Dienstag, 15. September 2026

Mandibules - Eine Fliege kommt selten allein (2020)

https://www.imdb.com/de/title/tt10375106/
https://letterboxd.com/film/mandibles/

Der nicht gerade intelligente Jean-Gab (David Marsais) und der noch einfältigere Manu (Grégoire Ludig) sind zwei kleinkriminelle Tagediebe im Süden Frankreichs. Eines Tages finden sie im Kofferraum eines von ihnen geklauten Autos eine riesige Fliege. Schnell kommt ihnen die Idee, das von ihnen auf den Namen Dominique getaufte, die Ausmaße eines mittleren Hundes habende Insekt für Banküberfälle abzurichten. Allerdings brauchen sie dazu zunächst mal einen Ort, an dem sie die Fliege dressieren können. Denn Manu ist gerade aus seiner Behausung geflogen und Jean-Gabs Eltern wären bestimmt auch nicht wirklich begeistert von einem weiteren Maul, das sie stopfen müssten. Da geht ihnen auch noch das Benzin aus. Zum Glück wird Manu von der vorbeikommenden Cécile (India Hair) mit einem alten Schulfreund verwechselt und zu sich eingeladen. So logieren die zwei die nächsten Tage in einer schicken Villa mit Swimmingpool, wo natürlich auch genügend Platz für die reingeschmuggelte Dominique ist. Allein Céciles etwas eigenwillige Freundin Agnès (Adèle Exarchopoulos) schöpft Verdacht und spürt, dass die beiden Kerle irgendetwas aushecken. Und dann ist plötzlich auch noch ihr geliebter Chihuahua spurlos verschwunden …

Quentin Dupieux setzt auch in "Eine Fliege kommt selten allein" auf sein bewährtes Prinzip, das Absurde mit größtmöglicher Selbstverständlichkeit zu behandeln. Die Ausgangsidee - zwei nicht besonders helle Kleinkriminelle finden im Kofferraum eines gestohlenen Autos eine riesige Fliege und wollen sie für Banküberfälle dressieren - ist herrlich bescheuert. Entscheidend ist jedoch, dass Dupieux daraus keinen klassischen Monsterfilm macht, sondern eine lakonische Buddy-Komödie über Freundschaft, Dummheit und eine Aneinanderreihung immer neuer Missgeschicke. Die völlig unerschütterliche Naivität von David Marsais und Grégoire Ludig als wunderbar einfältiges Duo Jean-Gab und Manu ist gleichzeitig die größte Stärke des Humors: Die beiden akzeptieren selbst die absurdesten Situationen, ohne sie groß zu hinterfragen. Auch Adèle Exarchopoulos sorgt als ständig schreiende Agnès für einige der böseren und politisch unkorrekteren Momente. Gerade die Schauspieler verstehen es, Dupieux' trockenen Humor nicht zu überinszenieren. Visuell bleibt der Regisseur angenehm zurückhaltend. Die riesige Fliege ist bewusst nicht als spektakuläres CGI-Monster inszeniert, sondern fügt sich fast beiläufig in die ansonsten unspektakuläre Welt ein. Dieser Kontrast zwischen völlig alltäglicher Umgebung und vollkommen irrationaler Situation ist das eigentliche Stilprinzip des Films. Die 77 Minuten Laufzeit kommen dem minimalistischen Ansatz zugute, denn Dupieux verschwendet kaum Zeit mit Erklärungen oder überflüssigen Nebenhandlungen. 

Allerdings ist genau diese Konsequenz auch der größte Kritikpunkt, denn die Handlung entwickelt sich eher als lose Kette von Gags und absurden Situationen denn als wirklich ausgearbeitete Geschichte. Die ungewöhnliche Grundidee trägt nicht über die gesamte Laufzeit, doch gerade das ziellose Abschweifen macht einen Teil des Reizes des Films aus. Dadurch entsteht ein Film, der zwar regelmäßig amüsiert, aber nicht jede Pointe gleichermaßen zündet. Wer mit Dupieux' bewusst anti-dramatischer Erzählweise nichts anfangen kann, dürfte sich zudem schnell langweilen. "Eine Fliege kommt selten allein" ist aber unterm Strich für mich eine charmante, eigenwillige und angenehm kurze Absurditäten-Komödie, die ihre groteske Prämisse mit bemerkenswert trockenem Humor behandelt. Die beiden Hauptdarsteller funktionieren hervorragend, die Inszenierung besitzt einen klaren eigenen Stil und einige Einfälle sind tatsächlich zum Schreien komisch. Für eine höhere Wertung fehlt dem Film jedoch etwas erzählerische Substanz und Konstanz: Die absurde Idee trägt nicht durchgehend und wirkt gegen Ende zunehmend wie eine Aneinanderreihung von Sketchen. Damit bleibt "Eine Fliege kommt selten allein" ein sympathischer, ungewöhnlicher Dupieux - amüsant und originell, aber nicht ganz so treffsicher wie seine besten Arbeiten.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkChi-Fou-Mi Productions/Artémis Productions/Memento Films Production/VOO/BeTV/Shelter Prod

The Relic - Das Relikt - Das Relikt: Museum der Angst (1997)

https://www.imdb.com/de/title/tt0120004/
https://letterboxd.com/film/the-relic/

Im Hafen von Chicago kommt ein Schiff voller toter Menschen an, denen das Gehirn fehlt. FBI-Agent Vincent D’Agosta (Tom Sizemore) übernimmt mit seinem Assistenten Hollingsworth (Clayton Rohner) die Untersuchungen. Als im Naturkundemuseum die bevorstehende neue Ausstellung über Aberglaube von der Ermordung eines Wachmanns überschattet wird, dessen Leiche ebenfalls das Gehirn aus dem Schädel gerissen wurde, ermitteln die Agenten gemeinsam mit der Evolutionsbiologin Dr. Margo Green (Penelope Ann Miller). Langsam kommen sie einer uralten indianischen Legende auf die Spur, die mit den mysteriösen Todesfällen zu tun haben könnte. Das Grauen, mit dem sie es zu tun haben, hat es ins Naturkundemuseum verschlagen, wo bald eine Eröffnungsgala mit hochkarätigen Gästen stattfindet...

Peter Hyams' "Das Relikt" ist ein herrlich altmodischer Monsterhorror, der zwar kaum verhehlt, dass er sich bei "Alien", "Der weiße Hai" und "Predator" bedient, aus diesen bekannten Zutaten aber erstaunlich effektives Genrekino macht. Als im Chicagoer Naturkundemuseum mehrere Menschen brutal getötet werden, versuchen Lieutenant D’Agosta (Tom Sizemore) und Evolutionsbiologin Dr. Margo Green (Penelope Ann Miller), einem mysteriösen Wesen auf die Spur zu kommen. Die Handlung ist dabei sicher nicht die größte Stärke. Die wissenschaftlich-esoterische Erklärung für das Monster wirkt stellenweise hanebüchen, manche Figuren bleiben schematisch und die Geschichte folgt ziemlich konsequent den Regeln des klassischen Creature Features. 

Was "Das Relikt" jedoch hervorragend beherrscht, ist Atmosphäre. Das Naturkundemuseum mit seinen dunklen Ausstellungssälen, Tunneln und verschachtelten Korridoren ist ein idealer Schauplatz. Hyams lässt das Monster lange im Verborgenen und arbeitet viel mit Schatten, Geräuschen und plötzlichen Schockmomenten. Das eigentliche Highlight ist das von Stan Winston entwickelte Kothoga-Monster. Die Kreatur wirkt auch heute noch erstaunlich physisch und besitzt wesentlich mehr Persönlichkeit als viele rein digitale Filmmonster. Dazu kommen einige ausgesprochen drastische Tötungsszenen, die dem Film einen härteren Einschlag geben. Tom Sizemore und Penelope Ann Miller tragen den Film solide, ohne zu großen Schauspielleistungen anzusetzen. Sizemore verleiht D’Agosta die nötige raue Präsenz, während Miller die wissenschaftliche Seite des Geschehens glaubwürdig genug verkauft. Linda Hunt, James Whitmore und Audra Lindley sorgen zudem für ein überzeugendes Ensemble. Die Figuren sind zwar eher funktional als tiefgründig, passen aber zum bewusst klassischen Ansatz.

