Montag, 10. August 2026

Hellraiser: Revelations - Hellraiser IX: Revelations - Hellraiser Revelations: Die Offenbarung (2011)

https://www.imdb.com/de/title/tt1716747/
https://letterboxd.com/film/hellraiser-revelations/

Die Freunde Nico (Jay Gillespie) und Steven (Nick Eversman) begeben sich auf einen Trip nach Mexiko, um dort so richtig einen drauf zu machen. Die beiden Teenager müssen jedoch schnell einsehen, dass ihr Party-Urlaub bald ein jähes Ende finden wird, denn sie entdecken den Höllenwürfel. Daraufhin werden sie in ihrem Hotelzimmer von einem seltsamen Mann mit Nägeln im Kopf, bekennat als "Pinhead" (Stephan Smith Collins), attackiert - und verschwinden scheinbar spurlos. Die mexikanischen Behörden schicken Nicos und Stevens Eigentum an deren Familie zurück. Darunter ist auch ein seltsamer Puzzlewürfel, der außerdem in dem Video zu sehen ist, das Steven kurz vor ihrem mysteriösen Verschwinden gedreht hat. Die Eltern der Jungs kommen nach einem Jahr in Gedenken an ihre verlorengegangenen Söhne zu einem Abendessen zusammen. Stevens Schwester Emma (Tracey Fairaway) spielt mit dem eigenartigen Würfel herum und plötzlich taucht Steven auf, völlig außer sich und mit Blut bedeckt. Ebenso erscheint Pinhead und will nun allen Anwesenden den Garaus machen...

Die titelgebende Offenbarung bleibt hier aus. Okay, die "Hellraiser"-Reihe hatte nach den ersten beiden Filmen bereits mehrfach mit sinkender Qualität zu kämpfen. Dennoch besaßen selbst schwächere Fortsetzungen wie "Hellraiser: Inferno", "Hellraiser: Deader" oder ""Hellraiser: Hellworld" zumindest einzelne interessante Ideen oder eine stimmige Atmosphäre. "Hellraiser: Revelations" hingegen markiert den absoluten Tiefpunkt der gesamten Reihe. Der Film entstand in kürzester Zeit und mit äußerst geringem Budget - hauptsächlich, damit das Studio die Rechte an der Marke behalten konnte. Dieses Entstehungsgeschichte merkt man dem Endprodukt leider in nahezu jeder Minute an. Statt einer düsteren, mystischen Höllenvision wirkt vieles wie eine beliebige Low-Budget-Horrorproduktion. Die Kulissen sind schlicht, die Kameraarbeit uninspiriert und die Beleuchtung erinnert eher an eine Fernsehproduktion als an einen Kinofilm. Von der unheimlichen Eleganz der ersten "Hellraiser"-Filme bleibt praktisch nichts übrig.

Die Geschichte besteht fast ausschließlich aus bekannten Versatzstücken früherer Teile, ohne daraus etwas Eigenständiges zu entwickeln. Figuren handeln häufig irrational, Dialoge wirken hölzern, und die wenigen Wendungen sind entweder vorhersehbar oder kaum nachvollziehbar - statt psychologischem Horror gibt es eine Aneinanderreihung beliebiger Szenen, die kaum einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Die jungen Darsteller bemühen sich zwar, bleiben jedoch weitgehend blass. Ihre Figuren erhalten kaum Profil, sodass es schwerfällt, emotionale Bindung zu ihnen aufzubauen. Dadurch verlieren selbst dramatische Momente schnell an Wirkung. Besonders schmerzhaft ist allerdings die Darstellung von Pinhead. Erstmals in der Geschichte der Reihe wird die ikonische Figur nicht von Doug Bradley verkörpert, sondern von Stephan Smith Collins. Dass Bradley ausstieg, lag unter anderem an der überhasteten Produktion und dem schwachen Drehbuch. Collins gibt sich zwar Mühe, doch ihm fehlen sowohl die markante Präsenz als auch die bedrohliche Ausstrahlung seines Vorgängers. Hinzu kommt, dass Maske und Kostüm deutlich günstiger wirken als in früheren Filmen. Das Ergebnis ist ein Pinhead, der eher wie eine Cosplay-Version der Kultfigur erscheint als wie der furchteinflößende Hohepriester der Cenobiten.

