Mittwoch, 1. Juli 2026

力王 - Lik Wong - Story Of Ricky (1991)

https://www.imdb.com/de/title/tt0102293/

Im Jahr 2001 wurden sämtliche staatlichen Einrichtungen privatisiert und die Haftanstalten werden von den Konzernen wie brutale Arbeitslager geführt. Ricky (Fan Siu Wong) wird für den Mord an seiner Freundin zu zehn Jahren Haft verurteilt. Obwohl er unschuldig ist, möchte er in Ruhe seine Strafe absitzen. Doch es kommt anders, Ricky kann den von Gewalt und Selbstjustiz geprägten Alltag in dem Hochsicherheitsgefängnis nicht tatenlos mit ansehen und geht bald gegen die Obrigkeit vor.

Manche Filme lassen sich nur schwer beschreiben, weil sie sich konsequent jeder Vernunft verweigern. "Story Of Ricky" ist genau so ein Film. Regisseur Lam Nai-Choi adaptierte den gleichnamigen Manga von Tetsuya Saruwatari und schuf dabei einen Martial-Arts-Film, der Action, Splatter, Gefängnisdrama und schwarzen Humor zu einer völlig durchgeknallten Mischung verbindet. Was dabei entsteht, ist weder subtil noch realistisch - dafür aber eines der kompromisslosesten und unterhaltsamsten Kultwerke des Hongkong-Kinos, sowie einer der ersten Filme in Hongkong, die außerhalb der Pornoindustrie mit der Kategorie-III-Wertung versehen wurden, was einem strengen Jugendverbot entspricht.

Schon nach wenigen Minuten wird klar, dass "Story Of Ricky" keinerlei Interesse daran hat, glaubwürdig zu wirken. Stattdessen setzt der Film auf maximale Übertreibung. Arme werden abgerissen, Schädel platzen, Körper explodieren und Gegner werden mit bloßen Händen förmlich auseinandergerissen. Die praktischen Splattereffekte sind aus heutiger Sicht zwar sichtbar künstlich, genau das macht jedoch einen großen Teil des Charmes aus. Die handgemachten Gore-Effekte wirken herrlich überzogen und erinnern eher an einen blutigen Comic als an einen klassischen Actionfilm. Aber genau diese kompromisslose Inszenierung wurde über die Jahre zum Markenzeichen des Films.  Dabei überrascht der Film sogar mit einigen gesellschaftskritischen Untertönen. Hinter der blutigen Fassade verbirgt sich eine deutliche Kritik an Korruption, Machtmissbrauch und der Privatisierung des Strafvollzugs. Das Gefängnis dient als Sinnbild eines Systems, in dem Gewalt und Unterdrückung zum Alltag gehören. Diese Themen bleiben zwar stets im Hintergrund, verleihen der ansonsten völlig überdrehten Handlung aber eine interessante zusätzliche Ebene. Auch Hauptdarsteller Fan Siu-wong trägt erheblich zum Gelingen bei. Als Ricky verkörpert er den klassischen stoischen Helden, dessen moralischer Kompass niemals ins Wanken gerät. Große Charakterentwicklung darf man zwar nicht erwarten, doch genau diese kompromisslose Geradlinigkeit passt hervorragend zum comichaften Ton des Films. Ricky ist weniger ein realistischer Mensch als vielmehr eine wandelnde Naturgewalt - und genau das macht seinen Reiz aus.

Trotz aller Begeisterung ist "Story Of Ricky" allerdings kein Film für jedermann. Die Handlung bleibt bewusst simpel und dient in erster Linie als Verbindung zwischen den zahlreichen Kämpfen. Viele Figuren sind kaum mehr als überzeichnete Karikaturen, Dialoge geraten häufig unfreiwillig komisch und die schauspielerischen Leistungen erreichen selten ein hohes Niveau. Der Film erzielt eben seine Wirkung vor allem durch seine kompromisslose Überzeichnung und weniger durch erzählerische Raffinesse. Doch gerade diese hemmungslose Lust am Exzess macht "Story Of Ricky" aber so einzigartig. Der Film kennt praktisch keine Grenzen und steigert jede Szene noch weiter, als man es für möglich hält. Was auf dem Papier völlig absurd klingt, entwickelt auf der Leinwand einen kaum erklärbaren Unterhaltungswert. Viele spätere Kultfilme haben versucht, ähnliche Extreme zu erreichen - nur wenige besitzen jedoch diese unverkrampfte Spielfreude.

"Story Of Ricky" ist laut, blutig, hemmungslos überdreht und gerade deshalb so faszinierend. Die einfache Geschichte, die teilweise hölzernen Dialoge und die bewusst comichafte Inszenierung verhindern zwar die Höchstwertung, doch als kompromissloses Kultkino funktioniert der Film hervorragend. Wer sich auf diese völlig verrückte Welt einlässt und bereit ist, jede Form von Realismus an der Gefängnispforte abzugeben, erlebt einen Film, den man so schnell garantiert nicht wieder vergisst.

7,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkDiagonal Pictures/Paragon Films/Orange Sky Golden Harvest

Little Brother (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt34888871/

Rudd (John Cena) ist ein erfolgreicher Immobilienmakler und glücklich mit seiner Frau Deirdre (Michelle Monaghan) verheiratet, obwohl es in ihrer Beziehung zuletzt aufgrund seiner Pedanterie immer mehr an Leidenschaft mangelt. Eines Tages erhält Rudd einen Anruf, dass sein Bruder nach einem Autounfall im Krankenhaus gelandet sei. Als er und Deirdre zu dem Verletzten eilen, stellen sie fest, dass es sich gar nicht um Rudds echten Bruder handelt, sondern um Marcus (Eric André), für den Rudd vor vielen Jahren im Rahmen eines Higschool-Programms lediglich der Einschulungs-Pate war. Weil Marcus aktuell nirgendwo anders unterkommen kann, nehmen Rudd und Deirdre ihn nach dem Krankenhausaufenthalt vorübergehend bei sich auf – und damit zieht das Chaos bei ihnen ein.

Buddy-Komödien leben von ihrer Chemie - und genau hier liegt die größte Stärke von "Little Brother". Regisseur Matt Spicer bringt mit John Cena und Eric André zwei völlig unterschiedliche Charaktere zusammen und schafft damit immer wieder unterhaltsame Momente. Leider reicht das allein nicht aus, um aus einer guten Grundidee eine rundum gelungene Komödie zu machen. Zwischen gelungenen Gags und ehrlichen Charaktermomenten verliert der Film immer wieder seinen Rhythmus und findet nie ganz die Balance zwischen Chaos und Herz. Dabei beweist John Cena einmal mehr sein gutes Gespür für trockenes Timing, während Eric André mit seiner gewohnt unberechenbaren Art für die meisten Lacher sorgt. Immer dann, wenn die beiden einfach miteinander spielen dürfen, entfaltet "Little Brother" seinen größten Charme. Auch die emotionaleren Szenen funktionieren überraschend gut und verhindern, dass der Film zur reinen Klamaukveranstaltung verkommt. 

Leider verliert sich das Drehbuch zu häufig in einer Mischung aus derbem Humor, vorhersehbaren Handlungswendungen und Figuren, die kaum über ihre Klischees hinauswachsen. Manche Gags zünden hervorragend, andere wirken bemüht oder unnötig aufgesetzt. Auch der Wechsel zwischen herzlicher Buddy-Komödie und schrägem Chaos gelingt nicht immer, wodurch der Film stellenweise etwas unausgegoren wirkt. Dabei steckt durchaus Potenzial in der Geschichte. Themen wie Freundschaft, Verantwortung und psychische Gesundheit werden angerissen, bleiben letztlich aber eher oberflächlich. Statt diese Ansätze konsequent zu vertiefen, setzt der Film immer wieder auf den nächsten schrägen Einfall. Das sorgt zwar für Unterhaltung, verhindert aber, dass "Little Brother" emotional wirklich nachhallt. Guckt man halt einfach so weg. 

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Middle Child Films/Netflix

All The Boys Love Mandy Lane (2006)

https://www.imdb.com/title/tt0490076/

Mandy Lane (Amber Heard) ist traumhaft schön und das Objekt der Begierde jedes männlichen Mitschülers einer Highschool im tiefsten Texas. Jeder will sie für sich, doch niemand scheint auch nur den Hauch einer Chance bei der kühlen blonden Schönheit zu haben. Nur zu dem Außenseiter Emmet (Michael Welch) hält sie freundschaftlichen Kontakt. Auch den Mädchen dient die zurückhaltende, strebsame Augenweide als Vorbild. Die Faszination für Mandy eskaliert auf einer Party, bei der sich einer ihrer Verehrer (Adam Powell), von Emmet angestachelt, betrunken vom Dach seines Hauses in den Tod stürzt. Neun Monate später willigt Mandy ein, ein paar ihrer Mitschüler auf einen Wochenendausflug zu begleiten. Die drei männlichen Begleiter können ihr Glück kaum fassen und erhoffen sich alle bei Mandy zu landen, wobei die zwei weiblichen Begleiter schlicht die Nähe der Schönheit genießen. Am Ziel angekommen fließt schnell viel Alkohol, der Konsum von Cannabis steigt stündlich und auch vor dem Gebrauch von zerstampften ADS-Tabletten wird nicht halt gemacht. Die partywütigen Jugendlichen ahnen jedoch nicht, dass draußen auf den Feldern ein psychopathischer Killer nur auf sie wartet, um sie alle, einen nach dem anderen, zu töten...

Manche Filme entwickeln ihren Kultstatus nicht durch ihren Erfolg, sondern durch die ungewöhnlichen Umstände ihrer Veröffentlichung. "All The Boys Love Mandy Lane" gehört zweifellos in diese Kategorie. Obwohl Jonathan Levines Horrorfilm bereits 2006 auf Festivals gezeigt wurde, dauerte es Jahre, bis er in den USA regulär veröffentlicht wurde. Diese lange Verzögerung führte dazu, dass der Film beinahe mythische Züge annahm. Nach seiner verspäteten Veröffentlichung zeigte sich jedoch schnell, dass sich hinter dem Hype weder ein vergessenes Meisterwerk noch ein Totalausfall verbarg, sondern ein durchaus interessanter Slasher mit bemerkenswerten Stärken und ebenso offensichtlichen Schwächen. Eine der größten Stärken des Films ist seine Atmosphäre. Levine und Kameramann Darren Genet verleihen dem Geschehen einen staubigen, fast schon an die Horrorfilme der 1970er-Jahre erinnernden Look. Die ländliche Kulisse, die ausgebleichten Farben und die sommerliche Hitze erzeugen ein Gefühl permanenter Unruhe. 

Auch Amber Heard hinterlässt einen starken Eindruck in der Titelrolle. Mandy bleibt bewusst geheimnisvoll, wodurch sie sich von den üblichen Horrorfilm-Protagonistinnen unterscheidet. Gleichzeitig gelingt es Heard, die Figur weder zur reinen Projektionsfläche noch zum klassischen „Final Girl“ werden zu lassen. Unterstützt wird sie von einem jungen Ensemble, das die Dynamik einer Gruppe hormongetriebener Teenager erstaunlich glaubwürdig einfängt. Besonders die Darstellung von Gruppendruck, sexueller Unsicherheit und jugendlicher Oberflächlichkeit wirkt oftmals authentischer als in vielen Genrefilmen. Problematisch wird es allerdings beim Drehbuch. Zwar bemüht sich "All The Boys Love Mandy Lane" sichtbar darum, mehr zu sein als ein gewöhnlicher Slasher, doch nicht alle erzählerischen Ideen funktionieren. Einige Wendungen erscheinen eher konstruiert als organisch entwickelt. Auch das Erzähltempo erweist sich als zweischneidiges Schwert. Die ruhige erste Hälfte investiert viel Zeit in Stimmung und Figurenaufbau, was dem Film zwar Tiefe verleiht, gleichzeitig aber die Spannung ausbremst. Wer einen klassischen Slasher mit hohem Tempo erwartet, könnte die Entwicklung als etwas schleppend empfinden. Erst im letzten Drittel gewinnt die Geschichte deutlich an Intensität. 

Zwischen Konvention und Innovation besitzt der Film immerhin genug Eigenständigkeit, um sich von der Masse ähnlicher Produktionen abzuheben, erreicht jedoch nie ganz die erzählerische Raffinesse, die er anstrebt. Seine stilistische Sicherheit, die starke Atmosphäre und einige gelungene Ideen machen ihn dennoch zu einem mittelmäßig-sehenswerten Beitrag des modernen Slasherkinos. 

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Occupant Films

Dienstag, 30. Juni 2026

John Carpenter's The Ward - The Ward: Die Station (2010)

https://www.imdb.com/de/title/tt1369706/

Kristen (Amber Heard), eine hübsche aber labile junge Frau, findet sich verletzt, unter Drogen und gegen ihren Willen festgehalten auf einer Station einer psychatrischen Anstalt in den 1960er-Jahren wieder. Sie ist komplett orientierungslos, weiß nicht, wer sie an diesen Ort gebracht hat und hat keine Erinnerung an ihr Leben vor der Einweisung. Aber ihr ist klar, dass sie sich nicht in Sicherheit befindet. Die anderen Patienten der Station, vier ebenso verstörte junge Frauen, helfen Kristen nicht weiter und bald stellt sie fest, dass nicht alles so ist wie es scheint. Nachts, wenn das Hospital dunkel und unheilvoll ist, hört sie seltsame und beängstigende Geräusche. Eine nach der anderen verschwinden die anderen Mädchen...

Nach fast einem Jahrzehnt Regiepause kehrte Horrorlegende John Carpenter mit "The Ward" auf die große Leinwand zurück und rein atmosphärisch gelingt Carpenter hier auch ein durchaus solider Horrorfilm. Die düsteren Flure der Klinik, das sterile Umfeld und die ständige Unsicherheit darüber, was real ist und was nicht, erzeugen immer wieder wirksame Spannungsmomente. Diese Inszenierung zeigt, dass Carpenter sein Handwerk nach wie vor beherrscht. Dennoch kommt man nicht umhin, gerade m direkten Vergleich mit seinen früheren Werken, den Gedanken festzuhalten, dass hier mehr drin gewesen wäre, da "The Ward" sich schon bald als vergleichsweise konventioneller Psychothriller entpuppt. Der Film besitzt durchaus Qualitäten, erreicht jedoch nur selten die Klasse seiner berühmten Vorgänger. Auch die Besetzung macht ihre Sache ordentlich. Amber Heard trägt den Film souverän und verleiht Kristen genügend Verletzlichkeit und Entschlossenheit, um das Interesse des Zuschauers aufrechtzuerhalten. Unterstützt wird sie von Danielle Panabaker, Mamie Gummer, Lyndsy Fonseca und Jared Harris, die ihren Figuren trotz begrenzter Tiefe eine gewisse Glaubwürdigkeit verleihen. Besonders die Dynamik zwischen den Patientinnen sorgt dafür, dass die Geschichte zumindest emotional nicht völlig oberflächlich bleibt. 

Das größte Problem von "The Ward" liegt jedoch im Drehbuch. Die Handlung folgt vielen bekannten Mustern des Psychiatrie- und Geisterhorrors und entwickelt nur selten eine eigene Identität. Die vorhersehbaren Wendungen und die starke Abhängigkeit von Schockmomenten statt nachhaltiger Spannung nagen geradezu an der Geduld des Zuschauers. Vor allem die zentrale Auflösung wirkt für erfahrene Genrefans wenig überraschend und erinnert an zahlreiche ähnliche Filme der Jahre zuvor. Hinzu kommt, dass dem Film ein unverwechselbares Profil fehlt. Er fühlt sich einfach nicht wie ein typischer Carpenter-Film an. Wo seine besten Werke durch markante Bildsprache, ikonische Musik und eine starke eigene Handschrift geprägt waren, wirkt "The Ward" oft wie ein routinierter Studiohorrorfilm, den auch viele andere Regisseure hätten inszenieren können. Trotzdem besitzt der Film eine gewisse Effizienz. Mit einer Laufzeit von knapp 90 Minuten erzählt er seine Geschichte ohne größere Längen und liefert gerade genug Spannung, um Genrefans bei Laune zu halten. Am Ende pendelt er aber nur zwischen Routine und Handwerkskunst. Die Regie eines erfahrenen Meisters sorgt dafür, dass das Werk nie völlig abstürzt, doch das schwache Drehbuch und die mangelnde Originalität verhindern, dass daraus ein wirklich erinnerungswürdiger Horrorfilm wird.

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkFilmNation Entertainment/Premiere Picture/Echo Lake Entertainment

The Haunting Of Hill Haus - Spuk in Hill House (2018)

https://www.imdb.com/title/tt6763664/

Die fünf Geschwister Theodora (Kate Siegel), Steven (Michiel Huisman), Luke (Oliver Jackson-Cohen), Shirley (Elizabeth Reaser) und Nell (Victoria Pedretti) haben ihre Kindheit in einer der berüchtigtsten Geistervillen der USA verbracht. Nach dem Selbstmord ihrer jüngsten Schwester kommen die verbliebenen Vier Jahre später wieder in dem unheimlichen Anwesen zusammen, und stellen sich gezwungenermaßen den Geistern der Vergangenheit, die sie erst aus dem familiären Hill House getrieben haben. Während einige davon nur in den Köpfen und vor allem Erinnerungen der Geschwister leben, wirken wiederum andere erschreckend real.

https://www.imdb.com/title/tt7023382/
1. Steven sieht einen Geist (Steven Sees A Ghost)
Steven Crain ist ein Autor, der für seinen autobiografischen Roman "Spuk in Hill House" bekannt ist. Darin beschreibt er seine Kindheitserlebnisse in dem Spukhaus, das er mit seinen Eltern Hugh und Olivia sowie seinen jüngeren Geschwistern Shirley, Theo, Nell und Luke bewohnte. Während ihres Aufenthalts werden die Crains mit paranormalen Ereignissen konfrontiert und müssen ohne Olivia fliehen, die im Haus stirbt und die restliche Familie traumatisiert. Jahre später verarbeitet Steven die traumatischen Erlebnisse seiner Familie in seinem Buch, was das Verhältnis zu seinen Geschwistern belastet. Obwohl es ein Bestseller wird, lässt er die meisten der beängstigenden Ereignisse aus und glaubt eigentlich nicht an das Paranormale. Theo lernt in einem Nachtclub eine Frau namens Trish kennen und bringt sie mit nach Hause, um mit ihr zu schlafen. Steven und Shirley verpassen Anrufe von Nell, die daraufhin Hugh anruft und ihre Sorge um Luke äußert, der drogenabhängig geworden ist. Als Steven nach Hause kommt, erwischt er Luke beim Diebstahlversuch und gibt ihm stattdessen Geld. In seiner Wohnung trifft er auf Nell, die in einer Ecke steht. Er erhält einen Anruf von Hugh, der ihm mitteilt, dass Nell nach Hill House gegangen und tot ist. Steven erkennt, dass er einen Geist sieht. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt7815916/
2. Offener Sarg (Open Casket)
In Kindheitserinnerungen in Hill House findet Shirley einen Karton mit ausgesetzten Kätzchen und nimmt sie auf. Die Kätzchen sterben jedoch alle, was Shirley tief trifft. Sie grübelt darüber nach, warum sie ihnen nicht helfen konnte. Später, während Olivias Beerdigung, ist die zunächst verzweifelte Shirley erstaunt darüber, dass die Bestatterin ihre Mutter "heilen" und ihr ihre frühere Schönheit zurückgeben konnte. Als Erwachsene ist Shirley Bestatterin und betreibt zusammen mit ihrem Mann Kevin ein Bestattungsunternehmen. Sie vermietet ein Gästehaus an Theo, der inzwischen Kindertherapeut ist. Shirley erfährt von Nells Tod. Verzweifelt beschließt sie, ihre Schwester selbst einzubalsamieren und zu "heilen". Dabei begegnet sie jedoch dem Geist ihrer Mutter. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt7688206/
3. Berührung (Touch)
Theo kann die Gefühle von Menschen und die Eindrücke von Gegenständen wahrnehmen, wenn sie diese mit bloßen Händen berührt. In ihrer Kindheit bittet Luke sie einmal, ihn mit dem Speiseaufzug ins oberste Stockwerk fahren zu lassen. Als Theo den Knopf nach oben drückt, fährt der Aufzug stattdessen nach unten, und Luke begegnet einem Geist, der ihn angreift. Er ist wütend, dass die Erwachsenen ihm nicht glauben. Theo geht der Sache nach und findet eine versteckte Falltür, die in einen Keller führt, der nicht in den Bauplänen des Hauses eingezeichnet ist. Olivia erzählt ihr, dass ihre Großmutter genauso "sensibel" war wie sie selbst und gibt Theo ein Paar Handschuhe zum Schutz ihrer Hände. Bei ihrer Arbeit trifft die erwachsene Theo auf ein Kind, das sie nicht "lesen" kann und das behauptet, von "Mr. Smiley", einem Monster, gequält zu werden. Theo geht zum Haus des Mädchens und entdeckt die Wahrheit: Ihr Pflegevater missbraucht sie, und Mr. Smiley ist eine Manifestation dieses Missbrauchs. Theo lässt den Pflegevater verhaften. Anschließend geht sie in die Leichenhalle, berührt Nells Stirn und bricht dann schreiend zusammen. Eine Rückblende auf ihre letzte Nacht in Hill House zeigt, dass Theo, als Hugh sie bei ihrer Flucht packte, verstörende Bilder von Geistern sah und Olivia, die gestoßen wurde und mit dem Kopf gegen eine Wand schlug. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt7578528/
4. Das Zwillingsding (The Twin Thing)
Der kleine Luke ist frustriert, weil nur Theo ihm glaubt, was die Geister angeht, die er sieht, darunter auch seine "imaginäre Freundin" Abigail. Luke nimmt einen Bowlerhut an, den seine Mutter auf dem Dachboden findet, und setzt ihn auf. Der heutige Luke ist seit 90 Tagen clean. Seit ihrer Geburt können Luke und Nell die körperlichen Beschwerden des jeweils anderen spüren. Lukes beste Freundin Joey, die in der Entzugsklinik ist, flieht, um Drogen zu nehmen, und Luke folgt ihr, um sie zurückzuholen. Der kleine Luke begegnet dem Geist eines ungewöhnlich großen Mannes, der seinen Bowlerhut zurückhaben will. Luke findet Joey, fühlt sich aber plötzlich unnatürlich kalt und steif. Da er kein Geld für eine Unterkunft hat, bricht Luke in Stevens Wohnung ein, um Sachen zu stehlen und zu verkaufen. Er wird jedoch von Steven erwischt, der ihm Geld gibt. Joey stiehlt das Geld und flieht, und Luke wird überfallen. Er irrt umher, verfolgt von dem Geist mit dem Hut. Luke ruft seine Sozialarbeiterin an, und sie und Steven finden ihn und teilen ihm mit, dass Nell Suizid begangen hat. Luke erkennt, dass er Nells Tod die ganze Zeit gespürt hat und erklärt, es sei kein Selbstmord gewesen. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt7958030/
5. Die Frau mit dem verbogenen Hals (The Bent-Neck)
Die kleine Nell wird von einer Erscheinung gequält, die sie die Frau mit dem gebrochenen Genick nennt - ein Geist mit einem gebrochenen Genick. Die erwachsene Nell sucht wegen Schlafparalyse den Schlaftherapeuten Arthur auf. Die beiden verlieben sich und heiraten. Doch im ersten Ehejahr erleidet Arthur ein Hirnaneurysma und stirbt, während die Frau mit dem gebrochenen Genick zurückkehrt. Nell setzt ihre Medikamente ab, da sie glaubt, dadurch die Frau zu sehen. Überzeugt von ihrem Therapeuten, dass Hill House nur noch eine Ruine und nicht der alptraumhafte Ort ihrer Vergangenheit sei, reist Nell dorthin. Sie sieht es so, wie es in ihrer Kindheit war: komplett renoviert, mit ihrer Familie und Arthur. Doch in Wirklichkeit ist das Haus verlassen und menschenleer. Nell wird zur Wendeltreppe geführt, wo sie sich eine Schlinge um den Hals legt und sich vorstellt, es sei das Medaillon ihrer Mutter. Dann wird sie vom Geist ihrer Mutter gestoßen und bricht sich das Genick. Im Sterben reist Nell durch die Vergangenheit und enthüllt, dass sie selbst die Frau mit dem gebrochenen Genick war und ihr jüngeres Ich die ganze Zeit heimgesucht hat. - 9/10

https://www.imdb.com/title/tt8160066/
6. Zwei Gewitter (Two Storms)
Die Folge wechselt zwischen zwei Stürmen: einem, den die Familie in der Vergangenheit in Hill House erlebte, und einem in der Gegenwart, in der Nacht vor Nells Beerdigung, als die Familie Crain sich im Bestattungsinstitut trifft, um ihren Leichnam zu sehen – endlich nach Jahren wieder vereint im selben Raum. In Hill House verschwindet Nell. Olivia sieht Geister und verfällt in einen Trancezustand, in dem sie sich seltsam verhält. Nell taucht erschüttert wieder auf und behauptet, sie sei die ganze Zeit direkt vor der Familie gewesen und habe geschrien, doch niemand habe sie sehen oder hören können. In der Gegenwart, während die Crains streiten, geschehen seltsame Dinge: Steven sieht den Geist seiner Mutter, der Strom fällt aus, und jemand klebt Nell Knöpfe auf die Augen. Steven verlangt von Hugh Antworten darüber, was wirklich passiert ist, was zu Konfrontationen führt. Shirley erwischt Theo und Kevin zusammen in einem Abstellraum. Nells Sarg kippt von selbst um und versetzt die Crains in einen Schockzustand. Nells Geist, als die Frau mit dem gebrochenen Genick, ist im Raum anwesend, doch niemand sieht sie – außer Hugh für einen kurzen Moment. - 9,5/10

