Donnerstag, 21. Mai 2026

Tom Clancy's Jack Ryan: Ghost War (2026)

https://www.imdb.com/title/tt34378301/

Jack Ryan wird erneut in die Spionagewelt gezogen, als eine internationale Geheimoperation eine tödliche Verschwörung ans Licht bringt. Vor der Herausforderung, sich einer abtrünnigen Black-Ops-Einheit zu stellen, tickt die Uhr unerbittlich. An seiner Seite kämpfen der erfahrene CIA-Agent Mike November (Michael Kelly) und der ehemalige CIA-Direktor James Greer (Wendell Pierce). Mit der Unterstützung der klugen MI6-Agentin Emma Marlowe (Sienna Miller) navigieren sie durch ein Netz aus Verrat und alten Geheimnissen, die längst vergessen schienen und stellen sich damit ihrer bisher persönlichsten und gefährlichsten Mission.

Während "Tom Clancy’s Jack Ryan: Ghost War" bekommt man das Gefühl, dass der Film im Grunde weiß, wie man einen internationalen Spionage‑Event aufzieht, aber nicht so recht, wie man ihn mit Leben füllt. Die Geschichte setzt Jack Ryan, gespielt von John Krasinski, nach seinem Ausstieg aus dem CIA in eine scheinbar ruhige Welt der Hedgefonds‑Normalität - ein Leben, das weniger von Bomben und Krisen als von Bilanzberichten und Penthouse‑Ausblick bestimmt wird. Wie in der ganzen Jack‑Ryan‑Tradition kommt die Ruhe nicht lange, bevor sein ehemaliger Vorgesetzter, James Greer (Wendell Pierce), ihn auf einen geschäftlichen Trip nach Dubai zurückholt - und ein simpler Kontaktfall in eine tödliche Konspiration kippt, in der Terrornetzwerke, schwarze Operationen und persönliche Verantwortung sich wie ein Labyrinth über die Welt spannen. In der Struktur ist "Tom Clancy's Jack Ryan: Ghost War" ein typischer Ein‑Mann‑gegen‑das‑System‑Thriller, nur mit mehr Budget, mehr Zeitverschnitt und mehr Streaming‑Glanz als die meisten seiner Vorgänger. Regie führt Andrew Bernstein, der den Film mit einem zügigen, effizienten Tempo durch die Stationen schiebt: Dubai, Islamabad, ein mysteriöses Konsulat, ein paar Autos und ein paar Schüsse mehr, bis die Uhr auf die nächste Eskalation tickt. Die actiontechnischen Momente - Verfolgungsjagden, Schießereien, Kurz‑Einsätzen in einem Hotel, ein Showroom mit defektem Klimatisierungssystem, das sich in eine kleine, private Hölle verwandelt - sind durchaus geschickt ausgeführt, aber oft auch so übersichtlich, dass sie sich eher wie gut gezeichnete Schauplätze eines Action‑Shooters als wie echte Bedrohung anfühlen. 

Krasinski spielt die Figur, wie er es schon in der Serie getan hat: als ein Mann, der sich an seine Intelligenz klammert, um seine eigene Verletzlichkeit zu verbergen. Doch genau hier liegt die Schwäche des Films: In der Serie hatte Ryan die Zeit, sich langsam zu entfalten, moralische Zweifel zu zeigen, Fehler zu machen und sich neu zu finden. Die rund 105 Minuten von "Tom Clancy’s Jack Ryan: Ghost War" lassen ihm diese Luft nicht - er ist weniger ein wandelnder Charakter als eine Person, die sich von einem Plotpunkt zum nächsten schieben lässt.  Die Spannung entsteht, sobald er sich in eine Situation begibt, in der er sich entscheiden muss, aber die Entscheidungen wirken immer wieder so, wie sie in der Sequenz vorherbestimmt sind, nicht wie ein echter Bruch innerer Überzeugung. Auch das politische Fundament bleibt unklar. Die geopolitische Perspektive, die Andrew Bernstein und die Drehbuchautoren mit ins Spiel bringen, wirkt stark an der Zeitstruktur der späten 2000er Jahre orientiert: Terror, das Erbe von 9/11, staatliche Geheimoperationen, fragwürdige Auslands‑Missionen, moralisch unsichere Deals - all das hat seine eigene, bittere Logik, aber "Tom Clancy’s Jack Ryan: Ghost War" vertieft sich nicht darin. Die Ideen sind da, doch sie bleiben in der Oberfläche: als Hintergrundgeräusch für eine Handlung, die sich lieber auf die nächsten Schießerei, das nächste Verfolgungsrennen, die nächste Geiselbefreiung konzentrieren will. Das fühlt sich an wie eine Story, die sich an der richtigen Stelle falsch entscheidet: Sie verwechselt Spannung mit Spektakel, aber nicht so extrem, dass sie vollständig abflacht. Die Spannung entsteht, weil man glaubt, die Mechanik einer Verschwörung zu erkennen, die Welt auf die richtige Weise zu bedrohen. Die Gefahr ist real, aber ihr emotionaler Preis bleibt unklar. Die Figuren um Mike November (Michael Kelly) und die MI6‑Offizierin Emma Marlowe (Sienna Miller) bringen Frische ins Spiel, doch sie bleiben in der Funktion ihrer Rolle gefangen - sie unterstützen, sie retten, sie geben beste Ratschläge - und finden selten den Raum, eine eigene Verletzlichkeit zu zeigen. 

Letztlich bleibt ein Film, der sich weniger als Fortsetzung eines großen Mythos lesbar ist und mehr als ein Stück Streaming‑Spektakel, das die Formel eines klassischen Tom‑Clancy‑Thrillers weiterführt, ohne sie zu erneuern. "Tom Clancy’s Jack Ryan: Ghost War" erzeugt ein passendes, aber unglückliches, mittelständiges Ergebnis, das den Eindruck weckt, als hätte man es mit einem schon vertrauten, aber nicht mehr ganz frischen Team realisiert.  Er ist kein revolutionärer Film, kein besonders tiefes politisches Statement, kein neuer Klassiker des Genres, aber auch kein völlig leerer Action‑Event. 

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: amazon Video/MGM

The Sum of All Fears - Der Anschlag (2002)

https://www.imdb.com/title/tt0164184/

Im Mittelpunkt des Politthrillers in der Adaption eines Tom-Clancy-Bestsellers steht der junge CIA-Computer-Spezialist Jack Ryan (Ben Affleck), der zusammen mit dem CIA-Direktor Cabot (Morgan Freeman) auf einer Russlandreise den neuen russischen Präsidenten Nemerov (Ciarán Hinds) unter die Lupe nehmen soll. Nach dem Anschlag einer Gruppe von Neonazis auf ein vollbesetztes Footballstadion lenken diese den Verdacht auf Russland. Jack Ryan muss nun schnellstens Nemerovs Unschuld beweisen, um den amerikanischen Präsidenten von einem nuklearen Schlag abzuhalten, der den dritten Weltkrieg auslösen würde...

Die Jack Ryan-Reihe war stets dafür bekannt, sich bewusst in die nervöse, politisch aufgeladene Atmosphäre seiner Zeit zu stellen und politische Themen aufzugreifen - und dabei genau das zu tun, was solche Thriller meistens tun: ein straff gebautes, spannendes Kammerspiel über Weltpolitik zu präsentieren, das trotzdem nicht ganz verhindern kann, dass es sich wie ein Stück Hochglanz‑Actionkino anfühlt, jedes Mal, wenn es an den Rand einer echten Katastrophe gerät. Beim vierten Ausflug des Agenten führte Phil Alden Robinson Regie, der hier Amerikas Angst vor dem Bombenknopf ins Zentrum eines kalten, aber glänzend montierten Politthrillers rückt, der Jack Ryan als jüngeren, eher unbeholfenen CIA‑Analysten neu aufstellt. Ben Affleck spielt die Hauptrolle mit einer Mischung aus akademischem Charme und leicht gehemmter Nervosität, die den Film glaubwürdiger macht, als er es sein dürfte. Sein Jack Ryan ist kein perfekter, unverwundbarer Action‑Held, sondern ein Mann, der sich in der Welt der Geheimdienste und Atommächte erst orientieren muss - und genau das lenkt die Spannung auf das Zentrum des Stoffes: Die Angst, die Entscheidung, die Angst vor der Entscheidung. Dazu kommt Morgan Freeman als CIA‑Direktor William Cabot, der mit seiner ruhigen, fast väterlichen Präsenz eine seltene Stabilität in ein Szenario bringt, in dem sich die Welt auf einer Messers Schneide dreht.

Robinson bedient sich an Tom Clancys bekannter Formel: ein Terror‑Plot, ein Kernreaktor, eine falsche Fährte, ein Krieg, der fast unaufhaltsam wird, und ein einzelner, scharfer Verstand, der alles zusammenhält. In der Geschichte wird ein verlorenes israelisches Atomwaffen‑Projekt in die Hände eines faschistischen Milliardärs namens Richard Dressler gegeben, der es nutzen will, um USA und Russland in einen nuklearen Krieg zu treiben und Europa als Siegergesellschaft aufzubauen. Die Spannung baut sich aus, wie in einem Uhrwerk: Erst kommt Baltimore, ein Stadion, eine Explosion, ein Verdacht, ein politischer Schachzug, ein nächstes Manöver, bis die Welt kurz davor steht, ihre eigene Vernichtung per Telefongespräch anzukündigen. Kurz: das ist ein Film, der weiß, wie man einen Thriller "richtig" macht - und damit aber auch genau das Problem bekommt, das solche Filme fast immer haben. Es ist zwar lobenswert, wie Robinson, Paul Attanasio und Daniel Pyne Spannung aufbauen und eine überzeugende Realität schaffen, doch schon bald greifen sie wieder auf die obligatorischen Hollywood‑Weichmacher zurück, weil ein Film ohne dies das Publikum offenbar in Verzweiflung flüchten lassen könnte. Genau das ist es: Die Geschichte will den Zuschauer die Angst vor einem Atomschlag spüren lassen, macht sie aber zugleich beherrschbar, erzählbar, fast zu schön - und damit weniger wirklich bedrohlich, als sie in der Realität sein könnte.

Aber trotzdem bleibt "Der Anschlag" ein spannender, gut gespielter, gut geführter Film, der sich vom ersten Moment an nie wirklich verliert. Er ist ein Beispiel dafür, wie sicher Hollywood ein bestimmtes Szenario produziert: ein Gefühl von Bedrohung, das nie so tief geht, dass es unerträglich wird, aber immerhin so weit, dass man sich während der zweistündigen Laufzeit leicht unbehaglich fühlt. Die Explosion von Baltimore, die Gespräche zwischen den Präsidenten, die knappen Sekunden, in denen eine Entscheidung fällt, die über Millionen Leben bestimmt - das alles wirkt wie ein Lehrstück, wie ein politischer Krimi, der sich müht, ernst zu sein, ohne jemals vollständig aufzuhören, gut unterhaltsam zu sein. Das ist nicht neu, fühlt sich aber immer wieder gut an. Am Ende bleibt ein Film, der seine eigene Beschränkung akzeptiert: Er ist ein Genrefilm, kein Manifest, kein Weltbild, kein Anti‑Kriegs‑Statement. Er ist ein spannender, cleverer, gut besetzter Kino‑Thriller, der sich in der Angst vor der Nuklear‑Apokalypse sonnt - und dann sorgfältig dafür sorgt, dass sie sich wieder zurückzieht, bevor man sich wirklich zu ängstigen beginnt - und genau darin liegt sein Reiz, allerdings auch seine Grenze.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Paramount Pictures/MNP/MFP

[scrubs] - Scrubs: Die Anfänger, Season 10 (2026)

https://www.imdb.com/title/tt0285403/

Willkommen in der surrealen Welt des "Sacred Heart"-Krankenhauses, wo das Personal äußerst chaotisch und das Lachen ansteckend ist. Der Assistenzarzt J.D. (Zach Braff), der angehende Chirurg Chris Turk und die zukünftige Internistin Elliot Reid kämpfen sich durch den unvorhersehbaren Krankenhaus-Alltag. Dabei begegnen Ihnen neurotische Patienten, durchgeknallte Oberärzte und sture Schwestern. Besonders Chefarzt Dr. Bob Kelso und Stationsarzt Dr. Cox lassen die Neulinge ziemlich deutlich spüren, dass sie es in diesem Krankenhaus nicht immer leicht haben werden.

https://www.imdb.com/title/tt38789454/
10.1 Meine Rückkehr (My Return)
J.D., inzwischen von Elliot Reid geschieden, arbeitet als Hausarzt/Privatmediziner und betreut ältere Patienten. Er beschließt, seine alte Arbeitsstelle, das Sacred Heart Hospital, zu besuchen, um nach einem seiner Patienten zu sehen. Dort trifft er ehemalige Kollegen und eine neue Generation von Assistenzärzten. Gegen Ende seines Besuchs nimmt J.D. eine neue Stelle im Krankenhaus an, nachdem er einen weiteren Patienten in kritischem Zustand gesehen hat, dessen Aufnahme von dem einsamen Assistenzarzt Blake Lewis abgelehnt worden war. Er informiert Dr. Cox, dass er beschlossen hat zu bleiben, und Dr. Cox ernennt ihn daraufhin zum Chefarzt anstelle von sich selbst. - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt38789459/
10.2 Mein zweiter erster Tag (My 2nd First Day)
Als J.D. die Verantwortung für die Leitung des medizinischen Personals von Sacred Heart übernimmt, versucht er, seinen eigenen Lehrstil zu finden. Gleichzeitig muss er lernen, mit den Eigenheiten seiner neu zugeteilten Assistenzärzte umzugehen und Konflikte mit der quirligen, aber übermäßig aufdringlichen neuen Personalchefin Sibby Wilson zu vermeiden. Er muss außerdem eine schwierige Entscheidung bezüglich des Krankenhausbudgets treffen, die ihn zwischen Turks und Elliots Interessen stellen. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt39758825/
10.3 Meine Rom-Com (My Rom-Com)
Elliots Kampf, eine Patientin zum Weiterleben zu bewegen, wird dadurch erschwert, dass sie sich an J.D. als ihren neuen Chef gewöhnen muss. Als Turk und Dashana erfahren, dass Amara zu Hause unterrichtet wurde, unterstützt Dashana sie dabei, ihr mehr Selbstvertrauen zu geben. Blake hilft Asher, mit seiner aufkeimenden Schwärmerei für Amara umzugehen, während J.D. RateYourDoc.org wiederentdeckt und feststellt, dass jemand eine negative Bewertung über ihn abgegeben hat. - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt39758827/
10.4 Mein Pokerface (My Poker Face)
Turk, ständig von weiblicher Energie umgeben, überzeugt J.D., seine neue Wohnung in einen "Kumpelraum" zu verwandeln und einen Pokerabend zu veranstalten. Sie versuchen außerdem, zwischen den Assistenzärzten der Medizin und Chirurgie zu vermitteln. Als Turk jedoch den Pokerabend sausen lässt, entsteht ein Streit zwischen ihnen und den Assistenzärzten. Als ein Patient wegen einer auf TikTok verbreiteten Trenddiät ins Krankenhaus eingeliefert wird, geraten Elliot und Tosh über den Einsatz sozialer Medien in der Medizin aneinander. J.D. kann Elliot jedoch überzeugen, neue Sichtweisen in Betracht zu ziehen. - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt39761231/
10.5 Mein Engel (My Angel)
J.D. hat Schwierigkeiten, sich nach seiner Scheidung in der Partnersuche zurechtzufinden und flirtet mit einer Harfenspielerin namens Lily. Doch sie entpuppt sich als mehr, als J.D. erwartet hatte. Elliot, der ebenfalls mit dem Single-Dasein zu kämpfen hat, konzentriert sich darauf, ein neues Organ für einen Transplantationspatienten zu beschaffen. Blake und Amara beleidigen versehentlich die Stationsschwestern, und Dr. Park beginnt, den Assistenzärzten die ungeschriebenen Regeln des Krankenhauses beizubringen. - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt39761235/
10.6 Mein V.I.P. (My V.I.P.)
J.D. und Dr. Park müssen zusammenarbeiten, als sie vermuten, dass die Frau eines Vorstandsmitglieds ihm etwas antut. Deshana und Amara werden mit ihren Unsicherheiten konfrontiert, als ihr Patient während einer Operation unter ihrer Aufsicht flieht. Elliot befürchtet, dass ihr neuer Freund Wes etwas verheimlicht, und Turk bietet an, ihn zu überprüfen. Als Blakes Patienten sich zu sehr zu ihm hingezogen fühlen, um ihm ihre Probleme anzuvertrauen, versucht Sam ihm zu helfen, sich ihnen gegenüber verletzlicher zu zeigen, damit sie sich öffnen. - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt39761241/
10.7 Mein Einladung zum Barbecue (My Best Friend's Barbecue)
J.D. ist verärgert darüber, nicht zu Turks jährlichem Grillfest eingeladen worden zu sein, und beschließt, Carlas Wechseljahre als Vorwand zu nutzen, um ihr näherzukommen. Als J.D. es übertreibt, wird Carla schließlich mit ihrem Alter konfrontiert. Turk versucht, Dashana beizubringen, emotional offener mit ihren Patienten und deren Familien umzugehen. Elliot nutzt eine Psychosepatientin, die sich für Mariah Carey hält, um Blake mehr Mitgefühl beizubringen. Amara gerät in Panik, als sie das Gefühl hat, Asher gehe die Beziehung zu schnell an. Elliot konfrontiert Carla damit, ob sie Wes mag oder nicht. - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt39761246/
10.8 Mein Tag gegen die Statistik (My Odds)
J.D., der sich als Chefarzt endlich sicher fühlt, ist fest entschlossen, den Gastarzt Dr. Cox zu beeindrucken und fordert die Assistenzärzte auf, ihr Bestes zu geben. Die Assistenzärzte können drei Patienten erfolgreich behandeln, wenn auch nicht ohne Schwierigkeiten. Die Situation spitzt sich zu, als Dr. Cox zusammenbricht und sich weigert, sich von J.D. behandeln zu lassen. Als die Testergebnisse eintreffen und zeigen, dass Dr. Cox an einer Autoimmunerkrankung leidet, müssen er und J.D. eine tiefgreifende Veränderung in ihrer Beziehung bewältigen. - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt39761256/
10.9 Mein besonderer Anlass (My Celebration)
Seit Perrys Diagnose weicht Jordans ihm nicht von der Seite, und Perry zwingt J.D., ihn zu decken, als die Testergebnisse nicht optimal ausfallen. Die Assistenzärzte sind niedergeschlagen, und Elliot versucht, sie aufzumuntern, indem sie einem Vater hilft, zur Hochzeit seiner Tochter zu kommen. Doch die Dinge verkomplizieren sich. Turk und Carla glauben, die perfekte Frau für J.D. gefunden zu haben, doch ihr Versuch, sie für ihn abzuholen, verläuft ungeschickt. J.D. ist beunruhigt, als sein langjähriger Erzfeind, der Hausmeister, ins Sacred Heart zurückkehrt und beginnt, ihn wieder zu terrorisieren. - 8/10

Quellen
Inhaltsangabe: Serienjunkies
Poster/Artwork: Disney/Hulu

Remarkably Bright Creatures - Das Glück hat acht Arme (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt33100314/

Tova Sullivan (Sally Field) arbeitet als Reinigungsfrau in einem Aquarium und ist seit zwei Jahren verwitwet. Der Verlust ihres Mannes hat sie sehr getroffen und schon früher ereilte sie ein schwerer Schicksalsschlag, als ihr Sohn in Alter von 18 Jahren spurlos verschwand. An ihrem Arbeitsort findet sie immerhin einen ungewöhnlichen Freund: den pazifischen Oktopus Marcellus, der das, was um ihn herum geschieht, sehr genau beobachtet, versteht und - für Menschen natürlich unhörbar - kommentiert. Als ein junger Mann namens Cameron (Lewis Pullman) eingestellt wird, fürchtet Tova zunächst um ihren Job. Doch bald stellt sich heraus, dass auch Cameron sein Päckchen zu tragen hat und ähnlich leidet wie Tova. Krake Marcellus erkennt im Gegensatz zu den beiden die Zusammenhänge und dank seiner hohen Intelligenz gelingt es ihm, ihnen dabei zu helfen, ihre seelischen Wunden zu heilen.

Die Netflix-Adaption des gleichnamigen Bestsellers von Shelby Van Pelt.ist ein Film, der sich anfühlt, als hätte man sich in eine warme Decke eingekuschelt - angenehm, flauschig, und doch mit einem Hauch Kälte, wenn man sie morgens wieder wegzieht. Regisseurin Olivia Newman bringt die Romanvorlage auf die Leinwand ohne viel zu verwandeln: eine Witwe, eine Meerjungfrauentür, eine Waschmaschine für Träume - und ein großer, kluger Tintenfisch, der alles beobachtet, was die Menschen in ihrer Traurigkeit falsch machen. Im Zentrum steht Tova, gespielt von Sally Field, die nach dem Tod ihres Mannes vor 2 Jahren und dem Verschwinden ihres Sohns vor 30 Jahren Jahre immer noch in der Routine eines nächtlichen Reinigungsdienstes im örtlichen Aquarium lebt. Sie ist eine Frau, die sich bewusst an den Rändern der Gemeinschaft positioniert, die alles sauber hält, nur sich selbst nicht mehr. Ihre Einzigen, die sie wirklich sehen, sind die Meeresbewohner - vor allem Marcellus, ein großer, grüblerischer Octopus, dessen Bewusstsein durch Alfred Molinas Stimme (im Deutschen Lutz Riedel) in die Erzählung hineinwächst. 

Und das ist genau der Peak des Films: Er ist eine Liebeserklärung an ältere weibliche Figuren, die man in vielen Filmen nur als Randkommentar zu sehen bekommt. Tova wird nicht als bloße sentimentale Figur behandelt, sondern als eine intelligente, verletzte, beharrliche Frau, die sich hartnäckig weigert, sich selbst zu vergeben. Field spielt sie mit einer Mischung aus Widerstand, Ironie und fragiler Verletzlichkeit, die dem Film immer dann Halt gibt, wenn er droht, in die Flachheit eines harmlosen Netflix‑Afternoon‑Dramas abzurutschen. Dazu kommt Cameron, gespielt von Lewis Pullman, ein junger Musiker, der auf der Suche nach seiner eigenen Vergangenheit nach Tova in die Küstenstadt kommt. Die Beziehung zwischen ihm und Tova ist keineswegs selbstverständlich, und genau das macht sie interessant: Sie prallen aufeinander, verletzen sich, sehen sich an, und entdecken langsam eine unerwartete Verbindung, die über die Jahre und die Lebensstationen hinweg funktioniert. Der Film überschätzt sie nie, sondern lässt sie wachsen, wie sie wachsen muss - steif, vorsichtig, mit Rückschlägen. Marcellus, der Tintenfisch, ist dabei sowohl Metapher als auch der Hauptprotagonist. Er ist nicht nur ein niedlicher, charismatischer Filter, der dem Film Auftrieb verleiht; er ist eine Figur, die die Einsamkeit in einer anderen Sprache erzählt. Seine innere Kommentierung, die von der Außenwelt um die Menschen in der Station, die er observiert, setzt eine gewisse Naivität voraus, die der Film teilweise aufrechterhält, teilweise aber auch aufgibt, wenn er sich in harmlosen Sitcom‑Momenten verliert. Aber genau das ist einer der Punkte, der dem Film seine einlullende Wirkung mitgibt.

Insgesamt ist "Das Glück hat acht Arme" ein Film, der sich bewusst auf leichte, behutsame, fast behagliche Weise inszeniert. Er ist nicht gewalttätig, nicht überraschend, nicht radikal - aber er ist ehrlich in der Annahme, dass manche Menschen erst dann wieder atmen können, wenn sie sich an jemanden binden, der genauso verletzt ist wie sie selbst. Es ist schlicht gesagt, ein schöner Film, der keinem weh tut. Er verspricht nicht so viel, wie er versucht zu halten, und behält doch etwas von der Wärme bei, die er ursprünglich übergeben wollte. Er ist kein absolutes Meisterwerk, aber ein freundlicher, gefühlvoller und gerade in der aktuellen zeit absolut willkommener Film - besonders für diejenigen, die sich selbst schon lange in der Badewanne der Vergangenheit gelegt haben und sich wünschen, jemand würde sie von dort abholen. 

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Netflix/Anonymous Content/Night Owl

Mittwoch, 20. Mai 2026

The Boys, Season 05 (2026)

https://www.imdb.com/title/tt1190634/

In dieser Staffel wird die Welt von Homelander beherrscht, und Annie January hat eine Widerstandsbewegung gegen ihn ins Leben gerufen, während der Rest des Teams verstreut ist. Billy Butcher taucht wieder auf und versammelt die Boys, um Homelander zu besiegen. Er ist bereit, ein Virus einzusetzen, das alle Supes der Welt auslöschen kann.

https://www.imdb.com/title/tt32368472/
5.1 Vierzig Zentimeter pures Dynamit (Fifteen Inches Of Sheer Dynamite)
Ein Jahr nachdem Homelander seine Macht gefestigt hat, infiltriert Annie January eine Aktionärsversammlung von Vought und veröffentlicht das Video von Flug 37, was Homelanders Vertrauen schwer beschädigt. Schwester Sage versucht daraufhin, das Video mit Hilfe von Ashley Barrett, der inzwischen Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten, zu diskreditieren. Gleichzeitig zwingt Homelander Sage, preiszugeben, dass Hughie Campbell, Mother's Milk und Frenchie, die in einem Lager gefangen gehalten werden, hingerichtet werden sollen. Homelander vereitelt ihren Fluchtversuch und wartet auf Billy Butchers Rettung. Butcher trifft sich daraufhin mit Annie und Kimiko, um in das Lager einzudringen und die Jungen zu befreien. A-Train weigert sich jedoch, um seine Familie zu schützen. Sie gelangen durch einen Tunnel, der von einem Superhelden namens „Der Wurm“ geöffnet wurde, ins Lager. Annie lenkt die Gruppe ab, sodass sie sich zerstreuen kann. Mother's Milk tötet Love Sausage mitten im Getümmel. Homelander greift Hughie kurz darauf an, doch A-Train greift ein und rettet ihn. Das Team entkommt, während A-Train von Homelander verfolgt und schließlich getötet wird, nachdem er ihn herabgesetzt hat. - 9/10

https://www.imdb.com/title/tt33023407/
5.2 Rock Hard (Teenage Kix)
Butcher führt das Team zu einem Labor, das er zusammen mit Dr. Sameer Shah betreibt, dem er Victoria Neumans Tod verschwiegen hat. Sie planen, das Virus an Rock-Hard von Teenage Kix zu testen, was sie in deren Haus tun müssen. Unterdessen erweckt Homelander Soldier Boy aus dem Kryostase und befiehlt ihm, Butcher zu finden, um seinen Namen reinzuwaschen. Hughie, Butcher und Kimiko besorgen sich das Virus aus dem Labor, treffen aber auf dem Weg zu Teenage Kix auf Soldier Boy und müssen fliehen. Soldier Boy verbündet sich daraufhin mit den Teenage-Kix-Mitgliedern Jetstreak und Sheline. In einer Auseinandersetzung schlägt Kimiko Sheline bewusstlos, während Soldier Boy und Jetstreak Hughie zur Basis verfolgen. Dort setzt Frenchie das Virus frei, das Jetstreak, Rock-Hard und auch Soldier Boy tötet. Ashleys Hinterkopf, der nach der Injektion von Compound V wieder zu Bewusstsein gekommen ist, drängt zur Rebellion gegen Homelander, doch Ashley weigert sich. Frenchie drängt Kimiko wegen der tödlichen Gefahr des Virus zur Abreise, doch sie weigert sich. Während die Wissenschaftler von Vought Soldier Boys Leiche wegbringen, erwacht er plötzlich. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt33023420/
5.3 Der Weg zur Unsterblichkeit (Every One Of You Sons of Bitches)
Vought reinigt Soldier Boys Image durch Falschbehauptungen und er wird Mitglied der Seven. Sage enthüllt, dass Soldier Boys Version von Compound V, V1, Unsterblichkeit verleiht. Aus dem Grund konnte er von dem Virus lediglich verletzt werden. Nach einer Halluzination von Madelyn Stillwell beschließt Homelander, V1 zu suchen, um es sich selbst zu verabreichen. Mit Stan Edgars Hilfe finden die Boys eine Basis, in der sich Reste von V1 befinden könnte. Unterdessen überzeugt Butcher Ryan, Homelander mit dem Virus zu töten, obwohl dies sowohl Butcher als auch Ryan das Leben kosten wird. Zoe Neuman trifft ihren Vater Sameer wieder, und gemeinsam zerstören sie das Virus, bevor sie fliehen. In Edgars Bunker treffen The Deep, Cindy, Dogknott und Black Noir II ein; Noir nimmt Edgar gefangen, doch The Deep verrät ihn und nimmt Edgar selbst gefangen. Maverick, der mit Edgar zusammenarbeitet, streitet mit Hughie über den Tod seines Vaters Translucent. Im Kampf wird er versehentlich von Cindy getötet, die daraufhin von Annie getötet wird. Ohne das Virus konfrontiert Ryan Homelander wegen Becca, was zu einem brutalen Kampf führt, bei dem Ryan schwer verletzt wird. Die Boys planen, das V1 zu finden, als Annie sie verlässt. The Deep bringt Edgar zu Homelander, und Butcher findet den verwundeten Ryan. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt33023431/
5.4 Grenzenloser Hass (Though The Heavens Fall)
Homelander, der einen Größenwahn entwickelt hat, beauftragt Firecracker, ihn als Gott darzustellen. Sie zieht Ashley und ihren Mann, Oh Father, mit hinein. Die Boys, immer noch ohne Virus, begeben sich nach Fort Harmony, um das V1 zu finden. Dort entdeckt Frenchie Toxoplasmose in der Luft und erkennt, dass er aufgrund seines früheren Drogenmissbrauchs immun ist. Sie finden heraus, dass der Superheld Bombsight alle V1-Ampullen an sich genommen hat, und nach einem hitzigen Wortwechsel kommt es zu einem brutalen Kampf. Homelander und Soldier Boy tauchen auf, und Homelander verspottet ihn, indem er behauptet, sich selbst mit V1 infiziert zu haben, weil er sich seinem Bruder unterlegen fühlte. Soldier Boy sperrt Homelander in eine Kammer mit angereichertem Uran, um ihn vor einer V1-Infektion zu schützen. Frenchie findet die Quelle der Toxoplasmose und führt Soldier Boy dorthin. Er enthüllt, dass es sich um Quinn handelt, mit der er eine gemeinsame Vergangenheit hat. Nachdem Frenchie ihn provoziert hat, tötet Soldier Boy Quinn, wodurch alle wieder normal sind. Homelander bricht aus der Kammer aus und verschont Soldier Boys Leben, als er bemerkt, dass er nun sterblich ist. Annie trifft ihren Vater, der ihr gesteht, sie immer geliebt zu haben, und versöhnt sich mit Hughie. In einem Gottesdienst verkündet Oh Father Homelander als Propheten Gottes. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt33023447/
5.5 Jesus vs. Homelander (One-Shots)
Firecracker wird von ihrem ehemaligen Pfarrer um Hilfe gebeten, nachdem seine Kirche verwüstet wurde. Als die Kirche später gestürmt wird, veröffentlicht sie jedoch einen diffamierenden Bericht über ihn. Black Noir ringt mit seiner Identität und versucht gleichzeitig, seine Mitgliedschaft bei den Seven und bei einer lokale Theatergruppe unter einen Hut zu bringen. Als die Spannungen zunehmen, tötet The Deep den Theaterregisseur Adam Bourke und erlangt wieder die Kontrolle über Noir. Die Boys entwickeln das Virus weiter und suchen gleichzeitig nach V1. Butcher verspricht Annie und Kimiko, es ihnen zu überlassen, sobald sie es gefunden haben. Sage warnt Ashley, dass Homelander V1 nicht in seinen Besitz bringen darf, um ihren Plan zu gewährleisten, bei dem sich Menschen und Superhelden letztendlich gegenseitig umbringen. Homelander und Soldier Boy verhören Edgar, der sie zu Mister Marathon führt. In Los Angeles versuchen Marathon und sein Freund Malchemical, Soldier Boy gegen Homelander aufzubringen, nachdem Malchemical ihn außer Gefecht gesetzt hat. Doch Homelander weigert sich und tötet Malchemical. Bei einer Verfolgungsjagd tötet Marathon versehentlich seine prominenten Freunde. Soldier Boy hält ihn auf, und als Marathon enthüllt, dass Bombsight V1 besitzt, tötet Homelander ihn. Nachdem Firecracker anfängt, an Homelander zu zweifeln, stellt er sie zur Rede und tötet sie. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt33023477/
5.6 Golden Geisha (Though The Heavens Fall)
The Deep dreht ein Werbevideo für Voughts neue Ölpipeline. Noir, der wegen The Deeps Mord an Adam voller Groll ist, sabotiert die Pipeline und verursacht so eine massive Ölpest, die das umliegende Meeresleben verseucht; The Deep übt daraufhin Vergeltung, indem er Noir tötet. Derweil setzt Sage Ashley außer Gefecht und lässt Bashley Soldier Boys Gedanken lesen. Als Bashley ihr mitteilt, dass er eine heiße Spur bezüglich des V1 hat, läuft Sage über. Nachdem die Boys weitere Exemplare des Virus hergestellt haben, versuchen Hughie und Annie, es in einer von Homelanders Kirchen zu platzieren, werden jedoch von Oh Father daran gehindert. Daraufhin kontaktieren die Boys The Legend, um Bombsights Aufenthaltsort in Erfahrung zu bringen. Er verweist sie an Golden Geisha - Bombsights ehemalige Geliebte -, die sie mithilfe von Sage als Köder einsetzen. Als Bombsight eintrifft, um sie zu retten, gerät er in einen Hinterhalt von Soldier Boy. Nach einem heftigen Kampf übergibt Bombsight Soldier Boy das V1 - im Austausch dafür, dass dieser ihm seine Kräfte und seine Unsterblichkeit nimmt. Entgegen Sages Vorhersagen übergibt Soldier Boy das V1 an Homelander, der es sich vor den Augen der hilflosen Boys injiziert. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt33023489/
5.7 Der Franzose, die Frau und der Mann namens Mother’s Milk (The Frenchman, The Female, And The Man Called Mother's Milk)
Durch V1 gestärkt, tötet Homelander den Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steven Calhoun, löst die Seven auf und bereitet sich darauf vor, seine Göttlichkeit zu offenbaren. Soldier Boy erklärt ihm, dass er gehen wolle; Homelander überwältigt ihn jedoch und versetzt ihn in Stasis. Nach dem Zerfall der Seven gerät The Deep in Isolation und wird von Meerestieren bedroht, die um seine Rolle bei der Pipeline-Katastrophe wissen. Marie Moreau und Jordan Li decken in den Vought Studios Aktivitäten auf, die mit Oh Father in Verbindung stehen. Währenddessen versuchen die Boys, Soldier Boys Strahlenkräfte nachzubilden, indem sie Kimiko einer ähnlichen Strahlung aussetzen - ein Unterfangen, das nur schleppend vorankommt. Butcher, Hughie, Annie und M.M. infiltrieren die Vought Studios, um Nachforschungen anzustellen. Butcher und Hughie werden von Synapse gefangen genommen - einem hellseherischen Gestaltwandler, der sich als Joe Kessler ausgibt; doch Hughie lenkt ihn ab, sodass Butcher Synapse töten und entkommen kann. Annie und M.M. befreien Personen, die während einer Propaganda-Vorführung eingesperrt wurden, während Frenchie Sage davon überzeugt, Kimikos Behandlung zu stabilisieren. Als Homelander immer näher rückt, lockt Frenchie ihn in eine Strahlungskammer, um ihn zu schwächen - stirbt dabei jedoch selbst an der Strahlenbelastung. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt33023494/
5.8 Blut und Knochen (Blood And Bone)
Die Boys beerdigen Frenchie, während Homelander eine nationale Ansprache vorbereitet, in der er seine eigene Göttlichkeit verkündet. Er besucht Ryan, scheitert jedoch daran, ihn für seine Sache zu gewinnen. Sage provoziert Kimiko, um zu testen, ob deren Energiestoß funktioniert; dabei verliert sie ihre eigenen Kräfte. Dartaufhin zieht sie sich zurück, um ein normales Leben zu führen. Ashley hilft den Boys, über einen Tunnel ins Weiße Haus einzudringen, während Homelander gerade zur Nation spricht. Annie tötet The Deep, indem sie ihn ins Meer zwingt, wo er von Meereskreaturen gefressen wird; derweil locken Hughie und M.M. Oh Father fort und töten ihn. Butcher und Kimiko stellen Homelander zur Rede; Ryan schließt sich Butcher an, um Homelander festzuhalten, während Kimiko einen Energiestoß abfeuert, der Homelander, Butcher und Ryan ihrer Kräfte beraubt. Homelander wird von Butcher getötet, Ashley wird ihres Präsidentenamtes enthoben und Edgar erlangt die Kontrolle über Vought zurück. Ryan weigert sich, bei Butcher zu bleiben; nachdem Butcher erfahren hat, dass Terror gestorben ist, bringt er das Virus zum Vought Tower, um alle Supes zu töten. Hughie folgt ihm und tötet Butcher schweren Herzens; die Boys lösen sich auf. M.M. erneuert sein Ehegelübde und nimmt Ryan bei sich auf, Kimiko geht nach Frankreich, und Hughie sowie Annie bereiten sich auf die Geburt ihrer Tochter vor. - 9/10

Quellen
Inhaltsangabe: amazon Video
Poster/Artwork
amazon Video

The Sheep Detectives - Glennkill: Ein Schafskrimi (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt32565993/

Der Schäfer George Hardy (Hugh Jackman) ist ein riesiger Krimi-Fan. Nichts liebt er mehr, als seinen Schafen Murder-Mystery-Geschichten vorzulesen. In seinen kühnsten Träumen ahnt er nicht, dass ihn die Tiere nicht nur verstehen, sondern anschließend an die Vorlesestunde intensiv diskutieren und rätseln. Als George mit einer Schaufel im Rücken tot auf der Wiese gefunden wird, ist für seine Schafe so klar, dass ein Mord passiert ist. Weil der lokale Dorfpolizist Tim Derry (Nicholas Braun) noch nie ein wirkliches Verbrechen gelöst hat, müssen die wolligen Vierbeiner all ihre Krimi-Erfahrung nutzen, um den Mörder von George zu finden. Angeführt von der schlauen Schafdame Miss Maple müssen der mutige Othello, die ängstliche und gefräßige Mopple, die neugierige Maude und der alte Leithammel Sir Ritchfield feststellen, dass die Welt der Menschen in der Realität deutlich komplizierter als in den Büchern ist. Zudem verfügen die zahlreichen Bewohner*innen des Dorfes über einige dunkle Geheimnisse.

Wenn man den Trailer zu "Glennkill: Ein Schafskrimi" sieht, denkt man sich: Was soll das denn werden? Und dann hört man überschwänglich positive Kritiken und ist dann irgendwie interessiert. Und ja, man muss zugeben, "Glennkill: Ein Schafskrimi" ist ein Film, der so absurd klingt, dass man ihn zuerst für einen Scherz halten möchte - und der dann mit erstaunlicher Sicherheit beweist, dass eine Herde kluger Schafe unter Umständen die bessere Gesellschaft darstellt als die meisten Menschen. Regisseur Kyle Balda inszeniert hier eine (sanfte) Mordgeschichte nach Leonie Swanns Roman "Three Bags Full" als familienfreundliche, warmherzige, witzige und gelegentlich erstaunlich tröstliche Rätselreise, in der Hugh Jackman als Hirte George Hardy die Tiere jeden Abend mit Detektivgeschichten füttert, bis sie nach seinem Mord selbst zu Ermittlern werden. (Achtung - ab jetzt wirds schafig!) Das Klügste an diesem Film ist, dass er seine Prämisse nicht wie einen Gag BÄHhandelt, sondern wie ein ernstes Spiel mit den Regeln des Genres. Die Schafe sind hier nicht bloß niedliche Maskottchen, sondern Beobachter mit Gedächtnis, Geduld und einer beachtlichen Menge an wohlWOLLEnder Intuition. Dass sie den menschlichen Ermittlern häufig voraus sind, ist nicht nur komisch, sondern auch entlarvend: Die Menschen in dem Dorf wirken oft wie ein Haufen orientierungsloser Zweibeiner, während die flockigen Detektive mit ihren sozialen Interaktion und Blicken viel klarer sehen, was Loyalität, Geheimnisse und Täuschung BÄHdeuten. 

Hugh Jackman spielt George Hardy mit einer ruhigen, fast pastoralen Wärme, die den Film erdet. Man glaubt sofort, dass dieser Mann seine Tiere liebt, und genau deshalb wiegt sein Tod schwerer, als man es bei einer komödiantischen Familienmystery erwarten würde. Der Film nimmt diesen Verlust ernst, ohne ihn zu erdrücken: Er lässt Trauer zu, aber er lässt sie nicht die ganze WEIDE übernehmen. Gerade in diesem Gleichgewicht zwischen Leichtigkeit und Verlust liegt die Qualität des Films - er ist tröstlich, ohne zu kitschig zu werden, und liebenswürdig, ohne seine emotionale Struktur zu verniedlichen. Auch die NeBÄHnfiguren tragen viel zum Reiz bei. Nicholas Braun als etwas unbeholfener Dorfpolizist, Nicholas Galitzine als zugewandter BÄHobachter von außen und Stimmen wie (im Original von  Julia Louis-Dreyfus, Chris O’Dowd, Bryan Cranston oder Emma Thompson) Anke Engelke (als Schaf Lily) und Bastian Pastewka (als Schaf Mopple) (beide immer eine sichere Bank!)  sorgen dafür, dass der Film nie nur auf eine einzige Tonlage festgelegt bleibt. Die Mischung aus Live-Action, digitalen Tieren und einem bewusst leicht überhöhten Dorfmilieu gibt dem Ganzen eine märchenhafte Oberfläche, unter der aBÄHr eine erstaunlich klare Struktur liegt. Und dass Schafe nach ihrem Tod zu Wölkchen werden ist wohl die oberniedlichste (naive) Vorstellung aller Zeiten.

Was "Glennkill: Ein Schafskrimi" letztlich so anziehend macht, ist seine stille ÜBÄHrzeugung, dass Sanftheit kein Mangel an Substanz ist. Der Film spricht über Verlust, Gemeinschaft und die Geschichten, die wir uns erzählen, um mit beidem fertigzuwerden, ohne jemals seine flockige Leichtigkeit zu verlieren. Man könnte sagen: Er ist ein Krimi mit weicher WOLLE, aber fester Haltung - und gerade deshalb bleibt er hängen, weil er mit heiterer Geduld zeigt, dass selbst eine Herde Schafe sehr genau weiß, wann die menschliche Welt aus dem Tritt geraten ist. 

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Amazon MGM Studios/Working Title Films/Lord Miller

Dienstag, 19. Mai 2026

Salem’s Lot - Salem's Lot: Brennen muss Salem (2024)

https://www.imdb.com/de/title/tt10245072/

Schriftsteller Ben Mears (Lewis Pullmann) kehrt nach vielen Jahren der Abwesenheit in seine Heimatstadt Jerusalem’s Lot, das von seinen Bewohner*innen salopp nur Salem’s Lot genannt wird, zurück. Er will hier an seinem neuen Buch arbeiten und möchte in die Marsten-Villa einziehen, die auf einem Hügel steht und über der Stadt thront. Als Kind hat er dort so einige schauerliche Momente erlebt. Nun will er dieses Trauma in Buchzeilen gießen. Doch jemand ist ihm zuvorgekommen, die beiden Antiquitätenhändler Richard Straker (Pilou Asbæk) und Kurt Barlow (William Sadler). Während Straker einen Laden in der Stadt eröffnet, sieht man Barlow nicht, da er sich angeblich auf einer Geschäftsreise befindet. Es dauert nicht lange, bis sich im Ort merkwürdige Ereignisse häufen. Offenbar sind Vampire am Werk und der Herd ist ausgerechnet die alte Marsten-Villa. Ben versammelt ein paar Einheimische um sich und beschließt, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und die Jagd auf die Vampire zu eröffnen.

"Salem's Lot: Brennen muss Salem" aus dem Jahr 2024 ist nach 2004 das zweite Remake der Adaption von Tobe Hooper aus dem Jahr 1979 und ein Beispiel dafür, wie ein Film mit starker Vorlage und vertrautem Mythos an der eigenen Eile scheitern kann. Regie führt mit Gary Dauberman einer der Drehbuchautoren der beiden "Es"-Teile von 2017 und 2019. Stephen Kings Geschichte über das kleine Städtchen in Maine, in dem ein Vampir langsam die Nachbarschaft übernimmt, ist hier nicht als weit ausgreifendes Unheil, sondern als stark komprimierter Albtraum angelegt - und genau diese Kompression kostet dem Film viel von jener schleichenden, unheilvollen Kraft, die "Brennen muss Salem" in seiner besten Form ausmacht. Die wichtigste Schwäche ist hier das Tempo. Während das 1979er Original satte 183 Minuten Laufzeit auskostet, was Stephen King in seinem Roman von 1975 beschrieb und selbst die Neuverfilmung von 2004 stattliche 174 Minuten aufwies (und trotzdem schon etwas gehetzt wirkte), ist diese Version mit 113 Minuten deutlich straffer - und das spürt man. Selbst mit fast zwei Stunden Laufzeit wirkt die Adaption hysterisch gehetzt. Was bei King als allmähliche Infektion einer ganzen Gemeinde funktioniert, wird hier zu einer Folge von Stationen, die kaum Zeit haben, sich zu setzen: Figuren tauchen auf, Schrecken ereignen sich, die Geschichte rast weiter, bevor Atmosphäre oder Beziehungslinien wirklich Wurzeln schlagen können. Das ist besonders bedauerlich, weil der Stoff gerade von Geduld lebt - vom Beobachten, wie Misstrauen in den Häusern wächst, wie die Nacht nicht nur dunkler, sondern sozial kälter wird.

Dabei ist dieser "Salem's Lot: Brennen muss Salem" nicht ohne Qualitäten. Einige Darstellerleistungen wirken sicher und glaubwürdig genug, um dem Film wenigstens temporär Erdung zu geben, und einzelne stilistische Entscheidungen deuten an, wie gut diese Geschichte hätte funktionieren können, wenn sie etwas mehr Raum bekommen hätte. Aber immer wieder merkt man, dass der Film mehr zustellen als entfalten will: Er sammelt Schocks, statt Schrecken zu entwickeln; er zeigt Vampirismus als Ereignis, nicht als langsame, kollektive Krankheit. Kurz: es fehlt dem Film die menschliche Temperatur unter dem Grauen. Ein Horrorfilm wird nicht deshalb wirkungsvoll, weil er möglichst viele unheimliche Bilder aneinanderreiht, sondern weil er den Zuschauer spüren lässt, was auf dem Spiel steht, wenn das Unheimliche in den Alltag eindringt. "Salem's Lot: Brennen muss Salem" hat dieses Potenzial, aber es hetzt daran vorbei. Das Ergebnis ist kein schlechter Film im simplen Sinn, sondern eher ein ungeduldiger Film, der ständig so tut, als müsse er schon beim nächsten Schreck angekommen sein, bevor der vorherige überhaupt atmen durfte. Dabei hat das Remake einen gewissen Charme und die Bilder sind ansprechend. 

Doch so bleibt eine Adaption, die ihre Vorlage respektiert, ohne ihre Dramaturgie zu verstehen. Sie ist atmosphärisch angedeutet, handwerklich nicht ungeschickt, aber im Kern zu gehetzt, um wirklich zu beißen. Und bei einer Geschichte über Vampire ist das ein ziemlich entscheidender Makel: Wenn die Nacht nicht langsam über einen kommt, sondern nur vorbeirauscht, bleibt am Ende vor allem eines zurück - das Gefühl, dass hier viel blutiger Stoff vorhanden war, der Film ihn aber nicht lange genug im Schatten gehalten hat. 

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: New Line Cinema/Atomic Monster/Vertigo Entertainment/The Wolper Organization

Stay (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt38039379/

Einst waren die Afrikanistik-Wissenschaftlerin Kiara (Megalyn Echikunwoke) und der Mixed-Martial-Arts-Kämpfer Miles (Mo McRae) ein glückliches Paar. Doch nach mehreren Jahren voller Probleme in privater wie beruflicher Hinsicht steht ihre Ehe vor dem Aus. Miles ist bereits ausgezogen, besucht Kiara aber ein letztes Mal, um ihr und den Leuten von der Umzugsfirma bei den anstehenden letzten Arbeiten zu helfen. Doch plötzlich kann ihre Umgebung das Ex-Vorzeigepaar nicht mehr wahrnehmen, alle Türen und Fenster sind verriegelt und Kiara und Miles sind in ihrem zum Verkauf stehenden Haus gefangen – gefangen von einem geisterhaften Wesen, von dem Kiara zuvor gelesen hatte und das die beiden dazu zwingt, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Geistergeschichte, Ehedrama und psychologische Allegorie in einem Film verpackt - und genau darin liegt sein größtes Problem. Regisseur Jas Summers erzählt von Kiara und Miles, einem Paar am Rand der Trennung, das in seinem gemeinsamen Haus von übernatürlichen Kräften festgesetzt wird; die Außenwelt verschwindet, und übrig bleibt ein Kammerspiel über Trauma, Liebe und die Frage, ob man eine Beziehung retten kann, wenn selbst die Wände gegen einen arbeiten. Das Grundkonzept ist  dabei reizvoll. Ein Haus, das die Figuren nicht gehen lässt, zwingt sie nicht nur zur physischen Konfrontation, sondern auch zur emotionalen Entblößung: Alles Verdrängte, alles Unausgesprochene, alles Unversöhnte wird buchstäblich in die Räume eingesperrt. In der Idee steckt ein starkes, fast klassisches Genrekino-Prinzip, und der Film versucht sichtbar, daraus mehr zu machen als bloßen Spuk. Kiara, gespielt von Megalyn Echikunwoke, ist als Autorin mit spirituellem Hintergrund eine Figur, die zwischen Rationalität, Glaube und privater Erschöpfung steht; Miles, gespielt von Mo McRae, bringt als ehemaliger MMA-Kämpfer eine andere Art von körperlicher und emotionaler Verteidigung mit. Aber wie so oft bei Filmen, die eine starke Prämisse über eine schwächere Dramaturgie tragen wollen, wird "Stay" irgendwann zu erklärungsfreudig und zugleich zu unentschlossen. Die Struktur wirkt gekünstelt und das große Geheimnis wird zu lange zurückgehalten, bis die Auflösung zwar tragisch, aber auch etwas zu sehr auf Effekt getrimmt daherkommt. Der Film spricht viel über Liebe, Verlust, Trauma und Heilung, doch nicht immer mit jener Präzision, die diese Themen verlangen; manchmal wirkt er eher so, als streiche er um die Gefühle herum, statt wirklich in sie hineinzuschneiden. Doch die Atmosphäre ist sauber kontrolliert, das Setting gibt dem Ganzen eine klaustrophobische Spannung, und die Darsteller bemühen sich spürbar, den materialisierten Ehekrieg glaubwürdig zu machen. Wenn "Stay" funktioniert, dann in Momenten, in denen man das Gefühl hat, dass das Haus nicht nur ein Ort ist, sondern die Summe aller Verletzungen, die dieses Paar in sich getragen hat. Am Ende bleibt ein Film mit guten Absichten und einer starken Grundidee, dessen Umsetzung nicht immer die nötige Klarheit findet. "Stay" ist kein Desaster, aber auch kein besonders erinnerungswürdiger Beitrag zum Haunted-House- oder Beziehungsdrama-Genre. Er hat genug Geschmack für Atmosphäre und auch Gespür für emotionale Wunden, doch er scheut zu oft vor der Konsequenz zurück, die seine Prämisse eigentlich verlangt. Extrem schade, gerade weil der Film so vielversprechend begann..

4/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Disney/Hulu/Scalable Content/Andscape

Montag, 18. Mai 2026

No Exit (2022)

https://www.imdb.com/de/title/tt7550014/

Die junge Studentin Darby Thorne (Havana Rose Liu) ist aus der Entzugsklinig ausgebrochen, um ihrer kranken Mutter einen Besuch in ihrer Heimat abstatten, gerät auf dem Weg jedoch in einen Blizzard und ist daher gezwungen, für die Nacht Unterschlupf in einer abgeschiedenen Highway-Raststätte zu suchen. Dort sitzt sie mit vier Fremden – Sandy (Dale Dickey), Ed (Dennis Haysbert), Ash (Danny Ramirez) und Lars (David Rysdahl) - ohne Handy-Empfang fest. Als wäre dies noch nicht schlimm genug, entdeckt sie im Laufe der Nacht, dass in einem Transporter, der einem der Gestrandeten gehört, ein kleines Mädchen (Mila Harris) eingesperrt ist. Da Darby jedoch nicht weiß, wem genau das Auto gehört, versucht sie, unter größter Vorsicht und Gefahr der Sache auf den Grund zu gehen...

Ein sauber gebauter, frostig kalter Thriller, der seine Figuren in ein eingeschneites Besucherzentrum einsperrt und daraus eine Nacht macht, in der Misstrauen so schnell wächst wie der Schnee draußen. Damien Power verlegt in "No Exit" die klaustrophobische Grundidee von Taylor Adams in die Berge von Utah und konzentriert sich fast vollständig auf Darby Thorne, gespielt von Havana Rose Liu, deren Flucht aus der Entzugsklinik und unfreiwilliger Zwischenstopp im Blizzard den Film in Gang setzen. Das Beste an dem Film ist zunächst die Einfachheit seines Kammerspiel-Mechanismus. Darby trifft auf vier Fremde, darunter das Ehepaar Sandy und Ed sowie die jungen Männer Ash und Lars, und die Frage, wer von ihnen ein entführtes Mädchen im Wagen auf dem Parkplatz versteckt hat, verwandelt den Film in ein nervöses Rätsel mit moralischem Druckkochtopf. Der Schnee ist dabei nicht bloß Kulisse, sondern Mitspieler: Er schneidet die Außenwelt ab, friert jede Hoffnung auf schnelle Rettung ein und zwingt alle Beteiligten in dieselbe blecherne Warteschleife der Angst. Darby ist keine makellose Heldin, sondern eine beschädigte, nervöse, von Entzug und familiärer Schuld gezeichnete junge Frau, und gerade deshalb funktioniert der Film so gut, solange er sich auf ihre Perspektive verlässt. Liu spielt sie mit einer Mischung aus Verletzlichkeit und Entschlossenheit, die den Film menschlich hält, auch wenn das Drehbuch später in eine zunehmend mechanische Twistsammlung kippt.

Die eigentliche Stärke des Films: Er lebt nicht von der Überraschung, sondern von der Anspannung. Leider verliert "No Exit" nach der ersten großen Enthüllung spürbar an innerer Spannung, weil das Drehbuch mehr an Wendungen interessiert ist als an den Konsequenzen der Lügen. Die dünn gezeichnete Figuren und ein Finale, das sich zu sehr auf Eskalation verlässt, hinterlassen ein Gefühl, dass der Film seine eigenen Möglichkeiten nur zur Hälfte ausschöpft. Trotzdem ist "No Exit" kein schlechter Thriller. Die Inszenierung ist präzise, die Atmosphäre dicht, und Damien Power versteht es, aus einem engen Raum eine unangenehm glaubwürdige Bedrohung zu formen. Das Besondere ist, wie der Film seine moralische Unsicherheit organisiert: Jeder könnte der Täter sein, niemand ist vollständig unschuldig, und Darby muss nicht nur ein Kind retten, sondern auch lernen, sich selbst nicht als völlig verlorene Sache zu betrachten. Am Ende bleibt ein Thriller, der seine Schneise durch die Nacht mit handwerklicher Sicherheit schlägt, auch wenn er unterwegs manchmal zu sehr auf Plot statt auf Menschen setzt. "No Exit" ist damit mehr als ein routiniert gebauter Genrefilm, aber weniger als ein wirklich großer. Er ist spannend, effektiv und bisweilen nervenaufreibend - ein ordentlicher Überlebenskampf, der nicht immer den letzten Kilometer durchhält, aber lang genug, um einen kalt zu erwischen. 

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: 20th Century Studios

Samstag, 16. Mai 2026

Good Boy (2022)

https://www.imdb.com/de/title/tt19705884/

Der Millionärssohn Christian (Gard Fartein Løkke Goli) lernt die junge Studentin Sigrid (Katrine Lovise Øpstad Fredriksen) auf einer Dating-App kennen. Die beiden verstehen sich super und verbringen auch direkt die Nacht zusammen. Aber sofort am nächsten Morgen gibt es ein Problem: Christians Hund Frank. Der ist nämlich gar kein richtiger Hund, sondern ein Mann (Nicolai Narvesen Lied), der nicht nur ein Hundekostüm trägt, sondern sich auch wie ein Vierbeiner verhält. Doch Sigrid will darüber ihr Date nicht sofort in den Wind schießen. Denn auch das potenzielle Millionenerbe Christians hat eine verführerische Wirkung auf sie. Also lässt sie sich auf einen Wochenendtrip ins Ferienhaus von Christians Familie ein, wo sie außerdem hinter Franks Geheimnis kommen will.

"Good Boy" von Viljar Bøe erzählt die Geschichte einer Frau, die in einer Beziehung mit einem Mann lebt, der sich als Hund verkleidet, verhält und offenbar auch so behandelt werden will - und gerade diese absurde Prämisse entwickelt sich zu einem verstörend stillen Psychodrama über Kontrolle, Abhängigkeit und die Sehnsucht, die eigenen Grenzen aufzugeben. Was den Film zunächst wie eine Provokation erscheinen lässt, entpuppt sich als sorgfältig gebautes Kammerspiel, das seine Spannung nicht aus Blut oder plötzlichen Schocks zieht, sondern aus der allmählichen Erkenntnis, wie normalisierte Abweichung aussehen kann, wenn beide Seiten sie stillschweigend akzeptieren. Der Film interessiert sich weniger für das spektakulär Perverse an seiner Ausgangslage als für die soziale Mechanik dahinter: Wer bestimmt die Regeln, wenn jemand lieber als Haustier behandelt wird? Was bedeutet Fürsorge, wenn sie zugleich Unterwerfung ist? Und wann kippt Zuneigung in ein System, in dem die Würde nur noch als Verhandlungssache existiert? Ja, "Good Boy" ist einer dieser seltenen Horrorfilme, die ihre Grundidee nicht nur als Gimmick, sondern als echte emotionale Perspektive ernst nehmen. 

Dies ist ein Punkt, an dem ein Film nicht nur über etwas ist, sondern etwas ausstellt. "Good Boy" schaut nicht von außen auf seine Figuren herab; er bleibt dicht an ihrem verkrampften Alltagsritual, an den stummen Arrangements, an den kleinen Gesten der Macht, die ein Beziehungsgeflecht zusammenhalten und gleichzeitig vergiften. Gerade weil Viljar Bøe diese Absurdität mit ernster Konsequenz behandelt, entsteht ein Unbehagen, das länger anhält als jeder laute Effekt: Die eigentliche Gewalt des Films liegt nicht im Exzess, sondern in der Gewöhnung. Formal lebt der Film von Zurückhaltung. Er setzt auf Enge, auf kontrollierte Räume und auf eine Inszenierung, die das Unheimliche in den Zwischenräumen des Gewöhnlichen findet. Das ist klug, weil der Film so nie die Komik seiner Idee billig ausspielt. Stattdessen lässt er die Prämisse langsam arbeiten, bis aus dem Tabubruch eine unangenehm plausible Beziehungsstudie geworden ist. Dass "Good Boy" dabei gelegentlich wie ein Konzeptfilm wirkt, ist kein Makel, sondern Teil seines Effekts: Er fragt nicht, wie man diese Konstellation erklärt, sondern was sie über Einsamkeit und emotionale Kompromisse verrät. Der Film hat allerdings das gigantische Problem, dass er enorm an Faszination verliert, sobald die eigentliche Situation aufgelöst ist. 

Am Ende bleibt ein Film, der gerade durch seine Kälte so aufwühlend ist. "Good Boy" ist provokant, aber nicht leer; verstörend, aber nicht bloß schockierend; grotesk, aber mit einem ernsthaften Blick auf die Menschen, die in solchen Grotesken leben müssten. Es ist ein Film, der einen nicht fragt, ob man seine Prämisse mag, sondern ob man bereit ist, die stille Brutalität zu erkennen, die in manchen Formen von Liebe steckt. 

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Fredagsfilm AS

Freitag, 15. Mai 2026

صوت هند رجب - Ṣaut Hind Raǧab - The Voice Of Hind Rajab - Die Stimme von Hind Rajab (2025)

https://www.imdb.com/title/tt36943034/

Ein Notruf erreicht die freiwilligen Rettungskräfte des Roten Halbmonds Ende Januar 2024: Ein gerade einmal sechs Jahre altes Mädchen ist bei der Flucht aus Gaza-Stadt in einem von der israelischen Armee unter Beschuss geratenen Auto eingeschlossen. Mit im Fahrzeug saßen auch Onkel, Tanten und deren Kinder. Doch sie haben den Angriff nicht überlegt. Und so ist es nur der verzweifelte Hilferuf des Mädchens, der durch die Leitung zu den Rettungskräften durchdringt. Am Telefon tun die Helfer:innen des Roten Halbmonds ihr Möglichstes, um sie zu beruhigen und gleichzeitig einen Rettungseinsatz zu koordinieren. Unter schwierigsten Bedingungen setzen die Einsatzkräfte alles daran, einen Krankenwagen an den gefährlichen Ort zum Autowrack zu schicken und das Kind zu erreichen, bevor noch Schlimmeres geschieht. Doch um dieses eine Leben zu retten, müssen sich die Helfer selbst in akute Lebensgefahr begeben...

Wer die Geschichte des 5-jährigen Mädchens Hind Rajab kennt, sollte sich sehr gut überlegen, ob er sich diesen Film antut. Denn mit dem Wissen, was in den Stunden des 29. Januar 2024 in Gaza-Stadt und mit Hind geschah, macht man sich bewusst auf eine tieftraurige Reise, die auch kein gutes Ende findet. "The Voice Of Hind Rajab" ist einer dieser Filme, vor denen man sich fürchtet, als dass man sich auf sie freut. Man weiß, dass man nach 90 Minuten nicht unterhalten, sondern verändert aus dem Kino geht. Die tunesische Regisseurin Kaouther Ben Hania, die schon mit "Olfas Töchter" die Grenzen zwischen Dokumentarfilm und Fiktion verwischte, inszeniert hier eine Docudrama-Chronik des letzten Telefonats der fünfjährigen Hind Rajab mit dem Palästinensischen Roten Halbmond in Gaza - und macht ihre reale, zerbrechliche Stimme zum eigentlichen Protagonisten. Der Film erzählt von den verzweifelten Versuchen der Roten-Halbmond-Helfer, Hind zu retten, die in einem Auto eingeschlossen ist, umgeben von den Leichen ihrer Familie, während israelische Panzer in der Nähe stehen und das Gebiet unter Beschuss liegt. Schauplatz der gesamten Handlung ist nicht das Schlachtfeld, sondern der nüchterne, fluoreszierend ausgeleuchtete Callcenter-Raum des Roten Halbmonds, in dem die Mitarbeiter versuchen, die Bürokratie, die militärische Realität und ihre eigene Hilflosigkeit zu überwinden. Ben Hania verankert die Zuschauer vollständig in diesem Innenraum; die Außenwelt erreicht uns vor allem als Stimme, als Funkverkehr, als digitale Anzeige - und das Furchtbarste: in Form des realen Audiomaterials der Gespräche mit Hind. Statt klassischer Kriegsbilder setzt der Film auf ein konsequentes Kammerspiel: Wände, Monitore, Telefone, Gesichter, die zuhören.  Hind sehen wir nur in Archivbildern, aber wir hören sie fast in Echtzeit - eine formale Entscheidung, die aus einem konkreten Ereignis eine 70‑minütige moralische Prüfung für das Publikum macht. 

Der vermutlich stärkste - und zugleich umstrittenste - Kunstgriff des Films ist die Verwendung der echten Tonaufnahmen von Hinds Hilferufen. In den ersten zwanzig Minuten ist die emotionale Wucht dieser Aufnahmen nahezu unerträglich; die kindliche Stimme oszilliert zwischen Verwirrung, Angst und einem erschütternden Versuch, das Unfassbare zu begreifen. Ben Hania visualisiert diese Stimme teilweise sogar abstrakt - etwa über die Darstellung des Audios als Spektrogramm im Breitwandformat, als würde der Klang selbst die Leinwand besetzen. Hier liegt die ethische Spannung des Films: Er zwingt uns, zuzuhören, ohne Cut, ohne Pause-Taste, und verweigert den Rückzug in Zahlen, Statistiken oder rhetorische Abstraktion. Dass die ausgedehnte Verwendung dieser realen Stimme nicht irgendwann den Punkt erreicht, an dem Betroffenheit in Überwältigung umschlägt und der Raum für Reflexion enger wird, forciert Sympathie statt reflektierender Distanz. Aber genau das will der Film auch: tiefstes Mitgefühl erzeugen, in einer Situation, die in der "westlichen Welt", der friedlichen Welt, durch den schützenden Bildschirm immer noch "weit weg" wirkt. Es ist der Kern des Films; der Film ist der moralische Konflikt. Das Unbehagen, das man spürt, ist nicht bloß ein Effekt der Inszenierung, sondern ein Echo jener Realität, die es abbildet.  

Die Darsteller - Saja Kilani, Motaz Malhees, Amer Hlehel und Clara Khoury - verkörpern die Callcenter-Mitarbeiter, die mit Hind sprechen, Funksprüche koordinieren und gleichzeitig mit bürokratischen Hindernissen und militärischen Ansprechpartnern ringen. Hier herrscht ein gewisses Ungleichgewicht: Überzogene Ausbrüche hier, betonte Zurückhaltung dort, die nicht immer nahtlos mit der dokumentarischen Tonspur verschmelzen. Doch gerade die Leistung in ihrer Gesamtheit überzeugt als kraftvolles Gegenüber zu Hinds zerbrechlicher Stimme. Ben Hania inszeniert "Die Stimme von Hind Rajab" mit der Spannung eines Single-Location-Thrillers, aber ohne die Mechaniken des Genrefilms jemals wichtiger werden zu lassen als das Mädchen am anderen Ende der Leitung. Der Rhythmus ist bewusst klaustrophobisch: Telefonate, Rückfragen, geografische Koordinaten, die Suche nach einem sicheren Korridor - und immer wieder Hinds leiser, eindringlicher Wunsch, vor Einbruch der Dunkelheit abgeholt zu werden. Bemerkenswert ist, wie der Film mit Politik umgeht. Er liefert keine ausgeglichene Debatte, keine Talkshow-Simulation. Die Faktenlage rund um Hinds Tod ist sorgfältig dokumentiert, etwa durch Untersuchungen wie jene von Forensic Architecture, die nur israelische Panzer in der Nähe des beschossenen Fahrzeugs nachweisen konnten - ohne Hinweise auf ein Gefecht mit bewaffneten Palästinensern.  Doch "Die Stimme von Hind Rajab" referiert diese Kontexte eher implizit: durch das, was wir hören, und das, was wir nicht sehen dürfen. Der Film erhebt keinen Anspruch auf Neutralität – er ist Anklage, Archiv und Totenklage in einem. Dass der Film für den Oscar als Bester Internationaler Film nominiert wurde und auch bei den Golden Globes Beachtung fand, ist weniger ein Preis für politischen Mut als eine Anerkennung seiner filmischen Konsequenz. Ben Hania nutzt das Kino nicht als Fluchtpunkt, sondern als Zwangsraum des Hinsehens - oder besser: des Hinhörens. Am Ende verlässt man den Saal nicht mit dem Gefühl, eine Geschichte gesehen zu haben, sondern mit dem Eindruck, einem Dokument beigewohnt zu haben, das man von nun an in sich tragen muss. Filme sind ja oft Empathie-Maschinen "Die Stimme von Hind Rajab" ist ein Film, der diese Maschine auf die denkbar radikalste Weise betreibt: Er nimmt dem Zuschauer jede Ausrede, sich zu distanzieren, und überlässt ihm für 90 Minuten der Stimme eines Kindes, das es nicht mehr gibt, aber dessen Existenz nun unwiderruflich in sein Gedächtnis eingebrannt ist. 

Es gibt Filme, die man empfiehlt, und Filme, vor denen man warnt - und sie gerade deshalb empfehlen muss. "Die Stimme von Hind Rajab" gehört zur zweiten Kategorie. Hind war nur eines von etwa 14.000 palästinensischen Kindern, die nach übereinstimmenden Meldungen mehrerer Medien weltweit während des Kriegs in Israel und Gaza bis Dezember 2024 gewaltsam ums Leben kamen.

9/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Textauszüge: Wikipedia
Poster/Artwork: Studiocanal/Mime Films/Tanit Films/RaeFilm Studios/Jw Films Production/Film4 Productions.

Rental Family (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt14142060/

 Phillip Vandarpleog (Brendan Fraser) ist ein US-Amerikaner, den es in die japanische Weltstadt Tokio gezogen hat. Doch ein erfülltes Leben kann der Schauspieler dort nicht wirklich leben. Wirklich glücklich ist er nicht. Und sein täglich Brot muss er sich als sogenanntes Leihfamilienmitglied verdienen. Das heißt: Phillip füllt als Schauspieler auf Anfrage Lücken in anderen Familie aus. So ist er mal entfernter Cousin, mal Bruder, Vater, Sohn oder gar Ehemann. Seinen Kund:innen geht es oftmals wie ihm selbst: Sie sind einsam und sie suchen nach Erfüllung, Frieden, Ruhe, Gelassenheit und Sicherheit. Mal zockt Phillip mit einem schüchternen jungen Mann Videospiele, mal muss er für ein Mädchen den Vater mimen, weil die Mutter alleine nie den begehrten Schulplatz für die Tochter bekommen würde. Doch ein Auftrag entwickelt sich schnell zu mehr: Der ehrwürdige Schauspieler Kikuo Hasegawa (Akira Emoto) mietet Phillip als Interviewer, der Hasegawas Lebensgeschichte als Hinterlassenschaft für dessen Tochter entlocken soll. Je mehr die beiden miteinander sprechen, desto durchlässiger wird schließlich die Grenze zwischen Beruf und Privatleben...

