis (2024)

https://www.imdb.com/title/tt33246492/
https://letterboxd.com/film/taklee-genesis/

Stella (Paula Taylor) ist Wissenschaftlerin und alleinerziehende Mutter. Nach vielen Jahren kehrt sie in ihre Heimatstadt zurück – und wird dort plötzlich von ihrem lange vermissten Vater kontaktiert. Über ein altes Radio sendet er ihr eine Botschaft: Er sei in einer alternativen Zeitkonfiguration gefangen. Um ihn zu retten, begibt sich Stella auf die Suche nach der geheimen Genesis-Maschine, einem von der CIA entwickelten Gerät, das einst in Thailand zurückgelassen wurde. Mit der Apparatur wagt sie eine riskante Reise durch Raum und Zeit, fest entschlossen, ihren Vater zurückzuholen.

Dieser thailändische Science-Fiction-Abenteuerfilm von Regisseur Chookiat Sakveerakul wirft gleich gefühlte tausend Genres in einen Topf: Zeitreisen, Parallelwelten, Monster, Dinosaurier, uralte Legenden und futuristische Technologien. Das Ergebnis ist ein Film, der zwar nie ganz die Kontrolle über seine zahlreichen Einfälle behält, aber allein durch seinen ungebremsten Ideenreichtum erstaunlich viel Charme entwickelt. Der Film besitzt eine fast schon ansteckende Begeisterung für sämtliche Genres und erinnert in seinen besten Momenten an jene wilden Abenteuerfilme der Achtziger und Neunziger, die lieber eine Idee zu viel als eine zu wenig hatten. Ob prähistorische Kreaturen, fremde Dimensionen oder postapokalyptische Szenarien - ständig gibt es etwas Neues zu entdecken.

Gerade diese kreative Rastlosigkeit macht einen großen Teil des Reizes aus. Man spürt in jeder Szene die Ambition, etwas Größeres zu erschaffen, als es die vorhandenen Mittel eigentlich erlauben. Wenn man klassische B-Movies oder ungewöhnlicher Genrekost mag, hat der Film dadurch einen nicht zu unterschätzenden Unterhaltungswert. Durch die vielen Ideen hat der Streifen aber auch ein Problem: mit zunehmender Laufzeit wird die Handlung immer komplexer und verliert dabei zunehmend an Fokus. Die vielen Ideen stehen sich stellenweise gegenseitig im Weg, sodass einzelne Figuren und Handlungsstränge kaum genügend Raum erhalten, um sich wirklich zu entfalten. Nicht jede Wendung  ergibt dann Sinn, und manche Regeln der Zeitreise-Logik scheinen eher spontan als konsequent entwickelt worden zu sein.

Auch technisch erreicht der Film nicht immer das Niveau seiner großen Ambitionen. Die visuellen Effekte schwanken deutlich in ihrer Qualität und verraten immer wieder die begrenzten Produktionsmittel. Einige CGI-Sequenzen wirken unfertig oder erinnern an ältere Fernsehproduktionen. Das ist zwar nicht zwingend störend, nimmt manchen Szenen aber etwas von ihrer Wirkung. Auch die schauspielerischen Leistungen bewegen sich auf solidem, jedoch selten herausragendem Niveau. Dennoch besitzt der Film eine sympathische Energie, die ihn davor bewahrt, in Beliebigkeit zu versinken. Gerade weil "Project Genesis" so offensichtlich mit Leidenschaft entstanden ist, verzeiht man ihm manche Ungereimtheit eher als einer glattpolierten Hollywood-Produktion. Er möchte unterhalten, staunen lassen und sein Publikum auf eine wilde Reise mitnehmen - und genau das gelingt ihm über weite Strecken. Damit ist er letztlich ein Film voller Gegensätze. Er ist gleichzeitig überladen und faszinierend, chaotisch und kreativ, manchmal unfreiwillig komisch und dann wieder überraschend emotional. Nicht jede Idee funktioniert, und die Geschichte hätte von etwas mehr Konzentration profitiert. Doch in einer Zeit, in der viele Genreproduktionen nach Schema F ablaufen, wirkt dieser thailändische Sci-Fi-Trip angenehm unberechenbar.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkNeramitnung Film/Studio Commuan

