Posts für Suchanfrage A Quiet Place werden nach Relevanz sortiert angezeigt. Nach Datum sortieren Alle Posts anzeigen
Posts für Suchanfrage A Quiet Place werden nach Relevanz sortiert angezeigt. Nach Datum sortieren Alle Posts anzeigen

Samstag, 12. Oktober 2024

A Quiet Place: Day One - A Quiet Place: Tag Eins (2024)

https://www.imdb.com/title/tt13433802/

Aus dem Nichts heraus wird New York City Ziel einer Alieninvasion. Die monströsen Kreaturen schnappen sich jeden Menschen, der ihnen über den Weg läuft. Doch die Aliens können offenbar gar nichts sehen, sondern scheinen sich ausschließlich anhand von Geräuschen in ihrer Umgebung zu orientieren. Wer in der Nähe der Aliens auch nur einen Mucks von sich gibt, hat damit praktisch sein Todesurteil unterschrieben. Mittendrin steckt eine junge Frau namens Sam (Lupita Nyong’o). In einem Hospiz in New York wartet die Dichterin auf den Tod, ihre einzige Gesellschaft die Katze Frodo. Menschen meidet sie, desillusioniert von menschlichen Beziehungen. Doch ein Versprechen auf ein Stück Pizza lockt sie dazu, sich zu einem Ausflug nach Manhattan überreden zu lassen – ein Ausflug, der abrupt endet, als Kreaturen angreifen. Samira überlebt den ersten Ansturm und erhält von der Regierung die Anweisung, sich nach Süden zu begeben, wo Überlebende per Boot evakuiert werden sollen. Doch sie entscheidet sich für den Weg nach Norden, begleitet nur von Frodo und Eric (Joseph Quinn), einem Engländer, der ihr anfangs nicht von der Seite weicht. Auf ihrer Reise, die durch eine von Kreaturen beherrschte Welt führt, wird Samiras Blick auf das Leben in ihren letzten Momenten durch Eric verändert.

"A Quiet Place" ist ein nahezu perfekter Film. John Krasinskis Regiedebüt ist einer der spannendsten Filme, die ich je gesehen habe. Der zentrale Kniff des Films - niemand kann einen Ton von sich geben, sonst tauchen die mysteriösen und tödlichen Monster auf und töten einen - führt zu einem der spannendsten und beunruhigendsten Erlebnisse im modernen Kino. Die Familiendynamik fügt eine emotionale Ebene hinzu, die den Film sowohl gruseliger als auch ergreifender macht. Dank der flotten Laufzeit von 90 Minuten kommt keine Langeweile auf. Wie lässt sich daran eine Fortsetzung anschließen, geschweige denn ein Prequel? Auf einer Ebene ist es einfach nicht möglich, ohne die Überraschung des ersten Teils zu zerstören. Es gibt keine Möglichkeit, die Leistung des ersten Films zu übertreffen. Die Neuheit kann nur so weit gehen. "A Quiet Place" macht so viele Dinge richtig. Der Verlust und die Trauer der Familie. Die Angst und Hoffnung eines Babys auf dem Weg - eines Säuglings, der keine Kontrolle über sein Jammern hat, wie ein Bündel Freude, das zugleich eine tickende Zeitbombe ist. "A Quiet Place 2" hat mich ebenso überrascht. Nein, es war nicht ganz so gut wie der erste Film, aber es war dennoch eine hochwertige Fortsetzung der Geschichte der Familie Abbott und erweiterte die postapokalyptische Welt, die dieses Franchise langsam erschafft, mit neuen Communities, Charakteren und Monsterinformationen. Im ersten Film erfuhren wir, dass sie für bestimmte Schallfrequenzen schwach waren; in der Fortsetzung ist Wasser eine weitere Schwachstelle.

Im Prequel "A Quiet Place: Tag Eins" sehen wir endlich die Nester der Kreaturen. Das ist ungefähr das Einzige, was wir wirklich über die Außerirdischen erfahren, aber es reicht. Mir gefällt, dass diese Filme kaum dazu beitragen, die Welt und unser Verständnis der Monster zu erweitern. Manchmal kann es weniger interessant sein, wenn man zu viel über etwas weiß. Stattdessen konzentriert sich "A Quiet Place: Tag Eins" auf eine kleinere, intimere Geschichte. Es macht genau das Gleiche, was die ersten beiden Filme so gut gemacht haben: Wir stellen Charaktere (und einen mutigen Katzer) vor, die uns am Herzen liegen und die uns um ihr Überleben fürchten lassen. Angesichts des Endes des ersten Films wissen wir, dass keiner dieser Menschen in Sicherheit ist. Es gibt keinen Handlungsschutz, der sie verteidigt. Jeder, egal welchen Alters, kann im Handumdrehen getötet werden. Am ersten Tag lernen wir Sammy (Lupita Nyong'o) kennen. Sie stirbt an Krebs. Sie ist verbittert darüber und wütend darüber, dass ihr Leben so weit gekommen ist, dass sie im Hospiz festsitzt und dahinsiecht. "Ich bin gemein", sagt sie zu ihrer Krankenschwester Reuben (Alex Wolff). Sie ist kein Menschenmensch, aber sie ist ein Pizzamensch. Nur aus diesem Grund willigt sie ein, einige der anderen Patienten auf einer Busfahrt in die Stadt zu begleiten. New Yorker Pizza ist ihr Heiliger Gral. Warum das so ist, erfahren wir später. Es ist allerdings ein schlechter Tag, um in die Stadt zu gehen, und nach einer seltsam bewegenden Marionettenshow, bei der sie zum ersten Mal auf Henry (Djimon Hounsou) trifft, den wir zum ersten Mal in "A Quiet Place 2" getroffen haben, greifen die Außerirdischen an. Es folgt Chaos und eine verzweifelte Reise durch eine Stadt, die innerhalb weniger Stunden zerstört wurde.

Später trifft sie Eric (Joseph Quinn) und die beiden begeben sich auf eine seltsame Pärchen-Odyssee in die Stadt - auf der Suche nach Pizza - und in Sammys herzzerreißende Vergangenheit. Es ist ein seltsam schöner Film mit viel Ruhe inmitten des Sturms. Nyong'o ist vom Anfang bis zum Ende brillant und ich erinnere mich daran, wie furchteinflößend sie in "Wir" war und wie wenig ich sie in letzter Zeit gesehen habe. Quinn ist ebenfalls großartig und schöpft aus einer Figur mit so wenigen Zeilen überraschend viel Emotion und Tiefe. Erst wenn diese beiden - und Sams Katze Frodo - zusammenarbeiten, wird der Film erst richtig lebendig. "A Quiet Place: Tag Eins" schafft es, diese großartige Geschichte über Freundschaft am Ende der Welt mit einer wirklich spannenden, sehr geradlinigen Geschichte zu verbinden, mit gerade genug Jump-Scares, um einen in Atem zu halten. Wie die ersten beiden Filme kommt auch dieser mit einer Dauer von 1 Stunde und 40 Minuten nie zu kurz. Ich beklage mich oft darüber, wie viele Filme heutzutage 20 oder 30 Minuten zu lang (oder länger) laufen, und ich kann mir leicht vorstellen, dass sie hier noch eine halbe Stunde sich wiederholender Action hätten einbauen können, um den Film aufzufüllen, aber stattdessen endet alles genau zu dem Zeitpunkt sie sollten.

Mir gefällt auch, dass sowohl Eric als auch Sam ihre eigenen Stärken und Schwächen haben. Beide helfen einander auf ihrer Reise. Jeder von ihnen ist auf seine Art mutig und stützt sich gegenseitig, wenn es nötig ist. Diesmal übernimmt Regisseur Michael Sarnoski die Leitung von Krasinski, obwohl beide Männer an der Geschichte mitgearbeitet haben. Sarnoski führte 2021 Regie bei dem Film "Pig" mit Nicolas Cage in der Hauptrolle und bringt etwas von dieser Arthouse-Sensibilität in den ersten Tag ein. Es ist wunderschön gefilmt und die Gegenüberstellung von Schönheit und Schrecken passt gut in diese weitaus urbanere Umgebung. Es ist nicht ganz so gruselig wie die beiden vorherigen Filme, aber das ist zum Teil ein Symptom dafür, dass man an so hervorragende Vorgeschichten anknüpfen kann. Sobald es jedoch in Bewegung kommt, ist es wirklich großartig. Wie die letzten beiden ist "A Quiet Place: Tag Eins" absolut sehenswert in einem Kino, in dem alle Sehenswürdigkeiten, Geräusche und Schrecken so verstärkt wie möglich sind. So oder so, nicht verpassen!

8/10

Quellen: 
Inhaltsangabe: Paramount Pictures
Poster/Artwork: 
Paramount Pictures

Donnerstag, 24. Juni 2021

A Quiet Place Part II - A Quiet Place 2 (2020)

https://www.imdb.com/title/tt8332922/

Nachdem Familie Abbott ihr Zuhause verlassen musste, ist Evelyn (Emily Blunt) nun mit ihren Kindern Regan (Millicent Simmonds) und Marcus (Noah Jupe) sowie dem neugeborenen Baby auf sich allein gestellt. An den unheimlichen Zuständen in der postapokalyptischen Welt hat sich nichts geändert: Die geräuschempfindlichen Biester, die die Erde im ersten Film überfielen, sind nach wie vor auf der Jagd. Jeder unbedachte Laut könnte sie auf den Plan rufen. Die Abbotts versuchen weiterhin, ein halbwegs normales Leben zu führen - ein Leben in absoluter Stille. Als sie den Überlebenden Emmett (Cillian Murphy) treffen, stellt sich für Evelyn bald die Frage, wie es weitergehen soll. Ist es an der Zeit, sich mit anderen zusammenzutun? Und wenn ja, wem kann man überhaupt trauen?

Es erscheint noch immer sehr surreal, wie Regisseur John Krasinski im April 2018 die Kinosäle verstummen lies. Mit "A Quiet Place" gelang ihm ein Kinoerrlebnis, bei dem der Zuschauer von der ersten Minute an kaum wagte zu atmen und penibel darauf bedacht war keine störenden Geräusche zu machen - das es im Kinosaal so unglaublich still war, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. In seinem Horrorfilm ging es darum, dass hyperakusive Wesen in diese Welt gekommen waren, die sich auf jedwedes lautes Geräusch stürzten und damit einen Großteil der Bevölkerung der Erde ausgelöscht hatten. Nur diejenigen, die fortan in aller Stille lebten, konnten überleben. Kein Wunder also, dass der Zuschauer, der in diesem Film gesogen wurde, nicht einmal wagte zu husten. Unvorstellbar damals die Vorstellung, dass Krasinski eine Fortsetzung zu dieser im Grunde in sich abgeschlossenen Geschichte aus dem Hut hätte zaubern können, doch so ist das nun mal mit Kassenschlagern: kommt der Erfolg, kommt auch ein Sequel. Nun erscheint es auch schwierig, die Regeln für die Fortsetzung aufrecht zu erhalten, doch Krasinski macht genau das: "A Quiet Place Part II" ist gar nicht mehr so quiet, im Gegenteil, er ist bedeutend größer, schneller und lauter und erfüllt damit schon mal das komplette Klischee von Fortsetzungen. Im direkten Vergleich zu seinem Vorgänger fällt auch auf, dass er bedeutend mehr Dialog hat und seine Horror- und Schockmomente sind nicht mehr ganz so subtil.

Doch Krassinski ist clever genug um sein Talent nicht in eine einfache Schublade stecken zu lassen. Er beweist mit der Fortsetzung, dass er in der Lage ist eine perfekte, spannende Unterhaltung abliefern zu können und zu wissen wann es Zeit ist, aufs Gaspedal zu treten oder den Gang rauszunhemen. Auch wenn die Welt, in der "A Quiet Place" spielt,etabliert ist, fühlt sie sich in dem direkten Sequel frisch und interessant an. Der erste Film endete im Wesentlichen auf seinem Höhepunkt, als die Familie Abbott nach etwa 400 Tagen des Terrors endlich das Weite suchten. "A Quiet Place 2" beginnt mit einem köstlich-grausamen Reset und geht zurück zu Tag 1, als noch niemand etwas wusste, was auf die Menschheit zukommt. Der Zuschauer weiß, was am Ende kommt (Krasinskis Plot behandelt den ersten Film als Pflichtprogramm), und das macht die Sequenz bei einem Baseballspiel voller Lärm zu einer besonders nervenaufreibenden Szene. Doch davon hat der Film viele. Allein die blitzartige Gewalt gewöhnt den Zuschauer sehr schnell wieder daran, Geräusche zu fürchten, während die verschiedenen Lösungsstrategien der Protagonisten in diesem Chaos für Spannung sorgen und allein dieser Auftakt bietet eine echt coole Sequenz (obgleich offensichtlich fehlerbehaftet und unlogisch). "A Quiet Place Part II" springt dann direkt an das Ende des letzten Films. Mit ihrem neugeborenen Baby schleicht Evelyn mit ihrer Tochter Regan (Millicent Simmonds) und ihrem Sohn Marcus (Noah Jupe) auf leisen Sohlen über den Sandweg, der zuvor von Lee angelegt worden war. Nachdem es im ersten Teil um die Aufopferung für die Familie ging, geht es in dieser Fortsetzung nun darum, was man aufgeben würde, um anderen zu helfen. Cillian Murphy spielt den trübseligen Emmett, einen Freund der Familie, der sich dieser Frage stellen muss. Er besitzt eine faszinierende Bitterkeit, die Angst machen kann und doch steigert sich der Film in der Angst vor anderen Menschen, die weniger nachgiebig sind als die Abbotts: Es ist schlicht beängstigend, wenn eine Gruppe von Menschen einen anstarrt, ohne ein Wort zu sagen. Mit mehren Handlungssträngen, in denen Krasinski sogar das Baby in Gefahr bringt, geht der Regisseur souverän um, doch er scheitert an einer gewissen Radikalität - nur um es sich dann so einfach wie möglich zu machen und sich auf Altbewährtes zu verlassen. Auch der ursprüngliche Reiz, nämlich minimale, leise Dialoge zu verwenden, wird in "Part II" vernachlässigt.

Die Leistungen der Darsteller indes bleiben solide und intensiv, auch wenn die Geschichte ihnen wenig Raum gibt. Blunt ist eher im geradlinigen Action-Modus, Simmonds  und Jupe sind wahre Profis, wenn es um Gekreische geht, doch beide bringen eine gewisse Zärtlichkeit in diese Geschichte. Die einzige Instanz, die sich schneller bewegt als Michael P. Shawvers Schnitt, sind die Monster selbst. Abgesehen davon, dass sie scheinbar aus dem All kommen, erfährt man nicht viel mehr über sie. Sie werden von Krasinski auch nicht weiter entwickelt und das beweist eigentlich nur, wie schwach sie konzipiert sind. Krasinskis Interesse, gegen die Erklärer-Fankultur anzugehen, ist faszinierend, aber der Mangel an Hintergrund fühlt sich an, als hätte er einfach zu wenig über seine Monster zu sagen. Sie werden hier zu schlichtweg langweiligen Bösewichten, die die Menschen aggressiv zum Schweigen bringen. Das Überraschende an der ganzen emotionalen Erfahrung von "A Quiet Place" verblasst hier größtenteils, vor allem, weil sich das alles mit einer betäubenden Menge an maximal lauten Geräuschen entfaltet; Marco Beltramis Score bringt die meditativen Themen des Originals ein, wenn er nicht gerade versucht, den Zuschauer mit dumpfen Bässen in den hinteren Teil des Kinos zu blasen. Aber die Momente, in denen Menschen und Monster aufeinandertreffen, sind unglaublich kinetisch und schaffen es, dass man an nichts anderes in der Geschichte denkt als an den Terror auf der Leinwand. Zusammen mit Kameramann Polly Morgan und Cutter Shawver erweist sich Krasinski als äußerst versiert im Aufbau und in der Schichtung von "In Your Face"-Sequenzen, besonders wenn drei verschiedene Handlungsstränge ihren Höhepunkt erreichen und Charaktere um ihr Leben schreien. Eine von Krasinskis besten visuellen Leistungen sind zwei Szenen, die den Zuschauer in eine Mittendrin-Perspektive versetzen, wie z.B. zu Beginn, als Evelyn versucht, vor einem auf sie zukommenden Bus zu entkommen. Diese spannenden Sequenzen geben dem Film zu Beginn und am Ende viel Adrenalin und wirken wie ein Wink des sich noch entwickelnden Krasinski: Er setzt auf "Enjoy Your Ride"-Filmemachen, auch wenn das zur Passivität des Zuschauers führen kann. Bleibt zu hoffen, dass "Part III" mehr Raum für das lässt, was die Leute von Anfang an zum Staunen gebracht hat.

