Sonntag, 19. Juli 2026

Ulisse - Ulysses - Die Fahrten des Odysseus (1954)

https://www.imdb.com/de/title/tt0047630/
https://letterboxd.com/film/ulysses/

Durch eine Kriegslist des Odysseus (Kirk Douglas) kann der Trojanische Krieg entschieden werden. Doch als die griechischen Helden siegreich zu ihren Frauen und Königreichen zurückkehren, wartet die schöne Penelope (Silvana Mangano) vergeblich. Odysseus, der König von Ithaka hat während des Krieges die Götter erzürnt und das bekommt er nun zu spüren. Die trojanische Priesterin Cassandra (Elena Zareschi) verflucht Odysseus und seine Mannen, auf dass sie ewig über die Weltmeer irren. Der Beginn der 20 Jahre andauernden Odyssee. Während Penelope sich zuhause der zahlreichen Freier erwehren und muss und nie die Hoffnung auf die Rückkehr ihres Mannes aufgibt, muss dieser sich auf seinen Irrfahrten allerlei Gefahren stellen: dem Kampf mit dem Zyklopen Polyphem, den Gesängen der Sirenen, den betörenden Avancen der Zauberin Circe (ebenfalls Silvana Mangano), dem Besuch im Reich der Schatten. Als er nach all den Jahren endlich in seine Heimat zurückkehrt, ist sein Kampf noch immer nicht vorbei…

Lange bevor monumentale Historienfilme das Kino eroberten, brachte "Die Fahrten des Odysseus" die berühmte Geschichte aus Homers "Odyssee" auf die große Leinwand. Der italienisch-amerikanische Monumentalfilm von Mario Camerini gehört zu den frühen Vertretern des sogenannten Sandalenfilms und ist bis heute eine der bekanntesten Verfilmungen des antiken Stoffes. Auch wenn die Produktion inzwischen deutlich ihr Alter zeigt und erzählerisch nicht alle Stationen der Vorlage gleich stark umsetzt, besitzt sie noch immer einen besonderen Charme. Kirk Douglas verleiht seinem Odysseus eine beeindruckende Mischung aus Entschlossenheit, Stolz und Verletzlichkeit. Anders als viele spätere Heldenfiguren wirkt sein Odysseus nicht unbesiegbar, sondern wie ein Mann, der an seinen Prüfungen wächst und zugleich unter ihnen leidet. Douglas trägt den Film mühelos und verleiht der antiken Figur eine bemerkenswerte Menschlichkeit.

Die Ausstattung, die Kostüme und die aufwendigen Kulissen vermitteln das Gefühl eines großen Abenteuers. Natürlich wirken manche Spezialeffekte aus heutiger Sicht etwas antiquiert, und die Inszenierung kann mit modernen technischen Möglichkeiten nicht konkurrieren. Dennoch besitzen die handgemachten Tricks und die stilisierte Darstellung der mythologischen Kreaturen einen nostalgischen Charme, der perfekt zum Märchencharakter der Geschichte passt. Besonders gelungen hingegen ist die Atmosphäre des Films. Die Reise des Odysseus wird nicht nur als Reihe von Abenteuern erzählt, sondern als eine Odyssee im wahrsten Sinne des Wortes - ein Weg voller Prüfungen, Versuchungen und persönlicher Opfer. Gerade die Begegnungen mit Circe und den Sirenen entfalten eine beinahe traumhafte Qualität, die den Film von vielen anderen Historienepen seiner Zeit unterscheidet.

Allerdings zwingt die enorme Fülle der Vorlage den Film dazu, zahlreiche Episoden stark zu verkürzen oder ganz auszulassen. Dadurch wirkt die Erzählung stellenweise etwas episodisch und springt mitunter recht abrupt von einem Abenteuer zum nächsten. Einige Nebenfiguren erhalten kaum Profil, und manche emotionalen Momente entfalten deshalb nicht die Wirkung, die sie eigentlich haben könnten. Auch das Erzähltempo ist aus heutiger Sicht gemächlich. Wer moderne Abenteuerfilme mit rasanter Inszenierung und spektakulären Effekten erwartet, dürfte sich an einigen Längen stören. Doch gerade dieses ruhigere Tempo erlaubt dem Film, seine Figuren und die mythische Welt wirken zu lassen. "Die Fahrten des Odysseus" ist letztlich ein klassisches Abenteuer-Epos, das trotz seines Alters noch immer viel Charme besitzt. Die charismatische Hauptrolle von Kirk Douglas, die stimmungsvolle Umsetzung der griechischen Mythologie und der nostalgische Zauber der Inszenierung machen den Film zu einer sehenswerten Verfilmung der "Odyssee". Zwar verhindern erzählerische Kürzungen und ein gelegentlich behäbiges Tempo den ganz großen Wurf, doch als zeitloses Abenteuer und wichtiger Vertreter des Monumentalkinos bleibt "Die Fahrten des Odysseus" ein rundum gelungener Klassiker.

3,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkLux Film/Ponti-De Laurentiis Cinematogra

Samstag, 18. Juli 2026

The Other Guys - Die etwas anderen Cops (2010)

https://www.imdb.com/de/title/tt1386588/
https://letterboxd.com/film/the-other-guys/

Detective Allen Gamble (Will Ferrell) verschanzt sich lieber hinter babylonischen Akten-Türmen, statt auf Streife in den Straßenschluchten New Yorks zu gehen. Sein neuer Partner Terry Hoitz (Mark Wahlberg) könnte verschiedener nicht sein - der abgebrühte Straßenbulle ist ganz und garnicht glücklich darüber, mit Schreibtischtäter Allen zusammengesteckt zu werden. Bloß in einer Hinsicht treffen sich die beiden in der Mitte: Danson (Dwayne Johnson) und Highsmith (Samuel L. Jackson) sind die coolsten Säue der Police Force. Plötzlich bekommen Allen und Terry mit einem neuen Fall die Gelegenheit, in die Fußstapfen der ikonischen Cops zu treten...

Regisseur Adam McKay liefert mit "The Other Guys"/"Die etwas anderen Cops" eine ungewöhnliche Mischung aus Action, Slapstick und Wirtschaftskrimi ab. Das Ergebnis ist eine nicht durchgehend brillante Buddy-Cop-Komödie, aber deutlich cleverer und witziger, als es auf den ersten Blick scheint. Allein die Chemie zwischen seinen beiden Hauptdarstellern passt perfekt. Will Ferrell spielt seine Paraderolle des unbeholfenen, scheinbar harmlosen Sonderlings einmal mehr mit perfektem Timing. Sein Allen ist ein wandelndes Kuriositätenkabinett voller absurder Eigenheiten und unerwarteter Talente. Mark Wahlberg wiederum gibt den frustrierten Hitzkopf mit sichtlicher Spielfreude und fungiert als idealer Gegenpart. Das Zusammenspiel der beiden sorgt für viele der besten Szenen des Films.

Überhaupt lebt "Die etwas anderen Cops" von seinem Humor. Statt sich auf reine Klamauk-Gags zu verlassen, persifliert der Film immer wieder die typischen Klischees des Actionkinos. Besonders die Eröffnung mit Johnson und Jackson gehört mittlerweile zu den legendären Momenten moderner Filmkomödien. Immer wieder nimmt der Film die übertriebenen Heldenbilder des Genres aufs Korn und beweist dabei ein bemerkenswertes Gespür für Timing und absurde Einfälle. Hinzu kommt, dass der Film überraschend gesellschaftskritische Untertöne besitzt. Hinter den Verfolgungsjagden und schrägen Dialogen verbirgt sich eine Geschichte über Finanzbetrug, Gier und die Verantwortung großer Unternehmen. Für eine Mainstream-Komödie ist das ein ungewöhnlicher Ansatz, der dem Film zusätzliche Tiefe verleiht. Zwar werden diese Themen nicht immer vollständig ausgereizt, sie heben "Die etwas anderen Cops" aber deutlich von vielen vergleichbaren Produktionen ab. Allerdings ist der Humor sehr speziell und setzt stark auf absurde Situationen und improvisiert wirkende Dialoge. Nicht jeder Gag landet einen Treffer, und einige Szenen ziehen sich etwas länger, als sie müssten. Auch der eigentliche Kriminalfall gerät zwischenzeitlich in den Hintergrund und wirkt gelegentlich eher wie ein Vorwand, um die nächste komödiantische Eskalation einzuleiten. Trotzdem gelingt es dem Film immer wieder, seine Schwächen mit Charme und Energie auszugleichen. Das starke Ensemble - darunter Eva Mendes, Michael Keaton und Steve Coogan - sorgt dafür, dass selbst kleinere Nebenrollen in Erinnerung bleiben. Gerade Michael Keaton als Polizeichef, der nebenbei bei einer Ladenkette arbeitet und unbewusst Songtexte zitiert, liefert einige der schönsten Running Gags des Films.