Zwar setzt der Film teilweise noch auf praktische Make-up-Effekte, doch das knappe Budget ist unübersehbar. Viele Gore-Momente wirken billig, die Cenobiten verlieren durch ihr wenig überzeugendes Design viel von ihrer einstigen Faszination, und der Film schafft es kaum, verstörende Bilder zu erzeugen. Was "Hellraiser: Revelations" zusätzlich schadet, ist sein völliger Mangel an Atmosphäre. Der Film verlässt sich eine austauschbare Teenie-Horror-Geschichte, die genauso gut ohne den Namen "Hellraiser" hätte erscheinen können. Und statt eines schockierenden Abschlusses bleibt lediglich das Gefühl zurück, einen Film gesehen zu haben, der nie verstanden hat, was die Reihe ursprünglich so besonders gemacht hat.

1,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkNeo Art & Logic/Puzzlebox Films/Dimension Extreme/Dimension Films

Sonntag, 9. August 2026

ゴールデンカムイ 網走監獄襲撃編 - Gōruden Kamui 3: Abashiri kangoku shūgeki - Golden Kamuy: The Abashiri Prison Raid (2026)

https://www.imdb.com/title/tt38109660/
https://letterboxd.com/film/golden-kamuy-the-abashiri-prison-raid/

Die Suche nach dem legendären Goldschatz der Ainu geht für den Ex-Soldaten Sugimoto (Kento Yamazaki), das Ainu-Mädchen Asirpa (Anna Yamada) und ihre Verbündeten weiter. Diesmal müssen sie in das als ausbruchsicher geltende Gefängnis Abashiri eindringen, wo neben 700 weiteren Insassen der Mann einsitzt, der einst die Tattoo-Schatzkarte auf den Körpern von 24 entflohenen Kriminellen, Psychopathen und Serienkillern erstellt haben soll. Doch auch die anderen Fraktionen, die es auf das Gold abgesehen haben, haben den Weg zum Hochsicherheitsgefängnis gefunden und als sie aufeinanderprallen, kommt es zu einer epischen Schlacht.

Mit "Golden Kamuy: The Abashiri Prison Raid" setzt Netflix die Realverfilmung des japanischen Abenteuerstoffs konsequent fort. Während der Film von 2024 noch vor allem die Figuren, die Welt und die ungewöhnliche Schatzsuche etablierte, verlagert sich der Fokus nun stärker auf die eigentliche Handlung. Das Ergebnis ist ein temporeiches Abenteuer mit eindrucksvollen Actionsequenzen und einer faszinierenden historischen Kulisse - allerdings auch ein Film, der Neueinsteiger häufiger zurücklässt, als ihm guttut. Die Geschichte knüpft an den Film und die 9-teilige Serie, die den zweiten Teil der Geschichte darstellt, unmittelbar an und führt Saichi Sugimoto und Asirpa auf ihrer Suche nach dem legendären Gold der Ainu zum berüchtigten Gefängnis von Abashiri. Dort kreuzen sich die Wege verschiedener Fraktionen, deren Interessen zunehmend aufeinanderprallen. Aus der vergleichsweise geradlinigen Schatzsuche des ersten Films entwickelt sich ein deutlich komplexerer Abenteuerthriller, der politische Machtspiele, persönliche Motive und spektakuläre Auseinandersetzungen miteinander verbindet. 

