Sonntag, 6. September 2026

The Brothers Grimm (2005)

https://www.imdb.com/de/title/tt0355295/
https://letterboxd.com/film/the-brothers-grimm/

Deutschland im frühen 19. Jahrhundert: Die Brüder Jakob (Heath Ledger) und Wilhelm Grimm (Matt Damon) ziehen durch Dörfer und Städte. Sie geben vor, Märchen und Geschichten zu sammeln. Aus den Erzählungen hören sie schnell heraus, wo sich die naive Landbevölkerung vor Hexen und Gespenstern fürchtet. Und sogleich bieten die Brüder an, die Menschen vor Spukgestalten zu schützen sowie Hexenbeschwörungen und Exorzismen durchzuführen. Als die französischen Besatzer, allen voran General Delatombe (Jonathan Pryce) und sein Folterscherge Cavaldi (Peter Stormare), Wind von dem Betrug bekommen, fangen sie die Brüder kurzerhand ein und stellen sie vor die Wahl: Entweder ein langsamer, schmerzhafter, ekliger Tod in Cavaldis Folterkeller oder aber eine Reise in das kleine Dörfchen Marbaden, um dort das Geheimnis eines angeblich verwunschenen Waldes und das Verschwinden junger Mädchen aufzuklären...

In Terry Gilliams faszinierenden, aber ziemlich unausgewogenen Märchenabenteuer "Brothers Grimm". spielen Matt Damon und Heath Ledger die Brüder Will und Jake Grimm, die 1796 als Betrüger durch das von Napoleon besetzte Deutschland ziehen und vorgeben, gegen Hexen und Geister zu kämpfen. Als sie den Auftrag erhalten, das Verschwinden mehrerer Mädchen aufzuklären, stellen sie fest, dass der verfluchte Wald tatsächlich Magie birgt. Ehren Kruger verbindet dabei Motive aus "Rotkäppchen", "Hänsel und Gretel", "Rapunzel" und "Dornröschen" zu einer bewusst eigenständigen Märchencollage. Gilliams größte Stärke ist natürlich die Optik. Der düstere Wald, die grotesken Kreaturen, die Spiegelkönigin und die liebevoll überzeichnete Ausstattung besitzen eine fantastische, teilweise morbide Bilderbuchqualität. Gerade deshalb ist es schade, dass die Geschichte mit ihren vielen Figuren, Nebenhandlungen und Wendungen häufig den Eindruck erweckt, als wolle sie sämtliche Ideen gleichzeitig unterbringen. 

Auch das Hauptdarstellerduo funktioniert besser, als der Film manchmal vermuten lässt. Ledger gibt Jacob eine verträumte, beinahe romantische Seite, während Damon den pragmatischeren Will verkörpert. Lena Headey sorgt als Angelika für Bodenhaftung, Monica Bellucci bleibt als Spiegelkönigin vor allem eine visuell interessante Märchenfigur. Peter Stormare wiederum darf als grotesker Folterknecht Cavaldi ordentlich aufdrehen und liefert einige der schwärzesten komischen Momente. Das eigentliche Problem ist der Ton. *Brothers Grimm* möchte gleichzeitig Fantasy, Horror, Komödie, Abenteuerfilm und Buddy-Movie sein. Manchmal entsteht daraus genau jene anarchische Energie, die man von Gilliam erwartet; häufig wirkt der Film jedoch schlicht hektisch und überladen. Dabei steckt durchaus mehr unter der Oberfläche. Die Gegenüberstellung von rationalistischem französischem Besatzungsdenken und deutscher Märchen- und Geisterwelt hätte ein spannendes historisches Fundament bilden können. Auch die Frage, wie aus Lügen und erfundenen Geschichten schließlich tatsächlich Märchen entstehen, ist reizvoll. Der Film entwickelt diese Ideen jedoch nicht konsequent genug. Dadurch bleibt von der durchaus interessanten Ausgangslage vor allem eine aufwendig ausgestattete Fantasy-Achterbahnfahrt.

Im Vergleich zu Gilliams stärkeren Fantasyfilmen fehlt es an erzählerischer Klarheit und emotionalem Zentrum. Trotzdem ist "Brothers Grimm" keineswegs langweilig: Dafür gibt es zu viele bizarre Einfälle, starke Bilder und groteske Nebenfiguren. Es ist eben ein typischer Fall von "zu viel Film". Gilliams visuelle Fantasie ist beeindruckend, Damon und Ledger harmonieren, und die Märchenmotive sorgen für einige herrlich düstere Momente. Doch die Handlung ist überladen, der Ton schwankt ständig und vieles wirkt eher zusammengestellt als wirklich entwickelt. Kein Gilliam-Meisterwerk, aber ein eigenwilliges, atmosphärisches Fantasyabenteuer, das gerade wegen seiner Fehler interessanter bleibt als mancher glattgebügelte Hollywood-Blockbuster.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkSummit Entertainment/Atlas Entertainment/Mosaic Media Group/Dimension Films/Metro-Goldwyn-Mayer/Daniel Bobker Productions

Samstag, 5. September 2026

Syriana (2005)

https://www.imdb.com/de/title/tt0365737/
https://letterboxd.com/film/syriana/

CIA-Agent Bob (George Clooney) verliert bei einem Waffendeal in Ägypten eine Rakete, die er sicher in die USA zurückbringen sollte. Bei der Zentrale ist er damit in Ungnade gefallen, auch wenn ihm das niemand so richtig bestätigen will. Darüber hinaus quälen ihn familiäre Probleme mit seinem Sohn. Schließlich ist er froh, einen spannenden Auftrag in Beirut ausführen zu können: Er soll Prinz Nasir (Alexander Siddig) eliminieren, der mit seinem Bruder um die Nachfolge eines mächtigen Öl-Emirs in Beirut rivalisiert. Die Vereinigten Staaten sähen lieber den anderen Sohn des Emirs an der Macht, da Nasir ein Hardliner sein soll, der gerade den Chinesen eine Pipeline gab und offen gegen die USA wettert. Während sich Bob auf den Weg macht, wird die Fusion zweier Ölkonzerne in den USA eingeleitet: Der Ölkonzern Killen hat in Kasachstan gerade eine wichtige Pipeline gewonnen und soll nun von den Amerikanern geschluckt werden. Anwalt Bennett Holiday (Jeffrey Wright) soll die Fusion überprüfen und stößt auf Ungereimtheiten, Bestechung und Betrug, in den die Ölgiganten Whiting (Christopher Plummer) und Jimmy Pope (Chris Cooper) von Killen verstrickt sein könnten. Während Holiday seine Untersuchung macht, wird Finanzexperte Bryan Woodman (Matt Damon) Prinz Nasirs Berater und stellt fest, dass der Prinz große liberale Reformen für sein Land plant, die seinem profitgierigen Bruder egal sind. Während sich die Situation um die Fusion und Bobs Auftrag immer weiter zuspitzt, begibt sich ein junger Pakistaner (Mazhar Muzir) in die Gesellschaft islamistischer Terroristen...

Stephen Gaghans "Syriana" ist ein zwar schwer zugänglicher, aber anspruchsvoller Politthriller, der das weltweite Ölgeschäft nicht als simple Verschwörung, sondern als kaum durchschaubares Geflecht aus Macht, Geld, Geheimdiensten und persönlichen Interessen zeigt. George Clooney, Matt Damon, Jeffrey Wright und Christopher Plummer bewegen sich in mehreren miteinander verbundenen Handlungssträngen zwischen Washington, Genf, Texas und dem Persischen Golf. Man versteht nie das gesamte System - aber man erkennt, wie Menschen darin benutzt werden. Clooney ist als desillusionierter CIA-Agent Robert Barnes hervorragend und körperlich kaum wiederzuerkennen. Auch Matt Damon überzeugt als Geschäftsmann, dessen private Tragödie zunehmend mit den großen politischen Interessen kollidiert. Jeffrey Wright und Christopher Plummer setzen starke Akzente, während Alexander Siddig als reformorientierter Prinz Nasir dem Film eine interessante Perspektive auf Macht und politische Abhängigkeit gibt. Die Ensembleleistung ist eine der großen Stärken des Films. 

Gaghan inszeniert bewusst ohne komfortable Erklärungen. Die zahlreichen Schauplätze, Figuren und Handlungsebenen ergeben ein Mosaik, dessen einzelne Teile sich erst langsam verbinden. Das ist faszinierend, kann aber auch anstrengend sein. Inhaltlich ist "Syriana" besonders stark, weil der Film seine Kritik nicht auf einen einzelnen Bösewicht reduziert. Ölkonzerne, Politiker, Geheimdienste und arabische Herrscher verfolgen ihre eigenen Interessen - und Korruption erscheint weniger als Ausnahme denn als Bestandteil eines Systems. Damit erinnert der Film an die politischen Paranoia-Thriller der 1970er und an "Traffic", besitzt aber durch seine globale Perspektive eine eigene Dimension. Die Schwäche liegt darin, dass Gaghans Ehrgeiz gelegentlich größer ist als seine erzählerische Kontrolle. Manche Dialoge wirken programmatisch, einige Nebenfiguren verschwinden fast ebenso schnell, wie sie eingeführt werden, und die Vielzahl an Verbindungen kann die emotionale Wirkung abschwächen. Der Film möchte gleichzeitig Thriller, Politdrama und Systemanalyse sein - und erreicht diese Ziele nicht immer im gleichen Maß. 

"Syriana" ist ein intelligenter, hervorragend besetzter und politisch ambitionierter Thriller, der seinem Publikum einiges abverlangt. Seine größte Stärke - die komplexe, fragmentierte Erzählweise – ist zugleich sein größtes Hindernis. Dafür besitzt der Film eine bemerkenswerte Atmosphäre, starke Darsteller und eine bis heute relevante Vorstellung davon, wie wirtschaftliche Interessen und politische Macht ineinandergreifen. Nicht immer leicht zugänglich, aber deutlich interessanter als ein gewöhnlicher Verschwörungsthriller. 

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkParticipant/4M/Section Eight/FilmWorks/MID Foundation/Warner Bros. Pictures

Freitag, 4. September 2026

Green Zone (2010)

https://www.imdb.com/de/title/tt0947810/
https://letterboxd.com/film/green-zone/

Das Team von US-Army-Offizier Roy Miller (Matt Damon) hat einen wichtigen Auftrag: Es geht darum, im Irakkrieg des Jahres 2003 die Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein aufzuspüren. Doch trotz vermeintlich solider Geheimdienstinformationen zieht Miller eine Niete nach der anderen. Verärgert wendet er sich an seine Vorgesetzten, die jedoch von seinen Einwänden nichts hören wollen. Drahtzieher dieser fragwürdigen Hinweise ist offenbar der Sonderbeauftragte des Pentagons, Clark Poundstone (Greg Kinnear). Miller vertraut sich dem abgebrühten CIA-Mann Martin Brown (Brendan Gleeson) an, der ebenfalls vermutet, dass im Irak etwas kolossal schief läuft. Dank eines Tipps des irakischen Zivilisten Freddy (Khalid Abdalla) stürmt Miller mit seinen Leuten eine Zusammenkunft hochrangiger Saddam-Vertrauter, die aber größtenteils flüchten können. Brown hetzt Miller auf ihre Fersen…

Irakkriegsdrama, Politthriller und kompromissloses Actionkino - Paul Greengrass’ "Green Zone" ist schon angesichts dieser Zusammensetzung deutlich stärker als reine Unterhaltung, aber weniger überzeugend, als seine brisante Ausgangslage verspricht. Matt Damon spielt Chief Warrant Officer Roy Miller, der im Irak 2003 nach den angeblichen Massenvernichtungswaffen sucht und zunehmend erkennt, dass die Geheimdienstinformationen dahinter nicht stimmen können. Aus der militärischen Routine wird eine persönliche Suche nach der Wahrheit. Damon funktioniert hervorragend als bodenständiger Soldat, während Greg Kinnear als machtbewusster Pentagon-Mann und Brendan Gleeson als CIA-Agent für die politischen Gegenspieler sorgen. Besonders gelungen ist, dass der Film die Suche nach den WMD nicht als abstrakte politische Debatte, sondern als unmittelbaren Thriller erzählt. Greengrass und Kameramann Barry Ackroyd erzeugen mit Handkamera, schnellen Schnitten und chaotischen Gefechtsszenen ein beinahe dokumentarisches Gefühl. 

