Samstag, 3. Oktober 2026

GODZILLA 怪獣惑星 - Gojira: Kaijū Wakusei - Godzilla: Planet Of The Monsters - Godzilla: Planet der Monster (2017)

https://www.imdb.com/title/tt5979874/
https://letterboxd.com/film/godzilla-planet-of-the-monsters/

Im letzten Sommer des 20. Jahrhunderts wurde die Menschheit mit einer gänzlich neuen Bedrohung konfrontiert: Riesige Monster, „Kaiju“ genannt, tauchten plötzlich auf und begannen unter der Führung von Godzilla den Planeten in Schutt und Asche zu legen. Die Menschen versuchten vergeblich, gegen die neue Übermacht anzukämpfen, aber 2048 müssen sie sich ihre Niederlage eingestehen – die Erde wird nun von den Monstern beherrscht. Deswegen planen sie, ein neues Zuhause im Weltall zu suchen und eine Gruppe Auserwählter, zu denen auch Haruo Sakaki (Stimme im Original: Mamoru Miyano) gehört, macht sich auf zu dieser verantwortungsvollen Mission. Als sich der Zielplanet als Reinfall entpuppt, bleibt nur noch eine Möglichkeit: Godzilla mit allen Mitteln zu bekämpfen und so die Kontrolle über die Erde zurückzuerlangen. Für Haruo eine Herzensangelegenheit - schließlich wurden seine Eltern von der Riesenechse getötet und nun sinnt er auf Rache…

Mit "Godzilla: Planet der Monster" wagt sich das japanische Monster-Urgestein erstmals in einen vollständig computeranimierten Spielfilm - und verlegt die Handlung gleich 20.000 Jahre in die Zukunft. Nachdem Godzilla und andere Kaiju die Erde verwüstet haben, flieht die Menschheit ins All. Als sich der vermeintliche Zufluchtsort als unbewohnbar erweist, kehren die Überlebenden unter Führung des verbissenen Haruo Sakaki (Mamoru Miyano) zur Erde zurück. Dort wartet allerdings keine vertraute Heimat mehr, sondern ein völlig neuer Planet, an dessen Spitze Godzilla steht. Die Grundidee ist tatsächlich reizvoll. Statt Godzilla erneut in einer modernen Großstadt wüten zu lassen, entwirft der Film eine postapokalyptische Science-Fiction-Welt mit interstellaren Reisen, fremden Spezies und einer Erde, die sich über Jahrtausende völlig verändert hat. Besonders die Vorstellung, dass die Natur nach dem Verschwinden der Menschen ein neues Gleichgewicht entwickelt hat, verleiht dem Film einen interessanten ökologischen Unterton.

Leider bleibt vieles davon an der Oberfläche. Das Drehbuch von Gen Urobuchi liefert zwar zahlreiche große Konzepte, verliert sich aber häufig in technischen Erklärungen, politischen Diskussionen und militärischen Planungen. Die Figuren wirken dagegen erstaunlich blass. Haruo ist als von Rache getriebener Held zunächst nachvollziehbar, wird durch seine kompromisslose Art aber schnell anstrengend. Die Nebenfiguren bleiben meist auf ihre Funktion innerhalb der Handlung reduziert, weshalb der emotionale Einsatz der Menschheit um ihre Rückkehr zur Erde nur begrenzt mitreißt. Optisch ist der Film durchaus interessant, aber nicht durchgehend überzeugend. Die 3D-CGI-Animation ermöglicht beeindruckende Größenverhältnisse und verleiht Godzilla eine gewaltige, fast naturkatastrophale Präsenz. Gerade die Kämpfe und die Darstellung des riesigen Godzilla Earth gehören zu den stärkeren Momenten. Gleichzeitig wirken Bewegungen und Gesichter teilweise steif, während die Figuren in manchen Szenen eher wie Spielfiguren aus einem Videospiel aussehen. Die technische Umsetzung ist ambitioniert, erreicht aber nicht immer die Ausdruckskraft klassischer 2D-Animation.

Wenn Godzilla schließlich ins Geschehen eingreift, funktioniert der Film am besten. Seine schiere Größe, die wuchtigen Attacken und die bedrohliche Präsenz vermitteln zumindest ansatzweise das Gefühl, es mit einer nahezu unbezwingbaren Naturgewalt zu tun zu haben. Allerdings wird Godzilla über weite Strecken eher als fernes strategisches Ziel behandelt denn als ständig präsente Bedrohung. Wer vor allem spektakuläre Monster-Action erwartet, muss sich deshalb in Geduld üben. Auch die Inszenierung schwankt zwischen atmosphärischer Science-Fiction und recht trockener Exposition. Die fremdartige Erde, die Ruinen und die riesigen Landschaften erzeugen gelegentlich starke Bilder. Dazwischen stehen jedoch lange Dialogpassagen, militärische Besprechungen und Erklärungen, die den Erzählfluss immer wieder ausbremsen. Der Film fühlt sich dadurch eher wie der Auftakt einer größeren Geschichte an als wie ein in sich vollständig befriedigendes Abenteuer.

Trotzdem ist "Godzilla: Planet der Monster" kein völlig misslungener Neustart. Die Verlegung in die Zukunft, die neue Interpretation Godzillas und die Verbindung aus Kaiju-Film und Weltraumoper zeigen Mut. Auch die Musik von Takayuki Hattori unterstützt die epische Dimension des Geschehens. Nur gelingt es dem Film nicht, seine interessante Welt mit entsprechend starken Charakteren und einer konstant packenden Dramaturgie zu verbinden.

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Polygon Pictures/TOHO

Digger (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt31450459/
https://letterboxd.com/film/digger-2026/

Der in die Jahre gekommene, verschrobene, milliardenschwere Erdölmagnat Digger Rockwell (Tom Cruise) hat durch seine skrupellosen Geschäftstaktiken eine Umweltkatastrophe verursacht, die unter anderem das ewige Eis der Polarkappen schmelzen lässt und Tsunamis verursacht, die wiederum Atomkraftwerke beschädigen. Nun steht die Menschheit kurz vor dem Aus, die Welt versinkt im Chaos, alle bereiten sich schon auf die kurz bevorstehende Apokalypse vor, einzelne Nationen bringen Truppen in Stellung. Nun verlangt der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika (John Goodman) von Digger Rockwell, die Suppe, die er allen eingebrockt hat, selbst auszulöffeln und den Planeten zu retten. Dieser nimmt die Herausforderung an, denn als Egomane käme es ihm ganz recht, als großer Retter der Menschheit dazustehen.

"Digger" ist alles andere als der typische Tom-Cruise-Film. Regisseur Alejandro González Iñárritu schickt den Superstar als exzentrischen Öl-Milliardär Digger Rockwell in eine absurde Weltuntergangssatire: Nachdem eine von Rockwells Unternehmungen eine globale Umweltkatastrophe ausgelöst hat, versucht ausgerechnet der Verantwortliche, sich zum Retter der Menschheit aufzuschwingen. Damit verbindet Iñárritu schwarze Komödie, Gesellschaftssatire und Katastrophenfilm zu einem ziemlich wilden Genre-Mix. Tom Cruise geht dabei sichtbar ins Risiko. Mit Bauch, Perücke, Prothesen und stark veränderter Stimme hat er mit seinem üblichen Leinwandimage kaum noch etwas gemeinsam. Entscheidend ist aber, dass die Verwandlung nicht bloß ein Gimmick bleibt: Cruise spielt Rockwell als selbstverliebten, größenwahnsinnigen und gleichzeitig erstaunlich verletzlichen Mann. Gerade diese ungewöhnliche Performance gehört zu den am häufigsten gelobten Elementen des Films.

Auch die Nebenrollen sind stark besetzt. Riz Ahmed, John Goodman, Sandra Hüller, Jesse Plemons und Sophie Wilde bekommen neben Cruise genügend Raum, wobei besonders Ahmed und Goodman für einen nachhaltigen Eindruck sorgen. Allerdings hat der Film ein grundsätzliches Problem mit seiner Figurenzeichnung: Viele Charaktere funktionieren eher als satirische Typen denn als wirklich ausgearbeitete Menschen. Das passt zum absurden Ansatz, kostet der Geschichte aber emotionale Tiefe. Visuell ist "Digger" dagegen eine Wucht. Emmanuel Lubezki fotografierte den Film komplett in VistaVision und entwickelt gemeinsam mit Iñárritu eine ungewöhnlich opulente, teilweise groteske Bildsprache. Produktionsdesign, Kostüme, Masken und Kameraarbeit sind ausgesprochen aufwendig und unterstreichen den surrealen Charakter der Geschichte. 


"Digger" ist ein gutes Beispiel für einen Film, bei dem die Ambition zugleich seine größte Stärke und Schwäche ist: Tom Cruise liefert eine ungewöhnlich exzentrische Performance, Iñárritu inszeniert visuell extrem eigenwillig - doch Satire, Komödie und Weltuntergangsdrama finden nicht immer zu einer überzeugenden Einheit. 

Inhaltlich zielt Iñárritu deutlich auf Themen wie Macht, Gier, Verantwortung und Umweltzerstörung. Rockwell verkörpert dabei einen Menschen, der die Katastrophe zunächst selbst verursacht und anschließend unbedingt beweisen möchte, dass nur er sie wieder beseitigen kann. Das ist als Satire durchaus reizvoll, wird allerdings teilweise sehr plakativ präsentiert. Der Film vertraut seinem Publikum nicht immer genug und erklärt manche seiner Aussagen lieber noch einmal, anstatt sie aus den Figuren und Situationen heraus wirken zu lassen. Das größte Problem ist deshalb der Ton. "Digger" möchte gleichzeitig absurd komisch, politisch bissig, emotional, apokalyptisch und philosophisch sein. Einzelne Szenen funktionieren hervorragend, andere wirken dagegen merkwürdig deplatziert oder schlicht nicht besonders lustig. Auch die Dramaturgie ist bewusst unberechenbar und nimmt einige sehr eigenwillige Abzweigungen. Das macht den Film interessant, verhindert aber ebenso einen wirklich runden Erzählfluss. 

Und trotz seiner Schwächen ist gerade dieser Mut bemerkenswert. Nach Jahren, in denen Tom Cruise vor allem mit spektakulärem Blockbusterkino verbunden wurde, liefert er hier eine ausgesprochen schräge Charakterrolle. Und Iñárritu geht nicht den sicheren Weg, sondern versucht, aus einem potenziellen Hollywood-Starvehikel etwas deutlich Eigenständigeres zu machen. Nicht jede Idee sitzt, aber "Digger" ist zumindest niemals langweilig oder beliebig. Am Ende bleibt eine visuell beeindruckende, hervorragend gespielte und angenehm riskante Satire, die ihre großen Ideen nicht immer elegant zusammenbekommt. "Digger" ist manchmal zu laut, zu bemüht und zu eigenwillig - gleichzeitig aber genau deshalb interessanter als ein weiterer glattpolierter Katastrophen-Blockbuster.

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Warner Bros. Pictures/Legendary Pictures/TC Productions/M Productions/Domain Entertainment

Not Without My Daughter - Nicht ohne meine Tochter (1991)

https://www.imdb.com/de/title/tt0102555/
https://letterboxd.com/film/not-without-my-daughter/

Eigentlich führt die Amerikanerin Betty Mahmoody (Sally Field) in den USA eine glückliche Ehe mit dem Iraner Moody (Alfred Molina). Aber als die junge Familie, zu der auch Tochter Mahtab (Sheila Rosenthal) gehört, in den Iran zu Moodys Verwandten reist, kippt die Stimmung. Ohne seine Frau oder Tochter zu informieren, hat Moody seinen Job als Arzt in einem amerikanischen Krankenhaus gekündigt. Denn die Reise war längst als dauerhafte Rückkehr in den Iran geplant, zu der Betty niemals bereit gewesen wäre. Nach der Ankunft in Moodys arabischer Heimat setzt er seine Frau unter Druck und will si dazu bringen, dem iranischen Frauenbild entsprechend zu leben. Sie soll ihn als unumstrittenes Oberhaupt anerkennen. Da Betty ihre Tochter Mahtab nicht zurücklassen will, reist sie nicht einfach aus, sondern geht zum Schein auf Moodys Forderungen ein. Insgeheim plant sie aber eine Flucht mit Mahtab, um nicht nur sich, sondern auch ihre Tochter aus der Unterdrückung zu befreien...

"Nicht ohne meine Tochter" ist ein Film, der auch mehr als 30 Jahre später noch erstaunlich funktioniert und beklemmend wirkt - auch wenn der Film damals wie heute sehr klischeehafte, pauschalisierende und anti-islamische, ja, sogar rassistische Haltungen einnimmt. Ich würde den Film hier bewusst auch in seinem historischen Kontext betrachten. Sally Field spielt hier Betty Mahmoody, eine amerikanische Mutter, die mit ihrem iranischen Mann Moody (Alfred Molina) und der gemeinsamen Tochter für einen vermeintlich kurzen Familienbesuch in den Iran reist. Dort eröffnet ihr Moody plötzlich, dass sie bleiben werden - und aus der Reise wird ein Kampf um Freiheit und die gemeinsame Tochter. Brian Gilbert inszeniert das zunächst fast wie ein Familiendrama, bevor sich die Geschichte immer stärker zum Flucht- und Überlebensthriller entwickelt. Gerade dieser langsame Übergang funktioniert hervorragend. Aus alltäglichen Situationen werden zunehmend Bedrohungen, während Betty merkt, dass sie kaum noch Kontrolle über ihr eigenes Leben besitzt. Der Film baut die Spannung dabei weniger über Action als über die ständig wachsende Ausweglosigkeit auf. 

Sally Field spielt Betty nicht als unerschrockene Actionheldin, sondern als verängstigte Frau, die Schritt für Schritt lernen muss, sich gegen ihre Situation zu behaupten. Gerade die Mischung aus Angst, Wut und Entschlossenheit trägt den Film. Alfred Molina ist als Moody ebenfalls stark, wobei seine Figur zunehmend zum klassischen Antagonisten gezeichnet wird. Die kleine Sheila Rosenthal als Tochter Mahtob sorgt zusätzlich für eine emotionale Dimension, weil Bettys Flucht dadurch nicht nur der eigenen Freiheit, sondern auch dem Schutz ihres Kindes gilt. Handwerklich ist das Ganze eher solides 90er-Jahre-Kino als große Filmkunst. Die Bilder sind funktional, Jerry Goldsmiths Musik unterstützt die Spannung wirkungsvoll und die Inszenierung findet besonders in den Fluchtszenen einen guten Rhythmus. Gleichzeitig wirkt manches heute ziemlich plakativ und melodramatisch. Der Film möchte seine Zuschauer emotional packen - und scheut sich dabei nicht vor deutlichen Gesten und sehr klaren Gut-und-Böse-Zuordnungen. Genau hier liegt auch das größte Problem. "Nicht ohne meine Tochter" erzählt konsequent aus Bettys Perspektive, aber dadurch entsteht ein ausgesprochen einseitiges Bild des Iran und seiner muslimischen Bevölkerung. Die emotionale Wirkung passt, jedoch wird praktisch keine muslimische Figur positiv dargestellt. Das ist für mich mehr als nur eine historische Randnotiz. Der persönliche Erfahrungsbericht von Betty Mahmoody bildet zwar die Grundlage der Geschichte, doch die Verfilmung macht daraus teilweise ein sehr schematisches Bild einer fremden Kultur. Selbst Figuren, die Betty helfen, erscheinen eher als Ausnahmen innerhalb einer grundsätzlich feindselig dargestellten Gesellschaft. 

Trotzdem würde ich dem Film nicht absprechen, dass er als Thriller funktioniert. Gerade die klaustrophobische Atmosphäre, Bettys zunehmende Isolation und die Angst um ihre Tochter entwickeln eine enorme Sogwirkung. Die eigentliche Flucht wird dadurch zum spannendsten Teil des Films. Gleichzeitig ist "Nicht ohne meine Tochter" emotional ziemlich manipulativ und moralisch wesentlich einfacher gestrickt, als sein realer Hintergrund vermuten lässt.  Er ist ohne Zweifel ein wirkungsvoller, hervorragend gespielter und stellenweise richtig spannender Fluchtthriller, dessen emotionale Wirkung bis heute funktioniert. Gleichzeitig ist die Darstellung des Iran und des Islam so einseitig, dass der Film seine eigene Geschichte unnötig vereinfacht. Ein zwiespältiger, aber durchaus packender 90er-Jahre-Thriller.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Ufland/MGM-Pathé Communications/Metro-Goldwyn-Mayer

Backwood Madness - Trolls Rising (2025)

https://www.imdb.com/title/tt5159720/
https://letterboxd.com/film/backwood-madness/

Während des Zweiten Weltkriegs stoßen finnische Soldaten in den Wäldern auf ein Volk mystischer Waldwesen und töten mehrere von ihnen. Jahrzehnte später kehrt die Vergangenheit zurück: Ein geheimnisvolles Mischwesen macht sich auf, das Gleichgewicht zwischen Menschen und Kreaturen wiederherzustellen. Doch zwischen Menschen, Trollen und anderen Wesen entbrennt ein blutiger Kampf, der tief in den finnischen Wäldern seine Spuren hinterlässt...

"Backwood Madness" ist definitiv kein Film, dem es an Ideen mangelt. Finnische Soldaten töten während des Zweiten Weltkriegs Angehörige des Troll-Volkes und lösen damit einen blutigen Rachefeldzug aus. Jahre später versucht ein Mischwesen, das Gleichgewicht zwischen Menschen und Waldwesen wiederherzustellen. Daraus macht Ari Savonen eine Mischung aus Folk Horror, Fantasy, Kriegsfilm und Splatter. Doch die nichtlineare Struktur mit mehreren Zeitebenen sorgt weniger für Spannung als für Verwirrung. Figuren, Beziehungen und Motivationen werden nur unzureichend eingeführt, sodass man gerade zu Beginn Mühe hat, überhaupt zu verstehen, wer hier gegen wen kämpft und warum. Selbst wenn sich später einige Zusammenhänge klären, bleibt die Geschichte unnötig zerfasert. Dabei steckt in der Grundidee durchaus Potenzial. Die Verbindung von Krieg, Naturzerstörung und der Rache der Waldwesen lässt sich problemlos als ökologische Allegorie lesen. Der Film interessiert sich aber deutlich mehr für Blut und Monster als für die interessanten Themen dahinter. Dialoge und Figuren bleiben entsprechend oberflächlich.

Wo "Backwood Madness" wirklich punkten kann, ist die handgemachte Effektarbeit. Die unterschiedlichen Trolle und Goblins sehen teilweise richtig stark aus, und gerade die Masken und praktischen Gore-Effekte vermitteln angenehm viel B-Movie-Charme. Auch die finnischen Waldlandschaften funktionieren hervorragend als Kulisse. Dazu kommt ein atmosphärischer Score, der dem ansonsten ziemlich chaotischen Geschehen zumindest gelegentlich Gewicht verleiht. Leider reicht das nicht für einen funktionierenden Film. Die Inszenierung wirkt häufig amateurhaft, das Schauspiel bleibt wechselhaft und die zahlreichen Zeitsprünge machen die ohnehin dünne Handlung noch schwerer zugänglich. Gerade bei einem Film, der über zehn Jahre hinweg produziert wurde, ist das Ergebnis technisch in einzelnen Bereichen erstaunlich, als geschlossenes Werk aber deutlich unausgereift und funktioniert für mich nur sehr eingeschränkt. 

3/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: SF Media Oy/Bright Fame Pictures

New Life (2023)

https://www.imdb.com/de/title/tt18973958/
https://letterboxd.com/film/new-life-2023-1/

Jessica Murdock (Hayley Erin) ist untergetaucht und auf der Flucht. Das FBI ist gewillt, die junge Frau endlich in Handschellen zu legen und schickt deshalb die mit allen Wassern gewaschene Spezialagentin Elsa Gray (Sonya Walger) in die Spur. Doch Elsa kämpft nicht nur gegen Jessicas Ausdauer, sondern auch gegen den eigenen Körper. Denn der arbeitet mit einer unheilbaren Krankheit gegen sie. Das FBI weiß davon nichts, doch Elsa kann dadurch immer schlechter ihren Job machen. Außerdem kann sie sich schon bald, je näher sie Jessica kommt, nicht mehr sicher sein, wirklich auf der Seite von Recht und Ordnung zu stehen…

John Rosmans "New Life" beginnt als rätselhafter Verfolgungsthriller: Jessica (Hayley Erin) ist auf der Flucht, während FBI-Agentin Elsa Gray (Sonya Walger) ihre Spur aufnimmt. Erst nach und nach wird klar, dass hinter der Jagd eine gefährliche Infektion steckt. Aus dem Thriller entwickelt sich so eine Mischung aus Seuchenhorror, Body Horror und persönlichem Drama. Die beiden Hauptdarstellerinnen Hayley Erin und Sonya Walger verleihen ihren Figuren trotz der teilweise etwas konstruierten Handlung glaubwürdige Emotionen. Besonders gelungen ist, dass der Film die drohende Katastrophe nicht über große Action, sondern über die persönlichen Schicksale seiner Figuren vermittelt. Auch der handgemachte Body Horror sorgt für einige unangenehme und durchaus effektive Momente.

Leider ist "New Life" erzählerisch nicht ganz so stark wie seine Ausgangsidee. Der Film hält seine Informationen lange zurück, wodurch die Spannung nicht immer wächst, sondern stellenweise einfach ins Stocken gerät. Die Hintergründe der Epidemie und des FBI-Einsatzes bleiben zudem teilweise zu vage. Was zunächst wie bewusstes Mystery wirkt, erscheint später gelegentlich eher wie eine dünne Drehbucherklärung. Atmosphäre und Inszenierung profitieren dagegen vom kleinen Budget: ländliche Schauplätze, zurückhaltende Kameraarbeit und eine insgesamt nüchterne Optik passen gut zum minimalistischen Ansatz. Gerade dadurch wirkt die drohende Katastrophe stellenweise angenehm realistisch. Ein sicher interessantes Genredebüt mit guten Darstellerinnen, einigen starken Body-Horror-Momenten und einer gelungenen Mischung aus Thriller und Seuchenfilm. Allerdings bremsen das gemächliche Tempo, einige konstruiert wirkende Handlungselemente und die etwas unbefriedigende Auflösung den Film deutlich aus. 

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Great Lakes Vacuum Supplies Unlimited/American Storyworks

El Convento - The Convent - Der Konvent: Im Namen des Teufels

https://www.imdb.com/de/title/tt29259211/
https://letterboxd.com/film/the-convent-2026/

1750: Eine Gruppe Nonnen lebt innerhalb der eigentlich so sicher und ruhig erscheinenden Mauern eines katholischen Klosters in der spanischen Provinz. Doch dann verfällt die Oberin Schwester Águeda (Ana Álvarez) während einer Messe plötzlich in eine religiöse Ekstase. Die Frau weint unablässig blutige Tränen und gewinnt damit große Aufmerksamkeit bei den Gläubigen der Gegend, die schnell von einem Wunder sprechen. Inspiriert von Águeda treffen zwei junge Novizinnen ein, um sich in ihren und den Dienst Gottes zu stellen. Es dauert nicht lange, da wirbeln die Neuankömmlinge den klösterlichen Alltag mächtig auf. Während Lucía (María Mercado) ganz und gar Águeda verfallen ist, beäugt Ana María (Nahia Bergasa) deren Treiben ungleich skeptischer und vermutet einen sinistren Hintergrund. Sie denkt, dass hinter dem Deckmantel des Glaubens dunkle Mächte am Werk sein könnten...

Der übernatürliche Horrorfilm ist inspiriert von Ereignissen, die sich Mitte des 18. Jahrhunderts in einem Konvent im spanischen Corella (gelegen im äußersten Südwesten der heutigen autonomen Gemeinschaft Navarra) zugetragen haben sollen. Der Film von Luis Galindo und Ángel M. Chivite greift die Geschichte der satanischen Nonnen von Corella auf und verbindet sie mit klassischem religiösem Horror. Das Problem: Aus diesem wirklich interessanten Stoff macht der Film erstaunlich wenig. Lucía (María Mercado) und Ana María (Nahia Bergasa) kommen aus unterschiedlichen Gründen in das abgelegene Kloster. Während Lucía von Schwester Águeda (Ana Álvarez), der geheimnisvollen Oberin, und deren vermeintlichen Wundern fasziniert ist, bleibt Ana María skeptischer. Genau dieser Gegensatz ist eigentlich eine hervorragende Ausgangslage. Glaube trifft auf Zweifel, mystische Erfüllung auf blankes Überleben. Leider braucht "Der Konvent" ziemlich lange, um überhaupt in Gang zu kommen. Die erste Hälfte setzt vor allem auf Alltag, religiöse Rituale und die bedrückende Atmosphäre des Klosters. Das ist grundsätzlich nicht schlecht - im Gegenteil: Die Zurückhaltung hätte zu einem richtig schön langsamen, psychologischen Horrorfilm führen können. Nur fehlt es an Spannung. Statt einer stetig wachsenden Bedrohung bekommt man über weite Strecken vor allem sehr viel Warten. Dabei sieht das Ganze durchaus ordentlich aus. Die alten Gemäuer, engen Gänge, Kerzen, religiösen Symbole und das Spiel mit Licht und Schatten schaffen eine passende, klaustrophobische Atmosphäre. Kameramann Íñigo Hualde holt aus den begrenzten Schauplätzen einiges heraus. Gerade deshalb ist es schade, dass die Inszenierung diese visuelle Grundlage nur selten für wirklich starke Schreckmomente nutzt. 

Auch die Darstellerinnen können nicht wirklich dafür sorgen, dass das Drehbuch seine Schwächen kaschiert. Ana Álvarez ist als Schwester Águeda zweifellos die auffälligste Erscheinung und verleiht der Oberin eine interessante Mischung aus Frömmigkeit und Unberechenbarkeit. María Mercado und Nahia Bergasa machen als gegensätzliche junge Frauen ebenfalls einen ordentlichen Job. Gerade ihre Figurenbeziehung hätte aber wesentlich mehr Tiefe vertragen können. Die beiden sind eher Funktionen der Handlung als wirklich komplex ausgearbeitete Charaktere. Und dann kommt das Drehbuch. Je näher "Der Kovent" seinem Finale kommt, desto mehr verabschiedet sich der Film von seinem zuvor halbwegs kontrollierten Ton. Aus dem historischen Psychothriller wird zunehmend ein sehr konventioneller Dämonenhorror, der seine Geschichte mit immer drastischeren Ideen zu Ende bringen möchte. Der finale Twist soll offenbar alles noch einmal herumreißen, wirkt aber eher wie ein hektischer Versuch, die zuvor ziemlich zähe Handlung mit einem großen Knall abzuschließen. Ohne zu spoilern: Für mich funktioniert das weder als Überraschung noch als wirklich befriedigende Auflösung. Besonders ärgerlich ist das, weil die reale Vorlage wesentlich interessanter ist. Die sogenannten satanischen Nonnen von Corella waren im 18. Jahrhundert tatsächlich Gegenstand eines Inquisitionsverfahrens. Der Film nimmt diesen historischen Hintergrund allerdings eher als Sprungbrett für seine Horrorstory, statt sich intensiver mit den damaligen gesellschaftlichen, religiösen und psychologischen Umständen auseinanderzusetzen. Eine historische Aufarbeitung wäre hier mindestens genauso spannend gewesen wie die übernatürliche Variante. 

Das macht "Der Kovent" letztlich zu einem Film mit einer besseren Idee als deren Umsetzung. Die Atmosphäre stimmt teilweise, die Schauplätze passen hervorragend und gerade die ersten Ansätze zwischen Glauben, Zweifel und religiösem Fanatismus machen neugierig. Aber das Tempo ist zu gemächlich, die Figuren bleiben blass und der Horror entwickelt zu wenig Wirkung. Wenn dann ausgerechnet das Finale völlig überzieht, ist das vorhandene Potenzial endgültig verschenkt. Damit hätte "Der Konvent" mit seinem historischen Hintergrund und dem abgeschotteten Klostersetting durchaus ein atmosphärischer, psychologisch interessanter Horrorfilm werden können. Stattdessen bekommt man einen stellenweise hübsch fotografierten, aber spannungsarmen Genrebeitrag, der seine interessantesten Ideen nicht konsequent verfolgt und sich zum Ende hin immer stärker in vorhersehbaren Horror-Klischees verliert. 

4/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Elcon Films/Mother Superior/teleaut produzione/El Sueño Eterno Pictures

4인용 식탁 - A Table For Four - The Uninvited - The Uninvited: Der Tod ist immer bei dir (2003)

https://www.imdb.com/de/title/tt0358345/
https://letterboxd.com/film/the-uninvited-2003/

Innendekorateur Jeong-won (Park Shin-yang) schläft nachts in der U-Bahn ein. Als er an der Endstation erwacht und aussteigt, fallen ihm zwei kleine Kinder auf, die im Zug zurückbleiben. Tags darauf liest er in der Zeitung, dass die Kinder tot seien. Von diesem Moment an wird Jeong von Visionen der Verstorbenen geplagt und beginnt langsam, an seinem Verstand zu zweifeln. Eines Tages lernt er die junge Yeon (Jun Ji-hyun) kennen. Als sie die toten Kinder ebenfalls sieht, erkennt Jeong, dass die beiden ein furchtbares Ereignis aus der Vergangenheit zu verbinden scheint...

"The Uninvited" ist einer dieser Horrorfilme, die weniger durch Schockeffekte als durch eine unangenehme Grundstimmung funktionieren. Das südkoreanische Regiedebüt von Lee Soo-youn - im Original treffender "4inyong siktak", "A Table For Four" also "Tisch für vier“ - erzählt von dem Innenarchitekten Jeong-won (Park Shin-yang), der nach einer unheimlichen Begegnung mit zwei toten Kindern plötzlich Erscheinungen wahrnimmt. Als er die rätselhafte Yeon (Jun Ji-hyun) kennenlernt, die ebenfalls Tote sehen kann, führt ihn das immer tiefer in verdrängte Erinnerungen und familiäre Abgründe. Was mir an dem Film zunächst besonders gefällt, ist seine Atmosphäre. Lee Soo-youn setzt kaum auf den klassischen Horrorfilm-Baukasten, sondern auf leere Räume, kalte Apartmenthäuser, ungewöhnliche Geräusche und lange, beinahe hypnotische Einstellungen. Gerade der titelgebende Esstisch wird dabei zu einem starken visuellen Motiv: Eigentlich steht er für Familie und Zusammengehörigkeit, wird hier aber zum Schauplatz von Tod, Schuld und verdrängter Vergangenheit. Die offizielle koreanische Filmbeschreibung betont genau diese Verbindung zwischen dem Esstisch, dem zerfallenden Familienleben und den emotionalen Wunden der Figuren.

Dabei ist "The Uninvited" erstaunlich wenig auf klassische Gruseleffekte aus. Es gibt zwar einige wirklich verstörende und auch drastische Momente, doch der Film interessiert sich viel stärker für die psychologischen Folgen von Schuld und Verdrängung. Das macht ihn stellenweise durchaus beklemmend. Gleichzeitig verlangt diese Erzählweise Geduld. Mit rund zwei Stunden Laufzeit nimmt sich der Film sehr viel Zeit, seine Figuren und deren Vergangenheit aufzubauen. Genau das wurde auch von zeitgenössischen bzw. späteren Besprechungen als Schwäche gesehen: Die Atmosphäre ist stark, aber die Handlung kommt teilweise nur schleppend voran. Park Shin-yangs Jeong-won ist kein typischer Horrorfilmheld, sondern ein eher gewöhnlicher Mann, dessen vermeintlich geordnetes Leben langsam aus den Fugen gerät. Park vermittelt diese Unsicherheit überzeugend. Noch interessanter ist Jun Ji-hyun als Yeon. Bekannt aus leichteren Rollen, zeigt sie hier eine deutlich zurückgenommene und verletzliche Seite. Ihre Figur ist selbst schwer traumatisiert und wirkt dadurch gleichzeitig zerbrechlich und geheimnisvoll. Die Beziehung zwischen den beiden funktioniert gerade deshalb, weil sie nicht als klassische Liebesgeschichte angelegt ist, sondern eher als Begegnung zweier Menschen, die ihre Einsamkeit und ihre verdrängten Ängste miteinander teilen.

Inhaltlich wird es allerdings zunehmend kompliziert. Lee Soo-youn möchte sehr viel auf einmal erzählen: Geistergeschichte, psychologisches Drama, Familiengeschichte, Schuld, Trauma, Verdrängung und die Frage, wie Menschen mit einer Wahrheit umgehen, die sie lieber vergessen würden. Das ist ambitioniert und teilweise auch spannend – aber nicht alles fügt sich gleich überzeugend zusammen. Einige Nebenfiguren und Handlungsstränge wirken eher wie zusätzliche Puzzleteile, die nicht genügend Raum bekommen. Gerade im letzten Drittel merkt man, dass der Film seine vielen Ideen nicht ganz so elegant zusammenführen kann, wie er es gerne würde. Auch die Symbolik ist nicht gerade subtil. Die Wohnung, der Esstisch, die Kinder und die immer wiederkehrenden Bilder sind deutlich mehr als bloße Horror-Elemente. Im Kern geht es um Menschen, die emotional in ihrer Vergangenheit feststecken und erst durch die Konfrontation mit verdrängten Ereignissen überhaupt wieder eine Zukunft haben können. Das Korean Film Council beschreibt den Film entsprechend als Geschichte über Menschen, die äußerlich erwachsen werden, ihre inneren Verletzungen aber nicht bewältigen - und genau darin liegt letztlich die eigentliche Tragik.

Technisch ist das Ganze für ein Regiedebüt ziemlich beeindruckend. Kamera, Sounddesign und die bewusst leichenblasse Farbgebung erzeugen eine konstant melancholische Stimmung. Besonders die Wohnungen und anonymen Apartmentkomplexe wirken nicht wie neutrale Schauplätze, sondern wie Gefängnisse. Die Inszenierung bleibt dabei erfreulich ruhig und vertraut darauf, dass Atmosphäre mehr bewirken kann als zehn schnelle Jump-Scares. Genau diese stilistische Konsequenz gehört für mich zu den größten Pluspunkten des Films. Allerdings muss man diese Art von Horror mögen. Wer einen temporeichen Geisterfilm erwartet, dürfte mit "The Uninvited" vermutlich wenig anfangen. Der Film ist langsam, schwer, deprimierend und teilweise bewusst rätselhaft. Selbst positive Besprechungen weisen darauf hin, dass die lange Laufzeit und die komplexe Erzählstruktur den Zugang erschweren können. Für mich ist "The Uninvited" deshalb ein interessanter, atmosphärisch sehr starker Horrorfilm, der sich manchmal ein wenig zu viel vornimmt. Die Bildsprache, die beiden Hauptdarsteller und die düstere Grundstimmung funktionieren hervorragend. Beim Drehbuch hätte etwas weniger allerdings durchaus mehr sein können. Manche Nebenhandlung hätte man streichen, manche Erklärung präziser gestalten und das Tempo insgesamt etwas anziehen dürfen.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Bom Film Productions

Freitag, 2. Oktober 2026

Heart Of The Beast - Eiserne Wildnis: Heart Of The Beast (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt7526136/
https://letterboxd.com/film/heart-of-the-beast-2026/

Nach einem verheerenden Flugzeugabsturz strandet der ehemalige Special-Forces-Offizier James Belmont (Brad Pitt) gemeinsam mit seinem Militärhund Odin (Uber) in der abgeschiedenen Wildnis Alaskas. Von der Außenwelt abgeschnitten, sind die beiden ganz aufeinander angewiesen, um den extremen Bedingungen zu trotzen. Eisige Temperaturen, unwegsames Gelände und der tägliche Kampf um Nahrung und Schutz stellen sie immer wieder vor neue Herausforderungen. Während die Hoffnung auf Rettung schwindet, werden Ausdauer, Einfallsreichtum und der enge Zusammenhalt zwischen Mensch und Tier auf eine harte Probe gestellt. Um in der lebensfeindlichen Umgebung zu überleben, muss James all seine Fähigkeiten einsetzen und sich den Gefahren der Wildnis ebenso entschlossen stellen wie den körperlichen und mentalen Belastungen, die der Überlebenskampf mit sich bringt.

Bei Filmen wie "Call Of The Wild" oder "Eight Below" entstehen in mir aus dem Nichts pure Emotionen und die Augen werden feucht. Weil es hier im Grunde um Tiere geht, speziell um Hunde. Hunde, die zusammen mit ihrem Menschen etwas erleben und die nur deswegen überleben, weil sich beide, Tier und Mensch, nicht aufgeben und ihre spezielle Bindung an den Tag legen. David Ayers "Heart Of The Beast" klingt zunächst nach klassischem Survival-Kino: Flugzeugabsturz, eisige Wildnis, ein Mann und sein Hund gegen die Natur. Und tatsächlich liefert Ayer genau das - allerdings mit deutlich mehr Gefühl, als der Titel zunächst vermuten lässt. Im Mittelpunkt steht der ehemalige Special-Forces-Soldat James Belmont (Brad Pitt), der nach einem Absturz mit seinem ehemaligen Militärhund Odin mitten in der abgelegenen Wildnis Alaskas ums Überleben kämpfen muss. Dabei wird schnell klar, dass es Ayer weniger um das bloße Überleben als um die außergewöhnliche Bindung zwischen Mensch und Tier geht.

Brad Pitt spielt James angenehm zurückgenommen und agiert quasi als Nebendarsteller. Statt des gewohnt coolen Filmstars sieht man einen körperlich angeschlagenen, traumatisierten Mann, der seine Vergangenheit mit sich herumträgt. Vieles funktioniert dabei über Blicke, Gesten und Körpersprache – denn über weite Strecken ist Pitt fast allein mit seinem tierischen Partner unterwegs. Gerade diese Reduktion kommt ihm zugute. James wird nicht zum unbesiegbaren Actionhelden stilisiert, sondern wirkt verletzlich und erschöpft. Der eigentliche Star ist zweifelsohne Odin. Der von mehreren Deutschen Schäferhunden verkörperte ehemalige Diensthund ist nicht einfach ein niedlicher Begleiter, sondern ein vollwertiger Teil der Geschichte. Seine körperlichen Einschränkungen und die gemeinsame Vergangenheit mit James verleihen der Beziehung zusätzliche Bedeutung. Besonders in den ruhigen Momenten gelingt Ayer eine erstaunlich glaubwürdige Kommunikation zwischen Mensch und Hund, ohne das Tier unnötig zu vermenschlichen. Genau diese Szenen gehören zu den stärksten des Films. Dafür ist die Handlung deutlich weniger originell. Absturz, Hunger, Verletzungen, Kälte, wilde Tiere und die Suche nach einem Weg zurück in die Zivilisation kennt man aus zahlreichen Survival-Filmen. Auch "Heart Of The Beast" folgt diesen vertrauten Mustern. Die Geschichte funktioniert, weil sie konsequent auf die Beziehung zwischen James und Odin konzentriert bleibt - nicht weil das Drehbuch von Cameron Alexander besonders überraschende Wege einschlägt. Selbst einige der Gefahren wirken eher wie obligatorische Stationen auf dem Weg zum emotionalen Finale. 

