Dienstag, 9. Juni 2026

French Connection II (1975)

https://www.imdb.com/de/title/tt0073018/

Der Detective Jimmy "Popeye" Doyle (Gene Hackman) ist noch immer auf der Jagd nach dem schmierigen Drogenhändler Alain Charnier (Fernando Rey), der ihm in New York entkommen ist. Doch diesmal führt ihn die Spur nicht mehr in die Straßen von Brooklyn, sondern nach Marseille, Frankreich, wo Charnier sein neues Rückzugsgebiet hat. In Frankreich wird Doyle nicht als der gefürchtete Cop empfangen, der er in New York ist, sondern als ein Fremder, der in einer fremden Stadt nicht weiß, wie er sich durchsetzen soll. Er wird dem französischen Polizisten Henri Barthélémy (Bernard Fresson) zugeteilt, der ihn nicht wirklich mag. Dennoch versucht Doyle, seine eigene Spur zu verfolgen, und er findet heraus, dass Charniers Drogenring weiter operiert als je zuvor...

Der Film ist eine Fortsetzung von William Friedkins 1971er Drama "Brennpunkt Brooklyn"/"French Connection" und wurde von John Frankenheimmer inszeniert. Doch "French Connection II" setzt die Geschichte um den harten Cop/Detective "Popeye" Doyle nicht einfach fort, sondern dreht den Charakter der Story selbst komplett um. Frankenheimer nimmt die Hauptfigur Doyle, erneut gespielt von Gene Hackman, den unerbittlichen, rücksichtslosen NYPD-Detektiv, der in William Friedkins Original von 1971 die Welt von New York beherrschte, und wirft ihn nach Marseille, wo er plötzlich mit der Situation konfrontiert ist, eben nicht mehr ständig die Oberhand zu besitzen. 

Doyle, dessen Kompetenz, dessen Fähigkeit, auf einer ansprechenden Ebene zu funktionieren, wird hier zum Comic Relief und fast vollständig seiner Würde entledigt. Allein die Entgiftungssequenz in der Mitte bringt den Film quasi zum Stillstand und während an dieser Stelle Handlung, Verfolgung und der Jäger völlig vergessen werden, konzentriert sich der Film nur auf die Figur und wird nicht nur langweilig, sondern ringt dem Zuschauer eine Menge Geduld ab. Das ist der Kern des Problems: Der Film ist nicht so grob, so roh, so direkt wie das Original. Er ist langsamer, und in diesem Kontext viel zu charaktergetrieben, und lange nicht so visuell, wie man es von einem Thriller erwarten würde. Stattdessen ist es eine Geschichte über Rache, die Popeye in einer fremden Umgebung, in der er nicht die Kontrolle hat, in eine Verletzlichkeit zwingt, die er in New York nicht hatte. Fernando Rey spielt erneut Alain Charnier, der Heroinschmuggler, der Popeye in New York entgangen trat. Er ist immer noch der gleiche Charakter, kalt, charmant, aber jetzt ist er der Verfolger, nicht der Verfolgte. Bernard Fresson spielt Henri Barthélémy, den französischen Polizisten, der Popeye als Partner zugeteilt bekommt und der ihn nicht mag, aber mit ihm zusammenarbeiten muss. Der Konflikt zwischen den beiden ist nicht nur kulturell, sondern auch persönlich, und er gibt dem Film eine zusätzliche Ebene, die das Original nicht hatte (und brauchte).

Das Problem ist zudem, dass der Film nicht immer weiß, wie er mit diesen neuen Elementen umgehen soll. Manchmal ist er zu rockig, manchmal zu ernst, manchmal zu comicartig. Der Film hat eine gewisse Komödie, die Popeye in einer fremden Umgebung in eine komische Rolle zwingt, aber das ist nicht immer erfolgreich. Am Ende bleibt "French Connection II" ein Film, der versucht, "Popeye" Doyle zu verändern, und das ist nicht wirklich erfolgreich. 

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Twentieth Century Fox

Duel - Duell (1971)

https://www.imdb.com/de/title/tt0067023/

Der Geschäftsmann David Mann (Dennis Weaver) ist mit seinem 1970er Plymouth Valiant Custom auf dem Highway unterwegs, als aus dem nichts plötzlich ein Tanklastzug auftaucht. David hat keine Lust, hinter dem LKW herzufahren, der ihm zu langsam unterwegs ist. Deswegen setzt er zum Überholmanöver an, ohne zu ahnen, dass sich daraus böse Folgen ergeben. Die ruhige Atmosphäre der amerikanischen Einöde wird plötzlich zu einem Kampfplatz, bei dem der unsichtbar erscheinende Fahrer des Lastwagens zu einem gefährlichen Gegner wird. Denn ohne ersichtlichen Grund beginnt das PS-strotzende Ungetüm, Jagd auf David zu machen. Der harmlose Geschäftsmann versucht alles, um den LKW los zu werden, aber kein Trick scheint ausreichend zu sein, um das zu erreichen. Ein gnadenloses Duell mit ungewissem Ausgang beginnt.

Steven Spielbergs Fernsehfilmdebüt verwandelt eine einfache Autofahrt in ein existenzielles Bedrohungsszenario, und gerade in dieser Reduktion liegt seine Kraft: Ein Mann, ein Truck, eine Straße - mehr braucht der Film kaum, um Angst, Paranoia und Ohnmacht spürbar zu machen. Was zunächst wie eine Verkehrssituation wirkt, entwickelt sich rasch zu einem erbarmungslosen Verfolgungsspiel, in dem der unbekannte Fahrer des Trucks zu einer nahezu mythischen Bedrohung wird. Spielberg hält den Antagonisten konsequent anonym; man sieht ihn kaum je vollständig, und gerade diese Weigerung, ihm ein menschliches Gesicht zu geben, macht ihn so unheimlich. Die Geschichte ist absichtlich schlicht, fast grob skizziert, und doch funktioniert sie auf einer tieferen Ebene überraschend präzise. Bemerkenswert ist, wie sehr Spielberg bereits hier seine späteren Fähigkeiten zeigt. Die Inszenierung lebt von Blickachsen, von Schnitt, von der Verzögerung des Schreckens und von der ständigen Verschiebung der Machtverhältnisse zwischen Mensch und Maschine. Dafür, dass der Film ursprünglich als Fernsehprojekt gedacht war, später aber mit nachträglich gedrehten Szenen für das Kino erweitert wurde, überrascht; trotzdem bleibt er in seiner Struktur erstaunlich konzentriert und radikal.

Der Film erzeugt Spannung nicht durch Dialoge, sondern durch Verhaltensmuster. David Mann spricht wenig, denkt viel, irrt, beschleunigt, bremst, wartet, flieht. Seine zunehmende Verzweiflung ist nachvollziehbar, weil Spielberg ihn nicht als Helden inszeniert, sondern als normalen Mann, dessen Alltagsroutinen auf der offenen Straße nicht mehr funktionieren. Genau darin liegt die Nähe zu späteren Spielberg-Filmen: Auch dort wird ein unsichtbarer Gegner zur zentralen Macht, und auch dort entsteht Spannung aus der Unmöglichkeit, das Bedrohliche zu fassen. Die technische Umsetzung ist für ein Low-Budget-Projekt erstaunlich wirkungsvoll. Die starke Kameraarbeit, die präzise gesetzten Verfolgungsszenen und das kluge Sounddesign, das dem Truck fast eine eigene Persönlichkeit verleiht., sind hervorragend Zwar sind manche Zwischenstopps und Übergänge sichtbar weniger sorgfältig gestaltet, doch diese kleinen Unebenheiten schmälern den Gesamteindruck kaum. Entscheidend ist, dass der Film fast immer auf Angriff bleibt und selbst dort Spannung erzeugt, wo eigentlich nur Straße zu sehen ist.

Auch die Nachwirkung des Films ist bemerkenswert. Heute gilt "Duell" weithin als eines der stärksten Frühwerke Spielbergs und als Beweis dafür, dass große Kinowirkung nicht von großen Budgets abhängt. Filmstarts und andere Rückblicke ordnen den Film als frühes Meisterstück des Spannungskinos ein, das mit minimalen Mitteln maximale Beklemmung erzeugt. Natürlich ist "Duell" kein perfekter Film. Die Geschichte ist sehr einfach, und die Logik einzelner Entscheidungen lässt sich an manchen Stellen hinterfragen. Doch genau diese Reduktion ist auch seine Tugend: Der Film will keine komplexe Welt erklären, sondern einen Zustand aussetzen - den Zustand, von etwas verfolgt zu werden, das man nicht kennt und nicht versteht. Dadurch wird die Autobahn zu einem psychologischen Terrain, auf dem sich moderne Angst in Bewegung übersetzt. Spielberg beweist hier bereits, wie sicher er das Publikum durch Raum, Tempo und Wahrnehmung führen kann. Was als Fernsehfilm begann, ist zu einem fast archetypischen Albtraum geworden: der Mensch allein gegen ein ungeheuerliches, namenloses Gegenüber, mitten im grellen Tageslicht. 

