Vor Jahren hatte eine globale Apokalypse die überlebenden Menschen ihrer Fähigkeit zu sprechen beraubt. Azrael (Samara Weaving) und ihr Lebensgefährte Kenan (Nathan Stewart-Jarrett) führen seitdem ein bescheidenes Dasein, als die Mitglieder eines religiösen Kults sie gefangen nehmen und verschleppen. Nur mit viel Glück kann das Paar aus ihrer Gewalt entkommen und ins Unterholz flüchten. Als die brutalen Schergen sie dann doch wieder stellen, wird Azrael an einen Stuhl gefesselt. Währenddessen beginnen ihre Peiniger mit einer rätselhaften Zeremonie, bei der die junge Frau offenbar dämonenhaften Waldwesen geopfert werden soll, die sich von menschlichem Blut ernähren. Doch Azrael will sich nicht einfach ihrem Schicksal ergeben. Mit letzter Kraft gelingt es ihr, sich zu befreien, gerade als eines der Biester über sie herfallen will. Mit der Armlehne des Stuhls als Waffe kann sie erneut flüchten. Doch dieses Mal beschließt sie, von sich aus zurückzugehen und dem Ganzen ein Ende zu setzen, indem sie sich endgültig ihrer Verfolger entledigt …
"Azrael: Angel Of Death“ ist ein Film, der sein Versprechen am Anfang lautstark abgibt und sich dann darin verliert, wie er es einhalten will. Die Idee an sich ist klar und mutig: Eine Welt, in der Sprache abgeschafft wurde, aber die Angst blieb. Azrael lebt gemeinsam mit ihrem Partner Ylli (Nathan Stewart‑Jarrett) in einem abgelegenen, unwirtlichen Wald, bekleidet mit zerfetzter Kleidung, ernährt von unklaren Ressourcen, gebunden allein durch Nonverbales, durch Zeichen, Gesten, Blicken. Ihre leise Existenz wird von einem stummen, religiösen Kult unterbrochen, der sie gefangen nimmt und als Opfer für monströse, augenlose, verkohlte Wesen vorgesehen; sie entkommt, wird wieder gefangen, entkommt erneut, und dieser Zyklus aus Spannung und Entlastung bildet den Kern des Films. Aus diesem verrückten, zugleich finsteren Grundgedanken baut Regisseur E.L. Katz einen stummen, atmosphärischen Kammerspiel‑Horror auf, der auf die Figur der Azrael, gespielt von Samara Weaving, alles andere setzt, was ein Film noch haben kann: Körper, Stille, Blut, Temperament.
Samara Weaving spricht in diesem Film kein einziges Wort, aber jedes Keuchen, jeder Atemzug, jeder Zusammenbruch, jedes Strampeln sagt etwas aus. Sie bleibt glaubwürdig, entschlossen, verletzlich, oft auch komisch, wenn sie sich in Situationen bewegt, die zwischen grotesker Überhöhung und düsterer Ernsthaftigkeit schwanken. "Azrael" funktioniert, weil Weaving sie als Nervenstrang handelt, der sich durch einen Irrgarten von Kult, Monster und eigener Überlebenspanik schlängelt. Katz Film erinnert auch sehr an "A Quiet Place", aber mit deutlich düsterer, bizarrerer Intensität. Die Kamera hält sich an der Figur fest, folgt ihr durch enge, verfallene Hütten und dunkle Wälder; sie zeigt, wie der Körper, den man zuvor niemals als Waffe begriffen hat, zur einzigen Sprache wird. Inhaltlich bleibt der Film jedoch deutlich oberflächlich. Die Stille, die anfangs als spannendes, fast philosophisches Experiment wirkt, wirkt im weiteren Verlauf mehr wie eine Lücke als wie eine Stärke. Die Mythologie - warum Menschen ihre Stimmen aufgegeben haben, warum sie einen Bösen fürchten, der sich in der Natur versteckt, wie die Kultisten ihre Religion organisieren - bleibt im Nebel, nie wirklich ausgearbeitet. Opfer, Opferwandler, Monster, sadistische Priesterinnen - das alles bleibt reine Funktion ohne die Tiefe, die man nach einem Film mit so viel atmosphärischem Vorsatz erwarten würde."Azrael: Angel Of Death" hat daher im Grunde seine guten Ideen nicht vollständig durchdacht. Er ist brutal, intensiv, atemlos und oft brillant in seiner Kameraführung, aber auch frequent ungeduldig, tonal schwankend und narrativ eckig. Er will ein stummer, religiöser Endzeit‑Horror sein, bietet aber zu wenig Hintergrund, um die Bedeutung solcher Stille zu erschließen. Am Ende bleibt ein filmischer Schuss in die Richtung eines neuen, experimentellen Genres - postapokalyptisch, stumm, teils religiös überhöht, teils wie ein rein physischer Action‑Survival‑Film. "Azrael: Angel Of Death" ist ein erfolgreicher Versuch, Spannung fast nur aus Bilder und Körper zu ziehen, und zugleich eine Erinnerung daran, dass auch ein leises, brutales Spektakel seine eigene Geschichte braucht, um nicht nur laut, sondern auch nachhaltig zu wirken.


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