https://www.imdb.com/de/title/tt35538033/https://letterboxd.com/film/untitled-resident-evil-reboot/Für Kurierfahrer Bryan (Austin Abrams) beginnt der Tag mit einem Routineauftrag: Er soll ein biomedizinisches Paket an seinen Bestimmungsort bringen. Doch schon kurz nach der Übernahme der Lieferung gerät der Einsatz außer Kontrolle. Aus der vermeintlich gewöhnlichen Fahrt entwickelt sich innerhalb weniger Stunden ein Albtraum, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint. Mit jeder Station nehmen die Ereignisse eine bedrohlichere Wendung, während Bryan immer tiefer in eine Situation hineingezogen wird, deren Ausmaß er zunächst nicht begreift. Die geheimnisvolle Fracht löst eine Kette unvorhersehbarer Geschehnisse aus und macht die Nacht zu einem erbitterten Kampf ums Überleben. Je weiter der Transport voranschreitet, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Horror.

Zach Creggers "Resident Evil" ist der für mich bisher überzeugendste Versuch, den Geist der Videospielreihe ins Kino zu übertragen. Statt erneut die Geschichten von Chris Redfield, Jill Valentine oder Leon S. Kennedy nachzuerzählen, bringt Cregger eine eigenständige Geschichte: Der Uber-Kurier für medizinische Sachen Bryan (Austin Abrams) gerät auf einer letzten Fahrt nach Raccoon City mitten in einen Situation, die er gar nicht begreifen kann und muss eine geheimnisvolle biomedizinische Fracht durch eine Nacht voller Monster und Mutationen bringen. Und wie atmosphärisch das ist! Cregger, der mit "
Barbarian" und "
Weapons" bereits bewiesen hat, dass er Horror effektiv inszenieren kann, setzt hier weniger auf Dauerfeuer als auf Unsicherheit, Enge und Ressourcenknappheit. Genau das entspricht seiner Vorstellung von "Resident Evil" als Survival Horror und nicht als reiner Actionfilm. Munition und Heilmittel sind knapp, jeder Schuss hat Konsequenzen - ein ungewöhnlich konsequenter Versuch, eine typische Spielmechanik filmisch umzusetzen. Austin Abrams erweist sich dafür als passende Hauptfigur. Bryan ist kein übermenschlicher Actionheld, sondern ein gewöhnlicher Mensch, der zunehmend von den Ereignissen überfordert wird. Dadurch entsteht tatsächlich das Gefühl, dass jede Begegnung mit einem Gegner gefährlich sein könnte. Zudem versucht der Film erfreulicherweise nicht, seine Figuren durch permanente One-Liner künstlich cool erscheinen zu lassen. Und - man! - ist das spannend! Gerade weil die Hauptfigur ständig in Gefahr ist, fiebert man von Beginn an mit. Und man lacht über wiederkehrende Gags, wie zum Beispiel das Schlösser eben nicht so einfach zu knacken sind, wie es einem andere Filme weis machen wollen. Oder eben, dass Autos nicht das Allheilmittel sind, um irgendwo wegzukommen. Herrlich.
Auch die Monster funktionieren. Die Zombies (die im Film niemals so genannt werden) und mutierte Kreaturen sind nicht bloß digitale Zielscheiben, sondern werden als reale (und oft kreative) Bedrohung inszeniert. Cregger setzt dabei bewusst auf vertraute Elemente des Spiels - darunter den (hier nicht näher benannten) T-Virus, bekannte Heilgegenstände, Waffen und weitere Easter Eggs. Für Kenner gibt es einiges zu entdecken, ohne dass der Film für Neueinsteiger zu einem reinen Insidergag verkommt. Gerade diese Balance ist bemerkenswert, denn "Resident Evil" geht einen riskanten Weg. Cregger erzählt ausdrücklich keine direkte Adaption eines bestimmten Spiels. Die Handlung ist vielmehr eine neue Geschichte innerhalb des bekannten Universums und spielt zeitgenössisch in einem winterlichen Raccoon City. Das entfernt den Film zwar von der konkreten Ästhetik der ursprünglichen Spiele, gibt ihm gleichzeitig genug Freiheit, eine eigene Identität zu entwickeln.
Und das ist gut so. Creggers Entscheidung, die Geschichte in die Gegenwart zu verlegen, wirkt bodenständig, obwohl die Handlung trotz ihrer eigenständigen Ausgangslage ziemlich geradlinig verläuft. Einige Nebenfiguren bleiben eher funktional, manche sind notwendiges Übel und stören sogar etwas, sind aber wichtig für die entscheidende Information. Und sobald der Film stärker auf Action setzt, verliert er etwas von der beklemmenden Atmosphäre seiner ersten Hälfte. Trotzdem ist genau dieser Survival-Horror-Fokus das entscheidende Argument für den Film. Nach den
Paul-W.S.-Anderson-Filmen, die sich zunehmend vom Horror zum bombastischen Actionkino entwickelten, und dem ebenfalls nur bedingt gelungenen Reboot "
Welcome To Raccoon City" findet Cregger wieder zurück zu dem Gefühl, das die Spiele ursprünglich ausgezeichnet hat: Nicht der Held kontrolliert die Situation - die Situation kontrolliert den Helden. Selbst die bewusste Beschränkung auf einen kleineren Ausschnitt der umfangreichen "
Resident Evil"-Mythologie ist deshalb eine gute Entscheidung. Cregger hat selbst erklärt, dass er sich nicht in der immer komplexer gewordenen Lore verlieren wollte, sondern die Atmosphäre und das grundlegende Konzept in den Mittelpunkt stellen wollte. Und das ist ihm vollauf gelungen.

Handwerklich ist das Ganze erfreulich solide. Kamera, Produktionsdesign, Creature Effects und Sound arbeiten konsequent auf Atmosphäre hin. Besonders die winterliche Umgebung gibt Raccoon City einen passenden Look und verhindert, dass der Film wie eine bloße Kopie bekannter Spiele-Szenarien wirkt. Gleichzeitig bleiben genügend vertraute Details erhalten, damit Fans sofort erkennen, in welcher Welt sie sich befinden. Damit avanciert "Resident Evil" nicht zu der die perfekten Videospielverfilmung und schon gar nicht zu einer 1:1-Adaption. Dafür ist Creggers Film zu eigenständig. Aber gerade darin liegt seine Stärke. Er versteht, dass "Resident Evil" nicht primär von komplizierter Mythologie oder möglichst vielen bekannten Figuren lebt, sondern von Atmosphäre, Ressourcenknappheit, klaustrophobischer Spannung und dem unangenehmen Gefühl, nie wirklich vorbereitet zu sein. Austin Abrams trägt die Geschichte überzeugend, die Kreaturen machen Spaß und die zahlreichen spielerischen Details wirken meist organisch statt aufgesetzt. Lediglich die Begegnung im Mittelteil, die zweifelsohne wichtig für die Story ist, will für mich irgendwie nicht so recht passen. Und dennoch ist dies endlich wieder ein "Resident Evil", der sich wie "Resident Evil" anfühlt - und nicht wie ein gewöhnlicher Actionfilm mit Zombies.
PS: Lieber Zach Cregger, sollten Sie das lesen... wie wärs mit "Dead Space"? 😉
8/10
Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Constantin Film/Subconscious/Vertigo Entertainment/Davis Films/Columbia Pictures/PlayStation Productions/TriStar Pictures