Dienstag, 20. April 2021

Close - Close: Dem Feind so nah (2019)

https://www.imdb.com/title/tt5316540/

Sam (Noomi Rapace) ist eine der besten Leibwächterinnen der Welt und kommt vor allem in Kriegsgebieten zum Einsatz. Nun hat sie einen Job, der für die hochqualifizierte Personenschützerin zunächst so einfach wie Babysitting wirkt: Sie soll die reiche Zoe (Sophie Nélisse) beschützen. Die verwöhnte 18-Jährige mit ihrem naiven Gemüt und Sam als abgebrühte Sicherheitsexpertin, die es regelmäßig mit Terroristen und Attentätern zu tun bekommt, könnten kaum unterschiedlicher sein. Dennoch müssen die beiden jetzt enger zusammenarbeiten, als ihnen lieb ist, denn Sam soll die Jugendliche nicht ohne Grund beschützen: Mysteriöse Attentäter haben es auf die Erbin abgesehen und schrecken nicht vor Gewalt zurück. Die Gefahr erweist sich sogar für die erfahrene Leibwächterin Sam als zu groß, um sie alleine abzuwehren. Zoe bleibt nun nichts anderes übrig, als gemeinsam mit dem Profi um ihr Leben zu kämpfen...

"Close" ist ein seltenes Beispiel für einen Actionfilm, der von Frauen sowohl vor als auch hinter der Kamera gemacht wurde. Ein Bodyguard-Film nach gängigem Muster und mit altbekannter Grundidee, der vor allem von seiner charismatischen Hauptdarstellerin lebt. Noomi Rapace spielt hier einmal mehr die taffe, nach außen hin harte, aber auch verletzliche Heldin, die ihren inneren Dämonen zu entfliehen versucht. Leider nutzt das nicht so viel, weil die Filmemacherin Vicky Jewson zwar durchaus eine Begabung für schlagkräftige Action-Setpieces hat, aber das Rundum ist nur ein arg generischer Thriller von der Stange. Der Film kann sich nicht entscheiden was er will. Anstatt sich auf einen Erzählstrang festzulegen, zerfasert er zusehends und hofft, dass irgendwas am Ende haften bleibt. Auch wenn der Drehbuchschreiber den ein oder anderen originellen Einfall hatte und der Film mit harter Action aufwartet...wirklich Neues liefert er nicht und macht "Close" damit zu einem interessanten Film, der durchaus Luft nach oben hat.

6/10

Quellen
Inhaltsangabe: Netflix

W lesie dzis nie zasnie nikt - Nobody Sleeps In The Woods Tonight (2020)

https://www.imdb.com/title/tt11240506/

Eine Gruppe technikabhängiger Teenager geht ins Offline-Camp. Das gemeinsame Wandern im Wald ohne Zugang zu Smartphones endet jedoch nicht wie von den Veranstaltern geplant. Sie müssen mit Etwas um das wirkliche Leben kämpfen, das sie selbst in den dunkelsten Ecken des Internets noch nicht gesehen haben. Angesichts der tödlichen Gefahr, die im Wald lauert, werden sie entdecken, was wahre Freundschaft, Liebe und Opferbereitschaft sind. 

Der polnische Slasher "Nobody Sleeps In The Woods Tonight" ist sicherlich gut gemeint und verfolgt auch ein paar interessante, wenngleich klischeehafte Ansätze. Die Anleihen aus Filmen wie "Freitag, der 13.", Evil Dead" oder "Wrong Turn" sind allzu offensichtlich, die Storyentwicklung leider ebenso. Die üblichen Klischee-Teenies werden nach und nach von einem recht interessant aussehenden und ganz gut gemachten, deformierten Fettsack dezimiert, doch vieles davon passiert im Off, lediglich ein paar CGI-Blutspritzer deuten das Geschehene an. Also holt der Slasher auch damit kaum Punkte. Doch auch wenn das alles vorherseh- und erwartbar bleibt, "Nobody Sleeps In The Woods Tonight" ist dann doch gerade noch unterhaltsam, vermutlich auch weil man auf den großen Knall hofft, der am Ende leider ausbleibt. Immerhin verhalten sich nicht alle Personen strunzdämlich, sondern, und das hebt "Nobody Sleeps In The Woods Tonight" ein wenig von anderen Slashern ab, unerwartet realistisch und durchleben in enigen Momenten sogar so etwas wie eine Charakterentwicklung. Doch was zunächst wie ein parodistischer Horrorfilm daherkommt, der die Klischees des Genres persifliert, erstickt zunehmend in einer seltsamen Ernsthaftigkeit und bleibt in seinen Aneinanderreihungen bekannter Szenerien stecken. Mit 102 Minuten ist das Ganze auch viel zu lang geworden, das Tempo seltsam träge, die Füllszenen ermüdend. Mittelmaß.

5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Netflix

Montag, 19. April 2021

This Boy's Life - Die Geschichte einer Jugend (1993)

https://www.imdb.com/title/tt0108330/

Eine wahre Geschichte über die schwierige Beziehung eines rebellischen Teenagers in den 50er Jahren zu seinem prügelnden Stiefvater - basierend auf den Memoiren des Schreibers und Literaturprofessors Tobias Wolff. Tobias (Leonardo DiCaprio) ist ein verhaltensauffälliges Kind. Seine Eltern leben bereits seit Jahren getrennt, außerdem zieht er mit seiner leicht instabilen Mutter Caroline (Ellen Barkin) zu oft um, um an einem Ort Wurzeln zu schlagen. Diese Heimatlosigkeit bedingt sein aufmüpfig-halbstarkes Verhalten, das alles nur noch schlimmer macht. Als Schulrowdy geht er seinem Umfeld fast täglich auf die Nerven. Ein männliches Rollenvorbild müsste her, doch die wechselnden Affären der Mutter und die Abwesenheit des Vaters werfen ihn immer wieder auf sich selbst zurück. Im etwas biederen Dwight Hansen (Robert De Niro) glaubt Caroline endlich den Richtigen gefunden zu haben. Zusammen mit Tobias zieht sie ins verschlafene Kaff Concrete, in dem Dwight mit seinen Kindern aus erster Ehe lebt. Schnell jedoch ist klar, dass er Caroline und Tobias nicht glücklich machen wird. Herrisch und mit sadistischer Ader lässt er ihre Hoffnungen zerplatzen... 

Die Verfilmung der Adaption des gleichnamigen autobiographischen Romans von Tobias Wolff markiert nicht nur eine großartige Charakterstudie, verpackt in einer "Coming-of-Age"-Geschichte, sondern ist auch der Grundstein für Leonardo DiCaprios erfolgreiche Karriere. Es war erst sein dritter Kinofilm, nachdem er in zwei vorangegangenen Filmen wahrlich nicht richtig gefordert wurde. Und letztlich muss er hierfür auch Robert De Niro danken, der ihn an seiner Seite zur Höchstleistung getrieben hat. "This Boy's Life" hält vor allem die wertvolle Botschaft bereit, dass eine Flucht nicht immer feige sein muss. Doch zunächst vermisst der Zuschauer in "The Boy's Life" einen stringenten roten Faden, an dessen Ende eine klare Botschaft wartet. Doch je länger der Film andauert, desto mehr lässt man sich in dieses unvermittelte Drama hineinziehen, es wirkt eine Sogkraft, die neben der sympathischen Hauptfigur vor allem durch die stark spielenden Leonardo DiCaprio und Robert De Niro erzeugt wird. 

In "This Boy's Life" lässt sich bereits das immense schauspielerische Potenzial DiCaprios entdecken - denn wenn es einem aufstrebenden Jungdarsteller gelingt, neben einem in Topform auflaufenden De Niro zu bestehen, spricht das vermutlich eine deutliche Sprache. DiCaprio schlüpft hier in die Rolle des verhaltensauffälligen Tobias, dessen Leben seit einiger Zeit daraus besteht, zusammen mit seiner Mutter Caroline (Ellen Barkin) von einem Ort zum anderen zu reisen, immer dem amerikanischen Traum, dem großen Geld, hinterher. Nachdem Caroline in der Vergangenheit bereits einige Erfahrungen mit häuslicher Gewalt sammeln durfte, scheint sie mit Dwight (De Niro) einen Mann gefunden zu haben, der sich als Versorger, Charmebolzen und Vaterfigur eignet. 

Wie so häufig trügt der Schein natürlich. Auf der Durchreise wird Caroline von einem älteren Herren gesagt, dass sie über mehr Courage als gesunden Menschenverstand verfügt. Und das umspannt natürlich auch ihre Menschenkenntnis. Regisseur Michael Caton-Jones verlässt sich mit "This Boy's Life" indes ganz auf sein formidabel aufgelegtes Ensemble, welches kontinuierlich in der Lage scheint, dem Film mehr Tiefe einzuverleiben, als es dem Drehbuch in manchen Momenten möglich scheint. Zuweilen nämlich gesteht sich das Skript einige Offensichtlichkeiten ein, die vor allem der von Robert De Niro gespielte Dwight auszutragen hat: Sein Charakter ist über weite Strecken nur unangenehm, ein saufender Tyrann, dessen schlichtes Gemüt auf der Überzeugung beruht, altertümliche Geschlechterrollen aufleben zu lassen und seine Machtphantasien, ob der eigenen Unzulänglichkeit, irgendwas geleistet zu bekommen, in der gewalttätigen Patriarchen-Rolle auszuleben. Doch selbst wenn sich "This Boy's Life" einigen plakativen Momenten hingibt, besticht Caton-Jones' Regiearbeit immer noch als tadellos gespielte Charakter-Studie, die durch ihr 1950/60er-Jahre Setting einige gewisse Nostalgie forciert, darüber hinaus aber eine Botschaft an sein Publikum vermittelt, die sich abseits jeder Verklärung entfaltet: Eine Flucht nämlich muss nicht immer aus einem Impuls der Feigheit entstehen. Dwight sperrt seine neue Familie in ein von ihm errichtetes Gefängnis, mit dem er sich ein Ventil geschaffen hat, seine Minderwertigkeitskomplexe auszublenden. Erfährt er Widerworte, bleibt ihm aufgrund seiner intellektuellen wie sozialen Beschränktheit (auch hier geht es um selbst erschaffene Gefängnisse) nur die Gewalt. "This Boy's Life" ist die aufwühlende und berührende Jugenderzählung, die abbildet, dass Machtkämpfe auch dann gewonnen werden können, wenn man den Mut aufbringt, sich ihnen gänzlich zu entziehen.

8/10

Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.

Winchester - Winchester Mystery House - The Winchester Widow - Winchester: Das Haus der Verdammten (2018)

https://www.imdb.com/title/tt1072748/

Auf einem abgelegenen Grundstück außerhalb San Franciscos steht das gigantische Anwesen der Winchester-Familie, mit sieben Stockwerken und mehreren hundert Räumen pro Etage. An dem Haus, das bereits seit mehreren Dekaden in Konstruktion ist, wird immer noch gebaut. Angelegt ist es als riesiges Labyrinth – mit Türen, hinter denen Wände sind und einer Treppe, die in der Decke endet. Bauherrin Sarah Winchester (Helen Mirren), die Witwe des berühmten Waffenherstellers William Winchester, will sich auf diese Weise die Geister vom Leib halten, von denen sie sich verfolgt fühlt. Seit dem Tod ihres Mannes und ihres Kindes glaubt sie, dass die gequälten Seelen derjenigen, die durch die Waffen des berühmten Unternehmens zu Tode gekommen sind, Rache an der Familie nehmen wollen. Dr. Eric Price (Jason Clarke) soll den Geisteszustand der alten Dame untersuchen. Vor Ort stellt er fest, dass in dem Gemäuer tatsächlich merkwürdige Dinge vorgehen. Zusammen mit der Lady Winchester und ihrer Nichte Marion (Sarah Snook) versucht er, die Nacht zu überleben… 

Viktorianischer Spukhaushorror mit ansprechend düsterem Setting, einer wunderbaren Helen Mirren und genug Mystery, um neugierig zu machen. Das sogenannte "Winchester-House" wurde - so ist es überliefert - immer wieder bebaut, umgebaut, aufgebaut; kurzum: Ein Haus, das nie fertiggestellt wurde. In dem Haus befinden sich mehrere Kuriositäten, wie zum Beispiel Türen, hinter denen eine Wand ist, eine Treppe, die sieben Stufen hinab und dann wieder elf hinauf führt, eine Treppe, die einfach in der Decke endet und eine Tür, die in den Abgrund führt. Das Gebäude entstand stückweise, bis zu Sarah Winchesters Tod wurden ständig neue Räume hinzugefügt, ein einheitlicher Bauplan existiert nicht. Grund genug also, daraus einen Gruselfilm zu machen.

"Winchester" scheitert aber letztlich an der eigenen Story und vertuscht seine Mankos durch wiederkehrend und oft unpassend oder vorhersehbar platzierte visuelle Effekte, die irgendwann müde machen. Der Film birgt weder Überraschungen oder Storytwists, noch scheint er fesseln zu wollen. "Winchester" begräbt sich quasi selbst unter seinen eigenen Überfrachtungen. Dabei gibt es an Cast, Schauspiel und Ausstattung kaum etas auszusetzen, außer vielleicht, das Helen Mirren unterfordert zu sein scheint. "Winchester" verbleibt lieber in einer sich auf einer festen Basis stützenden Solidität, vernachlässigt dabei aber die gewisse Atmosphäre, die ein gruselfilm eben dringend benötigt. Etwas mehr Story und Subitilität in dieser 08/15-Geisterhausgeschichte, sowie weniger Effekt und vorhersehbare Jumpscares hätten dem Film mehr als gut getan.

5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Splendid
Textauszüge: Wikipedia

Sonntag, 18. April 2021

Anatomie (2000)

https://www.imdb.com/title/tt0187696/

Die ehrgeizige Medizinstudentin Paula Henning (Franka Potente) ist überglücklich, als sie erfährt, dass sie über den Sommer zu einem Elitelehrgang in Anatomie zu dem renommierten Professor Grombeck (Traugott Buhre) in Heidelberg eingeladen ist. Für ihre zukünftige Karriere könnte das Gold wert sein. Am Abend noch nett gefeiert und unterhalten, fängt in der ersten Stunde der Schrecken ohne Ende an: Auf dem Seziertisch liegt ein junger Mann, mit dem sie am Vortag noch gesprochen hat und der alles andere als tot war. Heimlich stellt sie Nachforschungen an und stößt auf den Geheimbund der Antihippokraten, der im Dritten Reich seine Blütezeit an der Heidelberger Uni hatte. Als dann noch eine Kette von blutigen Ereignissen ihren Lauf nimmt, ist es für Paula zu spät, einen Rückzieher zu machen...

In den späten Neuniziger Jahren trat der Film "Scream" eine regelrechte Slasher-Welle los und belebte das totgegalubte Genre neu. Auch in Deutschland versuchte man sich eine Scheibe davon abzuschneiden und das Ergebnis ist vor allen Dingen ziemlich deutsch. In "Anataomie" klebt jede Figur extrem verbissen an den amerikanischen Vorbildern, wird aber vorsichtshalber immer 15% über "Soll" gedreht, damit auch der letzte Zuschauer versteht, welchem Darsteller welches Klischee zugelost wurde. Der ganze Cast wirkt in all der bemühten Jugendlichkeit irgendwie unangenehm bieder, die glücklicherweise knapp eingestreuten Witze sind teilweise wirklich schlimm und selbst die immer wieder eingeworfenen Szenen von angetäuschtem Sex hauchen lediglich ein zärtliches Beisammensein durch die verwaisten Anatomiesäle. Benno Führmann und Franka Potente spielen immerhin ganz gut, können sich aber auch nicht von ihren plagiatverdächtigen Steteotypen lösen und Holger Speckhahn spielt sich gekonnt selbst. Zu allem Überfluss wirken die deutschen 90er zwischen Akademikerlifestyle und Love-Parade-Augenbrauenpiercing-Rebellen einfach noch eine ganze Ecke uncooler als die großen amerikanischen Vorbilder. Schade eigentlich. Setting und Idee sind nämlich grundsolide für einen abendfüllenden Slasher. Das Erzähltempo passt auch, Morde/Leichen/Blut - alles völlig in Ordnung. Mit einem Tick mehr Eigeninnitiative und besserem Twist, hätte "Anatamoie" sogar einer der besten deutschen Slasher werden können. Eigentlich seltsam, dass er es auch ist.

