Samstag, 19. September 2026

See No Evil - Blind Terror - Stiefel, die den Tod bedeuten (1971)

https://www.imdb.com/title/tt0067727/
https://letterboxd.com/film/see-no-evil/

Nach einem Reitunfall hat die junge Sarah (Mia Farrow) ihr Augenlicht verloren und verbringt ihre Genesungszeit auf dem abgelegenen Landsitz ihrer Verwandten im englischen Berkshire. Dort lebt sie bei ihrer Tante Betty Rexton (Dorothy Alison), ihrem Onkel George Rexton (Robin Bailey) und ihrer Cousine Sandy Rexton (Diane Grayson). Während sie sich langsam an ihr neues Leben gewöhnt, geschieht in ihrer Abwesenheit ein grausames Verbrechen. Als Sarah zurückkehrt, ahnt sie zunächst nicht, dass sie sich in unmittelbarer Gefahr befindet. Bald muss sie feststellen, dass ein unbekannter Killer noch immer in ihrer Nähe ist. Da Sarah blind ist, wird ihr vertrautes Zuhause plötzlich zu einem gefährlichen Labyrinth, in dem sie sich allein auf Gehör, Tastsinn und ihr Gedächtnis verlassen kann...

Richard Fleischers "See No Evil" - auch unter dem Titel "Blind Terror" und in der deutschen "Übersetzung" "Stiefel, die den Tod bedeuten" bekannt - ist ein klassischer britischer Psychothriller, der aus einer einfachen Prämisse erstaunlich viel Spannung gewinnt. Die nach einem Reitunfall erblindete Sarah (Mia Farrow) verbringt ihre Genesungszeit auf dem Landsitz ihrer Familie. Ohne es zu wissen, befindet sich dort bereits ein Mörder, der ihre Angehörigen tötet. Als Sarah schließlich allein zurückbleibt, wird ihre Blindheit vom Handicap zum entscheidenden Element eines nervenaufreibenden Katz-und-Maus-Spiels, bei dem der Zuschauer stets mehr weiß als die Protagonistin.

Fleischer inszeniert den Film angenehm geradlinig und setzt weniger auf spektakuläre Schocks als auf dramatische Ironie: Das Publikum sieht die Gefahr, während Sarah sie nicht sehen kann. Die Berkshire-Landschaft und das abgelegene Anwesen verstärken dabei die beklemmende Isolation. Der entscheidende Trumpf ist Mia Farrow. Sie spielt Sarah verletzlich, aber keineswegs hilflos und vermittelt überzeugend, wie sie sich ihre Umgebung über Gehör, Tastsinn und Erinnerung erschließt. Allerdings folgt die Handlung letztlich einem bekannten Thriller-Schema, manche Entscheidungen der Figuren wirken konstruiert und die Spannung wird nicht über die gesamte Laufzeit gleich konsequent gehalten. Zudem kann die extreme Gefährdung Sarahs stellenweise eher sadistisch als wirklich psychologisch wirken. "See No Evil" ist letztlich kein revolutionärer Thriller (schon gar nicht aus heutiger Sicht) , aber ein ausgesprochen wirkungsvoller Vertreter seines Genres. Die starke Hauptdarstellerin, die atmosphärische Inszenierung und das konsequent ausgespielte Blindheitsmotiv machen ihn auch heute noch sehenswert - vorausgesetzt, man kann mit einem gelegentlich etwas altmodischen und harten Thriller-Stil leben.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkGenesis Productions Ltd./Filmways Pictures/Columbia Pictures

Shark Night 3D (2011)

https://www.imdb.com/de/title/tt1633356/
https://letterboxd.com/film/shark-night-3d/

Für Sara (Sara Paxton) und ihre College-Freunde soll es das ultimative Partywochenende im Ferienhaus ihrer Eltern auf einer kleinen Insel in Louisiana werden. Die Stimmung ist ausgelassen, der Salzsee lockt und die Freunde stürzen sich ins Wasser. Doch die Partylaune sinkt schnell, als Malik (Sinqua Walls) bei einem Stunt mit dem Wakeboard stürzt und wenig später an Land taumelt – mit einem abgerissenen Arm. Die Freunde machen sich in einem Motorboot auf den Weg Richtung Krankenhaus. Erst auf dem See wird ihnen klar: Es war kein Unfall. Im Wasser wimmelt es von mordlustigen Haien. Was als Racheplan einheimischer Jugendlicher rund um Saras Ex-Freund begonnen hat, wird für die Clique zum verzweifelten Kampf ums Überleben.

"Shark Night 3D" hat mit einer Gruppe von Studenten, einem abgelegenen See und hungrigen Haien eigentlich alle Zutaten für kurzweiligen Tierhorror. Regisseur David R. Ellis, der mit "Final Destination 2" eine ganze Generation traumatisierte und mit "Snakes On A Plane" auf sich aufmerksam machte, kombiniert klassischen Hai-Thriller mit Teenie-Slasher - doch ausgerechnet der erwartete B-Movie-Spaß bleibt weitgehend aus. Die Handlung ist simpel und zunehmend hanebüchen, die Figuren bestehen aus bekannten Genreklischees. Zwar sorgen einige Haiattacken für Tempo und nette Schockmomente, doch die jugendfreie Ausrichtung nimmt dem Film viel von der Härte, die das Konzept eigentlich verlangen würde. Auch die CGI-Haie wirken wechselhaft, während das 3D nur selten einen echten Mehrwert bietet. Dabei ist Ellis durchaus in der Lage, die Action flott zu inszenieren. Das Problem ist vielmehr, dass "Shark Night 3D" weder den Suspense eines "Der weiße Hai" noch den hemmungslosen Trash-Spaß von "Piranha 3D" erreicht. Selbst die absurdesten Ideen werden erstaunlich ernst präsentiert. Ein paar Haie, eine hübsche Location und ordentlich Bewegung reichen letztlich dann doch nicht aus. "Shark Night 3D" ist kein Totalausfall, aber ein erstaunlich zahmer Hai-Film, der sein eigentliches Unterhaltungspotenzial nie ausschöpft.

4/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkIncentive Filmed Entertainment/Rogue Pictures/Relativity Media/Sierra/Affinity/Silverwood Films/Next Entertainment

Freitag, 18. September 2026

Anaconda 3: Offspring (2008)

https://www.imdb.com/de/title/tt1137996/
https://letterboxd.com/film/anaconda-3-offspring/

Hammett (David Hasselhoff) wird nicht umsonst der Schlangenjäger genannt. Der erfahrene Ex-Bademeister hat schon so manches Biest wieder eingefangen. Aber diesmal hat er es mit einer ganz besonders schweren Aufgabe zu tun. Aus dem Forschungslabor des wohlhabenden Murdoch (John Rhys-Davies) ist eine Anakonda entkommen, die zu Untersuchungszwecken mit allerlei Mitteln behandelt wurde. Das aggressive Tier stellt nun eine Gefahr für die Umgebung dar, zumal die meisten der Wissenschaftler bereits dran glauben mussten, die in dem Labor tätig waren, als die Schlange entkommen ist. Hammett und seine Leute müssen nun all ihr Können und ihren gesammelten Wagemut an den Tag legen, um das Schlimmste zu verhindern. Denn das Tier muss unschädlich gemacht werden, bevor es sich vermehren kann. Aber sie haben nicht damit gerechnet, dass Murdoch eventuell noch andere Pläne verfolgt, die er ihnen nicht mitgeteilt hat.

So billig wie das Kinoposter ist auch der Film. Mit "Anaconda 3: Offspring" verabschiedet sich die Reihe endgültig vom Kinomonsterfilm und landet beim billigen TV-B-Movie. Ein todkranker Milliardär (John Rhys-Davies) lässt genetisch veränderte Anakondas züchten, die als mögliches Heilmittel gegen Krankheiten dienen sollen. Als die Tiere entkommen, übernimmt Söldner Hammett (David Hasselhoff) die Jagd. Die Prämisse ist typischer Monster-Trash, doch Drehbuch und Figuren bleiben erschreckend schematisch. Hasselhoff sorgt mit seinem völlig überzeichneten Auftritt immerhin für unfreiwilligen Unterhaltungswert, während Rhys-Davies aus seiner undankbaren Rolle kaum etwas herausholen kann. Die Handlung besteht ansonsten hauptsächlich aus bekannten Genre-Versatzstücken und vorhersehbaren Opfersequenzen. Größtes Problem sind die Effekte und die Inszenierung. Die CGI-Schlangen wirken selbst für einen Fernsehfilm ihrer Zeit billig und rauben den Monstern fast jede Bedrohlichkeit. Einige blutige Kills sorgen zwar für Gore-Unterhaltung, doch die Action bleibt ebenso uninspiriert wie die Figuren. Selbst die grundsätzlich passende Monsterjagd verliert im letzten Drittel deutlich an Tempo und Spannung. 

