Sonntag, 5. Juli 2026

Piranha 3DD - Piranha 2 (2012)

https://www.imdb.com/title/tt1714203/

Es ist wieder etwas im Wasser! Und dieses Mal ist niemand vor den fleischfressenden Fischen mit messerscharfen Zähnen sicher. Denn jetzt schwimmen die monsterhaften Räuber aus der Urzeit stromaufwärts, in Richtung des Big Wet Water Parks, einer der meistbesuchten Attraktionsorte des Sommers. Fast ein Jahr nach den Geschehnissen im Lake Victoria macht sich eine Schar der äußerst angespannten und vor allem blutdürstige Piranhas auf, um ein Wasser-Massaker anzurichten und dabei kein einziges Körperteil unverschont zu lassen. Die resolute Maddy (Danielle Panabaker) und ihre beiden Freunde Kyle (Chris Zylka) und Barry (Matt Bush) beschließen dem blutigen Wahnsinn ein Ende zu bereiten und gehen dabei in die Offensive. Mit allen Mittel, die sie zu Verfügung haben, tauchen sie tief hinab, um es mit den überproportionierten Fleischfressern aufzunehmen...

Mit "Piranha 3D" gelang Alexandre Aja 2010 ein überraschend unterhaltsames Remake, das seinen B-Movie-Charme mit kreativen Splattereffekten und einer gehörigen Portion Selbstironie verband. Die Fortsetzung "Piranha 3DD" versucht, diesen Erfolg zu wiederholen - setzt dabei jedoch fast ausschließlich auf das Motto "mehr ist mehr". Mehr Gore, mehr Albernheiten, mehr nackte Haut und noch absurdere Ideen. Das Problem ist nur: Mehr bedeutet eben auch nicht automatisch besser. Schon nach wenigen Minuten wird deutlich, dass Regisseur John Gulager gar nicht erst versucht, die Geschichte ernst wirken zu lassen. "Piranha 3DD" versteht sich als überdrehte Horrorkomödie, die bewusst jede Grenze des guten Geschmacks überschreiten möchte. Immer wieder gibt es augenzwinkernde Anspielungen auf das Horrorgenre, absurde Dialoge und völlig überzogene Splattereinlagen. Immerhin verleugnet er seine trashige Identität nie.

Die praktischen Gore-Effekte sind stellenweise ordentlich umgesetzt und liefern einige erfreulich blutige Momente. Gerade das Finale setzt noch einmal auf kreativen Splatter und übertriebene Gewalt, die bewusst an klassische B-Movies erinnert. Wer genau diese Art von Unterhaltung sucht, wird zumindest punktuell seinen Spaß haben. Leider reichen diese Qualitäten nicht aus, um die zahlreichen Schwächen zu überdecken. Das größte Problem ist das Drehbuch, das kaum mehr als eine lose Aneinanderreihung alberner Einfälle bietet. Die Handlung wirkt konstruiert, die Figuren bleiben eindimensional und viele Witze zünden schlicht nicht. Statt den selbstironischen Ton des Vorgängers fortzuführen, driftet "Piranha 3DD" häufig in plumpen Klamauk ab. Gastauftritte von Christopher Lloyd und David Hasselhoff sorgen zwar für nostalgische Schmunzler, letztlich wirken sie aber eher wie Gimmicks als echte Bereicherungen. Gerade Hasselhoffs selbstironischer Auftritt gehört zwar zu den unterhaltsameren Momenten des Films, kann den Gesamteindruck jedoch nicht entscheidend verbessern.

Hinzu kommt, dass die computergenerierten Effekte sichtbar hinter denen des Vorgängers zurückbleiben. Während "Piranha 3D" seine Mischung aus CGI und praktischen Effekten noch vergleichsweise stimmig präsentierte, wirken viele Szenen hier deutlich günstiger und weniger überzeugend. Dadurch verliert selbst der eigentliche Star des Films - die Piranhas - einen Teil seiner Bedrohlichkeit. Am Ende bleibt "Piranha 3DD" ein Film, der seine Zielgruppe kennt, dabei aber zu oft über das Ziel hinausschießt. Der Spaß am hemmungslosen Trash ist durchaus spürbar, doch ohne die straffe Inszenierung und das Gespür für Timing des Vorgängers verpuffen viele Ideen. Statt einer gelungenen Fortsetzung entsteht so ein Creature-Feature, das zwar gelegentlich unterhält, insgesamt aber deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibt.

4/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkDimension Films/Mark Canton Productions/Intellectual Properties Worldwid

Piranha 3D - Piranha (2010)

https://www.imdb.com/de/title/tt0464154/

Wenn der Frühling beginnt, flippen die amerikanischen Studenten aus: Spring Break, das ist die ultimative Party-Zeit. Am sonst eher verschlafenen Lake Victoria treffen sich tausende Feierwütige zum Tanzen, Trinken und Schwimmen. Doch sie ahnen nicht, dass ein Erdbeben unter Wasser preisgegeben hat, was zwei Millionen Jahre im Verborgenen blieb - Schwärme von prähistorischen Piranhas, die ihre Beute in Sekundenschnelle mit rasiermesserscharfen Zähnen zerfleischen. Das Buffet ist eröffnet! Auf der potentiellen Speiseliste stehen unter anderem: Deputy Fallon (Ving Rhames), Sheriff Julie Forester (Elisabeth Shue), ihr Sohn Jake (Steven R. Mcqueen), der Porno-Produzent Derrick Jones (Jerry O'Connell) und zwei vollbusige Kalender-Hotties (Kelly Brook, Riley Steele)...

Es gibt Horrorfilme, die ernst genommen werden wollen - und dann gibt es "Piranha 3D". Alexandre Ajas Remake des Kultfilms von 1978 macht von der ersten Minute an klar, dass hier weder Tiefgang noch subtiler Horror im Vordergrund stehen. Stattdessen setzt der Film auf eine wilde Mischung aus Creature-Feature, Splatter, nackter Haut und augenzwinkerndem B-Movie-Charme. Das Ergebnis ist herrlich hemmungslos, allerdings auch nicht frei von Schwächen. Die Handlung ist dabei bewusst simpel gehalten und dient in erster Linie als Grundlage für spektakuläre Angriffsszenen. 

