Montag, 20. Juli 2026

Dangerous Animals (2025)

https://www.imdb.com/title/tt32299316/
https://letterboxd.com/film/dangerous-animals/

Die Romanze mit Moses (Josh Heuston) war ganz nett, aber jetzt will Zephyr (Hassie Harrison) wieder ihr eigenes Ding machen. Dummerweise dauert es nicht lange, bis die abenteuerlustige Surferin von einem Schiffskapitän namens Bruce Tucker (Jai Courtney) entführt wird. Nach außen hin gibt Tucker den Exzentriker, aber tatsächlich ist er ein Serienkiller mit einem Faible für Haie. Das bekommen Zephyr und Heather (Ella Newton), eine ebenfalls von Tucker seine Gewalt gebrachte Frau, schnell zu spüren. Denn der Kapitän macht sich einen „Spaß" daraus, seine Opfer wie Beute über Haigewässern baumeln zu lassen und die ganze Nummer zu filmen. Doch Zephyr ist fest entschlossen, sich aus den Fesseln des Killers zu befreien...

Hai-Horrorfilme gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Seit "Der weiße Hai" versuchen unzählige Produktionen, die Angst vor den Raubfischen für Schockmomente auszunutzen - mal ernst, mal vollkommen überdreht. "Dangerous Animals" schlägt jedoch einen etwas anderen Weg ein. Regisseur Sean Byrne verbindet den Tierhorror mit einem Serienkiller-Thriller und präsentiert einen Film, der weniger auf Hai-Attacken als auf eine unangenehme, beinahe klaustrophobische Spannung setzt. Das Ergebnis ist ein origineller Genre-Mix, der zwar nicht jede Idee voll ausreizt, aber deutlich mehr zu bieten hat als der typische Creature-Feature-Reißer.

Jai Courtney ist die größte Stärke des Films und liefert eine seiner besten Leistungen der letzten Jahre ab. Er spielt Tucker mit einer unangenehmen Mischung aus Charme, Wahnsinn und Berechnung. Der Film profitiert enorm davon, dass er seinen Antagonisten nicht als schlichten Psychopathen inszeniert, sondern ihm eine verstörende Faszination und fast schon kultartige Überzeugung verleiht. Auch die Entscheidung, den Fokus stärker auf den menschlichen Horror als auf die Haie zu legen, erweist sich als clever. Sean Byrne erzeugt über weite Strecken eine intensive Spannung, die weniger von plötzlichen Schockmomenten lebt als von der ständigen Bedrohung und dem Gefühl der Ausweglosigkeit. Einige Szenen entwickeln eine beinahe unangenehme Intensität, die an klassische Survival-Thriller erinnert.

Optisch macht "Dangerous Animals" ebenfalls einiges her. Die Aufnahmen auf offener See und die Unterwassersequenzen sorgen für eine atmosphärische Kulisse, die das Gefühl von Isolation und Hilflosigkeit perfekt unterstützt. Gleichzeitig widersteht der Film der Versuchung, seine Hai-Szenen zu übertreiben. Statt auf CGI-Spektakel zu setzen, nutzt er die Tiere eher als zusätzliche Bedrohung und als Symbol für die Grausamkeit des Antagonisten. Allerdings folgt die Handlung letztlich recht vertrauten Genre-Mustern und bietet nur wenige echte Überraschungen. Vor allem im Mittelteil wiederholen sich einige Situationen, wodurch das Erzähltempo etwas ins Stocken gerät. Auch die Nebenfiguren bleiben eher skizzenhaft und dienen in erster Linie dazu, die Geschichte voranzutreiben. Zudem könnte der Film diejenigen enttäuschen, die einen klassischen Hai-Horror erwarten. Wer auf spektakuläre Angriffe und blutige Creature-Action hofft, bekommt deutlich weniger davon, als der Titel vielleicht vermuten lässt. "Dangerous Animals" ist in erster Linie ein Psychothriller mit Hai-Elementen - und kein modernes Pendant zu "Der weiße Hai". 

Vielleicht funktioniert der Film gerade deshalb so gut, weil er sich von den üblichen Genre-Konventionen absetzt. Sean Byrne gelingt es, aus einer bekannten Ausgangslage einen spannenden und stellenweise unangenehm intensiven Thriller zu formen, der durch seine Atmosphäre und seinen starken Antagonisten zumindest in Erinnerung bleibt. Zwar leidet der Film unter einigen erzählerischen Wiederholungen und einer recht vorhersehbaren Handlung, doch seine originelle Herangehensweise und die dichte Spannung machen ihn zu einer der interessanteren Genreveröffentlichungen des Jahres. Wenn man einen etwas anderen Hai-Film sucht, sollte man diesem Ausflug aufs Meer definitiv eine Chance geben.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkLD Entertainment/Brouhaha Entertainment/Range Media Partners/Oddfellows Entertainment

Sonntag, 19. Juli 2026

The Odyssee - Die Odyssee (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt33764258/
https://letterboxd.com/film/the-odyssey-2026/

Nach dem Trojanischen Krieg möchte König Odysseus (Matt Damon) wieder zu seiner Frau Penelope (Anne Hathaway) und seinem Sohn Telemachos (Tom Holland) nach Ithaka zurückkehren. Doch der Heimweg wird schwieriger als erwartet, denn Odysseus steht ein langes Abenteuer voller Gefahren bevor. So muss er sich unter Anderen mit der Göttin Kalypso (Charlize Theron), dem Zyklopen Polyphem (Bill Irwin) und der Zauberin Circe (Samantha Morton) auseinandersetzen. In der Zwischenzeit begibt sich die Göttin Athene (Zendaya) in Odysseus' Heimat Ithaka und drängt Telemachos dazu, sich auf die Suche nach seinem Vater zu machen. Daher begibt er sich nun zu König Menelaos von Sparta (Jon Berthal), Odysseus' Mitstreiter im Trojanischen Krieg, und bittet diesen um Rat.

