Freitag, 10. Juli 2026

Snow White And The Huntsman (2012)

https://www.imdb.com/de/title/tt1735898/

"Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?" Doch was die tyrannische Königin (Charlize Theron) zu hören bekommt, gefällt ihr ganz und gar nicht. 'Snow White' (Kristen Stewart) ist das einzige Mädchen weit und breit, dass noch hübscher als die böse Herrscherin des Märchenlands ist. Vor Wut und Neid hält es die Königin kaum mehr aus und beschließt ein grausames Verbrechen zu begehen. Der Jägersmann (Chris Hemsworth) wird ausgesandt, um Schneewittchen in den Wald zu bringen und zu töten. Doch anstatt das unendlich schöne Mädchen umzubringen, wird der Jäger zu ihrem Beschützer und Mentor. Er bringt ihr das Kämpfen bei und bereitet sie auf ihre Mission vor - die böse Königin zu besiegen.

Mit "Snow White And The Huntsman" sollte das klassische Märchen der Gebrüder Grimm eine düstere, epische Neuinterpretation erhalten. Mit Charlize Theron, Kristen Stewart und Chris Hemsworth ist der Film hochkarätig besetzt, die Trailer versprechen bildgewaltige Fantasy und eine etwas erwachsenere Version des bekannten Stoffes. Das Ergebnis ist durchaus sehenswert, bleibt aber deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück. Die Geschichte orientiert sich nämlich nur lose am bekannten Märchen. Die junge Schneewittchen (Kristen Stewart) flieht vor ihrer skrupellosen Stiefmutter Ravenna (Charlize Theron), die ihre Jugend und Schönheit mithilfe dunkler Magie bewahrt. Um die Flüchtige aufzuspüren, schickt die Königin den Huntsman (Chris Hemsworth) in den geheimnisvollen Dunkelwald. Statt sie auszuliefern, stellt er sich jedoch auf ihre Seite und begleitet sie auf ihrem Weg, das Königreich von Ravennas Herrschaft zu befreien. Schon nach wenigen Minuten wird klar, wo die größte Stärke des Films liegt: die Optik. Regisseur Rupert Sanders erschafft eine beeindruckende Fantasywelt voller dichter Wälder, imposanter Burgen und märchenhafter Kreaturen. Besonders der düstere Dark Forest und das kontrastreiche Sanctuary gehören zu den visuell eindrucksvollsten Schauplätzen des Films. 

Auch Charlize Theron ist ein echtes Highlight. Als böse Königin Ravenna dominiert sie nahezu jede Szene mit einer Mischung aus Eleganz, Wahnsinn und verletzlicher Verzweiflung. Ihre Interpretation der Märchenschurkin verleiht der Figur deutlich mehr Tiefe, als man zunächst erwarten würde. Viele Rezensenten waren sich einig, dass Theron den Film über weite Strecken nahezu im Alleingang trägt und die mit Abstand eindrucksvollste Leistung des Ensembles abliefert. Chris Hemsworth überzeugt ebenfalls als Huntsman. Seine Figur erhält mehr Hintergrund als im Originalmärchen und entwickelt sich glaubwürdig vom desillusionierten Söldner zum loyalen Beschützer. Zwischen ihm und Charlize Theron entsteht eine Dynamik, die den Film immer wieder belebt. Problematischer fällt dagegen die Hauptfigur aus. Kristen Stewart spielt Schneewittchen zwar zurückhaltend und ernst, bleibt dabei jedoch häufig zu distanziert. Gerade in den emotionalen Szenen fehlt ihrer Figur die Ausstrahlung, die notwendig gewesen wäre, um die Entwicklung von der verängstigten Gefangenen zur Hoffnungsträgerin eines ganzen Königreichs glaubhaft zu machen. Dieser Kritikpunkt zog sich durch viele zeitgenössische Rezensionen und sorgte dafür, dass die Hauptfigur trotz ihrer zentralen Rolle erstaunlich blass wirkt. 

Auch das Drehbuch kann mit der beeindruckenden Inszenierung nicht Schritt halten. Obwohl die Geschichte interessante Ansätze bietet und bekannte Märchenelemente neu interpretiert, bleibt die Handlung häufig überraschend vorhersehbar. Viele Figuren werden nur oberflächlich eingeführt und erhalten kaum Gelegenheit, sich weiterzuentwickeln. Besonders im Mittelteil verliert der Film spürbar an Tempo und wirkt stellenweise deutlich länger, als es seine Laufzeit vermuten lässt. Hinzu kommt ein unausgewogener Ton. Mal möchte "Snow White And The Huntsman" ein düsteres Fantasy-Epos sein, dann wieder klassisches Märchen oder romantisches Abenteuer. Diese unterschiedlichen Ansätze fügen sich nicht immer harmonisch zusammen. Einige Szenen wirken emotional überraschend kühl, obwohl sie eigentlich große Wirkung entfalten sollten. Dadurch bleibt der Film trotz seiner imposanten Bilder auf emotionaler Ebene häufig erstaunlich distanziert.

Dennoch ist hier nicht alles nur schlecht. Die atmosphärische Musik von James Newton Howard und die hervorragenden visuellen Effekte machen den Film jederzeit sehenswert. Gerade Fantasy-Fans kommen aufgrund der detailreichen Weltgestaltung und der gelungenen Actionsequenzen auf ihre Kosten. Nur gelingt es dem Film eben nicht, aus seiner starken Besetzung und der faszinierenden Optik auch eine ebenso packende Geschichte zu entwickeln. Kurz: Wer opulente Bilderwelten liebt, wird gut unterhalten - wer auf eine ebenso starke Geschichte hofft, dürfte am Ende etwas enttäuscht sein.

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkUniversal Pictures/Roth Films

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen