Samstag, 18. Juli 2026

Planet 51 (2009)

https://www.imdb.com/de/title/tt0762125/
https://letterboxd.com/film/planet-51/

Die Verschwörungstheorie über Area 51 ist bekannt: Die Wüste von Nevada dient der amerikanischen Regierung als Lager für Raumschiffteile und deren tote Besatzungsmitglieder. Aber was muss dann erst auf Planet 51 los sein? Dort soll Astronaut Chuck Baker (Stimme: Dwayne „The Rock“ Johnson) nämlich eine Fahne hissen – und platzt völlig verschreckt in eine außerirdische Grillparty. Die in einem lattenzaunweißen Städtchen lebenden Aliens sind mindestens ebenso verängstigt wie Chuck und glauben, eine Invasion stehe bevor. Als die Armee der grünen Männchen schließlich schwere Geschütze auffährt, ist einzig der jugendliche Lem (Justin Long) mutig genug, dem menschlichen Besucher zu helfen…

Was wäre, wenn nicht die Aliens auf der Erde landen, sondern ein Mensch auf einem fremden Planeten als der Außerirdische gilt? Diese clevere Prämisse bildet das Herzstück von "Planet 51". Der spanische Animationsfilm drehte die klassische Invasionsgeschichte einfach um und besaß damit eigentlich alle Zutaten für ein originelles Science-Fiction-Abenteuer. Doch obwohl der Film einige sympathische Momente und eine hübsche Optik bietet, bleibt am Ende das Gefühl, dass deutlich mehr möglich gewesen wäre. Dabei ist die Umkehrung der klassischen Alien-Filme charmant und eröffnet viele Möglichkeiten für satirische Anspielungen auf die damalige Paranoia vor Invasionen und dem Kalten Krieg. Einige dieser Ideen funktionieren wirklich gut und sorgen für den einen oder anderen gelungenen Lacher. Optisch macht "Planet 51" ebenfalls eine gute Figur. Die Animationen sind sauber umgesetzt, die Gestaltung der kleinen grünen Bewohner ist liebevoll und die Welt des Films besitzt einen angenehmen Retro-Charme. Besonders die vielen Anspielungen auf klassische Science-Fiction-Filme und die nostalgische Atmosphäre verleihen dem Werk eine gewisse Eigenständigkeit. 

Leider schöpft der Film sein Potenzial nur selten vollständig aus. Das Drehbuch verfällt recht schnell in bekannte Muster und erzählt letztlich eine sehr konventionelle Freundschaftsgeschichte. Viele Figuren bleiben eindimensional und entwickeln kaum Persönlichkeit über ihre jeweiligen Rollen hinaus. Auch der Humor schwankt stark: Einige Gags sitzen, andere wirken erstaunlich vorhersehbar oder sprechen eher ein jüngeres Publikum an. Hinzu kommt, dass "Planet 51" nur selten echte emotionale Höhepunkte erreicht. Die Geschichte plätschert angenehm vor sich hin, entwickelt aber kaum die erzählerische Tiefe oder den Witz, die man von den großen Animationsfilmen dieser Ära gewohnt war. In einem Jahr, in dem Filme wie "Oben" oder "Coraline" das Genre auf ein neues Niveau hoben, wirkte "Planet 51" fast ein wenig altmodisch. 

Sympathisch, optisch ansprechend mit einer wirklich cleveren Ausgangsidee, die jedoch nie ihr volles Potenzial entfaltet. Zwischen charmanten Momenten, netten Retro-Anspielungen und einer sehr vorhersehbaren Geschichte bleibt ein solides, aber letztlich eher durchschnittliches Familienabenteuer zurück - unterhaltsam genug für einen entspannten Filmabend, aber weit entfernt von den ganz großen Animationsklassikern.

