Auf ihrem spanischen Landsitz genießen die aus den USA stammenden Geschwister Jack (Jamie Bell), Ed (Callum Turner), Anna (Riley Keough) und Robert (Lukas Gage) zwanglosen Luxus. Sie pflegen ihren blinden Vater (Tracy Letts) in abgeschiedener Isolation, geprägt von Langeweile, exzessiver Mode und inzestuösen Spannungen, nach dem mysteriösen Tod ihrer Mutter. Als Jack mit seiner Freundin Martha (Elle Fanning), einer Musikstudentin, zusammenziehen will, verfliegt die Harmonie, und die unschönen Abgründe der Familiengeschichte tun sich auf. Als Ed beginnt, die unklaren Todesumständen (möglicherweise von Wölfen zerfetzt) der Mutter (Pamela Anderson) zu untersuchen, beginnt das toxische Gefüge zu bröckeln. Robert, der an Epilepsie leidet, hegt mörderische Pläne gegen die Familie, während subtile Machtkämpfe, Blutfetische sowie groteske Szenen wie Zahnputz-Rituale die patriarchalen Abgründe enthüllen...
Das Quasi-Remake von Marco Bellocchios "Mit der Faust in der Tasche" aus dem Jahr 1965 mit dem Titel "Rosebush Pruning" (wörtliche Übersetzung: "Beschneiden von Rosensträuchern") ist eine sonnendurchflutete, perverse Familien-Satire, die von Beginn an wie eine europäische "Saltburn"-Variante wirkt: ein Ensemble reicher, verwöhnter Geschwister in einer luxuriösen spanischen Villa, deren dysfunktionale Dynamik in Mord und Wahnsinn kippt - geschrieben von Efthimis Filippou und inszeniert von Karim Aïnouz mit einem Mix aus schwarzem Humor, Absurdität und beißender Gesellschaftskritik. Das Ensemble glänzt dabei durch Nuancen in der Absurdität: Jamie Bell als vernünftiger, aber gefangener Jack, Callum Turner als neidisch-nachdenklicher Edward, Riley Keough als magnetisch-manipulative Anna und Lukas Gage als nervöser Robert - alle verkörpern die entzückend-schreckliche Dysfunktionalität in einer Familie, die Reichtum nutzt, um sich selbst zu zerstören. Elle Fanning als Außenseiterin Martha destabilisiert diese Familie brillant, Tracy Letts als Patriarch sorgt für absurd-autoritäre Momente, und Pamela Andersons Rolle als Mutter fügt perverse Poesie hinzu. Filippous Skript macht die Familie weniger zu Monstern als zu überzeichneten Kapitalisten, deren (etwas klischeehafte) Neurosen gleichzeitig Vanity-Projekte und Rivalitäten gebären.
Regisseur Karim Aïnouz zeigt einen sonnendurchfluteten Film ohne zu viel Fett: Die Villa als Gefängnis, Kameraarbeit, die Intimität und Bedrohung mischt, und ein Tempo, das von komischen Vignetten zu blutigem Crescendo eskaliert. Es pendelt recht gekonnt zwischen Unbehagen (inklusive inzestuöser Andeutungen) und Heiterkeit, gleichermaßen amüsant und schweißtreibend mit einem visuell atemberaubenden Design und einem Soundtrack, der die Absurdität unterstreicht. Die Logik löst sich im Finale auf, die soziale Satire (patriarchale Macht, Kapitalismus) wirkt teilwiese etwas dünn unter dem ganze Spektakel. Mit recht absurder Kritik an patriarchalischer Macht und unterdrückende Familiendynamiken zielt der Film auf Erbschaft als Fluch, toxische Loyalität und die Grausamkeit der mit Reichtum einhergeht - vergleichbar mit "Saltburn", aber mit mehr Gewalt und weniger Substanz. Er zeigt starke Performances und ist von vorn bis hinten durchweg unterhaltsam, zeigt aber Schwächen in der Tiefe der Charaktere und der Kritik und übertreibt an mancher Stelle maßlos. "Rosebush Pruning" ist ein provokanter Film, der seine toxische Familie genüsslich zerlegt, aber im Chaos der Pointe verliert. Der Titel-Spruch von Ed ("People are roses. Families are rosebushes. Rosebushes need pruning.") fasst es eigentlich wunderbar zusammen: Das "Stutzen" geht als Metapher für toxische Loyalität perfekt durch.