Dieser Film stammt von demselben Regisseur, der "Interstellar", "The Dark Knight"-Trilogie, "Inception", "The Prestige", "Oppenheimer", "Memento", "Insomnia", Dunkirk" und "Tenet" gemacht hat.

10/10

Zugegeben - bei einem Regisseur wie Christopher Nolan gibt man gern mal Vorschusslorbeeren. Einfach weil seine filmische Vita bis dato keinerlei wirkliche Fehlschläge aufzeigt. Doch so eine Erfolgsgeschichte hat erfahrungsgemäß auch große Nachteile, denn die Erwartungen des Publikums werden von Anfang an entsprechend hoch gesteckt. Die Frage, die sich stellt, ist: Wie bleibt man dann seinem Ruf noch so gerecht, dass man weiterhin als einer der erfolgreichsten Regisseure der Welt bekannt bleibt? Nun, in Nolans Fall ist es wohl die hingebungsvolle Aufmerksamkeit, die er selbst seinem Stoff widmet und seine filmische Umsetzung ("Die Odyssee" ist beispielsweise der erste Film, der vollständig auf 70mm-IMAX-Kameras gedreht wurde). Kurz: man spürt, dass Nolan in jedem seiner Filme einfach alles gibt was er hat. Darüber hinaus gilt Homers "Odyssee" ja als Fundament der westlichen Erzählkunst. Sie ist Abenteuerroman, Familiendrama, Mythologie, Kriegsnachwirkung und philosophische Reflexion zugleich. Generationen von Autoren, Regisseuren und Künstlern haben sich an ihr versucht - von den Sandalenepen der 1950er Jahre über Wolfgang Petersens "Troja" bis hin zu den augenzwinkernden Neuinterpretationen der Coen-Brüder in "O Brother, Where Art Thou?". Selbst moderne Fantasy wie "Der Herr der Ringe" oder historische Monumentalfilme wie "Gladiator" tragen unverkennbar Spuren von Homers Werk in sich. Doch keine dieser Adaptionen wagt den Schritt, den Christopher Nolan nun geht: Er erzählt die Geschichte nicht als Museumsstück, sondern als lebendiges, zutiefst menschliches Epos. Nolan macht keine Filme, die bloß Geschichten erzählen. Er macht Filme, die einen daran erinnern, warum Geschichten seit Jahrtausenden überhaupt erzählt werden. Und "Die Odyssee" reiht sich nahtlos in seine Vita ein. 

Schon die ersten Minuten machen deutlich, dass Nolan keine klassische Abenteuerreise inszenieren möchte. Der Trojanische Krieg dient nicht als heroischer Triumph, sondern als Ausgangspunkt eines Mannes, dessen größter Kampf erst beginnt. Odysseus kehrt nicht als strahlender Held heim - er trägt die Last eines Krieges mit sich, der ihn innerlich verändert hat. Diese Perspektive verleiht der bekannten Geschichte eine emotionale Tiefe, die weit über spektakuläre Monster, Sirenen oder göttliche Eingriffe hinausgeht. Matt Damon liefert dabei möglicherweise die beste Leistung seiner Karriere ab. Sein Odysseus ist weder makelloser Held noch tragischer Märtyrer. Er ist klug, erschöpft, stolz, verletzlich und manchmal erschreckend eigensinnig. Jede Entscheidung wirkt wie das Ergebnis jahrelanger Erfahrungen, jeder Blick erzählt von den Opfern des Krieges. Anne Hathaway verleiht Penelope außergewöhnliche Würde und Stärke, während Tom Holland als Telemachos weit mehr sein darf als bloßer Nebencharakter. Seine parallele Entwicklung spiegelt die Reise seines Vaters und macht deutlich, dass Heimkehr immer beide Seiten verändert. Auch die übrige Besetzung überzeugt auf ganzer Linie. Robert Pattinson verleiht Antinoos eine bedrohliche Präsenz, Charlize Theron erschafft eine faszinierend ambivalente Kalypso und Samantha Morton sorgt als Kirke für einige der eindrucksvollsten Momente des Films. Selbst kleinere Rollen hinterlassen bleibenden Eindruck, weil Nolan seinem Ensemble ungewöhnlich viel Raum gibt.


