Dienstag, 7. Juli 2026

Into the Wild (2007)

https://www.imdb.com/de/title/tt0758758/
https://letterboxd.com/film/into-the-wild/

m Sommer 1990 hat Christopher McCandless (Emile Hirsch) sein Studium mit Bestnoten abgeschlossen. Seine berufliche Zukunft sieht blendend aus. Doch der junge Mann ist an solchen Oberflächlichkeiten nicht interessiert. Er wird von ideellen Werten angetrieben, denen seine gut situierten Eltern (William Hurt und Marcia Gay Harden) nicht genügen können. Für Chris ist klar: Er will kein Teil seiner heuchlerischen Umgebung werden. Nachdem er alle seine Ersparnisse der Wohlfahrt gespendet hat, beginnt er im Sommer 1990 eine Reise durch die Vereinigten Staaten, eine Suche nach sich selbst. Der Weg führt ihn über Kalifornien, den Grand Canyon, Mexiko und Washington State final nach Alaska, wo er in der unwirtlichen Ödnis nur von der Natur ernährt überleben will. Unterwegs macht er Bekanntschaft mit einem alternden Hippie-Paar (Catherine Keener, Brian Dierker), einem über-enthusiastischen, FBI-gesuchten Farmvorarbeiter (Vince Vaughn), einer frühreifen Aussteiger-Nymphe (Kristen Stewart) und einem vereinsamten Witwer (Hal Halbrook). All diese Menschen prägen Chris, aber von seinem Ziel lässt er sich nicht abbringen...

Regisseur Sean Penn adaptierte den gleichnamigen Sachbuch-Bestseller von Jon Krakauer und erzählt die wahre Geschichte von Christopher McCandless - einem jungen Mann, der dem materiellen Wohlstand den Rücken kehrt, um in der Wildnis Alaskas nach einem einfacheren, freieren Leben zu suchen. Das Ergebnis ist ein bewegendes Roadmovie, das gleichermaßen inspiriert, fasziniert und zum Nachdenken anregt. Dieser Film ist einer der seltenen Exemplare, die weniger von ihrer Handlung als von ihren Gedanken und Gefühlen leben. Penn inszeniert diese Reise mit viel Ruhe und Respekt vor ihrer realen Vorlage. Statt aus McCandless einen unfehlbaren Helden zu machen, zeigt der Film einen jungen Mann voller Ideale, Widersprüche und Fehler. Gerade diese differenzierte Darstellung macht "Into The Wild" so interessant. Der Film romantisiert seinen Protagonisten nicht vollständig, sondern lädt das Publikum dazu ein, selbst über dessen Entscheidungen nachzudenken. 

Emile Hirsch liefert dabei eine herausragende Leistung ab und trägt den Film durchgehend im Alleingang. Er verkörpert Christopher mit einer Mischung aus jugendlichem Idealismus, Abenteuerlust und wachsender Unsicherheit. Seine Darstellung macht nachvollziehbar, warum Menschen sich von McCandless' Geschichte gleichermaßen angezogen und irritiert fühlen. Ein weiterer großer Pluspunkt sind die beeindruckenden Landschaftsaufnahmen. Ob endlose Wüsten, gewaltige Berge oder die raue Natur Alaskas - Kameramann Éric Gautier fängt die Schönheit der amerikanischen Landschaft in eindrucksvollen Bildern ein. Die Natur wird dabei nicht nur zur Kulisse, sondern zu einem eigenen Charakter, der gleichermaßen Freiheit und Gefahr verkörpert. Diese visuellen Eindrücke gehören ohne Zweifel zu den größten Stärken des Films. Auch der Soundtrack trägt maßgeblich zur Wirkung bei. Die eigens komponierten Songs von Eddie Vedder verleihen vielen Szenen eine melancholische, fast meditative Stimmung und unterstreichen die emotionale Reise des Protagonisten perfekt. Musik und Bilder verschmelzen immer wieder zu Momenten, die lange im Gedächtnis bleiben und wesentlich dazu beitragen, dass "Into The Wild" eine so intensive Atmosphäre entwickelt.

Neben seiner beeindruckenden Inszenierung überzeugt der Film auch durch seine philosophische Ebene und Themen. Freiheit, Konsumkritik, Selbstbestimmung und die Suche nach dem Sinn des Lebens ziehen sich wie ein roter Faden durch die gesamte Geschichte. Gleichzeitig stellt Sean Penn immer wieder die Frage, ob völlige Unabhängigkeit tatsächlich glücklich macht oder ob der Mensch letztlich doch auf die Nähe anderer angewiesen ist. Mit einer Laufzeit von knapp zweieinhalb Stunden nimmt sich der Film allerdings etwas zu viel Zeit für seine Episoden, wodurch das Erzähltempo stellenweise etwas gemächlich ausfällt. Einige Begegnungen wirken leicht episodisch und bremsen den erzählerischen Fluss. Zudem neigt der Film gelegentlich dazu, seinen Protagonisten etwas zu idealisieren, auch wenn er dessen Fehlentscheidungen letztlich nicht verschweigt. "Into The Wild" ist aber auch kein Film, der einfache Antworten liefert oder sein Publikum belehren möchte. Stattdessen erzählt er eine zutiefst menschliche Geschichte über Träume, Freiheit und die Konsequenzen radikaler Entscheidungen. Gerade weil der Film seinen Zuschauer zum Nachdenken anregt, entfaltet er seine größte Wirkung oft erst nach dem Abspann.

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkRiver Road Entertainment/Paramount Vantage/Linson Entertainment/Square One C.I.H./Into the Wild

Montag, 6. Juli 2026

The Haunting Of Bly Manor - Spuk in Bly Manor (2020)

https://www.imdb.com/de/title/tt10970552/

Nach einem schweren Schicksalsschlag nimmt die junge Lehrerin Dani Clayton (Victoria Pedretti) Reißaus nach England. Dort tritt sie im Auftrag des wohlhabenden Henry Wilgrave (Henry Thomas) schließlich eine neue Stelle an, für die sie wie gemacht zu sein scheint: So soll sie auf dessen abgeschiedenem Landsitz Bly Manor die Betreuung seiner Nichte Flora (Amelie Bea Smith) und seines Neffen Miles (Benjamin Evan Ainsworth) übernehmen, deren Eltern zwei Jahre zuvor ums Leben gekommen sind. Dani wird von den etwas sonderbaren, aber aufgeweckten Kindern sowie den im Anwesen arbeitenden Angestellten um Koch Owen (Rahul Kohli), Haushälterin Mrs. Grose (T’Nia Miller) und Gärtnerin Jamie (Amelia Eve) sehr herzlich empfangen. Allerdings häufen sich bald die merkwürdigen Vorkommnisse in und um das alte Haus. Neben ihren eigenen Dämonen scheinen auch die Geister aktueller und früherer Bewohner hier ihr Unwesen zu treiben...

https://www.imdb.com/title/tt8030600/
1. Der großartig gute Ort (The Great Good Place)
2007, Nordkalifornien: Nach dem Probedinner für eine Hochzeit versammeln sich das Brautpaar und die Gäste am Kamin. Als sie auf Gespenstergeschichten zu sprechen kommen, beginnt eine ältere Frau, eine Geschichte über zwei Kinder zu erzählen. 1987, England: Dani Clayton erhält bei Henry Wingrave eine Stellung als Au-pair, auf seine Nichte und seinen Neffen in Bly Manor aufzupassen und sie zu erziehen. Ihre Vorgängerin soll sich das Leben genommen haben. Auf dem Anwesen trifft sie die Kinder Flora und Miles und die Angestellten Koch Owen, Hannah und später Gärtnerin Jamie. Flora, die in ihrem Zimmer ein Puppenhausmodell des Anwesens hat, warnt sie, nachts ihr Zimmer nicht zu verlassen, um der Frau aus dem See zu entgehen. Dani sieht einen Fremden auf dem Grundstück und es gibt Anrufe, bei denen sich niemand meldet. In einer Nacht bringen die Kinder sie dazu, in Floras Schrank zu gehen, und schließen sie ein, worauf sie in Panik ausbricht. Nachdem sie sie wieder hinauslassen, sind auf dem Flurboden schlammige Fußabdrücke. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt8205860/
2. Der Schüler (The Pupil)
Sechs Monate vorher: Nachdem Miles am Semesterbeginn im Internat einen Brief von Flora mit der Nachricht "Komm nach Hause" erhalten hat, beginnt er sich danebenzubenehmen, etwa mit einer Prügelei und indem er einen Vogel umbringt, sodass er nach Hause geschickt wird. Dani lässt die Kinder den Boden wischen, worauf Miles eine Puppe von Flora den Wäscheschacht hinunterwirft, und die Gartenarbeit übernehmen. Beim Aufräumen von Danis Sachen findet Flora eine zerbrochene Brille, was diese zum Weinen bringt. In Spiegeln sieht sie immer wieder eine Figur mit Scheinwerferlicht in den Brillengläsern. Beim Versteckspielen mit den Kindern findet Dani im Zimmer der verstorbenen Eltern ein Foto der früheren Erzieherin Rebecca mit ihrem Geliebten, dem Fremden, den sie gesehen hatte. Als dieser wieder vor einem Fenster erscheint, kippt Miles ohnmächtig um. - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt8205862/
3. Die zwei Gesichter, Teil Eins (The Two Faces, Part One)
Ein Jahr vorher: Rebecca Jessel wird nach einem Bewerbungsgespräch bei Henry Wingrave und Peter Quint als Erzieherin der Kinder eingestellt. In Bly Manor verrät sie Peter, dass sie hofft, ein Anwaltspraktikum bei Henry zu ergattern. Sie flirten miteinander und beginnen eine Affäre, die Hannah missbilligt. Bald schon wird Peter besitzergreifend und eifersüchtig, als sie nett zu Owen ist. Ein Polizist hat bei seinem Rundgang Peter Quint, der Henry Geld gestohlen haben soll, nicht gefunden, also gehen Dani und Jamie selbst auf Suche. Die anderen Angestellten beschließen, über Nacht im Manor zu bleiben. Am nächsten Morgen sieht Flora am See Rebeccas Geist, was sie aufwühlt. Später führen die Kinder auf der Treppe Märchenstunde vor, bei der Flora die Geschichte einer Katze und Miles von einem Puppenmacher erzählt. Währenddessen erhält Owen telefonisch die Nachricht, dass seine Mutter verstorben ist, und fährt weg. Alleine draußen sieht Dani wieder die Scheinwerferfigur und bekommt eine Panikattacke. - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt8205864/
4. Wie alles kam (The Way It Came)
Rückblicke: Dani war vor Kurzem mit ihrem Kindheitsfreund Edmund verlobt. Dessen Mutter schenkt ihr auf der Feier ihr altes Brautkleid. Bei einem Essen zu zweit sagt Dani Edmund, dass sie ihn nicht heiraten kann. Als er nach einem Streit darüber aus dem Auto aussteigt, wird er von einem Lastwagen erfasst, dessen Scheinwerfer sich in seiner Brille spiegeln. Im Krankenhaus sieht sie erstmals seinen Geist. Dani entscheidet sich, nicht auf die Beerdigung von Owens Mutter zu gehen. Flora paust im Garten Grabsteininschriften ab, auch in der Kirche den Namen Viola Lloyd. Auch Hannah bleibt dort und bereitet mit den Kindern Owens Lieblingsgericht. Bei dem Essen, nachdem Owen überraschend zurückgekehrt ist, benimmt Miles sich wie ein Erwachsener und verlangt Wein. Abends versammeln die Erwachsenen sich an einem Lagerfeuer. Jamie schlägt vor, nach einer alten Tradition symbolische Knochen für die Verstorbenen hineinzuwerfen. Hannah spricht über Rebecca, Jamie über Lord und Lady Wingrave, Owen über seine Mutter. Im Gewächshaus küsst Dani Jamie, aber sieht Edmunds Geist wieder, und Jamie fährt mit Owen ins Dorf. Als Dani nachts aufwacht und angetrunken umhergeht, lenken die Kinder sie ab, während die Frau aus dem See vorbeizieht. Schließlich wirft sie Edmunds Brille in das Feuer. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt8205866/
5. Der Altar der Toten (The Altar Of The Dead)
Am Lagerfeuer erinnert Hannah sich zurück an Owens Bewerbungsgespräch. Sie springt zwischen verschiedenen Erinnerungen umher, agiert in diesen, als ob sie sich gerade darin befindet, sieht auch Momente, in denen sie eigentlich nicht anwesend war, und kehrt mit neuen Erkenntnissen immer wieder zu dem Bewerbungsgespräch zurück. Erinnerungen: Nach seiner Rückkehr zu Bly und Versöhnung mit Rebecca beginnt Peter, Schmuck aus Charlottes Hinterlassenschaften zu stehlen. Eines Abends schlägt er Rebecca vor, gemeinsam nach Amerika zu gehen, und sie solle packen und ihm vertrauen. In einer Nacht wird er vor den Augen der Kinder von dem Geist der Frau aus dem See an der Kehle gepackt. Er kehrt sofort als Geist zurück und beobachtet, wie sie seinen Körper aus dem Haus schleift. Dabei fährt er für einen kurzen Moment in Miles hinein. Von da an benimmt sich Miles immer wieder Mal wie ein Erwachsener, etwa indem er raucht. Eines Tages, als Hannah Miles mit Peter am Brunnen sieht, stößt Peter in Miles’ Körper sie den Brunnen hinunter, wo sie stirbt und als Geist zurückkehrt. In dem Moment kommt Dani an und begrüßt sie. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt8205868/
6. Das glückliche Eck (The Jolly Corner)
Flora sieht Rebeccas Geist und wird von ihr in ihre Erinnerungen weggesteckt, was für die anderen scheint, als ob sie schlafwandle. Abends zeigt Jamie Dani eine Mondblüte und als Owen auf die Kinder aufpasst, schlafen sie nachts miteinander. Auf Danis Anrufe über Floras Zustand reagiert Henry nicht. Er betrinkt sich in seinem Büro im Selbstgespräch mit seiner dunklen Seite in Erinnerung an die verstorbenen Wingraves. Er ist der stumme Anrufer in Bly Manor, da nie Flora abhebt. Schließlich beschließt er, zum Anwesen zu fahren. Als auch Dani Rebecca und Peter sieht, will sie mit Flora fliehen, aber Miles schlägt sie von hinten nieder. Erinnerungen: Dominic kommt gerade rechtzeitig zur scheinbaren Frühchengeburt von Flora. Als Flora fünf Jahre alt ist, sieht sie den Geist eines Jungen ohne Gesicht, dem sie laut Henry eine Geschichte geben soll. Zu ihrem sechsten Geburtstag schenkt Henry ihr das Puppenhaus und Dominic erkennt, dass Henry Floras Vater ist, den er darauf im Büro aus dem Anwesen verbannt. Nachdem Dominic und Charlotte als zweite Flitterwochen nach Indien gefahren sind, erhält Henry bald darauf die Nachricht, dass sie durch einen Unfall verstorben sind. Als der Geist des Jungen eine Puppe in das Modellhaus legt, gibt Flora ihm eine Maske für das Gesicht. - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt8205870/
7. Die zwei Gesichter, Teil Zwei (The Two Faces, Part Two)
Dani ist auf dem Dachboden gefesselt und geknebelt. Während die Kinder vorschlagen, sie solle auch in Erinnerungen weggesteckt werden und traumwandeln, gleiten Rebecca und Peter selbst in Erinnerungen an. Als sie wieder da sind, sollen die Kinder ihnen nun helfen, damit sie nicht verblassen und ihr Gesicht verlieren; die Kinder würden im Gegenzug für immer in Erinnerungen weggesteckt, in denen sie mit ihren Eltern leben. Gerade als die Kinder die Geister in sich gelassen haben, ruft Hannah nach ihnen und Miles geht zu ihr. Er zwingt sie, den Brunnen hinabzuschauen, wodurch Hannah erkennt, dass sie tot ist. Währenddessen bindet Flora Dani los und enthüllt, dass sie und Rebecca nur geflunkert haben. Dani flieht mit Flora nach draußen, aber wird von der Frau aus dem See gepackt. Erinnerungen: Nachdem ein Polizist mit Hannah und Rebecca darüber spricht, dass Peter scheinbar Wertsachen gestohlen habe und abgehauen sei, erzählt Miles Rebecca, ein Monster habe Peter geholt. Jamie ermutigt Rebecca, Henry endlich auf das Anwaltspraktikum anzusprechen. Plötzlich zeigt Peter sich Rebecca und klärt sie auf, dass er ein Geist ist und das Anwesen nicht verlassen kann. Sie können sich nicht berühren, aber Peter kann in sie hineinfahren, wobei er nach kurzer Zeit ausgestoßen wird. Damit sie zusammenbleiben können, bittet sie ihn in sich hinein, wodurch er ihren Körper übernimmt. Als Rebecca geht Peter in den See und ertränkt sie so, damit sie auch ein Geist wird. Flora und Jamie sehen die treibende Leiche. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt8205872/
8. Die Romantik mancher alter Kleider (The Romance Of Certain Old Clothes)
An dieser Stelle schiebt die Erzählerin eine andere Geschichte über Bly ein. Die Szenen dieser Geschichte sind als Schwarzweißfilm dargestellt. Mitte des 17. Jahrhunderts: Nachdem die Schwestern Viola und Perdita Willoughby ihren Vater verloren haben, heiratet die ältere Viola aus strategischen Gründen den Verwandten Arthur Lloyd, entwickelt aber bald auch Liebe zu ihm und bekommt eine Tochter namens Isabel. Während sie wertvolle Kleider ansammelt, erkrankt sie an der Lunge (wahrscheinlich Tuberkulose) und muss von der Familie in einem anderen Schlafzimmer separiert werden. Sie weigert sich, den Ritus des Vikars nachzusprechen, damit Gott ihre Seele aufnehme, und zu sterben. Nach fünf Jahren, in denen Viola verbittert und Perdita und Arthur sich angenähert haben, lässt Viola ihre Kleider für Isabel in einer Truhe auf dem Dachboden verwahren. Als Arthur auf Reisen ist, erstickt Perdita ihre Schwester, worauf bald Perdita und Arthur heiraten. An Violas sechsten Todestag entscheidet Perdita aus Geldnot die Truhe zu öffnen und wird dabei von Violas Geist erwürgt. Als Arthur und Isabel das Anwesen verlassen, werfen sie die Truhe in den See, worauf Viola beschließt, nicht ins Jenseits überzugehen. Sie geht immer wieder auf der Suche nach ihrer Tochter zu ihrem Schlafzimmer im Anwesen und zurück in den See. Wenn Menschen dabei ihren Weg kreuzen, tötet sie diese. Mit der Zeit verblasst sie und ihr Gesicht. Als sie einmal ein Kind in dem Bett sieht, nimmt sie ihn in den See mit (Floras Junge ohne Gesicht). - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt8205874/
https://www.imdb.com/title/tt8205876/
9. Das Tier im Dschungel (The Beast in the Jungle)
Während Viola Dani in das Haus schleift, geht sie durch Hannah hindurch. In ihrem alten Zimmer bittet Flora sie, Dani gehen zu lassen, und Viola nimmt das Mädchen in ihren Armen zum See mit. Henry kommt an, den Viola zu Boden wirft, und dann Owen und Jamie zusammen. Auf Bitte Rebeccas lässt Flora diese in sich hinein, damit Rebecca stattdessen das Ertrinken fühlt, aber gerade bevor Viola und Flora unter der Oberfläche sind, bittet Dani Viola in sich hinein und ist an ihrer Stelle, sodass sie Flora aus dem See retten kann. Darauf ist Violas Kraft gebrochen und alle Geister erlöst; Peter verschwindet aus Miles, Hannah verschwindet und Owen und Jamie sehen ihre Leiche im Brunnen. Henry mit den Kindern sowie Dani, die spürt, dass Viola in ihr wartet, und Jamie ziehen darauf jeweils nach Amerika, wo die beiden ein Blumengeschäft betreiben. Nach fünf Jahren macht Dani Jamie einen symbolischen Antrag, da sie nicht legal heiraten können. Sie besuchen Owen, der in Paris ein Restaurant zu Ehren Hannahs eröffnet hat; er erzählt ihnen, dass die Kinder sich nicht mehr an die Vorfälle in Bly erinnern können. Dani sieht Viola in Spiegelungen und hat Angst, sich selbst zu verlieren. Als Dani eines Tages verschwunden ist, fährt Jamie nach Bly und findet sie im See ertrunken. Ihr weiteres Leben hindurch versucht Jamie, in Spiegelungen Dani zu sehen. Rahmenhandlung: Als die Erzählerin mit der Geschichte endet, sagt sie auf die Nachfrage einer Frau, man könne kein Anwesen mit dem Namen Bly finden, aber es gebe das Anwesen wirklich. Nachdem alle anderen gegangen sind, bleibt nur die Braut bei ihr. Sie sagt, es sei eine Liebesgeschichte gewesen, und spricht als lustigen Zufall an, dass Flora ihr zweiter Vorname sei. Bei der Hochzeitsfeier sieht die Erzählerin, Jamie, die Personen der Geschichte wieder, wie sie damals waren. In ihrem Hotelzimmer hofft sie schließlich, dass Dani zu ihr kommt. - 8,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkIntrepid Pictures/Amblin Television/Paramount Television Studios

Futureworld - Futureworld: Das Land von Übermorgen (1976)

https://www.imdb.com/title/tt0074559/
https://letterboxd.com/film/futureworld/

Die Handlung spielt einige Jahre nach den katastrophalen Ereignissen von Westworld. Der Freizeitkonzern Delos hat seine Anlagen wieder aufgebaut und lädt ausgewählte Journalisten ein, die Sicherheit und Fortschrittlichkeit des neuen Freizeitparks "Futureworld" zu begutachten. Die Reporter Chuck Browning (Peter Fonda) und Tracy Ballard (Blythe Danner) werden jedoch misstrauisch, als Hinweise auf eine größere Verschwörung auftauchen. Schon bald entdecken sie, dass Delos weit mehr plant als die Unterhaltung zahlungskräftiger Besucher - und dass modernste Robotertechnologie möglicherweise dazu genutzt wird, die mächtigsten Menschen der Welt zu ersetzen.

Fortsetzungen stehen oft vor der schwierigen Aufgabe, die Welt eines erfolgreichen Films zu erweitern, ohne dabei dessen Reiz zu verlieren. Genau daran scheitert "Futureworld", zumindest teilweise. Drei Jahre nach Michael Crichtons einflussreichem Science-Fiction-Thriller "Westworld" kehrte das Delos-Universum zurück - diesmal unter der Regie von Richard T. Heffron. Statt erneut auf Spannung und technologischen Terror zu setzen, schlägt die Fortsetzung einen anderen Weg ein und entwickelt sich zu einer Mischung aus Verschwörungsthriller, Science-Fiction-Abenteuer und technologischem Zukunftsmärchen. Das Ergebnis ist durchaus unterhaltsam, erreicht jedoch nie die Klasse oder Intensität seines Vorgängers. Der stärkste Aspekt von "Futureworld" ist zweifellos seine Grundidee. Während "Westworld" vor allem von außer Kontrolle geratenen Maschinen handelte, beschäftigt sich die Fortsetzung mit Identitätsverlust, Klonen, Manipulation und der Frage, ob Technologie dazu genutzt werden könnte, politische und wirtschaftliche Machtstrukturen zu kontrollieren. Rückblickend wirken manche dieser Themen erstaunlich modern und greifen Ängste auf, die auch heute noch relevant erscheinen. 

Auch Blythe Danner hinterlässt einen positiven Eindruck. Ihre Figur Tracy Ballard bringt deutlich mehr Energie in die Geschichte als der oftmals etwas passiv wirkende Chuck Browning. Danner gelingt es, selbst in den ruhigeren Szenen Interesse aufrechtzuerhalten, und sie sorgt für einige der besten Momente des Films. Peter Fonda bleibt solide, wirkt jedoch nicht immer so engagiert, wie die Geschichte es eigentlich verlangen würde. Interessant ist zudem der historische Stellenwert des Films. "Futureworld" gehört zu den frühen Science-Fiction-Produktionen, die Computergrafiken einsetzten. Einige der digitalen Animationen waren damals technisch bemerkenswert und gelten heute als kleine Meilensteine der Filmgeschichte. Natürlich wirken diese Effekte aus heutiger Sicht sehr einfach, besitzen aber einen gewissen nostalgischen Charme. 

Leider offenbaren sich mit zunehmender Laufzeit auch die Schwächen des Films. Das größte Problem ist das Tempo. Während "Westworld" seine Bedrohung konsequent aufbaute und den Zuschauer permanent unter Druck setzte, verliert sich "Futureworld" häufig in Besichtigungen futuristischer Attraktionen und längeren Expositionsszenen. Die Spannung entwickelt sich nur schleppend, und viele der faszinierenden Ideen werden erst sehr spät wirklich relevant. Hinzu kommt, dass die Inszenierung stellenweise überraschend bieder wirkt. Der Film ist zu glatt und fast fernsehhaft inszeniert. Wo Michael Crichtons Original noch eine unangenehme, beinahe bedrohliche Atmosphäre erzeugte, wirkt "Futureworld" oftmals wie eine geführte Tour durch ein futuristisches Freizeitresort. Selbst die Verschwörung entfaltet nie ganz die Dringlichkeit, die ihr eigentlich innewohnt. Selbst das Finale hinterlässt einen etwas zwiespältigen Eindruck. Die Enthüllungen sind interessant und besitzen großes Potenzial, doch die Auflösung wirkt überraschend zurückhaltend. Die Geschichte deutet wesentlich größere Konsequenzen an, als sie dann letztlich tatsächlich ausspielt. Dadurch fehlt dem Schluss die Wucht, die man nach dem Aufbau der Handlung erwarten würde. 

Trotz dieser Schwächen bleibt "Futureworld" ein durchaus noch sehenswerter Science-Fiction-Film seiner Zeit. Er mag nicht die Spannung von "Westworld" besitzen, bietet aber einige interessante Zukunftsvisionen und eine Verschwörungsgeschichte, die ihrer Epoche teilweise voraus war. Gerade Fans klassischer 70er-Jahre-Science-Fiction dürften Gefallen an den charmanten Ideen, den futuristischen Designs und der nostalgischen Atmosphäre finden. Als nostalgischer Science-Fiction-Thriller funktioniert er durchaus, als große Fortsetzung bleibt er jedoch hinter seinen Möglichkeiten zurück.

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkAmerican International Pictures/The Aubrey Company

Sonntag, 5. Juli 2026

Westworld (1973)

https://www.imdb.com/title/tt0070909/
https://letterboxd.com/film/westworld/

Im Freizeitpark der Zukunft kann jeder den Helden spielen! Ob Cowboy, Ritter oder römischer Herrscher - der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Die Gegner und Statisten sind allesamt Androiden, die "verletzt" oder gar "getötet" werden können, während den Menschen durch eine spezielle Sensorik in den Waffen nichts geschehen kann. Peter Martin (Richard Benjamin) und John Blane (James Brolin) beschließen den Wilden Westen unsicher zu machen. Durch einen Systemfehler geraten die Androiden außer Kontrolle und die Sicherheitsprotokolle für die Waffen werden aufgehoben. Aus dem Spiel wird plötzlich tödlicher Ernst. Der mechanische Revolverheld (Yul Brynner), den Peter bereits zweimal im Duell geschlagen hat, macht sich - gemäß seiner Programmierung - auf die Suche nach seinem Gegner, um Rache für die Niederlage zu nehmen...

Lange bevor Michael Crichton mit "Jurassic Park" ein weltweites Phänomen erschuf, beschäftigte ihn bereits eine Frage, die bis heute nichts von ihrer Faszination verloren hat: Was passiert, wenn Technologie versagt und die Kontrolle über künstlich erschaffene Welten verloren geht? Die Antwort lieferte er 1973 mit "Westworld", einem Science-Fiction-Thriller, der nicht nur als Regiedebüt Crichtons beeindruckte, sondern auch den Grundstein für zahlreiche spätere Filme und Serien legte. Aus heutiger Sicht wirkt manches technisch überholt, doch die Ideen hinter dem Film sind erstaunlich modern geblieben. Was "Westworld" auch mehr als fünf Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung so interessant macht, ist die enorme Weitsicht seiner Grundidee. Themen wie künstliche Intelligenz, Automatisierung und die Gefahren technologischer Abhängigkeit wirken heute aktueller denn je. Besonders eindrucksvoll bleibt die Figur des namenlosen Revolvermannes, gespielt von Yul Brynner. Mit seinem schwarzen Outfit und seinem emotionslosen Blick wird er schnell zur eigentlichen Hauptattraktion des Films. Anfangs dient er lediglich als Attraktion für die Besucher, doch sobald die Systeme versagen, entwickelt er sich zu einer unaufhaltsamen Bedrohung. Seine stoische Präsenz verleiht dem Film eine Spannung, die bis heute hervorragend funktioniert. 

