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Freitag, 17. Dezember 2021

Spider-Man: No Way Home (2021)

https://www.imdb.com/title/tt10872600/

Ein normales Leben ist für Peter Parker alias Spider-Man (Tom Holland) nicht mehr möglich. Nachdem seine Identität bekannt wurde, kann Peter kaum noch unerkannt durch die Straßen New Yorks gehen. Überall lauern, Fans, Gegner und die Presse, die es auf ihn abgesehen haben. Quentin Beck alias Mysterio (Jake Gyllenhaal), der Drahtzieher hinter den vergangenen Ereignissen, hat gemeinsam mit dem Reporter J. Jonah Jameson (J.K. Simmons) dafür gesorgt, dass jeder weiß, dass Peter Parker unter der Spider-Man-Maske steckt. Um wieder ein Stück Normalität in sein Leben zu holen, bittet Peter Doctor Strange (Benedict Cumberbatch) um einen großen Gefallen: Er soll die Vergangenheit ungeschehen machen.

Es steht außer Frage, dass das Eintauchen in die Psyche von Superhelden einige düstere Erkenntnisse hervorbringen kann, aber die Erkundung des Zustands der Seele des jungen Spider-Man (Tom Holland) im Marvel Cinematic Universe (MCU) hat dem sich ständig erweiternden Franchise immer wieder eine neue Dimension hinzugefügt. Spidey war schon immer ein emotionaler Kerl - biografische Anspielungen wie "er ist noch ein Teenager, als ihn die Spinne beißt" und "er ist Waise" helfen ihm dabei - aber Hollands sympathisches Superhelden-Alter-Ego mit den großen Augen hat eine Reihe von Filmen damit verbracht, wilde Action in einem menschlichen Rahmen zu erden. Spider-Man ist einer der wenigen Superhelden, der verstanden hat, dass ein Superheld zu sein nicht nur schwer ist, sondern auch jede Menge Spaß macht, und nur wenige MCU-Helden waren in der Lage, diese Balance inmitten von weltzerstörenden Actionsequenzen so gekonnt zu halten. Nicht so bei diesem Peter Parker. Holland mauserte sich zum glaubwürdigsten Spidey in den zahlreichen Verflmungen - was nicht heißen soll, dass Tobey Maguire und Andrew Garfield nicht auch ihre eigenen Markenzeichen in ihre jeweiligen "Spider-Man"-Franchises eingebracht haben - doch Hollands Darstellung des Wandkrabblers hat sich immer wie die menschlichste, die realste, die "Heiliger Strohsack, ich bin ein Superheld!"-Version dieser geliebten Figur angefühlt. Das bedeutet auch, dass man diesen Peter Parker schon in einigen ziemlich schwierigen Situationen gesehen hat - seine beinahe väterliche Bindung zu Tony Stark / Iron Man von Robert Downey Jr. gehört zu den schönsten Dingen, die im MCU auftauchen, und ihr Ende war natürlich tränenreich - was unweigerlich auch bedeutete, dass Spidey eine große emotionale Last tragen würde.

Doch das ist nicht der Punkt, an dem Jon Watts äuserst befriedigender, selbstverständlich emotionaler, witziger aber gelegentlich unsicherer "Spider-Man: No Way Home" beginnt. Der dritte Film der Franchise knüpft direkt an den 2019 erschienenen "Spider-Man: Far From Home" an und zeigt Holland als zufriedenen Peter Parker: verliebt in "seine" MJ (Zendaya). "Spider-Man: Far From Home" endete vielleicht mit dem Tod von Mysterio (Jake Gyllenhaal, der in einer Rückblende auftaucht) und zwang Peter dazu, sich wirklich mit seinem Platz in der Welt auseinanderzusetzen, aber er endete auch damit, dass Peter und MJ zusammen und vollkommen ehrlich zueinander waren. Was kann schon schiefgehen, wenn das Mädchen, das er liebt, weiß, wer er ist? Wie wäre es, wenn die ganze Welt wüsste, wer er ist? Wie in der Cliffhanger-/Mid-Credits-Sequenz von "Spider-Man: Far From Home" gezeigt, wird Peters Alter Ego der ganzen Welt enthüllt - und es war geradezu herrlich, den heimlichen Star des Tobey Maguire-Franchise J.K. Simmons wieder zu sehen, der hier erneut den großmäuligen Journalisten J. Jonah Jameson spielt, dessen Figur neues Leben einhaucht und dabei Spideys gesamte Existenz auf den Kopf stellt - und der (leider) viele Parallelen zur realen Welt aufweist, indem er wild entschlossen ist, die Welt glauben zu lassen, Spidey sei der Bösewicht. Und doch schaffts es Watts irgendwie, diese Enthüllung leicht wirken zu lassen, denn Peter, MJ, Ned (Jacob Batalon), Tante May (Marisa Tomei) und Happy Hogan (Jon Favreau) tun sich bald zusammen, damit sich Peters Leben, nun ja, einigermaßen normal anfühlt. Schon viel zu lange hängt das Schicksal des gesamten Universums in Marvels Filmen in der Schwebe, und obwohl "Spider-Man: No Way Home" so weit geht, dass er Multiversen und die Möglichkeit einbezieht, dass das die dem Zuschauer bekannte Realität für immer aufbrechen wird, hat dieser Film immer noch etwas charmant Kleines. Er ist persönlich, und das ist ein Thema und eine Idee, die nur noch mehr unterstrichen wird, wenn der Film durch den ersten Akt rast, im zweiten langsamer wird und in den atemberaubenden letzten vierzig Minuten die ganze Sache komplett auf den Punkt bringt.

