https://www.imdb.com/de/title/tt1330057/In einem stattlichen Herrenhaus ruft der kranke Hausherr seinen Diener mit einer Glocke. Der Diener trägt, füttert und wäscht seinen Herrn, wobei er jeden Augenblick in der Gegenwart des kränklichen alten Mannes fürchtet und hasst. Dies wiederholt sich eine Woche lang, bis der Diener schließlich frustriert seine Taschenuhr zerbricht, anstatt sie erneut aufzuziehen. In der achten Nacht betritt der Diener das Schlafzimmer des Herrn. Der Herr erwacht und will wissen, wer da ist. Daraufhin leuchtet der Diener ihm mit seiner Laterne ins Auge. Von Wut überwältigt, erstickt der Diener den Herrn mit dessen eigenen Bettlaken. Dann trägt er die Leiche in den Keller hinunter, zerstückelt sie und vergräbt sie unter den Dielen, bevor es an der Haustür klopft...
In der düsteren, viktorianisch eingebauten Halle eines verlassenen Hauses in New Hampshire entwickelt sich eine Geschichte, die wir alle kennen - Edgar Allan Poes "Das verräterische Herz" - doch Robert Eggers macht aus diesem Klassiker eine ganz eigene, atmosphärische Vision. Der Film ist ehrlich, leidenschaftlich und voller Vorahnung dessen, was Eggers später ausgestalten würde. Was "The Tell-Tale Heart" von Beginn an besonders macht, ist seine Atmosphäre. Eggers verzichtet auf viele Dialoge und lässt die Stimmung durch Licht, Klang und Bild entstehen. Der Sounddesign ist eindringlich, das Herz des Opfers pulsiert im Hintergrund, ein rhythmischer, fast medizinischer Klang, der sich langsam in die Psyche des Zuschauers einschlägt. Der Film lebt von der rhythmischen, verzerrten Beziehung zwischen Auge und Herz.
Die Bildsprache ist ebenso beeindruckend. Der Film ist in einem engen, klaustrophobischen Aspekt gedreht, der die Beobachter in die enge Welt des Dieners und des Meisters hineindrückt. Die Kamera bleibt oft auf den Gesichtern, besonders auf dem Gesicht des alten Mannes. Richard Easton ist grandios, und seine Darstellung ist eine der besten, die ich in einem Kurzfilm gesehen habe. Ein besonders bemerkenswerter Aspekt ist die Verwendung einer Puppe, um den alten Mann zu spielen. Eggers wollte ursprünglich einen sehr gebrechlichen, alten Schauspieler für die Rolle engagieren, aber die Drehbedingungen in einem verlassenen, kalten, 19. Jahrhundertshaus in New Hampshire waren so schwierig, dass er eine Puppe bevorzugte. Diese Entscheidung macht den Film einzigartig: Der alte Mann ist nicht nur ein Mensch, sondern ein unbelebtes, fast unheimliches Objekt, das die Angst und die Schuld des Dieners verstärkt.
Die Handlung ist einfach, aber Es ist nicht nur die Geschichte eines Dieners, der seinen Meister tötet, sondern die Geschichte eines Menschen, der von seiner Schuld und seiner Angst zerreibt. Eggers zeigt, wie die Schuld sich langsam in den Diener einschlägt, und wie das Herz, das er tötet, immer noch pulsiert. Der Film ist eine Studie über Schuld, Angst und die Unmöglichkeit, die Vergangenheit zu vergessen. Vermutlich ist dies eine der besten Edgar Allen Poe-Adaptionen, die man je gesehen hat, und sicherlich die beste Adaption von "Das verräterische Herz" überhaupt. Der Film ist nicht nur eine Adaption, sondern eine Interpretation, die die Atmosphäre und die Stimmung von Poe einfängt, ohne die Prosa zu überbetonen. Auch die technische Umsetzung ist für ein Low-Budget-Projekt erstaunlich wirkungsvoll. Die Kameraarbeit ist präzise, das Sounddesign ist eindringlich, und die Darstellung ist beeindruckend. Der Film ist nicht perfekt, aber er ist ein Beweis dafür, dass große Wirklichkeit nicht von großen Budgets abhängt.
Am Ende bleibt "The Tell-Tale Heart" ein außergewöhnlich reiner Kurzfilm, ein Stück Kino, das fast aus nichts besteht und doch lange nachwirkt. Eggers beweist hier bereits, wie sicher er das Publikum durch Raum, Tempo und Wahrnehmung führen kann. Was als Fernsehen begann, ist zu einem fast archetypischen Albtraum geworden: der Mensch allein gegen sein eigenes Herz, in der dunklen, kalten Halle eines verlassenen Hauses. "It is the beating of his hideous heart!" - und das ist genau das, was den Film so mächtig macht.
8/10
Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Palehorse Productions