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In der Einöde Alaskas ist ein brutaler Mord geschehen. Um der unerfahrenen Polizistin Ellie Burr (Hilary Swank) bei den Ermittlungen zu helfen, werden die Cop-Legende Will Dormer (Al Pacino) und sein Partner Hap Eckhart (Martin Donovan) angefordert. Dormer jedoch hat eigentlich ganze andere Sorgen: Sein Kumpel plant, mit der Abteilung für Innere Angelegenheiten wegen eines Fehlverhaltens von Dormer einen Deal abzuschließen, der ihm die Haut rettet, aber seinem ehrgeizigen Partner die Karriere kosten wird. Der Trip nach Alaska gewährt nur ein wenig Aufschub. Dem Mörder der 17-jährigen Schülerin kommen die beiden Profis schnell auf die Spur. Sie stellen ihm eine Falle, aber im dichten Nebel kommt es zum Desaster. Aus Versehen erschießt Will seinen Partner Hap, weil er ihn für den fliehenden Täter hält. Aus Angst, seine Karriere zu riskieren, verschweigt er sein Versagen und schiebt den Mord dem Killer in die Schuhe. Doch der kennt die Wahrheit. Der Kriminalautor Walter Finch (Robin Williams) schlägt dem Cop einen Handel vor...
"Insomnia" ist ein packender psychologischer Thriller, der weniger von seinem Kriminalfall als von den Menschen dahinter lebt. Bevor Regisseur Christopher Nolan mit der "The Dark Knight"-Trilogie, "Inception" oder "Oppenheimer" zu einem der prägendsten Regisseure seiner Generation wurde, inszenierte er mit "Insomnia" einen vergleichsweise kleinen, aber bemerkenswert intensiven Thriller. Das Remake des gleichnamigen norwegischen Films ist weniger ein klassischer Krimi als vielmehr eine psychologische Studie über Schuld, Moral und die zerstörerische Kraft des eigenen Gewissens. Schon die Ausgangslage macht "Insomnia" zu etwas Besonderem. Die permanente Mitternachtssonne Alaskas wird zu einem zentralen Element des Films. Es wird nie richtig dunkel, Schlaf ist kaum möglich, und die Grenzen zwischen Realität, Erschöpfung und Schuld verschwimmen zunehmend. Nolan nutzt dieses ungewöhnliche Setting hervorragend und erzeugt eine ständige innere Unruhe. Die hellen, fast blendenden Bilder wirken paradoxerweise ebenso bedrückend wie die Dunkelheit eines klassischen Film-Noir.
Den größten Anteil am Gelingen des Films hat jedoch Al Pacino. Seine Darstellung des Will Dormer gehört zu den ruhigeren, aber gleichzeitig eindringlichsten Leistungen seiner Karriere. Dormer ist kein makelloser Held, sondern ein Mann, der zunehmend an seinen eigenen Entscheidungen zerbricht. Pacino spielt diesen moralischen Verfall mit großer Zurückhaltung und verleiht der Figur eine Tragik, die den Film emotional trägt. Jedoch nicht weniger beeindruckend ist Robin Williams. Bekannt vor allem für seine komödiantischen Rollen, zeigt er hier eine seiner stärksten dramatischen Leistungen. Sein Walter Finch ist kein überzeichneter Filmpsychopath, sondern ein intelligenter, verstörend normal wirkender Mann, dessen ruhige Art eine permanente Bedrohung ausstrahlt. Gerade die Szenen zwischen Williams und Pacino gehören zu den Höhepunkten des Films und leben von ihrer subtilen Spannung. Auch Hilary Swank überzeugt als junge Polizistin Ellie Burr, die zu ihrem erfahrenen Kollegen aufblickt und gleichzeitig immer stärker an dessen Integrität zweifelt. Ihre Figur bringt eine zusätzliche moralische Ebene in die Geschichte und sorgt dafür, dass der Film nicht ausschließlich zum Duell zwischen Ermittler und Täter wird.Besonders fasziniert, dass "Insomnia" weitgehend auf große Überraschungen oder spektakuläre Wendungen verzichtet. Der Täter wird früh enthüllt, doch darum geht es Nolan auch gar nicht. Statt eines klassischen Whodunits interessiert ihn vielmehr, wie sich Schuld auf einen Menschen auswirkt und welche Kompromisse jemand eingeht, um seine eigene Wahrheit aufrechtzuerhalten. Diese psychologische Ausrichtung verleiht dem Film eine bemerkenswerte Tiefe. Die eher ruhige Erzählweise ist daher geschickt und passt hervorragend zum Thema das Films. Wie in Trance erlebt man diese filmgewordene Schlaflosigkeit. Einige Nebenfiguren bleiben zwar etwas blass, und manche Handlungselemente entwickeln sich recht vorhersehbar, dennoch funktioniert "Insomnia" insgesamt hervorragend. Die dichte Atmosphäre, die herausragenden Schauspieler und Nolans präzise Inszenierung machen aus dem Stoff einen fesselnden Thriller, der lange nachwirkt. Gerade weil der Film auf innere Konflikte statt auf Action setzt, besitzt er eine zeitlose Qualität, die ihn auch mehr als zwei Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung sehenswert macht. Nolan inszeniert eine intensive Geschichte über Schuld und Selbsttäuschung, getragen von einem großartigen Al Pacino und einem beeindruckend gegen sein Image besetzten Robin Williams. Zwar fehlen die ganz großen Überraschungen, doch die starke Atmosphäre und die vielschichtigen Figuren machen "Insomnia" zu einem der unterschätztesten Filme in Nolans quasi makelloser Filmografie.


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