Doch davon ab ist "Spider-Man: No Way Home" vor allem eine Hommage an die letzten 20 Jahre Spider-Man, was auch bedeutet, dass man jede Menge zu tun hat. Und allein die Tatsache, dass der Film es schafft, diesen Balanceakt, die Verbindung von drei Franchises mit drei untershciedlichen Spider-Man tatsächlich zu bringen - da geht einem das Herz auf. Es war lange ein Gerücht, doch, ja, es ist so: Tobey Maguire und Andrew Garfield sind in diesem vorerst finalen Spider-Man-Teil am Start und bringen "ihre" Spider-Man wieder. So, jetzt ist die große Bombe gefallen. Während also Parkers Identität ihn zum Feind derjenigen macht, die glauben, dass er Mysterio ermordete, ist Tante May (Marisa Tomei) gezwungen, umzuziehen, nachdem ihre Wohnung von Reportern und Demonstranten belagert wird. Sein bester Freund Ned (Jacob Batalon) und seine Freundin MJ (Zendaya) werden von jedem College, bei dem sie sich bewerben, abgelehnt, nur weil sie mit Peter in Verbindung gebracht werden. Um seine Liebsten zu schützen, wendet sich Peter an seinen Kollegen Doctor Strange (Benedict Cumberbatch) und bittet ihn, das Problem durch einen Zauber zu beheben. Und natürlich geht dieser komplizierte Zauber nicht zuletzt aufgrund von Peters plapperhafter Art gehörig schief. Der Zauber öffnet das Multiversum und lässt Bösewichte aus den bisherigen fünf Spider-Man-Filmen von Sony aus fast zwei Jahrzehnten auftauchen: Green Goblin (Willem Dafoe, der seine Rolle aus "Spider-Man" wieder aufnimmt), Doc Ock (Alfred Molina, "Spider-Man 2"), Sandman (Thomas Hayden Church, "Spider-Man 3"), Lizard (Rhys Ifan, "The Amazing Spider-Man") und Electro (Jamie Foxx, "The Amazing Spider-Man 2"). Jeder der Bösewichte wurde durch den Zauber kurz vor seinem Höhepunkt entführt und erhält eine neue Chance, sich an (einem anderen) Spider-Man zu rächen, der ihn finden und wieder zurückschicken muss, woher er gekommen ist. "Spider-Man: No Way Home" schwelgt darin, diese Charaktere zurückzubringen. Jeder Bösewicht bekommt seinen eigenen Moment (manche kürzer als andere), und langjährige "Spider-Man"-Fans werden sicher begeistert sein, wenn sie sehen, wie Doc Ock sich seinen Weg durch einen Highway voller Autos bahnt, wie sich ein teuflisch grinsender Grüner Kobold von Szene zu Szene gackert oder wie Jamie Foxx' Electro Blitze verschießt. Dafoe ist eindeutig der Scene-Stealer, der zwischen seiner wilden und seiner freundlichen Persönlichkeit hin- und herspringt, ohne dass es den Anschein hat, dass er in 20 Jahren etwas von seiner Rolle vergessen hätte, während Molinas gequälter Wissenschaftler darum kämpft, seine außer Kontrolle geratene Schöpfung zu kontrollieren. Die Kernbesetzung der Watts-Trilogie ist ebenfalls wieder dabei. Hollands Darstellung von Peter Parker ist seine bisher beste: Er ist immer noch frisch und schlägt sich durch die Kämpfe, während er mit der zunehmenden Last zu kämpfen hat, Spider-Man sein zu müssen. MJ und Ned sind mehr von der Action abgekoppelt, obwohl Tante May in einigen der ruhigeren Momente des Films das Rampenlicht bekommt, und das mit großer Wirkung. Es ist eine Menge los. Und das ist alles sehr unterhaltsam, aber es erinnert an das gleiche Problem, das alle Filme von Holland hatten: Das Sammelsurium an Bösewichten sind wieder einmal die Feinde anderer Charaktere, mit denen Peter nur zufällig zu tun hat, so wie er in "Spider-Man: Homecoming" und "Spider-Man: Far From Home" den Schlamassel von Tony Stark aufräumen musste.

