Mittwoch, 24. Juni 2026

Backrooms (2026)

https://www.imdb.com/title/tt26657236/

Clark (Chiwetel Ejiofor) ist Eigentümer und Geschäftsführer eines heruntergekommenen Möbelgeschäfts, seit seiner Scheidung wohnt er außerdem dort. Eines Tages entdeckt er im Keller des Ladens eine unsichtbare Tür, hinter der sich ein endloses Labyrinth seltsamer Räume befindet. Mit der Zeit steigert er sich immer mehr in seine Besessenheit rein und möchte unbedingt das Geheimnis der verborgenen Räume lüften. Letztendlich vertraut er sich seiner Psychotherapeutin Dr. Mary Kline (Renate Reinsve) an und berichtet ihr von den Mysterien des unerklärlichen Raumes. Als diese ihm zunächst nicht glaubt, begibt sich Clark zusammen mit seinen Angestellten Kat (Lukita Maxwell) und Bobby (Finn Bennett), sowie einer Videokamera, in die Räume, um Beweise zu sammeln. Da er jedoch nie wieder zurückkehrt, macht sich Mary letztendlich selbst auf den Weg in die unbekannte Welt hinter der verborgenen Tür.

Nur wenige Horrorfilme der letzten Jahre waren mit einer derart ungewöhnlichen Entstehungsgeschichte verbunden wie "The Backrooms". Was als virale YouTube-Serie des damals erst 16-jährigen Kane Parsons begann, entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zu einem weltweiten Phänomen. Mit seiner ersten Spielfilmregie stand Parsons nun vor der schwierigen Aufgabe, ein Konzept, das ursprünglich von Atmosphäre und Andeutungen lebte, auf Spielfilmlänge auszudehnen. Überraschenderweise gelingt ihm dieses Kunststück über weite Strecken beeindruckend gut. Das Ergebnis ist ein ebenso verstörender wie faszinierender Horrorfilm, der zwar nicht frei von Schwächen ist, aber eindrucksvoll beweist, dass aus Internetkultur ernstzunehmendes Kino entstehen kann.

Die Geschichte folgt dem Möbelhausbesitzer Clark (Chiwetel Ejiofor), der auf ein unerklärliches Portal stößt, das in die sogenannten Backrooms führt - ein endloses Labyrinth aus gelb beleuchteten Fluren, verlassenen Büroräumen und architektonischen Albträumen, die jeder Logik trotzen. Parallel begleitet der Film die Therapeutin Mary (Renate Reinsve), deren Schicksal zunehmend mit dieser surrealen Parallelwelt verknüpft wird. Was zunächst wie ein klassischer Mystery-Horrorfilm beginnt, entwickelt sich zunehmend zu einer psychologischen Reise durch Erinnerungen, Traumata und die Zerbrechlichkeit der Realität. Die größte Stärke von "The Backrooms" ist zweifellos seine Atmosphäre. Parsons versteht besser als jeder andere Filmemacher, warum das ursprüngliche Konzept Millionen Menschen faszinierte. Die Backrooms sind nicht einfach nur ein Ort, sondern ein Gefühl - die verstörende Vertrautheit eines Raumes, der fast normal erscheint und gerade deshalb beunruhigt. Das Produktionsdesign und die visuelle Umsetzung dieser albtraumhaften Welt, die sterile Beleuchtung, das monotone Brummen der Neonröhren und die scheinbar endlosen Korridore erzeugen eine Form von Unbehagen, die sich tief unter die Haut schleicht.

Auch schauspielerisch überrascht der Film positiv. Chiwetel Ejiofor verleiht Clark eine glaubwürdige Mischung aus Verzweiflung, Neugier und Angst, während Renate Reinsve die emotional komplexere Rolle übernimmt. Beide Figuren fungieren weniger als klassische Horrorfilmhelden und mehr als emotionale Ankerpunkte in einer Geschichte, die bewusst mit Unsicherheit und Mehrdeutigkeit arbeitet. Viele Kritiken hoben hervor, dass gerade die ernsthaften Darstellungen verhindern, dass die Geschichte zu einer bloßen Aneinanderreihung surrealer Bilder verkommt. Besonders bemerkenswert ist die visuelle Reife von Parsons' Regiearbeit. Obwohl dies sein Spielfilmdebüt ist, zeigt er ein erstaunliches Gespür für Bildkomposition, Rhythmus und Spannung. Immer wieder entstehen Szenen, die weniger wie traditionelle Horrorsequenzen wirken als wie bewegte surrealistische Gemälde - eine Art Neudefinition dessen, was moderner Konzept-Horror leisten kann. 