6,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Columbia TriStar

Love And Monsters - Monster Problems (2020)

https://www.imdb.com/title/tt2222042/

Als ein Asteroid auf die Erde prallt, beginnen die Tiere des Planeten zu gefährlichen Monstern zu mutieren. Sieben Jahre später ist ein Großteil der Menschheit vernichtet und viele der noch lebenden Menschen haben sich sichere Kolonien unter der Erde erschaffen. In einer dieser Bunker lebt der junge Joel Dawson (Dylan O'Brien), der vor sieben Jahren von seiner Freundin Aimee (Jessica Henwick) getrennt wurde. Joel führt ein recht einsames Leben. Alle Menschen in seinem Bunker sind verpartnert und bekämpfen heldenhaft Monster, um die Bunkergemeinschaft zu versorgen. Nur Joel nicht. Er ist single und darf an Versorgungsmissionen nicht teilnehmen, da er im Angesicht von Gefahr regelmäßig in Schockstarre verfällt. Nachdem der Bunker von einem gewaltigen Monster angegriffen wird, begibt sich Joel in die Oberwelt. Er will nicht alleine sterben und beschließt, seine Freundin Aimee aufzufinden, die nur etwas über 130 Kilometer von ihm entfernt in einer anderen Kolonie lebt. Auf seiner Reise durch die von Monstern überlaufene Welt trifft Joel auf den Hund Boy, der ihm das Leben retten und ihn fortan begleitet. Bald schon treffen sie auf weitere Überlebende: Überlebensexperte Clyde Dutton (Michael Rooker) und seine junge Begleiterin Minnow (Ariana Greenblatt). Diese wollen in den Norden reisen, wo es eine sichere Zone geben soll. Joel steht nun vor einer schwierigen Entscheidung...

"Love And Monsters" ist eine Variante von "Zombieland" - nur das eben hier durch Mutation größenveränderte und irgendwie verwunderlich-plötzlich mit riesigen Zähnen ausgestattete Kleinstlebewesen der Menschheit nach dem Leben trachten. Scheinbar haben diese es aber auch geschafft 95% der Weltbevölkerung auszurotten, was einen im Verlauf des Films zu der Frage bringt, warum gefühle 4% davon im 70 Kilometer weiten Umkreis der Stadt Fairfield leben. Doch seis drum - um Logik und Stringenz geht es hier nicht. "Love And Monsters" will eben "nur" ein weiterer unterhaltsamer und zum Schmunzeln annregender Abendfüller sein. Dabei ist er auch ganz witzig erzählt und dadurch interessant, mit Dylan O'Brien auch gut besetzt, doch irgendwie und gerade weil die Thematik schon bekannt ist, vorhersehbar und dadurch irgendwann nichtssagend. Der Humor ist auch beweitem nicht so bissig wie in "Zombieland" und entlocken dem Zuschauer ein paar Schmunzler. Richtige Brüller sind aber nicht dabei. Hochwertig gefilmt sind die CGI-Monster leicht als solche zu enttarnen, weil diese manchmal auch nicht so recht in ihre Umgebung passen wollen. Und den Gag mit der Handgranate... das konnte "Monty Python" besser. Unterm Strich mit dem vielversprechenden Beginn und dem erträglichen Ende in Summe eben nur ganz okay.

