Dienstag, 30. Juni 2026

John Carpenter's The Ward - The Ward: Die Station (2010)

https://www.imdb.com/de/title/tt1369706/

Kristen (Amber Heard), eine hübsche aber labile junge Frau, findet sich verletzt, unter Drogen und gegen ihren Willen festgehalten auf einer Station einer psychatrischen Anstalt in den 1960er-Jahren wieder. Sie ist komplett orientierungslos, weiß nicht, wer sie an diesen Ort gebracht hat und hat keine Erinnerung an ihr Leben vor der Einweisung. Aber ihr ist klar, dass sie sich nicht in Sicherheit befindet. Die anderen Patienten der Station, vier ebenso verstörte junge Frauen, helfen Kristen nicht weiter und bald stellt sie fest, dass nicht alles so ist wie es scheint. Nachts, wenn das Hospital dunkel und unheilvoll ist, hört sie seltsame und beängstigende Geräusche. Eine nach der anderen verschwinden die anderen Mädchen...

Nach fast einem Jahrzehnt Regiepause kehrte Horrorlegende John Carpenter mit "The Ward" auf die große Leinwand zurück und rein atmosphärisch gelingt Carpenter hier auch ein durchaus solider Horrorfilm. Die düsteren Flure der Klinik, das sterile Umfeld und die ständige Unsicherheit darüber, was real ist und was nicht, erzeugen immer wieder wirksame Spannungsmomente. Diese Inszenierung zeigt, dass Carpenter sein Handwerk nach wie vor beherrscht. Dennoch kommt man nicht umhin, gerade m direkten Vergleich mit seinen früheren Werken, den Gedanken festzuhalten, dass hier mehr drin gewesen wäre, da "The Ward" sich schon bald als vergleichsweise konventioneller Psychothriller entpuppt. Der Film besitzt durchaus Qualitäten, erreicht jedoch nur selten die Klasse seiner berühmten Vorgänger. Auch die Besetzung macht ihre Sache ordentlich. Amber Heard trägt den Film souverän und verleiht Kristen genügend Verletzlichkeit und Entschlossenheit, um das Interesse des Zuschauers aufrechtzuerhalten. Unterstützt wird sie von Danielle Panabaker, Mamie Gummer, Lyndsy Fonseca und Jared Harris, die ihren Figuren trotz begrenzter Tiefe eine gewisse Glaubwürdigkeit verleihen. Besonders die Dynamik zwischen den Patientinnen sorgt dafür, dass die Geschichte zumindest emotional nicht völlig oberflächlich bleibt. 

Das größte Problem von "The Ward" liegt jedoch im Drehbuch. Die Handlung folgt vielen bekannten Mustern des Psychiatrie- und Geisterhorrors und entwickelt nur selten eine eigene Identität. Die vorhersehbaren Wendungen und die starke Abhängigkeit von Schockmomenten statt nachhaltiger Spannung nagen geradezu an der Geduld des Zuschauers. Vor allem die zentrale Auflösung wirkt für erfahrene Genrefans wenig überraschend und erinnert an zahlreiche ähnliche Filme der Jahre zuvor. Hinzu kommt, dass dem Film ein unverwechselbares Profil fehlt. Er fühlt sich einfach nicht wie ein typischer Carpenter-Film an. Wo seine besten Werke durch markante Bildsprache, ikonische Musik und eine starke eigene Handschrift geprägt waren, wirkt "The Ward" oft wie ein routinierter Studiohorrorfilm, den auch viele andere Regisseure hätten inszenieren können. Trotzdem besitzt der Film eine gewisse Effizienz. Mit einer Laufzeit von knapp 90 Minuten erzählt er seine Geschichte ohne größere Längen und liefert gerade genug Spannung, um Genrefans bei Laune zu halten. Am Ende pendelt er aber nur zwischen Routine und Handwerkskunst. Die Regie eines erfahrenen Meisters sorgt dafür, dass das Werk nie völlig abstürzt, doch das schwache Drehbuch und die mangelnde Originalität verhindern, dass daraus ein wirklich erinnerungswürdiger Horrorfilm wird.

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkFilmNation Entertainment/Premiere Picture/Echo Lake Entertainment

The Haunting Of Hill House - Spuk in Hill House (2018)

https://www.imdb.com/title/tt6763664/

Die fünf Geschwister Theodora (Kate Siegel), Steven (Michiel Huisman), Luke (Oliver Jackson-Cohen), Shirley (Elizabeth Reaser) und Nell (Victoria Pedretti) haben ihre Kindheit in einer der berüchtigtsten Geistervillen der USA verbracht. Nach dem Selbstmord ihrer jüngsten Schwester kommen die verbliebenen Vier Jahre später wieder in dem unheimlichen Anwesen zusammen, und stellen sich gezwungenermaßen den Geistern der Vergangenheit, die sie erst aus dem familiären Hill House getrieben haben. Während einige davon nur in den Köpfen und vor allem Erinnerungen der Geschwister leben, wirken wiederum andere erschreckend real.

https://www.imdb.com/title/tt7023382/
1. Steven sieht einen Geist (Steven Sees A Ghost)
Steven Crain ist ein Autor, der für seinen autobiografischen Roman "Spuk in Hill House" bekannt ist. Darin beschreibt er seine Kindheitserlebnisse in dem Spukhaus, das er mit seinen Eltern Hugh und Olivia sowie seinen jüngeren Geschwistern Shirley, Theo, Nell und Luke bewohnte. Während ihres Aufenthalts werden die Crains mit paranormalen Ereignissen konfrontiert und müssen ohne Olivia fliehen, die im Haus stirbt und die restliche Familie traumatisiert. Jahre später verarbeitet Steven die traumatischen Erlebnisse seiner Familie in seinem Buch, was das Verhältnis zu seinen Geschwistern belastet. Obwohl es ein Bestseller wird, lässt er die meisten der beängstigenden Ereignisse aus und glaubt eigentlich nicht an das Paranormale. Theo lernt in einem Nachtclub eine Frau namens Trish kennen und bringt sie mit nach Hause, um mit ihr zu schlafen. Steven und Shirley verpassen Anrufe von Nell, die daraufhin Hugh anruft und ihre Sorge um Luke äußert, der drogenabhängig geworden ist. Als Steven nach Hause kommt, erwischt er Luke beim Diebstahlversuch und gibt ihm stattdessen Geld. In seiner Wohnung trifft er auf Nell, die in einer Ecke steht. Er erhält einen Anruf von Hugh, der ihm mitteilt, dass Nell nach Hill House gegangen und tot ist. Steven erkennt, dass er einen Geist sieht. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt7815916/
2. Offener Sarg (Open Casket)
In Kindheitserinnerungen in Hill House findet Shirley einen Karton mit ausgesetzten Kätzchen und nimmt sie auf. Die Kätzchen sterben jedoch alle, was Shirley tief trifft. Sie grübelt darüber nach, warum sie ihnen nicht helfen konnte. Später, während Olivias Beerdigung, ist die zunächst verzweifelte Shirley erstaunt darüber, dass die Bestatterin ihre Mutter "heilen" und ihr ihre frühere Schönheit zurückgeben konnte. Als Erwachsene ist Shirley Bestatterin und betreibt zusammen mit ihrem Mann Kevin ein Bestattungsunternehmen. Sie vermietet ein Gästehaus an Theo, der inzwischen Kindertherapeut ist. Shirley erfährt von Nells Tod. Verzweifelt beschließt sie, ihre Schwester selbst einzubalsamieren und zu "heilen". Dabei begegnet sie jedoch dem Geist ihrer Mutter. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt7688206/
3. Berührung (Touch)
Theo kann die Gefühle von Menschen und die Eindrücke von Gegenständen wahrnehmen, wenn sie diese mit bloßen Händen berührt. In ihrer Kindheit bittet Luke sie einmal, ihn mit dem Speiseaufzug ins oberste Stockwerk fahren zu lassen. Als Theo den Knopf nach oben drückt, fährt der Aufzug stattdessen nach unten, und Luke begegnet einem Geist, der ihn angreift. Er ist wütend, dass die Erwachsenen ihm nicht glauben. Theo geht der Sache nach und findet eine versteckte Falltür, die in einen Keller führt, der nicht in den Bauplänen des Hauses eingezeichnet ist. Olivia erzählt ihr, dass ihre Großmutter genauso "sensibel" war wie sie selbst und gibt Theo ein Paar Handschuhe zum Schutz ihrer Hände. Bei ihrer Arbeit trifft die erwachsene Theo auf ein Kind, das sie nicht "lesen" kann und das behauptet, von "Mr. Smiley", einem Monster, gequält zu werden. Theo geht zum Haus des Mädchens und entdeckt die Wahrheit: Ihr Pflegevater missbraucht sie, und Mr. Smiley ist eine Manifestation dieses Missbrauchs. Theo lässt den Pflegevater verhaften. Anschließend geht sie in die Leichenhalle, berührt Nells Stirn und bricht dann schreiend zusammen. Eine Rückblende auf ihre letzte Nacht in Hill House zeigt, dass Theo, als Hugh sie bei ihrer Flucht packte, verstörende Bilder von Geistern sah und Olivia, die gestoßen wurde und mit dem Kopf gegen eine Wand schlug. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt7578528/
4. Das Zwillingsding (The Twin Thing)
Der kleine Luke ist frustriert, weil nur Theo ihm glaubt, was die Geister angeht, die er sieht, darunter auch seine "imaginäre Freundin" Abigail. Luke nimmt einen Bowlerhut an, den seine Mutter auf dem Dachboden findet, und setzt ihn auf. Der heutige Luke ist seit 90 Tagen clean. Seit ihrer Geburt können Luke und Nell die körperlichen Beschwerden des jeweils anderen spüren. Lukes beste Freundin Joey, die in der Entzugsklinik ist, flieht, um Drogen zu nehmen, und Luke folgt ihr, um sie zurückzuholen. Der kleine Luke begegnet dem Geist eines ungewöhnlich großen Mannes, der seinen Bowlerhut zurückhaben will. Luke findet Joey, fühlt sich aber plötzlich unnatürlich kalt und steif. Da er kein Geld für eine Unterkunft hat, bricht Luke in Stevens Wohnung ein, um Sachen zu stehlen und zu verkaufen. Er wird jedoch von Steven erwischt, der ihm Geld gibt. Joey stiehlt das Geld und flieht, und Luke wird überfallen. Er irrt umher, verfolgt von dem Geist mit dem Hut. Luke ruft seine Sozialarbeiterin an, und sie und Steven finden ihn und teilen ihm mit, dass Nell Suizid begangen hat. Luke erkennt, dass er Nells Tod die ganze Zeit gespürt hat und erklärt, es sei kein Selbstmord gewesen. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt7958030/
5. Die Frau mit dem verbogenen Hals (The Bent-Neck)
Die kleine Nell wird von einer Erscheinung gequält, die sie die Frau mit dem gebrochenen Genick nennt - ein Geist mit einem gebrochenen Genick. Die erwachsene Nell sucht wegen Schlafparalyse den Schlaftherapeuten Arthur auf. Die beiden verlieben sich und heiraten. Doch im ersten Ehejahr erleidet Arthur ein Hirnaneurysma und stirbt, während die Frau mit dem gebrochenen Genick zurückkehrt. Nell setzt ihre Medikamente ab, da sie glaubt, dadurch die Frau zu sehen. Überzeugt von ihrem Therapeuten, dass Hill House nur noch eine Ruine und nicht der alptraumhafte Ort ihrer Vergangenheit sei, reist Nell dorthin. Sie sieht es so, wie es in ihrer Kindheit war: komplett renoviert, mit ihrer Familie und Arthur. Doch in Wirklichkeit ist das Haus verlassen und menschenleer. Nell wird zur Wendeltreppe geführt, wo sie sich eine Schlinge um den Hals legt und sich vorstellt, es sei das Medaillon ihrer Mutter. Dann wird sie vom Geist ihrer Mutter gestoßen und bricht sich das Genick. Im Sterben reist Nell durch die Vergangenheit und enthüllt, dass sie selbst die Frau mit dem gebrochenen Genick war und ihr jüngeres Ich die ganze Zeit heimgesucht hat. - 9/10

