Katie Cannon (Natalie Grace), die Tochter einer jungen Familie verschwindet unter unklaren Umständen spurlos im Wüstengebiet von Kairo und stürzt die Eltern in eine tiefe seelische Krise. Die Handlung konzentriert sich auf das Paar, das sich nach dem Verlust immer weiter voneinander entfernt: Der Vater, Charlie Cannon (Jack Reynor), ein Journalist, lebt in Schuld‑ und Schuldgefühlen, während die Mutter Larissa Cannon (Laia Costa) in einer Art stiller, fast stoischer Verzweiflung verharrt. Nach 8 Jahren der Ungewissheit erreicht sie eine Nachricht aus dem Ausland: Das vermisste Mädchen wurde gefunden und soll nach Hause zurückkehren. Die Familie bereitet sich auf die Wiedervereinigung vor, wobei gleichzeitig ein alternativer, düsterer Strang der Geschichte einsetzt, der altertümliche ägyptische Bräuche und eine mythische Vorstellung von Tod und Wiedergänger einbezieht. Das Kind wird dabei nicht nur als Familienmitglied, sondern auch als Träger eines unheimlichen Erbes inszeniert, das sich langsam in der Alltagswelt des Hauses manifestiert und was ein freudiges Wiedersehen hätte werden sollen, verwandelt sich schnell in einen wahren Albtraum.
Nachdem Lee Cronin 2023 eine böse Mami auf die Welt losließ ist es 3 Jahre später die böse Mummy. Sein Film "The Mummy" ist kein lautstarker, verspielter Sommer‑Blockbuster, der das Publikum stupide unterhalten will, kein simples Reboot des klassischen Mumien-Stoffes, kein einfacher nostalgischer Wiederanlauf eines Franchise, sondern ein zutiefst verstörender, blutiger Horrorfilm, der die alte Mythologie des Mumienfluchs in die moderne, psychologische Sprache einer traumatisierten Familie übersetzt und damit neue Ansätze liefert. Er fragt den Zuschauer, wie nah man seinem Tod, seiner Schuld und seiner Liebe zu den Toten kommen möchte. Und was zunächst wie ein grotesker Mythos klingt, wird von Cronin in eine sehr intime, familiäre Stimmung übertragen. Bereits die Szene des Wiedersehens wirkt zuerst wie ein grotesker Thriller‑Coup, dann aber wie ein schmerzhafter, realistischer Moment: Ein Elternpaar, das nun sowieso schon an der Grenze zum psychischen Zusammenbruch steht, wird nun mit einer physischen Präsenz des Unmöglichen konfrontiert. Und damit beginnt der Film, das alte Motiv des Fluchs grundlegend umzudeuten: Hier ist der Fluch nicht exotisch, sondern hausgemacht, verbunden mit Schuld, Scham und dem unstillbaren Wunsch, Verlorenes zurückzuholen - koste es, was es wolle.
Der eingewickelte Leichnam ist in Cronins Film auch keine bloße Monsterfigur, die nachts durch die Gänge schlurft, sondern ein Symbol für alles, was nicht begraben werden konnte: die nicht prozessierte Trauer, die Fragen, die unbeantwortet blieben, die Schuldgefühle eines Vaters, der seine Tochter nicht beschützen konnte. Die prägnante Entscheidung, das Kind selbst in die Rolle der mumifizierten Rückkehr zu bringen, macht aus dem Mythos eine psychologische Metapher: Die Mutter, die verzweifelt an der Tochter festhält, und der Vater, der zunehmend erkennt, dass in dieser Wiederkehr mehr Verderben steckt als Erlösung. In diesem Sinne erinnert Cronins "The Mummy" an die klassischen Horrorfilme, in denen das Haus, die Familie oder die eigene Psyche das eigentliche Monster sind - von "The Innocents" bis zu "Hereditary. Auffällig ist zudem, wie der Film die ägyptische Mythologie nicht bloß als exotische Staffage nutzt, sondern als kulturelles Gedächtnis, das die westliche Familie mit der Frage konfrontiert, was geschieht, wenn wir das Tote einfach zurückholen wollen, ohne die Regeln des Sterbens zu akzeptieren. Dieser Film ist ein reiner Horrorfilm, kein Abenteuer‑Actioner mit komödiantischen Untertönen. Cronin arbeitet nicht mit geschönten, symbolischen Schrecken, sondern mit konkreten, körperlichen Bildern von Verwundungen, Einschließung, Verfalls‑ und Verwandlungsprozessen und das so, wie man es nach seinem "Evil Dead Rise" erwarten würde. Und doch ist "The Mummy" kein reiner Splatter‑Trip. Cronin nutzt lange, ruhige Einstellungen, die Atmosphäre der isolierten (wie immer zu dunklen) Behausung, die Geräusche der Verbandswickel, das Knistern der alten Tücher und das Knacken von Knochen, um den Zuschauer in eine fast körperliche Nähe zur Mumie zu bringen. Die Spannung entsteht nicht durch die Menge an Effekten, sondern durch die Frage, ob man diese Rückkehr akzeptieren will - und ob das Kind, das da zurückkehrt, überhaupt noch dasselbe ist.
Die Kamera bleibt dabei mit einer gewissen Nähe an den Gesichtern, die Dialoge sind emotional, oft improvisationsnah, was die Ohnmacht der Eltern gegenüber dem Übernatürlichen besonders deutlich macht. In dieser Haltung erinnert Cronin an frühere Arbeiten im Bereich psychologischen Horrors: Der Fokus liegt weniger auf dem "Creature Feature" als auf der inneren Zerrissenheit der Figuren, die versuchen, eine monströse Situation mit Alltagslogik zu verstehen. Obwohl der Film keine direkte Verbindung zu den früheren "Die Mumie"‑Filmen von Universal hat, fühlt er sich wie eine stilistische Antwort auf sie. Während die 1999er Version von Stephen Sommers ein fröhliches, actionreicher Abenteuer war, was sich selbst nicht zu ernst nahm, schraubt Cronin das Genre in die andere Richtung: Er fragt, was geschieht, wenn genau dieser spielerische Deal mit dem Tod plötzlich real wird. Hier weicht Cronin von der alten Vorstellung ab, dass der Verstorbene zu Unrecht bestraft wurde, der Fluch entsteht, weil das Grab entweiht wird, und dass die Wiedergeburt eines Toten zwangsläufig Leid und Tod bringt. Er bringt, ganz klassisch, einen Dämon ins Spiel, der den Mythos etwas verwässert. Die Mumie selbst wird daher auch zum Spiegelbild der Eltern, die an einer toten Vergangenheit festhalten, statt loszulassen.In seiner Stärke ist "The Mummy" ein konsequent fokussiertes, atmosphärisches Stück Horror, das die Mutter‑Vater‑Kind‑Konstellation als blankliegendes Nervenbündel zeigt. Die Leistungen von Reynor und Costa sind eindrucksvoll in ihrer emotionalen Fragilität: beide spielen nicht Helden, sondern zerschmetterte Menschen, die sich an einem Wunder festhalten, bis sich dieses Wunder als Katastrophe entpuppt. Gelegentlich wirkt der Film jedoch ein wenig zu sicher in seiner eigenen Düsternis. Manchmal wünscht man sich, dass Cronin dem Mythos etwas mehr Spielraum ließe, weniger einseitig in die Richtung des psychologischen Grauens verfiele, sondern mehr mit der Tradition des Exotischen, des Makabren und des Symbolischen des "Mumien"‑Mythos spielte. Ein paar Szenen wirken fast wie eine Studie im Horror‑Labor, streng kontrolliert, aber ohne die Überraschung eines wahren, ungewollten Schreckens. Leider dreht der Film auch erst in den letzten 20 Minuten so richtig auf. Vorherige Einschübe von Körperhorror und dämonischen Übergriffen sind zwar streckenweise fies und auch schmerzhaft, werden immer wieder durch die Ermittlungen der Ermittlerin in Kairo unterbrochen, der bis dato konsequente Fokus des Films wird immer wieder auf die harte Tour verschoben und der Zuschauer, der sich gerade noch innerlich auf den Horrortrip vorbereitete wird aus seiner Stimmung gerissen. Das Ende ist dann ein wilder und doch etwas zahmerer "Evil Dead Rise"-Trip, der sich nicht schämt, dies auch bildhaft zu zitieren. Das Verhalten der Eltern ist oft nachvollziehbar, manchmal aber auch bewusst unlogisch, um den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen.
Und am Ende geht man halbwegs zufrieden aus dem Saal. "Lee Cronin’s The Mummy" ist nämlich zum Glück kein Nostalgie‑Trip, sondern eine angenehme, böse Neuinterpretation und ein weiterer Kommentar zu der Angst vor dem Tod - und zu der törichten Hoffnung, dass man ihn mit einem Wimpernschlag und konsequenzlos ungeschehen machen kann - irgendwo als Spiegelbild der eigenen, unverarbeiteten Trauer. Und wenn man genau diesen Albtraum unter der Bedeckung der Alltagsfamilie erwartet, ist "The Mummy" ein Film, der nicht nur verstört - sondern immerhin auch im Gedächtnis bleibt.














































