Donnerstag, 2. Juli 2026

Never Let Go - Never Let Go: Lass niemals los (2024)

https://www.imdb.com/de/title/tt14415204/

Die Apokalypse liegt längst hinter der Welt. Nun müssen die Menschen irgendwie klarkommen, um ihr Überleben Tag für Tag kämpfen. Momma (Halle Berry) hat sich zusammen mit ihren Zwillingssöhnen Samuel und Nolan in eine abgelegene Hütte im Wald zurückgezogen. Doch auch dort lebt es sich nicht ungefährlich. Momma stellt deshalb ein paar nicht verhandelbare Regeln auf. Eine davon besagt, dass sie nur aus der Hütte raus in den Wald dürfen, wenn sie an einen Strick gebunden sind. Alles andere würde mehr oder weniger den sicheren Tod bedeuten. Doch irgendwann glaubt einer der Jungs nicht mehr an Mommas Erzählung, will nicht mehr auf ihre Warnungen hören. Die im Wald lauernden Gefahren wittern natürlich ihre Chance, als die Verbindung zwischen Momma und ihren beiden Söhnen gekappt wird…

Mit dem Remake zu "The Hills Have Eyes", "Mirrors" und "High Tension" hat sich Alexandre Aja als Regisseur einen Namen gemacht, der Spannung und intensiven Survival-Horror gekonnt miteinander verbindet. Auch "Never Let Go" beginnt mit einer faszinierenden Prämisse: Eine Mutter lebt mit ihren beiden Söhnen abgeschottet in einer Hütte, während draußen ein mysteriöses Böses lauert. Um sich zu schützen, dürfen sie das Haus nur mit einem Seil verlassen, das sie jederzeit mit ihrem Zuhause verbindet. Aus dieser ungewöhnlichen Ausgangslage entwickelt sich zunächst ein atmosphärischer Mystery-Horror, der jedoch nicht alle seine Versprechen einlösen kann. Im Mittelpunkt steht Momma, gespielt von Halle Berry, die ihrer Figur eine glaubwürdige Mischung aus Fürsorge, Verzweiflung und zunehmender Besessenheit verleiht, die ihre beiden Söhne Samuel und Nolan mit strengen Regeln vor einer unsichtbaren Bedrohung beschützt. Doch je älter die Kinder werden, desto stärker wachsen Zweifel. Existiert das Böse außerhalb der Hütte tatsächlich oder ist die größte Gefahr längst Teil ihrer eigenen Familie? Gerade dieses Spiel mit Wahrnehmung und Realität sorgt dafür, dass der Film sein Publikum lange im Ungewissen lässt. Diese psychologische Komponente und der konsequente Spannungsaufbau, gepaart mit der Atmosphäre sind große Pluspunkte des Films. Aja versteht es hervorragend, den dichten Wald und die abgelegene Hütte zu einem bedrohlichen Schauplatz zu machen. Nebelschwaden, knarzende Bäume und die permanente Unsicherheit darüber, was sich tatsächlich außerhalb der sicheren vier Wände befindet, erzeugen eine konstante Anspannung. Der Film verzichtet dabei weitgehend auf billige Schockeffekte und setzt stattdessen auf unterschwelligen Horror und psychologischen Druck. Lange bleibt hier offen, ob Momma eine heldenhafte Mutter oder eine unzuverlässige Erzählerin ist. Auch Anthony B. Jenkins und Percy Daggs IV liefern als ihre Söhne überzeugende Leistungen ab und sorgen dafür, dass die familiären Konflikte jederzeit glaubwürdig wirken. Gerade das Zusammenspiel der drei Hauptfiguren gehört zu den stärksten Aspekten des Films. 

Leider verliert "Never Let Go" im letzten Drittel deutlich an Boden. Die Geschichte lebt zunächst von ihren offenen Fragen und ihrer geheimnisvollen Stimmung, doch je näher das Finale rückt, desto mehr gerät die Handlung ins Wanken. Einige Enthüllungen wirken überhastet, während andere Fragen bewusst unbeantwortet bleiben. Der Film hält schlicht seine selbst aufgestellten Regeln nicht konsequent ein und die Auflösung bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurück. Hinzu kommt, dass das Drehbuch immer wieder bekannte Motive aus ähnlichen Horrorfilmen aufgreift. Erinnerungen an Werke wie "A Quiet Place" oder "Bird Box" lassen sich kaum vermeiden. Zwar gelingt es Aja, diesen bekannten Elementen mit seiner Inszenierung einen eigenen Anstrich zu verleihen, wirklich originell fühlt sich die Geschichte jedoch nicht durchgehend an. Dennoch bleibt "Never Let Go" ein sehenswerter Genrebeitrag. Die dichte Atmosphäre, die überzeugenden Darsteller und einige wirklich gelungene Spannungsmomente sorgen dafür, dass der Film auch dann interessant bleibt, wenn das Drehbuch kleinere Schwächen offenbart. Wer psychologischen Horror und langsamen Spannungsaufbau schätzt, wird hier durchaus auf seine Kosten kommen - sollte allerdings keine perfekte Auflösung erwarten.

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork21 Laps Entertainment/Media Capital Technologies/HalleHolly

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