Mittwoch, 25. Februar 2026

Crime 101 (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt32430579/

Davis (Chris Hemsworth) ist ein ebenso brillanter wie unberechenbarer Dieb, dessen waghalsige Raubzüge die Ermittler immer wieder ins Leere laufen lassen. Als er einen letzten, alles entscheidenden Coup vorbereitet, kreuzt die desillusionierte Versicherungsmanagerin Sharon (Halle Berry) seinen Weg. Widerwillig müssen beide zusammenarbeiten, obwohl sie einander kaum trauen. Zugleich tritt Orman (Barry Keoghan) auf den Plan - ein skrupelloser Konkurrent, der keine Grenzen kennt. Während der millionenschwere Raub immer näher rückt, kommt Detective Lt. Lubesnik (Mark Ruffalo) der Spur des Teams gefährlich nahe. Je enger sich das Netz aus Intrigen und Misstrauen zieht, desto deutlicher wird, dass niemand unversehrt aus dem Spiel hervorgehen kann.

Ein weiterer Heist-Film, der so tut, als würde er das Genre neu erfinden - und in seinen besten Momenten kommt er diesem Anspruch erstaunlich nahe. In seinen schwächeren hingegen wirkt er eher wie ein sehr eleganter Aufsatz über Filme wie "Heat" und "Thief", geschrieben von jemandem, der ein bisschen zu verliebt in seine eigenen Fußnoten ist. Regisseur Bart Layton verlegt Don Winslows Novelle an den sonnenverbrannten Rand des 101 Freeway, wo ein Juwelendieb seine Raubzüge wie eine Art mobiles Kunstprojekt inszeniert. Chris Hemsworths Mike Davis plant den einen letzten Coup, Halle Berry spielt eine desillusionierte Versicherungsbrokerin, die ausgerechnet durch die Verbrechen wieder so etwas wie Glauben an Ursache und Wirkung gewinnt, während Mark Ruffalo als Detective Lou Lubesnick die klassische Polizistenrolle mit müder Melancholie auffüllt. Der Film ist weniger an der Mechanik des Raubs interessiert als an der Psychologie: Drei Figuren an der Schwelle - zum großen Geld, zur moralischen Bankrotterklärung, zum Punkt ohne Rückkehr. 

Hemsworth spielt Davis als jemanden, der sein eigenes Mythos-Marketing glaubt: charmant, kontrolliert, aber mit diesem feinen Zucken im Blick, wenn klar wird, dass Kontrolle in dieser Welt eine Höflichkeitsfloskel ist. Berry bekommt die Undankbarkeitsrolle - die Figur, die ständig rechnen muss, ob sie gerade Komplizin, Opfer oder Versicherungsrisiko ist - und macht aus Sharon Colvin eine stille Hauptfigur, die Szene für Szene an Gewicht gewinnt. Ruffalo wiederum spielt den Cop, der schon zu viele Tatorte gesehen hat, um noch an klare Trennlinien zwischen Jäger und Gejagtem zu glauben; Kritiken heben zu Recht hervor, dass er dem moralischen Unterbau des Films Konturen verleiht. Layton bietet mit "Crime 101" eine Mischung aus dokumentarischer Schärfe und stylisierter Fiktion: Die Heists sind weniger Spektakel als Choreografien von Routine, Beobachtung und kleinen Fehlern.

Der Highway 101 wird dabei zur Figur - ein Band aus Asphalt, an dem die USA vorbeirauschen, während im Off Schmuck, Identitäten und Sicherheiten den Besitzer wechseln. Wer nach den hyper-präzisen Uhrwerk-Coups der "Ocean’s Eleven"-Schule sucht, wird hier eher ein "Heat"-nahes Pulsieren aus Planung, Gegenplanung und schmutzigem Zufall finden. Im Pantheon der Heist-Filme sitzt "Crime 101" dennoch irgendwo zwischen Michael Manns existenzialistischer Kälte in "Heat" und der nervösen Gegenwartsdiagnose von Filmen wie "No Sudden Move" oder "Cash Truck".  Wie "Heat" interessiert ihn weniger der Coup als die Lebensbilanz der Männer (und hier endlich auch einer Frau), die ihn ausführen oder verhindern sollen.  Im Gegensatz zu den verspielten Schaubuden von "Ocean’s Eleven" oder den Genre-Mashups "Army Of The Dead" und "Ambulance" verzichtet Layton weitgehend auf ironischen Kommentar und setzt auf ein nüchternes, fast sprödes Thrillergerüst. Das Ergebnis ist kein Genrereboot, aber eine spürbar ernsthafte, moderne Variation, die eher in einem Double Feature mit "Thief" und "The Bank Job" funktionieren würde als in einer Reihe mit Casino-Zaubertricks. 

"Crime 101" ist unterm Strich einer dieser Heist-Filme, die weniger Kinosessel zerwühlen als Hirnwindungen: stilvoll, gut gespielt und klüger, als sein Plot auf den ersten Blick vermuten lässt. Er erreicht nicht ganz die Gravität eines "Heat" oder die ikonische Leichtigkeit eines "Ocean’s Eleven", aber er bewegt sich souverän in ihrer Umlaufbahn - und gibt dem Genre genau das, was es am nötigsten braucht: Figuren, deren innerer Einbruch spannender ist als der im Juweliergeschäft.

7/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Amazon MGM Studios/Working Title Films/RAW/Wild State/The Story Factory

Dienstag, 24. Februar 2026

Dead Of Winter - Dead Of Winter: Eisige Stille (2025)


https://www.imdb.com/de/title/tt7574556/

Barb (Emma Thompson) reist in die entlegene Wildnis Minnesotas, um den letzten Wunsch ihres verstorbenen Mannes zu erfüllen: Seine Asche soll an jenem See verstreut werden, an dem ihre gemeinsame Geschichte begann. Abgeschnitten von der Außenwelt und ohne jede Möglichkeit, Hilfe zu rufen, wird sie Zeugin eines Verbrechens. Eine junge Frau (Laurel Marsden) wird verschleppt und in einer verlassenen Hütte gefangen gehalten. Ohne Unterstützung bleibt Barb keine Wahl, als selbst zu handeln. Ihr Versuch, das Opfer zu befreien, entwickelt sich zu einem gefährlichen Überlebenskampf – gegen das brutale Entführer-Paar (Judy Greer und Marc Menchaca) ebenso wie gegen die lebensbedrohliche Kälte der einsamen Landschaft.

"Dead Of Winter" ist ein Thriller, der sich anfühlt wie ein klassisches Kammerspiel im Schnee: formal sehr ordentlich, atmosphärisch dicht - und zugleich weniger mutig, als seine Prämisse verspricht. Emma Thompson trägt den Film mit einer Präsenz, die größer ist als das Genrevehikel, das sie umgibt. Die Prämisse des Schneesturm-Thriller ist klassisch: kein Empfang, defektes Auto, knappe Munition - ein vertrautes Set an Genre-Versatzstücken, das Regisseur Brian Kirk solide, aber sehr erkennbar abarbeitet. Der Gewaltgrad ist dabei spürbar, aber nie exploitativer Selbstzweck: Es gibt blutige Auseinandersetzungen, improvisierte Operationen mit Angelschnur und Haken, Gefahren im Eis und körperlich harte Konfrontationen, doch der Film bleibt im Rahmen eines Mainstreamthrillers, der eher auf Spannung als auf Gewaltexzesse zielt. Im Unterschied zu härteren Survival-Stoffen wie "Wind River" benutzt "Dead Of Winter“ seine Brutalität vor allem als Katalysator für Barb - eine Witwe, die aus ihrer Trauer in eine unerwartete Handlungsfähigkeit gestoßen wird. 


Visuell überzeugt der Film stärker: Die Kamera nutzt die weitläufigen, schneebedeckten Landschaften und die Enge der Hütte als Kontrast von Weite und Gefangenschaft, das Weiß des Schnees wird zur Bühne für Blutspuren und Schatten, die sich im Sturm verlieren. Emma Thompson und Judy Greer, die als Antagonistin deutlich gegen ihr übliches komödiantisches Image besetzt ist, bringen eine Schwere in ihre Figuren, die der Film nicht immer einlöst; was als psychologischer Spiegel zweier Arten von Hingabe angelegt ist, bleibt im Drehbuch zu skizzenhaft. 

"Dead Of Winter" sticht deswegen aus der Riege der Schnee-Thriller-Filme heraus, weil er eine ganz gewöhnliche Frau in eine Situation zwingt, die jeden normalen Menschen überfordern müsste - und zeichnet sie trotzdem nicht zur Superheldin, sondern zur hartnäckigen, verletzlichen Überlebenden. Dennoch ist es ein Thriller, der sich so stark auf seine Darsteller verlässt, dass er mehr mit ihnen anfangen sollte: Die emotionalen Einschübe um Trauer und Schuld geben Thompson Nuancen, unterbrechen aber den Spannungsbogen, statt ihn zu vertiefen - was "Dead Of Winter" letztlich zu einem sehenswerten, aber nicht unvergesslichen Winter-Albtraum macht. 

6/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Stampede Ventures/Augenschein Filmproduktion/Leonine/ZDF

Sonntag, 22. Februar 2026

Cold Storage (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt8879928/

Teacake (Joe Keery) und Naomi (Georgina Campbell), zwei junge Angestellte eines Selfstorage-Unternehmens auf dem Gelände eines ehemaligen US-Militärstützpunkts, erleben ihre turbulenteste Nachtschicht, als ein parasitärer Pilz aus der versiegelten untersten Ebene ausbricht, wo er vor Jahrzehnten von der Regierung eingeschlossen wurde. Mit steigender Temperatur im Untergrund vermehrt sich der hoch ansteckende, schnell mutierende Mikroorganismus und entfesselt seinen gehirnkontrollierenden, körperzerstörenden Schrecken auf Menschen und andere Lebewesen. Gemeinsam mit einem ergrauten, pensionierten Bioterror-Agenten versuchen Teacake und Naomi, die Bedrohung einzudämmen und das drohende Aussterben der Menschheit zu verhindern.

"Cold Storage" ist ein Film, der genau weiß, was für ein Publikum er bedienen möchte, sodass er sich gar nicht erst mit Zwischentönen aufhält: Er ist Horror-Komödie, Seuchenthriller und Buddy-Movie in einem - und meistens funktioniert dieser Eigenbau besser, als man erwarten dürfte. Die Ausgangslage könnte direkt aus einem vergessenen 90er-Videothekenregal stammen: In den 1980ern wird in einem australischen Nest ein parasitärer Pilz entdeckt, der ganze Körper übernimmt, aufbläht und platzen lässt - ein winziger, schleimiger Weltuntergang, den ein Bioterror-Spezialist der Regierung in einem unterirdischen Bunker einfriert. Jahrzehnte später ist dieser Bunker längst zur Basis eines Self‑Storage-Unternehmens umfunktioniert worden, der militärische Vorbau zur banalsten Form der Spätkapitalismus-Architektur: Abstellräume für das, was keiner mehr sehen will. Hier arbeiten Teacake (Joe Keery) und Naomi (Georgina Campbell), zwei Nachtkräfte, die eher mit Kleinkram und Kundenproblemen rechnen als mit der Apokalypse; doch als steigende Temperaturen das Tiefkühlgefängnis des Pilzes destabilisieren, bahnt sich das Organismus seinen Weg nach oben. In dem Moment, in dem die ersten Infektionen auftreten, betritt auch der gealterte Spezialist aus der Vergangenheit die Bühne - ein wettergegerbter Bioterror-Operative, der ganz genau weiß, was hier auf dem Spiel steht.

Regisseur Jonny Campbell findet rasch einen Ton, der an "Tremors" erinnert: ein Horror-Szenario, das nur knapp neben der Farce vorbeischrammt, sich aber nie ganz der Parodie hingibt. Das Prolog-Kapitel im australischen Outback setzt diesen Akzent: groteske Tode, ein Hauch Science-Fiction der alten Schule, dazu eine leicht überdrehte Ernsthaftigkeit, die das Publikum einlädt, zu lachen und zusammenzuzucken - oft innerhalb derselben Einstellung. Diese Doppelspur - Schauer und Schmunzeln - trägt sich in die Haupthandlung hinüber, wenn die Lagerhalle zum Labyrinth wird: "Cold Storage" ist nicht subtil, er ist kinetisch, fast trotzig frontale Genreunterhaltung. Campbell inszeniert die Gänge, Fahrstühle und Metalltüren als klaustrophobische Spielwiese, in der der Film von Jumpscare zu Körperschock zu Slapstick schaltet, manchmal innerhalb einer Szene. Joe Keery und Georgina Campbell spielen Teacake und Naomi als zwei Menschen, die man eher in einer Indie-Komödie über prekäre Jobs erwarten würde als im Kampf gegen einen Pilz mit Weltherrschaftsambitionen. Ihre Dynamik lebt von Sticheleien, gegenseitigem Überbieten und einem unterschwelligen Verbündetsein; sie sind nicht die Ursache der Katastrophe, sondern jene, die am schnellsten begreifen, dass man sich der Realität stellen muss, wenn sie schon einen Spind weiter lauert. Liam Neeson tritt als abgekämpfter Bioterror-Profi auf, dessen Präsenz fast schon ein eigenes Subgenre evoziert: der Mann, den man anruft, wenn alle anderen längst weggelaufen sind. Er bringt eine Schwere in den Film, die nicht ironisch gebrochen wird, sondern wie ein Anker wirkt - jede seiner Szenen erinnert daran, dass hinter der Komik eine echte, wenn auch pulpige, Bedrohung steht. Die Nebenrollen - darunter Sosie Bacon, Vanessa Redgrave und Lesley Manville - verleihen der Pilz-Pandemie jene Gesichter und Stimmen, die aus einer abstrakten Gefahr eine Reihe sehr konkreter menschlicher Einsätze machen. 

"Cold Storage" lebt von der Lust am Übertreiben: Körper schwellen an, platzen, werden zu unförmigen Wirtshüllen eines Bewusstseins, das nur einen Instinkt kennt - Ausbreitung. Der Film genießt diese Exzesse, aber er versucht zugleich, sein Publikum nicht mit Zynismus zu bestrafen; er zeigt, was passiert, wenn ein Mikroorganismus ganze Lebensläufe verschlingt, und findet dennoch immer wieder Momente echter Sympathie für seine Figuren. Dabei ist er, und das darf man ihm ankreiden, manchmal allzu sehr ein Kind des digitalen Zeitalters: Wo schleimige Practical Effects das Potenzial zum Kultfilm hätten, vertraut "Cold Storage" etwas zu häufig auf CGI, das eher funktional als denkwürdig wirkt. Die digitale Überformung nimmt einigen Bildern das Gewicht, das ein Film mit dieser Körperfixierung eigentlich haben könnte, und doch bleibt der Gesamteindruck: ein zombie-naher, ausgelassener Filmspaß, der versteht, dass die eigentliche Energie aus der Interaktion seiner Figuren kommt, nicht aus jedem einzelnen Effektshot.

David Koepp, der nicht nur die Romanvorlage schrieb, sondern auch das Drehbuch, kennt das Terrain der Genre-Großformate; seine Arbeit an "Jurassic Park" und "Mission: Impossible" zeigt sich hier in der Fähigkeit, komplexe Bedrohungen in klar strukturierten, publikumsfreundlichen Setpieces zu organisieren. "Cold Storage" erreicht nie die Klasse der großen Horror-Komödien, die er zitiert - die Balance aus Schrecken und Witz ist nicht immer makellos, manches Setpiece wirkt nach Formel mehr als nach Inspiration. Aber wie bei vielen Filmen, die sich unerschrocken in die zweite Reihe des Genres stellen, liegt sein Reiz in der Art, wie er mit seinem Publikum kommuniziert: Er will, dass wir lachen, wenn es knallt, uns ekeln, wenn es schwappt, und doch genug mit diesen Menschen fühlen, um den Ausgang nicht gleichgültig hinzunehmen. "Cold Storage" ist vielleicht kein Klassiker, aber ein guter Abend im Kino - ein Film, der das Rad nicht neu erfindet, sondern es verflüssigt, mutiert und uns ins Gesicht schleudert, und der damit ziemlich genau das hält, was sein Versprechen vermuten lässt. 

