Donnerstag, 9. Juli 2026

Evil Dead Burn (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt31170389/
https://letterboxd.com/film/evil-dead-burn/

Nach dem Verlust ihres Mannes sucht eine Frau Zuflucht auf dem abgeschiedenen Anwesen seiner Familie, in der Hoffnung, dort Unterstützung zu finden. Die angespannte Atmosphäre schlägt jedoch in offene Bedrohung um, als die Anwesenden nacheinander von einer unheimlichen Kraft erfasst und zu Deadites verwandelt werden. Mitten in diesem Chaos wird sie mit Versprechen aus der Vergangenheit konfrontiert, deren Bedeutung weit über den Tod hinausreicht und sie nun zwingt, sich den daraus entstehenden Folgen zu stellen...

Nur ganz wenige Horror-Filmreihen sind allein aufgrund ihrer Kompromisslosigkeit und Brutalität so bekannt geworden wie das "Evil Dead"-Franchise. ("Terrifier" vielleicht noch, aber da kommt eine erweiterte Sadismus-Komponente dazu.) Das Markenzeichen dieser Film ist seit jeher das absolut Böse, welches sich in den Menschen einnistet, deren Körper auf grausamste und gleichzeitig kreative Art und Weise verstümmelt - und dabei einen Heidenspaß hat. Das Franchise beinhaltete auch bis heute Szenen, die, egal wie oft man diese gesehen hat, immer wieder aufs Neue wehtun. Das Brotscheidemesser oder das Cuttermesser in "Evil Dead", die Käsereibe in "Evil Dead Rise" - die Macher fanden immer wieder neue Alltagsgegenstände, die sie mit äußerst schmerzhaften Methoden auf den menschlichen Körper anwendeten. Doch im Vergleich mit dem neuen "Evil Dead Burn" des französischen Regisseurs Sébastien Vaniček können "Evil Dead" und "Evil Dead Rise" gemessen am Gewaltlevel quasi einpacken.

Auch kaum eine Horrorr-Filmeihe schafft es seit über vier Jahrzehnten, sich immer wieder neu zu erfinden und dabei ihrem Kern treu zu bleiben. Nach dem überraschend starken "Evil Dead Rise" führt Vaniček die Reihe nun konsequent fort - und liefert einen Film ab, der die bekannten Zutaten aus Blut, Dämonen und schwarzem Humor mit einer beklemmenden Familiengeschichte verbindet. Das Ergebnis gehört zwar nicht zu den absoluten Höhepunkten der Reihe, ist aber ein ausgesprochen gelungener Beitrag, der den Zuschauer bestens bedient. Im Mittelpunkt steht Alice (Souheila Yacoub), die nach dem Tod ihres Mannes Zuflucht bei ihren Schwiegereltern auf einem abgelegenen Anwesen sucht. Die Hoffnung auf Trost hält allerdings nicht lange an, denn das Böse lässt nicht lange auf sich warten. Ja, selbstverständlich sind die Protagonisten erneut so blöde und lesen aus dem "Buch der Toten, dem Necronomicon, und ja, natürlich überschlägt sich dann die ganze Situation innerhalb von gefühlten Minuten. Nach und nach werden Familienmitglieder von den Deadites besessen und das Trauerwochenende entwickelt sich zu einem blutigen Überlebenskampf, bei dem niemand sicher ist. Die Reihe bleibt sich dabei treu und verbindet familiäre Konflikte mit gnadenlosem Horrorkino. 


Was sofort auffällt, ist die Atmosphäre. Vaniček setzt deutlich stärker auf düsteren Terror als auf überdrehten Humor. Das abgelegene Landhaus entwickelt sich schnell zu einem beklemmenden Albtraum, dessen enge Räume und dunklen Flure permanent Spannung erzeugen. Doch statt sich ausschließlich auf Gore zu verlassen (und keine Sorge, den gibt es reichlich!), baut der Film seine Bedrohung geduldig auf und erzeugt immer wieder Momente, in denen man förmlich darauf wartet, dass das Chaos losbricht. Sobald die Deadites die Kontrolle übernehmen, liefert "Evil Dead Burn" genau das, was Fans der Reihe erwarten durften: Splatter und Gore ungeschönt. Die Make-up-Effekte sind hervorragend, die Besessenen wirken gleichermaßen verstörend wie grotesk und die Gewaltszenen sind kreativ inszeniert. Vermutlich ist "Evil Dead Burn" damit sogar der kompromisslosesten Teil der gesamten Reihe. Bestimmt nicht der blutigsten (Für das "Evil Dead"-Remake wurden fast 50.000 Gallonen (ca. 190.000 Liter) Kunstblut verwendet.), wohl aber der brutalste.


Auch Souheila Yacoub überzeugt als Hauptfigur. Sie verleiht Alice genügend Verletzlichkeit, ohne dabei zur klassischen Horror-Protagonistin zu werden. Ihre emotionale, klassische Ausgangslage - Trauer, Schuld und familiäre Spannungen - gibt dem Film einen überraschend ernsten Unterton, der den Horror zusätzlich verstärkt. Das übrige Ensemble erfüllt seine Aufgabe ebenfalls solide und trägt dazu bei, dass die familiären Konflikte glaubwürdig wirken, bevor das übernatürliche Grauen endgültig übernimmt. Auch handwerklich bewegt sich der Film auf einem sehr hohen Niveau. Die Kameraarbeit erzeugt eine permanente Unruhe, während Sounddesign und Musik den psychologischen Druck zusätzlich verstärken. Besonders erfreulich ist, dass viele der Splattereffekte wieder praktisch umgesetzt wurden. Das verleiht den Gewaltszenen eine angenehm greifbare Wirkung und erinnert an die handgemachte Ästhetik, für die die Reihe seit jeher bekannt ist.


Die Handlung ist leider nicht so originell wie der Rest. Sie folgt letztlich bekannten Mustern der Reihe und überrascht erzählerisch nur selten. Einige Figuren bleiben trotz guter Ansätze etwas unterentwickelt, und wer auf größere Neuerungen innerhalb des Franchise gehofft hat, dürfte feststellen, dass sich der Film bewusst auf seine bewährten Stärken konzentriert. Gerade im Mittelteil entstehen kleinere Längen, bevor das Finale noch einmal ordentlich Tempo aufnimmt. Dennoch gelingt Vaniček der schwierige Spagat, den Geist der Originalfilme zu bewahren und gleichzeitig seinen eigenen Stil einzubringen. "Evil Dead Burn" fühlt sich weder wie eine bloße Kopie noch wie ein übertriebener Neuanfang an. Stattdessen erweitert der Film die Reihe  sinnvoll und zeigt erneut, dass das "Evil Dead"-Universum noch lange nicht auserzählt ist. 

Im Grunde ist der Film dann auch genau die Fortsetzung, die man sich als Fans wünschte: düster, gnadenlos, atmosphärisch und herrlich blutig. Zwar fehlen der Geschichte die ganz großen Überraschungen und einige Figuren hätten mehr Tiefe vertragen, doch die intensive Atmosphäre, starke Effekte und der kompromisslose Horrorfaktor machen den Film zu einem der stärksten Genrebeiträge des Jahres und zu einem würdigen neuen Kapitel der legendären Reihe.

8/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/ArtworkNew Line Cinema/Screen Gems/Ghost House Pictures/Domain Entertainment

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