Sonntag, 4. Oktober 2026

GODZILLA 星を喰う者 - Gojira: Hoshi o Kū Mono - Godzilla: The Planet Eater - Godzilla: Zerstörer der Welt (2018)

https://www.imdb.com/title/tt8478602/
https://letterboxd.com/film/godzilla-the-planet-eater/

Dritter Teil der animierten „Godzilla“-Filmreihe, die in Deutschland zuerst auf Netflix zu sehen war. Darin haben Godzilla und viele andere Monster die Erde übernommen – und zwar vor 20.000 Jahren! Die Menschen und ihre außerirdischen Verbündeten, die Bilusaludo, versuchen, ihre alte Heimat zurückzuerobern und kämpfen im zweiten Teil, „Eine Stadt am Rande der Schlacht“, zusammen mit Robotern gegen den bisher größten Godzilla überhaupt. Nun steht der alles entscheidende Endkampf an – gegen den dreiköpfigen Riesendrachen King Ghidorah! Kann die Menschheit diesen Krieg gewinnen oder versinkt ihr Planet für immer in absoluter Dunkelheit?

"Godzilla: Zerstörer der Welt" beendet die Anime-Trilogie um Haruo Sakaki (Mamoru Miyano) und setzt unmittelbar nach "Godzilla: Eine Stadt am Rande der Schlacht" an. Die Menschheit ist Godzilla erneut unterlegen, und während der gigantische Kaiju ruht, geraten Haruo und seine Gefährten immer stärker unter den Einfluss der Exif. Deren Anführer Metphies (Takahiro Sakurai) verfolgt allerdings einen ganz eigenen Plan: Mit dem dreiköpfigen King Ghidorah soll eine Macht heraufbeschworen werden, die nicht weniger als die Vernichtung der Welt bedeutet. Die interessanteste Entscheidung des Films ist, dass er nicht einfach das erwartete Monsterduell abliefert. Ghidorah wird hier völlig neu interpretiert: weniger als klassischer Riesen-Kaiju und mehr als übernatürliche, nahezu gottgleiche Erscheinung. Dass man ihn lange nur über seine Köpfe, Schatten und seine bizarre Präsenz wahrnimmt, erzeugt tatsächlich eine unheimliche Atmosphäre. Gerade diese ungewöhnliche Version des bekannten Monsters gehört zu den stärksten Ideen des Films. 

Dafür dürfte gerade das Finale viele Godzilla-Fans enttäuschen. Wer nach zwei Filmen auf den großen Kampf zwischen Godzilla und Ghidorah wartet, bekommt erstaunlich wenig klassische Monster-Action. Der eigentliche Konflikt spielt sich zunehmend auf einer philosophischen und psychologischen Ebene ab. Der Film interessiert sich für Nihilismus, Religion, freien Willen und die Frage, ob die Menschheit überhaupt das Recht besitzt, ihre zerstörte Welt zurückzufordern. Das ist ambitioniert und passt durchaus zur traditionellen Godzilla-Idee als Sinnbild für die Folgen menschlichen Handelns - wird aber stellenweise arg verkopft präsentiert. Besonders deutlich wird das an Metphies. Seine Entwicklung vom geheimnisvollen Verbündeten zum eigentlichen Gegenspieler funktioniert grundsätzlich gut und gibt der Geschichte einen klareren persönlichen Konflikt. Gleichzeitig verbringt der Film sehr viel Zeit mit religiösen Erklärungen und philosophischen Dialogen. Die Botschaft über Glauben und Fanatismus ist durchaus interessant, wird aber so deutlich ausgesprochen, dass kaum Raum für subtilere Zwischentöne bleibt. Haruo bekommt ebenfalls seinen konsequenten Abschluss. Seine jahrelange Fixierung auf Godzilla, sein Hass und sein Wunsch nach Rache werden noch einmal grundsätzlich hinterfragt. Dadurch erhält die Trilogie zumindest thematisch einen nachvollziehbaren roten Faden: Es geht letztlich weniger darum, ob Haruo Godzilla besiegen kann, sondern darum, was von einem Menschen übrig bleibt, wenn sein gesamtes Leben von diesem Ziel bestimmt wurde. Leider bleiben dafür viele Nebenfiguren erneut im Hintergrund. Die emotionale Wirkung ist dadurch geringer, als sie sein könnte.

Auch technisch bleibt die CGI-Animation zwiespältig. Die großen Kreaturen und die ungewöhnlichen Bilder können durchaus beeindrucken, während menschliche Figuren weiterhin etwas steif wirken. Gerade bei Ghidorah funktioniert die visuelle Gestaltung allerdings hervorragend, weil die reduzierte Darstellung seine übernatürliche Wirkung unterstützt. Der Score und die düstere Farbgebung tragen ebenfalls zur apokalyptischen Atmosphäre bei. Das größte Problem ist für mich allerdings das Tempo. Auch im Finale wird erstaunlich viel geredet, erklärt und philosophiert. Die Trilogie hat ohnehin nie besonders viel Wert auf klassische Monster-Action gelegt, aber hier wird das Verhältnis endgültig unausgewogen. Der große Showdown, auf den drei Filme hingearbeitet haben, ist letztlich wesentlich weniger spektakulär, als man erwarten dürfte. Trotzdem hat "Godzilla: Zerstörer der Welt" etwas, das vielen konventionellen Godzilla-Filmen fehlt: eine eigene Idee davon, was Godzilla eigentlich bedeutet. Die ökologische Dimension der Vorgänger wird weitergeführt, gleichzeitig wird Religion als zerstörerische Antwort auf die menschliche Angst vor dem Ende thematisiert. Das ist teilweise ziemlich plakativ, aber zumindest konsequent. Der Film möchte nicht einfach nur Monster gegen Monster antreten lassen, sondern einen Gedanken zu Ende bringen.

Als Abschluss einer Trilogie funktioniert das deshalb besser als als eigenständiger Godzilla-Film. Einige zuvor eingeführte Themen und Figuren erhalten ihren Abschluss, während die ungewöhnliche Interpretation von Ghidorah für einen echten Überraschungseffekt sorgt. Gleichzeitig macht der Film die Schwächen seiner Vorgänger nicht vollständig vergessen: Die Figuren bleiben teilweise dünn, die Dialoge sind überladen und die Inszenierung ist deutlich weniger spektakulär, als das Finale einer Godzilla-Trilogie sein müsste.

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Polygon Pictures/TOHO

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen