Montag, 9. Juli 2018

[KINO] Hereditary - Hereditary: Das Vermächtnis (2018)

https://www.imdb.com/title/tt7784604/

Trotz einiger Tragödien in der Vergangenheit führt die Familie Graham, bestehend aus Mutter Annie (Toni Collette), ihrem Mann Steve (Gabriel Byrne) und ihren beiden gemeinsamen Kindern Peter (Alex Wolff) und Charlie (Milly Shapiro), ein recht beschauliches Leben in einem abgelegenen Haus am Waldrand. Annie ist Galeristin und baut für eine Ausstellung zu Hause aufwändige Miniaturmodelle, Peter schlägt sich mit den üblichen Teenagerproblemen rum und Charlie ist eine leicht schräge Außenseiterin. Doch als Annies Mutter Elen stirbt, das unangefochtene Familienoberhaupt, sehen sich die Grahams plötzlich mit reihenweise rätselhaften und unheimlichen Ereignissen konfrontiert. Nach und nach kommen sie einem grauenhaften Familiengeheimnis auf die Spur und müssen sich mit dem Schicksal auseinandersetzen, das ihnen ihre Ahnen hinterlassen haben…

"Hereditary" ist definitiv nichts für schwache Nerven. Schon der Trailer, der sehr inflationär auf dem FantasyFilmFest nights lief, hinterließ den Zuschauer mit einem interessiert-mulmigen Gefühl und der Film liefert auch, was man aufgrund dessen erwartet. Es ist kein Gruselfilm, der mit ewig vorhersehbaren Jump-Scares arbeitet und bei dem man sich mit einem Kreischen erschrecken würde, aber dieses Spielfilmdebüt hat schon seine Schock-Momente, die einem bis in den Magen fahren. Wobei man sagen muss, dass "Hereditary" eher ein Drama mit richtig guten Gruselelementen ist, als ein waschechter Horrorfilm, den so manch einer vielleicht erwarten würde. Der US-amerikanische Regisseur und Drehbuchautor Ari Aster setzt seine Gruselelemente spärlich ein, dafür sind diese dann aber auch um so effektiver. Er ist eindeutig ein geborener Meister des Grauens.

Aber das Gruseligste in "Hereditary", ein Film, der unterschwellig beständig ein unangenehmes Gefühl des Unwohlseins und der Angst beim Zuschauer erzeug, ist ein Geräusch. Es ist das Geräusch, das man macht, wenn man mit seiner Zunge schnalzt und diese in den Gaumen herunterschnellen lässt. "Klokk". Ein Geräusch, das man eher selten macht, es sei denn man wollte das Traben von Pferden imitieren. Aber Charlie Graham (Milly Shapiro), ein niemals lächelndes Mädchen von dreizehn Jahren, klokkt mit beunruhigender Häufigkeit. Sie wird von der Newcomerin Milly Shapiro so porträtiert, dass sie gleichzeitig Sympathie und tief sitzende Unruhe hervorruft. Dieses "Klokk" ist ihre akustische Signatur, ihr Geräusch, und ihr Bruder Peter (Alex Wolff), der ein paar Jahre älter als Charlie ist, hört selbst nach Einbruch der Dunkelheit noch dieses "Klokk" in der Ecke seines Schlafzimmers, auch wenn sie nicht da ist. Wolff porträtiert sensibel den älteren Bruder Peter als Teenager, der in gewissem Sinne nicht erwachsen wird - und das in einer psychologisch spröden Lebensphase, die ihn zwischen hier und jetzt hin- und her reißt. Und überhaupt: die meisten Leute in dem Film wissen selbst nicht recht, was sie glauben sollen oder wie sehr sie ihren Augen und Ohren trauen können. Die Mutter Annie (Toni Collette), kann nicht sagen, ob sie ihre eigenen Emotionen trauen kann. Ihre Mutter ist gerade gestorben, und Annie ist amüsiert oder halb beschämt darüber, dass sie sich nicht allzu traurig fühlt. Aber dann, wie sie bei der Beerdigung zu gibt, war ihre Mutter eine geheimnisvolle Person, die "eigene Rituale" besaß. Dieser Satz hallt durch die Geschichte wie ein Flüstern in einer Höhle. Szene um Szene trägt die hermetische Strenge eines Ritus, den Außenstehende - oder auch andere Mitglieder des Haushalts - vielleicht gar nicht verstehen. Dieses Gefühl der Inklusion ist eine Art Konserve. Annies Ehemann, Steve (Gabriel Byrne) passt perfekt dazu, ist undurchsichtig und düster und hat irgendwo auch sein Päckchen zu tragen. Aber man findet dies nie heraus, ebensowenig, was er für seinen Lebensunterhalt tut. Byrne spielt die Rolle des beständigen, uninteressanten, alles zusammenhaltenden (und versagenden) Vaters Steve angemessen solide. Und so wird jede Figur in diesem Film punktgenau beleuchtet, man erfährt nicht zu wenig, doch gerade über Charlie und Annie lernt man vielleicht mehr, als man sich eigentlich wünscht. Und was Toni Collette in der Hauptrolle der Annie angeht, so versetzt Aster sie wirklich in die Krise, indem sie ihren Leidensgenossen Probleme zufügt, die vergleichbar mit denen sind, die sowohl Essie Davis in "The Babadook" als auch Ellen Burstyn in "The Exorcist" erlitten hat.

"Hereditary", so merkt man, schwimmt gekonnt auf der aktuellen Welle des sogenannten neuen "American Horrors" mit, der so tolle Filme wie "A Quiet Place", "Get Out" oder "It Follows" hervorgebracht hat, fühlt sich aber dadurch eher inspiriert als abgelenkt. Aster spielt mit vielen als solche erkennbaren Ideen und Elementen, formt sie aber zu etwas, was einem frisch und unverbraucht erscheint. Ja, es gibt heidnische Symbole und Kerzenlicht-Séancen. Und es lauern fürchterliche Dinge in deren Schatten. Aber all dies wird ruhig und gekonnt erzählt und mit vertrauten Unsicherheiten gespielt, was letztlich in der Frage gipfelt, wer für unsere eigenen Unzulänglichkeiten verantwortlich ist: unsere Eltern? Wir selbst? Oder etwas ganz anderes? Mit wunderschöner Kubrick'scher Präzision und eleganten Trompe-l’œil-Techniken wird "Hereditary" präsentiert, von einem schleichenden Zoom in den Raum eines Modellhauses (das dann unmerklich, verstörend in das reale Haus übergeht), zu langen, gleitenden Single-Takes um die Graham-Familie herum, nach Hause, zum Widerschein von hellroten Lichtern in den tränenden Augen eines Charakters, zu den stechschnellen Schnitten, die den schon längst gebannten Zuschauer von Nacht zu Tag und wieder zurückschleudern.

Ein endzeitartiger, elektronischer Puls untermalt den größten Teil des Films dazu passend akustisch, so dass man auch aufgrund des Soundtracks unangenehm im Sessel hin- und herrutscht, selbst wenn das, was auf dem Bildschirm passiert, unschuldig oder banal erscheint. Alles wirkt bedrohlich. Und vor allem die Orte, an denen man sich am sichersten fühlen sollte. "Hereditary" ist verwirrend. Der Film hat den Nerv, zu behaupten, dass die soziale Einheit per Definition selbstbedrohend und dass das eigene Zuhause nicht länger ein Heiligtum ist, sondern eine bröckelnde Festung, die von innen belagert wird. Deshalb gibt es in Asters Film keine Ärzte und auch keine Detektive, die beide dringend benötigt werden, noch kommt ein Mann Gottes, wie er es in "Der Exorzist" tut, um Ängste zu stillen. "Hereditary" ist ein rohes Horror-Meisterwerk von einem Regisseur, das es jetzt schon wert ist, im selben Atemzug wie die Großen des Genres erwähnt zu werden. Selbst der abgestumpfteste Betrachter sollte hier etwas finden, um sich einmal mehr unbehaglich und gespannt unterhalten zu fühlen, denn nichts, kurz gesagt, kann Annie, Steve und den Kindern helfen, und sie können sich sicher nicht helfen, stationiert, wie sie in ihrem zarten Puppenhaus einer Welt sind. In diesem bemerkenswerten Film gibt es keinen Familienfluch. Die Familie ist der Fluch. Und diese Ausarbeitung des Themas ist nahezu genial.

