Mittwoch, 10. Juni 2026

Hansel and Gretel - Hänsel und Gretel (Short) (2007)

https://www.imdb.com/de/title/tt1482859/

Es waren einmal ein Bruder und eine Schwester, Hänsel und Gretel . Früh am Morgen stahlen sich die beiden ungezogenen Kinder ohne die Erlaubnis ihrer lieben Eltern von zu Hause, um im Wald zu spielen . Ihre Eltern hatten ihnen verboten, jemals allein im Wald zu spielen, da sie sich sonst verirren und nie wieder nach Hause finden könnten.

Dies ist der Eröffnungstext (übersetzt) zu Robert Eggers' filmischen Debüt. Basierend auf dem klassischen Märchen der Brüder Grimm ist "Hänsel und Gretel "ein düsterer und stilisierter, schwarz-weißer, expressionistischer Stummfilm mit detailliertem Design und einer unheimlichen Filmmusik. In knappen 27 Minuten erzählt Eggers stilsicher die altbekannte Geschichte im Detail nach und beweist hier schon seine Treffsicherheit in Bezug auf Bildsprache, Einsatz von Musik und Kameraarbeit. Es ist beileibe kein perfekter Film, doch der Stil, der an einen Stummfilm aus den 1930er Jahren erinnert, die eingeschobenen Texttafeln, die Musik, die aus ebenjener Zeit entsprungen sein könnte und die limitierten Schauspieler haben das gewisse Etwas. Natürlich erfindet Eggers hier das Rad nicht neu, sondern spielt lieber mit Bildkomposition und Kamerawinkeln, um dem Märchen der Gebrüder Grimm seine eigene Note zu verpassen. Für ein Debüt wirklich nicht schlecht.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Palehorse Productions

Brothers (Short) (2014)

https://www.imdb.com/de/title/tt5803522/

Die Geschichte zweier Brüder, Tom und Jake, und ihrer problematischen Beziehung.

Robert Eggers drehte diesen 11-minütigen Kurzfilm 2014 als Bewerbung für Investoren, und genau darin liegt seine Kraft: Der Film ist nicht nur ein Kurzfilm, sondern ein "Proof of Concept", der die ganze dunkle, atmosphärische, psychologische Spannung von Eggers' späteren Werken zeigt und ein Beweis dafür, dass Eggers die Fähigkeit hat, die Natur als Albtraum zu gestalten. Zwischen den Wäldern von New Hampshire, fernab von jeder Straße, leben zwei Brüder, Tom und Jake, bei ihrer herrischen Großmutter. Sie sind jung, sie sind allein, und sie sind in einem ständigen, unsichtbaren Kampf gefangen, der nicht nur über sie, sondern auch über ihre Beziehung und ihre Zukunft entscheidet. "Brothers" ist eine Kain-und-Abel-Geschichte, die auf Eggers' eigenen Kindheitserinnerungen basiert, an Geschichten von New Hampshire-Farmleben aus der Mitte des 20. Jahrhunderts und an eine tragische Jagd-Begebenheit. "Brothers" ist irgendwo nachvollziehbar, verständlich und doch unfassbar tragisch. Eine Geschichte, die effektiv und effizient erzählt wird, und dabei genau so lang ist wie sie sein muss, um alles zu sagen. Kameraarbeit und Sounddesign, sowie der limitierte Dialog haben eine gute Sogwirkung inne und faszinieren, Spannung baut sich langsam auf und entlädt sich dann mit einem Schlag. Das Ende ist dann bitter und düster und lässt einen nachdenken. Beeindruckend.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkParts & Labor/Code Red Productions

