Mittwoch, 2. Dezember 2020

Serpico (1973)

https://www.imdb.com/title/tt0070666/

"Serpico wurde angeschossen", eine Meldung geistert durch Polizei und die Öffentlichkeit, die sie in Aufruhr versetzt. Das Krankenhauszimmer des Schwerverletzten Frank Serpico (Al Pacino) wird auf der Stelle unter Polizeischutz gestellt. Ein hoher Polizist stellt sofort die Frage, ob es ein Krimineller oder einer der ihren war, der geschossen hat. Doch wer ist dieser Frank Serpico? Ein Hippie, der mit seinen langen Haaren und seinem Bart eher aussieht wie ein Drogendealer, aber ein Polizist zu sein scheint? Denn genau das ist er. Aber in seiner Zeit ist er ein Exot unter den Cops, denn er ist nicht bestechlich und genau das macht ihn als Zielscheibe sowohl für Gangster, als auch für Kollegen so interessant. Frank Serpico hat das System als korrupt und chaotisch enttarnt, bei dem es leicht fällt, die Hoffnung zu verlieren - was er aber nie getan hat...

Mit dem mehrfach oscarnominierten Film "Serpico" gelang Regielegende Sidney Lumet 1973 ein echter Klassiker des Cop-Dramas sowie gleichzeitig eines der großen Highlights des New Hollywoods. Der als "Meister des Justizfilms" verehrte Filmemacher, eine Bezeichnung, die Lumets ganzer Klasse übrigens mehr als gerecht wird, hat mit "Serpico" einen seiner besten Filme gedreht, ein Werk, welches sich völlig zurecht auf seinen Status als einer der besten Copfilme der Filmgeschichte berufen kann. Basierend auf wahren Begebenheiten und der von Peter Maas verfassten Biographie des echten Frank Serpico verfilmte der Regisseur den wohl bedeutendsten Lebensabschnitt des New Yorker Polizisten, der in den 70er Jahren in den USA als erster Cop gegen Korruption innerhalb der Polizei ankämpfte und dieses mutige Unterfangen fast mit seinem Leben bezahlen musste. Sidney Lumet inszenierte diese äußerst interessante Thematik als kühlen, düsteren, spannenden, harten und ehrlichen Cop-Thriller, ohne den es einige andere Klassiker des Genres wohl niemals gegeben hätte. In dieser Hinsicht ist "Serpico" also definitiv ein wegweisender und auch sehr wichtiger Streifen für die Filmgeschichte, gerade was die Zeiten des New Hollywood betrifft.

Lumet zeichnet ein wahrlich erschreckendes Bild des damaligen New Yorker Polizeiapparates. Korruption, Schmiergeldaffären, Rassismus und Homophobie stehen bei vielen ansässigen Polizisten an der Tagesordnung, die ihre Machenschaften dabei als das Normalste auf der Welt ansehen. In den 130 Minuten nimmt sich der eher tempoarme Film dabei immer wieder genug Zeit für die genaue Beleuchtung von Franks Charakter. Zuerst hält er sich noch zurück und agiert passiv, indem er zwar die Schmiergelder verweigert und deshalb langsam bei den Kollegen in Verruch gerät, aber noch den Mund hält. Nachdem aber Franks Mut über seine Angst siegt, kommt es zu ersten Versuchen die Korruption seiner Kollegen ans Tageslicht zu bringen, wobei er bei einigen Ansprechpartnern eher auf taube Ohren stößt. Erst als sich ein Sonderausschuss der Ermittlungen annimmt und Frank als wichtigsten Zeugen vorsieht, manövriert er sich immer mehr in Lebensgefahr. Al Pacinos Performance ist dabei wirklich enorm stark und einer der Hauptgründe für die Qualität des Films. Er ist ein Schauspieler, der seinen Beruf als Leidenschaft auslebt, der alles für seine Rollen gibt und seine Charaktere so einzigartig und authentisch wie kaum ein anderer Darsteller zum Leben erwecken kann. Für seine Rolle in Lumets "Serpico" verbrachte Pacino einige Zeit mit dem wahren Frank Serpico, um durch jenes Beisammensein mit dem ehemaligen Beamten eine noch größere Bindung zu seiner Rolle und den Eigenschaften und Denkweisen seines zu verkörpernden Charakters zu entwickeln. Frank Serpico sagte mal vor ein paar Jahren, Al Pacino hätte die Figur des Serpico besser gespielt als er selbst. 

