Dienstag, 3. November 2026

The Last Breath - Escape From The Deep: Bis zum letzten Atemzug (2024)

https://www.imdb.com/de/title/tt14827150/
https://letterboxd.com/film/the-last-breath-2024/

1944 in der karibischen See, kurz vor den Jungferninseln: Ein deutsches U-Boot versenkt das US-amerikanische Kriegsschiff U.S.S. Charlotte. In unserer Gegenwart finden Schatzjäger Levi (Julian Sands) und sein junger Mitarbeiter Noah (Jack Parr) das Wrack, nach dem sie jahrelang vergeblich gesucht hatten. Im Heimathafen erzählt der enthusiastische Noah seinen tauchbegeisterten Freund*innen Logan (Arlo Carter) und Riley (Erin Mullen) von dem Fund. Und auch Noahs Exfreundin Sam (Kim Spearman) und ihr Bruder Brett (Alexander Arnold) erfahren davon. Zusammen zahlen sie dem völlig abgebrannten Levi eine stattliche Summe, damit er sie zur Charlotte hinuntertauchen lässt, bevor die Bergungsarbeiten beginnen. Zunächst haben die jungen Leute eine Menge Spaß in dem seit Dekaden von keiner Menschenseele betretenen Kahn. Doch dann müssen sie bemerken, dass sie auf dem Meeresgrund nicht allein sind. Denn riesige, offenbar sehr hungrige Haie beginnen gnadenlos auf sie Jagd zu machen …

Ein verschollenes Kriegsschiff, ein Tauchgang in 30 Metern Tiefe und eine Gruppe, die plötzlich von hungrigen Haien umzingelt ist: "The Last Breath" klingt nach den perfekten Zutaten für einen klaustrophobischen Unterwasserthriller. Regisseur Joachim Hedén schickt eine Gruppe junger Taucher in ein versunkenes Wrack, dessen Erkundung sich schnell zum tödlichen Albtraum entwickelt. Doch obwohl das Szenario reichlich Spannungspotenzial bietet, bleibt der Film hinter seinen Möglichkeiten zurück. Bereits zu Beginn nimmt sich die Geschichte (viel zu viel) Zeit, die Figuren und ihre Beziehungen einzuführen. Die Charakterzeichnung bleibt dabei allerdings oberflächlich und besonders die überheblichen und leichtsinnigen Entscheidungen einzelner Gruppenmitglieder machen es schwer, wirklich mit ihnen mitzufiebern. Statt glaubwürdiger Persönlichkeiten bekommt man vertraute Horrorfilmtypen serviert, deren Verhalten zwar die Handlung vorantreibt, aber diese auch so vorhersehbar macht wie eine Busfahrt. Die Besetzung erfüllt ihre Aufgaben solide, bekommt vom Drehbuch aber wenig Material, um über die üblichen Rollenbilder hinauszuwachsen. Auch die Dialoge bleiben meist funktional und liefern selten echte emotionale Tiefe.

Sobald sich die Taucher im dunklen Inneren des Wracks befinden, entwickelt der Film durchaus einige wirkungsvolle Momente. Enge Gänge, rostiges Metall, eingeschränkte Sicht und schwindelnde Sauerstoffreserven vermitteln die Gefahren des Tauchens. Die Unterwasseraufnahmen erzeugen gelegentlich eine beklemmende Atmosphäre, und die Vorstellung, in einem labyrinthartigen Schiffswrack gefangen zu sein, funktioniert grundsätzlich gut. Doch der Spannungsaufbau ist ungleichmäßig. Die Haie lassen extrem lange auf sich warten, und wenn sie schließlich auftauchen, wird aus der subtilen Bedrohung zunehmend ein konventioneller Creature-Thriller. Dazu kommt, dass die Bewegungen der computergenerierten Haie häufig viel zu künstlich und übertrieben schnell wirken, wodurch die Gefahr eher unfreiwillig absurd als wirklich furchteinflößend erscheint. Auch die Attacken sind nicht immer überzeugend in die räumliche Situation eingebettet. Was als realistischer Überlebenskampf beginnen könnte, entwickelt sich dadurch zu einem wenig glaubwürdigen Spektakel. Die Kameraarbeit nutzt die Dunkelheit zwar geschickt, kann aber nicht jede Szene vor mangelnder Übersicht bewahren. Auch die Musik liefert die erwarteten Spannungsimpulse, ohne dem Film eine eigene Atmosphäre zu verleihen.