https://www.imdb.com/title/tt8160066/
6. Zwei Gewitter (Two Storms)
Die Folge wechselt zwischen zwei Stürmen: einem, den die Familie in der Vergangenheit in Hill House erlebte, und einem in der Gegenwart, in der Nacht vor Nells Beerdigung, als die Familie Crain sich im Bestattungsinstitut trifft, um ihren Leichnam zu sehen – endlich nach Jahren wieder vereint im selben Raum. In Hill House verschwindet Nell. Olivia sieht Geister und verfällt in einen Trancezustand, in dem sie sich seltsam verhält. Nell taucht erschüttert wieder auf und behauptet, sie sei die ganze Zeit direkt vor der Familie gewesen und habe geschrien, doch niemand habe sie sehen oder hören können. In der Gegenwart, während die Crains streiten, geschehen seltsame Dinge: Steven sieht den Geist seiner Mutter, der Strom fällt aus, und jemand klebt Nell Knöpfe auf die Augen. Steven verlangt von Hugh Antworten darüber, was wirklich passiert ist, was zu Konfrontationen führt. Shirley erwischt Theo und Kevin zusammen in einem Abstellraum. Nells Sarg kippt von selbst um und versetzt die Crains in einen Schockzustand. Nells Geist, als die Frau mit dem gebrochenen Genick, ist im Raum anwesend, doch niemand sieht sie – außer Hugh für einen kurzen Moment. - 9,5/10

https://www.imdb.com/title/tt8160068/
7. Grabrede (Eulogy)
Es wird enthüllt, dass Hugh oft mit Olivia spricht, als wäre sie noch da. Er kann sich mit Theo versöhnen, die sagt, sie hätte sich bei ihm melden sollen. Während der Beerdigung versucht er, den Kontakt zu seinen anderen Kindern wiederherzustellen. In der Vergangenheit begutachtet Hugh das Haus auf Sturmschäden. Mr. Dudley hilft ihm dabei und enthüllt einige Details über die früheren Bewohner. Er schlägt vor, dass die unberechenbare Olivia eine Auszeit vom Haus braucht und erklärt damit, warum er und Mrs. Dudley nachts nie dort sind. Olivias Verhalten wird immer beunruhigender. Als Hugh aufwacht und eine desorientierte Olivia mit einem Schraubenzieher an seinem Hals vorfindet, beschließen sie, dass sie Hill House für ein paar Tage verlassen muss. Während der Renovierungsarbeiten im Keller, wo Luke verunglückte, entdeckt Hugh versehentlich die Leiche von William Hill, dem ursprünglichen Besitzer, der sich in den Wänden des Hauses eingemauert hatte. Nach Olivias Tod gibt Hugh bei der Vernehmung durch die Polizei an, der Rote Raum sei verschlossen gewesen. Doch in der letzten Nacht im Haus stellt er fest, dass die Tür zum Roten Raum unverschlossen ist. Nach der Beerdigung greift Olivias Geist Luke, dann Hugh und Theo an. Nach der Beerdigung verschwindet Luke spurlos und stiehlt Shirleys Brieftasche und Theos Auto. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt8160070/
8. Markierungen (Witness Marks)
Steven und Hugh fahren herum, um Luke zu finden. Steven glaubt, die Probleme der Familie seien auf eine psychische Erkrankung zurückzuführen und erklärt, er habe sich einer Vasektomie unterzogen, um die "Krankheit" seiner Familie nicht weiterzugeben. Im Bestattungsinstitut streiten Shirley und Theo über Theo und Kevin im Abstellraum. Die Familie entdeckt, dass Luke auf dem Weg nach Hill House ist. Hugh offenbart Steven, dass dieser die ganze Zeit Geister gesehen hat, ohne es zu wissen, und versichert ihm, dass keiner von ihnen psychisch krank ist. Er enthüllt, dass das Baumhaus, in dem Steven und Luke sich oft aufhielten, in Hill House gar nicht existierte und beschreibt die Crains als "wie ein unfertiges Essen" für das Haus. Auch Shirley und Theo fahren nach Hill House, um Luke zu retten. Während sie sich streiten, erscheint plötzlich Nells Geist und erschreckt sie. Theo bricht zusammen und erklärt, Shirley habe sie und Kevin missverstanden; es sei nichts weiter passiert, als dass sie versucht habe, ihre Fähigkeit, zu fühlen, wiederzuerlangen. Luke versucht, Hill House niederzubrennen, wird dabei aber vom Geist von Poppy Hill, William Hills wahnsinniger Ehefrau, angegriffen. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt8160064/
9. Böse Träume (Screaming Meemies)
In der Vergangenheit beginnt Olivia, im Haus beunruhigende paranormale Erlebnisse zu haben. Sie sieht eine Vision der Leichen der erwachsenen Nell und Luke und begegnet dem Geist von Poppy Hill, die ihr prophezeit, dass die Welt draußen ihre Kinder verschlingen wird und sie sie beschützen muss. Desorientiert und verängstigt beschließen Olivia und Hugh, dass sie eine Auszeit nehmen und zu ihrer Schwester Janet fahren sollte. Doch Olivia, die nun labil und vom Haus beeinflusst ist, fährt nie hin, und die letzte Nacht der Familie in der Villa nimmt ihren Lauf. Die wahnhafte Olivia nimmt Nell, Luke und Abigail, die dort übernachtet hat, zu einer Teeparty im Roten Zimmer mit, das nun geöffnet ist. Hugh erkennt, dass Olivia den Tee mit Rattengift vergiftet hat, um die Kinder zu töten. Sie glaubt, dies sei der einzige Weg, sie vor der Welt zu schützen. Er rettet Luke und Nell, kann Abigail aber nicht mehr retten. Voller Entsetzen bringt er die Kinder eilig aus dem Haus, während Olivia, die aus ihrem schrecklichen Traum erwachen will, von der Wendeltreppe springt. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt8160072/
10. Eine bleierne Stille (Silence Lay Steadily)
Steven und Hugh finden Luke bewusstlos im Roten Zimmer. Steven, Theo und Shirley werden mit Luke eingeschlossen und erleben alptraumhafte Offenbarungen über ihr Leben, während das Haus versucht, sie zu töten. Alle Geschwister werden von Nells Geist gerettet. Sie erwachen und finden Luke im Sterben vor. Nells Geist erklärt, dass das Rote Zimmer der "Magen" des Hauses ist und sich jedem als anderes Zimmer tarnen kann, um ihn zu beruhigen, während es ihn "verdaut". Es hatte sich als Baumhaus für Luke, als Spielzimmer für Steven und so weiter getarnt. Die Geschwister entschuldigen sich, Nell nicht gerettet zu haben, und sie versichert ihnen, dass sie sich alle geliebt haben. Olivias Geist hält die Geschwister gefangen und will nicht, dass sie gehen. Hugh überzeugt sie, die Tür zu öffnen, und verspricht ihr etwas. Sie befreit sie, und Shirley und Theo fahren Luke ins Krankenhaus. Hugh und Steven bleiben zurück, und die Folgen von Olivias Tod werden enthüllt, unter anderem die Tatsache, dass die Dudleys Abigails Eltern waren. Hugh verabschiedet sich von Steven und betritt den Roten Raum, um für immer bei Olivia und Nell zu bleiben (sein Versprechen). Steven erkennt endlich die Anwesenheit der Geister des Hauses an. Zwei Jahre später feiern die Geschwister, deren Bande wiederhergestellt sind, gemeinsam mit ihren Partnern Lukes Nüchternheit. Ein alternder Horace bringt Clara ins Haus, wo sie stirbt; ihr Geist vereint sich mit Abigail. - 8,5/10


Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkAmblin Television/FlanaganFilm/Paramount Television Studios

Montag, 29. Juni 2026

Double Blind - Schlaf! Nicht! Ein! (2023)

https://www.imdb.com/title/tt14729020/

Die junge Claire (Millie Brady) ist wegen ihres enormen Schuldenbergs in Schwierigkeiten. Da hört sie von einer klinischen Studie des Pharmakonzerns Blackwood, für die Freiwillige gesucht werden, um ein neues Medikament an sich testen zu lassen. Aufgrund der dafür angebotenen, für ihre Verhältnisse recht üppigen Aufwandsentschädigung meldet sich die junge Frau umgehend an. Das Ganze soll fünf Tage dauern und wird in der Zentrale des Unternehmens durchgeführt, wo den Probanden auch Kost und Logis gestellt werden. Claire ist Teil einer Gruppe etwa Gleichaltriger, zu der außerdem Amir (Ashley Kumar), Paul (Brenock O'Connor), Alison (Abby Fitz) und Vanessa (Shonagh Marie) zählen. Als Versuchsleiterin agiert Dr. Burke (Pollyann McIntosh), die den jungen Leuten stetig steigende Dosen des Mittels verabreicht. Das in Pillenform eingenommene Präparat soll Ermüdung reduzieren – ein Effekt, an dem sowohl die Wirtschaft als auch das Militär höchst interessiert sind. Als sich plötzlich erschreckende Nebenwirkungen zeigen, wird die Studie trotz offensichtlicher Gefahren fortgesetzt. Um die Bedenken unter den Teilnehmer*innen zu zerstreuen, wird ihnen eine Bonuszahlung angeboten...

