Montag, 19. April 2021

This Boy's Life - Die Geschichte einer Jugend (1993)

https://www.imdb.com/title/tt0108330/

Eine wahre Geschichte über die schwierige Beziehung eines rebellischen Teenagers in den 50er Jahren zu seinem prügelnden Stiefvater - basierend auf den Memoiren des Schreibers und Literaturprofessors Tobias Wolff. Tobias (Leonardo DiCaprio) ist ein verhaltensauffälliges Kind. Seine Eltern leben bereits seit Jahren getrennt, außerdem zieht er mit seiner leicht instabilen Mutter Caroline (Ellen Barkin) zu oft um, um an einem Ort Wurzeln zu schlagen. Diese Heimatlosigkeit bedingt sein aufmüpfig-halbstarkes Verhalten, das alles nur noch schlimmer macht. Als Schulrowdy geht er seinem Umfeld fast täglich auf die Nerven. Ein männliches Rollenvorbild müsste her, doch die wechselnden Affären der Mutter und die Abwesenheit des Vaters werfen ihn immer wieder auf sich selbst zurück. Im etwas biederen Dwight Hansen (Robert De Niro) glaubt Caroline endlich den Richtigen gefunden zu haben. Zusammen mit Tobias zieht sie ins verschlafene Kaff Concrete, in dem Dwight mit seinen Kindern aus erster Ehe lebt. Schnell jedoch ist klar, dass er Caroline und Tobias nicht glücklich machen wird. Herrisch und mit sadistischer Ader lässt er ihre Hoffnungen zerplatzen... 

Die Verfilmung der Adaption des gleichnamigen autobiographischen Romans von Tobias Wolff markiert nicht nur eine großartige Charakterstudie, verpackt in einer "Coming-of-Age"-Geschichte, sondern ist auch der Grundstein für Leonardo DiCaprios erfolgreiche Karriere. Es war erst sein dritter Kinofilm, nachdem er in zwei vorangegangenen Filmen wahrlich nicht richtig gefordert wurde. Und letztlich muss er hierfür auch Robert De Niro danken, der ihn an seiner Seite zur Höchstleistung getrieben hat. "This Boy's Life" hält vor allem die wertvolle Botschaft bereit, dass eine Flucht nicht immer feige sein muss. Doch zunächst vermisst der Zuschauer in "The Boy's Life" einen stringenten roten Faden, an dessen Ende eine klare Botschaft wartet. Doch je länger der Film andauert, desto mehr lässt man sich in dieses unvermittelte Drama hineinziehen, es wirkt eine Sogkraft, die neben der sympathischen Hauptfigur vor allem durch die stark spielenden Leonardo DiCaprio und Robert De Niro erzeugt wird. 

In "This Boy's Life" lässt sich bereits das immense schauspielerische Potenzial DiCaprios entdecken - denn wenn es einem aufstrebenden Jungdarsteller gelingt, neben einem in Topform auflaufenden De Niro zu bestehen, spricht das vermutlich eine deutliche Sprache. DiCaprio schlüpft hier in die Rolle des verhaltensauffälligen Tobias, dessen Leben seit einiger Zeit daraus besteht, zusammen mit seiner Mutter Caroline (Ellen Barkin) von einem Ort zum anderen zu reisen, immer dem amerikanischen Traum, dem großen Geld, hinterher. Nachdem Caroline in der Vergangenheit bereits einige Erfahrungen mit häuslicher Gewalt sammeln durfte, scheint sie mit Dwight (De Niro) einen Mann gefunden zu haben, der sich als Versorger, Charmebolzen und Vaterfigur eignet. 

Wie so häufig trügt der Schein natürlich. Auf der Durchreise wird Caroline von einem älteren Herren gesagt, dass sie über mehr Courage als gesunden Menschenverstand verfügt. Und das umspannt natürlich auch ihre Menschenkenntnis. Regisseur Michael Caton-Jones verlässt sich mit "This Boy's Life" indes ganz auf sein formidabel aufgelegtes Ensemble, welches kontinuierlich in der Lage scheint, dem Film mehr Tiefe einzuverleiben, als es dem Drehbuch in manchen Momenten möglich scheint. Zuweilen nämlich gesteht sich das Skript einige Offensichtlichkeiten ein, die vor allem der von Robert De Niro gespielte Dwight auszutragen hat: Sein Charakter ist über weite Strecken nur unangenehm, ein saufender Tyrann, dessen schlichtes Gemüt auf der Überzeugung beruht, altertümliche Geschlechterrollen aufleben zu lassen und seine Machtphantasien, ob der eigenen Unzulänglichkeit, irgendwas geleistet zu bekommen, in der gewalttätigen Patriarchen-Rolle auszuleben. Doch selbst wenn sich "This Boy's Life" einigen plakativen Momenten hingibt, besticht Caton-Jones' Regiearbeit immer noch als tadellos gespielte Charakter-Studie, die durch ihr 1950/60er-Jahre Setting einige gewisse Nostalgie forciert, darüber hinaus aber eine Botschaft an sein Publikum vermittelt, die sich abseits jeder Verklärung entfaltet: Eine Flucht nämlich muss nicht immer aus einem Impuls der Feigheit entstehen. Dwight sperrt seine neue Familie in ein von ihm errichtetes Gefängnis, mit dem er sich ein Ventil geschaffen hat, seine Minderwertigkeitskomplexe auszublenden. Erfährt er Widerworte, bleibt ihm aufgrund seiner intellektuellen wie sozialen Beschränktheit (auch hier geht es um selbst erschaffene Gefängnisse) nur die Gewalt. "This Boy's Life" ist die aufwühlende und berührende Jugenderzählung, die abbildet, dass Machtkämpfe auch dann gewonnen werden können, wenn man den Mut aufbringt, sich ihnen gänzlich zu entziehen.

8/10

Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.

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