Samstag, 4. Juli 2026

Over Your Dead Body (2026)

https://www.imdb.com/title/tt34685692/

Die Beziehung des Pärchens Dan und Lisa (Jason Segel und Samara Weaving) hat die beste Zeit längst hinter sich. Um angeblich wieder zusammenzufinden, unternehmen die beiden einen Trip in eine abgelegene Hütte. Doch in Wahrheit hegen sie den Plan, den jeweils anderen umzubringen. Ein blutiges Chaos ist vorprogrammiert...

Es gibt Filme, die ihre absurde Prämisse sofort offen auf den Tisch legen und das Publikum eigentlich nur zu fragen scheinen, ob sie bereit sind, hier mitzugehen. "Over Your Dead Body", die US-amerikanische Neuverfilmung der norwegischen Komödie "The Trip: Ein Mörderisches Wochenende" aus dem Jahr 2021, gehört genau in diese Kategorie. Regisseur Jorma Taccone, bekannt für seinen Hang zu schrägem Humor, kombiniert hier eine rabenschwarze Ehekomödie mit Thriller-, Horror- und Actionelementen. Jedoch haben Remakes internationaler Genrefilme oft ein großes Problem: Sie übernehmen die Handlung nahezu unverändert, verlieren dabei aber jene Eigenheiten, die das Original besonders gemacht haben. Bei Over Your Dead Body liegt die Messlatte zusätzlich hoch, denn die Vorlage, Tommy Wirkola's norwegische schwarze Komödie "The Trip", genießt unter Genrefans mittlerweile Kultstatus. Das Original überzeugte mit rabenschwarzem Humor, kompromissloser Gewalt und einer herrlich gemeinen Sicht auf eine völlig zerstörte Ehe. Die amerikanische Neuverfilmung von Regisseur Jorma Taccone übernimmt viele dieser Zutaten - erreicht aber nicht ganz die Schärfe ihres Vorbilds. Die Ausgangslage bleibt daher weitgehend identisch und wer das Original kennt, wird schnell feststellen, wie eng sich die Neuverfilmung an die Vorlage hält. Viele Szenen, Wendungen und Dialogsituationen wurden nahezu direkt übernommen. Das ist einerseits positiv, weil die Grundidee von "The Trip" bereits hervorragend funktionierte. Andererseits entsteht dadurch gelegentlich der Eindruck, dass "Over Your Dead Body" nur selten eine eigene Identität entwickelt. Das Ergebnis ist ein unterhaltsamer, stellenweise urkomischer und erfreulich blutiger Genremix, der jedoch nicht immer die Balance zwischen seinen verschiedenen Tonlagen findet. 

Wo das Remake allerdings punktet, ist bei seiner Besetzung. Jason Segel und Samara Weaving tragen den Film mit sichtbarer Spielfreude. Gerade die ersten 30 bis 40 Minuten gehören zu den stärksten des gesamten Films. Die verbalen Scharmützel zwischen Dan und Lisa sind bissig, witzig und manchmal unangenehm ehrlich. Man spürt, dass diese Ehe längst nicht mehr zu retten ist. Segel spielt seinen gescheiterten Filmemacher mit einer Mischung aus Frustration und Selbstmitleid, während Weaving erneut beweist, warum sie sich in den letzten Jahren als feste Größe im Genrebereich etabliert hat. Ihre Chemie sorgt dafür, dass selbst die absurdesten Situationen funktionieren. Auch handwerklich gibt es wenig zu beanstanden. Taccone inszeniert die Geschichte flott und nutzt die Mischung aus schwarzem Humor und expliziter Gewalt effektiv aus. Die praktischen Effekte sind gelungen, die Action bleibt übersichtlich und die zahlreichen Verletzungen bewegen sich bewusst im Bereich des grotesken schwarzen Humors. Trotzdem zeigt sich genau hier der größte Unterschied zum norwegischen Original. "The Trip" wirkte oftmals überraschend böse, unberechenbar und herrlich unangepasst. Die amerikanische Version ist zwar ebenfalls brutal, wirkt aber insgesamt etwas glatter und zugänglicher. Einige der unangenehmen Spitzen und der kompromisslose Zynismus der Vorlage wurden abgeschwächt oder stärker auf Unterhaltung getrimmt. Dadurch verliert die Geschichte ein Stück ihrer ursprünglichen Schärfe. Hinzu kommt, dass der Film nach seinem starken Auftakt etwas an Schwung verliert. Sobald die zusätzlichen Gegenspieler ins Spiel kommen, verschiebt sich der Fokus von der dysfunktionalen Ehe hin zu einem eher klassischen Home-Invasion- und Survival-Szenario. Das bleibt unterhaltsam, erreicht aber nicht mehr ganz die Raffinesse der ersten Hälfte. 

Dennoch gelingt es "Over Your Dead Body", seine Existenz als Remake zu rechtfertigen. Die moderne Besetzung, das hohe Tempo und die gelungene Mischung aus schwarzer Komödie und Splatter-Unterhaltung sorgen dafür, dass der Film auch unabhängig von der Vorlage funktioniert. Wer "The Trip" nie gesehen hat, bekommt hier einen äußerst kurzweiligen Genre-Mix geboten. Wer das Original kennt, dürfte sich dagegen immer wieder dabei ertappen, die beiden Filme miteinander zu vergleichen - und dabei meist den Norwegern den Vorzug zu geben.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork87North Productions/XYZ Films/74 Entertainment/IPR.VC/The Trip Productions

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