7,5/10

Die 4K Ultra-HD Blu-ray gibt es von Paramount exklusiv bei amazon.de auch im Steelbook:  

Quellen:
Inhaltsangabe
: Paramount Pictures
Poster/Artwork: Paramount Pictures

Montag, 23. April 2018

A Quiet Place (2018)

https://www.imdb.com/title/tt6644200/

Nichts ist mehr so wie früher, seit die Erde von mysteriösen, tödlichen Aliens überrannt wurde, denen Kugeln und Bomben nichts anhaben. Die Kreaturen sind außerdem deswegen so gefährlich, weil sie durch die leisesten Geräusche angelockt werden. Nur wenige Menschen wurden bisher nicht von den Monstern getötet – zu den Überlebenden gehört die Familie von Lee Abbott (John Krasinski). Er hat sich, seiner Frau Evelyn (Emily Blunt) und den drei Kindern Reagan, Marcus und Beau (Millicent Simmonds, Noah Jupe, Cade Woodward) die ganz wichtige Regel auferlegt, bloß keine Geräusche zu machen! Am 89. Tag der Invasion ist die Familie, die sich nur durch Zeichensprache verständigt, im verlassenen New York unterwegs. Beau entdeckt in einem Laden ein batteriebetriebenes Spielzeug-Weltraumshuttle. Der Papa verbietet, dass Beau den Fund behält, aber der Junge nimmt das geräuschvolle Spielzeug dennoch mit nach draußen...

"A Quiet Place" ist ein Film, wie man ihn so sicher noch nie gesehen hat und er hat etwas, was nur wenige Filme vermögen: er vereinnahmt den Zuschauer. Von der ersten Sekunde an ist man mitten in der Thematik, nahezu gefangen, man versucht selbst keinen Mucks zu machen. So ist es störend laut, wenn um einen herum nur das kleinste Geräusch zu hören ist und selbst der Score vermag den Zuschauer nicht aus dieser Trance zu holen. Denn bei all dieser Stille im Film kratzt der Ton an der Grenze zur Genialität. Es ist unter anderem der Wechsel zwischen Ruhe und der gedämpften Wahrnehmung aus der Sicht der hörgeschädigten Tochter bis hin zu urplötzlichen, schreiend lauten Pegelausschlägen. Zusätzlich wirkt jeder einzelne Ton so bedeutungsvoll auf die Zuschauer, dass man hier nicht etwa erschrickt, weil einen ein in diesem Genre üblicher Jump-Scare kalt erwischt, mit denen dieser Film übrigens so gut wie gar nichts am Hut hat, sondern der Schreck durchfährt einen, sobald ein plötzlicher, harter Schnitt auf einen rauschenden Bach erfolgt.

Aber auch optisch gibt es an diesem Thriller überhaupt nichts zu meckern: die Kreaturen sehen gut aus, die Schauspieler - allen voran die Kinder - spielen authentisch und großartig. Positiv anzumerken ist zudem, dass der Regisseur aus dieser Thematik keinen reinen Horrorfilm abliefert, sondern den Fokus ganz klar auf das Genre Thriller legt. Der Film ist wahnsinnig spannend, von Anfang bis Ende. Dialoge über auditive Wahrnehmung sind so gut wie gar nicht vorhanden. Es wird nur das Nötigste kommuniziert und dem Zuschauer mit Gestik und Mimik so viel Inhalt vermittelt, sodass der Film niemals langatmig oder zu überladen wirkt. Dadurch kreiert der Streifen eine einmalige, dystopische Atmosphäre, welche Ihresgleichen sucht. Zudem ist jede Szene optimal platziert, sodass die Spannung in den gut 90 Minuten zu keiner Sekunde abreißt. Lediglich an der Gradlinigkeit könnte sich nun der ein oder andere Zuschauer stoßen, denn ein (vielleicht erhoffter) Twist bleibt aus. Vielleicht ist das aber gerade das Interessante, denn wenn man einfach nur eine Geschichte in einer fiktiven Welt erzählen kann, ist dann ein Twist nötig? Doch sicher nicht. Und unterm Strich ist "A Quiet Place" ein Film, der für seine außergewöhnliche Grundthematik, seine durchgängie Spannung und die sehr gute n Schauspieler nur Pluspunkte bekommt. Es ist ein Thriller, dem man jedem empfehlen kann, der auf den ausgetretenen Pfaden des Genres etwas Neues, etwas Frisches sucht. Hier wird er es finden. Großartig!

8/10

Die 4K Ultra-HD Blu-ray gibt es von Paramount exklusiv bei amazon.de auch im Steelbook:


Quellen:
Inhaltsangabe
: Paramount Pictures
Poster/Artwork: Paramount Pictures

Freitag, 2. Juli 2021

The Tomorrow War (2021)

https://www.imdb.com/title/tt9777666/

Der Untergang der Welt ist nah! In der nicht allzu fernen Zukunft des Jahres 2051 haben Aliens einen vernichtenden Kampf gegen die Menschheit begonnen, der kaum zu gewinnen ist. Um die menschliche Rasse vor dem kompletten Niedergang zu bewahren, nutzen Wissenschaftler die letzte Chance, die ihnen bleibt: Mit Hilfe einer neu entwickelten Technik werden Soldatinnen und Zivilisten aus vergangenen Zeitepochen in die Zukunft geholt. Ex-Soldat und Lehrer Dan Forester (Chris Pratt) zählt zu den Auserwählten, die für die Zukunft der Welt eintreten müssen. Ihre Fähigkeiten und besonderen Kampftechniken sollen die Aliens in die Knie zwingen. Der weltweite Krieg hält jedoch auch persönliche Veränderungen für Dan bereit, der nur mit der Unterstützung seines entfremdeten Vaters Slade (J.K. Simmons) die Welt beschützen kann. Denn gemeinsam mit Slade und der Wissenschaftlerin Vicki Winslow (Yvonne Strahovski) wird er auf eine ganz besondere Mission geschickt... 

Ein großer, dummer, manchmal langweiliger, manchmal lustiger Sci-Fi-Kriegsfilm mit Zeitreisen und reichlich Vaterkomplexen, der einen Haufen normaler Leute durch ein Wurmloch in die Zukunft schickt, um die menschliche Rasse zu retten: Chris McKays "The Tomorrow War" hat so viel zu bieten, dass selbst die Protagonisten gehetzt werden: Gewöhnliche Zivilisten, die eingezogen wurden, um in der nahen Zukunft gegen außerirdische Monster zu kämpfen, bekommen nur ein paar Tage Militärtraining, bevor sie sich dem (sehr unheimlichen) Feind (die sog. "White Spikes") stellen. Diese haben Gliedmaßen, Tentakel, Zähne, Keulen und blitzschnelle Bewegungen - und unterscheiden sich am Ende gar nicht so sehr von den Monstern in den "A Quiet Place"-Filmen. Glücklicherweise kommt der Anführer der menschlichen Widerstandstruppe vorgebildet daher: Als Biologielehrer, der auch schon Truppen im Irak geführt hat, ist Dan Forester (Chris Pratt) der richtige Mann für den Moment, auch wenn der erst in 30 Jahren kommen wird. Actionreich und solide inszeniert mit der Ausrichtung auf Familienunterhaltung hätte man sich diesen Streifen sogar im Kino vorstellen können. "The Tomorrow War" ist ein Film, der einen nach den bitter-süßen Nuancen von "Starship Troopers" sehnen lässt. Vieles davon ist schlichtweg kitschig (und mit 2 Stunden und 18 Minuten zu viel des Mittelmaßes), aber als ein Film die Definition von mitreißend angemessen.

Die Thematik ist auch nicht gerade neu. Bereits in "Terminator" wurde die Zeitreisethematik eingesetzt, um einein Vorteil in einem sonst aussichtslosen, ewig andauernden Kampf zu erlangen. In "The Tomorrow War" hält sich Regisseur McKay gar nicht erst lange mit Erklärungen auf und serviert in guter, alter "Ist eben so"-Manier seine Version des "Jump-Link"-Zeitreisekrieges, sodass man als Zuschauer am besten auch gar nicht weiter darüber nachdenkt, um den Film wirklich genießen zu können. Der Zuschauer, genau wie die Protagonisten werden gleich zu Beginn regelrecht und im wahrsten Sinne des Wortes in den Film geworfen und finden sich in einer apokalyptischen Welt wieder. Dann blendet der Film 28 Jahre zurück in einen Vorort, wo Dan Forester ein High-School-Biologielehrer ist, der beruflich nicht vorankommt, und der Vater eines 8-jährigen Wissenschaftsgenies namens Muri (Ryan Keira Armstrong). Er ist mitten in einer ausgelassenen Weihnachtsfeier bei sich zu Hause und sieht sich ein Fußballspiel im Fernsehen an, als etwas Unheimliches passiert: Eine lila elektromagnetische Wolke erscheint in der Mitte des Spielfelds, und aus der Wolke entsteigt ein S.W.A.T.-Team aus dem Weltraum. Ihre Anführerin (Jasmine Mathews) spricht zu den Zuschauern. "Wir sind Sie", sagt sie, "dreißig Jahre in der Zukunft." In nur 11 Monaten, sagt sie, werden alle Menschen vom Angesicht der Erde getilgt sein, "wenn ihr uns nicht helft."

