Freitag, 6. November 2026

Hellkat - Hellkat: Fight For Your Soul (2021)

https://www.imdb.com/title/tt8804830/
https://letterboxd.com/film/hellkat/

Katrina 'HellKat' Bash (Sarah T. Cohen) ist eine knallharte MMA-Kämpferin und gerade auf dem Weg zu ihrem nächsten Match. Nun steckt sie mitten im Nirgendwo mit ihrem Auto fest und hat eigentlich noch die Niederlage beim gestrigen Kampf zu verdauen. Als Glück im Unglück erweist sich Jimmy (Ryan Davies), der sie in seinem Auto mitnimmt. Doch auf seinem Beifahrersitz Platz zu nehmen, war keine weise Entscheidung! In Jimmy steckt ein Dämon, der es auf Katrina abgesehen hat. Zum Glück kann sie sich zur Wehr setzen und sich in eine schummrige Bar retten, wo im Keller ein Mixed-Martial-Arts-Kampf um Leben und Tod stattfindet...

Eine MMA-Kämpferin muss in einem dämonischen Turnier um ihre Seele kämpfen - klingt nach herrlich bescheuertem Horror-Trash. Doch "HellKat: Fight For Your Soul" ist leider nicht einmal unterhaltsam schlecht. Statt packender Kämpfe und höllischer Monster gibt es lahme Choreografien, lächerliche Effekte und Dialoge, bei denen man sich fragt, ob das wirklich jemand ernst gemeint hat. Die Regie verliert sich in langweiligen Szenen, die Darsteller wirken hölzern, werfen mit bemüht-"coolen" Sätzen um sich und die wenigen Horror-Elemente sind eher unfreiwillig komisch als gruselig. Auch das geringe Budget wäre verzeihlich, wenn wenigstens Kreativität oder Selbstironie vorhanden wären. Doch selbst als trashiger Mitternachtsfilm fehlt dem Ganzen der nötige Unterhaltungswert. "HellKat" ist ein zusammengeschustertes Genre-Chaos, das seine eigentlich herrlich absurde Prämisse konsequent gegen die Wand fährt. Weder als Actionfilm noch als Horror-Trash funktioniert dieser Film - eine echte Zeitverschwendung.

1,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Wild Eye Releasing/Uncork'd Entertainment

Donnerstag, 5. November 2026

Rumpelstiltskin (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt35451787/
https://letterboxd.com/film/rumpelstiltskin-2025-1/

Tim (Billy Blair) und Emma (Paula Marcenaro Solinger) erwarten ihr erstes Kind und um demnächst zu dritt mehr Platz zu haben, zieht das Paar um in ein neues Haus. Dort entdecken die beiden im künftigen Kinderzimmer eine Nähmaschine und Nähzubehör – vor allem aber auch eine sonderbare Maske, die Tim spaßeshalber überstreift. Ein fataler Fehler, wie sich bald zeigen wird, denn nach und nach ergreift der böse Waldkobold Rumpelstilzchen, der in der Maske gefangen war, Besitz von Tim und bringt ihn dazu, grauenvolle Taten zu begehen. Um das mörderische Treiben zu beenden und ihr ungeborenes Kind zu retten, sieht sich Emma dazu gezwungen, einen furchtbaren Pakt mit dem Wesen einzugehen...