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkIlion Animation Studios/Handmade Films/Atresmedia

Walking Tall - Walking Tall: Auf eigene Faust (2004)

https://www.imdb.com/de/title/tt0351977/
https://letterboxd.com/film/walking-tall-2004/

Nach acht Jahren bei den Special Forces der US-Army kehrt Sergeant Chris Vaughn (Dwayne Johnson) in seine Heimatstadt zurück. Doch ausruhen kann er sich auch in der scheinbar verschlafenen Kleinstadt nicht. Ein altes Sägewerk, das Vaughns Vater gehörte und das er eigentlich übernehmen sollte, wurde vor kurzem geschlossen. Vaughns alter Rivale Hamilton (Neal McDonough) hat die Sägemühle übernommen und daraus ein Casino mit zweifelhafter Kundschaft gemacht. Überhaupt scheint in der Stadt fest in die Hand des Verbrechens geraten zu sein. Drogen, Korruption und Spielmanipulationen sind an der Tagesordnung und alle Fäden laufen in Hamiltons Händen zusammen. Aber mit dieser Situation findet sich Vaughn nicht so einfach ab. Der ehemalige Elitesoldat zieht allein gegen die Gangster ins Felde…

Remakes klassischer Stoffe haben es selten leicht - erst recht, wenn das Original auf wahren Begebenheiten beruht und bereits Kultstatus genießt. "Walking Tall: Auf eigene Faust" aus dem Jahr 2004 nimmt sich den gleichnamigen Film von 1973 vor und verpasst der Geschichte um einen Mann, der seine von Kriminalität verseuchte Heimatstadt aufräumt, ein modernes Action-Gewand. Das Ergebnis ist kurzweilige Unterhaltung, die vor allem von ihrem Hauptdarsteller lebt, inhaltlich aber kaum über Genrestandards hinauskommt. Schon 2004 war klar, dass der Film vor allem als Starvehikel für Dwayne Johnson gedacht war. Und tatsächlich ist es seine Präsenz, die "Walking Tall" über weite Strecken trägt. Noch nicht der routinierte Schauspieler späterer Jahre, besitzt Johnson hier bereits das Charisma und die körperliche Präsenz, die ihn zu einem der größten Actionstars Hollywoods machen sollten. Er verkörpert Chris Vaughn als ehrlichen, bodenständigen Helden alter Schule - einen Mann, der lieber handelt als lange diskutiert.

Auch die Chemie zwischen Johnson und Johnny Knoxville, der den schrägen Ray Templeton spielt, sorgt immer wieder für sympathische Momente. Knoxville bringt etwas Lockerheit in die ansonsten sehr geradlinige Geschichte und liefert einige der humorvolleren Szenen des Films. Der Film verschwendet dann auch keine Zeit mit unnötigen Nebenhandlungen oder komplizierten Verschwörungen. Stattdessen setzt Regisseur Kevin Bray auf ein hohes Erzähltempo und eine klare Gut-gegen-Böse-Struktur. Die Laufzeit von gerade einmal etwas mehr als 80 Minuten sorgt dafür, dass kaum Langeweile aufkommt. Allerdings wird genau diese Einfachheit auch zum größten Problem des Films. Die Figuren bleiben überwiegend eindimensional, die Konflikte sind vorhersehbar und die Handlung entwickelt sich nach bekannten Genre-Mustern. Die Geschichte wirft zwar interessante Fragen über Selbstjustiz, Korruption und das Versagen staatlicher Institutionen auf, geht diesen Themen aber nie wirklich auf den Grund.

Auch die Antagonisten bleiben erstaunlich blass. Neal McDonough macht zwar das Beste aus seiner Rolle als zwielichtiger Casino-Besitzer Jay Hamilton, erhält aber kaum Gelegenheit, seiner Figur mehr Profil zu verleihen. Dadurch fehlt dem Film ein wirklich erinnerungswürdiger Gegenspieler. Die Action selbst ist solide, aber wenig spektakulär. Die Prügeleien sind ordentlich inszeniert und besitzen einen angenehm handgemachten Charakter, erreichen jedoch nie die Intensität oder Kreativität anderer Actionfilme der frühen 2000er-Jahre. Dass der berühmte Holzknüppel als Waffe zum Markenzeichen des Films wird, sorgt immerhin für einen gewissen Wiedererkennungswert. Es ist damit ein unterhaltsamer, aber letztlich sehr konventioneller Actionfilm. Dwayne Johnson überzeugt bereits früh als charismatischer Hauptdarsteller und die kurze Laufzeit sorgt für ordentliches Tempo. Doch das vorhersehbare Drehbuch, die blassen Gegenspieler und die fehlende inhaltliche Tiefe verhindern, dass der Film mehr als solide Genrekost wird. "Walking Tall" ist ein Film, der genau das liefert, was sein Titel verspricht: einen geradlinigen Rache- und Selbstjustizthriller ohne große Überraschungen.

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkMandeville Films/Burke/Samples/Foster Productions/WWE Studios/Cub Eight Productions/Metro-Goldwyn-Mayer/Hyde Park Entertainment

Freitag, 17. Juli 2026

How To Make A Killing - How To Make A Killing: Todsicheres Erbe (2026)

https://www.imdb.com/title/tt4357198/
https://letterboxd.com/film/how-to-make-a-killing-2026/

Becket Redfellow (Glen Powell) verfügt über gutes Aussehen, Charme, Witz und Bildung. Doch eins hat er nicht: das Geld seiner Familie, von dem er überzeugt ist, dass es ihm zusteht. In diesem Glauben hat ihn seine Mutter erzogen, die einst als Erbin des gigantischen Redfellow-Vermögens vorgesehen war, dann aber von der Familie verstoßen und enterbt wurde. Nach ihrem Tod ist Becket fest entschlossen, sich zurückzuholen, um was er uns seine Mutter in seinen Augen gebracht wurden – nur gibt es da ein kleines Problem: Sieben Verwandte stehen zwischen ihm und der Erbschaft, die ihm eben nur zufallen wurde, wenn sonst gar kein anderer Redfellow mehr lebt. Also muss der vom Drang nach Höherem getriebene Becket sich einiges einfallen lassen, um die Verwandtschaft mittels kreativer „Unfälle“ um die Ecke zu bringen, die nicht auf ihn zurückfallen können – denn im Gefängnis hätte er von einer etwaigen Erbschaft nicht mehr viel. Während er seine Pläne schmiedet, muss er aber gleichzeitig auch das Gesicht vor seiner neuen Freundin Ruth wahren. Und dann wäre da noch seine Jugendliebe Julia (Margaret Qualley), die plötzlich wieder auf der Bildfläche erscheint...

Schwarze Komödien sind ein schwieriges Genre. Sie müssen gleichzeitig bissig, witzig und ein wenig unangenehm sein, ohne ihre Figuren komplett der Lächerlichkeit preiszugeben. "How To Make A Killing: Todsicheres Erbe" gelingt dieser Spagat überraschend gut. Regisseur und Drehbuchautor John Patton Ford nimmt sich unverkennbar das klassische Vorbild "Adel verpflichtet" zum Vorbild und serviert eine makabre Erbschaftsgeschichte, die zwar nicht jede ihrer Ideen perfekt ausreizt, aber über weite Strecken ausgesprochen unterhaltsam ist. Im Mittelpunkt steht Becket Redfellow (Glen Powell), der sein ganzes Leben unter der Tatsache gelitten hat, von seiner wohlhabenden Familie verstoßen worden zu sein. Als er erkennt, dass zwischen ihm und einem gigantischen Vermögen nur noch einige äußerst unsympathische Verwandte stehen, kommt ihm eine radikale Idee: Warum nicht die Erbfolge ein wenig... verkürzen? Was folgt, ist ein zunehmend chaotischer und schwarzhumoriger Feldzug gegen die eigene Familie.

Glen Powell passt dabei hervorragend in die Rolle. Der Schauspieler beweist einmal mehr, warum er inzwischen zu den interessantesten Leading Men Hollywoods gehört. Sein Becket ist charmant, intelligent und moralisch fragwürdig - und trotzdem fiebert man erstaunlich oft mit ihm mit. Powell besitzt die seltene Fähigkeit, selbst fragwürdige Entscheidungen mit einem sympathischen Lächeln zu verkaufen. Seine Performance wertet den Film deutlich auf und verleiht ihm die nötige Leichtigkeit. Auch die Nebenbesetzung macht ihre Sache hervorragend. Margaret Qualley und Jessica Henwick sorgen für zusätzliche Dynamik, während Veteranen wie Ed Harris und Bill Camp den exzentrischen Familienclan mit sichtbarer Spielfreude verkörpern. Gerade die Begegnungen zwischen den verschiedenen Familienmitgliedern gehören zu den unterhaltsamsten Szenen des Films. Ton und Inszenierung erinnern dabei immer wieder an klassische britische schwarze Komödien. Die Morde sind teilweise makaber, aber nie übermäßig brutal, und der Film hat großen Spaß daran, seine reichen und privilegierten Figuren als karikaturhafte Unsympathen zu präsentieren. Die satirischen Spitzen gegen Klassengesellschaft und Reichtum funktionieren dabei häufig sehr gut. 

Allerdings erreicht der Film nicht ganz die Schärfe, die seine Prämisse verspricht. "How To Make A Killing: Todsicheres Erbe" ist für eine schwarze Komödie manchmal erstaunlich zahm und trau sich scheinbar nicht, noch schwärzer, noch böser zu werden. Einige Morde werden beinahe beiläufig abgehandelt, und die Gesellschaftssatire hätte durchaus noch etwas bissiger ausfallen dürfen. Zudem wirkt die Erzählung im Mittelteil gelegentlich etwas unentschlossen, weil sie zwischen Thriller, Komödie und Familiendrama schwankt. 

Dennoch verliert der Film nie seinen Unterhaltungswert. Die Geschichte entwickelt ein angenehmes Tempo, die Dialoge sind pointiert, und immer wieder überrascht die Handlung mit kleinen Wendungen und cleveren Einfällen. Gerade weil der Film seine makabre Ausgangsidee nicht allzu ernst nimmt, entsteht eine charmante Leichtigkeit, die ihn von vielen anderen schwarzen Komödien abhebt. Auch das Finale hinterlässt trotz kleiner Logiklücken ein zufriedenes Lächeln. Damit ist "How To Make A Killing: Todsicheres Erbe" vielleicht kein neuer Genreklassiker und reicht nicht ganz an seine berühmten Vorbilder heran. Aber er ist ein ausgesprochen vergnüglicher Mordreigen, der von einem bestens aufgelegten Glen Powell getragen wird und seine Zuschauer mit einer guten Mischung aus schwarzem Humor und krimineller Energie bei Laune hält.

"How To Make A Killing: Todsicheres Erbe" ist am Ende eine charmante, makabre und überraschend unterhaltsame schwarze Komödie, die zwar etwas mehr Biss und Konsequenz hätte vertragen können, dank ihres großartigen Hauptdarstellers und zahlreicher cleverer Einfälle aber dennoch bestens funktioniert. Ein Film für diejenigen, die ihre Komödien gerne mit einer ordentlichen Portion Mord und einem diabolischen Grinsen serviert bekommen wollen.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkStudioCanal/StudioCanal/Blue Ice Africa/Blueprint Pictures

Donnerstag, 16. Juli 2026

Influencers - Influencer 2 (2025)

https://www.imdb.com/title/tt36833584/
https://letterboxd.com/film/influencers-2025/

Die clevere CW (Cassandra Naud) macht mit ihrer Freundin Diane (Lisa Delamar) in deren Heimat Südfrankreich Ferien. Dort will das junge Paar den ersten Jahrestag seiner Beziehung feiern. Leider werden sie aber ausgerechnet bei dieser Gelegenheit von der Hotelführung aus ihrer Suite hinauskomplimentiert und in ein deutlich kleineres Gästezimmer umquartiert – was CW vor Wut schäumen lässt. Noch angeschlagener ist ihr Ego, als sie den Grund für den Verlust ihres glamourösen Liebesnestes erfährt: Die Direktion wollte sie nämlich aus der Luxusbleibe heraushaben, um dort eine populärere britische Influencerin unterbringen zu können, von der sie sich positive Publicity verspricht. Doch damit nicht genug. Diese Charlotte (Georgina Campbell) scheint sich obendrein auch noch recht schamlos an Diane heranmachen zu wollen. CW findet das natürlich überhaupt nicht witzig und beschließt, dem dreisten Treiben ein Ende zu setzen…

Mit "Influencer: Trau niemandem, dem Du folgst" brachte Regisseur Kurtis David Harder 2023 einen der überraschendsten Genre-Mix der Streaming-Ära. Der Film kombinierte Psychothriller, Identitätsdiebstahl und bissige Kritik an der Welt der Social-Media-Stars zu einem ungewöhnlich cleveren, aber dennoch unterm Strich mittelmäßigen Horrorfilm. Entsprechend ungewöhnlich war dann, dass eine Fortsetzung kam, und man muss sagen, dass der Nachfolger viele der Stärken des Originals bewahrt, allerdings dessen Frische und Konsequenz nicht ganz erreicht. Die Geschichte setzt die Ereignisse des ersten Films fort und rückt erneut die rätselhafte und manipulative CW (Cassandra Naud) in den Mittelpunkt. Wie schon im Vorgänger nutzt der Film die Welt der Influencer als Spielplatz für Täuschungen, Manipulation und gesellschaftliche Satire.

Inszenatorisch macht "Influencer 2" vieles richtig. Die exotischen Schauplätze, die elegante Kameraarbeit und die dynamische Montage verleihen dem Film einen deutlich größeren und hochwertigeren Look, als es das Budget vermutlich vermuten lässt. Kurtis David Harder beweist erneut ein gutes Gespür für Spannung und visuelle Stilmittel. Vor allem in den ruhigeren Momenten erzeugt der Film eine angenehme Unberechenbarkeit, bei der man nie ganz sicher ist, wer gerade die Kontrolle besitzt. Hinzu kommt, dass die Fortsetzung ihre Kritik an der Welt der sozialen Medien weiterführt. Die Jagd nach Aufmerksamkeit, künstlich inszenierte Online-Identitäten und die Oberflächlichkeit der Influencer-Kultur werden erneut mit einer gehörigen Portion Zynismus betrachtet. Zwar ist diese Gesellschaftskritik nicht sonderlich subtil, doch sie verleiht dem Film eine zusätzliche Ebene, die ihn von vielen anderen Genreproduktionen abhebt.

Allerdings zeigt sich auch, warum der Film nicht ganz an seinen Vorgänger heranreicht. Das Drehbuch wirkt stellenweise überladen und versucht, immer neue Wendungen und Überraschungen einzubauen. Nicht jede davon geht auf, und einige Entwicklungen erscheinen eher konstruiert als organisch. Gerade im letzten Drittel schlägt der Film einen deutlich verspielteren und teilweise fast schwarzen-komödiantischen Ton an, der nicht immer perfekt mit der zuvor aufgebauten Spannung harmoniert. Er ist zweifellos unterhaltsam, aber tonal etwas uneinheitlich. Letztlich besitzt der Film aber genug Tempo, Stil und ausreichend eigene Ideen, um nicht wie eine bloße Wiederholung des ersten Teils zu wirken. Vor allem Horror- und Thrillerfans, die Freude an cleveren Identitätsspielen und modernen Social-Media-Albträumen haben, kommen hier durchaus auf ihre Kosten.

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Jackrabbit Media

Shallow Hal - Schwer verliebt (2001)

https://www.imdb.com/de/title/tt0256380/
https://letterboxd.com/film/shallow-hal/

Für den Durchschnittstypen Hal (Jack Black) zählen bei Frauen nur Äußerlichkeiten, und somit muss seine Traumfrau auch Traummaße haben. Als er mit dem Persönlichkeitstrainer Tony Robbins (spielt sich selbst) im Aufzug steckenbleibt, erzählt er ihm von seinen Problemen, eine Frau zu finden. Robbins verspricht ihm zu helfen: durch Hypnose. Nach der Sitzung ist nichts mehr, wie es vorher war. Hal verliebt sich unsterblich in die 300 Pfund schwere Rosemary (Gwyneth Paltrow), die er als gertenschlanke Schönheit wahrnimmt. Als sein Kumpel Mauricio (Jason Alexander) die Gehirnwäsche rückgängig macht, steht Hal vor einer schweren Prüfung...

Die Farrelly-Brüder waren Anfang der 2000er-Jahre vor allem für derbe Komödien wie "Dumm und Dümmer" oder "Verrückt nach Mary" bekannt. Umso überraschender war "Schwer verliebt", eine romantische Komödie, die zwar den typischen Humor der Regisseure beibehält, gleichzeitig aber eine Geschichte über Oberflächlichkeit, Selbstbild und innere Schönheit erzählen möchte. Das Ergebnis ist ein sympathischer und durchaus mutiger Film, der seine Botschaft nicht immer perfekt vermittelt, aber dennoch viel Charme und Herz besitzt. Dabei sind die beiden Hauptdarsteller das A und O des Films. Jack Black beweist hier sein Talent für liebenswerte, etwas chaotische Figuren. Hal ist zwar anfangs oberflächlich und selbstbezogen, bleibt aber sympathisch genug, damit man ihm seine spätere Entwicklung abnimmt. Black verleiht der Figur eine ehrliche Wärme und sorgt dafür, dass die romantischen Momente ebenso gut funktionieren wie die komödiantischen. Gwyneth Paltrow überzeugt in einer der ungewöhnlicheren Rollen ihrer Karriere. Sie spielt Rosemary mit großer Herzlichkeit und verleiht der Figur eine natürliche Ausstrahlung, die deutlich macht, warum Hal sich in sie verliebt. Dabei gelingt es dem Film immer wieder, die Zuschauer daran zu erinnern, dass Attraktivität weit mehr ist als ein äußeres Erscheinungsbild.

Besonders gelungen ist die grundlegende Idee der Geschichte. Die Vorstellung, dass jemand ausschließlich die innere Schönheit eines Menschen wahrnimmt, eröffnet interessante Möglichkeiten für Humor und gesellschaftliche Beobachtungen. Viele Szenen funktionieren gerade deshalb so gut, weil sie den Zuschauer dazu bringen, die eigenen Vorurteile und Schönheitsideale zu hinterfragen. Allerdings liegt hier auch die größte Schwäche des Films. Während "Schwer verliebt" eine positive Botschaft vermitteln möchte, arbeitet er gleichzeitig immer wieder mit Witzen, die sich gerade aus dem Äußeren der Figuren ergeben. Dieser Spagat gelingt nicht immer. Einige Gags wirken aus heutiger Sicht problematisch oder stehen im Widerspruch zu der eigentlich sehr warmherzigen Aussage des Films. Die guten Absichten der Farrelly-Brüder, sind erkennbar, die Umsetzung besitzt aber nicht immer die notwendige Sensibilität. Auch die Handlung verläuft insgesamt recht vorhersehbar. Die romantischen und dramatischen Wendungen folgen weitgehend den bekannten Regeln des Genres, und manche Konflikte werden etwas zu einfach aufgelöst. Zudem verliert der Film im letzten Drittel etwas von seiner Leichtigkeit und bemüht sich stellenweise zu sehr, seine Botschaft zu vermitteln. Dennoch besitzt "Schwer verliebt" eine Aufrichtigkeit, die viele romantische Komödien vermissen lassen. Hinter den Witzen steckt ein ehrliches Interesse an seinen Figuren und die klare Botschaft, Menschen nicht ausschließlich nach ihrem Äußeren zu beurteilen. Gerade dadurch gewinnt der Film eine emotionale Ebene, die ihn über eine gewöhnliche RomCom hinaushebt.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork20th Century Fox/Conundrum Entertainment

There’s Something About Mary - Verrückt nach Mary (1998)

https://www.imdb.com/de/title/tt0129387/
https://letterboxd.com/film/theres-something-about-mary/

13 Jahre nachdem Teds (Ben Stiller) Highschool-Rendezvous mit der schönen und intelligenten Mary (Cameron Diaz) ein jähes und vor allem schmerzhaftes Ende nahm, hat er das Zusammentreffen mit ihr immer noch nicht überwunden und trauert ihr nach. Um endlich zu erfahren, wie es Mary seitdem ergangen ist, engagiert Ted den windigen Privatdetektiv Healy (Matt Dillon), um sie aufzuspüren. Nach kurzer Zeit findet dieser Mary in Florida und verliebt sich im Laufe seiner Spionagearbeiten seinerseits in die Frau, die ein perfektes Leben zu führen scheint. Daraufhin ändert Healy seine Pläne und erzählt Ted Lügen über Mary, damit er ihn als Nebenbuhler loswird. Doch Ted erfährt von den Unwahrheiten und setzt alles daran, ebenfalls Mary für sich zu gewinnen. Dabei ist er jedoch nicht darauf vorbereitet, wie viele Kontrahenten er wirklich hat. Denn eines wird schnell klar: Hier sind eine ganze Menge schräger Vögel sprichwörtlich verrückt nach Mary.

