Samstag, 11. Juli 2026

The Huntsman: Winter’s War - The Huntsman & The Ice Queen (2016)

https://www.imdb.com/de/title/tt2381991/

Lange vor ihrer schicksalhaften Schlacht gegen Snow White regiert die böse Königin Ravenna (Charlize Theron) gemeinsam mit ihrer Schwester Freya (Emily Blunt) ihr Reich. Doch dann wird Eiskönigin Freya durch einen bitteren Verrat das Herz gebrochen und sie flieht aus ihrer Heimat in einen winterlichen Palast, in dem sie einsam ihr Dasein fristet und ein Heer aus kriegerischen Huntsmen um sich schart. Unter den ihr treu ergebenen Kämpfern sind auch Eric (Chris Hemsworth) und Sara (Jessica Chastain), die jedoch gegen Freyas oberstes Gebot verstoßen, als sie sich ineinander verlieben: Niemand in ihrem Reich darf Liebe empfinden! Die Eiskönigin schickt das Liebespaar in die Verbannung. Als Eric und Sara Jahre später zu Ohren kommt, dass Ravenna in einem magischen Spiel gefangen und von Freya befreit wurde, werden ihre schlimmsten Befürchtungen wahr: Das Schwesternpaar will nun gemeinsam das gesamte Land unterjochen. Doch da haben die Königinnen ihre Rechnung ohne die verbannten Huntsmen gemacht…

Nach dem finanziellen Erfolg von "Snow White And The Huntsman" entschied sich Universal, das Märchenuniversum weiter auszubauen. Statt einer klassischen Fortsetzung entstand mit "The Huntsman: Winter's War" ein Film, der gleichzeitig Prequel und Sequel sein möchte. Regisseur Cedric Nicolas-Troyan setzt erneut auf opulente Bilder, große Fantasywelten und eine prominente Besetzung. Herausgekommen ist ein durchaus unterhaltsames Abenteuer, das optisch beeindruckt, erzählerisch aber kaum bleibenden Eindruck hinterlässt. Im Mittelpunkt steht erneut Eric (Chris Hemsworth), der als junger Krieger von der Eiskönigin Freya (Emily Blunt) ausgebildet wird. Gemeinsam mit der mutigen Sara (Jessica Chastain) verliebt er sich entgegen Freyas striktem Verbot. Jahre später muss Eric nicht nur gegen Freyas Armee antreten, sondern sich auch der Rückkehr seiner früheren Gegenspielerin Ravenna (Charlize Theron) stellen. Beide Schwestern verfolgen ihre eigenen Pläne - und Eric gerät einmal mehr zwischen die Fronten.

Wie schon der Vorgänger überzeugt auch "The Huntsman: Winter's War" vor allem auf visueller Ebene. Die verschneiten Landschaften, aufwendig gestalteten Königreiche und fantasievollen Kreaturen verleihen dem Film eine märchenhafte Atmosphäre. Besonders die Ausstattung und die detailreichen Kostüme gehören zu den größten Pluspunkten der Produktion. Auch die Besetzung kann sich sehen lassen. Chris Hemsworth spielt den titelgebenden Huntsman gewohnt sympathisch und verleiht seiner Figur eine angenehme Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit. Emily Blunt bringt als Eiskönigin Freya überraschend viel Tragik in ihre Rolle und sorgt dafür, dass ihre Figur mehr ist als eine gewöhnliche Märchenbösewichtin. Charlize Theron genießt sichtlich jede Minute als machtgierige Ravenna und stiehlt mit ihrer charismatischen Präsenz erneut viele Szenen. Zusammen mit Jessica Chastain ergibt sich ein Ensemble, das den Film deutlich aufwertet. Ein weiterer Pluspunkt sind die Actionsequenzen. Kämpfe, magische Kreaturen und aufwendig inszenierte Schlachten sorgen immer wieder für kurzweilige Unterhaltung. Gerade in den größeren Fantasy-Momenten zeigt sich, dass hier viel Produktionsaufwand investiert wurde. Auch James Newton Howards stimmungsvoller Soundtrack trägt dazu bei, dass die Welt lebendig und märchenhaft wirkt.

Allerdings krankt der Film wie schon sein Vorgänger an seinem Drehbuch. Die Geschichte wirkt über weite Strecken wie eine lose Aneinanderreihung bekannter Fantasy-Versatzstücke und findet nur selten zu einer eigenen Identität. Dass der Film gleichzeitig Vorgeschichte und Fortsetzung sein möchte, sorgt zusätzlich für erzählerische Unruhe. Manche Entwicklungen wirken konstruiert, andere bleiben überraschend oberflächlich. Auch die Figuren bleiben hinter ihren Möglichkeiten zurück. Eric entwickelt sich im Vergleich zum Vorgänger nur wenig weiter, während die Liebesgeschichte zwischen ihm und Sara vorhersehbar verläuft und selten wirklich berührt. Selbst Freyas interessante Hintergrundgeschichte wird nur teilweise ausgeschöpft. Dadurch fehlt dem Film häufig die emotionale Tiefe, die seine märchenhafte Welt eigentlich verdient hätte. Hinzu kommt, dass "The Huntsman: Winter's War" nur selten eigene Akzente setzt. Vieles erinnert an andere Fantasyfilme der damaligen Zeit oder wiederholt Ideen aus "Snow White And The Huntsman". Trotz einiger gelungener Einfälle bleibt der Eindruck bestehen, dass die Geschichte vor allem als Vehikel dient, um möglichst viele spektakuläre Bilder und Actionmomente miteinander zu verbinden.

Dennoch ist der Film keineswegs misslungen. Wer opulente Fantasy-Abenteuer mit bekannten Märchenmotiven, starken Darstellern und hochwertiger Ausstattung schätzt, wird gut unterhalten. Gerade Emily Blunt und Charlize Theron verleihen dem Film eine Energie, die das eher durchschnittliche Drehbuch immer wieder ausgleicht. So bleibt ein unterhaltsamer, aber letztlich austauschbarer Genrebeitrag, der vor allem durch seine Optik und seine Schauspieler in Erinnerung bleibt.

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkRoth Films/Universal Pictures/Perfect World Pictures

Freitag, 10. Juli 2026

Snow White And The Huntsman (2012)

https://www.imdb.com/de/title/tt1735898/

"Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?" Doch was die tyrannische Königin (Charlize Theron) zu hören bekommt, gefällt ihr ganz und gar nicht. 'Snow White' (Kristen Stewart) ist das einzige Mädchen weit und breit, dass noch hübscher als die böse Herrscherin des Märchenlands ist. Vor Wut und Neid hält es die Königin kaum mehr aus und beschließt ein grausames Verbrechen zu begehen. Der Jägersmann (Chris Hemsworth) wird ausgesandt, um Schneewittchen in den Wald zu bringen und zu töten. Doch anstatt das unendlich schöne Mädchen umzubringen, wird der Jäger zu ihrem Beschützer und Mentor. Er bringt ihr das Kämpfen bei und bereitet sie auf ihre Mission vor - die böse Königin zu besiegen.

Mit "Snow White And The Huntsman" sollte das klassische Märchen der Gebrüder Grimm eine düstere, epische Neuinterpretation erhalten. Mit Charlize Theron, Kristen Stewart und Chris Hemsworth ist der Film hochkarätig besetzt, die Trailer versprechen bildgewaltige Fantasy und eine etwas erwachsenere Version des bekannten Stoffes. Das Ergebnis ist durchaus sehenswert, bleibt aber deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück. Die Geschichte orientiert sich nämlich nur lose am bekannten Märchen. Die junge Schneewittchen (Kristen Stewart) flieht vor ihrer skrupellosen Stiefmutter Ravenna (Charlize Theron), die ihre Jugend und Schönheit mithilfe dunkler Magie bewahrt. Um die Flüchtige aufzuspüren, schickt die Königin den Huntsman (Chris Hemsworth) in den geheimnisvollen Dunkelwald. Statt sie auszuliefern, stellt er sich jedoch auf ihre Seite und begleitet sie auf ihrem Weg, das Königreich von Ravennas Herrschaft zu befreien. Schon nach wenigen Minuten wird klar, wo die größte Stärke des Films liegt: die Optik. Regisseur Rupert Sanders erschafft eine beeindruckende Fantasywelt voller dichter Wälder, imposanter Burgen und märchenhafter Kreaturen. Besonders der düstere Dark Forest und das kontrastreiche Sanctuary gehören zu den visuell eindrucksvollsten Schauplätzen des Films. 

Auch Charlize Theron ist ein echtes Highlight. Als böse Königin Ravenna dominiert sie nahezu jede Szene mit einer Mischung aus Eleganz, Wahnsinn und verletzlicher Verzweiflung. Ihre Interpretation der Märchenschurkin verleiht der Figur deutlich mehr Tiefe, als man zunächst erwarten würde. Viele Rezensenten waren sich einig, dass Theron den Film über weite Strecken nahezu im Alleingang trägt und die mit Abstand eindrucksvollste Leistung des Ensembles abliefert. Chris Hemsworth überzeugt ebenfalls als Huntsman. Seine Figur erhält mehr Hintergrund als im Originalmärchen und entwickelt sich glaubwürdig vom desillusionierten Söldner zum loyalen Beschützer. Zwischen ihm und Charlize Theron entsteht eine Dynamik, die den Film immer wieder belebt. Problematischer fällt dagegen die Hauptfigur aus. Kristen Stewart spielt Schneewittchen zwar zurückhaltend und ernst, bleibt dabei jedoch häufig zu distanziert. Gerade in den emotionalen Szenen fehlt ihrer Figur die Ausstrahlung, die notwendig gewesen wäre, um die Entwicklung von der verängstigten Gefangenen zur Hoffnungsträgerin eines ganzen Königreichs glaubhaft zu machen. Dieser Kritikpunkt zog sich durch viele zeitgenössische Rezensionen und sorgte dafür, dass die Hauptfigur trotz ihrer zentralen Rolle erstaunlich blass wirkt. 

Auch das Drehbuch kann mit der beeindruckenden Inszenierung nicht Schritt halten. Obwohl die Geschichte interessante Ansätze bietet und bekannte Märchenelemente neu interpretiert, bleibt die Handlung häufig überraschend vorhersehbar. Viele Figuren werden nur oberflächlich eingeführt und erhalten kaum Gelegenheit, sich weiterzuentwickeln. Besonders im Mittelteil verliert der Film spürbar an Tempo und wirkt stellenweise deutlich länger, als es seine Laufzeit vermuten lässt. Hinzu kommt ein unausgewogener Ton. Mal möchte "Snow White And The Huntsman" ein düsteres Fantasy-Epos sein, dann wieder klassisches Märchen oder romantisches Abenteuer. Diese unterschiedlichen Ansätze fügen sich nicht immer harmonisch zusammen. Einige Szenen wirken emotional überraschend kühl, obwohl sie eigentlich große Wirkung entfalten sollten. Dadurch bleibt der Film trotz seiner imposanten Bilder auf emotionaler Ebene häufig erstaunlich distanziert.

Dennoch ist hier nicht alles nur schlecht. Die atmosphärische Musik von James Newton Howard und die hervorragenden visuellen Effekte machen den Film jederzeit sehenswert. Gerade Fantasy-Fans kommen aufgrund der detailreichen Weltgestaltung und der gelungenen Actionsequenzen auf ihre Kosten. Nur gelingt es dem Film eben nicht, aus seiner starken Besetzung und der faszinierenden Optik auch eine ebenso packende Geschichte zu entwickeln. Kurz: Wer opulente Bilderwelten liebt, wird gut unterhalten - wer auf eine ebenso starke Geschichte hofft, dürfte am Ende etwas enttäuscht sein.

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkUniversal Pictures/Roth Films

Bagman (2024)

https://www.imdb.com/de/title/tt21201300/

Patrick (Sam Claflin) und Karina McKee (Antonia Thomas) sind noch junge Eltern und haben deshalb eigentlich alle Hände voll zu tun: Erziehung, Geld verdienen, Haushalt, Beziehung - die beiden tanzen praktisch permanent auf mehreren Hochzeiten. Der ökonomische Druck ist groß und die unbeschwerte jugendliche Zeit scheint endgültig vorbei. Zu allem Überdruss kämpft Patrick immer noch mit einem Kindheitstrauma. Einst plagten ihn furchterregende Visionen einer finsteren Kreatur, die ihn auf Schritt und Tritt verfolgte. Lange schien Patrick die Gestalt abgeschüttelt zu haben. Doch plötzlich ist sie wieder da und hat es nicht mehr nur auf ihn, sondern seine kleine Familie abgesehen...

Die Idee hinter "Bagman" klingt erst einmal vielversprechend: Eine uralte Kreatur entführt unartige Kinder, steckt sie in ihren Sack und verschwindet mit ihnen in der Dunkelheit. Aus dieser düsteren Folklore entwickelt Regisseur Colm McCarthy zunächst einen atmosphärischen Horrorfilm, der mit klassischen Schauermotiven spielt. Leider bleibt es am Ende bei einer guten Ausgangsidee, denn "Bagman" findet nie wirklich zu seiner eigenen Identität und verliert sich zunehmend in bekannten Genre-Konventionen. Gerade in der ersten Hälfte spielt "Bagman" seine größten Stärken aus. Colm McCarthy versteht es, mit Schatten, Dunkelheit und gezielt eingesetzten Geräuschen eine beklemmende Atmosphäre zu erzeugen. Der Bagman bleibt lange Zeit verborgen, wodurch die eigene Fantasie einen großen Teil des Horrors übernimmt. Diese zurückhaltende Inszenierung sorgt dafür, dass der Film zunächst deutlich interessanter wirkt als viele vergleichbare Horrorproduktionen. Leider verliert "Bagman" genau in dem Moment an Wirkung, in dem der Film beginnt, Antworten zu liefern. Aus dem atmosphärischen Mystery-Horror wird zunehmend ein vorhersehbarer Creature-Film, der sich auf bekannte Schockeffekte und Genremuster verlässt. Viele der späteren Wendungen sind früh absehbar, während die eigentliche Mythologie des Bagman erstaunlich oberflächlich bleibt. Gerade hier verschenkten die Autoren viel Potenzial, denn die zugrunde liegende Legende hätte deutlich mehr Raum für originelle Ideen geboten.