Allerdings wird genau dieser Stil irgendwann zum Problem. Die permanente Wackelkamera und hektische Montage machen die Action zwar intensiv, aber nicht immer übersichtlich. Auch die Handlung selbst ist weniger komplex, als sie gerne wäre: Der politische Hintergrund wird stark vereinfacht, und aus der realen Kontroverse um die irakischen WMD entsteht letztlich ein ziemlich klassischer Verschwörungsthriller. Interessant bleibt der Gegensatz zwischen Anspruch und Unterhaltung. "Green Zone" möchte über die politischen Folgen des Irakkriegs sprechen, funktioniert aber am überzeugendsten als Actionfilm. Dadurch entsteht eine gewisse Ambivalenz: Der Film ist sichtbar engagiert, reduziert seine komplexe historische Realität jedoch auf einen amerikanischen Helden, der die Wahrheit entdeckt und gegen korrupte Entscheidungsträger vorgeht. 

Handwerklich beeindruckend und temporeich mit einem starken Matt Damon und einigen wirklich packenden Gefechtsszenen. Seine politische Botschaft ist allerdings zu plakativ, die Figurenzeichnung teilweise schematisch und die hektische Inszenierung nicht immer angenehm; als Kombination aus Irakkriegsfilm und Bourne-artigem Thriller funktioniert das Ganze aber durchaus.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkUniversal Pictures/StudioCanal/Relativity Media/Working Title Films (GB)/KanZaman Productions/Atresmedia Cine

Battle: LA - World Invasion: Battle Los Angeles (2011)

https://www.imdb.com/de/title/tt1217613/
https://letterboxd.com/film/battle-los-angeles/

Die Erde fällt interstellaren Plünderern zum Opfer – und die außerirdischen Aggressoren sind richtig mies drauf. Stadt um Stadt und Land um Land gerät der blaue Planet in die Hände der Invasoren, die Menschheit ist dem Inferno völlig hilflos ausgeliefert. Los Angeles wird zum Zentrum der Résistance gegen den übermächtigen Feind. Der abgebrühte Sergeant Michael Nantz (Aaron Eckhart) soll die Verteidigung der Stadt stärken. Können er und seine Truppe (u.a. Michelle Rodriguez, Cory Hardrict, Will Rothhaar, Jim Parrack und R&B-Sänger Ne-Yo) die Apokalypse abwenden?

Jonathan Liebesmans "Battle: Los Angeles" ist im Kern weniger Science-Fiction als ein Kriegsfilm mit Aliens. Wenn unbekannte Außerirdische weltweit angreifen, folgt der Film fast ausschließlich einem US-Marineinfanterie-Trupp unter Staff Sergeant Michael Nantz (Aaron Eckhart), der sich durch das zerstörte Los Angeles kämpft. Das Ergebnis erinnert deutlich an "Black Hawk Down" trifft auf "War Of The Worlds": laut, hektisch und ausgesprochen patriotisch. Aaron Eckhart ist dabei der wichtigste Trumpf. Er verleiht Nantz trotz der ziemlich schematischen Figur genügend Glaubwürdigkeit und menschliche Präsenz. Auch Michelle Rodriguez, Ramón Rodríguez und Bridget Moynahan funktionieren innerhalb des Ensembles ordentlich. Die Figuren bleiben allerdings überwiegend Genretypen: der unerfahrene Soldat, der harte Vorgesetzte, der skeptische Kamerad. Der emotionale Zusammenhalt des Trupps soll die Geschichte tragen, wirkt aber nicht selten wie aufgesetzte Militärromantik. 

