Montag, 11. September 2017

Ninja Assassin (2009)

http://www.imdb.com/title/tt1186367/

Raizo (Rain) ist einer der gefährlichsten Auftragskiller der Welt - seit ihn der Ozuno-Clan als Kind aus der Gosse geholt und zu einer perfekten Tötungsmaschine ausgebildet hat. Aber als die Geheimorganisation, die viele bloß für einen Mythos halten, seine Freundin brutal hinrichtet, bricht Raizo mit dem Clan - und verschwindet. Nun bereitet er seine gnadenlose Rache vor und wartet. Währenddessen stößt Europol-Agentin Mika Coretti in Berlin auf dunkle Geldgeschäfte, die eine mysteriöse Killerbande aus dem Fernen Osten mit politischen Morden in Verbindung bringt. Obwohl es ihr Vorgesetzter Ryan Maslow ausdrücklich untersagt, schnüfflt sie in streng geheimen Unterlagen herum, um die Wahrheit herauszufinden. Doch durch die Ermittlungen gerät sie plötzlich selbst ins Visier des Ozuno-Clans. Er schickt sein Killerteam, angeführt von dem brutalen Takeshi, um Mika Coretti für immer zum Schweigen zu bringen. Raizo gelingt es zwar, sie zu retten, doch er weiß: Der Clan wird nicht eher ruhen, bis sie beide ausgelöscht sind. Sie geraten mitten in Berlin in ein tödliches Katz- und Mausspiel. Jetzt kommt es für Raizo und Mika darauf an, einander zu vertrauen und zusammenzuhalten, wenn sie überleben und den Ozuno-Clan zur Strecke bringen wollen...

Eins vorweg: man sollte bei einem Titel wie "Ninja Assassin" keinen Actionthriller mit spannenden Intrigen auf internationaler Ebene rechnen, sonder eher mit Ninjas, die irgendwelche Leute niederstrecken. Und genau das bekommt man zusammen dem üblichen cineastischem Aufbau: das Training der Jungen, die diszipliniert und in höchster Perfektion ausgebildet werden, um schließlich einen Hauptdarsteller zu bekommen, der durch seine Ausbildung ein Übermensch geworden ist und sich immer wieder an Szenen aus seiner Vergangenheit erinnern kann, um in einer aussichtslosen Situation, eine, seiner Herkunft gerechten Aktionen zu bringen, um schließlich den Kampf gegen einen weiteren, aber viel böseren Übermenschen zu gewinnen. Dazu bekommt man noch eine austauschbare Liebesgeschichte, die einen mäßig bis gar nicht mitnimmt. In diesen Punkten macht "Ninja Assassin" also nichts neu.

Deswegen bleibt "Ninja Assassin" nur noch die Action um zu punkten. Diese ist konsequent mit CGI Blut, welches noch nie schlechter ausgesehen hat, und Albernheiten überladen, was dem Film kurioserweise unterhaltsam macht. Der Protagonist wird mit (gefühlt) 20 Shuriken durchlöchert, um danach von einem Hochaus zu fallen und das ganze zu überleben. Oder mit einem Katana einmal quer durch den Bauchbereich geschnitten, um hinterher eine kümmerliche Schnittwunde davon zu tragen. Solche Szenen sind bei "Ninja Assassin" keine Seltenheit und quasi andauernd wird Raizo zerfleischt, nur um danach die nächsten 20 Ninja zu zerschlagen, als wären das nur irgendwelche Stümper und hätten keine ähnliche Ausbildung durchgemacht. Der Film ist daher durchweg unspannend und die Schauspielerei aller Beteiligten macht es nicht besser.  Als wäre das nicht genug, übertreiben es die Macher ab einem gewissen Punkt mit der Unlogik und dem ganzen CGI-Splatter, dass man öfter, zum eigenen Erstaunen, laut loslachen muss, nur um im nächsten Moment wieder den Kopf zu schütteln. Dieser (in gewissen Szenen an "Mortal Kombat" erinnernder Verschnitt macht irgendwo doch noch Laune, ist nicht zu lang oder zu kurz und bietet für einen Hirn-raus/Action-rein-Abend durchaus ganz gute Unterhaltung.

5,5/10

Samstag, 9. September 2017

The Ice Storm - Der Eissturm (1997)

http://www.imdb.com/title/tt0119349/

Die 70-er Jahre in den USA bei Lichte besehen: Die sexuelle Aufklärung tobt und mit ihr der Partnertausch, die Wasserbetten und der schlechte Geschmack. Der Regisseur Ang Lee zeichnet das Leben von zwei benachbarten wohlanständigen Mittelstandsfamilien. Papa Ben Hood von der einen Familie hat ein Verhältnis mit Mama Carver von der anderen Familie. Bens Frau ist neurotisch: Sie stiehlt kräftig in Läden und liest Sexualratgeber. Wer selbst so sehr mit seiner eigenen Entwicklung beschäftigt ist, kommt nicht dazu, sich um seine pubertierenden Kinder zu beschäftigen. Und so mündet der Film bei aller vorhergehenden Komik in einen Eissturm und einem tragischen Ende...

Ein Film für Cineasten und Zuschauer mit Verstand. Der Film hat einen subtilen Humor und durchleuchtet die törichte, amerikanische Familie der 70er Jahre. Eine Gesellschaftsstudie. November 1973, Thanksgiving-Wochenende. Die Watergate-Affäre hat erst begonnen, der Vietnam-Krieg ist bereits zu ende, die sexuelle Revolution hat inzwischen auch die Vorstädte der Ostküste erreicht. Zwei benachbarte, befreundete Familien. Beide sind nur auf den ersten Blick glücklich. Der introvertierte Paul (Tobey Maguire) fährt aus dem Internat heim. Während Paul für eine Mitschülerin (Katie Holmes) schwärmt, wird seine Schwester (Christina Ricci) vom ältesten Sohn (Elijah Wood) der Nachbarn angehimmelt. Seine Mutter (Joan Allen) ist vom Familienalltag frustriert, sein Vater (Kevin Kline) steigt der Nachbarin (Sigourney Weaver) nach. Affären, Betrug und Verletzlichkeit verbinden die Eltern, die vergeblich versuchen eine funktionierende Scheinrealität aufrecht zu erhalten. Die Unsicherheit des Erwachsenwerdens und vorsichtige Zuneigung zueinander verbinden die Kinder. Nach und nach erst offenbaren sich die tiefen, emotionalen Risse in der nur äußerlich makellosen Fassade. Der titelgebende Eissturm ist dabei lediglich Katalysator einer Zerrissenheit, die sich schon längst ihren Weg in die Familien gesucht hat. Am Ende wird er seine Opfer fordern, physisch wie psychisch. Und Ang Lee hält dies in grandios bitteren, zärtlichen Aufnahmen fest.

Lee rekonstruiert einerseits sehr detailliert die US-Gegenwart der 70er und demontiert andererseits, die damalig herrschenden familiären Sitten aufgrund der sozialen Umbrüche. Dies weckt Zweifel am angeblichen Erfolgsmodell der Liberalisierung, die sich in den Staaten breit machte. Die beiden bürgerlichen Familien dienen hier als Spiegelbild der amerikanischen Gesellschaft der 70er. Die "Schlüsselparty" ist nicht nur ein Relikt jener Zeit. Sie dient innerhalb der Handlung auch als Verweis auf den Egoismus der Erwachsenen. Die Folge dieser gesellschaftlichen Zusammenkunft sind Konflikte und die Besinnung auf einstige Werte. Auch wenn Ang Lee eine recht einseitige und teilweise zynische Abrechnung betreibt, ist sein Sozialdrama stilistisch beeindruckend und emotional intensiv. Einzig das moralgetränkte Ende will nicht ganz so recht passen. Aber sei's drum. "Der Eissturm" ist nicht nur wegen der herausstechenden Besetzung sehenswert, er gehört aufgrund Story, Inszenierung, Aussage und Empfindlichkeit definitiv zu Ang Lees besten Werken.

8/10

Freitag, 8. September 2017

Moonlight (2016)

http://www.imdb.com/title/tt4975722/

Der neunjährige, "Little" genannte Chiron (Alex R. Hibbert) spricht nicht viel. Er frisst den Kummer in sich hinein, den seine alleinerziehende Mutter Paula (Naomie Harris) mit ihrer Cracksucht verursacht. Es braucht eine Ersatzfamilie, den Drogenhändler Juan (Mahershala Ali) und dessen Freundin Teresa (Janelle Monáe), damit sich der Junge langsam öffnet. Als Teenager (Ashton Sanders) hat Chiron dann starke Probleme an der Highschool – weil er anders ist, mit seinem besten Kumpel und Schulkameraden Kevin (Jharrel Jerome) die ersten homosexuellen Erfahrungen macht. Schließlich, mit Ende 20, hat Chiron die Opferrolle abgelegt. Er nennt sich Black (Trevante Rhodes) und macht sein Geld als Drogendealer. Ein überraschender Anruf von Kevin (André Holland) aber löst etwas in ihm aus: Der Freund von früher, inzwischen ein Koch, bittet Black, ihn in Miami zu besuchen...

"Wer bist du?" wird Chiron am Ende des Films gefragt und genau darum geht es auch in diesem Werk. Inwieweit ist der Selbstentwurf von äußeren Faktoren bedingt? Inwieweit lassen sich die widrigen Umstände einer Vita überwinden? Was erfasst uns so im Kern, dass es noch lange Zeit nachwirkt und sich gar als konstitutiv für unsere Identität darstellt? In drei ruhigen, sehr gefühlvollen Episoden jenseits von Kitsch, Gefühlsduselei und Klischees werden drei Lebensabschnitte punktuell beleuchtet, die aber freilich nicht beliebig daher kommen, sondern maßgeblichen und tiefen Einblick in den unsicheren und in seiner Entfaltung gehemmten Charakter des Filmhelden gewähren. Man fühlt sich ein in den von der Welt gebeutelten jungen Mann, der sich kaum bis nicht auszudrücken vermag, aber durch kathartische Entladungen letztlich zunehmend auf die Bahn der Selbstfindung geleitet wird. Die drei Geschichten sind in sich rund und könnten auch alleine stehen, weiten im Gesamtgefüge aber freilich den Horizont.


"Moonlight" ist nicht deshalb ein so guter Film, weil es ein "schwarzer Film" ist, sondern weil es ein guter Film ist. Die rassische Frage ist dabei weitgehend irrelevant, die gesamte Story würde in einem White Trash Setting in etwa ebenso aussehen. Es ist das Soziale, nicht die Hautfarbe, auf das hier fokussiert wird. Es ist ein sensibles Portrait eines Außenseiters, der in einer machohaften Umgebung bereits in der Schule gemoppt wird, weil er anders ist, von schmächtiger Statur und schwul. In drei Kapiteln wird ein Großteil des Lebens von Chiron (Ashton Sanders, Alex R. Hibbert, Trevante Rhodes) beschrieben: Vater auf und davon, Mutter (eindrucksvoll Naomie Harris ist ein Junkie) und nur der Drogenboss der Gegend Juan (Mahershalla Ali) nimmt sich seiner an.

Aus der durchgängig dichten Atmosphäre ragen wegen ihrer darstellerischen Brisanz besonders drei Szenen heraus: als Chirons Freund Kevin (André Holland) ihn am Strand 'berührt', was ihn zeitlebens geprägt hat, dann Chirons Gespräch mit seiner Mutter, die einen Entzug macht und schließlich der Besuch Chirons nach Jahren bei Kevin. Die letzte Einstellung lässt es offen, was da zwischen den beiden Männern läuft. Überhaupt bleibt die Kamera auch schon vorher diskret auf Distanz. Der homoerotische Aspekt ist zwar latent vorhanden, bleibt aber letztendlich marginal.

Entscheidend ist, was aus Chiron und Kevin geworden ist: der eine tritt in die Fußstapfen seines Ersatzvaters. Ein Muskelprotz mit Goldkette und goldene Grills im Mund. Der andere hat eine Tochter und arbeitet als Koch. Zwei Optionen, die belegen, dass es fifty-fifty steht, was man aus seinem Leben macht, egal welche Hautfarbe man hat. Das ist genau das Verhältnis zwischen Nature und Nurture sagt die Wissenschaft. Das Original meint "Im Mondlicht sehen die farbigen Jungs blau aus". "Moonlight" ist ein sehr guter und ungemein berührender Film. "Moonlight" hat seine Lorbeeren und auch die Oscars allemal verdient.

8,5/10

Von DCM Film Distribution kam der Film auch im schicken, limitierten und glanzveredelten Mediabook.

The Night Before - Die Highligen drei Könige (2015)

http://www.imdb.com/title/tt3530002/

Viele Menschen nehmen das Weihnachtsfest zum Anlass, besinnliche und ruhige Tage im Kreise ihrer Liebsten zu verbringen. Eine ganz andere Tradition pflegen jedoch die drei High-School-Freunde Ethan (Joseph Gordon-Levitt), Isaac (Seth Rogen) und Chris (Anthony Mackie). Jedes Jahr treffen sie sich am Heiligen Abend, um New York City unsicher zu machen und es auf einer fetten Party so richtig krachen zu lassen. Obwohl die Männer mit zunehmendem Alter mehr und mehr an den Spuren der exzessiven Nacht zu knabbern haben, denken sie nicht daran, bei ihrer jährlichen Sause einen Gang runterzuschalten. In diesem Jahr aber wissen die Herren, dass ihr letztes weihnachtliches Treffen ansteht. Unterschiedliche Lebenswege zeichnen sich ab, zu denen auch die Familiengründung gehört: Isaac und seine Freundin Betsy (Jillian Bell) werden ein Baby bekommen. Also will das Kumpel-Trio noch mal so richtig die Sau rauslassen und auf der besten Weihnachtsparty überhaupt abfeiern. Im Gepäck haben die Jungs ein Geschenk von Betsy: eine bunte Mischung diverser Drogen...

"The Night Before" ist ein Film über einen wilden, aufregenden Partyabend und aber auch gleichzeitig eine irgendwie doch besinnliche Weihnachtskomödie, die schön unklischeehaft ist und manch witzige Anspielung auf Weihnachten und Weihnachtsfilme (inkl. der sehr freien Interpretation der "Weihnachtsgeschichte" von Charles Dickens) beinhaltet. Die Geschichte der drei Jungs hat eine nette Tradition und es macht Spaß, die drei, die eine sehr gute Chemie besitzen, zusammen zu sehen; doch es geht nicht nur um Partymachen und Freundschaft, auch in den einzelnen Storysträngen, von denen jeder weitestgehend interessant ist, stecken weihnachtliche Botschaften. Seth Rogen ist zwar fast den ganzen Film auf Drogen, doch dadurch entstehen viele absurde und dadurch witzige (sofern man auf Rogen-Humor steht) Situationen und auch innerhalb der verschiedenen Trips gibt es immerhin Abwechslung.

Anthony Mackie bleibt hier am blassesten und hat auch verglichen die am wenigsten spannende Geschichte. Joseph Gordon-Levitt ist als sympathischer Loser das Herz des Films und seine Szenen zusammen mit der tollen Lizzy Caplan sind die Highlights des Films, weil sie sehr schlagfertig sein kann und die ernsthaften, emotionalen Momente zwischen den beiden gut funktionieren. Auch in den Nebenrollen ist der Film gut besetzt, keiner versaut seine Stelle; hier ist Michael Shannon als undurchsichtiger Dealer ist ein echtes kleines Highlight. Aber auch der Grinch, Jillian Bell und Mindy Kaling sorgen für einige Lacher. Diese Mischung aus Bromance- und weiblichem, aber gleichzeitig auch derbem Humor gibt ihm viel Abwechslung, sodass ich einige Male herzlich auflachen musste. Dadurch und durch die interessante narrative Struktur wird der Film nie langweilig, sondern bleibt durchweg unterhaltsam.

"Die Highligen drei Könige" ist damit definitiv kein neuer "Weihnachtsklassiker" aber die bei dem bescheuerten deutschen Titel befürchtete Katastrophe ist es auch nicht. Seth Rogen und seinen Humor muss man schon mögen, allerdings ist der Witz "Menschen auf Drogen machen komische Sachen" langsam etwas ausgelutscht.

6,5/10

Leprechaun - Leprechaun: Der Killerkobold (1993)

http://www.imdb.com/title/tt0107387/

Es ist nicht leicht, rechtzeitig ans Ende eines Regenbogens zu gelangen (zudem wenn er bekanntlich zwei Enden hat), um sich des dort vorzufindenden Goldtopfes zu bemächtigen. Und so ist einem Leprechaun, dem grüngewandeten kleinen Mann, das schwer erlaufene Gold mehr als lieb und teuer. Wehe dem also, der ihm den Topf abspenstig zu machen gedenkt! Und so folgt der Leprechaun (Warwick Davis) Dan O'Grady (Shay Duffin) in die Staaten, nachdem dieser dem Kobold das Gold abgeluchst hatte. Nachdem der Leprechaun O'Gradys Gattin getötet hat, gelingt es O'Grady den bösen Zwerg mithilfe eines vierblättrigen Kleeblatts in eine Kiste zu bannen, bevor ihn ein Hirnschlag niederstreckt. Zehn Jahre später zieht  J. D. Redding (John Sanderford) mit seiner halwüchsigen Tochter Tory (Jennifer Aniston) in das Farmhaus, nicht um die düstere Geschichte wissend. Bei Renovierungsarbeiten durch Nathan (Ken Olandt) und seinen Bruder Alex (Robert Hy Gorman) sowie den zurückgebliebenen Kumpel Ozzie (Mark Holton) wird der Leprechaun unbeabsichtigt befreit. Und dieser setzt sofort alles daran, sein Gold zurückzubekommen - notfalls mit todbringender Gewalt.

"Leprechaun" von Mark Jones wäre gerne hemmungsloses 80er Horror-Trash-Amüsement. Doch so wenig er zeitlich noch in dieses Jahrzehnt passt, so wenig gelingt es ihm auch, eine kurzweilige und bündige Horrorshow mit viel gewolltem und ungewolltem Humor zu inszenieren. Dabei ist der titelgebende grüne Kobold von der Insel wohl eine der interessantesten, weil merkwürdigsten und eigenwilligsten Figuren der Horrorfilmgeschichte. Entgegen der vielen altbekannten Bösewichte, die mit ihrer unterschiedlichen Bewaffnung und einem festen Vorsatz zu töten ausgestattet sind, liegen dem Leprechaun vor allem zwei Dinge am Herzen: Gold und saubere Schuhe. Die Gleichung ist mit diesem Wissen leicht: Wer das Gold des Kobolds stiehlt, wird getötet; wer dreckige Schuhe trägt oder besitzt, bekommt sie geputzt. Als wäre das nicht schon schräg genug, macht der Winzling, der im Übrigen grandios von dem kleinwüchsigen Warwick Davis verkörpert wird, aus jeder Konfrontation mit seinen Opfern ein tödliches Spiel, das von seinem allgegenwärtigen Gackerlachen begleitet wird. Dieser Knirps hat einfach immer eine Menge Spaß und setzt dem grimmigen Ernst vieler Slasher eine kindlich verspielte Seite gegenüber - obwohl natürlich hier wie in ähnlich gelagerten Horrorstreifen im Endeffekt gemordet wird.

Aber trotz dieses irrwitzig unterhaltsamen Antagonisten ist "Leprechaun" nicht mehr als eine wirre und überwiegend langweilige Nummern-Revue. Während jede einzelne Jagd- und Killsequenz für sich genommen mit sprühenden Einfällen verspielt und amüsant daherkommt, ist das restliche Handlungsgeschehen inklusive aller beteiligten Figuren ein Totalausfall. Entweder wurde dem Drehbuch zu wenig Zeit gewidmet oder es wurde schlichtweg verhunzt, denn selten hat man so überwiegend leblose und unsympathische Figuren in ein wirres Spektakel geschickt. Selten war ein Horrorfilm so zerfahren inszeniert, dass das erste Auftreten des Bösewichts viel zu früh kommt, um dann im Anschluss in ein wüstes "Ups, da bin ich wieder!" ohne erkennbare Logik zu verfallen. Es fehlt "Leprechaun" an alle Ecken und Enden an einer narrativen Gesamtstruktur, die das Kasperletheater des grünen Winzlings in eine konsumierbare Form gießt. So bleiben am Ende zweifellos einige Höhepunkte im Gedächtnis, sodass jeder für sich selbst entscheiden sollte, ob er das nötige Sitzfleisch für die volle Spielfilmlänge mitbringen will.

4,5/10

Von NSM als Mediabook-Collection mit allen fünf Filmen im Leatherbook / Mediabook erschienen. Limitiert auf 500 Stück und komplett ungeschnitten in HD.

Donnerstag, 7. September 2017

American Made - Barry Seal: Only In America (2017)

http://www.imdb.com/title/tt3532216/

Der Pilot Barry Seal (Tom Cruise) nutzt in den 80er-Jahren seinen Flugschein, um mit Drogen- und Waffenschmuggel das große Geld zu machen. Einen wesentlichen Teil seiner illegalen Aktivitäten wickelt er dabei im kleinen Örtchen Mena im US-Bundesstaat Arkansas ab. Doch seine Erfahrung als Schmuggler macht ihn auch für die CIA interessant, die ihn schon bald für verdeckte Operationen in Südamerika rekrutiert. Barry entdeckt jedoch schnell, dass er weiterhin mit den verschiedensten Parteien Geschäfte machen kann und so verstrickt er sich in ein kompliziertes Netz aus Machenschaften, an dem amerikanische Geheimdienste, Guerrillakämpfer aus Nicaragua und das von Drogenbaron Pablo Escobar geführte Medellin-Kartell beteiligt sind. Schon bald macht ihn sein Doppelleben als Schmuggler und Geheimagent zu einem der reichsten Männer der USA, doch das zieht schnell neue Probleme nach sich...

Es gibt wahre Geschichten, für die Drehbuchautoren eigentlich nur dankbar sein können. Die von Pilot Barry Seal, der während der Hochphase des kolumbianischen Drogenhandels für die Kokain-Könige (u.a. Pablo Escobar) schmuggelte und zeitgleich außerdem für den CIA arbeitete und im Flug über den mittelamerikanischen Raum Fotos schoss, ist so ein Fall. Als fiktive Handlung würde man sie wohl als zu konzipiert, übertrieben und schlicht und ergreifend unrealistisch abtun. Als historische Begebenheit offenbart die Geschichte aber alles, was ein gut unterhaltender Film bieten sollte: eine interessante Hauptfigur, ein gelungener Spannungsbogen und die Erkenntnis, dass selbst absurdeste Dinge möglich sind. Dieses Gesamtpaket wird dazu von der flotten und stilistisch sauberen Inszenierung von Regisseur Doug Liman komplettiert, der nach "Edge Of Tomorrow" erneut mit Tom Cruise zusammenarbeitet, der hier zwar erneut sein Sonnyboy-Image pflegt, aber anders als im Flop "Die Mumie" verkommt es hier nicht zum öden Exzess. Seine Darstellung bleibt trotz seines tpyischen Lächelns stets menschlich und es ist gerade diese Charakterisierung, die dazu führt, dass viele Szenen des Films erst richtig kraftvoll wirken. Wobei "Barry Seal: Only In America" keine Produktion ist, die sich selbst so ernst und wichtig nimmt. Mit den Werkzeugen der sanften satirischen Überzeichnung und ironischen Stichelei wird zum einen die Zeitepoche immer wieder als ambivalent entlarvt, zum anderen wird die wirklich absurde Situation, in der sich der Titelheld befindet, als schlechter Witz präsentiert.