"Piranha 3D" nimmt sich selbst auch nie zu ernst und feiert den klassischen Exploitation-Horror mit sichtbarer Begeisterung. Wo andere Remakes versuchen, ihre Vorlagen zu modernisieren oder realistischer zu gestalten, dreht Aja sämtliche Regler bis zum Anschlag. Blutfontänen, abgetrennte Gliedmaßen und absurde Todesarten gehören hier ebenso zum Programm wie überzeichnete Figuren und jede Menge schwarzer Humor. Der Film liefert genau das, was sein Titel verspricht - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Besonders das große Massaker während des Spring Breaks zählt zu den Höhepunkten des Films. Die aufwendig inszenierte Sequenz verbindet Chaos, Splatter und makabren Humor zu einem der denkwürdigsten Creature-Feature-Momente der 2010er-Jahre. Die handgemachten Gore-Effekte sehen auch heute noch erstaunlich gut aus, selbst wenn die computergenerierten Piranhas nicht immer überzeugen.

Auch die Besetzung trägt zum Unterhaltungswert bei. Elisabeth Shue spielt ihre Rolle angenehm bodenständig und verleiht dem Film einen sympathischen Mittelpunkt. Adam Scott sorgt für trockenen Humor, während Jerry O'Connell als schmieriger Pornofilm-Produzent sämtliche Klischees genüsslich überzeichnet und einige der unterhaltsamsten Szenen für sich beansprucht. Allerdings stößt der Film mit seiner bewusst übertriebenen Ausrichtung auch an Grenzen. Die Figuren bleiben überwiegend oberflächlich und dienen meist nur als zukünftiges Fischfutter. Wer auf Spannung, Charakterentwicklung oder echten Horror hofft, dürfte eher enttäuscht werden. Statt Atmosphäre setzt der Film fast ausschließlich auf Schockeffekte, nackte Haut und immer größere Gewaltexzesse. Der Mittelteil hat auch etwas zu viel Leerlauf, bevor das große Finale schließlich sämtliche Zurückhaltung über Bord wirft. 

Auch der Humor trifft nicht immer ins Schwarze. Manche Gags wirken bewusst albern oder geschmacklos, doch genau diese Selbstironie macht einen Großteil des Charmes aus. "Piranha 3D" weiß jederzeit, dass er im Grunde ein glorreiches B-Movie mit großem Budget ist und versucht gar nicht erst, etwas anderes vorzugeben. Damit ist "Piranha 3D" einer dieser Filme, die man entweder akzeptiert oder ablehnt. Wer intelligente Horrorunterhaltung sucht, wird hier kaum fündig. Wer dagegen Lust auf eine kompromisslose Mischung aus Creature-Horror, Splatter und schrägem Humor hat, bekommt genau das geliefert. Laut, blutig, albern und herrlich respektlos - eben ein selbstironisches Creature-Feature mit jeder Menge Gore und das macht erstaunlich viel Spaß.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkAtmosphere Entertainment MM/Chako Film Company/Dimension Films/Aja / Levasseur Productions

Samstag, 4. Juli 2026

Over Your Dead Body (2026)

https://www.imdb.com/title/tt34685692/

Die Beziehung des Pärchens Dan und Lisa (Jason Segel und Samara Weaving) hat die beste Zeit längst hinter sich. Um angeblich wieder zusammenzufinden, unternehmen die beiden einen Trip in eine abgelegene Hütte. Doch in Wahrheit hegen sie den Plan, den jeweils anderen umzubringen. Ein blutiges Chaos ist vorprogrammiert...

Es gibt Filme, die ihre absurde Prämisse sofort offen auf den Tisch legen und das Publikum eigentlich nur zu fragen scheinen, ob sie bereit sind, hier mitzugehen. "Over Your Dead Body", die US-amerikanische Neuverfilmung der norwegischen Komödie "The Trip: Ein Mörderisches Wochenende" aus dem Jahr 2021, gehört genau in diese Kategorie. Regisseur Jorma Taccone, bekannt für seinen Hang zu schrägem Humor, kombiniert hier eine rabenschwarze Ehekomödie mit Thriller-, Horror- und Actionelementen. Jedoch haben Remakes internationaler Genrefilme oft ein großes Problem: Sie übernehmen die Handlung nahezu unverändert, verlieren dabei aber jene Eigenheiten, die das Original besonders gemacht haben. Bei Over Your Dead Body liegt die Messlatte zusätzlich hoch, denn die Vorlage, Tommy Wirkola's norwegische schwarze Komödie "The Trip", genießt unter Genrefans mittlerweile Kultstatus. Das Original überzeugte mit rabenschwarzem Humor, kompromissloser Gewalt und einer herrlich gemeinen Sicht auf eine völlig zerstörte Ehe. Die amerikanische Neuverfilmung von Regisseur Jorma Taccone übernimmt viele dieser Zutaten - erreicht aber nicht ganz die Schärfe ihres Vorbilds. Die Ausgangslage bleibt daher weitgehend identisch und wer das Original kennt, wird schnell feststellen, wie eng sich die Neuverfilmung an die Vorlage hält. Viele Szenen, Wendungen und Dialogsituationen wurden nahezu direkt übernommen. Das ist einerseits positiv, weil die Grundidee von "The Trip" bereits hervorragend funktionierte. Andererseits entsteht dadurch gelegentlich der Eindruck, dass "Over Your Dead Body" nur selten eine eigene Identität entwickelt. Das Ergebnis ist ein unterhaltsamer, stellenweise urkomischer und erfreulich blutiger Genremix, der jedoch nicht immer die Balance zwischen seinen verschiedenen Tonlagen findet. 