Visuell und akustisch macht Liebesman dagegen ordentlich Druck. Wackelkamera, schnelle Schnitte, Explosionen und Dauerfeuer erzeugen tatsächlich das Gefühl, mitten in einem Gefecht zu stecken. Gleichzeitig wird die Inszenierung durch ihre permanente Hektik irgendwann ermüdend. Inhaltlich ist "Battle: Los Angeles" hingegen erwartungsgemäß dünn. Warum die Aliens angreifen, bleibt weitgehend Nebensache; ihre Motivation, die Erde beziehungsweise deren Wasser zu erobern, ist kaum mehr als ein Vorwand für die Gefechte. Gegenüber intelligenteren Invasionsfilmen wie beispielsweise "District 9" fehlt dem Film deshalb jede wirkliche gesellschaftliche oder politische Dimension. Und trotzdem: Als schnörkelloses Actionkino funktioniert der Film erstaunlich gut. Wer keine philosophische Alien-Geschichte erwartet, sondern beinahe zwei Stunden Dauergefecht mit einem charismatischen Hauptdarsteller, bekommt genau das. Die Effekte sind solide, die Action besitzt Wucht und einige Gefechte entwickeln durchaus Spannung. Nur sollte man die emotionale und dramaturgische Tiefe nicht dort suchen, wo vor allem geschossen wird.

"Battle: Los Angeles" ist weder ein guter Science-Fiction-Film noch ein besonders origineller Kriegsfilm, aber ein durchaus effektiver Actioner. Zwischen Alien-Invasion, militärischer Machtdemonstration und einem Videospiel findet Liebesman einen brachialen, wenn auch ziemlich eindimensionalen Stil. Die dünne Geschichte, die Klischees und die übertriebene Wackelkamera verhindern mehr - wer sich aber auf lautes, kompromissloses Popcornkino einlässt, wird zumindest ordentlich bedient.

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkColumbia Pictures/Relativity Media/Original Film

Mittwoch, 2. September 2026

Three Kings - Three Kings: Es ist schön König zu sein (1999)

https://www.imdb.com/de/title/tt0120188/
https://letterboxd.com/film/three-kings/

Gegen Ende des Golfkrieges im März 1991 finden die amerikanischen Soldaten Archie Gates (George Clooney), Troy Barlow (Mark Wahlberg), Chief Elgin (Ice Cube) und Conrad Vig (Spike Jonze) einen Plan, der anzeigt, wo ein gewaltiger Goldschatz vergraben liegen soll. Für die Soldaten gilt es nur noch den Schatz ausfindig zu machen, der direkt in der Nähe ihres Quartiers versteckt sein soll. Bei der Suche stoßen sie auf feindliches Gebiet und stehen plötzlich den irakischen Menschen gegenüber...

David O. Russells "Three Kings" ist ein ungewöhnlicher Golfkriegsfilm, der Action, schwarze Komödie und politische Satire mit erstaunlich ernsten Bildern über die Folgen von Krieg verbindet. Kurz nach dem Ende von Desert Storm machen sich die US-Soldaten Archie Gates (George Clooney), Troy Barlow (Mark Wahlberg), Chief Elgin (Ice Cube) und Conrad Vig (Spike Jonze) auf die Suche nach gestohlenem kuwaitischem Gold - und geraten dabei mitten in einen Konflikt, der deutlich komplizierter ist als ihre zunächst ziemlich simple Beutejagd. Russells größte Stärke ist die kompromisslose Inszenierung. Newton Thomas Sigels Kamera und der aggressive Schnitt machen die Wüste zu einem surrealen Schlachtfeld; besonders die ungewöhnlich drastische Darstellung von Schussverletzungen vermittelt körperlich, was Krieg tatsächlich bedeutet. Gleichzeitig kann Russell innerhalb weniger Sekunden von groteskem Humor zu erschütternder Gewalt wechseln. Genau diese tonale Unberechenbarkeit macht den Film so eigenständig - gelegentlich allerdings auch etwas chaotisch. 

Auch das Ensemble funktioniert hervorragend. Clooney gibt dem zunächst zynischen Major Gates eine überraschend menschliche Seite, Wahlberg überzeugt als moralisch wachsender Soldat und Ice Cube verleiht Elgin eine angenehm bodenständige Präsenz. Besonders interessant ist, wie sich die vier Männer im Verlauf der Geschichte von opportunistischen Beutejägern zu widerwilligen Helfern der irakischen Zivilbevölkerung entwickeln. Saïd Taghmaoui sorgt zudem dafür, dass die irakischen Figuren nicht bloß als anonyme Gegner erscheinen. Politisch ist "Three Kings" am stärksten, wenn Russell die Widersprüche des Golfkriegs sichtbar macht: Die Amerikaner haben gewonnen, wissen aber kaum, was sie mit diesem Sieg anfangen sollen, während die von den USA ermutigten irakischen Aufständischen anschließend weitgehend auf sich allein gestellt sind. Der Film kritisiert damit nicht nur Krieg, sondern auch die amerikanische Außenpolitik und die mediale Inszenierung des Konflikts. Gleichzeitig bleibt Russell seinen Helden gegenüber erstaunlich wohlwollend - eine herrliche Ambivalenz.