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Universal Television

Montag, 8. Juni 2026

Il colosso di Rodi - The Colossus of Rhodes - Der Koloß von Rhodos (1961)

https://www.imdb.com/title/tt0054756/

Der athenische Kriegsheld Darios (Rory Calhoun) reist nach Rhodos, um dort seinen Urlaub zu verbringen. Kurz nach seiner Ankunft wird er Zeuge der Einweihung des riesigen Kolosses von Rhodos, einer gigantisches Statue des Sonnengottes Helios, die am Stadttor steht und als eines der antiken Weltwunder gilt. Schon bald gerät Darios in zwei parallele Verschwörungen, die sich gegen den herrschenden Tyrannen Peliocles (Georges Marchal) richten.  Er trifft die schöne Dienerin Diala (Lea Massari), die ihn in den Palast von Peliocles führt.  Dort wird er Zeuge, wie sich eine Gruppe von Widerstandskämpfern um Peliocles' eigenem Bruder Thar (Conrado San Martín) auf eine Verschwörung gegen die Tyrannei vorbereitet. Gleichzeitig wird Darios von Koros (Ángel Aranda), einem weiteren Verschwörer, angesprochen, der eine radikalere Variante der Befreiung vorsieht. Inmitten der Intrigen und rivalisierenden Pläne wird Darios zum zentralen Akteur, der mit seinem Mut und seiner Intelligenz entscheiden muss, welche der Widerstandsbewegungen er unterstützen soll. Er wird von der Täterin Mirte (Mabel Karr), von dem Krieger Ares (Mimmo Palmara) und von weiteren Figuren unterstützt, die alle unterschiedliche Interessen verfolgen...

 "Der Koloß von Rhodos" ist einer dieser seltenen Filme, die man als Filminteressierter aus zwei Gründen sehen muss: wegen seiner Geschichte als Debütfilm und wegen seiner ungleichen Qualität, die zwischen raumgreifendem Stil und einer etwas mechanischer Erzählweise schwankt. Regisseur Sergio Leone, der später mit Western weltberühmt wurde, inszeniert hier 1961 seinen ersten eigenen Spielfilm im Genre des Sandalenfilms/antiken Monsterfilms, der in den 1950er und 1960er Jahren in Italien und Europa sehr beliebt war. Leone zeigt in seinem Debüt deutlich, dass er ein visuelles Talent hat, das später seine Western dominieren wird. Die Sequenz des Erdbebens und die große Kampfszene am Ende sind bemerkenswert stark inszeniert, und man spürt hier bereits die Fähigkeit des Regisseurs, Spannung mit großen Bildern aufzubauen. Dennoch ist der Film nicht ohne Schwächen. Die erste Hälfte wirkt aufgesetzt und mechanisch und darüber hinaus viel zu lang, die Mischung zwischen Ironie und epischer Intensität ist ebenfalls nicht immer perfekt, und die Geschichte folgt oft einer zu starren Struktur, die wenig Raum für echte emotionale Tiefe bietet. 

Das alles macht den Film eben nicht zum Meisterwerk, sondern zu einem ersten guten Versuch. Man merkt hier deutlich: zu dem von Leone bekannten Itolowestern war es noch ein weiter Schritt. Der Film ist auch von einem gewissen Stil geprägt, hat raumgreifende Bilder und eine gute Besetzung, aber er ist auch ein Werk, das noch nicht die volle Kraft zeigt, die Leone später in seinen Western entfalten wird. "Der Koloß von Rhodos" ist auch ein interessanter, aber eben nicht durchgehend guter Film. Er ist ein Werk, das zeigt, wie Leone sich in einem Genre, das er zudem nicht besonders mochte, entwickelte. Der Film ist ein Debüt, das nicht perfekt ist, aber es ist eines, das zeigt, dass Leone bereits ein Regisseur mit einem visuellen Instinkt war, der später seine Karriere dominieren würde. Und mit einem Sandalenfilm monumentalen Ausmaßes zu starten ist auch bemerkenswert.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkProduzioni Atlas Consorziate/Procusa/Comptoir Français de Productions Cinématographiques/CTICineproduzioni Associate

Sonntag, 7. Juni 2026

Giù la testa - Once Upon A Time ... The Revolution - Duck, You Sucker! - A Fistful of Dynamite - Todesmelodie (1971)

https://www.imdb.com/title/tt0067140/

Der wortkarge Bandit Juan Miranda (Rod Steiger) und der gescheiterte irische Rebell John Mallory (James Coburn) treffen sich 1913 in den blutigen Wirren der mexikanischen Revolution. Juan sieht in dem Sprengstoffexperten den idealen Partner für einen Überfall auf die Bank von Mesa Verde, kann den Iren aber erst nach einiger Überzeugungsarbeit zur Teilnahme bewegen. In der Stadt angekommen, stellen sie fest, dass die Revolution bereits vor ihnen angekommen ist. Hinter den Panzertüren des Banktresors finden sie nicht etwa das erhoffte Gold, sondern eine Gruppe politischer Gefangener, die Juan sogleich nach ihrer Befreiung zum Revolutionshelden wider Willen erklären. Bald werden er und John zur Zielscheibe der brutalen Regierungstruppen und geraten immer tiefer in eine tödliche Spirale der Gewalt...

"Todesmelodie" ist Altmeister Sergio Leones vielleicht am meisten unterschätzter großer Film: ein Western, der sich in einen Revolutionsfilm verwandelt und dabei nie vergisst, dass politische Umwälzungen für die Menschen vor Ort vor allem Chaos, Verrat und Verlust bedeuten. Unter verschiedenen englischen Titeln bekannt - vor allem als "Duck, You Sucker!" oder "A Fistful Of Dynamite" - erzählt der Film von dem Banditen Juan Miranda und dem irischen Sprengstoffexperten John Mallory, die sich in den Wirren der mexikanischen Revolution widerwillig zusammentun und dabei immer tiefer in eine Geschichte geraten, die größer ist als ihr eigener Profit. Leone dreht hier nicht einfach einen weiteren Spätwestern, sondern eine bitter ironische Ballade über politische Instrumentalisierung. Juan (Rod Steiger) will Geld, Mallory (James Coburn) will sich eigentlich aus der Politik heraushalten, doch die Revolution macht keine solchen einfachen Absprachen. Aus dem geplanten Bankraub wird eine Befreiungsaktion, aus dem Überlebensinstinkt ein politisches Bekenntnis, und aus zwei cleveren Außenseitern werden Figuren, die sich an den Rand eines historischen Mahlstroms stellen, ohne ihn wirklich kontrollieren zu können. 

Rod Steiger spielt Juan mit einer Mischung aus grober Komik, Eitelkeit und überraschender Verletzlichkeit. James Coburn verleiht Mallory eine kontrollierte Kälte, die erst im Lauf des Films Risse bekommt. Zwischen diesen beiden Männern entsteht eine seltsame, ungleiche Freundschaft, die den Film menschlich macht, ohne ihn sentimental werden zu lassen. Leone versteht sehr genau, dass große historische Filme dann am stärksten sind, wenn sie die Geschichte nicht von oben, sondern von zwei ziemlich unzuverlässigen, sehr konkreten Männern aus betrachten. Visuell ist "Todesmelodie" Leone pur. Die weiten Landschaften Spaniens, die lange Anstauung von Spannung, die plötzlichen Gewaltausbrüche und die oft fast opernhafte Inszenierung machen den Film zu einem Werk, das zugleich episch und intim wirkt. Morricones Musik trägt dazu entscheidend bei: Sie beginnt nicht einfach, sie baut sich auf, hält inne, schlägt zurück und wird so zum emotionalen Nerv des Films. Man kann kaum anders, als von einer Inszenierung zu sprechen, die Gewalt nicht ästhetisiert, sondern in eine traurige, fast erschöpfte Form von Spektakel verwandelt. 

