Die 28 Jahre alte Künstlerin Mina (Dakota Fanning) ist auf der Suche nach Inspiration für ihr nächstes Werk und strandet in einem riesigen Urwald im Westen Irlands, der nicht kartografiert ist und in dem seltsamerweise jedes Auto, das sich ihm nähert, an der Baumgrenze liegen bleibt. Nach den ersten Momenten der Panik und der Unsicherheit gelingt es dem Mädchen, einen Unterschlupf zu finden, wo sie drei verzweifelte und verängstigte Fremde trifft, die behaupten, sich seit mehreren Tagen verirrt zu haben und jede Nacht von einer unerbittlichen Gruppe mysteriöser Kreaturen verfolgt zu werden. Diese von den Streunern als Wächter bezeichneten Kreaturen tauchen angeblich auf, um ihre menschlichen Gefangenen zu beobachten und all jenen, die den Unterschlupf nicht rechtzeitig erreichen, schreckliche Dinge anzutun, was ihre Odyssee zu einer Überlebensstrategie im Unbekannten macht.
Ishana Night Shyamalans Regiedebüt "The Watchers" musste sich von Beginn an mit den Filmen ihrs Vaters M. Night Shyamalan vergleichen lassen. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von A.M. Shine präsentiert sie einen Mystery-Horrorfilm, der weniger auf klassische Schockeffekte setzt als auf dichte Atmosphäre, irische Folklore und ein stetig wachsendes Gefühl des Unbehagens. Das Ergebnis ist durchaus sehenswert, bleibt am Ende aber hinter seinen eigenen Ambitionen zurück. Dabei wirken die endlosen Wälder Irlands gleichermaßen wunderschön wie bedrohlich, und Shyamalan versteht es, diese Kulisse wirkungsvoll einzusetzen. Nebel, Dunkelheit und die permanente Unsicherheit darüber, was sich zwischen den Bäumen verbirgt, sorgen für eine konstant angespannte Grundstimmung. Gerade in der ersten Filmhälfte lebt "The Watchers" von dieser geheimnisvollen Inszenierung, die das Kopfkino geschickt arbeiten lässt. Auch Dakota Fanning trägt den Film souverän. Ihre zurückhaltende Darstellung macht Mina zu einer glaubwürdigen Hauptfigur, deren Unsicherheit und Neugier gleichermaßen nachvollziehbar bleiben. Unterstützt wird sie von Georgina Campbell und Olwen Fouéré, die der kleinen Gruppe zusätzliche Dynamik verleihen. Die Chemie zwischen den Figuren funktioniert insgesamt gut, auch wenn manche Nebencharaktere etwas blass bleiben.
Positiv fällt außerdem auf, dass "The Watchers" nicht versucht, sein Publikum mit permanenten Jump Scares zu erschrecken. Stattdessen setzt der Film auf langsamen Spannungsaufbau, geheimnisvolle Andeutungen und die Faszination für die zugrunde liegende Mythologie. Die Anleihen bei irischen Sagen und Märchen verleihen der Geschichte eine angenehme Eigenständigkeit und unterscheiden sie von vielen anderen aktuellen Horrorproduktionen. Genau hier beginnt allerdings auch das größte Problem des Films. Je näher die Handlung ihrer Auflösung kommt, desto stärker verliert die Geschichte an Wirkung. Was anfangs geheimnisvoll und faszinierend erscheint, wird im letzten Drittel zunehmend durch ausführliche Erklärungen ersetzt. Die Enthüllungen wirken dabei weniger überraschend als erhofft und nehmen dem Mysterium einen Teil seiner Faszination. Das Drehbuch schafft es einfach nicht, seine vielen Ideen letztlich überzeugend zusammen zu führen verlässt sich lieber zu sehr auf Erklärungen. Auch das Erzähltempo ist nicht immer optimal. Während die ersten Szenen von ihrer mysteriösen Stimmung profitieren, entstehen im Mittelteil einige Längen. Die Handlung tritt stellenweise auf der Stelle, bevor sie gegen Ende plötzlich sehr viele Informationen in kurzer Zeit vermittelt. Dadurch wirkt das Finale etwas überladen und emotional weniger wirkungsvoll, als es eigentlich sein könnte.Dennoch sollte man "The Watchers" nicht vorschnell abschreiben. Gerade als Regiedebüt zeigt Ishana Shyamalan ein gutes Gespür für Bildsprache, Atmosphäre und Spannungsaufbau. Es ist ein vielversprechender erster Schritt einer Regisseurin mit erkennbarem Talent. Dass nicht jede erzählerische Entscheidung aufgeht, schmälert diesen positiven Eindruck nur teilweise. Wer ruhigen Mystery-Horror mit folkloristischen Elementen und einer geheimnisvollen Atmosphäre schätzt, wird hier durchaus auf seine Kosten kommen. Wer hingegen auf einen großen Twist oder kompromisslosen Horror hofft, dürfte am Ende etwas ernüchtert sein. Ein sehenswerter Genrebeitrag, der Lust auf weitere Arbeiten von Ishana Night Shyamalan macht - auch wenn er hier das große Potenzial seiner Prämisse nicht vollständig ausschöpft.


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