"Es ist unglaublich. Es ist unfassbar. Ich stehe wie ein Verbrecher da, weil ich es ablehne Geld zu nehmen."

Insgesamt zeichnet sich jedoch ein ziemlich bitteres Abbild der damaligen Zustände des Polizeiapparats in New York und gerade mit dem Wissen um die wahren Ereignisse auch ein ziemlich erschreckendes. Wenigstens gibt der Film zum Schluss einen (wahrscheinlich nicht hundertprozentig umsetzbaren) kleinen Lösungsvorschlag mit auf den Weg. Ein starker Klassiker.

8/10

Quellen
Inhaltsangabe: Studiocanal

The Devil Wears Prada - Der Teufel trägt Prada (2006)

https://www.imdb.com/title/tt0458352/

Andrea Sachs (Anne Hathaway) ist das, was man ein Mädchen vom Lande nennen könnte – wohlbehütet aufgewachsen und sehr bodenständig. Um ihrem Traumjob Journalistin näher zu kommen, entschließt sie sich zu einem Umzug in die Glitzer-Metropole New York City. Denn wenn es eine Stadt gibt auf dieser Welt, in der man wichtige Kontakte knüpfen kann, dann hier! Doch Kontakte von unerwarteter Seite sind es, denen Andrea begegnet: sie nimmt einen Job an als Assistentin der Herausgeberin von 'Runway' – dem angesagtesten Modemagazin schlechthin. Miranda Priestly (Meryl Streep) heißt ihre neue Chefin, der die gesamte New Yorker High Society zu Füßen liegt. Hinter der makellosen Fassade verbirgt sich jedoch der reinste Drachen: Miranda schikaniert alles und jeden in ihrer Umgebung mit wahnwitzigen Aufgaben und hysterisch-cholerischen Anfällen. 

Bissige Hollywoodsatire über das scheinbar charmante Modebusiness. Der Plot selbst ist nicht übermäßig spektakulär, das Ende in der Form auch vorhersehbar, aber insgesamt ist das durchaus solide und tauglich für eine abendliche Berieselung ohne höhere Ansprüche. Die Modewelt wird als oberflächlich und arrogant gezeichet, allerdings bleibt ernsthafte, tiefgründige Auseinandersetzung dann doch aus. Der Hauptkritikpunkt ist, dass die "Verwandlung" der Protagonistin von einem vermeintlich biederen Mädchen ohne Modeaffinität zu einer Karrierefrau in einem Modemagazin nicht recht überzeugen will. Letztendlich wird aus einer hübschen jungen Frau in 08/15-Klamotten eine hübsche junge Frau in Designer-Klamotten (und wieder zurück). Mit dieser mageren Story würde sich der Film vielleicht noch im Mittelmaß ansiedeln, wäre da da nicht Meryl Streep, welche die diabolische, überhebliche Miranda Priestly grandios spielt und den Film mit ihrer Präsenz klar belebt. Es ist natürlich kaum belegbar, wenn man behauptet, dass der Film ohne Streep bei Weitem nicht so erfolgreich gewesen wäre. Doch genau dieser gedanke bleibt hängen. Um fair zu bleiben: Emily Blunt und Stanley Tucci überzeugen natürlich ebenso in ihren Rollen und vermitteln diesem Film dann doch einen gewissen Reiz und Charme. Unterhaltsam, aber bitterlieb, statt bitterböse.

6,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Twentieth Century Fox

Dienstag, 1. Dezember 2020

Archive (2020)

https://www.imdb.com/title/tt6882604/

2038: George Almore (Theo James) hat sich in eine abgelegene Forschungseinrichtung versetzen lassen, um dort in aller Ruhe und Heimlichkeit an einem lebensechten menschenähnlichen Androiden zu arbeiten. Sein neuester Prototyp ist fast fertig, doch das Vorgängermodell J2, das auf dem Entwicklungsstand einer menschlichen Teenagerin ist, zeigt Zeichen von Eifersucht, weil sie ersetzt werden soll. Diese sensible Phase ist auch die riskanteste, denn George verfolgt persönliche Ziele, die um jeden Preis vor seiner Chefin Simone (Rhona Mitra) und Konkurrent Vincent Sinclair (Toby Jones) verborgen bleiben müssen: die Wiedervereinigung mit seiner toten Frau Jules (Stacy Martin), deren Persönlichkeit und Erinnerungen er in den fertigen Androidenkörper übertragen will...

Ein Mann werkelt in einer abgelegenen Gegend Japans an mehreren Robotern und testet die Grenzen zwischen Mensch und Maschine aus. Optisch und produktionstechnisch ist das schon im ersten Moment sehr gut für B-Ware und ein Science-Fiction-Drama, das zunächst den Anschein erweckt, im Fahrwasser von Filmen wie "Ex Machina" und auch "I Am Mother" daherkommen zu wollen, gegen Ende dann aber doch eine ganz andere Note setzt, was dem Gesamteindruck ganz sicher nicht schadet. "Archive" ist damit zumindest ein audiovisueller Volltreffer und eine mögliche, wenngleich stille Zukunftsvision.

Die Hauptrolle mit Theo James zu besetzen, erscheint einigermaßen mutig. Insgesamt schlägt er sich ganz wacker, auch wenn einige Branchengrößen vermutlich noch weit mehr aus der Rolle hätten herausholen können. "Archive" nimmt beliebte Science-Fiction-Themen, variiert diese ein bisschen und versucht ihnen mehr Emotionalität zu verleihen. Letzteres funktioniert nur zum Teil, die Szenen mit den Robotern und die schönen Bilder entschädigen aber für inhaltliche Leerläufe. Dabei stellt "Archive" die bekannte Frage der Entwicklung einer künstlichen Intelligenz: Fluch und Segen zugleich? Die ruhige Grundstimmung wird durch gelegentliche Flashbacks unterbrochen, wobei diese oft mehr verwirren als erklären. Erst gegen Ende offenbart sich der Twist, den man vielleicht vorhersehen könnte. Das Ende ist sehr rührselig und stimmt traurig. 

Für Science Fiction Fans kann sich eine Sichtung durchaus lohnen. Man sollte sich jedoch bewusst sein, worauf man sich hier einlässt. Die Inszenierung ist nicht gerade temporeich und trägt phasenweise die Züge eines Kammerspiels. Allerdings sollte man keinerlei Blockbustererwartungen haben. 
 
6,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Capelight

 

Sonntag, 29. November 2020

Asylum: Twisted Horror and Fantasy Tales - Asylum (2020)

https://www.imdb.com/title/tt11708140/

Brandon bereitet sich auf seine letzte Stand-up-Comedy-Show vor. Er erzählt Geschichten und Witze, die das Publikum immer mehr anheizen. Doch dann bemerkt Brandon, dass diese Geschichten stark mit seiner Vergangenheit in Verbindung stehen. Viel stärker, als er sich vorzustellen vermag. Und so kommt es, dass dieser Abend zunehmend kuriose Züge annimmt mit Storys, die von brutal-witzig bis abgespaced-unglaublich reichen. Ein Potpourri der Absurditäten, das es so noch nie zu sehen gab...  

Anthologie-Horrorfilme sind in der Regel thematisch konzipiert oder dienen gelegentlich als Schaukästen für bereits existierende Kurzfilme. "Asylum" ist beides. Hier werden Minifilme aus aller Welt in einem Rahmengerät zusammengestellt, das nicht vollständig funktioniert, obwohl einige Segmente einen Blick wert sind. Die argentinischen Produzenten Nicolás Onetti und Michael Kraetzer konzipierten und überwachten das Gefährt, der von Brandon (Raymond Lee) vorgestellt wird, einem entschlossenen und desillusionierten Clown, der eine Standup-Comedy-Nummer über sein mieses Leben aufführt. Das Gimmick ist, dass Brandon nach jedem Segment in einem Make-up wieder auftaucht, das von der gerade abgeschlossenen Geschichte inspiriert ist, und dass alles am Ende auf eine Weise zusammenhängt, die der Titel des Films andeutet. Einiges davon ist durchaus amüsant, doch die Übergänge sind mitunter etwas verwirrend und die Auflösung unterfordert. Es hilft nicht, dass das letzte Segment, Hendryk Witscherkowskys "The Last Show", die ganze Chose tragen soll, bevor die Credits anlaufen. Während "Asylum" thematisch den Kreis schließt und einen blutigen Karnevalsrausch durch böse Clowns darstellt, ist es eher eine Situation als eine Geschichte und bietet nicht viel dramatische Befriedigung.

Das Lineup von "Asylum" beginnt jedoch gut mit Damien LeVecks "The Cleansing Hour", dem Namen einer äußerst beliebten Streaming-Serie, in der Pater Lance (Sam Jaeger) gefälschte Exorzismen für ein weltweites Publikum aufführt. Obwohl die zentrale Wendung genau das ist, was man sich vorstellt, wird sie mit viel Liebe zum Detail gesteuert und mit einer bösen Pointe abgeschlossen. Als nächstes kommt Kheireddine El-Helous "Drudge", in dem eine junge Frau (Jessica Mann) von einem maskierten Mörder mit einer Mehrzweck-Industriewaffe terrorisiert wird. Dies fühlt sich eher wie eine Zwischensequenz aus einem Feature als wie ein in sich geschlossener Kurzfilm an und ist daher ziemlich sinnlos. Gleiches gilt für Adam O'Briens späteres "Blutbad", das nichts weiter als eine Literalisierung seines Titels ist. Diese beiden Beiträge streben kaum mehr als einen Schockwert an; Die besseren Folgen von "Asylum" zielen auch auf das Herz ab. Mat Johns '"Ein Vatertag" ist eine ebenso grausame, aber überraschend bewegende kleine Geschichte von elterlicher Liebe, die über den Tod hinausgeht. Garth Maunders und Hazel Gibson vermitteln echte Emotionen ohne Dialog und hinter Ghul-Make-up. Noch besser ist "The Death, Dad and Son" von Denis Walgenwitz & Vincent Paronnaud. Das französische Duo verbindet in dieser eindrucksvollen animierten Fabel über ein Sensenmannskind, das stattdessen ein Engel sein möchte, dessen Versuche, Gutes zu tun, immer wieder nach hinten losgehen, ein ehrliches Gefühl mit großartigem schwarzen Humor.

Albert Pintó und Caye Casas '"RIP" erntet dunkles Lachen, da der gerade verstorbene Juan (Josep Maria Riera) nicht tot bleiben wil, was den Wunsch seiner Frau Marisa (Itziar Castro) und Mutter (Carme Sansa) vereitelt, die perfekte Beerdigung abzuhalten. Aufgrund der Morbidität von "RIP" wird "Asylum" dann mit einem weiteren spanischsprachigen Eintrag, Alejandro Damianis "M.A.M.O.N." aufgelockert. An der Grenze zwischen den USA und Mexiko, einen riesigen Mecha-Trump und ein heldenhaftes Huhn spielt dieses Skurrilität. und sie ist vorbei, bevor man seinen Unterkiefer vom Boden aufsammeln konnte. Und der genau entgegengesetzte Ton wird von Andrew Desmonds "Entity" getroffen, der einen großen Haken hat - eine Astronautin (Alias ​​Hilsum) bleibt nach der Explosion ihrer Station im Weltraum gestrandet - der beitrag bietet coole Bilder und eine fesselnde, bedrohliche Stimmung, obwohl es zu keinem schlüssiges Ende kommt.

Wenn die Summe der Teile größer sind als das Ganze, kann ein ausreichend hoher Prozentsatz dieser Teile in die Gewinnspalte für Horror-Anthologien aufgenommen werden. Es handelt sich im Wesentlichen um ein Festival-Kurzprogramm, das man zu Hause genießen kann - und die Tatsache, dass Festivals aktuell sehr rar gesät sind, macht es besonders lohnenswert.

6,5/10

"Pierrot Le Fou UNCUT #21", so lautet der Editionsname des limitierten Mediabooks, welches den Film in der ungeschnittenen Fassung enthält:


Quellen
Inhaltsangabe: Pierrot Le Fou

[SERIE] Monty Python's Flying Circus, Season 04

https://www.imdb.com/title/tt0063929/

Die englische Comedytruppe Monty Python, bestehend aus Graham Chapman, John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones und Michael Palin, blödelte sich durch diese absurde Sketchshow, in der ein Gag an den anderen gereiht war. Inhaltlich war alles möglich, je unmöglicher eine Situation erschien, desto komischer wurde sie. Albernes Slapstick, kalauernde Wortspiele und feinsinnige Satire wurden geschickt vermischt. Als Thema für die Sketche konnte alles herhalten, z. B. Bürokratie oder Historie, auch das Fernsehen wurde regelmäßig parodiert. In manchen Folgen war Carol Cleveland als zusätzliche Darstellerin dabei. Unterbrochen wurden die Sketche oft nur von Cleeses Ansage "Und nun zu etwas völlig anderem" oder von kurzen animierten surrealistischen Einspielern, in denen beispielsweise Monster, Blumen oder Köpfe Monster, Blumen oder Köpfe fraßen, Menschen sich zerteilten, von riesigen Füßen plattgetreten wurden etc. Terry Gilliam war für diese Animationen verantwortlich. Die Titelmusik war der "Liberty Bell March" von John Philip Sousa. Einer der bekanntesten Sketche der Reihe wurde der "Parrot Sketch", in dem ein Kunde (Cleese) sich beim Verkäufer in einer Tierhandlung (Palin) darüber beklagt, dass der von ihm gekaufte Papagei tot sei. Während beide mit dem durchaus toten Tier hantieren, versucht Palin Cleese davon zu überzeugen, dass der Papagei nur ein Nickerchen mache... 

https://www.imdb.com/title/tt0650996/
4.1 Das goldene Zeitalter der Ballonfahrt (The Golden Age Of Ballooning)
Folgende Sketche werden gezeigt: Die Brüder Montgolfier bereiten sich auf den ersten Ballonflug vor, "König Ludwig XIV", "König George III", "Parteipolitische Sendung der norwegischen Partei" - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt0650983/
4.2 Michael Ellis (Michael Ellis)
Folgende Sketche werden gezeigt: In dieser Folge betritt Chris Quinn ein Kaufhaus und verlangt, eine Ameise namens Marcus zu kaufen, "Universität im Äther: Dokumentation über Ameisen", "Die Ameisen-Beschwerde", "Das Toupet", Dichterlesung: "Ode an die Krabbe, Ode an ein Glas Sherry" - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt0650981/
4.3 Krieg der leichten Unterhaltung (The Light Entertainment War)
Folgende Sketche werden gezeigt: Eine Parodie des Krieges beinhaltet die Invasion Norwegens durch Tutu-gekleidete Kommandos und eine Bitte an die Öffentlichkeit, den Krieg ernst zu nehmen, "Kriegstrivialitäten", "Kriegsgericht: Basingstoke in Westfalen", "Filmtrailer – Das Publikum sind Idioten", "Die letzten fünf Kilometer auf der Autobahn", "Holzige und blechige Wörter" - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt0650975/
4.4 Hamlet (Hamlet)
Folgende Sketche werden gezeigt: Hamlet unterzieht sich einer Psychoanalyse in "Hamlet, Akt 1: der Patienten-Verunsicherungstest"; Acht Queen Victorias nehmen am Queen Victoria Handicap Race teil. Einem Boxkandidaten wird der Kopf abgeschlagen., "Landesweit: Die Sendung, in der landesweit ziemlich bekloppte Sachen gezeigt werden", "Polizeihelme", "Der Schwiegervater" - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt0650984/
4.5 Mr. Neutron (Mr. Neutron)
Folgende Sketche werden gezeigt: Die Suche nach Mr. Neutron, der die Welt beherrschen will, erstreckt sich von einem Londoner Vorort bis zum Yukon und führt zur Zerstörung der irdischen Zivilisation in "Mr. Neutron, der gefährlichste Mann der Welt", "Mr. Neutron ist verschwunden", und "Mr. Neutron ist immer noch verschwunden". Außerdem "Die Eröffnung eines neuen Briefkastens der Post", "Teddy Salad, CIA-Agent" - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt0650987/
4.6 Parteipolitisches (Party Political Broadcast)
Folgende Sketche werden gezeigt: Eine Parodie auf britische Sendungen politischer Parteien umfasst das Finale des Wettbewerbs "Englands grässlichste Familie ", ein gewalttätiges Cricket-Match und eine Hausfrau, die die Bienenzucht revolutionierte in "Isländische Honig-Woche", Ein Doktor, bei dem die Patienten von seiner Krankenschwester erstochen werden, Ein Aufruf für extrem reiche Menschen, denen überhaupt nichts fehlt, Der Mann, der anderer Leute Sätze vervollständigt, Der Wanderbaum aus Dahomey, Die legendären Schlagleute von Kalahari - 7,5/10

Von NETWORK kommt die komplette Serie auf Blu-ray-Disc als "Norwegian Blu-ray Edition" in einer limitierten Klappbox und DigiPaks mit umfangreichen Booklets zu jeder Staffel.

Freitag, 27. November 2020

Mulan (2020)

https://www.imdb.com/title/tt4566758/

Um das Land vor Eindringlingen aus dem Norden zu schützen, errichtet der mächtige chinesische Kaiser (Jet Li) eine gewaltige Armee. Ein Mann aus jeder chinesischen Familie soll für ihn in den Kampf ziehen - darunter auch der Vater der jungen Mulan (Yifei Liu), Zhou Hua (Tzi Ma), der dem Einberufungsbefehl selbst krank und geschwächt folgeleisten will. Seine Tochter ist sich jedoch sicher: Wenn er in den Krieg zieht, wird ihr Vater nicht überleben. Kurzerhand beschließt Mulan deswegen, an seiner statt in die Schlacht zu ziehen. Verkleidet als Mann gibt sie sich fortan als Jun Hua aus und begibt sich auf eine gefährliche Reise durch China, um sich dem Militär anzuschließen und unter Kommandant Tung (Donnie Yen) die knallharte Ausbildung zur Kriegerin zu absolvieren. Denn nur so kann sie das Gefecht überstehen und nicht nur ihr Vaterland, sondern auch ihren Vater mit Stolz erfüllen. 

In der Reihe der Disney-Realverflimung sollte im März des Jahres 2020 "Mulan" starten - nach Disneys "Aladdin", das nächste Remake eines Disney-Zeichentrickfilmklassikers. Doch "Mulan" hatte es gleich in doppelter Hinsicht schwer. Nicht nur, dass die globale Covid-19-Pandemi dem anvisierten Veröffentlichungstermin im März 2020 Probleme bereitete, auch die Äusserungen der Hauptdarstellerin Yifei Liu und eine Danksagung in den Credits wurden zum Problem für den Disney-Konzern. Auf eine Kinoasuwertung verzichtete Disney und veröffentlichte den Film exklusiv auf ihrer Streaming-Plattform Disney+. Doch der Boykott mit dem Hashtag #BoycottMulan srgte dafür, dass "Mulan" von vielen gemieden wurde. Hauptdarstellerin Liu hatte im chinesischen Mikroblogdienst Weibo (vergleichbar mit Twitter, allerdings wird Weibo vom chinesischen Staat zensiert) sinngemäß geschrieben, sie unterstütze die Hongkonger Polizei während der anhaltenden Proteste, auch wenn das vielleicht einigen missfalle. Hongkong-Aktivisten werfen der Schauspielerin Parteinahme für die chinesische Regierung vor, die mit Einschüchterung versucht, die Proteste in der ehemaligen britischen Kronkolonie zu unterbinden. Unter anderem hält Peking an der Grenze zur Sonderverwaltungszone Hongkong seit Tagen Militärübungen ab und droht damit indirekt mit einem harten Durchgreifen. Dass dies am Ende der Credits des Films dann noch im Text an die chinesischen Behörden steht, in der sich für die Zusammenarbeit bedankt wird, ist, mit diesem Hintergrundwissen, sogar noch geschmackloser.

Fernab dieser Fakten ist Disneys Realverfilmung "Mulan" ein Abenteuerfilm mit historischem Setting und leichtem Fantasy-Einschlag, der sich auf den ersten Blick nur marginal von den unzähligen asiatischen Produktionen mit einem derartigen Setting unterscheidet. Die Farben sind bunt, die Optik ist eindrucksvoll, aber etwas zu glatt und geleckt. An die visuelle Opulenz und den Detailreichtum von Filmen wie "Hero" oder "House Of Flying Daggers" kommt Mulan nur ansatzweise ran. Die Geschichte selbst ist einfach, aber zugleich auch ganz schön, für eine Disney-Realverfilmung aber denkbar ungeeignet - denn letztendlich geht es um Krieg und eine junge Frau, die mit ihrem traditionellen Rollenbild brechen muss, um ihre wahre Kraft zu entfesseln, was primär auch auf dem Schlachtfeld geschieht.