Visuell gehört "Die Odyssee" zum Beeindruckendsten, was das moderne Blockbusterkino hervorgebracht hat. Die IMAX-Kamera unter Hoyte van Hoytema verwandelt das Mittelmeer in einen nahezu mythischen Raum. Gewaltige Küstenlandschaften, peitschende Stürme und monumentale Tempelanlagen wirken nie wie digitale Kulissen, sondern besitzen eine greifbare physische Präsenz. Die Begegnungen mit Polyphem, den Sirenen oder Skylla entfalten ihre Wirkung gerade deshalb so intensiv, weil Nolan nie den Fehler macht, Spektakel über Atmosphäre zu stellen. Das Fantastische wirkt hier stets wie eine natürliche Erweiterung einer ansonsten realen Welt. Überhaupt hat man niemals das Gefühl, hier überbordernde CGI zu sehen oder der fünfhundersten noch epischeren Schlacht beizuwohnen. Sicher gibt es CGI und natürlich gibt es Schlachten, Nolan opfert aber nie seine Inszenierung für das Spektakel. Diese Effekte fügen sich nahtlos in die Geschichte ein und wirken dadurch angenehm zurückgenommen, fast schon peinlich entschuldigend dafür, dass sie überhaupt da sind. Oft sieht man nur etwas im Hintergrund, aus der Perspektive der Person - die Effekte stehen nie (oder nur selten, wenn es darauf ankommt) im Vordergrund, sondern immer die Person. Besonders bemerkenswert ist, wie viele einzelne Sequenzen bereits jetzt, zum Kinostart, zum modernen Klassiker des Monumentalkinos avancieren. Hervorzuheben ist da besonders die erschütternde Eröffnung rund um den Fall Trojas, die gleichermaßen als spektakuläre Schlacht und als schonungslose Darstellung der Sinnlosigkeit des Krieges funktioniert. Auch die Begegnung mit dem Zyklopen Polyphem zählt zu den eindrucksvollsten Szenen des Films: Nolan verbindet hier praktisches Effektkino mit einer beinahe greifbaren Horroratmosphäre und schafft einen der spannendsten Momente seiner Karriere. Nicht weniger Lob kann man für die Episode um Kirke, die von Samantha Morton mit faszinierender Ambivalenz gespielt wird, vergeben. Ihre Geschichte ist der emotionale Wendepunkt des Films, weil sich hier erstmals Odysseus' innerer Konflikt stärker entfaltet als die äußeren Gefahren. Zudem kommen gewaltige Seesturm-Sequenzen und die Begegnungen mit den Sirenen, die die atemberaubende Inszenierung nur unterstreichen.

Hinzu kommt Ludwig Göranssons überwältigende, wuchtige Musik, die antike Klangwelten mit modernen orchestralen Strukturen verbindet. Sie begleitet die Handlung nicht bloß - sie trägt sie und verschmilzt Bild und Ton zu einem nahezu hypnotischen Erlebnis. Zusammen mit dem präzisen Schnitt entwickelt der Film einen hypnotischen Rhythmus, der seine fast drei Stunden erstaunlich kurz erscheinen lässt. Bemerkenswert ist außerdem, wie souverän Nolan die Themen der Vorlage in unsere Gegenwart überträgt. Heimat wird nicht als Ort verstanden, sondern als Identität. Die Götter erscheinen weniger als allmächtige Puppenspieler denn als Ausdruck menschlicher Ängste, Hoffnungen und moralischer Konflikte. Schuld, Verlust, Verantwortung und die Frage, ob ein Mensch nach den Schrecken des Krieges jemals wirklich nach Hause zurückkehren kann, bilden das emotionale Fundament des Films. Damit bleibt Nolan Homers Werk erstaunlich treu - nicht im Wortlaut, sondern im Geist. Und ist damit vermutlich auch viel näher an der Vorlage Homers als alle mythischen, an übernatürliche Wesen glaubenden Adaptionen vor ihm. Der vielleicht größte Triumph gelingt Nolan jedoch im Finale auf Ithaka. Die Rückkehr des lange verschollenen Königs, das vorsichtige Wiederfinden zwischen Odysseus, Penelope und Telemachos sowie die anschließende Abrechnung mit den Freiern sind quasi der perfekte Höhepunkt dieses dreistündigen Epos. Und gerade weil Nolan diese Szenen nicht als bloßen Actionhöhepunkt inszeniert, sondern als emotionales und moralisches Finale einer jahrzehntelangen Reise, erreicht "Die Odyssee" eine Kraft, die weit über das Spektakel hinausgeht und den Film lange nach dem Abspann nachhallen lässt. 


Natürlich erkennt man dabei unverkennbar den Regisseur hinter "Memento", "Inception", "Interstellar" und "Oppenheimer". Die nichtlineare Erzählweise, das Spiel mit Erinnerung und Zeit sowie die philosophische Auseinandersetzung mit Identität sind typische Nolan-Motive. Doch anders als manche seiner früheren Werke verliert sich "The Odyssey" nie in intellektueller Konstruktion. Hier stehen die Figuren im Mittelpunkt. Das Ergebnis wirkt emotional zugänglicher als "Tenet", persönlicher als "Inception" und gleichzeitig größer als alles, was Nolan bislang auf die Leinwand gebracht hat. Und das hat nach Filmen wie "Interstellar" und "Oppenheimer" ein Gewicht, dass man kaum in Worte fassen kann.

Vergleiche mit Filmen wie "Gladiator", "Troja", "Königreich der Himmel" oder sogar Peter Jacksons "Der Herr der Ringe"-Trilogie drängen sich zwangsläufig auf. Doch "Die Odyssee" kopiert keines dieser Werke. Stattdessen vereint der Film das Monumentale historischer Epen mit der psychologischen Tiefe moderner Charakterdramen und der erzählerischen Komplexität, für die Nolan seit Jahren bekannt ist. Dadurch entsteht etwas Seltenes: ein Blockbuster, der sowohl überwältigt als auch nachdenklich macht. Christopher Nolan beweist eindrucksvoll, dass große Mythen niemals veralten. Sie warten lediglich auf den richtigen Erzähler. "Die Odyssee" ist kein gewöhnlicher Abenteuerfilm, er wurde von interessierten Zuschauern von Beginn an auch nicht so gesehen oder erwartet. "Die Odyssee" ist eine monumentale Meditation über Krieg, Schuld, Familie und die ewige Sehnsucht nach Heimat. Ein Werk von atemberaubender visueller Kraft, außergewöhnlicher erzählerischer Reife und emotionaler Wucht - und zweifellos einer der wichtigsten Filme des modernen Kinos. Und man kann am Ende und ohne Umschweife sagen, dass Christopher Nolan mit "Die Odyssee" das beinahe Unmögliche gelingt: Er macht einen über 2.700 Jahre alten Mythos so zeitlos und überwältigend, als wäre er eigens für das Kino des 21. Jahrhunderts geschrieben worden. Ein modernes Meisterwerk, das lange nach dem Abspann nachhallt - und eine uneingeschränkte Empfehlung verdient. Es bleibt dabei.

10/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/ArtworkUniversal Pictures/Syncopy

Ulisse - Ulysses - Die Fahrten des Odysseus (1954)

https://www.imdb.com/de/title/tt0047630/
https://letterboxd.com/film/ulysses/

Durch eine Kriegslist des Odysseus (Kirk Douglas) kann der Trojanische Krieg entschieden werden. Doch als die griechischen Helden siegreich zu ihren Frauen und Königreichen zurückkehren, wartet die schöne Penelope (Silvana Mangano) vergeblich. Odysseus, der König von Ithaka hat während des Krieges die Götter erzürnt und das bekommt er nun zu spüren. Die trojanische Priesterin Cassandra (Elena Zareschi) verflucht Odysseus und seine Mannen, auf dass sie ewig über die Weltmeer irren. Der Beginn der 20 Jahre andauernden Odyssee. Während Penelope sich zuhause der zahlreichen Freier erwehren und muss und nie die Hoffnung auf die Rückkehr ihres Mannes aufgibt, muss dieser sich auf seinen Irrfahrten allerlei Gefahren stellen: dem Kampf mit dem Zyklopen Polyphem, den Gesängen der Sirenen, den betörenden Avancen der Zauberin Circe (ebenfalls Silvana Mangano), dem Besuch im Reich der Schatten. Als er nach all den Jahren endlich in seine Heimat zurückkehrt, ist sein Kampf noch immer nicht vorbei…

Lange bevor monumentale Historienfilme das Kino eroberten, brachte "Die Fahrten des Odysseus" die berühmte Geschichte aus Homers "Odyssee" auf die große Leinwand. Der italienisch-amerikanische Monumentalfilm von Mario Camerini gehört zu den frühen Vertretern des sogenannten Sandalenfilms und ist bis heute eine der bekanntesten Verfilmungen des antiken Stoffes. Auch wenn die Produktion inzwischen deutlich ihr Alter zeigt und erzählerisch nicht alle Stationen der Vorlage gleich stark umsetzt, besitzt sie noch immer einen besonderen Charme. Kirk Douglas verleiht seinem Odysseus eine beeindruckende Mischung aus Entschlossenheit, Stolz und Verletzlichkeit. Anders als viele spätere Heldenfiguren wirkt sein Odysseus nicht unbesiegbar, sondern wie ein Mann, der an seinen Prüfungen wächst und zugleich unter ihnen leidet. Douglas trägt den Film mühelos und verleiht der antiken Figur eine bemerkenswerte Menschlichkeit.

Die Ausstattung, die Kostüme und die aufwendigen Kulissen vermitteln das Gefühl eines großen Abenteuers. Natürlich wirken manche Spezialeffekte aus heutiger Sicht etwas antiquiert, und die Inszenierung kann mit modernen technischen Möglichkeiten nicht konkurrieren. Dennoch besitzen die handgemachten Tricks und die stilisierte Darstellung der mythologischen Kreaturen einen nostalgischen Charme, der perfekt zum Märchencharakter der Geschichte passt. Besonders gelungen hingegen ist die Atmosphäre des Films. Die Reise des Odysseus wird nicht nur als Reihe von Abenteuern erzählt, sondern als eine Odyssee im wahrsten Sinne des Wortes - ein Weg voller Prüfungen, Versuchungen und persönlicher Opfer. Gerade die Begegnungen mit Circe und den Sirenen entfalten eine beinahe traumhafte Qualität, die den Film von vielen anderen Historienepen seiner Zeit unterscheidet.