Hinzu kommt, dass der Spannungsaufbau immer wieder ins Stocken gerät. Nach einem vielversprechenden Beginn wiederholt der Film ähnliche Situationen mehrfach, ohne die Geschichte entscheidend voranzubringen. Statt den psychologischen Aspekt konsequent auszubauen, setzt "Bagman" im letzten Drittel zunehmend auf konventionelle Jumpscares und ein Finale, das kaum überraschen kann. Auch der titelgebende Bagman selbst hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Sein Design ist durchaus gelungen und besitzt einige gruselige Momente, doch die Kreatur wird letztlich zu selten eingesetzt, um wirklich ikonisch zu wirken. Sobald sie vollständig zu sehen ist, verliert sie zudem einen Teil ihrer zuvor aufgebauten Bedrohlichkeit. Weniger wäre hier vermutlich mehr gewesen. Handwerklich gibt es dagegen wenig auszusetzen. Kamera, Ton und Kulissen schaffen eine stimmige, düstere Atmosphäre, und auch die Effekte bewegen sich auf einem ordentlichen Niveau. Diese solide Inszenierung kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass dem Film erzählerisch der Mut fehlt, aus seiner starken Grundidee etwas Eigenständiges zu entwickeln.

4/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkLionsgate/Temple Hill Entertainment/Media Capital Technologies

Donnerstag, 9. Juli 2026

Evil Dead Burn (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt31170389/
https://letterboxd.com/film/evil-dead-burn/

Nach dem Verlust ihres Mannes sucht eine Frau Zuflucht auf dem abgeschiedenen Anwesen seiner Familie, in der Hoffnung, dort Unterstützung zu finden. Die angespannte Atmosphäre schlägt jedoch in offene Bedrohung um, als die Anwesenden nacheinander von einer unheimlichen Kraft erfasst und zu Deadites verwandelt werden. Mitten in diesem Chaos wird sie mit Versprechen aus der Vergangenheit konfrontiert, deren Bedeutung weit über den Tod hinausreicht und sie nun zwingt, sich den daraus entstehenden Folgen zu stellen...

Nur ganz wenige Horror-Filmreihen sind allein aufgrund ihrer Kompromisslosigkeit und Brutalität so bekannt geworden wie das "Evil Dead"-Franchise. ("Terrifier" vielleicht noch, aber da kommt eine erweiterte Sadismus-Komponente dazu.) Das Markenzeichen dieser Film ist seit jeher das absolut Böse, welches sich in den Menschen einnistet, deren Körper auf grausamste und gleichzeitig kreative Art und Weise verstümmelt - und dabei einen Heidenspaß hat. Das Franchise beinhaltete auch bis heute Szenen, die, egal wie oft man diese gesehen hat, immer wieder aufs Neue wehtun. Das Brotscheidemesser oder das Cuttermesser in "Evil Dead", die Käsereibe in "Evil Dead Rise" - die Macher fanden immer wieder neue Alltagsgegenstände, die sie mit äußerst schmerzhaften Methoden auf den menschlichen Körper anwendeten. Doch im Vergleich mit dem neuen "Evil Dead Burn" des französischen Regisseurs Sébastien Vaniček können "Evil Dead" und "Evil Dead Rise" gemessen am Gewaltlevel quasi einpacken.

Auch kaum eine Horrorr-Filmeihe schafft es seit über vier Jahrzehnten, sich immer wieder neu zu erfinden und dabei ihrem Kern treu zu bleiben. Nach dem überraschend starken "Evil Dead Rise" führt Vaniček die Reihe nun konsequent fort - und liefert einen Film ab, der die bekannten Zutaten aus Blut, Dämonen und schwarzem Humor mit einer beklemmenden Familiengeschichte verbindet. Das Ergebnis gehört zwar nicht zu den absoluten Höhepunkten der Reihe, ist aber ein ausgesprochen gelungener Beitrag, der den Zuschauer bestens bedient. Im Mittelpunkt steht Alice (Souheila Yacoub), die nach dem Tod ihres Mannes Zuflucht bei ihren Schwiegereltern auf einem abgelegenen Anwesen sucht. Die Hoffnung auf Trost hält allerdings nicht lange an, denn das Böse lässt nicht lange auf sich warten. Ja, selbstverständlich sind die Protagonisten erneut so blöde und lesen aus dem "Buch der Toten, dem Necronomicon, und ja, natürlich überschlägt sich dann die ganze Situation innerhalb von gefühlten Minuten. Nach und nach werden Familienmitglieder von den Deadites besessen und das Trauerwochenende entwickelt sich zu einem blutigen Überlebenskampf, bei dem niemand sicher ist. Die Reihe bleibt sich dabei treu und verbindet familiäre Konflikte mit gnadenlosem Horrorkino. 