Visuell kann sich der Film dagegen sehen lassen. Die Landschaften, die in Neuseeland entstanden, vermitteln überzeugend die Einsamkeit und Unbarmherzigkeit der alaskischen Wildnis. David Ayer und Kameramann Mauro Fiore nutzen die Natur nicht nur als schöne Kulisse, sondern als ständigen Gegner: Schnee, Wasser, Felsen und extreme Wetterbedingungen bestimmen den Rhythmus der Geschichte. Dadurch besitzt der Film eine angenehm raue, physische Atmosphäre. Die Action ist ebenfalls ordentlich inszeniert, ohne den Film zu einem klassischen Actionvehikel zu machen. Begegnungen mit Raubtieren und andere Gefahrensituationen sorgen für Spannung, während Ayer immer wieder zu den ruhigeren Passagen zurückkehrt. Allerdings zeigt sich hier auch eine Schwäche: Einige computergenerierte Tiere wirken deutlich künstlicher als Odin selbst und reißen gelegentlich aus der ansonsten recht bodenständigen Atmosphäre heraus. Interessant ist außerdem, wie stark der Film mit der Kriegserfahrung seiner Hauptfiguren arbeitet. James und Odin sind beide gewissermaßen Veteranen: Der eine trägt seine psychischen Narben, der andere sichtbare körperliche Spuren davon. Die Wildnis wird damit zu einem Ort, an dem beide nicht nur ums Überleben kämpfen, sondern auch versuchen, mit ihrer Vergangenheit zurechtzukommen. Das ist nicht besonders subtil erzählt, verleiht der ansonsten einfachen Survival-Handlung aber eine zusätzliche emotionale Ebene. Leider übertreibt es der Film gelegentlich mit dieser Emotionalität. Wo die Beziehung zwischen James und Odin aus den Bildern und dem Spiel der beiden bereits überzeugend hervorgeht, setzt das Drehbuch teilweise noch einmal mit dem emotionalen Holzhammer nach. Gerade im späteren Verlauf wird die Geschichte vorhersehbarer und sentimentaler, als es nötig gewesen wäre. Auch die Nebenfiguren bleiben eher Randerscheinungen. J.K. Simmons bekommt zwar Gelegenheit, Akzente zu setzen, doch "Heart Of The Beast" ist letztlich bewusst ein Zwei-Personen-Stück - nur dass eine dieser beiden Personen vier Beine hat. Das funktioniert erstaunlich gut, begrenzt aber gleichzeitig die dramaturgische Tiefe des Films. 

Am Ende ist "Heart Of The Beast" deshalb weder das große Survival-Meisterwerk noch bloß sentimentales Hundekino. David Ayer erzählt eine ausgesprochen geradlinige Geschichte über Überleben, Trauma, Loyalität und die Kraft einer Freundschaft, die ohne große Überraschungen auskommt. Brad Pitt liefert eine starke, angenehm unprätentiöse Vorstellung, während Odin tatsächlich zu einem der überzeugendsten tierischen Filmpartner der letzten Zeit wird. Das reicht für einen sehenswerten Survivalfilm mit Herz, aber nicht ganz für die große emotionale Wucht, die der Film gelegentlich anstrebt. Wer sich auf die ungewöhnliche Mensch-Hund-Beziehung einlässt, bekommt einige wirklich schöne und spannende Momente - muss dafür allerdings auch mit einer recht vorhersehbaren Geschichte und gelegentlich zu viel Gefühl leben.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Paramount Pictures/Wild Chickens Productions/Temple Hill Entertainment/Domain Entertainment/GulfStream Pictures/Kino World

Don’t Worry Darling (2022)

https://www.imdb.com/de/title/tt10731256/
https://letterboxd.com/film/dont-worry-darling/

Alice (Florence Pugh) lebt friedlich mit ihrem Mann Jack (Harry Styles) in einer Haus in der Gemeinschaft von Victory, einer Firmenstadt, in der die Männer für das streng geheime Victory-Projekt arbeiten. Es sind die 1950er-Jahre und Alice führt ein Leben, das hauptsächlich aus Putzen, Kochen und nächtlichen Partys mit den ortsansässigen Leuten besteht. Die Idylle scheint perfekt, und die Bedürfnisse aller Bewohner werden von der Firma und ihrem CEO Frank (Chris Pine) erfüllt. Alles, was er im Gegenzug verlangt, ist bedingungsloses Engagement für die Sache von Victory. Doch als ihr paradiesisches Leben Risse bekommt und sich hinter der attraktiven Fassade etwas viel Unheimlicheres verbirgt, muss Alice sich fragen, was genau sie in Victory tun und warum. Ist Alice wirklich bereit, ihr scheinbar perfektes Leben hinter sich zu lassen, um herauszufinden, was es mit dem Projekt auf sich hat?

Olivia Wildes "Don't Worry Darling" sieht verdammt gut aus - und genau darin liegt zugleich seine größte Stärke und auch ein bisschen sein Problem. Das 50er-Jahre-Setting in der künstlich perfekten Wüstenstadt Victory ist mit seinen schicken Häusern, pastellfarbenen Kleidern, Oldtimern, Cocktailpartys und perfekt frisierten Bewohnern ein echter Hingucker. Alles wirkt zunächst wie das amerikanische Traumleben schlechthin. Nur eben ein bisschen zu perfekt. Im Mittelpunkt steht Alice (Florence Pugh), die mit ihrem Mann Jack (Harry Styles) dieses scheinbare Paradies genießt. Die Männer gehen jeden Morgen zur Arbeit am geheimnisvollen Victory Project, während die Frauen Hausarbeit erledigen, einkaufen, tanzen und sich bei Poolpartys die Zeit vertreiben. Hinter dieser perfekten Fassade beginnt Alice allerdings immer stärker zu spüren, dass etwas gewaltig nicht stimmt. Und je mehr sie nach Antworten sucht, desto mehr zerbröckelt ihre vermeintlich heile Welt.

Die Grundidee funktioniert dabei zunächst richtig gut. "Don't Worry Darling" verbindet 50er-Jahre-Fantasie mit Psychothriller, Science-Fiction und einer ziemlich deutlichen Gesellschaftskritik. Themen wie Konformität, Kontrolle, traditionelle Geschlechterrollen und die Frage, wie weit Menschen bereit sind, ihre persönliche Freiheit gegen ein vermeintlich perfektes Leben einzutauschen, stecken überall im Film. Das ist zwar keineswegs neu, aber die Mischung ist unterhaltsam genug, um über weite Strecken neugierig zu machen. Und dann ist da Florence Pugh. Sie trägt den Film praktisch im Alleingang. Alice entwickelt sich von der glücklichen Hausfrau zur zunehmend verängstigten und schließlich kämpferischen Frau, und Pugh macht jede dieser Veränderungen glaubwürdig. Gerade ihre körperliche Präsenz in den intensiveren Szenen ist beeindruckend. Man nimmt ihr die Panik, Verwirrung und Verzweiflung jederzeit ab. Auch Chris Pine macht als charismatischer Victory-Gründer Frank viel Spaß und bekommt in den direkten Konfrontationen mit Pugh einige der besten Szenen des Films. Olivia Wilde selbst sorgt als Alice' Freundin Bunny zudem für etwas Humor und Leichtigkeit. Harry Styles sehe ich dagegen etwas zwiespältiger. Als Jack funktioniert er durchaus, vor allem aufgrund seiner Ausstrahlung und weil seine zunächst charmante, später deutlich unangenehmere Seite zum Konzept passt. Für die emotionale Tiefe, die die Rolle teilweise verlangt, fehlt ihm allerdings noch etwas. 


Handwerklich gibt es dagegen wenig zu meckern. Matthew Libatiques Kameraarbeit fängt Victory mit warmen Farben und eleganten Bildern ein, während Produktionsdesign und Kostüme die künstliche Perfektion der Welt hervorragend verkaufen. Dazu kommt John Powells zunehmend aufdringliche, aber wirkungsvolle Musik. Wilde versteht es durchaus, Atmosphäre aufzubauen und aus dem schönen Schein langsam etwas Unheimliches entstehen zu lassen. Mein größeres Problem liegt im Drehbuch. Je näher "Don't Worry Darling" seiner großen Auflösung kommt, desto stärker merkt man, dass die Geschichte nicht alle Fragen wirklich zufriedenstellend beantworten kann. Die zentrale Wendung ist interessant genug, wirkt aber rückblickend deutlich weniger clever, als der Film sie zunächst erscheinen lässt. Einige Konsequenzen und Zusammenhänge bleiben erstaunlich dünn erklärt. Statt die Spannung konsequent aufzubauen, liefert der Film gegen Ende sehr viel Erklärung auf einmal. Genau hier verliert er einen Teil seiner zuvor so schön aufgebauten Atmosphäre. 

Auch die gesellschaftliche Aussage ist etwas einfacher, als die aufwendige Verpackung vermuten lässt. Die Kritik an patriarchalen Strukturen und der Idee einer vermeintlich perfekten, kontrollierten Gesellschaft ist klar erkennbar, wird aber teilweise so plakativ präsentiert, dass wenig Raum für Ambivalenz bleibt. Der Film hat also durchaus etwas zu sagen - nur wäre es spannender gewesen, wenn er seinem Publikum etwas mehr zugetraut hätte. Trotzdem hat "Don't Worry Darling" für mich genügend Qualitäten, um über seine Schwächen hinwegzusehen. Der Film ist atmosphärisch, spannend, hervorragend ausgestattet und mit Florence Pugh ausgezeichnet besetzt. Nur hätte aus dieser starken Ausgangsidee und der fantastischen visuellen Umsetzung ein wirklich herausragender Thriller werden können. Stattdessen bleibt ein unterhaltsamer, teilweise ziemlich cleverer, aber letztlich etwas unausgegorener Film zurück.

"Don't Worry Darling" ist für mich vor allem Style over Substance - allerdings mit ziemlich viel Style. Die Optik, Atmosphäre und Florence Pughs starke Hauptrolle machen den Film sehenswert, während das Drehbuch und die große Auflösung hinter den eigenen Möglichkeiten zurückbleiben. Kein Meisterwerk, aber definitiv interessanter und besser gemacht, als es seine Schwächen vermuten lassen.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Vertigo Entertainment/New Line Cinema

The Two Popes - Die zwei Päpste (2019)

https://www.imdb.com/title/tt8404614/
https://letterboxd.com/film/the-two-popes/

Kardinal Bergoglio (Jonathan Pryce) ist von der Leitung der katholischen Kirche enttäuscht und bittet Papst Benedikt (Anthony Hopkins) um die Erlaubnis, 2012 in den Ruhestand zu treten. Stattdessen beruft der nachdenkliche Papst Benedikt seinen schärfsten Kritiker und zukünftigen Nachfolger nach Rom, um ein Geheimnis preiszugeben, das die Grundfeste der katholischen Kirche erschüttern würde. Hinter den Mauern des Vatikans beginnt ein Kampf zwischen Tradition und Fortschritt, Schuld und Vergebung, da diese beiden sehr unterschiedlichen Männer sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen, um Gemeinsamkeiten zu finden und eine Zukunft für eine Milliarde Anhänger auf der ganzen Welt zu schmieden. Der Argentinier wird Nachfolger des Deutschen Benedikt XVI., hegte aber zunächst Zweifel, ob er das Amt übernehmen soll. Schließlich wurde er der erste lateinamerikanische Papst und auch der erste Papst, der dem Orden der Jesuiten angehört.

Zwei Männer, zwei sehr unterschiedliche Vorstellungen von Kirche und Glauben - und ein überraschend unterhaltsames Gespräch darüber, wie schwer es sein kann, die eigene Haltung zu hinterfragen. "Die zwei Päpste" erzählt von den fiktiv ausgestalteten Begegnungen zwischen Papst Benedikt XVI. (Anthony Hopkins) und dem argentinischen Kardinal Jorge Mario Bergoglio (Jonathan Pryce), dem späteren Papst Franziskus. Was zunächst wie ein höflicher Machtkampf hinter vatikanischen Mauern beginnt, entwickelt sich zu einem erstaunlich warmherzigen Film über Zweifel, Schuld, Veränderung und gegenseitigen Respekt. Regisseur Fernando Meirelles inszeniert das Ganze weniger als klassische Biografie denn als Kammerspiel mit Buddy-Movie-Elementen. Benedikt ist konservativ, intellektuell und auf Distanz bedacht, während Bergoglio bodenständig, humorvoll und deutlich volksnäher auftritt. Aus diesem Gegensatz gewinnt der Film einen Großteil seines Reizes. Die beiden diskutieren über Theologie, Musik, Fußball und die Zukunft der katholischen Kirche - und kommen sich dabei allmählich näher.

Das Drehbuch von Anthony McCarten ist ausgesprochen dialogstark. Viele Gespräche sind pointiert, geistreich und angenehm leichtfüßig, ohne dass die Themen dadurch völlig banal würden. Gerade die kleinen Momente funktionieren besonders gut: ein gemeinsames Bier, ein Fußballspiel im Fernsehen oder ein Gespräch über Musik sagen oft mehr über die Figuren aus als längere Erklärungen. Der Film besitzt dadurch einen charmanten Humor, der die Schwere seiner Themen immer wieder auflockert. Getragen wird "Die zwei Päpste" vor allem von seinen beiden Hauptdarstellern. Anthony Hopkins spielt Benedikt mit einer Mischung aus Strenge, intellektueller Eitelkeit und trockenem Witz. Hinter der kontrollierten Fassade lässt er immer wieder Einsamkeit und Unsicherheit erkennen. Jonathan Pryce wiederum verleiht Bergoglio eine bemerkenswerte Wärme und Lebendigkeit. Seine Darstellung ist charismatisch, ohne zur bloßen Heiligenverehrung zu verkommen. Die Chemie zwischen beiden ist der eigentliche Motor des Films - und erklärt, warum selbst lange Dialogpassagen kaum langweilig werden. Die Rückblenden in Bergoglios Vergangenheit erweitern die Geschichte um eine ernstere, politisch aufgeladene Ebene. Sie zeigen seine Tätigkeit während der argentinischen Militärdiktatur und die Schuldgefühle, die ihn bis ins Alter verfolgen. Diese Passagen sind wichtig, wirken aber stilistisch etwas uneinheitlich. Die schwarz-weiße Gestaltung und die dramatische Inszenierung machen deutlich, dass hier ein moralisches Trauma verhandelt wird. Gleichzeitig bleibt die Darstellung der historischen Zusammenhänge relativ verkürzt. Gerade bei einem Film, der sich so stark mit Schuld und Verantwortung beschäftigt, hätte man sich an manchen Stellen mehr Differenzierung gewünscht.

Auch die kontroversen Seiten der katholischen Kirche werden angesprochen, allerdings nicht immer mit der Konsequenz, die das Thema verdient hätte. Der Film deutet institutionelles Versagen und den Umgang mit Missbrauch an, bleibt dabei aber auffallend zurückhaltend. Statt die politischen und moralischen Konflikte umfassend auszuleuchten, konzentriert er sich lieber auf die persönliche Annäherung seiner beiden Protagonisten. Das macht ihn zugänglich, nimmt ihm aber auch etwas von seiner kritischen Schärfe. Zeitgenössische Kritiken bemängelten entsprechend, dass die problematischen Aspekte der Kirchengeschichte nur vorsichtig behandelt werden. Visuell ist der Film deutlich abwechslungsreicher, als man bei einem dialoglastigen Kammerspiel erwarten könnte. Fernando Meirelles arbeitet mit beweglicher Kamera, dynamischem Schnitt und unterschiedlichen Bildformaten. Die vatikanischen Räume wirken zunächst monumental und distanziert, während die Szenen außerhalb des Vatikans deutlich menschlicher und freier gestaltet sind. Die Musik von Bryce Dessner unterstützt die wechselnden Stimmungen, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu drängen. Gelegentlich wirkt die Inszenierung allerdings etwas zu geschniegelt und glatt, als wolle sie jede Szene möglichst elegant und gefällig präsentieren. Inhaltlich überzeugt "Die zwei Päpste" vor allem durch seine humanistische Grundidee. Der Film behauptet nicht, dass alle theologischen oder politischen Gegensätze plötzlich verschwinden. Er zeigt vielmehr, dass Verständigung möglich wird, wenn Menschen einander nicht nur als Vertreter einer Position, sondern als verletzliche Individuen begegnen. Dabei ist die Darstellung natürlich stark fiktionalisiert. Die privaten Gespräche, die der Film ins Zentrum stellt, sind dramaturgisch wirkungsvoll, aber nicht als umfassendes historisches Protokoll zu verstehen.

