"Dieser Film handelt NICHT von ihm." Ramanna (Nawazuddin Siddiqui) ist fasziniert von einem einst berüchtigten Psychopathen, der in den 60er Jahren zahlreiche Menschen ermordet hat. Inspiriert von dessen grausamen Taten treibt Ramanna nun selbst als Serienkiller sein Unwesen in der indischen Metropole Mumbai. Raghavan (Vicky Kaushal), ein kokain- und sexsüchtiger Polizist, ist ihm auf den Fersen. Doch je näher er dem Mörder kommt, desto faszinierter ist dieser von seinem Verfolger. Ramanna wird regelrecht besessen von Raghavan, in dem er einen Seelenverwandten sieht. Heimlich beobachtet er ihn und schafft immer wieder Situationen, in denen die beiden direkt aufeinandertreffen. Während die Grenzen zwischen Jäger und Gejagtem, zwischen Gut und Böse, dadurch immer weiter verschwimmen, steuert das Ganze auf eine unvermeidliche Eskalation zu...
Indien in den 1960er Jahren. Der Serienmörder Raman Raghav ermordete in 3 Jahren vermutlich mehr als 40 Menschen auf bestialische Art und Weise, indem er ihnen mit einer Eisenstange den Kopf einschlug. Doch schon die Schauftafel zu Beginn des Films verdeutlicht: um ihn geht es hier nicht. "Raman Raghav 2.0" erzählt in stylischen Hochglanzbildern und mit vibrierender elektronischer Musik
untersetzt, die Geschichte eines "Trittbrettfahrers", der seinem "Idol", dem Massenmörder aus den 60er Jahren nacheifert. Den Wechsel zwischen pulsierender Umtriebigkeit und immer wieder
auftretender Entschleunigung hat der Film bemerkenswert gut im Griff,
verlagert den Plot-Fokus spielend ohne dabei ungelenk oder zu sprunghaft
zu wirken, verfügt über ein ungewöhnlich-abgebrühtes Pacing, sowohl
inszenatorisch wie vom Script.
Schauplatz des Geschehens: Mumbai, eine im Film als vollkommen dreckige, neonbeleuchtete, versiffte Stadt dargestellt, die auch durch ihre Sicht aufs Milieu keinen Zweifel offen lässt, wie sich überhaupt ein Mensch zu so einer Bestie entwickeln konnte. Allein schon das Setting und die Situation, der Dreck, die Ruinen, die Lage der Menschen, alls das lässt im Zuschauer schon von Beginn an das gefühl aufkeimen, dass hier unweigerlich nichts Gutes gedeihen kann. Und tatsächlich scheinen die
Menschen in Mumbai sich nur in zwei Lager zu teilen. In Täter und Opfer.
Auf der einen Seite beherrscht Wahn, Irrsinn, Lust die Szenerie des
Geistes. Auf der anderen Seite Angst, Hoffnungslosigkeit, Misstrauen und
Apathie. Trotz etlicher ruhiger Passagen vergehen die zwei Stunden wie
im Flug, saugen den Zuschauer tief in die beinahe Labyrinth-artigen Welt
der Slums von Mumbai, ein Paradies für Verbrechen unter dem Schutzmantel
der wuseligen, nicht gänzlich zu kontrollierenden Anonymität, in die
der Killer bewusst abtaucht, um
dann seinem Trieb wieder schleichend nahe zu kommen.
Großartig und intensiv verkörpert von allen Darstellern, was wiederum eine Atmosphäre erzeugt, die fesselt und durch seine Zurschaustellung menschlichster Abgründe, ebenso zum sinnieren einlädt. Ein bösartiger Thriller, der viel mehr in die Psyche des Menschen vordringt und scheussliche Wahrheiten nach oben befördert, als sich der klassischen Verpflichtung von klischeehafter Moral zu beugen.
Die indische Produktion geht aber nicht nur visuell ungewöhnliche
Wege, sondern vor allem erzählerisch. Der Zuschauer streift Hand in
Hand mit dem Serienkiller durch die Straßen Mumbais. Sympathie oder gar
Empathie
trifft man unterwegs nicht. Eine unterschwellige Spannung und
Unsicherheit schwingt nahezu in jeder Szene mit. Denn schnell wird einen
klar, wie kaltblütig und selbstverständlich Ramanna bei seinen Taten
vorgeht und er auch vor Frauen und Kindern nicht Halt macht. Es vergeht
keine Sekunde, in der man nicht das Gefühl, Ramanna könnte wieder
austicken. Selbst der für die Serienmorde zuständige Cop, welcher die zweite
Hauptfigur darstellt und für das Gute stehen sollte, duelliert sich mit
dem Killer in Sachen perfider Bösartigkeit. Die Figuren erscheinen
dadurch aber ungemein interessant. Und wenn man sich mit Ihnen
auseinandersetzt offenbart der Film uns am Ende eine schonungslose
Brutalität und radikale Ehrlichkeit und Plausibilität, die einen
ungemein und nachhaltig erschreckt. Dabei bleibt leider eine tiefergehende Charakterisierung der Figuren auf der Strecke. Doch der Film funktioniert in erster Linie über seine individuelle
Vorgehensweise, die exzellente Präsentation und seine perfide
Grundstimmung. Definitiv sehenswert für Filmliebhaber, die auch an etwas schwerbekömmlicherer asiatischer Filmkost ihre Freude haben können.
8/10
Quellen:
Inhaltsangabe: Rapid Eye Movies

Großartig und intensiv verkörpert von allen Darstellern, was wiederum eine Atmosphäre erzeugt, die fesselt und durch seine Zurschaustellung menschlichster Abgründe, ebenso zum sinnieren einlädt. Ein bösartiger Thriller, der viel mehr in die Psyche des Menschen vordringt und scheussliche Wahrheiten nach oben befördert, als sich der klassischen Verpflichtung von klischeehafter Moral zu beugen.

8/10
Quellen:
Inhaltsangabe: Rapid Eye Movies
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