Was sofort auffällt, ist die Atmosphäre. Vaniček setzt deutlich stärker auf düsteren Terror als auf überdrehten Humor. Das abgelegene Landhaus entwickelt sich schnell zu einem beklemmenden Albtraum, dessen enge Räume und dunklen Flure permanent Spannung erzeugen. Doch statt sich ausschließlich auf Gore zu verlassen (und keine Sorge, den gibt es reichlich!), baut der Film seine Bedrohung geduldig auf und erzeugt immer wieder Momente, in denen man förmlich darauf wartet, dass das Chaos losbricht. Sobald die Deadites die Kontrolle übernehmen, liefert "Evil Dead Burn" genau das, was Fans der Reihe erwarten durften: Splatter und Gore ungeschönt. Die Make-up-Effekte sind hervorragend, die Besessenen wirken gleichermaßen verstörend wie grotesk und die Gewaltszenen sind kreativ inszeniert. Vermutlich ist "Evil Dead Burn" damit sogar der kompromisslosesten Teil der gesamten Reihe. Bestimmt nicht der blutigsten (Für das "Evil Dead"-Remake wurden fast 50.000 Gallonen (ca. 190.000 Liter) Kunstblut verwendet.), wohl aber der brutalste.


Auch Souheila Yacoub überzeugt als Hauptfigur. Sie verleiht Alice genügend Verletzlichkeit, ohne dabei zur klassischen Horror-Protagonistin zu werden. Ihre emotionale, klassische Ausgangslage - Trauer, Schuld und familiäre Spannungen - gibt dem Film einen überraschend ernsten Unterton, der den Horror zusätzlich verstärkt. Das übrige Ensemble erfüllt seine Aufgabe ebenfalls solide und trägt dazu bei, dass die familiären Konflikte glaubwürdig wirken, bevor das übernatürliche Grauen endgültig übernimmt. Auch handwerklich bewegt sich der Film auf einem sehr hohen Niveau. Die Kameraarbeit erzeugt eine permanente Unruhe, während Sounddesign und Musik den psychologischen Druck zusätzlich verstärken. Besonders erfreulich ist, dass viele der Splattereffekte wieder praktisch umgesetzt wurden. Das verleiht den Gewaltszenen eine angenehm greifbare Wirkung und erinnert an die handgemachte Ästhetik, für die die Reihe seit jeher bekannt ist.


Die Handlung ist leider nicht so originell wie der Rest. Sie folgt letztlich bekannten Mustern der Reihe und überrascht erzählerisch nur selten. Einige Figuren bleiben trotz guter Ansätze etwas unterentwickelt, und wer auf größere Neuerungen innerhalb des Franchise gehofft hat, dürfte feststellen, dass sich der Film bewusst auf seine bewährten Stärken konzentriert. Gerade im Mittelteil entstehen kleinere Längen, bevor das Finale noch einmal ordentlich Tempo aufnimmt. Dennoch gelingt Vaniček der schwierige Spagat, den Geist der Originalfilme zu bewahren und gleichzeitig seinen eigenen Stil einzubringen. "Evil Dead Burn" fühlt sich weder wie eine bloße Kopie noch wie ein übertriebener Neuanfang an. Stattdessen erweitert der Film die Reihe  sinnvoll und zeigt erneut, dass das "Evil Dead"-Universum noch lange nicht auserzählt ist. 

Im Grunde ist der Film dann auch genau die Fortsetzung, die man sich als Fan wünscht: düster, gnadenlos, atmosphärisch und herrlich blutig. Zwar fehlen der Geschichte die ganz großen Überraschungen und einige Figuren hätten mehr Tiefe vertragen, doch die intensive Atmosphäre, starke Effekte und der kompromisslose Horrorfaktor machen den Film zu einem der stärksten Genrebeiträge des Jahres und zu einem würdigen neuen Kapitel der legendären Reihe.

7,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/ArtworkNew Line Cinema/Screen Gems/Ghost House Pictures/Domain Entertainment

They See You - The Watchers (2024)

https://www.imdb.com/title/tt26736843/

Die 28 Jahre alte Künstlerin Mina (Dakota Fanning) ist auf der Suche nach Inspiration für ihr nächstes Werk und strandet in einem riesigen Urwald im Westen Irlands, der nicht kartografiert ist und in dem seltsamerweise jedes Auto, das sich ihm nähert, an der Baumgrenze liegen bleibt. Nach den ersten Momenten der Panik und der Unsicherheit gelingt es dem Mädchen, einen Unterschlupf zu finden, wo sie drei verzweifelte und verängstigte Fremde trifft, die behaupten, sich seit mehreren Tagen verirrt zu haben und jede Nacht von einer unerbittlichen Gruppe mysteriöser Kreaturen verfolgt zu werden. Diese von den Streunern als Wächter bezeichneten Kreaturen tauchen angeblich auf, um ihre menschlichen Gefangenen zu beobachten und all jenen, die den Unterschlupf nicht rechtzeitig erreichen, schreckliche Dinge anzutun, was ihre Odyssee zu einer Überlebensstrategie im Unbekannten macht.

Ishana Night Shyamalans Regiedebüt "The Watchers" musste sich von Beginn an mit den Filmen ihrs Vaters M. Night Shyamalan vergleichen lassen. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von A.M. Shine präsentiert sie einen Mystery-Horrorfilm, der weniger auf klassische Schockeffekte setzt als auf dichte Atmosphäre, irische Folklore und ein stetig wachsendes Gefühl des Unbehagens. Das Ergebnis ist durchaus sehenswert, bleibt am Ende aber hinter seinen eigenen Ambitionen zurück. Dabei wirken die endlosen Wälder Irlands gleichermaßen wunderschön wie bedrohlich, und Shyamalan versteht es, diese Kulisse wirkungsvoll einzusetzen. Nebel, Dunkelheit und die permanente Unsicherheit darüber, was sich zwischen den Bäumen verbirgt, sorgen für eine konstant angespannte Grundstimmung. Gerade in der ersten Filmhälfte lebt "The Watchers" von dieser geheimnisvollen Inszenierung, die das Kopfkino geschickt arbeiten lässt. Auch Dakota Fanning trägt den Film souverän. Ihre zurückhaltende Darstellung macht Mina zu einer glaubwürdigen Hauptfigur, deren Unsicherheit und Neugier gleichermaßen nachvollziehbar bleiben. Unterstützt wird sie von Georgina Campbell und Olwen Fouéré, die der kleinen Gruppe zusätzliche Dynamik verleihen. Die Chemie zwischen den Figuren funktioniert insgesamt gut, auch wenn manche Nebencharaktere etwas blass bleiben.

Positiv fällt außerdem auf, dass "The Watchers" nicht versucht, sein Publikum mit permanenten Jump Scares zu erschrecken. Stattdessen setzt der Film auf langsamen Spannungsaufbau, geheimnisvolle Andeutungen und die Faszination für die zugrunde liegende Mythologie. Die Anleihen bei irischen Sagen und Märchen verleihen der Geschichte eine angenehme Eigenständigkeit und unterscheiden sie von vielen anderen aktuellen Horrorproduktionen. Genau hier beginnt allerdings auch das größte Problem des Films. Je näher die Handlung ihrer Auflösung kommt, desto stärker verliert die Geschichte an Wirkung. Was anfangs geheimnisvoll und faszinierend erscheint, wird im letzten Drittel zunehmend durch ausführliche Erklärungen ersetzt. Die Enthüllungen wirken dabei weniger überraschend als erhofft und nehmen dem Mysterium einen Teil seiner Faszination. Das Drehbuch schafft es einfach nicht, seine vielen Ideen letztlich überzeugend zusammen zu führen verlässt sich lieber zu sehr auf Erklärungen. Auch das Erzähltempo ist nicht immer optimal. Während die ersten Szenen von ihrer mysteriösen Stimmung profitieren, entstehen im Mittelteil einige Längen. Die Handlung tritt stellenweise auf der Stelle, bevor sie gegen Ende plötzlich sehr viele Informationen in kurzer Zeit vermittelt. Dadurch wirkt das Finale etwas überladen und emotional weniger wirkungsvoll, als es eigentlich sein könnte.

Dennoch sollte man "The Watchers" nicht vorschnell abschreiben. Gerade als Regiedebüt zeigt Ishana Shyamalan ein gutes Gespür für Bildsprache, Atmosphäre und Spannungsaufbau. Es ist ein vielversprechender erster Schritt einer Regisseurin mit erkennbarem Talent. Dass nicht jede erzählerische Entscheidung aufgeht, schmälert diesen positiven Eindruck nur teilweise. Wer ruhigen Mystery-Horror mit folkloristischen Elementen und einer geheimnisvollen Atmosphäre schätzt, wird hier durchaus auf seine Kosten kommen. Wer hingegen auf einen großen Twist oder kompromisslosen Horror hofft, dürfte am Ende etwas ernüchtert sein. Ein sehenswerter Genrebeitrag, der Lust auf weitere Arbeiten von Ishana Night Shyamalan macht - auch wenn er hier das große Potenzial seiner Prämisse nicht vollständig ausschöpft.

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkBlinding Edge Pictures/Inimitable Pictures/Fís Éireann/Screen Ireland

Mittwoch, 8. Juli 2026

Lake Mungo (2008)

https://www.imdb.com/title/tt0816556/

Die 16-jährige Alice Palmer ertrinkt im örtlichen Stausee. Als ihr Tod als Unfall abgehakt ist, wird sie von ihrer trauernden Familie begraben. In der Folge erlebt die Familie eine Reihe von unerklärlichen Vorkommnissen, die sich in und um ihr Haus herum abspielen. Beunruhigt nehmen die Palmers die Dienste des Parapsychologen Ray Kemeny in Anspruch. Ray entdeckt, dass Alice ein heimliches Doppelleben geführt hat. Die Spuren führen die Familie direkt zum Lake Mungo, wo sie mit Alices Vergangenheit konfroniert wird...