Um diese Story auch halbwegs ernsthaft zu vermitteln, hat Disney dieses Mal einen eher realistischen Ansatz gewählt und sowohl auf Musikeinlagen als auch auf gröbere Fantasyelemente verzichtet - die Hexe und den Phoenix mal außen vorgelassen. Es bleibt sogar festzuhalten, dass man den Phoenix, der in vielen Szenen fast wie ein Fremdkörper wirkt, problemlos hätte entfernen können, da waren sich die Macher wohl selbst unsicher und haben sich ein Hintertürchen offen gelassen. Letztendlich haben sie ihn vermutlich aus Gründen der Wiedererkennung im Film gelassen, weil er das einzige Element ist, dass bei "Mulan " überhaupt noch an Disney erinnert - mal ganz abgesehen davon, dass man mit dem Vogel auch eine extrem starke "Game of Thrones"-Einstellung ganz frech kopieren kann. Trotz oder gerade wegen seiner "Bodenständigkeit" wird aber ein anderes Manko von "Mulan" überdeutlich: die Schlacht- und Actionszenen mit ihren Martial-Arts-Einlagen sind nicht nur absolut blutleer, sondern auch ausgesprochen kurz geraten und reizen selbst das PG-13-Rating nicht wirklich aus. Obwohl ein 120-minütiger Realfilm, geht "Mulan" im Vergleich mit dem Zeichentrickoriginal jegliches Gefühl für Epik, Tragik und Dramatik vollkommen ab. 

Letztendlich ist das alles unter dem Disney-Banner nicht verwunderlich, man fragt sich aber, wer hier das Zielpublikum sein soll, denn für kleinere Kinder ist das Ganze dann eben doch nicht geeignet. Wer mit historisch angehauchten asiatischen Schlachtepen vertraut ist, wird sich zudem fragen, wo Disney hier seine 200 Millionen reingesteckt hat, die der Film angeblich gekostet hat. Und jeder, der schon früher asiatische Filme mit Jet Li (in "Mulan" kaum wiederzuerkennen) oder Donnie Yen gesehen hat, hat das alles eben schon deutlich tempo- und actionreicher, besser choreografiert und auch emotionaler gesehen. In Sachen Unterentwicklung geben sich sämtliche Charaktere und Charakterbeziehungen die Klinke in die Hand. Bezeichnenderweise war es im Zeichentrickfilm noch eine Verletzung, die Mulans Identität enttarnte. Als interessanter gestaltet sich im 2020er "Mulan" dagegen die antagonistische Hexe Xianniang, die sich gegen das patriarchale, sexistische Gesellschaftssystem Chinas auflehnt und Mulan auf ihre Seite ziehen möchte - und dafür mit dem Tod bestraft wird. Allen anfänglichen, feministischen und emanzipatorischen Bemühungen zuwiderlaufend, fügt sich Mulan anstelle einer Verbündung mit der Hexe in jenes System ein und kämpft für Kaiser, Vaterland (Seidenstraße) und Familie. Am Ende wirft der Film sogar noch ein positives und fröhliches Licht auf die Zwangsheirat der Schwester Mulans.

Das ist alles nicht so wirklich gekonnt und lässt einen im jahr 2020 doch eher strinrunzelnd und peinlich berührt zurück. Doch davon ab kann man sich "Mulan" ansehen; der Film hinterlässt aber keinen wirklich bleibenden Eindruck und Fans asiatischer Martial-Arts-Abenteuer sind mit den "Originalen" aus Asien weit besser bedient. Immerhin: Nach einem eher unspektakulären Finale setzen immerhin der optisch schöne Schluss und der atmosphärische erste Teil des Abspanns noch einmal positive Akzente. 

6/10

Quellen
Inhaltsangabe: Disney
Textauszüge: Stern

Donnerstag, 26. November 2020

A Divisão - The Division - City Of Abduction: Die Entführung der Camila Couto (2020)

https://www.imdb.com/title/tt10648192/

Rio de Janeiro, 1997: Jeden Monat werden zahlreiche Menschen entführt und hohe Lösegelder von skrupellosen Verbrechern gefordert. Die Politik zeigt sich machtlos und die Bevölkerung wird immer verunsicherter. Um dem entgegenzuwirken werden zwei Polizisten in den Kampf gegen das organisierte Verbrechen geschickt. Während der unbestechliche Mendonça (Silvio Guindane) dabei über Leichen geht, kassiert Santiago (Erom Cordeiro) lieber Geld von Verbrechern, anstatt sie zu verhaften. Die beiden unterschiedlichen Cops übernehmen die Anti-Kidnapping-Abteilung und benutzen fragwürdige Methoden, um ihre Fälle zu lösen. Doch schon  bald stoßen sie auf eine große Verschwörung, die ihre beiden Leben in Gefahr bringt.  