"Rental Family" ist ein Film, der mit einem so bizarren, fast futuristisch anmutenden Konzept beginnt, dass er im ersten Moment wie Satire wirkt - und sich dann in eine leise, melancholische, manchmal beinahe rührende Untersuchung dessen verwandelt, was Familie überhaupt bedeutet. Dreh‑ und Angelpunkt dieser wunderschönen Story ist Brendan Fraser als Phillip Vandarpleog, einen amerikanischen Schauspieler in Tokio, der nach einem flüchtigen Werbe‑Ruhm nichts mehr als ein kleines Apartment, ein paar vergilbte Bewerbungsfotos und ein Loch in der Brust hat. Er ist nicht nur beruflich verloren, sondern emotional: ein einsamer Ausländer in einer Stadt, die ihn immer wieder an das glückliche Lachen von anderen Familien erinnert, ohne ihn selbst hineinzulassen. Diese Figur wird dann - fast wie in einem modernen Märchen - in die Welt der "Rental Families" hineingeschoben, einer fiktiven, aber an realen japanischen Dienstleistungen angelehnten Praxis, in der Menschen für konkrete emotionale Rollen gemietet werden: als verstorbener Vater, als verlorener Sohn, als Ehemann, als beste Freundin. Der Film kümmert sich nicht darum, dieses Konzept zu überprüfen, wie sozialkritisch oder moralisch fragwürdig es ist (man erinnere sich an "Alpen" von Yorgos Lanthimos, der diese ähnlich Idee in eine ganz andere Richtung steuerte); er nimmt es als Ausgangspunkt, um eine einfache Frage zu stellen: Wenn Menschen sich gezielt jemanden kaufen, der so tut, als würde er zu ihnen gehören - fühlt sich das dann weniger echt als viele Beziehungen, die wir "echt" nennen?

"Rental Family" ist dabei weniger ein Film über Plotstränge und sensationelle Wendungen, sondern ein Film über Gefühlszustände: Einsamkeit, Sehnsucht, das Gefühl, Teil einer Geschichte zu sein, auch wenn man sie nicht selbst geschrieben hat. Fraser spielt Phillip nicht als naiven, gutmütigen Dummkopf, sondern als müden, verletzten Menschen, der sich an die Rolle klammert, weil sie ihm zum ersten Mal seit Jahren das Gefühl gibt, gebraucht zu werden.  Besonders spannend ist die Entwicklung seiner Beziehung zu Mia, einem kleinen Mädchen, das an ihn als Vater glaubt, und zu Kikuo, einem alternden Schauspieler, dessen Erinnerung zerbröckelt und den Phillip als Interviewer wieder an seine Zeit in jungen Jahren zurückerinnern soll. Der Film balanciert dabei permanent zwischen Wärme und Unbehagen. Er ist nie ganz unverdächtig, ein wenig zu lieblich, zu gefällig zu enden, und die komplizierteren ethischen Fragen - Lüge, Homophobie, alleinerziehende Eltern, gesellschaftlicher Druck - spart er bewusst oft aus, um nicht zu sehr aus dem emotionalen, fast heilenden Rahmen zu fallen. Gleichzeitig wirkt gerade dies auf eine gewisse Weise wahrheitsnah: Nicht jede Geschichte über Einsamkeit muss moralisch belehren; manche zeigen einfach, wie sehr Menschen sich daran klammern, wenigstens für eine kurze Zeit zu spielen, sie wären Teil eines Zusammenhangs, der sie sonst abstoßen würde. Oder wie Fraser in seiner Rolle sehr passend am Ende auf die frage von Mia "Warum lügen Erwachsene immer?" antwortet: "Weil es einfacher ist als die Wahrheit zu sagen." - und da muss man schon zugeben, ja, oft ist das so.

Insgesamt ist "Rental Family" ein Film, der sich bewusst auf den Unscheinbaren, den Übersehenen, den Durchschnittlichen fokussiert und daraus eine sanfte, aber beharrliche Parabel über die Rolle macht, die wir einander spielen, um uns zu fühlen. Er ist nicht ganz perfekt, nicht radikal, nicht immer tiefgründig - aber er ist ehrlich in seiner Suche nach Nähe, in seinem Blick auf die kleinen Gesten, mit denen Menschen sich gegenseitig durch die Welt helfen, er ist warmherzig und lieb. In einem Zeitalter, in dem viele über Vereinsamung sprechen, ist dies ein Film, der uns nicht nur an unsere Familie erinnert, sondern daran, dass Familie manchmal auch bedeutet, sich zu entscheiden, füreinander da zu sein - auch wenn niemand uns dafür gemietet hat. Sehr ergreifend, sehr einnehmend, einfach schön.

7,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Fox Searchlight/Disney

Azrael - Azrael: Angel Of Death (2024)

https://www.imdb.com/de/title/tt22173666/

Vor Jahren hatte eine globale Apokalypse die überlebenden Menschen ihrer Fähigkeit zu sprechen beraubt. Azrael (Samara Weaving) und ihr Lebensgefährte Kenan (Nathan Stewart-Jarrett) führen seitdem ein bescheidenes Dasein, als die Mitglieder eines religiösen Kults sie gefangen nehmen und verschleppen. Nur mit viel Glück kann das Paar aus ihrer Gewalt entkommen und ins Unterholz flüchten. Als die brutalen Schergen sie dann doch wieder stellen, wird Azrael an einen Stuhl gefesselt. Währenddessen beginnen ihre Peiniger mit einer rätselhaften Zeremonie, bei der die junge Frau offenbar dämonenhaften Waldwesen geopfert werden soll, die sich von menschlichem Blut ernähren. Doch Azrael will sich nicht einfach ihrem Schicksal ergeben. Mit letzter Kraft gelingt es ihr, sich zu befreien, gerade als eines der Biester über sie herfallen will. Mit der Armlehne des Stuhls als Waffe kann sie erneut flüchten. Doch dieses Mal beschließt sie, von sich aus zurückzugehen und dem Ganzen ein Ende zu setzen, indem sie sich endgültig ihrer Verfolger entledigt …

"Azrael: Angel Of Death“ ist ein Film, der sein Versprechen am Anfang lautstark abgibt und sich dann darin verliert, wie er es einhalten will. Die Idee an sich ist klar und mutig: Eine Welt, in der Sprache abgeschafft wurde, aber die Angst blieb. Azrael lebt gemeinsam mit ihrem Partner Ylli (Nathan Stewart‑Jarrett) in einem abgelegenen, unwirtlichen Wald, bekleidet mit zerfetzter Kleidung, ernährt von unklaren Ressourcen, gebunden allein durch Nonverbales, durch Zeichen, Gesten, Blicken. Ihre leise Existenz wird von einem stummen, religiösen Kult unterbrochen, der sie gefangen nimmt und als Opfer für monströse, augenlose, verkohlte Wesen vorgesehen; sie entkommt, wird wieder gefangen, entkommt erneut, und dieser Zyklus aus Spannung und Entlastung bildet den Kern des Films. Aus diesem verrückten, zugleich finsteren Grundgedanken baut Regisseur E.L. Katz einen stummen, atmosphärischen Kammerspiel‑Horror auf, der auf die Figur der Azrael, gespielt von Samara Weaving, alles andere setzt, was ein Film noch haben kann: Körper, Stille, Blut, Temperament.

Samara Weaving spricht in diesem Film kein einziges Wort, aber jedes Keuchen, jeder Atemzug, jeder Zusammenbruch, jedes Strampeln sagt etwas aus. Sie bleibt glaubwürdig, entschlossen, verletzlich, oft auch komisch, wenn sie sich in Situationen bewegt, die zwischen grotesker Überhöhung und düsterer Ernsthaftigkeit schwanken. "Azrael" funktioniert, weil Weaving sie als Nervenstrang handelt, der sich durch einen Irrgarten von Kult, Monster und eigener Überlebenspanik schlängelt. Katz Film erinnert auch sehr an "A Quiet Place", aber mit deutlich düsterer, bizarrerer Intensität. Die Kamera hält sich an der Figur fest, folgt ihr durch enge, verfallene Hütten und dunkle Wälder; sie zeigt, wie der Körper, den man zuvor niemals als Waffe begriffen hat, zur einzigen Sprache wird. Inhaltlich bleibt der Film jedoch deutlich oberflächlich. Die Stille, die anfangs als spannendes, fast philosophisches Experiment wirkt, wirkt im weiteren Verlauf mehr wie eine Lücke als wie eine Stärke. Die Mythologie - warum Menschen ihre Stimmen aufgegeben haben, warum sie einen Bösen fürchten, der sich in der Natur versteckt, wie die Kultisten ihre Religion organisieren - bleibt im Nebel, nie wirklich ausgearbeitet. Opfer, Opferwandler, Monster, sadistische Priesterinnen - das alles bleibt reine Funktion ohne die Tiefe, die man nach einem Film mit so viel atmosphärischem Vorsatz erwarten würde. 

"Azrael: Angel Of Death" hat daher im Grunde seine guten Ideen nicht vollständig durchdacht.  Er ist brutal, intensiv, atemlos und oft brillant in seiner Kameraführung, aber auch frequent ungeduldig, tonal schwankend und narrativ eckig. Er will ein stummer, religiöser Endzeit‑Horror sein, bietet aber zu wenig Hintergrund, um die Bedeutung solcher Stille zu erschließen. Am Ende bleibt ein filmischer Schuss in die Richtung eines neuen, experimentellen Genres - postapokalyptisch, stumm, teils religiös überhöht, teils wie ein rein physischer Action‑Survival‑Film. "Azrael: Angel Of Death" ist ein erfolgreicher Versuch, Spannung fast nur aus Bilder und Körper zu ziehen, und zugleich eine Erinnerung daran, dass auch ein leises, brutales Spektakel seine eigene Geschichte braucht, um nicht nur laut, sondern auch nachhaltig zu wirken.

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: C2 Motion Picture Group/Homeless Bob Production/Traffic