Mittwoch, 21. Oktober 2026

Animals (2026)

https://www.imdb.com/title/tt31049299/
https://letterboxd.com/film/animals-2026/

Der Bürgermeisterkandidat von Los Angeles (Ben Affleck) und seine Ehefrau (Kerry Washington) werden aus ihrem scheinbar geordneten Leben gerissen, als ihr Sohn entführt wird. Um die geforderte Lösegeldsumme aufzubringen, geraten die beiden in ein undurchsichtiges Netz aus Lügen, Betrug und Abhängigkeiten. Unter dem wachsenden Druck müssen sie Entscheidungen treffen, die nicht nur ihre moralischen Grenzen infrage stellen, sondern auch ihre politische Karriere und ihre gemeinsame Zukunft gefährden. Mit jedem weiteren Schritt wird unklarer, wem sie noch vertrauen können und welchen Preis sie für die Rettung ihres Sohnes zu zahlen bereit sind.

Mit "Animals" kehrt Ben Affleck auf den Regiestuhl zurück und verbindet einen Entführungsthriller mit politischer Intrige und moralischen Abgründen. Im Mittelpunkt steht Mark Kimball (Affleck), ein Bürgermeisterkandidat in Los Angeles, dessen Leben aus den Fugen gerät, als sein Sohn entführt wird. Gemeinsam mit seiner Frau Abigail (Kerry Washington) versucht er, das geforderte Lösegeld aufzutreiben. Doch schon bald geht es nicht mehr nur um die Rettung eines Kindes, sondern auch um öffentliche Wahrnehmung, persönliche Schuld und den Preis politischer Ambitionen. Die Ausgangslage erinnert zwar an "Kopfgeld", ist aber vielversprechend und bietet reichlich Stoff für ein spannendes Drama über Macht, Geld und menschlichen Egoismus. Leider schöpft der Film sein Potenzial nur teilweise aus.

Die Geschichte will nämlich gleichzeitig nervenaufreibender Kidnap-Thriller, Familiendrama und gesellschaftskritische Betrachtung sein, findet dabei aber nur selten einen überzeugenden Rhythmus. Die Handlung verstrickt sich zunehmend in Wendungen und moralische Konflikte, ohne ihnen genügend Tiefe zu geben. Gerade die Frage, wie weit Menschen gehen, wenn sie ihre Familie schützen oder ihre gesellschaftliche Stellung bewahren wollen, hätte für echte Ambivalenz sorgen können. Stattdessen wirken manche Entwicklungen konstruiert, während die Spannung immer wieder unter Szenen leidet, die mehr erklären als vorantreiben. Auch das Finale kann die zuvor aufgebauten Erwartungen nur bedingt einlösen.


Darstellerisch ist "Animals" aber durchaus ordentlich besetzt, lässt seine Möglichkeiten aber ebenfalls liegen. Affleck verkörpert Mark mit der nötigen Verbissenheit, bleibt als innerlich zerrissener Familienvater jedoch vergleichsweise blass. Kerry Washington bemüht sich, die Verzweiflung und die Belastung ihrer Figur spürbar zu machen, überzieht dabei stellenweise aber das emotionale Spiel. Deutlich mehr Präsenz entwickelt Gillian Anderson als undurchsichtige Akteurin, die dem Geschehen eine angenehm kühle Note verleiht. Steven Yeun ergänzt das Ensemble, erhält jedoch ebenso wenig Raum, wie es die Figurenzeichnung insgesamt zulässt. So gibt es einzelne interessante Momente, aber kaum eine Figur, deren innere Konflikte wirklich nachhaltig beschäftigen.

Auch inszenatorisch bleibt der Film hinter Afflecks besseren Regiearbeiten wie "The Town" oder "Argo" zurück. Zwar bemüht er sich um eine realistische, gegenwartsnahe Atmosphäre und nutzt Los Angeles als Schauplatz einer Geschichte, in der politische Außendarstellung und soziale Ungleichheit eng miteinander verknüpft sind. Die Bilder des erfahrenen Kameramanns Robert Elswit wirken jedoch überraschend flach und wenig eigenständig. Statt die klaustrophobische Situation der Familie visuell zu verdichten, verliert sich die Inszenierung immer wieder in konventionellen Einstellungen und wenig markanten Stadtaufnahmen. Auch der Schnitt verleiht der Handlung nicht immer den nötigen Zug.

Inhaltlich besitzt "Animals" immerhin durchaus Biss. Der Film stellt die Frage, ob moralische Prinzipien Bestand haben, wenn das eigene Ansehen, die Karriere und das Familienglück auf dem Spiel stehen. Zugleich berührt er Themen wie soziale Klassenunterschiede, Migration und die Instrumentalisierung menschlichen Leids für politische Zwecke. Besonders interessant ist dabei der Gegensatz zwischen dem privilegierten Kandidaten und den Menschen, deren Schicksal in seiner Krise eine entscheidende Rolle spielt. Allerdings deutet der Film viele dieser Aspekte eher an, als sie konsequent auszuarbeiten. Seine gesellschaftskritischen Ansätze bleiben dadurch oft Behauptung, statt sich organisch aus den Figuren und ihren Entscheidungen zu entwickeln.


Handwerklich ist "Animals" auch solide, aber eben ohne größere Höhepunkte. Mit rund 106 Minuten ist der Thriller angenehm kompakt, doch die Laufzeit allein sorgt nicht für Tempo. Die Entführung liefert zwar einen grundsätzlich wirkungsvollen Spannungsrahmen, der Gegenspieler bleibt aber zu wenig ausgearbeitet, um eine wirklich bedrohliche Präsenz zu entwickeln. Dadurch fehlt es dem Film an einem klaren dramatischen Gegenpol. Wo ein packender Thriller seine Konflikte zuspitzen und die Figuren zu immer schwierigeren Entscheidungen treiben müsste, verliert sich "Animals" zu häufig in vorhersehbaren Entwicklungen und einer nur bedingt überzeugenden Dramaturgie.

Unterm Strich ist "Animals" ein Thriller mit einer interessanten Grundidee, einem namhaften Ensemble und relevanten gesellschaftlichen Themen, dessen Umsetzung jedoch deutlich hinter den Möglichkeiten zurückbleibt. Ben Affleck gelingt es nicht, aus der moralisch vielversprechenden Ausgangslage ein durchgehend packendes und emotional überzeugendes Drama zu formen. Einige gute Ansätze und Gillian Andersons markante Präsenz halten den Film über Wasser, können die schwache Figurenzeichnung, die wenig aufregende Bildsprache und das unausgereifte Drehbuch aber nicht ausgleichen. Für einen kurzweiligen Thrillerabend reicht das gerade noch - für einen wirklich nachhaltigen Film fehlt "Animals" die nötige Kraft.

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Artists Equity/Makeready/Fifth Season

Dienstag, 20. Oktober 2026

Fantastic Mr. Fox - Der fantastische Mr. Fox (2009)

https://www.imdb.com/de/title/tt0432283/
https://letterboxd.com/film/fantastic-mr-fox/

Der schlaue Mr. Fox (Stimme: George Clooney) hat seine Passion zum Beruf gemacht: Die wilde Hühnerjagd auf fremdem Besitzgrund! Das behagt seiner besorgten Gattin (Meryl Streep) allerdings gar nicht, auch wenn sie gemeinsam schon so manch romantische Hühnerhatz bestritten haben. Nein, diese Tage ist das Diebeshandwerk einfach zu gefährlich, die fiesen Großbauern Grimm, Gräulich und Grob liegen nahezu rund um die Uhr auf der Lauer. Im Interesse von Frau und Söhnchen Ash gibt Mr. Fox die nächtlichen Raubzüge auf und verdingt sich als Zeitungskolumnist. Das ruhige Leben hat ein Ende, als Mr. Fox beschließt, die Großbauern in drei perfekten Raubzügen zu überfallen. Er führt sie zusammen mit seinem Freund Kylie (Wallace Wolodarsky), einem furchtsamen, aber treuen Opossum, durch. Nur macht er sich die drei gierigen Bauern damit zu Todfeinden, die das Heim der Familie Fox unter Beschuss nehmen…

Ein Fuchs, drei skrupellose Bauern und eine ziemlich ausgeprägte Schwäche für Hühner: Was nach einer simplen Kindergeschichte klingt, wird unter der Regie von Wes Anderson zu einem ebenso charmanten wie eigenwilligen Animationsfilm. "Der fantastische Mr. Fox" basiert auf dem Kinderbuch von Roald Dahl und erzählt von Mr. Fox (George Clooney), der seiner kriminellen Vergangenheit eigentlich abgeschworen hat. Doch der Wunsch nach einem größeren Zuhause und der Reiz eines letzten Coups führen dazu, dass er die Bauern Boggis, Bunce und Bean bestiehlt. Die reagieren mit brutaler Entschlossenheit und zwingen Fox, nicht nur um sein eigenes Überleben, sondern auch um das seiner Familie und der gesamten Tiergemeinschaft zu kämpfen. Schon die Ausgangslage zeigt, wie gut Andersons Handschrift zu Dahls schwarzem Humor passt. Mr. Fox ist ein charismatischer Angeber, clever und charmant, aber auch egoistisch und erstaunlich unreif. Seine Abenteuerlust bringt die Familie in Gefahr, während sein Sohn Ash (Jason Schwartzman) mit eigenen Unsicherheiten und dem vermeintlich überlegenen Cousin Kristofferson zurechtkommen muss. Hinter den Überfällen und Verfolgungsjagden steckt damit auch eine Geschichte über Verantwortung, Selbstbild und die schwierige Balance zwischen Individualität und Familie. Die Figuren sind herrlich verschroben, ohne ihre Schwächen zu verlieren. Der Film nimmt Kinder ernst, erklärt nicht alles bis ins Detail und erlaubt sich einen trockenen, manchmal erstaunlich düsteren Humor. 


