Donnerstag, 5. März 2026

Possession (1981)

https://www.imdb.com/de/title/tt0082933/

Der Agent Mark (Sam Neill) erledigt für die Regierung verschiedene, diskrete Angelegenheiten, die ihn oft mit einem Koffer voller Geld für einige Tage an weit entfernte Orte führen. Als er eines Tages von einem Auftrag zurückkehrt, bittet ihn seine Frau Anna (Isabelle Adjani) ohne Angabe von Gründen um die Scheidung. Obwohl Mark die Ehe lieber retten würde, stimmt er der Scheidung zu und überlässt Anna das Sorgerecht für ihren gemeinsamen Sohn Bob (Michael Hogben) und das Apartment. Doch er kann nicht loslassen. Er entwickelt eine Sehnsucht nach ihr, die bald in eine Obsession umschlägt. Als er Annas Apartment aufsucht, findet er nur den vernachlässigten Sohn vor. Von einer Freundin Annas erfährt er schließlich, dass diese sich schon seit Längerem sehr merkwürdig verhält und des Öfteren für einige Zeit unauffindbar ist. Nach und nach dämmert Mark, dass mit Anna etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist...

"Possession" ist kein Horrorfilm im üblichen Sinn, sondern ein fiebriger Albtraum aus einer Ehe, die buchstäblich auseinanderfetzt - ein Werk, das so roh und überwältigend ist, dass man sich fühlt, als würde man ein privates Inferno belauschen. Regisseur Andrzej Żuławskis radikales Meisterwerk aus dem geteilten Berlin fühlt sich an wie ein Nervenzusammenbruch, den man miterlebt - ein Film, der Ehekrisen nicht psychologisiert, sondern in pure, körperliche Agonie verwandelt. Ein Film, der erst nach zwei Stunden endet, aber tagelang nachhallt; es ist das Kino als Schreikabine, in dem Isabelle Adjani und Sam Neill eine Beziehung auseinandernehmen, bis nur noch Schleim und Doppelgänger übrigbleiben.  

Mark (Sam Neill), ein Spion, kehrt nach langem Auslandaufenthalt in seine Berliner Wohnung zurück und findet seine Frau Anna (Isabelle Adjani) verändert: Sie will sich scheiden lassen, schläft mit dem esoterischen Heinrich (Heinz Bennent) und zieht schließlich in eine schimmlige Sublet-Wohnung um die Ecke, wo sie etwas Unaussprechliches verbirgt.  Was als banales Beziehungsdrama beginnt - endlose Streitereien, Schuldzuweisungen, das Kind Bob als stummer Zeuge -, eskaliert rasch in Body Horror: Anna erleidet in einer U-Bahn-Station eine blutige Ekstase, tanzt wie von Furien besessen, und aus ihrer Wohnung kriecht ein tentakelbewehrtes Geschöpf, das sie nährt und liebt. Was als Scheidungskrise beginnt, eskaliert in Hysterie, Tentakelungeheuer und Doppelgänger, bis die gesamte Realität zerbricht. 

Żuławski filmt die erste Stunde wie einen Krieg der Geschlechter: er dreht mit Handkamera durch enge Berliner Treppenhäuser und U-Bahnen, schafft Klaustrophobie ohne Effekte - nur mit Schauspielern, die explodieren und Schreien, die durch graue Treppenhäuser hallen. Bruno Nuyttens Licht fängt Schatten wie lebende Wesen ein, Andrzej Korzyńskis Score mischt dissonante Streicher mit sakralen Chören, und die berüchtigte U-Bahn-Szene mit Adjani wird zur Achse des Films: Sie spuckt Blut, verliert eine Fehlgeburt und tanzt sich in Trance - ein Moment purer physischer Katharsis, der an die Ekstase-Filme von Pasolini erinnert. Carlo Rambaldis Tentakelmonster, ein schlaffer Phallus aus Schleim und Tentakeln, ist keine CGI-Farce, sondern eine greifbare Metapher für unterdrückte Triebe, die ausbrechen. Isabelle Adjani gewann für ihre Anna den César als beste Darstellerin - und das völlig zu Recht: Sie ist Raserei, Verführung und Wahnsinn in einem, eine Frau, die ihre Besessenheit nicht nur spielt, sondern lebt; ihre Schreie durchschneiden den Zuschauer wie Glasscherben. Sam Neill kontert als Mark mit unterdrückter Wut, die in Paranoia kippt; sein langsamer Zerfall, vom kontrollierten Spion zum zitternden Wrack, ist ebenso fesselnd. Adjani und Neill spielen mit einer nie dagewesenen Intensität; ihre Szenen sind so körperlich, dass man die Erschöpfung spürt. Heinz Bennent und Margit Carstensen ergänzen als Heinrich und Helen, die voyeuristische Umwelt, die das Chaos beobachtet.

"Possession" ist keine Allegorie mit Lösung, sondern ein fiebriger Blick auf das Scheitern: Die Ehe als Labor, in dem Menschen mutieren, Besessenheit als Flucht vor der Langeweile des Alltags, Berlin als Kulisse kalter Teilung. Ein Film, der nicht erklärt, sondern überwältigt, und dadurch tiefer ins Bewusstsein sickert als rationale Analysen. In Zeiten von Paartherapie wirkt er radikaler denn je: Was, wenn Liebe nicht heilt, sondern zerstört? "Possession" ist definitiv kein gemütlicher Horrorabend, sondern ein Trauma auf Zelluloid - 127 Minuten, die man erleidet und nie vergisst. 

8/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/ArtworkGaumont/Oliane Productions/Marianne Productions/Soma Film Produktion

The Beauty (2026)

https://www.imdb.com/title/tt33517752/

Als in der Welt der internationalen Supermodels plötzlich rätselhafte Todesfälle auftreten, werden die FBI-Agenten Cooper Madsen (Evan Peters) und Jordan Bennett (Rebecca Hall) nach Paris entsandt, um die Hintergründe zu untersuchen. Schon bald entdecken sie, dass hinter dem Glamour und der Perfektion ein gefährliches Geheimnis lauert. Ein mysteriöser Virus verwandelt Menschen äußerlich in scheinbar perfekte Versionen ihrer selbst, doch bringt auch tödliche Nebenwirkungen mit sich. Im Zentrum dieser globalen Bedrohung steht "The Corporation" und ihr undurchsichtiger Anführer, der die mächtige Wunderdroge "The Beauty" entwickelt hat und alles daran setzt, seine Macht zu sichern. Während die Ermittler zwischen europäischen Metropolen agieren, wird der Außenseiter Jeremy (Jeremy Pope) unversehens in den Strudel aus Gier, Machtspielen und genetischer Manipulation gezogen.

https://www.imdb.com/title/tt33520107/
1. Beautiful Pilot
Mitten in einer Balenciaga-Modenschau in Paris randaliert Supermodel Ruby Rossdale plötzlich durch die Stadt. Sie zeigt unberechenbares, gewalttätiges Verhalten, übermenschliche Kräfte und Widerstandsfähigkeit sowie eine Fixierung auf Wasser, bevor sie sich selbst entzündet und explodiert. Bei ihren Ermittlungen entdecken die FBI-Agenten Cooper Madsen und Jordan Bennett, dass Rossdale - wie auch andere Models, die unter ähnlichen Umständen starben - ihre Karrieren zwei Jahre zuvor begonnen hatten, vorher keine Präsenz in den sozialen Medien hatten und alle positiv auf ein hochvirulentes, sexuell übertragbares Virus getestet wurden. Zur gleichen Zeit versucht ein einsamer und zielloser junger Mann namens Jeremy, attraktiver zu werden. Er folgt der Empfehlung eines Internet-Chatrooms für eine mysteriöse "Lösung" und begibt sich in ein Schönheitszentrum namens ANUU ("A New You"), wo ihm ein Spezialist namens Dr. Dilegre eine neue Gesichtsstruktur verpasst. Nachdem Jeremy in einer Bar von drei attraktiven Frauen hereingelegt wird, die ihm vorgaukeln, ihn anziehend zu finden, damit er ihre Rechnung bezahlt, kehrt er wütend zur ANUU zurück und erschießt mehrere Angestellte, bis Dilegre ihm eine experimentelle Behandlung zustimmt. In einem Hotel angekommen, hat Jeremy Geschlechtsverkehr mit einer mysteriösen Frau namens Claire. Anschließend durchläuft er eine Art forcierte Verpuppung und schlüpft aus dem damit entstehenden Kokon mit einem neuen Körper. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt35115562/
2. Beautiful Jordan
Cooper und Jordan reisen nach Venedig, um einen Todesfall im Zusammenhang mit dem Virus zu untersuchen. Dort finden sie die ägyptische Hieroglyphe "Nefer", was "Schönheit" oder auch "Vollkommenheit" bedeutet, mit Blut an eine Wand in der Nähe des Opfers gemalt. Sie vermuten, dass das Opfer im Rahmen einer organisierten Operation getötet wurde. Später entdecken sie ein Video, das von einem früheren Opfer veröffentlicht wurde und in dem sie wiederholt "Tu es nicht!" sagt, bevor sie erfahren, dass eine Redaktionsassistentin der Vogue in New York in Flammen aufgegangen ist. In ihrer letzten Nacht in Italien sprechen die beiden über ihre sexuelle Beziehung. Jordan betont ihren Wunsch nach einer unverbindlichen Affäre, während Cooper seine nihilistische Überzeugung äußert, dass alles menschliche Verhalten von Sex getrieben sei und er kein Interesse an traditioneller Monogamie oder Bindung habe - was sie verletzt. Später am Abend hat Jordan eine sexuelle Begegnung mit einem mysteriösen Mann. Anschließend durchläuft sie eine ähnliche Transformation wie Jeremy und schlüpft mit einen neuen Körper. Cooper bereitet sich derweil auf seine Abreise nach New York vor. Obwohl er von zwei unbekannten Angreifern attackiert wird, kann er beide schließlich töten. In Rom eliminiert ein Attentäter im Auftrag des milliardenschweren Tech-Moguls Byron "The Corporation" Forst Menschen. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt35115563/
3. Beautiful Christopher Cross
In New York City randaliert Harper Rose, eine Assistenzredakteurin der Vogue, bei Condé Nast und infiziert dabei zahlreiche Umstehende, bevor sie in Flammen aufgeht. In Venedig wird Cooper von der italienischen Polizei festgenommen und verhört, bevor FBI-Supervisor Meyer Williams ihn freilässt und nach New York schickt, nachdem sein Virustest negativ ausgefallen ist. In Rom foltert der Assassine einen "Läufer", der das Virus ohne Genehmigung verbreitet hat. Anschließend beauftragt Byron ihn, Dr. Dilegre zu töten, weil dieser einen infizierten Klienten behandelt hat. Franny, Byrons von ihm getrennt lebende Frau, informiert ihn, dass ihr Sohn Tig einen Rückfall erlitten hat und sich in einer Methadon-Klinik befindet. Byron weigert sich jedoch, ihn zu besuchen. Als der Assassine Dr. Dilegre erreicht, zwingt er ihn, ihm bei der Suche nach Jeremy zu helfen, bevor er ihn tötet. Der Assassine nimmt Jeremy gefangen und zwingt ihn, ihm bei der Suche nach Marcy zu helfen, einem Dienstmädchen, das Jeremy infiziert hatte. Während der Fahrt zu ihrem Haus erklärt der Assassine Jeremy seine Überzeugung, dass die Welt grausam zu denen sei, die nicht schön sind. Dann enthüllt er, dass er von Byron angeheuert wurde, um Menschen zu töten, die das Virus vor dem Börsengang seines Unternehmens verbreitet haben. Nach ihrer Ankunft überwältigen die beiden Marcy, bevor der Assassine sich darauf vorbereitet, Jeremy zu töten. Da der Letztere sich unterwürfig verhält, beschließt der Assassine, ihn stattdessen als Lehrling anzuwerben. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt35115564/
4. Beautiful Chimp Face
In einer Rückblende sieht man Cooper und Jordan bei einem Date in Rom, bei dem sie andeuten, romantische Gefühle füreinander zu hegen. In der Gegenwart befragt Cooper zwei Überlebende von Harpers Amoklauf: ihren Freund Ashley Sanders, der vermutlich zuvor ungeschützten Sex mit ihr hatte und möglicherweise infiziert ist, und Manny, den Ashley als Sexualstraftäter bezeichnet. Manny interessiert sich für Cooper, bevor er selbst Amok läuft. Cooper verfolgt ihn in einen Hochsicherheitsraum mit menschlichen Häuten, die von "schönen" Menschen vor ihrem Tod gespendet wurden. Dort verwandelt sich Manny und greift Cooper an, dem er die Schuld an den Geschehnissen gibt. Cooper erhält Verstärkung und überwältigt Manny. Einige Zeit später trifft die "neue" Jordan wieder auf Cooper und versucht sich ihm zu erkennen zu geben. Gleichzeitig trainiert der Attentäter den eifrigen Jeremy, während Byron sich Auffrischungsspritzen gibt, um seinen Körper stabil zu halten. Er verkündet, dass der "Welttag der Schönheit" der offizielle öffentliche Startschuss für sein neues Medikament sein wird, ignoriert die Bedenken des Wissenschaftlers Dr. Ray Lee bezüglich mangelnder Tests und mutierter Varianten von Drittanbietern und ordnet eine Verdünnung des Mittels bei gleichzeitiger Verdopplung der Produktion an. - 8/10