"Das Relikt" ist damit und auch heute noch kein besonders origineller Horrorfilm, aber ein verdammt unterhaltsamer. Die Story ist vorhersehbar, das Monsterkino dagegen atmosphärisch, blutig und handwerklich überzeugend. Wer klassische Creature Features mit viel Dunkelheit, Gore und praktischen Effekten mag, bekommt hier einen kleinen Genre-Leckerbissen.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkMutual Film Company/Paramount Pictures/TOHO-TOWA/Pacific Western/PolyGram Filmed Entertainment/Marubeni/BBC/Tele München

Montag, 14. September 2026

The Runner (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt34564059/
https://letterboxd.com/film/the-runner-2026-2/

Wirtschaftsanwältin Maia Marten (Gal Gadot) befindet sich gerade auf ihrer morgendlichen Joggingrunde, als ihr Telefon klingelt. Sie sieht, dass es die Nummer ihres Sohns Noah (Rory Wilmot) ist, der eigentlich in der Schule sein sollte. Doch als sie das Gespräch annimmt, hört sie nicht Noahs Stimme, sondern die eines unbekannten Anrufers (Damian Lewis). Der erklärt ihr, dass er Noah entführt hat und sie ihn nur dann lebend wiedersehen wird, wenn sie ihren Mandaten tötet, den sie heute vor Gericht vertreten wird. Dazu gibt er ihr eine Stunde Zeit – eine Stunde, in der sie zu Fuß bis zu einem Hotel in der Londoner Innenstadt rennen soll, ohne jemanden über die Entführung zu informieren und in der sie alles exakt nach seinen Anweisungen ausführt. Maia willigt schweren Herzens ein und fängt an zu rennen, um das Leben ihres Sohnes, und, wie sie noch herausfinden wird, um das vieler anderer Menschen, die der Kidnapper indirekt bedroht.

Kevin Macdonalds "The Runner" besitzt eine starke Ausgangsidee: Die Londoner Anwältin Maia Marten (Gal Gadot) erfährt während ihres morgendlichen Laufs, dass ihr Sohn entführt wurde. Ein mysteriöser Anrufer zwingt sie, innerhalb einer Stunde quer durch London zu laufen und dabei gefährliche Aufgaben zu erfüllen. Das Echtzeitkonzept erinnert an "Speed" oder (besser noch) "Lola rennt" und verspricht eigentlich einen hochspannenden Wettlauf gegen die Uhr. Gal Gadot überzeugt - zumindest körperlich. Ihre monatelange Vorbereitung macht die zahlreichen Lauf- und Actionszenen glaubwürdig, während London als Schauplatz für genügend Bewegung sorgt. Auch Damian Lewis besitzt als geheimnisvoller Gegenspieler die nötige Präsenz. Leider bleibt ausgerechnet die Figurenzeichnung hinter den Möglichkeiten zurück: Maia wirkt trotz ihrer verzweifelten Situation erstaunlich distanziert, und der Caller ist letztlich kaum mehr als ein Genreklischee.

Noch deutlicher enttäuscht das Drehbuch. Statt die Zeitnot konsequent für Spannung zu nutzen, reiht es konstruierte Hindernisse, Zufälle und bekannte Verschwörungselemente aneinander. Der Film möchte zugleich realistischer Thriller und überdrehter Actionfilm sein, findet aber keinen überzeugenden Ton. Die hektische Kameraarbeit von Anthony Dod Mantle erzeugt zwar Bewegung, kann die dramaturgischen Leerstellen jedoch nicht kaschieren. Auch der grundsätzlich interessante Twist im letzten Drittel kommt zu spät, um die vorherigen Schwächen wirklich aufzuwiegen. "The Runner" rennt damit zwar viel, aber leider nicht besonders weit. Eine gute Prämisse, eine engagierte Hauptdarstellerin und ein paar funktionierende Actionmomente reichen nicht aus, wenn ein Thriller sein wichtigstes Versprechen - den Zuschauer permanent unter Druck zu setzen - nicht mal im Ansatz einlösen kann.

4/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkAmazon MGM Studios/Rockwood Pictures

Anacondas: The Hunt For The Blood Orchid - Anacondas: Die Jagd nach der Blut-Orchidee (2004)

https://www.imdb.com/title/tt0366174/
https://letterboxd.com/film/anacondas-the-hunt-for-the-blood-orchid/

Ein Pharmakonzern hat es auf die ausgesprochen selten und wertvolle Blut-Orchidee abgesehen, denn die Pflanze verheißt eine Verlängerung des Lebens. Allerdings ist es absolut notwendig, in den Besitz eines blühenden Exemplars zu kommen, um den Wirkstoff nutzen zu können. Dieses sehr seltene Ereignis dauert noch ungefähr zwei Wochen an, als sich eine Expedition des Konzerns auf den Weg in den Dschungel Borneos macht. Die Reise steht aber unter keinen guten Stern, da die Regenzeit das Fortkommen auf den Flüssen extrem erschwert. Nachdem es zu einem Unfall mit dem Schiff gekommen ist, muss sich die Expeditionstruppe über Land durch den Dschungel schlagen. Noch ahnen sie nicht, dass in den verschlungenen Wäldern Borneos Riesenanakondas lauern, denen so eine Gruppe junger Menschen gerade recht kommt.

"Anacondas: Die Jagd nach der Blut-Orchidee" ist genau die Sorte Fortsetzung, die gar nicht erst vorgibt, etwas anderes sein zu wollen als ein ordentlich produzierter Creature-Feature-B-Movie. Eine Expedition sucht im Dschungel Borneos nach einer seltenen Orchidee, deren Wirkstoff die Zellalterung verlangsamen soll - dummerweise lockt die Pflanze auch riesige Anakondas an. Nach dem Vorbild des Vorgängers von 1997 wird daraus eine Mischung aus Abenteuerfilm, Survival-Horror und Monsterkino. Die Geschichte ist dabei der größte Schwachpunkt. Das Drehbuch arbeitet die bekannten Genre-Regeln fast nach Lehrbuch ab: Expedition, Naturkatastrophe, zunehmend zerstrittene Gruppe, skrupelloser Geschäftsmann und natürlich ein Monster, das die Teilnehmer nach und nach dezimiert. Wirkliche Überraschungen gibt es kaum. Auch die Motivation rund um die Blut-Orchidee wirkt eher wie ein MacGuffin als wie ein ernsthaft entwickeltes Element. 

Dafür besitzt "Anacondas: Die Jagd nach der Blut-Orchidee" einen gewissen Trash-Charme. Die Figuren sind zwar größtenteils wandelnde Genreklischees, aber Matthew Marsden darf als geldgieriger Wissenschaftler wenigstens etwas Bosheit entwickeln. Auch Johnny Messner, KaDee Strickland, Morris Chestnut und Salli Richardson-Whitfield schlagen sich ordentlich. Die Darsteller machen aus ihren eher dünnen Rollen das Beste - mehr Charaktertiefe bietet das Drehbuch allerdings kaum. Regisseur Dwight H. Little nutzt dafür die Dschungelkulisse effektiv und versteht, dass ein Monsterfilm nicht ständig sein Monster zeigen sollte. Die Anacondas bleiben häufig im Wasser, im Unterholz oder im Schatten verborgen, wodurch einige Begegnungen tatsächlich Spannung entwickeln. Wenn die Tiere schließlich auftauchen, schwankt die Qualität allerdings deutlich. Die CGI-Effekte sind für ihre Zeit akzeptabel, wirken heute aber sichtbar künstlich. Gleichzeitig besitzt der Film genügend übertriebene Action – von Wasserfällen über Krokodile bis zu Spinnen und Riesenschlangen -, um zumindest als unkomplizierter Monsterfilm zu funktionieren. 

Im Vergleich zu "Anaconda" von 1997 fehlt allerdings das gewisse Etwas. Jennifer Lopez, Ice Cube und vor allem Jon Voight verliehen dem Vorgänger eine eigentümliche Mischung aus Starpower, Wahnsinn und Selbstironie. "Anacondas: Die Jagd nach der Blut-Orchidee" ist dagegen deutlich nüchterner und damit paradoxerweise weniger erinnerungswürdig. Denn die Dschungelatmosphäre funktioniert, einige Monstersequenzen machen Spaß und der bewusst trashige Ton verhindert, dass die Vorhersehbarkeit völlig langweilig wird. Das macht "Anacondas: Die Jagd nach der Blut-Orchidee" noch lange nicht zu einem guten Film im klassischen Sinne, aber ein passabler Monsterfilm für einen Abend, an dem man nicht viel mehr erwartet als Dschungel, Schlangen und ordentlich B-Movie-Action. Die Zutaten stimmen, nur das Rezept ist reichlich bekannt.