Manchmal reicht eine einzige starke Idee aus, um einen Horrorfilm sofort interessant zu machen. "Double Blind", das Langfilmdebüt des irischen Regisseurs Ian Hunt-Duffy, setzt genau auf ein solches Konzept: Nach einem fehlgeschlagenen Medikamententest tritt bei den Teilnehmern eine fatale Nebenwirkung auf - wer einschläft, stirbt. Aus dieser simplen, aber äußerst wirkungsvollen Prämisse entwickelt sich ein klaustrophobischer Survival-Thriller, der über weite Strecken überzeugt, sein Potenzial jedoch nicht vollständig ausschöpfen kann. Die größte Stärke des Films ist ohne Zweifel seine Ausgangsidee. Schlaf ist ein Grundbedürfnis, dem niemand dauerhaft entkommen kann - das wusste schon Wes Craven. Genau daraus entwickelt "Double Blind" eine permanente Grundspannung. Jeder Moment der Müdigkeit wird zur Bedrohung, jede Sekunde ohne Schlaf bringt die Figuren näher an den körperlichen und psychischen Zusammenbruch. Diese permanente Anspannung sorgt dafür, dass der Film sein Publikum über weite Strecken effektiv fesselt. 

Auch das sterile Forschungsgebäude entwickelt sich schnell zu einem unangenehmen Labyrinth aus Fluren, Krankenzimmern und verschlossenen Türen. Mit zunehmender Schlaflosigkeit verschwimmen Realität und Halluzinationen immer stärker, wodurch der Film eine angenehm paranoide Stimmung erzeugt. Dabei setzt Hunt-Duffy weniger auf billige Jump-Scares als auf psychologischen Druck und die zunehmende Verzweiflung seiner Figuren. Millie Brady überzeugt als Claire mit einer glaubwürdigen Mischung aus Entschlossenheit und wachsender Erschöpfung. Sie trägt den Film souverän und schafft es, ihrer Figur auch in den ruhigeren Momenten emotionale Glaubwürdigkeit zu verleihen. Das übrige Ensemble erfüllt seine Aufgaben solide, auch wenn nicht alle Figuren ausreichend Zeit erhalten, um wirklich Konturen zu entwickeln. Angesichts des überschaubaren Budgets wirkt der Film erstaunlich hochwertig. Kamera, Sounddesign und Schnitt arbeiten effektiv zusammen und verstärken das beklemmende Gefühl, dass den Figuren buchstäblich die Zeit davonläuft. 

Leider trägt die starke Prämisse nur den Anfang mühelos;  im weiteren Verlauf fällt es dem Drehbuch schwer, die Spannung kontinuierlich zu steigern. Einige Wendungen wirken vorhersehbar, und spätestens im letzten Drittel wiederholt der Film seine Mechanismen etwas zu häufig. Hinzu kommt, dass manche Figuren recht klischeehaft bleiben. Dadurch verlieren einzelne dramatische Momente etwas von ihrer Wirkung, weil nicht alle Charaktere ausreichend Tiefe erhalten. Auch die Hintergründe des Experiments werden nur oberflächlich beleuchtet. Wer sich umfangreiche Erklärungen oder größere wissenschaftliche Zusammenhänge erhofft, dürfte am Ende mit einigen offenen Fragen zurückbleiben. Dennoch gelingt es "Double Blind", bis zum Schluss spannend zu bleiben. Gerade weil der Film seine Laufzeit auf rund 90 Minuten beschränkt, entstehen kaum größere Längen. Statt sich in komplizierten Mythologien zu verlieren, konzentriert sich Hunt-Duffy auf seine einfache, aber wirkungsvolle Grundidee und setzt diese mit viel Atmosphäre um. Viele Kritiker sahen darin einen vielversprechenden Einstand für den Regisseur und lobten den Film als effektiven kleinen Genrebeitrag mit großer Wirkung. 

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkEpic Pictures Group/Failsafe Films

Five Nights At Freddy's (2023)

https://www.imdb.com/de/title/tt4589218/

Eigentlich hat der Sicherheitsbeamte Mike Schmidt (Josh Hutcherson) ja schon genügend Probleme am Hals. Deshalb ist er zunächst froh, eine neue Stelle als Nachwächter bei "Freddy Fazbear's Pizza" antreten zu können. Schließlich ist das Familienrestaurant schon seit Jahren geschlossen - und so verspricht der Job ganz besonders unspektakulär zu werden. Wobei sich Mike nie die Frage gestellt hat, warum eine längst verrammelte Pizzeria überhaupt einen Nachtwächter braucht? Die Antwort gibt es gleich in der ersten Nacht: Irgendwann erwachen die animatronischen Tier-Maskottchen Freddy Fazbear, Bonnie, Chica und Foxy zum Leben - und töten jeden, der sich nach Mitternacht noch in das Gebäude wagt! Offenbar waren sie auch der Grund, warum "Freddy Fazbear's Pizza" überhaupt schließen musste - aber das hat Mike natürlich niemand verraten...

Die Kinoadaption des beliebten Indie-Horrorspiels "Five Nights At Freddy's", in dem es darum geht, Nachtschichten in einer Pizzeria zu überleben, erweist sich als äußerst umstritten. Auf dem Papier bietet der Film nämlich alles, was ein effektiver Horrorfilm benötigt. Die unheimlichen Animatronics gehören seit Jahren zu den ikonischsten Figuren des modernen Horrorgenres. Ihre Mischung aus nostalgischer Kinderunterhaltung und latent bedrohlicher Erscheinung besitzt enormes Potenzial. Tatsächlich sind die Figuren auch einer der gelungensten Aspekte des Films. Die von Jim Hensons Creature Shop umgesetzten Animatronics sehen hervorragend aus. Freddy, Bonnie, Chica und Foxy wirken greifbar, detailreich und deutlich eindrucksvoller als viele rein digitale Kreaturen moderner Horrorfilme. 

Leider gelingt es dem Film nur selten, aus diesen Figuren echten Horror zu erzeugen. Auch mangelt es massiv an Spannung. Statt auf konstantes Unbehagen oder intensive Schockmomente zu setzen, konzentriert sich die Geschichte stark auf ihre Hintergrundgeschichte und die emotionalen Probleme der Hauptfigur. Dadurch entsteht ein Film, der sich oft eher wie ein Mystery-Drama mit Horrorelementen anfühlt als wie ein echter Gruselfilm. Dabei liefert Josh Hutcherson als Mike eine solide Leistung ab und bemüht sich, seiner Figur emotionale Tiefe zu verleihen. Das Problem liegt weniger beim Schauspiel als beim Drehbuch. Viele Nebenfiguren bleiben oberflächlich, Dialoge wirken stellenweise hölzern, und die Handlung erklärt ihre Mysterien oft ausführlicher, als nötig wäre. Gerade die Traumsequenzen, die einen großen Teil der Laufzeit einnehmen, bremsen das Tempo immer wieder aus und nehmen der Geschichte viel von ihrer Dringlichkeit.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass der Film oft nicht genau weiß, welche Zielgruppe er ansprechen möchte. Die Atmosphäre dürfte für jüngere Zuschauer stellenweise ausreichend unheimlich sein, für mich war es einfach nur harmlos bis sogar langweilig. Man fühlt, dass das düstere Potenzial der Vorlage zugunsten einer familienfreundlicheren Ausrichtung abgeschwächt wurde. Das ist schade, denn dadurch entsteht ein Werk, das zwischen Jugendfilm, Mystery und Horror pendelt, ohne auch nur in einer dieser Kategorien vollständig zu überzeugen. Dennoch wäre es unfair, die Qualitäten des Films vollständig zu ignorieren. Die Produktionsgestaltung ist ansprechend - das muss man zugeben. Freddy Fazbear’s Pizza wirkt wie ein eingefrorenes Relikt aus einer anderen Zeit und vermittelt genau jene Mischung aus Nostalgie und Verfall, die man erwarten könnte auch ohne die Spielereihe zu kennen. Sicher gibt es Fanservice - doch der funktioniert auch nur, wenn man diese Spiele kennt. Ein Minuspunkt also, denn damit holt der Film längst nicht alle Zuschauer ab. Aus Sicht eines eigenständigen Kinofilms reichen letztlich die Stärken also nicht aus, um die offensichtlichen Schwächen auszugleichen. Zu oft bleibt die Spannung auf der Strecke, zu selten entfaltet sich echter Horror, und die Handlung verliert sich in Erklärungen statt in Atmosphäre. Was hätte ein nervenaufreibender Albtraum werden können, entwickelt sich stattdessen zu einer überraschend zahmen und oft vorhersehbaren Geistergeschichte.

