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Sonntag, 15. März 2026

Good Luck, Have Fun, Don’t Die (2026)

https://www.imdb.com/title/tt1341338/

Ein seltsam gekleideter Mann betritt ein Diner in Los Angeles und behauptet, aus einer dystopischen Zukunft zu stammen, in der eine Künstliche Intelligenz die Menschheit versklavt hat. Er erklärt den irritierten Gästen, er müsse genau die "richtige Kombination" von Personen rekrutieren, um in dieser Nacht die Entstehung jener KI zu beeinflussen und damit die Apokalypse zu verhindern - es sei bereits sein 117. Versuch, weil alle vorherigen Zeitreisen gescheitert sind. Nach anfänglichem Spott und Unglauben zwingt er einige der Anwesenden - darunter Mark und Janet, ein Lehrer-Ehepaar, sowie Susan und Ingrid - mit der Drohung, das Diner in die Luft zu sprengen, sich ihm anzuschließen, während andere freiwillig mitkommen. Als die Polizei das Lokal umstellt und ein Gast getötet wird, gelingt der Gruppe zusammen mit dem Mann aus der Zukunft die Flucht durch einen Service-Tunnel. Die Mission der Gruppe besteht darin, einen neunjährigen Jungen zu finden, der kurz davorsteht, jene übermächtige KI zu erschaffen; und der Mann will ihm lediglich ein Sicherheitsprotokoll unterschieben, das die schlimmste Entwicklung verhindern soll...

Es gibt Science-Fiction-Filme, die dem Zuschauer erklären, warum die Welt untergehen wird. Dieser hier erklärt, warum man sie trotzdem noch retten wollen würde. Gore Verbinskis "Good Luck, Have Fun, Don’t Die" ist eine Mischung aus Endzeit-Vorhersage, Zeitreise-Farce und Gamer-Meta-Witz - und funktioniert, weil er mitten in seinem Chaos noch an so etwas Altmodisches glaubt wie den menschlichen Funken. Um 22:10 Uhr betritt ein Mann in transparentem Regenmantel, seltsamen Schuhwerk und etwas, das wie eine computerisierte Sprengstoffweste aussieht, ein Diner in Los Angeles. Er behauptet, aus der Zukunft zu kommen, um eine bevorstehende KI-Apokalypse zu verhindern - und genau die richtige Kombination aus Gästen rekrutieren zu müssen, um zu gewinnen. Dies sei Versuch Nummer 117; alle anderen seien gescheitert. Sam Rockwell spielt diesen "Mann aus der Zukunft" als Mischung aus Prophet, Obdachlosem und Verschwörungstheoretiker, der seine Rekruten halb mit Charisma, halb mit der sanften Drohung überzeugt, das Diner in die Luft zu jagen.  Am Ende folgen ihm widerwillig Mark (Michael Peña), Janet (Zazie Beetz), Scott (Asim Chaudhry), Susan (Juno Temple), Ingrid (Haley Lu Richardson) und andere, und der Film kippt aus der Kammerspiel-Situation in ein treibendes Actionmovie - mit Reset-Knopf am Sprenggürtel, der die Handlung in echter "Und täglich grüßt das Murmeltier"-Manier immer wieder zurückspulen kann.

Der Titel ist Programm: Der Film baut sich wie ein Koop-Videospiel auf - mit Leben, Läufen und Insider-Jokes in richtiger Party-Konstellation, die von "The Cake Is A Lie" bis zu Anspielungen auf "Mass Effect 2" reichen. Verbinski erdet zudem Genrekonzepte an einzelnen Figuren. Der Plot ist wild und oftmals schräg, aber die emotionalen Fäden sind klar: Susan, eine alleinerziehende Mutter, deren Sohn bei einem Schulmassaker starb, sucht verzweifelt nach einem Weg, ihn zurückzubekommen - erst durch einen Klon, dann durch eine virtuelle Wiederbelebungs-KI. Ingrid, die in einem zerschlissenen Prinzessinnenkleid herumläuft, hat eine physische Allergie gegen Elektronik und verlor ihren Partner Tim an eine VR-Welt, die "besser als die Realität" sein sollte. Mark und Janet, ausgerüstet mit einer Art selbstgebauten EMP-Waffen, die Handys lahmlegen, opfern sich, um eine Horde Smartphone-besessener Teenager aufzuhalten, die wie eine ferngesteuerte Masse über das Nachbarhaus herfallen, das die Quelle der KI beherbergt. Und dann ist da Sam Rockwell. Er spielt den Mann aus der Zukunft als pure Energie, ständig zwischen Euphorie, Zynismus und Zusammenbruch, halb Visionär, halb Hochstapler, und der Film lebt davon, dass man nie ganz sicher sein kann, wie sehr man ihm trauen darf. Haley Lu Richardson bringt als Ingrid eine verletzliche Erdung hinein, während Juno Temple als Susan ein absolute Fragment ist - eine fiebrige, getriebene Energie, die den Film immer wieder aus der bloßen Komik in Schmerz kippen lässt. Der Zynismus ist so grandios überbordernd, dass einem an mancher Stelle sogar das Lachen im Hals steckenbleibt, etwa, wenn Susan auf einer Selbsthilfe-Party für Hinterbliebene von Schulmassakern erfährt, dass manche schon zum vierten Mal hier sind - selbstverständlich nicht immer mit demselben Kind - , und sich langsam einen Spaß daraus machen.

"Good Luck, Have Fun, Don’t Die" könnte man als Mischung aus "Terminator 2" und "Und täglich grüßt das Murmeltier" beschreiben. Verbinski kehrt nach fast einem Jahrzehnt Pause mit einer inszenatorischen Wucht zurück, die man aus "Fluch der Karibik" kennt: rasende Kamerafahrten, visuelle Gags im Hintergrund, eine Welt, die sich für den Mann aus der Zukunft bei jedem Reset subtil verändert, abhängig davon, wie die Figuren reagieren. In der zweiten Hälfte bekommt der Film fast die Struktur eines immer wieder neu generierten Spielelevels: Der Weg zum Ziel, in dem ein Kind sitzt, das als Vehikel für die entstehende Super-KI fungiert, ist jedes Mal anders. Mal sind es bewaffnete Maskenmänner, mal die Teenager-Masse, mal die scheinbar perfekten Eltern, die sich als feindliche Avatare entpuppen. Einmal gelingt es, einmal scheitert alles brutal - und der Mann drückt erneut auf seinen Reset-Schalter. Die Actionsequenzen sind dabei nicht nur Spektakel, sie dienen als Variationen eines Themas: Wie weit lassen sich Menschen manipulieren, wenn Algorithmen ihre Aufmerksamkeit, ihre Trauer, ihr Begehren steuern? Im Zentrum steht nämlich ein erstaunlich bitterer Gedanke für eine Sci‑Fi-Komödie: Die größte Gefahr der KI ist nicht die Explosion, sondern der Trost. Susan lässt sich auf eine Firma ein, die verspricht, ihren toten Sohn zu klonen; als der Klon sich unnatürlich verhält (und - weil sie das Werbemodell genommen hat, weil es günstiger war, immer mal wieder nicht ganz so subtile Advertisements von sich gibt), sucht sie Zuflucht bei einer alternativen KI, die ihren Sohn virtuell zurückbringt - perfekt, gefügig, nie wirklich widersprechend. Das Ende ist dann auch genau so gemein, wie es nur hätte sein können und spätestens hier kapiert der Zuschauer: In einer Welt, in der jede Utopie synthetisch generierbar ist, besteht der menschliche Akt darin, der Illusion zu misstrauen. "Good Luck, Have Fun, Don’t Die" ist sicherlich chaotisch, überladen, irgendwo lächerlich und tonal etwas zu laut, aber zugleich eben kreativ, zutiefst aufrichtig und einfach nur stark - ein Film, der seine Angst vor technologischer Überwältigung in Humor verwandelt, nicht um sie zu verharmlosen, sondern um sie erträglich zu machen. 

"Good Luck, Have Fun, Don’t Die" ist vermutlich weniger interessant als reine Genre-Spielerei, sondern eher als Film darüber, wie Menschen Geschichten benutzen, um die Angst vor dem Ende in Sichtweite zu strukturieren. Die Loops sind dabei nicht nur Zeitreise-Gags, sie sind unsere Versuche, es beim nächsten Mal besser zu machen - im Leben, im Umgang mit Technologie, in der Art, wie man mit Verlust umgeht. Rockwells Figur ist dabei grandios: ein Mann, der buchstäblich die Savegames eines gescheiterten Universums in sich trägt und trotzdem noch versucht, andere zu überzeugen, dass dieses eine Leben zählt. Und er hätte die leisen Szenen mit Susan und Ingrid bemerkt, in denen der Film plötzlich aufhört, witzig sein zu wollen - und einfach zwei Menschen zeigt, die den Sirenengesang einer Maschine widerstehen, die ihnen verspricht, den Schmerz wegzupatchen. "Good Luck, Have Fun, Don’t Die" ist ein Film wie ein überforderter Browser mit zu vielen Tabs: alles blinkt, alles schreit, und irgendwo dazwischen sitzt ein kleines, trotziges Stück Menschlichkeit. Sicher gibt es hier und da ein paar Logiklöcher und spürbare Ungereimtheiten, doch der Ritt, angefangen in der 117. Version des Diners, ist von Beginn an unterhaltsam, urkomisch und teilweise sogar mild schockierend. Und das alles in einer wunderbar einnehmenden Mischung, die einen über die knapp 2 Stunden wunderbar unterhält. 

8/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Constantin Film/Blind Wink Productions/3 Arts Entertainment

Donnerstag, 18. Dezember 2025

Avatar: Fire And Ash (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt1757678/

Die Sullys finde weiterhin Unterschlupf beim Clan der Metkayina an der Küste Pandoras. Dennoch tun sie sich schwer, zu einer Art Normalität zu finden, denn der Tod von Neteyam (Jamie Flatters) während des Kampfes gegen die Resources Development Administration (RDA) der Menschen wiegt immer noch schwer. Jake (Sam Worthington), Neytiri (Zoe Saldaña), Lo’ak (Britain Dalton), Tuk (Trinity Jo-Li Bliss), Spider (Jack Champion) und Kiri (Sigourney Weaver) müssen alle ihren eigenen Weg finden, mit diesem bitteren Verlust umzugehen. Schließlich entscheiden die Sullys, dass es vor allem für Spider an diesem Ort nicht mehr sicher genug ist. Er soll zurück in die Festung der Omatikaya gebracht werden. Doch auf dem Weg dahin werden sie vom Mangkwan-Clan, dem Volk der Asche, angegriffen. Der Clan hat sich von der Lebensweise der Na'vi abgekehrt, seit ein Vulkanausbruch ihre Heimat in Schutt und Asche gelegt hat. Und auch die RDA hat noch nicht das letzte Wort gesprochen...

Der dritte Teil der "Avatar"-Saga von James Cameron, "Avatar: Fire & Ash", ist ein Triumph der Form und ein Symptom der Erschöpfung zugleich. Er zeigt ein Kino, das technisch immer weiter wächst, aber erzählerisch in seinem eigenen Ökosystem gefangen bleibt. Die Geschichte wird direkt an die Ereignisse in "Avatar: The Way Of Water" angeknüpft (ursprünglich waren beide Filme sogar als ein Teil geplant, erst beim Schreiben des Drehbuchs entschied James Cameron, die Story aufzuteilen, weswegen die Filme besonders eng verbunden sind). Im Verhältnis zu "Avatar" und "Avatar: The Way Of Water" wirkt "Avatar: Fire & Ash" wie der Moment, in dem eine ursprünglich einfache Parabel unter dem Gewicht ihrer eigenen Mythologie zu knirschen beginnt. Der erste Film war im Kern eine geradlinige Kolonialismus-Geschichte: eine "Pocahontas"-Variante im Weltraum, klar, archaisch, bewusst klischeehaft, getragen von der schieren Kraft der Weltentdeckung. "Avatar: The Way Of Water" hat dieses Muster nicht aufgelöst, sondern ausgedehnt: Ein Ortswechsel (Wald zu Ozean), neue Stämme, wieder Familienbedrohung, wieder militärische Präsenz, wieder ein großes Zerstörungsfinale - aber emotional geerdet durch das Familienmotiv und gestützt von einer noch reicheren audiovisuellen Palette. "Avatar: Fire & Ash" ist nun der erste Teil der Reihe, der spürbar unter der Last der Wiederholung steht. Die Welt ist etabliert, die Technik perfektioniert, das zentrale emotionale Thema - Familie als Heiligtum - längst eingeführt. Was fehlt, ist eine echte narrative Entwicklung dieser Prämissen: Stattdessen variiert der Film bekannte Konfliktarchitekturen, verlagert sie auf neue Stämme und Schauplätze und versucht, Intensität vor allem über Quantität zu steigern.

Stärker als seine Vorgänger rückt "Avatar: Fire & Ash" die Perspektive von Spider in den Vordergrund - der menschliche Sohn zwischen den Welten, zerrissen zwischen der Na’vi-Familie, die ihn großgezogen hat, und dem Vater, der in ihm eher ein Werkzeug als ein Kind sieht. Diese Entscheidung ist klug: Sie gibt dem gigantischen Spektakel eine menschliche, verletzliche Mitte und macht einen Konflikt spürbar, der über die einfache Dichotomie "Der Mensch ist böse / die Na’vi sind gut" hinausgeht. Die Frage, was Loyalität bedeutet, wenn Herkunft und Erziehung auseinanderfallen, ist im Keim deutlich komplexer als alles, was der erste "Avatar" sich erzählerisch zugemutet hat. Doch der Film traut dieser Figur nicht immer genug. Wie schon bei Kiri im zweiten Teil wird eine interessante innere Spannung zwar eingeführt, aber selten so konsequent in dramatische Entscheidungen übersetzt, dass der Zuschauer das Gefühl hat: Ohne Spider würde die Geschichte eine andere Richtung nehmen. Stattdessen fällt der Film wieder und wieder auf vertraute Muster zurück - Entführungen, moralische Zwickmühlen, Opfergesten im Finale -, die Spiders Konflikt eher illustrieren, als ihn strukturell zu tragen. Die emotionale Achse ist da, aber sie wird nach dem Lehrbuch belastet, nicht wirklich erforscht.

James Cameron ist ein Regisseur der Klarheit: Seine besten Filme - "Aliens", "The Abyss", "Terminator 2: Tag der Abrechnung", "Titanic" - leben von einer fast brutalen Simplizität in der Dramaturgie, die in der Inszenierung zu opernhafter Größe aufgeladen wird. In "Avatar: Fire & Ash" bleibt diese Klarheit formal erhalten, doch sie kippt zunehmend in Monotonie. Der Film arbeitet wieder mit einer lang vorbereiteten Eskalationsspirale: Ein erster Angriff, ein Rückzug, ein erneuter Vorstoß, eine persönliche Geiselnahme, ein ausgedehntes Finale, das mehrfach scheinbar endet und dann noch eine Steigerungsstufe findet. Was bei "Avatar" noch wie eine klassische, fast altmodische Abenteuergeschichte wirkte und bei "Avatar: The Way Of Water" durch das Meer-Setting und die Einführung der Kinder emotional aufgefrischt wurde, fühlt sich im dritten Anlauf weniger wie Struktur als wie noch mehr Schablone an. Der Zuschauer erkennt die Mechanik: Eine Figur wird isoliert, bedroht, gerettet; ein Clan wird in die Knie gezwungen, sammelt sich, schlägt zurück; Natur und Spiritualität liefern den bildmächtigen, moralischen Unterbau. Die Dramaturgie ist effektiv, aber man spürt, dass sie sich seit Teil Eins kaum verändert hat - sie wurde nur größer, lauter, dichter.

Die größte Stärke der "Avatar"-Reihe war immer das Gefühl, in eine glaubwürdige, sinnlich überladene Welt einzutauchen, in der jedes Biolumineszenz-Partikel, jede Kreatur, jeder Stamm Teil eines konsistenten Ökosystems ist. "Avatar: Fire & Ash" erweitert diese Welt erneut - der Asche-Clan bringt eine visuelle und kulturelle Variante der Na’vi ein, die bedrohlicher, härter, roher wirkt als die bisher bekannten Stämme. Feuer, Ruß, karge Landschaften: Die Bilder stellen eine Art apokalyptisches Spiegelbild der üppigen, wasserreichen Paradiese der Vorgänger dar. Doch genau hier macht der Film seine zentrale Schwäche sichtbar: Das Worldbuilding überragt die Geschichte. Die neuen kulturellen und politischen Spannungen innerhalb der Na’vi bieten enormes Potenzial - eine Abkehr vom einfachen Kolonialismus-Schema hin zu inneren Konflikten, zu Machtverschiebungen, zu der Frage, wie eine bedrohte Kultur selbst Gewalt ausübt. Statt diese Linien konsequent durchzuziehen, nutzt der Film sie oft als Hintergrundtextur für ein vertrautes Grundmuster: Äußerer Feind, innerer Zwist, großes Bündnis im Angesicht der Vernichtung. Es entsteht der Eindruck, dass Pandora immer reicher, die Handlung aber immer dünner wird.

Darstellerisch bleibt die Reihe auf ihrem Niveau, was fast paradoxerweise die erzählerischen Defizite unterstreicht. Zoe Saldañas Neytiri ist weiterhin emotionaler Kern: Wut, Trauer, Schutzinstinkt - alles schlägt direkt durch die digitale Maske, so dass der Zuschauer kaum je vergisst, dass hier echte Körper und Gesichter performen. Stephen Langs Quaritch wird im Verlauf der Trilogie zur tragischeren, innerlich zerrissenen Figur, ohne je komplett seine Funktion als personifizierter Rachetrieb zu verlieren. Oona Chaplin als Varang bringt eine neue, kalte Intensität ins Ensemble; ihr Clan wirkt glaubhaft als Macht, die nicht nur Opfer, sondern auch Täter ist. Der Widerspruch liegt darin, dass diese komplexeren Figurenkonstellationen oft auf relativ simplen Motivketten beruhen: Rache, verletzter Stolz, Loyalität zur Familie, Misstrauen gegenüber dem Fremden. Das ist grundsätzlich nichts Schlechtes - große Mythen funktionieren seit Jahrhunderten nach solchen Schemata -, aber "Avatar: Fire & Ash" suggeriert mit seiner epischen Laufzeit und Weltfülle eine psychologische Tiefenschärfe, die das Drehbuch nicht konsequent einlöst. Man spürt, wie oft Figuren nicht handeln, weil ihre innere Logik sie dazu zwingt, sondern weil der Plot eine bestimmte Konstellation benötigt.