Peters Spiegeldimensionsduell mit Doctor Strange, das wie in "Doctor Strange" in weiten Teilen an "Inception" erinnert, hat fast mehr Gewicht als einige der Bösewichtkämpfe - zumindest kennt dieser Peter dort den Namen seines Gegners. Tatsächlich beruhen fast alle großen emotionalen Ereignisse des Films auf dem Wissen des Zuschauers über die vorangegangenen fünf "Spider-Man"-Filme. Sie versuchen, die Geschichte der einzelnen Bösewichte abzuschließen und gleichzeitig einen Schlussstrich unter die Tom-Holland-Trilogie zu ziehen, die mit diesem Teil zwar in sich abgeschlossen sein soll, doch auch das Tor für eine Fortsetzung öffnet. Doch wenn "Spider-Man: No Way Home" erst einmal in Fahrt gekommen ist, fällt es schwer, sich für all das zu interessieren. Charaktere und Cameos tauchen in Szenen auf, die als Crowd-Pleaser so einnehmend konzipiert sind, dass die Fans jubeln werden. Es gibt große Enthüllungen, Sprüche werden pflichtbewusst rezitiert, und die letzte Stunde ist im Grunde die reine Abrechnung für zwei Jahrzehnte "Spider-Man"-Filme, die trotz einiger düsterer Ausschläge auf halbem Weg mit überraschend viel Humor und Herz gehandhabt wird. 

Egal, ob man ein Fan der Sam-Raimi-Filme, der Marc-Webb-Filme oder der Jon-Watts-Filme ist, "Spider-Man: No Way Home" tut sein Bestes, um zu gefallen. (Obwohl man natürlich am meisten davon hat, wenn man alle sieben vorangegangenen Spider-Man-Filme gesehen hat). Für Fans ist das alles sehr befriedigend, auch wenn es sich manchmal so anfühlt, als ginge es in dem Film ebenso sehr um die konkurrierenden Studiointeressen von Sony und Disney wie um Spidey selbst. Und wie es bei MARVEL fast schon Tradition ist, lässt auch "Spider-Man: No Way Home" seine Figuren nicht ruhen, sondern drückt den Reset-Knopf und sät die Saat für künftige Fortsetzungen, wobei die mittlerweile traditionellen Szenen nach dem Abspann weitere Abenteuer für Spider-Man und Doctor Strange vorbereiten. Dennoch soll Hollands Verkörperung des Charakters noch ein paar weitere Filme erleben, und das Ende von "Spider-Man: No Way Home" deutet darauf hin, dass Peter einige der im MCU angehäuften Altlasten zugunsten eines freundlicheren, nachbarschaftlicheren Spider-Man ablegen wird.

Doch dieser Film hier tut erst einmal das, was die besten Filme immer tun: Sie fesseln und bewegen den Zuschauer und bringen einen dazu, in einem (und das ist angesichts der aktuellen Situation kaum denkbar) überfüllten Kino zu jubeln. Angesichts der Pandemie ist dieser Film nicht nur ein Weihnachtsgeschenk für die Kinobesucher, sondern auch für die Kinobetreiber, denn wenn es jemals einen Film gegeben hat, der das Kinogeschäft retten kann - so wie Spidey immer den Tag rettet - dann ist es dieses großartig gestaltete Endspiel. Jon Watts, das Wunderkind unter den Regisseuren hat wieder einmal seine eigene Magie in die Reihe eingebracht und mit Hilfe der Drehbuchautoren Chris McKenna und Erik Summers nicht nur den bisher besten Film der "Spider-Man"-Reihe, sondern auch einen der besten Filme des Jahres geschaffen. Holland, Zendaya und Batalon sind ein unbezahlbares Trio, und die verschiedenen Figuren aus 20 jahren Spider-Man machen diesen Film zu einem reinen Vergnügen der Extraklasse. Und Spider-Man-Fans werden so oder so glauben, im Himmel sein.

9,5/10

Von SONY gab es den Film in 4K in einer limitierten Steelbook Edition.

Quellen
Inhaltsangabe: Sony Pictures
Poster/Artwork:
Sony Pictures

Mittwoch, 29. Juli 2026

Spider-Man: Brand New Day (2026)

https://www.imdb.com/title/tt22084616/
https://letterboxd.com/leschroeck/film/spider-man-brand-new-day/

Nachdem Peter Parker (Tom Holland) seine große Liebe aufgab und einen Deal einging, der alle Welt vergessen ließ, dass er Spider-Man ist, ist er wieder auf sich allein gestellt. Seine Identität ist geheim, viele Entwicklungen sind rückgängig gemacht. Peter ist wieder der junge, sympathische Loser, der ständig Geldprobleme, keine Freunde und schon gar keine Freundin hat. Vor allem hat er auch nicht mehr den Support der Avengers, kann keine High-Tech-Verbesserungen an seinem Anzug erhalten. Er wird wieder mehr zu einem klassischen, straßennahen Superhelden, der mit kleinen wie großen Problemen kämpft. Doch dann tritt eine Bedrohung auf den Plan, die viel zu groß für eine freundliche Spinne aus der Nachbarschaft ist...

Nach dem emotionalen Ausnahmezustand von "Spider-Man: No Way Home" stand das Marvel Cinematic Universe vor einer schwierigen Aufgabe. Wie erzählt man Peter Parkers Geschichte weiter, nachdem die Welt ihn vergessen hat? "Spider-Man: Brand New Day" findet darauf eine überraschend bodenständige Antwort. Regisseur Destin Daniel Cretton verabschiedet sich weitgehend vom Multiversums-Spektakel und rückt wieder den Menschen hinter der Maske in den Mittelpunkt. Das Ergebnis ist ein Superheldenfilm, der zwar nicht die emotionale Wucht seines direkten Vorgängers erreicht, dafür aber frischen Wind in Tom Hollands "Spider-Man"-Reihe bringt. 