6/10

Quellen
Inhaltsangabe: Netflix

Samstag, 17. April 2021

Blow Out - Blow Out: Der Tod löscht alle Spuren (1981)

https://www.imdb.com/title/tt0082085/

Der Präsidentschaftskandidat George McRyan stirbt nach einem Autounfall. Aber die Täter, die alles wie ein tragisches Unglück aussehen lassen wollten, haben nicht mit einem Zeugen gerechnet. Der Toningenieur Jack Terry (John Travolta) hat zufällig Aufnahmen gemacht, mit denen er beweisen kann, dass es sich nicht um einen harmlosen Autounfall handelt. Die ermittelnde Polizei scheint aber nicht daran interessiert zu sein, einer Mordtheorie nachzugehen. Denn sowohl Jack als auch Sally (Nancy Allen), der Beifahrerin des Präsidentschaftskandidaten, wird nahegelegt, keine Vermutungen in dieser Richtung zu äußern. Das stachelt ihre Neugier aber erst so richtig an. Gemeinsam versuchen sie, Licht ins Dunkel zu bringen. Dabei stoßen sie auf fortwährenden Widerstand und müssen sich davor in Acht nehmen, nicht selbst getötet zu werden...

Bereits der famos inszenierte Einstieg gibt die Marschrichtung vor. Ein überragender John Travolta als Tontechniker Jack muss hier der Frage nachgehen, was der Wahrheit entspricht und findet sich in einem Netz aus politischer Korruption, Vertuschung und Mord wieder. Genauso wie es Jacks Beruf ist, Filme perfekt zu vertonen, schafft es auch De Palma hier wieder, durch seine einwandfreie Regie inszenatorische Highlights einzustreuen, bei denen auch die Wirkung der Tonebene für intensive Momente sorgt. Der Echtheitsgehalt von Jack Terrys Aufnahmen steht nie in Frage, vielmehr ist es von Interesse welche Folgen - persönlicher wie öffentlicher Natur - daraus resultieren. Anstatt der Frage nach objektiver und subjektiver (Selbst)wahrnehmung geht es de Palma um den gesellschaftlichen Einfluss der daraus resultierenden Wahrheit. Doch auch darüber hinaus ist der Film hochgradig referentiell, zollt de Palma doch bereits in der ersten Szene seinem großen Vorbild Hitchcock erneut Tribut. Vieles von ihm lässt sich hier wiederfinden, vor allem natürlich in der inszenatorischen Gestaltung des Films. In einer besonders eindrucksvollen Szene dreht sich die Kamera im Inneren von Jacks Tonstudio, lässt das Interieur bei jeder Umdrehung mehr verschwimmen und nähert sich dadurch formal nicht nur den rotierenden Tonkassetten an, sondern symbolisiert auch den verzweifelten Kampf von Jack. Und als wäre dieser stilsicher durchgetaktete Anfang- und Mittelteil noch nicht genug, zaubert de Palma ein grandioses Ende aus dem Hut, welches inhaltlich intelligent einen Bogen zum Beginn des Films spannt. Besonders zynisch und bitter ist diess Finale geraten, dass De Palma wieder mal auf dem Höhepunkt seiner handwerklichen Fähigkeiten zeigt und einen herben Schlusspunkt setzt.

Die Handlung gerät hier und da leider immer mal wieder ins Stocken und der Streifen ist dann vielleicht ein Tick zu sehr gewöhnlicher Verschwörungsthriller. Nebenbei überzeugt aber das Zusammenspiel von John Travolta und Nancy Allen, die eine schöne Chemie entwickeln.
"Blow Out" ist ein vor allem handwerklich packender Thriller, der immer wieder mal mit Spannungsarmut und dem zu gewöhnlichen Plot zu kämpfen hat. Die Inszenierung, der Cast und einige, kleine Höhepunkte sorgen aber trotzdem für einen gelungenen Film, der eindeutig die Handschrift von Brian De Palma trägt. Den letzten Aufnahmen von Travoltas Gesicht haben wir es übrigens auch zu verdanken, dass man ihn in "Pulp Fiction" bewundern durfte.

7,5/10

Von KOCH Films erschien der Film im limitierten Mediabook. Dieses beinhaltet den ungeschnittenen Film auf Blu-ray und DVD, sowie jede Menge Bonusmaterial.   

Quellen
Inhaltsangabe: Koch Films