8/10

Sonntag, 8. Juli 2018

Dead Man Walking - Dead Man Walking: Sein letzter Gang (1995)

https://www.imdb.com/title/tt0112818/

Der zum Tode verurteilte Häftling Matthew Poncelet (Sean Penn) warten schon seit sechs Jahren auf seine Urteilsvollstreckung. In einem Brief bittet er die eher unkonventionelle Nonne Schwester Helen Prejean (Susan Sarandon) um Hilfe, die noch nicht mit einem Schwerverbrecher zu tun hatte. Sie antwortet auf sein Schreiben und besucht ihn schließlich im Staatsgefängnis von New Orleans. Dort ist sie mit der von Bürokratie beherrschten Welt des Strafvollzugs konfrontiert und entschließt sich, dem Häftling trotz seiner ablehnenden Art und seines Zynismus zu helfen. Bei ihrem Versuch, den sicheren Tod Poncelets doch noch abzuwenden, muss sie erfahren, wie wenig ein Menschenleben für Politik, Behörden und Medien wert ist und sieht sich schließlich auch mit den Eltern der Opfern konfrontiert, die eine Vergeltung für den Mord an ihren Kindern einfordern. Schwester Prejean findet sich bald zwischen den Fronten wieder und wird von Selbstzweifeln geplagt. Ist es richtig, sich auf die Seite eines Mörders zu stellen?

"It's easy to kill a monster, but it's hard to kill a human being."

Tim Robbins inszeniert ein sehr ruhiges, ziemlich dialoglastiges, aber intensives und bewegendes Drama ohne Hollywood Verkitschungen mit sehr bemühtem Realismus. Viel zu sagen gibt es kaum über "Dead Man Walking". Es ist ein inhaltlich klar überschaubarer Film in allen Bereichen. Er ist sicher nicht leicht oder immer ganz einfach anzuschauen (ist auch schon über 20 Jahre alt und längst nicht so dynamisch wie heutige Filme), das jedoch macht der Inhalt und die im Film aufgeworfenen Fragen locker wieder wett. Susan Sarandon liefert eine starke Leistung ab, genauso wie Sean Penn als Häftling. Der gesamte Film dreht sich um die Frage, ob auch ein Mörder das Recht auf Liebe verdient, trotz seiner nicht leugbaren, schrecklichen Taten. Wo für Helens Umfeld und die Außenwelt der Sachverhalt relativ klar aussah, der Mord oder Mörder allgemein ist böse und verdient es hingerichtet zu werden, zeigt Helen trotz Widerständen auf, dass es noch einen anderen Weg gibt: den der Liebe und Vergebung, anders als wie die Eltern der Opfer durch den Tod des Täters auf Erleichterung/Gerechtigkeit zu hoffen. "Dead Man Walking" ist kein einfacher Film, bei dem sich die Spannung und Intention durch die Interaktion zwischen Schwester Helen und Häftling Matthew ergab. Die letzte halbe Stunde ist richtig packend. "Dead Man Walking" ist ein toller Film, ein wichtiger Film, ein Film der zum Nachdenken angeregt (immer ein Plus bei Filmen) und eine Art von Film, wie sie viel zu selten gemacht werden.

"I just don't see the sense in killing people to say killing people is wrong."

8/10

Freitag, 6. Juli 2018

[KINO] The First Purge (2018)

https://www.imdb.com/title/tt6133466/

Die Partei "Neue Gründungsväter Amerikas" will die Verbrechensrate im Land auf unter ein Prozent drücken. Die Idee: Einmal im Jahr sollen für zwölf Stunden alle Verbrechen legal sein, inklusive Diebstahl, Mord und Vergewaltigung. Dabei berufen sie sich auf die soziologischen Theorien der renommierten Psychologin Dr. Updale (Marisa Tomei). Beim ersten Probelauf der sogenannten "Purge" soll das Experiment auf den New Yorker Stadtteil Staten Island begrenzt sein und den Anwohnern wird eine Summe von 5.000 Dollar geboten, wenn sie sich an dem Experiment beteiligen. Doch als sich die zumeist armen Bürger mit verschiedenen kulturellen Hintergründen weigern, aufeinander loszugehen, beschließt die Regierung, selbst für eine ordentliche Purge zu sorgen. Die Anwohner bleiben jedoch nicht untätig: Der Drogenboss Dmitri (Y'lan Noel) führt eine Widerstandbewegung an, während die Aktivistin Nya (Lex Scott Davis) sich auf die Suche nach ihrem Bruder (Joivan Wade) begibt. Und bald schon greifen die Unruhen im gesamten Land um sich...