Dabei nimmt sich "Westworld" zunächst überraschend viel Zeit für den Aufbau seiner Welt. Crichton interessiert sich sichtbar für die Möglichkeiten seines futuristischen Freizeitparks. Die ersten Szenen wirken fast wie eine Werbebroschüre für Delos und laden den Zuschauer dazu ein, sich selbst vorzustellen, wie es wäre, in eine perfekt simulierte Vergangenheit einzutauchen. Diese ausführliche Einführung verleiht der späteren Eskalation zusätzliches Gewicht. Gleichzeitig sorgt sie jedoch dafür, dass der Film im ersten Drittel etwas gemächlicher wirkt. Sobald die Katastrophe beginnt, entwickelt sich "Westworld" jedoch zu einem spannenden Verfolgungsthriller. Die zweite Hälfte lebt vor allem von der simplen, aber effektiven Idee eines Gegners, der niemals müde wird, niemals aufgibt und immer näher kommt. Die Spannung entsteht weniger durch Action als durch die stetig wachsende Ausweglosigkeit der Situation. In dieser Hinsicht funktioniert der Film auch heute noch erstaunlich gut. 

Natürlich merkt man dem Film sein Alter an. Die Figuren bleiben teilweise recht oberflächlich, und einige Dialoge wirken aus heutiger Sicht etwas hölzern. Auch die Spezialeffekte besitzen nicht mehr dieselbe Wirkung wie in den 1970er-Jahren. Gleichzeitig liegt darin aber auch ein gewisser Charme. Besonders interessant ist, dass "Westworld" zu den ersten Filmen gehörte, die digitale Bildbearbeitung einsetzten - ein kleiner technischer Meilenstein, dessen Bedeutung oft übersehen wird. Letztlich bleibt "Westworld" ein faszinierender Science-Fiction-Klassiker, dessen Einfluss auf das Genre kaum überschätzt werden kann. Viele seiner Konzepte wurden später von anderen Filmen und Serien weiterentwickelt, doch die ursprüngliche Vision besitzt bis heute ihren ganz eigenen Reiz.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Metro-Goldwyn-Mayer

Piranha 3DD - Piranha 2 (2012)

https://www.imdb.com/title/tt1714203/
https://letterboxd.com/film/piranha-3dd/

Es ist wieder etwas im Wasser! Und dieses Mal ist niemand vor den fleischfressenden Fischen mit messerscharfen Zähnen sicher. Denn jetzt schwimmen die monsterhaften Räuber aus der Urzeit stromaufwärts, in Richtung des Big Wet Water Parks, einer der meistbesuchten Attraktionsorte des Sommers. Fast ein Jahr nach den Geschehnissen im Lake Victoria macht sich eine Schar der äußerst angespannten und vor allem blutdürstige Piranhas auf, um ein Wasser-Massaker anzurichten und dabei kein einziges Körperteil unverschont zu lassen. Die resolute Maddy (Danielle Panabaker) und ihre beiden Freunde Kyle (Chris Zylka) und Barry (Matt Bush) beschließen dem blutigen Wahnsinn ein Ende zu bereiten und gehen dabei in die Offensive. Mit allen Mittel, die sie zu Verfügung haben, tauchen sie tief hinab, um es mit den überproportionierten Fleischfressern aufzunehmen...

Mit "Piranha 3D" gelang Alexandre Aja 2010 ein überraschend unterhaltsames Remake, das seinen B-Movie-Charme mit kreativen Splattereffekten und einer gehörigen Portion Selbstironie verband. Die Fortsetzung "Piranha 3DD" versucht, diesen Erfolg zu wiederholen - setzt dabei jedoch fast ausschließlich auf das Motto "mehr ist mehr". Mehr Gore, mehr Albernheiten, mehr nackte Haut und noch absurdere Ideen. Das Problem ist nur: Mehr bedeutet eben auch nicht automatisch besser. Schon nach wenigen Minuten wird deutlich, dass Regisseur John Gulager gar nicht erst versucht, die Geschichte ernst wirken zu lassen. "Piranha 3DD" versteht sich als überdrehte Horrorkomödie, die bewusst jede Grenze des guten Geschmacks überschreiten möchte. Immer wieder gibt es augenzwinkernde Anspielungen auf das Horrorgenre, absurde Dialoge und völlig überzogene Splattereinlagen. Immerhin verleugnet er seine trashige Identität nie.

Die praktischen Gore-Effekte sind stellenweise ordentlich umgesetzt und liefern einige erfreulich blutige Momente. Gerade das Finale setzt noch einmal auf kreativen Splatter und übertriebene Gewalt, die bewusst an klassische B-Movies erinnert. Wer genau diese Art von Unterhaltung sucht, wird zumindest punktuell seinen Spaß haben. Leider reichen diese Qualitäten nicht aus, um die zahlreichen Schwächen zu überdecken. Das größte Problem ist das Drehbuch, das kaum mehr als eine lose Aneinanderreihung alberner Einfälle bietet. Die Handlung wirkt konstruiert, die Figuren bleiben eindimensional und viele Witze zünden schlicht nicht. Statt den selbstironischen Ton des Vorgängers fortzuführen, driftet "Piranha 3DD" häufig in plumpen Klamauk ab. Gastauftritte von Christopher Lloyd und David Hasselhoff sorgen zwar für nostalgische Schmunzler, letztlich wirken sie aber eher wie Gimmicks als echte Bereicherungen. Gerade Hasselhoffs selbstironischer Auftritt gehört zwar zu den unterhaltsameren Momenten des Films, kann den Gesamteindruck jedoch nicht entscheidend verbessern.