Wer bei "Lake Mungo" einen klassischen Found-Footage-Schocker mit permanenter Anspannung und einer Flut an Jump Scares erwartet, dürfte überrascht sein. Joel Andersons australischer Independent-Film geht einen völlig anderen Weg. Statt auf laute Schockmomente setzt "Lake Mungo" auf eine dokumentarische Erzählweise, unterschwelligen Horror und eine melancholische Geschichte über Verlust und Trauer. Das macht den Film zu einem ungewöhnlichen Genrevertreter - wenn man sich darauf einlassen kann. Anderson verzichtet fast vollständig auf die typischen Mechanismen moderner Horrorfilme und baut stattdessen langsam ein Gefühl von Unbehagen auf. Die Bedrohung ist selten sichtbar, sondern entsteht vielmehr durch Andeutungen, Stille und die allmähliche Erkenntnis, dass hinter Alices Tod weit mehr steckt, als zunächst angenommen. Dadurch entwickelt der Film eine unterschwellige Beklemmung, die einen noch nach dem Abspann beschäftigt. 

Gleichzeitig ist "Lake Mungo" weniger ein Geisterfilm als vielmehr ein Drama über Trauer. Der eigentliche Horror entsteht nicht allein durch mögliche übernatürliche Ereignisse, sondern durch die Erkenntnis, wie wenig die Familienmitglieder tatsächlich voneinander wussten. Je tiefer die Nachforschungen gehen, desto deutlicher wird, dass Alice ein Leben führte, das selbst ihren Eltern weitgehend verborgen geblieben war. Diese emotionale Ebene verleiht dem Film eine Tiefe, die viele Genreproduktionen vermissen lassen. Es ist eine ebenso traurige wie unheimliche Auseinandersetzung mit Verlust und Vergänglichkeit. Auch schauspielerisch funktioniert das Konzept erstaunlich gut. Die Darsteller wirken nie wie klassische Filmfiguren, sondern eher wie echte Menschen, die in einer Dokumentation über ein tragisches Ereignis interviewt werden. Gerade diese Natürlichkeit trägt erheblich dazu bei, dass die Geschichte glaubwürdig erscheint. Man vergisst zeitweise beinahe, dass man einen Spielfilm sieht.

Allerdings bringt genau dieser dokumentarische Stil auch einige Probleme mit sich. Das Erzähltempo ist ausgesprochen ruhig und verlangt wirklich Geduld. Über lange Strecken passiert nur wenig, stattdessen besteht der Film aus Interviews, Fotos und Rekonstruktionen. Wer auf klassische Horrorszenen oder eine kontinuierliche Spannungssteigerung hofft, kann sich stellenweise unterfordert fühlen. Die konsequente Atmosphäre ist zwar lobenswert, leider kann der Film seine Wirkung nicht bis zum Ende vollständig aufrechterhalten. Hinzu kommt, dass manche Wendungen zu konstruiert wirken und nicht jede Enthüllung die gewünschte emotionale oder erzählerische Wirkung entfaltet. Einige Handlungsstränge verlaufen im Sande oder werfen neue Fragen auf, ohne sie wirklich zu beantworten. Das passt zwar grundsätzlich zur mysteriösen Ausrichtung des Films, ist aber dennoch kaum zufriedenstellend.

Trotzdem besitzt "Lake Mungo" einen Moment gegen Ende, der ohne große Effekte oder laute Musik einen Schock erzeugt, der sich tief einprägt und die gesamte Geschichte im Nachhinein noch einmal in einem anderen Licht erscheinen lässt. Das macht aus "Lake Mungo" einen insgesamt ungewöhnlichen Horrorfilm, der den Zuschauer eben nicht mit Jump Scares, sondern mit Atmosphäre, Trauer und subtiler Beklemmung konfrontiert. Die authentische Inszenierung, die glaubwürdigen Darsteller und einige nachhaltig verstörende Momente machen den Film sehenswert. Als melancholischer Mystery-Horror funktioniert "Lake Mungo" ganz gut - als packender Horrorfilm hingegen nur mit kleinen Einschränkungen.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkMungo Productions/Screen Australia/SBS Independent