Nicht alles funktioniert gleichermaßen gut. Der Film ist manchmal überladen, die Mischung aus Slapstick, Gewalt und politischer Anklage wirkt gelegentlich bemüht, und gerade im letzten Drittel wird die Handlung etwas zu bequem. "Three Kings" ist ein wilder, technisch herausragender und erstaunlich politischer Kriegsfilm, der seine Hollywood-Unterhaltung nie vollständig von seinen moralischen Fragen trennen kann. Gerade diese Widersprüchlichkeit macht ihn interessant. Zwischen komödiantisch angehauchtem Kriegsfilm und klassischem Heist-Movie findet Russell einen eigenen Ton – nicht immer elegant, aber oft brillant. Ein bissiger, menschlicher und bis heute ungewöhnlich eigenwilliger Film über einen Krieg, der offiziell längst vorbei ist, während seine Folgen gerade erst beginnen.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkVillage Roadshow Pictures/Atlas Entertainment/Village-A.M. Partnership/Coast Ridge/Junger Witt Productions

Normal (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt31195136/
https://letterboxd.com/film/normal-2025/

Aushilfssheriff Ulysses (Bod Odenkirk) springt auf der Flucht vor den Dämonen seiner Vergangenheit immer in den Kleinstädten ein, in denen gerade Not am Mann ist. Als der eigentliche Sheriff der Kleinstadt Normal stirbt, hilft er in dem auf den ersten Blick so verschlafenen Örtchen aus. Dort sollte doch eigentlich wenig zu tun sein? Falsch gedacht. Denn als die lokale Bank von Verbrechern von außerhalb überfallen wird, entdeckt Ulysses, dass dahinter viel mehr steckt. Normal ist fest im Griff einer kriminellen Verschwörung und alle Einwohner*innen – vom Barbetreiber bis zum Priester – scheinen Teil davon zu sein.

Ben Wheatleys "Normal" ist eine herrlich schräge Mischung aus Kleinstadtkrimi, schwarzer Komödie und blutigem Actionfilm. Bob Odenkirk spielt den vorübergehenden Sheriff Ulysses, der im verschneiten Normal eigentlich nur etwas Ruhe sucht, bis ein Banküberfall die scheinbare Idylle zerlegt. Was zunächst an "Fargo" erinnert, entwickelt sich zunehmend zu einer grotesken Gewaltorgie – inklusive einer gehörigen Portion schwarzem Humor. Odenkirk trägt den Film mit seiner gewohnt trockenen Präsenz und macht Ulysses gerade dadurch sympathisch, dass er kein unbesiegbarer Superheld ist. Auch Lena Headey und Henry Winkler sind gut aufgelegt, bekommen von Drehbuchautor Derek Kolstad allerdings deutlich weniger zu tun, als ihre Namen vermuten lassen. Die eigentliche Stärke liegt ohnehin in Wheatleys Inszenierung: präzises Timing, verschrobene Figuren und überraschend kreative Action verbinden sich zu einem angenehm eigenwilligen Genre-Mix.

Allerdings braucht "Normal" etwas zu lange, um aus seiner ruhigen Ausgangssituation herauszukommen. Einige Wendungen sind vorhersehbar, die Charakterzeichnung bleibt stellenweise oberflächlich und der schwarze Humor trifft nicht immer ins Ziel. Sobald jedoch die Eskalation einsetzt, dreht Wheatley ordentlich auf: Schießereien, Explosionen und makabre Zufälle sorgen für genau jene überzeichnete Brutalität, die den Film von einem gewöhnlichen Odenkirk-Actioner abhebt. Damit erfindet "Normal" den Kleinstadt-Actionthriller nicht neu, macht aus seinen bekannten Zutaten aber einen kurzweiligen und angenehm bizarren Genre-Cocktail. Zwischen "Fargo", "Hot Fuzz" und "Nobody" findet Wheatley seinen eigenen, ziemlich blutigen Ton. Nicht jede Pointe sitzt und die erste Hälfte könnte straffer sein – doch Odenkirk, die schräge Atmosphäre und das furiose Finale machen den Film sehenswert.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkAperture Media Partners/QWGmire/Odenkirk Provissiero Entertainment/Le Foole/Tradecraft/Normal Films