4,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkMiddle Fork Productions/Screen Gems/Columbia Pictures

Sonntag, 13. September 2026

バイオハザード デスアイランド - Baiohazādo Desuairando - Resident Evil: Death Island (2023)

https://www.imdb.com/de/title/tt26674627/
https://letterboxd.com/film/resident-evil-death-island/

Der Agent der Division of Security Operations, Leon S. Kennedy (Stimme im Original: Matthew Mercer), versucht, einen entführten Arzt zu retten, als seine Mission von einer mysteriösen Frau gestört wird. Zur gleichen Zeit untersucht der Agent der Bioterrorism Security Assessment Alliance, Chris Redfield (Kevin Dorman), einen unerklärlichen Ausbruch von Infektionen an der Westküste, die ihren Ursprung auf der Insel Alcatraz zu haben scheinen. Chris und sein Team, bestehend aus Claire Redfield (Stephanie Panisello) und Rebecca Chambers (Erin Cahill), setzen die Puzzleteile zusammen und begeben sich auf die Insel der Verzweiflung, um die Bedrohung weiter zu untersuchen.

"Resident Evil: Death Island" ist weniger eigenständiger Horrorfilm als animiertes Bonuskapitel für Fans der Videospielreihe - und genau daran sollte man seine Erwartungen messen. Regisseur Eiichirō Hasumi versammelt mit Chris Redfield, Jill Valentine, Leon S. Kennedy, Claire Redfield und Rebecca Chambers erstmals die wichtigsten Figuren des Spieleuniversums in einer gemeinsamen Geschichte. Ein Ausbruch eines mutierten T-Virus führt sie nach Alcatraz, wo hinter den Ereignissen ein neuer Gegenspieler steckt. Die größte Stärke ist tatsächlich diese Zusammenführung. "Resident Evil: Death Island" versteht, was Fans an "Resident Evil" mögen: bekannte Figuren, groteske Kreaturen, Biowaffen, große Schusswechsel und jede Menge Anspielungen auf die Spiele. Besonders die Rückkehr von Jill Valentine besitzt Gewicht, schließlich war sie seit "Resident Evil 5" nicht mehr Teil einer größeren Spielgeschichte. Für Kenner des Franchise funktioniert das beinahe wie ein großes Klassentreffen. 

Technisch kann sich der Film ebenfalls sehen lassen. Die CGI-Animation ist detailliert und gerade bei den Kreaturen, Waffen und Actionsequenzen beeindruckend. Alcatraz bietet zudem eine atmosphärisch passende Kulisse: Gefängnismauern, dunkle Korridore und unterirdische Anlagen liefern genau die klaustrophobische Umgebung, die man von "Resident Evil" erwartet. Selbst Wasser und komplexe Bewegungsabläufe sind bemerkenswert sauber umgesetzt. Und wenn die Action loslegt, funktioniert "Resident Evil: Death Island" deshalb am besten. Schießereien, Nahkämpfe und Monsterattacken sind dynamisch inszeniert und gelegentlich angenehm überdreht. Hier kommt das Videospielgefühl besonders deutlich zum Vorschein. Das Problem ist allerdings die Geschichte. Das Drehbuch von Makoto Fukami liefert zwar reichlich Lore, aber nur wenig Überraschendes. Der zentrale Konflikt ist schnell durchschaubar, der Bösewicht bleibt trotz einiger Rückblenden relativ eindimensional und auch die obligatorische Superwaffe samt Gegenmaßnahme bewegt sich tief im bekannten "Resident Evil"-Baukasten. Auch bei den Dialogen verschenkt der Film einiges. Die Figuren besitzen zwar ihre vertrauten Persönlichkeiten, sprechen aber häufig in jener funktionalen Videospiel-Logik, die zwischen Missionsbesprechung, Exposition und markigen Sprüchen pendelt. 

Selbst beim Horror bleibt "Resident Evil: Death Island" hinter seinen Möglichkeiten zurück. Zwar gibt es Zombies, Mutationen und einige durchaus groteske Kreaturen, doch der Film interessiert sich stärker für Action als für echte Angst. Wer die beklemmende Atmosphäre der frühen Spiele erwartet, dürfte enttäuscht sein. Trotzdem ist "Resident Evil: Death Island" gegenüber "Resident Evil: Vendetta" ein kleiner Fortschritt. Die Figurenkonstellation wirkt reizvoller, die Animation ist hochwertig und der Film hat zumindest den Charme eines großen Franchise-Crossovers. Für Neueinsteiger funktioniert das allerdings deutlich schlechter: Ohne Kenntnis der Figuren und ihrer Vorgeschichten bleibt vieles oberflächlich oder wirkt wie reine Fanpflege. Die Zusammenführung von Chris, Jill, Leon, Claire und Rebecca macht Spaß, die Animation ist stark und die Action besitzt ordentlich Druck. Dafür sind Handlung, Dialoge und Bösewicht bestenfalls zweckmäßig, während der Horror zugunsten spektakulärer Kämpfe deutlich zurücktritt. Für Fans sicherlich ein unterhaltsamer Franchise-Happen, für alle anderen eher ein hübsch animierter, aber ziemlich austauschbarer Zombie-Actionfilm. 

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkCapcom/Quebico/Sony Pictures/Sammy/Robot Communications/KADOKAWA/TMS Entertainment

Home Sweet Hell (2015)

https://www.imdb.com/de/title/tt2802136/
https://letterboxd.com/film/home-sweet-hell/

Für seine Kollegen ist Don Champagne (Patrick Wilson) ein toller Typ, der alles im Leben hat, was man sich wünschen kann: Er ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, hat reizende Kinder und führt eine Bilderbuchehe. Doch der Schein trügt, denn hinter der makellosen Fassade seiner Frau Mona (Katherine Heigl) verbirgt sich ein Kontrollfreak, der das Leben seines Mannes bis ins Kleinste bestimmen will. Doch die Situation, in die Don sie manövriert, hat sie wahrlich nicht kommen sehen. Der Ehemann hat nämlich mit seiner attraktiven Kollegin Dusty (Jordana Brewster) eine Affäre begonnen. Als diese auch noch behauptet, von ihm schwanger zu sein, muss Mona die Dinge selbst in die Hand nehmen. Dabei fällt ihr nur eine denkbare Lösung ein: Don muss seine Geliebte aus dem Weg räumen. Schon bald gerät alles außer Kontrolle…

Anthony Burns’ "Home Sweet Hell" möchte gleichzeitig rabenschwarze Komödie, makabre Ehe-Farce und brutaler Thriller sein. Die Ausgangsidee - eine krankhaft ordnungsliebende Ehefrau reagiert auf den Seitensprung ihres Mannes mit immer drastischeren Maßnahmen - hätte durchaus Potenzial für eine bissige Satire auf Vorstadtidylle, Besitzdenken und patriarchale Doppelmoral. Tatsächlich versucht der Film, seine Figuren als moralisch verrottete Bewohner einer künstlichen Konsumwelt zu präsentieren. Doch die Kritik an bürgerlicher Fassade und männlicher Anspruchshaltung bleibt wenig präzise. Statt die Absurdität konsequent zuzuspitzen, verwechselt das Drehbuch Provokation häufig mit bloßer Geschmacklosigkeit. Katherine Heigl ist zweifellos der interessanteste Aspekt des Films. Als Mona spielt sie die kontrollierte, eiskalte Hausfrau mit einer bemerkenswerten Mischung aus Disziplin, Wut und grotesker Überhöhung. In einzelnen Momenten blitzt tatsächlich schwarzer Humor auf. Auch Patrick Wilson überzeugt grundsätzlich als feiger, überforderter Ehemann, der sich immer tiefer in seine eigenen Lügen verstrickt. Die Chemie zwischen beiden ist brauchbar, doch das Drehbuch nutzt sie kaum für eine wirklich pointierte Beziehungssatire. 

Die sterile Vorstadtästhetik passt zum künstlichen Familienbild, bleibt jedoch ohne besondere visuelle Handschrift. Sobald der Film in seine blutigen Thrillerpassagen wechselt, setzt er auf übertriebene Gewalt und makabre Einfälle, ohne daraus eine wirkungsvolle Spannungskurve zu entwickeln. Die brutalen Momente wirken eher wie aufgesetzte Schockverstärker als wie eine konsequente Erweiterung der Satire. Das größte Problem ist jedoch der Ton. Die ersten zwanzig Minuten sind nicht nur kaum komisch, sondern so unentschlossen inszeniert, dass sich bereits früh die Frage stellt, welche Art Film hier eigentlich entstehen soll. Die Dialoge bestehen oft aus Spott, Andeutungen und Bosheiten, ohne daraus echte Pointen zu entwickeln. Hinzu kommt, dass die Figuren zunehmend weniger wie Menschen als wie Spielfiguren in einer zynischen Versuchsanordnung handeln. Die Handlung wird dadurch zwar immer absurder, aber nicht automatisch unterhaltsamer. Besonders die Kinder und Nebenfiguren werden dramaturgisch beliebig eingesetzt, während die moralischen Fragen des Films kaum über plakative Bosheit hinausgehen. 

"Home Sweet Hell" bleibt damit erschreckend zahnlos. Der Humor ist häufig unangenehm statt treffsicher, und die Mischung aus Ehekomödie, Thriller und Splatter findet keinen überzeugenden gemeinsamen Ton. Der Film möchte böse, subversiv und schockierend sein, wirkt dabei aber vor allem unausgegoren und unnötig zynisch. Ein paar gelungene Momente reichen nicht aus, um aus dieser Vorstadt-Hölle eine wirklich gute schwarze Komödie zu machen.

4/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkPasscode Entertainment/Darko Entertainment/Donnybrook4 Productions/Stage 6 Films

Coyote vs. Acme (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt1756855/
https://letterboxd.com/film/coyote-vs-acme/

Nach unzähligen erfolglosen Versuchen, den Road Runner zu fangen, hat Wile E. Coyote genug von den Produkten der ACME Corporation, die seine Pläne immer wieder scheitern lassen. Überzeugt davon, dass der Konzern für seine zahlreichen Misserfolge verantwortlich ist, beschließt er, rechtliche Schritte einzuleiten. Unterstützung erhält er dabei vom Anwalt Kevin Avery (Will Forte), der sich auf den ungewöhnlichen Fall einlässt und ACME vor Gericht herausfordert. Die Auseinandersetzung wird zusätzlich erschwert, weil ausgerechnet der frühere Vorgesetzte des Juristen inzwischen als Geschäftsführer der ACME Corporation (John Cena) auf der Gegenseite steht. Während sich der Rechtsstreit zuspitzt, entwickelt sich zwischen Wile E. Coyote und seinem Anwalt eine enge Freundschaft. Gemeinsam stellen sie sich dem einflussreichen Unternehmen und kämpfen dafür, den Prozess zu ihren Gunsten zu entscheiden.

Was wäre, wenn Wile E. Coyote irgendwann einfach genug davon hätte, von seinen eigenen ACME-Produkten in die Luft gesprengt zu werden - und den Hersteller verklagen würde? Aus diesem herrlich absurden Gedanken macht Dave Green eine überraschend clevere Mischung aus Live-Action-Komödie, Looney-Tunes-Slapstick, Gerichtsfilm und Konzernsatire. Wile E. Coyote zieht gemeinsam mit dem erfolglosen Anwalt Kevin Avery (Will Forte) gegen den übermächtigen ACME-Konzern vor Gericht, vertreten durch John Cena. Die Grundidee geht auf Ian Fraziers satirischen "New Yorker"-Text von 1990 zurück. Das Bemerkenswerte ist, wie gut der Film seine beiden Welten zusammenführt. Wile E., Road Runner, Bugs Bunny, Daffy Duck und zahlreiche weitere Looney-Tunes-Figuren bewegen sich selbstverständlich durch eine ansonsten reale Welt. Die Animation fügt sich erstaunlich sauber in die Live-Action-Bilder ein, während Green die klassische Cartoon-Physik respektiert: Körper dürfen explodieren, Raketen funktionieren grundsätzlich nie und ein Sturz aus großer Höhe ist eher ein vorübergehendes Ärgernis als eine tödliche Angelegenheit. Gerade die Rückkehr zu diesem anarchischen Regelwerk macht den Film sympathisch.