Wo das Remake allerdings punktet, ist bei seiner Besetzung. Jason Segel und Samara Weaving tragen den Film mit sichtbarer Spielfreude. Gerade die ersten 30 bis 40 Minuten gehören zu den stärksten des gesamten Films. Die verbalen Scharmützel zwischen Dan und Lisa sind bissig, witzig und manchmal unangenehm ehrlich. Man spürt, dass diese Ehe längst nicht mehr zu retten ist. Segel spielt seinen gescheiterten Filmemacher mit einer Mischung aus Frustration und Selbstmitleid, während Weaving erneut beweist, warum sie sich in den letzten Jahren als feste Größe im Genrebereich etabliert hat. Ihre Chemie sorgt dafür, dass selbst die absurdesten Situationen funktionieren. Auch handwerklich gibt es wenig zu beanstanden. Taccone inszeniert die Geschichte flott und nutzt die Mischung aus schwarzem Humor und expliziter Gewalt effektiv aus. Die praktischen Effekte sind gelungen, die Action bleibt übersichtlich und die zahlreichen Verletzungen bewegen sich bewusst im Bereich des grotesken schwarzen Humors. Trotzdem zeigt sich genau hier der größte Unterschied zum norwegischen Original. "The Trip" wirkte oftmals überraschend böse, unberechenbar und herrlich unangepasst. Die amerikanische Version ist zwar ebenfalls brutal, wirkt aber insgesamt etwas glatter und zugänglicher. Einige der unangenehmen Spitzen und der kompromisslose Zynismus der Vorlage wurden abgeschwächt oder stärker auf Unterhaltung getrimmt. Dadurch verliert die Geschichte ein Stück ihrer ursprünglichen Schärfe. Hinzu kommt, dass der Film nach seinem starken Auftakt etwas an Schwung verliert. Sobald die zusätzlichen Gegenspieler ins Spiel kommen, verschiebt sich der Fokus von der dysfunktionalen Ehe hin zu einem eher klassischen Home-Invasion- und Survival-Szenario. Das bleibt unterhaltsam, erreicht aber nicht mehr ganz die Raffinesse der ersten Hälfte. 

Dennoch gelingt es "Over Your Dead Body", seine Existenz als Remake zu rechtfertigen. Die moderne Besetzung, das hohe Tempo und die gelungene Mischung aus schwarzer Komödie und Splatter-Unterhaltung sorgen dafür, dass der Film auch unabhängig von der Vorlage funktioniert. Wer "The Trip" nie gesehen hat, bekommt hier einen äußerst kurzweiligen Genre-Mix geboten. Wer das Original kennt, dürfte sich dagegen immer wieder dabei ertappen, die beiden Filme miteinander zu vergleichen - und dabei meist den Norwegern den Vorzug zu geben.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork87North Productions/XYZ Films/74 Entertainment/IPR.VC/The Trip Productions

Der Nachname (2022)

https://www.imdb.com/de/title/tt14005338/

Zwei Jahre nach den Ereignissen von "Der Vorname" findet sich die ganze Familie Berger/Böttcher für einen Wochenendtrip auf der Finca von Dorothea (Iris Berben) auf Lanzarote zusammen. Sommer, Sonne und gute Laune sollen die nächsten Tage bestimmen, an denen Doro zudem eine große Ankündigung zu machen hat. Allerdings beginnt die Zeit unter der Sonne des Südens schon ziemlich chaotisch. Stephan (Christoph Maria Herbst), Elisabeth (Caroline Peters), Thomas (Florian David Fitz) und Anna (Janina Uhse) haben ihre eigenen Probleme im Gepäck, die ausgepackt werden wollen: Sie sind mittlerweile Eltern geworden, völlig abgebrannt, haben Eheprobleme oder ihren Job geschmissen. Die Zündschnur ist bei allen Anwesenden recht kurz und die Dauer bis zur Explosion ist nur eine Frage von Augenblicken. Zusätzlich werden noch einige Geheimnisse an die Oberfläche gezerrt und es kommt zu Katastrophen, mit denen nicht zu rechnen war.

Fortsetzungen erfolgreicher Komödien haben es selten leicht. Nach dem großen Erfolg von "Der Vorname" kehrte Regisseur Sönke Wortmann 2022 mit "Der Nachname" zu jener dysfunktionalen Großfamilie zurück, die bereits im Vorgänger für hitzige Diskussionen, politische Debatten und zahlreiche komische Momente gesorgt hatte. Die Erwartungen waren entsprechend hoch. Schließlich gehörte "Der Vorname" zu den erfolgreichsten deutschen Komödien der letzten Jahre und überzeugte vor allem durch seine scharf geschriebenen Dialoge und das hervorragend aufeinander abgestimmte Ensemble. "Der Nachname" knüpft in vielerlei Hinsicht an diese Stärken an, erreicht jedoch nicht ganz die Treffsicherheit und Frische des ersten Teils.

Wie bereits beim Vorgänger liegt die größte Stärke des Films in seinem Ensemble. Christoph Maria Herbst beweist erneut, warum er zu den besten Komödiendarstellern Deutschlands gehört. Seine Figur Stephan bewegt sich weiterhin zwischen Besserwisserei, Unsicherheit und herrlicher Selbstüberschätzung. Florian David Fitz bringt als Thomas gewohnt viel Charme und Schlagfertigkeit mit, während Justus von Dohnányi erneut für einige der trockensten und zugleich komischsten Momente des Films sorgt. Auch Caroline Peters und Iris Berben nutzen ihre Rollen geschickt, um die familiären Spannungen immer wieder anzuheizen. Besonders gelungen ist dabei das Zusammenspiel. Man merkt, dass die Figuren bereits etabliert sind und die Schauspieler ihre Dynamiken verinnerlicht haben. Viele der besten Szenen entstehen nicht durch große Gags, sondern durch die Reaktionen der Figuren aufeinander. Gerade die Wortgefechte und kleinen Spitzen innerhalb der Familie sorgen regelmäßig für Unterhaltung.

Inhaltlich versucht "Der Nachname", aktuelle gesellschaftliche Themen aufzugreifen, ohne dabei seine Leichtigkeit zu verlieren. Diskussionen über moderne Familienmodelle, Rollenbilder, Eheverständnisse und persönliche Freiheit bilden den Kern vieler Konflikte. Dabei gelingt es dem Film immer wieder, unterschiedliche Perspektiven auf humorvolle Weise aufeinanderprallen zu lassen. Kritiker lobten insbesondere die Dialoge, die trotz gelegentlicher Überzeichnung oft einen wahren Kern treffen und viele Situationen wiedererkennbar machen. Allerdings offenbart sich hier auch eine der Schwächen des Films. Während "Der Vorname" seine zentrale Prämisse konsequent nutzte und die Eskalation nahezu perfekt steigerte, wirkt "Der Nachname" gelegentlich etwas zerfasert. Die Handlung verteilt ihre Aufmerksamkeit auf mehrere Konflikte gleichzeitig, wodurch einzelne Erzählstränge nicht immer die notwendige Tiefe entwickeln. Manche Enthüllungen wirken zudem etwas konstruiert und dienen erkennbar dazu, die nächste Diskussion auszulösen. Auch der Überraschungseffekt des Vorgängers fehlt zwangsläufig. Viele Dynamiken und Konfliktmuster sind bereits bekannt, wodurch einige Szenen vorhersehbarer ausfallen. 

Dennoch bleibt "Der Nachname" über die gesamte Laufzeit hinweg kurzweilig. Das liegt vor allem daran, dass die Figuren trotz ihrer Überzeichnungen menschlich bleiben. Hinter den bissigen Kommentaren, Streitereien und Missverständnissen steckt immer wieder eine gewisse Wärme, die verhindert, dass die Charaktere zu Karikaturen werden. Gerade diese Mischung aus Komik und familiärer Vertrautheit macht den Reiz des Films aus. Damit avanciert der Film zu einer gelungenen, wenn auch nicht überragenden Fortsetzung. Der Film lebt von seinen hervorragenden Darstellern, seinem pointierten Humor und der Fähigkeit, alltägliche Familienstreitigkeiten auf unterhaltsame Weise zuzuspitzen. Zwar erreicht er nicht ganz die Klasse seines Vorgängers, bietet aber dennoch genügend Witz und Charme, um Fans des ersten Films zufriedenzustellen.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Constantin Film

Freitag, 3. Juli 2026

Conclave - Konklave (2024)

https://www.imdb.com/title/tt20215234/

Der Papst ist tot und Kardinäle aus allen Ecken der Welt eilen nach Rom, um dort zum Konklave zusammenzukommen und so eine neue Spitze für die katholische Kirche zu bestimmen. Kardinal Lawrence (Ralph Fiennes) hat alle Hände voll damit zu tun, das Prozedere zu leiten. Denn es geht hier nicht nur um einen seit Jahrhunderten geltenden Ablauf, sondern auch um knallharte Politik. Die Kardinäle schachern um Macht und Geld, während tausende Anhänger auf dem Petersplatz auf weißen Rauch warten. Hinter den verschlossenen Türen der Sixtinischen Kapelle prallen derweil Welten aufeinander - etwa der als liberal geltende Kardinal Bellini (Stanley Tucci) aus dem Lager des verstorbenen Papstes und erzkonservativen Kardinal Tedesco (Sergio Castellitto). Auch Adeyemi (Lucian Msamati) aus Nigeria, Trembley (John Lithgow) aus Quebec und Benitez (Carlos Diehz) aus Kabul buhlen um die Spitzenposition mit. Indes versetzen Terroristen mit Autobomben die Welt außerhalb der Kapelle in Angst und Schrecken...

Wenn man die Prämisse von "Konklave" hört - Kardinäle wählen hinter verschlossenen Türen einen neuen Papst -, klingt das zunächst nicht unbedingt nach einem nervenaufreibenden Kinoabend. Doch genau hier liegt die größte Überraschung von Regisseur Edward Berger. Aus einem jahrhundertealten religiösen Ritual macht er einen packenden Politthriller voller Intrigen, Machtspiele und moralischer Konflikte. Und das Ergebnis ist einer der intelligentesten und zugleich unterhaltsamsten Filme der letzten Jahre. Im Mittelpunkt steht Kardinal Lawrence, gespielt von Ralph Fiennes. Nach dem Tod des Papstes übernimmt er die Leitung des Konklaves und soll sicherstellen, dass die Wahl des neuen Kirchenoberhaupts ordnungsgemäß abläuft. Doch je länger die Abstimmung dauert, desto mehr Geheimnisse über die aussichtsreichsten Kandidaten kommen ans Licht. Hinter den ehrwürdigen Mauern des Vatikans entfaltet sich ein Netz aus persönlichen Ambitionen, politischen Interessen und lange verborgenen Wahrheiten. 


Was "Konklave" so faszinierend macht, ist die Art, wie der Film seine Geschichte erzählt. Obwohl große Teile der Handlung aus Gesprächen, Abstimmungen und strategischen Manövern bestehen, entsteht eine Spannung, die man eher aus klassischen Verschwörungsthrillern kennt. Jede neue Enthüllung verändert die Machtverhältnisse, jede Entscheidung kann den Ausgang der Wahl beeinflussen. Kritiker beschrieben den Film treffend als Mischung aus Politdrama, Krimi und Kammerspiel. Der größte Trumpf des Films ist jedoch Ralph Fiennes. Seine Darstellung von Lawrence gehört ohne Zweifel zu den stärksten Leistungen seiner Karriere. Fiennes spielt die Figur mit beeindruckender Zurückhaltung und verleiht ihr eine innere Zerrissenheit, die den gesamten Film trägt. Lawrence ist kein klassischer Held, sondern ein Mann, der zwischen Pflicht, Glauben und Zweifel seinen eigenen Weg finden muss. 

Doch nicht unerwähnt bleiben soll auch das Ensemble aus Nebendarstellern, welche auf ganzer Linie. überzeugen: Stanley Tucci, John Lithgow, Isabella Rossellini und Lucian Msamati sorgen dafür, dass jede Fraktion innerhalb des Konklaves ihre eigene Dynamik erhält. Selbst kleinere Rollen hinterlassen einen bleibenden Eindruck und tragen zur Glaubwürdigkeit der Geschichte bei. 


Visuell ist "Konklave" ebenfalls beeindruckend. Edward Berger inszeniert den Vatikan nicht nur als religiösen Ort, sondern als Schauplatz eines politischen Machtkampfs. Die prächtigen Hallen, die strengen Rituale und die exakt komponierten Bilder verleihen dem Film eine fast majestätische Atmosphäre. Gleichzeitig entsteht ein Gefühl von Isolation und Druck, das perfekt zur Handlung passt. Die elegante Kameraarbeit und die sorgfältige Bildgestaltung verstärken den Eindruck.

Doch ganz ohne Schwächen kommt auch der Film nicht aus. Manche Wendungen wirken etwas melodramatisch, und das Finale ist durchaus diskussionswürdig. Zudem verlangt die Geschichte eine gewisse Bereitschaft, sich auf viele Dialoge und politische Intrigen, und natürlich den kirchlichen Hintergrund einzulassen. Wer einen klassischen Thriller voller Action erwartet, wird hier nicht fündig. Dennoch gelingt es Berger fast durchgehend, das Interesse hochzuhalten und die Spannung kontinuierlich zu steigern. Interessant ist dabei, dass "Konklave" eine absolut faszinierende Mischung aus intelligenter Unterhaltung, starken Darstellern und überraschender Spannung ist. Er könnte als Paradebeispiel dienen, wie man anspruchsvolle Themen spannend und zugänglich inszenieren kann. Damit verbleibt beim Abspann ein Film, der beweist, dass große Spannung nicht von Explosionen oder Verfolgungsjagden abhängen muss. Stattdessen setzt er auf starke Figuren, kluges Schreiben und eine faszinierende Welt, die den meisten Zuschauern normalerweise verborgen bleibt.

"Konklave" ist ein intelligenter, hervorragend gespielter und überraschend fesselnder Thriller, der politische Intrigen mit existenziellen Fragen über Macht, Glauben und Verantwortung verbindet. Dank Ralph Fiennes in Höchstform, einer exzellenten Inszenierung und einer konstant spannenden Handlung gehört der Film zu den stärksten Dramen der letzten Jahre. Nicht jede Wendung sitzt perfekt, doch die Mischung aus Spannung und Tiefgang macht "Konklave" zu einem echten Highlight.

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkFilmNation Entertainment/House Productions/Indian Paintbrush

Donnerstag, 2. Juli 2026

A Knight Of The Seven Kingdoms, Season 01 (2026)

https://www.imdb.com/title/tt27497448/

Etwa hundert Jahre vor der Serie zieht der unerfahrene, aber tapfere Ritter Ser Duncan der Große (Peter Claffey) durch Westeros. An seiner Seite reist Egg (Dexter Sol Ansell), ein kleiner Knappe, dessen wahre Herkunft er zunächst geheim hält. Die Targaryens herrschen weiterhin über den Eisernen Thron, und die Erinnerung an die letzten Drachen liegt noch nicht weit zurück. Inmitten politischer Spannungen und rivalisierender Adelshäuser geraten Dunk und Egg immer wieder zwischen die Interessen Mächtiger. Auf ihren Wegen durch das Reich stellen sich die ungleichen Gefährten großen Herausforderungen, treten neuen Verbündeten gegenüber und begegnen gefährlichen Gegnern.

https://www.imdb.com/title/tt27497823/
1.1 Der Heckenritter (The Hedge Knight)
Nachdem der Knappe Dunk seinen alten Herren Ser Arlan von Hellerbaum begraben hat, behält er dessen Schwert, Schild und Pferde. Er beschließt, sich auf den Weg nach Aschfurt zu machen, um an einem Turnier teilzunehmen. An einer Gaststätte auf dem Weg trifft er auf einen glatzköpfigen Jungen, der scheinbar Stallbursche ist, sowie auf einen Betrunkenen, der zu Dunks Verwunderung meint, von ihm geträumt zu haben. Der Stallbursche fleht Dunk an, ihn als seinen Knappen mitzunehmen, was er ablehnt. In Aschfurt erklärt der Turniermeister, den Dunk anlügt, Hellerbaum habe ihn ohne anwesende Zeugen zum Ritter geschlagen, er brauche einen Bürgen, um am Turnier teilnehmen zu dürfen. Ser Manfred Dondarrion, der Hellerbaum gekannt habe, ist aber nicht zu sprechen. Dunk lehnt darauf einen Trainingskampf mit dem versierten Ser Steffon Fossowey ab. Bei einem Drachen-Puppentheater sieht er die dornische Puppenspielerin Tanselle, in die er sich verguckt. Danach wird er von Steffon Fossoweys Cousin und Knappen Raymun Fossowey zum Festzelt des exzentrischen Lord Lyonel Baratheon eingeladen, der ihn speisen lässt, mit ihm tanzt und trinkt. Dunk findet schließlich Dondarrion, der ihn aber abweist, da er sich an ihn und seinen verstorbenen Ser nicht erinnern kann. In der Nacht begegnet er außerhalb der Stadt dem glatzköpfigen Jungen wieder, der ihm gefolgt ist und sich in der Zwischenzeit um seine Pferde gekümmert hat. Der Junge, der aus der Hauptstadt Königsmund kommt, nennt sich selbst Egg (englisch für Ei) und Dunk sich, um einen klanghaften Namen zu haben, aufgrund seiner Körpergröße fortan Ser Duncan der Große. Er akzeptiert Egg als seinen Knappen, klärt ihn aber auf, dass es ein entbehrungsreiches Leben ist. Unter einer Ulme rastend sehen sie eine glücksverheißende Sternschnuppe. - 9/10

