Wir schreiben das Jahr 2000: Nach einem Militärputsch werden die USA von einem autokratischen Präsidenten beherrscht, der das proletarische Volk mit gewaltverherrlichenden TV-Sendungen bei Laune hält. Höhepunkt ist ein Todesrennen von New York nach Los Angeles, das einmal im Jahr veranstaltet wird. Die Teams riskieren dabei nicht nur ihr eigenes Leben: Für das Überfahren von Passanten gibt es, abhängig von Geschlecht und Alter der Opfer, Bonuspunkte zu gewinnen. Der amtierende Champion Frankenstein (David Carradine) ist auch dieses Jahr wieder der unbestrittene Favorit des mörderischen Spektakels, auch wenn er mit dem brutalen Machine Gun Joe (Sylvester Stallone) einen ernst zu nehmenden Konkurrenten bekommt. Noch ahnt niemand, dass militante Rebellen das barbarische Rennen sabotieren wollen und einen Anschlag auf Frankenstein planen...
Paul Bartels Film, von Roger Corman produziert, spielt in einer dystopischen Zukunft des Jahres 2000, in der ein landesweiter Straßenrennen‑Zirkus zur nationalen Unterhaltung geworden ist und die Fahrer Punkte dafür bekommen, dass sie Fußgänger überfahren. Das ist eine Prämisse, die gleichzeitig albern, brutal und erschreckend präzise auf eine Gesellschaft zielt, die Gewalt in Spektakel verwandelt. Auf dem Papier ist das ganz klar Exploitation und das Publikum störte sich 1975 vor allem an der sadistischen Gewalt und an seiner offensichtlichen Anziehungskraft auf junge Zuschauer. Erst später wurde "Death Race 2000" oder "Frankensteins Todesrennen", wie er in Deutschland hieß, rehabilitiert und bekam eine gewisse Anerkennung. Und das macht die Dualität des Films aus: er ist zu roh, um harmlos zu sein, und zu bewusst grotesk, um bloß dumm zu wirken. Gerade das macht ihn bis heute interessant.
David Carradine spielt Frankenstein, den maskierten Star des Rennens, mit einer Mischung aus stoischer Selbstinszenierung und ironischer Unantastbarkeit. Er ist weniger Mensch als Marke, ein Massenidol, dessen Identität zugleich versteckt und überdeutlich ist. Sylvester Stallone, damals noch am Anfang seiner Karriere, gibt als Joe Viterbo den aufbrausenden Rivalen, der im Rennen nicht nur gegen Frankenstein, sondern gegen den Mechanismus des ganzen Spektakels antritt. Zusammen bilden sie das Zentrum eines Films, der seine Figuren wie Comic‑Bilder behandelt: überzeichnet, schnell lesbar, aber mit einem bitteren Unterton, der immer mitfährt. Der Reiz von "Death Race 2000" liegt nicht nur im Konzept, sondern in der Art, wie Paul Bartel es inszeniert. Der Film ist sichtlich schmal im Budget, aber erstaunlich energiegeladen; er bewegt sich mit einer Wildheit, die gerade aus seiner B‑Movie‑Gestalt Kraft bezieht. Die Autos sind absurd gestaltet, die Kostüme halb ironische Sci‑Fi‑Mode, halb Karneval der Gewalt, und das alles ist so offen künstlich, dass der Film nie vorgibt, realistisches Zukunftskino zu sein. Er ist ein Film über Übertreibung, und seine Übertreibung ist die Methode. Bartel versteht, dass Satire nur dann funktioniert, wenn sie nicht zu sauber wird. Hier ist alles ein bisschen zu grell, ein bisschen zu laut, ein bisschen zu schmutzig - und gerade deshalb sitzt der Hieb.
Besonders deutlich wird das im politischen Unterton. "Death Race 2000" macht sich über ein Amerika lustig, das Unterhaltung, Patriotismus und Gewalt nicht mehr trennt. Das Rennen ist staatlich eingebettet, die Zuschauer bejubeln Morde, und der öffentliche Appetit auf Spektakel hat längst jede moralische Hemmung aufgefressen. Der Film ist dabei nicht subtil, aber oft erstaunlich scharf. Er zeigt eine Welt, in der man nicht mehr zwischen Sport und Hinrichtung unterscheiden will, weil beides dieselbe Funktion erfüllt: Ablenkung. Das ist keine elegante Diagnose, aber eine sehr wirkungsvolle. Dass der Film über Jahrzehnte hinweg Kultstatus gewonnen hat, liegt auch an seiner komischen Härte. Er ist nicht nur brutal, sondern albern genug, um seine Brutalität als Form der Farce erscheinen zu lassen. Mary Woronow, Simone Griffeth, Gary Busey und die übrigen Darsteller spielen das Material mit einem trockenen, fast stolzen Ernst, der die Lächerlichkeit nur noch verstärkt. Diese Tonlage ist entscheidend: Würde der Film sich voll auf Realismus oder auf reine Parodie festlegen, verlöre er an Reiz. Gerade seine Unentschlossenheit zwischen Horror, Komödie und Satire macht ihn so langlebig.
Im Vergleich zu späteren Actionfilmen wirkt "Death Race 2000" fast altmodisch in seiner Direktheit. Er braucht keine komplexe Mythologie, keine serienfähige Welt und keine psychologische Ausarbeitung seiner Gewaltökonomie. Er zeigt einfach, was passiert, wenn eine Gesellschaft ihren moralischen Verfall in ein Spiel verwandelt. Das macht ihn nicht angenehm, aber eigenwillig konsequent. Man kann gut verstehen, warum das Publikum damals abgeschreckt war; man kann aber ebenso gut verstehen, warum spätere Generationen in dem Film mehr gesehen haben als bloßen Zynismus. Am Ende ist "Death Race 2000" ein Film, der sich mit einer unerbittlichen, grinsenden Haltung durch seine eigene Grobheit arbeitet. Er ist billig, geschmacklos und angriffslustig - aber auch präzise genug, um als Satire zu funktionieren. Wer nur die Gewalt sieht, verpasst den Witz; wer nur den Witz sieht, verpasst die Aggression. Sein bleibender Wert liegt genau in dieser Spannung. Er ist ein B‑Movie, das die hässliche Seele der Unterhaltung nicht nur ausstellt, sondern feiert, als wäre das der einzige ehrliche Weg, über Amerika zu sprechen.




