Wie schon der erste Teil überzeugt auch die Fortsetzung vor allem durch ihre außergewöhnliche Mischung aus Historienfilm, Western, Action und schwarzem Humor. Die winterlichen Landschaften Hokkaidōs sehen erneut beeindruckend aus und verleihen dem Film eine unverwechselbare Atmosphäre. Besonders die detailreiche Ausstattung und die authentisch wirkenden Schauplätze tragen dazu bei, dass sich das frühe 20. Jahrhundert glaubwürdig anfühlt. Auch die Kultur der Ainu bleibt erfreulicherweise ein wichtiger Bestandteil der Geschichte und sorgt dafür, dass sich auch "Golden Kamuy: The Abashiri Prison Raid" von gewöhnlichen Abenteuerfilmen angenehm abhebt. Kento Yamazaki spielt den unverwüstlichen Sugimoto erneut mit der passenden Mischung aus stoischer Entschlossenheit und trockenem Humor. Anna Yamada verleiht Asirpa weiterhin Eigenständigkeit und Charisma, sodass ihre Beziehung das emotionale Zentrum des Films bildet. Gleichzeitig wächst das Ensemble deutlich an. Viele neue Figuren bereichern zwar die Handlung, verlangen einem aber auch einiges an Aufmerksamkeit ab. Gerade wenn man den ersten Film vor längerer Zeit geschaut hat oder die Vorlage überhaupt nicht kennt, dürften man bei den zahlreichen Bündnissen, Rivalitäten und wechselnden Loyalitäten gelegentlich den Überblick verlieren.

Auch inszenatorisch legt die Fortsetzung zu. Die Kämpfe sind dynamischer choreografiert, die Gefängnissequenzen entwickeln ordentlich Spannung und das höhere Tempo sorgt dafür, dass die über zweistündige Laufzeit selten zäh wirkt. Gleichzeitig verliert der Film dadurch aber etwas von der Ruhe, mit der der Vorgänger seine Figuren noch entwickeln konnte. Der Film baut sehr stark auf bereits etablierte Figuren und Handlungsstränge und deshalb seine Eigenständigkeit im direkten Vergleich zum Vorgänger einbüßt. Und genau darin liegt letztlich auch die größte Schwäche. "Golden Kamuy: The Abashiri Prison Raid" funktioniert weniger als eigenständiger Film denn als weiteres Kapitel einer größeren Geschichte. Viele Charaktere erhalten auch hier nur kurze Auftritte, manche Entwicklungen wirken eher wie Vorbereitungen auf kommende Ereignisse als abgeschlossene Erzählbögen. Wenn man hingegen bereits den ersten Film mochte, weiß man allerdings genau diese Kontinuität zu schätzen.

"Golden Kamuy: The Abashiri Prison Raid" steigert die Action, erweitert die faszinierende Welt des Vorgängers und bleibt seinem ungewöhnlichen Genremix treu. Gleichzeitig verlangt die Fortsetzung einem noch mehr Vorwissen ab und verliert durch die Vielzahl an Figuren etwas an erzählerischer Klarheit. Da ich mit dem ersten Films gut unterhalten wurde, hat der Teil hier einen klaren Vorteil, Neueinsteiger dagegen dürften sich schwerer tun. Damit bleibt auch der zweite Kinofilm eine gelungene, aber nicht durchweg überzeugende Manga-Adaption.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkTOHO/CREDEUS/Shueisha/WOWOW

Samstag, 8. August 2026

Cruel Intentions 3 - Eiskalte Engel 3 (2004)

https://www.imdb.com/de/title/tt0391891/
https://letterboxd.com/film/cruel-intentions-3/

Cassidy Merteuil (Kristina Anapau), die Cousine von Kathryn Merteuil aus den vorangegangenen Teilen, ist eine verdorbene, aber harte Nuss. Nur dem versierten Verführer kann es gelingen, die College-Studentin ins Bett zu bekommen. Jason Argyle (Kerr Smith) scheitert immer wieder an dieser Aufgabe, hat aber keine Lust klein beizugeben. Zusammen mit Patrick Bales (Nathan Wetherington) will er Cassidy zeigen, wo der Hammer hängt. Aber die junge Frau ist mit allen Wassern gewaschen und kennt sich mit dem Spinnen perfider Intrigen aus. So gelingt es ihr, die Einigkeit von Patrick und Jason zu spalten, indem sie beide zu einem Wettstreit auffordert. Während Patrick die mit einem anderen Studenten verlobte Alison Lebray (Melissa Yvonne Lewis) sexuell beglücken will, versucht Jason, die ebenfalls anderweitig liierte Sheila Wright (Natalie Ramsey) von seinen Qualitäten im Bett zu überzeugen. Aber lassen sich Jason und Patrick so einfach auseinanderbringen?