https://www.imdb.com/title/tt32314131/
1.2 Das Vermächtnis (Hard Salt Beef)
Dunk beschreibt Hellerbaum zahlreichen Lords denen er zeitweise gedient hat, die sich aber alle nicht an ihn erinnern. Dunk beobachtet die Ankunft der Familie Targaryen, während Egg nervös wird und sich vor ihr verdrückt: Königssöhne Baelor und Maekar sowie dessen Sohn Aerion, dessen Pferd Dunk beruhigt, als er es stehenlässt und es austritt. Er begegnet auch den Königswachen Ser Roland Rallenhall und Ser Donnel von Dämmertal, der aus einer Krebsfischerfamilie zum Ritter aufgestiegen ist. Maekars Söhne Daeron und Aegon haben sich noch nicht eingefunden, worüber man besorgt ist. Dunk spricht auch bei den Königssöhnen vor und erhält Baelors Verbürgung, der sich an Hellerbaum erinnert, aber sagt, Dunk müsse ein eigenes Wappen gestalten und führen, da er nicht Hellerbaums Familie entstammt. Nach einer weiteren Vorstellung Tanselles bittet er sie, dieses zu malen. Als Motiv wählen er und Egg die Ulme und eine Sternschnuppe auf rotem Grund. Dunk hilft Lyonel Baratheon, ein Tauziehen zu gewinnen, und findet eine Rüstung bei dem Schmied Stählerner Pat, für die er schweren Herzens ein Pferd verkaufen muss. Dunk setzt alles auf eine Karte, um beim morgigen Turnier positiv aufzufallen und womöglich von einem anwesenden Lord in dessen Dienst aufgenommen zu werden. Von Egg erfährt er, dass Ser Donnel von Dämmertal gar nicht aus einfachen Verhältnissen stammt, sondern seine wohlhabende Familie eine riesige Krebsfischerflotte besitzt. Als das Turnier beginnt, schauen Dunk und Egg die ersten Tjoste an, an denen auch Lord Tully und Baelors Sohn Valarr teilnehmen. Der Anblick der Kämpfe und Verletzungen schüchtert Dunk ein. In der Nacht denkt er darüber nach, dass er des kinderlosen Hellerbaums einziges Vermächtnis sei. - 9/10

https://www.imdb.com/title/tt32314197/
1.3 Der Knappe (The Squire)
Am Morgen trainiert Egg eines der Pferde, wobei ihm der Augenklappe tragende Ser Robyn Rhysling begegnet, und Dunk bringt ihm Flickennähen bei. Da am ersten Tag nur Ritter von hohem Rang antreten dürfen, können sie erstmal nur zuschauen. Egg bittet, auch nach dem Turnier Dunks Knappe sein zu dürfen, aber Dunk bedenkt, dass er kein Ritter mehr sein werde, wenn er verlieren sollte. Unter vier Augen bittet der Turniermeister Plummer Dunk, gegen Lord Aschfurts Sohn anzutreten, um bei einem möglichen Sieg riesige Wettgewinne einzufahren, da alle gegen ihn wetten würden. Dunk will trotz seiner finanziellen Lage damit aber nichts zu schaffen haben. Im Tjost verletzt Prinz Aerion unehrenhafterweise das Pferd seines Gegners, worauf das aufgebrachte Publikum die Absperrungen stürmt und das Pferd erlöst werden muss. Eine Wahrsagerin prophezeit Dunk großen Erfolg und Reichtum, sowie Egg, dass er König werden, aber im Feuer sterben werde. Dunk betrinkt sich mit Raymun Fossowey, der sich über die Targaryens als inzestuöse fremde Invasoren auslässt und erzählt, Maekar sei seine vermissten Söhne suchen, darunter einen, der ständig betrunken ist. Derweil schaut Egg die nächste Vorstellung Tanselles an, in der sie die Tötung eines Drachen darstellt. Aerion fühlt sich dadurch beleidigt und geht sie an. Von Egg dazugerufen, kommt Dunk ihr zu Hilfe, als Aerion ihr gerade einen Finger bricht und wirft ihn zu Boden. Als dieser dafür eine härtere körperliche Strafe an Dunk fordert, greift Egg ein, indem er sich als Bruder Aerions enthüllt und die Wachen zurückruft. - 9/10

https://www.imdb.com/title/tt32314201/
1.4 Sieben (Seven)
Dunk wurde in eine Zelle der Burg Aschfurts gebracht. Egg, der eigentlich Aegon heißt, bittet ihn für seine Täuschung um Vergebung. Er hätte eigentlich der Knappe Daerons sein sollen, der aber nicht am Turnier teilnehmen wollte und stattdessen im Gasthaus blieb, wo sie aufeinander trafen. Dunk wird vor Prinz Baelor gebracht. Der berichtet, Maekar sei mit Daeron zurückgekehrt, der wiederum behauptet, Egg sei ihm entführt worden, um selbst einer Strafe zu entgehen, da er nicht auf ihn aufgepasst hat. Zusätzlich wirft Aerion Tanselle vor, das Puppenspiel sei eine versteckte Anstiftung zur Rebellion gegen die Targaryen gewesen. Dunk erklärt seinen Angriff mit dem Schwur der Ritter, alle Unschuldigen zu beschützen. Nach Baelors Vorschlag fordert Dunk vor Aerion einen Zweikampf als Gottesurteil. Aerion macht daraus aber ein "Urteil der Sieben", bei dem Sieben gegen Sieben antreten. Dunk muss also sechs weitere Ritter für sich gewinnen; mit weniger werde er auch ohne Kampf schuldig gesprochen. Raymun Fossowey bringt ihn für Speis in ihr Zelt. Dort erklärt Ser Steffon, er werde für Dunk kämpfen und könne Freunde überzeugen. Egg erscheint, um weiterhin sein Knappe zu sein, sowie Daeron, den Dunk für seine Notlüge sofort angeht. Um zu vermitteln verspricht Egg, er könne Männer für ihn finden, und beschreibt Aerions Grausamkeiten aus ihrer Kindheit. Daeron, der hellseherische "Drachenträume" hat, erzählt Dunk, er habe diesen in einem großen Feuer von einem Drachen beschützt gesehen. Nachdem Dunk das verlassene Puppenspielerzelt aufgesucht hat, übergibt der Stählerne Pat ihm seine neue Rüstung und den bemalten Schild. Pat erzählt ihm, dass Tanselle nach den Ereignissen nach Dorne weitergezogen sei. Vor der Schmiede erscheinen vier Männer, die Egg für Dunks Sache gewonnen hat: Ser Umfried Harding, dem Aerion im Tjost ein Bein gebrochen hat, und sein Schwager Ser Umfried Biengraben, Ser Robyn Rhysling und Lord Lyonel Baratheon. Die Arena betritt Aerion auch nur mit fünf weiteren: drei Ritter der Königswache, seinen Bruder Daeron und seinen Vater Maekar. Ser Steffon Fossowey hat für das Versprechen einer Lordschaft die Seiten gewechselt, worauf sich Raymun Fossowey von Lyonel Baratheon zum Ritter schlagen lässt, um an seiner statt für Dunk einzustehen. Immer noch einen zu wenig, appelliert Dunk an die Zuschauenden, ob es nicht unter ihnen noch einen wahren Ritter gebe. Darauf reitet Prinz Baelor in der Rüstung seines Sohnes ein und erklärt sich bereit, für Dunk und somit gegen seine Familie anzutreten. - 9,5/10

