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Der ehemalige US-Soldat Theo (Ron Perlman) verbringt seine Tage damit, von besseren Zeiten zu träumen, die nun Jahre hinter ihm liegen. Jede Woche trifft sich Theo mit Olga (Natti Natasha), einer Prostituierten, die er dafür bezahlt, mit ihm darüber zu sprechen, wer er einmal war und was er unter anderen Umständen hätte werden können. Als Olga ermordet wird, begibt sich Theo auf eine blutige Rachetour, die schnell die Aufmerksamkeit des alkoholkranken Polizeiinspektors Iborra und des kaltblütigen Auftragskillers Herodes erregt.
Der Titel "The Gentleman" weckt unweigerlich Erinnerungen an Guy Ritchies (beinahe) gleichnamigen Gangsterfilm - doch damit hat dieser spanisch-mexikanische Neo-Noir-Thriller nichts gemeinsam. Regisseur Miguel Ángel Lamata erzählt stattdessen eine klassische Geschichte über Schuld, Einsamkeit und Vergeltung. Im Mittelpunkt steht kein cooler Gangsterboss, sondern ein gezeichneter Mann, der nach einem persönlichen Verlust ein letztes Mal zu den Waffen greift. Das Ergebnis ist ein atmosphärisch dichter Thriller, der vor allem von seinem Hauptdarsteller lebt, erzählerisch aber nicht immer das volle Potenzial seiner Prämisse ausschöpft. Ron Perlmans markante Stimme und seine raue Ausstrahlung verleiht seinem Theo eine beeindruckende Mischung aus Härte, Melancholie und Würde. Statt den typischen unaufhaltsamen Actionhelden zu spielen, verkörpert Perlman einen Mann, der vom Leben gezeichnet wurde und dessen körperliche wie seelische Narben jederzeit spürbar sind. Gerade diese Verletzlichkeit hebt die Figur angenehm von vielen Genre-Klischees ab. Auch die Inszenierung überzeugt über weite Strecken. Die Schauplätze in San Sebastián verleihen dem Film eine besondere Atmosphäre, die sich wohltuend von den üblichen Großstadtkulissen amerikanischer Rachethriller unterscheidet. Enge Gassen, verregnete Straßen und gedämpfte Farben unterstreichen die melancholische Grundstimmung. Der Film setzt weniger auf spektakuläre Explosionen als auf ruhige Spannung und gezielt eingesetzte Gewaltausbrüche, die dadurch umso wirkungsvoller erscheinen.
Positiv fällt zudem auf, dass "The Gentleman" seinen Protagonisten nicht als unbesiegbaren Rächer inszeniert. Theo ist älter geworden, bewegt sich vorsichtiger und muss sich auf Erfahrung statt auf körperliche Überlegenheit verlassen. Diese Bodenständigkeit verleiht den Actionszenen eine gewisse Glaubwürdigkeit und sorgt dafür, dass die Geschichte trotz ihrer klassischen Prämisse authentisch wirkt. Allerdings zeigt sich damit auch, warum der Film insgesamt nur im oberen Mittelfeld landet. Die Handlung folgt weitgehend bekannten Mustern des Rachethrillers und überrascht nur selten. Viele Wendungen lassen sich früh erahnen, und einige Nebenfiguren bleiben zu eindimensional, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Gerade die Gegenspieler hätten deutlich mehr Profil vertragen können, um Theos Feldzug emotional noch wirkungsvoller zu machen. Auch das Erzähltempo ist nicht immer optimal. Während der ruhige Einstieg hervorragend funktioniert und die Figur des Theo sorgfältig etabliert, verliert die Geschichte im Mittelteil etwas an Dynamik. Manche Szenen wirken länger als nötig, bevor das Finale wieder spürbar an Fahrt gewinnt. Wer einen kompromisslosen Actionfilm erwartet, dürfte den zurückhaltenden Erzählstil daher als etwas zu gemächlich empfinden.Dennoch besitzt "The Gentleman" genügend Qualitäten, gut zu unterhalten. Der Film lebt von seiner melancholischen Atmosphäre, einem überzeugenden Ron Perlman und einer angenehm klassischen Inszenierung, die sich bewusst gegen die überstilisierten Actionfilme der letzten Jahre stellt. Er mag das Genre nicht neu definieren, erzählt seine Geschichte aber solide und mit spürbarer Leidenschaft.


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