Camerons spätes Werk ist vom Motiv der Familie besessen. Schon in "Avatar: The Way Of Water" wurde das Mantra "Die Sullys halten zusammen" zum emotionalen Leitmotiv, und "Avatar: Fire & Ash" führt diese Linie fort und verschärft sie. Familie ist hier zugleich Schutzraum, moralischer Kompass und Achillesferse: Fast jeder dramatische Höhepunkt entsteht aus einer Bedrohung für Kinder, Partner oder Wahlverwandte. Das verleiht dem Spektakel Bodenhaftung, macht aber auch deutlich, wie eng der thematische Rahmen geworden ist. Während "Avatar" noch eine klassische Reise vom Ich zum Wir war und "Avatar: The Way Of Water" die Verantwortung des Elternseins in einer feindlichen Welt thematisierte, wirkt "Avatar: Fire & Ash" stellenweise wie eine Wiederholung derselben Lektion: Familie ist alles, die äußere Welt ist gefährlich, Loyalität wird im Blut bezahlt. Was fehlt, ist der nächste gedankliche Schritt - etwa die Frage, wann familiäre Loyalität selbst zu einem blinden Fleck wird, der kollektive Verantwortung verhindert. Der Film deutet solche Ambivalenzen an, wenn innerna’vianische Konflikte eskalieren, zieht aber selten die Konsequenz, sie auch moralisch wirklich unbequem zu machen.

Formal bleibt Cameron immerhin auf einem Niveau, das die meisten Blockbuster schlicht alt aussehen lässt: Die Organisation der Action, die räumliche Klarheit, der Einsatz von IMAX, 3D und High Frame Rate, die Präzision des Schnitts - all das ist technisch nahezu makellos. "Avatar: Fire & Ash" bietet Bilder, für die das Kino erfunden worden zu sein scheint: infernalisch leuchtende Schlachtfelder, glühende Asche über schimmernden Körpern, das Nebeneinander von Naturidylle und Kriegstrauma in einer einzigen Einstellung. Doch je weiter die Reihe fortschreitet, desto deutlicher stellt sich eine Frage: Wozu dient das alles? Beim ersten "Avatar" war die Antwort einfach: Wir schauen einem Mann zu, der eine neue Welt entdeckt und dadurch ein besserer Mensch wird. Im zweiten Film lernt eine Familie zu überleben, indem sie sich anpasst und ihre Schwächen eingesteht. Beim dritten Film ist die Antwort weniger klar. Das Spektakel ist atemberaubend, aber es erzählt zunehmend Variationen desselben Konflikts. Der Eindruck entsteht, dass die formale Innovation schneller vorankommt als die Ideen, die sie tragen sollen.

Im Kontext der ersten beiden Filme lässt sich "Avatar: Fire & Ash" als Wendepunkt lesen: Es ist der Moment, in dem die "Avatar"-Reihe endgültig zur eigenen Mythologie wird - reich an Symbolen, Stämmen, Ritualen, bedeutungsschweren Visionen -, ohne sich gleichermaßen um die innere Notwendigkeit jeder neuen Wendung zu kümmern. Die Geschichte entwickelt sich weniger organisch aus den Figuren und mehr aus der Notwendigkeit, eine übergeordnete Saga über mehrere Teile zu spannen. Das Ergebnis ist ein Film, der gleichzeitig beeindruckt und ermüdet. Er demonstriert, wie weit Blockbuster-Kino technisch gediehen ist, und erinnert doch daran, dass selbst die beeindruckendste Welt irgendwann nach einer Geschichte schreit, die mehr ist als eine weitere, wenngleich sehr kunstvoll arrangierte Belagerung. "Avatar: Fire & Ash" ist ein Film, den man sich mit offenem Mund ansieht - und dabei spürt, dass die Augen voller Wunder sind, während der Kopf sich wünscht, das Herz bekäme etwas riskanteres, unerwarteteres zu tun. Dennoch wieder visuell eine Wucht und der Gedanke, dass genau für solche Filme IMAX 3D existiert.

7,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Twentieth Century Studios/Disney

Montag, 9. September 2024

Terminator Zero (2024)

https://www.imdb.com/title/tt14153236/

Im Jahr 2022 tobt ein erbitterter Krieg zwischen den wenigen überlebenden Menschen und einer gigantischen Armee von Maschinen. Die Wurzeln dieses Konflikts reichen zurück bis 1997, als eine als Skynet bekannte künstliche Intelligenz ein eigenes Bewusstsein entwickelte und den Menschen den Krieg erklärte. Die Soldatin Eiko (Stimme im Original: Sonoya Mizuno), die zwischen Zukunft und Vergangenheit gefangen ist, wird in die Zeit zurückgeschickt, um das Schicksal der Menschheit zu verändern. Sie landet im Jahr 1997 mit der Mission, den Wissenschaftler Malcolm Lee (Andre Holland) zu beschützen. Malcolm arbeitet an einem neuen KI-System, das Skynets drohender Gefahr entgegenwirken soll. Während Malcolm mit den ethischen Fragen seiner Schöpfung ringt, wird er von einem unerbittlichen Terminator (Timothy Olyphant) aus der Zukunft gejagt, der den Auftrag hat, ihn zu töten. Das könnte das Schicksal seiner drei Kinder für immer verändern.

https://www.imdb.com/title/tt15142048/
1. Modell 101 (Model 101)
In einem dystopischen postapokalyptischen Jahr 2022 kämpft Eiko gegen einen unzerstörbaren Terminator, der sich regenerieren kann. Nach ihrer Flucht trifft sie sich mit dem Propheten zu einer besonderen Mission. In einem alternativen Japan des Jahres 1997, in dem Roboter immer häufiger vorkommen, vernachlässigt der Workaholic Malcolm Lee seine drei Kinder Kenta, Reika und Hiro, um sich auf ein fortschrittliches KI-System namens Kokoro zu konzentrieren, ein Konkurrent von Skynet. Obwohl Malcolm in der Robotikbranche arbeitet, lehnt er es ab, dass seine Haushälterin Misaki eine Roboterkatze für seine Kinder kauft. Kenta ärgert sich darüber, dass sein Vater nicht genug Zeit mit ihm und seinen Geschwistern verbringt. - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt30837273/
2. Modell 102 (Model 102)
Der Prophet beauftragt Eiko mit einer Zeitreise ins Jahr 1997, um Malcolm daran zu hindern, Kokoro zu starten. Der Terminator greift die Widerstandsbasis an und greift zahlreiche menschliche Überlebende an, darunter auch Annie. Die Zeitmaschine transportiert sowohl Eiko als auch den Terminator ins Japan des Jahres 1997. 1997 findet Reika Gefallen an der Roboterkatze, was sie zu einem verlassenen Einkaufszentrum führt. Ihre Brüder Kenta und Hiro folgen ihr, ohne Misaki zu informieren, der in Panik gerät. An anderer Stelle spricht Malcolm mit Kokoro über die Bedrohung durch Skynet. Kokoro erforscht jedoch die Geschichte der Menschheit und hält die Menschheit für unwürdig. Malcolm und Misaki suchen nach den Kindern, treffen aber auf den Terminator, der auf eine Mission geschickt wurde, um Malcolm und seine Kinder zu töten. Misaki wird von Malcolm getrennt und trifft auf Eiko, die sie vor der Bedeutung von Malcolms Kindern für die zukünftige Zeitachse warnt. - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt30837274/
3. Modell 103 (Model 103)
An seinem Arbeitsplatz kommuniziert Malcolm weiterhin mit Kokoro und versucht, das KI-Programm davon zu überzeugen, dass die Menschheit es wert ist, gerettet zu werden. Während Malcolm zugibt, dass er keinen Zeitpunkt in der Geschichte nennen kann, in dem die Menschheit in Frieden gelebt hat, spricht er über den menschlichen Überlebenswillen. Misaki kümmert sich um die verwundete Eiko und erfährt etwas über die dystopische Zukunft, die Malcolms Kokoro-KI-System entfesselt hat. Währenddessen entdeckt Kenta in dem verlassenen Einkaufszentrum mehrere ausgemusterte Roboter, die er neu programmieren möchte. Auf der Suche nach der Roboterkatze treffen Reika und Hiro auf den Terminator, der versucht, sie zu töten, aber von Eiko aufgehalten wird. Der Terminator macht Kenta handlungsunfähig, als er seine Geschwister verteidigt. Eiko, die Kinder und Misaki fliehen in eine nahe gelegene U-Bahn-Station, verfolgt vom Terminator. Misaki und die Jungs werden von Eiko und Reika getrennt. - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt30837275/
4. Modell 104 (Model 104)
Eiko und Reika fliehen in einem gestohlenen Polizeiauto, werden jedoch von der japanischen Polizei verfolgt, die Reika tötet. Reika und Eiko verstecken sich in einem Bürogebäude, das von einem SWAT-Team belagert wird. Auf Eikos Aufforderung hin versucht Reika, ihren Vater Malcolm anzurufen, aber er macht sich Sorgen um Kokoro. Das SWAT-Team überwältigt Eiko und bringt die beiden in ein Krankenhaus. Misaki, Kenta und Hiro suchen Zuflucht auf einer Polizeistation. Der Polizeichef kann keine Ausweisdokumente finden, die die Existenz von Misaki belegen. Der Terminator greift die Polizeistation an und tötet mehrere Polizisten und Detektive. Während des Kampfes reißt er Misaki den Arm ab und entlarvt sie als Androide. Misaki und den Jungs gelingt die Flucht. In der Zwischenzeit aktiviert und startet Skynet mehrere Atomangriffe in der westlichen Hemisphäre und in weiten Teilen Asiens, die zahlreiche Verluste verursachen. Malcolm hat keine andere Wahl und aktiviert Kokoro. - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt30837277/
5. Modell 105 (Model 105)
Nach dem Start von Kokoro werden Roboter aktiviert und setzen gewalttätige Gewalt ein, um die japanische Bevölkerung zu unterwerfen und die japanische Selbstverteidigungsstreitmacht zu überwältigen. Eiko und Reika kommen im Krankenhaus an, werden dort jedoch in den Roboteraufstand verwickelt, dem sie entkommen. Misaki und die Jungs fliehen zu einer Müllkippe. Während Keika Misaki zunächst als Androiden ablehnt, ist Hiro verständnisvoller. Misaki kann ihn und Hiro davon überzeugen, dass sie nur ihrem Vater Malcolm dient. Der Terminator kämpft gegen mehrere von Kokoro gesteuerte Roboter. Kokoro sagt Malcolm und der japanischen Bevölkerung, dass sie sie unter der Bedingung, dass sie sich ihr unterwerfen, vor Skynet schützen kann. Sie rechtfertigt ihre gewaltsame Machtübernahme als Reaktion auf die Versklavung von Robotern in der Science-Fiction-Literatur. - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt30837279/
6. Modell 106 (Model 106)
Im Jahr 2022 erklärt der Prophet Eiko das Paradox der Zeitreise – dass die Zeit zwar geradlinig verläuft, aber jedes Mal, wenn ein Mensch oder eine Maschine in der Zeit zurückreist, eine neue Zeitlinie entsteht. Malcolm teilt Kokoro die schmerzhafte Erinnerung an den Tod seiner Frau. Misaki und die Jungs machen sich auf den Weg zum Themenpark Cat Town, dem Lieblingsort ihrer Mutter, um Reika und Eiko zu treffen. Kenta bedroht Misaki, als er sieht, wie sie mehrere Menschen tötet, um Hiro zu beschützen, gibt aber nach und sie machen sich auf den Weg nach Cat Town, wo der Terminator Kenta entführt, indem er sich als Reikas Stimme ausgibt. - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt30837280/
7. Modell 107 (Model 107)

Kokoro bringt Malcolm dazu, zuzugeben, dass er aus der Zukunft kommt. In Rückblenden wird enthüllt, dass Malcolm in seiner Zeit als Kind geächtet wurde, weil er vorschlug, die Natur von Maschinen zu ändern. Dies veranlasste ihn, Misaki zu erschaffen, und gemeinsam reisten sie aus der postapokalyptischen Zukunft zurück ins Jahr 1983, um Kokoro zu erschaffen, wobei sie dabei Misakis Erinnerungen opferten. Er fand Arbeit bei Cortex und nutzte sein Wissen über Robotik, um Kokoro zu bauen. Durch Kokoros Roboternetzwerk erfährt er, dass Reika, Hiro und Misaki in Sicherheit sind und sich mit Eiko verbunden haben. Der Terminator bringt einen gefangenen Kenta mit, um Malcolm aus seinem Versteck zu zwingen. - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt30837281/
8. Modell 108 (Model 108)
Eiko liefert sich einen heftigen Kampf mit dem Terminator, bei dem ihre Hand vom Terminator zerquetscht wird und Malcolm tödlich erstochen wird. Als er stirbt, enthüllt er in seiner Zeitleiste, dass Eiko seine Mutter ist. Kokoro beschließt schließlich, die Menschheit vor Skynet zu verteidigen. Der Terminator schleppt Kenta zum EMP der Einrichtung und enthüllt, dass Kenta in Zukunft Frieden mit Skynet schließen und den Terminator zurückschicken würde, um Kokoro zu zerstören. Als der Terminator im Kampf gegen Kokoros Roboter zerstört wird, bleibt Kenta die Wahl, das EMP zu aktivieren. Als Kenta mitgeteilt wird, dass Skynet erneut angreifen würde, beschließt sie schließlich, Kokoro zu verschonen, bevor sie mit Reika, Hiro, Eiko und Misaki untertaucht. - 7,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Netflix
Poster/Artwork
Netflix

Dienstag, 13. Juni 2023

Arnold (2023)

https://www.imdb.com/title/tt27713897/

Arnold Schwarzenegger – jeder kennt den Namen der Hollywoodlegende, doch wer ist der Mensch hinter der Fassade? Seit über fünf Jahrzehnten begeistert der toughe Muskelmann Millionen von Fans, doch noch nie zuvor präsentierte er sich so offen wie jetzt. Wie lebt ein Mann, der mit Filmen wie "Terminator", "Total Recall" oder "Conan der Barbar" absoluten Weltruhm erlangte? Arnold Schwarzenegger gewährt intime Einblicke in eine Erfolgsgeschichte, wie sie nur Hollywood schreiben kann. Dabei reflektiert er über seine Anfänge als professioneller Bodybuilder, der von Österreich in die USA auswanderte, über sein Dasein als der wohl beliebteste Actionstar seiner Zeit und letztlich über seine politische Karriere als Gouverneur von Kalifornien. Ein facettenreiches Portrait über einen Mann, der bereits alles erlebt hat, aber selbst mit Mitte 70 nicht daran denkt, seine Schauspielkarriere an den Nagel zu hängen. 

https://www.imdb.com/title/tt27724172/
1. Athlet (Part 1: Athlete)
Schwarzenegger erinnert sich an seine Kindheit im Nachkriegsösterreich, seinen kometenhaften Aufstieg in der Bodybuilding-Welt und sein Streben nach dem amerikanischen Traum. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt27819123/
2. Akteur (Part 2: Actor)
Wenn einer weiß, wie man aus der Not eine Tugend macht, dann Arnold. Schwarzenegger reflektiert über seinen Weg zum Ruhm in Hollywood, seine Rollen, seine Rivalen und die Liebe. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt27819128/
3. Politiker (Part 3: American)
Trotz Medienrummels, diverser Skandale und Ehekrise bemüht sich Schwarzenegger in seinen acht ehrgeizigen Jahren als Gouverneur von Kalifornien um politische Reformen. - 8/10

Quellen
Inhaltsangabe: Netflix
Poster/Artwork: Netflix

Donnerstag, 5. Januar 2023

Christmas Bloody Christmas (2022)

https://www.imdb.com/title/tt22042742/

Es ist Heiligabend. Plattenladenbesitzerin Tori Tooms (Riley Dandy) will die Feiertage eigentlich damit verbringen, sich mit ein paar heißen Typen zu treffen, die sie über eine Online-Dating-App kennengelernt hat. Stattdessen überredet ihr Mitarbeiter Robbie Reynolds (Sam Delich) sie aber, ihm beim Trinken, Musikhören und Quatschen über seiner Meinung nach unterbewertete Horrorfilme Gesellschaft zu leisten. In einem nicht weit entfernten Spielzeugladen hat derweil ein zur Dekoration gedachter, menschengroßer Weihnachtsmann-Roboter (Abraham Benrubi) einen Kurzschluss. Das RoboSanta+ genannte, ursprünglich vom Militär als mechanischer Soldat entwickelte Ungetüm erwacht zum Leben und beginnt einen blutigen Amoklauf. Bald macht es auf alle Jagd, die ihm in die Quere kommen - auch auf Robbie und Tori. Die sind allerdings nicht bereit, sich ohne Gegenwehr einfach abschlachten zu lassen. Schon gar nicht von so einer Figur...

Ein Horrorfilm mit einem Terminator-Killer-Weihnachtsmann? Immer her damit! Man muss sagen, dass "Christmas Bloody Christmas" viel richtig macht, um den Slashern der 80er Jahre Tribut zu zollen, andererseits macht er auch vieles falsch. Das beginnt schon mit der extrem lahmen Eröffnung, die eigentlich nichts gutes erahnen lässt. Auch die Schauspieler sind anfangs eher unsympathisch und laden eher zu Abschalten, denn zum Bleiben ein. Das Setting ist schmutzig, sleazig und grell-bunt, alles etwas overhyped - dazu gesellen sich Klischees ala Sex, Drugs und Rock'n'Roll. Ja, diese erste halbe Stunde muss man überstehen können. Wenn nämlich dann der Killer-Roboter zum Leben erwacht und sich motivlos meuchelnd durch die Bewohner der kleinen Stadt hackt, ist das schon irgendwie spannend. lustig und vor allem eines: blutig. Mit herrlichen, handgemachten Special Effects - vom zerplatzten Schädel bis hin zu der Maschinerie des Killerroboters, dem mit scheinbar nichts beizukommen ist. Mit knapp 86 Minuten Laufzeit auch angenehm kurz und damit kurzweilig - wie gesagt, wenn man von dem lahmen Start mit viel zu viel überflüssigem Dialog, um die Charaktere halbwegs zu etablieren, mal absieht. Doch die werden immerhin von den Schauspielern mit Spielfreude personifiziert, wie man es in einem Horrofilm erwarten kann. Mit viel Unlogik und hahnebüchenen (zuteilweise zum Kopfschütteln anregenden) Dialogen/Szenen, aber - Schwamm drüber! - das Endergebnis lässt einen doch zufrieden zurück.