Ganz ohne Probleme kommt der Film allerdings nicht aus. Das ursprüngliche Konzept als Kurzform funktionierte möglicherweise stärker als über eine Laufzeit von fast zwei Stunden. Tatsächlich verliert die Handlung im Mittelteil gelegentlich an Fokus, und manche Figuren bleiben etwas zu skizzenhaft. Auch die Entscheidung, die Mythologie der Backrooms stärker zu erklären, nimmt etwas von der Mystik. Ein Teil der ursprünglichen Faszination beruhte gerade auf dem Geheimnisvollen und Unerklärlichen. Dennoch überwiegt der positive Eindruck. Die einzigartige Atmosphäre, die ambitionierte Inszenierung und Parsons' bemerkenswertes Talent als Regisseur sind hervorragend. Und letztlich ist "The Backrooms" weit mehr als eine bloße Verfilmung eines Internet-Memes. Es ist ein ungewöhnlicher, mutiger und oftmals erschreckend wirkungsvoller Horrorfilm, der die Angst vor dem Vertrauten in eindrucksvolle Bilder übersetzt. Nicht jede erzählerische Entscheidung funktioniert vollständig, doch die kreative Vision dahinter ist jederzeit spürbar. Damit gehört "The Backrooms" sicherlich zu den originellsten Horrorfilmen des Jahres 2026, vielleicht sogar der letzten Jahre. Kane Parsons gelingt der seltene Sprung vom Internetphänomen zum ernstzunehmenden Filmemacher, ähnlich wie schon Curry Barker mit "Obsession", indem er aus einem simplen Konzept ein atmosphärisch dichtes, visuell beeindruckendes und nachhaltig verstörendes Kinoerlebnis erschafft. Kleine erzählerische Schwächen verhindern die Höchstwertung, ändern aber nichts daran, dass hier eine bemerkenswerte neue Stimme des Horrorfilms zu entdecken ist.

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkAtomic Monster/21 Laps Entertainment/A24/Phobos/The North Road Company

Dienstag, 23. Juni 2026

Safe House (2012)

https://www.imdb.com/title/tt1599348/

Der junge US-Geheimagent Matt Weston (Ryan Reynolds) wurde engagiert, um in einem Safe House in Kapstadt (Südafrika) auf den gefassten Schwerkriminellen Tobin Frost (Denzel Washington) Acht zu geben, der als Ex-Agent die CIA hintergangen hat. Doch eine Gruppe Bösewichter hat es auf Frost abgesehen und wünscht sich nichts sehnlicher als dessen Tod. Als sie den eigentlich geheimen CIA-Unterschlupf zerstören, muss Weston den Verbrecher an einen anderen sicheren Ort bringen und dafür mit ihm kooperieren. Doch woher wussten die Terroristen, wo sich das Safe House befindet? Vieles deutet daraufhin, dass es in den Reihen der CIA eine undichte Stellte gibt.

Mit "Safe House" lieferte Regisseur Daniel Espinosa im Jahr 2012 einen Spionagethriller ab, der klassische Agentenfilm-Elemente mit der hektischen Intensität moderner Actionproduktionen verbindet. Unterstützt von einem hochkarätigen Hauptdarstellerduo aus Denzel Washington und Ryan Reynolds entstand ein Film, der sein Publikum über weite Strecken fesselt, ohne das Genre jedoch nachhaltig neu zu definieren. Das Ergebnis ist ein spannender, gut gespielter Thriller, dessen größte Stärke zugleich seine größte Schwäche offenbart: Er verlässt sich stark auf Bewährtes. Die größte Attraktion des Films ist zweifellos Denzel Washington. Als undurchsichtiger Tobin Frost dominiert er nahezu jede Szene, in der er auftritt. Washington verleiht der Figur eine Mischung aus Charisma, Intelligenz und latenter Bedrohlichkeit, die den Zuschauer permanent im Unklaren darüber lässt, welche Absichten Frost tatsächlich verfolgt. Ryan Reynolds überzeugt ebenfalls in einer vergleichsweise ungewohnten Rolle. Statt auf seinen bekannten Humor setzt er hier auf Ernsthaftigkeit und spielt glaubwürdig den ehrgeizigen Agenten, der zwischen Pflichtbewusstsein, Überlebensinstinkt und moralischen Zweifeln hin- und hergerissen wird. Die Dynamik zwischen Reynolds und Washington entwickelt sich zum emotionalen Kern des Films und sorgt dafür, dass selbst ruhigere Szenen Spannung erzeugen. 

Actionfans kommen ebenfalls auf ihre Kosten. Verfolgungsjagden durch die Straßen Kapstadts, Schießereien und Nahkämpfe werden mit hoher Intensität inszeniert. Espinosa setzt dabei auf einen rauen, dokumentarisch anmutenden Stil, der dem Film eine unmittelbare Energie verleiht. Gerade in den Actionszenen entsteht ein spürbarer Druck, der die Bedrohung glaubhaft vermittelt. Doch die oft stark bewegte Kamera und die schnelle Schnittfolge erschweren gelegentlich die Übersicht und lassen manche Sequenzen unnötig hektisch wirken. Inhaltlich bewegt sich "Safe House" hingegen auf vertrautem Terrain. Die Themen Korruption, Loyalität und Machtmissbrauch innerhalb von Geheimdiensten sind keineswegs neu, und viele Wendungen lassen sich relativ früh erahnen. Das Drehbuch bietet zwar genügend Spannung, um das Interesse aufrechtzuerhalten, erreicht jedoch selten die Komplexität oder Raffinesse der besten Vertreter des Genres. Dennoch gelingt es "Safe House", durchgehend zu unterhalten. Die Handlung entwickelt sich mit hohem Tempo, die Schauplätze sorgen für Abwechslung, und die Beziehung zwischen Weston und Frost verleiht der Geschichte eine zusätzliche Ebene, die über reine Action hinausgeht. Besonders gelungen ist dabei die Frage, ob Integrität innerhalb eines Systems möglich ist, das selbst von Misstrauen und Geheimnissen geprägt wird.

Letztlich ist "Safe House" kein Spionageklassiker auf Augenhöhe mit den besten Werken des Genres, aber ein handwerklich souveräner Thriller, der genau weiß, wie er sein Publikum bei der Stange hält. Dank Denzel Washingtons magnetischer Performance und einer konstant hohen Spannung bleibt der Film deutlich länger in Erinnerung als viele vergleichbare Produktionen.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkUniversal Pictures/Relativity Media/Bluegrass Films/dentsu

Montag, 22. Juni 2026

Lady In The Water - Das Mädchen aus dem Wasser (2006)

https://www.imdb.com/title/tt0452637/

Cleveland Heep (Paul Giamatti) ist Hausmeister in einem Apartment-Komplexes in der Vorstadt von Philadelphia und führt ein unauffälliges Leben ohne Turbolenzen. Doch das soll sich schlagartig ändern, als eines Nachts die mysteriöse, nixenartige Story (Bryce Dallas Howard) im Pool auftaucht und den tollpatschigen Heep nach einem unglücklichen Ausrutscher vor dem Ertrinken rettet. Die junge Frau stellt den verdutzten Hausmeister vor ein Rätsel. Zusammen mit Nachbarin Mrs. Choi (June Kyoko Lu) und ihrer Tochter Young-Soon (Cindy Cheung) findet er heraus, dass Story eine Narf ist und aus der "Blauen Welt" stammt. Dorthin will sie auch wieder zurückkehren, aber bösartige Kreaturen versuchen ihre Rückkehr mit allen Mitteln zu verhindern. Nur gemeinsam mit Heep und den Bewohnern der Hausanlage kann sie sich den Weg zurück in die Freiheit bahnen...

Mit "Lady In The Water" wagte M. Night Shyamalan 2006 einen mutigen Schritt weg vom klassischen Mystery-Thriller, für den er nach "The Sixth Sense", "Unbreakable" und "Signs" bekannt geworden war. Statt einer spannungsgeladenen Geschichte mit überraschender Wendung präsentierte er ein modernes Märchen voller Symbolik, Fantasie und spiritueller Themen. Das Ergebnis ist ein Film, der bis heute polarisiert: Für die einen ein unterschätztes Fantasydrama, für die anderen ein selbstverliebtes Experiment, das an seinen eigenen Ambitionen scheitert. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen. Die Grundidee besitzt zweifellos Charme. Shyamalan erschafft eine moderne Fabel über Hoffnung, Gemeinschaft und die Bedeutung von Geschichten. Besonders interessant ist dabei die Vorstellung, dass gewöhnliche Menschen zu Helden werden können, ohne es selbst zu wissen. Der Film vermittelt eine optimistische Botschaft und besitzt eine Aufrichtigkeit, die man schlicht nicht infrage stellen kann. Zu den größten Pluspunkten gehört die Besetzung. Paul Giamatti liefert eine starke und emotional glaubwürdige Leistung ab. Sein Cleveland wirkt verletzlich, einsam und zugleich sympathisch, wodurch er schnell zum emotionalen Mittelpunkt des Films wird. Auch Bryce Dallas Howard überzeugt als geheimnisvolle Story. Ihre ruhige Ausstrahlung verleiht der märchenhaften Figur eine gewisse Glaubwürdigkeit, die für das Funktionieren der Geschichte essenziell ist.

Atmosphärisch gelingt Shyamalan ebenfalls einiges. Die Wohnanlage wird zu einer fast magischen Kulisse, in der sich das Alltägliche und das Fantastische auf ungewöhnliche Weise vermischen. Die Kameraarbeit von Christopher Doyle und die stimmungsvolle Musik tragen dazu bei, dass der Film oft eine traumartige Qualität entwickelt. Gerade in seinen ruhigeren Momenten entfaltet "Lady In The Water" eine besondere Atmosphäre, die ihn von vielen Fantasyfilmen seiner Zeit unterscheidet. Die visuelle Gestaltung und die emotionale Ernsthaftigkeit des Films fasziniert, wenngleich die Geschichte etwas lahm ist. Gleichzeitig offenbaren sich damit auch die Schwächen des Films recht deutlich. Die Mythologie wirkt häufig unnötig kompliziert und wird in langen Dialogpassagen erklärt, anstatt organisch erzählt zu werden. Viele Nebenfiguren bleiben eher Konzepte als echte Charaktere, und manche Handlungselemente erscheinen konstruiert. Auch der Erzählrhythmus stellt eine Herausforderung dar. Einerseits ist die ruhige, märchenhafte Herangehensweise angenehm, wird aber schnell langatmig. Nicht jede Idee geht auf, und manche Szenen wirken deutlich wirkungsvoller in ihrer Absicht als in ihrer tatsächlichen Umsetzung. Dadurch entsteht der Eindruck eines Films, der voller interessanter Einfälle steckt, diese aber nicht immer überzeugend zusammenführen kann.

"Lady In The Water" ist damit ein ambitioniertes Fantasydrama mit viel Herz und einer unverwechselbaren Handschrift. Nicht alle Ideen funktionieren, und das Drehbuch bleibt der größte Schwachpunkt des Films. Dennoch sorgen die starke Besetzung, die märchenhafte Atmosphäre und Shyamalans Mut zum Ungewöhnlichen dafür, dass der Film trotz seiner Fehler ein sehenswertes und interessantes Werk bleibt - wenn auch kein vollends gelungenes.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkLegendary Pictures/Blinding Edge Pictures/Warner Bros. Pictures

The Happening (2008)

https://www.imdb.com/title/tt0949731/

Nachdem sich in Großstädten an der Ostküste der Vereinigten Staaten immer mehr mysteriöse Selbstmorde ereignen, kommt Elliott Moore (Mark Wahlberg), Biologielehrer aus Philadelphia, dahinter, dass Pflanzen ein Nervengift entwickelt haben, das Menschen schließlich in den Freitod treibt. Er flieht mit seiner Frau Alma (Zooey Deschanel) und seinem Kollegen Julian (John Leguizamo) sowie dessen Tochter aufs Land, um der tödlichen Gefahr zu entrinnen. Doch dann erreicht die Katastrophe auch entlegenere Gebiete und die panischen Flüchtlinge versuchen, irgendwie zu überleben.

M. Night Shyamalan gehörte Mitte der 2000er-Jahre zu den meistdiskutierten Regisseuren Hollywoods. Nach Erfolgen wie "The Sixth Sense", "Unbreakable" und "Signs" galt jede neue Veröffentlichung als Ereignis. Mit "The Happening" wagte er 2008 einen ungewöhnlichen Umwelt-Horrorthriller, der weniger auf Monster oder übernatürliche Wesen setzte als auf eine unsichtbare Bedrohung aus der Natur selbst. Die Ausgangsidee war originell, die Umsetzung sorgte jedoch für eine der umstrittensten Reaktionen seiner Karriere. Zunächst aber besitzt "The Happening" durchaus Qualitäten. Die Eröffnungssequenzen erzeugen echtes Unbehagen und gehören zu den stärksten Momenten des Films. Shyamalan versteht es, Angst aus Unsicherheit zu erzeugen. Die Vorstellung einer unsichtbaren Bedrohung, die jederzeit und überall zuschlagen kann, ist effektiv und sorgt anfangs für eine beklemmende Atmosphäre. Leider gelingt es dem Film nicht, diese Spannung über die gesamte Laufzeit aufrechtzuerhalten. Mit zunehmender Dauer treten die Schwächen des Drehbuchs immer deutlicher hervor. Die Handlung verliert an Dynamik, wichtige Entwicklungen wirken konstruiert und die Erklärungen für die Ereignisse überzeugen nur bedingt. 

Die Dialogführung ist wenig überzeugend: Viele Gespräche wirken hölzern und künstlich, wodurch selbst talentierte Darsteller Schwierigkeiten haben, ihren Figuren Glaubwürdigkeit zu verleihen. Mark Wahlberg und Zooey Deschanel bleiben weit hinter ihren Möglichkeiten zurück, was allerdings ebenso dem Material wie ihren Darstellungen anzulasten ist. Dennoch wäre es zu einfach, "The Happening" als völligen Fehlschlag abzutun. Der Film besitzt eine seltsame Eigenartigkeit, die ihn bis heute interessant macht. Seine Mischung aus Katastrophenfilm, Paranoia-Thriller und ökologischer Warnung wirkt ungewöhnlich und hebt ihn von vielen austauschbaren Horrorproduktionen seiner Zeit ab. Rückblickend wirkt "The Happening" wie ein Film voller guter Ansätze, der nie eine überzeugende Form findet. Die Grundidee besitzt Potenzial, einzelne Szenen erzeugen echte Beklemmung, doch das schwache Drehbuch, die merkwürdigen Dialoge und die unbefriedigende Auflösung verhindern, dass daraus ein wirklich gelungener Thriller wird.

4/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork20th Century Fox/UTV Motion Pictures/Spyglass Entertainment/Blinding Edge Pictures/Dune Entertainment III

Sonntag, 21. Juni 2026

One Battle After Another (2025)

https://www.imdb.com/title/tt30144839/

Vor 16 Jahren hat die Widerstandsgruppe namens „French 75“ auf einen Schlag 200 Häftlinge aus den Fängen des skrupellosen United States Immigration and Customs Enforcement – kurz: ICE – befreit. Danach verschwanden die Widerständler, darunter auch der von allen nur Ghetto Pat genannte Bob Ferguson (Leonardi DiCaprio), von der Bildfläche. Heute ist Bob getrieben von Paranoia, denn er fürchtet, dass es der damalige ICE-Colonel Steven J. Lockjaw (Sean Penn) immer noch auf ihn abgesehen hat und ihm aus Rache nach seinem Leben trachtet. Die Sorge scheint zumindest nicht unbegründet, denn heute ist Lockjaw komplett abgedriftet und Teil der rassistischen „Christian Adventurer Club“-Miliz – und er hat es auf Bobs Tochter Willa (Chase Infiniti) abgesehen. Zusammen mit seinen alten Weggefährt*innen Sensei Segio (Benicio del Toro), Deandra (Regina Hall) und Perfidia Beverly Hills (Teyana Taylor) macht sich Bob also auf sich dem extremistischen Colonel entgegenzustellen.

Mit "One Battle After Another" beweist Paul Thomas Anderson einmal mehr, warum er zu den bedeutendsten amerikanischen Filmemachern seiner Generation zählt. Der lose von Thomas Pynchons Roman "Vineland" inspirierte Film verbindet Politthriller, schwarze Komödie, Familiendrama und Actionabenteuer zu einem ungewöhnlichen, aber erstaunlich mitreißenden Gesamtwerk. Das Ergebnis ist ein Film, der gleichzeitig verspielt und ernsthaft, chaotisch und präzise wirkt. Im Zentrum der Geschichte steht Bob Ferguson (Leonardo DiCaprio), ein ehemaliger Revolutionär, der sich mit seiner Tochter Willa weitgehend aus der Gesellschaft zurückgezogen hat. Als ein alter Feind aus seiner Vergangenheit wieder auftaucht und Willa verschwindet, beginnt für Bob eine gefährliche Suche, die ihn mit längst verdrängten Entscheidungen und politischen Konflikten konfrontiert. Was zunächst wie ein klassischer Rettungsplot wirkt, entwickelt sich schnell zu einer vielschichtigen Auseinandersetzung mit Macht, Ideologie, Familie und gesellschaftlicher Verantwortung. 

Die größte Stärke des Films ist seine bemerkenswerte Energie. Anderson inszeniert die Geschichte mit einem Tempo und einer Spielfreude, die man selbst von ihm nicht immer gewohnt ist. Trotz einer Laufzeit von über zweieinhalb Stunden wirkt "One Battle After Another" erstaunlich lebendig. Actionsequenzen, absurder Humor, politische Satire und emotionale Momente gehen nahtlos ineinander über. Es ist vermutlich der unterhaltsamste und zugleich thematisch reichhaltigste Beitrag in Andersons Karriere. Leonardo DiCaprio liefert dabei eine seiner ungewöhnlichsten Leistungen der letzten Jahre ab. Sein Bob ist kein klassischer Held, sondern ein oft überforderter, widersprüchlicher und gelegentlich geradezu lächerlicher Charakter. Gerade diese Unvollkommenheit macht ihn jedoch so interessant. DiCaprio verbindet Komik, Verletzlichkeit und Verzweiflung mit bemerkenswerter Leichtigkeit und trägt den Film auch durch seine ruhigeren Passagen. Ebenso stark präsentiert sich das Ensemble der Nebendarsteller. Sean Penn sorgt als fanatischer Gegenspieler für einige der intensivsten Szenen des Films, während Teyana Taylor, Benicio del Toro und Chase Infiniti ihren Figuren bemerkenswerte Präsenz verleihen. Besonders Infiniti hinterlässt als Willa einen nachhaltigen Eindruck und sorgt dafür, dass die emotionale Dimension der Geschichte nie hinter ihren politischen Themen verschwindet.

Visuell gehört "One Battle After Another" zu den beeindruckendsten Produktionen des Jahres. Anderson verbindet spektakuläre Actionmomente mit seinem charakteristischen Gespür für Atmosphäre und Figurenbeobachtung. Gleichzeitig bleibt der Film stets unverkennbar sein Werk: voller schräger Einfälle, ungewöhnlicher Tonwechsel und überraschender erzählerischer Entscheidungen. Doch ganz ohne Schwächen kommt der Film allerdings nicht aus. Die Handlung wirkt stellenweise bewusst überladen und springt zwischen verschiedenen Tonlagen hin und her. Nicht jede satirische Spitze trifft ihr Ziel, und die Erzählung wirkt dann zu lose oder zu exzentrisch. Auch die politische Symbolik hinterlässt einen eher zwiespältigen Eindruck; gelegentliche Unschärfen und narrative Umwege mindern etwas den Eindruck. Dennoch überwiegen die Qualitäten deutlich. Anderson gelingt das seltene Kunststück, einen ambitionierten Autorenfilm zu drehen, der gleichzeitig die Dynamik und den Unterhaltungswert eines großen Hollywood-Abenteuers besitzt. Die Verbindung aus politischer Satire, Familiendrama und Actionthriller wirkt gewagt, entfaltet aber eine erstaunliche Sogwirkung. 

Damit ist "One Battle After Another" ein intelligenter, wilder und oft elektrisierender Film, der Paul Thomas Andersons Stärken eindrucksvoll bündelt. Nicht jede Idee geht vollständig auf, und die überbordende Erzählweise verlangt dem Zuschauer einiges ab. Doch die herausragenden Darsteller, die mitreißende Inszenierung und die ungewöhnliche Mischung aus Humor, Spannung und politischer Schärfe machen den Film zu einem der bemerkenswertesten Seherlebnisse des vergangenen Jahres.