https://www.imdb.com/title/tt8160068/
7. Grabrede (Eulogy)
Es wird enthüllt, dass Hugh oft mit Olivia spricht, als wäre sie noch da. Er kann sich mit Theo versöhnen, die sagt, sie hätte sich bei ihm melden sollen. Während der Beerdigung versucht er, den Kontakt zu seinen anderen Kindern wiederherzustellen. In der Vergangenheit begutachtet Hugh das Haus auf Sturmschäden. Mr. Dudley hilft ihm dabei und enthüllt einige Details über die früheren Bewohner. Er schlägt vor, dass die unberechenbare Olivia eine Auszeit vom Haus braucht und erklärt damit, warum er und Mrs. Dudley nachts nie dort sind. Olivias Verhalten wird immer beunruhigender. Als Hugh aufwacht und eine desorientierte Olivia mit einem Schraubenzieher an seinem Hals vorfindet, beschließen sie, dass sie Hill House für ein paar Tage verlassen muss. Während der Renovierungsarbeiten im Keller, wo Luke verunglückte, entdeckt Hugh versehentlich die Leiche von William Hill, dem ursprünglichen Besitzer, der sich in den Wänden des Hauses eingemauert hatte. Nach Olivias Tod gibt Hugh bei der Vernehmung durch die Polizei an, der Rote Raum sei verschlossen gewesen. Doch in der letzten Nacht im Haus stellt er fest, dass die Tür zum Roten Raum unverschlossen ist. Nach der Beerdigung greift Olivias Geist Luke, dann Hugh und Theo an. Nach der Beerdigung verschwindet Luke spurlos und stiehlt Shirleys Brieftasche und Theos Auto. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt8160070/
8. Markierungen (Witness Marks)
Steven und Hugh fahren herum, um Luke zu finden. Steven glaubt, die Probleme der Familie seien auf eine psychische Erkrankung zurückzuführen und erklärt, er habe sich einer Vasektomie unterzogen, um die "Krankheit" seiner Familie nicht weiterzugeben. Im Bestattungsinstitut streiten Shirley und Theo über Theo und Kevin im Abstellraum. Die Familie entdeckt, dass Luke auf dem Weg nach Hill House ist. Hugh offenbart Steven, dass dieser die ganze Zeit Geister gesehen hat, ohne es zu wissen, und versichert ihm, dass keiner von ihnen psychisch krank ist. Er enthüllt, dass das Baumhaus, in dem Steven und Luke sich oft aufhielten, in Hill House gar nicht existierte und beschreibt die Crains als "wie ein unfertiges Essen" für das Haus. Auch Shirley und Theo fahren nach Hill House, um Luke zu retten. Während sie sich streiten, erscheint plötzlich Nells Geist und erschreckt sie. Theo bricht zusammen und erklärt, Shirley habe sie und Kevin missverstanden; es sei nichts weiter passiert, als dass sie versucht habe, ihre Fähigkeit, zu fühlen, wiederzuerlangen. Luke versucht, Hill House niederzubrennen, wird dabei aber vom Geist von Poppy Hill, William Hills wahnsinniger Ehefrau, angegriffen. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt8160064/
9. Böse Träume (Screaming Meemies)
In der Vergangenheit beginnt Olivia, im Haus beunruhigende paranormale Erlebnisse zu haben. Sie sieht eine Vision der Leichen der erwachsenen Nell und Luke und begegnet dem Geist von Poppy Hill, die ihr prophezeit, dass die Welt draußen ihre Kinder verschlingen wird und sie sie beschützen muss. Desorientiert und verängstigt beschließen Olivia und Hugh, dass sie eine Auszeit nehmen und zu ihrer Schwester Janet fahren sollte. Doch Olivia, die nun labil und vom Haus beeinflusst ist, fährt nie hin, und die letzte Nacht der Familie in der Villa nimmt ihren Lauf. Die wahnhafte Olivia nimmt Nell, Luke und Abigail, die dort übernachtet hat, zu einer Teeparty im Roten Zimmer mit, das nun geöffnet ist. Hugh erkennt, dass Olivia den Tee mit Rattengift vergiftet hat, um die Kinder zu töten. Sie glaubt, dies sei der einzige Weg, sie vor der Welt zu schützen. Er rettet Luke und Nell, kann Abigail aber nicht mehr retten. Voller Entsetzen bringt er die Kinder eilig aus dem Haus, während Olivia, die aus ihrem schrecklichen Traum erwachen will, von der Wendeltreppe springt. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt8160072/
10. Eine bleierne Stille (Silence Lay Steadily)
Steven und Hugh finden Luke bewusstlos im Roten Zimmer. Steven, Theo und Shirley werden mit Luke eingeschlossen und erleben alptraumhafte Offenbarungen über ihr Leben, während das Haus versucht, sie zu töten. Alle Geschwister werden von Nells Geist gerettet. Sie erwachen und finden Luke im Sterben vor. Nells Geist erklärt, dass das Rote Zimmer der "Magen" des Hauses ist und sich jedem als anderes Zimmer tarnen kann, um ihn zu beruhigen, während es ihn "verdaut". Es hatte sich als Baumhaus für Luke, als Spielzimmer für Steven und so weiter getarnt. Die Geschwister entschuldigen sich, Nell nicht gerettet zu haben, und sie versichert ihnen, dass sie sich alle geliebt haben. Olivias Geist hält die Geschwister gefangen und will nicht, dass sie gehen. Hugh überzeugt sie, die Tür zu öffnen, und verspricht ihr etwas. Sie befreit sie, und Shirley und Theo fahren Luke ins Krankenhaus. Hugh und Steven bleiben zurück, und die Folgen von Olivias Tod werden enthüllt, unter anderem die Tatsache, dass die Dudleys Abigails Eltern waren. Hugh verabschiedet sich von Steven und betritt den Roten Raum, um für immer bei Olivia und Nell zu bleiben (sein Versprechen). Steven erkennt endlich die Anwesenheit der Geister des Hauses an. Zwei Jahre später feiern die Geschwister, deren Bande wiederhergestellt sind, gemeinsam mit ihren Partnern Lukes Nüchternheit. Ein alternder Horace bringt Clara ins Haus, wo sie stirbt; ihr Geist vereint sich mit Abigail. - 8,5/10


Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkAmblin Television/FlanaganFilm/Paramount Television Studios

Montag, 29. Juni 2026

Double Blind - Schlaf! Nicht! Ein! (2023)

https://www.imdb.com/title/tt14729020/

Die junge Claire (Millie Brady) ist wegen ihres enormen Schuldenbergs in Schwierigkeiten. Da hört sie von einer klinischen Studie des Pharmakonzerns Blackwood, für die Freiwillige gesucht werden, um ein neues Medikament an sich testen zu lassen. Aufgrund der dafür angebotenen, für ihre Verhältnisse recht üppigen Aufwandsentschädigung meldet sich die junge Frau umgehend an. Das Ganze soll fünf Tage dauern und wird in der Zentrale des Unternehmens durchgeführt, wo den Probanden auch Kost und Logis gestellt werden. Claire ist Teil einer Gruppe etwa Gleichaltriger, zu der außerdem Amir (Ashley Kumar), Paul (Brenock O'Connor), Alison (Abby Fitz) und Vanessa (Shonagh Marie) zählen. Als Versuchsleiterin agiert Dr. Burke (Pollyann McIntosh), die den jungen Leuten stetig steigende Dosen des Mittels verabreicht. Das in Pillenform eingenommene Präparat soll Ermüdung reduzieren – ein Effekt, an dem sowohl die Wirtschaft als auch das Militär höchst interessiert sind. Als sich plötzlich erschreckende Nebenwirkungen zeigen, wird die Studie trotz offensichtlicher Gefahren fortgesetzt. Um die Bedenken unter den Teilnehmer*innen zu zerstreuen, wird ihnen eine Bonuszahlung angeboten...

Manchmal reicht eine einzige starke Idee aus, um einen Horrorfilm sofort interessant zu machen. "Double Blind", das Langfilmdebüt des irischen Regisseurs Ian Hunt-Duffy, setzt genau auf ein solches Konzept: Nach einem fehlgeschlagenen Medikamententest tritt bei den Teilnehmern eine fatale Nebenwirkung auf - wer einschläft, stirbt. Aus dieser simplen, aber äußerst wirkungsvollen Prämisse entwickelt sich ein klaustrophobischer Survival-Thriller, der über weite Strecken überzeugt, sein Potenzial jedoch nicht vollständig ausschöpfen kann. Die größte Stärke des Films ist ohne Zweifel seine Ausgangsidee. Schlaf ist ein Grundbedürfnis, dem niemand dauerhaft entkommen kann - das wusste schon Wes Craven. Genau daraus entwickelt "Double Blind" eine permanente Grundspannung. Jeder Moment der Müdigkeit wird zur Bedrohung, jede Sekunde ohne Schlaf bringt die Figuren näher an den körperlichen und psychischen Zusammenbruch. Diese permanente Anspannung sorgt dafür, dass der Film sein Publikum über weite Strecken effektiv fesselt. 

Auch das sterile Forschungsgebäude entwickelt sich schnell zu einem unangenehmen Labyrinth aus Fluren, Krankenzimmern und verschlossenen Türen. Mit zunehmender Schlaflosigkeit verschwimmen Realität und Halluzinationen immer stärker, wodurch der Film eine angenehm paranoide Stimmung erzeugt. Dabei setzt Hunt-Duffy weniger auf billige Jump-Scares als auf psychologischen Druck und die zunehmende Verzweiflung seiner Figuren. Millie Brady überzeugt als Claire mit einer glaubwürdigen Mischung aus Entschlossenheit und wachsender Erschöpfung. Sie trägt den Film souverän und schafft es, ihrer Figur auch in den ruhigeren Momenten emotionale Glaubwürdigkeit zu verleihen. Das übrige Ensemble erfüllt seine Aufgaben solide, auch wenn nicht alle Figuren ausreichend Zeit erhalten, um wirklich Konturen zu entwickeln. Angesichts des überschaubaren Budgets wirkt der Film erstaunlich hochwertig. Kamera, Sounddesign und Schnitt arbeiten effektiv zusammen und verstärken das beklemmende Gefühl, dass den Figuren buchstäblich die Zeit davonläuft. 

Leider trägt die starke Prämisse nur den Anfang mühelos;  im weiteren Verlauf fällt es dem Drehbuch schwer, die Spannung kontinuierlich zu steigern. Einige Wendungen wirken vorhersehbar, und spätestens im letzten Drittel wiederholt der Film seine Mechanismen etwas zu häufig. Hinzu kommt, dass manche Figuren recht klischeehaft bleiben. Dadurch verlieren einzelne dramatische Momente etwas von ihrer Wirkung, weil nicht alle Charaktere ausreichend Tiefe erhalten. Auch die Hintergründe des Experiments werden nur oberflächlich beleuchtet. Wer sich umfangreiche Erklärungen oder größere wissenschaftliche Zusammenhänge erhofft, dürfte am Ende mit einigen offenen Fragen zurückbleiben. Dennoch gelingt es "Double Blind", bis zum Schluss spannend zu bleiben. Gerade weil der Film seine Laufzeit auf rund 90 Minuten beschränkt, entstehen kaum größere Längen. Statt sich in komplizierten Mythologien zu verlieren, konzentriert sich Hunt-Duffy auf seine einfache, aber wirkungsvolle Grundidee und setzt diese mit viel Atmosphäre um. Viele Kritiker sahen darin einen vielversprechenden Einstand für den Regisseur und lobten den Film als effektiven kleinen Genrebeitrag mit großer Wirkung. 