In den 1990er Jahren erlebte Rio de Janeiro eine Art von Terror, der dazu führte, dass sich die Bevölkerung in ihren Häusern verbarrikadierte. Eine Welle von Entführungen löste einen großen Umsturz innerhalb der Polizei aus, die sich aufgrund der zunehmenden Kriminalität gewzungen sahen, gegen ihre übliche Standardvorgehensweise zu verstoßen und härtere Maßnahmen zu ergreifen. "City Of Abduction" erzählt diese Geschichte. Der Spielfilm wurde 2019 ursprünglich unter dem originalem Namen "A Divisão" als TV-Serie mit fünf Folgen a 40 Minuten auf dem brasilianischem Streamingsender GloboPlay ausgestrahlt. Die einzelnen Folgen wurden für den Film lediglich auf 128 Minuten zusammen geschnitten. Wenn einem also ein paar Informationen zu den einzelnen Akteuren fehlen sollten, dann liegt das daran, dass sie es nicht in den Film geschafft haben. Warum man sich letzten Endes gegen die Serie und damit für den Film entschieden hat, kann nur vermutet werden. Dass der Film damit an sich etwas holprig wirkt, ist unumgänglich.

"City Of Abduction" zeigt das Szenario einer völlig verängstigten Stadt, in der man selbst als Zuschauer das Gefühl hat, dass man den Fremden, den man gerade nach der Uhrzeit fragen will, nicht vertrauen kann. Es ist ein Cop-Thriller mit großem Potenzial der mit internationalen Produktionen auf Augenhöhe agiert, aber doch erschreckend gewöhnlich bleibt, was vermutlich daran liegt, dass alle dieser Filme nach gleichem Schema ablaufen und darüber hinaus auf der gleichen Formel basieren. Es wird zwar genügend Inhalt geboten, doch die Handlung ist - trotz der Straffung - langsam, langwierig und wird durch die tiefgründige Darbietung des gesamten polizeilichen Ermittlungsapperats nur noch weiter in die Länge gezogen. Dennoch bemühten sich die Macher sichtlich, das beste aus dem Zusammenschnit heraus zu holen und angesichts des straffen Ergebnisses ist das auch halbwegs gut gelungen. Dass Charaterinformationen fehlen, fällt den Machern dennoch in gewissen Situationen auf die Füße, sodass der Zuschauer oft in Stirnrunzeln gerät. Viele lose Fäden, die sich nie wieder zu einem Ganzen zusammenfügen erscheinen unnötig. Auch Charaktere die mit einem Fingerschnipsen von 0 auf 100 ändern oder übermäßige Dialoge in Szenen, die bereits visuell erklärt wurden.

Die Besetzung derweil ist in Ordnung. Protagonist Sílvio Guinndane ist der strenge und aufbrausende Polizist, der das System verteidigt, gegenüber Eron Cordeiro, dem korrupten Delegierten, der die Kriminellen entführt und misshandelt, um Antworten zu erhalten. Obwohl beide auf der gleichen Seite stehen und Partner sein müssten, zeigen sie unterschiedliche Ideologien auf - die reflektiert und diskutiert werden können. Der korrupte Teil der Polizei und wie sich jemand darauf einlässt, ist etwas so Reales, dass es die Öffentlichkeit erschreckt, gleichzeitig werden die Gründe für den Entführer erläutert und wie Abgeordnete diese Entführungswelle zu ihren Gunsten ausnutzen. Vom weiter entfernten Teil der Welt erscheint kaum etwas Brasilianischeres als das. In Bezug auf die Tiefe schafft es dieser Film, eine Essenz aus Korruption und Gerechtigkeit zu präsentieren, die Hand in Hand geht, diese aber entwickelt sich aufgrund der bereits erwähnten Defizite nicht ansprechend. Alles in allem ist "City Of Abduction" kein schlechter Cop-Thriller, er ist nur eben auch nicht wirklich gutund spielt zu offensichtlich mit Klischees. Scade, denn das Potential erschien hoch.

6,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Splendid
Textauszüge: filme.de