Brett Bentmans "Rumpelstiltskin" macht aus dem bekannten Märchen einen modernen Besessenheitshorror: Die Idee, Rumpelstilzchen über eine verfluchte Maske in die Gegenwart zu holen, hat durchaus Potenzial, doch die Umsetzung bleibt weit hinter den Möglichkeiten zurück. Das Drehbuch wirkt unausgereift, die Figuren bleiben blass und die Dialoge überzeugen nur selten. Auch schauspielerisch ist das Ergebnis durchwachsen: Billy Blair bemüht sich um einen glaubwürdigen Kontrollverlust, doch die Inszenierung gibt ihm wenig Unterstützung. Die begrenzten Schauplätze und die wenig dynamische Kameraarbeit lassen den Film zudem oft amateurhaft wirken. Immerhin besitzt die Maske einen gewissen Wiedererkennungswert, und einzelne visuelle Ideen zeigen, was aus dem Konzept hätte werden können. Als Horrorfilm enttäuscht "Rumpelstiltskin" vor allem durch fehlende Spannung, schwache Effekte und wenig Atmosphäre. Auch die Themen Angst vor dem Vaterwerden und der Verlust der eigenen Kontrolle werden kaum vertieft. So bleibt ein Low-Budget-Film mit einer brauchbaren Grundidee, der weder als Märchenadaption noch als Gruselfilm wirklich überzeugt. Die Punkte gibt es für den Ansatz und die Maske - für mehr fehlt es an handwerklicher Sicherheit und erzählerischer Konsequenz.

3/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Paranoid Android Films

El Llanto - The Wailing - The Wailing: Der Tod hat viele Gesichter (2024)

https://www.imdb.com/title/tt26750774/
https://letterboxd.com/film/the-wailing-2024/

Andrea (Ester Expósito) hat Angst. Sie wird im heutigen Madrid von einer unsichtbaren Bedrohung verfolgt, aber niemand, nicht einmal sie selbst, kann es mit bloßem Auge sehen. Vor zwanzig Jahren, zehntausend Kilometer entfernt, terrorisierte die gleiche Präsenz Marie (Mathilde Ollivier). Und auch Camila (Malena Villa) blieb nicht verschont. Sie war die einzige Person, die verstehen konnte, was mit ihr geschah, aber niemand glaubte ihr...

Drei Frauen, drei unterschiedliche Lebenssituationen und eine unheimliche Präsenz, die sich jeder Erklärung entzieht: Mit "The Wailing: Der Tod hat viele Gesichter" legt der spanische Regisseur Pedro Martín-Calero einen atmosphärischen Horrorthriller vor, der weniger auf platte Schockeffekte als auf psychologische Verunsicherung setzt. Die verschachtelte Erzählstruktur gehört zu den interessantesten Elementen des Films. Die drei Geschichten sind über Zeit und Raum hinweg miteinander verbunden, ohne dass sich ihre Zusammenhänge sofort erschließen. Martín-Calero baut daraus ein rätselhaftes Geflecht aus Angst, Gewalt und weiblicher Ohnmacht. Besonders gelungen ist, wie alltägliche Situationen allmählich ins Unheimliche kippen. Statt jede Bedrohung offen zu zeigen, arbeitet der Film mit Blicken, Spiegelungen, Überwachungsperspektiven und dem beklemmenden Gefühl, beobachtet zu werden. Die Kamera von Constanza Sandoval nutzt Räume und Bildkompositionen gezielt, um Unbehagen zu erzeugen. Das Ergebnis ist ein visuell präziser, kühl inszenierter Horrorfilm, der seine Wirkung häufig aus dem entwickelt, was außerhalb des Bildes lauert.

Auch die drei Hauptdarstellerinnen tragen wesentlich zur Atmosphäre bei. Ester Expósito vermittelt Andreas wachsende Verunsicherung überzeugend, während Mathilde Ollivier der Geschichte eine verletzliche, zugleich entschlossene Note verleiht. Besonders Malena Villa bleibt mit ihrer intensiven, eigenwilligen Darstellung im Gedächtnis. Die Frauen wirken nicht bloß wie austauschbare Opfer eines übernatürlichen Fluchs, sondern stehen für unterschiedliche Erfahrungen mit Bedrohung, Unglauben und gesellschaftlicher Gleichgültigkeit. Damit verknüpft der Film seine Horrorgeschichte mit einem feministischen Unterton: Die Angst der Betroffenen wird nicht ernst genommen, während die eigentliche Gefahr lange unsichtbar bleibt. Technisch überzeugt "The Wailing" vor allem durch seine Bildgestaltung und den Ton. Die ruhige Kamera, die präzise Kadrierung und die oft beklemmende Stille sorgen für eine dichte Atmosphäre. Olivier Arsons Musik und das Sounddesign setzen gezielte Akzente, ohne jede Szene mit lauten Schreckmomenten zu überfrachten. Wenn der Film doch auf klassische Horror-Mittel zurückgreift, sind diese meist wirkungsvoll platziert. Allerdings verlangt die Inszenierung Geduld: Das langsame Erzähltempo und die bewusst zurückgehaltenen Informationen erzeugen zwar Spannung, lassen manche Passagen aber auch unnötig zäh erscheinen. 

Das größte Problem liegt in der Auflösung. Je stärker sich die einzelnen Handlungsstränge annähern, desto deutlicher wird, dass der Film mehr Fragen aufwirft, als er überzeugend beantworten kann. Die übernatürliche Bedrohung bleibt reizvoll geheimnisvoll, doch die gesellschaftskritischen Ideen werden teilweise zu plakativ formuliert, während die eigentliche Mythologie vergleichsweise vage bleibt. Dadurch entsteht der Eindruck, dass die symbolische Ebene wichtiger genommen wird als eine dramaturgisch befriedigende Auflösung. Wer eindeutige Erklärungen erwartet, dürfte deshalb enttäuscht sein. Unterm Strich ist "The Wailing" ein stilistisch eigenständiger Horrorfilm, der mit starken Darstellerinnen, sorgfältiger Bildgestaltung und einer beklemmenden Atmosphäre punktet. Seine Verbindung aus übernatürlichem Schrecken und der Erfahrung weiblicher Bedrohung verleiht dem bekannten Genreansatz eine interessante Perspektive. Doch das langsame Tempo, die teilweise überdeutliche Symbolik und das nicht vollständig überzeugende Finale verhindern, dass aus der vielversprechenden Idee ein rundum stimmiges Ganzes wird. Ein intensiver, visuell eindrucksvoller Horrortrip, der lange nachwirkt - auch wenn nicht jede seiner Fragen zu einem überzeugenden Schluss führt.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Tandem Films/Setembro Cine/Caballo Films/Tarea Fina/Noodles Production/Instituto de la Cinematografía y de las Artes Audiovisuales/Ayuntamiento de Madrid/Amazon Studios/RTVE

Mittwoch, 4. November 2026

自殺サークル - Jisatsu Sākuru - Suicide Circle - Suicide Club (2001)

https://www.imdb.com/de/title/tt0312843/
https://letterboxd.com/film/suicide-club/

In Tokio erschüttert eine rätselhafte Selbstmordserie die Öffentlichkeit, nachdem sich 54 Schülerinnen gemeinsam vor einen einfahrenden Zug stürzen. Detective Kuroda (Ryō Ishibashi) und sein Kollege Shibusawa (Masatoshi Nagase) übernehmen die Ermittlungen und stoßen auf merkwürdige Hinweise, eine mysteriöse Website und mögliche Verbindungen zur japanischen Popkultur. Während sich die Todesfälle häufen, wird immer unklarer, wer oder was hinter dem Phänomen steckt - und ob sich die Ereignisse überhaupt mit herkömmlichen Ermittlungsmethoden erklären lassen...

Mit einem der verstörendsten Einstiege des japanischen Horrorkinos macht "Suicide Club" sofort klar, dass hier keine gewöhnliche Kriminalgeschichte wartet. Als sich 54 Schülerinnen gemeinsam vor einen einfahrenden Zug stürzen, beginnt in Tokio eine rätselhafte Welle kollektiver Suizide. Detective Kuroda versucht herauszufinden, ob hinter den scheinbar zusammenhanglosen Todesfällen ein System steckt. Doch je weiter die Ermittlungen voranschreiten, desto unübersichtlicher wird ein Fall, der sich jeder einfachen Erklärung entzieht. 

Regisseur Sion Sono verbindet Horror, Polizeithriller, Gesellschaftssatire und surreale Elemente zu einem bewusst verstörenden Film. Dabei richtet sich sein Blick auf eine Gesellschaft, in der Gruppenzwang, mediale Reizüberflutung und der Verlust individueller Identität eine unheilvolle Verbindung eingehen. Besonders aus heutiger Sicht wirkt die Beschäftigung mit Internetkultur, Popmusik und der Verbreitung kollektiver Verhaltensmuster erstaunlich vorausschauend. Sono interessiert sich weniger für eine klassische Täterjagd als für die Frage, warum Menschen ihre Individualität verlieren und sich scheinbar sinnlosen Bewegungen anschließen. Die Inszenierung ist dabei kompromisslos und visuell einprägsam. Die drastischen Gewaltdarstellungen, die kalte Atmosphäre und die verstörenden Bilder erzeugen eine unangenehme Sogwirkung. Gleichzeitig setzt Sono immer wieder auf schwarzen Humor und absurde musikalische Einlagen, die den Schrecken ins Groteske kippen lassen. Gerade dieser Kontrast zwischen fröhlicher Popästhetik und brutaler Gewalt gehört zu den markantesten Merkmalen des Films. Ryo Ishibashi überzeugt als zunehmend überforderter Ermittler, während die übrigen Figuren bewusst rätselhaft bleiben. Das verstärkt zwar das Gefühl einer Welt, in der niemand den Überblick hat, erschwert aber auch eine emotionale Bindung. 

Das größte Problem ist die Dramaturgie. Was zunächst als packender Kriminalfall beginnt, verzweigt sich zunehmend in Nebenhandlungen, bizarre Figuren und schwer einzuordnende Wendungen. Nicht jede Abzweigung trägt zur zentralen Idee bei, und im letzten Drittel verliert der Film spürbar an Fokus. Statt die vielen offenen Fragen zu einem befriedigenden Abschluss zu führen, setzt Sono auf Mehrdeutigkeit und Provokation. Das kann als konsequente Absage an einfache Erklärungen verstanden werden, wirkt aber ebenso häufig wie ein Drehbuch, das seine eigenen Ideen nicht mehr zusammenhalten kann. Auch der Soundtrack ist bewusst widersprüchlich: Die eingängigen Popsongs stehen in einem irritierenden Kontrast zu den Bildern, während manche musikalischen Einlagen die Atmosphäre eher unterbrechen als vertiefen. "Suicide Club" ist damit ein ambitionierter, verstörender und thematisch interessanter Film, dessen stärkste Szenen lange im Gedächtnis bleiben. Seine Gesellschaftskritik und die Verbindung von Popkultur und Horror sind reizvoll, doch die sprunghafte Handlung, die überladene Symbolik und das unbefriedigende Finale verhindern ein wirklich geschlossenes Filmerlebnis. Wer experimentellen japanischen Horror schätzt, findet hier reichlich Diskussionsstoff - wer eine nachvollziehbare Kriminalgeschichte erwartet, dürfte eher frustriert zurückbleiben. Ein ungewöhnlicher Kultfilm, dessen Ideen stärker sind als ihre erzählerische Umsetzung.

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Omega Project

Dienstag, 3. November 2026

Cannibal Mukbang (2023)

https://www.imdb.com/de/title/tt27480944/
https://letterboxd.com/film/cannibal-mukbang/

Mark (Nate Wise) sehnt sich nach Liebe, doch er ist ziemlich schüchtern und es fällt ihm nicht gerade leicht, neue Menschen kennenzulernen. Doch diese Last scheint ihm Ash (April Consalo) abzunehmen. Denn sie ist im Gegensatz zu ihm total extrovertiert und geht nicht nur auf ihn zu, sondern empfindet sogar auch romantische Gefühle für ihn. Die stürmische Romanze führt Mark jedoch auch relativ schnell in unerwartete Abgründe. Ash ist nämlich besessen von sogenannten Mukbangs. Dabei filmen sich Menschen, wie sie meist übergroße Portionen Essen verdrücken. Doch bei Ash scheint es mit normalen Nahrungsmitteln nicht getan...

Was wäre, wenn die große Liebe nicht nur durch den Magen geht, sondern dort auch endet? Mit dieser makabren Idee verbindet Regisseurin Aimee Kuge in ihrem Spielfilmdebüt eine ungewöhnliche Liebesgeschichte mit Kannibalenhorror und Rachefantasien. Der schüchterne Mark verliebt sich in Ash, eine selbstbewusste Mukbang-Influencerin (das musste ich erst einmal nachschlagen), die sich beim Essen vor laufender Kamera filmen lässt. Doch hinter ihrer glamourösen Online-Fassade verbirgt sich ein blutiges Geheimnis: Ash macht Jagd auf gewalttätige Männer und verspeist ihre Opfer. Mark gerät immer tiefer in ihre Welt - bis seine Gefühle mit seinen moralischen Überzeugungen kollidieren. Die Grundidee ist herrlich schräg und bietet reichlich Stoff für schwarzen Humor, gesellschaftliche Provokation und blutige Exzesse. Kuge versucht, Kannibalismus als groteske Form der Selbstermächtigung zu inszenieren und Themen wie Misogynie, toxische Beziehungen und Selbstjustiz miteinander zu verknüpfen. Dabei steckt durchaus mehr hinter dem ungewöhnlichen Titel, als die Splatter-Prämisse zunächst vermuten lässt. Leider gelingt es dem Film nicht, seine vielen Ansätze zu einem überzeugenden Ganzen zusammenzuführen. Die Mischung aus Romanze, Satire und Horror wirkt häufig unausgewogen, und die gesellschaftskritischen Ideen bleiben eher Behauptung als konsequent ausgearbeiteter Gedanke.

April Consalo ist als Ash zweifellos der interessanteste Teil des Films. Sie verbindet Verführung, Unberechenbarkeit und unterschwellige Aggression zu einer Figur, die trotz ihrer extremen Taten eine gewisse Faszination entwickelt. Nate Wise spielt Mark als unsicheren Außenseiter, dessen emotionale Abhängigkeit nachvollziehbar wird, auch wenn seine Entwicklung nicht immer glaubwürdig wirkt. Zwischen den beiden entsteht eine eigenartige Chemie, die den Film zumindest zeitweise trägt. Clay von Carlowitz als Marks Bruder Maverick bleibt dagegen deutlich eindimensional und wirkt eher wie eine überzeichnete Karikatur als wie eine glaubwürdige Figur. Auch die Dialoge schwanken zwischen bissigem Witz und unbeholfenen, unnötig erklärenden Passagen. Handwerklich zeigt sich, dass hier mit deutlich begrenzten Mitteln gearbeitet wurde. Die Inszenierung besitzt durchaus Stilgefühl, der Soundtrack sorgt für Abwechslung und die handgemachten Gore-Effekte sind angenehm greifbar. Wenn der Film seine makabre Prämisse konsequent ausspielt, entstehen einige verstörende und schwarzhumorige Momente. Allerdings fehlt es dem Schnitt häufig an Rhythmus. Szenen ziehen sich länger als nötig, der Spannungsaufbau gerät ins Stocken und manche Übergänge wirken abrupt. Auch die Mischung aus erotischer Inszenierung und drastischer Gewalt ist nicht immer so treffsicher, wie es die Idee verspricht. Gerade der Mukbang-Aspekt hätte mehr Aufmerksamkeit verdient. Das Zusammenspiel aus digitaler Selbstdarstellung, öffentlicher Aufmerksamkeit und der voyeuristischen Lust am Essen bietet eigentlich eine ideale Grundlage für eine bissige Satire. Doch das Online-Phänomen bleibt oft bloß ein ungewöhnlicher Aufhänger für die Kannibalismusgeschichte. Ebenso uneinheitlich fällt die moralische Perspektive aus: Der Film will Ash als Rachefigur feiern, untersucht aber nur begrenzt, wo Selbstjustiz endet und bloße Gewalt beginnt. Das sorgt zwar für provokante Momente, lässt die Geschichte jedoch gedanklich unfertig erscheinen.

Unterm Strich ist "Cannibal Mukbang" ein ambitionierter Low-Budget-Horrorfilm mit einer originellen Prämisse, einer starken April Consalo und einigen gelungenen handgemachten Effekten. Doch schwankende Dialogqualität, unausgereifte Figuren und ein unausgewogener Erzählrhythmus verhindern, dass die Mischung aus Liebesdrama, Gesellschaftskritik und Splatter wirklich aufgeht. Für Freunde ungewöhnlicher Indie-Horrorfilme ist das durchaus ein kurioser Ausflug, doch das vorhandene Potenzial wird nur punktuell ausgeschöpft. Eine Idee, die deutlich mehr Biss hat als ihre Umsetzung.

4/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Melty Media

The Last Breath - Escape From The Deep: Bis zum letzten Atemzug (2024)

https://www.imdb.com/de/title/tt14827150/
https://letterboxd.com/film/the-last-breath-2024/

1944 in der karibischen See, kurz vor den Jungferninseln: Ein deutsches U-Boot versenkt das US-amerikanische Kriegsschiff U.S.S. Charlotte. In unserer Gegenwart finden Schatzjäger Levi (Julian Sands) und sein junger Mitarbeiter Noah (Jack Parr) das Wrack, nach dem sie jahrelang vergeblich gesucht hatten. Im Heimathafen erzählt der enthusiastische Noah seinen tauchbegeisterten Freund*innen Logan (Arlo Carter) und Riley (Erin Mullen) von dem Fund. Und auch Noahs Exfreundin Sam (Kim Spearman) und ihr Bruder Brett (Alexander Arnold) erfahren davon. Zusammen zahlen sie dem völlig abgebrannten Levi eine stattliche Summe, damit er sie zur Charlotte hinuntertauchen lässt, bevor die Bergungsarbeiten beginnen. Zunächst haben die jungen Leute eine Menge Spaß in dem seit Dekaden von keiner Menschenseele betretenen Kahn. Doch dann müssen sie bemerken, dass sie auf dem Meeresgrund nicht allein sind. Denn riesige, offenbar sehr hungrige Haie beginnen gnadenlos auf sie Jagd zu machen …

Ein verschollenes Kriegsschiff, ein Tauchgang in 30 Metern Tiefe und eine Gruppe, die plötzlich von hungrigen Haien umzingelt ist: "The Last Breath" klingt nach den perfekten Zutaten für einen klaustrophobischen Unterwasserthriller. Regisseur Joachim Hedén schickt eine Gruppe junger Taucher in ein versunkenes Wrack, dessen Erkundung sich schnell zum tödlichen Albtraum entwickelt. Doch obwohl das Szenario reichlich Spannungspotenzial bietet, bleibt der Film hinter seinen Möglichkeiten zurück. Bereits zu Beginn nimmt sich die Geschichte (viel zu viel) Zeit, die Figuren und ihre Beziehungen einzuführen. Die Charakterzeichnung bleibt dabei allerdings oberflächlich und besonders die überheblichen und leichtsinnigen Entscheidungen einzelner Gruppenmitglieder machen es schwer, wirklich mit ihnen mitzufiebern. Statt glaubwürdiger Persönlichkeiten bekommt man vertraute Horrorfilmtypen serviert, deren Verhalten zwar die Handlung vorantreibt, aber diese auch so vorhersehbar macht wie eine Busfahrt. Die Besetzung erfüllt ihre Aufgaben solide, bekommt vom Drehbuch aber wenig Material, um über die üblichen Rollenbilder hinauszuwachsen. Auch die Dialoge bleiben meist funktional und liefern selten echte emotionale Tiefe.

Sobald sich die Taucher im dunklen Inneren des Wracks befinden, entwickelt der Film durchaus einige wirkungsvolle Momente. Enge Gänge, rostiges Metall, eingeschränkte Sicht und schwindelnde Sauerstoffreserven vermitteln die Gefahren des Tauchens. Die Unterwasseraufnahmen erzeugen gelegentlich eine beklemmende Atmosphäre, und die Vorstellung, in einem labyrinthartigen Schiffswrack gefangen zu sein, funktioniert grundsätzlich gut. Doch der Spannungsaufbau ist ungleichmäßig. Die Haie lassen extrem lange auf sich warten, und wenn sie schließlich auftauchen, wird aus der subtilen Bedrohung zunehmend ein konventioneller Creature-Thriller. Dazu kommt, dass die Bewegungen der computergenerierten Haie häufig viel zu künstlich und übertrieben schnell wirken, wodurch die Gefahr eher unfreiwillig absurd als wirklich furchteinflößend erscheint. Auch die Attacken sind nicht immer überzeugend in die räumliche Situation eingebettet. Was als realistischer Überlebenskampf beginnen könnte, entwickelt sich dadurch zu einem wenig glaubwürdigen Spektakel. Die Kameraarbeit nutzt die Dunkelheit zwar geschickt, kann aber nicht jede Szene vor mangelnder Übersicht bewahren. Auch die Musik liefert die erwarteten Spannungsimpulse, ohne dem Film eine eigene Atmosphäre zu verleihen.

"The Last Breath" ist damit ein Unterwasserthriller, der seine Grundidee durchaus wirkungsvoll nutzt, sie aber nicht konsequent genug weiterentwickelt. Die klaustrophobischen Wrackszenen und Julian Sands' Präsenz sind klare Pluspunkte, doch blasse Figuren, ein wechselhafter Spannungsbogen und wenig überzeugende CGI-Haie verhindern nachhaltigen Nervenkitzel. Für einen kurzweiligen Abend mit unkompliziertem Creature-Horror reicht es gerade noch - ein wirklich packender Tauchgang sieht allerdings anders aus.

3,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Anamorphic Films/Filmgate Films/Picaro Films/Freebie Films

Montag, 2. November 2026

Solo (2018)

https://www.imdb.com/de/title/tt6699860/
https://letterboxd.com/film/solo-2018/

Basierend auf wahren Begebenheiten. Am 6. September 2014 sucht der spanische Surfer Álvaro Vizcaíno (Alain Hernández) auf Fuerteventura die perfekte Welle, als er an einer abgelegenen Küste schwer verunglückt. Mit einer gebrochenen Hüfte und weiteren Verletzungen ist er auf sich allein gestellt und muss gegen Schmerzen, Erschöpfung und die unerbittlichen Naturgewalten kämpfen. Während die Zeit vergeht, wird der Überlebenskampf zunehmend auch zu einer Auseinandersetzung mit seinen eigenen Ängsten und seiner Vergangenheit...