Allerdings zwingt die enorme Fülle der Vorlage den Film dazu, zahlreiche Episoden stark zu verkürzen oder ganz auszulassen. Dadurch wirkt die Erzählung stellenweise etwas episodisch und springt mitunter recht abrupt von einem Abenteuer zum nächsten. Einige Nebenfiguren erhalten kaum Profil, und manche emotionalen Momente entfalten deshalb nicht die Wirkung, die sie eigentlich haben könnten. Auch das Erzähltempo ist aus heutiger Sicht gemächlich. Wer moderne Abenteuerfilme mit rasanter Inszenierung und spektakulären Effekten erwartet, dürfte sich an einigen Längen stören. Doch gerade dieses ruhigere Tempo erlaubt dem Film, seine Figuren und die mythische Welt wirken zu lassen. "Die Fahrten des Odysseus" ist letztlich ein klassisches Abenteuer-Epos, das trotz seines Alters noch immer viel Charme besitzt. Die charismatische Hauptrolle von Kirk Douglas, die stimmungsvolle Umsetzung der griechischen Mythologie und der nostalgische Zauber der Inszenierung machen den Film zu einer sehenswerten Verfilmung der "Odyssee". Zwar verhindern erzählerische Kürzungen und ein gelegentlich behäbiges Tempo den ganz großen Wurf, doch als zeitloses Abenteuer und wichtiger Vertreter des Monumentalkinos bleibt "Die Fahrten des Odysseus" ein rundum gelungener Klassiker.

3,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkLux Film/Ponti-De Laurentiis Cinematogra

Samstag, 18. Juli 2026

The Other Guys - Die etwas anderen Cops (2010)

https://www.imdb.com/de/title/tt1386588/
https://letterboxd.com/film/the-other-guys/

Detective Allen Gamble (Will Ferrell) verschanzt sich lieber hinter babylonischen Akten-Türmen, statt auf Streife in den Straßenschluchten New Yorks zu gehen. Sein neuer Partner Terry Hoitz (Mark Wahlberg) könnte verschiedener nicht sein - der abgebrühte Straßenbulle ist ganz und garnicht glücklich darüber, mit Schreibtischtäter Allen zusammengesteckt zu werden. Bloß in einer Hinsicht treffen sich die beiden in der Mitte: Danson (Dwayne Johnson) und Highsmith (Samuel L. Jackson) sind die coolsten Säue der Police Force. Plötzlich bekommen Allen und Terry mit einem neuen Fall die Gelegenheit, in die Fußstapfen der ikonischen Cops zu treten...

Regisseur Adam McKay liefert mit "The Other Guys"/"Die etwas anderen Cops" eine ungewöhnliche Mischung aus Action, Slapstick und Wirtschaftskrimi ab. Das Ergebnis ist eine nicht durchgehend brillante Buddy-Cop-Komödie, aber deutlich cleverer und witziger, als es auf den ersten Blick scheint. Allein die Chemie zwischen seinen beiden Hauptdarstellern passt perfekt. Will Ferrell spielt seine Paraderolle des unbeholfenen, scheinbar harmlosen Sonderlings einmal mehr mit perfektem Timing. Sein Allen ist ein wandelndes Kuriositätenkabinett voller absurder Eigenheiten und unerwarteter Talente. Mark Wahlberg wiederum gibt den frustrierten Hitzkopf mit sichtlicher Spielfreude und fungiert als idealer Gegenpart. Das Zusammenspiel der beiden sorgt für viele der besten Szenen des Films.

Überhaupt lebt "Die etwas anderen Cops" von seinem Humor. Statt sich auf reine Klamauk-Gags zu verlassen, persifliert der Film immer wieder die typischen Klischees des Actionkinos. Besonders die Eröffnung mit Johnson und Jackson gehört mittlerweile zu den legendären Momenten moderner Filmkomödien. Immer wieder nimmt der Film die übertriebenen Heldenbilder des Genres aufs Korn und beweist dabei ein bemerkenswertes Gespür für Timing und absurde Einfälle. Hinzu kommt, dass der Film überraschend gesellschaftskritische Untertöne besitzt. Hinter den Verfolgungsjagden und schrägen Dialogen verbirgt sich eine Geschichte über Finanzbetrug, Gier und die Verantwortung großer Unternehmen. Für eine Mainstream-Komödie ist das ein ungewöhnlicher Ansatz, der dem Film zusätzliche Tiefe verleiht. Zwar werden diese Themen nicht immer vollständig ausgereizt, sie heben "Die etwas anderen Cops" aber deutlich von vielen vergleichbaren Produktionen ab. Allerdings ist der Humor sehr speziell und setzt stark auf absurde Situationen und improvisiert wirkende Dialoge. Nicht jeder Gag landet einen Treffer, und einige Szenen ziehen sich etwas länger, als sie müssten. Auch der eigentliche Kriminalfall gerät zwischenzeitlich in den Hintergrund und wirkt gelegentlich eher wie ein Vorwand, um die nächste komödiantische Eskalation einzuleiten. Trotzdem gelingt es dem Film immer wieder, seine Schwächen mit Charme und Energie auszugleichen. Das starke Ensemble - darunter Eva Mendes, Michael Keaton und Steve Coogan - sorgt dafür, dass selbst kleinere Nebenrollen in Erinnerung bleiben. Gerade Michael Keaton als Polizeichef, der nebenbei bei einer Ladenkette arbeitet und unbewusst Songtexte zitiert, liefert einige der schönsten Running Gags des Films.