The Tell-Tale Heart - Das verräterische Herz (Short) (2008)

https://www.imdb.com/de/title/tt1330057/

In einem stattlichen Herrenhaus ruft der kranke Hausherr seinen Diener mit einer Glocke. Der Diener trägt, füttert und wäscht seinen Herrn, wobei er jeden Augenblick in der Gegenwart des kränklichen alten Mannes fürchtet und hasst. Dies wiederholt sich eine Woche lang, bis der Diener schließlich frustriert seine Taschenuhr zerbricht, anstatt sie erneut aufzuziehen. In der achten Nacht betritt der Diener das Schlafzimmer des Herrn. Der Herr erwacht und will wissen, wer da ist. Daraufhin leuchtet der Diener ihm mit seiner Laterne ins Auge. Von Wut überwältigt, erstickt der Diener den Herrn mit dessen eigenen Bettlaken. Dann trägt er die Leiche in den Keller hinunter, zerstückelt sie und vergräbt sie unter den Dielen, bevor es an der Haustür klopft...

In der düsteren, viktorianisch eingebauten Halle eines verlassenen Hauses in New Hampshire entwickelt sich eine Geschichte, die wir alle kennen - Edgar Allan Poes "Das verräterische Herz" - doch Robert Eggers macht aus diesem Klassiker eine ganz eigene, atmosphärische Vision. Der Film ist ehrlich, leidenschaftlich und voller Vorahnung dessen, was Eggers später ausgestalten würde. Was "The Tell-Tale Heart" von Beginn an besonders macht, ist seine Atmosphäre. Eggers verzichtet auf viele Dialoge und lässt die Stimmung durch Licht, Klang und Bild entstehen. Der Sounddesign ist eindringlich, das Herz des Opfers pulsiert im Hintergrund, ein rhythmischer, fast medizinischer Klang, der sich langsam in die Psyche des Zuschauers einschlägt. Der Film lebt von der rhythmischen, verzerrten Beziehung zwischen Auge und Herz. 

Die Bildsprache ist ebenso beeindruckend. Der Film ist in einem engen, klaustrophobischen Aspekt gedreht, der die Beobachter in die enge Welt des Dieners und des Meisters hineindrückt. Die Kamera bleibt oft auf den Gesichtern, besonders auf dem Gesicht des alten Mannes. Richard Easton ist grandios, und seine Darstellung ist eine der besten, die ich in einem Kurzfilm gesehen habe. Ein besonders bemerkenswerter Aspekt ist die Verwendung einer Puppe, um den alten Mann zu spielen. Eggers wollte ursprünglich einen sehr gebrechlichen, alten Schauspieler für die Rolle engagieren, aber die Drehbedingungen in einem verlassenen, kalten, 19. Jahrhundertshaus in New Hampshire waren so schwierig, dass er eine Puppe bevorzugte. Diese Entscheidung macht den Film einzigartig: Der alte Mann ist nicht nur ein Mensch, sondern ein unbelebtes, fast unheimliches Objekt, das die Angst und die Schuld des Dieners verstärkt.

Die Handlung ist einfach, aber Es ist nicht nur die Geschichte eines Dieners, der seinen Meister tötet, sondern die Geschichte eines Menschen, der von seiner Schuld und seiner Angst zerreibt. Eggers zeigt, wie die Schuld sich langsam in den Diener einschlägt, und wie das Herz, das er tötet, immer noch pulsiert. Der Film ist eine Studie über Schuld, Angst und die Unmöglichkeit, die Vergangenheit zu vergessen. Vermutlich ist dies eine der besten Edgar Allen Poe-Adaptionen, die man je gesehen hat, und sicherlich die beste Adaption von "Das verräterische Herz" überhaupt. Der Film ist nicht nur eine Adaption, sondern eine Interpretation, die die Atmosphäre und die Stimmung von Poe einfängt, ohne die Prosa zu überbetonen. Auch die technische Umsetzung ist für ein Low-Budget-Projekt erstaunlich wirkungsvoll. Die Kameraarbeit ist präzise, das Sounddesign ist eindringlich, und die Darstellung ist beeindruckend. Der Film ist nicht perfekt, aber er ist ein Beweis dafür, dass große Wirklichkeit nicht von großen Budgets abhängt.

Am Ende bleibt "The Tell-Tale Heart" ein außergewöhnlich reiner Kurzfilm, ein Stück Kino, das fast aus nichts besteht und doch lange nachwirkt. Eggers beweist hier bereits, wie sicher er das Publikum durch Raum, Tempo und Wahrnehmung führen kann. Was als Fernsehen begann, ist zu einem fast archetypischen Albtraum geworden: der Mensch allein gegen sein eigenes Herz, in der dunklen, kalten Halle eines verlassenen Hauses. "It is the beating of his hideous heart!" - und das ist genau das, was den Film so mächtig macht.

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Palehorse Productions

The Losers (2010)

https://www.imdb.com/de/title/tt0480255/

Clay (Jeffrey Dean Morgan) und sein Einsatzkommando haben gerade eine Gruppe Kinder aus einer terroristischen Dschungelfestung befreit und in den Rettungshelikopter gebracht, schon wird der Helikopter von einer Rakete zerschossen. Eigentlich galt die Aufräumaktion Clays Mannschaft. Sie ging vom Waffenhändler Max (Jason Patric) aus, der damit eine äußerst ungemütliche Erzfeindschaft besiegelt die Losers in der Öffentlichkeit diskreditiert. Die allerdings treffen bald auf eine mysteriöse Fremde (Zoe Saldana) namens Aisha, die ihr ganz eigenes Hühnchen mit dem irrsinnigen Schurken rupfen will. Gemeinsam entwickeln die Verstoßenen einen Plan, der Max‘ dunkle Machenschaften bloßlegen und die Jungs rehabilitieren soll...

"The Losers" ist ein Actionfilm, der genau weiß, wie dünn sein Fundament ist, und sich trotzdem mit genug Charme, Tempo und Ensemble-Energie über die Ziellinie rettet. Er ist kein großer Film, aber ein unterhaltsamer: eine reizvolle Mischung aus Comicbuch-Posen, Rachekino und flotter Sprücheklopferei, die vor allem dann funktioniert, wenn man sie nicht auf höhere Ansprüche festnagelt. Der Film, inszeniert von Sylvain White und basierend auf der DC/Vertigo-Comicvorlage, erzählt von einer Special-Forces-Einheit, die im bolivianischen Dschungel von ihren eigenen Auftraggebern verraten und für tot erklärt wird. Aus der Asche dieses Verrats formiert sich die Gruppe neu, verbündet sich mit der geheimnisvollen Aisha und nimmt die Jagd auf den Strippenzieher Max auf, um sich zu rächen und ihre Namen reinzuwaschen.

Gerade in der Besetzung liegt die größte Stärke des Films. Jeffrey Dean Morgan, Idris Elba, Chris Evans, Columbus Short, Oscar Jaenada und Zoë Saldana bringen eine lockere, fast beiläufige Chemie mit, die dem Film jene Glaubwürdigkeit verleiht, die das Drehbuch nur selten selbst erzeugt. Roger Ebert beschrieb das Ergebnis als gut funktionierend und hob hervor, dass die Schauspieler „viel Selbstvertrauen“ in diesem schmalen Grat zwischen kontrollierter Satire und comicartigem Überdrehen zeigen.Diese Chemie ist wichtig, weil die Handlung selbst kaum Überraschungen bereithält. Aber die Vorhersehbarkeit und die Vertrautheit der Bausteine sind ein klarere Mangel: Betrug, Rache, Explosionen, scharf umrissene Gegenspieler und ein Plot, der sich mehr auf Bewegung als auf echte Spannung verlässt. Das Problem ist nicht, dass "The Losers" banal wäre. Das Problem ist eher, dass der Film zu oft nach generischem Actionkino riecht, obwohl er eigentlich verspielt sein will. Er erinnert an andere Filme, die besser, schärfer oder selbstbewusster waren, und das merkt man in nahezu jeder Szene. Dennoch entsteht daraus kein Desaster, sondern ein flotter, sauber montierter Genrebeitrag, der selten aufregt, aber auch selten langweilt. 

Die Regie von Sylvain White bleibt funktional, manchmal sogar überraschend spröde, doch sie gibt dem Ensemble genug Raum, um den Film zu tragen. Besonders Chris Evans fällt mit trockener Energie und einer guten komödiantischen Präsenz auf, während Idris Elba und Jeffrey Dean Morgan das Rückgrat der Gruppe bilden. Verschiedene zeitgenössische und spätere Besprechungen betonen genau diese Dynamik: Die Figuren funktionieren besser als die Story, und die Dialoge leben mehr von Timing als von Originalität. Auch der Ton des Films ist interessant, weil er sich nicht eindeutig entscheiden will, ob er reine Action oder ironische Comicverfilmung sein möchte - ein Film, der einfach seinen Job macht und aufgrund seiner seltsamen Mischung zwischen Selbstparodie und Überdrehen Laune. "The Losers" will nicht tiefschürfen, sondern unterhalten, und wenn man dieses Versprechen akzeptiert, ist der Film angenehmer als sein Ruf. Trotzdem bleibt ein Rest Enttäuschung, weil die Vorlage mehr Eigenheit vermuten lässt, als die Verfilmung am Ende freisetzt. Der Film sieht gut aus, bewegt sich schnell und verfügt über eine Besetzung, die deutlich mehr kann, als das Material verlangt. Aber all das führt eher zu einem soliden Zeitvertreib als zu einem bleibenden Eindruck. Am Ende ist "The Losers" ein typischer Fall von "besser als seine Bauteile, schwächer als seine Möglichkeiten". Wer ein kluges, leichtes Racheabenteuer mit einem starken Ensemble sucht, wird hier gut bedient. Wer jedoch mehr als eine kompetent ausgeführte, aber vertraute Comicbuch-Action erwartet, wird schnell merken, dass der Titel nicht nur ironisch, sondern auch ein wenig wahr ist. Völlig okay und gut wegguckbar. Man könnte schlimmeres ansehen. 

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Warner Bros./Dark Castle Entertainment/Weed Road Pictures/Studiocanal/DC Entertainment

Dienstag, 9. Juni 2026

French Connection II (1975)

https://www.imdb.com/de/title/tt0073018/

Der Detective Jimmy "Popeye" Doyle (Gene Hackman) ist noch immer auf der Jagd nach dem schmierigen Drogenhändler Alain Charnier (Fernando Rey), der ihm in New York entkommen ist. Doch diesmal führt ihn die Spur nicht mehr in die Straßen von Brooklyn, sondern nach Marseille, Frankreich, wo Charnier sein neues Rückzugsgebiet hat. In Frankreich wird Doyle nicht als der gefürchtete Cop empfangen, der er in New York ist, sondern als ein Fremder, der in einer fremden Stadt nicht weiß, wie er sich durchsetzen soll. Er wird dem französischen Polizisten Henri Barthélémy (Bernard Fresson) zugeteilt, der ihn nicht wirklich mag. Dennoch versucht Doyle, seine eigene Spur zu verfolgen, und er findet heraus, dass Charniers Drogenring weiter operiert als je zuvor...

Der Film ist eine Fortsetzung von William Friedkins 1971er Drama "Brennpunkt Brooklyn"/"French Connection" und wurde von John Frankenheimmer inszeniert. Doch "French Connection II" setzt die Geschichte um den harten Cop/Detective "Popeye" Doyle nicht einfach fort, sondern dreht den Charakter der Story selbst komplett um. Frankenheimer nimmt die Hauptfigur Doyle, erneut gespielt von Gene Hackman, den unerbittlichen, rücksichtslosen NYPD-Detektiv, der in William Friedkins Original von 1971 die Welt von New York beherrschte, und wirft ihn nach Marseille, wo er plötzlich mit der Situation konfrontiert ist, eben nicht mehr ständig die Oberhand zu besitzen. 

Doyle, dessen Kompetenz, dessen Fähigkeit, auf einer ansprechenden Ebene zu funktionieren, wird hier zum Comic Relief und fast vollständig seiner Würde entledigt. Allein die Entgiftungssequenz in der Mitte bringt den Film quasi zum Stillstand und während an dieser Stelle Handlung, Verfolgung und der Jäger völlig vergessen werden, konzentriert sich der Film nur auf die Figur und wird nicht nur langweilig, sondern ringt dem Zuschauer eine Menge Geduld ab. Das ist der Kern des Problems: Der Film ist nicht so grob, so roh, so direkt wie das Original. Er ist langsamer, und in diesem Kontext viel zu charaktergetrieben, und lange nicht so visuell, wie man es von einem Thriller erwarten würde. Stattdessen ist es eine Geschichte über Rache, die Popeye in einer fremden Umgebung, in der er nicht die Kontrolle hat, in eine Verletzlichkeit zwingt, die er in New York nicht hatte. Fernando Rey spielt erneut Alain Charnier, der Heroinschmuggler, der Popeye in New York entgangen trat. Er ist immer noch der gleiche Charakter, kalt, charmant, aber jetzt ist er der Verfolger, nicht der Verfolgte. Bernard Fresson spielt Henri Barthélémy, den französischen Polizisten, der Popeye als Partner zugeteilt bekommt und der ihn nicht mag, aber mit ihm zusammenarbeiten muss. Der Konflikt zwischen den beiden ist nicht nur kulturell, sondern auch persönlich, und er gibt dem Film eine zusätzliche Ebene, die das Original nicht hatte (und brauchte).

Das Problem ist zudem, dass der Film nicht immer weiß, wie er mit diesen neuen Elementen umgehen soll. Manchmal ist er zu rockig, manchmal zu ernst, manchmal zu comicartig. Der Film hat eine gewisse Komödie, die Popeye in einer fremden Umgebung in eine komische Rolle zwingt, aber das ist nicht immer erfolgreich. Am Ende bleibt "French Connection II" ein Film, der versucht, "Popeye" Doyle zu verändern, und das ist nicht wirklich erfolgreich. 

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Twentieth Century Fox

Duel - Duell (1971)

https://www.imdb.com/de/title/tt0067023/

Der Geschäftsmann David Mann (Dennis Weaver) ist mit seinem 1970er Plymouth Valiant Custom auf dem Highway unterwegs, als aus dem nichts plötzlich ein Tanklastzug auftaucht. David hat keine Lust, hinter dem LKW herzufahren, der ihm zu langsam unterwegs ist. Deswegen setzt er zum Überholmanöver an, ohne zu ahnen, dass sich daraus böse Folgen ergeben. Die ruhige Atmosphäre der amerikanischen Einöde wird plötzlich zu einem Kampfplatz, bei dem der unsichtbar erscheinende Fahrer des Lastwagens zu einem gefährlichen Gegner wird. Denn ohne ersichtlichen Grund beginnt das PS-strotzende Ungetüm, Jagd auf David zu machen. Der harmlose Geschäftsmann versucht alles, um den LKW los zu werden, aber kein Trick scheint ausreichend zu sein, um das zu erreichen. Ein gnadenloses Duell mit ungewissem Ausgang beginnt.