https://m.imdb.com/de/title/tt35115565/
5. Beautiful Billionaires
In einer Rückblende trifft sich Byron mit anderen Milliardären zu einer exklusiven Studie einer von Ray entwickelten experimentellen Gentherapie. Nach seiner Verwandlung tötet Byron die anderen Milliardäre und Zeugen, bevor er Dr. Ray Lee entführt, um sicherzustellen, dass er alleiniger Inhaber seiner Arbeit wird. In der Gegenwart erkennt Cooper endlich Jordans Identität und umarmt sie. Nachdem er erfahren hat, was mit ihr geschehen ist, verspricht er ihr, ihr zu helfen, die Nebenwirkungen der Infektion abzuwenden, und besteht darauf, dass sie den Kontakt zu den Behörden meidet, um einer Quarantäne zu entgehen. Währenddessen foltern der Attentäter und Jeremy einen Mann namens Nate, der sich bei einer Prostituierten mit dem Virus infiziert und es an mehrere Personen weitergegeben hat, um Informationen zu erhalten. Anschließend befiehlt Byron dem Attentäter, Cooper zu eliminieren. Als Cooper und Jordan zu Coopers Wohnung zurückkehren, finden sie Nates Leiche und die Hieroglyphe "Nefer" an der Wand. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt35115567/
6. Beautiful Patient Zero
In einer Rückblende, kurz nach Dr. Rays Lees Entführung, bemerkt Byron Nebenwirkungen des Mittels und lässt ihn am Leben, damit dieser die Formel perfektionieren kann. Gleichzeitig will er alle Virusträger töten, um zu verhindern, dass das Virus zu einer Straßendroge wird. Später versucht Byron, Franny von der Einnahme der Droge zu überzeugen. Er erläutert ihr seinen Plan, sich selbst und die dadurch verliehene extreme kosmetische Wirkung zu nutzen, um Macht zu erlangen und die Gesetze der FDA zu umgehen. Sie lehnt jedoch ab und droht, ihn zu entlarven. Ray entdeckt, dass das Virus nach 855 Tagen eine "Zündketose" (eine Art beschleunigter Stoffwechselzustand, bei dem Fett statt Kohlehydrate als natürliche Energiequelle genutzt wird) auslöst und verspricht, ein Heilmittel zu finden, das Byron zusammen mit dem Virus verkaufen kann. Rays Kollegen Mike und Clara freunden sich unterdessen aufgrund ihrer Unsicherheiten bezüglich ihres Aussehens und ihres Selbstbewusstseins an. Nach einem Experiment mit einem Schimpansen stiehlt Mike zwei Ampullen und verabreicht sie sich und Clara. Zwei Jahre später exekutiert der Attentäter Mike in Rom, um zu verhindern, dass sich das Virus unkontrolliert ausbreitet. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt35115569/
7. Beautiful Living Rooms
Cooper bringt Jordan in ein sicheres Haus, wo sie ihm ihre Liebe gesteht. Byron besucht Meyer und seine Frau Juliana und bietet ihnen an, ihre Tochter Joey mit dem "Schönen" von ihrer Progerie zu heilen. Außerdem will er Dosen für sie und eine finanzielle Entschädigung erhalten, wenn sie im Gegenzug die FBI-Ermittlungen einstellen und Cooper ausliefern. Sie gehen auf Byrons Angebot ein. Anderswo drängt Jeremy den Attentäter, seine Vergangenheit und seinen Namen, Antonio, preiszugeben, und die beiden finden durch ähnliche Familientraumata zueinander. Meyer verschafft Cooper Zugang zum NIH, um eine DNA-Probe zu entnehmen, bevor der Attentäter und Jeremy ihn und Jordan im Krankenhaus überfallen. Der Attentäter zwingt Cooper zur Kapitulation, indem er Jordan bedroht, für die Cooper Gefühle hegt. Beide werden gefangen genommen. Anschließend unterziehen sich Meyer, Juliana und Joey der Schönheitsbehandlung und werden als neu verwandelte Familie wieder vereint, während Byron stolz zusieht. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt35115568/
8. Beautiful Brothers
Während Byron seine Präsentation für die bevorstehende Markteinführung von "Beauty" vorbereitet, kürzt er das Budget seines Unternehmens und löst die anderen Abteilungen auf, um in das Medikament zu reinvestieren. Später wendet er die "Beauty"-Prozedur an seinen entfremdeten Söhnen Tig und Gunther an, um sie vor einer Überdosis zu retten; Franny schwört Byron daraufhin Rache. Unterdessen wird der Assassine von Byron verraten, bevor er, Jeremy, Cooper und Jordan in eine Quarantäneeinrichtung der NIH gebracht werden, wo die Überlebenden des Condé-Nast-Vorfalls von Söldnern getötet wurden. Jeremy und der Assassine streiten sich über die Nebenwirkungen von "Beauty", bis Cooper sie trennt. Anschließend wird er von Meyer, inzwischen Vorgesetzter bei den NIH, vorgeladen und angewiesen, Befehle zu befolgen. Nach seiner Rückkehr beteiligt sich Cooper an einem Fluchtversuch der anderen. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt35115570/
9. Beautiful Evolution
Dr. Diana Sterling entpuppt sich als Drahtzieherin hinter Coopers, Jordans, des Attentäters und Jeremys Flucht. Sie erklärt die Geschichte der Deacons und bittet um Hilfe bei der Ermordung von Byron. Da Cooper bereits weiß, wie der Attentäter, Jeremy und Jordan aussehen, muss er sich "The Beauty" aneignen und sein neues Aussehen nutzen, um ihnen nahe genug zu kommen. Cooper willigt ein, solange er sich durch Geschlechtsverkehr mit Jordan infiziert, anstatt durch eine Injektion. Der Attentäter, Jeremy und Jordan sind alarmiert, da Coopers Verwandlung, anders als ihre eigene, länger und schmerzhafter verläuft, und sind schockiert, als Cooper als gesunder Jugendlicher wieder auftaucht. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt35115572/
10. Beautiful Beauty Day
Nach Coopers Verwandlung schmieden er, Jordan, der Assassine und Jeremy einen Plan, um Byron zu ermorden. Doch sie kommen zu spät, denn "The Beauty" wird plötzlich einen Tag früher als erwartet weltweit veröffentlicht. Eine Woche später ist die Highschool-Schülerin Bella Grant wie besessen von "The Beauty", nachdem ihre beste Freundin Ruthie, deren Nasen-OP misslungen ist, die Behandlung erfolgreich durchführt und von ihren Eltern mit einem luxuriösen Erlebnis verwöhnt wird. Da Bella sich die Behandlung offiziell nicht leisten kann und ihre Eltern dagegen sind, gibt Ruthie ihr einen Zettel mit einer Telefonnummer, unter der sie "The Beauty" kostenlos und auf inoffiziellem Weg erhalten kann. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt38262591/
11. Beautiful Betrayal
Tig und Gunther verabreichen Franny gegen ihren Willen "The Beauty", um Byron zu gefallen. Daraufhin versucht sie, sich das Leben zu nehmen, doch Byron lässt ihren Körper dank der regenerativen Eigenschaften des Mittels stabilisieren. Bella unterzieht sich derweil der Behandlung mit "The Beauty" durch Geschlechtsverkehr mit einem Mann namens Conor, der zuvor eine zweite Dosis eingenommen hat, um die Wirkung zu verstärken. Nach ihrer Verwandlung entdeckt Bellas Mutter entsetzt groteske Mutationen. Nachdem Byron erfährt, dass Öffentlichkeit und Regierung "The Beauty" aufgrund der weit verbreiteten Nebenwirkungen nicht mehr unterstützen, beschließt er, den Verkauf einzustellen und das Projekt einzustellen, um in Heilmittel und Verbesserungen zu investieren. Gleichzeitig bietet er kostenlose Booster an. Tig, der das Medikament weiterhin vertreiben und Byrons Vermögen erben will, heuert Diana, Cooper, Jordan, den Assassinen und Jeremy an, um ihn zu ermorden. Im Gegenzug erhält Cooper ein unerprobtes Medikament, um die Wirkung von "The Beauty" rückgängig zu machen, und die anderen sind verblüfft, als er nach seiner Verwandlung wieder auftaucht. - 8/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: FX/Hulu/Disney

Montag, 2. März 2026

La Regina dei Cannibali - Zombie 3 - Zombi Holocaust - Zombies unter Kannibalen (1980)

https://www.imdb.com/de/title/tt0079788/

Aus einem Krankenhaus in New York verschwinden immer wieder Leichenteile und sogar Organe. Die Ermittlungen führen zu einem Krankenpfleger, der aus Südostasien stammt. Doch groß Zeit zu einer Befragung gibt es nicht, da der Mann unter mysteriösen Umständen kurz darauf stirbt. Jedoch gibt er der Wissenschaftlerin Lori Ridgeway (Alexandra Delli Colli) noch einen Hinweis, dass alle Fragen auf der kleinen Insel Kito beantwortet werden können. Als sich auch in anderen Städten solche Vorfälle häufen, wird ein Einsatztrupp unter der Leitung von Peter Chandler (Ian McCulloch) zusammengestellt, der sich auf den Weg nach Kito macht. Dort angekommen, trifft die Gruppe auf einen Stamm voller Kannibalen. Nur unter größten Mühen und der Hilfe von menschenähnlichen Wesen gelingt es Lori und Peter den Menschenfressern zu entkommen. Doch das ist erst der Beginn eines Horror-Trips, der für die beiden noch ein schreckliches Geheimnis bereithält…

"Zombies unter Kannibalen" ist einer jener wilden italienischen Exploitation-Filme der 1980er, die Zombies und Kannibalen in einem tropischen Wahnsinn zusammenwerfen - eine Mischung aus Fulcis "Zombi 2" und den blutigen Kannibalen-Abenteuern wie "Cannibal Holocaust". Die Handlung beginnt in New York, wo ein Kannibale aus den Molukken-Inseln Leichen im Krankenhaus zerfleischt, was eine Expedition unter Leitung des Arztes Peter Chandler (Ian McCulloch) auslöst. Doch auf der Insel lauern  nicht nur Kannibalen und Zombies, sondern auch der wahnsinnige Doktor Obrero (Donald O’Brien), der Experimente an Toten und Lebenden durchführt. Regisseur Marino Girolami (unter Pseudonym Frank Martin) liefert 84 Minuten reines Splatter-Chaos, mit Gore-Effekten von Maurizio Trani, die Augäpfel herausreißen und Eingeweide fressen lassen, untermalt von Nico Fidencos treibendem Score. 

Girolami leiht sich hemmungslos Elemente von besseren Vorgängern: Die Zombies stolpern wie Fulcis Untote durch den Dschungel, während Kannibalen-Szenen rassistische Klischees bedienen - eine "primitiven Wilden"-Phantasie, die selbst für damalige Italo-Horror-Standards plump wirkt. McCulloch spielt den stoischen Helden wie immer (siehe "Zombie"), Alexandra Delli Colli als Anthropologin Lori wird Kannibalenkönigin, doch Dialoge und Schauspiel sind sichtbar holprig; Delli Colli glänzt vor allem in Nacktszenen, die exploitation-typisch obligatorisch sind. Die Effekte sind cartoonhaft übertrieben, was "so-bad-it’s-good"-Fans begeistern sollte, aber die Atmosphäre fast vollständig killt. 

Der Film kritisiert scheinbar Kolonialismus und Rassismus, verheddert sich aber in Xenophobie und reiner Gore-Lust. Am Ende ist "Zombies unter Kannibalen" wie ein Billig-Bier nach einer langen Nacht: erfrischend schockierend, aber ohne Tiefe oder Nachhall. Für Splatter-Enthusiasten ein Kult-Klassiker, für alle anderen ein Skip - es fehlt der Funke, der aus Trash Kunst macht.

5,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/ArtworkEurociné/Eurofilms

Sonntag, 1. März 2026

Saving Mr. Banks (2013)

https://www.imdb.com/title/tt2140373/

In den 1940er Jahren verspricht Walt Disney (Tom Hanks) seinen beiden Töchtern, dass er aus ihrem Lieblingsbuch "Mary Poppins" einen Film machen wird. Allerdings durchkreuzt die Autorin des Romans, P.L. Travers (Emma Thompson), seine Pläne und weigert sich, ihm die Filmrechte zu verkaufen. Erst nach jahrelangen Verhandlungen reist Travers 1961 schließlich von London nach Hollywood, um persönlich mit dem Produzenten über dessen Vorhaben zu sprechen. Doch sie ist weiterhin kaum bereit, Kompromisse bei der Adaption ihres Buchs einzugehen und lehnt Disneys Vorhaben, ein Musical aus "Mary Poppins" zu machen, strikt ab. Travers' Arbeitssitzungen mit dem Drehbuchautoren Don DaGradi (Bradley Whitford) und den Komponisten Richard (Jason Schwartzman) und Robert Sherman (B.J. Novak) sind von gegenseitigem Unverständnis geprägt. Bald zeigt sich, dass ihre Abwehrhaltung längst nicht nur rein künstlerische, sondern auch sehr persönliche Gründe hat, die mit ihren Erinnerungen an ihren Vater Travers Goff (Colin Farrell) zusammenhängen. Walt Disney ist aber nicht bereit, seinen eigenen Traum von "Mary Poppins" aufzugeben...

"Saving Mr. Banks" ist ein herzerwärmendes Drama über Kreativität, Verlust und die Magie hinter dem Disney-Spielfilm "Mary Poppins", das die Disney-Maschine auf gewisser Ebene als menschlich entlarvt - ein Duell zwischen Sturheit und Charme, gespickt mit Rückblenden in eine schmerzhafte Kindheit. Der titelgebende Name Mr. Banks bezieht dabei auf den Vater der Familie George Banks, der später im Realfilm von 1964 das Kindermädchen Mary Poppins, die mit aufgespanntem Regenschirm vom Himmel geschwebt kommt, anheuert. "Saving Mr. Banks" ist so weniger ein Biopic, als ein kurzer Ausschnitt im Leben von Walt Disney und der Disney Studios. Im Jahr 1961 reist die britische Autorin P. L. Travers (Emma Thompson, bissig und verletzlich) widerwillig nach Los Angeles, um Walt Disney (Tom Hanks, jovial mit verborgener Tiefe) die Rechte an ihrem Buch zu überlassen. Und während er mit Songs und Storyboards für den Film wirbt, enthüllen Flashbacks ihren trauernden Vater als Inspiration für Mr. Banks. 

Thompson verkörpert Travers als zimperliche Perfektionistin, deren Spitzen gegen Animationsfirmen und Animation "keine Magie, nur Tricks" sind - doch unter der Schale lauert Trauma: Ihr Vater, ein charmanter Bankangestellter in Australien, versinkt im Alkohol und stirbt jung, was Travers' Schreiben zu einer Art Rettung macht. Hanks' Disney ist kein Karikaturist, sondern ein hartnäckiger Enthusiast, der 20 Jahre wartete und nun mit Sherman-Brüdern-Liedern wie "Supercalifragilisticexpialigetisch" (im Original "Supercalifragilisticexpialidocious") lockt; die Probelesen-Szenen, wo Travers' Tränen fließen, sind pure Katharsis. Regisseur John Lee Hancock balanciert Humor (besonders mit Travers' Chauffeur Ralph, gespielt von Paul Giamatti) und Melancholie, ohne jemals in puren Kitsch abzugleiten. Die Chemie zwischen Hanks und Thompson passt hervorragend und Thomas Newmans Score, der Nostalgie webt, passt punktgenau. 

Jedoch trübt Travers' reale Ablehnung des fertigen "Mary Poppins" den Gesamteindruck. Laut belegter geschichtlicher Überlieferung war Travis mit dem Mary-Poppins-Film von Walt Disney aus dem Jahr 1964, an dessen Drehbuchkonzeption Travers überdies mitgewirkt hatte, in weiten Teilen nicht einverstanden. Sie fand die Musik der Sherman-Brüder unpassend, das Kindermädchen nicht streng genug und die Umsetzung insgesamt zu süßlich. Am meisten missfielen ihr jedoch die Animationen. Nach der Premiere bat sie Walt Disney persönlich, die Animationen vor der Veröffentlichung des Films restlos zu entfernen, eine Bitte, die Disney ihr prompt ausschlug. Deswegen weigerte sie sich auch, die Filmrechte an einem der anderen Bände zu veräußern, obwohl Disney danach fragte. Diese Tatsache wird im Film massiv verharmlost, Flashbacks wirken manipulativ und etwas klischeehaft. "Saving Mr. Banks" stellt sich damit auf eine Seite und ist damit kein neutrales Biopic, sondern ein reines Tribut an das Geschichtenerzählen - Travers "rettet" Mr. Banks, indem sie ihn idealisiert, und Disney rettet sie finanziell. Dennoch besitzt der Film auch eine gewisse, wenngleich hintergründige Authentizität: Das Schreibmaschinengeklapper und die Tonstudio-Sessions fühlen sich echt und lebendig an. Trotz der oben beschriebenen Ungenauigkeiten ist "Saving Mr. Banks" am Ende aber doch ein Film, der den Zuschauer lehrt, warum Geschichten heilen: Er nimmt ein Märchen auseinander und setzt es liebevoll wieder zusammen.

7,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Disney

Samstag, 28. Februar 2026

Hoppers (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt26443616/

Wissenschaftler haben eine Technologie entwickelt, mit der menschliches Bewusstsein in lebensechte Robotertiere "gehüpft" werden kann, sodass Menschen als Tiere mit echten Tieren sprechen können. Die tiervernarrte Teenagerin Mabel nutzt diese Technik und übernimmt den Körper eines 3D‑gedruckten Robo-Bibers, um die Geheimnisse der Tierwelt zu erforschen. Dabei freundet sie sich mit dem echten Biberkönig George an und erkennt, dass ein gieriger Bürgermeister beziehungsweise Bauträger plant, den Lebensraum der Tiere zu zerstören. Gemeinsam mit den Tieren versucht Mabel, diesen Plan zu vereiteln, gerät aber zunehmend in einen Konflikt zwischen ihrem Eingreifen und dem natürlichen Gleichgewicht des Ökosystems.

"Hoppers" ist einer dieser Pixar-Filme, die auf dem Papier wie eine reine High-Concept-Spielerei  ohne wirkliche Relevanz wirken - und dann, Szene für Szene, zu etwas werden, das viel persönlicher ist, als die Prämisse vermuten lässt. Es ist eine Studie über Verantwortung, Macht und die Frage, was wir der Welt schulden, die wir bewohnen. Die Ausgangssituation ist bewusst überdreht: Wissenschaftler entdecken eine Technologie, mit der sich menschliches Bewusstsein in lebensechte Robo-Tiere "hoppen" lässt. Mabel Tanaka, 19, Tierliebhaberin und moralisch deutlich unnachgiebiger als die Erwachsenen um sie herum, nutzt diese Technik, um als Roboter-Biber undercover im Tierreich zu agieren und eine drohende Zerstörung des lokalen Habitats zu verhindern. Pixar und Regisseur Daniel Chong legen diese Welt als Doppelspiegel an: Auf der einen Seite die hyperregulierte Menschenwelt mit ihrem aalglatten Bürgermeister Jerry Generazzo (Stimme: Jon Hamm), auf der anderen ein chaotischer, politisch erstaunlich klar strukturierter Tierkosmos, angeführt vom regal auftretenden Biberkönig George (Bobby Moynihan). Die Science-Fiction-Idee ist hier weniger technischer Diskurs als moralisches Instrument: Wenn Menschen als Tiere auftreten können, wird jede menschliche Entscheidung buchstäblich zur Frage, wessen Körper, wessen Lebensraum sie in Mitleidenschaft zieht.


Mabel ist als Protagonistin ein klassischer Pixar-Charakter neuen Zuschnitts: jung, störrisch, überfordert - und in einer Welt, die sie darum bittet, ihre Prinzipien etwas biegsamer zu machen. Ihre Reise in den Robo-Körper ist weniger Flucht vor der Realität als verschärfte Konfrontation mit ihr: Als Biber kann sie sich der Tierwelt nicht mehr als sentimentale Beobachterin nähern, sie wird Mitverantwortliche. King George ist dabei mehr als Comic Relief; seine Mischung aus Majestät und neurotischer Unsicherheit gibt der Geschichte ein doppeltes Herz, das an die besten Nebenfiguren des Studios erinnert. Und Jerry Generazzo ist ein wirklich schleimiger, hassenswerter Antagonist, der aber nie ganz zur Karikatur verkommt, weil das Drehbuch sein Lächeln immer einen Tick zu lange stehen lässt. 


Dass "Hoppers" emotional funktioniert, liegt an seiner Herzlichkeit, mit der er Situationen und Interaktionen umgeht. Und er begreift die Verbundenheit des Menschen mit seiner Umwelt als Geflecht von Konsequenzen wie kaum ein anderer. Und das ist auch wichtig. Gerade heute. In der Tradition von "WALL·E" und "Alles steht Kopf" lässt Pixar Schmerz zu - hier sind es vor allem Familien- und Generationskonflikte - und nutzt ihn als Sprungbrett für Empathie, nicht für Zynismus.

Chong inszeniert "Hoppers" als ausgesprochen physische Komödie, in der der Robo-Biber-Körper selbst zur slapstickhaften Versuchsanordnung wird - ein Fremdkörper in beiden Welten, menschlich übersteuert, tierisch fehlkalibriert. Der Humor ist elektrisierend, teilweise herrlich düster und auch gewagt - eine Mischung, die mehr bei Erwacshenen als bei Kidnern ankommet. Aber "Hoppers" ist  auch voll von großen, teilweise absurden Einfällen, die dennoch erstaunlich zielsicher landen. Und dabei bleibt der Film auch tonal erstaunlich sicher: Das Etikett "Lustigster Pixar-Film bis jetzt", welches ihm angeheftet wird, steht nicht im Widerspruch zu der Ernsthaftigkeit, mit der er über Umweltzerstörung, politische Verharmlosung und jugendlichen Aktivismus spricht. Typisch für Pixar liegt der schärfste Witz oft im Subtext: in Nebensätzen, in kurzen Blicken der Tiere, in der Art, wie die Gruppe der "Hoppers" - jener, die die Technik nutzen - zwischen Faszination und moralischem Unbehagen schwankt.


Im Kern ist "Hoppers" ein Film über Stellvertretung: Wer spricht für wen, wer handelt für wen, und mit welchem Recht? Mabels Fähigkeit, sich in einen Tierkörper einzuloggen, ist Privileg und Übergriff zugleich; sie ermöglicht Kommunikation, aber sie kolonisiert auch eine Perspektive, die nicht ihre eigene ist. Gleichzeitig verhandelt der Film unsere ökologische Gegenwart mit einer Direktheit, die für einen Familienfilm bemerkenswert ist: Die Zerstörung des Habitats ist hier kein abstraktes oder gar konstruiertes Problem, sondern eine absehbare, geografisch konkrete Katastrophe, ausgelöst von genau benennbaren Interessen. Die Tiere, die sich gegen die Menschen erheben wollen, spiegeln den naheliegenden Impuls der Rache; Mabels Aufgabe ist es, einen anderen, verantwortlicheren Umgang zu finden - eine Ethik der Verbundenheit, nicht der Vergeltung.


Vermutlich ist "Hoppers", gerade wegen der niedrigen Erwartungshaltung einer der besten Filme, die Pixar jemals gemacht hat. Er fühlt sich wie ein klassischer Pixar-Film an und dies ist kein pures Schwelgen in verklärter Nostalgie, sondern eine ehrliche Anerkennung seiner thematischen Ambition. "Hoppers" fragt zielgenau, was passiert, wenn wir unsere Verbundenheit mit der Natur nicht nur rational anerkennen, sondern körperlich erfahren müssten - und zieht daraus überraschend radikale Konsequenzen. Und dies ist nicht nur für Kinder leicht verständlich, sondern gibt Erwachsenen einen kleinen Klaps in die Magengrube. 

In der Filmografie des Studios markiert "Hoppers" nach der (angekündigten) fünften Spielzeuggeschichte und dem Sequel auf Sequel auf Sequel die Rückkehr zu einem Originalstoff, der sein Genre - hier die Science-Fiction-Komödie mit Tierperspektive - nicht als Limit, sondern als Sprungbrett versteht. Dass der Film bereits vor seinem regulären Kinostart als "lustigster Film des Jahres" vermarktet wurde ist selbstredend eine Marketingformel - aber hier verweist sie auf etwas Entscheidendes: die Lust, wieder etwas zu riskieren.

Neben der technischen Cleverness ist der interessanteste Aspekt des Films der Moment, in dem Mabel begreift, dass das "Hoppen" kein Ausweg mehr ist, sondern ein Bekenntnis. In diesem Moment, in dem Verantwortung schwer wird und der Film trotzdem leicht bleibt, ist "Hoppers" am überzeugendsten - und genau dort verdient er seinen Platz im Kanon der Pixar-Geschichten, die mehr tun, als nur Welten zum Leuchten zu bringen. 

8/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Disney/Pixar

Freitag, 27. Februar 2026

The Simpsons Movie - Die Simpsons: Der Film (2007)

https://www.imdb.com/de/title/tt0462538/

Springfield droht der ökologische Kollaps. Und wer hat Schuld? Natürlich Homer Simpson (Originalstimme: Dan Castellaneta)! Der entsorgte die in einem Silo gesammelten Fäkalien seines neuen Hausschweines - "Spiderschwein" - im ohnehin vollkommen verdreckten örtlichen See und brachte das Fass damit zum Überlaufen. Springfield ist nun offiziell die dreckigste Stadt der USA. Auch das Weiße Haus und Präsident Arnold Schwarzenegger (Harry Shearer) können angesichts dieser Tatsache nicht länger die Augen verschließen. Die Lösung: Ganz Springfield wird eine riesige Glaskugel übergestülpt. Wen wundert es da, dass sich schnell ein aufgebrachter Mob versammelt, der nach Rache sinnt. Den Simpsons bleibt damit nichts anderes als die Flucht - die auch gerade so durch einen Hasenbau gelingt. Marge (Julie Kavner) gefällt das Ganze zwar überhaupt nicht, aber letztlich stimmt sie doch Homers Notfallplan zu: einem Neuanfang in Alaska. Als jedoch bekannt wird, dass die Regierung Springfield vollkommen auslöschen möchte, machen sich Marge und die Kinder auf, ihre alten Freunde zu retten. Nur Homer muss noch überzeugt werden...

Als 2007 endlich "The Simpsons Movie" in die Kinos kam, fühlte es sich an, als würde eine längst überfällige Frage beantwortet: Kann eine Serie, die das amerikanische Fernsehen seit Jahrzehnten kommentiert, auch das Kino kommentieren - und dabei selbst noch lebendig wirken? Der Film ist keine Revolution, aber er ist ein erstaunlich lebendiger Beweis dafür, dass in Springfield noch Herz, Wut und Witz stecken, wenn man die besten Köpfe wieder an einen Tisch setzt. Die Macher hatten ja seit den frühen Jahren der Serie mit dem Gedanken eines Films gespielt, ihn aber ursprünglich erst nach dem Ende der Serie realisieren wollen - ein Ende, das bekanntlich nie kam. Matt Groening sah im Kino vor allem die Chance, die Skala zu vergrößern und Sequenzen zu animieren, die im Fernsehen zu aufwendig wären. Also holte man die stärkstmögliche Autorentruppe aus den frühen Staffeln zurück, Mike Scully, Al Jean und andere Veteranen, und verpflichtete David Silverman, einen prägenden Regisseur der Serie, der dafür sogar seinen Job bei Pixar aufgab. Das Ergebnis ist ein Film, der sich anfühlt wie eine destillierte Version der Serie: größer, glatter, teurer - aber immer dann am besten, wenn er klein, boshaft und familiär wird.