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkEpic Pictures Group/Failsafe Films

Five Nights At Freddy's (2023)

https://www.imdb.com/de/title/tt4589218/

Eigentlich hat der Sicherheitsbeamte Mike Schmidt (Josh Hutcherson) ja schon genügend Probleme am Hals. Deshalb ist er zunächst froh, eine neue Stelle als Nachwächter bei "Freddy Fazbear's Pizza" antreten zu können. Schließlich ist das Familienrestaurant schon seit Jahren geschlossen - und so verspricht der Job ganz besonders unspektakulär zu werden. Wobei sich Mike nie die Frage gestellt hat, warum eine längst verrammelte Pizzeria überhaupt einen Nachtwächter braucht? Die Antwort gibt es gleich in der ersten Nacht: Irgendwann erwachen die animatronischen Tier-Maskottchen Freddy Fazbear, Bonnie, Chica und Foxy zum Leben - und töten jeden, der sich nach Mitternacht noch in das Gebäude wagt! Offenbar waren sie auch der Grund, warum "Freddy Fazbear's Pizza" überhaupt schließen musste - aber das hat Mike natürlich niemand verraten...

Die Kinoadaption des beliebten Indie-Horrorspiels "Five Nights At Freddy's", in dem es darum geht, Nachtschichten in einer Pizzeria zu überleben, erweist sich als äußerst umstritten. Auf dem Papier bietet der Film nämlich alles, was ein effektiver Horrorfilm benötigt. Die unheimlichen Animatronics gehören seit Jahren zu den ikonischsten Figuren des modernen Horrorgenres. Ihre Mischung aus nostalgischer Kinderunterhaltung und latent bedrohlicher Erscheinung besitzt enormes Potenzial. Tatsächlich sind die Figuren auch einer der gelungensten Aspekte des Films. Die von Jim Hensons Creature Shop umgesetzten Animatronics sehen hervorragend aus. Freddy, Bonnie, Chica und Foxy wirken greifbar, detailreich und deutlich eindrucksvoller als viele rein digitale Kreaturen moderner Horrorfilme. 

Leider gelingt es dem Film nur selten, aus diesen Figuren echten Horror zu erzeugen. Auch mangelt es massiv an Spannung. Statt auf konstantes Unbehagen oder intensive Schockmomente zu setzen, konzentriert sich die Geschichte stark auf ihre Hintergrundgeschichte und die emotionalen Probleme der Hauptfigur. Dadurch entsteht ein Film, der sich oft eher wie ein Mystery-Drama mit Horrorelementen anfühlt als wie ein echter Gruselfilm. Dabei liefert Josh Hutcherson als Mike eine solide Leistung ab und bemüht sich, seiner Figur emotionale Tiefe zu verleihen. Das Problem liegt weniger beim Schauspiel als beim Drehbuch. Viele Nebenfiguren bleiben oberflächlich, Dialoge wirken stellenweise hölzern, und die Handlung erklärt ihre Mysterien oft ausführlicher, als nötig wäre. Gerade die Traumsequenzen, die einen großen Teil der Laufzeit einnehmen, bremsen das Tempo immer wieder aus und nehmen der Geschichte viel von ihrer Dringlichkeit.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass der Film oft nicht genau weiß, welche Zielgruppe er ansprechen möchte. Die Atmosphäre dürfte für jüngere Zuschauer stellenweise ausreichend unheimlich sein, für mich war es einfach nur harmlos bis sogar langweilig. Man fühlt, dass das düstere Potenzial der Vorlage zugunsten einer familienfreundlicheren Ausrichtung abgeschwächt wurde. Das ist schade, denn dadurch entsteht ein Werk, das zwischen Jugendfilm, Mystery und Horror pendelt, ohne auch nur in einer dieser Kategorien vollständig zu überzeugen. Dennoch wäre es unfair, die Qualitäten des Films vollständig zu ignorieren. Die Produktionsgestaltung ist ansprechend - das muss man zugeben. Freddy Fazbear’s Pizza wirkt wie ein eingefrorenes Relikt aus einer anderen Zeit und vermittelt genau jene Mischung aus Nostalgie und Verfall, die man erwarten könnte auch ohne die Spielereihe zu kennen. Sicher gibt es Fanservice - doch der funktioniert auch nur, wenn man diese Spiele kennt. Ein Minuspunkt also, denn damit holt der Film längst nicht alle Zuschauer ab. Aus Sicht eines eigenständigen Kinofilms reichen letztlich die Stärken also nicht aus, um die offensichtlichen Schwächen auszugleichen. Zu oft bleibt die Spannung auf der Strecke, zu selten entfaltet sich echter Horror, und die Handlung verliert sich in Erklärungen statt in Atmosphäre. Was hätte ein nervenaufreibender Albtraum werden können, entwickelt sich stattdessen zu einer überraschend zahmen und oft vorhersehbaren Geistergeschichte.

"Five Nights At Freddy's" überzeugt zwar mit liebevoll gestalteten Animatronics und einer starken visuellen Umsetzung, als Horrorfilm bleibt er jedoch deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück. Die geringe Spannung, die schwache Figurenzeichnung und die unentschlossene Tonalität verhindern, dass die Verfilmung ihr enormes Potenzial ausschöpft. Für eingefleischte Fans mag der Film interessante Momente bereithalten, als eigenständiges Kinoerlebnis bleibt jedoch vor allem das Gefühl einer vertanen Chance.

3,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkBlumhouse Productions/Scott Cawthon Productions