Hasselhoffs Trash-Faktor, die blutigen Effekte und die grundsätzlich unterhaltsame Schlangenprämisse sind amüsant, dafür fehlt es jedoch an fast allem, was einen funktionierenden Creature-Feature ausmacht: Spannung, glaubwürdige Figuren, vernünftige Effekte und eine überzeugende Inszenierung. "Anaconda 3: Offspring" ist billig, vorhersehbar und technisch schwach - als unfreiwillige Trash-Komödie besitzt der Film dank David Hasselhoff aber zumindest einen gewissen Unterhaltungswert.

3/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkCastel Film/Hollywood Media Bridge/Syfy

Donnerstag, 17. September 2026

Resident Evil (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt35538033/
https://letterboxd.com/film/untitled-resident-evil-reboot/

Für Kurierfahrer Bryan (Austin Abrams) beginnt der Tag mit einem Routineauftrag: Er soll ein biomedizinisches Paket an seinen Bestimmungsort bringen. Doch schon kurz nach der Übernahme der Lieferung gerät der Einsatz außer Kontrolle. Aus der vermeintlich gewöhnlichen Fahrt entwickelt sich innerhalb weniger Stunden ein Albtraum, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint. Mit jeder Station nehmen die Ereignisse eine bedrohlichere Wendung, während Bryan immer tiefer in eine Situation hineingezogen wird, deren Ausmaß er zunächst nicht begreift. Die geheimnisvolle Fracht löst eine Kette unvorhersehbarer Geschehnisse aus und macht die Nacht zu einem erbitterten Kampf ums Überleben. Je weiter der Transport voranschreitet, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Horror.

Zach Creggers "Resident Evil" ist der für mich bisher überzeugendste Versuch, den Geist der Videospielreihe ins Kino zu übertragen. Statt erneut die Geschichten von Chris Redfield, Jill Valentine oder Leon S. Kennedy nachzuerzählen, bringt Cregger eine eigenständige Geschichte: Der Uber-Kurier für medizinische Sachen Bryan (Austin Abrams) gerät auf einer letzten Fahrt nach Raccoon City mitten in einen Situation, die er gar nicht begreifen kann und muss eine geheimnisvolle biomedizinische Fracht durch eine Nacht voller Monster und Mutationen bringen. Und wie atmosphärisch das ist! Cregger, der mit "Barbarian" und "Weapons" bereits bewiesen hat, dass er Horror effektiv inszenieren kann, setzt hier weniger auf Dauerfeuer als auf Unsicherheit, Enge und Ressourcenknappheit. Genau das entspricht seiner Vorstellung von "Resident Evil" als Survival Horror und nicht als reiner Actionfilm. Munition und Heilmittel sind knapp, jeder Schuss hat Konsequenzen - ein ungewöhnlich konsequenter Versuch, eine typische Spielmechanik filmisch umzusetzen. Austin Abrams erweist sich dafür als passende Hauptfigur. Bryan ist kein übermenschlicher Actionheld, sondern ein gewöhnlicher Mensch, der zunehmend von den Ereignissen überfordert wird. Dadurch entsteht tatsächlich das Gefühl, dass jede Begegnung mit einem Gegner gefährlich sein könnte. Zudem versucht der Film erfreulicherweise nicht, seine Figuren durch permanente One-Liner künstlich cool erscheinen zu lassen. Und - man! - ist das spannend! Gerade weil die Hauptfigur ständig in Gefahr ist, fiebert man von Beginn an mit. Und man lacht über wiederkehrende Gags, wie zum Beispiel das Schlösser eben nicht so einfach zu knacken sind, wie es einem andere Filme weis machen wollen. Oder eben, dass Autos nicht das Allheilmittel sind, um irgendwo wegzukommen. Herrlich.

Auch die Monster funktionieren. Die Zombies (die im Film niemals so genannt werden) und mutierte Kreaturen sind nicht bloß digitale Zielscheiben, sondern werden als reale (und oft kreative) Bedrohung inszeniert. Cregger setzt dabei bewusst auf vertraute Elemente des Spiels - darunter den (hier nicht näher benannten) T-Virus, bekannte Heilgegenstände, Waffen und weitere Easter Eggs. Für Kenner gibt es einiges zu entdecken, ohne dass der Film für Neueinsteiger zu einem reinen Insidergag verkommt. Gerade diese Balance ist bemerkenswert, denn "Resident Evil" geht einen riskanten Weg. Cregger erzählt ausdrücklich keine direkte Adaption eines bestimmten Spiels. Die Handlung ist vielmehr eine neue Geschichte innerhalb des bekannten Universums und spielt zeitgenössisch in einem winterlichen Raccoon City. Das entfernt den Film zwar von der konkreten Ästhetik der ursprünglichen Spiele, gibt ihm gleichzeitig genug Freiheit, eine eigene Identität zu entwickeln.


Und das ist gut so. Creggers Entscheidung, die Geschichte in die Gegenwart zu verlegen, wirkt bodenständig, obwohl die Handlung trotz ihrer eigenständigen Ausgangslage ziemlich geradlinig verläuft. Einige Nebenfiguren bleiben eher funktional, manche sind notwendiges Übel und stören sogar etwas, sind aber wichtig für die entscheidende Information. Und sobald der Film stärker auf Action setzt, verliert er etwas von der beklemmenden Atmosphäre seiner ersten Hälfte. Trotzdem ist genau dieser Survival-Horror-Fokus das entscheidende Argument für den Film. Nach den Paul-W.S.-Anderson-Filmen, die sich zunehmend vom Horror zum bombastischen Actionkino entwickelten, und dem ebenfalls nur bedingt gelungenen Reboot "Welcome To Raccoon City" findet Cregger wieder zurück zu dem Gefühl, das die Spiele ursprünglich ausgezeichnet hat: Nicht der Held kontrolliert die Situation - die Situation kontrolliert den Helden. Selbst die bewusste Beschränkung auf einen kleineren Ausschnitt der umfangreichen "Resident Evil"-Mythologie ist deshalb eine gute Entscheidung. Cregger hat selbst erklärt, dass er sich nicht in der immer komplexer gewordenen Lore verlieren wollte, sondern die Atmosphäre und das grundlegende Konzept in den Mittelpunkt stellen wollte. Und das ist ihm vollauf gelungen. 

Handwerklich ist das Ganze erfreulich solide. Kamera, Produktionsdesign, Creature Effects und Sound arbeiten konsequent auf Atmosphäre hin. Besonders die winterliche Umgebung gibt Raccoon City einen passenden Look und verhindert, dass der Film wie eine bloße Kopie bekannter Spiele-Szenarien wirkt. Gleichzeitig bleiben genügend vertraute Details erhalten, damit Fans sofort erkennen, in welcher Welt sie sich befinden. Damit avanciert "Resident Evil" nicht zu der die perfekten Videospielverfilmung und schon gar nicht zu einer 1:1-Adaption. Dafür ist Creggers Film zu eigenständig. Aber gerade darin liegt seine Stärke. Er versteht, dass "Resident Evil" nicht primär von komplizierter Mythologie oder möglichst vielen bekannten Figuren lebt, sondern von Atmosphäre, Ressourcenknappheit, klaustrophobischer Spannung und dem unangenehmen Gefühl, nie wirklich vorbereitet zu sein. Austin Abrams trägt die Geschichte überzeugend, die Kreaturen machen Spaß und die zahlreichen spielerischen Details wirken meist organisch statt aufgesetzt. Lediglich die Begegnung im Mittelteil, die zweifelsohne wichtig für die Story ist, will für mich irgendwie nicht so recht passen. Und dennoch ist dies endlich wieder ein "Resident Evil", der sich wie "Resident Evil" anfühlt - und nicht wie ein gewöhnlicher Actionfilm mit Zombies. 