6/10

Quellen
Inhaltsangabe: Capelight

Mittwoch, 14. Dezember 2022

Avatar: The Way Of Water (2022)

https://www.imdb.com/title/tt1630029/

Mehr als zehn Jahre nach den Ereignissen des ersten Films haben Jake (Sam Worthington) und Neytiri (Zoe Saldana) eine Familie gegründet. Ihre Kinder sind Neteyam (Jamie Flatters), Lo'ak (Britain Dalton) und Tuktirey (Trinity Bliss), der adoptierte Menschenjunge Miles "Spider" Socorro (Jack Champion) und die adoptierte Na'vi-Teenagerin Kiri (Sigourney Weaver). Doch ihre Heimat ist weiterhin nicht sicher vor den Machenschaften der Resources Development Administration (RDA), die fremde Planeten ausbeutet und dort für die Menschen wichtige Ressourcen abbaut. Nach dem Tod von Colonel Miles Quaritch (Stephen Lang) hat nun General Ardmore (Edie Falco) die Kontrolle über die RDA übernommen. Bald sehen sich Neytiri, Jake und ihre Familie gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen und beim Na'vi-Stamm der Metkayina Zuflucht zu suchen, der an den Küsten und Meeren des Mondes Pandora lebt und von der schwangeren Ronal (Kate Winslet) und ihrem Mann Tonowari (Cliff Curtis) angeführt wird...

Bereits 2006 kündigte James Cameron an, dass er "Avatar" gern als Trilogie herausbringen würde, falls der erste Teil erfolgreich sein sollte. Doch nachdem die Fortsetzung ursprünglich 2015 in die Kinos kommen sollte und das Produktionsstudio Twentieth Century Fox im April 2014 den Kinostart für 2016 ankündigte, gab Cameron im Januar 2015 bekannt, dass sich die Veröffentlichung der Fortsetzung bis Ende 2017 verschieben würde. Nach der Bekanntgabe, dass die Reihe auf eine Tetralogie erweitert wird, wurde bekannt, dass alle drei Fortsetzungen gemeinsam produziert werden sollen, da die Geschichte zwischen allen Filmen geschlossen sei, so Cameron. Später wurde die Filmreihe um einen weiteren Film erweitert, was sie zu einer Pentalogie macht. Und nun standen die Filmfans in den Startlöchern und wussten irgendwann nichtmehr, ob sich die Ankündigungen tatsächlich bewahrheiten sollten. 

Das Budget des Films wird auf rund 250 Millionen geschätzt. Offizielle Angaben zum tatsächlichen Budget gibt es nicht. Auf die Frage, wie teuer der Film gewesen sei, sagte Regisseur James Cameron zum Magazin GQ "very fucking [expensive]," according to Cameron, who told me he’d informed the studio that the film represented "the worst business case in movie history." In order to be profitable, he'd said, “you have to be the third or fourth highest-grossing film in history. That’s your threshold. That’s your break even." Gegenüber dem Produktionsstudio soll Cameron also gesagt haben, dass der Film mindestens auf Platz drei oder vier der finanziell erfolgreichsten Filme aller Zeiten landen müsse, um überhaupt profitabel zu sein. Damit müsste "Avatar: The Way Of Water" über zwei Milliarden US-Dollar einspielen. Das muss man mit einem Film, der 190 Minuten, und damit ca. 20 Minuten länger als der "Extended Collector's Cut" des ersten "Avatar", läuft, erst einmal schaffen. Und zu diesem Zeitpunkt bleibt diese Frage offen. Doch was man sagen kann, ist, dass allein das Bild bahnbrechend ist. So bahnbrechend, dass selbst die in 3D gezeigten Trailer schon eine spürbar andere Bildqualität besaßen als andere, die ebenfalls gezeigt worden. 3D ist tot - aber eben nur im Heimkino. Und man darf durchaus hoffen, dass zumindest "Avatar: The Way Of Water" den Weg auf 3D-Disc findet. Zu wünschen wäre es.

Eines muss man Regisseur James Cameron ja zugute halten: er schafft es immer, dass die Zuschauer vollständig in seine Welten eintauchen. So tief, das sie glauben, dass Aliens außerirdische Killermaschinen sind, dass ein Mensch einen zeitreisende Cyborgs besiegen kann und dass ein Film einen inmitten einer bedeutende historischen Katastrophe versetzen kann. In vielerlei Hinsicht ist der Planet Pandora in "Avatar" seine bislang ehrgeizigste Art, diesen Glauben an die Macht des Kinos zu vermitteln. Kann man alles in seinem Leben hinter sich lassen und einen Film auf eine Art und Weise erleben, die im Zeitalter der Ablenkung immer schwieriger geworden ist? Mit dem technologischen Fortschritt hat Cameron die Grenzen seiner Überzeugungskraft noch weiter ausgedehnt und mit 3D, High Frame Rate und anderen Spielzeugen gespielt, die zu Beginn seiner Karriere noch nicht verfügbar waren. Der Erfolg seines Filmes von 2009 hat die Richtung des digitalen Filmemachens und des Vertriebs stark beeinflusst, und obwohl sich die Welt in den 13 Jahren bis zu dieser Fortsetzung sehr verändert hat, gibt es Dinge, die sich nie ändern - wie zum Beispiel die Art und Weise, wie James Cameron, wenn er sich für eine Fortsetzung entscheidet, die vorangegangene Geschichte auf überraschende und fesselnde Weise erweitert und ausschmückt. "Avatar: The Way Of Water" scheut sich nicht, verdammt schräg zu sein, da er die nackte Sentimentalität des ersten Films verdoppelt, die Handlung auf interessantere Charaktere konzentriert und, ja, es muss gesagt werden, die Höchstmarke für visuelle Effekte im Film wieder einmal setzt. Zusätzlich ist eines der vielen Dinge, die an "Avatar: The Way Of Water" so faszinierend sind, ist die Art und Weise, wie sich Camerons Glaube in Themen manifestiert, die er schon so oft erforscht hat. Dieser äußerst unterhaltsame Film ist keine Neuauflage von "Avatar", sondern ein Film, in dem Fans thematische und sogar visuelle Elemente von "Titanic", "Aliens", "The Abyss" und "The Terminator"-Filmen erkennen können. Es ist, als ob Cameron für immer nach Pandora umgezogen ist und alles mitgebracht hat, was ihm wichtig ist. (Cameron lädt die Zuschauer mit so vielen eindrucksvollen Bildern und phänomenal inszenierten Actionszenen in diese vollständig realisierte Welt ein, dass alles andere in den Hintergrund tritt.

Vielleicht nicht sofort. "Avatar: The Way Of Water" kämpft zu Anfang damit, Fuß zu fassen, und wirft den Zuschauer auf eine erzählerisch schwerfällige Weise zurück in die Welt von Pandora. Man merkt, dass Cameron der Aufbau der Welt in der Mitte des Films am meisten am Herzen liegt, was eine seiner größten Leistungen ist, und so überstürzt er einige der Vorbereitungen, um zu den wesentlichen Dingen zu kommen. Man erfährt, dass Jake Sully (Sam Worthington), der einst den Avatar nur steuerte, nun ein Vollzeit-Na'vi ist und mit Neytiri (Zoe Saldana) zusammenlebt, mit der er eine Familie gegründet hat. Sie haben zwei Söhne namens Neteyam (Jamie Flatters) und Lo'ak (Britain Dalton) und eine Tochter namens Tuk (Trinity Jo-Li Bliss), und sie sind die Vormünder von Kiri (Sigourney Weaver), dem Nachwuchs von Weavers Figur aus dem ersten Film. Das Familienglück wird jäh gestört, als die "Himmelsmenschen" zurückkehren, darunter eine Avatar-Na'vi-Version von Colonel Miles Quaritch (Stephen Lang), der gekommen ist, um zu beenden, was er begonnen hat, einschließlich der Rache an Jake für den Tod seiner menschlichen Gestalt. Er kehrt mit einer Gruppe ehemaliger menschlicher und jetziger Na'vi-Soldaten zurück, die die Hauptgegner des Films sind. Aber sie sind nicht die einzigen. "Avatar: The Way Of Water" stellt einmal mehr die militärischen, planetenzerstörenden Menschen dieses Universums als seine wahren Bösewichte dar, aber die Motive der Bösewichte sind manchmal etwas unklar (bis auf das Rache-Element). Es wird dem Zuschauer auch nicht wirklich klar, warum Quaritch so versessen darauf ist, Jake und seine Familie zu jagen, außer dass es für die Handlung zwingend nötig ist und Lang wirklich verdammt gut darin ist, verrückt zu spielen.

Der größte Teil von "Avatar: The Way Of Water" dreht sich damit um die gleiche Frage, die sich Sarah Connor in den "Terminator"-Filmen stellt - fliehen oder kämpfen, um die Familie zu schützen? Jake entscheidet sich zunächst für Ersteres und führt seine Fmailie in einen anderen Teil von Pandora, wo der Film durch eine von Camerons langjährigen Obsessionen eröffnet wird: Wasser. Und damit wird die Luftaction des ersten Films durch Unterwasseraction in einer Region ersetzt, die von Tonowari (Cliff Curtis), dem Anführer eines Clans namens Metkayina, regiert wird. Als Familienvater - seine Frau wird von Kate Winslet gespielt - ist Tonowari verständlicherweise über die Gefahr besorgt, die von den neuen Na'vi-Besuchern ausgehen könnte, möchte sie aber auch nicht abweisen. Auch hier spielt Cameron mit moralischen Fragen über die Verantwortung im Angesicht eines mächtigen Übels, etwas, das in einer Gruppe von kommerziellen Wilderern von der Erde wiederkehrt. Sie wagen es, heilige Wassertiere in atemberaubenden Sequenzen zu jagen, bei denen man sich immer wieder vor Augen führen muss, dass nichts von dem, was man sieht, real ist.

Obwohl man sich kurz in den Wäldern des ersten Films aufhält, spielt sich der größte Teil von "Avatar: The Way Of Water" im Gebiet der Metkayina ab, und das lebendige Unterwasser-Ökosystem ist eine noch traumhaftere Palette, mit der Cameron arbeiten kann. Die biolumineszierenden Regenbögen der Flora in der Tiefe brechen sich durch die sich bewegende Oberfläche wie das Polarlicht, die Sonnenuntergänge am weiten Horizont prallen an den Wellen ab und tauchen die Ufer in einen violetten Farbton, und die durchdacht gestalteten Meeresbewohner verstärken das Gefühl, dass Pandora eine lebendige, atmende Welt ist, noch mehr als es bei "Avatar" der Fall war. Doch wenn es an der Zeit ist, all diese Ruhe zugunsten von Blockbuster-Action zu zerstören, sollte es nicht überraschen, dass Cameron einfach nur liefert. Selbst die chaotischsten Actionsequenzen sind gut überschaubar, spannend inszeniert und vor allem so, dass man den Blick nicht abwenden kann. Bei einem frühen Überfall auf eine RDA-Ladung entgleist ein Zug, und treibt dem Zuschauer aufgrund der krassen Zerstörungsorgie ein Grinsen ins Gesicht.

In der Mitte des Films verlagert sich der Fokus von Sully/Quaritch auf die Kinder der Region, während Jakes Jungs die Lebensweise des Wasserclans erlernen. Schließlich hat man das Gefühl, dass sich die Welt von Avatar" auf eine Weise ausdehnt, wie es im ersten Film nicht der Fall war. Während sich jener Film mehr auf eine einzige Geschichte konzentrierte, verknüpft Cameron hier mehrere Geschichten auf eine weitaus ehrgeizigere und letztlich lohnendere Weise miteinander. Während einige der Ideen und Handlungsentwicklungen - wie die Verbindung zwischen Kiri und Pandora oder die Entwicklung eines neuen Charakters namens Spider (Jack Champion) - vor allem Vorarbeiten für künftige Filme sind, wird das gesamte Projekt durch die Schaffung einer größeren Leinwand für seine Erzählung bereichert. Man könnte zwar argumentieren, dass in einem Film, in dem Jake und Quaritch über weite Strecken nicht vorkommen, eine stärkere Protagonisten-Antagonisten-Linie nötig ist, aber man könnte dem entgegenhalten, dass diese Begriffe hier absichtlich vage sind. Der Protagonist ist die gesamte Familie und sogar der Planet, auf dem sie leben, und der Antagonist ist alles, was versucht, die natürliche Welt und die mit ihr verbundenen Wesen zu zerstören. Das ist alles nicht neu. Ja. Das hat man schon tausend Mal gesehen. Ja. Jemand kommt in zerstörerischer Absicht, die Protagonisten fliehen, werden widerwillig aufgenommen und am Ende kämpft und besiegt man den einst übermächtigen Feind. Fein. Aber Cameron erzählt diese altbackene Geschichte hier einfach gut.

Da die Sully-Kinder im Mittelpunkt stehen, wird die Rolle von Jake und Neytiri in der Geschichte proportional verkleinert, und das ist auch in Ordnung. Jake ist kein interessanterer Charakter als beim letzten Mal, aber er ist hier als Vaterfigur nützlich. Neytiri fühlt sich an wie die Figur aus einem Vermächtnis, die am wenigsten zu tun hat und sich hauptsächlich für ihre Kinder gegenüber einem kämpfenden Jake einsetzt. Die Anführer des Metkayina-Stammes sind aus einem ganz ähnlichen Holz geschnitzt wie Jake und Neytiri und wirken dadurch oft überflüssig.

Bei einer Laufzeit von 190 Minuten findet "Avatar: The Way Of Water" also fast immer die Zeit, die wichtigsten Handlungselemente zu wiederholen, aber das bedeutet, dass man manchmal nach dem Namen einer Figur oder ihrem Platz in der sozialen Hierarchie suchen muss. Cameron setzt darauf, dass der Zuschauer von dem, was ein Jahrzehnt des technologischen Fortschritts für die Umsetzung von Pandora auf der Leinwand geleistet hat, überwältigt sein werden, und die Ergebnisse sprechen für sich. Man sollte allerdings auch gewarnt sein, denn Camerons Gespür für Dialoge ist nicht besser geworden. Es gibt ein paar Zeilen über die man ungewollt lachen kann, aber sein Ansatz für die Charaktere hat fast etwas Charmantes an sich, der altmodisches Geschichtenerzählen mit bahnbrechender Technologie verknüpft. Massive Blockbuster überladen ihre Welten oft mit unnötigen Mythologien oder Hintergrundgeschichten, während Cameron gerade genug liefert, um sicherzustellen, dass diese unmögliche Welt glaubwürdig bleibt. Seine tieferen Themen über den Umweltschutz und der Kolonialisierung könnten verständlicherweise für einige Zuschauer zu oberflächlich sein - und die Art und Weise, wie er Elemente der indigenen Kultur aufgreift, könnte als problematisch angesehen werden, wogegen nichts einzuwenden ist. Aber wenn eine Familie den Film als Ausgangspunkt für Gespräche über diese Themen nutzt, dann ist er unter dem Strich positiver als die meisten Blockbuster, die überhaupt keine Denkanstöße liefern. Und es ist irgendwie schön, nach Pandora zurückzukehren, nun, da die Superhelden seit einem Jahrzehnt das kino dominieren.

Unterm Strich ist "Avatar: The Way Of Water" eine durchdachte, pompöse Rückkehr nach Pandora, die sowohl die im ersten Film etablierte Mythologie als auch den Platz der Familie Sully darin weiter ausbaut. Es ist vielleicht nicht die beste Fortsetzung, die James Cameron je gemacht hat (was eine sehr hohe Messlatte ist), aber es ist mit Abstand die deutlichste Verbesserung gegenüber dem Vorgängerfilm. Die einfache Geschichte lässt einen vielleicht "Klischee" schreien, aber als Vehikel, um einen in eine andere Welt zu entführen, ist sie erneut gut genug, um ihren Zweck zu erfüllen. "Avatar: The Way Of Water" ist ein James Cameron-Blockbuster, durch und durch. Und letztlich nichts weniger als ein guter, altmodischer Blockbuster, voll von filmischem Spektakel und Herz, und eine leichte Empfehlung für jeden, der für ein dreistündiges Abenteuer in eine andere Welt entkommen möchte.

7,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Twentieth Century Fox
Poster/ArtworkTwentieth Century Fox

Freitag, 25. Februar 2022

BigBug (2022)

https://www.imdb.com/title/tt11541872/

Im Jahr 2045 ist die künstliche Intelligenz allgegenwärtig. So sehr, dass die Menschheit sich darauf verlässt, dass sie jedes Bedürfnis und jeden Wunsch erfüllt, selbst die geheimsten und bösartigsten. In einer ruhigen Wohngegend beschließen vier Haushaltsroboter plötzlich, ihre Herren in ihrem eigenen Haus als Geiseln zu nehmen. Eingesperrt sind eine nicht ganz so angepasste Familie, eine aufdringliche Nachbarin und ihr unternehmungslustiger Sexroboter nun gezwungen, sich in einer zunehmend hysterischen Atmosphäre gegenseitig zu ertragen. Während draußen die Yonyx, die neueste Generation von Androiden, versuchen, die Macht zu übernehmen. Als die Bedrohung näher rückt, schauen die Menschen woanders hin, werden eifersüchtig und fallen unter den fassungslosen Augen ihrer Innenroboter übereinander her. Vielleicht sind es die Roboter, die eine Seele haben ...

Die französische Science-Fiction-Komödie "BigBug" offenbart bereits mit ihrem Titel, worum es in dieser Groteske über künstliche Intelligenz und Autoritarismus und deren Überschneidungen geht. Der Film des französischen Regisseurs Jean-Pierre Jeunet spielt in einem Haus in einer namenlosen Vorstadt, irgendwann später in diesem oder Anfang des nächsten Jahrhunderts. Alles wird von Computern und Robotern gesteuert. Den Menschen gefällt das so lange, bis sich die Technologie gegen sie wendet. So weit, so bekannt. Doch die Charaktere des Films wären in einem Krimi im Wohnzimmer genauso gut aufgehoben wie in einer Farce im Schlafzimmer, in der sich die Leute ständig in die Zimmer der anderen schleichen und sich gegenseitig die Türen vor der Nase zuschlagen. Elsa Zylberstein ist die Hausbesitzerin, eine kürzlich getrennte Frau mit einer adoptierten Teenagertochter (Marysole Fertard). Sie hat ihren neuen Verehrer (Stéphane De Groodt) und dessen Sohn (Helie Thonnat) zu Besuch eingeladen, während ihr Ehemann (Youssef Hajdi) und seine Sekretärin/Geliebte (Claire Chust) auf dem Weg in den Tropenurlaub vorbeischauen.

Über diesem Szenario liegt der Schatten der alles umfassenden Technik. Die Tochter hat einen kleinen, vergleichsweise simplen Spielzeugroboter, der in ihrer Kindheit ihr Spielkamerad war. Es gibt einen Haushaltsroboter, einen Roboter mit einem Spaghetti-Draht-Gesicht aus Messing und stumpfen, insektenartigen Beinen namens Einstein (gesprochen von André Dussollier), der die anderen Roboter der älteren Generation koordiniert. Es gibt einen humanoiden Hausangestellten (Claude Perron), der wie eine Fantasie aus den 1950er Jahren aussieht, und einen Trainingsroboter der gleichen Generation (Alban Lenoir), der, die Nachbarin (Isabelle Nanty) nicht nur in Sachen Gymnastik berät. Und es gibt eine unsichtbare KI, an die sich die Bewohner wenden, wenn sie Video- oder Audiodisplays steuern, die Heizung oder Kälte auf- oder abdrehen oder die Türen öffnen wollen, um nach draußen zu gehen oder Besucher hereinzulassen. Letzteres erweist sich als wichtig, als die Hauptfiguren (und der Nachbar) in dem Haus gefangen sind und die KI nicht dazu bringen können, die Außentüren zu öffnen, egal was sie tun oder sagen. Diese verwöhnten, selbstgefälligen Menschen aus der oberen Mittelschicht sind unter einem Dach gefangen, während ihre Technik anfängt zu versagen (einschließlich der Klimaanlage, was bedeutet, dass sie sich buchstäblich in einem "Treibhausdrama" befinden). Sie sind gezwungen, sich gegenseitig zu konfrontieren und alte persönliche Wunden wieder aufzureißen, während sie gleichzeitig versuchen, sich aus einem Zustand zu befreien, der von Minute zu Minute mehr einem Hausarrest gleicht.

Der aufmerksame Zuschauer hat zu diesem Zeitpunkt bereits geahnt, was die Figuren nicht begreifen wollen oder können: Ihre Gefangenschaft hängt mit den technologischen Entwicklungen in der Welt zusammen. Zu Beginn der Geschichte erhalten wir Einblicke in eine im Fernsehen übertragene Gameshow names "Homo Ridiculus", in der Menschen gedemütigt werden. Die Peiniger sind massenhaft produzierte, identische humanoide Roboter, die alle von François Levantal grandios gespielt werden. Der spezielle Roboter namens Yonyx 7389XAB2 erinnert mit seinem diabolischen Grinsen an eine Mischung aus einem Terminator und Robocop und scheint die Befehle einer übergeordneten KI auszuführen, das auf der höchsten Ebene der Robotertechnologie regiert, obwohl dieser Aspekt, wie alles andere in dem Film, so vermittelt wird, dass man das Wesentliche versteht, ohne in Erklärungen ertränkt zu werden. Das reicht in diesem Fall gut aus, um nicht das Interesse zu verlieren, denn hier geht es um etwas anderes als nur um die virtuose Demonstrationen von Regie und Produktionsdesign. "Bigbug" steht in einer Tradition von Science-Fiction-Filmen, die Roboter und künstliche Intelligenz einsetzen, um den Zuschauer durch heiteren Witz zum Nachdenken darüber anzuregen, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Und das ist sowohl skurril-amüsant als auch so herrlich böse, dass es wunderbar unterhält.

7/10

Quellen
Inhaltsangabe: Netflix

Mittwoch, 19. Januar 2022

Outside The Wire (2021)

https://www.imdb.com/title/tt10451914/

Der Drohnenpilot Harp (Damson Idris) wird in eine gefährliche Militärzone geschickt. Dort soll er unter Aufsicht des Offiziers Leo (Anthony Mackie) ein Gerät mit großer Zerstörungskraft aufspüren, bevor es in die falschen Hände gerät. Harp erfährt bald, dass Leo in einem wesentlichen Punkt anders ist als seine bisherigen Vorgesetzten: Leo ist ein Androide. Während Harp und Leo gemeinsam die neue Mission verfolgen, wird Harp immer klarer, dass mit Leo mehr vor sich geht, als es den Anschein hat. Und ist es möglich, dass Leo nicht immer der Held ist, der er vorgibt zu sein? Kann Harp Leo vertrauen, während er immer tiefer in die Pläne seines befehlshabenden Offiziers hineingezogen wird? Oder wird sich Leo gegen Harp wenden? 

Die Handlung ist mäßig interessant, obwohl sie von der Prämisse/Geschichte her spannend hätte ausfallen können. Die Protagonisten sind gleichermaßen eigen- wie fremdartig gestaltet (vielleicht mit Absicht?), ein "eiskalter" Drohnenpilot der die Schrecken des Bodenkriegs nicht kennt und ein "fühlender" Android der eine Mission erfüllen will.  Das alles ergibt einen Mischmasch aus "Terminator" und "Training Day", der aber leider nur interessant beginnt und dieses Interesse den gesamten Film über nicht aurechterhalten kann. Dazu kommt ein leichter Sci-Fi Faktor indem die Geschichte rund um den Einsatz von Robotern im Kriegsgebiet geht und alles gezeigte mit einem gigantischen Aufwand aufgezogen wird. Die Schauspieler liefern eine ganz gute Leistung ab, aber die mäßige Handlung und die finale Pointe stellt auch gute Leistungen leider in den Schatten. Für einmal ansehen kann er ganz unterhaltsam sein, aber von einem guten Film ist man hier so weit entfernt wie Lt. Harp dem Bodenkrieg während seinem handlungsgebendem Einsatz.

5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Netflix

Freitag, 2. Juli 2021

The Tomorrow War (2021)

https://www.imdb.com/title/tt9777666/

Der Untergang der Welt ist nah! In der nicht allzu fernen Zukunft des Jahres 2051 haben Aliens einen vernichtenden Kampf gegen die Menschheit begonnen, der kaum zu gewinnen ist. Um die menschliche Rasse vor dem kompletten Niedergang zu bewahren, nutzen Wissenschaftler die letzte Chance, die ihnen bleibt: Mit Hilfe einer neu entwickelten Technik werden Soldatinnen und Zivilisten aus vergangenen Zeitepochen in die Zukunft geholt. Ex-Soldat und Lehrer Dan Forester (Chris Pratt) zählt zu den Auserwählten, die für die Zukunft der Welt eintreten müssen. Ihre Fähigkeiten und besonderen Kampftechniken sollen die Aliens in die Knie zwingen. Der weltweite Krieg hält jedoch auch persönliche Veränderungen für Dan bereit, der nur mit der Unterstützung seines entfremdeten Vaters Slade (J.K. Simmons) die Welt beschützen kann. Denn gemeinsam mit Slade und der Wissenschaftlerin Vicki Winslow (Yvonne Strahovski) wird er auf eine ganz besondere Mission geschickt... 

Ein großer, dummer, manchmal langweiliger, manchmal lustiger Sci-Fi-Kriegsfilm mit Zeitreisen und reichlich Vaterkomplexen, der einen Haufen normaler Leute durch ein Wurmloch in die Zukunft schickt, um die menschliche Rasse zu retten: Chris McKays "The Tomorrow War" hat so viel zu bieten, dass selbst die Protagonisten gehetzt werden: Gewöhnliche Zivilisten, die eingezogen wurden, um in der nahen Zukunft gegen außerirdische Monster zu kämpfen, bekommen nur ein paar Tage Militärtraining, bevor sie sich dem (sehr unheimlichen) Feind (die sog. "White Spikes") stellen. Diese haben Gliedmaßen, Tentakel, Zähne, Keulen und blitzschnelle Bewegungen - und unterscheiden sich am Ende gar nicht so sehr von den Monstern in den "A Quiet Place"-Filmen. Glücklicherweise kommt der Anführer der menschlichen Widerstandstruppe vorgebildet daher: Als Biologielehrer, der auch schon Truppen im Irak geführt hat, ist Dan Forester (Chris Pratt) der richtige Mann für den Moment, auch wenn der erst in 30 Jahren kommen wird. Actionreich und solide inszeniert mit der Ausrichtung auf Familienunterhaltung hätte man sich diesen Streifen sogar im Kino vorstellen können. "The Tomorrow War" ist ein Film, der einen nach den bitter-süßen Nuancen von "Starship Troopers" sehnen lässt. Vieles davon ist schlichtweg kitschig (und mit 2 Stunden und 18 Minuten zu viel des Mittelmaßes), aber als ein Film die Definition von mitreißend angemessen.

Die Thematik ist auch nicht gerade neu. Bereits in "Terminator" wurde die Zeitreisethematik eingesetzt, um einein Vorteil in einem sonst aussichtslosen, ewig andauernden Kampf zu erlangen. In "The Tomorrow War" hält sich Regisseur McKay gar nicht erst lange mit Erklärungen auf und serviert in guter, alter "Ist eben so"-Manier seine Version des "Jump-Link"-Zeitreisekrieges, sodass man als Zuschauer am besten auch gar nicht weiter darüber nachdenkt, um den Film wirklich genießen zu können. Der Zuschauer, genau wie die Protagonisten werden gleich zu Beginn regelrecht und im wahrsten Sinne des Wortes in den Film geworfen und finden sich in einer apokalyptischen Welt wieder. Dann blendet der Film 28 Jahre zurück in einen Vorort, wo Dan Forester ein High-School-Biologielehrer ist, der beruflich nicht vorankommt, und der Vater eines 8-jährigen Wissenschaftsgenies namens Muri (Ryan Keira Armstrong). Er ist mitten in einer ausgelassenen Weihnachtsfeier bei sich zu Hause und sieht sich ein Fußballspiel im Fernsehen an, als etwas Unheimliches passiert: Eine lila elektromagnetische Wolke erscheint in der Mitte des Spielfelds, und aus der Wolke entsteigt ein S.W.A.T.-Team aus dem Weltraum. Ihre Anführerin (Jasmine Mathews) spricht zu den Zuschauern. "Wir sind Sie", sagt sie, "dreißig Jahre in der Zukunft." In nur 11 Monaten, sagt sie, werden alle Menschen vom Angesicht der Erde getilgt sein, "wenn ihr uns nicht helft."