7/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Studiocanal/Ciné+OCS/Bibi Film tv

Samstag, 21. Februar 2026

Bugonia (2025)


Michelle Fuller (Emma Stone) steht an der Spitze eines riesigen Biomedizinkonzerns. Also Privatperson wie als Chefin führt sie ein strenges Regiment: Ihr Wecker klingelt um 4.30 Uhr, also fast noch mitten in der Nacht. Bevor es für sie ins Büro geht, wird für die körperliche Fitness gesorgt. Disziplin erwartet sie auch von ihren Mitarbeitern. Vor 17.30 Uhr darf niemand an Feierabend denken. Ihre Firma hat sich der Herstellung von Medikamenten für den Opioidentzug gewidmet. Doch bei Erprobung und Einsatz genau dieser Medikamente kamen auch Menschen zu Schaden - so etwa Teddys (Jesse Plemons) Mutter Sandy (Alicia Silverstone). Teddy ist jedoch haufenweise Verschwörungserzählungen verfallen und glaubt deshalb, einem noch viel größeren Problem gegenüberzustehen: Aliens. Und Michelle soll insgeheim eines davon sein. Also beschließt Teddy zusammen mit seinem Cousin Don (Aidan Delbis), Michelle zu entführen, in seinem Keller einzuschließen und sie dann irgendwie dazu zu bringen, zusammen mit den anderen auf der Erde geglaubten Aliens zu verschwinden.

Yorgos Lanthimos' Remake der südkoreanischen schwarzen Science-Fiction-Komödie "Save The Green Planet!" aus dem Jahr 2003 "Bugonia" ist eine schräge Mischung aus Verschwörungswahn und schwarzer Komödie, die er mit seiner typischen Groteske aufpeppt: Damit stößt Lanthimos schnell an die Grenzen des Glaubwürdigen - und entfaltet genau dort die volle Stärke des Films. Was als absurd-komische Entführung beginnt, mündet in ein Psycho-Duell über Paranoia, Macht und Realität. Sobald Teddy (Jesse Plemons) und Don (Aidan Delbis) Michelle (Emma Stone) in ihren Keller gesperrt haben, quälen sie mit Verhören und versuchen, ihre "Alienhaut" aufzuschneiden - doch Michelle kontert mit kalter Logik und Manipulation. Lanthimos karikiert hier Verschwörungstheoretiker als gutmütige Spinner und Konzernbosse als emotionslose Aliens; es geht um Bienensterben, Unternehmensgier und die Dystopie unserer Zeit, die "nicht fiktional" sei, wie der Regisseur selbst sagt.

Emma Stone glänzt als Michelle: von eisiger Dominanz zu verletzlicher Verunsicherung - ihr viertes Lanthimos-Projekt nach "The Favorite", "Poor Things" und "Kinds Of Kindness". Jesse Plemons stiehlt die Show als reflektiert-höflicher Teddy, der im Anzug verhört und paradox Sympathie weckt; seine Oscar-Nominierung 2026 als bester Darsteller ist verdient. Aidan Delbis als naiver Don rundet das Trio ab, unterstützt von Alicia Silverstone in Rückblenden.  Alle drei tragen die 120 Minuten, trotz mancher knapper Längen. Lanthimos' Stil ist in jeder Szene unverkennbar: verzerrte Karikaturen, zynischer Humor und psychologische Spannung machen "Bugonia" zu einer Groteske über die Gegenwart. "Bugonia" zwingt den Zuschauer, zwischen Wahrheit und Wahn zu unterscheiden - und der Film tut dies auch mit eine gewissen Biss, auch wenn die Pointe Superheldenmäßig wirkt. Doch während die Darsteller und Satire mühelos als grandios zu bezeichnen sind, mildern komplexe Plots, lahmes Pacing und kontroverse Enden des Gefühl - deutlich, aber teils prätentiös. Für Fans von "The Lobster" oder "Poor Things" ist "Bugonia" ein definitives Muss; andere könnten den Wahnsinn scheuen.

8,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork:  Element Pictures/Square Peg/CJ ENM

Freitag, 20. Februar 2026

Invincible, Season 03 (2025)

https://www.imdb.com/title/tt6741278/

Adaption des gleichnamigen Comics um einen 17 Jahre alten Teenager namens Mark, dessen Vater von einem anderen Planeten stammt und über Superkräfte wie Superman verfügt. Mark soll die Erde beschützen, doch muss dazu erst einmal seine Kräfte richtig kennenlernen und sich mit deutlich erfahrenen, ziemlich brutal vorgehenden Gegnern messen. 

https://www.imdb.com/title/tt14556090/
3.1 Jetzt lachst du nicht mehr! (You’re Not Laughing Now)
Drei Monate nach seinem Kampf gegen Angstrom trainiert Mark unter Cecils Aufsicht weiter, um genug Kraft zu erlangen, um es mit den Viltrumiten aufzunehmen und gleichzeitig Eve aus dem Weg zu gehen. Mark und Rex versuchen, die beiden Diebe Dropkick und Fightmaster daran zu hindern, die Unabhängigkeitserklärung zu stehlen, werden aber von Kates Bruder Multi-Paul angegriffen, der den Tod seiner Schwester rächen will. Kate und der Unsterbliche kehren aus dem Ruhestand zurück, während Rae zu den Wächtern zurückkehrt. William und Rick ermutigen Mark, Eve seine Gefühle zu gestehen und sie um ein Date zu bitten, warnen ihn aber davor, ihr von ihrem zukünftigen Ich zu erzählen. Mark verrät es jedoch versehentlich, woraufhin Eve ihn abweist. Doc Seismic bricht aus seiner Gefangenschaft aus und entführt mithilfe riesiger unterirdischer Kreaturen die Superhelden der Erde. Als Mark und Eve die Helden nicht retten können, schickt Cecil Darkwing II und Reanimen zur Hilfe. Darkwing II gelingt es, Doc Seismic wieder einzufangen. Mark konfrontiert Cecil mit dessen Lügen und der Zusammenarbeit mit Darkwing II und Sinclair. Daraufhin sperrt Cecil ihn in den Weißen Raum, der eigens zu seinem Schutz vor Mark errichtet wurde. Allen und Nolan freunden sich im Gefängnis an, während die Viltrumiten Allen untersuchen, um die Quelle seiner neu gewonnenen Stärke zu ergründen. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt31322395/
3.2 Ein Pakt mit dem Teufel (A Deal With The Devil)
In einer Rückblende kritisiert Cecil die Resozialisierung von Kriminellen durch seinen Vorgänger. In der Gegenwart zerstört Mark die Reanimen, die ihn aufhalten sollen. Cecil aktiviert ein in Marks Kopf implantiertes Gerät, das die Schreie der atlantischen Kaiju imitiert und ihm so starke Schmerzen zufügt und ihn am Fliegen hindert. Mark flieht zu den Guardians, um Hilfe zu suchen, doch Cecil taucht auf und greift Mark mit weiteren Reanimen an, woraufhin die Guardians ihm zu Hilfe eilen. Rudy stört das Signal, das Mark schadet, während Cecil, der seinen Fehler erkennt, die Reanimen deaktiviert. Ein wütender Mark droht Cecil, ihn oder seine Familie zu töten, sollte er sich ihnen nähern, was ihre Zusammenarbeit beendet. Die Guardians trennen sich. Monster Girl, Rex, Rae, Bulletproof und Rudy verlieren das Vertrauen in Cecil, während der Unsterbliche, Kate, Samson und Shapesmith bleiben und von Darkwing II verstärkt werden. Später denkt Cecil über seine erste Begegnung mit Nolan und die Entwicklung seines persönlichen Kodex nach, alles zu tun, um die Erde zu beschützen, während Mark und Eve sich versöhnen und eine Beziehung beginnen. - 9/10

https://www.imdb.com/title/tt33254998/
3.3 Du willst ein richtiges Kostüm, stimmt's? (You Want A Real Costume, Right?)
Mark erhält von Art Rosenbaum einen neuen Anzug. Nachdem Oliver seinen eigenen Anzug bekommen hat, nennt er sich "Kid Omni-Man", doch Mark rät ihm davon ab und erklärt ihm die Zerstörung, die Nolan angerichtet hat. Anschließend verbünden sie sich, um Titan daran zu hindern, Multi-Paul zu befreien. Eve zieht wieder bei ihren Eltern ein und verspricht ihnen, ihre Kräfte zu Hause nicht einzusetzen, wenn sie ihre Pflichten als Heldin besser akzeptieren. Debbie beginnt eine Beziehung mit ihrem Kollegen Paul und enthüllt ihm die geheimen Identitäten von Nolan, Mark und Oliver, was Mark wütend macht. Die Maulers brechen in ein Raketensilo ein und planen, einen EMP-Angriff zu starten, um die weltweiten Kommunikationssysteme zu zerstören und die angreifenden Guardians kampfunfähig zu machen. Mark zerstört die Rakete, während Oliver – gegen Marks und Debbies Willen – die Maulers tötet. Er offenbart Mark seine Gleichgültigkeit gegenüber dem Töten und glaubt, dass Nolan Recht haben könnte, was Mark beunruhigt. Während eines Gesprächs mit Oliver bemerkt Mark eine schwebende, kugelförmige Drohne, die das Haus der Graysons ausspioniert. Als er sie auffängt, explodiert sie in seiner Hand. Was er nicht ahnt: Die Drohne gehört Angstrom, der seine vorherige Begegnung mit Mark überlebt hat. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt33397685/
3.4 Du warst mein Held (You Were My Hero)
Mark bittet Rudy, die Drohne zu analysieren. Er stellt fest, dass sie von der Erde stammt und von jemandem mit enormen Ressourcen erschaffen wurde. Mark konfrontiert Cecil, da er ihn für den Bau verantwortlich macht, doch Cecil bestreitet dies. Später, während eines Dates mit Eve, rekrutieren Fightmaster und Dropkick Mark gewaltsam und bringen ihn in ihre Zukunft. Sie glauben, er könne ihre Erde vor ihrem tyrannischen König, dem Unsterblichen, retten. Von seiner immensen Macht und Unsterblichkeit in den Wahnsinn getrieben, gibt dieser Mark die Schuld an seinem späteren Verlassen der Erde und fordert ihn zu einem Kampf auf Leben und Tod auf, um ihm Frieden zu bringen. Widerwillig kämpft Mark und ist schließlich gezwungen, den Unsterblichen zu töten. Zurück in der Gegenwart findet der erschütterte Mark Trost bei Eve. Unterdessen droht Nolan die Hinrichtung, bis Allen ausbricht, die Mitgefangenen befreit, Battle Beasts Hilfe im Kampf gegen die Viltrumiten gewinnt und eine Niederlage vortäuscht, um Nolan zum Handeln zu bewegen. Nach dem Ausbruch schlägt Allen vor, zu fliehen, bevor Verstärkung eintrifft, doch Nolan enthüllt, dass das Viltrum-Imperium jetzt aus weniger als fünfzig reinblütigen Mitgliedern besteht. - 9/10