Damit avanciert "Die etwas anderen Cops" zu einer cleveren und herrlich schrägen Buddy-Cop-Komödie, die ihre besten Momente aus dem Zusammenspiel von Will Ferrell und Mark Wahlberg zieht. Die Mischung aus Action-Parodie, absurdem Humor und unerwarteter Gesellschaftskritik macht den Film zu einer der unterhaltsameren Komödien seiner Zeit. Nicht jede Pointe sitzt, aber wenn der Film zündet, ist er ausgesprochen witzig und überraschend einfallsreich.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkColumbia Pictures/Gary Sanchez Productions/Mosaic Media Group

Planet 51 (2009)

https://www.imdb.com/de/title/tt0762125/
https://letterboxd.com/film/planet-51/

Die Verschwörungstheorie über Area 51 ist bekannt: Die Wüste von Nevada dient der amerikanischen Regierung als Lager für Raumschiffteile und deren tote Besatzungsmitglieder. Aber was muss dann erst auf Planet 51 los sein? Dort soll Astronaut Chuck Baker (Stimme: Dwayne „The Rock“ Johnson) nämlich eine Fahne hissen – und platzt völlig verschreckt in eine außerirdische Grillparty. Die in einem lattenzaunweißen Städtchen lebenden Aliens sind mindestens ebenso verängstigt wie Chuck und glauben, eine Invasion stehe bevor. Als die Armee der grünen Männchen schließlich schwere Geschütze auffährt, ist einzig der jugendliche Lem (Justin Long) mutig genug, dem menschlichen Besucher zu helfen…

Was wäre, wenn nicht die Aliens auf der Erde landen, sondern ein Mensch auf einem fremden Planeten als der Außerirdische gilt? Diese clevere Prämisse bildet das Herzstück von "Planet 51". Der spanische Animationsfilm drehte die klassische Invasionsgeschichte einfach um und besaß damit eigentlich alle Zutaten für ein originelles Science-Fiction-Abenteuer. Doch obwohl der Film einige sympathische Momente und eine hübsche Optik bietet, bleibt am Ende das Gefühl, dass deutlich mehr möglich gewesen wäre. Dabei ist die Umkehrung der klassischen Alien-Filme charmant und eröffnet viele Möglichkeiten für satirische Anspielungen auf die damalige Paranoia vor Invasionen und dem Kalten Krieg. Einige dieser Ideen funktionieren wirklich gut und sorgen für den einen oder anderen gelungenen Lacher. Optisch macht "Planet 51" ebenfalls eine gute Figur. Die Animationen sind sauber umgesetzt, die Gestaltung der kleinen grünen Bewohner ist liebevoll und die Welt des Films besitzt einen angenehmen Retro-Charme. Besonders die vielen Anspielungen auf klassische Science-Fiction-Filme und die nostalgische Atmosphäre verleihen dem Werk eine gewisse Eigenständigkeit. 

Leider schöpft der Film sein Potenzial nur selten vollständig aus. Das Drehbuch verfällt recht schnell in bekannte Muster und erzählt letztlich eine sehr konventionelle Freundschaftsgeschichte. Viele Figuren bleiben eindimensional und entwickeln kaum Persönlichkeit über ihre jeweiligen Rollen hinaus. Auch der Humor schwankt stark: Einige Gags sitzen, andere wirken erstaunlich vorhersehbar oder sprechen eher ein jüngeres Publikum an. Hinzu kommt, dass "Planet 51" nur selten echte emotionale Höhepunkte erreicht. Die Geschichte plätschert angenehm vor sich hin, entwickelt aber kaum die erzählerische Tiefe oder den Witz, die man von den großen Animationsfilmen dieser Ära gewohnt war. In einem Jahr, in dem Filme wie "Oben" oder "Coraline" das Genre auf ein neues Niveau hoben, wirkte "Planet 51" fast ein wenig altmodisch. 

Sympathisch, optisch ansprechend mit einer wirklich cleveren Ausgangsidee, die jedoch nie ihr volles Potenzial entfaltet. Zwischen charmanten Momenten, netten Retro-Anspielungen und einer sehr vorhersehbaren Geschichte bleibt ein solides, aber letztlich eher durchschnittliches Familienabenteuer zurück - unterhaltsam genug für einen entspannten Filmabend, aber weit entfernt von den ganz großen Animationsklassikern.

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkIlion Animation Studios/Handmade Films/Atresmedia

Walking Tall - Walking Tall: Auf eigene Faust (2004)

https://www.imdb.com/de/title/tt0351977/
https://letterboxd.com/film/walking-tall-2004/

Nach acht Jahren bei den Special Forces der US-Army kehrt Sergeant Chris Vaughn (Dwayne Johnson) in seine Heimatstadt zurück. Doch ausruhen kann er sich auch in der scheinbar verschlafenen Kleinstadt nicht. Ein altes Sägewerk, das Vaughns Vater gehörte und das er eigentlich übernehmen sollte, wurde vor kurzem geschlossen. Vaughns alter Rivale Hamilton (Neal McDonough) hat die Sägemühle übernommen und daraus ein Casino mit zweifelhafter Kundschaft gemacht. Überhaupt scheint in der Stadt fest in die Hand des Verbrechens geraten zu sein. Drogen, Korruption und Spielmanipulationen sind an der Tagesordnung und alle Fäden laufen in Hamiltons Händen zusammen. Aber mit dieser Situation findet sich Vaughn nicht so einfach ab. Der ehemalige Elitesoldat zieht allein gegen die Gangster ins Felde…