Die Geschichte ist, im besten und im schwächeren Sinne, archetypisch für "Die Simpsons": Homer verursacht - aus reiner Bequemlichkeit und Ignoranz - eine ökologische Katastrophe, indem er einen Silo voller Schweinekot in den See Springfield kippt, woraufhin Springfield unter eine gigantische Glaskuppel gesperrt und von der US-Regierung praktisch aufgegeben wird. Dass ausgerechnet eine reale Meldung über ein Städtchen, das mit Schweinegülle im Wassersystem zu kämpfen hatte, Groening zu diesem Plot inspirierte, passt zur Arbeitsweise der Serie: Die große Satire beginnt mit einem absurden, aber durchaus recherchierbaren Zeitungssatz. Wie oft in den besten TV‑Folgen wird die Stadt kollektiv wahnsinnig, und es dauert nicht lange, bis sich der Mob gegen die Familie Simpson wendet. Der Film zwingt die Familie zur Flucht nach Alaska, nur um sie im Finale umso emphatischer nach Springfield zurückkehren zu lassen, wo sie - natürlich - die Stadt retten müssen. 

In seiner Struktur ist das klassische Fernsehdramaturgie, einfach aufgeblasen: ein üppiger Auftakt in Springfield, Exil und Selbstfindung in der Fremde, apokalyptische Rückkehr. Wer die Serie kennt, erkennt hier die DNA zahlreicher Episoden, nur in 90 Minuten ausgerollt. Auf der Gag-Ebene ist "The Simpsons Movie" überraschend dicht und erstaunlich fokussiert, gerade gemessen an den zeitgleichen Staffeln der Serie, denen viele Fans zum damaligen Zeitpunkt (Staffel 17/Staffel 18) einen kreativen Durchhänger attestierten. Der Film liefert aber die herzhaften Lacher, die beißende Satire und das ehrliche Porträt einer amerikanischen Familie, die die Serie einst so populär gemacht haben. Die Pointen sind beiläufig und kommen natürlich, und wenn mal ein Gag nicht ankommt, folgt der nächste sofort hinterher. Typisch für "Die Simpsons" ist die Mischung aus Slapstick, Metawitz und politischer Groteske: Die Kuppel, der inkompetente Präsident und seine technokratischen Berater, der blinde Fortschrittsglaube der Behörden - all das wirkt wie eine logische Fortsetzung des satirischen Blicks, mit dem die Serie seit Ende der Achtziger amerikanische Politik seziert. An manchen Stellen merkt man dem Film seine Pflicht zur Event-Komödie allerdings an: Running Gags und "schneller, größer. lauter"-Momente (etwa die spektakulären Verfolgungsjagden) drängen gelegentlich den leiseren, giftigeren Humor an den Rand. 

Am stärksten ist der Film immer dann, wenn er sich wieder auf den Kern konzentriert, der die Serie nachhaltig gemacht hat: die dysfunktionale, aber unzerstörbare Familie. Der emotionale Höhepunkt ist eine Szene, die wohl eine der bewegendsten Momente in der gesamten Geschichte der Marke bezeichnet wurde: Marge, die Homer verlässt, und eine Video-Nachricht, in der sie - in zittriger Handkamera - die Beziehung seziert. Hier tritt der typische Zynismus kurz zurück, und man sieht, was die besten Simpsons-Folgen immer konnten: die Lächerlichkeit des Alltags zeigen, ohne die Figuren selbst lächerlich zu machen. Barts Loyalitätskonflikt zwischen Homer und dem scheinbar perfekten Nachbarn Ned Flanders verleiht der Geschichte zusätzlich eine emotionale Achse. Diese Art von Subplot - ein Kind, das sich einen "besseren" Vater sucht - hat die Serie häufig gespielt, aber im Kinokontext gewinnt sie Gewicht, weil die wenigen Figuren, die wirklich Raum bekommen, sorgfältig geführt werden. Dass umgekehrt viele Nebenfiguren nur als Cameo durch das Bild huschen, ist die Kehrseite dieser Konzentration: Springfield wirkt wie ein Wimmelbild, aber nur wenige Gesichter dürfen wirklich sprechen. Und tatsächlich: Wer die frühen, radikal witzigen Staffeln als Maßstab nimmt, wird im Kino kein neues "Monorail"-Moment finden, keine Folge, die man in die Fernsehgeschichte gravieren möchte. Der Film ist eher ein spätes, aber würdiges Kapitel eines Phänomens, das seine größten Risiken bereits im Fernsehen eingegangen ist. Letztlich hat "The Simpsons Movie" das Fernsehen nicht neu erfunden, wie es die Serie einst getan hat, aber er erinnert daran, warum diese gelbe Familie überhaupt zu einer kulturellen Institution werden konnte. Er ist witziger und fokussierter als die meisten Episoden seiner Zeit, technisch deutlich aufgewertet und in seinen besten Momenten emotional ehrlicher, als man es einem Markenprodukt dieses Kalibers zutrauen würde. Man könnte ihm vorwerfen, nur eine überdimensionierte Episode zu sein - und wäre damit vermutlich gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt. Aber wenn eine 90‑minütige Episode so konsequent lacht, stichelt und gelegentlich das Herz bricht wie diese, dann ist das vielleicht gerade die richtige Form für eine Serie, die das Fernsehen schon längst erobert hat und im Kino eigentlich nur noch beweisen musste, dass sie noch lebt.

7,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork

Donnerstag, 26. Februar 2026

Scream 7 (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt27047903/

Eigentlich wollte sich Sidney Prescott (Neve Campbell) ein neues Leben in einer kleinen Stadt aufbauen, doch der Frieden findet schnell ein jähes Ende, denn ein neuer Ghostface-Killer erscheint auf der Bildfläche und sorgt für Angst und Schrecken. Der maskierte Mörder hat es aber nicht nur auf Sidney abgesehen, sondern auch auf ihre Tochter (Isabel May). Sidney muss nun alles geben, um ihre Familie zu beschützen, was auch bedeutet, dass sie sich ihrer Vergangenheit stellen muss...