Dienstag, 14. Juli 2026

Feed - Weekend Trip: Schrei der Verdammten (2022)

https://www.imdb.com/title/tt0445965/
https://letterboxd.com/film/feed-2022/

Eine Gruppe Online-Influencer und Social-Media-Stars (Molly Nutley, Vincent Grahl, Sofia Kappel, Joel Lützow, Emelina Rosenstielke und Amanda Lindh) wird von einem Familienunternehmen angeheuert. Der schon etwas ältere Ulf (Michael Odhag) ist Besitzer eines glamourösen Camping-Ressorts, das dringend neue Kundschaft braucht, um den drohenden Bankrott abzuwenden. Ein paar peppige Posts und viral gehende Videos von der kleinen Insel in einem großen See sollen den Aufschwung bringen. Die Gruppe ist begeistert von den Luxusunterkünften in freier Natur, betrauert aber fehlendes WLAN. Filmen können sie zwar, aber eben nicht live streamen. Der Ärger weicht schnell Neugierde, als Ulf den jungen Leuten von der Legende einer Hexe erzählt, die im 17. Jahrhundert auf das Eiland verbannt worden sei. Angeblich musste sie eine eiserne Maske mit einer Glocke daran tragen und beging Selbstmord, indem sie sich im See ertränkte. Dann setzt er sich in sein Boot und lässt die Twens für das Wochenende allein. Allerdings rät er ihnen noch, sich dringend vom Wasser fernzuhalten. Zunächst verläuft alles „instaperfect“. Aber natürlich ignoriert die Gruppe Ulfs Warnung und geht baden – was mit schweren Verstümmelungen endet. Denn ganz offenbar sind sie auf der Insel nicht allein.

Eine abgelegene Hütte, eine Gruppe junger Menschen und ein düsteres Geheimnis in den Wäldern - das sind Zutaten, aus denen schon zahlreiche gelungene Genrebeiträge entstanden sind. "Weekend Trip: Schrei der Verdammten" versucht, genau diese klassischen Elemente mit Folk-Horror und Slasher-Motiven zu verbinden. Leider bleibt am Ende jedoch ein Film zurück, der zwar einige interessante Ansätze besitzt, daraus aber nur selten echte Spannung entwickelt. Das eigentliche Problem liegt im Drehbuch. Die Figuren bleiben über weite Strecken blass und entsprechen weitgehend bekannten Horror-Klischees. Dadurch fällt es schwer, eine echte emotionale Bindung zu ihnen aufzubauen. Wenn die Bedrohung schließlich konkreter wird, fehlt es den Ereignissen an Gewicht, weil die Charaktere kaum über ihre grundlegenden Eigenschaften hinauswachsen. Hinzu kommt, dass der Film nur selten die Spannung erreicht. Viele Szenen ziehen sich unnötig in die Länge, während die eigentliche Handlung nur langsam voranschreitet. 

Auch der Horror selbst bleibt eher zahm. Zwar gibt es einzelne gelungene Momente und einige ordentliche Schockeffekte, insgesamt fehlt dem Film jedoch die Konsequenz. Weder als kompromissloser Slasher noch als psychologischer Folk-Horror kann sich "Weekend Trip" vollständig durchsetzen. Dadurch wirkt der Film oft so, als könne er sich nicht entscheiden, welche Art von Horror er eigentlich erzählen möchte. Besonders im letzten Drittel verliert die Geschichte zusätzlich an Schwung. Die Auflösung des zentralen Geheimnisses fällt deutlich weniger interessant aus, als der Aufbau zunächst vermuten lässt, und das Finale hinterlässt eher ein Gefühl verpasster Möglichkeiten. Viele Ideen werden angerissen, aber nicht konsequent zu Ende gedacht. Schade.

4/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkScandinavian Content Group/Nordisk Film Sweden/Ninetone Group/TV4