https://www.imdb.com/title/tt33397688/
3.5 Das sollte einfach sein (This Was Supposed To Be Easy)
Nachdem Mark Eve vorschlägt, sich eine eigene Wohnung zu nehmen, bietet sie Invincibles Dienste einem Gefängnis für Superschurken an. Debbie schickt das Paar später auf die Suche nach Oliver, der sich mit zwei Kindern angefreundet hat, als er sie vor Schlägern beschützte. Unterdessen wird Titan von Mr. Liu, einem anderen Verbrecherboss und Anführer der kriminellen Organisation "Der Orden", unter Druck gesetzt: Er soll Multi-Paul befreien, sonst werde Liu seine Familie töten. Titan versucht, Mark zu manipulieren, damit dieser ihm hilft, bevor Liu das Gefängnis angreift, in dem Multi-Paul gefangen gehalten wird. Während des Kampfes zwischen Mark und Eve gelingt Multi-Paul die Flucht, und Titans Handlanger Isotope befreit Machine Head, der Liu erschießt. Anschließend beschließen Mark und Eve, ihre Beziehung langsam anzugehen. Machine Head übernimmt die Kontrolle über den Orden und gewährt Titan seine Autonomie, ohne zu wissen, dass Liu überlebt hat. - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt33458097/
3.6 Ich kann nur sagen, dass es mir Leid tut (All I Can Say Is I'm Sorry)
Nachdem er den Tod seiner Schwester und Nichte während Marks und Nolans Kampf in Chicago miterlebt hat, stiehlt der GDA-Wissenschaftler Scott Duvall hochentwickelte Biokondensatoren, um seine Fähigkeit, kinetische Energie in elektrische Energie umzuwandeln, zu verbessern, und fordert Mark öffentlich heraus. Mark, der sich den Abend freinehmen und Williams Geburtstag feiern möchte, ignoriert Scott, während Shapesmith seine Herausforderung annimmt. Scott besiegt Shapesmith und flieht zu seiner Frau Becky und seinem Sohn Jack, da er Vergeltungsmaßnahmen der GDA befürchtet. Während Rudy mit Monster Girl daran arbeitet, zu verhindern, dass ihre Kräfte ihren Körper verjüngen, gesteht Rae Rex, dass sie plant, sich vom Superheldendasein zurückzuziehen, was er akzeptiert, bevor sie sich küssen. Inmitten einer Gedenkveranstaltung für das Massaker von Chicago nimmt Scott den Namen "Powerplex" an und versucht erneut, Mark herauszulocken, wird aber von Eve besiegt und gefangen genommen. Dennoch kann Scott entkommen und kehrt zu Becky zurück, die ihm vorschlägt, ihre und Jacks Entführung vorzutäuschen und sie als Köder zu benutzen. Mark versucht, Scott zu beruhigen, doch Scott tötet im Kampf versehentlich seine Familie. Nachdem er von der GDA festgenommen wurde, schwört Scott Rache an Mark. Anderswo versammelt Angstrom mehrere von Marks Multiversumsvarianten. - 9/10

https://www.imdb.com/title/tt34952920/
3.7 Was habe ich nur getan? (What Have I Done?)
Angstrom entsendet seine Invincible-Varianten, um die Erde zu zerstören und Marks Ruf zu schädigen. Die GDA, die Wächter und die Helden der Erde werden überwältigt und erleiden schwere Verluste. Scott kann kurzzeitig entkommen; Eve wird kampfunfähig gemacht; Rex opfert sich, um Rudy, Monster Girl und Bulletproof zu retten; Darkwing II wird für tot gehalten; und der Unsterbliche, Kate, Samson und Shapesmith werden verwundet. Als sich die überlebenden Invincibles gegen Angstrom wenden, sperrt er sie auf der verlassenen Erde ein, bevor er gegen Mark kämpft. Mark überwältigt Angstrom und tötet ihn beinahe, doch dieser flieht zu den Technikern, hochentwickelten kybernetischen Chirurgen, die ihn zuvor geheilt haben. Angstrom befiehlt ihnen, seine Wunden zu versorgen, doch sie weigern sich und fordern eine Gegenleistung für all ihre Hilfe. Nach Angstroms Angriff trifft ein gealterter Viltrumitischer Gesandter namens Conquest ein, um Marks Unterwerfung der Erde für das Viltrum-Imperium zu begutachten, und ist enttäuscht von dessen mangelndem Fortschritt. Zutiefst erschüttert von der Zerstörung und dem Tod, die ihm widerfahren, greift Mark Conquest an, um seiner Wut freien Lauf zu lassen. - 9,5/10

https://www.imdb.com/title/tt34952922/
3.8 Ich dachte schon, Du würdest nie die Klappe halten! (I Thought You'd Never Shut Up)
Conquest und Mark kämpfen, zerstören Städte und verstümmeln sich gegenseitig. Oliver und Eve versuchen einzugreifen, werden aber verletzt. Eve überwindet jedoch vorübergehend ihre mentalen Blockaden, kann ihren Körper wiederherstellen und Conquests Haut verbrennen, bevor Mark ihn scheinbar tötet. Mark erwacht im Krankenhaus, wo sich Debbie dafür entschuldigt, ihn in diese Welt gebracht zu haben. Mark erwidert, er mache ihr keine Vorwürfe. Bei Rex' Beerdigung ändert Rudy seinen Namen zu dessen Ehren in Rex. Während sich die Welt wieder aufbaut, stellt Rus eine Armee von Sequid-besessenen Menschen auf, eine Gruppe Aliens findet Battle Beast, und die Techniker heilen Angstrom vollständig, bevor sie eine Partnerschaft eingehen, um eine neue Welt zu erobern. Cecil enthüllt Donald, dass er den im Koma liegenden Conquest gefangen genommen und in ein unterirdisches Gefängnis gesperrt hat, um ihn über das Viltrum-Imperium zu verhören. Mark sagt Oliver, er habe Recht gehabt, Menschen zu töten, und verspricht, dies mit jedem zu tun, der ihre Familie bedroht. Unterdessen trifft sich Darkblood mit einem Dämonenherrscher, um sich von einem mächtigen Wesen auf Erden helfen zu lassen, ihn wieder als Herrscher der Hölle einzusetzen. - 9,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: amazon Video
Poster/Artworkamazon Video

Sonntag, 15. Februar 2026

I Am Legend (2007)

https://www.imdb.com/de/title/tt0480249/

Robert Neville (Will Smith) ist der letzte lebende Mensch, nachdem ein vermeintliches Wundermittel nahezu die gesamte Menschheit ausgelöscht hat. Der Großteil der Infizierten ist gestorben, eine Minderheit zu lichtscheuen, instinktgesteuerten Kreaturen mutiert. Robert lebt nun also im verlassenen New York, bei ihm nur sein sein treuer Schäferhund Sam. Tagsüber streift der Militärwissenschaftler durch die Gegend, macht Jagd auf Antilopen und sendet Funksprüche in der Hoffnung, andere Überlebende zu erreichen. Nachts verbarrikadiert er sich in seinem Nobelheim vor den Monstern draußen und arbeitet mit seinen bissigen Laborratten an einem Impfstoff. Als Robert jedoch das Alpha-Weibchen (Joanna Numata) der Zombie-Vampire zu Forschungszwecken einfängt, entwickeln die Kreaturen unter der Führung des Alpha-Männchens (Dash Mihok) plötzlich eine Form von Intelligenz und greifen härter an als jemals zuvor...

Größe liegt manchmal doch in der Reduktion: in einem Mann, einem Hund und einer entvölkerten Stadt, die langsam zu einer Art seelischem Spiegel wird. Francis Lawrence inszeniert mit dem Remake "I Am Legend" Will Smith nicht als Actionfigur, sondern als letzten Zuschauer einer Welt, die sich selbst aus dem Programm genommen hat - und genau darin liegt die besondere Wucht dieses Films. Als Virologe Robert Neville streift Smith durch ein überwuchertes New York, jagt Rehe auf der Fifth Avenue und grüßt Schaufensterpuppen wie Stammgäste in einer Bar; jede Routinehandlung ist gleichzeitig Überlebensstrategie und Selbsttherapie. Die Szenen, in denen er mit seiner Hündin Sam spricht, sind der emotionale Kern des Films - in ihrem Fell liegt mehr Menschlichkeit als in allen flashbackartigen Erinnerungen an die untergegangene Zivilisation. 

Die wahre zweite Hauptfigur ist New York. Eine Stadt, die von Gras überwuchert, von Wildtieren durchstreift und von Plakaten einer untergegangenen Konsumkultur gesäumt ist. Die Produktion investierte Millionen in die Sperrung und Inszenierung der Brooklyn Bridge und anderer Schauplätze, um einen glaubhaft vernarbten Schauplatz der Apokalypse zu schaffen - ein Aufwand, der sich in jeder Totale auszahlt. Wenn Löwen durch Manhattan ziehen und Autos wie Fossilien in der Straße stecken bleiben, dann wirkt das nicht wie Effektgier, sondern wie eine stille Chronik des Verschwindens. Die Infizierten - hier eher vampirische "Darkseekers" als klassische Zombies - sind weniger Monster als physisch gewordene Fehlkonstruktionen eines zu optimistischen Fortschrittsglaubens. Der von Menschen erfundene Virus, ursprünglich als Heilmittel gedacht, hat die Menschheit dezimiert und eine neue, aggressive Spezies geschaffen, gegen die Neville um ein Gegenmittel ringt; seine Forschungslabore voller Versuchskörper sind wie ein Schuldarchiv der modernen Wissenschaft. Der Film spielt geschickt mit religiösen und moralischen Untertönen - vom verfremdeten Michelangelo‑Motiv auf einem Poster bis zum Bob‑Marley‑Monolog über das "Licht in der Dunkelheit", der Neville als jemanden zeigt, der seinen verlorenen Glauben durch Arbeit ersetzt. 

"I Am Legend" ist ein teurer, effektverstärkter Studioblockbuster, aber seine stärksten Momente sind die leisesten: ein Mann, der in einer Videothek überlegt, ob er einer Puppe endlich seinen Namen sagen soll; ein improvisiertes Abendessen mit imaginären Gästen; eine Trance vor einem alten "Shrek"-Dialog, den Neville auswendig mitspricht, um sich zu vergewissern, dass Sprache noch existiert. Die Actionsequenzen - die Angriffe der Darkseekers, das Belagerungsszenario im Haus, die Flucht‑Rückblenden - liefern die erwartete Spannung, aber sie funktionieren vor allem, weil der Film zuvor die Stille so sorgfältig gebaut hat. Man kann nun über den letzten Akt streiten, über das Ausmaß der CGI‑Monster und über die Frage, ob der Film den radikal ambivalenten Kern von Richard Mathesons Romanvorlage entschärft. Aber selbst dort, wo er konventioneller wird, bleibt er getragen von der Grundidee: einem Mann, der beweisen will, dass die Menschheit mehr ist als ihr Fehlversuch im Labor - und der dabei vielleicht selbst zur Legende wird, weniger als Held denn als letzte, hartnäckige Erinnerung an das, was wir hätten sein können. "I Am Legend" ist damit zwar kein unerreichbares Meisterwerk, aber doch einer jener Genrefilme, die lange nachwirken, nicht wegen ihres Lärms, sondern wegen der Einsamkeit zwischen zwei Herzschlägen in einer leeren Stadt.

7/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Warner Bros./Village Roadshow Pictures/Weed Road Pictures/Heyday Films/Original Film/Overbrook Entertainment

Freitag, 13. Februar 2026

지구를 지켜라! - Save The Green Planet! (2003)


Byeong-Gu (Shin Ha-Kyun) ist der festen Überzeugung, dass die Aliens schon längst die Erde erobert haben und unter uns leben. Kurzerhand kidnappt er einen der nichtsahnenden südkoreanischen Industriellen, die wegen ihrer Menschenmisshandlungen einfach Aliens sein müssen und planen, die Erde zu vernichten. Byeong-Gus Freundin hilft ihm, zweifelt aber langsam an seinen Geschichten, als er anfängt, einen isolierten Kellerposten zu errichten, um von dort aus die "Wahrheit" ans Licht zu bringen. Kann es sein, dass seine schreckliche Kindheit ihn traumatisiert hat? 

"Save The Green Planet!" ist einer jener wilden, genreübergreifenden Filme, die aus dem Nichts kommen und einen mit ihrer absurden Energie in den Bann schlagen - ein südkoreanisches Debüt, das 2003 mit Sci-Fi, Horror, Komödie und Thriller jongliert, als gäbe es kein Morgen. Lee Byeong-gu (Shin Ha-Kyun), ein paranoider Verschwörungstheoretiker mit traumatischer Kindheit, entführt Kang Man-shik (Baek Yoon-sik), einen Pharma-Manager, den er für den Kommandanten der Andromedaner hält, die die Erde zerstören wollen. Im Keller seines Verstecks foltert er Kang mit skurrilen Methoden - von Kopf rasieren gegen Telepathie bis zu Abschrubben mit einem Peeling-Handschuh -, während seine kindliche Zirkusliebste Su-ni (Hwang Jeong-min) hilft und die Polizei nachforscht. Die Story enthüllt schrittweise Byeong-gus Hintergrund: ein misshandeltes Kind, gewalttätige Schule, die Vergiftung seiner Mutter durch Kangs Firma - was Paranoia und Rache zu einer einzigen, verzerrten Wahrheit verschmilzt. Der Höhepunkt spielt sich in Kangs Fabrik ab, wo Rollen kippen und die Frage nach Realität und Wahn eskaliert, bis zu einem nihilistischen Twist, der den Zuschauer mit offenen Fragen zurücklässt. Es ist kein linearer Plot, sondern ein chaotisches Mosaik, das wie ein Bong Joon-ho-Vorläufer wirkt - voll mit Schocks, Slapstick und sozialer Satire.

2003, im Jahr von "Oldboy" und "Memories Of Murder", markierte Jang Joon-hwans Debüt den Aufstieg der Koreanischen New Wave: ein Low-Budget-Werk, das Hollywood-Klischees mit koreanischer Gesellschaftskritik vermengt - Korruption, Umweltzerstörung, mentale Gesundheit. Der Film floppte an den Kassen, wurde aber bald zum Kult durch seine innovative Hybridform mit seinem hypnotischen Blaustich, der kühnen Montage und wie er Unterhaltung mit Tiefe verbindet, ohne je prätentiös zu werden. Shin Ha-kyun als Byeong-gu ist ein Tornado aus Manie und Verletzlichkeit - ein Mann, der lacht, während er foltert, und weint, wenn seine Wahnvorstellungen bröckeln. Baek Yun-shik als Kang balanciert Arroganz und Mitgefühl; er ist nicht das Monster, das man erwarten würde, sondern ein Spiegel für Byeong-gus Abgründe. Su-ni (Hwang Jung-min) bringt kindliche Unschuld in den Wahnsinn, was den Film irgendwie emotional erdet. Jang dreht mit visueller Erfindungskraft - blaue Töne für Paranoia, cartoonhafte Gore für Komik -, die den Film zu einer einzigartigen Seherfahrung macht, denn unter der Absurdität pulsiert ein menschliches Herz, das über Fanatismus und Realität nachdenken lässt. Man lacht, ekelt sich, staunt - und geht aus dem Film mit dem Gefühl, dass manchmal die Spinner die Einzigen sind, die die Welt wirklich sehen. "Save The Green Planet!" ist definitiv kein Film für Jedermann, sondern für jene, die das Chaotische lieben - ein früher Beweis, dass koreanisches Kino irgendwann die Welt erobern würde. 

7,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Sidus Pictures