Der siebte Teil des erfolgreichen Franchise, das 1997 mit "Scream" seinen starken Anfang nahm und damit auch das Horror-Slasher-Kino neu belebte, ist weniger ein weiterer Aufguss der Ghostface-Formel als ein spätes, fast melancholisches Innehalten der Reihe: Der Film fragt, was es bedeutet, wenn eine Überlebende endlich ankommt - und der Horror ihr nachreist. Kevin Williamson, der geistige Vater der Reihe, führt zum ersten Mal selbst Regie und macht aus Sidney Prescotts Rückkehr weniger ein Fanservice-Ereignis als einen Schlussstrich, der sich lange geweigert hat, gezogen zu werden. Die Prämisse wirkt zunächst vertraut: Sidney hat sich im ruhigen Städtchen Pine Grove, Indiana, ein neues Leben aufgebaut, als ein neuer Ghostface auftaucht und sich auf ihre Tochter Tatum einschießt. Damit knüpft "Scream 7" direkt an das Grundmuster der Reihe an - ein scheinbar sicherer Ort, der sich als Bühne für Wiederholungen entpuppt -, verschiebt den Fokus aber ins Familienmelodram: Die Attacke gilt nicht mehr nur Sidney selbst, sondern der nächsten Generation. 

Im Kontext der Reihe lässt sich inzwischen deutlich von drei Bewegungen sprechen: der ursprünglichen Woodsboro-Trilogie um Maureen Prescotts Erbe, dem meta-modernen Reboot-Zyklus ("Scream", "Scream VI"), und nun diesem Legacy-Film, der die Geschichte ausdrücklich wieder an Sidney bindet. "Scream 7" ist somit sowohl Fortsetzung von "Scream VI" als auch eine bewusste Rückkehr zur emotionalen Achse der ersten vier Teile - unterstützt durch die prominente Rückkehr von Neve Campbell und anderen Legacy-Figuren. Ihre Sidney Prescott war in "Scream" eine verunsicherte Teenagerin, deren Identität sich im Schatten des Mordes an ihrer Mutter formte; mit jedem Teil wurde sie zur kontrollierteren, abgeklärteren Überlebenden. In "Scream 7" steht sie nun an einem Punkt, an dem das Trauma nicht mehr ihr persönlicher Makel, sondern ihre Ressource ist: Sie weiß, wie man Ghostface begegnet - aber nun muss sie diese Erfahrung an ihre Tochter weitergeben. 

Die Entscheidung, Sidney als Mutter zu zeigen, ist mehr als ein dramaturgischer Kniff; sie verschiebt die Frage der Verantwortung. In den früheren Filmen musste sie sich selbst retten, später ihre Freunde, dann die eigene Mythologie überleben - jetzt steht die Zukunft ihrer Familie im Zentrum, und der Horror wird zur Erbschaft, die sie nicht weitergeben will. Das reiht sich ein in Williamsons lang angelegte Erzählung von Schuld, medialer Ausbeutung und Nachahmungstätern, die schon in "Scream 2" und "Scream 3" das Echo der ursprünglichen Verbrechen untersuchte. Verglichen mit den Radio-Silence-Filmen ("Scream", "Scream VI"), die Sam Carpenter als neue, von Billy Loomis’ Blutlinie gezeichnete Final Girl-Figur etablieren wollten, ist "Scream 7" bewusst konzentrierter auf die klassische Trias von Legacy-Charakteren. Der Fokus auf Sidney und ihre Tochter, flankiert von Rückkehrern wie Gale Weathers (Courteney Cox, die in den letzten Jahren wohl einmal zu oft unter dem Operationsmesser gelegen hat) , signalisiert eine Verschiebung von der Ensemble-Dynamik der jüngsten Teile hin zu einem eher intimen, fast schon altmodischen Slasher-Drama.

Die "Scream"-Reihe war nie zimperlich, aber ihr Gewaltgrad diente stets der meta-reflexiven Pointe: Die Filme kommentierten Slasher-Konventionen, während sie sie ausreizten. "Scream 7" bewegt sich im oberen Bereich dessen, was das Franchise bisher gezeigt hat: Die Kills wirken in dieser Konstellation weniger spielerisch als in "Scream 4" oder den Meta-Spielereien um das "Stab"-Franchise, sondern tragen eine finale Schwere - als wolle Williamson deutlich machen, dass der Preis der immer neuen Sequels irgendwann auf der Figurenebene bezahlt werden muss. Zugleich bleibt der typische, schwarze Humor der Reihe erhalten, aber er rückt mehr in die Dialoge und weniger in die Art der Morde; die Gewalt ist direkter, weniger ironisch gebrochen. Der erste "Scream" war eine Revolution, die das Slasher-Genre neu codierte; "Scream 2" dekonstruiert die Regeln der Fortsetzung, "Scream 3" spielt mit dem Trilogie-Mythos und Hollywood, "Scream 4" kommentiert Reboots und Fame-Kultur der 2010er. "Scream" und "Scream VI" verlagerten den Fokus auf eine neue Generation und griffen den Trend der Legacy-Sequels auf - Filme, die zugleich Fortsetzung und Neustart sind. 

"Scream 7" fügt sich als Scharnier zwischen diesen Phasen ein. Er übernimmt das Motiv der Legacy-Figur aus den neuesten Teilen, aber gibt ihr wieder die zentrale Bühne, statt sie nur als Symbol oder Plot-Device einzusetzen. Wo "Scream VI" noch laut, überbordend und urban war, wirkt "Scream 7" im Setting des kleinen Ortes fast wie eine Rückkehr nach Woodsboro - eine bewusste Verkleinerung, die an das Kammerspielhafte des Originals erinnert. Man kann die Reihe inzwischen als Bewegung von filmtheoretischer Meta-Komödie über medienkritische Satire hin zu einer fast elegischen Reflexion über das Altern eines Final Girls lesen. In diesem Sinne wirkt "Scream 7" weniger wie ein weiterer Aufschlag in einer endlosen Franchise-Kette, sondern wie ein Epilog, der das Bild von Sidney Prescott vervollständigen will. 

"Scream 7" ist weniger daran interessiert, wer dieses Mal unter der Maske steckt, als an der Tatsache, dass Sidney erneut gezwungen wird, eine Rolle zu spielen, von der sie glaubte, sie abgelegt zu haben. Es ist diese tragische Ironie - eine Frau versucht, ihrem Trauma eine Form von Normalität abzutrotzen, nur damit die Welt sie wieder als die Überlebende definiert -, die den Film über den reinen Genre-Spaß hinaushebt. Im Vergleich zu den technisch versierten, aber emotional distanzierteren jüngeren Teilen hat "Scream 7" etwas angenehm Altmodisches: Er vertraut darauf, dass der Zuschauer nach all den Jahren noch etwas für Sidney empfindet, und dass das Gewicht eines Messers mehr zählt, wenn es über einem vertrauten Gesicht schwebt. Wenn der Abspann läuft, bleibt weniger die Frage, wie clever der letzte Twist war, sondern ob dies endlich der Moment ist, in dem die Figur Sidney Prescott aus dem Genre entlassen wird - und ob das Ende in Horrorfranchises überhaupt mehr sein kann als eine höfliche Behauptung. 

6/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Paramount Pictures/Spyglass Mediagroup/Project X