Mit "Eiskalte Engel 3" erreicht die Reihe ihren qualitativen Tiefpunkt. Der Direct-to-Video-Nachfolger versucht zwar, den Mix aus Verführung, Intrigen und moralischen Spielchen des Originals wieder aufzugreifen, wirkt dabei jedoch wie eine blasse Kopie ohne dessen Eleganz oder Biss. Zwar überzeugt die Produktion mit einer gepflegten Optik und einem attraktiven Ensemble um Kerr Smith und Kristina Anapau, doch das reicht nicht aus, um die offensichtlichen Schwächen zu kaschieren. Die Figuren bleiben oberflächlich, die Dialoge klingen häufig künstlich und die Handlung folgt bekannten Mustern, ohne nennenswerte Spannung oder überraschende Wendungen zu entwickeln. Statt cleverer Psychospielchen dominieren vorhersehbare Konflikte und ein Drehbuch, das den Charme des ersten Films nie erreicht.

Auch inszenatorisch bleibt "Eiskalte Engel 3" weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Regisseur Scott Ziehl setzt zwar auf ein zügiges Erzähltempo und eine freizügigere Ausrichtung, doch weder die Atmosphäre noch die emotionale Fallhöhe können mit dem Kultfilm von 1999 mithalten. Damit bietet "Eiskalte Engel 3" allenfalls unkomplizierte Unterhaltung für Komplettisten. Trotz solider Darsteller und einer ordentlichen Inszenierung fehlt es dem Film an Originalität, Spannung und der cleveren Boshaftigkeit, die den ersten Teil so erfolgreich gemacht haben. Am Ende bleibt ein weitgehend belangloser Erotikthriller, der den Namen "Eiskalte Engel" eigentlich nicht verdient.

4/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkOriginal Film/Columbia TriStar Home Entertainment/Newmarket Films

Freitag, 7. August 2026

La desconocida - The Marked Woman - Die Unbekannte vom Hafen (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt32129938/
https://letterboxd.com/film/the-marked-woman-2026/

In einem Schiffscontainer im Hafen Barcelonas wird eine gefesselte und geknebelte Frau (Ana Rujas) gefunden. Sie weiß weder, wer sie ist, noch wie sie an diesen Ort gekommen ist. Um ihre Verletzungen, aber auch ihre Amnesie zu behandeln, wird sie in ein Krankenhaus gebracht. Als dort ein Mordanschlag auf sie verübt wird, den sie nur knapp überlebt, werden die Polizisten Anna Ripoll (Candela Peña) und Quique Zárate (Pol López) auf den mysteriösen Fall angesetzt. Zusammen versuchen sie zu ermitteln, was der Unbekannten zugestoßen ist und weshalb jemand sie nun umbringen will. Dabei stoßen sie in ein Wespennest krimineller Machenschaften um Menschenhandel und Prostitution.

Netflix liefert mit "Die Unbekannte vom Hafen" einen Thriller ab, der mit einer vielversprechenden Prämisse beginnt, sein Potenzial jedoch nur teilweise ausschöpfen kann. Im Mittelpunkt steht eine schwer verletzte Frau, die ohne Erinnerung an ihre Identität aufgefunden wird und schon kurz darauf ins Visier unbekannter Verfolger gerät. Was zunächst wie ein spannendes Mystery-Drama wirkt, entwickelt sich zunehmend zu einem routinierten Kriminalthriller, der nur selten überrascht. Regisseur Gabe Ibáñez inszeniert Barcelona kühl, und die zurückhaltende Musik sowie die gelungene Kameraführung sorgen dafür, dass die Geschichte über weite Strecken spannend bleibt. Besonders Candela Peña überzeugt als engagierte Ermittlerin mit einer glaubwürdigen und emotionalen Darstellung, die dem Film die nötige Bodenhaftung verleiht.