Im Zentrum steht hier ein Peter Parker, der vollkommen auf sich allein gestellt ist. Ohne die Unterstützung seiner engsten Vertrauten versucht er, als Spider-Man seinen Platz in einer Welt zu finden, die sich nicht mehr an ihn erinnert. Diese Ausgangslage verleiht dem Film eine ungewohnt melancholische Grundstimmung und erinnert stärker an die klassischen Comics, in denen Peter ständig zwischen persönlichem Glück und seiner Verantwortung als Held zerrieben wird. Und genau dieser Fokus auf Isolation, Identität und Selbstfindung ist, nach einer ähnlich, aber längst nicht so starken Geschichte in "Spider-Man 2", etwas Neues und die vermutlich größte Stärke des Films. Tom Holland liefert dabei seine bislang überzeugendste Vorstellung als Peter Parker ab. Sein Spider-Man wirkt reifer, verletzlicher und gleichzeitig entschlossener als in den vorherigen Filmen. Der Humor ist weiterhin präsent, entsteht aber organischer aus den Figuren und lockert die ernstere Atmosphäre auf, ohne sie zu untergraben. Zudem ist der Humor so sehr zurückgenommen, dass der Film zum Glück nie zu einer reinen aberwitzigen Angelegenheit wird.

Auch inszenatorisch setzt "Spider-Man: Brand New Day" neue Akzente. Regisseur Destin Daniel Cretton verbindet dynamische Action mit einer überraschend intimen Erzählweise. Die Schwingsequenzen durch New York besitzen wieder das comicartige Gefühl der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft, während die Kämpfe deutlich direkter und körperlicher wirken als zuletzt. Gleichzeitig verzichtet der Film erfreulicherweise auf übermäßigen Fanservice und konzentriert sich stattdessen auf seine eigene Geschichte. Aber apropos Fanservice: "Spider-Man: Brand New Day" lässt es sich nicht nehmen und rekreiert gleich mehrere berühmte Comicbuch-Cover im realen Film, unter anderem das Cover des ersten jemals erschienen Spider-Man Comics "Amazing Fanatasy". Doch davon ab trägt auch die Nebenbesetzung ihren Teil zum Gelingen bei. Zendaya und Jacob Batalon erhalten trotz der veränderten Ausgangslage wichtige emotionale Momente, während die neuen Figuren das Universum sinnvoll erweitern. Besonders die überraschende Konfrontation mit einem neuen, psychologisch geprägten Gegenspieler verleiht der Handlung zusätzliche Spannung und zwingt Peter, sich seinen eigenen Ängsten und Zweifeln zu stellen. Statt auf reine Zerstörungsspektakel setzt der Film stärker auf persönliche Konflikte - was ausdrücklich begrüßenswert ist. 

Dennoch bleibt "Spider-Man: Brand New Day" nicht frei von Schwächen. Im Vergleich zu "Spider-Man: No Way Home" fehlt der ganz große emotionale Ausnahmezustand, und einige Nebenfiguren bleiben hinter ihren Möglichkeiten zurück. Zudem merkt man dem Film an, dass er zugleich ein eigenständiges Abenteuer erzählen und die Weichen für kommende MCU-Ereignisse stellen möchte. Dadurch wirkt das letzte Drittel etwas überfrachtet und verliert einen Teil der erzählerischen Klarheit, die den Mittelteil so stark macht. Aber das ist, wie so oft, Meckern auf hohem Niveau und auch der vermutlich größte Kritikpunkt des ansonsten rundherum gelungenen Neustarts. Im Vergleich zu den drei vorherigen MCU-Soloabenteuern nimmt "Spider-Man: Brand New Day" eine interessante Stellung ein. "Spider-Man: Homecoming" lebte von seiner jugendlichen Leichtigkeit, "Spider-Man: Far From Home" vom europäischen Abenteuerflair und "Spider-Man: No Way Home" vom nostalgischen Multiversums-Ereignis. "Spider-Man: Brand New Day" schlägt bewusst leisere Töne an und erzählt die persönlichste Geschichte der Reihe. Dadurch fehlt zwar gelegentlich das große Staunen, gleichzeitig gewinnt die Figur Peter Parker aber wieder an Profil.

Unterm Strich ist "Spider-Man: Brand New Day" ein gelungener Neustart für Tom Hollands Spider-Man. Der Film überzeugt mit einer reiferen Geschichte, einer starken Hauptfigur und einer gelungenen Balance aus Action, Humor und emotionalen Momenten. Nicht jede Idee entfaltet ihr volles Potenzial, und das Finale wirkt etwas überladen, doch insgesamt gelingt Marvel eine überzeugende Rückbesinnung auf das, was Spider-Man seit jeher ausmacht: einen jungen Helden, dessen größte Kämpfe oft nicht gegen Superschurken, sondern gegen sich selbst stattfinden.

8,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork:  Marvel/Sony

Sonntag, 18. Juni 2023

Spider-Man: Across The Spider-Verse (2023)

https://www.imdb.com/title/tt9362722/

Einige Zeit ist seit dem Aufeinandertreffen zwischen Miles Morales (Stimme im Original: Shameik Moore) und Gwen Stacy (Hailee Steinfeld) ins Land gezogen. Zwar befinden sich die beiden wieder in fernen Multiversen, doch in Gedanken bleiben sie verbunden. Doch Gwen hat inzwischen ganz eigene Sorgen. In ihrer eigenen Heimat bleibt sie weiter eine Einzelgängerin, die als Spider-Girl zwar immer wieder die Welt rettet und es mit fiesen Schurken aufnimmt, aber trotzdem steht sie im Verdacht, am Tod von Peter Parker beteiligt gewesen zu sein. Insbesondere ihr Vater (Shea Whigham) setzt alles daran, die mutmaßliche Verbrecherin endlich dingfest zu machen – daran ändert auch Gwens Demaskierung nichts. Als Gwen es während einer Routine-Mission plötzlich mit einer seltsam altertümlich anmutenden Version des Bösewichts Vulture (Jorma Taccone) zu tun bekommt, muss sie feststellen, dass sich scheinbar weitere Lücken im Multiversum aufgetan haben – und das es Spider-Menschen gibt, die sich zwischen den einzelnen Universen frei bewegen können. Angeführt von Miguel O'Hara alias Spider-Man 2099 (Oscar Isaac) sorgt eine Vereinigung für Ordnung im Spider-Multiversum. Gwen Stacy wittert eine Chance: Gibt es eine Möglichkeit, noch einmal Kontakt mit Miles Morales aufzunehmen? Währenddessen hat Miles in seinem Universum auch einiges um die Ohren: Ein neuer Schurke namens The Spot (Jason Schwartzman) sorgt in der Stadt für Chaos und setzt dabei eine Kette von Ereignissen in Bewegung, die die Zukunft des Multiversums beeinflussen wird... 

Ohne zu spoilern sollte man Eingangs nicht unerwähnt lassen, dass der zweite Teil der von Sony Animation Studios in Kooperation mit Marvel animierten Spider-Man-Kinoreihe "Spider-Man: Across The Spider-Verse" mit einem Schlagzeugsolo beginnt. Oder besser gesagt, es ist kein Spoiler, wenn die Details darüber, wer dieses Solo spielt und warum, geheim gehalten werden. Für die Zwecke des Arguments sind diese Details jedoch nicht relevant. Relevant ist, dass Gwen Stacy während des Solos eine so prägnante Erklärung abgibt, dass man gar nicht merkt, dass es sich um eine Erklärung handelt. Jede Einstellung ist so wunderschön illustriert, so gekonnt vertont, dass sie sich direkt im Hirn des Zuschauers festsetzt - wo sie auch hingehört. Das ist der Zeitpunkt, in der es sich Fans im Kinosessel bequem machen und die kommenden zwei Stunden genießen dürfen. 

Ohne Umschweife: Man kann "Spider-Man: Into The Spider-verse" nur lieben. Mit zwei Stunden und 20 Minuten ist "Spider-Man: Across The Spider-Verse" etwas länger als sein Vorgänger "Spider-Man: Into the Spider-Verse", aber die Zeit geht genauso schnell vorbei. Befreit von der Verantwortung der Kontinuität mit dem Rest des Marvel Cinematic Universe, springt der Film mit charmanter Leichtigkeit von einem Gag zum nächsten. Es ist nicht so, dass der Film nichts mit dem MCU zu tun hätte - Charaktere aus diesen Filmen werden erwähnt (und das ist alles, was dazu gesagt werden sollte) -, sondern vielmehr, dass er nicht die erzählerische Last trägt, die die Live-Action-Filme mit sich bringen. Niemand erwartet von diesem Film, dass er auf  einen weiteren Film vorbereitet, und weil er im Spider-Verse existiert, kann er tun und lassen, was er will. Andere Marvel-Filme sollten mal so viel Glück haben. Aber wer weiß, vielleicht in naher Zukunft...

Als Tom Holland 2015 als Spider-Man gecastet wurde, gab es im Internet Gerüchte, dass die nächste Spidey-Serie vielleicht von Miles Morales angeführt werden könnte, dem halb lateinamerikanischen, halb schwarzen Teenager, der den Spidey-Anzug in der Ultimate-Reihe der Marvel-Comics getragen hatte. Dazu kam es zwar nicht, und Holland ist und war ein hervorragender Peter Parker, aber als die Lego Movie-Regisseure Chris Miller und Phil Lord mit der Produktion eines animierten Spidey-Films beauftragt wurden, wussten sie, was zu tun war. Ihr Spider-Man war Miles, ein Teenager aus Brooklyn, dessen Welt vom pulsierenden Stil des Stadtteils durchdrungen ist. Visuell fühlte sich "Spider-Man: Into the Spider-Verse" wie ein Liebesbrief an New York City, Wild Style und die Comics selbst an. Emotional war der Film ein Loblied auf Kinder, die sich in der ausgrenzungsfreundlichen Welt der Superhelden nicht immer willkommen fühlen. Er wurde 2019 mit dem Oscar für den besten animierten Spielfilm ausgezeichnet.


"Spider-Man: Across The Spider-Verse" versucht, diesen Erfolg noch weiter auszubauen. Der Film hat vielleicht nicht die Franchise-Power, um die 100-Millionen-Dollar-Eröffnungszahlen anderer MCU-Filme zu erreichen - aber niemand, der ihn sieht, wird das Kino mit den Worten verlassen: "Ach, nur ein weiterer Marvel-Film." Kevin Feige und das Team von MARVEL Studios haben fast ein ganzes Jahrzehnt damit verbracht, ein perfektes, zusammenhängendes Franchise zu entwickeln. Es war äußerst erfolgreich; die Entwicklung der MCU-Formel hat die Filme zu einer Formel gemacht. Jeder erwartet Cameos und Post-Credits-Szenen. Bösewichte aus einem Film tauchen in einem anderen auf. Einige bekommen ihre eigenen Shows auf Disney+. "Spider-Man: Across The Spider-Verse" hingegen sieht aus wie kein MCU-Film - oder wirklich wie kein Comic-Film, den man je gesehen hast.

Das ist wörtlich zu nehmen. Da "Spider-Man: Across The Spider-Verse" in einem animierten Multiversum spielt, das mit unzähligen Spider-People in zahllosen Zeitlinien übersät ist, hat jeder Spidey und die Welt, aus der er kommt, seinen eigenen visuellen Stil. Der als Miguel O'Hara bekannte Spider-Man lebt in einem Nueva York, das vage an Cyberpunk erinnert. Die Welt von Spider-Gwen hat ein paar sanftere Pastelltöne und sichtbare Pinselstriche. Spider-Punk sieht aus, als sei er aus Underground-Zines gemacht. Die Beispiele sind endlos. Wo alles in einem traditionellen MCU-Film einen "coolen, aber durch Greenscreen angetriebenen" Geschmack hat, sieht "Spider-Man: Across The Spider-Verse" aus, als wären die Skizzenbuch-Collagen eines Comic-Liebhabers zum Leben erwacht. Das ist kitschig, aber anders kann man nicht ausdrücken, wie verdammt schön dieser Film ist. 

An einer Schlüsselstelle in "Spider-Man: Across The Spider-Verse" sagt einer dieser vielen anderen Spider-People zu Miles Morales, dass er nicht zu ihnen gehört. Die Spinne, die ihn gebissen hat und damit die altbekannte Reihe von Ereignissen auslöste, die die Spider-Folks hervorgebracht hat, war für den Peter Parker aus seiner Zeitlinie bestimmt. Das ist natürlich auch die Moral des Films: Nur weil jemand sagt, man gehöre nicht dazu, heißt das nicht, dass es stimmt. In einem Filmuniversum, das mit einer Menge gleichartiger Superheldenfilme überfüllt ist, beweist "Spider-Man: Across The Spider-Verse", dass die Zukunft des Genres in Filmen liegt, die aus der Reihe tanzen. Willkommen im neuen weltweiten Netz.   

9/10

Quellen
Inhaltsangabe: Sony Pictures/Marvel
Poster/Artwork
Sony Pictures/Marvel

Montag, 22. Januar 2018

Spider-Man 2 (2004)

http://www.imdb.com/title/tt0316654/

Die freundliche Spinne von nebenan zu sein ist nicht mehr leicht für Peter Parker (Tobey Maguire), der versucht sein Privatleben und seine Heldentaten als Spider-Man unter einen Hut zu bekommen. Er hat einen Nebenjob als Pizzabote, muss an der Universität glänzen und über die Trennung von Mary Jane (Kirsten Dunst) hinwegkommen. Zudem geht seiner Tante May (Rosemary Harris) das Geld aus, und sein bester Freund Harry (James Franco) hat den Tod seines Vaters noch nicht verkraftet und gibt Spider-Man die Schuld. Er ahnt nicht, wer hinter der Maske steckt und hilft Peter bei seinem Uniprojekt, indem er ihm zu einem Experiment von Doktor Octavius (Alfred Molina) Zutritt verschafft. Der Wissenschaftler versucht eine Energiequelle zu entdecken, die an einen Menschen angeschlossen werden kann. Das Experiment gerät jedoch außer Kontrolle und vier mechanische Greifarme verbinden sich mit seinem Körper. Mit Doc Ock ist in neuer Rivale für Spider-Man ist geschaffen. Peter würde jedoch nichts lieber tun, als sein Kostüm in den Müll zu werfen und seiner großen Liebe endlich seine Gefühle zu gestehen.

Was Sam Raimi mit seinem Vorgänger schon etablierte, führt er in der fulminanten Fortsetzung "Spider-Man 2" weiter: sein Spinnenmann, inzwischen von der Stadt New York akzeptiert, ist ein mittelloser Held. Peter Parker hat Ärger mit seinen Jobs, kann Verpflichtungen gegenüber seinen Freunden nicht einhalten, verschläft die Uni und hat Ärger mit seinem Vermieter. Während die Superhelden im aktuellen Blockbuster-Kino meist auf ihre Überlegenheit reduziert werden, hat Spider-Man Schwierigkeiten, sein Dasein als Kämpfer für Recht und den Mensch Peter Parker (ergo, seine persönlichen Wünsche) unter einen Hut zu bekommen. Darüberhinaus klassifiziert ihn Raimi als Kind der Arbeiterklasse, von der finanziellen Absicherung eines Iron Man oder Batman ist er weit entfernt. Jenes Dilemma stellt den Kern von "Spider-Man 2" dar. Raimi fokussiert sich auf den Werdegang seines Protagonisten, der sein Kostüm erst in den Müll werfen muss um zu erkennen, wie sehr er es braucht und wieder für das Gute kämpfen kann. Für diese Entwicklung tritt das Spektakel auch gerne mal in den Hintergrund, wobei es gerade die Actionszenen sind, in denen der Film zu absoluten Höchstleistung aufläuft. In den Kämpfen zwischen Spider-Man und Dr Octavius wird New York als Schauplatz umfangreich genutzt, angereichert mit scheinbar zeitlosen Effekte, die, im Gegensatz zum Vorgänger, kein bisschen an ihrer Wirkung verloren haben.

Was "Spider-Man 2" ebenfalls auszeichnet ist sein Schurke. Mit Dr Otto Octavius hat Spider-Man nicht nur einen, ihm ebenbürtigen Widersacher gefunden, sondern auch eine andere Form von Antagonist. Anders als der Grüne Kobold ist Octavius nicht an persönlicher Bereicherung interessiert, sondern will nur sein Lebensprojekt, die Erschaffung einer künstlichen Sonne, verwirklichen. Als sein Experiment misslingt verliert er seine Frau und eine künstliche Intelligenz nimmt seinen Verstand ein. Octavius ist unfähig, die Kraft die in seinem erweiterten Körper innewohnt, von seiner Wut zu trennen. Seine Entwicklung ist der von Peter Parker erschrecken ähnlich, nur Octavius hat im Gegensatz zu Peter keinen Halt mehr, der ihn Verantwortung übernehmen lassen könne, jener der sich Peter so sehr verschrieben hat. Die Tragik seines Charakters erzählt Raimi nachvollziehbar, ohne aber ihm seine Bedrohlichkeit zu nehmen.

Seine größte Szene findet "Spider-Man 2" in einem Moment, der fast beiläufig wirkt: nachdem Peter einen vollbesetzten Zug zum stehen gebracht hat, bricht er zusammen, doch er wird von den dankbaren Passanten aufgefangen. Plötzlich liegt er ohne Maske vor ihnen. Einer der Passanten bemerkt "Er ist nur ein Kind. Nicht älter als mein Sohn". In diesen Worten formt sich Raimis gesamter Ansatz an diese Figur. Spider-Man ist kein Übergott, er ist ein Mensch, der nur für das Gute kämpfen will, etwas das jeder tun könnte. Jeder könnte Spider-Man sein. Somit ist "Spider-Man 2" ein anrührender Appell daran, das Richtige zu tun, egal wie schwer es manchmal ist und das, wer daran festhält, auch selbst gerettet werden kann. Raimi verbindet diesen, zutiefst menschlichen Ansatz mit fulminanter Action und erschafft nicht mehr und nicht weniger als ein Beinahe-Meisterwerk.

8/10

In Großbritannien erschien dieser Film zusammen mit "Spider-Man" und "Spider-Man 3" als Teil der "Spider-Man Legacy Collection" in einem schicken, limitierten und nummeriertem Box-Set, welches den Film als 4K Ultra-HD Blu-ray enthält. Diese Box enthält zusätzlich die "Extended Version" des Films auf Blu-ray.


Quellen
Inhaltsangabe: Sony Pictures / Marvel

Freitag, 19. April 2019

Spider-Man: Into The Spider-Verse - Spider-Man: A New Universe (2018)

https://www.imdb.com/title/tt4633694/

Miles Morales (Stimme im Original: Shameik Moore) ist kein Teenager wie jeder andere: Seit er von einer mysteriösen Spinne gebissen wurde, verfügt er über übermenschliche Kräfte, einen Spinnensinn, der ihn vor Gefahren warnt, und kann an Wänden hochkrabbeln. Seine Fähigkeiten ähneln also denen von Peter Parker alias Spider-Man (Chris Pine), auf den Miles kurz nach dem Spinnenbiss zufällig trifft. Doch Spider-Man stirbt beim Kampf gegen den Green Goblin (Jorma Taccone) und den Kingpin (Liev Schreiber) und dem mächtigen Gangsterboss gelingt es, ein Portal in verschiedene Paralleldimensionen zu öffnen. Als Miles einige Zeit später auf einen anderen Spider-Man (Jake Johnson) trifft, ist er verständlicherweise hochgradig verwirrt. Doch Peter B. Parker stammt aus einer Parallelwelt, von einer anderen Erde, und muss schnellstens dorthin zurückkehren. Er nimmt Miles unter seine Fittiche und hilft ihm dabei, seine Fähigkeiten zu verbessern. Und wie sich herausstellt, gibt es noch andere in Miles' Dimension gestrandete Spinnenmenschen, darunter Gwen Stacy alias Spider-Gwen (Hailee Steinfeld), Spider-Man Noir (Nicolas Cage) und Spider-Ham (John Mulaney)...