PS: Lieber Zach Cregger, sollten Sie das lesen... wie wärs mit "Dead Space"? 😉

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkConstantin Film/Subconscious/Vertigo Entertainment/Davis Films/Columbia Pictures/PlayStation Productions/TriStar Pictures

Mittwoch, 16. September 2026

The Nun II -The Nun 2 (2023)

https://www.imdb.com/title/tt10160976/
https://letterboxd.com/film/the-nun-ii/

Der in Nonnengestalt das alte rumänische Kloster und die Ordensschwestern heimsuchende Dämon Valak (Bonnie Aarons) konnte sich vier Jahre zuvor gerade noch so in die Unterwelt retten. Danach schien vorerst Ruhe. Doch nun, 1985 irgendwo in Frankreich, gibt es wieder mysteriöse Tote. Der Ermordete ist ein Pfarrer und für Schwester Irene (Taissa Farmiga) beginnt damit der Albtraum von vorne. Um sie herum passieren nämlich nach dem Tod des Geistlichen wieder immer mehr Dinge, die sich mit den Regeln der Menschenwelt einfach nicht mehr erklären lassen. Irene braucht nicht lange, bis sie sich im Klaren darüber ist, dass es der Dämon Valak ist, der zurückgekehrt ist und nun sein mörderisches Unwesen treibt. Ein erneutes Aufeinandertreffen der beiden scheint unausweichlich...

"The Nun II" macht genau das, was man von einem weiteren Ableger des "Conjuring"-Universums erwartet: Valak kehrt zurück, düstere Kirchenräume werden ausgeleuchtet, irgendwo knarrt es, und früher oder später springt etwas ins Bild. Regisseur Michael Chaves bemüht sich zwar sichtbar, dem zweiten Auftritt der Dämonennonne etwas mehr Atmosphäre und erzählerischen Anspruch zu verleihen, doch unter der stilvollen Oberfläche bleibt letztlich ein ziemlich konventioneller Studio-Horrorfilm. Taissa Farmiga kehrt als Schwester Irene zurück und bekommt mit Storm Reid als Schwester Debra eine überzeugende neue Partnerin an die Seite gestellt. Auch Jonas Bloquet funktioniert als Maurice erneut gut, während Bonnie Aarons als Valak weiterhin eine beeindruckende Präsenz besitzt. Die Figuren sind allerdings nur begrenzt ausgearbeitet und müssen sich immer wieder den typischen Entscheidungen des Horrorfilms unterwerfen: Natürlich wird allein in dunkle Räume gegangen, natürlich werden Warnzeichen ignoriert, selbstverständlich kehren sie nicht um, wenn jeder halbwegs normale Mensch schon längst den Rückzug angetreten hätte.

Seine größte Stärke besitzt "The Nun II" ohnehin auf der visuellen und atmosphärischen Ebene. Chaves nutzt das Frankreich der 1950er-Jahre, alte Kirchen, ein Internat und verfallene Gemäuer für stimmungsvoll ausgeleuchtete Bilder. Licht und Schatten, Kamerabewegungen und das sorgfältige Sounddesign erzeugen immer wieder eine unheilvolle Atmosphäre. Gerade die längeren Spannungssequenzen funktionieren besser als die eigentliche Geschichte. Auch die Jump-Scares sitzen teilweise überraschend effektiv, wobei der Film dabei sehr deutlich auf die bewährten Mechanismen des Franchise setzt. Problematisch ist, dass der Film aus seinen interessanteren Ansätzen kaum Konsequenzen zieht. Die Geschichte wirkt stellenweise unnötig kompliziert, während die verschiedenen Handlungsstränge nicht immer elegant zusammenfinden. Die vermeintlich größeren Themen bleiben letztlich Dekoration für den nächsten Schockeffekt. Genau hier liegt auch die Diskrepanz zwischen Anspruch und Ergebnis: "The Nun II" sieht häufig besser aus, als er geschrieben ist. "The Nun II" ist damit kein schlechter Horrorfilm, aber auch längst nicht die erhoffte Aufwertung der Figur Valak. Atmosphäre, Ausstattung, Kamera, Sounddesign und einige effektive Schockmomente sprechen für den Film; die vorhersehbare Handlung, schwache Logik und nur oberflächlich entwickelten Figuren verhindern jedoch eine höhere Wertung. Er ist unterhaltsamer und sogar gruseliger als sein Vorgänger, aber keineswegs besonders originell. 