"The Tomorrow War" handelt von einer außerirdischen Schlacht auf Leben und Tod, die im Jahr 2051 ausgetragen wird und für die sich die Erdenbürger von heute opfern müssen. Es wird die erste internationale Wehrpflicht eingeführt, wobei jeder Einsatz nur sieben Tage dauert. Doch die meisten derer, die in den Krieg "springen", kehren nicht zurück. Die Überlebensrate beträgt weniger als 20 Prozent - es ist die Zukunft als Fleischwolf. Nebenhandlunsgplatz ist der Vaterkonflikt, der mal wieder den altbackenen Weg beschreitet, sich seiner Pflicht zu ergeben, um ein höheres Ziel zu erreichen, obwohl Familie intensiv darum bittet, eben diesen Weg nicht zu beschreiten. Doch das höhere Ziel ist Dans entfremdeter Vater James (J.K. Simmons), der seinen Sohn vor langer Zeit verlassen hat, und der nun ein regierungsfeindlicher Einsiedler ist, der seine technischen Fähigkeiten für zwielichtige Zwecke einsetzt. Klar, dass ich hier weiteres Konfliktpotential auftut.

Es gibt unfreiwillig komische Momente in "The Tomorrow War" (wie etwa die Art und Weise, wie Muri die Giftformel entdeckt, nach der sie sucht), aber das Kitschigste an dem Film ist vielleicht einfach, dass der Film ein wahres Sammelecken für einen Sci-Fi-Blockbuster- ist: Aliens, Klimawandel, eine Reise in die Zukunft, um den Kurs der Menschheit zu ändern, "Interstellar"-Vater-Tochter-Umarmungen über die Zeit hinweg. Nichts, was man nicht schon einmal gesehen hätte. Der Kreaturen-Designer Ken Barthelmey hat jedenfalls sein Geld verdient, indem er Biester erschaffen hat, vor denen es sich zu fliehen lohnt; und dass McKay, der zwischen der Regie von "The Lego Batman Movie" und der kommenden Fortsetzung steht, ziemlich gut darin ist, reale Schauspieler in die Action einzubinden. Obwohl der Film vor zu vielen Zufällen strotzt und sich auf den einen oder anderen fragwürdigen Handlungspunkt verlässt, um seinen emotionalen Bogen zu spannen, funktioniert das Monster-killen gut genug, dass man sich kaum beschweren kann. Der Nervenkitzel erreicht einen scheinbar natürlichen Endpunkt; drei oder vier Dialogzeilen sind alles, was nötig wäre, um einen emotionalen und logischen Schlusspunkt zu setzen. Aber Dean macht weiter und fügt eine lange und waghalsige Mission hinzu, die nicht im Ansatz plausibel ist. Andererseits sieht man aber einen Film, in dem ein paar Wissenschaftler eine eigentlich unaufhaltsame Monsterhorde auslöschen, während sie in der Zeit hin und her hüpfen. Das kann man auch mal so durchgehen lassen.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe
: amazon Video

Donnerstag, 12. Oktober 2023

The Boogeyman (2023)

https://www.imdb.com/title/tt3427252/

Die 16 Jahre alte Teenagerin Sadie (Sophie Thatcher) und ihre Schwester Sawyer (Vivien Lyra Blair) versuchen, den tragischen Unfalltod ihrer Mutter zu verarbeiten. Ihr Vater, der Psychologe Dr. Will Harper (Chris Messina), ist ebenso in Trauer gefangen, drängt die Familie aber zu einer raschen Rückkehr in den Alltag. Als eines Tages der verzweifelte Patient Lester Billings (David Dastmalchian) überraschend den zu Hause arbeitenden Vater aufsucht, nimmt das Leben der Familie Harper eine düstere Wendung. Der sonderbare Mann hat seine Emotionen kaum unter Kontrolle und erzählt nicht nur von einer furchteinflößenden Schattengestalt namens "Boogeyman", die seine drei Kinder umgebracht haben soll, sondern begeht auch kurz darauf im Heim der Harpers Selbstmord. Alles Hirngespinste? Oder steckt hinter dieser grausen Schauergeschichte doch mehr? Der tragische Besucher scheint jedenfalls einen schrecklichen Schatten im Haus der Familie hinterlassen zu haben, denn fortan werden die zwei Schwestern von einer durch und durch sadistischen Präsenz geplagt, die ihnen des Nachts auflauert. Existiert der Boogeyman wirklich? 

Basierend auf einer weniger bekannten Kurzgeschichte von Stephen King und mit einem Titel, der so generisch ist, dass er schon unzählige Male verwendet wurde, passt "The Boogeyman" des jungen britischen Regisseur Rob Savage ein wenig zu perfekt in die aktuellen Horrortrends. Es handelt sich um eine von Frauen geführte Geschichte über Trauer und Trauma, die in die Nähe von "Antlers" und noch näher an den ähnlich düsteren und metaphernlastigen "Smile" zu stellen ist. 

Savage tut weit mehr, als das enttäuschend routinierte Drehbuch des "A Quiet Place"-Duos Scott Beck und Bryan Woods verdient, ebenso wie seine Darsteller, die alle ihr Bestes tun, um den Zuschauer von der erdrückenden Anonymität der Geschichte abzulenken. Im Mittelpunkt steht eine Familie, die noch immer um den Verlust der Mutter trauert, zwei Töchter (Sophie Thatcher und Vivien Lyra Blair) und ihren Therapeuten-Vater (Chris Messina). Als ein Fremder in ihr Haus eindringt und sich umbringt, bricht eine neue Form der Dunkelheit über sie herein, die sich von ihrem Schmerz zu ernähren scheint. Das Böse, das sich an die Familie heftet, wird aber ebenso wenig detailliert und differenziert dargestellt wie die Trauer, die es anzieht, ist beides in zu groben Zügen gemalt. Die Besonderheiten der Kreatur und ihre Funktionsweise sind einfach zu abgeleitet, als dass der Film jemals wirklich aus dem Schatten treten könnte. Er recycelt vorhersehbar einen Schlag nach dem anderen, fast so, als wäre es ein einziges langes Ratespiel, welches Element aus welchem Film vor ihm stammt.

Aber "The Boogeyman" wartet auch mit erfolgreichen Momenten auf, vor allem dank Savage, der einzigartige Wege findet, Szenen zu gestalten, die man sonst schon gesehen hat. Es gab bislang nur wenige Filme, die auch nur annähernd das Ausmaß an Albtraum erreicht haben, das "The Boogeyman" hervorrufen will, aber in einem Film mit ansonsten repetitiven Versatzstücken, die mit Licht und Dunkelheit spielen, zahlt sich sein Beharren darauf, die visuellen Erwartungen auf den Kopf zu stellen, oft sehr aus. Savages Gespür für Atmosphäre wird auch durch seine geschickte Truppe von Schauspielern ergänzt - Messina als Besorgter, Thatcher als Gefährdete und Blair als Erschrockene - und sie arbeiten hart, um das Herz des Films zum Schlagen zu bringen (es gibt auch eine kleine, böse Rolle von Marin Ireland). Womit Savage am meisten kämpft, und dieses Problem teilt er mit seinen Autoren, ist ein kohärentes Gefühl für den Ort. Zu oft werden wir vor die Frage gestellt, wie das Haus aufgebaut ist und wo sich die Personen darin aufhalten - wie konnte das hier passieren oder warum hört niemand, dass das dort passiert - und obwohl das wie eine relativ kleine Beschwerde klingen mag, wird die Spannung häufig durch Verwirrung zerstört (Messinas Figur ist so lange abwesend, dass man sich unwillkürlich fragt, ob man etwas verpasst hat). Das ist unnötig schlampig für einen Film, der ansonsten so beeindruckend aussieht.


Abgesehen von Savages visueller Verve gibt es wirklich wenig an "The Boogeyman", was wirklich neu ist. Sein Versuch, den zentralen Bösewicht als Metapher für ein emotionales Trauma zu verwenden, funktioniert nie ganz so gut wie in "Smile" vom letzten Jahr (Horror als Therapie wird generell ein bisschen anstrengend). Letztendlich funktioniert der Film am besten als weiterer Beweis für seine Fähigkeiten als Genre-Filmemacher, der geschmeidig vom Laptop auf die große Leinwand gleitet, wobei sicherlich noch bessere Dinge kommen werden.