Damit avanciert "Die etwas anderen Cops" zu einer cleveren und herrlich schrägen Buddy-Cop-Komödie, die ihre besten Momente aus dem Zusammenspiel von Will Ferrell und Mark Wahlberg zieht. Die Mischung aus Action-Parodie, absurdem Humor und unerwarteter Gesellschaftskritik macht den Film zu einer der unterhaltsameren Komödien seiner Zeit. Nicht jede Pointe sitzt, aber wenn der Film zündet, ist er ausgesprochen witzig und überraschend einfallsreich.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkColumbia Pictures/Gary Sanchez Productions/Mosaic Media Group

Planet 51 (2009)

https://www.imdb.com/de/title/tt0762125/
https://letterboxd.com/film/planet-51/

Die Verschwörungstheorie über Area 51 ist bekannt: Die Wüste von Nevada dient der amerikanischen Regierung als Lager für Raumschiffteile und deren tote Besatzungsmitglieder. Aber was muss dann erst auf Planet 51 los sein? Dort soll Astronaut Chuck Baker (Stimme: Dwayne „The Rock“ Johnson) nämlich eine Fahne hissen – und platzt völlig verschreckt in eine außerirdische Grillparty. Die in einem lattenzaunweißen Städtchen lebenden Aliens sind mindestens ebenso verängstigt wie Chuck und glauben, eine Invasion stehe bevor. Als die Armee der grünen Männchen schließlich schwere Geschütze auffährt, ist einzig der jugendliche Lem (Justin Long) mutig genug, dem menschlichen Besucher zu helfen…

Was wäre, wenn nicht die Aliens auf der Erde landen, sondern ein Mensch auf einem fremden Planeten als der Außerirdische gilt? Diese clevere Prämisse bildet das Herzstück von "Planet 51". Der spanische Animationsfilm drehte die klassische Invasionsgeschichte einfach um und besaß damit eigentlich alle Zutaten für ein originelles Science-Fiction-Abenteuer. Doch obwohl der Film einige sympathische Momente und eine hübsche Optik bietet, bleibt am Ende das Gefühl, dass deutlich mehr möglich gewesen wäre. Dabei ist die Umkehrung der klassischen Alien-Filme charmant und eröffnet viele Möglichkeiten für satirische Anspielungen auf die damalige Paranoia vor Invasionen und dem Kalten Krieg. Einige dieser Ideen funktionieren wirklich gut und sorgen für den einen oder anderen gelungenen Lacher. Optisch macht "Planet 51" ebenfalls eine gute Figur. Die Animationen sind sauber umgesetzt, die Gestaltung der kleinen grünen Bewohner ist liebevoll und die Welt des Films besitzt einen angenehmen Retro-Charme. Besonders die vielen Anspielungen auf klassische Science-Fiction-Filme und die nostalgische Atmosphäre verleihen dem Werk eine gewisse Eigenständigkeit. 

Leider schöpft der Film sein Potenzial nur selten vollständig aus. Das Drehbuch verfällt recht schnell in bekannte Muster und erzählt letztlich eine sehr konventionelle Freundschaftsgeschichte. Viele Figuren bleiben eindimensional und entwickeln kaum Persönlichkeit über ihre jeweiligen Rollen hinaus. Auch der Humor schwankt stark: Einige Gags sitzen, andere wirken erstaunlich vorhersehbar oder sprechen eher ein jüngeres Publikum an. Hinzu kommt, dass "Planet 51" nur selten echte emotionale Höhepunkte erreicht. Die Geschichte plätschert angenehm vor sich hin, entwickelt aber kaum die erzählerische Tiefe oder den Witz, die man von den großen Animationsfilmen dieser Ära gewohnt war. In einem Jahr, in dem Filme wie "Oben" oder "Coraline" das Genre auf ein neues Niveau hoben, wirkte "Planet 51" fast ein wenig altmodisch. 

Sympathisch, optisch ansprechend mit einer wirklich cleveren Ausgangsidee, die jedoch nie ihr volles Potenzial entfaltet. Zwischen charmanten Momenten, netten Retro-Anspielungen und einer sehr vorhersehbaren Geschichte bleibt ein solides, aber letztlich eher durchschnittliches Familienabenteuer zurück - unterhaltsam genug für einen entspannten Filmabend, aber weit entfernt von den ganz großen Animationsklassikern.

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkIlion Animation Studios/Handmade Films/Atresmedia

Walking Tall - Walking Tall: Auf eigene Faust (2004)

https://www.imdb.com/de/title/tt0351977/
https://letterboxd.com/film/walking-tall-2004/

Nach acht Jahren bei den Special Forces der US-Army kehrt Sergeant Chris Vaughn (Dwayne Johnson) in seine Heimatstadt zurück. Doch ausruhen kann er sich auch in der scheinbar verschlafenen Kleinstadt nicht. Ein altes Sägewerk, das Vaughns Vater gehörte und das er eigentlich übernehmen sollte, wurde vor kurzem geschlossen. Vaughns alter Rivale Hamilton (Neal McDonough) hat die Sägemühle übernommen und daraus ein Casino mit zweifelhafter Kundschaft gemacht. Überhaupt scheint in der Stadt fest in die Hand des Verbrechens geraten zu sein. Drogen, Korruption und Spielmanipulationen sind an der Tagesordnung und alle Fäden laufen in Hamiltons Händen zusammen. Aber mit dieser Situation findet sich Vaughn nicht so einfach ab. Der ehemalige Elitesoldat zieht allein gegen die Gangster ins Felde…

Remakes klassischer Stoffe haben es selten leicht - erst recht, wenn das Original auf wahren Begebenheiten beruht und bereits Kultstatus genießt. "Walking Tall: Auf eigene Faust" aus dem Jahr 2004 nimmt sich den gleichnamigen Film von 1973 vor und verpasst der Geschichte um einen Mann, der seine von Kriminalität verseuchte Heimatstadt aufräumt, ein modernes Action-Gewand. Das Ergebnis ist kurzweilige Unterhaltung, die vor allem von ihrem Hauptdarsteller lebt, inhaltlich aber kaum über Genrestandards hinauskommt. Schon 2004 war klar, dass der Film vor allem als Starvehikel für Dwayne Johnson gedacht war. Und tatsächlich ist es seine Präsenz, die "Walking Tall" über weite Strecken trägt. Noch nicht der routinierte Schauspieler späterer Jahre, besitzt Johnson hier bereits das Charisma und die körperliche Präsenz, die ihn zu einem der größten Actionstars Hollywoods machen sollten. Er verkörpert Chris Vaughn als ehrlichen, bodenständigen Helden alter Schule - einen Mann, der lieber handelt als lange diskutiert.

Auch die Chemie zwischen Johnson und Johnny Knoxville, der den schrägen Ray Templeton spielt, sorgt immer wieder für sympathische Momente. Knoxville bringt etwas Lockerheit in die ansonsten sehr geradlinige Geschichte und liefert einige der humorvolleren Szenen des Films. Der Film verschwendet dann auch keine Zeit mit unnötigen Nebenhandlungen oder komplizierten Verschwörungen. Stattdessen setzt Regisseur Kevin Bray auf ein hohes Erzähltempo und eine klare Gut-gegen-Böse-Struktur. Die Laufzeit von gerade einmal etwas mehr als 80 Minuten sorgt dafür, dass kaum Langeweile aufkommt. Allerdings wird genau diese Einfachheit auch zum größten Problem des Films. Die Figuren bleiben überwiegend eindimensional, die Konflikte sind vorhersehbar und die Handlung entwickelt sich nach bekannten Genre-Mustern. Die Geschichte wirft zwar interessante Fragen über Selbstjustiz, Korruption und das Versagen staatlicher Institutionen auf, geht diesen Themen aber nie wirklich auf den Grund.

Auch die Antagonisten bleiben erstaunlich blass. Neal McDonough macht zwar das Beste aus seiner Rolle als zwielichtiger Casino-Besitzer Jay Hamilton, erhält aber kaum Gelegenheit, seiner Figur mehr Profil zu verleihen. Dadurch fehlt dem Film ein wirklich erinnerungswürdiger Gegenspieler. Die Action selbst ist solide, aber wenig spektakulär. Die Prügeleien sind ordentlich inszeniert und besitzen einen angenehm handgemachten Charakter, erreichen jedoch nie die Intensität oder Kreativität anderer Actionfilme der frühen 2000er-Jahre. Dass der berühmte Holzknüppel als Waffe zum Markenzeichen des Films wird, sorgt immerhin für einen gewissen Wiedererkennungswert. Es ist damit ein unterhaltsamer, aber letztlich sehr konventioneller Actionfilm. Dwayne Johnson überzeugt bereits früh als charismatischer Hauptdarsteller und die kurze Laufzeit sorgt für ordentliches Tempo. Doch das vorhersehbare Drehbuch, die blassen Gegenspieler und die fehlende inhaltliche Tiefe verhindern, dass der Film mehr als solide Genrekost wird. "Walking Tall" ist ein Film, der genau das liefert, was sein Titel verspricht: einen geradlinigen Rache- und Selbstjustizthriller ohne große Überraschungen.

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkMandeville Films/Burke/Samples/Foster Productions/WWE Studios/Cub Eight Productions/Metro-Goldwyn-Mayer/Hyde Park Entertainment

Freitag, 17. Juli 2026

How To Make A Killing - How To Make A Killing: Todsicheres Erbe (2026)

https://www.imdb.com/title/tt4357198/
https://letterboxd.com/film/how-to-make-a-killing-2026/

Becket Redfellow (Glen Powell) verfügt über gutes Aussehen, Charme, Witz und Bildung. Doch eins hat er nicht: das Geld seiner Familie, von dem er überzeugt ist, dass es ihm zusteht. In diesem Glauben hat ihn seine Mutter erzogen, die einst als Erbin des gigantischen Redfellow-Vermögens vorgesehen war, dann aber von der Familie verstoßen und enterbt wurde. Nach ihrem Tod ist Becket fest entschlossen, sich zurückzuholen, um was er uns seine Mutter in seinen Augen gebracht wurden – nur gibt es da ein kleines Problem: Sieben Verwandte stehen zwischen ihm und der Erbschaft, die ihm eben nur zufallen wurde, wenn sonst gar kein anderer Redfellow mehr lebt. Also muss der vom Drang nach Höherem getriebene Becket sich einiges einfallen lassen, um die Verwandtschaft mittels kreativer „Unfälle“ um die Ecke zu bringen, die nicht auf ihn zurückfallen können – denn im Gefängnis hätte er von einer etwaigen Erbschaft nicht mehr viel. Während er seine Pläne schmiedet, muss er aber gleichzeitig auch das Gesicht vor seiner neuen Freundin Ruth wahren. Und dann wäre da noch seine Jugendliebe Julia (Margaret Qualley), die plötzlich wieder auf der Bildfläche erscheint...

Schwarze Komödien sind ein schwieriges Genre. Sie müssen gleichzeitig bissig, witzig und ein wenig unangenehm sein, ohne ihre Figuren komplett der Lächerlichkeit preiszugeben. "How To Make A Killing: Todsicheres Erbe" gelingt dieser Spagat überraschend gut. Regisseur und Drehbuchautor John Patton Ford nimmt sich unverkennbar das klassische Vorbild "Adel verpflichtet" zum Vorbild und serviert eine makabre Erbschaftsgeschichte, die zwar nicht jede ihrer Ideen perfekt ausreizt, aber über weite Strecken ausgesprochen unterhaltsam ist. Im Mittelpunkt steht Becket Redfellow (Glen Powell), der sein ganzes Leben unter der Tatsache gelitten hat, von seiner wohlhabenden Familie verstoßen worden zu sein. Als er erkennt, dass zwischen ihm und einem gigantischen Vermögen nur noch einige äußerst unsympathische Verwandte stehen, kommt ihm eine radikale Idee: Warum nicht die Erbfolge ein wenig... verkürzen? Was folgt, ist ein zunehmend chaotischer und schwarzhumoriger Feldzug gegen die eigene Familie.

Glen Powell passt dabei hervorragend in die Rolle. Der Schauspieler beweist einmal mehr, warum er inzwischen zu den interessantesten Leading Men Hollywoods gehört. Sein Becket ist charmant, intelligent und moralisch fragwürdig - und trotzdem fiebert man erstaunlich oft mit ihm mit. Powell besitzt die seltene Fähigkeit, selbst fragwürdige Entscheidungen mit einem sympathischen Lächeln zu verkaufen. Seine Performance wertet den Film deutlich auf und verleiht ihm die nötige Leichtigkeit. Auch die Nebenbesetzung macht ihre Sache hervorragend. Margaret Qualley und Jessica Henwick sorgen für zusätzliche Dynamik, während Veteranen wie Ed Harris und Bill Camp den exzentrischen Familienclan mit sichtbarer Spielfreude verkörpern. Gerade die Begegnungen zwischen den verschiedenen Familienmitgliedern gehören zu den unterhaltsamsten Szenen des Films. Ton und Inszenierung erinnern dabei immer wieder an klassische britische schwarze Komödien. Die Morde sind teilweise makaber, aber nie übermäßig brutal, und der Film hat großen Spaß daran, seine reichen und privilegierten Figuren als karikaturhafte Unsympathen zu präsentieren. Die satirischen Spitzen gegen Klassengesellschaft und Reichtum funktionieren dabei häufig sehr gut. 

Allerdings erreicht der Film nicht ganz die Schärfe, die seine Prämisse verspricht. "How To Make A Killing: Todsicheres Erbe" ist für eine schwarze Komödie manchmal erstaunlich zahm und trau sich scheinbar nicht, noch schwärzer, noch böser zu werden. Einige Morde werden beinahe beiläufig abgehandelt, und die Gesellschaftssatire hätte durchaus noch etwas bissiger ausfallen dürfen. Zudem wirkt die Erzählung im Mittelteil gelegentlich etwas unentschlossen, weil sie zwischen Thriller, Komödie und Familiendrama schwankt. 

Dennoch verliert der Film nie seinen Unterhaltungswert. Die Geschichte entwickelt ein angenehmes Tempo, die Dialoge sind pointiert, und immer wieder überrascht die Handlung mit kleinen Wendungen und cleveren Einfällen. Gerade weil der Film seine makabre Ausgangsidee nicht allzu ernst nimmt, entsteht eine charmante Leichtigkeit, die ihn von vielen anderen schwarzen Komödien abhebt. Auch das Finale hinterlässt trotz kleiner Logiklücken ein zufriedenes Lächeln. Damit ist "How To Make A Killing: Todsicheres Erbe" vielleicht kein neuer Genreklassiker und reicht nicht ganz an seine berühmten Vorbilder heran. Aber er ist ein ausgesprochen vergnüglicher Mordreigen, der von einem bestens aufgelegten Glen Powell getragen wird und seine Zuschauer mit einer guten Mischung aus schwarzem Humor und krimineller Energie bei Laune hält.

"How To Make A Killing: Todsicheres Erbe" ist am Ende eine charmante, makabre und überraschend unterhaltsame schwarze Komödie, die zwar etwas mehr Biss und Konsequenz hätte vertragen können, dank ihres großartigen Hauptdarstellers und zahlreicher cleverer Einfälle aber dennoch bestens funktioniert. Ein Film für diejenigen, die ihre Komödien gerne mit einer ordentlichen Portion Mord und einem diabolischen Grinsen serviert bekommen wollen.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkStudioCanal/StudioCanal/Blue Ice Africa/Blueprint Pictures

Donnerstag, 16. Juli 2026

Influencers - Influencer 2 (2025)

https://www.imdb.com/title/tt36833584/
https://letterboxd.com/film/influencers-2025/

Die clevere CW (Cassandra Naud) macht mit ihrer Freundin Diane (Lisa Delamar) in deren Heimat Südfrankreich Ferien. Dort will das junge Paar den ersten Jahrestag seiner Beziehung feiern. Leider werden sie aber ausgerechnet bei dieser Gelegenheit von der Hotelführung aus ihrer Suite hinauskomplimentiert und in ein deutlich kleineres Gästezimmer umquartiert – was CW vor Wut schäumen lässt. Noch angeschlagener ist ihr Ego, als sie den Grund für den Verlust ihres glamourösen Liebesnestes erfährt: Die Direktion wollte sie nämlich aus der Luxusbleibe heraushaben, um dort eine populärere britische Influencerin unterbringen zu können, von der sie sich positive Publicity verspricht. Doch damit nicht genug. Diese Charlotte (Georgina Campbell) scheint sich obendrein auch noch recht schamlos an Diane heranmachen zu wollen. CW findet das natürlich überhaupt nicht witzig und beschließt, dem dreisten Treiben ein Ende zu setzen…

Mit "Influencer: Trau niemandem, dem Du folgst" brachte Regisseur Kurtis David Harder 2023 einen der überraschendsten Genre-Mix der Streaming-Ära. Der Film kombinierte Psychothriller, Identitätsdiebstahl und bissige Kritik an der Welt der Social-Media-Stars zu einem ungewöhnlich cleveren, aber dennoch unterm Strich mittelmäßigen Horrorfilm. Entsprechend ungewöhnlich war dann, dass eine Fortsetzung kam, und man muss sagen, dass der Nachfolger viele der Stärken des Originals bewahrt, allerdings dessen Frische und Konsequenz nicht ganz erreicht. Die Geschichte setzt die Ereignisse des ersten Films fort und rückt erneut die rätselhafte und manipulative CW (Cassandra Naud) in den Mittelpunkt. Wie schon im Vorgänger nutzt der Film die Welt der Influencer als Spielplatz für Täuschungen, Manipulation und gesellschaftliche Satire.

Inszenatorisch macht "Influencer 2" vieles richtig. Die exotischen Schauplätze, die elegante Kameraarbeit und die dynamische Montage verleihen dem Film einen deutlich größeren und hochwertigeren Look, als es das Budget vermutlich vermuten lässt. Kurtis David Harder beweist erneut ein gutes Gespür für Spannung und visuelle Stilmittel. Vor allem in den ruhigeren Momenten erzeugt der Film eine angenehme Unberechenbarkeit, bei der man nie ganz sicher ist, wer gerade die Kontrolle besitzt. Hinzu kommt, dass die Fortsetzung ihre Kritik an der Welt der sozialen Medien weiterführt. Die Jagd nach Aufmerksamkeit, künstlich inszenierte Online-Identitäten und die Oberflächlichkeit der Influencer-Kultur werden erneut mit einer gehörigen Portion Zynismus betrachtet. Zwar ist diese Gesellschaftskritik nicht sonderlich subtil, doch sie verleiht dem Film eine zusätzliche Ebene, die ihn von vielen anderen Genreproduktionen abhebt.

Allerdings zeigt sich auch, warum der Film nicht ganz an seinen Vorgänger heranreicht. Das Drehbuch wirkt stellenweise überladen und versucht, immer neue Wendungen und Überraschungen einzubauen. Nicht jede davon geht auf, und einige Entwicklungen erscheinen eher konstruiert als organisch. Gerade im letzten Drittel schlägt der Film einen deutlich verspielteren und teilweise fast schwarzen-komödiantischen Ton an, der nicht immer perfekt mit der zuvor aufgebauten Spannung harmoniert. Er ist zweifellos unterhaltsam, aber tonal etwas uneinheitlich. Letztlich besitzt der Film aber genug Tempo, Stil und ausreichend eigene Ideen, um nicht wie eine bloße Wiederholung des ersten Teils zu wirken. Vor allem Horror- und Thrillerfans, die Freude an cleveren Identitätsspielen und modernen Social-Media-Albträumen haben, kommen hier durchaus auf ihre Kosten.

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Jackrabbit Media

Shallow Hal - Schwer verliebt (2001)

https://www.imdb.com/de/title/tt0256380/
https://letterboxd.com/film/shallow-hal/

Für den Durchschnittstypen Hal (Jack Black) zählen bei Frauen nur Äußerlichkeiten, und somit muss seine Traumfrau auch Traummaße haben. Als er mit dem Persönlichkeitstrainer Tony Robbins (spielt sich selbst) im Aufzug steckenbleibt, erzählt er ihm von seinen Problemen, eine Frau zu finden. Robbins verspricht ihm zu helfen: durch Hypnose. Nach der Sitzung ist nichts mehr, wie es vorher war. Hal verliebt sich unsterblich in die 300 Pfund schwere Rosemary (Gwyneth Paltrow), die er als gertenschlanke Schönheit wahrnimmt. Als sein Kumpel Mauricio (Jason Alexander) die Gehirnwäsche rückgängig macht, steht Hal vor einer schweren Prüfung...

Die Farrelly-Brüder waren Anfang der 2000er-Jahre vor allem für derbe Komödien wie "Dumm und Dümmer" oder "Verrückt nach Mary" bekannt. Umso überraschender war "Schwer verliebt", eine romantische Komödie, die zwar den typischen Humor der Regisseure beibehält, gleichzeitig aber eine Geschichte über Oberflächlichkeit, Selbstbild und innere Schönheit erzählen möchte. Das Ergebnis ist ein sympathischer und durchaus mutiger Film, der seine Botschaft nicht immer perfekt vermittelt, aber dennoch viel Charme und Herz besitzt. Dabei sind die beiden Hauptdarsteller das A und O des Films. Jack Black beweist hier sein Talent für liebenswerte, etwas chaotische Figuren. Hal ist zwar anfangs oberflächlich und selbstbezogen, bleibt aber sympathisch genug, damit man ihm seine spätere Entwicklung abnimmt. Black verleiht der Figur eine ehrliche Wärme und sorgt dafür, dass die romantischen Momente ebenso gut funktionieren wie die komödiantischen. Gwyneth Paltrow überzeugt in einer der ungewöhnlicheren Rollen ihrer Karriere. Sie spielt Rosemary mit großer Herzlichkeit und verleiht der Figur eine natürliche Ausstrahlung, die deutlich macht, warum Hal sich in sie verliebt. Dabei gelingt es dem Film immer wieder, die Zuschauer daran zu erinnern, dass Attraktivität weit mehr ist als ein äußeres Erscheinungsbild.

Besonders gelungen ist die grundlegende Idee der Geschichte. Die Vorstellung, dass jemand ausschließlich die innere Schönheit eines Menschen wahrnimmt, eröffnet interessante Möglichkeiten für Humor und gesellschaftliche Beobachtungen. Viele Szenen funktionieren gerade deshalb so gut, weil sie den Zuschauer dazu bringen, die eigenen Vorurteile und Schönheitsideale zu hinterfragen. Allerdings liegt hier auch die größte Schwäche des Films. Während "Schwer verliebt" eine positive Botschaft vermitteln möchte, arbeitet er gleichzeitig immer wieder mit Witzen, die sich gerade aus dem Äußeren der Figuren ergeben. Dieser Spagat gelingt nicht immer. Einige Gags wirken aus heutiger Sicht problematisch oder stehen im Widerspruch zu der eigentlich sehr warmherzigen Aussage des Films. Die guten Absichten der Farrelly-Brüder, sind erkennbar, die Umsetzung besitzt aber nicht immer die notwendige Sensibilität. Auch die Handlung verläuft insgesamt recht vorhersehbar. Die romantischen und dramatischen Wendungen folgen weitgehend den bekannten Regeln des Genres, und manche Konflikte werden etwas zu einfach aufgelöst. Zudem verliert der Film im letzten Drittel etwas von seiner Leichtigkeit und bemüht sich stellenweise zu sehr, seine Botschaft zu vermitteln. Dennoch besitzt "Schwer verliebt" eine Aufrichtigkeit, die viele romantische Komödien vermissen lassen. Hinter den Witzen steckt ein ehrliches Interesse an seinen Figuren und die klare Botschaft, Menschen nicht ausschließlich nach ihrem Äußeren zu beurteilen. Gerade dadurch gewinnt der Film eine emotionale Ebene, die ihn über eine gewöhnliche RomCom hinaushebt.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork20th Century Fox/Conundrum Entertainment