13 (Aurora Ribero) ist eine 17-Jährige mit mysteriöser Vergangenheit, die von einem Syndikat namens "The Shadow" von Kindesbeinen an zur Attentäterin ausgebildet wird. Als 13 bei einer Mission in Japan ein Fehler unterläuft, wird sie in die indonesische Hauptstadt Jakarta geschickt, wo über ihre weitere Zukunft entschieden werden soll. In den Slums der Metropole trifft sie per Zufall auf den 11-jährigen Monji (Ali Fikry), dessen Mutter vor kurzem von lokalen Gangstern ermordet wurde. Die beiden freunden sich an – doch dann ist Monji plötzlich spurlos verschwunden, entführt von denjenigen, die schon seine Mutter auf dem Gewissen haben. Wutentbrannt sucht 13 nach den Kidnappern und hinterlässt dabei eine Schneise der Verwüstung, was auch ihre Mentorin Umbra (Hana Malasan) und die anderen von "The Shadow" gegen sie aufbringt.
Wer in den vergangenen Jahren die Entwicklung des modernen Actionkinos verfolgt hat, kommt an Regisseur Timo Tjahjanto kaum vorbei. Spätestens seit seinem "The Night Comes For Us" gilt er als einer der kompromisslosesten Action-Regisseure der Gegenwart. Mit "The Shadow Strays" liefert er nun einen weiteren brachialen Beitrag zum Genre ab - größer, brutaler, blutiger, aber auch emotionaler als viele seiner bisherigen Arbeiten. Das Ergebnis ist ein Film, der den Actionfan in mir vollauf begeistert, auch wenn er ganz offensichtlich nicht ganz frei von erzählerischen Schwächen ist. Im Mittelpunkt steht die junge Auftragskillerin Codename 13 (Aurora Ribero), die nach einem missglückten Einsatz von ihrer geheimen Organisation suspendiert wird. Als sie den Jungen Monji kennenlernt und dieser in die Hände eines kriminellen Syndikats gerät, beginnt für sie ein blutiger Rachefeldzug gegen Gangster, Menschenhändler und schließlich ihre eigenen Auftraggeber. Die Handlung folgt dabei bekannten Genrepfaden, konzentriert sich aber stärker auf die menschliche Seite ihrer Protagonistin als man zunächst erwarten würde.
Die größte Stärke des Films sind (erwartungsgemäß) seine Actionsequenzen. Tjahjanto inszeniert Kämpfe nicht einfach nur als notwendige Handlungselemente, sondern als spektakuläre Choreografien voller Kreativität und Energie. Messer, Schusswaffen, improvisierte Gegenstände und pure Körperkraft kommen gleichermaßen zum Einsatz. Die Ideen, wie der nächste Gegner ausgeschaltet wird, und die kompromisslose Härte der Inszenierung sind absolut grandios. Besonders beeindruckend ist dabei Hauptdarstellerin Aurora Ribero. Obwohl sie keine klassische Martial-Arts-Vergangenheit mitbringt, trägt sie den Film mit bemerkenswerter Präsenz. Ihre Figur wirkt gleichermaßen verletzlich und gefährlich, was der Geschichte eine emotionale Grundlage verleiht. Ihre Entwicklung von einer gehorsamen Killerin zu einer eigenständig handelnden Figur verkörpert Ribero glaubwürdig und nachvollziehbar. Visuell präsentiert sich der Film ebenfalls stark. Die nächtlichen Straßen Jakartas, Neonlichter, Regen und dunkle Hinterhöfe erzeugen eine coole Atmosphäre, die stellenweise an moderne Neo-Noir-Thriller erinnert. Gleichzeitig bleibt die Kamera erstaunlich übersichtlich, selbst wenn Dutzende Gegner gleichzeitig durch die Gegend fliegen. Die Action wirkt deshalb nie chaotisch, sondern bleibt jederzeit überschaubar. Allerdings ist "The Shadow Strays" mit rund 145 Minuten Laufzeit schlicht zu lang. Einige Handlungsstränge und Actionsequenzen hätten durchaus gestrafft werden können und so manches Mal entsteht bei mir der Eindruck, dass Tjahjanto jede neue Idee hier unbedingt unterbringen wollte. Die Geschichte verliert dadurch im Mittelteil etwas an Fokus. Langweilig wird es trotzdem nie. Trotzdem bleibt die Handlung selbst letztlich eher funktional. Sie bietet nichts neues, erfüllt allerdings ihren Zweck, liefert emotionale Motivation und einige interessante Figurenmomente, erreicht aber nie die Komplexität oder Tiefe, die man von einem 145-minütigem Film durchaus erwarten könnte. Denkt man an "Brawl in Cell Block 99", der mit ebenso kompromissloser Härte vorgeht, hat man beispielhaft das erzäherlische Gegengewicht.Doch am Ende weiß "The Shadow Strays" genau, was er sein möchte. Er will eben auch keine tiefgründige Charakterstudie oder raffinierte Thrillerhandlung erzählen. Stattdessen liefert er ein kompromissloses Actionfeuerwerk, das seine Stärken selbstbewusst ausspielt und dabei in keienr Minute langweilig wird. Als Vorbereitung auf "The Furious" harter war das Ding genau richtig und die Martial-Arts-Action gehört zweifellos zu den Highlights im asiatischen Actionkino: laut, sehr brutal, überdreht und oftmals spektakulär. Die Handlung bleibt zwar vergleichsweise simpel und die Laufzeit fällt zu großzügig aus, doch die herausragenden Kampfsequenzen, die starke Hauptdarstellerin und Timo Tjahjantos unverwechselbare Inszenierung machen den Film zu einem der sehenswertesten Actiontitel der letzten Jahre.