"The Last Breath" ist damit ein Unterwasserthriller, der seine Grundidee durchaus wirkungsvoll nutzt, sie aber nicht konsequent genug weiterentwickelt. Die klaustrophobischen Wrackszenen und Julian Sands' Präsenz sind klare Pluspunkte, doch blasse Figuren, ein wechselhafter Spannungsbogen und wenig überzeugende CGI-Haie verhindern nachhaltigen Nervenkitzel. Für einen kurzweiligen Abend mit unkompliziertem Creature-Horror reicht es gerade noch - ein wirklich packender Tauchgang sieht allerdings anders aus.

3,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Anamorphic Films/Filmgate Films/Picaro Films/Freebie Films

Montag, 2. November 2026

Solo (2018)

https://www.imdb.com/de/title/tt6699860/
https://letterboxd.com/film/solo-2018/

Basierend auf wahren Begebenheiten. Am 6. September 2014 sucht der spanische Surfer Álvaro Vizcaíno (Alain Hernández) auf Fuerteventura die perfekte Welle, als er an einer abgelegenen Küste schwer verunglückt. Mit einer gebrochenen Hüfte und weiteren Verletzungen ist er auf sich allein gestellt und muss gegen Schmerzen, Erschöpfung und die unerbittlichen Naturgewalten kämpfen. Während die Zeit vergeht, wird der Überlebenskampf zunehmend auch zu einer Auseinandersetzung mit seinen eigenen Ängsten und seiner Vergangenheit...

Ein Sturz, eine gebrochene Hüfte und 48 Stunden ganz allein in einer unwirtlichen Küstenlandschaft: Der spanische Survivalfilm "Solo" erzählt die wahre Geschichte des Surfers Álvaro Vizcaíno, der 2014 auf Fuerteventura schwer verunglückte und unter extremen Bedingungen um sein Leben kämpfen musste. Regisseur Hugo Stuven macht aus diesem Überlebenskampf ein Drama, das vor allem dann funktioniert, wenn es sich auf die unmittelbare Gefahr konzentriert - und deutlich an Wirkung verliert, sobald es tiefer in die Vergangenheit und Gefühlswelt seines Protagonisten eintaucht. Die stärksten Momente sind eindeutig die Szenen am Meer. Die raue Küstenlandschaft, die schroffen Felsen und die scheinbar endlose Weite des Atlantiks werden eindrucksvoll eingefangen. Kameramann Ángel Iguácel macht die Natur gleichzeitig faszinierend und bedrohlich. Der Unfall selbst ist intensiv inszeniert, und auch danach gelingt es dem Film immer wieder, die körperliche Qual, die Hilflosigkeit und die zunehmende Erschöpfung spürbar zu machen. Gerade die klaustrophobische Wirkung eines Menschen, der mitten in einer gewaltigen Landschaft vollkommen auf sich allein gestellt ist, funktioniert erstaunlich gut.

Alain Hernández geht in der Hauptrolle körperlich an seine Grenzen und vermittelt die Verzweiflung eines Schwerverletzten mit großer Hingabe. Allerdings gelingt es ihm nur bedingt, Álvaro als Persönlichkeit greifbar zu machen. Die Rückblenden auf seine Beziehung zu Ona, gespielt von Aura Garrido, sollen erklären, welche Fehler und Konflikte ihn vor dem Unfall beschäftigt haben. Doch diese Passagen wirken häufig konstruiert und bremsen den Überlebenskampf aus, statt ihm zusätzliche emotionale Tiefe zu verleihen. Auch Ben Temple als Freund Nelo bleibt im Vergleich dazu eher blass. Das Drehbuch von Stuven und Santiago Lallana möchte aus der Extremsituation eine Geschichte über Schuld, Reue und einen Neuanfang machen, erklärt seine Themen aber zu ausführlich, anstatt sie aus den Bildern und Handlungen entstehen zu lassen. Problematisch ist deshalb vor allem die Erzählstruktur. Die Wechsel zwischen Gegenwart, Erinnerungen und Halluzinationen sollen Álvaros zunehmend verwirrten Zustand spiegeln, wirken auf Dauer jedoch redundant. Immer wieder wird seine Verzweiflung betont, ohne dass sich die Situation oder die Figuren wesentlich weiterentwickeln. Dadurch verliert der Film einen Teil seiner Spannung. Die ruhige Inszenierung und die langen Einstellungen passen zwar zur Isolation des Protagonisten, doch nicht jede gedehnte Szene erzeugt auch die gewünschte Intensität.

