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Freitag, 17. Dezember 2021

Spider-Man: No Way Home (2021)

https://www.imdb.com/title/tt10872600/

Ein normales Leben ist für Peter Parker alias Spider-Man (Tom Holland) nicht mehr möglich. Nachdem seine Identität bekannt wurde, kann Peter kaum noch unerkannt durch die Straßen New Yorks gehen. Überall lauern, Fans, Gegner und die Presse, die es auf ihn abgesehen haben. Quentin Beck alias Mysterio (Jake Gyllenhaal), der Drahtzieher hinter den vergangenen Ereignissen, hat gemeinsam mit dem Reporter J. Jonah Jameson (J.K. Simmons) dafür gesorgt, dass jeder weiß, dass Peter Parker unter der Spider-Man-Maske steckt. Um wieder ein Stück Normalität in sein Leben zu holen, bittet Peter Doctor Strange (Benedict Cumberbatch) um einen großen Gefallen: Er soll die Vergangenheit ungeschehen machen.

Es steht außer Frage, dass das Eintauchen in die Psyche von Superhelden einige düstere Erkenntnisse hervorbringen kann, aber die Erkundung des Zustands der Seele des jungen Spider-Man (Tom Holland) im Marvel Cinematic Universe (MCU) hat dem sich ständig erweiternden Franchise immer wieder eine neue Dimension hinzugefügt. Spidey war schon immer ein emotionaler Kerl - biografische Anspielungen wie "er ist noch ein Teenager, als ihn die Spinne beißt" und "er ist Waise" helfen ihm dabei - aber Hollands sympathisches Superhelden-Alter-Ego mit den großen Augen hat eine Reihe von Filmen damit verbracht, wilde Action in einem menschlichen Rahmen zu erden. Spider-Man ist einer der wenigen Superhelden, der verstanden hat, dass ein Superheld zu sein nicht nur schwer ist, sondern auch jede Menge Spaß macht, und nur wenige MCU-Helden waren in der Lage, diese Balance inmitten von weltzerstörenden Actionsequenzen so gekonnt zu halten. Nicht so bei diesem Peter Parker. Holland mauserte sich zum glaubwürdigsten Spidey in den zahlreichen Verflmungen - was nicht heißen soll, dass Tobey Maguire und Andrew Garfield nicht auch ihre eigenen Markenzeichen in ihre jeweiligen "Spider-Man"-Franchises eingebracht haben - doch Hollands Darstellung des Wandkrabblers hat sich immer wie die menschlichste, die realste, die "Heiliger Strohsack, ich bin ein Superheld!"-Version dieser geliebten Figur angefühlt. Das bedeutet auch, dass man diesen Peter Parker schon in einigen ziemlich schwierigen Situationen gesehen hat - seine beinahe väterliche Bindung zu Tony Stark / Iron Man von Robert Downey Jr. gehört zu den schönsten Dingen, die im MCU auftauchen, und ihr Ende war natürlich tränenreich - was unweigerlich auch bedeutete, dass Spidey eine große emotionale Last tragen würde.

Doch das ist nicht der Punkt, an dem Jon Watts äuserst befriedigender, selbstverständlich emotionaler, witziger aber gelegentlich unsicherer "Spider-Man: No Way Home" beginnt. Der dritte Film der Franchise knüpft direkt an den 2019 erschienenen "Spider-Man: Far From Home" an und zeigt Holland als zufriedenen Peter Parker: verliebt in "seine" MJ (Zendaya). "Spider-Man: Far From Home" endete vielleicht mit dem Tod von Mysterio (Jake Gyllenhaal, der in einer Rückblende auftaucht) und zwang Peter dazu, sich wirklich mit seinem Platz in der Welt auseinanderzusetzen, aber er endete auch damit, dass Peter und MJ zusammen und vollkommen ehrlich zueinander waren. Was kann schon schiefgehen, wenn das Mädchen, das er liebt, weiß, wer er ist? Wie wäre es, wenn die ganze Welt wüsste, wer er ist? Wie in der Cliffhanger-/Mid-Credits-Sequenz von "Spider-Man: Far From Home" gezeigt, wird Peters Alter Ego der ganzen Welt enthüllt - und es war geradezu herrlich, den heimlichen Star des Tobey Maguire-Franchise J.K. Simmons wieder zu sehen, der hier erneut den großmäuligen Journalisten J. Jonah Jameson spielt, dessen Figur neues Leben einhaucht und dabei Spideys gesamte Existenz auf den Kopf stellt - und der (leider) viele Parallelen zur realen Welt aufweist, indem er wild entschlossen ist, die Welt glauben zu lassen, Spidey sei der Bösewicht. Und doch schaffts es Watts irgendwie, diese Enthüllung leicht wirken zu lassen, denn Peter, MJ, Ned (Jacob Batalon), Tante May (Marisa Tomei) und Happy Hogan (Jon Favreau) tun sich bald zusammen, damit sich Peters Leben, nun ja, einigermaßen normal anfühlt. Schon viel zu lange hängt das Schicksal des gesamten Universums in Marvels Filmen in der Schwebe, und obwohl "Spider-Man: No Way Home" so weit geht, dass er Multiversen und die Möglichkeit einbezieht, dass das die dem Zuschauer bekannte Realität für immer aufbrechen wird, hat dieser Film immer noch etwas charmant Kleines. Er ist persönlich, und das ist ein Thema und eine Idee, die nur noch mehr unterstrichen wird, wenn der Film durch den ersten Akt rast, im zweiten langsamer wird und in den atemberaubenden letzten vierzig Minuten die ganze Sache komplett auf den Punkt bringt.

Doch davon ab ist "Spider-Man: No Way Home" vor allem eine Hommage an die letzten 20 Jahre Spider-Man, was auch bedeutet, dass man jede Menge zu tun hat. Und allein die Tatsache, dass der Film es schafft, diesen Balanceakt, die Verbindung von drei Franchises mit drei untershciedlichen Spider-Man tatsächlich zu bringen - da geht einem das Herz auf. Es war lange ein Gerücht, doch, ja, es ist so: Tobey Maguire und Andrew Garfield sind in diesem vorerst finalen Spider-Man-Teil am Start und bringen "ihre" Spider-Man wieder. So, jetzt ist die große Bombe gefallen. Während also Parkers Identität ihn zum Feind derjenigen macht, die glauben, dass er Mysterio ermordete, ist Tante May (Marisa Tomei) gezwungen, umzuziehen, nachdem ihre Wohnung von Reportern und Demonstranten belagert wird. Sein bester Freund Ned (Jacob Batalon) und seine Freundin MJ (Zendaya) werden von jedem College, bei dem sie sich bewerben, abgelehnt, nur weil sie mit Peter in Verbindung gebracht werden. Um seine Liebsten zu schützen, wendet sich Peter an seinen Kollegen Doctor Strange (Benedict Cumberbatch) und bittet ihn, das Problem durch einen Zauber zu beheben. Und natürlich geht dieser komplizierte Zauber nicht zuletzt aufgrund von Peters plapperhafter Art gehörig schief. Der Zauber öffnet das Multiversum und lässt Bösewichte aus den bisherigen fünf Spider-Man-Filmen von Sony aus fast zwei Jahrzehnten auftauchen: Green Goblin (Willem Dafoe, der seine Rolle aus "Spider-Man" wieder aufnimmt), Doc Ock (Alfred Molina, "Spider-Man 2"), Sandman (Thomas Hayden Church, "Spider-Man 3"), Lizard (Rhys Ifan, "The Amazing Spider-Man") und Electro (Jamie Foxx, "The Amazing Spider-Man 2"). Jeder der Bösewichte wurde durch den Zauber kurz vor seinem Höhepunkt entführt und erhält eine neue Chance, sich an (einem anderen) Spider-Man zu rächen, der ihn finden und wieder zurückschicken muss, woher er gekommen ist. "Spider-Man: No Way Home" schwelgt darin, diese Charaktere zurückzubringen. Jeder Bösewicht bekommt seinen eigenen Moment (manche kürzer als andere), und langjährige "Spider-Man"-Fans werden sicher begeistert sein, wenn sie sehen, wie Doc Ock sich seinen Weg durch einen Highway voller Autos bahnt, wie sich ein teuflisch grinsender Grüner Kobold von Szene zu Szene gackert oder wie Jamie Foxx' Electro Blitze verschießt. Dafoe ist eindeutig der Scene-Stealer, der zwischen seiner wilden und seiner freundlichen Persönlichkeit hin- und herspringt, ohne dass es den Anschein hat, dass er in 20 Jahren etwas von seiner Rolle vergessen hätte, während Molinas gequälter Wissenschaftler darum kämpft, seine außer Kontrolle geratene Schöpfung zu kontrollieren. Die Kernbesetzung der Watts-Trilogie ist ebenfalls wieder dabei. Hollands Darstellung von Peter Parker ist seine bisher beste: Er ist immer noch frisch und schlägt sich durch die Kämpfe, während er mit der zunehmenden Last zu kämpfen hat, Spider-Man sein zu müssen. MJ und Ned sind mehr von der Action abgekoppelt, obwohl Tante May in einigen der ruhigeren Momente des Films das Rampenlicht bekommt, und das mit großer Wirkung. Es ist eine Menge los. Und das ist alles sehr unterhaltsam, aber es erinnert an das gleiche Problem, das alle Filme von Holland hatten: Das Sammelsurium an Bösewichten sind wieder einmal die Feinde anderer Charaktere, mit denen Peter nur zufällig zu tun hat, so wie er in "Spider-Man: Homecoming" und "Spider-Man: Far From Home" den Schlamassel von Tony Stark aufräumen musste.

Peters Spiegeldimensionsduell mit Doctor Strange, das wie in "Doctor Strange" in weiten Teilen an "Inception" erinnert, hat fast mehr Gewicht als einige der Bösewichtkämpfe - zumindest kennt dieser Peter dort den Namen seines Gegners. Tatsächlich beruhen fast alle großen emotionalen Ereignisse des Films auf dem Wissen des Zuschauers über die vorangegangenen fünf "Spider-Man"-Filme. Sie versuchen, die Geschichte der einzelnen Bösewichte abzuschließen und gleichzeitig einen Schlussstrich unter die Tom-Holland-Trilogie zu ziehen, die mit diesem Teil zwar in sich abgeschlossen sein soll, doch auch das Tor für eine Fortsetzung öffnet. Doch wenn "Spider-Man: No Way Home" erst einmal in Fahrt gekommen ist, fällt es schwer, sich für all das zu interessieren. Charaktere und Cameos tauchen in Szenen auf, die als Crowd-Pleaser so einnehmend konzipiert sind, dass die Fans jubeln werden. Es gibt große Enthüllungen, Sprüche werden pflichtbewusst rezitiert, und die letzte Stunde ist im Grunde die reine Abrechnung für zwei Jahrzehnte "Spider-Man"-Filme, die trotz einiger düsterer Ausschläge auf halbem Weg mit überraschend viel Humor und Herz gehandhabt wird. 

Egal, ob man ein Fan der Sam-Raimi-Filme, der Marc-Webb-Filme oder der Jon-Watts-Filme ist, "Spider-Man: No Way Home" tut sein Bestes, um zu gefallen. (Obwohl man natürlich am meisten davon hat, wenn man alle sieben vorangegangenen Spider-Man-Filme gesehen hat). Für Fans ist das alles sehr befriedigend, auch wenn es sich manchmal so anfühlt, als ginge es in dem Film ebenso sehr um die konkurrierenden Studiointeressen von Sony und Disney wie um Spidey selbst. Und wie es bei MARVEL fast schon Tradition ist, lässt auch "Spider-Man: No Way Home" seine Figuren nicht ruhen, sondern drückt den Reset-Knopf und sät die Saat für künftige Fortsetzungen, wobei die mittlerweile traditionellen Szenen nach dem Abspann weitere Abenteuer für Spider-Man und Doctor Strange vorbereiten. Dennoch soll Hollands Verkörperung des Charakters noch ein paar weitere Filme erleben, und das Ende von "Spider-Man: No Way Home" deutet darauf hin, dass Peter einige der im MCU angehäuften Altlasten zugunsten eines freundlicheren, nachbarschaftlicheren Spider-Man ablegen wird.

Doch dieser Film hier tut erst einmal das, was die besten Filme immer tun: Sie fesseln und bewegen den Zuschauer und bringen einen dazu, in einem (und das ist angesichts der aktuellen Situation kaum denkbar) überfüllten Kino zu jubeln. Angesichts der Pandemie ist dieser Film nicht nur ein Weihnachtsgeschenk für die Kinobesucher, sondern auch für die Kinobetreiber, denn wenn es jemals einen Film gegeben hat, der das Kinogeschäft retten kann - so wie Spidey immer den Tag rettet - dann ist es dieses großartig gestaltete Endspiel. Jon Watts, das Wunderkind unter den Regisseuren hat wieder einmal seine eigene Magie in die Reihe eingebracht und mit Hilfe der Drehbuchautoren Chris McKenna und Erik Summers nicht nur den bisher besten Film der "Spider-Man"-Reihe, sondern auch einen der besten Filme des Jahres geschaffen. Holland, Zendaya und Batalon sind ein unbezahlbares Trio, und die verschiedenen Figuren aus 20 jahren Spider-Man machen diesen Film zu einem reinen Vergnügen der Extraklasse. Und Spider-Man-Fans werden so oder so glauben, im Himmel sein.

9,5/10

Von SONY gab es den Film in 4K in einer limitierten Steelbook Edition.

Quellen
Inhaltsangabe: Sony Pictures
Poster/Artwork:
Sony Pictures

Mittwoch, 29. Juli 2026

Spider-Man: Brand New Day (2026)

https://www.imdb.com/title/tt22084616/
https://letterboxd.com/leschroeck/film/spider-man-brand-new-day/

Nachdem Peter Parker (Tom Holland) seine große Liebe aufgab und einen Deal einging, der alle Welt vergessen ließ, dass er Spider-Man ist, ist er wieder auf sich allein gestellt. Seine Identität ist geheim, viele Entwicklungen sind rückgängig gemacht. Peter ist wieder der junge, sympathische Loser, der ständig Geldprobleme, keine Freunde und schon gar keine Freundin hat. Vor allem hat er auch nicht mehr den Support der Avengers, kann keine High-Tech-Verbesserungen an seinem Anzug erhalten. Er wird wieder mehr zu einem klassischen, straßennahen Superhelden, der mit kleinen wie großen Problemen kämpft. Doch dann tritt eine Bedrohung auf den Plan, die viel zu groß für eine freundliche Spinne aus der Nachbarschaft ist...

Nach dem emotionalen Ausnahmezustand von "Spider-Man: No Way Home" stand das Marvel Cinematic Universe vor einer schwierigen Aufgabe. Wie erzählt man Peter Parkers Geschichte weiter, nachdem die Welt ihn vergessen hat? "Spider-Man: Brand New Day" findet darauf eine überraschend bodenständige Antwort. Regisseur Destin Daniel Cretton verabschiedet sich weitgehend vom Multiversums-Spektakel und rückt wieder den Menschen hinter der Maske in den Mittelpunkt. Das Ergebnis ist ein Superheldenfilm, der zwar nicht die emotionale Wucht seines direkten Vorgängers erreicht, dafür aber frischen Wind in Tom Hollands "Spider-Man"-Reihe bringt. 

Im Zentrum steht hier ein Peter Parker, der vollkommen auf sich allein gestellt ist. Ohne die Unterstützung seiner engsten Vertrauten versucht er, als Spider-Man seinen Platz in einer Welt zu finden, die sich nicht mehr an ihn erinnert. Diese Ausgangslage verleiht dem Film eine ungewohnt melancholische Grundstimmung und erinnert stärker an die klassischen Comics, in denen Peter ständig zwischen persönlichem Glück und seiner Verantwortung als Held zerrieben wird. Und genau dieser Fokus auf Isolation, Identität und Selbstfindung ist, nach einer ähnlich, aber längst nicht so starken Geschichte in "Spider-Man 2", etwas Neues und die vermutlich größte Stärke des Films. Tom Holland liefert dabei seine bislang überzeugendste Vorstellung als Peter Parker ab. Sein Spider-Man wirkt reifer, verletzlicher und gleichzeitig entschlossener als in den vorherigen Filmen. Der Humor ist weiterhin präsent, entsteht aber organischer aus den Figuren und lockert die ernstere Atmosphäre auf, ohne sie zu untergraben. Zudem ist der Humor so sehr zurückgenommen, dass der Film zum Glück nie zu einer reinen aberwitzigen Angelegenheit wird.

Auch inszenatorisch setzt "Spider-Man: Brand New Day" neue Akzente. Regisseur Destin Daniel Cretton verbindet dynamische Action mit einer überraschend intimen Erzählweise. Die Schwingsequenzen durch New York besitzen wieder das comicartige Gefühl der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft, während die Kämpfe deutlich direkter und körperlicher wirken als zuletzt. Gleichzeitig verzichtet der Film erfreulicherweise auf übermäßigen Fanservice und konzentriert sich stattdessen auf seine eigene Geschichte. Aber apropos Fanservice: "Spider-Man: Brand New Day" lässt es sich nicht nehmen und rekreiert gleich mehrere berühmte Comicbuch-Cover im realen Film, unter anderem das Cover des ersten jemals erschienen Spider-Man Comics "Amazing Fanatasy". Doch davon ab trägt auch die Nebenbesetzung ihren Teil zum Gelingen bei. Zendaya und Jacob Batalon erhalten trotz der veränderten Ausgangslage wichtige emotionale Momente, während die neuen Figuren das Universum sinnvoll erweitern. Besonders die überraschende Konfrontation mit einem neuen, psychologisch geprägten Gegenspieler verleiht der Handlung zusätzliche Spannung und zwingt Peter, sich seinen eigenen Ängsten und Zweifeln zu stellen. Statt auf reine Zerstörungsspektakel setzt der Film stärker auf persönliche Konflikte - was ausdrücklich begrüßenswert ist. 

Dennoch bleibt "Spider-Man: Brand New Day" nicht frei von Schwächen. Im Vergleich zu "Spider-Man: No Way Home" fehlt der ganz große emotionale Ausnahmezustand, und einige Nebenfiguren bleiben hinter ihren Möglichkeiten zurück. Zudem merkt man dem Film an, dass er zugleich ein eigenständiges Abenteuer erzählen und die Weichen für kommende MCU-Ereignisse stellen möchte. Dadurch wirkt das letzte Drittel etwas überfrachtet und verliert einen Teil der erzählerischen Klarheit, die den Mittelteil so stark macht. Aber das ist, wie so oft, Meckern auf hohem Niveau und auch der vermutlich größte Kritikpunkt des ansonsten rundherum gelungenen Neustarts. Im Vergleich zu den drei vorherigen MCU-Soloabenteuern nimmt "Spider-Man: Brand New Day" eine interessante Stellung ein. "Spider-Man: Homecoming" lebte von seiner jugendlichen Leichtigkeit, "Spider-Man: Far From Home" vom europäischen Abenteuerflair und "Spider-Man: No Way Home" vom nostalgischen Multiversums-Ereignis. "Spider-Man: Brand New Day" schlägt bewusst leisere Töne an und erzählt die persönlichste Geschichte der Reihe. Dadurch fehlt zwar gelegentlich das große Staunen, gleichzeitig gewinnt die Figur Peter Parker aber wieder an Profil.

Unterm Strich ist "Spider-Man: Brand New Day" ein gelungener Neustart für Tom Hollands Spider-Man. Der Film überzeugt mit einer reiferen Geschichte, einer starken Hauptfigur und einer gelungenen Balance aus Action, Humor und emotionalen Momenten. Nicht jede Idee entfaltet ihr volles Potenzial, und das Finale wirkt etwas überladen, doch insgesamt gelingt Marvel eine überzeugende Rückbesinnung auf das, was Spider-Man seit jeher ausmacht: einen jungen Helden, dessen größte Kämpfe oft nicht gegen Superschurken, sondern gegen sich selbst stattfinden.

8,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork:  Marvel/Sony

Freitag, 15. Dezember 2023

Spider-Man: No Way Home (Extended Version) (2021)

https://www.imdb.com/title/tt10872600/

Ein normales Leben ist für Peter Parker alias Spider-Man (Tom Holland) nicht mehr möglich. Nachdem seine Identität bekannt wurde, kann Peter kaum noch unerkannt durch die Straßen New Yorks gehen. Überall lauern, Fans, Gegner und die Presse, die es auf ihn abgesehen haben. Quentin Beck alias Mysterio (Jake Gyllenhaal), der Drahtzieher hinter den vergangenen Ereignissen, hat gemeinsam mit dem Reporter J. Jonah Jameson (J.K. Simmons) dafür gesorgt, dass jeder weiß, dass Peter Parker unter der Spider-Man-Maske steckt. Um wieder ein Stück Normalität in sein Leben zu holen, bittet Peter Doctor Strange (Benedict Cumberbatch) um einen großen Gefallen: Er soll die Vergangenheit ungeschehen machen.

Der dritte Teil von Tom Hollands Spider-Man-Trilogie, "Spider-Man: No Way Home", war bei seiner Veröffentlichung im Dezember 2021 ein voller Erfolg an den Kinokassen. Im eptember 2023 kam er erneut in die Kinos - 11 Minuten länger, mit neuem, noch nie zuvor gesehenem Filmmaterial. Und während die Originalfassung des Films die Fans mit Wendungen und Action in Atem hielt, waren es auch die komödiantischen Szenen und die liebenswerten Gespräche zwischen den Charakteren, die den Zuschauer mindestens zum Lächeln brachten. Die erweiterte Veröffentlichung ergänzt diese Szenen mit zusätzlichen Zeilen und gelöschten Momenten, die das Talent der Besetzung für lockere Chemie und witzige Bemerkungen unter Beweis stellen.

Zusätzliche Scherze zwischen Andrew Garfield, Toby Maguire und Tom Holland, die alle ihre jeweiligen Spider-Man-Rollen spielten, sorgten für Nostalgie und Gelächter, die definitiv zum Charme beitragen, besonders wenn man ein langjähriger Fan der früheren "Spider-Man"-Filme ist. Allein waren schon die Dialoge zwischen den drei Spider-Man in der Originalfassung liebenswert, und Sony/MARVEL hat sich das zu Herzen genommen, indem er in der erweiterten Fassung einige gelöschte Gespräche eingefügt hat. Die erweiterte Fassung enthält außerdem zusätzliche Szenen, in denen der Peter Parker von Tom Holland seinen Weg durch die High School zeigt, wobei seine geheime Identität enthüllt wird, und die Witze mehren sich immer weiter mit Peters Reaktionen auf die neuen Sichtweisen seiner Mitschüler auf ihn. Dazu gehörten ein Interview zwischen Betty Brant und Peter Parker auf ihrem Schulnachrichtensender sowie Interviews mit einigen Lehrern und Peters Freunden. Die Persönlichkeiten dieser Nebencharaktere sind stärker entwickelt, als man sie zuvor wirklich gesehen hat, und es verleiht der ersten Hälfte des Films etwas mehr Humor. Alles in allem machen die cleveren Kommentare, nostalgischen Anspielungen und die zusätzliche komödiantische Erleichterung das Ansehen der erweiterten Veröffentlichung für langjährige Marvel-Fans, die mehr von dem wollen, was sie in der Originalveröffentlichung gesehen haben, definitiv lohnenswert.