Will Forte bildet dazu einen angenehm bodenständigen Kontrapunkt. Sein Kevin Avery ist kein genialer Superanwalt, sondern ein sympathischer Loser, der plötzlich eine Sache bekommt, für die es sich zu kämpfen lohnt. John Cena hat sichtlich Spaß an seiner Rolle als aalglatter Vertreter von ACME und versteht es, die Figur zwischen überzogenem Comic-Bösewicht und klassischem Konzernanwalt anzusiedeln. Die menschlichen Figuren funktionieren gerade deshalb, weil sie den Cartoon-Wahnsinn nicht permanent kommentieren. Lana Condor ergänzt das Ensemble als Averys Nichte und bringt zusätzlich eine familiäre Ebene in die Geschichte. Die eigentliche Überraschung ist jedoch das Drehbuch von Samy Burch. Hinter dem Slapstick steckt eine erstaunlich deutliche Konzernkritik. ACME ist längst nicht mehr nur der Hersteller von Raketen, Sprungfedern und Dynamit, sondern ein gigantisches Unternehmen, das nahezu jeden Lebensbereich kontrolliert. Aus dem Kampf eines einzelnen Kojoten gegen einen Hersteller wird damit eine David-gegen-Goliath-Geschichte über Monopole, Machtkonzentration und die Frage, was passiert, wenn ein Konzern praktisch über dem Gesetz steht. 

Dabei vergisst "Coyote vs. Acme" nie, dass es in erster Linie Spaß machen möchte. Die zahlreichen Cameos und Easter Eggs sind nicht bloß Pflichtprogramm für Fans, sondern werden häufig tatsächlich in die Handlung integriert. Besonders die absurden Zeugenaussagen und die Verwendung weniger offensichtlicher Looney-Tunes-Figuren sorgen für einige der besten Gags. Auch die wiederkehrenden ACME-Pannen funktionieren erstaunlich gut, weil der Film Wile E.s jahrzehntelanges Scheitern nicht einfach wiederholt, sondern daraus eine Art Lebensphilosophie macht: Entscheidend ist nicht, wie oft man fällt, sondern dass man wieder aufsteht. Ganz auf dem Niveau der klassischen Kurzfilme ist das allerdings nicht. Die alten Road-Runner-Cartoons waren in ihrer Kürze gnadenlos präzise und entwickelten aus wenigen Sekunden Vorbereitung eine geradezu explosive Pointe. "Coyote vs. Acme" muss dagegen eine komplette Spielfilmhandlung tragen. Dadurch entstehen zwangsläufig Längen, und nicht jeder Gag besitzt die anarchische Energie seiner Vorbilder. Auch die Gerichts- und Konzernhandlung ist nicht durchgehend so bissig, wie sie sein könnte. Manchmal wird die Satire zugunsten einer sehr konventionellen Underdog-Dramaturgie zurückgenommen. Emotional funktioniert das zwar, nimmt dem Film aber etwas von seiner anarchischen Schärfe. Dafür gelingt ihm etwas, woran viele moderne Franchise-Filme scheitern: Er behandelt seine Figuren nicht bloß als nostalgische Markenmaskottchen, sondern versucht tatsächlich zu verstehen, warum Wile E. Coyote als Figur seit Jahrzehnten funktioniert.

Und natürlich ist die Geschichte hinter dem Film selbst beinahe schon Teil seiner Handlung. Das bereits fertiggestellte Projekt wurde von Warner Bros. 2023 zunächst eingestampft und sollte als Steuerabschreibung verschwinden. Erst der spätere Verkauf an Ketchup Entertainment ermöglichte die Veröffentlichung. Dass ausgerechnet ein Film über einen hoffnungslos unterlegenen Außenseiter, der sich gegen einen mächtigen Konzern stellt, diesen Weg genommen hat, verleiht dem Ganzen eine fast schon absurde Metaebene. "Coyote vs. Acme" ist beileibe keine perfekte Rückkehr der Looney Tunes, aber eine ausgesprochen charmante. Die Mischung aus Cartoon-Chaos, Buddy-Komödie, Gerichtsfilm und Konzernsatire funktioniert erstaunlich gut, Will Forte und John Cena sind bestens aufgelegt und die Animation respektiert den Geist der klassischen Figuren. Zwar fehlt über die gesamte Laufzeit die irrwitzige Präzision der alten Kurzfilme und die Geschichte wird gelegentlich etwas zu sentimental und konventionell. Trotzdem ist das Ergebnis deutlich besser, als ein Film über einen von ACME verfolgten Kojoten eigentlich sein dürfte. Ein überraschend intelligenter, sehr unterhaltsamer und vor allem liebevoller Looney-Tunes-Film - und vielleicht der seltene Fall, in dem ein Film über das Scheitern selbst zum kleinen Triumph wird. 

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkTroll Court Entertainment/Keylight Pictures/Warner Animation Group/Warner Bros. Pictures