6,5/10

Quellen: 
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Twentieth Century Studios

Mittwoch, 31. März 2021

Bird Box - Bird Box: Schließe deine Augen (2018)

https://www.imdb.com/title/tt2737304/

Ein mysteriöser Schrecken hat die Welt heimgesucht. Es handelt sich dabei um eine Art Monster, das seine Opfer dazu bringt, sich selbst umzubringen – einzig und allein indem man es ansieht. In diesem Moment wird man nämlich mit seinen schlimmsten Ängsten konfrontiert. Um sich und ihre zwei Kinder vor diesem grausamen Schicksal zu bewahren, muss sich Malorie (Sandra Bullock) mit ihnen in dieser in Angst und Schrecken versetzten Welt durchkämpfen. Und zwar mit verbundenen Augen, um dem unheimlichen Wesen auch ja keine Angriffsfläche zu bieten. Als dann plötzlich das Telefon klingelt und ein unbekannter Anrufer auf einen sicheren Ort verweist, der nur ein paar Meilen den naheliegenden Fluss hinunter liegen soll, besteigt Malorie mit ihren Kindern kurzerhand ein kleines Boot und legt ab, natürlich noch immer ohne Augenlicht....

"Bird Box" basiert auf einem gleichnamigen postapokalyptischen Debütroman von Josh Malerman. Regie führt die Oscargewinnerin Susanne Bier. Malermans Roman wurde von Eric Heisserer für den Film adaptiert. Die Grundidee - es gibt plötzlich Wesen, deren alleiniger Anblick den menschlichen Geist in Sekunden in den Wahnsinn und damit die Person in den Selbstmord treibt - ist die Definition von purem, ultimativem Horror. H.P. Lovecraft und der Wahn im Angesicht des Unbegreiflichen sind der Stoff aus dem Albträume sind - diese haben es allerdings viel zu selten in Filme geschafft, weil die Besessenheit des Genres mit Monstern, bzw. die generelle Besessenheit der Filmschauenden mit "Auflösungen" und "Erklärungen" immer wieder für ein großes Problem sorgt: wenn das Unfassbare erst mal gezeigt ist, wirkt es meist gar nicht mehr so unbegreiflich, wie die Beschreibungen es andeuteten. Genau wie im Roman wird also auch im Film nie erklärt, woher die Monster kommen und was genau sie wollen. Aber genau wie in "A Quiet Place" dient die Bedrohung sowieso in erster Linie als metaphorischer Katalysator, um über die Idee von Familie und Elternschaft nachzudenken.

Aber dann eben Sandra Bullock mit Augenbinde auf einem schwankenden Boot - zwei Kinder mit eben solchen Binden neben ihr - das auf einem nebligen, reißenden Fluss im Nirgendwo umhertaumelt: Das ist natürlich das Bild des Films. Ein unglaublich einprägendes Bild. Tatsächlich auch ein unvergessliches Bild. Lange gab es im Horrorkino kein so verwehtes und eigentümliches Szenario. Keinen so absurden Ausgang. Bruchstückhaft wird erzählt, wie es dazu kommen konnte, mit teilweise furchtbaren Rückblenden, die anfänglich maximale Aufmerksamkeit erfordern. Das ist bis zum Schluss tatsächlich ein Stück weit radikal gedacht, mit einer originellen Prämisse, die neben ihrem ernst gemeinten Grusel auch ein Gefühl von Horror entwickelt. Doch der Film löst viele grausame Versprechen auf erfrischende Weise nicht ein: Er ist wenig effekthascherisch, hat kein Interesse an äußerlichem Thrill, noch minder gibt der Film irgendeine Antwort. "Bird Box" ist am ständigen Versuchen und Ausprobieren. "Bird Box" appelliert an die Fantasie und das ist - man kann es nicht anders sagen - dieser Tage originär und auch radikal, trotz so mancher grober und fahrlässiger inszenatorischer Schnitzer und Unzulänglichkeiten. Die sehr passende Filmmusik komponierten Trent Reznor und Atticus Ross - Garanten für eine gelungene musiklaische Untermalung.

Aus seiner Ungewissheit heraus baut der Film nun einen beklemmenden Sog auf, den er über weite Strecken auch aufrecht erhalten kann. Würde sich Regisseurin Susanne Bier nicht in der zweiten Hälfte vermehrt in dramaturgischen Gewöhnlichkeiten und einer unangebrachten Portion Käsigkeit verlieren, wäre der Film durchweg grandios. Vom Ende darf man dann allerdings doch etwas enttäuscht sein. Irgend ein Highlight oder Twist im Finale blieben nämlich leider aus. Viele Fragen entwickelten sich, die unbeantwortet blieben.So ist der Film (leider) nur gut, mit etwas mehr Pep wäre er ein Highlight geworden.

7/10

Quellen: 
Inhaltsangabe: Netflix
Textauszüge: Markus Fiedler (Filmstarts), Wikipedia

Freitag, 8. November 2019

It Comes At Night (2017)

https://www.imdb.com/title/tt4695012/

Die Welt von Paul (Joel Edgerton), seiner schüchternen Frau Sarah (Carmen Ejogo) und ihres jugendlichen Sohns Travis (Kelvin Harrison Jr.) wird von einer bösartigen, pestähnlichen Krankheit bedroht, die beinahe das gesamte Leben auf der Erde ausgelöscht hat. Um Schutz vor den lebensgefährlichen Umständen zu finden, haben sie sich in ein abgelegenes Haus im tiefsten Wald zurückgezogen. Doch die Ruhe wird gestört, als eines Tages das junge Pärchen Will (Christopher Abbott) und Kim (Riley Keough) vor der Tür des Unterschlupfs steht und dort gemeinsam mit ihrem jungen Sohn Andrew (Griffin Robert Faulkner) Schutz sucht. Widerstrebend nehmen Paul und seine Familie die verzweifelten Flüchtlinge bei sich auf. Doch bald bricht Paranoia zwischen den neuen und alten Bewohnern aus, die von den Schrecken ihrer zerstörten Umgebung gleichermaßen traumatisiert sind...

"It Comes At Night" ist wieder einer dieser Filme, den viele Zuschauer hassen werden und man kann guten Gewissens zugeben, dass das Marketing ziemlich ungeschickt war, denn die Trailer suggerieren etwas völlig falsches. "It Comes At Night" hat im Grunde genau den Stil, der den nicht minder genialen "A Quiet Place" in noch höhere Sphären gehoben hätte. Hier wird nicht gezeigt und erklärt, was da draußen lauert, sondern die Tatsache an sich, dass dort etwas lauert stellt die Gefahr dar. Der Film verzichtet auf alle Mainstream Horror-Elemente und ist eine atemberaubende Charakterstudie im Kammerspiel-Stil. Hier steht das Thema Paranoia und Panik im Vordergrund und der Film zeigt sehr eindrucksvoll, was solch eine Extremsituation mit Menschen macht und wie paranoid unsere Charaktere werden. "It Comes At Night" ist insgesamt ein eher ruhiger Survival-Horror, mit ab und zu aufblitzenden Gruselelementen, die aber nicht vorrangig im Vordergrund stehen. Diese werden meist in Traumsequenzen gezeigt. Dabei ist "It Comes At Night" ein schönes kleines und vor allem böses Filmchen. Atmosphärisch sehr packend aber sicherlich nicht für jeden geeignet, denn er lässt dem Zuschauer sehr viel Spielraum für Interpretation. Um was es beim sogenannten "It" aus dem Titel überhaupt handelt, kann jeder für sich entscheiden. Wenn man mit solchen Freiheiten umgehen kann, ist der Film extrem spannend und einige wenige aber dafür perfekt inszenierte Szenen lassen einem die Haare zu Berge stehen.

Joel Edgerton ist einfach ein grandioser Schauspieler. Zwar sind alle Charaktere in diesem Film brillant und glaubwürdig, aber es ist vor allem Edgerton, der hier einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Seine Angst und seine Paranoia kommen extrem echt herüber und man kann ihn, trotz heftiger Entscheidungen, immer voll und ganz verstehen. Carmen Ejogo als Sarah weiß ebenso gut zu gefallen und hat eine brillante Chemie mit Edgerton. Auch Kelvin Harrison Jr. als Travis beeindruckt und besonders seine Visionen und Halluzinationen sind mit einem meisterhaften Score untermalt. Christopher Abbott als Will spielt eine sehr tragische Figur, genau wie seine Frau und sein Sohn. Auch ihn kann man voll und ganz verstehen, allerdings misstraut man ihm als Zuschauer genauso sehr wie Paul. Alle Charaktere interagieren brillant miteinander und jeder einzelne Dialog ist perfekt. Das Hauptaugenmerk des Films liegt auf der Bindung der einzelnen Familienmitglieder, und deren Angst vor dem Ungewissen. Der Drama Anteil überwiegt hier zwar, doch wirkt zu keiner Zeit gezwungen oder unpassend. Das ganze erzeugt eine sehr dichte bedrückende Atmosphäre, die zum Schluss unfassbare Ausmaße annimmt. Man wird hier von Anfang bis Ende konstant bei der Stange gehalten, und das auf hohem Niveau. 