Dienstag, 1. September 2026

Road Trip - Road Trip: Heißer Trip nach Texas (Unr8ted) (2000)

https://www.imdb.com/de/title/tt0215129/
https://letterboxd.com/film/road-trip/

College-Student Josh (Breckin Meyer) hat zwei Probleme: Er muss das nächste Examen mit einer Zwei-plus bestehen und verhindern, dass ein Video, das er gerade abgeschickt hat, seine Freundin Tiffany (Rachel Blanchard) im 1.800 Meilen entfernten Austin erreicht. Statt einer Liebesbotschaft schickt Josh versehentlich einen Mitschnitt eines Seitensprungs mit Studienkollegin Beth (Amy Smart). Gemeinsam mit seinen Freunden - dem Möchte-gern-Macho E. L. (Seann William Scott), dem intellektuellen Kiffer Rubin (Paulo Costanzo) und dem schüchternen Kyle (D. J. Qualls) - macht sich Josh auf die Reise, um das Video abzufangen, bevor die Post es ausliefert.

Todd Phillips’ *Road Trip* ist eine ziemlich typische Komödie ihrer Zeit - vulgär, sexbesessen, albern und trotzdem erstaunlich sympathisch. Josh (Breckin Meyer) verschickt versehentlich ein Sexvideo an seine Freundin Tiffany (Rachel Blanchard) und macht sich mit seinen Freunden E.L. (Seann William Scott), Rubin (Paulo Costanzo) und dem unfreiwillig mitgeschleppten Kyle (DJ Qualls) auf einen 1.800-Meilen-Trip, um das Band abzufangen. Der Film lebt vor allem von seinem Ensemble. Meyer ist als etwas überforderter Josh ein sympathischer Mittelpunkt, während Seann William Scott als hemmungsloser E.L. regelmäßig die Show stiehlt. Auch DJ Qualls sorgt als nerdiger Kyle für einige der besseren Momente. Tom Green als völlig durchgedrehter Barry ist dagegen eine Geschmacksfrage: Seine Auftritte gehören zu den absurdesten Teilen des Films. 

Phillips, der später mit "The Hangover" deutlich größere Erfolge feiern sollte, findet bereits hier ein gutes Gespür für Tempo und episodische Komik. Einige Gags - insbesondere die French-Toast-Sequenz, die Begegnung mit Barry oder der völlig aus dem Ruder laufende Zwischenstopp - funktionieren noch immer. Gleichzeitig besteht ein großer Teil des Humors aus Sexwitzen, Körperkomik und bewusst geschmacklosen Einfällen. Problematischer ist, dass "Road Trip" seine eigene Tonlage nicht immer findet. Der Film will gleichzeitig schmutzig und herzlich sein und wirkt dadurch gelegentlich uneinheitlich. Genau das spürt man noch heute: Zwischen der sympathischen Freundschaftsgeschichte und den möglichst derben Gags liegen manchmal Welten. Trotzdem besitzt der Film einen gewissen Charme, den viele spätere Teenie-Komödien nicht mehr erreichten. Er ist eine Momentaufnahme der Zeit vor Smartphones und GPS, in der eine falsch verschickte Videokassette tatsächlich eine 1.800 Meilen lange Odyssee auslösen konnte. Gerade diese analoge Ausgangssituation verleiht "Road Trip" heute einen unerwarteten Nostalgiefaktor.

"Road Trip" ist weder besonders intelligent noch besonders subtil, aber als freche, temporeiche College-Komödie funktioniert er überraschend gut. Nicht jeder Gag sitzt, Tom Green strapaziert die Geduld und manches ist aus heutiger Sicht deutlich angestaubt. Dafür stimmen Ensemble, Tempo und die Chemie der Hauptfiguren. Irgendwo zwischen Guilty Pleasure und solider Komödie.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkDreamWorks Pictures/The Montecito Picture Company