Freitag, 24. Juli 2026

ゴールデンカムイ - Gōruden Kamui - Golden Kamuy (2024)

Japan im frühen 20. Jahrhundert: Saichi Sugimoto (Kento Yamazaki) hat im russisch-japanischen Krieg für sein Vaterland gekämpft, lebt nun aber abgeschieden in der Wildnis Hokkaidos, der nördlichen Hauptinsel des Inselreichs. Als er auf eine Karte stößt, die zu einem Goldschatz der Ainu-Ureinwohner führen soll, begibt er sich zusammen mit der jungen Ainu Asirpa (Anna Yamada) auf die Suche. Doch dabei sind die beiden nicht allein, denn skrupellose Verbrecher und abtrünnige japanische Soldaten wollen den Schatz ebenfalls in die Hände bekommen und schrecken dabei vor keiner Grausamkeit zurück.

Japanische Realverfilmungen erfolgreicher Manga genießen nicht unbedingt den besten Ruf. Allzu oft scheitern sie daran, die überzeichnete Dynamik ihrer Vorlagen glaubwürdig in die Realität zu übertragen. "Golden Kamuy" gehört erfreulicherweise zu den besseren Vertretern dieses Genres. Auch ohne Vorkenntnisse des Mangas oder der Anime-Serie funktioniert der Film als unterhaltsames Abenteuer - wenngleich er sich nie ganz von den typischen Problemen einer Adaption lösen kann. Die Geschichte spielt zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf der rauen Insel Hokkaidō. Der Kriegsveteran Saichi Sugimoto begibt sich gemeinsam mit dem jungen Ainu-Mädchen Asirpa auf die Suche nach einem legendären Goldschatz. Was zunächst wie eine klassische Schatzsuche wirkt, entwickelt sich schnell zu einer abwechslungsreichen Mischung aus Western, Historienfilm, Action-Abenteuer und Survival-Thriller. Verfeindete Soldaten, skrupellose Verbrecher und zwielichtige Schatzjäger machen den beiden Protagonisten das Leben schwer, während die unwirtliche Natur Hokkaidōs fast zu einer eigenen Figur wird.

Gerade diese ungewöhnliche Genremischung gehört zu den größten Stärken des Films. Regisseur Shigeaki Kubo inszeniert die Action temporeich und übersichtlich, ohne dabei die historischen Hintergründe völlig aus den Augen zu verlieren. Besonders die verschneiten Landschaften und die eindrucksvollen Naturaufnahmen verleihen "Golden Kamuy" eine Atmosphäre, die man im modernen Abenteuerkino nur noch selten sieht. Auch die Einblicke in die Kultur der Ainu (Japans indigener Urbevölkerung) sorgen für einen interessanten historischen Rahmen und heben den Film angenehm von vielen vergleichbaren Produktionen ab. Kento Yamazaki spielt seinen stoischen, aber sympathischen Sugimoto ansprechend, während Anna Yamada der jungen Asirpa genügend Selbstbewusstsein und Charisma verleiht, um nie zur bloßen Begleiterin degradiert zu werden. Das Zusammenspiel der beiden trägt den Film über weite Strecken und sorgt dafür, dass auch die ruhigeren Momente funktionieren. Unterstützt werden sie von einem durchweg spielfreudigen Ensemble, das den oft exzentrischen Figuren erstaunlich viel Persönlichkeit verleiht.

Doch "Golden Kamuy" hat ein riesiges Problem: auch wenn die Geschichte als solches funktioniert, hat man oft das Gefühl, in eine bereits bestehende Welt geworfen worden zu sein. Viele Figuren werden nur kurz eingeführt, zahlreiche Konflikte angerissen und manche Nebenhandlungen bleiben zwangsläufig oberflächlich. Hier macht sich bemerkbar, dass der Film lediglich den Auftakt einer deutlich größeren Geschichte erzählt. Die stellenweise überhastete Dramaturgie und die etwas unausgewogene Gewichtung zwischen Action, Humor und Charakterentwicklung trübt daher den Gesamteindruck. Auch tonal verlangt "Golden Kamuy" seinem Publikum einiges ab. Der Film wechselt mitunter abrupt zwischen humorvollen Einlagen, brutalen Kämpfen und ernsten Kriegserinnerungen. Diese Mischung wirkt erfrischend eigenständig, holt aber nur wenig ab. Gerade wenn man ein eher klassisches Abenteuerkino à la "Indiana Jones" oder "Die Mumie" erwartet, muss man sich zunächst an den eigenwilligen japanischen Erzählstil gewöhnen müssen.

"Golden Kamuy" ist unterm Strich ein unterhaltsames Abenteuer mit originellem Setting, sympathischen Hauptfiguren und sehenswerten Actionsequenzen. Die faszinierende Welt, die historische Einbettung und die ungewöhnliche Mischung verschiedener Genres machen den Film  durchaus interessant. Gleichzeitig verhindert die spürbar komprimierte Erzählweise, dass Figuren und Handlung ihr volles Potenzial entfalten. Wer sich darauf einlässt, erhält jedoch einen kurzweiligen Auftakt zu einer größeren Geschichte - und einen der gelungensten Manga-Realfilme der vergangenen Jahre.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkCREDEUS/TOHO/Shueisha/WOWOW/NBCUniversal Entertainment Japan/Stardust Promotion/AMUSE/jeki/LY Corporation/Hokkaido Broadcasting

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