Ein wenig zu glatt fällt schließlich die Entwicklung der Beziehung aus. Der Film führt seine beiden Figuren relativ zielstrebig von Skepsis zu Verständnis und von Konfrontation zu Freundschaft. Das ist unterhaltsam und emotional stimmig, wirkt aber gelegentlich auch etwas bequem. Die Gegensätze werden dadurch stärker personalisiert als institutionell oder theologisch ausgetragen. Wer eine tiefgehende Analyse der katholischen Kirche erwartet, bekommt deshalb eher ein kluges, sympathisches Schauspielduell als eine umfassende Auseinandersetzung. "Die zwei Päpste" ist ein charmantes, hervorragend gespieltes und überraschend unterhaltsames Drama über zwei sehr unterschiedliche Männer, die sich trotz ihrer Gegensätze aufeinander zubewegen. Anthony Hopkins und Jonathan Pryce sind großartig, das Drehbuch liefert pointierte Dialoge, und Fernando Meirelles hält das dialoglastige Konzept mit einer lebendigen Inszenierung in Bewegung. Die historische und kirchenkritische Dimension bleibt zwar teilweise zu oberflächlich, doch als menschliches Kammerspiel funktioniert der Film ausgesprochen gut. Warmherzig, geistreich und sehenswert - auch für Zuschauer, die mit Religion wenig anfangen können.

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Rideback

Donnerstag, 1. Oktober 2026

Remember Me - Remember Me: Lebe den Augenblick (2010)

https://www.imdb.com/de/title/tt1403981/
https://letterboxd.com/film/remember-me/

Über den Tod seines Bruders ist Tyler Hawkins (Robert Pattinson) auch nach Jahren nicht hinweg gekommen. Vater Charles (Pierce Brosnan) zahlt zwar, hat aber ansonsten keine Verbindung zu seinem sensiblen Sohn und dessen kleiner Schwester Caroline (Ruby Jerins). Als Tyler in eine Schlägerei gerät, überredet ihn sein Kumpel Aidan (Tate Ellington), mit der Tochter des Polizisten (Chris Cooper) anzubandeln, der ihn verhaftet hat. Ally (Emilie de Ravin) studiert genau wie Tyler an der NYU. Langsam kommen sich die beiden näher - bis ernsthafte Probleme die frische Beziehung belasten...

"Remember Me" ist ein Film, der auf den ersten Blick wie eine typische romantische Tragödie aus der Zeit nach dem großen "Twilight"-Hype wirkt. Robert Pattinson spielt wieder einen schweigsamen, verletzten jungen Mann, der mit seiner Vergangenheit hadert und sich nur schwer auf andere Menschen einlassen kann. Trotzdem steckt in Allen Coulters Drama mehr, als die Oberfläche zunächst vermuten lässt. Der Film ist nicht frei von Kitsch und dramaturgischen Schwächen, entwickelt aber eine erstaunlich intensive emotionale Wirkung. Aber gerade die Figuren sind für mich die größte Stärke des Films. Tyler ist zwar deutlich als klassischer, melancholischer "Rebel without a Cause" angelegt, aber Pattinson spielt ihn mit genügend Ecken und Kanten, damit er nicht nur wie ein hübscher Problemjunge wirkt. Seine Wut, seine Selbstzerstörung und seine Verletzlichkeit sind nicht immer subtil geschrieben, wirken in den ruhigeren Momenten aber durchaus glaubwürdig. Besonders gut funktioniert seine Beziehung zu seiner jüngeren Schwester Caroline (Ruby Jerins). In diesen Szenen zeigt Pattinson eine Wärme, die seiner Figur sonst oft fehlt. Auch Emilie de Ravin überzeugt als Ally. Sie ist nicht bloß die verständnisvolle Freundin, die Tyler aus seiner Krise retten soll, sondern bringt ihre eigene Trauer und ihre eigenen Ängste mit. Die Chemie zwischen ihr und Pattinson stimmt, und ihre Beziehung entwickelt sich angenehm beiläufig. Der Film nimmt sich Zeit für gemeinsame Gespräche, kleine Gesten und unspektakuläre Alltagssituationen. Dadurch wirkt die Romanze trotz mancher Klischees überraschend greifbar.

Der übrige Cast ist ebenfalls stark. Pierce Brosnan verleiht Tylers Vater eine Mischung aus Kälte, Überforderung und unterdrücktem Schuldgefühl. Chris Cooper spielt Allys Vater, einen Polizisten, der nach einem persönlichen Schicksalsschlag emotional verhärtet ist. Beide Männer sind als Gegenpole angelegt, bleiben aber mehr als bloße Gegenspieler. Ihre Konflikte mit den Kindern verleihen dem Film eine zusätzliche familiäre Ebene. Die Nebenfiguren sind zwar nicht immer gleich tief ausgearbeitet, tragen aber viel zur melancholischen Grundstimmung bei. Allen Coulter setzt inszenatorisch auf eine gedämpfte Farbpalette, New Yorker Schauplätze und eine ruhige Kamera, die den Figuren viel Raum lässt. Die Stadt wirkt nicht wie eine glamouröse Filmkulisse, sondern wie ein etwas grauer, hektischer Ort, in dem sich die Charaktere verlieren und gelegentlich wiederfinden. Marcelo Zarvos’ Musik unterstreicht die emotionale Atmosphäre wirkungsvoll, ist allerdings mitunter sehr deutlich darauf ausgerichtet, Gefühle zu verstärken. Das Drehbuch von Will Fetters hat seine Stärken vor allem in den zwischenmenschlichen Szenen. Die Dialoge sind nicht immer subtil, und manche Figuren werden etwas zu offensichtlich mit tragischen Hintergrundgeschichten ausgestattet. Fast jeder Charakter trägt eine Form von Verlust mit sich herum, was den Film stellenweise überladen wirken lässt. Trotzdem gelingt es der Geschichte, die Themen Trauer, familiäre Entfremdung und die Suche nach einem Neuanfang miteinander zu verbinden. Problematischer ist da die Dramaturgie im letzten Drittel. Ohne das Ende vorwegzunehmen: Der Film setzt auf eine große Wendung, die seine gesamte Geschichte rückwirkend in ein anderes Licht rücken soll. Dieser Kniff ist zweifellos mutig, wirkt aber auch konstruiert und emotional manipulativ. Die Frage ist weniger, ob das Finale überrascht, sondern ob es sich organisch aus dem zuvor Erzählten entwickelt. Für mich funktioniert es als emotionaler Schock, aber nicht vollständig als überzeugende dramaturgische Konsequenz. Trotzdem würde ich "Remember Me" nicht auf seine letzte Wendung reduzieren. Der Film besitzt zuvor genügend ruhige, ehrliche und gut gespielte Momente, um emotional zu funktionieren. Besonders die Szenen zwischen Tyler und Caroline sowie die vorsichtige Annäherung von Tyler und Ally bleiben im Gedächtnis. Hier zeigt sich, dass der Film nicht nur auf Tragik aus ist, sondern tatsächlich etwas über Menschen erzählen möchte, die versuchen, mit Verletzungen weiterzuleben.

"Remember Me" bleibt daher ein gefühlvolles, gut gespieltes Drama, das seine Wirkung vor allem aus den Figuren und ihren Beziehungen bezieht. Robert Pattinson zeigt, dass er mehr kann als den distanzierten Schwarm aus "Twilight", während Emilie de Ravin, Pierce Brosnan, Chris Cooper und Ruby Jerins das Ensemble überzeugend ergänzen. Das Drehbuch ist gelegentlich überladen und das Finale zweifellos diskutabel, doch bis dahin entwickelt der Film eine glaubwürdige emotionale Nähe. Für mich bleibt deshalb ein melancholischer, nicht immer subtiler, aber durchaus berührender Film über Liebe, Verlust und die schwierige Suche nach Vergebung.

7,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Summit Entertainment