Freitag, 2. Oktober 2026

The Two Popes - Die zwei Päpste (2019)

https://www.imdb.com/title/tt8404614/
https://letterboxd.com/film/the-two-popes/

Kardinal Bergoglio (Jonathan Pryce) ist von der Leitung der katholischen Kirche enttäuscht und bittet Papst Benedikt (Anthony Hopkins) um die Erlaubnis, 2012 in den Ruhestand zu treten. Stattdessen beruft der nachdenkliche Papst Benedikt seinen schärfsten Kritiker und zukünftigen Nachfolger nach Rom, um ein Geheimnis preiszugeben, das die Grundfeste der katholischen Kirche erschüttern würde. Hinter den Mauern des Vatikans beginnt ein Kampf zwischen Tradition und Fortschritt, Schuld und Vergebung, da diese beiden sehr unterschiedlichen Männer sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen, um Gemeinsamkeiten zu finden und eine Zukunft für eine Milliarde Anhänger auf der ganzen Welt zu schmieden. Der Argentinier wird Nachfolger des Deutschen Benedikt XVI., hegte aber zunächst Zweifel, ob er das Amt übernehmen soll. Schließlich wurde er der erste lateinamerikanische Papst und auch der erste Papst, der dem Orden der Jesuiten angehört.

Zwei Männer, zwei sehr unterschiedliche Vorstellungen von Kirche und Glauben - und ein überraschend unterhaltsames Gespräch darüber, wie schwer es sein kann, die eigene Haltung zu hinterfragen. "Die zwei Päpste" erzählt von den fiktiv ausgestalteten Begegnungen zwischen Papst Benedikt XVI. (Anthony Hopkins) und dem argentinischen Kardinal Jorge Mario Bergoglio (Jonathan Pryce), dem späteren Papst Franziskus. Was zunächst wie ein höflicher Machtkampf hinter vatikanischen Mauern beginnt, entwickelt sich zu einem erstaunlich warmherzigen Film über Zweifel, Schuld, Veränderung und gegenseitigen Respekt. Regisseur Fernando Meirelles inszeniert das Ganze weniger als klassische Biografie denn als Kammerspiel mit Buddy-Movie-Elementen. Benedikt ist konservativ, intellektuell und auf Distanz bedacht, während Bergoglio bodenständig, humorvoll und deutlich volksnäher auftritt. Aus diesem Gegensatz gewinnt der Film einen Großteil seines Reizes. Die beiden diskutieren über Theologie, Musik, Fußball und die Zukunft der katholischen Kirche - und kommen sich dabei allmählich näher.

Das Drehbuch von Anthony McCarten ist ausgesprochen dialogstark. Viele Gespräche sind pointiert, geistreich und angenehm leichtfüßig, ohne dass die Themen dadurch völlig banal würden. Gerade die kleinen Momente funktionieren besonders gut: ein gemeinsames Bier, ein Fußballspiel im Fernsehen oder ein Gespräch über Musik sagen oft mehr über die Figuren aus als längere Erklärungen. Der Film besitzt dadurch einen charmanten Humor, der die Schwere seiner Themen immer wieder auflockert. Getragen wird "Die zwei Päpste" vor allem von seinen beiden Hauptdarstellern. Anthony Hopkins spielt Benedikt mit einer Mischung aus Strenge, intellektueller Eitelkeit und trockenem Witz. Hinter der kontrollierten Fassade lässt er immer wieder Einsamkeit und Unsicherheit erkennen. Jonathan Pryce wiederum verleiht Bergoglio eine bemerkenswerte Wärme und Lebendigkeit. Seine Darstellung ist charismatisch, ohne zur bloßen Heiligenverehrung zu verkommen. Die Chemie zwischen beiden ist der eigentliche Motor des Films - und erklärt, warum selbst lange Dialogpassagen kaum langweilig werden. Die Rückblenden in Bergoglios Vergangenheit erweitern die Geschichte um eine ernstere, politisch aufgeladene Ebene. Sie zeigen seine Tätigkeit während der argentinischen Militärdiktatur und die Schuldgefühle, die ihn bis ins Alter verfolgen. Diese Passagen sind wichtig, wirken aber stilistisch etwas uneinheitlich. Die schwarz-weiße Gestaltung und die dramatische Inszenierung machen deutlich, dass hier ein moralisches Trauma verhandelt wird. Gleichzeitig bleibt die Darstellung der historischen Zusammenhänge relativ verkürzt. Gerade bei einem Film, der sich so stark mit Schuld und Verantwortung beschäftigt, hätte man sich an manchen Stellen mehr Differenzierung gewünscht.

Auch die kontroversen Seiten der katholischen Kirche werden angesprochen, allerdings nicht immer mit der Konsequenz, die das Thema verdient hätte. Der Film deutet institutionelles Versagen und den Umgang mit Missbrauch an, bleibt dabei aber auffallend zurückhaltend. Statt die politischen und moralischen Konflikte umfassend auszuleuchten, konzentriert er sich lieber auf die persönliche Annäherung seiner beiden Protagonisten. Das macht ihn zugänglich, nimmt ihm aber auch etwas von seiner kritischen Schärfe. Zeitgenössische Kritiken bemängelten entsprechend, dass die problematischen Aspekte der Kirchengeschichte nur vorsichtig behandelt werden. Visuell ist der Film deutlich abwechslungsreicher, als man bei einem dialoglastigen Kammerspiel erwarten könnte. Fernando Meirelles arbeitet mit beweglicher Kamera, dynamischem Schnitt und unterschiedlichen Bildformaten. Die vatikanischen Räume wirken zunächst monumental und distanziert, während die Szenen außerhalb des Vatikans deutlich menschlicher und freier gestaltet sind. Die Musik von Bryce Dessner unterstützt die wechselnden Stimmungen, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu drängen. Gelegentlich wirkt die Inszenierung allerdings etwas zu geschniegelt und glatt, als wolle sie jede Szene möglichst elegant und gefällig präsentieren. Inhaltlich überzeugt "Die zwei Päpste" vor allem durch seine humanistische Grundidee. Der Film behauptet nicht, dass alle theologischen oder politischen Gegensätze plötzlich verschwinden. Er zeigt vielmehr, dass Verständigung möglich wird, wenn Menschen einander nicht nur als Vertreter einer Position, sondern als verletzliche Individuen begegnen. Dabei ist die Darstellung natürlich stark fiktionalisiert. Die privaten Gespräche, die der Film ins Zentrum stellt, sind dramaturgisch wirkungsvoll, aber nicht als umfassendes historisches Protokoll zu verstehen.

Ein wenig zu glatt fällt schließlich die Entwicklung der Beziehung aus. Der Film führt seine beiden Figuren relativ zielstrebig von Skepsis zu Verständnis und von Konfrontation zu Freundschaft. Das ist unterhaltsam und emotional stimmig, wirkt aber gelegentlich auch etwas bequem. Die Gegensätze werden dadurch stärker personalisiert als institutionell oder theologisch ausgetragen. Wer eine tiefgehende Analyse der katholischen Kirche erwartet, bekommt deshalb eher ein kluges, sympathisches Schauspielduell als eine umfassende Auseinandersetzung. "Die zwei Päpste" ist ein charmantes, hervorragend gespieltes und überraschend unterhaltsames Drama über zwei sehr unterschiedliche Männer, die sich trotz ihrer Gegensätze aufeinander zubewegen. Anthony Hopkins und Jonathan Pryce sind großartig, das Drehbuch liefert pointierte Dialoge, und Fernando Meirelles hält das dialoglastige Konzept mit einer lebendigen Inszenierung in Bewegung. Die historische und kirchenkritische Dimension bleibt zwar teilweise zu oberflächlich, doch als menschliches Kammerspiel funktioniert der Film ausgesprochen gut. Warmherzig, geistreich und sehenswert - auch für Zuschauer, die mit Religion wenig anfangen können.

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Rideback

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