Samstag, 31. Oktober 2026

Contra el huracán - Surviving Hurricane Otis - Gegen den Hurrikan (2026)

https://www.imdb.com/title/tt37961714/
https://letterboxd.com/film/surviving-hurricane-otis/

Wirpul (Benny Emmanuel) und sein Halbbruder Candi (Kristyan Ferrer) haben sich voneinander entfremdet. Ein Job bringt die beiden jedoch unerwartet wieder zusammen, als sie auf die Yacht eines wohlhabenden Mannes aufpassen sollen. Während Wirpul das Schiff als Kapitän steuert, ist Candi an Bord als Mechaniker tätig. Als sich vor der Küste der mexikanischen Touristenmetropole Acapulco ein Sturm zusammenbraut, sind die beiden allein an Bord. Während Candi Schlimmes befürchtet und das Boot zurück in den Hafen bringen will, will Candi den Anweisungen seines Chefs Folge leisten und auf See bleiben. Tatsächlich entwickelt sich der Sturm zum gefährlichen Hurrikan und bald kämpfen die zwei Halbbrüder um ihr Überleben.

Ein Hurrikan der höchsten Kategorie, eine manövrierunfähige Yacht und zwei entfremdete Halbbrüder, die gemeinsam ums Überleben kämpfen müssen: "Gegen den Hurrikan" bringt eigentlich alles für einen packenden Katastrophenfilm mit. Regisseur Jorge Michel Grau orientiert sich am Hurrikan Otis, der 2023 Acapulco verwüstete, erzählt jedoch eine fiktionale Geschichte über Wirpul und Candi, die trotz einer Sturmwarnung auf See bleiben, um die Yacht ihres wohlhabenden Arbeitgebers zu schützen. Der Film verbindet den Überlebenskampf mit einem Brüderkonflikt und deutet zugleich die soziale Ungleichheit an, durch die Menschen für fremdes Eigentum ihr Leben riskieren. Doch weder das Familiendrama noch die gesellschaftliche Ebene werden konsequent vertieft. Die Konflikte zwischen den Brüdern wirken oft konstruiert, Dialoge erklären Gefühle, statt sie glaubwürdig zu vermitteln, und manche Entscheidungen sind angesichts der drohenden Katastrophe kaum nachvollziehbar. Benny Emmanuel und Kristyan Ferrer bemühen sich zwar um emotionale Tiefe, können die Schwächen des Drehbuchs aber nur teilweise ausgleichen.

Handwerklich hat der Film durchaus seine Momente. Wenn Wind und Wellen zunehmen und die Yacht immer stärker von der Naturgewalt bedroht wird, entsteht zeitweise eine beklemmende Atmosphäre. Die beengte Umgebung passt gut zum Survival-Szenario, und einige Sturmsequenzen sind für eine mexikanische Produktion dieser Größenordnung durchaus eindrucksvoll. Allerdings schwankt die Qualität der visuellen Effekte deutlich. Gerade bei den Szenen auf offener See wirken Größenverhältnisse und Bewegungen mitunter künstlich, wodurch die Illusion des lebensgefährlichen Überlebenskampfs verloren geht. Kameraarbeit und Musik erfüllen ihren Zweck, entwickeln aber wenig Eigenständigkeit und können die Spannung nicht dauerhaft aufrechterhalten. Das größte Problem ist aber der unausgewogene Erzählrhythmus: Statt die Gefahr stetig zu steigern, wiederholt der Film seine familiären Auseinandersetzungen, während die Figuren nur begrenzt an Tiefe gewinnen. Dabei hätte die reale Katastrophe genügend Stoff für ein intensives Survival-Drama mit gesellschaftlicher Relevanz geboten. Die Geschichte bleibt jedoch überwiegend ein konventionelles Versöhnungsmelodram, dessen emotionale Höhepunkte zu deutlich auf Wirkung angelegt sind. Damit ist "Gegen den Hurrikan" ein gut gemeinter Katastrophenfilm mit einer interessanten Grundidee und einigen wirkungsvollen Sturmbildern. Doch blasse Figurenzeichnung, vorhersehbare Konflikte und sichtbar wechselhafte Effekte verhindern, dass wirkliche Spannung oder emotionale Anteilnahme aufkommen. Für einen einmaligen Netflix-Abend mag das reichen - das Potenzial dieser Geschichte bleibt jedoch weitgehend ungenutzt.

4/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Perro Azul

Freitag, 30. Oktober 2026

The Chronicles Of Narnia: The Voyage Of The Dawn Treader - Die Chroniken von Narnia: Die Reise auf der Morgenröte (2010)

https://www.imdb.com/de/title/tt0980970/
https://letterboxd.com/film/the-chronicles-of-narnia-the-voyage-of-the-dawn-treader/

Nachdem ein weiteres Jahr in England vergangen ist, ruft das Schicksal Lucy (Georgie Henley) und Edmund Pevensie (Skandard Keynes) sowie deren Cousin Eustachius Knilch (Will Poulter) erneut nach Narnia. Diesmal erweist sich ein Bild als Portal ins sagenumwobene Reich, das die drei Kinder direkt auf das Segelschiff Morgenröte verfrachtet. Die Aufgabe der Schiffsbesatzung besteht darin, zusammen mit dem Kommandanten König Kaspian (Ben Barnes) sieben Lords aufzuspüren, die vom vormaligen Herrscher Miraz aus dem Reich der Telemarer getrieben wurden. Die Reise zu den Lords entwickelt sich zu einem gefährlichen Abenteuer, bei dem nicht nur Sklavenhändler als Gegner auftauchen, sondern auch ein geheimnisvoller Nebel für Angst und Schrecken sorgt. Kaspian und die jungen Abenteurer begreifen schließlich, dass der Schlüssel zur Bewältigung ihrer Aufgabe eng mit dem bedrohlichen Nebel und geheimnisvollen Schwertern verbunden ist.

Mit "Die Reise auf der Morgenröte" setzt die Narnia-Reihe die Segel und tauscht die großen Schlachten des Vorgängers gegen ein klassisches Seefahrerabenteuer. Die Geschwister Lucy und Edmund Pevensie landen gemeinsam mit ihrem nervigen Cousin Eustace erneut in Narnia. An Bord des königlichen Schiffs Morgenröte treffen sie auf König Kaspian und den kampflustigen Mäuserich Riepischiep. Ihre Mission führt sie von Insel zu Insel, wo sie magische Schwerter finden, gefährlichen Kreaturen begegnen und sich schließlich einer unheimlichen Macht stellen müssen, die Narnia bedroht. Regisseur Michael Apted verleiht dem dritten Film einen leichteren, märchenhafteren Ton als "Prinz Kaspian von Narnia". Das tut der Reihe grundsätzlich gut: Statt sich fast ausschließlich auf Krieg und politische Konflikte zu konzentrieren, stehen diesmal Entdeckungsreisen, fantastische Begegnungen und persönliche Prüfungen im Mittelpunkt. Der Einstieg, in dem das Wasser eines Gemäldes plötzlich zum Durchgang nach Narnia wird, gehört zu den schönsten Momenten des Films. Auch die Idee einer Reise über unbekannte Meere verspricht Abenteuer im besten Sinne. Allerdings fehlt der Geschichte ein durchgehend überzeugender Spannungsbogen. Die einzelnen Inselstationen wirken häufig wie voneinander getrennte Episoden, und die Suche nach den sieben Schwertern verkommt stellenweise zu einer bloßen Aufgabenliste. So bleibt die Handlung zwar abwechslungsreich, entwickelt aber nur selten echten Sog.

Bei den Darstellern gibt es Licht und Schatten. Georgie Henley trägt als Lucy einen großen Teil der emotionalen Handlung und vermittelt überzeugend ihre Neugier, ihren Mut und ihre Selbstzweifel. Skandar Keynes gibt Edmund erneut mehr Reife und Entschlossenheit, während Ben Barnes als Kaspian inzwischen souveräner wirkt, aber nicht immer genügend Raum erhält, um seine Figur weiterzuentwickeln. Der eigentliche Szenendieb ist Will Poulter als Eustace. Seine zunächst selbstgefällige, besserwisserische Art sorgt für humorvolle Reibung, und seine Wandlung vom unangenehmen Außenseiter zu einem mutigeren Menschen bildet einen der stärksten Charakterbögen des Films. Auch Simon Pegg verleiht Riepischiep mit seiner Stimme genau die richtige Mischung aus Ritterlichkeit, Selbstbewusstsein und liebenswerter Überheblichkeit. Liam Neeson bringt als Aslan die erwartete gravitätische Ruhe mit, wobei die spirituellen Botschaften seiner Figur bisweilen etwas zu direkt ausgesprochen werden. Visuell bleibt Narnia eine reizvolle Fantasywelt. Die Morgenröte ist ein gelungen gestaltetes Schiff, die exotischen Inseln bieten Abwechslung, und fantastische Wesen wie der Drache oder die unsichtbaren Bewohner einer Insel sorgen für einige einprägsame Bilder. Besonders die Verwandlung Eustaces in einen Drachen verbindet Spektakel mit seiner persönlichen Entwicklung. Dennoch schwankt die Qualität der Effekte. Manche Kreaturen wirken überzeugend, andere verraten deutlich ihre digitale Herkunft. Auch die aufwendige 3D-Präsentation kann nicht jede Szene mit zusätzlichem Zauber versehen. Wo die Bilder Fantasie und Atmosphäre verbinden, funktioniert der Film am besten; in den stärker computergenerierten Passagen wirkt die Welt dagegen gelegentlich künstlich.

Die Kameraarbeit fängt die Weite des Meeres und die farbenprächtigen Landschaften ansprechend ein, während die Actionsequenzen für ein Familienabenteuer ordentlich inszeniert sind. Ein Kampf mit einem Seeungeheuer und die unheimlichen Szenen rund um die Dunkle Insel liefern Spannung, erreichen aber nicht immer die Intensität, die ihre Bilder versprechen. David Arnolds Filmmusik unterstützt die Reise mit einem kraftvollen, abenteuerlichen Klang und knüpft an den musikalischen Charakter der Vorgänger an. Auch die Themen Mut, Versuchung, Selbstannahme und Verantwortung sind vorhanden. Gerade Eustaces Entwicklung veranschaulicht sie auf nachvollziehbare Weise. Die religiöse Symbolik der Romanvorlage bleibt dabei spürbar, wird jedoch nicht immer organisch in die Handlung integriert. Im Vergleich zu den beiden Vorgängern ist "Die Reise auf der Morgenröte" weniger episch und stärker auf ein jüngeres Publikum zugeschnitten. Das ist nicht grundsätzlich ein Nachteil, doch der Film findet keine ganz sichere Balance zwischen kindlicher Abenteuerlust und ernsteren Themen. Manche Prüfungen wirken beliebig, die Gegenspieler bleiben wenig greifbar, und der zentrale Konflikt gewinnt erst spät an Gewicht. Dafür besitzt das Finale eine schöne emotionale Note und gibt Lucy und Edmund einen angemessenen Abschied von Narnia.

Unterm Strich ist "Die Chroniken von Narnia: Die Reise auf der Morgenröte" ein solides Fantasyabenteuer mit sympathischen Figuren, einigen gelungenen Schauwerten und einem überzeugenden Will Poulter. Die märchenhafte Seefahreridee und Eustaces Entwicklung sorgen für echte Höhepunkte, während die episodische Erzählweise, wechselhafte Effekte und ein wenig packender Hauptkonflikt verhindern, dass der Film sein volles Potenzial ausschöpft. Ein unterhaltsamer, stellenweise berührender Abschluss der ursprünglichen Narnia-Filmtrilogie - aber kein Abenteuer, das dauerhaft mit den stärksten Momenten des ersten Films mithalten kann.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Fox 2000 Pictures/Walden Media/Mark Johnson Productions/Dune Entertainment

Donnerstag, 29. Oktober 2026

Other Mommy (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt36586020/
https://letterboxd.com/film/other-mommy/

Für die kleine Bela (Arabella Olivia Clark) ist ihre Mutter (Jessica Chastain) der wichtigste Mensch in ihrem Leben. Doch nach und nach wächst in ihr der Verdacht, dass von der Person, der sie am meisten vertraut, eine unheimliche Gefahr ausgeht. Je stärker sich fortan ihre Ängste verdichten, desto mehr gerät auch ihr Gefühl von Sicherheit ins Wanken. Während Bela versucht zu begreifen, was um sie herum geschieht, wird aus ihrem Zuhause zunehmend ein Ort, an dem nichts mehr so ist, wie es scheint. Denn ist das wirklich noch ihre Mutter, oder hat schon längst unbemerkt eine finstere Macht deren Platz eingenommen?

Was wäre, wenn die eigene Mutter plötzlich nicht mehr die Person wäre, für die man sie hält? Mit dieser unheimlichen Vorstellung eröffnet "Other Mommy" eine vielversprechende Grundlage für psychologischen Horror. Regisseur Rob Savage, der bereits mit "The Boogeyman" Erfahrungen im Genre gesammelt hat, erzählt die Geschichte der achtjährigen Bela (Arabella Olivia Clark), die von einer unheimlichen Gestalt heimgesucht wird, die genauso aussieht wie ihre Mutter Ursula (Jessica Chastain). Das Wesen verspricht Nähe und Zuneigung, verfolgt jedoch eigene, zunehmend bedrohliche Absichten. Während die Spannungen zwischen Bela und ihren Eltern wachsen, wird es immer schwieriger, Realität und übernatürlichen Schrecken voneinander zu unterscheiden. Die Idee besitzt reichlich Potenzial, doch der Film macht es sich mit der Umsetzung häufig zu einfach. Savage selbst sprach von 50 Jump-Scares im Film - das macht im Schnitt einen Jump-Scare in 90 Sekunde Laufzeit - und ich fürchte, das reicht als Argument gegen diesen Film.

Das größte Plus ist aber Jessica Chastain, die sowohl Ursula als auch deren unheimliches Gegenstück verkörpert. Als emotional schwer greifbare Mutter überzeugt sie mit einem zurückgenommenen Spiel, das hinter der kontrollierten Fassade unterschwellige Spannungen erkennen lässt. Als Other Mommy setzt sie dagegen auf verstörende Körperlichkeit, starre Blicke und ein unnatürliches Lächeln. Gerade wenn sie sich kaum bewegt und einfach nur im Dunkeln steht, entfaltet sie eine unangenehme Wirkung. Arabella Olivia Clark schlägt sich als Bela ebenfalls ordentlich, während Jay Duplass als Vater Russ für einige menschliche Momente sorgt. Allerdings bleiben die familiären Beziehungen zu oberflächlich, um den emotionalen Konflikten wirklich Gewicht zu verleihen. Auch Nebenfiguren wie Dichen Lachman und Karen Allen werden kaum sinnvoll genutzt. 

Inszenatorisch zeigt Savage durchaus Gespür für eindringliche Bilder. Dynamische Kamerabewegungen, kreative Übergänge und traumartige Sequenzen verleihen dem Film stellenweise eine surreale Qualität. Auch das Sounddesign kann überzeugen: Knarrende Dielen, leise Umgebungsgeräusche und gezielt eingesetzte Stille erzeugen Momente echter Anspannung. Das Problem ist, dass der Regisseur diesen Stärken offenbar nicht genug vertraut. Statt die Angst langsam wachsen zu lassen, setzt „Other Mommy“ immer wieder auf laute Geräusche, abrupte Schnitte und möglichst heftige Schreckmomente. Die angekündigte Fülle an Jump-Scares wird dadurch eher zur Belastung als zum Vorteil. Einige Kreaturenbilder bleiben dennoch im Gedächtnis, und einzelne drastische Effekte sorgen für einen willkommenen Schuss handfesten Body-Horrors.