"It Comes At Night" ist unterm Strich brillant geschrieben, meisterhaft inszeniert und erstklassig gespielt. Ein Film, der nachhallt, der Interpretationsspielraum bietet und über den man reden kann, ja, muss. Gerade beim dritten Akt stockt dem Zuschauer der Atem. Aber Vorsicht: Zu diesem Film muss man Zugang finden und einige werden diesen Film, dank der fehlgeleiteten Trailer, verteufeln und sich vor allem langweilen. Es ist ein Kammerspiel und eine tiefgründige Studie über Paranoia. Das wird nicht jeder mögen.

7/10

Montag, 31. März 2025

Elevation (2024)

https://www.imdb.com/de/title/tt23558280/

Drei Jahre nachdem grauenvolle Kreaturen die Welt urplötzlich aus dem Untergrund heimgesucht und fast die gesamte Menschheit ausgelöscht haben, hat Will (Anthony Mackie) sich mit seinem Sohn Hunter (Danny Boyd Jr.) ein neues Zuhause in den Rocky Mountains in Colorado aufgebaut. Nur hier ist es sicher, denn in Höhenlagen von über 2.400 Metern können die Wesen nicht überleben. Auch die Wissenschaftlerin Nina (Morena Baccarin) wohnt bei ihnen in der Nähe – sie hatte zusammen mit Wills Frau Tara eine Exkursion unternommen, um die Achillesferse der Ungeheuer zu ermitteln, ein Ausflug, den Tara allerdings nicht überlebt hat. Weil der kleine Hunter an einer schweren Lungenkrankheit leidet, beschließt Will eines Tages notgedrungen, in die tiefer gelegene Stadt Boulder zu gehen, um dort in Ninas altem Labor neuen Sauerstoff zu besorgen, der zur Neige gegangen ist – was ihn und seine Begleiter mitten in die Monsterzone führt.

"Elevation" ist ein weiterer postapokalyptischer Thriller, der auf gewisse Art und Weise der "A Quiet Place"-Schule der Action-Optimierung folgt: In diesem Fall müssen die verbleibenden 5 % der Menschheit über einer 2.440 Meter hohen Grenze bleiben; darunter laufen sie Gefahr, von den Reapern, den riesigen Insekten, die den Planeten erobert haben, angegriffen zu werden. Der Film erinnert zudem an Gareth Edwards’ "Monsters", da er seine schildwanzenartigen Monster nur sparsam präsentiert, und bietet eine spannende letzte Wendung, die die Aussicht auf ein erfolgreiches Franchise nahelegt.

Regisseur George Nolfi ist in Sachen Action keine schlechte Wahl, mit einer brenzligen Seilbahnszene und einer Reihe von Nahbegegnungen mit den Reapern, als das Trio die "Minen von Moria" unter dem Berg beschreitet. Doch trotz regelmäßiger Adrenalinschübe entwickelt "Elevation" nie eine eigenständige Identität, und das nicht nur, weil der Film so durch und durch abgedroschen ist. Das liegt hauptsächlich an der drögen und spärlichen Charakterisierung, sowohl was Wills väterliche Mission als auch das wenig interessante Gezänk mit der nihilistischen Nina betrifft. Mackie trägt nicht gerade dazu bei, dass ihre Leistung eher zu einem Midlife-Crisis-Drama als zu einem Mockbuster über das Schicksal der zivilisierten Welt passt. Baccarin hingegen gelingt es besser, indem sie Töne unterdrückter Wut und letztendlicher Akzeptanz ihrer Vergangenheit einbringt. Doch zukünftige Filme dieser Art sollten sich vielleicht mehr als nur altbackene Geschichtenerzählerei zum Ziel setzen.

5,5/10

Quellen: 
Inhaltsangabe: Seven One International
Poster/Artwork: 
Grinder Monkey/John Glenn Entertainment

Freitag, 15. Mai 2026

Azrael - Azrael: Angel Of Death (2024)

https://www.imdb.com/de/title/tt22173666/

Vor Jahren hatte eine globale Apokalypse die überlebenden Menschen ihrer Fähigkeit zu sprechen beraubt. Azrael (Samara Weaving) und ihr Lebensgefährte Kenan (Nathan Stewart-Jarrett) führen seitdem ein bescheidenes Dasein, als die Mitglieder eines religiösen Kults sie gefangen nehmen und verschleppen. Nur mit viel Glück kann das Paar aus ihrer Gewalt entkommen und ins Unterholz flüchten. Als die brutalen Schergen sie dann doch wieder stellen, wird Azrael an einen Stuhl gefesselt. Währenddessen beginnen ihre Peiniger mit einer rätselhaften Zeremonie, bei der die junge Frau offenbar dämonenhaften Waldwesen geopfert werden soll, die sich von menschlichem Blut ernähren. Doch Azrael will sich nicht einfach ihrem Schicksal ergeben. Mit letzter Kraft gelingt es ihr, sich zu befreien, gerade als eines der Biester über sie herfallen will. Mit der Armlehne des Stuhls als Waffe kann sie erneut flüchten. Doch dieses Mal beschließt sie, von sich aus zurückzugehen und dem Ganzen ein Ende zu setzen, indem sie sich endgültig ihrer Verfolger entledigt …

"Azrael: Angel Of Death“ ist ein Film, der sein Versprechen am Anfang lautstark abgibt und sich dann darin verliert, wie er es einhalten will. Die Idee an sich ist klar und mutig: Eine Welt, in der Sprache abgeschafft wurde, aber die Angst blieb. Azrael lebt gemeinsam mit ihrem Partner Ylli (Nathan Stewart‑Jarrett) in einem abgelegenen, unwirtlichen Wald, bekleidet mit zerfetzter Kleidung, ernährt von unklaren Ressourcen, gebunden allein durch Nonverbales, durch Zeichen, Gesten, Blicken. Ihre leise Existenz wird von einem stummen, religiösen Kult unterbrochen, der sie gefangen nimmt und als Opfer für monströse, augenlose, verkohlte Wesen vorgesehen; sie entkommt, wird wieder gefangen, entkommt erneut, und dieser Zyklus aus Spannung und Entlastung bildet den Kern des Films. Aus diesem verrückten, zugleich finsteren Grundgedanken baut Regisseur E.L. Katz einen stummen, atmosphärischen Kammerspiel‑Horror auf, der auf die Figur der Azrael, gespielt von Samara Weaving, alles andere setzt, was ein Film noch haben kann: Körper, Stille, Blut, Temperament.

Samara Weaving spricht in diesem Film kein einziges Wort, aber jedes Keuchen, jeder Atemzug, jeder Zusammenbruch, jedes Strampeln sagt etwas aus. Sie bleibt glaubwürdig, entschlossen, verletzlich, oft auch komisch, wenn sie sich in Situationen bewegt, die zwischen grotesker Überhöhung und düsterer Ernsthaftigkeit schwanken. "Azrael" funktioniert, weil Weaving sie als Nervenstrang handelt, der sich durch einen Irrgarten von Kult, Monster und eigener Überlebenspanik schlängelt. Katz Film erinnert auch sehr an "A Quiet Place", aber mit deutlich düsterer, bizarrerer Intensität. Die Kamera hält sich an der Figur fest, folgt ihr durch enge, verfallene Hütten und dunkle Wälder; sie zeigt, wie der Körper, den man zuvor niemals als Waffe begriffen hat, zur einzigen Sprache wird. Inhaltlich bleibt der Film jedoch deutlich oberflächlich. Die Stille, die anfangs als spannendes, fast philosophisches Experiment wirkt, wirkt im weiteren Verlauf mehr wie eine Lücke als wie eine Stärke. Die Mythologie - warum Menschen ihre Stimmen aufgegeben haben, warum sie einen Bösen fürchten, der sich in der Natur versteckt, wie die Kultisten ihre Religion organisieren - bleibt im Nebel, nie wirklich ausgearbeitet. Opfer, Opferwandler, Monster, sadistische Priesterinnen - das alles bleibt reine Funktion ohne die Tiefe, die man nach einem Film mit so viel atmosphärischem Vorsatz erwarten würde. 

"Azrael: Angel Of Death" hat daher im Grunde seine guten Ideen nicht vollständig durchdacht.  Er ist brutal, intensiv, atemlos und oft brillant in seiner Kameraführung, aber auch frequent ungeduldig, tonal schwankend und narrativ eckig. Er will ein stummer, religiöser Endzeit‑Horror sein, bietet aber zu wenig Hintergrund, um die Bedeutung solcher Stille zu erschließen. Am Ende bleibt ein filmischer Schuss in die Richtung eines neuen, experimentellen Genres - postapokalyptisch, stumm, teils religiös überhöht, teils wie ein rein physischer Action‑Survival‑Film. "Azrael: Angel Of Death" ist ein erfolgreicher Versuch, Spannung fast nur aus Bilder und Körper zu ziehen, und zugleich eine Erinnerung daran, dass auch ein leises, brutales Spektakel seine eigene Geschichte braucht, um nicht nur laut, sondern auch nachhaltig zu wirken.

