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Mittwoch, 14. Mai 2025

Thunderbolts* (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt20969586/

Nachdem Yelena Belova/Black Widow (Florence Pugh), Alexei Shostakov/Red Guardian (David Harbour), Antonia Dreykov/Taskmaster (Olga Kurylenko), John Walker/U.S. Agent (Wyatt Russell), Ava Starr/Ghost (Hannah John-Kamen) und Bucky Barnes/Winter Soldier (Sebastian Stan) in eine von Valentina Allegra de Fontaine (Julia Louis-Dreyfus) gestellte Todesfalle geraten sind, sehen sich die hoffnungslosen Außenseiter gezwungen, eine riskante Mission zu übernehmen. Diese führt sie nicht nur an gefährliche Orte, sondern auch tief in die dunklen Kapitel ihrer eigenen Vergangenheit. Zwischen Misstrauen, inneren Konflikten und alten Wunden steht die Frage im Raum: Wird sich die dysfunktionale Gruppe gegenseitig zerstören – oder gelingt es ihnen, über sich hinauszuwachsen und gemeinsam etwas Größeres zu erschaffen, bevor die Zeit abläuft?

Es ist merkwürdig. Denn als "Avengers: Endgame" 2019 erschien, wirkte die Tagline rückblickend wie eine Vorausdeutung auf kommende MCU-Projekte. Nicht, dass Marvel in den 2020er-Jahren keine Hits gehabt hätte, aber es gab einfach keine ununterbrochene Kette von Blockbustern mehr, und auch die Geschichte, die sich wie ein roter Faden bis dato durch alle Filme zog, fesselte das Publikum nicht mehr. Doch mit "Thunderbolts" findet diese Durststrecke ihr Ende.

Die Marvel-Filme, die seit "Avengers: Endgame" am erfolgreichsten waren, haben sich am weitesten vom Muster der sogenannten "Infinity Saga" entfernt - den ersten 22 Teilen der Reihe, die sich um den Kampf gegen den Superschurken Thanos drehten. Der letztjährige Film "Deadpool & Wolverine" enthielt fast keine Charaktere aus dem Marvel Cinematic Universe (MCU); der postmoderne "Spider-Man: No Way Home" war eine Hommage an die Spider-Man-Filme, die nicht von den Marvel Studios produziert wurden; und auch der neueste Marvel-Film "Thunderbolts"* (man beachte den Stern) hat seine ganz eigene Identität. Das soll nicht heißen, dass er nicht zum MCU gehört. Tatsächlich ist es eine seiner cleveren Eigenheiten, dass er gezielt die Niedergeschlagenheit der Menschen in einer Welt thematisiert, in der Iron Man, Thor und Captain America nicht mehr existieren. Doch dem zum Trotz haben Regisseur Jake Shreier und die Drehbuchautoren Eric Pearson und Joanna Calo eine eigenwillige Interpretation des Superhelden-Genres geschaffen, die ihn zum erfrischendsten MCU-Angebot seit Jahren macht.

Der Clou: Anstatt zu versuchen, so hochglänzend und ausufernd wie die Filme der "Infinity Saga" zu sein, bietet "Thunderbolts"* kämpferischen, schmuddelig wirkenden und bodenständigen Spaß. Es ist nicht die epische Geschichte unzerstörbarer Titanen, die das Universum, geschweige denn das Multiversum, retten; es ist ein komödiantisch angehauchtes Abenteuer über stümperhafte Geheimagenten, die von ihrer ehemaligen Arbeitgeberfirma als Belastung angesehen werden. Das Szenario ist nicht neu: Nach "Die Bourne Identität" gab es unzählige Actionfilme, in denen sich desavouierte Spione ihren ehemaligen Auftraggebern entzogen. Doch "Thunderbolts"* sticht heraus, weil er eine ganze Gruppe solcher Spione zeigt: einen zusammengewürfelten Haufen depressiver, dysfunktionaler Einzelgänger, die zusammenarbeiten müssen und ständig darüber nörgeln. Besonders ungewöhnlich an dem Film ist für Marvel-Verhältnisse, dass seine Prämisse auch ohne wirkliche Superkräfte der Charaktere tragfähig wäre. Und tatsächlich sind sie im Vergleich zu den bereits erwähnten Captain America und Thor gar nicht so superstark. Ein Teil ihres Reizes liegt darin, dass sie durch Kugeln getötet und in verschlossenen Räumen gefangen gehalten werden können, was sie viel greifbarer macht als nordische Götter.

Daraus kann der Zuschauer eine Lektion lernen, die die Macher von Box-Office-Enttäuschungen wie "Eternals" und "The Marvels" hätten lernen sollen. Nicht die Kräfte der Figuren sind entscheidend, sondern ihre Persönlichkeit. In "Thunderbolts"* sind diese Figuren Yelena (Florence Pugh), eine russische Auftragsmörderin und Adoptivschwester von Scarlett Johanssons Black Widow, die nun wegen der sinnlosen Gewalt in ihrem Leben zutiefst unglücklich ist; ihr Adoptivvater Red Guardian (David Harbour), ein abgehalfterter Chaot, der seinen Tagen als Nationalheld nachtrauert; der mit bionischen Waffen ausgestattete Winter Soldier (Sebastian Stan), der im Zweiten Weltkrieg Captain Americas Kumpel war und sich im 21. Jahrhundert immer noch unwohl zu fühlen scheint; John Walker (Wyatt Russell), ein verbitterter Supersoldat, der der neue Captain America werden sollte, dieser Aufgabe aber nicht gewachsen war; der verwirrte, hin- und hergerissene Bob (Lewis Pullman), ein weiterer misslungener Versuch, einen Ersatz für Captain America zu schaffen; und Ghost (Hannah John-Kamen), ein schiefgelaufenes wissenschaftliches Experiment - ​​die aber im Gegensatz zu den anderen Charakteren darüber hinaus nicht sehr gut definiert ist. Auf verschiedene Weise sind sie alle mit einer der denkwürdigsten, schlüpfrigsten Bösewichte von Marvel verbunden, Valentina Allegra de Fontaine (Julia Louis-Dreyfus), einer Geschäftsfrau mit all dem spröden, herablassenden Selbstbewusstsein, das man von dem zuverlässig hervorragenden Star auch erwarten würde.

Die Handlung von "Thunderbolts*" ist so clever konstruiert, dass man den Kern der Geschichte versteht und die Geschichte genießen kann, egal ob man Marvel-Fan ist oder nicht. De Fontaine, so scheint es, steckt hinter mehreren geheimen Superhelden-Operationen. Als ihre politischen Gegner ihr nun auf die Fersen kommen, beschließt sie, alle Beweise für ihre zwielichtigen Machenschaften zu vernichten, einschließlich derer, die sie durchgeführt haben. Und so kommt es, dass Yelena und die anderen nicht mehr versuchen, sich gegenseitig umzubringen, sondern sich gegenseitig am Leben zu erhalten. Sie werden zu einer Art Team, sind sich aber nicht sicher, ob sie sich "Thunderbolts" nennen sollen. Der Stern im Titel bedeutet daher, dass es sich nur um einen Platzhalter handelt, bis ihnen etwas Besseres einfällt. 

Ein kleiner Haken: Die Hintergrundgeschichten der meisten Charaktere finden sich in anderen Filmen und der Fernsehserie "The Falcon And The Winter Soldier" wieder, nicht in "Thunderbolts*". Ein weiterer Haken ist, dass die Verfolgung der Bande durch De Fontaines Truppen den Großteil der Filmlaufzeit einnimmt, sodass es kaum Szenen gibt, die nicht schon in den Trailern zu sehen waren. Andererseits sind Superheldenfilme selten so fokussiert und entwickeln sich selten so nahtlos von Szene zu Szene, ohne Atempausen und ohne plötzliche Sprünge an verschiedene Enden der Welt. "Captain America: Brave New World", der im Februar in die Kinos kam, ähnelte "Thunderbolts"* insofern, als er sich um die Politik in Washington D.C. drehte und an "The Falcon And The Winter Soldier" anknüpfte. Doch dieser Film war ein chaotisches Durcheinander, während dieser hier so geschickt konstruiert ist, dass man den Kern versteht und die Fahrt genießen kann. Die zugrunde liegenden Themen in "Thunderbolts"* sind genauso fokussiert wie die Erzählung. Alle Charaktere müssen mit der Scham und dem Trauma ihrer schwierigen Vergangenheit fertig werden - und dieses Thema zieht sich von der Eröffnungsszene bis zum obligatorischen "Final Battle" durch, welcher zwar etwas überhastet, aber stilvoll surreal genug ist. Dazwischen wird die Schuld der Charaktere in einigen berührenden und überraschend brutalen Sequenzen sowie in einigen scharfsinnig geschriebenen, zügig geschnittenen und gekonnt gespielten komischen Szenen thematisiert.