"Todesmelodie" ist aber auch ein Film, der sich weigert, Revolution als sauberen Mythos zu erzählen. Er zeigt, wie leicht Ideale von Geld, Misstrauen und persönlicher Geschichte verschluckt werden. Dabei ist er immer wieder auch überraschend komisch, dann wieder brutal und schließlich melancholisch; diese Tonwechsel sind nicht Schwäche, sondern Teil seines Charakters. Leone scheint zu sagen, dass Geschichte nicht von Helden gemacht wird, sondern von Menschen, die an dem Versuch, mit ihr mitzuhalten, beschädigt werden. Was den Film heute so stark macht, ist genau diese Mischung aus Wucht und Skepsis. Er hat die große Geste, die man von Leone erwartet, aber auch eine politische Bitterkeit, die ihn von reinen Genrestücken abhebt. "Todesmelodie" ist nicht der glatte, kultisch verehrte Leone-Western, sondern ein rauer, trauriger und manchmal sehr explosiver Film über Männer, die glauben, sie könnten die Geschichte für ihre Zwecke benutzen - und dann entdecken, dass sie selbst längst von ihr benutzt werden. Unterschätzt, hervorragend.

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkRafran Cinematografica/San Marco/Euro International Films

Samstag, 6. Juni 2026

七人の侍 - Shichinin no samurai - Seven Samurai - Die sieben Samurai (Original Version) (1954)

https://www.imdb.com/de/title/tt0047478/

Im Japan des späten 16. Jahrhunderts sieht sich eine Dorfgemeinde von Reisbauern seit Jahren den Angriffen und Plünderungen von skrupellosen Banditen ausgesetzt. Doch eines Tages haben sie von der ständigen Angst und Unterdrückung genug. Kurz vor der Erntezeit schicken sie einige Bewohner in die große Stadt, um dort ungebundene Samurai zur Verteidigung des Dorfes anzuwerben. Obwohl sie außer Nahrung und Unterkunft nichts bieten können, gelingt es sieben Samurai unterschiedlichster Herkunft unter der Führung des alternden, aber weisen Kambei Shimada (Takashi Shimura) für ihre Sache zu gewinnen. Die sieben Samurai machen sich auf den Weg in das Dorf, wo sie zunächst sehr skeptisch und ängstlich empfangen werden. Dennoch bereiten sie die Verteidigung vor und geben den Einwohnern grundlegende Kampfanweisungen mit Speeren, Stöckern und Klingen. Die Zeit drängt, denn nicht lange nach ihrer Ankunft, werden die ersten Späher der Banditen gesichtet...

Akira Kurosawas "Die sieben Samurai" ist ein Film, der zu den Klassikern gehört. Ein Film, der als Blaupause für viele nachfolgende Streifen herhält und der in vielen Produktionen referenziert, gewürdigt oder zitiert wird und in der Tat scheint fast jeder spätere genreübergreifende Actionfilm, vom Western bis zum modernen Blockbuster, etwas von diesem Film geerbt zu haben. Es ist auch kein Film, den man einfach sieht; man durchlebt ihn. Kurosawa schuf 1954 ein Werk, das zugleich Abenteuerfilm, Kriegsfilm, Gesellschaftsstudie und moralische Meditation ist - und das alles mit einer solchen erzählerischen Sicherheit, dass selbst seine Überlänge niemals wie Übermaß wirkt, sondern wie eine unbedingte Notwendigkeit. 