Mit "The First Purge" erlebt man nun den bereits vierten Teil des erfolgreichen Franchises und die Macher dachten sich wohl, "Warum nicht mal zeigen, wie das alles begann und ein Prequel machen, das den Lauf der Ereignisse vor "The Purge" in Gang setzt?". Und da man sich von vorherigem inhaltlichen Balast lösen wollte und am Ende des letzten Teils angedeutet wurde daß die böse "Purge" bald enden könnte, setzte man hier eben alles auf Null zurück und erzählt die Geschichte eines Experiments, der den Grundstein für die in den Filmen so heiß begehrte Tradition des "Purge" legt. Wie kam es eigentlich zu der berühmten Horrornacht, in der alle Verbrechen legal ist? "The First Purge" gibt eine Antwort darauf, jedoch keine, die sich in irgendeiner Form lohnen würde. Die gesellschaftskritischen Aspekte der Reihe werden hier fast völlig ignoriert.

Dabei ist es wohl eine Frage der Betrachtungsweise: das reine Grundthema ist weiterhin spannend und sicherlich ein gutes Diskussionsthema für den Stammtisch, allerdings machen es einem die farblosen Rollen und die unauffälligen Darsteller nahezu unmöglich irgendeinen emotionalen Bezug, zu dem was hier vorgeht, zu knüpfen. In Punkto Action und Gewalt gibt es nichts zu vermissen, allerdings verschiebt sich der Schwerpunkt etwas: da wo in den vorherigen Filmen oftmals darum ging das schräge Figuren in schrägen Masken metzeln ist es hier relativ geradlinige Action in der eigentlich nur geschossen wird, obendrein wird nochmal mit Ausrufezeichen betont wie im Grunde die Reichen die Armen ausrotten wollen. Das mag zwar nicht der beste Film sein, aber sehr wohl spannend und eine "nette" Diskussionsgrundlage.


Ohne Umschweife wird auch die aktuelle Trump-Regierung in abgewandelter, aber leicht erkennbarer Form kritisiert. Dies ist vor allem herrlich am Teaser-Poster mit dem ikonischen roten Basecap zu sehen - unten verlinkt - welches keinen Hehl daraus macht, was die Macher von der Regierung ihres Landes halten. Von großer Raffinesse zeugt dieses Drehbuch dennoch nicht. Aber zu sehen, dass Drogenbosse zu den Guten gehören können und Regierungsvertreter zu den Bösen, macht trotzdem ausreichend Spaß. Nach den wenigstens recht unterhaltsamen ersten beiden "Purge"-Filmen folgt mit dem vierten Teil der Tiefpunkt des Franchises. Und das, obwohl mit der Idee die Beweggründe der ersten Säuberung zu erzählen, durchaus interessantes Potential geboten wurde. Dieses wurde allerdings konsequent ignoriert. Eine uninspirierte Inszenierung, ebenso schwache Figuren wie Darsteller und eine etwas sinnentleerte Handlung, angesichts des großartigen Erstlings, komplettieren den Gesamteindruck.


Mit jedem neuen Film des "Purge"-Fanchise wird es zudem schwerer zu glauben, dass das alles nur eine Fantasie sein soll, denn selbst die leidenschaftlichsten Fans dürften die Abgestumpftheit des Films unangenehm zeitgemäß finden. Trotzdem dürfte auch dieser Teil erfolgreich genug werden um einen weiteren zu generieren. Es ist eine solide weitere "Purge"-Episode, die leider total an ihren bleichen Figuren krankt.

6/10

Death Wish V: The Face Of Death - Death Wish V (1994)

https://www.imdb.com/title/tt0109578/

Paul Kersey (Charles Bronson) hat seiner früheren Tätigkeit als Rachengel abgeschworen und lebt nun als Paul Stewart in einem Zeugenschutzprogramm. Zudem arbeitet der ehemalige Architekt mittlerweile als renommierter Professor für Architektur an der Universität und lebt mit seiner jungen Lebensgefährtin, der Modedesignerin und Ex-Model Olivia Regent (Lesley-Anne Down), und deren Tochter Chelsea (Erica Lancaster) zusammen. Das traute Glück und die geplante Hochzeit des Paares werden jedoch von Olivias tyrannischem Ex-Ehemann, dem Gangsterboss Tommy O’Shea (Michael Parks), überschattet. Er drängt sich immer mehr in ihr Leben und fordert sogar das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter. Als Kersey seine Freundin endlich überzeugt hat, vor Gericht gegen ihren verbrecherischen Ex auszusagen, setzt O’Shea, der durch den Polizisten Hector Vasquez (Miguel Sandoval) informiert wurde, einen Schläger auf Olivia an. Das Ex-Model wird bei diesem Anschlag misshandelt und dauerhaft entstellt. Zunächst setzt Kersey auf den Rechtsstaat, doch als immer mehr Zeugen sterben und auch Olivia Opfer von Killern wird, verliert er alles Vertrauen. Als auch noch Chelsea zu ihrem kriminellen Vater ziehen muss, erwacht der Racheengel in Kersey von Neuem zum Leben.

"Death Wish V" beendet die Reihe um den zum Racheengel gewordenen Paul Kersey (Charles Bronson) auf einem annehmbaren Niveau. Zwar weit weg von den Cannon-Produktionen ("Death Wish III: Der Rächer von New York" und "Death Wish 4: Das Weiße im Auge"), weit weg auch von den großartigen ersten Teilen, unterwirft sich Bronson der Regie von Damian Lee und spielt sich gewohnt stoisch, aber auch sichtlich gelangweilt durch einen Reißbrett-Racheplot, der von Lee nicht nur schlecht, sondern auch mit einem deutlichen Hang zum Sadismus inszeniert wird. Zumindest ist dieser Teil nicht sehr viel schlechter als die vorherigen und das ist auf jeden Fall noch über dem Durchschnitt. Die Handlung wirkt geradliniger und somit auch unkomplizierter. Bronson selbst sieht man noch immer gerne und die Inszenierung geht soweit auch in Ordnung. Das ist kurzweilige Unterhaltung, die ihre Highlights sicherlich in den Todesarten besitzt. Natürlich ist das anspruchslos, besitzt kaum eine Figurenzeichnung und mag auch etwas billiger erscheinen, doch Fans der Reihe werden damit dennoch etwas anzufangen wissen. Kurzum: ein paar nette Kills und den Bronson Bonus gibt es noch, mehr hat dieses DTV Sequel leider nicht zu bieten. Es erreicht weder die inszenatorische Klasse der ersten beiden Teile, noch die herrlich überdrehte Comicgewalt der Cannon Sequels 3 und 4. Brutales Mittelmaß.

5/10

Von NSM im Mediabook erschienen. Limitiert auf 888 Stück und erstmals in HD.

Charlie Wilson's War - Der Krieg des Charlie Wilson (2007)

https://www.imdb.com/title/tt0472062/

Für den Kongressabgeordneten Charlie Wilson (Tom Hanks) gehören Party und Politik untrennbar zusammen. In Las Vegas feiert er mit Stripperinnen und Kokain, während zuhause in seinem Büro nur Angestellte arbeiten, die über Idealmaße verfügen - "Charlie‘s Angels" eben. Politisch setzt sich Wilson für eine Unterstützung der Afghanen ein, die gerade im Krieg mit der Sowjetunion liegen. Der Texaner sitzt in einem Komitee, das zwischen der CIA und den Regierungsinstitutionen vermittelt. Dazu hat er die Hilfe einer Freundin in der Hinterhand. Joanne Herring (Julia Roberts) hasst nicht nur Kommunisten, sie ist auch eine der reichsten Frauen des Landes und verfügt über entsprechenden Einfluss. Wilson arbeitet sich in die Materie ein und will die Afghanen unterstützen. Er steigert das Budget für geheime Aktionen von fünf Millionen Dollar nach und nach immer weiter an, bis die Mudschahedin gut ausgerüstet einen sowjetischen Hubschrauber nach dem anderen vom Himmel holen. Im Hintergrund zieht der erfahrene FBI-Agent Gust Avrakotos (Philip Seymour Hoffman) die Fäden...

"Der Krieg des Charlie Wilson" ist jedoch sicher kein tiefgründiges Charakter-Drama, dass dem Zuschauer den Menschen Charlie Wilson Facette für Facetten offenbart und einen Einblick in die Tiefen seiner Seele erlaubt. Mike Nichols inszeniert hier vielmehr eine der treffsichersten Polit-Satiren der letzten Jahre und kann dabei vor allem bei den großartigen Dialogen aus den Vollen schöpfen. Sicher, das Thema ist ernst, vor allem aus heutiger Sicht und in Verbindung mit den immer noch anhaltenden Folgen, aber die Inszenierung verknüpft die unbestreitbare Ernsthaftigkeit so gekonnt mit einem zynischen Augenzwinkern, dass sich der Film nie an einen Punkt begibt, an dem der Humor zu kurz kommt. Wir begleiten Charlie Wilson auf seinem Weg, die afghanischen Freiheitskämpfer (heutige Taliban) zu unterstützen und das Finanzierungsbudget an allen Ecken und Enden unbemerkt aufzustocken. Dabei verkommt "Der Krieg des Charlie Wilson" aber zu keiner Sekunde zu einer trockenen Abarbeitung, die sich um staubige Fakten klammert und dem Zuschauer langsam den Schlaf in die Augen treibt, denn dafür ist die Erzählweise Nichols' einfach viel zu kurzweilig, ironisch, elegant und auch zu intelligent.

Das Drehbuch basiert auf der gleichnamigen Biographie von George Crile ("Charlie Wilson's War") und die einprägende Darstellung von Tom Hanks skizziert Wilson's Patriotismus und unanständigen Lebenswandel. Für den echten Wilson war das kein Gegensatz. Trotz allem war er ein Mann mit Prinzipien. Über die Folgen des Afghanistankrieges will sich der Film nicht auslassen. Das würde auch zu weit führen. Das Großartige an diesem Film ist, dass er sich nicht in rückwärtsgewandter Besserwisserei ergeht. Denn heute wissen wir, dass die Form der Kriegsführung, die die Mudschahedin gegen die Russen entwickelt haben, sich heute gegen den Westen richtet, vor allem in Afghanistan und im Irak. Der Perfektionismus dieses Films ist fast schon erschreckend. Allein schon wegen des äußerst unterhaltsam behandelten politischen Themas und der geschliffenen Dialoge von Aaron Sorkin dürfte jedem von der ersten Minuten an klar sein, dass man hier einen tatsächlich wohl durchdachten Film zu sehen bekommt. Fühlte sich der Klappentext eher trocken und wenig ansprechend an, so bekommt man anstelle eines stoisch abgearbeiteten Themas einen höchst erfrischenden Film zu sehen. Es ist ein kluger Schachzug gewesen, diesen Auszug eines Gesamtkontextes der Vergangenheit in eine Satire zu verpacken.
Mit Satire ist man ja bekanntermaßen so gut wie Vogelfrei.

Manch einer mag eine Satire vielleicht nicht als den richtigen Erzählstil empfinden. So ein nachhaltiges Ereignis sollte man ggf. ernsthafter adaptieren. Aber es passt hier so wunderbar. Die Aussage "These things happened. They were glorious and they changed the world... and then we fucked up the end game." (Charlie Wilson) bezieht sich auf die nach dem Krieg ausbleibende finanzielle Hilfe der USA zum Wiederaufbau Afghanistans. Damit sollte jeder, der sich für die Hintergründe des politischen Lebens interessiert, diesen Film mindestens einmal gesehen haben. Und wird bei jeder Sichtung neue aberwitzige Details entdecken, wie Politik funktionieren außerdem kann.

8,5/10

Unleashed - Danny The Dog - Unleashed: Entfesselt (2005)

https://www.imdb.com/title/tt0342258/

Danny (Jet Li) ist kein normaler Mensch, sondern ein Sklave, der zu einer tödlichen Kampfmaschine erzogen wurde. Er lebt wie in Hund in einem Loch im Boden, ohne jede menschliche Beziehung. Sein Besitzer Bart (Bob Hoskins) schickt Danny Nacht für Nacht in illegale, mörderische Gladiatorenkämpfe, bei denen er sehr gut an ihm verdient. Wann immer Bart seinem Haustier das Halsband abnimmt, kennt Danny nur noch eines: kämpfen, notfalls bis zum Tod. Doch mit so einem Vorgehen schafft man sich natürlich auch Feinde. Bart gerät in einen Hinterhalt, nur Danny kann schwer verletzt fliehen. Unterschlupf findet er beim blinden Musiker Sam (Morgan Freeman) und der bei ihm lebenden Victoria (Kerry Condon). Zunächst weiß Danny mit der ihm entgegen gebrachten Freundlichkeit wenig anzufangen, doch nach und nach beginnt das Eis zu schmelzen und es entwickelt sich ein inniges, fast schon familiäres Verhältnis zwischen den dreien. Allerdings wird das traute Beisammensein jäh unterbrochen: Bart lebt wider Erwarten noch und will seinen Killer zurück...

Es ist schon irgendwie erstaunlich wie es "The Transporter" Regisseur Louis Leterrier bei "Unleashed: Entfesselt" schafft, aus einer 08/15-Action-Klopperei-Story einen wirklich guten, unterhaltsamen und trotz der im Grunde typischen und einfachen Versatzstücke sehr unterhaltsamen Film zwischen Action und Drama zu schaffen. Wenn man diese Genres mixt kann da durchaus sehr interessanter Stoff herauskommen - "Unleashed" jedoch kombiniert zwei Ebenen die nicht passen - und doch wie ein Zahnrad ins andere greifen, denn wer auf Martial-Arts-Filme steht, wird sich an den üppigen, ultraharten und megabrutalen Actionpassagen erfreuen, den Dramapart in dem der Kampfmaschine Menschlichkeit beigebracht wird aber gähnend langweilig finden. Genau umgekehrt geht es dann mit den eher anspruchsvolleren Zuschauern die den hervorragend gespielten und besetzten Dramateil sehen wollen, aber von den entsetzlich brutalen Kloppereien abgeschreckt werden. Man muss also für beides empfänglich sein, dann kann man dem Film seine Pluspunkte abgewinnen.

Und so wechselt auch der in sehr tristen und grauen Tönen gehaltene Film immer wieder zwischen brutaler Gewalt, Action und Drama hin und her. Dieser Kontrast weiß empfänglichen und aufgeschlossenen Zuschauern sicher sehr gut zu gefallen und beweist, dass Actionfilme nicht immer komplett dämlich und dumm sein müssen. Zwar ist natürlich auch "Unleashed" weit von der Realität entfernt, vermittelt aber zwischen den gut gefilmten Kämpfen immer wieder die menschlichen Werte ohne aber zu albern oder abgestumpft zu wirken. Ein großer Pluspunkt ist natürlich die rasante Inszenierung und die tollen Kamerafahrten die Leterrier aus den "Transporter" Filmen übernommen und sogar verbessert hat.

Für Jet Li Fans bietet der Film die längste Dauerkampfsequenz aus Lis Filmographie, sowie etliche andere ungemein harte und blutige Schlägereien. Li bekommt es hin, den Teil des menschlichen Hundes glaubhaft zu vermitteln, da brauchen Charakterköpfe wie Morgan Freeman und Bob Hoskins (als bemerkenswertes Scheusal) nicht viel zu tun. Trotzdem: "Unleashed" ist ein wirklich sehr guter Actionfilm der durch seine etwas ungewöhnliche Mischung aus Action und Drama mal etwas anders und innovativ wirkt. Ein - zugegeben - etwas unhomogener Mix aus Action und Drama der in den jeweiligen Parts aber recht gut funktioniert, trotz der tristen Atmosphäre.

7,5/10

Dienstag, 3. Juli 2018

Return Of The Living Dead III (Unrated Version) (1993)

https://www.imdb.com/title/tt0107953/

Julie und Curt, ein junges Liebespärchen, brechen in ein geheimes Armeegelände ein. Dort beobachten sie, wie Tote mittels eines Gases reanimiert werden. In der selben Nacht haben beide einen Motorradunfall, bei dem Julie tödlich verletzt wird. Curt sieht nur einen Ausweg: Er kehrt mit ihr zum Versuchsgelände zurück, um sie reanimieren zu lassen. Anfangs scheint das Experiment geglückt, doch dann lassen die Nebenwirkungen nicht lange auf sich warten. Julie bekommt einen unstillbaren Hunger auf menschliches Fleisch und setzt damit eine wahre Zombiewelle in Gang...

Was mit "Return Of The Living Dead" als parodistische Antwort aufs Zombiegenre begann endet mit dem dritten Teil in diesem Zombie-Frankenstein-Liebesfilm-Verschnitt. Dieser dritte Teil, der die Ähnlichkeiten nur durch das Gas Trioxin und dem Name hat, ist einer der besten Teile der Reihe. Das mag wohl daran liegen, dass man hier nicht versucht ein Genre durch den Kakao zu ziehen, sondern eher versucht auf ernsterem Wege einen Zombiefilm zu kreieren, der nicht bloß auf das aus ist, was man grundlegend erwartet, sondern das Genre zu revolutionieren. Denn wer kennt das Schema nicht, die Story, einen geliebten Toten ins Leben zurückzurufen, weil man noch so sehr an ihm hängt. Das gab es in der Filmgeschichte noch nicht allzu oft, lediglich die "Re-Animator"-Reihe machte es bis dato vor. Der Goregehalt von "Return Of The Living Dead III" dürfte zwar mit "Bride Of Re-Animator" auf einer Wellenlänge liegen, aber inszenatorisch sind Welten dazwischen. Vom Grundtenor der Geschichte und seiner Umsetzung ohnehin, denn "Return Of The Living Dead III" baut sich auf wie ein Road Trip in die Hölle. Denn nach der Mutation von Julie zum besessen Zombie, der zwar reden und denken kann, ist tragischer denn je. Der Konflikt der beiden ist schon, für einen Horrorfilm sicherlich, absolut herzerweichend dargestellt, denn Curt versucht mit allen Mitteln Julie in ihren Fressangewohnheiten zu zügeln, denn natürlich entwickelt sich ihr Gehirn aufs Gehirn aus, keine Frage. Aber diese Trostlosigkeit, dieses besessene Verhalten, dass selbst Julie ungewollt niederstreckt, katapultiert die beiden in immer extremere Konflikte, vor allem weil Julie sich immer wieder versucht dagegen zu wehren. Das klappt nicht immer, aber dass ist auch gut so, denn sonst wären die absolut abartigen und guten Splattereffekte eher Mangelware.

Und damit weiss "Return Of The Living Dead III" wieder zu überzeugen und zu begeistern. Aber heißer als jeder Goreeeffekt ist natürlich die Wandlung von Julie, die als Darstellerin einfach nur sexy dargestellt wird. Kein Witz, aber damit bekommt der Film eh schon einen superdicken Bonus, das alles passt eh blendend zu dem minimalistischen leicht aufbruchähnlichen Charme der 90er mit seiner pseudorebellischen Rockerattitüde. Die Kulissen sind indes eher spärlich, das Versuchslabor eher zwangsläufig Mittel zum Zweck errichtet, aber weiss dennoch seine Funktion zu erfüllen. Die Zombies sind bissig, die Masken gelungen, wenn nicht sogar abartig großartig, nur einzig Julie hat insofern noch menschliche Eigenschaften und kann sich wenigstens ansatzweise kontrollieren, auch wenn sie immer mehr zum Tier wird. Diese Wandlung und vorallem ihre Schmerzen mildert sie durch gewissen Körperschmuck wie Glasscherben, Sicheln, Nieten, Nägel und diverse andere spitze und tödliche Utensilien, die sie an ihrem Körper anbringt. Das ist nicht nur irgendwie leicht krank, sondern fasziniert auch noch den Zuschauer, nicht nur dass sie jetzt eine Art Panzerung hat, sondern damit auch noch rattenscharf aussieht. Kaum zu glauben, aber zumindest endet das Ganze dann in einem herrlich blutigen Massaker in einer Kanalisation. So süffig war ein Ende noch nie. Blut vermengt sich mit Kanalwasser. Ein herrlich morbides Bild, ein Zombie als beschmückte Rocker und Powerbraut und Kämpfe bis die Köpfe und Eingeweide rollen. Herrlich. "Return Of The Living Dead III" ist anders, aber vor allem tragisch, blutig, reizend und inszenatorisch absolut unterhaltend. Selten war Zombiekino so vielfältig, so charmant und bildhübsch. Aber vorallem: Gore en masse, das weckt jedes Splatterherz, und womöglich noch die Tränendrüse am Ende.

7,5/10

Von KOCH Media erschien der Film im limitierten Mediabook. Dieses beinhaltet den ungeschnittenen Film auf Blu-ray und DVD, sowie jede Menge Bonusmaterial.