Darüber hinaus wurde in der erweiterten Fassung die zweite End-Credits-Sequenz durch einen Ausschnitt aus einem Nachrichtensegment ersetzt, das Betty Brant ihrer Sendung hinzugefügt hat. Das Video enthält eine Zusammenfassung der Höhepunkte aller Absolventen und enthält sogar Fotos der Ereignisse von "Spider-Man: Homecoming" und ihrer Reise nach Europa in "Spider-Man: Far From Home". Auffällig ist, dass Peter Parker in all diesen Bildern fehlt, was dabei hilft, zu erklären, wie Dr. Stranges Zauber überhaupt funktionierte. Die neu veröffentlichten Szenen fügen mehr individuelle Interaktionen zwischen den Charakteren hinzu, die man noch nie zuvor bei einer Eins-zu-Eins-Interaktion gesehen hat, wie zum Beispiel die hinzugefügte Szene mit den Charakteren Happy Hogan und Matthew Murdock. Die neue Szene ist eine Fortsetzung einiger Dialoge und zielt aber lediglich auf schnelle Unterhaltsamkeit ab - für die Handlung ist sie jedoch wirklich nicht notwendig. Letztlich sind die zusätzlichen Szenen nett, aber man kann auch sehen, warum sie weggelassen wurden - die Handlung des Films ist immer noch dieselbe wie zuvor, da es sich größtenteils nur um ein paar weitere Interaktionen oder Gespräche zwischen den Charakteren handelt. Nach Abwägung aller Facetten, die die erweiterte Fassung von "Spider-Man: No Way Home" zu bieten hat, aber auch dessen, was sie nicht bot, ist die endgültige Schlussfolgerung, dass sich diese Fassung nur dann wirklich lohnt, wenn man bereits ein Fan der vorherigen "Spider-Man"- und Marvel-Filme ist.

9,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Sony Pictures
Poster/Artwork:
Sony Pictures

Sonntag, 18. Juni 2023

Spider-Man: Across The Spider-Verse (2023)

https://www.imdb.com/title/tt9362722/

Einige Zeit ist seit dem Aufeinandertreffen zwischen Miles Morales (Stimme im Original: Shameik Moore) und Gwen Stacy (Hailee Steinfeld) ins Land gezogen. Zwar befinden sich die beiden wieder in fernen Multiversen, doch in Gedanken bleiben sie verbunden. Doch Gwen hat inzwischen ganz eigene Sorgen. In ihrer eigenen Heimat bleibt sie weiter eine Einzelgängerin, die als Spider-Girl zwar immer wieder die Welt rettet und es mit fiesen Schurken aufnimmt, aber trotzdem steht sie im Verdacht, am Tod von Peter Parker beteiligt gewesen zu sein. Insbesondere ihr Vater (Shea Whigham) setzt alles daran, die mutmaßliche Verbrecherin endlich dingfest zu machen – daran ändert auch Gwens Demaskierung nichts. Als Gwen es während einer Routine-Mission plötzlich mit einer seltsam altertümlich anmutenden Version des Bösewichts Vulture (Jorma Taccone) zu tun bekommt, muss sie feststellen, dass sich scheinbar weitere Lücken im Multiversum aufgetan haben – und das es Spider-Menschen gibt, die sich zwischen den einzelnen Universen frei bewegen können. Angeführt von Miguel O'Hara alias Spider-Man 2099 (Oscar Isaac) sorgt eine Vereinigung für Ordnung im Spider-Multiversum. Gwen Stacy wittert eine Chance: Gibt es eine Möglichkeit, noch einmal Kontakt mit Miles Morales aufzunehmen? Währenddessen hat Miles in seinem Universum auch einiges um die Ohren: Ein neuer Schurke namens The Spot (Jason Schwartzman) sorgt in der Stadt für Chaos und setzt dabei eine Kette von Ereignissen in Bewegung, die die Zukunft des Multiversums beeinflussen wird... 

Ohne zu spoilern sollte man Eingangs nicht unerwähnt lassen, dass der zweite Teil der von Sony Animation Studios in Kooperation mit Marvel animierten Spider-Man-Kinoreihe "Spider-Man: Across The Spider-Verse" mit einem Schlagzeugsolo beginnt. Oder besser gesagt, es ist kein Spoiler, wenn die Details darüber, wer dieses Solo spielt und warum, geheim gehalten werden. Für die Zwecke des Arguments sind diese Details jedoch nicht relevant. Relevant ist, dass Gwen Stacy während des Solos eine so prägnante Erklärung abgibt, dass man gar nicht merkt, dass es sich um eine Erklärung handelt. Jede Einstellung ist so wunderschön illustriert, so gekonnt vertont, dass sie sich direkt im Hirn des Zuschauers festsetzt - wo sie auch hingehört. Das ist der Zeitpunkt, in der es sich Fans im Kinosessel bequem machen und die kommenden zwei Stunden genießen dürfen. 