Komödien altern oft schlecht. Witze verlieren ihre Wirkung, gesellschaftliche Konventionen ändern sich und manche einst gefeierten Gags wirken Jahre später nur noch bemüht. "Verrückt nach Mary" gehört jedoch zu jener seltenen Sorte von Filmen, die auch Jahrzehnte nach ihrer Veröffentlichung noch erstaunlich gut funktionieren. Die Farrelly-Brüder schufen 1998 nicht nur einen der größten Komödienhits des Jahrzehnts, sondern auch einen Film, der die sogenannte Gross-Out-Komödie maßgeblich prägte und unzählige Nachahmer inspirierte. Was den Film von vielen ähnlichen Komödien unterscheidet, ist die perfekte Balance zwischen schamlosem Klamauk und echter Herzlichkeit. Natürlich ist der Film berüchtigt für seine legendären Szenen - vom berüchtigten Reißverschluss-Unfall bis zur inzwischen ikonischen "Haargel"-Sequenz. Diese Momente sind auch heute noch ebenso schockierend wie komisch und gehören längst zur Popkultur. Doch der Film lebt nicht allein von seinen derben Gags. Unter der zotigen Oberfläche verbirgt sich eine überraschend sympathische und sogar romantische Geschichte. 

Ben Stiller befindet sich hier in absoluter Hochform. Kaum ein Schauspieler kann den liebenswerten Pechvogel so überzeugend verkörpern wie er. Ted stolpert von einer Katastrophe in die nächste, macht sich regelmäßig zum Gespött aller Beteiligten und bleibt dennoch durchweg sympathisch. Man fiebert mit ihm mit, selbst wenn man gleichzeitig über sein Unglück lachen muss. Auch Cameron Diaz liefert eine ihrer besten und wichtigsten Rollen ab. Mary ist weit mehr als nur das klassische Objekt der Begierde. Sie ist charmant, selbstbewusst und besitzt eine natürliche Ausstrahlung, die nachvollziehbar macht, warum sämtliche Männer in ihrer Umgebung augenblicklich die Fassung verlieren. Nicht vergessen werden darf Matt Dillon, der als schmieriger Privatdetektiv Healy eine herrlich überzogene Performance abliefert. Seine Lügen, Intrigen und seine unerschütterliche Selbstüberschätzung gehören zu den großen komödiantischen Highlights des Films. Überhaupt ist die gesamte Nebenbesetzung hervorragend aufgelegt und trägt entscheidend dazu bei, dass der Film selbst in ruhigeren Momenten nie an Tempo verliert.

Natürlich ist "Verrückt nach Mary" kein makelloser Film. Einige Witze über Behinderungen oder sexuelle Orientierung wirken aus heutiger Sicht nicht mehr ganz zeitgemäß und würden in einer modernen Produktion vermutlich anders umgesetzt werden. Auch die Farrelly-Brüder überschreiten gelegentlich bewusst die Grenzen des guten Geschmacks - ein Umstand, der schon damals für Diskussionen sorgte. Dennoch gelingt dem Film das Kunststück, trotz seiner Provokationen nie wirklich bösartig oder zynisch zu wirken. Vielmehr steckt hinter dem Humor oft eine überraschende Wärme und Menschlichkeit. Besonders bemerkenswert ist, wie viele Nachahmer der Film hervorgebracht hat, ohne dass viele von ihnen dessen Qualität erreichten. Zahlreiche derben Komödien der frühen 2000er-Jahre übernahmen die Schockgags und den Humor unterhalb der Gürtellinie, vergaßen dabei aber, ihren Figuren Herz und Charme zu verleihen. "Verrückt nach Mary" funktioniert gerade deshalb so gut, weil die romantische Geschichte und die liebenswerten Figuren genauso wichtig sind wie die großen Lacher. Dank eines großartig aufgelegten Ensembles, zahlreicher inzwischen legendärer Szenen und einer unerwartet warmherzigen Liebesgeschichte bleibt der Film auch heute noch ein äußerst unterhaltsamer Genreklassiker. Nicht jeder Gag ist gut gealtert, doch sein Charme und seine Spielfreude sind bis heute ungebrochen.