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: C2 Motion Picture Group/Homeless Bob Production/Traffic

Mittwoch, 20. Oktober 2021

The Silence (2019)

https://www.imdb.com/title/tt7315484/

Auf einem Feld nahe New Jersey attackieren parasitäre Insekten eine Kolonie von Fledermäusen, die sich daraufhin in blutrünstige Kreaturen verwandeln. Die sogenannten Vesps stellen eine tödliche Gefahr für die Menschen dar, denn schon beim kleinsten Geräusch greifen die blinden, fliegenden und schnell wachsenden Monster, die über ein äußerst feines Gehör verfügen, an. Die taube Teenagerin Ally (Kiernan Shipka) und ihre Familie werden zur Zielscheibe der Kreaturen. Dank der geschärften Sinne der Jugendlichen, welche die Angreifer erspüren kann, entkommen sie erst einmal. Doch der vermeintlich sichere Wald bietet nur bedingt Schutz, die Familie muss fortan in völliger Stille leben. Inmitten dieses lebensbedrohlichen Chaos begreifen sie, dass auch Menschen gefährlich werden können, wenn es um den Kampf um Leben und Tod geht. 

Mit seiner Grundprämisse erinnert "The Silence" arg an "A Quiet Place", ohne allerdings jemals dessen Genialität zu errechen. Was gefällt, ist das Creature-Design, eine Art Alien-Gremlin-Fledermausmischung mit Hunger auf alles, was nur einen Pieps von sich gibt. Doch ausser einer trashigen Idee mit einem Traktormäher ist die Inszenierung des Films eher enttäuschend. Stanley Tucci passt irgendwie nicht in die Rolle des Familienoberhauptes und das ist erstaunlich, denn er zeigt eine gute Präsenz und ist ansonsten ein starker Schauspieler. 

Nach einem ansprechenden Vorgeplänkel entfaltet "The Silence" mit einem paar fiesen Szenen aber leider ein sehr holpriges Endzeiterlebnis, dass zudem noch kaum Spannung erzeugt. Dies wird dem geneigten Zuschauer auch leider schon nach 10 Minuten bewusst und wer dann nicht abgeschaltet hat, bekommt eine Vielzahl an Ungereimtheiten und unlogischen Szenarien zu sehen. Die ganze Welt liegt nämlich in Schutt und Asche und nur wenige Menschen (die man im Film auch begleitet) sind nach einem halben Tag auf den Trichter gekommen, die Kreaturen aúsrotten zu müssen, um das eigene Überleben zu sichern. Okay. Doch während es draußen gewittert und stürmt, hören die Kreaturen trotzdem jedes Geräusch innerhalb von geschlossenen Räumen; überdies hat sich auch noch blitzschnell eine Sekte gebildet, die Menschen die Zungen herausschneidet und die nun zusätzlich zu den Kreaturen auch noch die Familienidylle stört. Dennoch bleibt immer Zeit für ein Zoom-Meeting am Tablet. Das Öffnen von Gartentoren wird wird zur schweisstreibenden Aktion aufgeputscht. Das alles lässt dann auch noch die Zuschauer, die dran geblieben sind, nur mit dem Kopf schütteln. Daher kann man für "The Silence" nur bedingt eine Empfehlung aussprechen.

5,5/10

Quellen: 
Inhaltsangabe: Netflix/Constantin Film

Donnerstag, 2. Juli 2026

Never Let Go - Never Let Go: Lass niemals los (2024)

https://www.imdb.com/de/title/tt14415204/
https://letterboxd.com/film/never-let-go-2024/

Die Apokalypse liegt längst hinter der Welt. Nun müssen die Menschen irgendwie klarkommen, um ihr Überleben Tag für Tag kämpfen. Momma (Halle Berry) hat sich zusammen mit ihren Zwillingssöhnen Samuel und Nolan in eine abgelegene Hütte im Wald zurückgezogen. Doch auch dort lebt es sich nicht ungefährlich. Momma stellt deshalb ein paar nicht verhandelbare Regeln auf. Eine davon besagt, dass sie nur aus der Hütte raus in den Wald dürfen, wenn sie an einen Strick gebunden sind. Alles andere würde mehr oder weniger den sicheren Tod bedeuten. Doch irgendwann glaubt einer der Jungs nicht mehr an Mommas Erzählung, will nicht mehr auf ihre Warnungen hören. Die im Wald lauernden Gefahren wittern natürlich ihre Chance, als die Verbindung zwischen Momma und ihren beiden Söhnen gekappt wird…

Mit dem Remake zu "The Hills Have Eyes", "Mirrors" und "High Tension" hat sich Alexandre Aja als Regisseur einen Namen gemacht, der Spannung und intensiven Survival-Horror gekonnt miteinander verbindet. Auch "Never Let Go" beginnt mit einer faszinierenden Prämisse: Eine Mutter lebt mit ihren beiden Söhnen abgeschottet in einer Hütte, während draußen ein mysteriöses Böses lauert. Um sich zu schützen, dürfen sie das Haus nur mit einem Seil verlassen, das sie jederzeit mit ihrem Zuhause verbindet. Aus dieser ungewöhnlichen Ausgangslage entwickelt sich zunächst ein atmosphärischer Mystery-Horror, der jedoch nicht alle seine Versprechen einlösen kann. Im Mittelpunkt steht Momma, gespielt von Halle Berry, die ihrer Figur eine glaubwürdige Mischung aus Fürsorge, Verzweiflung und zunehmender Besessenheit verleiht, die ihre beiden Söhne Samuel und Nolan mit strengen Regeln vor einer unsichtbaren Bedrohung beschützt. Doch je älter die Kinder werden, desto stärker wachsen Zweifel. Existiert das Böse außerhalb der Hütte tatsächlich oder ist die größte Gefahr längst Teil ihrer eigenen Familie? Gerade dieses Spiel mit Wahrnehmung und Realität sorgt dafür, dass der Film sein Publikum lange im Ungewissen lässt. Diese psychologische Komponente und der konsequente Spannungsaufbau, gepaart mit der Atmosphäre sind große Pluspunkte des Films. Aja versteht es hervorragend, den dichten Wald und die abgelegene Hütte zu einem bedrohlichen Schauplatz zu machen. Nebelschwaden, knarzende Bäume und die permanente Unsicherheit darüber, was sich tatsächlich außerhalb der sicheren vier Wände befindet, erzeugen eine konstante Anspannung. Der Film verzichtet dabei weitgehend auf billige Schockeffekte und setzt stattdessen auf unterschwelligen Horror und psychologischen Druck. Lange bleibt hier offen, ob Momma eine heldenhafte Mutter oder eine unzuverlässige Erzählerin ist. Auch Anthony B. Jenkins und Percy Daggs IV liefern als ihre Söhne überzeugende Leistungen ab und sorgen dafür, dass die familiären Konflikte jederzeit glaubwürdig wirken. Gerade das Zusammenspiel der drei Hauptfiguren gehört zu den stärksten Aspekten des Films. 

Leider verliert "Never Let Go" im letzten Drittel deutlich an Boden. Die Geschichte lebt zunächst von ihren offenen Fragen und ihrer geheimnisvollen Stimmung, doch je näher das Finale rückt, desto mehr gerät die Handlung ins Wanken. Einige Enthüllungen wirken überhastet, während andere Fragen bewusst unbeantwortet bleiben. Der Film hält schlicht seine selbst aufgestellten Regeln nicht konsequent ein und die Auflösung bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurück. Hinzu kommt, dass das Drehbuch immer wieder bekannte Motive aus ähnlichen Horrorfilmen aufgreift. Erinnerungen an Werke wie "A Quiet Place" oder "Bird Box" lassen sich kaum vermeiden. Zwar gelingt es Aja, diesen bekannten Elementen mit seiner Inszenierung einen eigenen Anstrich zu verleihen, wirklich originell fühlt sich die Geschichte jedoch nicht durchgehend an. Dennoch bleibt "Never Let Go" ein sehenswerter Genrebeitrag. Die dichte Atmosphäre, die überzeugenden Darsteller und einige wirklich gelungene Spannungsmomente sorgen dafür, dass der Film auch dann interessant bleibt, wenn das Drehbuch kleinere Schwächen offenbart. Wer psychologischen Horror und langsamen Spannungsaufbau schätzt, wird hier durchaus auf seine Kosten kommen - sollte allerdings keine perfekte Auflösung erwarten.

