Freitag, 24. Juli 2026

153 Meter (2022)

https://www.imdb.com/de/title/tt27867935/
https://letterboxd.com/film/153-meter/

Lana (Michaela Caspar) verdient sich ihren Lebensunterhalt als Hausmeisterin. Gemeinsam mit ihrer Mutter lebt sie unter einem Dach in einer kleinen Wohnung. Um auf andere Gedanken zu kommen und ihrem tristen Alltag zu entfliehen, beobachtet sie durch eine Videokamera eine Frau im gegenüberliegenden Wohnblock. Dabei baut sie in ihrer Fantasie eine innige Beziehung zu ihr auf. Eines Tages sieht sie das Glück ihrer neuen Freundin bedroht und verlässt daraufhin ihre Position als stille Beobachterin und greift in das Geschehen ein.

Mit seinem Langfilmdebüt "153 Meter" erzählt Regisseur Anton von Heiseler eine Geschichte, die auf den ersten Blick wie ein Psychothriller beginnt, sich jedoch zunehmend als sensibles Drama über Einsamkeit und unerfüllte Sehnsüchte entpuppt. Das Ergebnis ist ein ungewöhnlicher deutscher Independentfilm, der sich bewusst Zeit nimmt und sein Publikum eher beobachten als unterhalten möchte. Von Heiseler interessiert sich dabei weniger für Spannung im klassischen Sinn als für die Frage, wie Isolation und unerfüllte Wünsche das Verhalten eines Menschen verändern können.

Michaela Caspars ruhige, nuancierte Darstellung der Lana macht sie zu einer Figur, deren Handlungen zwar nicht immer nachvollziehbar, ihre Gefühle jedoch jederzeit glaubwürdig wirken. Unterstützt wird sie von Emilia von Heiseler und Maria Luise Preuß, die dem kleinen Ensemble zusätzliche Authentizität verleihen. Die gesellen sich die nüchternen Bilder der Plattenbausiedlung, die bewusst reduzierte Farbpalette und die zurückhaltende Kamera. Gemeinsam erzeugen eine melancholische Atmosphäre, in der selbst alltägliche Situationen eine unterschwellige Spannung entwickeln. Diese ungewöhnliche Bildsprache und der Mut, viele Dinge offen zu lassen, statt sie eindeutig zu erklären, faszinieren. Allerdings entwickelt sich trotz der kurzen Laufzeit die Handlung nur langsam, Dialoge bleiben sparsam und manche Szenen wirken eher beobachtend als erzählend. Wenn man einen klassischen Thriller erwartet, dürfte man enttäuscht werden. Zudem bekommt man das Gefühl, dass der Film seine interessante Ausgangsidee erzählerisch nicht immer konsequent weiterentwickelt und dadurch stellenweise etwas distanziert wirkt. 

Damit wird "153 Meter" am Ende zu einem ruhigen, atmosphärischen Drama mit starken schauspielerischen Leistungen und einer eigenständigen visuellen Handschrift. Die Mischung aus Charakterstudie und psychologischer Spannung geht nicht immer vollständig auf, bietet aber genug interessante Ansätze, um sich deutlich vom üblichen deutschen Kinoprogramm abzuheben. Wenn man entschleunigtes Arthouse-Kino schätzt und sich auf die leisen Zwischentöne einlässt, wird man mit einem nachdenklichen und ungewöhnlichen Filmerlebnis belohnt.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: déjà-vu film UG

Donnerstag, 23. Juli 2026

Masters Of The Universe (2026)

https://www.imdb.com/title/tt0427340/
https://letterboxd.com/film/masters-of-the-universe-2026/

Der gerade einmal zehn Jahre alte Prinz Adam (Artie Wilkinson-Hunt) gelangt über ein magisches Portal auf die Erde und wird dabei von seinem mächtigen magischen Schwert getrennt, das ihn mit seiner Heimat Eternia verbindet. Erst fast zwei Jahrzehnte später findet er (Nicholas Galitzine) die kraftvolle Klinge wieder und wird durch ihre magischen Kräfte durch das All zurück auf seinen mittlerweile ziemlich anders aussehenden Heimatplaneten gewirbelt. Der wurde nämlich während seiner Abwesenheit von Skeletor (Jared Leto) übernommen und während dieser Schreckensherschaft regelrecht in Schutt und Asche gelegt. Um Skeletor also besiegen zu können, muss Prinz Adam erst einmal die Geheimnisse seiner eigenen Vergangenheit aufdecken und zu He-Man, dem mächtigsten Mann des Universums, werden. Zum Glück kann er dabei auch auf seine engsten und treuesten Verbündeten zählen: Teela (Camila Mendes) und Duncan aka Man-at-Arms (Idris Elba)...

Es gibt kaum eine Marke aus den 1980er-Jahren, die so stark mit einer ganzen Generation verbunden ist wie "Masters Of The Universe". He-Man, Skeletor, Castle Grayskull und die Welt Eternia waren zu Ende der 1980er/Beginn der 1990er Jahre nicht nur Bestandteile einer erfolgreichen Spielzeugreihe von Mattel, sondern ein kulturelles Phänomen, das durch die Zeichentrickserie Millionen Kinder erreichte. Der Versuch, diese farbenfrohe Fantasywelt erneut auf die große Leinwand zu bringen, war daher von Anfang an eine schwierige Aufgabe. Nach fast vier Jahrzehnten erhält die Reihe nun eine neue Realverfilmung - und "Masters Of The Universe" ist vieles gleichzeitig: nostalgische Liebeserklärung, modernes Fantasy-Abenteuer und deutlich sichtbares Franchise-Projekt. Regisseur Travis Knight entscheidet sich dabei nicht für eine radikale Neuinterpretation, sondern versucht, den ursprünglichen Geist der Marke in ein zeitgemäßes Blockbuster-Gewand zu übertragen. Die Geschichte führt Prince Adam zurück nach Eternia, nachdem das Königreich unter der Herrschaft von Skeletor ins Chaos gestürzt wurde. Gemeinsam mit Teela und Man-At-Arms muss Adam nicht nur seine wahre Bestimmung akzeptieren, sondern auch verstehen, was es bedeutet, He-Man zu sein. 


Äußerst positiv dabei ist, dass der Film seine eigene Absurdität versteht. "Masters Of The Universe" war schon immer eine ungewöhnliche Mischung aus Science-Fiction, Fantasy, Barbarenepos und Superheldengeschichte. Ein muskelbepackter Held mit magischem Schwert, ein schwebendes Zauberschloss und ein blauhäutiger Bösewicht mit Totenschädel als Gesicht sind Elemente, die leicht unfreiwillig komisch wirken könnten. Der Film versucht deshalb nicht, diese Eigenheiten zu verstecken, sondern nimmt sie an. Genau diese Mischung aus Ernsthaftigkeit und Augenzwinkern gehört zu den gelungensten Entscheidungen der Neuverfilmung. Der Film tut die Vorlage nicht einfach ironisch ab, sondern versteht ihre übertriebene Energie als Teil ihres Charmes.


Auch wenn er nach den ersten Teaser/Trailer Unmut unter den Fans auslöste, weil er eben nicht so muskelbepackt auftrat wie ein Arnold Schwarzenegger oder ein Sylvester Stallone (oder damals Dolph Lundgren) - Nicholas Galitzine überzeugt als Prince Adam und findet eine gute Balance zwischen verletzlichem Außenseiter und klassischem Fantasyhelden. Sein He-Man ist eben weniger die unantastbare Muskelikone der 1980er-Jahre, sondern eine Figur, die erst lernen muss, Verantwortung zu übernehmen. Gerade diese menschlichere Interpretation verleiht der Geschichte eine emotionale Ebene, die dem Originalfilm von 1987 weitgehend fehlte. Die übrige Besetzung funktioniert ebenfalls überraschend gut. Camila Mendes verleiht Teela mehr Eigenständigkeit und Präsenz als viele frühere Versionen der Figur. Idris Elba bringt als Man-At-Arms die notwendige Autorität mit und bildet einen überzeugenden Gegenpol zum jugendlicheren Adam. Der heimliche Höhepunkt ist jedoch Jared Leto als Skeletor. Seine Darstellung ist bewusst überzeichnet, beinahe cartoonhaft, aber genau deshalb passend zur Welt von "Masters Of The Universe". Während Frank Langella im Film von 1987 noch mit klassischer Theatralik beeindruckte, setzt Leto stärker auf exzentrische Energie und grotesken Humor.

Im Vergleich zum Original zeigt sich besonders deutlich, wie sehr sich die Erwartungen an Fantasyfilme verändert haben. Gary Goddards erste Realverfilmung war damals ein ambitioniertes Projekt, litt aber unter Budgetproblemen und der Entscheidung, große Teile der Handlung auf die Erde zu verlagern. Trotzdem besitzt der Film heute einen gewissen Kultstatus - nicht zuletzt wegen Frank Langellas engagierter Darstellung als Skeletor. Dolph Lundgren sah zwar zweifellos wie He-Man aus, blieb als Schauspieler jedoch eher eindimensional.


Die neue Version macht vieles professioneller. Eternia sieht endlich so aus, wie man es sich seit Jahrzehnten vorgestellt hat: gewaltige Landschaften, futuristische Technologie, fantastische Kreaturen und beeindruckende Schauplätze. Die visuellen Effekte und das Produktionsdesign gehören eindeutig zu den Höhepunkten. Während der Film von 1987 häufig gegen seine begrenzten Möglichkeiten ankämpfte, kann die Neuauflage aus dem Vollen schöpfen.

Gleichzeitig verliert der neue Film aber auch etwas von der simplen Abenteuerfreude seines Vorgängers. Das Drehbuch möchte gleichzeitig Ursprungsgeschichte, Fan-Hommage und Startpunkt für eine neue Filmreihe sein. Dadurch wirkt die Handlung stellenweise überladen. Manche Figuren werden eher eingeführt als wirklich entwickelt, und einige emotionale Momente funktionieren weniger stark, weil der Film zu viele Handlungsstränge gleichzeitig bedienen möchte. Die Action ist solide, aber nicht revolutionär. Die Kämpfe sind spektakulär inszeniert und profitieren von moderner Technik, erreichen aber nicht die kreative Wucht großer Fantasy-Blockbuster wie "Der Herr der Ringe", "Dune" oder selbst der besten Marvel-Produktionen. Der Film lebt weniger von bahnbrechenden Ideen als von seiner Atmosphäre und der Freude daran, diese ungewöhnliche Welt endlich wieder ernst genommen auf der Leinwand zu sehen. Letztlich ist genau "Masters Of The Universe" ein zweischneidiges Schwert (ja, die Anspielung ist beabsichtigt): der Film versteht, warum Menschen diese Figuren lieben, wagt aber nicht immer genug, um daraus etwas wirklich Neues zu erschaffen. Er ist respektvoll, unterhaltsam und handwerklich gelungen - aber selten überraschend.

"Masters Of The Universe" ist letztlich eine solide und sympathische Rückkehr nach Eternia, die den Charme der Vorlage bewahrt und gleichzeitig versucht, die Marke für ein modernes Publikum neu zu etablieren. Nicholas Galitzine überzeugt als He-Man, Jared Leto liefert einen herrlich überdrehten Skeletor und die Welt sieht endlich so groß aus, wie sie immer gedacht war. Dennoch bleibt der Film zwischen Nostalgie und Franchise-Aufbau gefangen und erreicht nicht ganz die epische Größe, die seine Vorlage verdient hätte. Damit bleibt am Ende der Gedanke, dass dies für den geneigten Fan der 1980er-Jahre ein liebevoller Neustart ist, für Neueinsteiger eher ein unterhaltsames Fantasy-Abenteuer - aber kein neuer Klassiker des Genres.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkEscape Artists/Mattel Studios/Amazon MGM Studios

Cruel Intentions 2 - Eiskalte Engel 2 (2000)

https://www.imdb.com/de/title/tt0196267/
https://letterboxd.com/film/cruel-intentions-2/

Sebastian Valmont (Robin Dunne) zieht zu seinem Vater Edward (David Mcllwraith) nach New York, der dort die vermögende Tiffany Merteuil (Mimi Rogers) geheiratet hat. Gemeinsam mit Tiffanys Tochter Kathryn (Amy Adams) wird Sebastian eine elitäre Schule besuchen. Während er sich dort sehr gut einlebt, ist das Verhältnis zwischen ihm und Kathryn angespannt, weil seine Stiefschwester ständig ihre arrogante Art heraushängen lässt. So kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den beiden, die oft mit einem Punktsieg für Sebastian enden. Aber Kathryn gibt nicht auf und will unbedingt die Oberhand gewinnen, um ihren Einfluss, den sie aufgrund zahlreicher Intrigen bereits in der Schule besitzt, auch auf Sebastian ausdehnen zu können. Der gefällt sich hingegen als neuer Freund von Danielle Sherman (Sarah Thompson), der Tochter des Schuldirektors, um so seinerseits Einfluss zu gewinnen...

Prequels haben es oft schwer - besonders dann, wenn sie einem Kultfilm wie "Eiskalte Engel" folgen. "Eiskalte Engel 2" erzählt die Vorgeschichte von Sebastian Valmont und Kathryn Merteuil, erreicht dabei jedoch nie die Raffinesse, den Biss oder die elegante Boshaftigkeit des Originals. Immerhin gelingt es Regisseur Roger Kumble, die luxuriöse Welt der reichen Privatschüler erneut stilvoll in Szene zu setzen. Amy Adams sticht als junge Kathryn hervor und verleiht ihrer Figur bereits jene manipulative Kälte, die später von Sarah Michelle Gellar ikonisch verkörpert wurde. Auch Robin Dunne schlägt sich als jüngerer Sebastian ordentlich, wenngleich ihm das Charisma von Ryan Phillippe fehlt.

Die größten Schwächen liegen im Drehbuch. Viele Dialoge wirken bemüht provokant, die Figuren bleiben oberflächlich und die Handlung hangelt sich von Intrige zu Intrige, ohne dabei echte Spannung oder emotionale Fallhöhe zu entwickeln. Hinzu kommt, dass der episodische Ursprung des Films jederzeit spürbar bleibt: Die Geschichte wirkt sprunghaft und verliert im Mittelteil deutlich an Tempo. "Eiskalte Engel 2" bietet damit zwar einen interessanten Blick auf die Anfänge seiner Hauptfiguren und profitiert von einer frühen, überzeugenden Performance von Amy Adams; als eigenständiges Drama fehlt es dem Film jedoch an Esprit, erzählerischer Geschlossenheit und der provokanten Eleganz, die den ersten Teil so unterhaltsam gemacht haben. Solide Genrekost für Komplettisten - mehr aber auch nicht.

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkNewmarket Capital Group/Original Film/Columbia TriStar Television

Bull Shark 3 (2024)

https://www.imdb.com/de/title/tt28498914/
https://letterboxd.com/film/bull-shark-3/

Ein Jahr nach den blutigen Ereignissen scheint der Schrecken am texanischen See noch immer nicht vorbei zu sein. Als erneut Menschen spurlos verschwinden und immer mehr Hinweise auf eine tödliche Bedrohung im Wasser auftauchen, müssen Spencer Timms (Thom Hallum), Nolan Holt (Billy Blair) und Sheriff Wilcox (Tom Zembrod) ein letzztes Mal gegen ihren gefährlichsten Gegner antreten. Doch diesmal lauert nicht nur ein einzelner Bullenhai in den Tiefen des Sees. Während die Bewohner um ihr Überleben kämpfen, entwickelt sich der Kampf gegen die gnadenlosen Jäger zu einer alles entscheidenden Konfrontation, bei der Mut, Zusammenhalt und jede Sekunde zählen.

Mit "Bull Shark 3" schließt Regisseur Brett Bentman seine Low-Budget-Hai-Trilogie ab - und liefert dabei den wohl unterhaltsamsten, aber längst nicht besten Teil der Reihe. Diesmal sieht sich die Kleinstadt in Texas gleich mehreren Bullenhaien gegenüber, was zumindest für etwas mehr Tempo und eine höhere Angriffsdichte sorgt als in den beiden Vorgängern. Positiv fallen erneut die sympathischen Hauptfiguren um Spencer Timms und Nolan Holt sowie die ländliche Kulisse auf, die der Reihe einen eigenen Charme verleiht. Die kurze Laufzeit verhindert größere Längen, und Fans klassischer B-Movies dürften an den bewusst einfachen Creature-Feature-Qualitäten durchaus ihren Spaß haben.

Die bekannten Schwächen bleiben jedoch bestehen. Das geringe Budget ist jederzeit sichtbar: Die CGI-Haie wirken oft unfertig, die Dialoge bleiben hölzern und die Handlung wiederholt viele Ideen der ersten beiden Filme, ohne dem Finale einen echten Höhepunkt zu spendieren. Die vorhersehbare Geschichte und die insgesamt niedrigen Produktionswerte sorgen nach wie vor nicht für einen guten Film - nicht einmal auf B-Movie-Niveau. Damit beendet "Bull Shark 3" die Trilogie solide, ohne dabei echte Akzente zu setzen. Wer bereits die ersten beiden Filme mochte, bekommt noch einmal genau das, was er erwartet – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Für Fans günstiger Tierhorrorfilme reicht das zu kurzweiliger Unterhaltung, für alle anderen bleibt der Film ein austauschbarer Genrevertreter.

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkB22 Films/ITN Distribution

Mittwoch, 22. Juli 2026

Bull Shark 2 (2024)

https://www.imdb.com/de/title/tt28226423/
https://letterboxd.com/film/bull-shark-2/

Ein friedlicher See in Texas wird erneut zum Schauplatz eines tödlichen Albtraums. Als nach dem Verschwinden mehrerer Kinder die Sorge in der kleinen Gemeinde wächst, kehrt der ehemalige Wildhüter Spencer Timms (Thom Hallum) widerwillig zurück, um bei der Suche zu helfen. Gemeinsam mit Nolan Holt (Billy Blair), Sheriff Wilcox (Tom Zembrod) und weiteren Helfern stößt er auf eine tödliche Bedrohung, die sich lautlos unter der Wasseroberfläche verbirgt. Schon bald beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem jeder Ausflug ans Wasser zur lebensgefährlichen Mutprobe wird. Denn im See lauert ein gnadenloser Jäger, der erneut auf Beute aus ist.

Mit "Bull Shark 2" setzt Regisseur Brett Bentman die Geschichte um den Bullenhai im texanischen See konsequent fort. Die Fortsetzung orientiert sich dabei stark am ersten Film, wirkt insgesamt aber etwas straffer und bietet zumindest etwas mehr Hai-Action. Das reicht zwar nicht für einen großen Sprung nach vorn, sorgt aber für kurzweilige Unterhaltung im B-Movie-Bereich. Positiv fällt erneut die ländliche Texas-Kulisse auf, die dem Film einen eigenständigen Charme verleiht. Thom Hallum und Billy Blair harmonieren als ungleiches Duo gut miteinander und verleihen ihren Figuren trotz des einfachen Drehbuchs eine sympathische Bodenständigkeit. Auch das Erzähltempo ist höher als im Vorgänger, sodass weniger Leerlauf entsteht und die Handlung schneller auf den Punkt kommt.

Dennoch bleiben die Schwächen offensichtlich. Die Spezialeffekte wirken erneut häufig zu künstlich, viele Dialoge sind hölzern und die Geschichte bietet kaum Überraschungen. Statt neue Ideen einzubringen, setzt "Bull Shark 2" weitgehend auf bekannte Muster und wiederholt viele Elemente des ersten Teils. "Bull Shark 2" ist damit eine kleine Steigerung gegenüber dem Vorgänger und bietet Fans günstiger Tierhorrorfilme solide Unterhaltung. Wer über das niedrige Budget hinwegsehen kann, bekommt einen harmlosen Creature-Feature-Abend geboten. Wirklich aus der Masse der Haifilme herausragen kann die Fortsetzung allerdings nicht.

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkB22 Films/ITN Distribution

Bull Shark (2022)

https://www.imdb.com/de/title/tt14912006/
https://letterboxd.com/film/bull-shark/

Auf ungeklärte Weise sind offenbar einige extrem aggressive Bullenhaie in einen großen See in Texas gelangt. Das jedenfalls analysiert der bedenklich stark dem Alkohol zusprechende Wildhüter Spencer Timms (Thom Hallum), als er an das Gewässer gerufen wird, in dem die Leiche einer zerfleischten Urlauberin treibt. Obwohl Timms und Gerichtsmedizinerin Hamlin (Tiffany McDonald) sie anflehen, den See für Badegäste zu sperren, weigern sich Sheriff Wilson (Derrick Redford) und Bürgermeister Groves (Richard Ray), es zu tun. Schließlich wollen beide in der Gegend, die nahezu allein vom Tourismus lebt, wiedergewählt werden. So sieht Timms sich gezwungen, sich mit dem lokalen Waffennarren Nolan (Billy Blair) sowie seiner mit Sprengstoff hantierenden Ex-Frau Dottie (Lindsey Marie Wilson) zusammenzutun, um auf eigene Faust auf Haifischjagd zu gehen.

Haifilme mit überschaubarem Budget haben es traditionell schwer - und "Bull Shark" bildet hier leider keine Ausnahme. Regisseur Brett Bentman verlegt die Handlung an einen texanischen See, in dem ein Bullenhai Jagd auf ahnungslose Badegäste macht. Die Idee, einen Süßwassersee zum Schauplatz zu machen, ist durchaus reizvoll und biologisch sogar plausibel, da Bullenhaie tatsächlich Flüsse und Seen besiedeln können. Aus dieser interessanten Ausgangslage macht der Film jedoch nur wenig und bietet eine weitestgehend spannungsarme Inszenierung.

Wenn man positive Aspekte in diesem Film sucht, dann sind es die stimmungsvollen Landschaftsaufnahmen sowie der Versuch, den Fokus stärker auf die Bewohner der Kleinstadt als auf reine Hai-Action zu legen. Thom Hallum schlägt sich als Wildhüter Spencer Timms ordentlich, und auch Billy Blair sorgt mit seiner Figur Nolan Holt für den einen oder anderen sympathischen Moment. Doch große Teile der ohnehin kurzen Laufzeit bestehen aus langatmigen Dialogen und wenig spannenden Ermittlungen, während der titelgebende Hai erstaunlich selten in Erscheinung tritt. Wenn er schließlich auftaucht, wirken die digitalen Effekte oft wenig überzeugend und können mit Genreklassikern wie "Der weiße Hai" oder modernen Vertretern wie "The Shallows" und "Crawl" zu keinem Zeitpunkt mithalten. Die dünne Handlung, die flachen Figuren und das deutlich sichtbare Low-Budget-Niveau bremsen den Film immer wieder aus. Für eingefleischte Fans von Tierhorror mag der Film noch einen gewissen B-Movie-Charme besitzen, insgesamt bleibt er jedoch deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück.

4/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkB22 Films/ITN Distribution

Jusqu’au déclin - The Decline - Bis zum Untergang (2020)

https://www.imdb.com/de/title/tt10307440/
https://letterboxd.com/film/the-decline/

Familienvater Antoine (Guillaume Laurin) nimmt an einem Überlebenstraining teil. Alain (Réal Bossé) führt es in seinem autarken Refugium durch. Dabei werden Antoine und der Rest der Gruppe auf einen ökologischen, wirtschaftlichen oder sozialen Zusammenbruch der Gesellschaft vorbereitet. Sie absolvieren Übungen, die sie auf jede nur denkbare Art einer Katastrophe vorbereiten. Aber es kommt letztlich zu einem Szenario, auf das sich niemand vorbereitet hat...

Dass Netflix zunehmend internationale Genrefilme fördert, hat in den vergangenen Jahren immer wieder zu kleinen Überraschungen geführt. "Bis zum Untergang", das Regiedebüt des kanadischen Filmemachers Patrice Laliberté, gehört zweifellos dazu. Der Thriller verzichtet auf große Stars, spektakuläre Effekte oder komplizierte Mythologien und konzentriert sich stattdessen auf eine ebenso einfache wie wirkungsvolle Frage: Wie schnell zerfällt eine Gemeinschaft, wenn aus einer theoretischen Katastrophenvorbereitung plötzlich bitterer Ernst wird? Was "Bis zum Untergang" von vielen vergleichbaren Survival-Thrillern unterscheidet, ist seine erstaunlich nüchterne Herangehensweise. Patrice Laliberté macht sich weder über Survivalisten lustig noch verklärt er ihre Weltanschauung. Stattdessen betrachtet er diese Menschen mit einer bemerkenswerten Neutralität. Sie sind keine fanatischen Endzeitprediger, sondern Individuen mit nachvollziehbaren Ängsten und unterschiedlichen Motiven. Gerade dadurch wirkt der Film glaubwürdiger als viele Hollywoodproduktionen, die ähnliche Themen häufig in Schwarz-Weiß-Malerei auflösen.

Besonders die erste Filmhälfte entwickelt eine intensive Spannung. Die Ausbildung im Camp vermittelt authentisch den Eindruck, dass die Teilnehmer tatsächlich Fähigkeiten für Extremsituationen erlernen. Gleichzeitig entsteht zwischen den Figuren eine unterschwellige Unsicherheit. Kleine Meinungsverschiedenheiten, unterschiedliche Moralvorstellungen und das dominante Auftreten Alains deuten bereits früh an, dass hier etwas eskalieren wird. Auch handwerklich überzeugt Laliberté auf ganzer Linie. Die verschneiten Wälder Québecs werden eindrucksvoll eingefangen und verleihen dem Film eine fast greifbare Kälte. Die Kamera nutzt die Weite der Landschaft geschickt, ohne den Eindruck von Isolation zu verlieren. Im Gegenteil: Je größer die Natur erscheint, desto aussichtsloser wirkt die Situation der Figuren. Unterstützt wird dies von einem zurückhaltenden Sounddesign, das lieber auf Wind, knirschenden Schnee und beklemmende Stille setzt als auf übertriebene musikalische Effekte.

Die Darsteller tragen entscheidend dazu bei, dass der Film funktioniert. Guillaume Laurin verkörpert Antoine angenehm bodenständig und vermeidet jede Form übertriebener Heldeninszenierung. Réal Bossé gelingt es als Alain, gleichzeitig väterlich, charismatisch und latent bedrohlich zu wirken. Gerade weil seine Figur nachvollziehbar bleibt, entfaltet der zentrale Konflikt seine Wirkung. Auch Marie-Evelyne Lessard überzeugt als Rachel mit einer ruhigen, glaubwürdigen Präsenz, die dem Film zusätzliche emotionale Erdung verleiht. Wo "Bis zum Untergang" allerdings etwas an Boden verliert, ist seine zweite Hälfte. Nachdem der eigentliche Thriller einsetzt, orientiert sich der Film stärker an bekannten Genrekonventionen. Die psychologische Spannung weicht zunehmend einer klassischen Verfolgungsjagd durch den Wald. Das bleibt zwar jederzeit spannend inszeniert, wirkt jedoch weniger originell als der sorgfältig aufgebaute Beginn. Aus einem ungewöhnlichen Charakterdrama wird schließlich ein durchaus solider, aber vertrauter Survival-Thriller.

Hinzu kommt, dass einige Nebenfiguren trotz ihrer interessanten Ansätze nur oberflächlich ausgearbeitet bleiben. Das liegt sicherlich auch an der kurzen Laufzeit von lediglich 83 Minuten. Einerseits verhindert diese unnötige Längen und sorgt für ein straffes Erzähltempo. Andererseits hätte man manchen Figuren und ihren moralischen Konflikten gerne etwas mehr Raum gegeben. Gerade die unterschiedlichen Vorstellungen darüber, was im Namen des Überlebens gerechtfertigt ist, hätten noch stärker vertieft werden können. Dennoch besitzt der Film eine bemerkenswerte Aktualität. Das Thema des Survivalismus, das in Zeiten von Klimakrisen, fragwürdigen politischen Entscheidungen und gesellschaftlicher Unsicherheit zunehmend Aufmerksamkeit erhält, bildet weit mehr als nur den Hintergrund für einen Thriller. Laliberté interessiert sich weniger für das Überleben in der Wildnis als für die Frage, wie schnell zivilisierte Regeln verschwinden, sobald Angst die Kontrolle übernimmt. Besonders gelungen ist dabei, dass der Film nie versucht, einfache Antworten zu liefern. Es gibt keine eindeutig guten oder bösen Figuren. Stattdessen zeigt "Bis zum Untergang", wie fragile soziale Strukturen sein können, wenn Misstrauen, Ideologie und Eigeninteresse aufeinandertreffen. Gerade diese Ambivalenz macht den Film interessanter als viele Genrekollegen.

"Bis zum Untergang" ist ein angenehm kompakter Survival-Thriller, der mit starker Atmosphäre, überzeugenden Darstellern und einer ungewöhnlich realistischen Herangehensweise punktet. Zwar verliert der Film im letzten Drittel etwas von seiner Eigenständigkeit und greift stärker auf bekannte Genremechanismen zurück, dennoch bleibt er bis zum Schluss spannend und thematisch relevant. Kein neues Meisterwerk des Survival-Kinos, aber ein intelligenter, handwerklich überzeugender Thriller, der beweist, wie viel Spannung auch ohne großes Budget entstehen kann.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Couronne Nord