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkNew Line Cinema/Atomic Monster/The Safran Company

Dienstag, 15. September 2026

Mandibules - Eine Fliege kommt selten allein (2020)

https://www.imdb.com/de/title/tt10375106/
https://letterboxd.com/film/mandibles/

Der nicht gerade intelligente Jean-Gab (David Marsais) und der noch einfältigere Manu (Grégoire Ludig) sind zwei kleinkriminelle Tagediebe im Süden Frankreichs. Eines Tages finden sie im Kofferraum eines von ihnen geklauten Autos eine riesige Fliege. Schnell kommt ihnen die Idee, das von ihnen auf den Namen Dominique getaufte, die Ausmaße eines mittleren Hundes habende Insekt für Banküberfälle abzurichten. Allerdings brauchen sie dazu zunächst mal einen Ort, an dem sie die Fliege dressieren können. Denn Manu ist gerade aus seiner Behausung geflogen und Jean-Gabs Eltern wären bestimmt auch nicht wirklich begeistert von einem weiteren Maul, das sie stopfen müssten. Da geht ihnen auch noch das Benzin aus. Zum Glück wird Manu von der vorbeikommenden Cécile (India Hair) mit einem alten Schulfreund verwechselt und zu sich eingeladen. So logieren die zwei die nächsten Tage in einer schicken Villa mit Swimmingpool, wo natürlich auch genügend Platz für die reingeschmuggelte Dominique ist. Allein Céciles etwas eigenwillige Freundin Agnès (Adèle Exarchopoulos) schöpft Verdacht und spürt, dass die beiden Kerle irgendetwas aushecken. Und dann ist plötzlich auch noch ihr geliebter Chihuahua spurlos verschwunden …

Quentin Dupieux setzt auch in "Eine Fliege kommt selten allein" auf sein bewährtes Prinzip, das Absurde mit größtmöglicher Selbstverständlichkeit zu behandeln. Die Ausgangsidee - zwei nicht besonders helle Kleinkriminelle finden im Kofferraum eines gestohlenen Autos eine riesige Fliege und wollen sie für Banküberfälle dressieren - ist herrlich bescheuert. Entscheidend ist jedoch, dass Dupieux daraus keinen klassischen Monsterfilm macht, sondern eine lakonische Buddy-Komödie über Freundschaft, Dummheit und eine Aneinanderreihung immer neuer Missgeschicke. Die völlig unerschütterliche Naivität von David Marsais und Grégoire Ludig als wunderbar einfältiges Duo Jean-Gab und Manu ist gleichzeitig die größte Stärke des Humors: Die beiden akzeptieren selbst die absurdesten Situationen, ohne sie groß zu hinterfragen. Auch Adèle Exarchopoulos sorgt als ständig schreiende Agnès für einige der böseren und politisch unkorrekteren Momente. Gerade die Schauspieler verstehen es, Dupieux' trockenen Humor nicht zu überinszenieren. Visuell bleibt der Regisseur angenehm zurückhaltend. Die riesige Fliege ist bewusst nicht als spektakuläres CGI-Monster inszeniert, sondern fügt sich fast beiläufig in die ansonsten unspektakuläre Welt ein. Dieser Kontrast zwischen völlig alltäglicher Umgebung und vollkommen irrationaler Situation ist das eigentliche Stilprinzip des Films. Die 77 Minuten Laufzeit kommen dem minimalistischen Ansatz zugute, denn Dupieux verschwendet kaum Zeit mit Erklärungen oder überflüssigen Nebenhandlungen. 

Allerdings ist genau diese Konsequenz auch der größte Kritikpunkt, denn die Handlung entwickelt sich eher als lose Kette von Gags und absurden Situationen denn als wirklich ausgearbeitete Geschichte. Die ungewöhnliche Grundidee trägt nicht über die gesamte Laufzeit, doch gerade das ziellose Abschweifen macht einen Teil des Reizes des Films aus. Dadurch entsteht ein Film, der zwar regelmäßig amüsiert, aber nicht jede Pointe gleichermaßen zündet. Wer mit Dupieux' bewusst anti-dramatischer Erzählweise nichts anfangen kann, dürfte sich zudem schnell langweilen. "Eine Fliege kommt selten allein" ist aber unterm Strich für mich eine charmante, eigenwillige und angenehm kurze Absurditäten-Komödie, die ihre groteske Prämisse mit bemerkenswert trockenem Humor behandelt. Die beiden Hauptdarsteller funktionieren hervorragend, die Inszenierung besitzt einen klaren eigenen Stil und einige Einfälle sind tatsächlich zum Schreien komisch. Für eine höhere Wertung fehlt dem Film jedoch etwas erzählerische Substanz und Konstanz: Die absurde Idee trägt nicht durchgehend und wirkt gegen Ende zunehmend wie eine Aneinanderreihung von Sketchen. Damit bleibt "Eine Fliege kommt selten allein" ein sympathischer, ungewöhnlicher Dupieux - amüsant und originell, aber nicht ganz so treffsicher wie seine besten Arbeiten.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkChi-Fou-Mi Productions/Artémis Productions/Memento Films Production/VOO/BeTV/Shelter Prod