Handwerklich ist "Solo" dennoch durchaus bemerkenswert. Die Naturaufnahmen gehören zu den größten Stärken, und die Geräuschkulisse unterstreicht die Einsamkeit, ohne sich ständig in den Vordergrund zu drängen. Auch die Musik unterstützt die melancholische Atmosphäre, wird aber zusammen mit den emotionalen Rückblenden mitunter zu aufdringlich. Gerade hier hätte etwas mehr Zurückhaltung geholfen: Die tatsächliche Überlebensgeschichte ist bereits dramatisch genug und braucht nicht in jeder Szene zusätzliche emotionale Betonung. Unterm Strich ist "Solo" ein visuell eindrucksvoller, körperlich engagierter Survivalfilm, der seine besten Momente im unmittelbaren Kampf gegen die Natur findet. Die schwach ausgearbeiteten Beziehungen, die wiederholenden Rückblenden und die allzu offensichtliche Dramatisierung verhindern jedoch, dass aus der außergewöhnlichen wahren Geschichte ein durchgehend packendes Filmerlebnis wird. Ein interessanter Überlebenskampf mit starken Bildern - aber ein nur bedingt überzeugendes Charakterdrama.

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Playa Jarugo/Miramar Media Entertainment/Gold Tower Producciones/Filmax/Fargo Entertainment

Sonntag, 1. November 2026

Ali G: Who Iz I? (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt43655467/
https://letterboxd.com/film/ali-g-who-iz-i/

Zwei Jahrzehnte hat Ali G. (Sacha Baron Cohen) regelrecht vergammelt. Mehr als „chillin', tokin' and bonin'“ stand offenbar nicht auf dem Programm. Dem wird jedoch ein abruptes Ende bereitet, als klar wird, dass seine Freundin Julie (Morgana Robinson) schwanger ist – und zwar schon im achten Monat. Ali G. muss sich also in kürzester Zeit mit seiner neuen Rolle als Vater arrangieren. Denn schon bald muss der Kühlschrank voller sein als bisher. Die große Chance wittert er in den USA, wo er noch mal nach seinem eigentlich längst verblassten Ruhm greifen will. Doch die Nummer ist nicht so einfach, wie er sich das vorgestellt hat.

Sacha Baron Cohen holt seine Kultfigur zurück - doch was vor über 20 Jahren herrlich provokant und entlarvend war, wirkt heute oft wie ein müder Aufguss alter Gags. "Ali G: Who Iz I?" will mit maximaler Geschmacklosigkeit politische Extreme, kulturelle Aneignung und die Absurditäten der amerikanischen Gesellschaft aufs Korn nehmen. Dabei gibt es durchaus ein paar gelungene Treffer, aber viel zu oft verwechselt der Film Provokation mit bloßem Krawall. Ali G (Sacha Baron Cohen) ist inzwischen ziemlich abgestürzt. Als seine Freundin Julie (Morgana Robinson) hochschwanger ist, versucht er in den USA, an seinen früheren Ruhm anzuknüpfen. Dort gerät er zwischen politische Grabenkämpfe, selbsternannte Freiheitskämpfer und ideologische Überzeugungstäter. Das Konzept kombiniert eine lose Rahmenhandlung mit inszenierten Situationen und echten, teils ahnungslosen Gesprächspartnern. Genau diese Mischung war einst Baron Cohens große Stärke - hier wirkt sie jedoch erstaunlich unausgegoren.

Cohen wirft sich mit gewohntem Körpereinsatz in seine Rolle und scheut weder vulgäre Sprüche noch peinliche Grenzüberschreitungen. Einzelne Begegnungen sind tatsächlich absurd genug, um für befreiendes Lachen zu sorgen. Doch die Satire trifft längst nicht immer ins Schwarze. Die Seitenhiebe auf rechte Verschwörungsideologen und selbstgerechte Linke wirken häufig plump, während der Film seine eigene Aussage ständig erklären muss. Ausgerechnet eine Komödie, die Doppelmoral und ideologische Verblendung entlarven will, scheint sich ihrer Wirkung nicht mehr ganz sicher zu sein. Das größte Problem ist die Dramaturgie. Statt einer pointierten Geschichte reiht der Film Sketche, Provokationen und aufwendige Prank-Situationen aneinander. Der Wechsel zwischen Ali Gs fiktiver Lebensgeschichte und den vermeintlich realen Konfrontationen bremst den Erzählfluss zusätzlich. Was als kurzer Sketch funktionieren könnte, zieht sich über Spielfilmlänge. Auch die Nebenfiguren bleiben weitgehend Stichwortgeber, und die Musik sowie die solide technische Umsetzung können den Mangel an erzählerischer Stringenz nicht ausgleichen.

"Ali G: Who Iz I?" hat durchaus Momente, in denen Baron Cohens Talent für Improvisation und unangenehme Situationen aufblitzt. Doch der Film wirkt zu bemüht, zu lang und erstaunlich wenig treffsicher. Die einstige Schärfe seiner Kunstfigur ist einer Mischung aus Nostalgie und grobem Schockhumor gewichen. Zwei Sterne für einige gelungene Einfälle und Cohens kompromisslosen Einsatz - insgesamt ist diese Rückkehr aber deutlich weniger bissig, als sie gern wäre. Dann lieber ein neuer Borat - mit den alten Qualitäten.

4,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Four by Two Films/Amazon MGM Studios/Working Title Films (GB)

Das verschwundene Kind (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt33115197/
https://letterboxd.com/film/where-is-aaron/

Als der zwölfjährige Aaron Buchholz (Sammy Schrein) im Wendland spurlos verschwindet, beginnt für seine Eltern Sophie (Julia Koschitz) und Thies Buchholz (Mark Waschke) eine verzweifelte Suche. Zunächst steht die Befürchtung im Raum, dass Aaron ertrunken sein könnte. Doch während Familie und Freunde nach dem Jungen suchen, brechen immer mehr Spannungen auf, die lange zwischen den Bewohnern der Hofgemeinschaft geschwelt haben. Sophie und Thies leben dort mit ihren Freunden Inga (Anna Schudt) und Bodo Herzog (Hans Löw) sowie deren Kindern Lasse (Jona Levin Nicolai) und Jella (Cäcilia Kirchner). Einst wollten die vier gemeinsam ein naturverbundenes Leben führen und ihre Kinder zusammen aufziehen. Doch Aarons schwieriges Verhalten, seine Konflikte in der Schule und wiederholte Auseinandersetzungen haben das Verhältnis der Familien zunehmend belastet. Mit seinem Verschwinden stellt sich nun die Frage, ob tatsächlich alle nur sein Bestes wollten oder ob sich jemand insgeheim gewünscht hat, dass Aaron nicht mehr da ist. Eine Lüge verschärft das Misstrauen und droht das gemeinsame Leben endgültig zu zerstören.

Eine alternative Hofgemeinschaft, große Ideale und ein Kind, das zunehmend zum Problem erklärt wird: Sabine Bernardis Familiendrama "Das verschwundene Kind" erzählt weniger einen klassischen Vermisstenfall als die Geschichte einer Gemeinschaft, deren harmonische Fassade längst Risse bekommen hat. Das ist psychologisch interessant und hervorragend gespielt, verliert sich aber gelegentlich in allzu konstruierten Erklärungen. Der Film interessiert sich dabei weniger für kriminalistische Spannung als für die Frage, wie eine Gemeinschaft mit einem vermeintlich schwierigen Kind umgeht - und welchen Anteil die Erwachsenen selbst an der Situation haben.

Julia Koschitz und Mark Waschke vermitteln glaubwürdig die Überforderung von Eltern, die zwischen Sorge, Schuld und Selbstrechtfertigung schwanken. Anna Schudt und Hans Löw setzen dazu überzeugende Kontrapunkte. Auch Sammy Schrein hinterlässt als Aaron einen bleibenden Eindruck, obwohl seine Figur vor allem durch die Erzählungen und Erinnerungen anderer Gestalt annimmt. Gerade diese indirekte Annäherung macht den Jungen interessant: Ist er tatsächlich das Problem, für das ihn alle halten, oder übersehen die Erwachsenen etwas Entscheidendes? Regisseurin Sabine Bernardi und Drehbuchautorin Silke Zertz setzen auf leise Zwischentöne statt auf einen reißerischen Krimi. Die Landschaft des Wendlands, die stimmungsvolle Kameraarbeit von Moritz Schultheiß und die zurückhaltende Musik unterstützen das realistische, melancholische Gesamtbild. Allerdings entwickelt sich die Handlung nicht immer gleich überzeugend. Manche psychologischen Erklärungen wirken etwas konstruiert, und die vielen Konflikte werden bisweilen zu deutlich auf ihre dramaturgische Funktion hin angelegt. Wer einen spannenden Ermittlungsfilm erwartet, könnte außerdem das vergleichsweise geringe Interesse an der eigentlichen Suche vermissen. Zudem macht es sich das Ende etwas zu einfach und konstruiert einfach eine Situation herbei, die darauf abzielt beim Zuschauer ein wohliges Gefühl zu hinterlassen, aber andererseits völlig deplatziert, konstruiert und unglaubwürdig ist.

"Das verschwundene Kind" ist damit ein solides, darstellerisch starkes Familiendrama über verdrängte Wahrheiten, fragile Freundschaften und die Schattenseiten vermeintlich idealer Lebensentwürfe. Die gesellschaftlichen und psychologischen Fragen regen zum Nachdenken an, werden aber nicht in jedem Moment so subtil behandelt, wie es möglich gewesen wäre. Drei Sterne für ein sehenswertes Ensemble und ein relevantes Thema - überzeugend im Schauspiel, mit kleinen Schwächen in Dramaturgie und Figurenzeichnung - und einem absolut unglaubwürdigem Ende.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Relevant Film/ZDF

Sleeping Beauty - Dornröschen und der Prinz - Dornröschen (1959)

https://letterboxd.com/film/sleeping-beauty/

Prinzessin Aurora wurde von der bösen Hexe Malefiz verflucht. Noch bevor Aurora ihren 16. Geburtstag feiert, soll sie sich an der Nadel eines Spinnrades stechen und in einen hundertjährigen Schlaf fallen. Um dem vorzubeugen versteckt das Königspaar sie im Schloss, bewacht von drei liebevollen aber schusseligen Feen.

Mit "Dornröschen" (oder auch "Dörnröschen und der Prinz") liefert Disney einen der visuell beeindruckendsten Klassiker seiner Zeichentrickgeschichte. Die Geschichte ist schnell erzählt: Weil die böse Fee Malefiz nicht zur Taufe von Prinzessin Aurora eingeladen wird, belegt sie das Kind mit einem Fluch. An ihrem 16. Geburtstag soll Aurora sich an einer Spindel stechen und sterben. Drei gute Feen versuchen, das Schicksal abzuwenden, doch als der Fluch schließlich eintritt, liegt es an Prinz Philipp, Aurora zu retten und Malefiz zu besiegen. Was dem Film an erzählerischer Komplexität fehlt, macht er durch seine außergewöhnliche Gestaltung mehr als wett. Die Hintergründe von Eyvind Earle sind unverkennbar von mittelalterlicher Kunst inspiriert: kantige Formen, ornamentale Muster, tiefe Wälder und majestätische Schlösser schaffen eine märchenhafte Welt, die sich deutlich von den weicheren, runderen Bildern früherer Disney-Filme abhebt. Die breite CinemaScope-Bildgestaltung wird dabei konsequent genutzt. Jede Einstellung wirkt sorgfältig komponiert, beinahe wie ein bewegtes Gemälde. Diese stilistische Eigenständigkeit macht "Dornröschen" auch Jahrzehnte später zu einem visuellen Erlebnis.

Die größte Stärke des Films ist jedoch seine Gegenspielerin. Malefiz, gesprochen von Eleanor Audley, gehört zu den eindrucksvollsten Disney-Schurkinnen überhaupt. Ihre kühle Eleganz, die spöttische Überlegenheit und die unheimliche Präsenz verleihen der Geschichte eine überraschend düstere Note. Der Höhepunkt ist ihre Verwandlung in einen gewaltigen, feuerspeienden Drachen: Der Kampf gegen Philipp ist packend inszeniert und für einen Familienfilm von 1959 erstaunlich bedrohlich. Auch die drei guten Feen Flora, Fauna und Sonnenschein sorgen mit ihren Streitereien und ihrem unbeholfenen Zaubern für Humor und Wärme. Sie sind es, die der Geschichte einen großen Teil ihrer Persönlichkeit verleihen. Aurora selbst bleibt dagegen eine eher passive Hauptfigur. Sie ist sympathisch, ihre Szenen im Wald besitzen einen verträumten Charme, doch als Charakter entwickelt sie kaum Tiefe. Auch die Liebesgeschichte mit Philipp ist knapp gehalten und emotional wenig ausgearbeitet. Das Drehbuch folgt dem bekannten Märchenstoff zügig, nimmt sich aber wenig Zeit, seine Figuren über ihre Rollen im Märchen hinaus zu entwickeln. Dadurch wirkt die Handlung im Vergleich zu späteren Disney-Klassikern etwas schlicht. Wer vor allem eine ausgefeilte Geschichte oder komplexe Charaktere sucht, dürfte hier weniger finden als in der beeindruckenden visuellen Welt.

Musikalisch geht der Film einen eigenen Weg. George Bruns verarbeitet Motive aus Tschaikowskis Ballett "Dornröschen" zu einer opulenten Orchesterbegleitung, die den märchenhaften Charakter unterstreicht und besonders in den dramatischen Momenten hervorragend funktioniert. "Einmal in einem Traum" ("Once Upon A Dream") bleibt als zentrales Lied im Gedächtnis, auch wenn der Film insgesamt weniger eingängige Songs bietet als etwa "Schneewittchen und die sieben Zwerge" oder "Cinderella". Die Animation überzeugt vor allem durch flüssige Bewegungen, die präzise Abstimmung von Bild und Musik sowie die aufwendige Gestaltung der fantastischen Schauplätze. Die düsteren Passagen und der finale Drachenkampf zeigen, wie wirkungsvoll klassische Zeichentrickkunst Spannung erzeugen kann, ohne auf moderne Effekte angewiesen zu sein. "Dornröschen" ist nicht Disneys stärkster Film, wenn es um Figurenzeichnung und Dramaturgie geht, aber einer seiner schönsten. Die märchenhafte Atmosphäre, Eyvind Earles unverwechselbare Bildsprache, Malefiz als ikonische Bösewichtin und das mitreißende Finale machen den Film zu einem zeitlosen Klassiker. Die etwas dünne Handlung und die passive Titelheldin verhindern die Höchstwertung. Als visuell kunstvolles, musikalisch opulentes Märchen bleibt "Dornröschen" dennoch ein Erlebnis, das seinen besonderen Zauber bis heute bewahrt hat.

7,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Walt Disney Productions

Samstag, 31. Oktober 2026

Contra el huracán - Surviving Hurricane Otis - Gegen den Hurrikan (2026)

https://www.imdb.com/title/tt37961714/
https://letterboxd.com/film/surviving-hurricane-otis/

Wirpul (Benny Emmanuel) und sein Halbbruder Candi (Kristyan Ferrer) haben sich voneinander entfremdet. Ein Job bringt die beiden jedoch unerwartet wieder zusammen, als sie auf die Yacht eines wohlhabenden Mannes aufpassen sollen. Während Wirpul das Schiff als Kapitän steuert, ist Candi an Bord als Mechaniker tätig. Als sich vor der Küste der mexikanischen Touristenmetropole Acapulco ein Sturm zusammenbraut, sind die beiden allein an Bord. Während Candi Schlimmes befürchtet und das Boot zurück in den Hafen bringen will, will Candi den Anweisungen seines Chefs Folge leisten und auf See bleiben. Tatsächlich entwickelt sich der Sturm zum gefährlichen Hurrikan und bald kämpfen die zwei Halbbrüder um ihr Überleben.

Ein Hurrikan der höchsten Kategorie, eine manövrierunfähige Yacht und zwei entfremdete Halbbrüder, die gemeinsam ums Überleben kämpfen müssen: "Gegen den Hurrikan" bringt eigentlich alles für einen packenden Katastrophenfilm mit. Regisseur Jorge Michel Grau orientiert sich am Hurrikan Otis, der 2023 Acapulco verwüstete, erzählt jedoch eine fiktionale Geschichte über Wirpul und Candi, die trotz einer Sturmwarnung auf See bleiben, um die Yacht ihres wohlhabenden Arbeitgebers zu schützen. Der Film verbindet den Überlebenskampf mit einem Brüderkonflikt und deutet zugleich die soziale Ungleichheit an, durch die Menschen für fremdes Eigentum ihr Leben riskieren. Doch weder das Familiendrama noch die gesellschaftliche Ebene werden konsequent vertieft. Die Konflikte zwischen den Brüdern wirken oft konstruiert, Dialoge erklären Gefühle, statt sie glaubwürdig zu vermitteln, und manche Entscheidungen sind angesichts der drohenden Katastrophe kaum nachvollziehbar. Benny Emmanuel und Kristyan Ferrer bemühen sich zwar um emotionale Tiefe, können die Schwächen des Drehbuchs aber nur teilweise ausgleichen.

Handwerklich hat der Film durchaus seine Momente. Wenn Wind und Wellen zunehmen und die Yacht immer stärker von der Naturgewalt bedroht wird, entsteht zeitweise eine beklemmende Atmosphäre. Die beengte Umgebung passt gut zum Survival-Szenario, und einige Sturmsequenzen sind für eine mexikanische Produktion dieser Größenordnung durchaus eindrucksvoll. Allerdings schwankt die Qualität der visuellen Effekte deutlich. Gerade bei den Szenen auf offener See wirken Größenverhältnisse und Bewegungen mitunter künstlich, wodurch die Illusion des lebensgefährlichen Überlebenskampfs verloren geht. Kameraarbeit und Musik erfüllen ihren Zweck, entwickeln aber wenig Eigenständigkeit und können die Spannung nicht dauerhaft aufrechterhalten. Das größte Problem ist aber der unausgewogene Erzählrhythmus: Statt die Gefahr stetig zu steigern, wiederholt der Film seine familiären Auseinandersetzungen, während die Figuren nur begrenzt an Tiefe gewinnen. Dabei hätte die reale Katastrophe genügend Stoff für ein intensives Survival-Drama mit gesellschaftlicher Relevanz geboten. Die Geschichte bleibt jedoch überwiegend ein konventionelles Versöhnungsmelodram, dessen emotionale Höhepunkte zu deutlich auf Wirkung angelegt sind. Damit ist "Gegen den Hurrikan" ein gut gemeinter Katastrophenfilm mit einer interessanten Grundidee und einigen wirkungsvollen Sturmbildern. Doch blasse Figurenzeichnung, vorhersehbare Konflikte und sichtbar wechselhafte Effekte verhindern, dass wirkliche Spannung oder emotionale Anteilnahme aufkommen. Für einen einmaligen Netflix-Abend mag das reichen - das Potenzial dieser Geschichte bleibt jedoch weitgehend ungenutzt.

4/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Perro Azul

Freitag, 30. Oktober 2026

The Chronicles Of Narnia: The Voyage Of The Dawn Treader - Die Chroniken von Narnia: Die Reise auf der Morgenröte (2010)

https://www.imdb.com/de/title/tt0980970/
https://letterboxd.com/film/the-chronicles-of-narnia-the-voyage-of-the-dawn-treader/

Nachdem ein weiteres Jahr in England vergangen ist, ruft das Schicksal Lucy (Georgie Henley) und Edmund Pevensie (Skandard Keynes) sowie deren Cousin Eustachius Knilch (Will Poulter) erneut nach Narnia. Diesmal erweist sich ein Bild als Portal ins sagenumwobene Reich, das die drei Kinder direkt auf das Segelschiff Morgenröte verfrachtet. Die Aufgabe der Schiffsbesatzung besteht darin, zusammen mit dem Kommandanten König Kaspian (Ben Barnes) sieben Lords aufzuspüren, die vom vormaligen Herrscher Miraz aus dem Reich der Telemarer getrieben wurden. Die Reise zu den Lords entwickelt sich zu einem gefährlichen Abenteuer, bei dem nicht nur Sklavenhändler als Gegner auftauchen, sondern auch ein geheimnisvoller Nebel für Angst und Schrecken sorgt. Kaspian und die jungen Abenteurer begreifen schließlich, dass der Schlüssel zur Bewältigung ihrer Aufgabe eng mit dem bedrohlichen Nebel und geheimnisvollen Schwertern verbunden ist.

Mit "Die Reise auf der Morgenröte" setzt die Narnia-Reihe die Segel und tauscht die großen Schlachten des Vorgängers gegen ein klassisches Seefahrerabenteuer. Die Geschwister Lucy und Edmund Pevensie landen gemeinsam mit ihrem nervigen Cousin Eustace erneut in Narnia. An Bord des königlichen Schiffs Morgenröte treffen sie auf König Kaspian und den kampflustigen Mäuserich Riepischiep. Ihre Mission führt sie von Insel zu Insel, wo sie magische Schwerter finden, gefährlichen Kreaturen begegnen und sich schließlich einer unheimlichen Macht stellen müssen, die Narnia bedroht. Regisseur Michael Apted verleiht dem dritten Film einen leichteren, märchenhafteren Ton als "Prinz Kaspian von Narnia". Das tut der Reihe grundsätzlich gut: Statt sich fast ausschließlich auf Krieg und politische Konflikte zu konzentrieren, stehen diesmal Entdeckungsreisen, fantastische Begegnungen und persönliche Prüfungen im Mittelpunkt. Der Einstieg, in dem das Wasser eines Gemäldes plötzlich zum Durchgang nach Narnia wird, gehört zu den schönsten Momenten des Films. Auch die Idee einer Reise über unbekannte Meere verspricht Abenteuer im besten Sinne. Allerdings fehlt der Geschichte ein durchgehend überzeugender Spannungsbogen. Die einzelnen Inselstationen wirken häufig wie voneinander getrennte Episoden, und die Suche nach den sieben Schwertern verkommt stellenweise zu einer bloßen Aufgabenliste. So bleibt die Handlung zwar abwechslungsreich, entwickelt aber nur selten echten Sog.

