Mittwoch, 19. August 2020

Lammbock - Alles in Handarbeit (2001)

https://www.imdb.com/title/tt0258760/

Der Pizzalieferservice "Lammbock" bietet seinen Kunden ganz spezielle Ware. Wer die "Pizza Gourmet" bestellt, bekommt ein sorgsam verstecktes Päckchen Marihuana dazu. Die Betreiber, Stefan (Lucas Gregorowicz) und Kai (Moritz Bleibtreu), können über mangelnde Nachfrage nicht klagen. Angebaut wird der kostbare Stoff auf einer abgelegenen Lichtung, die von den beiden Entrepreneurs regelmäßige Pflege erfährt. Zusammen mit einem plötzlichen Befall von Blattläusen tritt Achim (Julian Weigend) als Retter mit grünem Daumen auf den Plan. Kai und Stefan ahnen aber nichts von der wahren Identität ihres vermeintlichen neuen Freundes - er arbeitet eigentlich bei der Drogenfahndung als verdeckter Ermittler. Mit dem sorgenlosen Marihuana-Verkauf ist es vorbei...

Die deutsche Komödie "Lammbock" ist eine herrlich-erfrischende, smooth vor sich hin plätschernde, aber dabei nie langweilige Kiffer-Komödie. In ihrer Machart erinnert sie sehr an den erst Jahre später erschienenen "Ananas Express", wenn auch nur entfernt. Die wohl größte Parallele zwischen beiden Filmen ist die darin verwobene Buddy-Komödie über zwei völlig gegensätzliche Typen, die - so will es das Drehbuch - ihren Antagonisten im Laufe der Story entgegentreten. Für sein Regiedebüt hat sich Christian Zübert sehr deutlich von früheren US-amerikanischen Independent-Filmen der 90er Jahre inspirieren lassen, der durch Filmemacher wie Quentin Tarantino oder Kevin Smith einige Kult gewordene Streifen hervorbrachte, die vor allem durch eine ausgeprägte Vorliebe für popkulturell angehauchte Dialoge gekennzeichnet waren. Denn "Lammbock" setzt ebenso auf herrlich-witzige Dialoge, die wohl tatsächlich nur im benebelten Zustand einen Sinn ergeben und schön-skurrile Situationen, die im Affekt ablaufen und deswegen wirken. Natürlich kann auch "Lammbock" nicht auf ein paar eingestreute Witzchen und deren Auswirkungen verzichten, doch selbst diese verfehlen ihre Wirkung nicht. Die Geschichte von zwei Kumpels, die in Würzburg eine Pizzeria betreiben, in der sie unter die Spezialität des Hauses als kleine Zugabe Cannabisprodukte aus eigenem Anbau hinzugeben, entwickelt schnell ihren ganz eigenen Charme, der "Lammbock" zu einer recht treffsicheren Komödie macht, die ungezwungene Lässigkeit sowie urkomische Situationskomik ausstrahlt.

Wenn man an "Lammbock" etwas zu kritisieren hätte, dann wohl die altbackene Art und das Setting, das schlicht die Zeit seit der Uraufführung nicht überdauert hat. Doch letzteres gehört wohl zur deutschen Komödie. Die Hauptcharaktere Moritz Bleibtreu und Stefan Gregorowics machen ihre Sache sehr gut, wobei vor allem Bleibtreu dank seiner Art, Monologe und Coolness in denkwürdiger Erinnerung bleiben kann. In den Nebenrollen gilt es wohl besonders Marie Zielcke hervorzuheben. Bei einigen Szenen lässt es sich auch nicht leugnen, dass die Story plötzlich in völligen Nonsense ausartet, doch der gebürtige Würzburger inszeniert die grundsätzlich von zahlreichen unwahrscheinlichen Zufällen und haarsträubenden Entwicklungen gespickte Geschichte als Ausgleich mit genügend amüsanten Nerd-Verweisen, schrägen Nebenfiguren und psychedelischen Einlagen, dass er sein ganz eigenes, grasgrünes Tütchen formt. "Lammbock" versprüht im Akzeptieren des verpeilten Chaos und vom Lachen im Angesicht des Scheiterns, einfache Zeitlosigkeit. Empfehlenswert.

7,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Senator FilmVerleih

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen