Freitag, 27. Februar 2026

The Simpsons Movie - Die Simpsons: Der Film (2007)

https://www.imdb.com/de/title/tt0462538/

Springfield droht der ökologische Kollaps. Und wer hat Schuld? Natürlich Homer Simpson (Originalstimme: Dan Castellaneta)! Der entsorgte die in einem Silo gesammelten Fäkalien seines neuen Hausschweines - "Spiderschwein" - im ohnehin vollkommen verdreckten örtlichen See und brachte das Fass damit zum Überlaufen. Springfield ist nun offiziell die dreckigste Stadt der USA. Auch das Weiße Haus und Präsident Arnold Schwarzenegger (Harry Shearer) können angesichts dieser Tatsache nicht länger die Augen verschließen. Die Lösung: Ganz Springfield wird eine riesige Glaskugel übergestülpt. Wen wundert es da, dass sich schnell ein aufgebrachter Mob versammelt, der nach Rache sinnt. Den Simpsons bleibt damit nichts anderes als die Flucht - die auch gerade so durch einen Hasenbau gelingt. Marge (Julie Kavner) gefällt das Ganze zwar überhaupt nicht, aber letztlich stimmt sie doch Homers Notfallplan zu: einem Neuanfang in Alaska. Als jedoch bekannt wird, dass die Regierung Springfield vollkommen auslöschen möchte, machen sich Marge und die Kinder auf, ihre alten Freunde zu retten. Nur Homer muss noch überzeugt werden...

Als 2007 endlich "The Simpsons Movie" in die Kinos kam, fühlte es sich an, als würde eine längst überfällige Frage beantwortet: Kann eine Serie, die das amerikanische Fernsehen seit Jahrzehnten kommentiert, auch das Kino kommentieren - und dabei selbst noch lebendig wirken? Der Film ist keine Revolution, aber er ist ein erstaunlich lebendiger Beweis dafür, dass in Springfield noch Herz, Wut und Witz stecken, wenn man die besten Köpfe wieder an einen Tisch setzt. Die Macher hatten ja seit den frühen Jahren der Serie mit dem Gedanken eines Films gespielt, ihn aber ursprünglich erst nach dem Ende der Serie realisieren wollen - ein Ende, das bekanntlich nie kam. Matt Groening sah im Kino vor allem die Chance, die Skala zu vergrößern und Sequenzen zu animieren, die im Fernsehen zu aufwendig wären. Also holte man die stärkstmögliche Autorentruppe aus den frühen Staffeln zurück, Mike Scully, Al Jean und andere Veteranen, und verpflichtete David Silverman, einen prägenden Regisseur der Serie, der dafür sogar seinen Job bei Pixar aufgab. Das Ergebnis ist ein Film, der sich anfühlt wie eine destillierte Version der Serie: größer, glatter, teurer - aber immer dann am besten, wenn er klein, boshaft und familiär wird.

Die Geschichte ist, im besten und im schwächeren Sinne, archetypisch für "Die Simpsons": Homer verursacht - aus reiner Bequemlichkeit und Ignoranz - eine ökologische Katastrophe, indem er einen Silo voller Schweinekot in den See Springfield kippt, woraufhin Springfield unter eine gigantische Glaskuppel gesperrt und von der US-Regierung praktisch aufgegeben wird. Dass ausgerechnet eine reale Meldung über ein Städtchen, das mit Schweinegülle im Wassersystem zu kämpfen hatte, Groening zu diesem Plot inspirierte, passt zur Arbeitsweise der Serie: Die große Satire beginnt mit einem absurden, aber durchaus recherchierbaren Zeitungssatz. Wie oft in den besten TV‑Folgen wird die Stadt kollektiv wahnsinnig, und es dauert nicht lange, bis sich der Mob gegen die Familie Simpson wendet. Der Film zwingt die Familie zur Flucht nach Alaska, nur um sie im Finale umso emphatischer nach Springfield zurückkehren zu lassen, wo sie - natürlich - die Stadt retten müssen. 

In seiner Struktur ist das klassische Fernsehdramaturgie, einfach aufgeblasen: ein üppiger Auftakt in Springfield, Exil und Selbstfindung in der Fremde, apokalyptische Rückkehr. Wer die Serie kennt, erkennt hier die DNA zahlreicher Episoden, nur in 90 Minuten ausgerollt. Auf der Gag-Ebene ist "The Simpsons Movie" überraschend dicht und erstaunlich fokussiert, gerade gemessen an den zeitgleichen Staffeln der Serie, denen viele Fans zum damaligen Zeitpunkt (Staffel 17/Staffel 18) einen kreativen Durchhänger attestierten. Der Film liefert aber die herzhaften Lacher, die beißende Satire und das ehrliche Porträt einer amerikanischen Familie, die die Serie einst so populär gemacht haben. Die Pointen sind beiläufig und kommen natürlich, und wenn mal ein Gag nicht ankommt, folgt der nächste sofort hinterher. Typisch für "Die Simpsons" ist die Mischung aus Slapstick, Metawitz und politischer Groteske: Die Kuppel, der inkompetente Präsident und seine technokratischen Berater, der blinde Fortschrittsglaube der Behörden - all das wirkt wie eine logische Fortsetzung des satirischen Blicks, mit dem die Serie seit Ende der Achtziger amerikanische Politik seziert. An manchen Stellen merkt man dem Film seine Pflicht zur Event-Komödie allerdings an: Running Gags und "schneller, größer. lauter"-Momente (etwa die spektakulären Verfolgungsjagden) drängen gelegentlich den leiseren, giftigeren Humor an den Rand. 

Am stärksten ist der Film immer dann, wenn er sich wieder auf den Kern konzentriert, der die Serie nachhaltig gemacht hat: die dysfunktionale, aber unzerstörbare Familie. Der emotionale Höhepunkt ist eine Szene, die wohl eine der bewegendsten Momente in der gesamten Geschichte der Marke bezeichnet wurde: Marge, die Homer verlässt, und eine Video-Nachricht, in der sie - in zittriger Handkamera - die Beziehung seziert. Hier tritt der typische Zynismus kurz zurück, und man sieht, was die besten Simpsons-Folgen immer konnten: die Lächerlichkeit des Alltags zeigen, ohne die Figuren selbst lächerlich zu machen. Barts Loyalitätskonflikt zwischen Homer und dem scheinbar perfekten Nachbarn Ned Flanders verleiht der Geschichte zusätzlich eine emotionale Achse. Diese Art von Subplot - ein Kind, das sich einen "besseren" Vater sucht - hat die Serie häufig gespielt, aber im Kinokontext gewinnt sie Gewicht, weil die wenigen Figuren, die wirklich Raum bekommen, sorgfältig geführt werden. Dass umgekehrt viele Nebenfiguren nur als Cameo durch das Bild huschen, ist die Kehrseite dieser Konzentration: Springfield wirkt wie ein Wimmelbild, aber nur wenige Gesichter dürfen wirklich sprechen. Und tatsächlich: Wer die frühen, radikal witzigen Staffeln als Maßstab nimmt, wird im Kino kein neues "Monorail"-Moment finden, keine Folge, die man in die Fernsehgeschichte gravieren möchte. Der Film ist eher ein spätes, aber würdiges Kapitel eines Phänomens, das seine größten Risiken bereits im Fernsehen eingegangen ist. Letztlich hat "The Simpsons Movie" das Fernsehen nicht neu erfunden, wie es die Serie einst getan hat, aber er erinnert daran, warum diese gelbe Familie überhaupt zu einer kulturellen Institution werden konnte. Er ist witziger und fokussierter als die meisten Episoden seiner Zeit, technisch deutlich aufgewertet und in seinen besten Momenten emotional ehrlicher, als man es einem Markenprodukt dieses Kalibers zutrauen würde. Man könnte ihm vorwerfen, nur eine überdimensionierte Episode zu sein - und wäre damit vermutlich gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt. Aber wenn eine 90‑minütige Episode so konsequent lacht, stichelt und gelegentlich das Herz bricht wie diese, dann ist das vielleicht gerade die richtige Form für eine Serie, die das Fernsehen schon längst erobert hat und im Kino eigentlich nur noch beweisen musste, dass sie noch lebt.

7,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork

Donnerstag, 26. Februar 2026

Scream 7 (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt27047903/

Eigentlich wollte sich Sidney Prescott (Neve Campbell) ein neues Leben in einer kleinen Stadt aufbauen, doch der Frieden findet schnell ein jähes Ende, denn ein neuer Ghostface-Killer erscheint auf der Bildfläche und sorgt für Angst und Schrecken. Der maskierte Mörder hat es aber nicht nur auf Sidney abgesehen, sondern auch auf ihre Tochter (Isabel May). Sidney muss nun alles geben, um ihre Familie zu beschützen, was auch bedeutet, dass sie sich ihrer Vergangenheit stellen muss...

Der siebte Teil des erfolgreichen Franchise, das 1997 mit "Scream" seinen starken Anfang nahm und damit auch das Horror-Slasher-Kino neu belebte, ist weniger ein weiterer Aufguss der Ghostface-Formel als ein spätes, fast melancholisches Innehalten der Reihe: Der Film fragt, was es bedeutet, wenn eine Überlebende endlich ankommt - und der Horror ihr nachreist. Kevin Williamson, der geistige Vater der Reihe, führt zum ersten Mal selbst Regie und macht aus Sidney Prescotts Rückkehr weniger ein Fanservice-Ereignis als einen Schlussstrich, der sich lange geweigert hat, gezogen zu werden. Die Prämisse wirkt zunächst vertraut: Sidney hat sich im ruhigen Städtchen Pine Grove, Indiana, ein neues Leben aufgebaut, als ein neuer Ghostface auftaucht und sich auf ihre Tochter Tatum einschießt. Damit knüpft "Scream 7" direkt an das Grundmuster der Reihe an - ein scheinbar sicherer Ort, der sich als Bühne für Wiederholungen entpuppt -, verschiebt den Fokus aber ins Familienmelodram: Die Attacke gilt nicht mehr nur Sidney selbst, sondern der nächsten Generation. 

Im Kontext der Reihe lässt sich inzwischen deutlich von drei Bewegungen sprechen: der ursprünglichen Woodsboro-Trilogie um Maureen Prescotts Erbe, dem meta-modernen Reboot-Zyklus ("Scream", "Scream VI"), und nun diesem Legacy-Film, der die Geschichte ausdrücklich wieder an Sidney bindet. "Scream 7" ist somit sowohl Fortsetzung von "Scream VI" als auch eine bewusste Rückkehr zur emotionalen Achse der ersten vier Teile - unterstützt durch die prominente Rückkehr von Neve Campbell und anderen Legacy-Figuren. Ihre Sidney Prescott war in "Scream" eine verunsicherte Teenagerin, deren Identität sich im Schatten des Mordes an ihrer Mutter formte; mit jedem Teil wurde sie zur kontrollierteren, abgeklärteren Überlebenden. In "Scream 7" steht sie nun an einem Punkt, an dem das Trauma nicht mehr ihr persönlicher Makel, sondern ihre Ressource ist: Sie weiß, wie man Ghostface begegnet - aber nun muss sie diese Erfahrung an ihre Tochter weitergeben. 

Die Entscheidung, Sidney als Mutter zu zeigen, ist mehr als ein dramaturgischer Kniff; sie verschiebt die Frage der Verantwortung. In den früheren Filmen musste sie sich selbst retten, später ihre Freunde, dann die eigene Mythologie überleben - jetzt steht die Zukunft ihrer Familie im Zentrum, und der Horror wird zur Erbschaft, die sie nicht weitergeben will. Das reiht sich ein in Williamsons lang angelegte Erzählung von Schuld, medialer Ausbeutung und Nachahmungstätern, die schon in "Scream 2" und "Scream 3" das Echo der ursprünglichen Verbrechen untersuchte. Verglichen mit den Radio-Silence-Filmen ("Scream", "Scream VI"), die Sam Carpenter als neue, von Billy Loomis’ Blutlinie gezeichnete Final Girl-Figur etablieren wollten, ist "Scream 7" bewusst konzentrierter auf die klassische Trias von Legacy-Charakteren. Der Fokus auf Sidney und ihre Tochter, flankiert von Rückkehrern wie Gale Weathers, signalisiert eine Verschiebung von der Ensemble-Dynamik der jüngsten Teile hin zu einem eher intimen, fast schon altmodischen Slasher-Drama.

Die "Scream"-Reihe war nie zimperlich, aber ihr Gewaltgrad diente stets der meta-reflexiven Pointe: Die Filme kommentierten Slasher-Konventionen, während sie sie ausreizten. "Scream 7" bewegt sich im oberen Bereich dessen, was das Franchise bisher gezeigt hat: Die Kills wirken in dieser Konstellation weniger spielerisch als in "Scream 4" oder den Meta-Spielereien um das "Stab"-Franchise, sondern tragen eine finale Schwere - als wolle Williamson deutlich machen, dass der Preis der immer neuen Sequels irgendwann auf der Figurenebene bezahlt werden muss. Zugleich bleibt der typische, schwarze Humor der Reihe erhalten, aber er rückt mehr in die Dialoge und weniger in die Art der Morde; die Gewalt ist direkter, weniger ironisch gebrochen. Der erste "Scream" war eine Revolution, die das Slasher-Genre neu codierte; "Scream 2" dekonstruiert die Regeln der Fortsetzung, "Scream 3" spielt mit dem Trilogie-Mythos und Hollywood, "Scream 4" kommentiert Reboots und Fame-Kultur der 2010er. "Scream" und "Scream VI" verlagerten den Fokus auf eine neue Generation und griffen den Trend der Legacy-Sequels auf - Filme, die zugleich Fortsetzung und Neustart sind. 

"Scream 7" fügt sich als Scharnier zwischen diesen Phasen ein. Er übernimmt das Motiv der Legacy-Figur aus den neuesten Teilen, aber gibt ihr wieder die zentrale Bühne, statt sie nur als Symbol oder Plot-Device einzusetzen. Wo "Scream VI" noch laut, überbordend und urban war, wirkt "Scream 7" im Setting des kleinen Ortes fast wie eine Rückkehr nach Woodsboro - eine bewusste Verkleinerung, die an das Kammerspielhafte des Originals erinnert. Man kann die Reihe inzwischen als Bewegung von filmtheoretischer Meta-Komödie über medienkritische Satire hin zu einer fast elegischen Reflexion über das Altern eines Final Girls lesen. In diesem Sinne wirkt "Scream 7" weniger wie ein weiterer Aufschlag in einer endlosen Franchise-Kette, sondern wie ein Epilog, der das Bild von Sidney Prescott vervollständigen will. 

"Scream 7" ist weniger daran interessiert, wer dieses Mal unter der Maske steckt, als an der Tatsache, dass Sidney erneut gezwungen wird, eine Rolle zu spielen, von der sie glaubte, sie abgelegt zu haben. Es ist diese tragische Ironie - eine Frau versucht, ihrem Trauma eine Form von Normalität abzutrotzen, nur damit die Welt sie wieder als die Überlebende definiert -, die den Film über den reinen Genre-Spaß hinaushebt. Im Vergleich zu den technisch versierten, aber emotional distanzierteren jüngeren Teilen hat "Scream 7" etwas angenehm Altmodisches: Er vertraut darauf, dass der Zuschauer nach all den Jahren noch etwas für Sidney empfindet, und dass das Gewicht eines Messers mehr zählt, wenn es über einem vertrauten Gesicht schwebt. Wenn der Abspann läuft, bleibt weniger die Frage, wie clever der letzte Twist war, sondern ob dies endlich der Moment ist, in dem die Figur Sidney Prescott aus dem Genre entlassen wird - und ob das Ende in Horrorfranchises überhaupt mehr sein kann als eine höfliche Behauptung. 

6/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Paramount Pictures/Spyglass Mediagroup/Project X

Dumbo - Dumbo, der fliegende Elefant (1941)

https://www.imdb.com/de/title/tt0033563/

Jumbo Jr. kommt als Kind von Zirkuselefanten zur Welt. Eigentlich als kommende Attraktion gehandelt, machen ihn seine überdimensional großen Ohren allerdings nur zum Gespött unter den anderen Tieren und Außenseiter unter den Elefanten. Von allen verhöhnt und ausgelacht wird er nunmehr nur noch Dumbo genannt. Als Dumbos Mutter (gesprochen von Verna Felton) versucht, ihren Sohn vor gemeinen Zirkusbesuchern zu beschützen, kommt es zu einem Eklat. Von den Zirkusbesitzern als gefährlich betrachtet, wird sie von Dumbo getrennt und eingesperrt. Der lernt kurze Zeit später die Maus Timothy (Edward Brophy) kennen, die den Zirkusdirektor überredet, Dumbo eine eigene Nummer zu geben. Doch Dumbo geschieht ein Missgeschick, als er über seine Ohren stolpert und die Nummer damit verdirbt. Alles scheint sich gegen ihn verschworen zu haben, bis Dumbo von einer Schar Raben eine vermeintlich magische Feder erhält...

Disneys kompaktester und emotional berührendster Zeichentrickfilm aus den 1940er Jahren ist "Dumbo", ein 64-minütiges Wunderwerk, das mit simpler Eleganz von Ausgrenzung, Mutterschaft und Triumph erzählt. Inmitten des Zirkuslebens wird der kleine Elefant Jumbo Jr., verspottet wegen seiner riesigen Ohren und liebevoll "Dumbo" genannt, von seiner Mutter Mrs. Jumbo beschützt, bis ein Vorfall sie trennt und ihn in die Klauen spöttischer Elefanten und rücksichtsloser Zirkusclowns treibt. 

In "Dumbo" liegt die wahre Magie in der wortlosen Darstellung seiner Verletzlichkeit - seine großen Augen und zitternden Bewegungen sprechen Bände, unterstützt von der herzzerreißenden "Mein liebes Kind" ("Baby Mine"), gesungen während eines Besuchs bei der eingesperrten Mutter. Timothy Q. Mouse, der treue Gefährte mit brooklynischem Charme, wird zu Dumbos Retter und Mentor, der ihm hilft, seine Flügel - oder Ohren - zu entdecken, in einer psychedelischen Pink-Elephant-Sequenz, die Disneys Innovationsgeist zeigt. Der Film kulminiert in Dumbos Flug, einem Akt purer Befreiung, der Rache an seinen Peinigern übt und zu Ruhm führt, inklusive einer freigelassenen Mrs. Jumbo. 

Anders als der opulente "Pinocchio" setzt "Dumbo" auf sparsame Aquarell-Hintergründe und begrenzte Animation - eine Notwendigkeit nach Studio-Streiks und finanziellen Engpässen, die Elefantenstudien dennoch zu nuancierten Bewegungen führen.  Die Musik von Frank Churchill und Oliver Wallace, Oscar-prämiert, webt Jazz-Elemente der Krähen-Szene mit zirkusartiger Fröhlichkeit, während der Schnitt Präzision atmet und Melancholie einfängt, etwa in nächtlichen Blautönen. Aus heutiger Sicht gibt es deutlich stereotype und sogar rassistische Sequenzen, und ohne dies gutheißen zu wollen - der Film ist eben ein Kind seiner Zeit. Entstanden 1941 inmitten eines Animatoren-Streiks gegen Walt Disney, der Gewerkschaften ablehnte, spiegelt "Dumbo" vielleicht unbewusst den Kampf Unterdrückter wider - Clowns fordern Lohnsteigerungen, doch der Fokus bleibt auf kindlicher Unschuld. Der japanische Angriff auf Pearl Harbor verschob seine Premiere, doch es wurde Disneys finanziell erfolgreichster Film der 40er und gewann verdient einen Oscar für Frank Churchill und Oliver Wallace für die beste Musik. 

"Dumbo" beweist: Manchmal braucht es keine Worte, nur ein Herz und ein paar überdimensionierte Ohren, um zu fliegen. Es ist kein Meisterwerk wie "Bambi", aber ein zeitloses Juwel, das Tränen und Lächeln weckt.

8/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Disney

Mittwoch, 25. Februar 2026

Crime 101 (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt32430579/

Davis (Chris Hemsworth) ist ein ebenso brillanter wie unberechenbarer Dieb, dessen waghalsige Raubzüge die Ermittler immer wieder ins Leere laufen lassen. Als er einen letzten, alles entscheidenden Coup vorbereitet, kreuzt die desillusionierte Versicherungsmanagerin Sharon (Halle Berry) seinen Weg. Widerwillig müssen beide zusammenarbeiten, obwohl sie einander kaum trauen. Zugleich tritt Orman (Barry Keoghan) auf den Plan - ein skrupelloser Konkurrent, der keine Grenzen kennt. Während der millionenschwere Raub immer näher rückt, kommt Detective Lt. Lubesnik (Mark Ruffalo) der Spur des Teams gefährlich nahe. Je enger sich das Netz aus Intrigen und Misstrauen zieht, desto deutlicher wird, dass niemand unversehrt aus dem Spiel hervorgehen kann.

Ein weiterer Heist-Film, der so tut, als würde er das Genre neu erfinden - und in seinen besten Momenten kommt er diesem Anspruch erstaunlich nahe. In seinen schwächeren hingegen wirkt er eher wie ein sehr eleganter Aufsatz über Filme wie "Heat" und "Thief", geschrieben von jemandem, der ein bisschen zu verliebt in seine eigenen Fußnoten ist. Regisseur Bart Layton verlegt Don Winslows Novelle an den sonnenverbrannten Rand des 101 Freeway, wo ein Juwelendieb seine Raubzüge wie eine Art mobiles Kunstprojekt inszeniert. Chris Hemsworths Mike Davis plant den einen letzten Coup, Halle Berry spielt eine desillusionierte Versicherungsbrokerin, die ausgerechnet durch die Verbrechen wieder so etwas wie Glauben an Ursache und Wirkung gewinnt, während Mark Ruffalo als Detective Lou Lubesnick die klassische Polizistenrolle mit müder Melancholie auffüllt. Der Film ist weniger an der Mechanik des Raubs interessiert als an der Psychologie: Drei Figuren an der Schwelle - zum großen Geld, zur moralischen Bankrotterklärung, zum Punkt ohne Rückkehr. 

Hemsworth spielt Davis als jemanden, der sein eigenes Mythos-Marketing glaubt: charmant, kontrolliert, aber mit diesem feinen Zucken im Blick, wenn klar wird, dass Kontrolle in dieser Welt eine Höflichkeitsfloskel ist. Berry bekommt die Undankbarkeitsrolle - die Figur, die ständig rechnen muss, ob sie gerade Komplizin, Opfer oder Versicherungsrisiko ist - und macht aus Sharon Colvin eine stille Hauptfigur, die Szene für Szene an Gewicht gewinnt. Ruffalo wiederum spielt den Cop, der schon zu viele Tatorte gesehen hat, um noch an klare Trennlinien zwischen Jäger und Gejagtem zu glauben; Kritiken heben zu Recht hervor, dass er dem moralischen Unterbau des Films Konturen verleiht. Layton bietet mit "Crime 101" eine Mischung aus dokumentarischer Schärfe und stylisierter Fiktion: Die Heists sind weniger Spektakel als Choreografien von Routine, Beobachtung und kleinen Fehlern.

Der Highway 101 wird dabei zur Figur - ein Band aus Asphalt, an dem die USA vorbeirauschen, während im Off Schmuck, Identitäten und Sicherheiten den Besitzer wechseln. Wer nach den hyper-präzisen Uhrwerk-Coups der "Ocean’s Eleven"-Schule sucht, wird hier eher ein "Heat"-nahes Pulsieren aus Planung, Gegenplanung und schmutzigem Zufall finden. Im Pantheon der Heist-Filme sitzt "Crime 101" dennoch irgendwo zwischen Michael Manns existenzialistischer Kälte in "Heat" und der nervösen Gegenwartsdiagnose von Filmen wie "No Sudden Move" oder "Cash Truck".  Wie "Heat" interessiert ihn weniger der Coup als die Lebensbilanz der Männer (und hier endlich auch einer Frau), die ihn ausführen oder verhindern sollen.  Im Gegensatz zu den verspielten Schaubuden von "Ocean’s Eleven" oder den Genre-Mashups "Army Of The Dead" und "Ambulance" verzichtet Layton weitgehend auf ironischen Kommentar und setzt auf ein nüchternes, fast sprödes Thrillergerüst. Das Ergebnis ist kein Genrereboot, aber eine spürbar ernsthafte, moderne Variation, die eher in einem Double Feature mit "Thief" und "The Bank Job" funktionieren würde als in einer Reihe mit Casino-Zaubertricks. 

"Crime 101" ist unterm Strich einer dieser Heist-Filme, die weniger Kinosessel zerwühlen als Hirnwindungen: stilvoll, gut gespielt und klüger, als sein Plot auf den ersten Blick vermuten lässt. Er erreicht nicht ganz die Gravität eines "Heat" oder die ikonische Leichtigkeit eines "Ocean’s Eleven", aber er bewegt sich souverän in ihrer Umlaufbahn - und gibt dem Genre genau das, was es am nötigsten braucht: Figuren, deren innerer Einbruch spannender ist als der im Juweliergeschäft.

7/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Amazon MGM Studios/Working Title Films/RAW/Wild State/The Story Factory

Dienstag, 24. Februar 2026

Dead Of Winter - Dead Of Winter: Eisige Stille (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt7574556/

Barb (Emma Thompson) reist in die entlegene Wildnis Minnesotas, um den letzten Wunsch ihres verstorbenen Mannes zu erfüllen: Seine Asche soll an jenem See verstreut werden, an dem ihre gemeinsame Geschichte begann. Abgeschnitten von der Außenwelt und ohne jede Möglichkeit, Hilfe zu rufen, wird sie Zeugin eines Verbrechens. Eine junge Frau (Laurel Marsden) wird verschleppt und in einer verlassenen Hütte gefangen gehalten. Ohne Unterstützung bleibt Barb keine Wahl, als selbst zu handeln. Ihr Versuch, das Opfer zu befreien, entwickelt sich zu einem gefährlichen Überlebenskampf – gegen das brutale Entführer-Paar (Judy Greer und Marc Menchaca) ebenso wie gegen die lebensbedrohliche Kälte der einsamen Landschaft.

"Dead Of Winter" ist ein Thriller, der sich anfühlt wie ein klassisches Kammerspiel im Schnee: formal sehr ordentlich, atmosphärisch dicht - und zugleich weniger mutig, als seine Prämisse verspricht. Emma Thompson trägt den Film mit einer Präsenz, die größer ist als das Genrevehikel, das sie umgibt. Die Prämisse des Schneesturm-Thriller ist klassisch: kein Empfang, defektes Auto, knappe Munition - ein vertrautes Set an Genre-Versatzstücken, das Regisseur Brian Kirk solide, aber sehr erkennbar abarbeitet. Der Gewaltgrad ist dabei spürbar, aber nie exploitativer Selbstzweck: Es gibt blutige Auseinandersetzungen, improvisierte Operationen mit Angelschnur und Haken, Gefahren im Eis und körperlich harte Konfrontationen, doch der Film bleibt im Rahmen eines Mainstreamthrillers, der eher auf Spannung als auf Gewaltexzesse zielt. Im Unterschied zu härteren Survival-Stoffen wie "Wind River" benutzt "Dead Of Winter“ seine Brutalität vor allem als Katalysator für Barb - eine Witwe, die aus ihrer Trauer in eine unerwartete Handlungsfähigkeit gestoßen wird. 


Visuell überzeugt der Film stärker: Die Kamera nutzt die weitläufigen, schneebedeckten Landschaften und die Enge der Hütte als Kontrast von Weite und Gefangenschaft, das Weiß des Schnees wird zur Bühne für Blutspuren und Schatten, die sich im Sturm verlieren. Emma Thompson und Judy Greer, die als Antagonistin deutlich gegen ihr übliches komödiantisches Image besetzt ist, bringen eine Schwere in ihre Figuren, die der Film nicht immer einlöst; was als psychologischer Spiegel zweier Arten von Hingabe angelegt ist, bleibt im Drehbuch zu skizzenhaft. 

"Dead Of Winter" sticht deswegen aus der Riege der Schnee-Thriller-Filme heraus, weil er eine ganz gewöhnliche Frau in eine Situation zwingt, die jeden normalen Menschen überfordern müsste - und zeichnet sie trotzdem nicht zur Superheldin, sondern zur hartnäckigen, verletzlichen Überlebenden. Dennoch ist es ein Thriller, der sich so stark auf seine Darsteller verlässt, dass er mehr mit ihnen anfangen sollte: Die emotionalen Einschübe um Trauer und Schuld geben Thompson Nuancen, unterbrechen aber den Spannungsbogen, statt ihn zu vertiefen - was "Dead Of Winter" letztlich zu einem sehenswerten, aber nicht unvergesslichen Winter-Albtraum macht. 

6/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Stampede Ventures/Augenschein Filmproduktion/Leonine/ZDF

Sonntag, 22. Februar 2026

Cold Storage (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt8879928/

Teacake (Joe Keery) und Naomi (Georgina Campbell), zwei junge Angestellte eines Selfstorage-Unternehmens auf dem Gelände eines ehemaligen US-Militärstützpunkts, erleben ihre turbulenteste Nachtschicht, als ein parasitärer Pilz aus der versiegelten untersten Ebene ausbricht, wo er vor Jahrzehnten von der Regierung eingeschlossen wurde. Mit steigender Temperatur im Untergrund vermehrt sich der hoch ansteckende, schnell mutierende Mikroorganismus und entfesselt seinen gehirnkontrollierenden, körperzerstörenden Schrecken auf Menschen und andere Lebewesen. Gemeinsam mit einem ergrauten, pensionierten Bioterror-Agenten versuchen Teacake und Naomi, die Bedrohung einzudämmen und das drohende Aussterben der Menschheit zu verhindern.

"Cold Storage" ist ein Film, der genau weiß, was für ein Publikum er bedienen möchte, sodass er sich gar nicht erst mit Zwischentönen aufhält: Er ist Horror-Komödie, Seuchenthriller und Buddy-Movie in einem - und meistens funktioniert dieser Eigenbau besser, als man erwarten dürfte. Die Ausgangslage könnte direkt aus einem vergessenen 90er-Videothekenregal stammen: In den 1980ern wird in einem australischen Nest ein parasitärer Pilz entdeckt, der ganze Körper übernimmt, aufbläht und platzen lässt - ein winziger, schleimiger Weltuntergang, den ein Bioterror-Spezialist der Regierung in einem unterirdischen Bunker einfriert. Jahrzehnte später ist dieser Bunker längst zur Basis eines Self‑Storage-Unternehmens umfunktioniert worden, der militärische Vorbau zur banalsten Form der Spätkapitalismus-Architektur: Abstellräume für das, was keiner mehr sehen will. Hier arbeiten Teacake (Joe Keery) und Naomi (Georgina Campbell), zwei Nachtkräfte, die eher mit Kleinkram und Kundenproblemen rechnen als mit der Apokalypse; doch als steigende Temperaturen das Tiefkühlgefängnis des Pilzes destabilisieren, bahnt sich das Organismus seinen Weg nach oben. In dem Moment, in dem die ersten Infektionen auftreten, betritt auch der gealterte Spezialist aus der Vergangenheit die Bühne - ein wettergegerbter Bioterror-Operative, der ganz genau weiß, was hier auf dem Spiel steht.

Regisseur Jonny Campbell findet rasch einen Ton, der an "Tremors" erinnert: ein Horror-Szenario, das nur knapp neben der Farce vorbeischrammt, sich aber nie ganz der Parodie hingibt. Das Prolog-Kapitel im australischen Outback setzt diesen Akzent: groteske Tode, ein Hauch Science-Fiction der alten Schule, dazu eine leicht überdrehte Ernsthaftigkeit, die das Publikum einlädt, zu lachen und zusammenzuzucken - oft innerhalb derselben Einstellung. Diese Doppelspur - Schauer und Schmunzeln - trägt sich in die Haupthandlung hinüber, wenn die Lagerhalle zum Labyrinth wird: "Cold Storage" ist nicht subtil, er ist kinetisch, fast trotzig frontale Genreunterhaltung. Campbell inszeniert die Gänge, Fahrstühle und Metalltüren als klaustrophobische Spielwiese, in der der Film von Jumpscare zu Körperschock zu Slapstick schaltet, manchmal innerhalb einer Szene. Joe Keery und Georgina Campbell spielen Teacake und Naomi als zwei Menschen, die man eher in einer Indie-Komödie über prekäre Jobs erwarten würde als im Kampf gegen einen Pilz mit Weltherrschaftsambitionen. Ihre Dynamik lebt von Sticheleien, gegenseitigem Überbieten und einem unterschwelligen Verbündetsein; sie sind nicht die Ursache der Katastrophe, sondern jene, die am schnellsten begreifen, dass man sich der Realität stellen muss, wenn sie schon einen Spind weiter lauert. Liam Neeson tritt als abgekämpfter Bioterror-Profi auf, dessen Präsenz fast schon ein eigenes Subgenre evoziert: der Mann, den man anruft, wenn alle anderen längst weggelaufen sind. Er bringt eine Schwere in den Film, die nicht ironisch gebrochen wird, sondern wie ein Anker wirkt - jede seiner Szenen erinnert daran, dass hinter der Komik eine echte, wenn auch pulpige, Bedrohung steht. Die Nebenrollen - darunter Sosie Bacon, Vanessa Redgrave und Lesley Manville - verleihen der Pilz-Pandemie jene Gesichter und Stimmen, die aus einer abstrakten Gefahr eine Reihe sehr konkreter menschlicher Einsätze machen. 

"Cold Storage" lebt von der Lust am Übertreiben: Körper schwellen an, platzen, werden zu unförmigen Wirtshüllen eines Bewusstseins, das nur einen Instinkt kennt - Ausbreitung. Der Film genießt diese Exzesse, aber er versucht zugleich, sein Publikum nicht mit Zynismus zu bestrafen; er zeigt, was passiert, wenn ein Mikroorganismus ganze Lebensläufe verschlingt, und findet dennoch immer wieder Momente echter Sympathie für seine Figuren. Dabei ist er, und das darf man ihm ankreiden, manchmal allzu sehr ein Kind des digitalen Zeitalters: Wo schleimige Practical Effects das Potenzial zum Kultfilm hätten, vertraut "Cold Storage" etwas zu häufig auf CGI, das eher funktional als denkwürdig wirkt. Die digitale Überformung nimmt einigen Bildern das Gewicht, das ein Film mit dieser Körperfixierung eigentlich haben könnte, und doch bleibt der Gesamteindruck: ein zombie-naher, ausgelassener Filmspaß, der versteht, dass die eigentliche Energie aus der Interaktion seiner Figuren kommt, nicht aus jedem einzelnen Effektshot.