"Five Nights At Freddy's" überzeugt zwar mit liebevoll gestalteten Animatronics und einer starken visuellen Umsetzung, als Horrorfilm bleibt er jedoch deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück. Die geringe Spannung, die schwache Figurenzeichnung und die unentschlossene Tonalität verhindern, dass die Verfilmung ihr enormes Potenzial ausschöpft. Für eingefleischte Fans mag der Film interessante Momente bereithalten, als eigenständiges Kinoerlebnis bleibt jedoch vor allem das Gefühl einer vertanen Chance.

3,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkBlumhouse Productions/Scott Cawthon Productions

Sonntag, 28. Juni 2026

Tucker and Dale vs Evil - Tucker and Dale vs. Evil (2010)

https://www.imdb.com/title/tt1465522/

Vom Erscheinungsbild ausgehend scheint der Fall klar: Tucker McGee (Alan Tudyk) und Dale Dobson (Tyler Labine) sind gefährliche Hillbillys. Das sehen die zwei warmherzigen Kumpel jedoch ganz anders. Guter Dinge machen sie sich auf die Socken zu ihrer Ferienhütte im wilden West Virginia, um eine gemütliche Zeit zu verleben. Als sie dabei einer College-Clique über den Weg laufen, kommt es zum dramatischen Zwischenfall: Der Versuch, die schöne Allison (Katrina Bowden) vor dem Ertrinken zu bewahren, wird als versuchtes Kidnapping ausgelegt – in den Augen der Teenager stehen Tucker und Dale nun eindeutig als Psychopathen da. Die sind zwar eigentlich so friedliebend, wie nur irgend möglich, können das folgende Blutbad jedoch nicht mehr verhindern...

Horror-Komödien sind ein schwieriges Genre. Viele Filme schaffen es entweder nicht, wirklich lustig zu sein, oder vergessen darüber, Spannung und Atmosphäre aufzubauen. "Tucker and Dale vs. Evil" gelingt jedoch etwas Seltenes: Der Film funktioniert gleichzeitig als liebevolle Horror-Parodie, als blutige Splatter-Komödie und als überraschend warmherzige Geschichte über Vorurteile und falsche Wahrnehmungen. Regisseur Eli Craig schuf damit einen modernen Kultfilm, der sich seinen hervorragenden Ruf über die Jahre mehr als verdient hat. Die Ausgangssituation wirkt zunächst vertraut. Eine Gruppe College-Studenten fährt für ein Wochenende in die Wälder West Virginias, wo sie auf die beiden Freunde Tucker (Alan Tudyk) und Dale (Tyler Labine) treffen. Mit ihren Arbeitsklamotten, den struppigen Bärten und ihrem rustikalen Auftreten entsprechen die beiden genau dem Klischee der gefährlichen Hinterwäldler, das Horrorfilme seit Jahrzehnten bedienen. Das Problem: Tucker und Dale sind eigentlich zwei ausgesprochen freundliche und gutherzige Typen, die lediglich ihre neu erworbene Ferienhütte renovieren möchten. Durch eine Reihe unglücklicher Missverständnisse geraten die Studenten jedoch zunehmend in Panik und sind überzeugt, es mit psychopathischen Killern zu tun zu haben. Was folgt, ist eine Kettenreaktion aus grotesken Unfällen, Missverständnissen und blutigen Katastrophen, die immer absurder werden.

Die große Stärke des Films liegt in seiner cleveren Umkehrung bekannter Horrorfilm-Klischees. Statt die typischen Opfer in den Mittelpunkt zu stellen, betrachtet die Geschichte die Ereignisse aus Sicht der vermeintlichen Bösewichte. Dadurch entstehen Situationen, die gleichzeitig urkomisch und überraschend originell sind. Dieser Perspektivwechsel fehlt zahlreichen Genre-Parodien. Besonders das Hauptdarsteller-Duo trägt den Film nahezu mühelos. Alan Tudyk und Tyler Labine entwickeln eine hervorragende Chemie und sorgen dafür, dass Tucker und Dale weit mehr sind als bloße Witzfiguren. Ihre Freundschaft wirkt authentisch, ihre Reaktionen auf das eskalierende Chaos sind herrlich nachvollziehbar, und selbst in den absurdesten Momenten behalten die Figuren eine sympathische Menschlichkeit. Gerade Tyler Labine verleiht Dale eine liebenswerte Unsicherheit, die ihn schnell liebenswert macht. Bemerkenswert ist außerdem, wie gut der Film seine Balance hält. Obwohl die Geschichte voller überdrehter Situationen steckt, verliert sie nie völlig den Boden unter den Füßen. Die Gewalt ist teilweise erstaunlich explizit und erinnert an klassische Splatterfilme, wird aber so inszeniert, dass sie eher für Lacher als für Schockmomente sorgt. Gleichzeitig nimmt der Film seine Figuren ernst genug, damit die Handlung emotional funktioniert.

Die Waldkulisse nutzt die vertrauten Bilder des Backwoods-Horrors bewusst aus, um die Erwartungen des Publikums immer wieder zu unterlaufen. Die Kameraarbeit bleibt angenehm übersichtlich, das Tempo ist hoch, und die Laufzeit von knapp 90 Minuten sorgt dafür, dass keine Längen entstehen. Natürlich ist die Grundidee irgendwann auserzählt, und nicht jeder Witz landet mit derselben Treffsicherheit. Gegen Ende verlässt sich der Film etwas stärker auf klassische Genre-Konflikte und verliert einen Teil seiner anfänglichen Überraschungsmomente. Dennoch bleibt das Niveau durchgehend hoch, weil die Figuren und ihre Dynamik jederzeit unterhaltsam bleiben. Was den Film letztlich von vielen anderen Horror-Komödien unterscheidet, ist sein Herz. Hinter all dem Blut, den Missverständnissen und dem Chaos steckt eine erstaunlich sympathische Botschaft über Vorurteile, vorschnelle Urteile und die Gefahr, Menschen nur nach ihrem Äußeren zu bewerten. Ohne jemals belehrend zu wirken, verleiht dies dem Film eine zusätzliche Ebene, die ihn nachhaltiger macht als viele vergleichbare Genrevertreter.

Eine herrlich clevere, blutige und überraschend charmante Horror-Komödie, die bekannte Genre-Muster mit viel Kreativität auf den Kopf stellt. Dank der großartigen Hauptdarsteller, eines cleveren Drehbuchs und einer perfekten Balance aus Humor und Horror gehört der Film zu den unterhaltsamsten Genre-Beiträgen seiner Zeit. Ein moderner Kultfilm, der auch Jahre nach seiner Veröffentlichung nichts von seinem Charme verloren hat.

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkEden Rock Media/Gynormous Pictures/Voltage Pictures

Sebelum Iblis Menjemput - May The Devil Take You - Der Teufel soll dich holen (2018)

https://www.imdb.com/de/title/tt8765496/

Alfie (Chelsea Islan) ereilt ein böses Schicksal, als ihr Vater auf einmal auf unerklärliche Weise ins Koma fällt. In Wirklichkeit haben sich beide allerdings schon vor Jahren auseinandergelebt und entfremdet. Die junge Tochter ist dennoch getroffen und versucht mit ihrer Stiefschwester Maya (Pevita Pearce) Lösungen und Antworten in einer alten, abgelegenen Villa zu finden. Doch dort stoßen beide auf eine grausame Wahrheit und dunkle Mächte.

Mit "May The Devil Take You" bewies der indonesische Regisseur Timo Tjahjanto einmal mehr, dass er nicht nur Action inszenieren kann. Bevor er mit Filmen wie "The Shadow Strays" oder "The Big 4" internationale Aufmerksamkeit als Action-Spezialist erhielt, lieferte er mit diesem übernatürlichen Horrorfilm eine düstere und blutige Hommage an das klassische Dämonen- und Haunted-House-Kino. Das Ergebnis ist ein Film, der zwar nicht jede Genre-Konvention neu erfindet, seine Vorbilder jedoch mit sichtbarer Leidenschaft und einer beeindruckenden Energie interpretiert. Bereits die Grundidee erinnert an zahlreiche Genreklassiker, von "Evil Dead" bis hin zu asiatischen Geisterfilmen der frühen 2000er-Jahre. Tjahjanto macht jedoch keinen Hehl daraus, dass er diese Einflüsse bewusst aufgreift. Statt Originalität um jeden Preis anzustreben, konzentriert er sich darauf, bekannte Elemente möglichst effektiv umzusetzen. Genau darin liegt eine der größten Stärken des Films.

Atmosphärisch funktioniert "May The Devil Take You" auch ausgesprochen gut. Die abgelegene Villa entwickelt sich schnell zu einem Ort, an dem hinter jeder Tür eine neue Bedrohung lauern könnte. Dunkle Flure, verfallene Räume und verstörende Visionen erzeugen eine konstante Spannung, die den Zuschauer über weite Strecken bei der Stange hält. Ein weiterer Pluspunkt ist Chelsea Islan in der Hauptrolle. Sie verleiht Alfie eine glaubwürdige Mischung aus Verletzlichkeit, Entschlossenheit und emotionaler Tiefe. Gerade weil die Figur nicht als typische Horrorfilm-Protagonistin angelegt ist, entsteht schnell eine Bindung zum Publikum. Auch das übrige Ensemble erfüllt seine Aufgaben solide und trägt dazu bei, dass die familiären Konflikte innerhalb der Geschichte nicht völlig in den Hintergrund geraten. Besonders hervorzuheben sind die praktischen Effekte und die Make-up-Arbeiten. Tjahjanto setzt erfreulich oft auf handgemachte Horrorbilder statt auf übermäßige Computereffekte. Das Ergebnis sind einige wirklich unangenehme und visuell einprägsame Szenen, die Genrefans lange im Gedächtnis bleiben dürften. Die Mischung aus Körperhorror, Dämonenkino und übernatürlichem Terror sorgt für zahlreiche intensive Momente.

Allerdings folgen viele der Schockmomente bekannten Mustern, und der erfahrene Horrorfan riecht manche Wendungen schon 10 Meilen gegen den Wind. Auch die Handlung verliert im Mittelteil gelegentlich etwas an Fokus, wenn immer neue Enthüllungen und übernatürliche Elemente eingeführt werden. Auch eine gewissen Eigenständigkeit fällt bei den zahlreichen Verweise auf Genreklassiker hinten runter. Dennoch gelingt es Tjahjanto, die Geschichte mit genügend Energie und Stil zu erzählen, um diese Schwächen weitgehend auszugleichen. Seine Regie sorgt dafür, dass selbst vertraute Szenarien frisch wirken. Der Film weiß genau, wann er Spannung aufbauen, wann er das Tempo erhöhen und wann er den Zuschauer mit einer besonders verstörenden Szene überraschen muss. Damit gehört er zwar nicht zu den innovativsten Horrorfilmen seiner Zeit, aber durchaus zu den unterhaltsamsten. Gerade Fans klassischer Dämonenfilme und asiatischer Horrorproduktionen finden hier eine gelungene Mischung aus Atmosphäre, Schocks und handwerklich überzeugender Inszenierung.

6/10


Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Netflix/Legacy Pictures/Screenplay Films/Sky Media/Ideate Media

Samstag, 27. Juni 2026

The Big 4 (2022)

https://www.imdb.com/title/tt15528292/

Dina (Putri Marino) ist nach dem Tod ihres Vaters untröstlich, aber sie muss unbedingt herausfinden, wer ihn getötet hat und warum. Während ihrer Ermittlungen erfährt Dina, dass ihr Vater der Mentor einer Assassinen-Bande war. Eine Gruppe, die jeden Job annahm und für ordentlich Aufsehen sorgte. Und obwohl sie ihre Waffen niedergelegt haben und in den Ruhestand gegangen sind, sind die Big 4 bald wieder im Einsatz, um Dina bei ihrem Streben nach Gerechtigkeit zu helfen. Denn nun sind die Feinde ihres Vaters auch hinter ihr her.

Nach dem kompromisslosen Actioner "The Night Comes For Us" schlug Regisseur Timo Tjahjanto mit *The Big 4* einen deutlich anderen Ton an. Zwar bleiben spektakuläre Prügeleien, Schusswechsel und jede Menge Körperverletzung weiterhin fester Bestandteil seines Repertoires, doch diesmal mischt er die Action mit einer ordentlichen Portion Humor und einer fast schon familienähnlichen Gruppendynamik. Das Ergebnis ist ein unterhaltsamer Actionfilm, der nicht ganz die Wucht seiner düstereren Genre-Kollegen erreicht, dafür aber mit Charme, Tempo und sympathischen Figuren punktet - wenn man sich darauf einlassen kann. Die Handlung selbst gehört dabei nicht zu den größten Stärken des Films. Die Geschichte ist funktional und liefert genügend Motivation für die zahlreichen Actionsequenzen, überrascht aber nur selten. Die Handlung wirkt zu dem auf mich gelegentlich etwas überladen und nicht jede Wendung erscheint zwingend notwendig. Dennoch gelingt es dem Film, durch sein hohes Tempo und seine sympathischen Figuren stets unterhaltsam zu bleiben.

Der eigentliche Star des Films ist die Dynamik innerhalb der titelgebenden Gruppe. Jeder der vier Ex-Killer besitzt eine eigene Persönlichkeit, eigene Macken und einen individuellen Kampfstil. Dadurch entsteht eine lockere Teamchemie, die stark an moderne Actionkomödien erinnert. Die Dialoge sind oft bewusst überdreht, funktionieren aber erstaunlich gut und verleihen den Figuren mehr Persönlichkeit als man in vielen vergleichbaren Produktionen findet. Natürlich wäre ein Timo-Tjahjanto-Film ohne Action nicht komplett. Auch wenn "The Big 4" insgesamt deutlich humorvoller ausfällt als "The Night Comes For Us", bleibt die Action auf einem beeindruckenden Niveau. Die Kampfszenen sind dynamisch, kreativ und erfreulich übersichtlich inszeniert. Besonders positiv fällt auf, dass die Choreografien trotz des komödiantischen Tons niemals zur Parodie werden. Die Kämpfe behalten ihre Intensität und sorgen regelmäßig für echte Highlights. Visuell zeigt sich erneut Tjahjantos Gespür für Stil. Die tropischen Schauplätze, farbenfrohen Kulissen und dynamischen Kamerabewegungen verleihen dem Film einen frischen Look, der sich angenehm von den oft grauen und düsteren Actionthrillern des Genres abhebt. Gleichzeitig sorgt die flotte Inszenierung dafür, dass kaum Leerlauf entsteht.

Allerdings erreicht "The Big 4" nicht den Wert seiner besten Arbeiten. Einige Figuren bleiben trotz ihrer sympathischen Darstellung eher oberflächlich, und manche humorvollen Einlagen treffen nicht immer ins Schwarze. Auch die Laufzeit von über zwei Stunden wirkt stellenweise etwas großzügig bemessen. Dennoch überwiegt der positive Eindruck. Der Film weiß genau, was er sein möchte: ein temporeiches Action-Abenteuer mit Humor, Herz und jeder Menge spektakulärer Prügeleien. Statt sich zu ernst zu nehmen, setzt "The Big 4" auf Spaß, Gruppendynamik und kreative Action - und fährt damit erstaunlich gut. Die Handlung bleibt zwar vorhersehbar und einige Längen sind nicht zu übersehen, doch die sympathischen Figuren, die gelungene Mischung aus Humor und Action sowie die hervorragend inszenierten Kampfszenen sorgen für kurzweilige Unterhaltung. Wer Spaß an überdrehten Actionkomödien mit ordentlich Tempo hat, wird hier bestens bedient.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Netflix/Frontier Pictures

The Shadow Strays - Codename 13 (2024)

https://www.imdb.com/de/title/tt28349451/

13 (Aurora Ribero) ist eine 17-Jährige mit mysteriöser Vergangenheit, die von einem Syndikat namens "The Shadow" von Kindesbeinen an zur Attentäterin ausgebildet wird. Als 13 bei einer Mission in Japan ein Fehler unterläuft, wird sie in die indonesische Hauptstadt Jakarta geschickt, wo über ihre weitere Zukunft entschieden werden soll. In den Slums der Metropole trifft sie per Zufall auf den 11-jährigen Monji (Ali Fikry), dessen Mutter vor kurzem von lokalen Gangstern ermordet wurde. Die beiden freunden sich an – doch dann ist Monji plötzlich spurlos verschwunden, entführt von denjenigen, die schon seine Mutter auf dem Gewissen haben. Wutentbrannt sucht 13 nach den Kidnappern und hinterlässt dabei eine Schneise der Verwüstung, was auch ihre Mentorin Umbra (Hana Malasan) und die anderen von "The Shadow" gegen sie aufbringt.

Wer in den vergangenen Jahren die Entwicklung des modernen Actionkinos verfolgt hat, kommt an Regisseur Timo Tjahjanto kaum vorbei. Spätestens seit seinem "The Night Comes For Us" gilt er als einer der kompromisslosesten Action-Regisseure der Gegenwart. Mit "The Shadow Strays" liefert er nun einen weiteren brachialen Beitrag zum Genre ab - größer, brutaler, blutiger, aber auch emotionaler als viele seiner bisherigen Arbeiten. Das Ergebnis ist ein Film, der den Actionfan in mir vollauf begeistert, auch wenn er ganz offensichtlich nicht ganz frei von erzählerischen Schwächen ist. Im Mittelpunkt steht die junge Auftragskillerin Codename 13 (Aurora Ribero), die nach einem missglückten Einsatz von ihrer geheimen Organisation suspendiert wird. Als sie den Jungen Monji kennenlernt und dieser in die Hände eines kriminellen Syndikats gerät, beginnt für sie ein blutiger Rachefeldzug gegen Gangster, Menschenhändler und schließlich ihre eigenen Auftraggeber. Die Handlung folgt dabei bekannten Genrepfaden, konzentriert sich aber stärker auf die menschliche Seite ihrer Protagonistin als man zunächst erwarten würde.

Die größte Stärke des Films sind (erwartungsgemäß) seine Actionsequenzen. Tjahjanto inszeniert Kämpfe nicht einfach nur als notwendige Handlungselemente, sondern als spektakuläre Choreografien voller Kreativität und Energie. Messer, Schusswaffen, improvisierte Gegenstände und pure Körperkraft kommen gleichermaßen zum Einsatz. Die Ideen, wie der nächste Gegner ausgeschaltet wird, und die kompromisslose Härte der Inszenierung sind absolut grandios. Besonders beeindruckend ist dabei Hauptdarstellerin Aurora Ribero. Obwohl sie keine klassische Martial-Arts-Vergangenheit mitbringt, trägt sie den Film mit bemerkenswerter Präsenz. Ihre Figur wirkt gleichermaßen verletzlich und gefährlich, was der Geschichte eine emotionale Grundlage verleiht. Ihre Entwicklung von einer gehorsamen Killerin zu einer eigenständig handelnden Figur verkörpert Ribero glaubwürdig und nachvollziehbar. Visuell präsentiert sich der Film ebenfalls stark. Die nächtlichen Straßen Jakartas, Neonlichter, Regen und dunkle Hinterhöfe erzeugen eine coole Atmosphäre, die stellenweise an moderne Neo-Noir-Thriller erinnert. Gleichzeitig bleibt die Kamera erstaunlich übersichtlich, selbst wenn Dutzende Gegner gleichzeitig durch die Gegend fliegen. Die Action wirkt deshalb nie chaotisch, sondern bleibt jederzeit überschaubar. 

Allerdings ist "The Shadow Strays" mit rund 145 Minuten Laufzeit schlicht zu lang. Einige Handlungsstränge und Actionsequenzen hätten durchaus gestrafft werden können und so manches Mal entsteht bei mir der Eindruck, dass Tjahjanto jede neue Idee hier unbedingt unterbringen wollte. Die Geschichte verliert dadurch im Mittelteil etwas an Fokus. Langweilig wird es trotzdem nie. Trotzdem bleibt die Handlung selbst letztlich eher funktional. Sie bietet nichts neues, erfüllt allerdings ihren Zweck, liefert emotionale Motivation und einige interessante Figurenmomente, erreicht aber nie die Komplexität oder Tiefe, die man von einem 145-minütigem Film durchaus erwarten könnte. Denkt man an "Brawl in Cell Block 99", der mit ebenso kompromissloser Härte vorgeht, hat man beispielhaft das erzäherlische Gegengewicht.