Dienstag, 7. Juli 2026

Into the Wild (2007)

https://www.imdb.com/de/title/tt0758758/
https://letterboxd.com/film/into-the-wild/

m Sommer 1990 hat Christopher McCandless (Emile Hirsch) sein Studium mit Bestnoten abgeschlossen. Seine berufliche Zukunft sieht blendend aus. Doch der junge Mann ist an solchen Oberflächlichkeiten nicht interessiert. Er wird von ideellen Werten angetrieben, denen seine gut situierten Eltern (William Hurt und Marcia Gay Harden) nicht genügen können. Für Chris ist klar: Er will kein Teil seiner heuchlerischen Umgebung werden. Nachdem er alle seine Ersparnisse der Wohlfahrt gespendet hat, beginnt er im Sommer 1990 eine Reise durch die Vereinigten Staaten, eine Suche nach sich selbst. Der Weg führt ihn über Kalifornien, den Grand Canyon, Mexiko und Washington State final nach Alaska, wo er in der unwirtlichen Ödnis nur von der Natur ernährt überleben will. Unterwegs macht er Bekanntschaft mit einem alternden Hippie-Paar (Catherine Keener, Brian Dierker), einem über-enthusiastischen, FBI-gesuchten Farmvorarbeiter (Vince Vaughn), einer frühreifen Aussteiger-Nymphe (Kristen Stewart) und einem vereinsamten Witwer (Hal Halbrook). All diese Menschen prägen Chris, aber von seinem Ziel lässt er sich nicht abbringen...

Regisseur Sean Penn adaptierte den gleichnamigen Sachbuch-Bestseller von Jon Krakauer und erzählt die wahre Geschichte von Christopher McCandless - einem jungen Mann, der dem materiellen Wohlstand den Rücken kehrt, um in der Wildnis Alaskas nach einem einfacheren, freieren Leben zu suchen. Das Ergebnis ist ein bewegendes Roadmovie, das gleichermaßen inspiriert, fasziniert und zum Nachdenken anregt. Dieser Film ist einer der seltenen Exemplare, die weniger von ihrer Handlung als von ihren Gedanken und Gefühlen leben. Penn inszeniert diese Reise mit viel Ruhe und Respekt vor ihrer realen Vorlage. Statt aus McCandless einen unfehlbaren Helden zu machen, zeigt der Film einen jungen Mann voller Ideale, Widersprüche und Fehler. Gerade diese differenzierte Darstellung macht "Into The Wild" so interessant. Der Film romantisiert seinen Protagonisten nicht vollständig, sondern lädt das Publikum dazu ein, selbst über dessen Entscheidungen nachzudenken. 

Emile Hirsch liefert dabei eine herausragende Leistung ab und trägt den Film durchgehend im Alleingang. Er verkörpert Christopher mit einer Mischung aus jugendlichem Idealismus, Abenteuerlust und wachsender Unsicherheit. Seine Darstellung macht nachvollziehbar, warum Menschen sich von McCandless' Geschichte gleichermaßen angezogen und irritiert fühlen. Ein weiterer großer Pluspunkt sind die beeindruckenden Landschaftsaufnahmen. Ob endlose Wüsten, gewaltige Berge oder die raue Natur Alaskas - Kameramann Éric Gautier fängt die Schönheit der amerikanischen Landschaft in eindrucksvollen Bildern ein. Die Natur wird dabei nicht nur zur Kulisse, sondern zu einem eigenen Charakter, der gleichermaßen Freiheit und Gefahr verkörpert. Diese visuellen Eindrücke gehören ohne Zweifel zu den größten Stärken des Films. Auch der Soundtrack trägt maßgeblich zur Wirkung bei. Die eigens komponierten Songs von Eddie Vedder verleihen vielen Szenen eine melancholische, fast meditative Stimmung und unterstreichen die emotionale Reise des Protagonisten perfekt. Musik und Bilder verschmelzen immer wieder zu Momenten, die lange im Gedächtnis bleiben und wesentlich dazu beitragen, dass "Into The Wild" eine so intensive Atmosphäre entwickelt.

Neben seiner beeindruckenden Inszenierung überzeugt der Film auch durch seine philosophische Ebene und Themen. Freiheit, Konsumkritik, Selbstbestimmung und die Suche nach dem Sinn des Lebens ziehen sich wie ein roter Faden durch die gesamte Geschichte. Gleichzeitig stellt Sean Penn immer wieder die Frage, ob völlige Unabhängigkeit tatsächlich glücklich macht oder ob der Mensch letztlich doch auf die Nähe anderer angewiesen ist. Mit einer Laufzeit von knapp zweieinhalb Stunden nimmt sich der Film allerdings etwas zu viel Zeit für seine Episoden, wodurch das Erzähltempo stellenweise etwas gemächlich ausfällt. Einige Begegnungen wirken leicht episodisch und bremsen den erzählerischen Fluss. Zudem neigt der Film gelegentlich dazu, seinen Protagonisten etwas zu idealisieren, auch wenn er dessen Fehlentscheidungen letztlich nicht verschweigt. "Into The Wild" ist aber auch kein Film, der einfache Antworten liefert oder sein Publikum belehren möchte. Stattdessen erzählt er eine zutiefst menschliche Geschichte über Träume, Freiheit und die Konsequenzen radikaler Entscheidungen. Gerade weil der Film seinen Zuschauer zum Nachdenken anregt, entfaltet er seine größte Wirkung oft erst nach dem Abspann.

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkRiver Road Entertainment/Paramount Vantage/Linson Entertainment/Square One C.I.H./Into the Wild