Ein Sturz, eine gebrochene Hüfte und 48 Stunden ganz allein in einer unwirtlichen Küstenlandschaft: Der spanische Survivalfilm "Solo" erzählt die wahre Geschichte des Surfers Álvaro Vizcaíno, der 2014 auf Fuerteventura schwer verunglückte und unter extremen Bedingungen um sein Leben kämpfen musste. Regisseur Hugo Stuven macht aus diesem Überlebenskampf ein Drama, das vor allem dann funktioniert, wenn es sich auf die unmittelbare Gefahr konzentriert - und deutlich an Wirkung verliert, sobald es tiefer in die Vergangenheit und Gefühlswelt seines Protagonisten eintaucht. Die stärksten Momente sind eindeutig die Szenen am Meer. Die raue Küstenlandschaft, die schroffen Felsen und die scheinbar endlose Weite des Atlantiks werden eindrucksvoll eingefangen. Kameramann Ángel Iguácel macht die Natur gleichzeitig faszinierend und bedrohlich. Der Unfall selbst ist intensiv inszeniert, und auch danach gelingt es dem Film immer wieder, die körperliche Qual, die Hilflosigkeit und die zunehmende Erschöpfung spürbar zu machen. Gerade die klaustrophobische Wirkung eines Menschen, der mitten in einer gewaltigen Landschaft vollkommen auf sich allein gestellt ist, funktioniert erstaunlich gut.

Alain Hernández geht in der Hauptrolle körperlich an seine Grenzen und vermittelt die Verzweiflung eines Schwerverletzten mit großer Hingabe. Allerdings gelingt es ihm nur bedingt, Álvaro als Persönlichkeit greifbar zu machen. Die Rückblenden auf seine Beziehung zu Ona, gespielt von Aura Garrido, sollen erklären, welche Fehler und Konflikte ihn vor dem Unfall beschäftigt haben. Doch diese Passagen wirken häufig konstruiert und bremsen den Überlebenskampf aus, statt ihm zusätzliche emotionale Tiefe zu verleihen. Auch Ben Temple als Freund Nelo bleibt im Vergleich dazu eher blass. Das Drehbuch von Stuven und Santiago Lallana möchte aus der Extremsituation eine Geschichte über Schuld, Reue und einen Neuanfang machen, erklärt seine Themen aber zu ausführlich, anstatt sie aus den Bildern und Handlungen entstehen zu lassen. Problematisch ist deshalb vor allem die Erzählstruktur. Die Wechsel zwischen Gegenwart, Erinnerungen und Halluzinationen sollen Álvaros zunehmend verwirrten Zustand spiegeln, wirken auf Dauer jedoch redundant. Immer wieder wird seine Verzweiflung betont, ohne dass sich die Situation oder die Figuren wesentlich weiterentwickeln. Dadurch verliert der Film einen Teil seiner Spannung. Die ruhige Inszenierung und die langen Einstellungen passen zwar zur Isolation des Protagonisten, doch nicht jede gedehnte Szene erzeugt auch die gewünschte Intensität.

Handwerklich ist "Solo" dennoch durchaus bemerkenswert. Die Naturaufnahmen gehören zu den größten Stärken, und die Geräuschkulisse unterstreicht die Einsamkeit, ohne sich ständig in den Vordergrund zu drängen. Auch die Musik unterstützt die melancholische Atmosphäre, wird aber zusammen mit den emotionalen Rückblenden mitunter zu aufdringlich. Gerade hier hätte etwas mehr Zurückhaltung geholfen: Die tatsächliche Überlebensgeschichte ist bereits dramatisch genug und braucht nicht in jeder Szene zusätzliche emotionale Betonung. Unterm Strich ist "Solo" ein visuell eindrucksvoller, körperlich engagierter Survivalfilm, der seine besten Momente im unmittelbaren Kampf gegen die Natur findet. Die schwach ausgearbeiteten Beziehungen, die wiederholenden Rückblenden und die allzu offensichtliche Dramatisierung verhindern jedoch, dass aus der außergewöhnlichen wahren Geschichte ein durchgehend packendes Filmerlebnis wird. Ein interessanter Überlebenskampf mit starken Bildern - aber ein nur bedingt überzeugendes Charakterdrama.

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Playa Jarugo/Miramar Media Entertainment/Gold Tower Producciones/Filmax/Fargo Entertainment