Doch am Ende weiß "The Shadow Strays" genau, was er sein möchte. Er will eben auch keine tiefgründige Charakterstudie oder raffinierte Thrillerhandlung erzählen. Stattdessen liefert er ein kompromissloses Actionfeuerwerk, das seine Stärken selbstbewusst ausspielt und dabei in keienr Minute langweilig wird. Als Vorbereitung auf "The Furious" harter war das Ding genau richtig und die Martial-Arts-Action gehört zweifellos zu den Highlights im asiatischen Actionkino: laut, sehr brutal, überdreht und oftmals spektakulär. Die Handlung bleibt zwar vergleichsweise simpel und die Laufzeit fällt zu großzügig aus, doch die herausragenden Kampfsequenzen, die starke Hauptdarstellerin und Timo Tjahjantos unverwechselbare Inszenierung machen den Film zu einem der sehenswertesten Actiontitel der letzten Jahre.

7,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Netflix/Frontier Pictures/XYZ Films

Freitag, 26. Juni 2026

The Night Comes For Us (2018)

https://www.imdb.com/title/tt6116856/

Ito (Joe Taslim), ein Elite-Vollstrecker, kehrt zu seinem heimischen Clan in Jakarta zurück, nachdem er einige Zeit bei den berüchtigten South East Asia Triaden verbracht hat. Was er vorfindet, ist eine Welt voller Verrat und Chaos - als die Banden mit einer blutigen Kampagne versuchen, ihren Einflussbereich zu vergrößern...

Wenn über moderne Actionfilme gesprochen wird, fallen oft dieselben Titel. Doch wer glaubt, nach den "John Wick"-Filmen oder "The Raid" bereits alles gesehen zu haben, sollte einen Blick auf "The Night Comes for Us" werfen. Regisseur Timo Tjahjanto liefert hier ein kompromissloses Actionfeuerwerk ab, das sich kaum um Konventionen schert und stattdessen voll auf spektakuläre Kampfchoreografien, intensive Atmosphäre und gnadenlose Härte setzt. Das Ergebnis ist ein Film, der für Fans des Action-Genres  zu den absoluten Highlightszählen dürfte. Allein die kreative Inszenierung und die außergewöhnlich hohe Qualität der Actionsequenzen reißen einen vollends mit und lassen "The Night Comes For Us" an keiner Sekunde auch nur kurz langweilig werden. Für mich einer der besten asiatischen Actioner.

Die Geschichte beginnt mit Ito (Joe Taslim), einem Elite-Vollstrecker der berüchtigten Triaden-Organisation South East Asian Six Seas. Während eines brutalen Einsatzes entscheidet er sich gegen die Befehle seiner Auftraggeber und rettet ein junges Mädchen vor einem Massaker. Damit macht er sich selbst zur Zielscheibe. Plötzlich wird der einst gefürchtete Killer von seinen ehemaligen Verbündeten gejagt, während eine ganze Armee von Auftragsmördern auf ihn angesetzt wird. Man sieht: die Handlung ist bewusst simpel aber ansprechend geradlinig gehalten. Verrat, Loyalität, Schuld und Erlösung bilden das emotionale Fundament, doch man kann kaum behaupten, dass die Geschichte die größte Stärke des Films sei. Das muss sie allerdings auch nicht sein. Tjahjanto weiß offenbar sehr genau, weshalb die Zuschauer Filme wie diesen einschalten - und liefert genau das in beeindruckender Qualität: Action, bei der man die Augen aufreißt und einem die Kinnlade herunterklappt.

Schon die erste größere Actionsequenz macht deutlich, dass hier keine Kompromisse gemacht werden. Messer, Macheten, Drähte, Schusswaffen, Billardkugeln oder schlicht die eigenen Fäuste – nahezu alles wird zur Waffe. Die Kämpfe sind außergewöhnlich kreativ choreografiert und gleichzeitig erstaunlich übersichtlich gefilmt. Während viele moderne Actionfilme ihre Schläge hinter hektischen Schnitten verstecken, lässt "The Night Comes For Us" seine Darsteller tatsächlich arbeiten. Das Ergebnis sind Kämpfe, die roh, intensiv und körperlich spürbar wirken - und das macht den Film zu einem der brutalsten Actionfilme der letzten Jahre. Rein vom Gewaltlevel her stellt er sogar "The Raid" in den Schatten.

Aber auch die Besetzung ist ein wesentlicher Grund dafür. Joe Taslim bringt als Ito genau die Mischung aus physischer Präsenz und stiller Melancholie mit, die seine Figur benötigt. Noch stärker ist allerdings das Ensemble um ihn herum. Besonders Iko Uwais, bekannt aus "The Raid", sorgt in seiner Nebenrolle für einige der besten Szenen des Films. Hinzu kommen Julie Estelle, Sunny Pang und Zack Lee, die durch die Bank weg beweisen, warum Indonesien inzwischen als eines der spannendsten Zentren des modernen Actionkinos gilt. Beeindruckend ist außerdem, wie der Film seine Gewalt inszeniert. Sie dient nicht bloß als Selbstzweck, sondern vermittelt die Konsequenzen der Entscheidungen seiner Figuren. Die Kämpfe wirken schmerzhaft, chaotisch und erschöpfend. Jeder Treffer hat Gewicht, jede Verletzung hinterlässt Spuren. Dadurch entsteht eine Intensität, die den erfahrenen Actionfan in mir überrascht hat.

Die größte Schwachpunkt des Film ist, wie zu erwarten, seine Handlung. Diese verliert sich im Mittelteil gelegentlich etwas zwischen den zahlreichen Figuren und Fraktionen und man merkt deutlich, dass der Streifen narrativ nicht vollends mit seiner visuellen Wucht mithalten kann. Dennoch überwiegen die Stärken deutlich. Besonders die Atmosphäre des kriminellen Untergrunds von Jakarta, die düsteren Bilder und die fast schon apokalyptische Grundstimmung verleihen dem Film eine eigene Identität. Tjahjanto inszeniert keine glamouröse Actionwelt, sondern ein brutales Universum, in dem Gewalt immer nur neue, blutigere Gewalt hervorbringt. 

Für Fans von Action und brutaler Inszenierung ist "The Night Comes For Us" genau richtig. Er ist ein wuchtiger, kompromissloser und beeindruckend inszenierter Actionfilm, der einen von der ersten bis zur letzten Minute mitreißt. Die Handlung bleibt zwar relativ simpel und die extreme Gewalt dürfte nicht jedermanns Sache sein, doch die herausragenden Kampfsequenzen, das starke Ensemble und die düstere Atmosphäre machen den Film zu einem der besten Actionbeiträge der letzten Jahre. Für Genrefans ist er nahezu Pflichtprogramm.

7,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkNetflix/Screenplay Infinite Films/XYZ Films

Donnerstag, 25. Juni 2026

Village Of The Damned - Das Dorf der Verdammten (1995)

https://www.imdb.com/de/title/tt0114852/

Während die Bewohner der abgelegenen Kleinstadt Midwich ein Jubiläum feiern, wird das Dorf von einer unheimlichen Macht heimgesucht: Sämtliche Einwohner und Tiere fallen für exakt sechs Stunden in tiefe Ohnmacht. Wenige Wochen nach dem unerklärlichen Ereignis, stellt der Arzt Dr. Alan Chaffee (Christopher Reeve) fest, dass zehn Frauen aus der Gemeinde an diesem Tag eine Empfängnis hatten - darunter auch seine eigene Ehefrau Barbara (Karen Kahn). Neun Monate später werden die Kinder geboren. Sie haben eine große Ähnlichkeit und wachsen ungewöhnlich schnell heran. Bald wird die Gemeinde von einer Reihe rätselhafter Vorkommnisse aufgerüttelt: Zuerst stürzt sich Barbara von einer Klippe in den Tod, dann erblindet die örtliche Augenärztin unter mysteriösen Umständen. Bei seinen Untersuchungen kommt Dr. Chaffee einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur...

Als John Carpenter 1995 seine Neuverfilmung von "Das Dorf der Verdammten" veröffentlichte, waren die Erwartungen entsprechend hoch. Der Regisseur hatte mit Klassikern wie "Halloween", "The Thing" und "They Live" bewiesen, dass er Spannung, Horror und gesellschaftliche Untertöne meisterhaft miteinander verbinden konnte. Seine Neuinterpretation des gleichnamigen britischen Science-Fiction-Klassikers von 1960 bot erneut eine faszinierende Prämisse, erreichte jedoch nicht ganz die Wirkung seiner besten Arbeiten. Die Handlung spielt in der kleinen Küstenstadt Midwich in Kalifornien. Eines Tages fallen sämtliche Bewohner für mehrere Stunden plötzlich in Ohnmacht. Niemand kann erklären, was geschehen ist. Wenige Wochen später stellt sich heraus, dass zahlreiche Frauen der Gemeinde schwanger sind - unabhängig von Alter, Lebenssituation oder vorherigen Umständen. Die Kinder, die schließlich geboren werden, wirken zunächst normal, entwickeln jedoch schon bald außergewöhnliche Fähigkeiten und ein beunruhigendes kollektives Bewusstsein. Während die Einwohner versuchen zu verstehen, was mit ihren Kindern geschieht, wächst die Erkenntnis, dass von ihnen eine zunehmende Gefahr ausgeht. Bereits diese Ausgangssituation gehört zu den größten Stärken des Films. Die Vorstellung einer ganzen Generation von Kindern, die äußerlich menschlich erscheinen, aber emotional und geistig fremd sind, besitzt eine nachhaltige Unheimlichkeit. Carpenter versteht es besonders in der ersten Hälfte, aus dieser Idee eine Atmosphäre schleichender Bedrohung zu erzeugen. Die ruhigen Straßen der Kleinstadt, die scheinbare Normalität des Alltags und die zunehmend verstörenden Verhaltensweisen der Kinder sorgen für ein konstantes Gefühl des Unbehagens.

Auch die Besetzung trägt erheblich dazu bei. Christopher Reeve überzeugt als Arzt Dr. Alan Chaffee, der versucht, die Vorgänge rational zu erklären und dabei zunehmend mit moralischen Fragen konfrontiert wird. Reeve verleiht der Figur Glaubwürdigkeit und Menschlichkeit, was dem Film insbesondere in seinen ruhigeren Momenten zugutekommt. Unterstützt wird er von Kirstie Alley als Wissenschaftlerin Dr. Susan Verner, die eine deutlich pragmatischere Sicht auf die Ereignisse vertritt. Das Zusammenspiel der beiden Figuren verleiht der Geschichte eine interessante Dynamik zwischen wissenschaftlicher Neugier und menschlicher Verantwortung. Visuell setzt Carpenter auf eine eher zurückhaltende Inszenierung. Mit vergleichsweise einfachen Mitteln erzeugt der Film ein wirkungsvolles Gefühl der Bedrohung und statt spektakulärer Effekte stehen Atmosphäre und Spannung im Vordergrund. Besonders die Kinder selbst sorgen mit ihren blassen Haaren, den ausdruckslosen Gesichtern und den leuchtenden Augen für einige der eindrucksvollsten Bilder des Films. Dennoch offenbaren sich im Verlauf der Handlung einige Schwächen. Während die Prämisse faszinierend bleibt, entwickelt sich die Geschichte nicht immer so spannend, wie sie könnte. Der Mittelteil verliert stellenweise an Tempo, und manche Figuren bleiben überraschend oberflächlich. Zudem erreicht die emotionale Wirkung der Konflikte nicht immer die Intensität, die das Thema eigentlich ermöglichen würde und auch das Finale hinterlässt einen etwas zwiespältigen Eindruck. Zwar greift es die zentralen Themen des Films konsequent auf, doch die Auflösung wirkt weniger kraftvoll als der vielversprechende Aufbau. Gerade im Vergleich zu Carpenters stärksten Werken fehlt jener letzte Funke, der einen guten Horrorfilm zu einem unvergesslichen Erlebnis macht.

Trotzdem besitzt "Das Dorf der Verdammten" Qualitäten, die ihn über durchschnittliche Genrekost hinausheben. Die Mischung aus Science-Fiction, Horror und psychologischem Drama funktioniert über weite Strecken gut, und die zentrale Idee hat bis heute nichts von ihrer Wirkung verloren. Zudem profitiert der Film von Carpenters sicherer Regie, die selbst schwächere Passagen stets professionell und atmosphärisch inszeniert. Als atmosphärischer Science-Fiction-Horrorfilm mit einer starken Grundidee, überzeugenden Hauptdarstellern und einigen nachhaltig verstörenden Momenten punktet er als ein etwas überdurchschnittlicher Horrorthriller. Die erzählerischen Schwächen und das etwas unspektakuläre Finale verhindern zwar eine höhere Bewertung, doch als intelligente und ungewöhnliche Genreunterhaltung bleibt der Film auch heute noch sehenswert.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkUniversal Pictures/Alphaville Films

Mittwoch, 24. Juni 2026

火遮眼 - Huo zhe yan - The Furious (2025)

https://www.imdb.com/title/tt33311069/

Als die Tochter (Enyou Yang) eines einfachen Handwerkers (Miao Xie) auf offener Straße entführt wird, muss der Vater sich durch ein komplexes Netz von Kriminellen kämpfen, um sie zurückzugewinnen – koste es, was es wolle. Als sein einziger Verbündeter entpuppt sich ein Journalist (Joe Taslim). Obwohl die beiden Männer sehr gegensätzlich sind, müssen sie lernen, sich zu vertrauen und zusammenzuarbeiten. Und sie brauchen die Kampffähigkeiten aus ihren lange versteckten Vergangenheiten...

In einer Zeit, in der viele Actionfilme ihre spektakulärsten Momente digitalen Effekten überlassen, wirkt der chinesische "The Furious" wie ein wuchtiger Gegenentwurf. Regisseur Kenji Tanigaki, der sich als Stuntkoordinator und Actionchoreograf bereits einen exzellenten Ruf erarbeitet hat, liefert mit diesem Martial-Arts-Thriller einen Film ab, der vor allem eines sein will: ein Fest für Liebhaber handgemachter Action. Und genau darin liegt seine größte Stärke. Die Handlung ist bewusst einfach gehalten und nun wirklich nicht gerade eine Innovation. Der stumme Arbeiter Wang Wei (Xie Miao) führt ein bescheidenes Leben mit seiner Tochter, bis diese von einer kriminellen Organisation entführt wird. Als die Behörden versagen und die Polizei tief in Korruption verstrickt scheint, nimmt Wang die Verfolgung selbst auf. Unterstützung erhält er von dem Journalisten Navin (Joe Taslim), dessen eigene Suche nach seiner verschwundenen Ehefrau ihn auf dieselbe Spur geführt hat. Gemeinsam geraten sie in einen brutalen Krieg gegen Menschenhändler, Auftragskiller und ein weit verzweigtes Verbrechernetzwerk. Wer bei dieser Inhaltsangabe an "Taken", "John Wick" oder "The Raid" denkt, liegt daher nicht völlig falsch. Tatsächlich bewegt sich "The Furious" erzählerisch auf vertrautem Terrain. Die Geschichte bietet nur wenige Überraschungen und folgt den bekannten Mustern des Rachethrillers. Doch Tanigaki weiß genau, dass die Handlung hier nicht der eigentliche Star ist. Sie dient als Fundament für eine Reihe von Actionsequenzen, die zu den beeindruckendsten gehören, die das Genre in den letzten Jahren hervorgebracht hat. 

Schon die ersten größeren Auseinandersetzungen machen deutlich, worauf der Film hinauswill. Die Kämpfe sind nicht nur präzise choreografiert, sondern besitzen eine kreative Dynamik, die man im modernen Actionkino selten sieht. Fahrräder, Motorräder, enge Korridore und improvisierte Waffen werden nahtlos in die Choreografie integriert. Die Kamera bleibt dabei erfreulich nah am Geschehen, ohne die Übersicht zu verlieren. Statt hektischer Schnitte setzt Tanigaki auf lange Einstellungen und klar erkennbare Bewegungsabläufe, wodurch jede Aktion ihre volle Wirkung entfalten kann. Die Kampfsequenzen sind regelrechte Meisterklasse in der modernen Martial-Arts-Inszenierung. Besonders beeindruckend ist die körperliche Leistung des Ensembles. Xie Miao überzeugt als wortkarger Protagonist, dessen Entschlossenheit in jeder Bewegung spürbar wird. Joe Taslim bringt seine bekannte Mischung aus Athletik und Leinwandpräsenz ein, während Genregrößen wie Yayan Ruhian zusätzliche Klasse in die ohnehin hochkarätigen Kampfszenen bringen. Die Figuren bleiben zwar eher funktional als tiefgründig, doch die Darsteller verleihen ihnen genügend Persönlichkeit, um emotional investiert zu bleiben.

Ganz frei von Schwächen ist der Film allerdings nicht. Dialoge und Handlung bleiben oftmals deutlich hinter der Qualität der Action zurück, manche Wendungen wirken konstruiert, einige Nebenfiguren bleiben blass, und das Drehbuch verlässt sich häufig darauf, dass die nächste spektakuläre Prügelei bereits vor der Tür steht. Tatsächlich gibt es Momente, in denen "The Furious" eher wie eine lose Aneinanderreihung herausragender Actionsequenzen wirkt als wie ein vollständig ausgereifter Thriller. Dennoch fällt es schwer, dem Film diese Schwächen nachhaltig übelzunehmen. Zu mitreißend ist sein Tempo, zu kreativ seine Inszenierung und zu offensichtlich die Leidenschaft, mit der hier gearbeitet wurde. "The Furious" kann man also getrost als den besten Martial-Arts-Film seit den "The Raid"-Filmen loben und insbesondere die Kombination aus klassischer Hongkong-Action und moderner Härte ist ein selten gewordenes Beispiel für kompromissloses Actionkino. 

Letztlich ist "The Furious" aber auch kein Film, den man wegen seiner komplexen Geschichte oder tiefgründigen Charakterentwicklung in Erinnerung behalten wird. Seine Stärke liegt vielmehr in der nahezu perfekten Beherrschung seines eigentlichen Handwerks. Wenn Fäuste fliegen, Körper dumpf aufschlagen, Knochen brechen und Gegner durch Wände geschleudert werden, erreicht der Film ein Niveau, das nur wenige aktuelle Produktionen bieten können. "The Furious" ist ein energiegeladener, kompromissloser Martial-Arts-Thriller, der die Kunst der Action ins Zentrum stellt. Die Handlung bleibt zwar konventionell und das Drehbuch hat erkennbare Schwächen, doch die spektakulären Kampfsequenzen, die starke Besetzung und die beeindruckende Regie machen den Film zu einem der bemerkenswertesten Actiontitel des Jahres. Für Liebhaber handgemachter Action ist er ohne Umschweife absolutes Pflichtprogramm. 

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkEdko Films/XYZ Films/Zhejiang Hengdian Film Production/Lionsgate

Backrooms (2026)

https://www.imdb.com/title/tt26657236/

Clark (Chiwetel Ejiofor) ist Eigentümer und Geschäftsführer eines heruntergekommenen Möbelgeschäfts, seit seiner Scheidung wohnt er außerdem dort. Eines Tages entdeckt er im Keller des Ladens eine unsichtbare Tür, hinter der sich ein endloses Labyrinth seltsamer Räume befindet. Mit der Zeit steigert er sich immer mehr in seine Besessenheit rein und möchte unbedingt das Geheimnis der verborgenen Räume lüften. Letztendlich vertraut er sich seiner Psychotherapeutin Dr. Mary Kline (Renate Reinsve) an und berichtet ihr von den Mysterien des unerklärlichen Raumes. Als diese ihm zunächst nicht glaubt, begibt sich Clark zusammen mit seinen Angestellten Kat (Lukita Maxwell) und Bobby (Finn Bennett), sowie einer Videokamera, in die Räume, um Beweise zu sammeln. Da er jedoch nie wieder zurückkehrt, macht sich Mary letztendlich selbst auf den Weg in die unbekannte Welt hinter der verborgenen Tür.