Menschenhandel, Identitätsverlust und die Folgen traumatischer Erlebnisse bilden den Kern der Geschichte und verleihen ihr eine gewisse gesellschaftliche Relevanz. Aber genau hier verschenkt das Drehbuch allerdings seine größte Chance. Statt die Figuren und ihre Konflikte konsequent zu vertiefen, setzt der Film zunehmend auf bekannte Thriller-Muster und vorhersehbare Wendungen. Dadurch verlieren sowohl die Spannung als auch die emotionale Wirkung spürbar an Kraft. Der Film bleibt handwerklich solide, erreicht jedoch nie die Intensität oder erzählerische Raffinesse vergleichbarer Genrevertreter. Gute Ansätze sind vorhanden - am Ende bleibt aber ein solider, aber letztlich austauschbarer Netflix-Thriller.

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: K & S Films

84제곱미터 - 84 Jegopmiteo - Wall To Wall - 84m² (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt32237537/
https://letterboxd.com/film/wall-to-wall/

Woo-seong (Kang Ha-neul) kann sich endlich seinen Traum erfüllen: Jahrelang hat er dafür gespart, sich eine Eigentumswohnung in einem großen Apartmentkomplex zu kaufen und nun ist es soweit. Doch schon kurz nach seinem Einzug mehren sich die Zeichen, dass in dem Gebäude etwas nicht stimmt. Wer oder was erzeugt diese seltsamen Geräusche in den Nachbarwohnungen und zu welchem Zweck? Während Woo-seong versucht, den Geschehnissen auf den Grund zu gehen, wird er selbst von den Nachbarn verschiedener Dinge beschuldigt – und schließlich vernimmt er das Gerücht, dass im benachbarten Wohnkomplex jemand ermordet worden sein soll. Könnte er der nächste sein, dem dieses Schicksal blüht?

Es gibt kaum ein Land, das gesellschaftliche Ängste derzeit so wirkungsvoll in Thriller verpackt wie Südkorea. Regisseur Kim Tae-joons "84m²" Film beginnt als beklemmender Psychothriller über Lärmbelästigung in einem Apartmentkomplex, entwickelt sich dann aber immer stärker zu einem Verschwörungsdrama, das letztlich mehr erzählen möchte, als ihm tatsächlich guttut. Der Titel ist dabei weit mehr als eine nüchterne Wohnflächenangabe. 84 Quadratmeter gelten in Südkorea als das Sinnbild der idealen Eigentumswohnung - bezahlbar für die Mittelschicht, gleichzeitig aber für viele Menschen nur durch jahrzehntelange Verschuldung erreichbar. Genau dieser Traum wird für Woo-seong zum Albtraum. Nachdem er sämtliche Ersparnisse investiert und hohe Kredite aufgenommen hat, scheint das Eigenheim endlich den erhofften sozialen Aufstieg zu ermöglichen. Doch kaum ist er eingezogen, beginnen mysteriöse Geräusche aus den Nachbarwohnungen seine Nächte zu beherrschen. Schnell wird aus alltäglicher Lärmbelästigung ein psychischer Ausnahmezustand, in dem Realität, Misstrauen und Paranoia zunehmend miteinander verschwimmen.