Remakes klassischer Stoffe haben es selten leicht - erst recht, wenn das Original auf wahren Begebenheiten beruht und bereits Kultstatus genießt. "Walking Tall: Auf eigene Faust" aus dem Jahr 2004 nimmt sich den gleichnamigen Film von 1973 vor und verpasst der Geschichte um einen Mann, der seine von Kriminalität verseuchte Heimatstadt aufräumt, ein modernes Action-Gewand. Das Ergebnis ist kurzweilige Unterhaltung, die vor allem von ihrem Hauptdarsteller lebt, inhaltlich aber kaum über Genrestandards hinauskommt. Schon 2004 war klar, dass der Film vor allem als Starvehikel für Dwayne Johnson gedacht war. Und tatsächlich ist es seine Präsenz, die "Walking Tall" über weite Strecken trägt. Noch nicht der routinierte Schauspieler späterer Jahre, besitzt Johnson hier bereits das Charisma und die körperliche Präsenz, die ihn zu einem der größten Actionstars Hollywoods machen sollten. Er verkörpert Chris Vaughn als ehrlichen, bodenständigen Helden alter Schule - einen Mann, der lieber handelt als lange diskutiert.

Auch die Chemie zwischen Johnson und Johnny Knoxville, der den schrägen Ray Templeton spielt, sorgt immer wieder für sympathische Momente. Knoxville bringt etwas Lockerheit in die ansonsten sehr geradlinige Geschichte und liefert einige der humorvolleren Szenen des Films. Der Film verschwendet dann auch keine Zeit mit unnötigen Nebenhandlungen oder komplizierten Verschwörungen. Stattdessen setzt Regisseur Kevin Bray auf ein hohes Erzähltempo und eine klare Gut-gegen-Böse-Struktur. Die Laufzeit von gerade einmal etwas mehr als 80 Minuten sorgt dafür, dass kaum Langeweile aufkommt. Allerdings wird genau diese Einfachheit auch zum größten Problem des Films. Die Figuren bleiben überwiegend eindimensional, die Konflikte sind vorhersehbar und die Handlung entwickelt sich nach bekannten Genre-Mustern. Die Geschichte wirft zwar interessante Fragen über Selbstjustiz, Korruption und das Versagen staatlicher Institutionen auf, geht diesen Themen aber nie wirklich auf den Grund.

Auch die Antagonisten bleiben erstaunlich blass. Neal McDonough macht zwar das Beste aus seiner Rolle als zwielichtiger Casino-Besitzer Jay Hamilton, erhält aber kaum Gelegenheit, seiner Figur mehr Profil zu verleihen. Dadurch fehlt dem Film ein wirklich erinnerungswürdiger Gegenspieler. Die Action selbst ist solide, aber wenig spektakulär. Die Prügeleien sind ordentlich inszeniert und besitzen einen angenehm handgemachten Charakter, erreichen jedoch nie die Intensität oder Kreativität anderer Actionfilme der frühen 2000er-Jahre. Dass der berühmte Holzknüppel als Waffe zum Markenzeichen des Films wird, sorgt immerhin für einen gewissen Wiedererkennungswert. Es ist damit ein unterhaltsamer, aber letztlich sehr konventioneller Actionfilm. Dwayne Johnson überzeugt bereits früh als charismatischer Hauptdarsteller und die kurze Laufzeit sorgt für ordentliches Tempo. Doch das vorhersehbare Drehbuch, die blassen Gegenspieler und die fehlende inhaltliche Tiefe verhindern, dass der Film mehr als solide Genrekost wird. "Walking Tall" ist ein Film, der genau das liefert, was sein Titel verspricht: einen geradlinigen Rache- und Selbstjustizthriller ohne große Überraschungen.

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkMandeville Films/Burke/Samples/Foster Productions/WWE Studios/Cub Eight Productions/Metro-Goldwyn-Mayer/Hyde Park Entertainment

Freitag, 17. Juli 2026

How To Make A Killing - How To Make A Killing: Todsicheres Erbe (2026)

https://www.imdb.com/title/tt4357198/
https://letterboxd.com/film/how-to-make-a-killing-2026/

Becket Redfellow (Glen Powell) verfügt über gutes Aussehen, Charme, Witz und Bildung. Doch eins hat er nicht: das Geld seiner Familie, von dem er überzeugt ist, dass es ihm zusteht. In diesem Glauben hat ihn seine Mutter erzogen, die einst als Erbin des gigantischen Redfellow-Vermögens vorgesehen war, dann aber von der Familie verstoßen und enterbt wurde. Nach ihrem Tod ist Becket fest entschlossen, sich zurückzuholen, um was er uns seine Mutter in seinen Augen gebracht wurden – nur gibt es da ein kleines Problem: Sieben Verwandte stehen zwischen ihm und der Erbschaft, die ihm eben nur zufallen wurde, wenn sonst gar kein anderer Redfellow mehr lebt. Also muss der vom Drang nach Höherem getriebene Becket sich einiges einfallen lassen, um die Verwandtschaft mittels kreativer „Unfälle“ um die Ecke zu bringen, die nicht auf ihn zurückfallen können – denn im Gefängnis hätte er von einer etwaigen Erbschaft nicht mehr viel. Während er seine Pläne schmiedet, muss er aber gleichzeitig auch das Gesicht vor seiner neuen Freundin Ruth wahren. Und dann wäre da noch seine Jugendliebe Julia (Margaret Qualley), die plötzlich wieder auf der Bildfläche erscheint...