Steven Spielbergs Fernsehfilmdebüt verwandelt eine einfache Autofahrt in ein existenzielles Bedrohungsszenario, und gerade in dieser Reduktion liegt seine Kraft: Ein Mann, ein Truck, eine Straße - mehr braucht der Film kaum, um Angst, Paranoia und Ohnmacht spürbar zu machen. Was zunächst wie eine Verkehrssituation wirkt, entwickelt sich rasch zu einem erbarmungslosen Verfolgungsspiel, in dem der unbekannte Fahrer des Trucks zu einer nahezu mythischen Bedrohung wird. Spielberg hält den Antagonisten konsequent anonym; man sieht ihn kaum je vollständig, und gerade diese Weigerung, ihm ein menschliches Gesicht zu geben, macht ihn so unheimlich. Die Geschichte ist absichtlich schlicht, fast grob skizziert, und doch funktioniert sie auf einer tieferen Ebene überraschend präzise. Bemerkenswert ist, wie sehr Spielberg bereits hier seine späteren Fähigkeiten zeigt. Die Inszenierung lebt von Blickachsen, von Schnitt, von der Verzögerung des Schreckens und von der ständigen Verschiebung der Machtverhältnisse zwischen Mensch und Maschine. Dafür, dass der Film ursprünglich als Fernsehprojekt gedacht war, später aber mit nachträglich gedrehten Szenen für das Kino erweitert wurde, überrascht; trotzdem bleibt er in seiner Struktur erstaunlich konzentriert und radikal.

Der Film erzeugt Spannung nicht durch Dialoge, sondern durch Verhaltensmuster. David Mann spricht wenig, denkt viel, irrt, beschleunigt, bremst, wartet, flieht. Seine zunehmende Verzweiflung ist nachvollziehbar, weil Spielberg ihn nicht als Helden inszeniert, sondern als normalen Mann, dessen Alltagsroutinen auf der offenen Straße nicht mehr funktionieren. Genau darin liegt die Nähe zu späteren Spielberg-Filmen: Auch dort wird ein unsichtbarer Gegner zur zentralen Macht, und auch dort entsteht Spannung aus der Unmöglichkeit, das Bedrohliche zu fassen. Die technische Umsetzung ist für ein Low-Budget-Projekt erstaunlich wirkungsvoll. Die starke Kameraarbeit, die präzise gesetzten Verfolgungsszenen und das kluge Sounddesign, das dem Truck fast eine eigene Persönlichkeit verleiht., sind hervorragend Zwar sind manche Zwischenstopps und Übergänge sichtbar weniger sorgfältig gestaltet, doch diese kleinen Unebenheiten schmälern den Gesamteindruck kaum. Entscheidend ist, dass der Film fast immer auf Angriff bleibt und selbst dort Spannung erzeugt, wo eigentlich nur Straße zu sehen ist.

Auch die Nachwirkung des Films ist bemerkenswert. Heute gilt "Duell" weithin als eines der stärksten Frühwerke Spielbergs und als Beweis dafür, dass große Kinowirkung nicht von großen Budgets abhängt. Filmstarts und andere Rückblicke ordnen den Film als frühes Meisterstück des Spannungskinos ein, das mit minimalen Mitteln maximale Beklemmung erzeugt. Natürlich ist "Duell" kein perfekter Film. Die Geschichte ist sehr einfach, und die Logik einzelner Entscheidungen lässt sich an manchen Stellen hinterfragen. Doch genau diese Reduktion ist auch seine Tugend: Der Film will keine komplexe Welt erklären, sondern einen Zustand aussetzen - den Zustand, von etwas verfolgt zu werden, das man nicht kennt und nicht versteht. Dadurch wird die Autobahn zu einem psychologischen Terrain, auf dem sich moderne Angst in Bewegung übersetzt. Spielberg beweist hier bereits, wie sicher er das Publikum durch Raum, Tempo und Wahrnehmung führen kann. Was als Fernsehfilm begann, ist zu einem fast archetypischen Albtraum geworden: der Mensch allein gegen ein ungeheuerliches, namenloses Gegenüber, mitten im grellen Tageslicht. 