Der größte Trumpf ist die Stop-Motion-Animation - und ja, die muss man mögen. In einer Zeit, in der computeranimierte Filme zunehmend auf glatte Oberflächen und digitale Perfektion setzten, wirkt "Der fantastische Mr. Fox" bewusst handgemacht. Das zottelige Fell, die leicht ruckartigen Bewegungen und die liebevoll gestalteten Miniaturkulissen verleihen der Welt einen unverwechselbaren Charakter. Anderson nutzt diese Technik nicht nur aus nostalgischen Gründen, sondern macht ihre Eigenheiten zum Teil des visuellen Stils. Die symmetrischen Bildkompositionen, die sorgfältig abgestimmten Farben und die detailverliebte Ausstattung sind unverkennbar seine Handschrift. Jeder Raum und jedes Objekt scheint durchdacht, ohne dass die Welt dadurch steril wirkt. Im Gegenteil: Gerade die kleinen Unregelmäßigkeiten verleihen den Figuren und Schauplätzen Leben. Auch Kameraführung und Schnitt sind präzise aufeinander abgestimmt und sorgen dafür, dass selbst hektische Flucht- und Actionszenen übersichtlich bleiben. Ebenso gelungen ist die Besetzung. George Clooney verleiht Mr. Fox genau die richtige Mischung aus lässiger Eleganz, Selbstüberschätzung und unterschwelliger Unsicherheit. Meryl Streep bildet als Mrs. Fox das emotionale Gegengewicht, ohne zur bloßen vernünftigen Ehefrau degradiert zu werden. Jason Schwartzman trifft als Ash den Ton eines Jugendlichen, der sich ständig unterschätzt fühlt und seinen Platz in der Familie sucht. Dazu kommen Bill Murray, Willem Dafoe, Owen Wilson und Michael Gambon, die selbst kleineren Rollen ein eigenes Profil geben. Die Dialoge sind trocken, schnell und voller skurriler Einfälle. Statt auf übertriebene Albernheiten setzt der Film auf Wortwitz, absurde Situationen und Figuren, die ihre Eigenarten mit erstaunlicher Ernsthaftigkeit ausleben. Auch der Soundtrack passt hervorragend: Die Musik verleiht dem Film einen warmen, leicht nostalgischen Charakter und unterstreicht seinen besonderen Rhythmus, ohne die Dialoge zu überdecken.

Ganz ohne Schwächen ist das Abenteuer allerdings nicht. Andersons unverwechselbarer Stil kann mitunter etwas selbstverliebt wirken, und die vielen Details, Nebenfiguren und Dialogideen lenken gelegentlich vom eigentlichen Konflikt ab. Wer eine geradlinige, emotional stark zugespitzte Familiengeschichte erwartet, könnte sich an der episodischen Erzählweise und der demonstrativen Schrulligkeit stoßen. Auch die Erweiterungen gegenüber Dahls Vorlage machen die Geschichte komplexer, aber nicht in jeder Hinsicht zwingender. Die eigenständige, ungewöhnliche Welt des Films ist grandios und sein selbstbewusstes Vertrauen darauf, dass auch jüngere Zuschauer mit dunkleren Untertönen und nicht sofort verständlichen Details umgehen können ist sicher eine seiner großen Stärken, verlangen dem (gerade jüngeren) Publikum aber auch etwas Geduld ab. Thematisch ist "Der fantastische Mr. Fox" mehr als ein tierisches Abenteuer. Der Film handelt davon, wie schwierig es ist, die eigene Natur zu verleugnen, ohne dabei die Menschen zu verletzen, die einem am nächsten stehen. Mr. Fox will sich einerseits als verantwortungsvoller Familienvater beweisen, andererseits kann er seine Lust am Risiko kaum unterdrücken. Seine Entwicklung ist deshalb keine klassische Läuterung, sondern ein Versuch, Individualität und Verantwortung miteinander zu vereinbaren. Gleichzeitig richtet der Film einen bissigen Blick auf die rücksichtslose Ausbeutung der Natur und den Konflikt zwischen menschlichen Besitzansprüchen und tierischem Überlebenswillen. Die drei Bauern sind dabei bewusst überzeichnete Gegenspieler, deren Gier und Brutalität dem anarchischen Humor eine angenehm böse Note verleihen. 

Unterm Strich ist "Der fantastische Mr. Fox" ein außergewöhnlicher Animationsfilm, der handwerkliche Präzision, schwarzen Humor und eine eigenständige Bildsprache zu einem wunderbar verschrobenen Gesamterlebnis verbindet. Die Stop-Motion-Animation ist ein echtes Highlight, die Sprecherbesetzung hervorragend und Wes Andersons unverkennbare Handschrift passt erstaunlich gut zu Roald Dahls bissiger Fantasie. Dass die Handlung gelegentlich etwas zerfasert und der Stil nicht jeden Geschmack treffen dürfte, fällt angesichts des Einfallsreichtums kaum ins Gewicht. Ein intelligenter, warmherziger und herrlich eigenwilliger Film, der Kinder unterhält und Erwachsenen genug Stoff zum Schmunzeln und Nachdenken bietet.

8,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Regency Enterprises/Indian Paintbrush/American Empirical Pictures

Montag, 19. Oktober 2026

Hush - Still (2016)

https://www.imdb.com/title/tt5022702/
https://letterboxd.com/film/hush-2016/

Die taubstumme Thriller-Autorin Maddie (Kate Siegel) verlor im Alter von 13 Jahren im Zuge einer bakteriellen Meningitis ihr Hörvermögen. Nach dem Erfolg ihres ersten Romans hat Maddie New York verlassen, um mit ihrer Katze ein ruhiges Leben in den Wäldern zu führen. Aktuell leidet sie jedoch unter einer Schreibblockade. Ihre Nachbarin Sarah (Samantha Sloyan) kommt vorbei und die Frauen unterhalten sich per Gebärdensprache über Maddies Isolation. Später in derselben Nacht verfolgt ein maskierter Killer mit einer Armbrust die bereits getroffene und blutüberströmte Sarah bis zu Maddies Haus, doch ihre Hilferufe bleiben natürlich ungehört. Deshalb erkennt der Kerl schnell, dass Maddie taub ist, und beschließt, sie zu seinem nächsten Opfer zu machen. Er schleicht sich ins Haus, stiehlt ihr Handy, während sie mit ihrer Schwester (Emma Graves) per Videoanruf auf ihrem Laptop kommuniziert. Er macht Fotos von Maddie und sendet sie an ihren Computer...

Mit "Hush" beweist Mike Flanagan, dass wirkungsvoller Horror weder ein großes Ensemble noch eine komplizierte Geschichte benötigt. Die gehörlose Schriftstellerin Maddie Young (Kate Siegel) lebt zurückgezogen in einem Haus im Wald. Als ein maskierter Killer (John Gallagher Jr.) vor ihrer Tür auftaucht, beginnt ein brutales Katz-und-Maus-Spiel, bei dem Maddie ihre Einfallsreichtum und ihren Überlebenswillen unter Beweis stellen muss. Die einfache Ausgangslage ist nicht neu, wird aber geschickt genutzt, um einen intensiven Home-Invasion-Thriller aufzubauen. Der Umgang mit Ton und Stille macht diesen Film aus. Flanagan macht Maddies Gehörlosigkeit zum zentralen dramaturgischen Element: Alltägliche Geräusche werden bewusst hervorgehoben, bevor die Tonspur verstummt und das Publikum ihre eingeschränkte Wahrnehmung nachempfindet. So entsteht Spannung, ohne dass der Film ständig auf laute Schockeffekte angewiesen wäre. Auch die räumlich übersichtliche Inszenierung überzeugt: Das abgelegene Haus wird zum klaustrophobischen Spielfeld, in dem jede Tür und jedes Fenster neue Möglichkeiten oder Gefahren eröffnet. 

Kate Siegel trägt den Film mit einer glaubwürdigen, körperlich intensiven Darstellung. Maddie ist keine unbesiegbare Actionheldin, sondern eine verletzliche Frau, die ihre Chancen abwägen und unter enormem Druck improvisieren muss. John Gallagher Jr. bildet dazu einen unangenehm unberechenbaren Gegenpart. Sein zunächst beinahe spielerisches Auftreten macht den Eindringling besonders bedrohlich. Die Nebenfiguren bleiben dagegen erwartungsgemäß blass, was bei der Konzentration auf das zentrale Duell kaum überrascht. Auch Kamera, Schnitt und Sounddesign leisten gute Arbeit. Die Bilder nutzen die Abgeschiedenheit des Schauplatzes, während die Montage die Orientierung bewahrt und die Konfrontationen wirkungsvoll zuspitzt. Die Gewalt ist direkt und mitunter unangenehm, wird aber nicht zum alleinigen Selbstzweck. Mit rund 82 Minuten bleibt der Film angenehm kompakt und verzichtet auf unnötige Nebenhandlungen. Allerdings lässt die Dramaturgie im letzten Drittel nach. Einige Wendungen wirken konstruiert, einzelne Entscheidungen der Figuren sind nicht immer nachvollziehbar, und der Killer bleibt psychologisch oberflächlich. Gerade weil die Ausgangslage so konsequent aufgebaut ist, fallen die zunehmend konventionellen Elemente des Finales umso stärker auf. Auch die Grundidee selbst ist weniger revolutionär, als ihre gelungene Umsetzung zunächst vermuten lässt. 

Inhaltlich erzählt "Hush" von Selbstbehauptung und Anpassungsfähigkeit, ohne seine Hauptfigur auf ihre Gehörlosigkeit zu reduzieren. Damit bleibt ein spannender, handwerklich überzeugender Horrorfilm, der aus einer schlichten Prämisse viel herausholt. Kate Siegel überzeugt, Gallagher Jr. sorgt für eine unangenehme Bedrohlichkeit, und Flanagan beweist ein ausgezeichnetes Gespür für Atmosphäre und Suspense. Die vorhersehbaren Elemente und das schwächere Finale verhindern eine höhere Wertung. Für Fans von Home-Invasion-Thrillern bleibt der Film dennoch eine klare Empfehlung.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Intrepid Pictures/Blumhouse Productions

Sonntag, 18. Oktober 2026

The Town - The Town: Stadt ohne Gnade (2010)

https://www.imdb.com/de/title/tt0840361/
https://letterboxd.com/film/the-town/

Doug MacRay (Ben Affleck) hat mit seinen drei Freunden Jem (Jeremy Renner), "Gloansy" (Slaine) und Desmond (Owen Burke) im Auftrag des skrupellosen "Paten" Fergie (Pete Postlethwaite) eine Bank überfallen. Doch dieses Mal läuft nicht alles so glatt wie zuvor. Jem richtet einen Bankangestellten übel zu und nimmt Filialleiterin Claire Keesey (Rebecca Hall) kurzzeitig als Geisel. Später drängt er darauf, sie zu töten, weil sie angeblich zu viel gesehen hat. Doug versucht dies mit allen Mitteln zu verhindern und macht sich selbst an Claire ran, um so herauszufinden, ob sie wirklich etwas weiß. Währenddessen wird Jem immer unberechenbarer. Gemeinsam mit Auftraggeber Fergie drängt er auf weitere Überfälle, während sich längst eine FBI-Spezialeinheit um die Agenten Adam Frawley (Jon Hamm) und Dino Ciampa (Titus Welliver) an die Fersen der Band geheftet hat...

Ben Afflecks zweiter Spielfilm als Regisseur ist ein packender Bankraub-Thriller, der klassische Gangsterfilm-Motive mit einem rauen Milieuporträt und einer tragischen Liebesgeschichte verbindet. Im Mittelpunkt steht Doug MacRay (Affleck), der mit seiner Gang im Bostoner Stadtteil Charlestown Banken und Geldtransporter überfällt. Als die Gruppe bei einem Überfall die Filialleiterin Claire Keesey (Rebecca Hall) als Geisel nimmt, gerät Doug in einen Konflikt, der sein gesamtes Leben infrage stellt: Er verliebt sich in die Frau, die eigentlich nichts über seine kriminelle Vergangenheit erfahren darf. Gleichzeitig sitzt ihm FBI-Agent Frawley (Jon Hamm) im Nacken, während sein unberechenbarer Komplize Jem (Jeremy Renner) zunehmend zur Gefahr wird. Die Konstellation ist nicht neu, doch Affleck versteht es, aus vertrauten Zutaten einen ausgesprochen wirkungsvollen Thriller zu formen. Besonders stark ist die Verankerung der Geschichte in Charlestown. Das Viertel erscheint nicht bloß als Kulisse, sondern als engmaschige Gemeinschaft, in der familiäre Bindungen, Loyalität und kriminelle Traditionen kaum voneinander zu trennen sind. Doug kennt praktisch keinen Ausweg aus einer Welt, in die er hineingeboren wurde und deren Regeln er verinnerlicht hat. Sein Wunsch nach einem Neuanfang wirkt deshalb nachvollziehbar, ohne dass der Film seine Verbrechen verharmlost. Zwar greift das Drehbuch dabei auf bekannte Motive zurück - den Kriminellen mit Gewissen, die verhängnisvolle Liebe und den letzten großen Coup -, doch die sorgfältige Milieuschilderung verleiht ihnen genug Gewicht. Roger Ebert lobte insbesondere die Fähigkeit des Films, beim Publikum echte Anspannung für seine Figuren zu erzeugen, merkte aber auch an, dass die Charakterentwicklung nicht durchgehend mit der effektiven Thrillerhandlung mithalten kann.

Auch darstellerisch überzeugt der Film. Affleck spielt Doug zurückhaltend und mit einer gewissen emotionalen Verschlossenheit. Das passt zur Figur, lässt sie stellenweise aber etwas blass wirken. Rebecca Hall verleiht Claire Wärme und Glaubwürdigkeit; ihre Figur ist mehr als bloß das romantische Gegenstück zum Gangster, auch wenn die Liebesgeschichte gelegentlich arg schnell voranschreitet. Den stärksten Eindruck hinterlässt Jeremy Renner als Jem. Seine Mischung aus Loyalität, Aggression und unberechenbarer Gewalt macht ihn zum eigentlichen Pulverfass der Gang. Jon Hamm bringt als FBI-Agent die nötige Beharrlichkeit mit, während Pete Postlethwaite als krimineller Strippenzieher Fergus Colm eine unangenehm joviale Bedrohlichkeit ausstrahlt. Chris Cooper und Blake Lively ergänzen das Ensemble, auch wenn ihre Rollen weniger Raum zur Entfaltung bekommen. Die Besetzung sorgt dafür, dass selbst vertraute Figurenkonstellationen lebendig bleiben. Seine größte Stärke zeigt "The Town" in der Inszenierung der Überfälle. Affleck baut die Spannung mit klarer räumlicher Orientierung, präzisem Timing und einer angenehm handfesten Inszenierung auf. Maskierungen, Fluchtwege und die nervöse Dynamik zwischen den Beteiligten verleihen den Raubzügen eine greifbare Intensität. Besonders die Verfolgungsjagden und Schusswechsel sind mitreißend, ohne im hektischen Schnitt unübersichtlich zu werden. Kameramann Robert Elswit fängt Boston und seine Straßen in einer nüchternen, rauen Bildsprache ein, die gut zum sozialen Umfeld der Figuren passt. Schnitt und Sounddesign unterstützen die Spannung wirkungsvoll; auch der Score setzt Akzente, ohne die Szenen emotional zu überladen. Der Film beweist hier ein sicheres Gespür für Rhythmus und Atmosphäre.

Ganz frei von Schwächen ist das Ganze allerdings nicht. Die Handlung nimmt einige dramaturgische Abkürzungen, und die Beziehung zwischen Doug und Claire entwickelt sich mitunter zu bequem für eine Geschichte, in der Vertrauen und Täuschung zentrale Rollen spielen. Auch die Vorstellung, dass Doug sich ausgerechnet durch die Nähe zu seinem früheren Opfer aus seinem Milieu lösen könnte, wird eher romantisch zugespitzt als psychologisch konsequent ausgearbeitet. Manche Nebenfiguren bleiben funktional, während der Film seine Gangster gelegentlich stärker mystifiziert, als es die Härte ihrer Taten rechtfertigen würde. Zudem ist der Konflikt zwischen Doug und Jem deutlich interessanter als die vergleichsweise konventionelle Jagd des FBI. Der Guardian hob in seiner positiven Besprechung die Energie der Regie, die starken Darsteller und die gelungenen Actionsequenzen hervor; zugleich zeigen andere Kritiken, dass der Film seine Genreklischees nicht immer überwindet. Inhaltlich geht es um Herkunft, Loyalität und die Frage, ob man sich tatsächlich von seiner Vergangenheit lösen kann. Charlestown steht für eine Gemeinschaft, die Schutz bietet und zugleich gefangen hält. Doug muss entscheiden, ob seine Verbundenheit zu Jem und die unausgesprochenen Regeln seines Umfelds schwerer wiegen als der Wunsch nach einem anderen Leben. Der Film macht daraus kein tiefschürfendes Sozialdrama, besitzt aber genügend Gespür für die Widersprüche seiner Figuren, um über den reinen Nervenkitzel hinauszugehen. Dass er dabei nicht jede moralische Frage auslotet und sich gelegentlich in Gangsterromantik verliert, verhindert den ganz großen Wurf.

Aber letztlich ist "The Town" ein hervorragend inszenierter und über weite Strecken hochspannender Kriminalfilm, der mit einem starken Ensemble, präzise choreografierten Raubüberfällen und einem überzeugend gezeichneten Milieu punktet. Die Geschichte bleibt in Teilen vorhersehbar, und nicht alle Figuren erhalten die nötige Tiefe. Doch Afflecks Gespür für Tempo, Atmosphäre und Darsteller macht aus dem vertrauten Stoff weit mehr als routinierte Genrekost. Ein paar dramaturgische Schwächen verhindern die Höchstwertung, am Ende steht aber ein moderner Gangsterthriller, der lange nachwirkt und Afflecks Talent als Regisseur eindrucksvoll bestätigt.

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Legendary Pictures/GK Films/Thunder Road/Warner Bros. Pictures

Samstag, 17. Oktober 2026

Time Cut (2024)

https://www.imdb.com/de/title/tt14857528/
https://letterboxd.com/film/time-cut/

Lucy Field (Madison Bailey) hat ihre Schwester Summer (Antonia Gentry) nie kennen gelernt: Vor zwanzig Jahren wurden sie und drei weitere Teenager von einem maskierten Killer brutal ermordet. Durch ein unerklärliches Phänomen gerät Lucy eines Tages in einen Zeitwirbel, der sie zurück ins Jahr 2003 katapultiert – und zwar exakt in die Woche, in der die Morde verübt wurden. Nachdem die Jugendliche begriffen hat, wo – oder besser gesagt: wann – sie sich befindet, fasst sie einen Entschluss: Sie will Summer und die anderen Opfer vor dem schrecklichen Schicksal, das ihnen droht, bewahren. Doch dazu muss Lucy die vier erst einmal davon überzeugen, dass sie eine Besucherin aus der Zukunft ist. Dann wäre natürlich irgendwie dem Mörder ins Handwerk zu pfuschen, dessen Identität nie geklärt werden konnte. Nicht zuletzt würde Lucy irgendwann auch gern wieder in ihre eigene Zeit zurückreisen - und all das, ohne durch ihr Eingreifen das Raum-Zeit-Kontinuum völlig durcheinander zu bringen.

"Time Cut" kombiniert Teenie-Slasher und Zeitreisegeschichte, verschenkt dabei aber eine durchaus reizvolle Grundidee. Die Schülerin Lucy Field (Madison Bailey) landet unfreiwillig im Jahr 2003 – wenige Tage bevor ihre ältere Schwester Summer (Antonia Gentry) von einem maskierten Killer ermordet werden soll. Lucy versucht, die Tat zu verhindern und damit ihre Familiengeschichte zu verändern. Das verspricht einen spannenden Mix aus Zeitreiseparadoxien, Slasher-Horror und 2000er-Nostalgie, bleibt erzählerisch jedoch erstaunlich einfallslos. Madison Bailey wirkt als Lucy blass und kann den inneren Konflikt ihrer Figur nur bedingt vermitteln. Antonia Gentry bringt als Summer etwas mehr Leben in die Geschichte, doch die Nebenfiguren bleiben weitgehend austauschbar. Die Dialoge sind häufig hölzern, emotionale Momente wirken aufgesetzt und die Beziehungen zwischen den Figuren entwickeln kaum echte Tiefe. Dadurch fehlt dem Film ein überzeugendes Zentrum, das über seine konstruierten Genreideen hinausgeht.

Auch inszenatorisch bleibt vieles auf Routine-Niveau. Die Mode, Musik und Ausstattung sollen das Jahr 2003 wiederaufleben lassen, wirken aber eher wie eine Ansammlung nostalgischer Klischees. Der Slasher-Anteil enttäuscht zusätzlich: Die Morde sind wenig kreativ, der Killer entwickelt kaum bedrohliche Präsenz und eine wirklich unheimliche Atmosphäre kommt nicht auf. Statt Spannung aufzubauen, arbeitet der Film seine Pflichtstationen ab. Die Regeln der Zeitreise werden zudem nicht konsequent durchdacht, während die möglichen Folgen von Lucys Eingriffen in die Vergangenheit nur oberflächlich behandelt werden. Gerade der Konflikt zwischen der Rettung ihrer Schwester und den Konsequenzen für die eigene Existenz hätte der Geschichte emotionale und dramaturgische Tiefe verleihen können. Stattdessen dominieren vorhersehbare Wendungen und ein Finale, das mehr konstruiert als überraschend wirkt.

Handwerklich ist "Time Cut" durchaus solide, aber ohne nennenswerte Höhepunkte. Ausstattung und Soundtrack liefern etwas 2000er-Flair, doch weder Kamera noch Schnitt entwickeln einen eigenen Stil. Mit rund 91 Minuten fällt der Film zwar kurz aus, wirkt angesichts seiner dünnen Handlung aber trotzdem erstaunlich uninspiriert. Im Vergleich zu "Happy Deathday" oder "Totally Killer" fehlen ihm sowohl der selbstironische Humor als auch die kreativen Einfälle, die eine ähnliche Mischung aus Horror und Zeitreise tragen könnten. Unterm Strich scheitert der Film weniger an seiner Ausgangsidee als an deren liebloser Umsetzung. Blasse Figuren, spannungsarme Morde und ein löchriges Drehbuch machen aus dem vielversprechenden Konzept einen austauschbaren Netflix-Slasher. Die nostalgische Kulisse ist letztlich kaum mehr als Dekoration. Für nebenbei reicht es, doch einen überzeugenden Horrorfilm oder eine originelle Zeitreisegeschichte sollte man nicht erwarten.

4,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: ACE Entertainment

Freitag, 16. Oktober 2026

Love Hurts - Love Hurts: Liebe tut weh (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt30788842/
https://letterboxd.com/film/love-hurts-2025/

Hinter der Fassade des unscheinbaren Vorstadtmaklers Marvin (Ke Huy Quan) verbirgt sich mehr, als man auf den ersten Blick vermutet. Sein Leben wirkt ruhig, fast langweilig, während er gepflegte Häuser in einer idyllischen Nachbarschaft verkauft. Doch diese Fassade beginnt zu bröckeln, als seine längst verdrängte Vergangenheit ihn einholt. Unerwartet taucht sein Bruder (Daniel Wu) auf, ein charismatischer, aber gefährlicher Gangsterboss, der alte Konflikte und neue Gefahren mit sich bringt. Plötzlich werden aus den friedlichen Vorstadthäusern blutige Schauplätze eines erbitterten Überlebenskampfs. Marvin bleibt keine Wahl: Er muss sich seiner Vergangenheit stellen und beweisen, dass hinter seinem gewöhnlichen Äußeren Fähigkeiten schlummern, die ihn weit mehr als nur durchschnittlich machen.

Mit "Love Hurts" gibt Ke Huy Quan nach seinem Oscar-Erfolg mit "Everything Everywhere All At Once" erneut als Actionheld Vollgas. In seinem Spielfilmdebüt erzählt Regisseur Jonathan Eusebio die Geschichte von Marvin Gable, der sich im Immobiliengeschäft ein ruhiges Leben aufgebaut hat. Doch als seine frühere Komplizin Rose (Ariana DeBose) wieder auftaucht, holt ihn seine gewalttätige Vergangenheit ein. Plötzlich muss sich der freundliche Makler mit Auftragskillern, Verrat und seinem kriminellen Bruder Knuckles (Daniel Wu) auseinandersetzen. Die Grundidee eines ehemaligen Killers, der zwischen Besichtigungsterminen wieder zur Kampfmaschine wird, bietet durchaus Potenzial - wirklich ausgeschöpft wird es allerdings nicht. Ke Huy Quan sehe ich aber gern. Er besitzt eine sympathische Ausstrahlung, bringt hier körperlichen Einsatz mit und wirkt sichtlich motiviert, seine Fähigkeiten als Martial-Arts-Darsteller zu zeigen. Gerade in den Kampfszenen blitzt auf, was für einen unterhaltsamen Actionhelden er abgeben könnte. Allerdings wird Marvin als Figur nur oberflächlich ausgearbeitet. Auch Ariana DeBose kann als Rose wenig ausrichten, da ihre Beziehung zu Marvin emotional kaum greifbar wird. Daniel Wu sorgt als bedrohlicher Gegenspieler für etwas mehr Präsenz, während die zahlreichen Nebenfiguren häufig wie wandelnde Stichwortgeber wirken.

Bei der Action zeigt "Love Hurts" immerhin gelegentlich seine Stärken. Die Choreografien sind abwechslungsreich, die Nahkämpfe angenehm direkt und einige Einfälle sorgen für kurzweilige Unterhaltung. Eusebios Erfahrung als Stuntkoordinator ist dabei durchaus erkennbar. Allerdings fehlt es vielen Sequenzen an einem überzeugenden Rhythmus und klarer Inszenierung. Statt elegant choreografierter Action entsteht teilweise ein hektisches Durcheinander, bei dem die einzelnen Treffer kaum Wirkung entfalten. Der Film möchte offenbar an die überdrehten Actionkomödien vergangener Jahrzehnte erinnern, erreicht deren spielerische Leichtigkeit aber nur selten. Auch der Humor ist Geschmackssache. Die Gegenüberstellung des freundlichen Immobilienmaklers mit seiner brutalen Vergangenheit liefert eine grundsätzlich amüsante Ausgangslage. Einzelne absurde Einfälle funktionieren durchaus, doch viele Gags wirken übertrieben oder werden zu lange ausgespielt. Der Wechsel zwischen blutiger Gewalt, Slapstick und romantischen Momenten gelingt nicht immer. Was als bewusst überdrehte Mischung gedacht ist, wirkt dadurch stellenweise eher unausgegoren als herrlich verrückt.

Aber die Handlung ist vorhersehbar, die Dialoge bleiben häufig oberflächlich und die zahlreichen Figuren erhalten kaum Gelegenheit, sich zu entwickeln. Besonders die romantische Komponente zwischen Marvin und Rose wirkt wenig überzeugend, weil Chemie und emotionale Tiefe fehlen. Auch die Auseinandersetzung mit Marvins Vergangenheit wird eher behauptet als wirklich erzählt. Mit einer Laufzeit von nur 83 Minuten ist der Film zwar angenehm kurz, trotzdem fühlt sich die Geschichte stellenweise erstaunlich zerfahren an. Optisch setzt "Love Hurts" auf knallige Farben, überzeichnete Charaktere und eine bewusst künstliche Welt. Das passt grundsätzlich zum Comic-haften Ton der Geschichte, wirkt aber nicht immer stimmig. Auch der Soundtrack unterstreicht die überdrehte Stimmung mit Nachdruck, drängt sich dabei jedoch gelegentlich zu sehr in den Vordergrund. Technisch ist das alles solide, ohne dem Film eine wirklich eigene visuelle Identität zu verleihen. Unterm Strich ist "Love Hurts" eine gut gemeinte, aber nur teilweise gelungene Actionkomödie. Ke Huy Quan bringt Charme und körperlichen Einsatz mit, und einige Kampfszenen machen durchaus Spaß. Doch schwaches Drehbuch, wenig überzeugende Figuren, flache Witze und eine unausgewogene Mischung aus Gewalt, Romantik und Humor verhindern, dass daraus mehr wird. Für einen kurzweiligen Filmabend reicht es gerade so - das verschenkte Potenzial bleibt allerdings deutlich spürbar.

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: 87North Productions/Universal Pictures

Tremors: A Cold Day in Hell - Tremors 6: Ein kalter Tag in der Hölle (2018)

https://www.imdb.com/title/tt6086082/
https://letterboxd.com/film/tremors-a-cold-day-in-hell/

Burt Gummer (Michael Gross) und sein Sohn Travis Welker (Jamie Kennedy) sind Raketenwurmjäger und reisen zusammen nach Kanada, um die Gerüchte über Angriffe riesiger Würmer zu überprüfen. Doch auf das, was sie mitten in der arktischen Tundra erwartet, waren selbst die erfahrenen Spezialisten nicht vorbereitet. In dem Gebiet um eine abgelegene Forschungsstation wimmelt es nur so vor Graboiden, wie die Raketenwürmer auch genannt werden, und bald muss sich das Vater-Sohn-Gespann zusammen mit einigen Überlenden gegen eine regelrechte Heerschar des überdimensionalen Wurmgetiers zur Wehr setzen. Gerade als Burt der beunruhigende Verdacht kommt, dass die Graboiden heimlich zu Waffen gemacht werden, wird er mit deren tödlichem Gift infiziert. Jetzt ist Eile geboten, denn wenn sie nicht innerhalb von 48 Stunden herausfinden, wie man einen Graboiden melkt und daraus ein Gegengift herstellen kann, ist Burts Schicksal besiegelt...

Mit "Tremors: A Cold Day in Hell" geht die Monsterfilmreihe in die sechste Runde. Diesmal verschlägt es den unverwüstlichen Burt Gummer (Michael Gross) und seinen Sohn Travis (Jamie Kennedy) in die kanadische Arktis, wo Graboids und ihre fliegenden Verwandten, die Ass-Blasters, eine Forschungsstation bedrohen. Als Burt durch das Gift der Kreaturen lebensgefährlich erkrankt, beginnt zusätzlich ein Wettlauf gegen die Zeit. Das eisige Setting verspricht frischen Wind, doch im Kern bleibt alles beim alten Muster. Michael Gross beherrscht Burts Mischung aus Waffenfanatismus, Misstrauen und trockenem Humor erneut sicher und hält den Film mit seiner Präsenz zusammen. Jamie Kennedy sorgt als Travis für die gewohnten Sprüche, doch die Vater-Sohn-Dynamik wirkt zunehmend routiniert. Auch die Nebenfiguren bleiben blass und bekommen kaum Gelegenheit, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. 

Der Schauplatz hätte einiges zu bieten: Schnee, Eis und eine abgelegene Forschungsstation könnten für klaustrophobischen Monsterhorror sorgen. Leider nutzt die Inszenierung diese Möglichkeiten kaum. Die künstlich wirkende Umgebung trägt wenig zur Atmosphäre bei, zumal der Film größtenteils in Südafrika gedreht wurde - wo es nun weit entfernt von "kalt" ist. Regisseur Don Michael Paul liefert solide Genre-Routine, aber wenig Spannung oder visuelle Eigenständigkeit. Auch die Kreaturen sorgen für gemischte Gefühle. Die Angriffe liefern ein paar unterhaltsame und blutige Momente, doch die computergenerierten Graboids wirken häufig wenig überzeugend. Der Charme der handgemachten Effekte früherer Teile fehlt. Das Drehbuch macht es nicht besser: Neben der Monsterbedrohung werden eine mögliche Waffenforschung und Burts Vergiftung eingeführt, ohne dass alle Handlungsstränge wirklich überzeugend zusammenfinden. Vorhersehbare Wendungen und reichlich platte Dialoge bremsen zusätzlich den Spaß. Sobald die Würmer angreifen, kommt endlich mal Bewegung in die Handlung; dazwischen ziehen sich die Szenen mit den wenig interessanten Figuren. Musik und Schnitt erfüllen ihren Zweck, bleiben aber ebenso wenig im Gedächtnis wie die Geschichte selbst. Für Fans gibt es immerhin vertraute Monster-Action und einige Momente, die an den ursprünglichen Reiz der Reihe erinnern.

Doch unterm Strich ist "Tremors: A Cold Day in Hell" eine uninspirierte Fortsetzung, die aus ihrem ungewöhnlichen Schauplatz zu wenig macht. Michael Gross hält die Stellung und einzelne Kreaturenattacken unterhalten durchaus, doch schwache Dialoge, blasse Nebenfiguren und mäßige Effekte überwiegen. Für einen anspruchslosen Monsterfilmabend reicht es gerade noch - von einer Reihe, die mit ihrem Original so viel Charme bewiesen hat, darf man allerdings mehr erwarten.

3,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Universal 1440 Entertainment