Tae-joon versteht es hervorragend, aus einer eigentlich banalen Situation ein permanentes Gefühl der Unsicherheit entstehen zu lassen. Jeder Schritt im Treppenhaus, jedes Klopfen an der Decke und jede Begegnung mit den Nachbarn entwickelt eine unangenehme Spannung. Die Wohnung selbst wird zum Gefängnis, dessen Wände den Protagonisten nicht schützen, sondern seine Isolation verstärken. Einen erheblichen Anteil daran hat Kang Ha-neul. Seine Darstellung von Woo-seong ist ansprechend nuanciert. Er spielt keinen klassischen Thrillerhelden, sondern einen gewöhnlichen Mann, dessen Traum vom Eigenheim ihn langsam innerlich zerbrechen lässt. Verzweiflung, Erschöpfung und wachsende Besessenheit spiegeln sich glaubwürdig in jeder Szene wider. Auch Yeom Hye-ran und Seo Hyun-woo liefern überzeugende Nebenrollen ab und verleihen den Bewohnern des Apartmentkomplexes genau jene Ambivalenz, die notwendig ist, damit der Zuschauer niemandem vollständig vertraut. Technisch überzeugt der Film ebenfalls. Die Kamera arbeitet geschickt mit engen Räumen, langen Fluren und kalten Betonlandschaften. Das Sounddesign entwickelt sich beinahe zum eigentlichen Antagonisten des Films. Klopfgeräusche, dumpfe Schläge und scheinbar alltäglicher Lärm erzeugen eine permanente Anspannung, die den Zuschauer fast ebenso mürbe macht wie den Protagonisten. Gerade weil Kim Tae-joon auf übernatürliche Schockeffekte weitgehend verzichtet, entsteht ein realistischer Horror, den wohl jeder nachvollziehen kann, der schon einmal in einem hellhörigen Mehrfamilienhaus gelebt hat.

Leider gelingt es dem Film nicht, dieses hohe Niveau bis zum Ende zu halten. Je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr entfernt sie sich von ihrem ursprünglich faszinierenden Kern. Aus dem beklemmenden Kammerspiel wird zunehmend ein Mix aus Immobilienkritik, Finanzdrama, Korruptionsgeschichte und Verschwörungsthriller. Hinzu kommen mehrere Wendungen, die zwar überraschen sollen, der Geschichte jedoch einen Teil ihrer Glaubwürdigkeit nehmen. Statt die psychologische Spannung weiter zu verdichten, verliert sich das Drehbuch in immer neuen Ideen, von denen keine vollständig ausgearbeitet wird. Dabei wäre weniger tatsächlich mehr gewesen. Die stärksten Momente entstehen immer dann, wenn "84m²" den Mut besitzt, beim alltäglichen Wahnsinn zu bleiben. Das beklemmende Gefühl, den eigenen vier Wänden nicht mehr vertrauen zu können, trägt den Film wesentlich besser als die späteren Eskalationen. Man spürt, dass Kim Tae-joon wichtige gesellschaftliche Themen wie Wohnungsnot, Immobilienblasen, Leistungsdruck und soziale Isolation ansprechen möchte. Diese Themen sind hochaktuell und werden insbesondere für ein südkoreanisches Publikum eine besondere Resonanz entfalten. Dennoch wirkt der Film gegen Ende überladen, weil jede dieser Ideen gleichzeitig ihren Platz finden soll.

Vergleiche mit "Parasite" drängen sich zwar auf, greifen aber letztlich zu kurz. Bong Joon-ho verband Gesellschaftskritik und Thriller mit bemerkenswerter Eleganz und erzählerischer Präzision. "84m²" erreicht diese Balance nicht und bleibt dennoch ein sehenswerter Vertreter des modernen koreanischen Genrefilms. Er besitzt genügend handwerkliche Qualität, starke Darsteller und gesellschaftliche Relevanz, um über weite Strecken zu fesseln. Gleichzeitig verhindert ein überambitioniertes Drehbuch, dass aus einem sehr guten Thriller ein wirklich herausragender wird.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Mizi Film

Mittwoch, 5. August 2026

Bride Hard (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt21317634/
https://letterboxd.com/film/bride-hard/

Sam (Rebel Wilson) arbeitet als Geheimagentin auf höchstem Niveau. Als sie jedoch eine gefährliche Mission der Rolle als Trauzeugin vorzieht, verliert sie das Vertrauen ihrer besten Freundin Betsy (Anna Camp). Zur Hochzeit wird sie deshalb nur noch als einfache Brautjungfer eingeladen. Was als versöhnliches Wochenende beginnt, endet abrupt, als bewaffnete Söldner die Feier überfallen. Inmitten der eskalierenden Situation bleibt Sam keine Wahl: Sie muss eingreifen, um die Braut zu schützen. Während sie sich zwischen Torte, Tischdeko und Schusswechseln bewegt, versucht sie nicht nur, die Angreifer zu stoppen, sondern auch ihre beschädigte Freundschaft zu retten. Die Ereignisse verdichten sich zu einem Wettlauf gegen die Zeit – und einer persönlichen Herausforderung, die weit über ihren Agentenalltag hinausgeht. Denn mit Virginia (Anna Chlumsky), Lydia (Da'Vine Joy Randolph) und Zoe (Gigi Zumbado) werden auch die anderen Brautjungern mit in die Sache reingezogen.

Die Mischung aus "Stirb langsam" und einer chaotischen Hochzeitskomödie klingt eigentlich nach einer sicheren Bank. Mit Simon West auf dem Regiestuhl und Rebel Wilson als schlagkräftiger Geheimagentin, die nebenbei als Brautjungfer auf der Hochzeit ihrer besten Freundin einspringen muss, bringt "Bride Hard" durchaus eine unterhaltsame Prämisse mit. Leider bleibt der Film fast durchgehend hinter seinen Möglichkeiten zurück. Viele Witze verpuffen wirkungslos, zahlreiche Pointen wirken vorhersehbar oder überstrapaziert. Kurz: ich habe nicht einmal geschmunzelt. Gleichzeitig fehlt den Figuren jede echte Tiefe, sodass die emotionale Freundschaftsgeschichte kaum Gewicht entwickelt. Statt clever mit den bekannten Genre-Klischees zu spielen, reiht der Film ein altbekanntes Muster an das nächste.

Auch die Action überzeugt nur bedingt. Simon West inszenierte in der Vergangenheit deutlich temporeichere und einfallsreichere Actionfilme. Doch hier wirken viele Kämpfe überraschend harmlos und teilweise uninspiriert choreografiert. Der Film schwankt ständig zwischen alberner Komödie und ernst gemeintem Actionfilm, ohne jemals eine stimmige Balance zu finden. Am Ende bleibt das Gefühl, dass "Bride Hard" aus einer eigentlich unterhaltsamen Idee viel zu wenig macht. Weder erreicht der Film den Witz einer gelungenen Hochzeitskomödie noch die Spannung eines guten Actionfilms. Stattdessen entsteht ein überraschend beliebiger Mix, der trotz sympathischer Besetzung so gut wie nie zündet.

3,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkBalcony 9 Productions/Colleen Camp Productions/Elevated Films/WME Independent/Copper Island/Latigo Films/Gramercy Park Media

Hellraiser: Hellworld - Hellraiser VIII: Hellworld (2005)

https://www.imdb.com/de/title/tt0354623/
https://letterboxd.com/film/hellraiser-hellworld/

Die Teenager Chelsea (Katheryn Winnick), Allison (Anna Tolputt), Derrick (Khary Payton) und Mike (Henry Cavill) trauern um ihren Freund Adam (Stelian Urian). Er beging Selbstmord, nachdem er auf fatale Weise süchtig nach einem Online-Videospiel namens „Hellword“ wurde. Ihr ehemaliger Freund Jake (Christopher Jacot) erhebt schwere Vorwürfe gegen die Gruppe. Sie hätten nicht aufgehört zu spielen, auch als sich Adams Gesundheitszustand bereits deutlich verschlechtert hatte. Chelsea, die am meisten von Schuldgefühlen geplagt wird, und die anderen sind darum umso überraschter, als sie Jake auf einer Hellword-Party begegnen. Er erklärt ihnen, dass er von einer Chat-Bekanntschaft dazu eingeladen wurde. Die Feier findet in einem abgelegenen Haus statt, wo der geheimnisvolle Gastgeber (Lance Henriksen) ziemlich makabre Sammelleidenschaften pflegt. Zu spät bemerken die Spieler, dass sie auf einem wahrhaft höllischen Trip sind…