Die Ausgangslage der Story ist brillant schlicht: Ein Dorf wird von Banditen bedroht und heuert sieben Ronin (den alternden Samurai Kambei Shimada (Takashi Shimura), den jungen Sohn einer Samurai-Familie Katsuhiro, Shichiroji (Isao Kimura), einen Freund Kambeis, den Möchtegern-Samurai Kikuchiyo (Toshirō Mifune), den Bogenschützen Gorobei Katayama (Yoshio Inaba), den schweigsamen Kyuzo (Seiji Miyaguchi), der von Katsuhiro bewundert wird, Heihachi Hayashida (Minoru Chiaki) und Shino (Keiko Tsushima), die einzige Frau) an, um die Ernte und damit sein Überleben zu sichern. Daraus entwickelt Kurosawa ein komplexes Geflecht aus Klassenunterschieden, Ehre, Angst und Zusammenarbeit. Die Bauern sind nicht bloß dankbare Schutzbefohlene, sondern Menschen, die von Verzweiflung und Misstrauen geprägt sind. Die Samurai wiederum sind keine makellosen Helden, sondern Individualisten mit sehr unterschiedlichen Temperamenten, Fähigkeiten und Lebenslagen. Gerade diese Vielfalt macht den Film so reich: Er ist nie nur die Geschichte einer Mission, sondern immer auch die Geschichte eines kleinen, vorübergehenden sozialen Bündnisses. Dabei ist Takashi Shimura als Kambei der ruhende Pol des Films. Er wirkt nicht wie ein triumphaler Anführer, sondern wie ein Mann, der schon viel zu viel gesehen hat und deshalb weiß, dass jede echte Verteidigung mit Demut beginnt. Toshirō Mifune dagegen bringt die wilde, fast überschäumende Energie hinein, die den Film immer wieder an die Kante des Chaos bringt. Zwischen diesen Polen entfaltet sich unter den weiteren 5 Ronin eine Dynamik, die den Film lebendig hält: Disziplin gegen Impuls, Strategie gegen Stolz, Erfahrung gegen Feuer. 

Kurosawas Inszenierung ist dabei von einer Präzision, die bis heute staunen lässt. Die berühmten Actionszenen sind nicht einfach spektakulär, sondern räumlich klar und emotional aufgeladen. Regen, Schlamm, Pferde, Holzpalisaden, rennende Körper, schnelle Blicke - alles ist so organisiert, dass man jederzeit versteht, wo sich wer befindet und was auf dem Spiel steht. Besonders die Kämpfe im Regen gehören zu den eindrucksvollsten Szenen der Filmgeschichte, weil sie die physische Härte der Auseinandersetzung mit einer fast musikalischen Form verbinden. Und das ist der entscheidende Punkt, an dem der Film über all seine Genre hinauswächst. Er ist nicht nur aufregend, sondern menschlich. Man spürt, wie die Männer einander misstrauen, sich bewähren, scheitern, lernen und vor allem: wie das Dorf nicht einfach gerettet wird, sondern nur für einen Moment überlebt. Die berühmte Schlussfolgerung des Films ist deshalb so bittersüß, weil sie die Samurai nicht zu Gewinnern macht. Sie haben nicht für Ruhm gewonnen, sondern für andere - und genau darin liegt ihre Tragik. 

Auch seine Länge von über 3 Stunden in der japanischen Originalfassung wird oft diskutiert, doch sie ist Teil seines Wirkungsprinzips. Kurosawa braucht diese Zeit, um aus einer schlichten Bedrohung ein lebendiges System von Beziehungen zu formen. Das Dorf, die Felder, die Vorbereitungen, die Rekrutierung der Samurai, die kleinen Gespräche, das Warten auf den Angriff - all das ist nicht Verzögerung, sondern Aufbau. Der Film versteht, dass Spannung nicht schneller wird, wenn man sie kürzt - im Gegenteil: sie wird stärker, wenn man sie ernst nimmt. Am Ende bleibt "Die sieben Samurai" ein Monument des Kinos, weil er so viele Dinge zugleich kann: aufregend und nachdenklich sein, episodisch und präzise, spektakulär und intim. Er hat das Actionkino nicht nur geprägt, sondern ihm eine moralische und emotionale Tiefe gegeben, die bis heute selten erreicht wird. Und wie bei jedem großen Film hat man am Ende nicht das Gefühl, etwas gesehen, sondern etwas verstanden zu haben - über Loyalität, Gemeinschaft und die Kosten des Überlebens. 

9/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Toho Studios

Donnerstag, 4. Juni 2026

Scary Movie - Scary Movie 6 (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt32093575/

Sechsundzwanzig Jahre nach ihrer ersten Begegnung mit einem maskierten Täter geraten die verbliebenen Mitglieder der damaligen Gruppe - Shorty Meeks (Marlon Wayans), Ray Wilkins (Shawn Wayans), Cindy Campbell (Anna Faris) und Brenda Meeks (Regina Hall) erneut in Lebensgefahr. Der Mörder, auch bekannt als Ghostface, scheint es abermals auf sie abgesehen zu haben und knüpft an die Ereignisse von damals an.