Besonders enttäuschend ist das Drehbuch von Nathan Elston, das auf Josh Malermans Roman "Incidents Around the House" (den ich nicht gelesen habe) basiert. Die Geschichte nimmt früh viele ihrer Geheimnisse vorweg und beraubt sich damit eines Teils ihrer Spannung. Hinzu kommen bekannte Genrebausteine, eine stellenweise unglaubwürdige Reaktion der Figuren auf die übernatürlichen Ereignisse und eine Mythologie, deren Regeln nicht immer überzeugend erscheinen. Statt die Bedrohung konsequent aus Belas kindlicher Perspektive zu erzählen, springt der Film hastig von einer Eskalation zur nächsten. Das Ergebnis ist daher trotz seiner attraktiven Bilder vor allem eine Ansammlung von Schreckmomenten und unausgereiften übernatürlichen Ideen. Dabei hätte "Other Mommy" durchaus mehr zu erzählen. Hinter dem übernatürlichen Schrecken stecken Fragen nach emotionaler Vernachlässigung, elterlicher Verantwortung und dem Bedürfnis eines Kindes nach Geborgenheit. Die unheimliche Doppelgängerin wird gerade deshalb interessant, weil sie Bela zunächst genau das zu geben scheint, was ihr im Alltag fehlt. Doch diese psychologische Ebene bleibt weitgehend Behauptung. Der Film deutet familiäre Probleme an, arbeitet sie aber kaum aus und lässt seine Monsterhandlung immer wieder die Figuren verdrängen. Auch das schnelle Erzähltempo hilft nur bedingt: Mit rund 93 Minuten ist "Other Mommy" zwar kompakt, fühlt sich durch die ständige Abfolge von Schockmomenten aber zunehmend repetitiv an. 

Unterm Strich ist "Other Mommy" ein Horrorfilm mit einer starken Grundidee, einigen gelungenen visuellen Einfällen und einer engagierten Jessica Chastain, der sich jedoch zu selten auf seine eigenen Stärken verlässt. Die Atmosphäre stimmt punktuell, und einzelne Bilder sind durchaus verstörend. Doch die überstrapazierten Jump-Scares, die dünne Figurenzeichnung und eine nur halb entwickelte Mythologie verhindern, dass daraus ein wirklich nachhaltiger Albtraum wird. Für einen kurzweiligen Genreabend reicht es gerade noch; gemessen an seinem Potenzial bleibt der Film eine verpasste Gelegenheit. Vor allem, weil der Trailer so gut war.

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Blumhouse Productions/Atomic Monster/Spin a Black Yarn

Mittwoch, 28. Oktober 2026

The Chronicles Of Narnia: Prince Caspian - Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia (2008)

https://www.imdb.com/de/title/tt0499448/
https://letterboxd.com/film/the-chronicles-of-narnia-prince-caspian/

1941: Nach dem Ende des ersten Abenteuers im sagenumwobenen Land Narnia leben die Pevensie-Geschwister Lucy (Georgie Henley), Edmund (Skandard Keynes), Peter (William Moseley) und Susan (Anna Popplewell) wieder in London. Ihr Alltagsdasein hat jedoch ein jähes Ende, als sie durch magische Kräfte zurück nach Narnia transferiert werden. Dort ist aber viel mehr Zeit vergangen, sodass die Situation nicht mehr so ist, wie sie die Pevensies in Erinnerung haben. Die vier jungen Abenteurer geraten in eine Auseinandersetzung hinein, die zwischen Prinz Kaspian (Ben Barnes), dem rechtmäßigen Thronerben der Telemarer, und dem aktuellen Herrscher Miraz (Sergio Castelitto) tobt. Miraz soll nur so lange auf dem Thron sitzen, bis Kaspian alt genug ist, selbst zu regieren. Um die Macht nicht zu verlieren, will Miraz den Thronfolger Kaspian töten lassen. Der flüchtet jedoch und schließt sich mit den Pevensie-Geschwistern sowie den Narnianern zusammen, um Miraz in die Schranken zu weisen.

Mit "Prinz Kaspian von Narnia" schlägt die Fantasyreihe einen deutlich düstereren Ton an. Ein Jahr ist in der Menschenwelt vergangen, doch in Narnia sind seit der Herrschaft der Pevensie-Geschwister mehr als 1.300 Jahre verstrichen. Das einst magische Königreich wird von den Telmarern beherrscht, während die verbliebenen alten Narnians im Verborgenen leben. Gemeinsam mit dem jungen Prinzen Kaspian müssen Peter, Susan, Edmund und Lucy den tyrannischen König Miraz stürzen und Narnia seine Freiheit zurückgeben. Regisseur Andrew Adamson setzt stärker auf mittelalterliche Kriegsführung, politische Intrigen und große Schlachten als auf den märchenhaften Entdeckergeist des Vorgängers. Das verleiht dem Film zwar mehr Ernsthaftigkeit, nimmt ihm aber auch einen Teil seines Zaubers. Die Geschichte um den rechtmäßigen Thronfolger ist vertraut und funktioniert als klassisches Abenteuer um Macht, Verrat und Selbstfindung. Allerdings gerät der Weg zum großen Konflikt mitunter unnötig kompliziert, während die politische Dimension nicht tief genug ausgearbeitet wird, um wirklich zu fesseln. Mit rund zweieinhalb Stunden ist der Film zudem deutlich zu lang geraten - gerade die ausgedehnten Kampfsequenzen ziehen sich stellenweise.

Die jungen Darsteller sind aber erneut ein Pluspunkt. William Moseley gibt Peter als zunehmend selbstbewussten, aber auch stolzen Anführer, dessen Rivalität mit Kaspian für einige der interessanteren Konflikte sorgt. Georgie Henley verleiht Lucy Wärme und Neugier, während Skandar Keynes als Edmund spürbar gereift wirkt. Anna Popplewell bleibt als Susan etwas blasser. Ben Barnes fügt sich als Kaspian solide in das Ensemble ein, auch wenn die Figur neben den bereits bekannten Geschwistern nicht immer genügend Profil entwickelt. Unter den Nebenfiguren stechen Peter Dinklage als mürrischer Zwerg Trumpkin und Eddie Izzard als Schwert schwingende Maus Riepischiep hervor. Sie bringen Humor und Persönlichkeit in eine Handlung, die sich ansonsten stark auf Krieg und Pflicht konzentriert. Sergio Castellitto sorgt als Miraz für einen passenden Gegenspieler, bleibt aber eher ein klassischer machtgieriger Bösewicht als eine wirklich vielschichtige Figur.

Visuell kann sich das Abenteuer durchaus sehen lassen. Die Landschaften, Kostüme und mittelalterlich anmutenden Kulissen schaffen eine glaubwürdige Fantasywelt, und die Effekte bringen zahlreiche fantastische Kreaturen eindrucksvoll auf die Leinwand. Besonders die bewegten Bäume und einzelne magische Begegnungen erinnern daran, was Narnia als Welt so reizvoll macht. Gleichzeitig wirken manche computergenerierten Bilder weniger überzeugend, als man es von einer Produktion dieser Größenordnung erwarten würde. Die Schlachten sind groß angelegt und übersichtlich inszeniert, ersetzen aber zu oft echte Spannung durch schiere Länge. Wo der Film auf kleinere Figurenmomente und die Magie seiner Welt setzt, funktioniert er deutlich besser als in den ausufernden Massenszenen. Die Musik von Harry Gregson-Williams unterstützt die epische Ausrichtung mit kraftvollen, emotionalen Themen und verbindet den Film hörbar mit seinem Vorgänger. Auch die Themen Mut, Verantwortung, Glaube und der schwierige Übergang vom Kindsein zum Erwachsenwerden sind weiterhin vorhanden. Besonders Peters Umgang mit seiner eigenen Bedeutung und Lucys Vertrauen in das Gute geben der Geschichte emotionale Ankerpunkte. Doch die Botschaften werden bisweilen recht eindeutig vermittelt, und Aslan bleibt lange aus dem Geschehen heraus, wodurch ein wichtiger Teil der mystischen Faszination fehlt.

"Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia" ist eine solide Fortsetzung, die technisch ambitionierter und actionreicher daherkommt als der erste Film, dafür aber weniger märchenhaft und stellenweise überraschend schwerfällig wirkt. Gute Darsteller, eine liebevoll gestaltete Fantasywelt und einzelne starke Momente stehen einer überlangen Erzählung, blasseren Figuren und zu ausgedehnten Schlachten gegenüber. Ein durchaus unterhaltsames Abenteuer für Fantasyfans, das sein Potenzial nicht voll ausschöpft und den besonderen Zauber des ersten Narnia-Films nur teilweise wiederfindet.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Walt Disney Pictures/Walden Media/Gran Via Productions/Silverbell Films

Dienstag, 27. Oktober 2026

Moana - Vaiana (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt27419466/
https://letterboxd.com/film/moana/

Vaiana (Catherine Laga'aia) will unbedingt weit raus aufs offene Meer, endlich mal die Welt jenseits des Riffs sehen, das die Insel ihres Volkes umgibt. Doch keiner der Motunui-Stammesgenossen der 16 Jahre alten Prinzessin traut sich so wirklich, dieses Abenteuer einmal konsequent anzugehen – und auch ihr ist der Versuch, das Riff hinter sich zu lassen, verboten. Doch dann gerät das Inselvolk in eine Notlage, und die Nahrung beginnt, langsam knapp zu werden. Vaiana schmiedet deshalb einen Plan und setzt schließlich eines Tages auf eigene Faust in See. Mit an Bord sind der treudoofe Hahn Heihei und das Hausschwein Pua. Unterwegs offenbart sich ihr sogar noch der legendäre Halbgott Maui (Dwayne Johnson), dem sehr mächtige Fähigkeiten nachgesagt werden. Doch schnell stellt sich heraus, dass das mit den Kräften zwar nicht gelogen war, Maui aber eine ganz eigene Suppe angerührt hat, die er zusammen mit Vaiana nun erst mal auslöffeln muss...

Eines gleich vorab: dies ist wohl die mit Abstand faulste Veröffentlichung von Disney, denn die zentrale Schwäche des Live-Action-Remakes von "Vaiana" ist nicht die bekannte Geschichte selbst, sondern die Frage, warum sie kaum verändert noch einmal erzählt werden musste. Die geringe Eigenständigkeit, die künstlich wirkende CGI-Optik und die im Vergleich zum Animationsfilm deutlich schwächere visuelle Dynamik sind da noch die offensichtlichsten Mängel. Disney schickt Moana erneut auf große Fahrt - doch diesmal bleibt der Zauber erstaunlich oft an Land. Die Realverfilmung des Animationshits von 2016 erzählt die bekannte Geschichte nahezu unverändert: Die junge Vaiana verlässt ihre Heimatinsel Motunui, um gemeinsam mit dem Halbgott Maui das gestörte Gleichgewicht der Natur wiederherzustellen und ihr Volk zu retten. Das Abenteuer funktioniert auf dem Papier noch immer, doch Regisseur Thomas Kail gelingt es nur selten, der vertrauten Reise einen eigenen Charakter zu verleihen.

Catherine Lagaʻaia ist dabei kaum ein Vorwurf zu machen. Sie verkörpert Vaiana (im englischen Original Moana) sympathisch, bringt die nötige Energie mit und überzeugt insbesondere bei den Gesangseinlagen. Auch die bekannten Songs von Lin-Manuel Miranda besitzen weiterhin Ohrwurmqualität und erinnern daran, wie viel Herz und musikalischer Schwung bereits in der Vorlage steckten. John Tui als Moanas Vater und Rena Owen als ihre Großmutter sorgen zudem für glaubwürdige Momente im familiären Umfeld. Dwayne Johnson kehrt als Maui in seine Paraderolle zurück, erreicht mit seiner Darstellung aber nicht durchgehend die freche, überbordende Präsenz seines animierten Gegenstücks. Jemaine Clement darf als Tamatoa erneut glänzen, doch gerade dessen musikalischer Auftritt wirkt in der realfilmähnlichen Umsetzung deutlich weniger mitreißend als im Original. 

Das eigentliche Problem liegt in der Inszenierung. Wo die Animation grenzenlose Fantasie, überzeichnete Figuren und spektakuläre Bewegungen ermöglichte, wirkt die Realverfilmung häufig künstlich und überraschend leblos. Das Meer schimmert in sattem Blau, die Landschaften sind farbenprächtig - dennoch fehlt vielen Bildern die Dynamik und emotionale Wucht, die das Original auszeichneten. Die umfangreichen CGI-Effekte lassen fantastische Figuren und Kreaturen zwar aufwendig aussehen, verleihen ihnen aber nicht automatisch mehr Glaubwürdigkeit. Im Gegenteil: Einige der skurrilen Begegnungen verlieren durch ihre realfilmähnliche Umsetzung ihren ursprünglichen Charme. Auch die eher konventionelle Kameraarbeit sorgt nur selten für echtes Abenteuergefühl.

Inhaltlich bleibt die Geschichte mit ihren Themen Selbstvertrauen, Verantwortung, kultureller Identität und dem Respekt vor der Natur durchaus wertvoll. Vaianas Entwicklung zur selbstbestimmten Anführerin funktioniert weiterhin, und die Verbindung zu den Traditionen ihrer Vorfahren verleiht dem Abenteuer eine wichtige kulturelle Dimension. Doch weil Handlung, Dramaturgie, Dialoge und Musik größtenteils 1:1 aus dem Original übernommen wurden, fehlt es an Überraschungen. Neue Ideen, die eine erneute Verfilmung wirklich rechtfertigen würden, sind rar. Mit rund 115 Minuten Laufzeit zieht sich die Reise dadurch stellenweise unnötig in die Länge; bekannte Höhepunkte werden eher reproduziert als neu interpretiert. So bleibt "Vaiana" am Ende ein zwar aufwendig produziertes, musikalisch weiterhin ansprechendes Familienabenteuer, das vor allem von der Qualität seiner Vorlage und Catherine Lagaʻaia profitiert. Die Botschaft stimmt, die Songs funktionieren und einzelne Szenen bewahren einen Teil des ursprünglichen Charmes. Doch die künstliche Optik, die fehlende visuelle Fantasie und die weitgehend uninspirierte Wiederholung lassen das Remake letztlich überflüssig erscheinen. Wer die Geschichte noch nicht kennt, kann durchaus einen unterhaltsamen Familienfilm entdecken. Für alle anderen bleibt das Original von 2016 die deutlich lebendigere, kreativere und emotional stärkere Reise - und damit die bessere Wahl.

4/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Walt Disney Pictures/Seven Bucks Productions/Flynn Picture Company/5000 Broadway Productions

Sonntag, 25. Oktober 2026

Cinderella (1950)

https://www.imdb.com/de/title/tt0042332/
https://letterboxd.com/film/cinderella/

Cinderella (Stimme: Ilene Woods) lebt bei ihrer Stiefmutter (Eleanor Audley) und deren beiden, faulen Töchtern Drizella (Rhoda Williams) und Anastasia (Lucille Bliss). Ihre Stiefmutter demütigt sie und gibt ihr stets unschaffbar viel Arbeit auf, da ihre eigenen Töchter nicht so hübsch sind wie Cinderella. Eines Tages lädt der Prinz (William Phipps) sämtliche heiratsfähigen Frauen zu einem Ball ein. Cinderella möchte hingehen, aber ihre Stiefmutter torpediert diesen Wunsch, indem sie ihr massig Arbeit zu tun gibt. Dem unterdrückten Mädchen bleibt kaum Zeit, sich ein Kleid zu nähen. Aber ihre Tier-Freunde helfen dabei, das prachtvolle Gewand rechtzeitig fertigzubekommen. Drizella und Anastasia passt überhaupt nicht, wie hübsch das Kleid geworden ist, also reißen sie es in Stücke...

Mit "Cinderella" gelang Walt Disney 1950 nicht nur eine bezaubernde Neuinterpretation des bekannten Märchens, sondern auch ein entscheidender Erfolg für das angeschlagene Animationsstudio. Die Geschichte der jungen Ella, die nach dem Tod ihres Vaters von ihrer kaltherzigen Stiefmutter Lady Tremaine und deren Töchtern gedemütigt und als Dienstmagd gehalten wird, gehört längst zum kulturellen Allgemeingut. Als der König einen Ball veranstalten lässt, um für seinen Sohn eine Braut zu finden, scheint Cinderella zunächst ausgeschlossen. Doch mit der Hilfe ihrer tierischen Freunde und ihrer guten Fee erhält sie die Chance, ihrem trostlosen Alltag für eine Nacht zu entkommen. Die Handlung ist schlicht und vorhersehbar, entfaltet aber gerade durch ihre klare Märchenstruktur einen zeitlosen Zauber. Die größte Stärke des Films liegt in seiner liebevollen Gestaltung der Nebenfiguren. Während Cinderella selbst als freundliche, geduldige und beinahe unerschütterlich optimistische Heldin eher idealisiert wirkt, sorgen die Mäuse Jaq und Gus für Witz, Bewegung und überraschend viel Spannung - etwa beim Nähen des Kleides, beim mühsamen Transport des Schlüssels oder während der Flucht vor dem Kater Luzifer. Sie ergänzen die vergleichsweise einfache Haupthandlung um kleine Abenteuer mit eigenem Rhythmus. Besonders Gus entwickelt sich mit seiner tollpatschigen Art zum heimlichen Publikumsliebling. Luzifer ist zudem ein hervorragend eingesetzter Gegenspieler: Seine Jagd auf die Mäuse verleiht dem Film einen handfesten Slapstick-Anteil und sorgt für einige der spannendsten Szenen.

Optisch ist "Cinderella" ein Musterbeispiel klassischer Disney-Animation. Die handgezeichneten Figuren, die detailreichen Hintergründe und die leuchtenden Farben schaffen eine märchenhafte Welt, die trotz ihres Alters nichts von ihrer Wirkung verloren hat. Besonders die Verwandlung des Kürbisses in eine Kutsche und der Auftritt der guten Fee gehören zu den unvergesslichen Momenten des Films. Die Animation verbindet elegante Bewegungen mit komödiantischem Timing und zeigt, wie viel Ausdruck sich ohne digitale Effekte erreichen lässt. Auch die Gestaltung des königlichen Schlosses und des Ballsaals ist beeindruckend. Die Regisseure Clyde Geronimi, Wilfred Jackson und Hamilton Luske verstehen es, die Magie des Märchens durch Bildkompositionen und sorgfältig choreografierte Bewegungen lebendig werden zu lassen. Ebenso prägend ist die Musik. Songs wie "Bibbidi-Babbidi-Bu" ("Bibbidi-Bobbidi-Boo"), "Ich hab ihn im Traum gesehen" ("A Dream Is A Wish Your Heart Makes") und "Das ist das Glück" ("So This Is Love") gehören zu den Klassikern des Disney-Repertoires. Sie transportieren Lebensfreude, Sehnsucht und Romantik, ohne den Erzählfluss übermäßig zu unterbrechen. Die musikalischen Passagen sind fest in die Handlung integriert und verleihen dem Film seinen unverwechselbaren Charme. Die Dialoge sind knapp, die Figuren klar charakterisiert und die Komik funktioniert häufig über Blicke, Bewegungen und Timing statt über ausführliche Erklärungen.

Ganz ohne Schwächen ist der Klassiker allerdings nicht. Cinderella bleibt als Persönlichkeit vergleichsweise passiv und wird vor allem durch Geduld, Freundlichkeit und äußere Hilfe aus ihrer Lage befreit. Auch Prinz Charming ist kaum mehr als eine idealisierte Projektionsfläche; zwischen den beiden entwickelt sich nur wenig echte Beziehung, bevor das Märchen seinem romantischen Ziel entgegensteuert. Ein weiterer wunder Punkt: Die Mäuse, der König und sogar der nervöse Großherzog besitzen oft mehr Persönlichkeit als das zentrale Liebespaar. Dennoch ist der Film nicht ausschließlich auf die Rettung durch einen Prinzen reduziert: Cinderellas Mitgefühl, ihre innere Stärke und ihre Weigerung, sich von Grausamkeit vollständig verbiegen zu lassen, sind wichtige Bestandteile ihrer Figur. Auch dramaturgisch funktioniert das Märchen besser, als seine vorhersehbare Handlung vermuten lässt. Die Szenen mit den Mäusen schaffen kleine Spannungsbögen, während die letzten Minuten mit dem verlorenen Glasschuh und dem heimlich herbeigeschafften Schlüssel zu den wirkungsvollsten Sequenzen des Films gehören. Die Gegenspieler sind zwar bewusst überzeichnet, doch Lady Tremaines ruhige Grausamkeit ist oft unangenehmer als offener Zorn. Gerade weil sie ihre Macht über Cinderella so kontrolliert ausübt, wird das häusliche Umfeld glaubwürdig bedrückend. Mit rund 74 Minuten bleibt der Film zudem angenehm kompakt und verliert sich kaum in unnötigen Nebenhandlungen.

Unterm Strich ist "Cinderella" aber immer noch ein zeitloser Disney-Klassiker, dessen herausragende Animation, eingängige Musik und charmante Tierfiguren die vergleichsweise dünne Handlung mühelos tragen. Die Hauptfiguren bleiben psychologisch überschaubar, und das traditionelle Rollenbild lässt sich heute durchaus kritisch betrachten. Doch die visuelle Fantasie, der Humor und die handwerkliche Präzision sind bemerkenswert. "Cinderella" mag nicht zu den komplexesten Disney-Erzählungen gehören, aber als liebevoll gestaltetes Märchen funktioniert der Film noch immer hervorragend - magisch, musikalisch und voller unvergesslicher Szenen.

9/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Walt Disney Productions

Samstag, 24. Oktober 2026

Clayface (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt34890576/
https://letterboxd.com/film/clayface/

Für den aufstrebenden Schauspieler Matt Hagen (Tom Rhys Harries) scheint sich in Gotham City endlich der große Durchbruch abzuzeichnen. Doch kurz bevor sich seine Träume erfüllen, wird er Opfer eines brutalen Angriffs: Ein Gangster entstellt sein Gesicht schwer und zerstört damit nicht nur sein Aussehen, sondern auch seine beruflichen Perspektiven. Auf der Suche nach einer letzten Hoffnung wendet sich Hagen an eine Wissenschaftlerin, die eine neuartige rekonstruktive Technologie entwickelt hat. Das experimentelle Verfahren stellt sein Gesicht tatsächlich wieder her, bringt jedoch unerwartete und folgenschwere Nebenwirkungen mit sich. Sein Körper verwandelt sich in eine lehmartige Substanz, die sich verformen und anpassen kann. Plötzlich muss Matt lernen, mit Fähigkeiten umzugehen, die sein Leben grundlegend verändern. Während er versucht, die Kontrolle über seinen neuen Körper zu gewinnen, sieht er sich mit den weitreichenden Konsequenzen des Experiments und den Herausforderungen seiner veränderten Existenz konfrontiert...

Mit "Clayface" schlägt DC einen angenehm schmutzigen, kompromisslosen Weg ein und liefert statt klassischer Superheldenaction einen düsteren Horrorfilm über Identitätsverlust, Eitelkeit und die zerstörerische Sehnsucht nach Anerkennung. Regisseur James Watkins, der bereits mit (dem Reamke) "Speak No Evil" sein Gespür für unangenehme Spannung bewiesen hat, verbindet grotesken Body-Horror mit einem tragischen Charakterdrama - und macht aus einer eher unbekannten Comicfigur einen überraschend reizvollen Antihelden. Im Mittelpunkt steht der Schauspieler Matt Hagen, dessen vielversprechende Karriere durch eine brutale Entstellung jäh endet. In seiner Verzweiflung lässt er sich auf eine experimentelle Behandlung der Wissenschaftlerin Caitlyn Corr ein. Was zunächst wie ein medizinisches Wunder wirkt, entwickelt sich zum Albtraum: Hagens Körper verändert sich auf erschreckende Weise, während sein Wunsch nach Rache zunehmend die Kontrolle übernimmt. Die Geschichte verbindet damit den klassischen Monsterfilm mit einer bitteren Satire auf Hollywoods Schönheitswahn und eine Branche, in der der äußere Schein oft mehr zählt als der Mensch dahinter.

Tom Rhys Harries ist das Hauptargument für "Clayface". Er trägt den Film mit einer intensiven, körperlich anspruchsvollen Leistung und macht Hagens Verwandlung vom verletzten, verzweifelten Mann zum bedrohlichen Monster nachvollziehbar, ohne die Figur auf ein bloßes Opfer zu reduzieren. Auch Naomi Ackie überzeugt als Caitlyn Corr, die weit mehr ist als die obligatorische Wissenschaftlerin im Horrorszenario. Zwischen beiden entsteht eine emotionale Verbindung, die dem Film zusätzliche Tragik verleiht. David Dencik sorgt als skrupelloser Gegenspieler für unangenehme Präsenz, während Max Minghella in der Rolle des Polizisten John Borrelli einen passenden Kontrast setzt. Die größte Stärke liegt allerdings im handfesten Horror. Verstörende Make-up-Arbeit, überzeugende praktische Effekte und drastische Körperveränderungen sorgen für Bilder, die man nicht so schnell vergisst. Watkins hält dabei erfreulich wenig Abstand zum Geschehen: Verletzungen, Verformungen und körperlicher Verfall werden nicht nur angedeutet, sondern mitunter genüsslich ausgespielt. Und diese Mischung aus Ekel, Tragik und makabrem Humor verleiht dem Film eine angenehm eigenständige Note. Die düstere Bildgestaltung und Volker Bertelmanns Filmmusik unterstützen die unheilvolle Atmosphäre, auch wenn Gotham nicht immer so lebendig und bedrohlich wirkt, wie es die Geschichte verdient hätte.

Dass "Clayface" weitgehend ohne bekannte Superhelden und große Verknüpfungen zum DC-Universum auskommt, ist ein weiterer Pluspunkt. Der Film funktioniert auch ohne umfangreiches Comicwissen und erinnert eher an klassische Monster- und Body-Horror-Filme als an ein gewöhnliches Franchise-Abenteuer. Das Drehbuch von Mike Flanagan und Hossein Amini greift dabei interessante Fragen nach Selbstbild, Schönheit und Menschlichkeit auf. Allerdings bleiben einige dieser Ansätze eher angerissen, und die Mischung aus Liebesgeschichte, Rachethriller und Tragödie findet nicht immer zu einer überzeugenden Balance. Vor allem im letzten Drittel wird die Handlung vorhersehbarer und verliert etwas von ihrer psychologischen Tiefe. Doch am Ende ist "Clayface" ein mutiger, handwerklich starker DC-Film, der mit seinem grotesken Körperhorror, einem überzeugenden Hauptdarsteller und einer angenehm erwachsenen Ausrichtung aus dem üblichen Superheldeneinerlei heraussticht. Nicht jede dramatische Idee geht auf, und das Finale schöpft das Potenzial der Figur nicht vollständig aus. Doch die intensive Atmosphäre, die einprägsamen Schreckmomente und die tragische Grundidee überwiegen. Ein sehenswertes Horror-Experiment, das zeigt, wie spannend Comicverfilmungen sein können, wenn sie sich trauen, wirklich hässlich zu werden.

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: DC Studios/Domain Entertainment/6th & Idaho Motion Picture Company/Troll Court Entertainment/The Safran Company