Nach den zunehmend psychologisch geprägten Vorgängern versuchte "Hellraiser: Hellworld", der mittlerweile stark angeschlagenen Horrorreihe neues Leben einzuhauchen. Die Idee klang auf dem Papier durchaus reizvoll: Was passiert, wenn sich eine Gruppe junger Horrorfans in einem Escape-ähnlichen Rollenspiel rund um Pinhead und die Lament Configuration wiederfindet? Hinzu kam ein überraschend prominentes Ensemble mit Lance Henriksen, Doug Bradley und einem damals noch weitgehend unbekannten Henry Cavill. Doch trotz dieser Zutaten bleibt "Hellraiser: Hellworld" ein Film, der nie entscheidet, ob er klassische "Hellraiser"-Fortsetzung oder moderner Teenie-Horror à la "Saw" und "House Of Wax" sein möchte. Doch zunächst besitzt der Film auch durchaus einen gewissen Reiz. Die Idee, das "Hellraiser"-Universum in die frühe Internet- und Online-Gaming-Kultur der 2000er-Jahre zu übertragen, war damals durchaus aktuell und unterschied sich zumindest von den vorherigen Fortsetzungen. Gerade der Einstieg erzeugt eine angenehme Mystery-Stimmung und lässt offen, ob tatsächlich übernatürliche Kräfte am Werk sind oder ob alles Teil eines perfiden Spiels ist.

Auch optisch schlägt "Hellraiser: Hellworld" einen etwas frischeren Weg ein. Die düsteren Kulissen des alten Herrenhauses, kombiniert mit modernen Elementen wie Computern, virtuellen Rätseln und Gothic-Design, sorgen für eine interessante Atmosphäre. Regisseur Rick Bota bemüht sich sichtbar, dem Film einen zeitgemäßeren Look zu verleihen, ohne dabei die typischen Horrorbilder der Reihe völlig aufzugeben. Darstellerisch gibt es ebenfalls Lichtblicke. Lance Henriksen bringt mit seiner ruhigen und geheimnisvollen Präsenz viel Klasse in den Film und verleiht seiner Figur eine unterschwellige Bedrohlichkeit. Auch Henry Cavill, noch Jahre vor seinem internationalen Durchbruch, zeigt bereits Charisma und eine natürliche Leinwandpräsenz. Katheryn Winnick und Khary Payton ergänzen den jungen Cast solide, auch wenn das Drehbuch ihren Figuren nur wenig Tiefe zugesteht. Und genau hier beginnt das größte Problem des Films. Die Charaktere bleiben größtenteils austauschbare Genre-Stereotype, deren Schicksal den Zuschauer kaum berührt. Hinzu kommt, dass sich die Handlung lange Zeit mit falschen Fährten und Halluzinationen beschäftigt, ohne echte Spannung aufzubauen. Was zunächst geheimnisvoll wirkt, entwickelt sich zunehmend zu einem verwirrenden Wechselspiel aus Realität und Einbildung, das seine Überraschungen frühzeitig verrät.

Noch gravierender ist allerdings die Rolle von Pinhead. Wie bereits bei mehreren Direct-to-Video-Fortsetzungen dient Doug Bradleys ikonische Figur eher als Werbefigur denn als tatsächlicher Mittelpunkt der Geschichte. Pinhead tritt nur sporadisch auf und bleibt weit hinter seiner früheren Präsenz zurück. Als Fan der klassischen Filme darf man sich deshalb erneut fragen, warum der Film überhaupt den Namen "Hellraiser" trägt. Auch das Finale sorgt für Stirnrunzeln. Es schlägt eine Richtung ein, die den zuvor aufgebauten übernatürlichen Horror weitgehend relativiert. Was als spannendes Spiel mit Realität und Hölle beginnt, endet vergleichsweise bodenständig und nimmt der Geschichte einen Großteil ihrer mystischen Wirkung. Für den eingefleischten Fan bleibt der Film eine interessante Randnotiz der Reihe - als eigenständiger Horrorfilm überzeugt er jedoch nur selten und bleibt deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück.

4/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkNeo Art & Logic/Miramax/Castel Film/Dimension Films