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Bei einer Teufelsaustreibungs-Schulung im Vatikan trifft Skeptiker Michael Kovak (Colin O’Donoghue) auf Pater Lucas Trevant (Anthony Hopkins), der eine ganz eigene Sicht der spirituellen Dinge vertritt. Obwohl Kovak zunächst kritisch auftritt, wird sein Weltbild von Trevant erfolgreich ins Wanken gebracht. Der erste Fall lässt nicht lange auf sich warten und stellt das ungleiche Duo auf die härteste Glaubensprobe ihres Lebens. Michael wohnt der von Trevant vollzogenen Dämonen-Austreibung einer Sechzehnjährigen (Marta Gastini) bei und zweifelt mit jeder Sitzung mehr an seinen rationalen Überzeugungen...
Exorzismusfilme müssen zwangsläufig den Vergleich mit William Friedkins "Der Exorzist" bestehen - einem Genreklassiker, dessen Einfluss bis heute ungebrochen ist. "The Rite" schlägt dabei einen etwas anderen Weg ein. Regisseur Mikael Håfström interessiert sich zunächst weniger für Schockmomente als für den Konflikt zwischen Glauben und Rationalität. Die Ausgangsidee, basierend auf den Erfahrungen des amerikanischen Priesters Gary Thomas, der am Vatikan eine Ausbildung zum Exorzisten absolvierte, verleiht dem Film zunächst eine ungewohnte Ernsthaftigkeit. Leider gelingt es ihm nur teilweise, dieses Potenzial auszuschöpfen. Immerhin dominiert Anthony Hopkins charismatische Präsenz nahezu jede Szene und verleiht seinem Pater Lucas eine faszinierende Mischung aus Gelassenheit, Exzentrik und innerer Zerrissenheit. Auch die stimmungsvolle Inszenierung des Vatikans und seiner historischen Schauplätze trägt viel zur Atmosphäre bei. Die düsteren Kirchen, Bibliotheken und Gassen Roms erzeugen eine glaubwürdige Kulisse, die dem Film mehr Gewicht verleiht als vielen vergleichbaren Genrevertretern.
Gerade in der ersten Hälfte funktioniert "The Rite" deshalb überraschend gut. Statt auf permanente Schockeffekte zu setzen, entwickelt der Film seine Spannung langsam und stellt immer wieder die Frage, ob psychische Erkrankungen und religiöser Glaube tatsächlich klar voneinander zu trennen sind. Diese Ambivalenz gehört zu den interessantesten Aspekten des Films. Mit zunehmender Laufzeit verliert "The Rite" jedoch an Eigenständigkeit. Aus dem zunächst ruhigen Psychodrama wird immer mehr ein klassischer Exorzismusfilm, der sich auf bekannte Genreklischees verlässt. Verzerrte Stimmen, verrenkte Körper und die üblichen Dämoneneffekte ersetzen nach und nach die zuvor aufgebaute psychologische Spannung. Der vielversprechende Ansatz wird im letzten Drittel zugunsten konventioneller Horrormechanismen aufgegeben. Auch Colin O'Donoghue bleibt als Hauptfigur vergleichsweise blass, wodurch die emotionale Fallhöhe geringer ausfällt als erhofft. Dabei inszeniert Håfström routiniert, die Kameraarbeit unterstützt die bedrückende Stimmung und der Soundtrack setzt wirkungsvolle Akzente, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Wirklich erschreckend ist der Film allerdings nur selten. Statt nachhaltigem Grauen dominiert eine permanente, aber etwas gleichförmige Beklemmung, die nie ganz die Intensität erreicht, die Genreklassiker wie "Der Exorzist", "Der Exorzismus von Emily Rose" oder "The Conjuring" entfalten. Der ernste Blick auf Glauben, Zweifel und Exorzismus hebt den Film zunächst angenehm vom Genre-Einerlei ab, bevor er sich im letzten Drittel zunehmend den bekannten Konventionen unterordnet. So bleibt ein solide inszenierter, aber letztlich nur durchschnittlicher Beitrag zum Exorzismus-Genre, dessen größte Stärke eindeutig seine Hauptrolle ist.


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