Sechsundzwanzig Jahre nach ihrer ersten Begegnung mit einem verdächtig vertrauten maskierten Killer kehren die verbliebenen Mitglieder der ursprünglichen Gruppe unter der Regie von Michael Tiddes zurück. Shorty Meeks gespielt von Marlon Wayans, Ray Wilkins von Shawn Wayans, Cindy Campbell von Anna Faris und Brenda Meeks von Regina Hall geraten erneut in die Kreuzfeuer eines Killers, und kein Horrorfilm-IP ist vor ihnen sicher. Der berüchtigte Ghostface kehrt zurück und knüpft an die Ereignisse von damals an, während die Handlung einer Gruppe von Freunden folgt, die sich nach vielen Jahren wieder zusammenfindet, als Chaos ausbricht. Mit "Scary Movie" feiert die Kultreihe nach 13 Jahren ihr Comeback gemeinsam mit ihren ursprünglichen Schöpfern. Die Wayans-Brüder Kee­nen Ivory, Shawn und Marlon Wayans sind erstmals seit "Scary Movie 2" aus dem Jahr 2001 wieder an Bord. Marlon Wayans kehrt als Shorty zurück und ist erneut am Drehbuch beteiligt, gemeinsam mit Shawn Wayans, Keenen Ivory Wayans und Rick Alvarez. 

Die Parodien dieses Mal greifen bewusst aktuelle Horrorfilme auf. Als Inspirationsquelle dienen unter anderem "The Substance", "Blood & Sinners", "Weapons", "Terrifier", "Longlegs", "Get Out", "Halloween", "Wednesday", "Final Destination", "Smile" und natürlich "Scream". Der Film nimmt die sogenannte Cancel Culture satirisch ins Visier und verspricht politisch inkorrekte Comedy, wie man sie in der heutigen Zeit nur noch selten sieht. Marlon Wayans sagt dazu, sie wollten den Spaß zurückbringen und glauben, das gehe nur, wenn sie die Cancel Culture canceln. Doch trotz dieses Versprechens und der Rückkehr der Originalbesetzung gibt es Probleme, denn wenn man die Referenzen zu modernem Horror wegnimmt, hätte dieser Film bereits 2006 erscheinen können. Fast jeder Witz im Trailer sei etwas, das man schon von nervigen Familienmitgliedern gehört habe. Der Film scheint mehr auf Social-Media-Kultur abzuzielen als auf Horror als Genre selbst. Das enttäuscht, denn die Wayans-geführten Teile waren clevere, liebevolle Parodien auf Horrorfilme, die beim Publikum auch gut ankamen.

"Scary Movie" ist ein Film, der meint zu wissen, was seine Fans wollen, und liefert eigentlich auch genau das, was sie von der Reihe erwarten: Derber Humor, Grenzüberschreitungen und eine Gruppe von Figuren, die wieder zusammenkommen, stehen im Mittelpunkt. Aber es ist auch ein Film, der zu oft in die Vergangenheit blickt und viel zu stumpf. Die Witze sind beileibe nicht so scharf wie früher, die Parodien längst nicht so clever wie im ersten Teil, und manchmal fühlt es sich an, als hätte man einen fünfzehnjährigen Jungen aus 2005 eingefroren und ihn moderne Horrorfilme parodieren lassen. Die Originalbesetzung ist hingegen stark, Anna Faris und Regina Hall tragen ihre Charaktere mit Selbstsicherheit, und die Wayans-Brüder bringen ihre gewohnte Dynamik zurück. Wenn das ganze doch nur witziger wäre! Mit viel Wohlwollen könnte man "Scary Movie" als ehrlichen Versuch, eine Kult-Reihe zurückzubringen, ansehen. Mit den ursprünglichen Schöpfern, einem Cast, der die Charaktere liebt, und dem Willen, Grenzen zu überschreiten, sollte der Film eigentlich genug bieten, um Fans zufriedenzustellen. Doch irgendwie will und will der Funke nicht überspringen.

5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Miramax/Paramount Pictures/Wayans Brothers Entertainment

El Mariachi (1992)

https://www.imdb.com/title/tt0104815/

Eigentlich möchte der Mariachi (Carlos Gallardo) nur als Musiker arbeiten. Doch ein Gangsterboss hält ihn für den Killer Azul (Reinol Martinez), der seine Waffen in einem Gitarrenkoffer mit sich rumzutragen pflegt. Die Verwechslung wird perfekt, als beide Koffer unfreiwillig vertauscht werden. Und dann sorgt auch noch die Liebe für weitere Gefahr: Der Mariachi und die Barbesitzerin Domino (Consuelo Gómez) haben ein Auge aufeinander geworfen. Dummerweise wird die Bar von Unterweltchef Mocco (Peter Marquardt) finanziert - und der steht selbst auf Domino. Ein blutiger Kampf zwischen vermeintlichen und echten Gangstern nimmt seinen Lauf...

