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Cinderella (Stimme: Ilene Woods) lebt bei ihrer Stiefmutter (Eleanor Audley) und deren beiden, faulen Töchtern Drizella (Rhoda Williams) und Anastasia (Lucille Bliss). Ihre Stiefmutter demütigt sie und gibt ihr stets unschaffbar viel Arbeit auf, da ihre eigenen Töchter nicht so hübsch sind wie Cinderella. Eines Tages lädt der Prinz (William Phipps) sämtliche heiratsfähigen Frauen zu einem Ball ein. Cinderella möchte hingehen, aber ihre Stiefmutter torpediert diesen Wunsch, indem sie ihr massig Arbeit zu tun gibt. Dem unterdrückten Mädchen bleibt kaum Zeit, sich ein Kleid zu nähen. Aber ihre Tier-Freunde helfen dabei, das prachtvolle Gewand rechtzeitig fertigzubekommen. Drizella und Anastasia passt überhaupt nicht, wie hübsch das Kleid geworden ist, also reißen sie es in Stücke...
Mit "Cinderella" gelang Walt Disney 1950 nicht nur eine bezaubernde Neuinterpretation des bekannten Märchens, sondern auch ein entscheidender Erfolg für das angeschlagene Animationsstudio. Die Geschichte der jungen Ella, die nach dem Tod ihres Vaters von ihrer kaltherzigen Stiefmutter Lady Tremaine und deren Töchtern gedemütigt und als Dienstmagd gehalten wird, gehört längst zum kulturellen Allgemeingut. Als der König einen Ball veranstalten lässt, um für seinen Sohn eine Braut zu finden, scheint Cinderella zunächst ausgeschlossen. Doch mit der Hilfe ihrer tierischen Freunde und ihrer guten Fee erhält sie die Chance, ihrem trostlosen Alltag für eine Nacht zu entkommen. Die Handlung ist schlicht und vorhersehbar, entfaltet aber gerade durch ihre klare Märchenstruktur einen zeitlosen Zauber. Die größte Stärke des Films liegt in seiner liebevollen Gestaltung der Nebenfiguren. Während Cinderella selbst als freundliche, geduldige und beinahe unerschütterlich optimistische Heldin eher idealisiert wirkt, sorgen die Mäuse Jaq und Gus für Witz, Bewegung und überraschend viel Spannung - etwa beim Nähen des Kleides, beim mühsamen Transport des Schlüssels oder während der Flucht vor dem Kater Luzifer. Sie ergänzen die vergleichsweise einfache Haupthandlung um kleine Abenteuer mit eigenem Rhythmus. Besonders Gus entwickelt sich mit seiner tollpatschigen Art zum heimlichen Publikumsliebling. Luzifer ist zudem ein hervorragend eingesetzter Gegenspieler: Seine Jagd auf die Mäuse verleiht dem Film einen handfesten Slapstick-Anteil und sorgt für einige der spannendsten Szenen.
Optisch ist "Cinderella" ein Musterbeispiel klassischer Disney-Animation. Die handgezeichneten Figuren, die detailreichen Hintergründe und die leuchtenden Farben schaffen eine märchenhafte Welt, die trotz ihres Alters nichts von ihrer Wirkung verloren hat. Besonders die Verwandlung des Kürbisses in eine Kutsche und der Auftritt der guten Fee gehören zu den unvergesslichen Momenten des Films. Die Animation verbindet elegante Bewegungen mit komödiantischem Timing und zeigt, wie viel Ausdruck sich ohne digitale Effekte erreichen lässt. Auch die Gestaltung des königlichen Schlosses und des Ballsaals ist beeindruckend. Die Regisseure Clyde Geronimi, Wilfred Jackson und Hamilton Luske verstehen es, die Magie des Märchens durch Bildkompositionen und sorgfältig choreografierte Bewegungen lebendig werden zu lassen. Ebenso prägend ist die Musik. Songs wie "Bibbidi-Babbidi-Bu" ("Bibbidi-Bobbidi-Boo"), "Ich hab ihn im Traum gesehen" ("A Dream Is A Wish Your Heart Makes") und "Das ist das Glück" ("So This Is Love") gehören zu den Klassikern des Disney-Repertoires. Sie transportieren Lebensfreude, Sehnsucht und Romantik, ohne den Erzählfluss übermäßig zu unterbrechen. Die musikalischen Passagen sind fest in die Handlung integriert und verleihen dem Film seinen unverwechselbaren Charme. Die Dialoge sind knapp, die Figuren klar charakterisiert und die Komik funktioniert häufig über Blicke, Bewegungen und Timing statt über ausführliche Erklärungen.Ganz ohne Schwächen ist der Klassiker allerdings nicht. Cinderella bleibt als Persönlichkeit vergleichsweise passiv und wird vor allem durch Geduld, Freundlichkeit und äußere Hilfe aus ihrer Lage befreit. Auch Prinz Charming ist kaum mehr als eine idealisierte Projektionsfläche; zwischen den beiden entwickelt sich nur wenig echte Beziehung, bevor das Märchen seinem romantischen Ziel entgegensteuert. Ein weiterer wunder Punkt: Die Mäuse, der König und sogar der nervöse Großherzog besitzen oft mehr Persönlichkeit als das zentrale Liebespaar. Dennoch ist der Film nicht ausschließlich auf die Rettung durch einen Prinzen reduziert: Cinderellas Mitgefühl, ihre innere Stärke und ihre Weigerung, sich von Grausamkeit vollständig verbiegen zu lassen, sind wichtige Bestandteile ihrer Figur. Auch dramaturgisch funktioniert das Märchen besser, als seine vorhersehbare Handlung vermuten lässt. Die Szenen mit den Mäusen schaffen kleine Spannungsbögen, während die letzten Minuten mit dem verlorenen Glasschuh und dem heimlich herbeigeschafften Schlüssel zu den wirkungsvollsten Sequenzen des Films gehören. Die Gegenspieler sind zwar bewusst überzeichnet, doch Lady Tremaines ruhige Grausamkeit ist oft unangenehmer als offener Zorn. Gerade weil sie ihre Macht über Cinderella so kontrolliert ausübt, wird das häusliche Umfeld glaubwürdig bedrückend. Mit rund 74 Minuten bleibt der Film zudem angenehm kompakt und verliert sich kaum in unnötigen Nebenhandlungen.
Unterm Strich ist "Cinderella" aber immer noch ein zeitloser Disney-Klassiker, dessen herausragende Animation, eingängige Musik und charmante Tierfiguren die vergleichsweise dünne Handlung mühelos tragen. Die Hauptfiguren bleiben psychologisch überschaubar, und das traditionelle Rollenbild lässt sich heute durchaus kritisch betrachten. Doch die visuelle Fantasie, der Humor und die handwerkliche Präzision sind bemerkenswert. "Cinderella" mag nicht zu den komplexesten Disney-Erzählungen gehören, aber als liebevoll gestaltetes Märchen funktioniert der Film noch immer hervorragend - magisch, musikalisch und voller unvergesslicher Szenen.
9/10

