Bei den Darstellern gibt es Licht und Schatten. Georgie Henley trägt als Lucy einen großen Teil der emotionalen Handlung und vermittelt überzeugend ihre Neugier, ihren Mut und ihre Selbstzweifel. Skandar Keynes gibt Edmund erneut mehr Reife und Entschlossenheit, während Ben Barnes als Kaspian inzwischen souveräner wirkt, aber nicht immer genügend Raum erhält, um seine Figur weiterzuentwickeln. Der eigentliche Szenendieb ist Will Poulter als Eustace. Seine zunächst selbstgefällige, besserwisserische Art sorgt für humorvolle Reibung, und seine Wandlung vom unangenehmen Außenseiter zu einem mutigeren Menschen bildet einen der stärksten Charakterbögen des Films. Auch Simon Pegg verleiht Riepischiep mit seiner Stimme genau die richtige Mischung aus Ritterlichkeit, Selbstbewusstsein und liebenswerter Überheblichkeit. Liam Neeson bringt als Aslan die erwartete gravitätische Ruhe mit, wobei die spirituellen Botschaften seiner Figur bisweilen etwas zu direkt ausgesprochen werden. Visuell bleibt Narnia eine reizvolle Fantasywelt. Die Morgenröte ist ein gelungen gestaltetes Schiff, die exotischen Inseln bieten Abwechslung, und fantastische Wesen wie der Drache oder die unsichtbaren Bewohner einer Insel sorgen für einige einprägsame Bilder. Besonders die Verwandlung Eustaces in einen Drachen verbindet Spektakel mit seiner persönlichen Entwicklung. Dennoch schwankt die Qualität der Effekte. Manche Kreaturen wirken überzeugend, andere verraten deutlich ihre digitale Herkunft. Auch die aufwendige 3D-Präsentation kann nicht jede Szene mit zusätzlichem Zauber versehen. Wo die Bilder Fantasie und Atmosphäre verbinden, funktioniert der Film am besten; in den stärker computergenerierten Passagen wirkt die Welt dagegen gelegentlich künstlich.

Die Kameraarbeit fängt die Weite des Meeres und die farbenprächtigen Landschaften ansprechend ein, während die Actionsequenzen für ein Familienabenteuer ordentlich inszeniert sind. Ein Kampf mit einem Seeungeheuer und die unheimlichen Szenen rund um die Dunkle Insel liefern Spannung, erreichen aber nicht immer die Intensität, die ihre Bilder versprechen. David Arnolds Filmmusik unterstützt die Reise mit einem kraftvollen, abenteuerlichen Klang und knüpft an den musikalischen Charakter der Vorgänger an. Auch die Themen Mut, Versuchung, Selbstannahme und Verantwortung sind vorhanden. Gerade Eustaces Entwicklung veranschaulicht sie auf nachvollziehbare Weise. Die religiöse Symbolik der Romanvorlage bleibt dabei spürbar, wird jedoch nicht immer organisch in die Handlung integriert. Im Vergleich zu den beiden Vorgängern ist "Die Reise auf der Morgenröte" weniger episch und stärker auf ein jüngeres Publikum zugeschnitten. Das ist nicht grundsätzlich ein Nachteil, doch der Film findet keine ganz sichere Balance zwischen kindlicher Abenteuerlust und ernsteren Themen. Manche Prüfungen wirken beliebig, die Gegenspieler bleiben wenig greifbar, und der zentrale Konflikt gewinnt erst spät an Gewicht. Dafür besitzt das Finale eine schöne emotionale Note und gibt Lucy und Edmund einen angemessenen Abschied von Narnia.

Unterm Strich ist "Die Chroniken von Narnia: Die Reise auf der Morgenröte" ein solides Fantasyabenteuer mit sympathischen Figuren, einigen gelungenen Schauwerten und einem überzeugenden Will Poulter. Die märchenhafte Seefahreridee und Eustaces Entwicklung sorgen für echte Höhepunkte, während die episodische Erzählweise, wechselhafte Effekte und ein wenig packender Hauptkonflikt verhindern, dass der Film sein volles Potenzial ausschöpft. Ein unterhaltsamer, stellenweise berührender Abschluss der ursprünglichen Narnia-Filmtrilogie - aber kein Abenteuer, das dauerhaft mit den stärksten Momenten des ersten Films mithalten kann.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Fox 2000 Pictures/Walden Media/Mark Johnson Productions/Dune Entertainment