The Relic - Das Relikt - Das Relikt: Museum der Angst (1997)

https://www.imdb.com/de/title/tt0120004/
https://letterboxd.com/film/the-relic/

Im Hafen von Chicago kommt ein Schiff voller toter Menschen an, denen das Gehirn fehlt. FBI-Agent Vincent D’Agosta (Tom Sizemore) übernimmt mit seinem Assistenten Hollingsworth (Clayton Rohner) die Untersuchungen. Als im Naturkundemuseum die bevorstehende neue Ausstellung über Aberglaube von der Ermordung eines Wachmanns überschattet wird, dessen Leiche ebenfalls das Gehirn aus dem Schädel gerissen wurde, ermitteln die Agenten gemeinsam mit der Evolutionsbiologin Dr. Margo Green (Penelope Ann Miller). Langsam kommen sie einer uralten indianischen Legende auf die Spur, die mit den mysteriösen Todesfällen zu tun haben könnte. Das Grauen, mit dem sie es zu tun haben, hat es ins Naturkundemuseum verschlagen, wo bald eine Eröffnungsgala mit hochkarätigen Gästen stattfindet...

Peter Hyams' "Das Relikt" ist ein herrlich altmodischer Monsterhorror, der zwar kaum verhehlt, dass er sich bei "Alien", "Der weiße Hai" und "Predator" bedient, aus diesen bekannten Zutaten aber erstaunlich effektives Genrekino macht. Als im Chicagoer Naturkundemuseum mehrere Menschen brutal getötet werden, versuchen Lieutenant D’Agosta (Tom Sizemore) und Evolutionsbiologin Dr. Margo Green (Penelope Ann Miller), einem mysteriösen Wesen auf die Spur zu kommen. Die Handlung ist dabei sicher nicht die größte Stärke. Die wissenschaftlich-esoterische Erklärung für das Monster wirkt stellenweise hanebüchen, manche Figuren bleiben schematisch und die Geschichte folgt ziemlich konsequent den Regeln des klassischen Creature Features. 

Was "Das Relikt" jedoch hervorragend beherrscht, ist Atmosphäre. Das Naturkundemuseum mit seinen dunklen Ausstellungssälen, Tunneln und verschachtelten Korridoren ist ein idealer Schauplatz. Hyams lässt das Monster lange im Verborgenen und arbeitet viel mit Schatten, Geräuschen und plötzlichen Schockmomenten. Das eigentliche Highlight ist das von Stan Winston entwickelte Kothoga-Monster. Die Kreatur wirkt auch heute noch erstaunlich physisch und besitzt wesentlich mehr Persönlichkeit als viele rein digitale Filmmonster. Dazu kommen einige ausgesprochen drastische Tötungsszenen, die dem Film einen härteren Einschlag geben. Tom Sizemore und Penelope Ann Miller tragen den Film solide, ohne zu großen Schauspielleistungen anzusetzen. Sizemore verleiht D’Agosta die nötige raue Präsenz, während Miller die wissenschaftliche Seite des Geschehens glaubwürdig genug verkauft. Linda Hunt, James Whitmore und Audra Lindley sorgen zudem für ein überzeugendes Ensemble. Die Figuren sind zwar eher funktional als tiefgründig, passen aber zum bewusst klassischen Ansatz.

"Das Relikt" ist damit und auch heute noch kein besonders origineller Horrorfilm, aber ein verdammt unterhaltsamer. Die Story ist vorhersehbar, das Monsterkino dagegen atmosphärisch, blutig und handwerklich überzeugend. Wer klassische Creature Features mit viel Dunkelheit, Gore und praktischen Effekten mag, bekommt hier einen kleinen Genre-Leckerbissen.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkMutual Film Company/Paramount Pictures/TOHO-TOWA/Pacific Western/PolyGram Filmed Entertainment/Marubeni/BBC/Tele München