Schwarze Komödien sind ein schwieriges Genre. Sie müssen gleichzeitig bissig, witzig und ein wenig unangenehm sein, ohne ihre Figuren komplett der Lächerlichkeit preiszugeben. "How To Make A Killing: Todsicheres Erbe" gelingt dieser Spagat überraschend gut. Regisseur und Drehbuchautor John Patton Ford nimmt sich unverkennbar das klassische Vorbild "Adel verpflichtet" zum Vorbild und serviert eine makabre Erbschaftsgeschichte, die zwar nicht jede ihrer Ideen perfekt ausreizt, aber über weite Strecken ausgesprochen unterhaltsam ist. Im Mittelpunkt steht Becket Redfellow (Glen Powell), der sein ganzes Leben unter der Tatsache gelitten hat, von seiner wohlhabenden Familie verstoßen worden zu sein. Als er erkennt, dass zwischen ihm und einem gigantischen Vermögen nur noch einige äußerst unsympathische Verwandte stehen, kommt ihm eine radikale Idee: Warum nicht die Erbfolge ein wenig... verkürzen? Was folgt, ist ein zunehmend chaotischer und schwarzhumoriger Feldzug gegen die eigene Familie.

Glen Powell passt dabei hervorragend in die Rolle. Der Schauspieler beweist einmal mehr, warum er inzwischen zu den interessantesten Leading Men Hollywoods gehört. Sein Becket ist charmant, intelligent und moralisch fragwürdig - und trotzdem fiebert man erstaunlich oft mit ihm mit. Powell besitzt die seltene Fähigkeit, selbst fragwürdige Entscheidungen mit einem sympathischen Lächeln zu verkaufen. Seine Performance wertet den Film deutlich auf und verleiht ihm die nötige Leichtigkeit. Auch die Nebenbesetzung macht ihre Sache hervorragend. Margaret Qualley und Jessica Henwick sorgen für zusätzliche Dynamik, während Veteranen wie Ed Harris und Bill Camp den exzentrischen Familienclan mit sichtbarer Spielfreude verkörpern. Gerade die Begegnungen zwischen den verschiedenen Familienmitgliedern gehören zu den unterhaltsamsten Szenen des Films. Ton und Inszenierung erinnern dabei immer wieder an klassische britische schwarze Komödien. Die Morde sind teilweise makaber, aber nie übermäßig brutal, und der Film hat großen Spaß daran, seine reichen und privilegierten Figuren als karikaturhafte Unsympathen zu präsentieren. Die satirischen Spitzen gegen Klassengesellschaft und Reichtum funktionieren dabei häufig sehr gut. 

Allerdings erreicht der Film nicht ganz die Schärfe, die seine Prämisse verspricht. "How To Make A Killing: Todsicheres Erbe" ist für eine schwarze Komödie manchmal erstaunlich zahm und trau sich scheinbar nicht, noch schwärzer, noch böser zu werden. Einige Morde werden beinahe beiläufig abgehandelt, und die Gesellschaftssatire hätte durchaus noch etwas bissiger ausfallen dürfen. Zudem wirkt die Erzählung im Mittelteil gelegentlich etwas unentschlossen, weil sie zwischen Thriller, Komödie und Familiendrama schwankt. 

Dennoch verliert der Film nie seinen Unterhaltungswert. Die Geschichte entwickelt ein angenehmes Tempo, die Dialoge sind pointiert, und immer wieder überrascht die Handlung mit kleinen Wendungen und cleveren Einfällen. Gerade weil der Film seine makabre Ausgangsidee nicht allzu ernst nimmt, entsteht eine charmante Leichtigkeit, die ihn von vielen anderen schwarzen Komödien abhebt. Auch das Finale hinterlässt trotz kleiner Logiklücken ein zufriedenes Lächeln. Damit ist "How To Make A Killing: Todsicheres Erbe" vielleicht kein neuer Genreklassiker und reicht nicht ganz an seine berühmten Vorbilder heran. Aber er ist ein ausgesprochen vergnüglicher Mordreigen, der von einem bestens aufgelegten Glen Powell getragen wird und seine Zuschauer mit einer guten Mischung aus schwarzem Humor und krimineller Energie bei Laune hält.

"How To Make A Killing: Todsicheres Erbe" ist am Ende eine charmante, makabre und überraschend unterhaltsame schwarze Komödie, die zwar etwas mehr Biss und Konsequenz hätte vertragen können, dank ihres großartigen Hauptdarstellers und zahlreicher cleverer Einfälle aber dennoch bestens funktioniert. Ein Film für diejenigen, die ihre Komödien gerne mit einer ordentlichen Portion Mord und einem diabolischen Grinsen serviert bekommen wollen.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkStudioCanal/StudioCanal/Blue Ice Africa/Blueprint Pictures