Hinzu kommt, dass die computergenerierten Effekte sichtbar hinter denen des Vorgängers zurückbleiben. Während "Piranha 3D" seine Mischung aus CGI und praktischen Effekten noch vergleichsweise stimmig präsentierte, wirken viele Szenen hier deutlich günstiger und weniger überzeugend. Dadurch verliert selbst der eigentliche Star des Films - die Piranhas - einen Teil seiner Bedrohlichkeit. Am Ende bleibt "Piranha 3DD" ein Film, der seine Zielgruppe kennt, dabei aber zu oft über das Ziel hinausschießt. Der Spaß am hemmungslosen Trash ist durchaus spürbar, doch ohne die straffe Inszenierung und das Gespür für Timing des Vorgängers verpuffen viele Ideen. Statt einer gelungenen Fortsetzung entsteht so ein Creature-Feature, das zwar gelegentlich unterhält, insgesamt aber deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibt.

4/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkDimension Films/Mark Canton Productions/Intellectual Properties Worldwid

Piranha 3D - Piranha (2010)

https://www.imdb.com/de/title/tt0464154/
https://letterboxd.com/film/piranha-3d/

Wenn der Frühling beginnt, flippen die amerikanischen Studenten aus: Spring Break, das ist die ultimative Party-Zeit. Am sonst eher verschlafenen Lake Victoria treffen sich tausende Feierwütige zum Tanzen, Trinken und Schwimmen. Doch sie ahnen nicht, dass ein Erdbeben unter Wasser preisgegeben hat, was zwei Millionen Jahre im Verborgenen blieb - Schwärme von prähistorischen Piranhas, die ihre Beute in Sekundenschnelle mit rasiermesserscharfen Zähnen zerfleischen. Das Buffet ist eröffnet! Auf der potentiellen Speiseliste stehen unter anderem: Deputy Fallon (Ving Rhames), Sheriff Julie Forester (Elisabeth Shue), ihr Sohn Jake (Steven R. Mcqueen), der Porno-Produzent Derrick Jones (Jerry O'Connell) und zwei vollbusige Kalender-Hotties (Kelly Brook, Riley Steele)...

Es gibt Horrorfilme, die ernst genommen werden wollen - und dann gibt es "Piranha 3D". Alexandre Ajas Remake des Kultfilms von 1978 macht von der ersten Minute an klar, dass hier weder Tiefgang noch subtiler Horror im Vordergrund stehen. Stattdessen setzt der Film auf eine wilde Mischung aus Creature-Feature, Splatter, nackter Haut und augenzwinkerndem B-Movie-Charme. Das Ergebnis ist herrlich hemmungslos, allerdings auch nicht frei von Schwächen. Die Handlung ist dabei bewusst simpel gehalten und dient in erster Linie als Grundlage für spektakuläre Angriffsszenen. 

"Piranha 3D" nimmt sich selbst auch nie zu ernst und feiert den klassischen Exploitation-Horror mit sichtbarer Begeisterung. Wo andere Remakes versuchen, ihre Vorlagen zu modernisieren oder realistischer zu gestalten, dreht Aja sämtliche Regler bis zum Anschlag. Blutfontänen, abgetrennte Gliedmaßen und absurde Todesarten gehören hier ebenso zum Programm wie überzeichnete Figuren und jede Menge schwarzer Humor. Der Film liefert genau das, was sein Titel verspricht - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Besonders das große Massaker während des Spring Breaks zählt zu den Höhepunkten des Films. Die aufwendig inszenierte Sequenz verbindet Chaos, Splatter und makabren Humor zu einem der denkwürdigsten Creature-Feature-Momente der 2010er-Jahre. Die handgemachten Gore-Effekte sehen auch heute noch erstaunlich gut aus, selbst wenn die computergenerierten Piranhas nicht immer überzeugen.

Auch die Besetzung trägt zum Unterhaltungswert bei. Elisabeth Shue spielt ihre Rolle angenehm bodenständig und verleiht dem Film einen sympathischen Mittelpunkt. Adam Scott sorgt für trockenen Humor, während Jerry O'Connell als schmieriger Pornofilm-Produzent sämtliche Klischees genüsslich überzeichnet und einige der unterhaltsamsten Szenen für sich beansprucht. Allerdings stößt der Film mit seiner bewusst übertriebenen Ausrichtung auch an Grenzen. Die Figuren bleiben überwiegend oberflächlich und dienen meist nur als zukünftiges Fischfutter. Wer auf Spannung, Charakterentwicklung oder echten Horror hofft, dürfte eher enttäuscht werden. Statt Atmosphäre setzt der Film fast ausschließlich auf Schockeffekte, nackte Haut und immer größere Gewaltexzesse. Der Mittelteil hat auch etwas zu viel Leerlauf, bevor das große Finale schließlich sämtliche Zurückhaltung über Bord wirft. 