Ohne Umschweife: Man kann "Spider-Man: Into The Spider-verse" nur lieben. Mit zwei Stunden und 20 Minuten ist "Spider-Man: Across The Spider-Verse" etwas länger als sein Vorgänger "Spider-Man: Into the Spider-Verse", aber die Zeit geht genauso schnell vorbei. Befreit von der Verantwortung der Kontinuität mit dem Rest des Marvel Cinematic Universe, springt der Film mit charmanter Leichtigkeit von einem Gag zum nächsten. Es ist nicht so, dass der Film nichts mit dem MCU zu tun hätte - Charaktere aus diesen Filmen werden erwähnt (und das ist alles, was dazu gesagt werden sollte) -, sondern vielmehr, dass er nicht die erzählerische Last trägt, die die Live-Action-Filme mit sich bringen. Niemand erwartet von diesem Film, dass er auf  einen weiteren Film vorbereitet, und weil er im Spider-Verse existiert, kann er tun und lassen, was er will. Andere Marvel-Filme sollten mal so viel Glück haben. Aber wer weiß, vielleicht in naher Zukunft...

Als Tom Holland 2015 als Spider-Man gecastet wurde, gab es im Internet Gerüchte, dass die nächste Spidey-Serie vielleicht von Miles Morales angeführt werden könnte, dem halb lateinamerikanischen, halb schwarzen Teenager, der den Spidey-Anzug in der Ultimate-Reihe der Marvel-Comics getragen hatte. Dazu kam es zwar nicht, und Holland ist und war ein hervorragender Peter Parker, aber als die Lego Movie-Regisseure Chris Miller und Phil Lord mit der Produktion eines animierten Spidey-Films beauftragt wurden, wussten sie, was zu tun war. Ihr Spider-Man war Miles, ein Teenager aus Brooklyn, dessen Welt vom pulsierenden Stil des Stadtteils durchdrungen ist. Visuell fühlte sich "Spider-Man: Into the Spider-Verse" wie ein Liebesbrief an New York City, Wild Style und die Comics selbst an. Emotional war der Film ein Loblied auf Kinder, die sich in der ausgrenzungsfreundlichen Welt der Superhelden nicht immer willkommen fühlen. Er wurde 2019 mit dem Oscar für den besten animierten Spielfilm ausgezeichnet.


"Spider-Man: Across The Spider-Verse" versucht, diesen Erfolg noch weiter auszubauen. Der Film hat vielleicht nicht die Franchise-Power, um die 100-Millionen-Dollar-Eröffnungszahlen anderer MCU-Filme zu erreichen - aber niemand, der ihn sieht, wird das Kino mit den Worten verlassen: "Ach, nur ein weiterer Marvel-Film." Kevin Feige und das Team von MARVEL Studios haben fast ein ganzes Jahrzehnt damit verbracht, ein perfektes, zusammenhängendes Franchise zu entwickeln. Es war äußerst erfolgreich; die Entwicklung der MCU-Formel hat die Filme zu einer Formel gemacht. Jeder erwartet Cameos und Post-Credits-Szenen. Bösewichte aus einem Film tauchen in einem anderen auf. Einige bekommen ihre eigenen Shows auf Disney+. "Spider-Man: Across The Spider-Verse" hingegen sieht aus wie kein MCU-Film - oder wirklich wie kein Comic-Film, den man je gesehen hast.

Das ist wörtlich zu nehmen. Da "Spider-Man: Across The Spider-Verse" in einem animierten Multiversum spielt, das mit unzähligen Spider-People in zahllosen Zeitlinien übersät ist, hat jeder Spidey und die Welt, aus der er kommt, seinen eigenen visuellen Stil. Der als Miguel O'Hara bekannte Spider-Man lebt in einem Nueva York, das vage an Cyberpunk erinnert. Die Welt von Spider-Gwen hat ein paar sanftere Pastelltöne und sichtbare Pinselstriche. Spider-Punk sieht aus, als sei er aus Underground-Zines gemacht. Die Beispiele sind endlos. Wo alles in einem traditionellen MCU-Film einen "coolen, aber durch Greenscreen angetriebenen" Geschmack hat, sieht "Spider-Man: Across The Spider-Verse" aus, als wären die Skizzenbuch-Collagen eines Comic-Liebhabers zum Leben erwacht. Das ist kitschig, aber anders kann man nicht ausdrücken, wie verdammt schön dieser Film ist. 

An einer Schlüsselstelle in "Spider-Man: Across The Spider-Verse" sagt einer dieser vielen anderen Spider-People zu Miles Morales, dass er nicht zu ihnen gehört. Die Spinne, die ihn gebissen hat und damit die altbekannte Reihe von Ereignissen auslöste, die die Spider-Folks hervorgebracht hat, war für den Peter Parker aus seiner Zeitlinie bestimmt. Das ist natürlich auch die Moral des Films: Nur weil jemand sagt, man gehöre nicht dazu, heißt das nicht, dass es stimmt. In einem Filmuniversum, das mit einer Menge gleichartiger Superheldenfilme überfüllt ist, beweist "Spider-Man: Across The Spider-Verse", dass die Zukunft des Genres in Filmen liegt, die aus der Reihe tanzen. Willkommen im neuen weltweiten Netz.   

9/10

Quellen
Inhaltsangabe: Sony Pictures/Marvel
Poster/Artwork
Sony Pictures/Marvel

Donnerstag, 13. Juli 2017

Spider-Man: Homecoming (2017)

http://www.imdb.com/title/tt2250912/

Nach seinem Aufeinandertreffen mit den Avengers ist Peter Parker alias Spider-Man (Tom Holland) wieder zurück in New York, wo er bei seiner Tante May (Marisa Tomei) wohnt. Seitdem er mit bzw. gegen die anderen Helden kämpfte, fragt er sich, ob er mit seinen herausragenden Fähigkeiten nicht mehr machen sollte, als nur die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft zu sein, die den einen oder anderen Einbruch verhindert und Taschendiebe stoppt. Doch daneben muss der von seinem neuen Mentor Tony Stark (Robert Downey Jr.) geförderte Jugendliche auch noch den Alltag auf die Reihe bekommen, den Alltag als Teenager an einer Highschool. Blöd, dass ausgerechnet in dieser Situation ein Bösewicht für Unruhe sorgt, der technisch bestens ausgestattet ist und von Rachedurst getrieben: der Vogelmann Vulture (Michael Keaton)...