7,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: 20th Century Fox

Mittwoch, 15. Juli 2026

Abducted By My Teacher: The Elizabeth Thomas Story - Entführt von meinem Lehrer (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt28226615/
https://letterboxd.com/film/abducted-by-my-teacher-the-elizabeth-thomas-story/

Basierend auf einer wahren Geschichte: Die 15-jährige Schülerin Elizabeth Thomas (Summer H. Howell) weiß nicht so recht, wie ihr geschieht, als sie von ihrem Lehrer Tad Cummins (Michael Fishman) umworben wird. Schließlich kommt sie den manipulativen Avancen des verheirateten, 35 Jahre älteren Mannes nach und hat auch Sex mit ihm. Als eine Mitschülerin eines Tages einen Kuss zwischen den beiden beobachtet und dies meldet, wird Cummins zur Rede gestellt und suspendiert. Den Kontakt zu Elizabeth hält er danach aber aufrecht. Zwei Monate später trifft er sich mit ihr in seinem Wagen und zwingt sie durch Drohungen, sich selbst oder ihrer Familie etwas anzutun, mit ihm quer durch die USA zu reisen – fast vierzig Tage werden vergehen, bis Elizabeth wieder frei ist.

Wahre Verbrechen und Entführungsfälle haben im Fernsehen seit Jahren ihren festen Platz. Umso schwieriger ist es, eine reale Tragödie sensibel und gleichzeitig filmisch packend umzusetzen. "Entführt von meinem Lehrer" widmet sich einem erschütternden Fall, der 2017 weltweit Schlagzeilen machte: der Entführung der damals 15-jährigen Elizabeth Thomas durch ihren Lehrer Tad Cummins. Die Geschichte selbst ist erschreckend genug - der Film schafft es jedoch nur teilweise, ihr die emotionale und erzählerische Tiefe zu verleihen, die sie verdient hätte. Der größte Pluspunkt des Films ist dabei noch, dass er die Geschichte nicht als sensationsheischenden Thriller inszeniert. Stattdessen bemüht sich die Produktion, den Fokus auf die Perspektive des Opfers zu legen und die Mechanismen von Grooming und psychischer Manipulation zu verdeutlichen. Gerade in einer Zeit, in der solche Themen stärker öffentlich diskutiert werden, besitzt der Film zweifellos eine wichtige Botschaft. 

Doch der Film kratzt nur an der Oberfläche dessen, wie gezielt und perfide Täter wie Cummins ihre Opfer emotional abhängig machen. Dadurch verliert die Geschichte an psychologischer Tiefe. Überhaupt leidet der Film immer wieder unter seinem typischen Lifetime-Format. Die Inszenierung bleibt funktional, aber wenig inspirierend. Viele Dialoge wirken hölzern, Nebenfiguren erhalten kaum Profil und manche Entwicklungen werden erstaunlich schnell abgehandelt, bestimmte familiäre Hintergründe und Details des realen Falls werden nur unzureichend erklärt. Besonders im letzten Drittel macht sich bemerkbar, dass die Produktion ihre begrenzte Laufzeit kaum nutzen kann, um die emotionalen Folgen der Entführung wirklich zu vertiefen. Die Geschichte endet beinahe abrupt, obwohl gerade die Zeit nach der Rettung von Elizabeth und die langfristigen Auswirkungen des Traumas noch deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient hätten.

Letztlich erzählt "Entführt von meinem Lehrer" eine wichtige und erschütternde wahre Geschichte, bleibt als Film jedoch meilenweit hinter seinem Potenzial zurück. Solide Darstellerleistungen und der sensible Umgang mit dem Thema können nicht vollständig darüber hinwegtäuschen, dass die Inszenierung zu konventionell und die Figurenzeichnung zu oberflächlich ausfällt. Das Ergebnis ist ein respektvoll gemeintes, aber nur unterdurchschnittlich gelungenes Drama, dessen reale Vorlage deutlich bewegender  und vielschichtiger ist als ihre filmische Umsetzung.

4/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkMarwar Junction Productions/Lifetime