Auch der Humor trifft nicht immer ins Schwarze. Manche Gags wirken bewusst albern oder geschmacklos, doch genau diese Selbstironie macht einen Großteil des Charmes aus. "Piranha 3D" weiß jederzeit, dass er im Grunde ein glorreiches B-Movie mit großem Budget ist und versucht gar nicht erst, etwas anderes vorzugeben. Damit ist "Piranha 3D" einer dieser Filme, die man entweder akzeptiert oder ablehnt. Wer intelligente Horrorunterhaltung sucht, wird hier kaum fündig. Wer dagegen Lust auf eine kompromisslose Mischung aus Creature-Horror, Splatter und schrägem Humor hat, bekommt genau das geliefert. Laut, blutig, albern und herrlich respektlos - eben ein selbstironisches Creature-Feature mit jeder Menge Gore und das macht erstaunlich viel Spaß.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkAtmosphere Entertainment MM/Chako Film Company/Dimension Films/Aja / Levasseur Productions

Samstag, 4. Juli 2026

Over Your Dead Body (2026)

https://www.imdb.com/title/tt34685692/
https://letterboxd.com/film/over-your-dead-body-2026/

Die Beziehung des Pärchens Dan und Lisa (Jason Segel und Samara Weaving) hat die beste Zeit längst hinter sich. Um angeblich wieder zusammenzufinden, unternehmen die beiden einen Trip in eine abgelegene Hütte. Doch in Wahrheit hegen sie den Plan, den jeweils anderen umzubringen. Ein blutiges Chaos ist vorprogrammiert...

Es gibt Filme, die ihre absurde Prämisse sofort offen auf den Tisch legen und das Publikum eigentlich nur zu fragen scheinen, ob sie bereit sind, hier mitzugehen. "Over Your Dead Body", die US-amerikanische Neuverfilmung der norwegischen Komödie "The Trip: Ein Mörderisches Wochenende" aus dem Jahr 2021, gehört genau in diese Kategorie. Regisseur Jorma Taccone, bekannt für seinen Hang zu schrägem Humor, kombiniert hier eine rabenschwarze Ehekomödie mit Thriller-, Horror- und Actionelementen. Jedoch haben Remakes internationaler Genrefilme oft ein großes Problem: Sie übernehmen die Handlung nahezu unverändert, verlieren dabei aber jene Eigenheiten, die das Original besonders gemacht haben. Bei Over Your Dead Body liegt die Messlatte zusätzlich hoch, denn die Vorlage, Tommy Wirkola's norwegische schwarze Komödie "The Trip", genießt unter Genrefans mittlerweile Kultstatus. Das Original überzeugte mit rabenschwarzem Humor, kompromissloser Gewalt und einer herrlich gemeinen Sicht auf eine völlig zerstörte Ehe. Die amerikanische Neuverfilmung von Regisseur Jorma Taccone übernimmt viele dieser Zutaten - erreicht aber nicht ganz die Schärfe ihres Vorbilds. Die Ausgangslage bleibt daher weitgehend identisch und wer das Original kennt, wird schnell feststellen, wie eng sich die Neuverfilmung an die Vorlage hält. Viele Szenen, Wendungen und Dialogsituationen wurden nahezu direkt übernommen. Das ist einerseits positiv, weil die Grundidee von "The Trip" bereits hervorragend funktionierte. Andererseits entsteht dadurch gelegentlich der Eindruck, dass "Over Your Dead Body" nur selten eine eigene Identität entwickelt. Das Ergebnis ist ein unterhaltsamer, stellenweise urkomischer und erfreulich blutiger Genremix, der jedoch nicht immer die Balance zwischen seinen verschiedenen Tonlagen findet. 

Wo das Remake allerdings punktet, ist bei seiner Besetzung. Jason Segel und Samara Weaving tragen den Film mit sichtbarer Spielfreude. Gerade die ersten 30 bis 40 Minuten gehören zu den stärksten des gesamten Films. Die verbalen Scharmützel zwischen Dan und Lisa sind bissig, witzig und manchmal unangenehm ehrlich. Man spürt, dass diese Ehe längst nicht mehr zu retten ist. Segel spielt seinen gescheiterten Filmemacher mit einer Mischung aus Frustration und Selbstmitleid, während Weaving erneut beweist, warum sie sich in den letzten Jahren als feste Größe im Genrebereich etabliert hat. Ihre Chemie sorgt dafür, dass selbst die absurdesten Situationen funktionieren. Auch handwerklich gibt es wenig zu beanstanden. Taccone inszeniert die Geschichte flott und nutzt die Mischung aus schwarzem Humor und expliziter Gewalt effektiv aus. Die praktischen Effekte sind gelungen, die Action bleibt übersichtlich und die zahlreichen Verletzungen bewegen sich bewusst im Bereich des grotesken schwarzen Humors. Trotzdem zeigt sich genau hier der größte Unterschied zum norwegischen Original. "The Trip" wirkte oftmals überraschend böse, unberechenbar und herrlich unangepasst. Die amerikanische Version ist zwar ebenfalls brutal, wirkt aber insgesamt etwas glatter und zugänglicher. Einige der unangenehmen Spitzen und der kompromisslose Zynismus der Vorlage wurden abgeschwächt oder stärker auf Unterhaltung getrimmt. Dadurch verliert die Geschichte ein Stück ihrer ursprünglichen Schärfe. Hinzu kommt, dass der Film nach seinem starken Auftakt etwas an Schwung verliert. Sobald die zusätzlichen Gegenspieler ins Spiel kommen, verschiebt sich der Fokus von der dysfunktionalen Ehe hin zu einem eher klassischen Home-Invasion- und Survival-Szenario. Das bleibt unterhaltsam, erreicht aber nicht mehr ganz die Raffinesse der ersten Hälfte. 

Dennoch gelingt es "Over Your Dead Body", seine Existenz als Remake zu rechtfertigen. Die moderne Besetzung, das hohe Tempo und die gelungene Mischung aus schwarzer Komödie und Splatter-Unterhaltung sorgen dafür, dass der Film auch unabhängig von der Vorlage funktioniert. Wer "The Trip" nie gesehen hat, bekommt hier einen äußerst kurzweiligen Genre-Mix geboten. Wer das Original kennt, dürfte sich dagegen immer wieder dabei ertappen, die beiden Filme miteinander zu vergleichen - und dabei meist den Norwegern den Vorzug zu geben.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork87North Productions/XYZ Films/74 Entertainment/IPR.VC/The Trip Productions