Sonntag, 4. Oktober 2026

The Loved Ones - The Loved Ones: Pretty In Blood (2009)

https://www.imdb.com/title/tt1316536/
https://letterboxd.com/film/the-loved-ones/

Eigentlich hat sich Brent seine Highschool-Abschlussfeier unbeschwerter vorgestellt: Immer noch in Trauer um den Verlust seines Vaters, an dessen Unfalltod der Teenager mitschuldig war, flüchtet er sich in Heavy Metal und maßlosen Graskonsum. Einziger Lichtblick ist seine bezaubernde Freundin Holly, mit der er plant, den Ball zu besuchen. Zu dumm nur, dass Lola – eine heimliche Verehrerin – samt ihrer Familie etwas gegen das junge Glück der zwei einzuwenden hat, getreu dem Motto: „Wenn ich ihn nicht haben kann, dann bekommt ihn keine andere!“. Und so wird im irren Haushalt des einsamen Mauerblümchens, dem heiß ersehntem Date mit dem Traumprinzen mit messerscharfen und tiefbohrenden Argumenten nachgeholfen...

"The Loved Ones" beginnt beinahe wie eine typische Highschool-Geschichte: Brent (Xavier Samuel) lehnt die Einladung der unscheinbaren Lola (Robin McLeavy) zum Abschlussball ab - eine Entscheidung, die er schnell bereuen wird. Denn Lola lässt ihn von ihrem Vater entführen und veranstaltet ihren ganz eigenen, vollkommen entgleisten "Prom". Aus Teenie-Drama wird Psychothriller und schließlich brutaler Torture-Horror. Und das funktioniert vor allem deshalb so gut, weil Sean Byrne in seinem Regiedebüt die Gewalt nicht isoliert betrachtet. Brent trägt Schuldgefühle am Tod seines Vaters mit sich herum und betäubt seinen Schmerz mit Drogen und Musik. Lola wiederum ist weit mehr als eine austauschbare Psychopathin. Robin McLeavy spielt sie zwischen kindlicher Verletzlichkeit, Besessenheit und erschreckender Grausamkeit - und macht Lola damit zur mit Abstand interessantesten Figur des Films. Auch Xavier Samuel überzeugt als Brent. Gerade weil der Film ihn zunächst als relativ typischen Jugendlichen etabliert, funktioniert sein Absturz in Lolas Albtraum umso besser. Die Chemie zwischen Samuel und McLeavy entsteht dabei weniger durch klassische Konfrontation als durch das verstörende Machtspiel zwischen Opfer und Täterin. John Brumpton als Lolas Vater ergänzt dieses familiäre Horrorszenario überzeugend.

Seine größte Stärke besitzt der Film jedoch in der Mischung aus Brutalität und schwarzem Humor. Bohrer, Nägel, Spritzen und andere Folterinstrumente sorgen für ausgesprochen unangenehme Momente, gleichzeitig besitzt Byrne ein Gespür für groteske Situationen und makabre Pointen. Der Film nimmt seine Gewalt ernst, ohne sich permanent in bedeutungsschwerem Elend zu verlieren. Handwerklich ist das für ein Regiedebüt bemerkenswert sicher. Schnitt, Musik, Farbgestaltung und Produktionsdesign verleihen dem Film einen eigenständigen Look. Besonders der Kontrast zwischen der kitschigen Prom-Ästhetik und der zunehmend brutalen Realität funktioniert hervorragend. Die lediglich rund 84 Minuten Laufzeit sorgen zudem für ein hohes Tempo, ohne dass der Film seine zentrale Geschichte aus den Augen verliert. 

Leider entwickelt sich vieles ziemlich vorhersehbar, und gerade einige der späteren Wendungen kündigen sich früh an. Problematischer ist die parallele Geschichte um Brents Freund Jamie und dessen ungewöhnliche Beziehung, die zwar als Kontrast zur Haupthandlung funktioniert, den Film aber auch etwas zerfasert. Trotzdem bleibt "The Loved Ones" ein ausgesprochen unterhaltsamer und unangenehmer Horrorfilm, der aus einer simplen Ausgangsidee erstaunlich viel herausholt. Sean Byrne verbindet Coming-of-Age, schwarze Komödie und Torture-Horror mit einem guten Gespür für Timing und Atmosphäre. Vor allem Robin McLeavy liefert als Lola eine herrlich durchgeknallte und gleichzeitig beunruhigende Vorstellung. Als kompromissloser, schwarzhumoriger australischer Horrorfilm funktioniert "The Loved Ones" am Ende ausgesprochen gut - blutig, böse und deutlich cleverer, als die simple Prämisse zunächst vermuten lässt.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Ambience Entertainment/Screen Australia/Omnilab Media/Film Victoria/MIFF Premiere Fund

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