Liman macht von Beginn an kein großes Geheimnis daraus, dass "Barry Seal: Only In America" vor allem ein primäres Ziel hat, nämlich für knapp 2 Stunden wunderbar zu unterhalten. Die Story ist zweifellos nicht neu, die Thematik wurde schon oft in Filmen und Serien aufgegriffen, dennoch hat der Film sehr viel Charme. Er ist ein durch und durch kurzweiliger, wunderbar konsumierbarer und dabei wirklich nicht dummer Unterhaltungsreigen, der das Publikum durchaus fassungslos zurück lassen könnte. Doch darauf zielt Liman nicht ab. Viel mehr setzt er auf eine Art Verwunderungs-Effekt. Irgendwann lösen die einzelnen Fäden, mit denen Seal agiert, nur noch Verblüffung aus. Dass dahinter im Grunde nur die typisches Geschichte einer Figur steht, die dank Glück, Zufall oder Schicksal an die richtige, bzw. falschen Kontakte gerät und damit zu schmutzigen Reichtum kommt, ist verzeihlich. Vor allem wenn es eben so einnehmend dargeboten wird wie hier. Außerdem verzichtet "Barry Seal: Only In America" weitestgehend darauf seine Titelfigur zu läutern. Der Barry am Ende des Films ist zwar nicht mehr der gleiche wie zu Beginn, oder zur Hochphase seines Schaffens, aber dem Zuschauer wird keine allzu große, moralische Botschaft vor die Stirn geknallt, kurz bevor der Abspann einsetzt. Das ist erfrischend.

Wie es sich für Cruise gehört, macht er seine Stunts natürlich wieder alle selber. Aber nicht nur das, denn Cruise flog auch die waghalsigen Flugzeugstunts selber, praktisch, wenn man einen Flugschein hat. Auch ansonsten verzichtet Liman zum großen Teil auf CGI. Die Locations fühlen sich zu jedem Zeitpunkt sehr organisch und echt an, die Action ist sehr gut inszeniert, das eingesetzte CGI fällt kaum bis gar nicht auf. Die Kameraarbeit ist abwechslungsreich, Liman ist immer mitten im Geschehen, ab und zu wirkt "Barry Seal: Only In America" dabei wie eine Dokumentation. Auch abseits von Hauptdarsteller Tom Cruise kann der Cast überzeugen. Domhnall Gleeson als Strippenzieher spielt sehr motiviert, Sarah Wright als verzweifelte Ehefrau von Barry Seal ist glaubwürdig. Der restliche Cast macht ebenfalls einen guten Job, auch wenn der Star des Films ganz klar Tom Cruise ist. In den knapp 115 Minuten gibt es so gut wie keine Verschnaufpause und zum Glück keine unnötigen Längen. Ohne Schwächen ist "Barry Seal: Only In America" aber dann auch nicht. Das größte Vergehen den Films ist, dass er oftmals mit seinem eigenen Potenzial protzt, aber es teilweise komplett verschläft, wirklich einzusetzen. Vor allem bei den Nebenfiguren ist das deutlich zu erkennen. So wird z.B. plötzlich ein Kleinstadt-Sheriff (Jesse Plemons, Fargo) eingeführt und welche Aufgabe dieser innerhalb der Handlung haben wird, wird von Liman szenisch sehr klar aufgezeigt. Doch wie die meisten Nebenfiguren mit Potenzial dieser Produktion wird er einfach fallen gelassen.

Dennoch bleibt der Streifen eine einnehmende Geschichte, verpackt in eine flotte, ironisch fixierte, aber niemals alberne, Inszenierung und Tom Cruise in Bestform. Dass der Film immer wieder mit seinem vorhanden Potenzial protzt, dieses aber leider nie wirklich konsequent zu nutzen vermag ist der wohl der größte Makel dieses dennoch empfehlenswerten Biopics.  "Barry Seal: Only In America" ist charmant, streckenweise irre witzig und einfach perfekte Unterhaltung, der es sicherlich an etwas Substanz fehlt, aber vermutlich wollten Cruise und Liman auch gar nicht mehr.

8/10

Awake (2007)

http://www.imdb.com/title/tt0211933/

Auf den ersten Blick führt Clay Beresford (Hayden Christensen) ein privilegiertes Leben. Als Erbe schwimmt er im Geld und schließt internationale Wirtschaftsverträge ab, während zuhause seine bildhübsche Verlobte Sam (Jessica Alba) wartet. Leider hat Clay aber nur ein schwaches Herz. Als ihm endlich eine Transplantation zugesagt wird, bittet er seinen Freund, den Chirurg Jack Harper (Terrence Howard), den Eingriff vorzunehmen. Trotz heftiger Einwände seiner Mutter Lilith (Lena Olin), die ihren Sohn lieber in den Händen eines erfahreneren Arztes sehen würde, legt Clay sich auf Jacks OP-Tisch. Doch die Narkose schlägt fehl. Vollkommen bewegungslos bekommt er mit, wie sein Herz den Körper verlässt - und wie die Chirurgen einen mörderischen Plan beginnen...

Die Grundidee ist ziemlich reizvoll. Die eigene Herz-OP bei vollem Bewusstsein mitzuerleben, ohne sich äußern zu können ist eine grauenvolle Vorstellung. Da steckt richtig viel Potenzial drin. "Awake" nutzt das leider nicht vollends nicht aus. Statt sich auf diese Situation und die dabei entstehende Gefühlswelt des bemitleidenswerten Protagonisten zu konzentrieren, (was z.B. in "Buried" oder "127 Hours" prima funktioniert hat) wird einem ein vollkommen überkonstruierter und nicht mal ansatzweise glaubhafter Verschwörungsthrillerplot aufgetischt, der sich unserem Helden (Hayden Christensen) anhand von Erinnerungen und Jenseitsgrenzerfahrungen erschließt. Gut für ihn, dass seine Peiniger ihren Plan und ihre Motive im OP nochmal haarklein aufrollen, somit ist er schnell voll im Bilde. Und der Zuschauer leider auch, der spätestens ab der Hälfte ahnt, wohin das Ganze geht. Damit hätte der gesamte Plot auch in einen Kurzfilm gepasst und mit 81 Minuten ist das Regiedebüt von Joby Harold ja eigentlich schon nicht lang. Aber man fühlt sich unterhalten und milde spannend ist die ganze Story auch noch.

Genau genommen erzählt "Awake" zwei Handlungsstränge gleichzeitig. Einmal von der Tatsache, das Clay seine OP mit erlebt und einmal von der, die im Trailer dummerweise gespoilert wird. Daher sollte man diesen - sofern man ihn nicht schon gesehen hat - ganz schnell links liegen lassen. Alle Schauspieler erbringen eine solide Leistung; Christensen, Howard und Alba sind in ihrer schauspielerischen Limitation völlig ausreichend für diese Art von Erzählung, aber wirklich überzeugen kann nur Lena Olin. Ein unaufdringlicher Soundtrack und schön gefilmte Bilder tun ihr übriges um einen Film zu liefern, der für einen guten Unterhaltungswert sorgt. Nicht zu lang, nicht zu schwer. Okay.

6,5/10