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Für Agnes (Anja Plaschg) ist das Leben in Oberösterreich Mitte des 18. Jahrhunderts eine Tortur. Gerade erst verheiratet mit Wolf (David Scheid) scheint das Glück so weit außer Reichweite wie noch nie. Für Agnes bedeutet diese Ehe Arbeit vor der Kulisse unerfüllbarer Erwartungen. Agnes ist gefangen – vor allem in sich selbst. Deshalb blickt sie zunehmend neiderfüllt auf den toten Körper einer Hingerichteten, der vom Henker auf einem Hügel einem Mahnmal gleich aufgestellt wurde. Diese Frau hat es hinter sich. Aber Agnes ist noch nicht am Ende ihrer Kräfte angekommen und schmiedet einen radikalen Plan…
Mit "Des Teufels Bad" setzen Veronika Franz und Severin Fiala ihren Weg fort, psychologischen Horror nicht über Schockeffekte, sondern über Atmosphäre und menschliche Abgründe zu definieren. Nach "Ich seh, Ich seh" und "The Lodge" widmet sich das Regie-Duo diesmal einem kaum bekannten historischen Phänomen des 18. Jahrhunderts und erschafft einen Film, der sich jeder einfachen Genrezuordnung entzieht. Das Ergebnis ist ein bedrückendes Historien- und Psychodrama mit Horrorelementen, das lange nach dem Abspann nachwirkt - auch wenn seine kompromisslos langsame Erzählweise nicht jeden Zuschauer mitnehmen dürfte. Im Mittelpunkt steht Agnes (Anja Plaschg), eine junge Frau, die nach ihrer Heirat in einer streng religiösen, von harter Arbeit und gesellschaftlichen Zwängen geprägten Welt zunehmend in eine tiefe seelische Krise gerät. Der Film interessiert sich dabei weniger für klassische Spannung als für den schleichenden Verlust von Hoffnung und Identität. Statt übernatürlichen Schrecken zu beschwören, zeigt "Des Teufels Bad" den Horror einer Gesellschaft, in der psychisches Leid weder verstanden noch benannt werden kann. Doch apropos verstanden: der österreichische Ton macht eben ein Verständnis des gesprochenen Wortes äußerst schwer. Vielleicht lieber mit Untertiteln schauen.
Anja Plaschgs minimale Mimik und große emotionale Intensität macht Agnes' innere Zerrissenheit greifbar, ohne jemals ins Melodramatische abzudriften. Ihre Darstellung trägt den Film nahezu allein und verleiht selbst den stillsten Szenen eine enorme emotionale Wucht. Unterstützt wird sie von einem hervorragend besetzten Ensemble, das die karge Lebenswelt des 18. Jahrhunderts glaubwürdig zum Leben erweckt. Visuell gehört "Des Teufels Bad" ohne Zweifel zu den beeindruckendsten europäischen Produktionen der letzten Jahre. Martin Gschlachts Kamera fängt die österreichischen Landschaften in kühlen, oft fast malerischen Bildern ein, die zugleich Schönheit und Trostlosigkeit ausstrahlen. Die detailverliebte Ausstattung, die authentischen Kostüme und der sparsame Einsatz von Musik erzeugen eine dichte Atmosphäre, in der selbst alltägliche Handlungen bedrückend wirken. Gerade diese Konsequenz bringt jedoch auch Schwächen mit sich. Mit einer Laufzeit von gut zwei Stunden entwickelt sich die Handlung äußerst langsam und verzichtet bewusst auf klassische dramaturgische Höhepunkte. Wer einen traditionellen Horrorfilm mit häufigen Schockmomenten erwartet, dürfte enttäuscht sein. Selbst wohlwollende Kritiken merkten an, dass die konsequent düstere Stimmung und das gemächliche Erzähltempo Geduld verlangen und emotional fordernd sein können.
Inhaltlich erinnert "Des Teufels Bad" eher an Werke wie "The Witch", "Hagazussa" oder "Luizifer" als an klassische Horrorfilme. Wie diese Produktionen nutzt er historische Kulissen, um von Isolation, Aberglauben und gesellschaftlichem Druck zu erzählen. Franz und Fiala verzichten dabei fast vollständig auf Genrekonventionen und erschaffen stattdessen eine intensive Charakterstudie, deren Schrecken aus der Realität selbst entsteht. "Des Teufels Bad" ist ein außergewöhnlicher, mutiger und visuell überwältigender Film, der historische Realität mit psychologischem Horror verbindet. Die brillante Hauptdarstellerin, die meisterhafte Inszenierung und die beklemmende Atmosphäre machen ihn zu einem der interessantesten europäischen Genrefilme der letzten Jahre. Die sehr langsame Erzählweise und die kompromisslose Düsternis verhindern zwar den ganz großen Wurf für ein breiteres Publikum, doch wer sich auf dieses intensive Filmerlebnis einlässt, wird mit einem ebenso verstörenden wie faszinierenden Werk belohnt.

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