"Die Spinne" - So hießen die "Spider-Man"-Comics zu Condor-Zeiten. Damals kämpfte die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft gegen einen Banken ausraubenden Doc Ock und hielt die Stadt New York vor sonstigem Superschurken sauber. Diesen geerdeten Pfad haben die Marvel-Comics aber schon seit Jahren verlassen - kosmische Schlachten, Mikroversen oder Multiversen - die Geschichten werden größer und abgedrehter. So auch im ersten Spider-Man-Animationsfilm aus dem Hause Sony, bei dem man sich mit dem Spider-Verse einem Multiversum-Thema widmet. Dabei orientiert man sich aber nicht an der Comic-Vorlage und dem gleichnamigen Event, sondern spinnt eine Story rund um den King Pin und seinen Forschungen und Machenschaften am Multiversum. Diese laufen natürlich nicht glatt und gleich mehrere Spider-Man-Inkarnationen aus unterschiedlichen Universen landen im Universum von Miles Morales. Dieser wurde frisch von einer radioaktiven Spinne aus einem anderen Universum gebissen und erforscht noch seine Kräfte. Zusammen mit den anderen Spider-Men und -Women versucht er den Multiversum-Supergau zu vermeiden.


Style und Substanz - "Spider-Man: Into The Spider-Verse" ist stylisch ohne Ende und trieft nur so vor audiovisueller Kreativität, dennoch folgt man dabei nicht dem Kredo "Style over Substance". Unter der bunten Comic-Haube schlummert ein, wie am Schnürchen laufender, Charakter- und Story-Motor. Den Kern bildet dabei Miles Morales, dessen Origin kreativ mit der Multiversums-Geschichte verwoben wird. Gerade die bunte Mischung an Spider-Man-Inkarnationen aus den unterschiedlichen Universen sorgt für viel Abwechslung und verhindert jeglichen Leerlauf. Überzeugen kann auch der Humor, der nie drüber ist und mit Selbstironie, Referenzen und einfach sympathischen Gags aufwartet. Zwischen all den Gags, der Action und dem Style sind aber auch immer wieder ruhige Momente versteckt, die den Charakteren Tiefe und Beweggründe liefern.


"Spider-Man: Into The Spider-Verse" ist tatsächlich der Superhelden-Film der letzten Jahre, der am meisten Spass macht. Die Geschichte ist deutlich frischer als die letzten beiden filmischen Neuaufgüsse und bietet mit Miles einen Charakter, der sich im Gegensatz zu einem x-ten neuen Peter Parker entwickeln kann. Die Geschichte, die "Spider-People" aus verschiedenen Universen aufeinander treffen lässt, ist zwar abseits der Grundprämisse nichts besonderes, aber trotzdem voller liebenswerter Charaktere und Detailverliebtheit. Und das Ende ist eines der ersten Superhelden-Enden seit längerem, das nicht auf irgend eine Art und Weise nervt.


Die Animationen bzw. die Effekte sind grossartig und lassen auf viele weitere Filme in dieser Form hoffen. Stilistisch ist "Spider-Man: A New Universe" einer der besten Animationsfilme überhaupt. Eine super Verschmelzung verschiedener Stile, die perfekt zu den Wurzeln (den Comics) passt.

Mit viel Liebe zum Detail und gehörig Selbstironie haben Marvel und Sony einen Weg eingeschlagen, den es weiter zu verfolgen gilt. Bunt, schrill und hip - Der Animations-Stil in Spider-Verse bietet ein einzigartiges und frisches Erlebnis. Noch nie wurden Comic-Bilder und -Elemente so kreativ und passend auf die große Leinwand gebannt. Es wurden Sprech- und Gedankenblasen, das blättern von Seiten und sonstige Comic-Elemente eingebaut und passen wunderbar zu dem kunterbunten Treiben. Der Animations-Stil ist nicht ganz flüssig und macht einen abgehakten Eindruck, passt so aber wunderbar zum einzigarten Look. Optisch geht man so einen komplett eigenen Weg und verbindet die Bilder mit einem passenden Soundtrack. Moderne Songs, Oldschool-Hip-Hop, oder Rock-Musik, jede Spider-Man-Inkarnation hat ihre eigene Begleitmusik und runden das audiovisuelle Erlebnis ab. Der Oscar dafür ist natürlich hoch verdient. Und auch der Soundtrack am Puls der Zeit und untermalt so manche Szene mit grossartigen Songs.

9/10

Exklusiv bei MediaMarkt / Saturn gibt es den Film in der 4K Ultra-HD Blu-ray-Fassung im limitierten Steelbook mit Spideykopf-Magnet.


Quellen
Inhaltsangabe: Sony Pictures / Marvel