Mit seinem nunmehr dritten Reboot schwingt sich der rot-blaue Held zurück auf die große Leinwand. Was bereits in "Captain America: Civil War" für eine (angekündigte) Überraschung sorgte, wird nun fortgeführt und endlich Spideys Geschichte weiterentwickelt, sein Charakter beleuchtet und natürlich sein Wesen getestet. Und man sollte sich nun bei dieser Version des Spider-Man über eines im Klaren sein: es kein junger Erwachsener wie einst Tobey Maguire und auch kein cooler Draufgängertyp wie der großartige Andrew Garfield. Der Zuschauer begleitet in "Spider-Man: Homecoming" den fünfzehnjährigen Peter Parker und darauf muss man sich einlassen können, denn der Typ ist genauso flapsig und vorlaut, sogar teilweise genauso nervig wie in den Comics. Und das ist dann vielleicht sogar die größte Stärke des Films.

Trotzdem ist alles hier altbekannt und doch auch irgendwie anders: bei diesem Solo-Ausflug wird sogar etwas schizophren vorgegangen weil "Spider-Man: Homecoming" im Grunde zwar ein eigenständiges Ding sein soll, sich aber andererseits an die Handlungen von "The Avengers" nahtlos anknüpft und Dinge daraus als bekannt voraussetzt. Obendrein ist "Spider-Man: Homecoming" eine Origin-Story und wiederum auch nicht, denn Peter Parker hat im Film bereits seine Superkräfte und beginnt nicht bei Null, ist aber unsicher, unerfahren und muss sich seinen Platz bei den Avengers erkämpfen, seine Stärken und Schwächen (vor allem die) ausloten. Und der Film der dabei rausgekommen ist hat eben alle Qualitäten eines typischen Marvel-Titels: lang, groß, laut, gigantische Action die - nebenbei bemerkt - in 3D super aussieht und einen humorigen Grundton einschließlich einiger netter Gags auffährt. Aber auch hier bleibt der Gegner blass, selbst wenn sich mehr Mühe gegeben wurde, "Vulture" (dennoch großartig gespielt von Michael Keaton) eine Art Geschichte und Motivation zu geben. Das kennt man schon.

Eigentlich und oberflächlich also kaum etwas zu bemängeln, aber es gibt eben nichts Innovatives oder Neues und wenn man hinter die Fassade schaut wird es plötzlich delikat. Denn wenn man etwas bemängeln wöllte, dann der holprige Versuch der Eingliederung ins MCU, auch wenn einige bekannte Figuren aus anderen MCU-Filmen ihren Auftritt haben und eine davon sogar überraschen kann. Und mal abgesehen vom Anzug, der Spider-Man plötzlich eine Art "Iron Man"-Maskerade mit allerlei Gimmicks verleiht. Und das ist ein ganz kritischer Punkt, wenn der neue Spider-Man Anzug ebenso technisch ausgestattet ist und Peter oftmals die Arbeit abnimmt. Zu bemängeln gibt es dann auch die zahllosen Filmfehler und physikalischen Blödsinnigkeiten, die sogar im Sinne eines Superheldenfilmes sauer aufstoßen. Darüber hinaus ist auch die Figurenbesetzung etwas fehlgeschlagen, denn auch wenn man versucht, altbekannte Charaktere einzubringen, so sollte man sie doch so lassen wie sie in den Comics waren, Stichwort: MJ. Alles andere wird Unsinn und stößt dem Comicfan auch vor den Kopf.

Doch trotz all dieser Negativpunkte hat der neue "Spider-Man" irgendwo dann doch sein Herz am rechten Fleck. Die Stimmung passt, die Unterhaltung ist gegeben und sogar eine großartige Wendung weiß den Zuschauer eiskalt zu überraschen. Neben dem ganzen Bumm und Krach ist nämlich der neue "Spider-Man" etwas näher am Comic und auch wenn seine Origin-Story nur darauf abzielt im kommenden "Avengers: Infinity War" mitspielen zu können, so hinterlässt "Spider-Man: Homecoming" insgesamt einen positiven Eindruck. Es ist beileibe nicht der beste Film und auch nicht das beste Reboot (dafür war Andrew Garfield zu perfekt), aber es ist eine neue Art Spinne - und die kann man durchaus empfehlen.

7,5/10

Exklusiv bei FILMARENA gibt es den Film im auf 500 Stück limitierten (und tiefengeprägten) Steelbook, welches den Film in 4K Ultra-HD, 3D-BD und BD enthält. Zusätzlich ist das Steelbook mit einem Lenticularmagnetcover ausgestattet.


Quellen
Inhaltsangabe: Sony Pictures / Marvel

Samstag, 6. Juli 2019

Spider-Man: Far From Home (2019)

https://www.imdb.com/title/tt6320628/

Peter Parker (Tom Holland) a. k. a. Spider-Man geht zusammen mit seinen besten Freunden Ned (Jacob Batalon) und MJ (Zendaya), dem nervigen Flash (Tony Revolori) und dem Rest der Bande auf Klassenfahrt nach Europa. Peters Plan, den Superhelden für ein paar Wochen hinter sich zu lassen, wird jedoch schnell wieder verworfen, als der Trip von Nick Fury (Samuel L. Jackson) und seinen Agenten unterwandert und gekapert wird. Spider-Man soll ihnen dabei helfen, die mysteriösen Angriffe gefährlicher, aus Elementen bestehender Monster aufzuklären. Fury und seine rechte Hand Maria Hill (Cobie Smulders) haben für den Kampf bereits außerirdische Verstärkung im Gepäck: Mysterio (Jake Gyllenhaal), der seinem Namen alle Ehre macht, hat seine Heimat an die Kreaturen verloren und schwört Rache. Außerdem nimmt er den nach den Ereignissen aus "Avengers: Endgame" noch immer aufgewühlten und führungslosen Peter Parker unter seine Fittiche. Gemeinsam verfolgen sie die Angreifer quer durch Europa und landen dabei unter anderem in Venedig, Prag, London und Berlin...

