Donnerstag, 8. Oktober 2026

Smokin’ Aces (2006)

https://www.imdb.com/de/title/tt0475394/
https://letterboxd.com/film/smokin-aces/

Mafiaboss Primo Sparazza (Joseph Ruskin) wird der Prozess gemacht. Darüber kann sich der Hauptbelastungszeuge Buddy "Aces" Israel (Jeremy Piven) aber nicht richtig freuen, denn schließlich ist sein Tod nun eine Million Dollar wert. Die FBI-Agenten Richard Messner (Ryan Reynolds) und Donald Carruthers (Ray Liotta) bekommen von ihrem Vorgesetzten Stanley Locke (Andy Garcia) den Auftrag, Israel zu beschützen. Doch der ignoriert die Gefahr im Kokainnebel so gut es geht und feiert im Penthouse eines Luxushotels am Lake Tahoe wilde Orgien. Schnell jedoch neigt sich die wilde Feierei ihrem Ende entgegen. Verschiedene Auftragskillerteams sind ebenso wie das FBI im Anmarsch und stehen sich gegenseitig im Wege. Darunter befinden sich die psychopathischen Neo-Nazi-Brüdern Darwin (Chris Pine), Jeeves (Kevin Durand) und Lestor Tremor (Maury Serling), die Killerinnen Georgia (Alicia Keys) und Sharice (Taraji Henson) sowie das Trio Jack Dupree (Ben Affleck), Pete Decks (Peter Berg) und Hollis Elmore (Martin Henderson)...

Joe Carnahans "Smokin’ Aces" ist ein Film, der seine eigene Übertreibung zum Programm macht. Die Ausgangslage ist simpel - die Umsetzung dagegen maximal chaotisch. Carnahan inszeniert die Story mit enormem Tempo und sichtbar großer Lust an Pulp, Grindhouse und schwarzer Komödie. Schnelle Schnitte, Splitscreens, extreme Kameraperspektiven und ein permanent eskalierender Soundtrack verleihen dem Film eine aggressive Energie. Gerade die großen Actionsequenzen sind handwerklich beeindruckend und teilweise wunderbar absurd. Allerdings verwechselt Carnahan Stil gelegentlich mit Substanz: Die Inszenierung schreit förmlich nach Aufmerksamkeit, während die Geschichte kaum Gelegenheit bekommt, sich wirklich zu entwickeln. 

Jeremy Piven spielt Buddy Israel als widerlichen, selbstverliebten und gleichzeitig erstaunlich unterhaltsamen kleinen Gangster. Ryan Reynolds und Ray Liotta bilden als gegensätzliche FBI-Agenten einen soliden emotionalen Anker. Besonders viel Spaß machen jedoch die Nebenfiguren: Chris Pine, Kevin Durand und Maury Serling als durchgeknallte Tremor-Brüder sowie Alicia Keys und Taraji P. Henson als Killerduo verleihen dem Film genau jene Comicbook-artige Überzeichnung, die er braucht. Beim Drehbuch zeigt sich allerdings die größte Schwäche. Carnahan wollte offensichtlich eine Vielzahl ungewöhnlicher Charaktere, Parallelhandlungen und überraschender Wendungen miteinander verbinden. Das funktioniert phasenweise, führt aber auch zu einem überladenen und zunehmend unübersichtlichen Plot. Einige Figuren bleiben reine Karikaturen, während emotionale Entwicklungen nur angerissen werden. Der Film erinnert damit deutlich an die Gangster- und Pulp-Filme der 1990er, ohne deren Dialogwitz oder erzählerische Präzision immer zu erreichen. 


Auch die Gewaltdarstellung ist bewusst exzessiv. Einschusslöcher, Blutfontänen und brutale Schießereien gehören hier nicht nur zur Action, sondern fast zur visuellen Sprache des Films. Das kann unterhaltsam sein, wirkt nach einer Weile aber auch selbstzweckhaft. Gleichzeitig besitzt Carnahan durchaus ein Gespür für schwarzen Humor und bizarre Situationen. Einige der besten Momente entstehen gerade dann, wenn die völlig überdrehten Figuren auf die vergleichsweise nüchternen FBI-Agenten treffen. Interessanterweise besitzt der Film im letzten Drittel sogar einen Ansatz von moralischer Tragik, der über das reine Action-Spektakel hinausgeht. Allerdings kommt dieser Aspekt spät und wirkt dadurch eher aufgesetzt als organisch entwickelt. Genau hier liegt ein Problem von „Smokin’ Aces“: Der Film möchte gleichzeitig dreckiger Gangsterfilm, schwarze Komödie, stylischer Actioner und überraschend moralisches Drama sein. Diese verschiedenen Tonlagen prallen manchmal eher aufeinander, als dass sie sich ergänzen.

Unterm Strich ist "Smokin’ Aces" aber ein ausgesprochen unterhaltsamer, aber auch ziemlich hohler Actionfilm. Die starke Besetzung, Carnahans energische Regie, die schrillen Figuren und einige hervorragend choreografierte Actionpassagen machen ihn sehenswert. Dem gegenüber stehen ein überladenes Drehbuch, wenig emotionale Tiefe und eine Stilversessenheit, die sich irgendwann erschöpft. Als dreckiger, lauter und völlig überdrehter Pulp-Trip funktioniert der Film erstaunlich gut - als wirklich cleverer Gangsterfilm deutlich weniger.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Universal Pictures/Working Title Films (GB)/StudioCanal/Relativity Media/Scion Films

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