https://www.imdb.com/title/tt32314204/
1.5 Im Namen der Mutter (In The Name Of The Mother)
Baelor hält eine Motivationsrede an Dunks Team und geht mit ihnen die Taktik durch; er selbst werde sich um die Ritter der Königswache kümmern, da diese einen Prinzen nicht verletzen dürfen. Aus Nervosität reitet Dunk nach allen anderen verzögert in den Kampf. Er wird direkt von Aerion mit der Lanze schwer verletzt und mit einem Morgenstern vom Pferd gestoßen. Während die anderen um sie herum weiterhin zu Pferd kämpfen, duellieren sich die beiden nun erbittert zu Fuß und fügen sich schwere Wunden zu. Als Dunk zunächst zusammensackt, erklärt Aerion ihn für tot, aber Egg ruft aus dem Publikum, er solle wieder aufstehen, was Dunk schließlich tut. Darauf erlangt Dunk die Oberhand gegen Aerion, bis dieser sagt, er gebe auf. Dunk zerrt Aerion vor Lord Aschfurt und zwingt ihn, laut seine Anschuldigung zu widerrufen, womit der Kampf vorbei ist. Nachdem Raymun und Pat den schwerverletzten Dunk zur Erstversorgung vom Feld tragen, berichtet Raymun, dass Biengraben und Harding im Kampf gefallen sind. Baelor kommt hinzu und lobt Dunks Tapferkeit, worauf dieser ihn bittet, ihn in seine Dienste aufzunehmen. Als Pat Baelors Helm entfernt, sehen sie jedoch, dass sein Hinterkopf von Maekars Streitkolben eingeschlagen wurde. Baelor kippt um und stirbt in Dunks Armen und vor Eggs Augen. Dunks inständiger Wunsch, einem guten Lord zu dienen, stirbt mit ihm. Rückblenden zeigen Dunks Jugend als Waisenkind in Flohloch, dem Armenviertel der Hauptstadt Königsmund. Mit seiner Freundin Raff fleddert er ein nahes Schlachtfeld der niedergeschlagenen Schwarzfeuer-Rebellion und stiehlt, um Geld für eine Überfahrt in die freien Städte nach Essos zu sammeln, für ein besseres Leben. Als sie einer Stadtwache einen Dolch stiehlt, tötet diese Raff. Dunk wird aber von Ser Arlan gerettet, den er daraufhin auf seinen Reisen folgt, auch wenn Arlan schwertrunken nach dem Tod seines Neffen und zugleich Knappen Roger von Hellerbaum in der Schlacht auf dem Rotgrasfeld nahe Königsmund zunächst unterwegs den Jungen nicht bemerkt, bis er sich um ihn kümmert. - 9/10

https://www.imdb.com/title/tt32314212/
1.6 Der Morgen (The Morrow)
Lord Lyonel lädt Dunk zu sich nach Sturmkap ein, um gemeinsam Unternehmungen zu machen und weil er ihn in kommenden Kriegen gut gebrauchen kann. Dunk lehnt ab, er würde nur Unglück bringen. Er sieht von Weitem die feierliche Feuerbestattung von Prinz Baelor und spricht dort mit dessen Sohn Valarr. Dunk trifft auf Raymun, der nach dem Kampf geheiratet hat, ohne zu wissen, dass seine Frau Rowan eine Prostituierte war und ihm schwanger ein Kuckuckskind unterjubelt, in der Annahme, es sei seines. Dunk, der sie bereits kennt und es durchschaut, behält es für sich und sie tun so, als würden sie sich gerade erst kennenlernen. Dann wird Dunk zu Prinz Maekar gerufen, der ihm wie sich selbst Vorwürfe zum Tod seines Bruders Baelor macht und erklärt, er werde Aerion zur Buße für ein paar Jahre in die freien Städte nach Essos schicken. Maekar fragt ihn, ob er zur royalen Sommerresidenz Sommerhall kommen möchte, in seine Dienste eintritt und seinen Sohn offiziell als Knappen annimmt, da dieser nur Dunk dienen will. Auch würde dort Maekars Waffenmeister Dunks Ausbildung komplettieren. Dunk lehnt ab, da er nach den Geschehnissen genug von Prinzen hat, und trifft darauf auf den enttäuschten Egg, der sie belauscht hat. Als Dunk zu ihm meint, es würde nicht gehen, entgegnet dieser, dass er vielleicht nicht der Ritter ist, für den er ihn hielt. Dunk erinnert sich daran, wie er Ser Arlan Vorwürfe gemacht hat, warum er ihn nie zum Ritter geschlagen hat, während der die Geschichte über die wortwörtlichen Hellerbäume erklärt. In einem Festzelt, wo Umfried Biengrabens Sarg aufgebahrt wird, trifft er auf Daeron, den er fragt, ob er sich nicht schämen würde, da alles seine Schuld sei. Der fragt ihn wiederum, ob er Egg als Knappen annimmt. Egg nähert sich mit einem Messer Aerion im Krankenbett und will ihn töten, doch ist sein Vater zugegen und hält ihn ohne Worte ab, als sich Dunk ankündigen lässt. Während Dunk wartet, sagt ihm Lord Aschfurts Tochter Gwin, dass sein Handeln gerecht war und es schlimm ist, was man ihm angetan hat. Dunk sagt Maekar, dass er einwilligt Egg als Knappen zu nehmen, jedoch nicht in Sommerhall, sondern im Stil eines umherziehenden Heckenritters, da ein entbehrungsreiches Leben Egg zu einem besseren Menschen formen würde. Maekar lehnt dieses aber als Leben für einen Prinzen ab. Raymun kaufte Dunk sein Pferd Leichtfuß zurück und bringt es ihm. Dunk schenkt es jedoch ihm. Bevor Dunk weiterzieht, nagelt er an dem Baum, an dem er gelagert hat, einen Heller an, wie es Arlan immer erzählte. Egg taucht auf und meint, sein Vater hätte zugestimmt. Zusammen brechen sie auf und überlegen, nach Dorne zu reisen, während Maekar verzweifelt Egg sucht. - 9,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Warner Bros./HBO

Never Let Go - Never Let Go: Lass niemals los (2024)

https://www.imdb.com/de/title/tt14415204/

Die Apokalypse liegt längst hinter der Welt. Nun müssen die Menschen irgendwie klarkommen, um ihr Überleben Tag für Tag kämpfen. Momma (Halle Berry) hat sich zusammen mit ihren Zwillingssöhnen Samuel und Nolan in eine abgelegene Hütte im Wald zurückgezogen. Doch auch dort lebt es sich nicht ungefährlich. Momma stellt deshalb ein paar nicht verhandelbare Regeln auf. Eine davon besagt, dass sie nur aus der Hütte raus in den Wald dürfen, wenn sie an einen Strick gebunden sind. Alles andere würde mehr oder weniger den sicheren Tod bedeuten. Doch irgendwann glaubt einer der Jungs nicht mehr an Mommas Erzählung, will nicht mehr auf ihre Warnungen hören. Die im Wald lauernden Gefahren wittern natürlich ihre Chance, als die Verbindung zwischen Momma und ihren beiden Söhnen gekappt wird…

Mit dem Remake zu "The Hills Have Eyes", "Mirrors" und "High Tension" hat sich Alexandre Aja als Regisseur einen Namen gemacht, der Spannung und intensiven Survival-Horror gekonnt miteinander verbindet. Auch "Never Let Go" beginnt mit einer faszinierenden Prämisse: Eine Mutter lebt mit ihren beiden Söhnen abgeschottet in einer Hütte, während draußen ein mysteriöses Böses lauert. Um sich zu schützen, dürfen sie das Haus nur mit einem Seil verlassen, das sie jederzeit mit ihrem Zuhause verbindet. Aus dieser ungewöhnlichen Ausgangslage entwickelt sich zunächst ein atmosphärischer Mystery-Horror, der jedoch nicht alle seine Versprechen einlösen kann. Im Mittelpunkt steht Momma, gespielt von Halle Berry, die ihrer Figur eine glaubwürdige Mischung aus Fürsorge, Verzweiflung und zunehmender Besessenheit verleiht, die ihre beiden Söhne Samuel und Nolan mit strengen Regeln vor einer unsichtbaren Bedrohung beschützt. Doch je älter die Kinder werden, desto stärker wachsen Zweifel. Existiert das Böse außerhalb der Hütte tatsächlich oder ist die größte Gefahr längst Teil ihrer eigenen Familie? Gerade dieses Spiel mit Wahrnehmung und Realität sorgt dafür, dass der Film sein Publikum lange im Ungewissen lässt. Diese psychologische Komponente und der konsequente Spannungsaufbau, gepaart mit der Atmosphäre sind große Pluspunkte des Films. Aja versteht es hervorragend, den dichten Wald und die abgelegene Hütte zu einem bedrohlichen Schauplatz zu machen. Nebelschwaden, knarzende Bäume und die permanente Unsicherheit darüber, was sich tatsächlich außerhalb der sicheren vier Wände befindet, erzeugen eine konstante Anspannung. Der Film verzichtet dabei weitgehend auf billige Schockeffekte und setzt stattdessen auf unterschwelligen Horror und psychologischen Druck. Lange bleibt hier offen, ob Momma eine heldenhafte Mutter oder eine unzuverlässige Erzählerin ist. Auch Anthony B. Jenkins und Percy Daggs IV liefern als ihre Söhne überzeugende Leistungen ab und sorgen dafür, dass die familiären Konflikte jederzeit glaubwürdig wirken. Gerade das Zusammenspiel der drei Hauptfiguren gehört zu den stärksten Aspekten des Films. 

Leider verliert "Never Let Go" im letzten Drittel deutlich an Boden. Die Geschichte lebt zunächst von ihren offenen Fragen und ihrer geheimnisvollen Stimmung, doch je näher das Finale rückt, desto mehr gerät die Handlung ins Wanken. Einige Enthüllungen wirken überhastet, während andere Fragen bewusst unbeantwortet bleiben. Der Film hält schlicht seine selbst aufgestellten Regeln nicht konsequent ein und die Auflösung bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurück. Hinzu kommt, dass das Drehbuch immer wieder bekannte Motive aus ähnlichen Horrorfilmen aufgreift. Erinnerungen an Werke wie "A Quiet Place" oder "Bird Box" lassen sich kaum vermeiden. Zwar gelingt es Aja, diesen bekannten Elementen mit seiner Inszenierung einen eigenen Anstrich zu verleihen, wirklich originell fühlt sich die Geschichte jedoch nicht durchgehend an. Dennoch bleibt "Never Let Go" ein sehenswerter Genrebeitrag. Die dichte Atmosphäre, die überzeugenden Darsteller und einige wirklich gelungene Spannungsmomente sorgen dafür, dass der Film auch dann interessant bleibt, wenn das Drehbuch kleinere Schwächen offenbart. Wer psychologischen Horror und langsamen Spannungsaufbau schätzt, wird hier durchaus auf seine Kosten kommen - sollte allerdings keine perfekte Auflösung erwarten.

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork21 Laps Entertainment/Media Capital Technologies/HalleHolly