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Universal Television

Montag, 8. Juni 2026

Il colosso di Rodi - The Colossus of Rhodes - Der Koloß von Rhodos (1961)

https://www.imdb.com/title/tt0054756/

Der athenische Kriegsheld Darios (Rory Calhoun) reist nach Rhodos, um dort seinen Urlaub zu verbringen. Kurz nach seiner Ankunft wird er Zeuge der Einweihung des riesigen Kolosses von Rhodos, einer gigantisches Statue des Sonnengottes Helios, die am Stadttor steht und als eines der antiken Weltwunder gilt. Schon bald gerät Darios in zwei parallele Verschwörungen, die sich gegen den herrschenden Tyrannen Peliocles (Georges Marchal) richten.  Er trifft die schöne Dienerin Diala (Lea Massari), die ihn in den Palast von Peliocles führt.  Dort wird er Zeuge, wie sich eine Gruppe von Widerstandskämpfern um Peliocles' eigenem Bruder Thar (Conrado San Martín) auf eine Verschwörung gegen die Tyrannei vorbereitet. Gleichzeitig wird Darios von Koros (Ángel Aranda), einem weiteren Verschwörer, angesprochen, der eine radikalere Variante der Befreiung vorsieht. Inmitten der Intrigen und rivalisierenden Pläne wird Darios zum zentralen Akteur, der mit seinem Mut und seiner Intelligenz entscheiden muss, welche der Widerstandsbewegungen er unterstützen soll. Er wird von der Täterin Mirte (Mabel Karr), von dem Krieger Ares (Mimmo Palmara) und von weiteren Figuren unterstützt, die alle unterschiedliche Interessen verfolgen...

 "Der Koloß von Rhodos" ist einer dieser seltenen Filme, die man als Filminteressierter aus zwei Gründen sehen muss: wegen seiner Geschichte als Debütfilm und wegen seiner ungleichen Qualität, die zwischen raumgreifendem Stil und einer etwas mechanischer Erzählweise schwankt. Regisseur Sergio Leone, der später mit Western weltberühmt wurde, inszeniert hier 1961 seinen ersten eigenen Spielfilm im Genre des Sandalenfilms/antiken Monsterfilms, der in den 1950er und 1960er Jahren in Italien und Europa sehr beliebt war. Leone zeigt in seinem Debüt deutlich, dass er ein visuelles Talent hat, das später seine Western dominieren wird. Die Sequenz des Erdbebens und die große Kampfszene am Ende sind bemerkenswert stark inszeniert, und man spürt hier bereits die Fähigkeit des Regisseurs, Spannung mit großen Bildern aufzubauen. Dennoch ist der Film nicht ohne Schwächen. Die erste Hälfte wirkt aufgesetzt und mechanisch und darüber hinaus viel zu lang, die Mischung zwischen Ironie und epischer Intensität ist ebenfalls nicht immer perfekt, und die Geschichte folgt oft einer zu starren Struktur, die wenig Raum für echte emotionale Tiefe bietet. 

Das alles macht den Film eben nicht zum Meisterwerk, sondern zu einem ersten guten Versuch. Man merkt hier deutlich: zu dem von Leone bekannten Itolowestern war es noch ein weiter Schritt. Der Film ist auch von einem gewissen Stil geprägt, hat raumgreifende Bilder und eine gute Besetzung, aber er ist auch ein Werk, das noch nicht die volle Kraft zeigt, die Leone später in seinen Western entfalten wird. "Der Koloß von Rhodos" ist auch ein interessanter, aber eben nicht durchgehend guter Film. Er ist ein Werk, das zeigt, wie Leone sich in einem Genre, das er zudem nicht besonders mochte, entwickelte. Der Film ist ein Debüt, das nicht perfekt ist, aber es ist eines, das zeigt, dass Leone bereits ein Regisseur mit einem visuellen Instinkt war, der später seine Karriere dominieren würde. Und mit einem Sandalenfilm monumentalen Ausmaßes zu starten ist auch bemerkenswert.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkProduzioni Atlas Consorziate/Procusa/Comptoir Français de Productions Cinématographiques/CTICineproduzioni Associate