Donnerstag, 30. Juli 2026

Public Enemies (2009)

https://www.imdb.com/de/title/tt1152836/
https://letterboxd.com/film/public-enemies-2009/

Anfang der Dreißigerjahre leiden die USA unter der Großen Depression. Der charismatische Profi-Bankräuber John Dillinger (Johnny Depp) schafft es in diesem Klima zu medialem Ruhm, weil er sich mit seinen Banküberfällen die Bewunderung der einfachen Bürger sichert. Seine Gang um die schweren Jungs John „Red“ Hamilton (Jason Clarke) und Homer Van Meter (Stephen Dorff) lässt sich von nichts und niemanden stoppen, nicht einmal das Gefängnis hält die Verbrecher auf. Immer an Dillingers Seite: seine Geliebte Billie Frechette (Marion Cotillard), die dem draufgängerischen, aber deshalb nicht unklugen Charmeur verfällt. Die Regierung macht die Jagd auf Dillinger fortan zur Chefsache und setzt das Bureau Of Investigation auf die Bankräuber an.

Mit "Public Enemies" widmet sich Regisseur Michael Mann einer der bekanntesten Figuren der amerikanischen Kriminalgeschichte: dem legendären Bankräuber John Dillinger. Was auf den ersten Blick wie ein klassischer Gangsterfilm wirkt, entpuppt sich schnell als ungewöhnlich nüchternes Porträt einer Epoche im Wandel. Statt den Mythos Dillinger romantisch zu verklären, zeichnet Mann das Bild eines Mannes, dessen Zeit unaufhaltsam zu Ende geht - verdrängt von einer modernen Strafverfolgung und einer sich wandelnden Gesellschaft. Johnny Depp verkörpert Dillinger mit einer ruhigen, fast melancholischen Ausstrahlung. Sein Dillinger ist weder glorifizierter Volksheld noch skrupelloser Verbrecher, sondern eine charismatische Figur, die ihren eigenen Untergang früh zu erkennen scheint. Depp spielt ihn mit bemerkenswerter Zurückhaltung und verleiht ihm eine gewisse Würde, ohne seine kriminellen Taten zu beschönigen. Auf der Gegenseite überzeugt Christian Bale als FBI-Agent Melvin Purvis, dessen stoische Professionalität einen gelungenen Kontrast zum extrovertierteren Dillinger bildet. Marion Cotillard ergänzt das Ensemble als Billie Frechette mit einer sensiblen Darstellung, die der Liebesgeschichte emotionale Glaubwürdigkeit verleiht. 

Michael Mann bleibt seinem unverwechselbaren Stil treu. Statt nostalgischer Hochglanzbilder dominieren natürliche Lichtstimmungen und eine unmittelbare Bildsprache, die den Zuschauer mitten ins Geschehen versetzt. Gerade die Schießereien profitieren enorm von dieser Inszenierung. Sie gehören zu den realistischsten und intensivsten des modernen Gangsterkinos, weil Mann bewusst auf übertriebene Effekte verzichtet und Gewalt roh sowie ungeschönt darstellt. Auch die Ausstattung überzeugt auf ganzer Linie. Fahrzeuge, Kleidung, Waffen und Schauplätze vermitteln ein glaubwürdiges Bild der Vereinigten Staaten während der Großen Depression. Die historische Atmosphäre wirkt nie wie bloße Kulisse, sondern wird zum festen Bestandteil der Erzählung. Gleichzeitig verzichtet Mann darauf, Dillinger als überlebensgroße Legende zu inszenieren. Stattdessen interessiert ihn die Frage, wie sich das organisierte Verbrechen und die Arbeit des damals noch jungen FBI gegenseitig beeinflussten.

Das Drehbuch konzentriert sich leider zu stark auf die historischen Ereignisse und weniger auf die emotionale Entwicklung seiner Figuren. Dadurch entsteht eine gewisse Distanz, die verhindert, dass der Film die Intensität früherer Mann-Werke wie "Heat" oder "Collateral" erreicht. Besonders die Beziehung zwischen Dillinger und Billie Frechette hätte mehr Raum verdient. Im Vergleich zu Genreklassikern wie "Die Unbestechlichen" oder "Road To Perdition" wirkt "Public Enemies" deutlich weniger romantisiert. Michael Mann interessiert sich weniger für Legendenbildung als für die Mechanismen von Verbrechen und Strafverfolgung. Diese Herangehensweise macht den Film anspruchsvoller, verlangt aber auch mehr Aufmerksamkeit und Geduld.

"Public Enemies" ist am Ende ein hervorragend inszenierter Gangsterfilm mit starken Darstellern, außergewöhnlicher Kameraarbeit und beeindruckender historischer Authentizität. Michael Mann verzichtet bewusst auf die Verklärung seines berühmten Protagonisten und erzählt stattdessen ein nüchternes, beinahe dokumentarisches Kriminaldrama. Die emotionale Distanz zu den Figuren verhindert zwar den ganz großen Wurf, doch als stilistisch herausragender und intelligenter Vertreter des Genres gehört "Public Enemies" dennoch zu den sehenswerten Gangsterfilmen der 2000er-Jahre.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkUniversal Pictures/Relativity Media/Misher Films

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