An beiden Enden des Spektrums liefert Pugh eine Leistung ab, die ihr Preise einbringen würde, wäre sie nicht in einem Superheldenfilm. Sie liefert ihre Pointen mit perfektem Timing, besonders wenn sie mit Red Guardian zankt und scherzt. Aber sie kann auch pure Emotionen ausstrahlen - und das alles, während sie einen ordentlichen russischen Akzent behält und sich durch ihre akrobatischen Kampfszenen wälzt. Letztendlich ist "Thunderbolts"* deshalb so viel besser als die meisten Marvel-Filme nach "Avengers: Endgame". Nicht nur, weil es ein knallharter, großherziger Spionagethriller über liebenswert ahnungslose Antihelden ist. Sondern weil ein so charismatischer Schauspieler wie Pugh im Mittelpunkt steht. Und damit bietet der neueste Teil der Superhelden-Reihe kämpferischen, schmuddeligen und bodenständigen Spaß, der von Anfang bis Ende wunderbar unterhält.

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Marvel
Poster/Artwork: Marvel

Donnerstag, 13. Februar 2025

Captain America: Brave New World (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt14513804/

Nachdem Captain America (Anthony Mackie) bei einem Einsatz in Mexiko dem skrupellosen Söldner Sidewinder (Giancarlo Esposito) und dessen Serpent Society das Handwerk legt, wird er zum Dank zusammen mit seinem Mitstreiter Joaquin Torres (Danny Ramirez) ins Weiße Haus eingeladen. Doch einfache, freundschaftliche Meetings scheint es für ihn nicht zu geben. Denn das Treffen mit dem gerade erst ins Amt gewählten US-Präsidenten Thaddeus Ross (Harrison Ford) verwickelt den Avenger mit dem ikonischen Vibranium-Schild in einen Konflikt globalen Ausmaßes. Doch noch ist Zeit, die Welt davor zu bewahren, ins absolute Chaos zu stürzen. Nur drängt die Zeit...

Ein "Captain America" ohne Chris Evan‘s Steve Rogers fühlt sich schon irgendwie seltsam an. Man hat sich in der Chronologie des MCU einfach zu sehr an die ikonische, heroische und würdige Figur, die Evans als "Captain America" darstellte, gewöhnt und spätestens seit "Avengers: Endgame", als Cap Thors Hammer übernahm, erklomm er einen schier unerreichbaren Thron an Coolness. So schnell, dass er gleich wieder in der Versenkung verschwand, nur, um der Figur einen würdigen Abschied zu gewähren und seinen ikonischen Schild weiterzugeben. In der Disney+-Serie "The Falcon And The Winter Soldier" übernahm also nun Anthony Mackie als Sam Wilson die Rolle des Captains und kombiniert das Schild des Captains mit den Flügeln des Falcon in einer neuen Rüstung mit allerlei Gimmicks, die Mackies hinterlistigen, verbissenen Captain immer noch weniger Superkräfte als Rogers verleihen, aber auf seine prosaische, erdverbundene Art entgeht er der Superheldenmüdigkeit. 

Steve Rogers ist weg, es lebe Sam Wilson!

Trotzdem fühlt sich "Captain America: Brave New World" ein Stück weit wie ein Franchise-Zeitfüller an, der aber unterhaltsam genug ist um zu gefallen. "Captain America: Brave New World" ist der erste Marvel-Film seit sechs Monaten - mehr noch, es ist der erste seit 2022, dem Jahr von "Thor: Love And Thunder" und "Black Panther: Wakanda Forever", der sich um einen Superhelden dreht, den man als Marvel-Klassiker einstufen würde. Diese drei Jahre definieren eine Ära, in der sich viele zu fragen begannen, ob die Comic-Filmkultur – oder zumindest der Nervenkitzel daran – bereits vorbei sei. Doch letzten Sommer schien der Kassenerfolg von "Deadpool & Wolverine" diese Frage zu klären. Doch da das Marvel Cinematic Universe (MCU) mittlerweile 35 Filme umfasst, ist gleichzeitig eine beängstigende Wiederholung eingebaut. Das Problem der möglichen Superheldenmüdigkeit schwebt über einem neuen "Captain America"-Film weitaus mehr als zuvor.

Mit so viel Hintergrundgeschichte ist "Captain America: Brave New World" ein Film, bei dem man sich fragen könnte, ob man selbst genug Hausaufgaben gemacht hat. Und wenn man dann auch noch Anthony Mackie bei seinem ersten Alleinflug als Sam Wilson zusieht, ist man doch überrascht, wie sehr die Figur jetzt wie ein verkleinerter Superheld für ein MCU wirkt, dessen glorreiche Tage weit hinter ihm liegen. Wilsons Captain America fehlt die durch Serum verstärkte (Beinahe-)Unbesiegbarkeit, die Rogers auszeichnete. Er ist ein knallharter Nahkampf-Kämpfer, aber viel stärker abhängig von seinem Schild und seinem Wingsuit, die beide aus Vibranium bestehen. Man könnte sagen, dass ihn das zu einem Helden macht, der eher mit Iron Man vergleichbar ist (obwohl Tony Starks wichtigste Waffe Robert Downey Jr.s Mundwerk war), und Wilsons allzu sterbliche Qualität kommt in der schlauen Verbissenheit von Mackies "Wenn du die Nummer zwei bist, strengst du dich mehr an"-Darbietung zum Ausdruck. Aber instinktiv denkt man doch: "War der frühere Captain America nicht eher … super?"

Trotzdem ist es diese sehr bodenständige Qualität, die "Captain America: Brave New World" ausmacht, ein Film, der seinen Ton von Mackies harter, straffer, leicht niedergeschlagener Cool-Cat-Präsenz bezieht. Der Film ist zwar eng mit allem verbunden, was vorher kam, funktioniert aber gut genug als energisches, prosaisches, eher eigenständiges Abenteuer, das Schlägereien und Action mit den Elementen eines düsteren geopolitischen Thrillers in Einklang bringt. Dies ist ganz sicher keiner dieser Marvel-Filme, die Fans verunglimpfen werden, weil sie von CGI überladen und von zu vielen verwirrenden Multiversum-Tentakeln erwürgt wurden. Es ist Superhelden-Film, serviert mit gerade genug Kompetenz und Elan, um sich nicht wie ein aufgewärmtes Resteessen anzufühlen.

Schon früh wird Wilson ins Weiße Haus eingeladen, wo Thaddeus "Thunderbolt" Ross, der ehemalige Armeegeneral und neu gewählte US-Präsident (gespielt von Harrison Ford, der den verstorbenen William Hurt ablöst), den Celestial Island World Summit ausrichtet, der eine bedeutende globale Entdeckung (einer himmlischen Masse mitten im Indischen Ozean) markiert. Unser knapp ehrenhafter Held und der hinterhältige, schnell aufbrausende Ross teilen eine pikante Vergangenheit. Wilson versucht, alte Wunden zu heilen, indem er Isaiah Bradley (Carl Lumbley) mitbringt, seinen alten Kameraden und ehemaligen Supersoldaten, der 30 Jahre lang eingesperrt und als Versuchsobjekt verwendet wurde.

Doch im Weißen Haus erhebt sich plötzlich Isaiah zusammen mit vier Schützen, um den Präsidenten zu ermorden. Sie scheitern, aber ein Blick auf die Überwachungsaufnahmen zeigt, dass jedem Attentäter, einschließlich Isaiah, das Licht eines Handys ins Gesicht geleuchtet wurde. Sie wurden von einem mysteriösen Wesen ausgelöst, und Wilson macht sich mit Danny Ramirez’ schnippischem Falcon an seiner Seite (der Robin zu Cap’s Batman) auf die Suche nach dem Täter.

Regisseur Julius Onah entschlüsselt die Verschwörung mit unverblümter Begeisterung. Alles führt zu Samuel Sterns (der wunderbare Tim Blake Nelson), einem Zellbiologen, der mit dem Blut von Bruce Banner verseucht ist, was ihn in einen giftigen grünen Troll verwandelt hat, dessen Gehirn nach außen gekehrt trägt. Wenn Sterns einen guten alten Marvel-Masterplan ausgeheckt hätte (ein weiterer Versuch, alle Lebewesen im Multiversum zu vernichten, you know?), wäre er nur eine gähnend langweilige Wiederholung. Doch er hat tatsächlich eine unterhaltsame, verrückte Idee: Er will Präsident Ross, seinen ehemaligen Entführer, zu einer militärischen Auseinandersetzung mit Japan über den Besitz eines Adamantiumvorrats provozieren. Der Trick besteht darin, Ross‘ Wut, seinen inneren Tyrannen, hervorzulocken.

Nun ist ja der Kinozuschauer gewohnt, in Filmen Präsidenten zu sehen, die unerschütterliche Chiffren sind, aber Harrison Ford spielt Ross wie Ronald Reagan mit Aggressionsproblemen. Er verleiht der Figur eine raue Autorität, die seine schwelende Instabilität (gerade so) unter Kontrolle hält. Man wartet regelrecht darauf, dass Fords innerer Griesgram in Wut ausbricht, und seine chamäleonartige Darstellung wechselt ständig die Farbe, bis Ross sich in den Red Hulk verwandelt, woraufhin der Film in sein konventionelles, echt-Marvel-mäßiges, spannendes Duell übergeht.

Nichts davon könnte man als "aktuell" oder gar "originell" bezeichnen, aber es gibt zufällige Halbresonanzen. Sterns Gedankenkontrolltechniken verkörpern die große Entpersonalisierung der KI (daher der Untertitel des Films). Und die Art und Weise, wie die alte Weltordnung in eine neue Weltunordnung zerfällt, hat, wenn auch nur am Rande, etwas mit dem WTF-Ton von Präsident Trumps Versuch zu tun, die Weltpolitik neu zu gestalten. Als Ruth Bat-Seraph, eine ehemalige israelische Black Widow, die in den Comics Mossad-Agentin war und jetzt Sicherheitschefin des Präsidenten ist (was pro-palästinensische Demonstranten nicht davon abgehalten hat, gegen ihre Anwesenheit zu protestieren), ist Shira Haas wie Billie Eilish in der Rolle von Mata Hari. Und Tim Blake Nelson spielt die affektierte Niedertracht eines Bösewichts, der wie das Phantom des MCU ist. Und der End-Credits-Sequenz am Ende des Films verrät, dass er noch lange nicht fertig ist. Damit fühlt sich "Captain America: Brave New World" letztlich an wie das, was es ist: ein Boxenstopp in der Strategie des MCU, die Avengers neu zu starten. Etwas Neues, mit einer Prise vom Alten. Das ist völlig okay. Und es macht gerade wieder genug Spaß um zu unterhalten.

6,5/10

Quellen: 
Inhaltsangabe: Marvel/Disney
Poster/Artwork: Marvel/Disney

Sonntag, 4. August 2024

Madame Web (2024)

https://www.imdb.com/title/tt11057302/

Cassandra Webb (Dakota Johnson) ist eine Sanitäterin in Manhattan, die über hellseherische Fähigkeiten verfügt. Die ermöglichen ihr, in die Zukunft und die vernetzte Spinnenwelt zu sehen. Doch als Cassandra Zeugin wird, wie ein Mann namens Ezekiel Sims (Tahar Rahim) in ihren Visionen versucht, drei junge Frauen zu ermorden, wird ihr klar, dass er ebenso gefährlich wie wichtig ist. Und obwohl Cassandra nicht ganz versteht, was das alles zu bedeuten hat, macht sie sich auf den Weg, um ihn daran zu hindern, sein Ziel zu erreichen. Sie geht eine Partnerschaft mit den drei Frauen ein, um ihre Vergangenheit zu verstehen und die tödliche Gegenwart zu überleben. Denn Cassandra ist die einzige, die ihnen jetzt noch helfen kann. Diesem Gegner muss man immer zwei Schritte voraus sein, denn auch er kann in die Zukunft sehen.

Sony/MARVELs "Spider-Man"-Spin-Off "Madame Web" als Desaster zu bezeichnen, wäre eine maßlose Untertreibung. Seit "Cats" hat auch kein Film eine solche Kombination aus schrecklichen Kritiken (diverse namhafte Kritiker haben ihn abwechselnd als "dumm und kitschig", als "unheiliges, verworrenes  Durcheinander" und als "schlampige Abzocke" beschrieben) und Verbraucherapathie hervorgerufen. Und kurz gesagt ist er auch nichts anderes als eine blanke Katastrophe. Die miserablen Einspielzahlen - der Film hat mit Abstand das niedrigste Eröffnungswochenende aller Spidey-ähnlichen Filme dieses Jahrhunderts - haben ein potenzielles Franchise bereits im Keim erstickt. Er hat die Karrieren aller ruiniert, die zufällig in seine Nähe kamen und er ist dazu verdammt, für immer und ewig eine Hollywood-Pointe zu sein.

Unmittelbarer jedoch bleibt Dakota Johnsons Pressetour im Gedächtnis, bei der sie wortwörtlich sagte, dass sie noch nie zuvor auf nicht vorhandene Explosionen vor einem blauen Bildschirm reagieren musste, nannte den Prozess "absolut psychotisch" und fügte hinzu: "Ich dachte mir: 'Ich weiß nicht, ob das überhaupt gut wird! Ich hoffe, dass ich einen ganz guten Job gemacht habe!'" Und fairerweise muss man sagen, dass sie ihre eigene Leistung und nicht den Film im Allgemeinen beschrieb, aber ehe sie es wusste, tauchten im Internet Schlagzeilen auf wie "Dakota Johnson sagt, die Dreharbeiten zu Madame Web waren absolut psychotisch". Doch Johnson kannte wohl doch den Zustand des Films, den sie promotete, nicht zuletzt, weil sie ihre Vertretung sofort nach der Fertigstellung des Films feuerte. Ein späteres Interview, in dem Johnson andeutete, dass der Film, den sie drehte, nicht unbedingt der war, dem sie ursprünglich zugestimmt hatte, half ihr nicht weiter. "Es gab drastische Änderungen", sagte sie über das Drehbuch. "und ich kann Ihnen nicht einmal sagen, welche es waren." Zusammen zeichnen diese Zitate das Bild einer Schauspielerin, die den Film, in dem sie mitspielte, nicht ausstehen konnte.


Und sieht man sich "Madame Web" an, dann kommt man auch sehr schnell zu der Vermutung, Dass Johnson träge einen inkompetenten Versuch anführt, einen neuen Charakter zu etablieren, der durch Änderungen in letzter Minute fast inkohärent wird. "Madame Web" wurde 2019 entwickelt, 2020 bekam er grünes Licht, 2022 wurde er gedreht und dann angeblich 2023 neu gedreht. Es war als eine Möglichkeit gedacht, das "Spider-Man"-Universum von Marvel und Sony zu erweitern: eine geschäftliche, wenn nicht kreativ sinnvolle Entscheidung nach dem Überraschungserfolg von "Venom" und "Spider-Man: A New Universe". Eine ältere Hellseherin, die aus den Comics als Assistentin von Spider-Man bekannt ist, wird nun in eine junge Sanitäterin verwandelt, gespielt von Dakota Johnson, die nicht einmal weiß, dass Spider-Man existiert, in einem Film, der verzweifelt so tut, als wäre er etwas, was er nicht ist. Eine solche Verwirrung war bereits bei der Veröffentlichung des Trailers im letzten Jahr zu sehen, der wegen seines lächerlich unsicheren Tons, der verworrenen Handlung und der abgehalfterten Hauptdarstellerin sofort viral ging. Da man sich der Wende grimmig bewusst ist, wird der Film in Pressematerialien nun als düsterer Suspense-Thriller bezeichnet, wobei Johnson während der Presse darauf beharrt, dass es sich um einen eigenständigen Film in seinem eigenen Universum handelt.

Das verworrene Durcheinander, das das alles verursacht hat, wird sicherlich Jahre später zu einer faszinierenden mündlichen Überlieferung führen, aber im Moment hat man, da alle Beteiligten ängstlich (und vertraglich) darauf bestehen, dass das fertige Produkt genau so ist wie beabsichtigt, nur ein 110-minütiges Rätsel, eine verwirrende Reihe von Fragezeichen, die unbeantwortet bleiben. Ein unbeholfener Opener, der im Peru der 1970er Jahre spielt, ist ein erstes Warnsignal, schlecht inszeniert und schlampig geschrieben, und bereitet die absurde Hintergrundgeschichte unserer Heldin vor, die etwas mit Spinnen und Spinnenmenschen zu tun hat. Dreißig Jahre später ist sie Sanitäterin und arbeitet an der Seite von Ben Parker (Adam Scott), den die meisten auch als Peter Parkers Onkel kennen, außer in diesem Film oder zumindest in dieser Version, in der alle Hinweise auf "Spider-Man" aus dem Endprodukt entfernt wurden. Nach einer Nahtoderfahrung entdeckt sie, dass sie kurzzeitig in die Zukunft sehen kann, was es ihr ermöglicht, das Leben von drei Teenagern (Sydney Sweeney, Isabela Merced und Celeste O’Connor) zu retten, die im Visier eines Verrückten sind, der ebenfalls Verbindungen zu ihrer Vergangenheit hat.


Mit einem Drehbuch, das von vier Personen geschrieben wurde, darunter dem Regisseur SJ Clarkson, einem Schauplatz, der größtenteils Boston ist, aber gleichzeitig New York darstellt, und einer Hauptdarstellerin, die aussieht, als wäre sie wirklich lieber überall anders, hat die  Zusammenhangslosigkeit und völlige Inkompetenz von "Madame Web" etwas krankhaft Fesselndes -weniger ein Midnight Movie, das so schlecht ist, dass es schon wieder Spaß macht, sondern mehr Studiofilmproduktion in den 2020er-Jahren in ihrer schlimmsten Fallstudie. Der Versuch, ihn als Spannungsthriller neu zu positionieren, schadet dem Film letztlich mehr, als er ihm nützt, nicht nur, weil es hier absolut keine Spannung oder Nervenkitzel gibt, sondern auch, weil es dem Zuschauer noch schwerer fällt, seine Skepsis zu unterdrücken, wenn man ihn als etwas Bodenständigeres ohne Verbindung zu den übertriebenen Superhelden der Welt, aus der er stammt, betrachten würde.

Nichts hiervon ist düster oder glaubwürdig. Der Film ist so dumm und kitschig wie die schlechtesten des Genres, mit miesen Netzwerkfernseheffekten, langweiliger Action und unlustigen und uneleganten Dialogen, und seine Charaktere ertrinken in schlecht geschriebenen Erklärungen (auch wenn die vielfach als Meme verwendete virale Zeile aus dem Trailer leider nicht im Film selbst vorkommt). Es enthält außerdem einige der krassesten Beispiele für Produktplatzierung, die ich seit langem gesehen habe. Am schlimmsten ist, dass in wichtigen dramatischen Momenten Werbung für Pepsi angezeigt wird. Dazu gehört auch eine komplette Schlussszene mit dem echten Pepsi-Cola-Schild in Queens (vor einer Coda, in der die Figuren ein paar eiskalte Flaschen Pepsi genießen).

Wie der Trailer schon andeutet, wirkt Johnson ablenkend desinteressiert. Sie ist eine Schauspielerin, die sehr gut funktionieren kann, wenn sie vom richtigen Regisseur richtig eingesetzt wird. Hier zeigt sie uns die wahren Grenzen ihrer Fähigkeiten und ist eine der unpassendsten Hauptrollen, an die ich mich erinnern kann. Ihre Darstellung ist von einer so falsch eingeschätzten Lethargie geprägt, dass ihr Co-Star Sweeney in bizarrem Schulmädchen-Cosplay und eine kleine, seltsame Rolle für Zosia Mamet nicht gerade besser werden. Drei Schauspielerinnen spielen viel zu introvertiert und stumm für die hektische Dringlichkeit eines so auffälligen Films wie diesem. Ihre Besetzung ist nur eine von vielen verwirrenden Entscheidungen, die hier getroffen wurden. Die verworrenste davon ist die scheinbar spät getroffene Entfernung aller "Spider-Man"-Referenzen. In einer kompletten Nebenhandlung spielt Emma Roberts Ben Parkers schwangere Schwester, die kurz davor steht, ein Baby zur Welt zu bringen, dessen Name nie verraten wird (in einer schlecht geschnittenen Szene hört man beinahe, dass es vielleicht mit einem P beginnt), während das Finale unbeholfen durch die drei Teenager in Superheldenkostümen in der Zukunft hetzt (alle spielen Charaktere aus den Comics, einschließlich Spider-Woman). Es gibt sogar eine seltsame Verstümmelung der klassischen Zeile über Macht und Verantwortung, deren Worte durcheinandergewürfelt sind, als würden wir uns irgendeinen schäbigen Abklatsch von Leuten ansehen, die Angst vor rechtlichen Schritten haben.

Was der durchschnittliche Zuschauer nun aus diesem unheiligen Durcheinander mitnehmen soll, ist und bleibt ein Rätsel. Superheldenfilme sind noch lange nicht tot (siehe den aktuellen "Deadpool & Wolverine"), aber das Zeitalter der Superheldenfilme wie "Madame Web" ist es ganz sicher - seelenloses Produkt aus den Vorstandsetagen, gemacht von niemandem, der sich um niemanden zu kümmern scheint, der zuschauen will.

3/10

Quellen: 
Inhaltsangabe: Columbia Pictures/Sony
Poster/Artwork: 
Columbia Pictures/Sony/Marvel Entertainment

Samstag, 27. Juli 2024

Deadpool & Wolverine (2024)

https://www.imdb.com/title/tt6263850/

Seit Jahren träumt Deadpool (Ryan Reynolds) davon, ein Avenger zu werden – und nun bietet ihm der zwielichtige TVA-Agent Mr. Paradox (Matthew Macfadyen) an, in die heilige Zeitlinie zu wechseln, um dort Teil des MCU zu sein. Doch dafür muss der vorlaute Söldner ein großes Opfer bringen: Seine Welt wird ausgelöscht. Weil Deadpool dies nicht zulassen will, schickt Mr. Paradox ihn und eine von Deadpool rekrutierte, abgehalfterte Variante von Wolverine (Hugh Jackman) in die Leere – die große Müllhalde aller Universen. Dort hat die finstere Cassandra Nova (Emma Corrin) ein Schreckens-Regime errichtet. Deadpool ist klar: Will er seine Welt, all seine Freunde und seine große Liebe Vanessa (Morena Baccarin) retten, muss er an ihr vorbei und auch Mr. Paradox aufhalten. Doch dazu muss er erst einmal den verbitterten Wolverine überzeugen, ihm zu helfen...

Dieses Review muss ich mit einer Einleitung versehen, da ich tatsächlich keine Ahnung habe, wie dieser Film zu rezensieren ist, ohne auf Handlungspunkte oder Cameos einzugehen. Weiterlesen geschieht also auf eigene Verantwortung, mein Gesamturteil lautet jedoch: Wenn man die ersten beiden "Deadpool"-Filme mag, wird man diesen definitiv auch mögen und - holy shit - allein die Rückkehr von Hugh Jackman als Wolverine und die grandiose Eröffnungssequenz sind es allemal wert.

Trotzdem kann "Deadpool & Wolverine" schwierig sein. Es ist nicht so, dass er nicht auf die gleiche Weise lustig ist wie die vorherigen "Deadpool"-Filme: augenzwinkernd selbstbewusst mit zahlreichen Durchbrüchen der vierten Wand; jede Menge übertrieben groteske Gewalt; und die Vorliebe eines Schuljungen für clevere Schimpfwörter (oder zumindest Schimpfwörter, die nach Cleverness streben, indem sie unterschiedliche Schimpfwörter, Körperteile und Tiere mit einem zufällig ausgewählten Sexakt zusammenstopfen - es ist völlig egal, es entlockt einem zumindest ein unterdrücktes Glucksen. Der Film unter der Regie von Shawn Levy und dem Drehbuch von Ryan Reynolds & Rhett Reese & Paul Wernick & Zeb Wells & Shawn Levy - erreicht auch genau das, was er sich vorgenommen hat. All die oben erwähnten lustigen Sachen - die Reynolds die Chance geben, seine Schmeicheleien zu zeigen - klar, aber auch was der Titel verspricht - Deadpool und Wolverine (Hugh Jackman) zusammen zu bringen, um als "Frenemies" gegen einen größeren Feind kämpfen können. Und ihr gemeinsames Abenteuer beinhaltet die Time Variance Authority, die langjährige Marvel-Zuschauer als die multiversale Agentur aus der Fernsehserie "Loki" erkennen werden, die sich darum kümmert, alternative Zeitlinien im Auge zu behalten. Die TVA muss natürlich involviert sein, da Deadpool ins Multiversum reisen muss, um einen Wolverine zu finden, mit dem er sich zusammentun kann, da der Wolverine in seinem Universum in "Logan" gestorben ist. Für wen das alles einen Sinn ergibt, wunderbar, denn dann ist "Deadpool & Wolverine" exakt der Film, den man erwarten würde und der einem sehr wahrscheinlich gefallen wird. Wenn nicht, wird es hart.


Wie auch immer, Mr. Paradox (Matthew Macfadyen) von der TVA hat einen Time-Ripper, ein Gerät, welches Deadpools Universum buchstäblich pulverisieren wird, da dieses Universum seine Ankerfigur verloren hat - Wolverine. Dass dies bei Deadpool nicht auf Gegenliebe stößt dürfte klar sein, und er beschließt kurzerhand, einen Wolverine aus einem anderen Universum in seines zu holen. Dass hier schon die ersten Cameos auftauchen ist erwartbar, doch das ist längst nicht alles und auch nur ein Cameo, der einen den Unterkiefer herunterklappen lassen lässt. Mr. Paradox lässt den erfolgreichen Versuch aber nicht auf sich sitzen und schießt die beiden gegensätzlichen Helden ins Nichts - den Void. Dieser Void ist ein Punkt am Ende der Zeit, den die TVA als Müllhalde für Varianten nutzt, die aus der Zeitlinie entfernt werden müssen, und er wird von Cassandra Nova (Emma Corrin) regiert, einer bösen, weiblichen Version von Charles Xavier (mehr oder weniger; zumindest ist sie so kahl wie er). Und im Void wird es langsam knifflig - und abgefahren zugleich.

Denn hier wird dem Zuschauer spätestens klar, dass alles andere in diesem Film nur Fassade ist. Die ganze MCU-Geschichte, sogar die Zusammenarbeit von Deadpool und Wolverine: Das ist nicht der Grund, warum dieser Film existiert, nicht wirklich. Nein, dieser Film existiert, um als 127-minütiger Abschied von der Marvel-Filmreihe von 20th Century Fox zu dienen. Aber dieser Unterschied - der Unterschied zwischen den Marvel-Filmen von 20th Century Fox und denen, die Teil des Marvel/Disney MCU sind, die beide von der "Spider-Man"-Filmreihe von Sony getrennt sind (außer wenn Marvel sich Spider-Man oder Sony Dr. Strange ausleihen muss) - wird einem nur dann richtig bewusst, wenn man - und das sage ich mit der gebotenen Zuneigung und in dem Wissen, dass ich fest zu dieser Gruppe gehöre - das letzte Vierteljahrhundert seines Lebens damit verbracht hat, sich mit allen(!!!) Einzelheiten dieser Unternehmensgiganten vertraut zu machen.

Das heißt, wir verabschieden uns nicht nur von den X-Men und X-Men-nahen Charakteren von 20th Century Fox wie X-23 (Dafne Keen) und X-Men-Bösewichten wie Sabretooth (Tyler Mane) oder Pyro (Aaron Stanford), die hier alle einen Cameo-Auftritt haben. Wir verabschieden uns auch von Johnny Storm (Chris Evans) aus den "Fantastic Four" und Elektra (Jennifer Garner) aus "Daredevil"/"Elektra". Aber es geht noch tiefer. In diesem Film gibt es einen ausgedehnten Witz über eine Figur, über die lange gemunkelt wurde, über die fast ein Jahrzehnt lang ein Film in der Entwicklung war, die einen Star hatte, der sie unbedingt spielen wollte, und die in Wirklichkeit nie existiert hat. Es ist die Art von Gag, die nur Sinn ergibt, wenn man die Geschichten über die Entstehung dieser Filme sehr genau verfolgt hat, oder wenn man mit einem Stapel MARVEL-Magazine neben dem Bett aufgewachsen ist.

Wenn man diesen Gag sofort versteht, erfüllte es einen mit etwas, das man nur als eine Art leichten Selbsthass beschreiben kann. Dass man tatsächlich lacht, hilft dann auch nicht, denn es ist tatsächlich lustig, denn der Typ, der die Rolle spielt, ist sowieso perfekt für diese blöde Rolle geeignet. Verdammt sei sein gewinnendes Lächeln und seine glänzenden Augen! Das Seltsamste an "Deadpool & Wolverine" ist, dass er es schafft, das Beste aus beiden Welten zu machen: Er macht Witze über Disney/Marvel und Firmen-Machenschaften, während seine Stars neben dem zerstörten Logo von 20th Century Fox kämpfen, und endet mit einer Montage während des Abspanns, die ein Vierteljahrhundert Filme von 20th Century Fox würdigt, untermalt vom rührseligsten Popsong, den man sich vorstellen kann. Der besten Cameo kommt sowieso im Void und er ist so gut, weil er unerwartet und völlig aus dem Nichts kommt. Auftritte von Garner und Cavill, Lively und McConaughey waren ja schon durchgesickert, aber dieser Charakter - wow.


"Deadpool & Wolverine" erreicht unterm Strich vielleicht keine vollständig Perfektion und schon gar nicht das, was einige Fans (auch ich) erhofft hatte - aber er schafft, was er sich vorgenommen hat. Reynolds und Jackman sind genau die, die sie sein müssen, damit dieser Film funktioniert, obwohl die Gags darüber, dass Jackman seinen Wolverine bis zu seinem 90. Lebensjahr spielen soll, eher wie eine Drohung als wie ein gutmütiger Seitenhieb wirken. Es bringt einen zum Lachen, obwohl die selbstbewusste Nummer des großmäuligen Söldners langsam abgenutzt wirkt. Der Film ist aber eine Lobrede auf ein ganzes Superheldenuniversum - und das auf eine wirklich herzliche Art und Weise, die allerdings die überragende Stimmung untergräbt, die diese Filme kultiviert hat. Trotzdem ist dieser Teil sicherlich der beste der Reihe, und das liegt einfach daran, dass er so ist wie er ist.

9/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Twentieth Century Fox/Marvel/Disney
Poster/Artwork: Twentieth Century Fox/Marvel/Disney

Freitag, 28. Juni 2024

X-Men '97 (2024)

https://www.imdb.com/title/tt16026746/

"X-Men '97" ist die Fortsetzung von "X-Men: The Animated Series" aus den Jahren 1992-1997. Die Handlung beginnt ein Jahr nach den Ereignissen im Finale, in dem Professor X (Stimme im englischen Original: Ross Marquand) sowohl seine X-Men als auch die Erde verließ. Scott Summers a.k.a. Cyclops (Ray Chase) muss nun als neuer Anführer der X-Men das Erbe von Charles Xavier antreten. Eine neue militante Gruppe, die gegen Mutanten ist - die "Friends Of Humanity" - sorgen dabei von Anfang an für Schwierigkeiten. Doch das ist nichts im Vergleich zur Ankunft von Schurke Magneto (Matthew Waterson), der - laut Xaviers Testament - die Führung über die X-Men übernehmen soll.

https://www.imdb.com/title/tt21350562/
1. Zu mir, meine X-Men (To Me, My X-Men)
Ein Jahr nach dem Anschlag durch Henry Peter Gyrich auf Professor Charles Xavier, welcher Charles dazu brachte, die Erde mit Shi-ar zu verlassen, um seinen eigenen Tod vorzutäuschen, setzen die X-Men ihre Mission fort, Mutanten und Menschen gleichermaßen zu verteidigen. Die Vereinten Nationen (UN) haben die X-Men mittlerweile gesetzlich sanktioniert. Sie retten einen jungen Mutanten, Roberto da Costa, vor der Anti-Mutanten-Gruppe "Friends Of Humanity" (FoH), die Sentinel-Technologie nutzt. Um den Sentinel-Schöpfer Bolivar Trask zu finden, besuchen die X-Men Gyrich im Gefängnis und Jean Gray erforscht seinen Geist mithilfe von Cerebro, um seine übersinnlichen Fähigkeiten zu verstärken. Sie findet Trask auf einem Schrottplatz in der Sahara, erhält aber auch eine schreckliche Vorahnung. Die X-Men zerstören die Überreste mehrerer Sentinels und eines Master-Mold-Supercomputers auf dem Schrottplatz und nehmen Trask fest. Cyclops und eine schwangere Jean geben bekannt, dass sie die X-Men verlassen, um ihren Sohn in Sicherheit großzuziehen. Sie werden von ihrem ehemaligen Widersacher Magneto unterbrochen, der verrät, dass Xavier ihm in seinem Testament die Kontrolle über die X-Men und Xaviers Schule für Mutanten übertragen hat. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt31322425/
2. Hoffnung für Mutanten (Mutant Liberation Begins)
Magneto beginnt, sowohl Menschen als auch Mutanten zu retten und verzichtet darauf, Anti-Mutanten-Aktivisten zu töten. Ein misstrauischer Cyclops und Jean beschließen, bei den X-Men zu bleiben, während Rogue Verständnis für Magnetos Probleme hat. Als UN-Truppen unter der Führung von Dr. Valerie Cooper versuchen, Magneto wegen seines früheren Terrorismus zu verhaften, willigt er ein, sich zu ergeben und sich einem Prozess zu stellen, um sich zu beweisen. Während seines Prozesses im UN-Hauptquartier inszenierte das FoH einen Angriff. Ihr Anführer, X-Cutioner, schießt mit einer entkräftenden Strahlungsexplosion auf Magneto; Storm nimmt den Treffer für ihn ein und verliert seine Fähigkeiten. Bei Jean setzen die Wehen ein und Rogue ist gezwungen, das Wissen eines Geburtshelfers in sich aufzunehmen, als er sich weigert, das Baby eines Mutanten zur Welt zu bringen. Jean bringt einen Sohn zur Welt, den sie und Cyclops Nathan nennen. Nachdem Magneto X-Cutioner festgenommen und den Angriff gestoppt hat, wird er begnadigt und es beginnen Gespräche über den Beitritt der Mutantennation Genosha zur UN. Beast erzählt Storm, dass die Explosion sie dauerhaft entkräftet hat und sie verlässt das Team, um einen neuen Sinn im Leben zu finden. Während sie ihre Entscheidung besprechen, werden die X-Men von der plötzlichen Ankunft einer Frau überrascht, die genauso aussieht wie Jean. - 9/10


https://www.imdb.com/title/tt31322434/
3. Eine rätselhafte Begegnung (Fire Made Flesh)
Beast stellt fest, dass es sich bei dem Jean-Doppelgänger tatsächlich um den echten Jean Grey handelt. Der bösartige Mister Sinister kontaktiert die andere Jean und entlarvt sie als einen Klon, den er geschaffen hat, um Zugang zu ihr und der DNA von Cyclops zu erhalten. Sinister übernimmt die Kontrolle über ihren Geist und verwandelt sie in die Koboldkönigin. Sie übergibt Nathan an Sinister und unterwirft die X-Men schrecklichen Visionen, die auf ihren eigenen Ängsten basieren. Morph, der zuvor von Sinister korrumpiert und kontrolliert wurde, führt die X-Men in eines von Sinisters Laboren, wo er Nathan mit einem techno-organischen Virus infiziert, in dem Glauben, dass er das Kind dadurch unbesiegbar machen würde. Die echte Jean konfrontiert die Koboldkönigin telepathisch und nutzt ihre gemeinsamen Erinnerungen, um sie von Sinisters Kontrolle zu befreien. Der Klon Jean und Cyclops retten Nathan, der schwer erkrankt ist, während Sinister entkommt. Der Klon Jean gibt Nathan dem zeitreisenden Verbündeten der X-Men, Bishop, damit dieser in Zukunft versuchen kann, ein Heilmittel für das Virus zu finden. Anschließend nimmt sie den Namen Madelyne Pryor an und verlässt das Team. An anderer Stelle stellt sich ein Mutant namens Forge Storm vor und behauptet, dass er ihre Kräfte wiederherstellen kann. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt31322435/
4. Motendo / Leben und Tod - Teil 1 (Motendo / Lifedeath - Part 1)
Jubilee möchte ihren 18. Geburtstag in der Spielhalle feiern, aber Magneto weigert sich und fordert das Team auf, sich auf das Training zu konzentrieren. Roberto tröstet Jubilee, der überrascht ist, in seinem Zimmer eine neue „Motendo“-Videospielkonsole zu finden. Das Paar wird in ein Videospiel hineingezogen, das auf ihren früheren Abenteuern basiert und von dem außerirdischen Sklavenhalter Mojo entwickelt wurde, der von der Interaktion mit dem Publikum lebt. Jubilee genießt es, ihre vergangenen Missionen noch einmal durchzuleben, ist jedoch von Abscissa - einer älteren digitalen Kopie ihrer selbst aus der Betaversion des Spiels - davon überzeugt, dass sie ein leeres Leben führen würde. Abscissa hilft Jubilee und Roberto, Mojo zu besiegen, und das Paar kehrt in die reale Welt zurück. Jubilee küsst Roberto. Forge nimmt Storm mit auf seine Ranch, wo er eine Maschine entwickelt hat, die ihre Kräfte wiederherstellen kann, die jedoch scheinbar versagt. Storm bemerkt eine seltsame Eule, die um die Ranch herumfliegt. Als Forge zugibt, dass er die Technologie entwickelt hat, auf der die Mutanteninhibitorhalsbänder und die Strahlenpistole von X-Cutioner basieren, geht Storm wütend davon. Die Eule entpuppt sich als Dämon namens Widersacher. Es bringt Storm zurück zur Ranch und vergiftet Forge. - 7/10


https://www.imdb.com/title/tt31322436/
5. Erinnere dich (Remember It)
Da Jean nicht erkennen kann, welche Erinnerungen ihr und welche Madelyne gehören, offenbart sie Wolverine ihre emotionale Verwirrung und küsst ihn. Er weist ihre Annäherungsversuche zurück und fordert sie auf, mit Cyclops zu sprechen, von dem sie erfährt, dass er telepathisch mit Madelyne kommuniziert hat. Magneto, Rogue und Gambit reisen nach Genosha, wo der Genoshan-Rat Magneto bittet, das Land zu führen; er stimmt unter der Bedingung zu, dass Rogue mit ihm führt. Rogue erklärt Gambit, dass sie eine geheime Beziehung zu Magneto hatte, als sie jünger war, da seine Fähigkeiten es ihr ermöglichen, ihn zu berühren, ohne ihn zu verletzen, was sie bei Gambit nicht tun kann. Bei einer Gala zur Feier des Beitritts von Genosha zur UN küsst Rogue Magneto und erkennt, dass sie einen Fehler gemacht hat, ihn gegenüber Gambit zu wählen. Der zeitreisende Cable kommt und Madelyne erkennt, dass er ein erwachsener Nathan ist. Cable wird in die Zukunft zurückgeschickt, bevor er alle vor dem Kommenden warnen kann: Ein verbesserter Master Mold und eine Armee von Sentinels greifen Genosha an und töten Tausende von Mutanten. Gambit opfert sich selbst, um die Meisterform zu zerstören, was Rogue untröstlich zurücklässt. - 9,5/10

https://www.imdb.com/title/tt31322437/
6. Leben und Tod - Teil 2 (Lifedeath - Part 2)
Während eines Krieges zwischen dem Schiiten- und dem Kree-Reich gibt die schiitische Kaiserin Lilandra Neramani ihre Verlobung mit dem inzwischen geheilten Xavier bekannt. Deathbird weigert sich, die Heirat ihrer Schwester mit einem Terraner zu akzeptieren, beruft sich auf den Ritus von M'Dashaa und fordert Xavier auf, alle seine Erinnerungen an die Erde zu löschen, um seine Loyalität gegenüber den Schiiten zu beweisen. Xaviers Weigerung, seine Erinnerungen an die X-Men aufzugeben, führt zu einem Kampf zwischen der schiitischen Kaisergarde und den Anhängern von Deathbird, bis Xavier alle auf die Astralebene zieht, um sie über das Zusammenleben aufzuklären. Als diese Lektion durch eine psychische Vision von Gambits Tod unterbrochen wird, beschließt Xavier, zur Erde zurückzukehren. Auf der Ranch nutzt Forge das Zauberbuch seiner Mutter, um den Dämon zu vertreiben, und Storm hilft ihm dann bei der Suche nach einem seltenen Kaktus, der das Gift heilen kann. Storm findet den Kaktus in einer Höhle, wird aber erneut vom Widersacher in die Enge getrieben. Storm überwindet ihre Ängste, erlangt ihre Kräfte zurück und besiegt den Widersacher. Storm heilt Forge und dann erfahren sie von dem Angriff auf Genosha. An anderer Stelle wird Trask von Mister Sinister konfrontiert, der warnt, dass Genosha nur der Anfang war. - 8/10


https://www.imdb.com/title/tt31322438/
7. Hinters Licht geführt (Bright Eyes)
Während die X-Men eine Beerdigung für Gambit abhalten, macht sich Rogue wütend auf die Suche nach Gyrich und Trask. Nachdem er Informationen von General Thunderbolt Ross und Captain America erhalten hat, findet Rogue Gyrich in Mexiko und nimmt seine Erinnerungen auf. Gyrich wird später in der Nacht ermordet. Während sie bei den Wiederherstellungsbemühungen in Genosha helfen, werden die X-Men von einem verängstigten Trask kontaktiert, der ihnen erzählt, dass er sich in Madripoor befindet. Sie bekommen Rogue auf den Weg. Roberto und Jubilee besuchen Robertos Mutter und erzählen ihr, dass er ein Mutant ist; Sie bittet ihn, seine Identität geheim zu halten. In Madripoor erfahren die X-Men, dass Sinister und die geheime UN-Abteilung „OZT“ ein hochentwickeltes Sentinel-Programm entwickelt haben. Rogue lässt Trask in den Tod fallen und aktiviert dabei unwissentlich eine Programmierung, die ihn in einen Mensch-Sentinel-Hybriden verwandelt. Cable kommt an, besiegt Trask mit einem EMP und erklärt, dass Sinister mit einer größeren Bedrohung arbeitet, die sie stoppen müssen. Diese Bedrohung, die Gyrich ermordet hat, ist Bastion. Er enthüllt Sinister, dass Xavier im Weltraum lebt und dass Magneto, der bei dem Genosha-Angriff vermutlich ums Leben gekommen ist, ebenfalls lebt und Bastions Gefangener ist. - 9/10

https://www.imdb.com/title/tt31322442/
8. Toleranz bedeutet Auslöschung - Teil 1 (Tolerance Is Extinction - Part 1)
Die UN enthüllen der Welt, dass Xavier am Leben ist, und provozieren damit einen Anti-Mutanten-Protest vor der Schule. Cable erklärt den X-Men, dass das Genosha-Massaker ein „absoluter Zeitpunkt“ sei, der nicht geändert werden könne, und dass Bastion ihn nutzen werde, um einen 300-jährigen Krieg zu beginnen, der zur Versklavung von Mutanten in einer menschlichen Utopie führen werde. Cyclops, Jean und Cable reisen nach Harmony, Pennsylvania, wo sie erfahren, dass Bastion ein Mensch-Maschine-Hybrid ist, der gezeugt wurde, nachdem sein Vater mit einem Teil des fortschrittlichen, zeitreisenden Sentinel Nimrod infiziert worden war.[b] Mitglieder von „Operation : Zero Tolerance“ (OZT) äußern ihre Besorgnis über das Massaker und bitten Dr. Cooper, Bastion zu überwachen, der ihr erklärt, wie er Menschen mithilfe des techno-organischen Virus von Sinister in Prime Sentinels wie Trask verwandelt. Prime Sentinels werden auf der ganzen Welt aktiviert, greifen Mutanten an und brennen Xaviers Schule nieder. Ein entsetzter Cooper lässt Magneto frei, der einen weltweiten Stromausfall verursacht, der Tausende von Menschen tötet und alle Prime Sentinels lahmlegt. Wolverine befürchtet, dass Magneto den Krieg erklärt hat, als Xavier zurückkehrt und die X-Men herbeiruft. - 9,5/10


https://www.imdb.com/title/tt31322443/
9. Toleranz bedeutet Auslöschung - Teil 2 (Tolerance Is Extinction - Part 2)
Xavier stößt auf einiges Misstrauen, aber die X-Men konzentrieren sich darauf, Bastion aufzuhalten und Magneto davon zu überzeugen, seinen Blackout rückgängig zu machen. Magneto baut auf dem Asteroiden M seinen Zufluchtsort für Mutanten wieder auf, beschließt, die Erde ohne Strom zu lassen und Xaviers Traum von der Koexistenz von Mutanten und Menschen abzulehnen. Er lädt die X-Men ein, sich ihm anzuschließen, was Rogue und Roberto auch tun. Der Rest der X-Men kehrt zu ihrer früheren Basis auf Muir Island zurück, um sich neu zu gruppieren, bevor sie sich in zwei Teams aufteilt: Das blaue Team von Cyclops begibt sich zum Asteroiden M, um Magneto zu konfrontieren, während Storm und Jeans goldenes Team sich auf den Weg zu Bastions Versteck auf den Galapagosinseln machen. Beast und Forge erschaffen ein Halsband, das Bastions Technopathie blockieren und seine Kontrolle über die Sentinels entziehen kann. Das Gold-Team kämpft gegen eine Armee von von der Bastion kontrollierten Sentinels sowie gegen Sinister, der die Kontrolle über Cables Gedanken übernimmt und ihn benutzt, um Jean zu überwältigen. Sie sendet eine verzweifelte psychische Nachricht an Cyclops. Auf Asteroid M versucht Xavier, die Kontrolle über Magnetos Geist zu übernehmen, wird jedoch blockiert. Wolverine ersticht und beleidigt Magneto schwer, der beginnt, das Adamantiummetall aus Wolverines Skelett zu reißen. - 9,5/10

https://www.imdb.com/title/tt31322446/
10. 8. Toleranz bedeutet Auslöschung - Teil 3 (Tolerance Is Extinction - Part 3)
Da Wolverine lebensgefährlich verletzt ist, übernimmt Xavier die Kontrolle über Magneto und stellt die Stromversorgung der Erde wieder her, wodurch Magnetos Verstand zerstört wird. Jean - der sich mit der kosmischen Kraft des Phönix verbindet - legt Bastion das Halsband an, stellt die Menschlichkeit der Prime Sentinels wieder her und macht Sinisters Mutantenerweiterungen rückgängig, wodurch Cable befreit wird. Die X-Men kämpfen darum, zu verhindern, dass Bastion den Asteroiden M auf die Erde schleudert und ein neues Aussterben verursacht, aber er stürzt immer noch ab, nachdem die US-Regierung Raketen auf den Asteroiden abgefeuert hat, in der Hoffnung, ihn zu zerstören. Mit Xaviers Hilfe erlangt Magneto das Bewusstsein zurück und schickt den Asteroiden in den Weltraum. Es explodiert und die meisten X-Men gelten als tot. Sechs Monate später kommt Bishop und erzählt Forge, dass die X-Men in der Zeit gefangen sind: Cyclops und Jean befinden sich im Jahr 3960 n. Chr., einer trostlosen Zukunft, in der sie Mutter Askani und einem jungen Nathan begegnen; und Rogue, Nightcrawler, Beast, Xavier und Magneto sind im alten Ägypten im Jahr 3000 v. Chr., wo sie En Sabah Nur treffen, eine junge Version der Apokalypse. In einer Mid-Credits-Szene findet Apocalypse eine von Gambits Spielkarten im heutigen Genosha. - 9,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Disney+
Poster/Artwork: 
Disney+

Montag, 29. November 2021

The Old Guard (2020)

https://www.imdb.com/title/tt7556122/

Andy (Charlize Theron) führt eine kleine Gruppe von unsterblichen Soldaten an, die bereits seit mehreren Jahrhunderten die Menschheit im Geheimen beschützen. Doch Andy sehnt sich mittlerweile nach dem Tod. Sie will, dass es endlich aufhört, von Waffen und Kugeln durchbohrt zu werden und doch wieder und wieder aufzustehen. Auch das Leben in Abgeschiedenheit, ohne Beziehungen außerhalb ihres kleinen Zirkels, setzt ihr zu. Doch dann gerät die Truppe in einen Hinterhalt, bei dem nicht nur zwei Mitglieder entführt werden, sondern mit Kameras das große Unsterblichkeit-Geheimnis dokumentiert wird. Nun liegt es an Andy, es mit einem grausamen neuen Feind aufzunehmen. Als Hilfe hat sie Newcomerin Nile (KiKi Layne), eine US-Soldatin, die gerade in Afghanistan das erste Mal gestorben ist und so ihre Kraft entdeckt hat. 

"The Old Guard", einer der erfolgreichsten Netflix-Filme, ist die Verfilmung der gleichnamigen Comicreihe von Greg Rucka, der zuvor für Marvel und DC geschrieben und für den Thriller "Whiteout" mit Kate Beckinsale ebenfalls die Comicvorlage geliefert hatte. Bei dieser neuesten Adaption zeichnete er auch eigenhändig für das Drehbuch verantwortlich. Unsterbliche, die über die Epochen durch die Welt reisen, in kriegerische Konflikte eingreifen und mit ihrem Schicksal hadern - klingt spannend und unterhaltsam. Der Film legt sein Augenmerk neben der Action vor allem auch auf die Ermüdung und Zermürbung der Protagonisten, die über die Jahrhunderte viele lieb gewonnene Menschen verloren haben und am Sinn ihrer Missionen und bloßen Existenz zweifeln, da sich die Menschheit in ihren Augen in all der Zeit nicht zum Besseren verändert hat. 

Freilich werden die philosophischen und ethischen Fragestellungen, die sich mit dem Thema der Unsterblichkeit ergeben, hier nur angerissen, denn "The Old Guard" ist in erster Linie immer noch ein Actionfilm. Und gerade in dieser Hinsicht kann das Werk auch überzeugen, was man bei der Regisseurin Gina Prince-Bythewood, die zuvor hauptsächlich Liebesdramen inszenierte, nicht unbedingt erwartet hätte. Hiermit beweist sie jedoch, dass sie auch in diesem Genre Talent besitzt. Toll choreographierte Kämpfe, bei denen in bester "John Wick"-Manier geballert, getreten, gehackt, geschlitzt und mit den Fäusten aufeinander losgegangen wird, sorgen für jede Menge Kurzweil. Die Freigabe ab 16 Jahren erscheint dabei sogar recht großzügig bemessen, so blutig wie es teils zugeht. Einen besonderen Kniff bekommen die Kampfszenen natürlich noch durch die Unsterblichkeit der Protagonisten. Wenn sich gebrochene Knochen wieder einrenken und Wunden schließen, kommen einem dabei auch die Superhelden "Wolverine" und "Deadpool" in den Sinn. Ganz neu ist dieses Element nicht, wurde hier aber ebenfalls gut umgesetzt und nicht minder überzeugend animiert wie in den "X-Men"-Comicadaptionen. 

Der größte Pluspunkt bei "The Old Guard" ist jedenfalls die Besetzung. Hauptdarstellerin und Produzentin Charlize Theron ist als Anführerin der Söldnertruppe, bei der es sich um die aus der griechischen Mythologie bekannte Andromache handelt, so charismatisch wie auch in den meisten anderen Werken der letzten Jahre mit ihrer Mitwirkung. Zwar variiert sie den Rollentypus der Bad-Ass-Heldin, wie sie ihn etwa schon als Furiosa im vierten "Mad Max"- Teil oder Lorraine Broughton aus "Atomic Blonde" verkörperte, nur geringfügig, kann jedoch gerade die Verbitterung und Resignation ihrer Figur glaubwürdig zum Ausdruck bringen und verleiht ihr damit Dreidimensionalität.

Den Hauptantagonisten verkörpert schließlich Harry Melling, der seit dem Ende der "Harry Potter"-Filme stark abgenommen hat und es hier sichtlich genießt, sich als Fiesling so richtig gehen lassen zu können. Seine Rolle ist eindimensional, erweist sich im Kontext der Handlung aber als vollkommen ausreichend charakterisiert. Ganz im Gegensatz zum Part des oscarnominierten Chiwetel Ejiofor, der als CIA-Mittelsmann, der der "Alten Garde" zu Beginn die Falle stellt, einen ambivalenten Bösewicht mit nachvollziehbarer Motivation darstellt, dessen Loyalität nicht klar umrissen ist. Wie gewohnt liefert er hier eine sehr überzeugende Performance ab. Insgesamt kann man sich beim Cast definitiv nicht beschweren. 

"The Old Guard" weist dennoch so einige Mängel auf. Die Action ist zwar ansehnlich gefilmt, allerdings fehlt es an wirklich einprägsamen Momenten, die aus dem - gerade im letzten Jahrzehnt sehr starken - Actionkino hervorstechen. Abgesehen von der amüsanten Prügelei zwischen Theron und Layne an Bord eines Flugzeugs, als sie sich erstmals gegenüberstehen, und vielleicht noch vom finalen Axthieb im Showdown, bleibt nur wenig hängen. Hinzu kommt, dass die Story dann doch zu sehr ausgetretenen Pfaden folgt. Die Unsterblichkeits-Thematik ist zwar interessant, wird aber letztlich nur angerissen. Die spärlichen Infos über die meisten der Hauptfiguren sorgen in Verbindung mit dem obligatorischen Cliffhanger zum Schluss dafür, dass sich "The Old Guard" insgesamt mehr wie ein Pilotfilm zu einer Serie als wie ein richtiger Spielfilm anfühlt. Tatsächlich ist er von Greg Rucka als Auftakt zu einer Trilogie geplant worden, man hätte sich dennoch mehr Mühe geben können, die Geschichte für stehen zu lassen. Was dann noch besonders enttäuscht, ist die Filmmusik. Volker Bertelsmann und Dustin O'Halloran, die 2015 noch mit ihrem Score zu "Lion" einige der gefühlvollsten Themen komponierten, die je in einem Spielfilm zu hören waren, können hier nur wenig klangliche Akzente setzen. Und vor allem der Soundtrack, der größtenteils aus seichten Pop- und R'n'B-Titeln besteht, will überhaupt nicht zu den Bildern passen. Das mögen jetzt auch nur persönliche Präferenzen sein, aber brutale Geschehnisse auf der Leinwand bräuchten schon eine aggressivere musikalische Untermalung. 

Unterm Strich bleibt mit "The Old Guard" ein überraschend guter Actionfilm, der mit einer originellen Idee, einem überzeugenden und sehr sympathischen Cast, perfekten Stunts und ununterbrochener Spannung aufwarten kann. Das Drehbuch kann sogar in den Dialogen überzeugen und abgesehen von ein paar wenigen Schwächen liefert der Streifen eine inhaltlich stimmige Handlung, wenn man den rechtsfreien Raum, in dem sich der Pharmakonzern bewegt als gegeben hinnimmt und man über die inhaltlich etwas wackelige Figur von Copley hinwegsieht. Daher empfehlenswert.

7,5/10

Quellen: 
Inhaltsangabe: Netflix
Poster/Artwork: Netflix