
Die Stripperinnen Destiny (Constance Wu), Ramona Vega (Jennifer Lopez), Diamond (Cardi B) und ihre Kolleginnen arbeiten jeden Abend hart, um ihre schmierige, aber durchaus wohlhabende Kundschaft bei Laune zu halten. Doch obwohl die zu großen Teilen aus reichen Wall-Street-Spekulanten besteht, nehmen die Frauen jeden Abend nur einen Hungerlohn mit nach Hause, von dem sie kaum die Miete bezahlen können. Doch damit soll nun ein für alle mal Schluss sein. Gemeinsam hecken sie einen raffinierten Plan aus, mit dem sie die Geschäftsmänner um ihre substantiellen Reichtümer erleichtern und die soziale Gerechtigkeit in einem Amerika, das durch die Spekulanten beinahe ruiniert wurde, wieder ein bisschen geraderücken können...

"Hustlers" in der Regie von Lorene Scafaria erzählt eine Geschichte über Frauenfreundschaft. Die Handlung setzt im Jahr 2007 ein, kurz vor der großen Finanzkrise, die auch die Frauen im Stripclub "Moves" hart treffen wird. Den Rahmen bildet ein Gespräch, das Destiny 2014 mit einer Journalistin (Julia Stiles) führt, nachdem "alles außer Kontrolle" geraten ist. Der Begriff fiel zu Beginn schon mal: Dies will auch eine Geschichte über Kontrolle sein: die der mit ihren zugerichteten Körpern arbeitenden Frauen über ihre eigenen wirtschaftlichen Verhältnisse und damit über die Männer, die ihre Kunden sind. Das hätte spannend werden können, doch das Gegenteil ist der Fall. Ein Grund dafür ist die offenbar eherne Massenkompatibilität des Star-Images von Jennifer Lopez. Diesem in unzähligen People-Magazine-Stories gepflegten Image soll kein Bruch zugemutet werden; mit ihm muss auch die leicht anrüchige Rolle der Ramona versöhnt werden. Und so wirkt Ramona denn auch fast wie Jennifer Lopez selbst: eine schöne und irgendwie doch anständige Frau um die 50, die aussieht wie 30, viel Geld verdient und es vornehmlich für Luxuswaren ausgibt.
Immer wieder werden Ramona und Destiny beim Shoppen gezeigt. Immer wieder sieht man sie vor Begeisterung außer sich geraten über ein Paar High Heels von Louboutin, die Handtasche von Hérmes oder einen Chinchilla-Pelz. Doch mit der Finanzkrise verlieren die Frauen ihre Einkünfte; Versuche, sich eine andere, quasi "ehrbare" Existenz zu schaffen, scheitern an den Verhältnissen, etwa fehlender Rücksicht auf Alleinerziehende. Also werden die Frauen kreativ: Gemeinsam mit anderen bilden Ramona und Destiny eine kleine Bande, die reiche Männer mit Drogen betäubt und dann deren Kreditkartenlimit ausreizt. Dass dies für sie genauso ein Geschäft wie die Finanzgeschäfte an der Wall Street ist, wird ausgesprochen, aber nicht verbildlicht. Wiederholt inszeniert Lorene Scafaria zwar die Wärme zwischen den Frauen, mehr noch aber deren Shopping-Glück: Die Arme voller Haut-Couture-Tüten, stürmen sie euphorisiert durch die Szenerie.
Die Schlussfolgerung ist ernüchternd. Die starken Frauen, welche die Männer zu Opfern machen, sind hier als Konsumentinnen am nützlichsten. "Hustlers" stellt keine Fragen an seine Figuren; der Film reflektiert auch nicht über Körper oder Sex, sondern setzt vielmehr auf Sexyness und Glamour, wovon es reichlich gibt im Tabloid-Format. Die kriminellen Aktivitäten sind relativiert durch die eigentliche Grundanständigkeit der Protagonistinnen, die wenigstens im Fall von Destiny am Ende dann das hollywoodübliche kathartische Schuldeingeständnis zur Folge hat. "Hustlers" will indes mehr bieten als Schwesternschaftgerede und Augenfutter - nämlich Gesellschaftskritik üben. "Leute, die verletzt wurden, verletzen Leute", sagt Ramona zum Ende hin und: "Diese Stadt, das ganze Land, ist ein Stripclub. Auf der einen Seite sind die Leute, die mit dem Geld werfen, auf der anderen die Menschen, die dafür tanzen." Das klingt dann doch (zu) banal.
6/10
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