"El Mariachi" ist einer jener seltenen Debütfilme, die man nicht nur sieht, sondern auch ihre Herstellungsbedingungen spürt. Robert Rodriguez baute 1992 aus einem winzigen Budget, improvisierten Mitteln und einer erstaunlichen Portion formalen Instinkts einen Film, der wie ein südlich glühender Albtraum aus Verwechslung, Gewalt und romantischer Tollpatschigkeit wirkt. Der Film ist unglaublich unterhaltsam und besitzt jene unmittelbare Energie, die entsteht, wenn jemand mit wenig Geld, aber sehr klarer filmischer Vorstellungskraft arbeitet. Die einfache Prämisse der Story ist das stabile Fundament des Films: Ein Mann, der von Musik lebt, wird in eine Welt gedrängt, in der die Gitarrentasche plötzlich zum Symbol für Gewalt wird. Rodriguez macht daraus keinen eleganten Metaphernfilm, sondern einen direkten, fiebrigen Genre-Cocktail, in dem sich Western, Gangsterfilm und Melodrama ständig ineinander schieben. Was an "El Mariachi" sofort auffällt, ist seine visuelle Konsequenz. Selbst ohne große Mittel versteht Rodriguez, wie man Bildräume organisiert: enge Gassen, staubige Straßen, improvisierte Innenräume, harte Lichtkontraste. Das Ergebnis ist kein polierter Studiofilm, sondern ein raues Stück Kino, das seine Begrenzungen in Stil verwandelt. Gerade weil vieles so direkt und knapp erzählt ist, hat der Film eine physische Qualität, die größere Produktionen oft verlieren: Man spürt die Hitze, die Enge, die Gefahr und die ständige Unsicherheit, ob dieser Held jemals in Ruhe spielen oder nur noch rennen wird.

Auch die Gewalt des Films ist bemerkenswert. Sie ist nicht virtuos im großen Hollywood-Sinn, aber sie ist deutlich genug, um die Welt des Films als brutal und unversöhnlich zu markieren. Dass die Effekte gelegentlich einfach oder sogar unbeholfen wirken, nimmt ihnen nicht ihre Funktion; sie zeigen eher, wie kompromisslos Rodriguez in seinem eigenen Ton bleibt. Der Film ist kein feingeschliffenes Meisterstück, sondern ein ehrlicher, wild zusammengenieteter Überlebenskünstler. Genau das macht ihn sympathisch und, auf seine Weise, beeindruckend. Das Entscheidende ist jedoch, dass "El Mariachi" nie bloß eine Bastelarbeit bleibt. Hinter der improvisierten Oberfläche steckt echtes Erzählen: Figuren werden klar geführt, Spannung wird effizient aufgebaut, und die Geschichte entwickelt trotz ihrer Kürze einen kleinen emotionalen Bogen. Die Beziehung des Mariachi zu Domino bringt eine überraschende Zärtlichkeit in den Film, und diese Zärtlichkeit ist wichtig, weil sie die Gewalt nicht romantisiert, sondern ihr etwas Menschliches entgegensetzt. 

Damit bleibt "El Mariachi" vor allem ein Beweis dafür, dass Kino nicht von Geld, sondern von Blick, Rhythmus und Entschlossenheit lebt. Rodriguez machte aus einem Minimalbudget (gerade mal etwas über 7.000$ (9.000$ waren geplant)) einen Film mit Maximalwirkung, und genau deshalb ist er bis heute so oft als Referenz für unabhängige Filmemacher genannt worden. Er ist roh, schnell, manchmal ungehobelt - aber er hat Herz, Stil und die seltene Kühnheit, aus sehr wenig sehr viel zu machen. Das ist ein Film, der beweist, dass eine gute Idee und ein störrischer Wille manchmal mehr wert sind als ein ganzes Studio voller Geld. 

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Los Hooligans Productions