Freitag, 2. Oktober 2026

Don’t Worry Darling (2022)

https://www.imdb.com/de/title/tt10731256/
https://letterboxd.com/film/dont-worry-darling/

Alice (Florence Pugh) lebt friedlich mit ihrem Mann Jack (Harry Styles) in einer Haus in der Gemeinschaft von Victory, einer Firmenstadt, in der die Männer für das streng geheime Victory-Projekt arbeiten. Es sind die 1950er-Jahre und Alice führt ein Leben, das hauptsächlich aus Putzen, Kochen und nächtlichen Partys mit den ortsansässigen Leuten besteht. Die Idylle scheint perfekt, und die Bedürfnisse aller Bewohner werden von der Firma und ihrem CEO Frank (Chris Pine) erfüllt. Alles, was er im Gegenzug verlangt, ist bedingungsloses Engagement für die Sache von Victory. Doch als ihr paradiesisches Leben Risse bekommt und sich hinter der attraktiven Fassade etwas viel Unheimlicheres verbirgt, muss Alice sich fragen, was genau sie in Victory tun und warum. Ist Alice wirklich bereit, ihr scheinbar perfektes Leben hinter sich zu lassen, um herauszufinden, was es mit dem Projekt auf sich hat?

Olivia Wildes "Don't Worry Darling" sieht verdammt gut aus - und genau darin liegt zugleich seine größte Stärke und auch ein bisschen sein Problem. Das 50er-Jahre-Setting in der künstlich perfekten Wüstenstadt Victory ist mit seinen schicken Häusern, pastellfarbenen Kleidern, Oldtimern, Cocktailpartys und perfekt frisierten Bewohnern ein echter Hingucker. Alles wirkt zunächst wie das amerikanische Traumleben schlechthin. Nur eben ein bisschen zu perfekt. Im Mittelpunkt steht Alice (Florence Pugh), die mit ihrem Mann Jack (Harry Styles) dieses scheinbare Paradies genießt. Die Männer gehen jeden Morgen zur Arbeit am geheimnisvollen Victory Project, während die Frauen Hausarbeit erledigen, einkaufen, tanzen und sich bei Poolpartys die Zeit vertreiben. Hinter dieser perfekten Fassade beginnt Alice allerdings immer stärker zu spüren, dass etwas gewaltig nicht stimmt. Und je mehr sie nach Antworten sucht, desto mehr zerbröckelt ihre vermeintlich heile Welt.

Die Grundidee funktioniert dabei zunächst richtig gut. "Don't Worry Darling" verbindet 50er-Jahre-Fantasie mit Psychothriller, Science-Fiction und einer ziemlich deutlichen Gesellschaftskritik. Themen wie Konformität, Kontrolle, traditionelle Geschlechterrollen und die Frage, wie weit Menschen bereit sind, ihre persönliche Freiheit gegen ein vermeintlich perfektes Leben einzutauschen, stecken überall im Film. Das ist zwar keineswegs neu, aber die Mischung ist unterhaltsam genug, um über weite Strecken neugierig zu machen. Und dann ist da Florence Pugh. Sie trägt den Film praktisch im Alleingang. Alice entwickelt sich von der glücklichen Hausfrau zur zunehmend verängstigten und schließlich kämpferischen Frau, und Pugh macht jede dieser Veränderungen glaubwürdig. Gerade ihre körperliche Präsenz in den intensiveren Szenen ist beeindruckend. Man nimmt ihr die Panik, Verwirrung und Verzweiflung jederzeit ab. Auch Chris Pine macht als charismatischer Victory-Gründer Frank viel Spaß und bekommt in den direkten Konfrontationen mit Pugh einige der besten Szenen des Films. Olivia Wilde selbst sorgt als Alice' Freundin Bunny zudem für etwas Humor und Leichtigkeit. Harry Styles sehe ich dagegen etwas zwiespältiger. Als Jack funktioniert er durchaus, vor allem aufgrund seiner Ausstrahlung und weil seine zunächst charmante, später deutlich unangenehmere Seite zum Konzept passt. Für die emotionale Tiefe, die die Rolle teilweise verlangt, fehlt ihm allerdings noch etwas. 


Handwerklich gibt es dagegen wenig zu meckern. Matthew Libatiques Kameraarbeit fängt Victory mit warmen Farben und eleganten Bildern ein, während Produktionsdesign und Kostüme die künstliche Perfektion der Welt hervorragend verkaufen. Dazu kommt John Powells zunehmend aufdringliche, aber wirkungsvolle Musik. Wilde versteht es durchaus, Atmosphäre aufzubauen und aus dem schönen Schein langsam etwas Unheimliches entstehen zu lassen. Mein größeres Problem liegt im Drehbuch. Je näher "Don't Worry Darling" seiner großen Auflösung kommt, desto stärker merkt man, dass die Geschichte nicht alle Fragen wirklich zufriedenstellend beantworten kann. Die zentrale Wendung ist interessant genug, wirkt aber rückblickend deutlich weniger clever, als der Film sie zunächst erscheinen lässt. Einige Konsequenzen und Zusammenhänge bleiben erstaunlich dünn erklärt. Statt die Spannung konsequent aufzubauen, liefert der Film gegen Ende sehr viel Erklärung auf einmal. Genau hier verliert er einen Teil seiner zuvor so schön aufgebauten Atmosphäre. 

Auch die gesellschaftliche Aussage ist etwas einfacher, als die aufwendige Verpackung vermuten lässt. Die Kritik an patriarchalen Strukturen und der Idee einer vermeintlich perfekten, kontrollierten Gesellschaft ist klar erkennbar, wird aber teilweise so plakativ präsentiert, dass wenig Raum für Ambivalenz bleibt. Der Film hat also durchaus etwas zu sagen - nur wäre es spannender gewesen, wenn er seinem Publikum etwas mehr zugetraut hätte. Trotzdem hat "Don't Worry Darling" für mich genügend Qualitäten, um über seine Schwächen hinwegzusehen. Der Film ist atmosphärisch, spannend, hervorragend ausgestattet und mit Florence Pugh ausgezeichnet besetzt. Nur hätte aus dieser starken Ausgangsidee und der fantastischen visuellen Umsetzung ein wirklich herausragender Thriller werden können. Stattdessen bleibt ein unterhaltsamer, teilweise ziemlich cleverer, aber letztlich etwas unausgegorener Film zurück.

"Don't Worry Darling" ist für mich vor allem Style over Substance - allerdings mit ziemlich viel Style. Die Optik, Atmosphäre und Florence Pughs starke Hauptrolle machen den Film sehenswert, während das Drehbuch und die große Auflösung hinter den eigenen Möglichkeiten zurückbleiben. Kein Meisterwerk, aber definitiv interessanter und besser gemacht, als es seine Schwächen vermuten lassen.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Vertigo Entertainment/New Line Cinema

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