Nur wenige Horrorfilme der letzten Jahre waren mit einer derart ungewöhnlichen Entstehungsgeschichte verbunden wie "The Backrooms". Was als virale YouTube-Serie des damals erst 16-jährigen Kane Parsons begann, entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zu einem weltweiten Phänomen. Mit seiner ersten Spielfilmregie stand Parsons nun vor der schwierigen Aufgabe, ein Konzept, das ursprünglich von Atmosphäre und Andeutungen lebte, auf Spielfilmlänge auszudehnen. Überraschenderweise gelingt ihm dieses Kunststück über weite Strecken beeindruckend gut. Das Ergebnis ist ein ebenso verstörender wie faszinierender Horrorfilm, der zwar nicht frei von Schwächen ist, aber eindrucksvoll beweist, dass aus Internetkultur ernstzunehmendes Kino entstehen kann.

Die Geschichte folgt dem Möbelhausbesitzer Clark (Chiwetel Ejiofor), der auf ein unerklärliches Portal stößt, das in die sogenannten Backrooms führt - ein endloses Labyrinth aus gelb beleuchteten Fluren, verlassenen Büroräumen und architektonischen Albträumen, die jeder Logik trotzen. Parallel begleitet der Film die Therapeutin Mary (Renate Reinsve), deren Schicksal zunehmend mit dieser surrealen Parallelwelt verknüpft wird. Was zunächst wie ein klassischer Mystery-Horrorfilm beginnt, entwickelt sich zunehmend zu einer psychologischen Reise durch Erinnerungen, Traumata und die Zerbrechlichkeit der Realität. Die größte Stärke von "The Backrooms" ist zweifellos seine Atmosphäre. Parsons versteht besser als jeder andere Filmemacher, warum das ursprüngliche Konzept Millionen Menschen faszinierte. Die Backrooms sind nicht einfach nur ein Ort, sondern ein Gefühl - die verstörende Vertrautheit eines Raumes, der fast normal erscheint und gerade deshalb beunruhigt. Das Produktionsdesign und die visuelle Umsetzung dieser albtraumhaften Welt, die sterile Beleuchtung, das monotone Brummen der Neonröhren und die scheinbar endlosen Korridore erzeugen eine Form von Unbehagen, die sich tief unter die Haut schleicht.

Auch schauspielerisch überrascht der Film positiv. Chiwetel Ejiofor verleiht Clark eine glaubwürdige Mischung aus Verzweiflung, Neugier und Angst, während Renate Reinsve die emotional komplexere Rolle übernimmt. Beide Figuren fungieren weniger als klassische Horrorfilmhelden und mehr als emotionale Ankerpunkte in einer Geschichte, die bewusst mit Unsicherheit und Mehrdeutigkeit arbeitet. Viele Kritiken hoben hervor, dass gerade die ernsthaften Darstellungen verhindern, dass die Geschichte zu einer bloßen Aneinanderreihung surrealer Bilder verkommt. Besonders bemerkenswert ist die visuelle Reife von Parsons' Regiearbeit. Obwohl dies sein Spielfilmdebüt ist, zeigt er ein erstaunliches Gespür für Bildkomposition, Rhythmus und Spannung. Immer wieder entstehen Szenen, die weniger wie traditionelle Horrorsequenzen wirken als wie bewegte surrealistische Gemälde - eine Art Neudefinition dessen, was moderner Konzept-Horror leisten kann. 

Ganz ohne Probleme kommt der Film allerdings nicht aus. Das ursprüngliche Konzept als Kurzform funktionierte möglicherweise stärker als über eine Laufzeit von fast zwei Stunden. Tatsächlich verliert die Handlung im Mittelteil gelegentlich an Fokus, und manche Figuren bleiben etwas zu skizzenhaft. Auch die Entscheidung, die Mythologie der Backrooms stärker zu erklären, nimmt etwas von der Mystik. Ein Teil der ursprünglichen Faszination beruhte gerade auf dem Geheimnisvollen und Unerklärlichen. Dennoch überwiegt der positive Eindruck. Die einzigartige Atmosphäre, die ambitionierte Inszenierung und Parsons' bemerkenswertes Talent als Regisseur sind hervorragend. Und letztlich ist "The Backrooms" weit mehr als eine bloße Verfilmung eines Internet-Memes. Es ist ein ungewöhnlicher, mutiger und oftmals erschreckend wirkungsvoller Horrorfilm, der die Angst vor dem Vertrauten in eindrucksvolle Bilder übersetzt. Nicht jede erzählerische Entscheidung funktioniert vollständig, doch die kreative Vision dahinter ist jederzeit spürbar. Damit gehört "The Backrooms" sicherlich zu den originellsten Horrorfilmen des Jahres 2026, vielleicht sogar der letzten Jahre. Kane Parsons gelingt der seltene Sprung vom Internetphänomen zum ernstzunehmenden Filmemacher, ähnlich wie schon Curry Barker mit "Obsession", indem er aus einem simplen Konzept ein atmosphärisch dichtes, visuell beeindruckendes und nachhaltig verstörendes Kinoerlebnis erschafft. Kleine erzählerische Schwächen verhindern die Höchstwertung, ändern aber nichts daran, dass hier eine bemerkenswerte neue Stimme des Horrorfilms zu entdecken ist.

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkAtomic Monster/21 Laps Entertainment/A24/Phobos/The North Road Company

Dienstag, 23. Juni 2026

Safe House (2012)

https://www.imdb.com/title/tt1599348/

Der junge US-Geheimagent Matt Weston (Ryan Reynolds) wurde engagiert, um in einem Safe House in Kapstadt (Südafrika) auf den gefassten Schwerkriminellen Tobin Frost (Denzel Washington) Acht zu geben, der als Ex-Agent die CIA hintergangen hat. Doch eine Gruppe Bösewichter hat es auf Frost abgesehen und wünscht sich nichts sehnlicher als dessen Tod. Als sie den eigentlich geheimen CIA-Unterschlupf zerstören, muss Weston den Verbrecher an einen anderen sicheren Ort bringen und dafür mit ihm kooperieren. Doch woher wussten die Terroristen, wo sich das Safe House befindet? Vieles deutet daraufhin, dass es in den Reihen der CIA eine undichte Stellte gibt.

Mit "Safe House" lieferte Regisseur Daniel Espinosa im Jahr 2012 einen Spionagethriller ab, der klassische Agentenfilm-Elemente mit der hektischen Intensität moderner Actionproduktionen verbindet. Unterstützt von einem hochkarätigen Hauptdarstellerduo aus Denzel Washington und Ryan Reynolds entstand ein Film, der sein Publikum über weite Strecken fesselt, ohne das Genre jedoch nachhaltig neu zu definieren. Das Ergebnis ist ein spannender, gut gespielter Thriller, dessen größte Stärke zugleich seine größte Schwäche offenbart: Er verlässt sich stark auf Bewährtes. Die größte Attraktion des Films ist zweifellos Denzel Washington. Als undurchsichtiger Tobin Frost dominiert er nahezu jede Szene, in der er auftritt. Washington verleiht der Figur eine Mischung aus Charisma, Intelligenz und latenter Bedrohlichkeit, die den Zuschauer permanent im Unklaren darüber lässt, welche Absichten Frost tatsächlich verfolgt. Ryan Reynolds überzeugt ebenfalls in einer vergleichsweise ungewohnten Rolle. Statt auf seinen bekannten Humor setzt er hier auf Ernsthaftigkeit und spielt glaubwürdig den ehrgeizigen Agenten, der zwischen Pflichtbewusstsein, Überlebensinstinkt und moralischen Zweifeln hin- und hergerissen wird. Die Dynamik zwischen Reynolds und Washington entwickelt sich zum emotionalen Kern des Films und sorgt dafür, dass selbst ruhigere Szenen Spannung erzeugen. 

Actionfans kommen ebenfalls auf ihre Kosten. Verfolgungsjagden durch die Straßen Kapstadts, Schießereien und Nahkämpfe werden mit hoher Intensität inszeniert. Espinosa setzt dabei auf einen rauen, dokumentarisch anmutenden Stil, der dem Film eine unmittelbare Energie verleiht. Gerade in den Actionszenen entsteht ein spürbarer Druck, der die Bedrohung glaubhaft vermittelt. Doch die oft stark bewegte Kamera und die schnelle Schnittfolge erschweren gelegentlich die Übersicht und lassen manche Sequenzen unnötig hektisch wirken. Inhaltlich bewegt sich "Safe House" hingegen auf vertrautem Terrain. Die Themen Korruption, Loyalität und Machtmissbrauch innerhalb von Geheimdiensten sind keineswegs neu, und viele Wendungen lassen sich relativ früh erahnen. Das Drehbuch bietet zwar genügend Spannung, um das Interesse aufrechtzuerhalten, erreicht jedoch selten die Komplexität oder Raffinesse der besten Vertreter des Genres. Dennoch gelingt es "Safe House", durchgehend zu unterhalten. Die Handlung entwickelt sich mit hohem Tempo, die Schauplätze sorgen für Abwechslung, und die Beziehung zwischen Weston und Frost verleiht der Geschichte eine zusätzliche Ebene, die über reine Action hinausgeht. Besonders gelungen ist dabei die Frage, ob Integrität innerhalb eines Systems möglich ist, das selbst von Misstrauen und Geheimnissen geprägt wird.

Letztlich ist "Safe House" kein Spionageklassiker auf Augenhöhe mit den besten Werken des Genres, aber ein handwerklich souveräner Thriller, der genau weiß, wie er sein Publikum bei der Stange hält. Dank Denzel Washingtons magnetischer Performance und einer konstant hohen Spannung bleibt der Film deutlich länger in Erinnerung als viele vergleichbare Produktionen.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkUniversal Pictures/Relativity Media/Bluegrass Films/dentsu