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: 21 Laps Entertainment/Media Capital Technologies/HalleHolly

Montag, 9. Juli 2018

Hereditary - Hereditary: Das Vermächtnis (2018)

https://www.imdb.com/title/tt7784604/

Trotz einiger Tragödien in der Vergangenheit führt die Familie Graham, bestehend aus Mutter Annie (Toni Collette), ihrem Mann Steve (Gabriel Byrne) und ihren beiden gemeinsamen Kindern Peter (Alex Wolff) und Charlie (Milly Shapiro), ein recht beschauliches Leben in einem abgelegenen Haus am Waldrand. Annie ist Galeristin und baut für eine Ausstellung zu Hause aufwändige Miniaturmodelle, Peter schlägt sich mit den üblichen Teenagerproblemen rum und Charlie ist eine leicht schräge Außenseiterin. Doch als Annies Mutter Elen stirbt, das unangefochtene Familienoberhaupt, sehen sich die Grahams plötzlich mit reihenweise rätselhaften und unheimlichen Ereignissen konfrontiert. Nach und nach kommen sie einem grauenhaften Familiengeheimnis auf die Spur und müssen sich mit dem Schicksal auseinandersetzen, das ihnen ihre Ahnen hinterlassen haben…

"Hereditary" ist definitiv nichts für schwache Nerven. Schon der Trailer, der sehr inflationär auf dem FantasyFilmFest nights lief, hinterließ den Zuschauer mit einem interessiert-mulmigen Gefühl und der Film liefert auch, was man aufgrund dessen erwartet. Es ist kein Gruselfilm, der mit ewig vorhersehbaren Jump-Scares arbeitet und bei dem man sich mit einem Kreischen erschrecken würde, aber dieses Spielfilmdebüt hat schon seine Schock-Momente, die einem bis in den Magen fahren. Wobei man sagen muss, dass "Hereditary" eher ein Drama mit richtig guten Gruselelementen ist, als ein waschechter Horrorfilm, den so manch einer vielleicht erwarten würde. Der US-amerikanische Regisseur und Drehbuchautor Ari Aster setzt seine Gruselelemente spärlich ein, dafür sind diese dann aber auch um so effektiver. Er ist eindeutig ein geborener Meister des Grauens.

Aber das Gruseligste in "Hereditary", ein Film, der unterschwellig beständig ein unangenehmes Gefühl des Unwohlseins und der Angst beim Zuschauer erzeug, ist ein Geräusch. Es ist das Geräusch, das man macht, wenn man mit seiner Zunge schnalzt und diese in den Gaumen herunterschnellen lässt. "Klokk". Ein Geräusch, das man eher selten macht, es sei denn man wollte das Traben von Pferden imitieren. Aber Charlie Graham (Milly Shapiro), ein niemals lächelndes Mädchen von dreizehn Jahren, klokkt mit beunruhigender Häufigkeit. Sie wird von der Newcomerin Milly Shapiro so porträtiert, dass sie gleichzeitig Sympathie und tief sitzende Unruhe hervorruft. Dieses "Klokk" ist ihre akustische Signatur, ihr Geräusch, und ihr Bruder Peter (Alex Wolff), der ein paar Jahre älter als Charlie ist, hört selbst nach Einbruch der Dunkelheit noch dieses "Klokk" in der Ecke seines Schlafzimmers, auch wenn sie nicht da ist. Wolff porträtiert sensibel den älteren Bruder Peter als Teenager, der in gewissem Sinne nicht erwachsen wird - und das in einer psychologisch spröden Lebensphase, die ihn zwischen hier und jetzt hin- und her reißt. Und überhaupt: die meisten Leute in dem Film wissen selbst nicht recht, was sie glauben sollen oder wie sehr sie ihren Augen und Ohren trauen können. Die Mutter Annie (Toni Collette), kann nicht sagen, ob sie ihre eigenen Emotionen trauen kann. Ihre Mutter ist gerade gestorben, und Annie ist amüsiert oder halb beschämt darüber, dass sie sich nicht allzu traurig fühlt. Aber dann, wie sie bei der Beerdigung zu gibt, war ihre Mutter eine geheimnisvolle Person, die "eigene Rituale" besaß. Dieser Satz hallt durch die Geschichte wie ein Flüstern in einer Höhle. Szene um Szene trägt die hermetische Strenge eines Ritus, den Außenstehende - oder auch andere Mitglieder des Haushalts - vielleicht gar nicht verstehen. Dieses Gefühl der Inklusion ist eine Art Konserve. Annies Ehemann, Steve (Gabriel Byrne) passt perfekt dazu, ist undurchsichtig und düster und hat irgendwo auch sein Päckchen zu tragen. Aber man findet dies nie heraus, ebensowenig, was er für seinen Lebensunterhalt tut. Byrne spielt die Rolle des beständigen, uninteressanten, alles zusammenhaltenden (und versagenden) Vaters Steve angemessen solide. Und so wird jede Figur in diesem Film punktgenau beleuchtet, man erfährt nicht zu wenig, doch gerade über Charlie und Annie lernt man vielleicht mehr, als man sich eigentlich wünscht. Und was Toni Collette in der Hauptrolle der Annie angeht, so versetzt Aster sie wirklich in die Krise, indem sie ihren Leidensgenossen Probleme zufügt, die vergleichbar mit denen sind, die sowohl Essie Davis in "The Babadook" als auch Ellen Burstyn in "The Exorcist" erlitten hat.

"Hereditary", so merkt man, schwimmt gekonnt auf der aktuellen Welle des sogenannten neuen "American Horrors" mit, der so tolle Filme wie "A Quiet Place", "Get Out" oder "It Follows" hervorgebracht hat, fühlt sich aber dadurch eher inspiriert als abgelenkt. Aster spielt mit vielen als solche erkennbaren Ideen und Elementen, formt sie aber zu etwas, was einem frisch und unverbraucht erscheint. Ja, es gibt heidnische Symbole und Kerzenlicht-Séancen. Und es lauern fürchterliche Dinge in deren Schatten. Aber all dies wird ruhig und gekonnt erzählt und mit vertrauten Unsicherheiten gespielt, was letztlich in der Frage gipfelt, wer für unsere eigenen Unzulänglichkeiten verantwortlich ist: unsere Eltern? Wir selbst? Oder etwas ganz anderes? Mit wunderschöner Kubrick'scher Präzision und eleganten Trompe-l’œil-Techniken wird "Hereditary" präsentiert, von einem schleichenden Zoom in den Raum eines Modellhauses (das dann unmerklich, verstörend in das reale Haus übergeht), zu langen, gleitenden Single-Takes um die Graham-Familie herum, nach Hause, zum Widerschein von hellroten Lichtern in den tränenden Augen eines Charakters, zu den stechschnellen Schnitten, die den schon längst gebannten Zuschauer von Nacht zu Tag und wieder zurückschleudern.

Ein endzeitartiger, elektronischer Puls untermalt den größten Teil des Films dazu passend akustisch, so dass man auch aufgrund des Soundtracks unangenehm im Sessel hin- und herrutscht, selbst wenn das, was auf dem Bildschirm passiert, unschuldig oder banal erscheint. Alles wirkt bedrohlich. Und vor allem die Orte, an denen man sich am sichersten fühlen sollte. "Hereditary" ist verwirrend. Der Film hat den Nerv, zu behaupten, dass die soziale Einheit per Definition selbstbedrohend und dass das eigene Zuhause nicht länger ein Heiligtum ist, sondern eine bröckelnde Festung, die von innen belagert wird. Deshalb gibt es in Asters Film keine Ärzte und auch keine Detektive, die beide dringend benötigt werden, noch kommt ein Mann Gottes, wie er es in "Der Exorzist" tut, um Ängste zu stillen. "Hereditary" ist ein rohes Horror-Meisterwerk von einem Regisseur, das es jetzt schon wert ist, im selben Atemzug wie die Großen des Genres erwähnt zu werden. Selbst der abgestumpfteste Betrachter sollte hier etwas finden, um sich einmal mehr unbehaglich und gespannt unterhalten zu fühlen, denn nichts, kurz gesagt, kann Annie, Steve und den Kindern helfen, und sie können sich sicher nicht helfen, stationiert, wie sie in ihrem zarten Puppenhaus einer Welt sind. In diesem bemerkenswerten Film gibt es keinen Familienfluch. Die Familie ist der Fluch. Und diese Ausarbeitung des Themas ist nahezu genial.

8/10

Von SPLENDID erschien der Film exklusiv bei Müller im auf 2.000 Stück limitierten Mediabook.


Quellen:
Inhaltsangabe: Splendid
Poster/Artwork: PalmStar Media/Finch Entertainment/Windy Hill Pictures