David Koepp, der nicht nur die Romanvorlage schrieb, sondern auch das Drehbuch, kennt das Terrain der Genre-Großformate; seine Arbeit an "Jurassic Park" und "Mission: Impossible" zeigt sich hier in der Fähigkeit, komplexe Bedrohungen in klar strukturierten, publikumsfreundlichen Setpieces zu organisieren. "Cold Storage" erreicht nie die Klasse der großen Horror-Komödien, die er zitiert - die Balance aus Schrecken und Witz ist nicht immer makellos, manches Setpiece wirkt nach Formel mehr als nach Inspiration. Aber wie bei vielen Filmen, die sich unerschrocken in die zweite Reihe des Genres stellen, liegt sein Reiz in der Art, wie er mit seinem Publikum kommuniziert: Er will, dass wir lachen, wenn es knallt, uns ekeln, wenn es schwappt, und doch genug mit diesen Menschen fühlen, um den Ausgang nicht gleichgültig hinzunehmen. "Cold Storage" ist vielleicht kein Klassiker, aber ein guter Abend im Kino - ein Film, der das Rad nicht neu erfindet, sondern es verflüssigt, mutiert und uns ins Gesicht schleudert, und der damit ziemlich genau das hält, was sein Versprechen vermuten lässt. 

7/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Studiocanal/Ciné+OCS/Bibi Film tv

Samstag, 21. Februar 2026

Bugonia (2025)


Michelle Fuller (Emma Stone) steht an der Spitze eines riesigen Biomedizinkonzerns. Also Privatperson wie als Chefin führt sie ein strenges Regiment: Ihr Wecker klingelt um 4.30 Uhr, also fast noch mitten in der Nacht. Bevor es für sie ins Büro geht, wird für die körperliche Fitness gesorgt. Disziplin erwartet sie auch von ihren Mitarbeitern. Vor 17.30 Uhr darf niemand an Feierabend denken. Ihre Firma hat sich der Herstellung von Medikamenten für den Opioidentzug gewidmet. Doch bei Erprobung und Einsatz genau dieser Medikamente kamen auch Menschen zu Schaden - so etwa Teddys (Jesse Plemons) Mutter Sandy (Alicia Silverstone). Teddy ist jedoch haufenweise Verschwörungserzählungen verfallen und glaubt deshalb, einem noch viel größeren Problem gegenüberzustehen: Aliens. Und Michelle soll insgeheim eines davon sein. Also beschließt Teddy zusammen mit seinem Cousin Don (Aidan Delbis), Michelle zu entführen, in seinem Keller einzuschließen und sie dann irgendwie dazu zu bringen, zusammen mit den anderen auf der Erde geglaubten Aliens zu verschwinden.

Yorgos Lanthimos' Remake der südkoreanischen schwarzen Science-Fiction-Komödie "Save The Green Planet!" aus dem Jahr 2003 "Bugonia" ist eine schräge Mischung aus Verschwörungswahn und schwarzer Komödie, die er mit seiner typischen Groteske aufpeppt: Damit stößt Lanthimos schnell an die Grenzen des Glaubwürdigen - und entfaltet genau dort die volle Stärke des Films. Was als absurd-komische Entführung beginnt, mündet in ein Psycho-Duell über Paranoia, Macht und Realität. Sobald Teddy (Jesse Plemons) und Don (Aidan Delbis) Michelle (Emma Stone) in ihren Keller gesperrt haben, quälen sie mit Verhören und versuchen, ihre "Alienhaut" aufzuschneiden - doch Michelle kontert mit kalter Logik und Manipulation. Lanthimos karikiert hier Verschwörungstheoretiker als gutmütige Spinner und Konzernbosse als emotionslose Aliens; es geht um Bienensterben, Unternehmensgier und die Dystopie unserer Zeit, die "nicht fiktional" sei, wie der Regisseur selbst sagt.

Emma Stone glänzt als Michelle: von eisiger Dominanz zu verletzlicher Verunsicherung - ihr viertes Lanthimos-Projekt nach "The Favorite", "Poor Things" und "Kinds Of Kindness". Jesse Plemons stiehlt die Show als reflektiert-höflicher Teddy, der im Anzug verhört und paradox Sympathie weckt; seine Oscar-Nominierung 2026 als bester Darsteller ist verdient. Aidan Delbis als naiver Don rundet das Trio ab, unterstützt von Alicia Silverstone in Rückblenden.  Alle drei tragen die 120 Minuten, trotz mancher knapper Längen. Lanthimos' Stil ist in jeder Szene unverkennbar: verzerrte Karikaturen, zynischer Humor und psychologische Spannung machen "Bugonia" zu einer Groteske über die Gegenwart. "Bugonia" zwingt den Zuschauer, zwischen Wahrheit und Wahn zu unterscheiden - und der Film tut dies auch mit eine gewissen Biss, auch wenn die Pointe Superheldenmäßig wirkt. Doch während die Darsteller und Satire mühelos als grandios zu bezeichnen sind, mildern komplexe Plots, lahmes Pacing und kontroverse Enden des Gefühl - deutlich, aber teils prätentiös. Für Fans von "The Lobster" oder "Poor Things" ist "Bugonia" ein definitives Muss; andere könnten den Wahnsinn scheuen.

8,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork:  Element Pictures/Square Peg/CJ ENM