8,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkWarner Bros. Pictures/Ghoulardi Film Company/Domain Entertainment

Samstag, 20. Juni 2026

Red Sonja (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt0800175/

Red Sonja (Matilda Lutz) wird nach der Zerschlagung ihres Volkes von einem grausamen Herrscher gefangen genommen und zur Sklavin gemacht. In den brutalen Arenen seines Imperiums kämpft sie ums nackte Überleben. Doch sie gibt nicht auf. Mit unerschütterlichem Willen stellt sie sich den Qualen, sammelt Verbündete aus den Reihen der Ausgestoßenen und formt ein ungleiches Kriegerbündnis. Gemeinsam nehmen sie den Kampf gegen Dragan den Prächtigen (Robert Sheehan) und dessen gnadenlose Gefährtin Dark Annisia (Wallis Day) auf – in der Hoffnung, Freiheit zu erringen und das Unrecht zu beenden.

Die Geschichte des Reboot des kultigen Comic-Actionfilms mit Brigitte Nielsen und Arnold Schwarzenegger von 1985. war fast so lang und kompliziert wie manches Fantasy-Epos. Nach Jahren in der Entwicklung erschien die legendäre Schwertkämpferin schließlich 2025 erneut auf der Leinwand. Regisseurin M.J. Bassett und Hauptdarstellerin Matilda Lutz standen dabei vor der schwierigen Aufgabe, einer Kultfigur neues Leben einzuhauchen und gleichzeitig die Erwartungen langjähriger Fans zu erfüllen. Das Ergebnis ist ein Film, der durchaus unterhalten kann, seine eigenen Ambitionen jedoch nur teilweise erreicht. Die Handlung folgt Sonja, die nach ihrer Gefangennahme gezwungen wird, in den blutigen Arenen eines tyrannischen Herrschers um ihr Überleben zu kämpfen. Auf ihrem Weg zur Freiheit sammelt sie Verbündete um sich und wird zur Hoffnung einer unterdrückten Bevölkerung. Die Geschichte orientiert sich dabei an klassischen Sword-and-Sorcery-Motiven: persönliche Rache, tyrannische Herrscher, mystische Kräfte und eine Heldin, die gegen übermächtige Gegner antreten muss.

Eine der größten Stärken des Films ist Matilda Lutz in der Titelrolle. Ihre körperliche Präsenz und ihr Engagement sind wirklich toll. Lutz gelingt es, Sonja als entschlossene Kämpferin darzustellen, ohne die Figur auf reine Muskelkraft zu reduzieren. Ihre Performance verleiht dem Film eine Glaubwürdigkeit, die das Drehbuch leider nicht immer erreicht. Visuell bietet "Red Sonja" einige gelungene Momente. Die Landschaftsaufnahmen, Kostüme und einzelne Kreaturendesigns vermitteln zeitweise das Gefühl eines klassischen Fantasy-Abenteuers. Besonders die Gladiatoren-Sequenzen und einige der größeren Kämpfe sorgen für Unterhaltung. Allerdings wird auch deutlich, dass die Produktion mit finanziellen Grenzen zu kämpfen hatte, was sich insbesondere bei einigen digitalen Effekten und den weniger spektakulären Schauwerten bemerkbar macht.

Genau hier liegt das zentrale Problem des Films. "Red Sonja" möchte oft größer wirken, als er tatsächlich ist. Die Welt bleibt vergleichsweise klein, die Nebenfiguren erhalten nur begrenzte Entwicklung und die Handlung folgt einem sehr vorhersehbaren Muster. Während manche Actionszenen überzeugen, fehlt es anderen an Dynamik und Wucht. Auch der Ton des Films schwankt gelegentlich zwischen ernstem Fantasy-Abenteuer und selbstironischem B-Movie, ohne sich klar für eine Richtung zu entscheiden. Prinzipiell ist es ja auch ein sympathisches Abenteuer mit handgemachtem Charme und einer engagierten Hauptdarstellerin. Es fühlt sich denn wie eine weitere verpasste Gelegenheit, das Potenzial der Figur voll auszuschöpfen, an. Kein komplettes Desaster, aber auch kein großer Wurf - eben ein respektabler B-Movie, der seine offensichtlichen Einschränkungen nie ganz überwinden kann.

Letztlich ist "Red Sonja" ein Film, der von seiner Hauptfigur und seinem nostalgischen Charme lebt. Wer ein großes Fantasy-Epos auf dem Niveau aktueller Blockbuster erwartet, wird enttäuscht sein. Wer jedoch eine unkomplizierte Schwert-und-Magie-Geschichte mit einer starken Hauptdarstellerin und einer gewissen Liebe zum klassischen Genre sucht, kann durchaus seinen Spaß haben. "Red Sonja" ist weder die triumphale Wiedergeburt der Figur noch ein Totalausfall. Der Film bietet solide Fantasy-Unterhaltung, bleibt aber in nahezu allen Bereichen hinter seinen Möglichkeiten zurück. Dank Matilda Lutz und einiger gelungener Actionmomente bleibt dennoch ein durchaus sehbares, wenn auch schnell wieder vergessenes Action-Abenteuer zurück.

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkMillennium Media/Mark Canton Productions/Courtney Solomon Productions/Campbell Grobman Films

The Wrecking Crew (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt33046197/

Die entfremdeten Halbbrüder Jonny (Jason Momoa) und James (Dave Bautista) werden nach dem mysteriösen Tod ihres Vaters zur Zusammenarbeit gezwungen. Während sie versuchen, die Hintergründe seines Ablebens aufzuklären, kommen tief vergrabene Familiengeheimnisse ans Licht, die ihre Loyalität zueinander auf eine harte Probe stellen. Ihre Suche führt sie mitten in eine weitreichende Verschwörung, die droht, den Rest ihrer Familie endgültig zu zerstören. Um die Wahrheit ans Licht zu bringen, müssen die ungleichen Brüder ihre Differenzen überwinden. Als titelgebende "Wrecking Crew" sind sie bereit, alles in Schutt und Asche zu legen, was sich ihnen in den Weg stellt...

Auf dem Papier klingt "The Wrecking Crew" wie ein Selbstläufer: Jason Momoa und Dave Bautista als zerstrittene Halbbrüder, die nach dem mysteriösen Tod ihres Vaters in eine Verschwörung geraten. Dazu ein exotisches Hawaii-Setting, harte Action, lockere Sprüche und eine Prämisse, die an die großen Buddy-Actionfilme der 1980er- und 1990er-Jahre erinnert. Tatsächlich besitzt der Film alle Zutaten für einen kurzweiligen Publikumserfolg. Das Problem ist nur, dass er aus diesen Zutaten deutlich weniger macht, als möglich gewesen wäre. Die Handlung erfüllt dabei lediglich ihren Zweck, überrascht kaum und folgt nahezu durchgehend bekannten Genremustern. Mehrere Kritiken bemängelten, dass das Drehbuch trotz seiner interessanten Ausgangslage zu vorhersehbar und formelhaft bleibt. 

Die größte Stärke des Films ist ohne Frage das Zusammenspiel seiner Hauptdarsteller. Momoa und Bautista harmonieren hervorragend miteinander und erzeugen eine glaubwürdige Dynamik zwischen zwei Brüdern, die sich gleichzeitig mögen, nerven und herausfordern. Ihre Chemie ist ein entscheidender Pluspunkt und ohne die beiden Stars würde ein Großteil des Films deutlich weniger funktionieren. Auch die Action liefert einige gelungene Momente. Die Kämpfe sind ruppig, die Verfolgungsjagden energiegeladen und die Gewalt erfreulich kompromisslos inszeniert. Allerdings leidet die Wirkung darunter, dass manche Sequenzen künstlich wirken und sich zunehmend in übertriebener Zerstörungswut verlieren. Die qualitativ schwankenden Effekte sowie eine Inszenierung, die oft Lautstärke mit Spannung verwechselt, trägt auch nicht zu einem guten Gesamtergebnis bei.

Ein weiteres Problem ist der Ton des Films. "The Wrecking Crew" schwankt ständig zwischen Actionkomödie, Familiendrama, Kriminalfilm und überdrehter Buddy-Komödie. Diese Mischung funktioniert gelegentlich, wirkt aber oft unausgewogen. Emotionale Szenen verlieren durch plötzliche Albernheiten an Wirkung, während manche Witze nicht zünden oder unnötig aufgesetzt erscheinen. Besonders die wiederkehrenden Gags und einige flache Dialoge verhindern, dass der Film sein emotionales Potenzial ausschöpfen kann. Dabei ist der Unterhaltungswert trotzdem hoch und die sympathischen Hauptdarsteller rocken, gleichzeitig bleibt die Handlung generisch und der Film kommt trotz guter Ansätze nie wirklich über Durchschnittsniveau hinaus. Unterhaltsam für einen Abend, aber kaum nachhaltig beeindruckend. 

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkAmazon MGM Studios/On the Roam/Dogbone Entertainment/Henness Ridge Entertainment/6th & Idaho Motion Picture Company/Reunion Pacific Entertainment