Zweieinhalb Monate ist es jetzt her, dass mit "Avengers: Endgame" wohl das Kinoereignis des Jahres die Leinwand stürmte und zahlreiche Kassenrekorde aufstellte. Schließlich war der Film als großes Finale für das mehr als 20 Filme umfassende Marvel Cinematic Universe (MCU) konzipiert, mit jeder Menge Verweise auf die eigene Filmgeschichte. Der Plan ging auf, zumindest kommerziell. So manch einer wird sich jedoch gefragt haben: Und wie soll das nun weitergehen? "Spider-Man: Far From Home" kommt diese gleichwohl dankbare wie undankbare Aufgabe zu, die erste Geschichte nach diesem Mega-Event zu sein. Und dies steigert zwar die Chancen auf einen weiteren kommerziellen Erfolg, wirkt aber auch schnell wie ein Anhängsel, das irgendwie noch nachgeschoben wird, um Phase 3 noch schnell abzuschließen.


Die Drehbuchautoren Chris McKenna und Erik Sommers, die schon am Vorgänger "Spider-Man: Homecoming" beteiligt waren, sind sich dieser Sonderposition auch sehr bewusst. Immer wieder gibt es Verweise auf "Avengers: Endgame", vor allem auf Tony Stark natürlich, den früheren Mentor und Ersatzvater von Peter Parker. Dabei ist die Besessenheit mit dem Vergangenen nicht so ausgeprägt wie beim Gipfeltreffen oder wie der Einstieg vermuten lässt. Tatsächlich ist es sogar angenehm, wie wenig "Spider-Man: Far From Home" auf die vielen anderen Teile des MCU angewiesen ist. Es gibt die üblichen kleinen Verweise und natürlich Nick Fury, der wie schon in "Captain Marvel" dieses Jahr wieder eine größere Rolle hat. Das meiste funktioniert aber völlig losgelöst von dem etablierten Universum.

Der Reiz von "Spider-Man: Far From Home" liegt dann auch wie schon beim direkten Vorgänger darin, dass hier jemand ein Held sein muss, der eigentlich noch gar keiner sein kann. Peter Parker ist ein Teenager, der einerseits coole Dinge tun will und Gefallen an seiner Aufgabe hat, aber doch von vielen Selbstzweifeln geplagt wird. Vor allem ist er verliebt. Und wenn Jugendliche verliebt sind, muss das mit der Rettung der Welt ein bisschen warten. Oder auch nicht. Immer wieder kollidiert beides, muss die Erde vor gigantischen Gefahren beschützt werden, während gleichzeitig ein unsicherer Junge sehnsüchtig zu seinem Mädel hinüberschielt.


Dieser Kontrast wird wieder von jeder Menge Humor begleitet. Das ist nicht ungewöhnlich, One-Liner gehören fest zum Erfolgskonzept des gesamten MCUs. Aber nur wenige Teile schaffen es, dies mit einer solchen Natürlichkeit umzusetzen. Hier entsteht Humor aus der Situation, nicht weil es ein Drehbuchkonsortium so festgelegt hat. Gleichzeitig ist aber auch der emotionale Aspekt so stark wie in kaum einem anderen MARVEL-Film. Gerade weil Peter Parker nicht die Heldengestalt der Kollegen ist, sondern ein ganz normaler Junge, der rein zufällig Superkräfte hat, fällt es hier leicht, sich in ihn hineinzuversetzen. Spider-Man versteht sich nicht zu Unrecht als "freundliche Spinne aus der Nachbarschaft" und weckt auch dann das Gefühl, einer von uns "Normalos" zu sein, wenn er gerade durch schwindelerregende Höhen turnt, Saltos schlägt oder Glockentürme eigenhändig vor dem Zusammenbruch bewahrt.


Zum Ende hin ufert "Spider-Man: Far From Home" ein bisschen aus. Das bombastische Finale will so stark auftrumpfen, dass man gar nicht mehr weiß, was hier eigentlich geschieht. Das ist teils so gewollt, der Film will das Publikum dazu bringen, den eigenen Augen nicht mehr zu trauen. Dennoch ist es offensichtlich, dass das Spektakel der Selbstzweck ist, Regisseur Jon Watts zwar sehr ungewöhnliche Einblicke gewährt, ihm das jedoch etwas entgleitet. Sonderlich viel Sinn ergeben diese CGI-Feuerwerke ohnehin nicht, Spaß macht es aber trotzdem. Im direkten Vergleich war das erste Teil des Reboots noch einen ganze Menge stärker, ein vergleichbares Nervenduell wie mit Michael Keaton bleibt aber dieses Mal aus. Ohnehin hat der Gegenspieler keine vergleichbare Präsenz oder auch ein vergleichbares emotionales Fundament, die Motivation ist nicht annähernd so stark. Aber trotz dieser kleinen Schwächen gehört auch "Spider-Man: Far From Home" zu den besten Titel des Marvel-Universums, nicht zuletzt weil Tom Holland die an und für sich altbekannte Figur mit so viel Leben, Charme und ansteckender Freude erfüllt, dass man sich selbst wie auf einer Klassenfahrt fühlt.

8/10

Bei zavvi UK gab es den Film in 4K von WALT DISNEY Studios Home Entertainment in einer auf 2.000 Stück limitierten Collector's Edition mit Light-up-Feature, Sammel-Pins, Location Postcards und einem ebenso limitierten Steelbook.


Quellen
Inhaltsangabe: Sony Pictures / Marvel