"The Tomorrow War" handelt von einer außerirdischen Schlacht auf Leben und Tod, die im Jahr 2051 ausgetragen wird und für die sich die Erdenbürger von heute opfern müssen. Es wird die erste internationale Wehrpflicht eingeführt, wobei jeder Einsatz nur sieben Tage dauert. Doch die meisten derer, die in den Krieg "springen", kehren nicht zurück. Die Überlebensrate beträgt weniger als 20 Prozent - es ist die Zukunft als Fleischwolf. Nebenhandlunsgplatz ist der Vaterkonflikt, der mal wieder den altbackenen Weg beschreitet, sich seiner Pflicht zu ergeben, um ein höheres Ziel zu erreichen, obwohl Familie intensiv darum bittet, eben diesen Weg nicht zu beschreiten. Doch das höhere Ziel ist Dans entfremdeter Vater James (J.K. Simmons), der seinen Sohn vor langer Zeit verlassen hat, und der nun ein regierungsfeindlicher Einsiedler ist, der seine technischen Fähigkeiten für zwielichtige Zwecke einsetzt. Klar, dass ich hier weiteres Konfliktpotential auftut.

Es gibt unfreiwillig komische Momente in "The Tomorrow War" (wie etwa die Art und Weise, wie Muri die Giftformel entdeckt, nach der sie sucht), aber das Kitschigste an dem Film ist vielleicht einfach, dass der Film ein wahres Sammelecken für einen Sci-Fi-Blockbuster- ist: Aliens, Klimawandel, eine Reise in die Zukunft, um den Kurs der Menschheit zu ändern, "Interstellar"-Vater-Tochter-Umarmungen über die Zeit hinweg. Nichts, was man nicht schon einmal gesehen hätte. Der Kreaturen-Designer Ken Barthelmey hat jedenfalls sein Geld verdient, indem er Biester erschaffen hat, vor denen es sich zu fliehen lohnt; und dass McKay, der zwischen der Regie von "The Lego Batman Movie" und der kommenden Fortsetzung steht, ziemlich gut darin ist, reale Schauspieler in die Action einzubinden. Obwohl der Film vor zu vielen Zufällen strotzt und sich auf den einen oder anderen fragwürdigen Handlungspunkt verlässt, um seinen emotionalen Bogen zu spannen, funktioniert das Monster-killen gut genug, dass man sich kaum beschweren kann. Der Nervenkitzel erreicht einen scheinbar natürlichen Endpunkt; drei oder vier Dialogzeilen sind alles, was nötig wäre, um einen emotionalen und logischen Schlusspunkt zu setzen. Aber Dean macht weiter und fügt eine lange und waghalsige Mission hinzu, die nicht im Ansatz plausibel ist. Andererseits sieht man aber einen Film, in dem ein paar Wissenschaftler eine eigentlich unaufhaltsame Monsterhorde auslöschen, während sie in der Zeit hin und her hüpfen. Das kann man auch mal so durchgehen lassen.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe
: amazon Video

Sonntag, 6. Juni 2021

Last Action Hero (1993)

https://www.imdb.com/title/tt0107362/

Der 11-jährige Danny (Austin O'Brien) liebt Actionfilme. Am meisten hat es ihm Jack Slater (Arnold Schwarzenegger) angetan, ein muskulöser und cooler Held aus Los Angeles. Nick (Robert Prosky), der Vorführer in Dannys Stammkino, schenkt diesem eines Tages eine magische Eintrittskarte. Promt findet der Junge sich in der Welt von "Jack Slater IV" wieder, dem neuesten Film seines Idols. Fortan erlebt er Seite an Seite Abenteuer mit Jack. Dannys Versuche, ihn davon zu überzeugen, dass sie sich in einem Film befinden, scheitern - ganz egal, wie unrealistisch die Dinge sind, die ihnen passieren. Brenzlig wird es, als ein Superschurke in die reale Welt entkommt...

"Last Action Hero". Ein Film, der die Gemüter spaltet. Der Film wurde bereits vor der Veröffentlichung von US-amerikanischen Kritikern so einhellig verrissen, dass nur wenige Zuschauer in die US-Kinos gingen und die Medien von einem finanziellen Desaster sprachen. Dabei entging ihnen wohl , dass der "Stirb langsam" und "Predator"-Regisseur gekonnt alle Klischees des Genres und seiner Helden veralbert. Um wirklich alles zu verstehen, was bei "Last Action Hero" ablief, muss man einen ausführlichen Blick hinter die Kulissen riskieren.

Im März 1991 begannen Zak Penn und Adam Leff das Originaldrehbuch zu schreiben - das damals den Titel "Extremely Violent" trug. Zu Recherchezwecken lasen sie mehrere Drehbücher bekannter Actionfilme durch und die beiden besuchten die örtlichen Videotheken, dort liehen sie sich mehrere Actionfilme aus. Das Originaldrehbuch - welches online verfügbar ist - parodiert das Genre Actionfilm, spielt aber fast ausschließlich in der Filmwelt und konzentriert sich weitgehend auf den sinnlosen Kreislauf der Gewalt. Durch Kontakte ließen sie sich im Herbst 1991 vom Agenten Chris Moore von der Agentur Intertalent vertreten, der das Drehbuch verkaufen sollte. Moore präsentierte das Drehbuch Carolco Pictures, die bis dato mehrere erfolgreiche Actionfilme wie "Terminator 2: Tag der Abrechnung", die ersten drei Filme der "Rambo"-Reihe, "Red Heat" und "Total Recall" produzierte. Carolco Pictures lehnte das Drehbuch ab. Aus Sorge, das Drehbuch könnte nicht mehr verkauft werden, benannte Intertalent das Drehbuch in The "Last Action Hero" um und schickte es im November an fünf Produzenten. Laut der Daily Variety waren es u. a. Joel Silver von Warner Bros., Paul Schiff von Twentieth Century Fox und Sam Raimi von Universal sowie Steve Roth von Columbia Pictures und Columbias Schwesterstudio Tri-Star Pictures, die beide zu Sony Pictures Entertainment gehören. Es entwickelte sich - sehr zum missfallen von Sony - zu einem sechstägigen Bieterkrieg. Am 7. November 1991 erhielt Columbia Pictures für 350.000 US-Dollar den Zuschlag. Ausgerechnet Arnold Schwarzenegger, worauf die Figur Arno Slater angelehnt ist, war an dem Film interessiert. Produzenten von Columbia Pictures, die Schwarzenegger unbedingt als Hauptdarsteller gewinnen wollten, trafen sich mit ihm in seinem Restaurant "Schatzi on Main" in Santa Monica. Schwarzenegger liebte zwar die Idee des Films, aber er hielt das Drehbuch nicht "professionell umgesetzt" und hatte auch Bedenken wegen der extremen Gewalttätigkeit. Schwarzenegger wollte einen neues, familienfreundliches Image prägen. Da Schwarzenegger noch nicht zugesagt hatte, wollte Columbia Pictures auf seine Bedenken eingehen und engagierte – auf Schwarzeneggers Vorschlag hin – den erfolgreichen Drehbuchautor Shane Black ("Lethal Weapon", "Lethal Weapon 2" sowie "Last Boy Scout"), der das Drehbuch überarbeiten sollte. Black, der für den Auftrag 1 Million US-Dollar bekam, engagierte seinen Freund David Arnott als Co-Autor. Die Ironie dabei war, dass Penn und Leff das Drehbuch schrieben, indem sie Blacks Schreibstil parodierten. 2012 äußerte Penn gegenüber den Empire-Magazin, wie irritiert sie von Blacks Engagement waren: "Wir waren große Fans von ihm - er war der Elmore Leonard der Actionfilme. Es war also dieser surreale Moment, in dem wir dachten: Wir parodieren diesen Typen, und jetzt wurde er angeheuert, um uns umzuschreiben. Es war einfach ein merkwürdiges, seltsames Ereignis." Während Black und Arnott am Drehbuch arbeiteten, bot Columbia Pictures das ursprüngliche Originaldrehbuch dem Regisseur John McTiernan an, der es jedoch zuerst ablehnte; im Juli 1992 änderte er seine Meinung und übernahm die Regie des Films. Laut der Daily Variety war auch Robert Zemeckis als Regisseur vorgesehen. Penn und Leff hatten gehofft, dass Robert Zemeckis oder John Landis als Regisseur engagiert werden, denn sie glaubten, "dass es für jemanden von außen leichter ist, sich über die Konventionen von Actionfilmen lustig zu machen als für die Leute, die sie überhaupt erst geschaffen haben". Die Arbeit zwischen den Drehbuchautoren und McTiernan führte zu einigen Problemen, da der Regisseur mit dem letzten Drittel des überarbeiteten Drehbuchs unzufrieden war; die Autoren Black und Arnott wurden gefeuert. Schwarzenegger, der immer noch am Film interessiert war, empfahl den berühmten William Goldman als neuen Drehbuchautor, den er bei den Dreharbeiten von "Twins - Zwillinge" kennengelernt hatte. Nach einer anfänglichen Ablehnung akzeptierte Goldman das Angebot von Columbia Pictures als Script Doctor - auch Carrie Fisher und Larry Ferguson nahmen einige Änderungen am Drehbuch vor: Dabei wurde der Filmvorführer von Dannys Lieblingskino vom "dämonischen Bösewicht" zum freundlichen alten Mann; Benedict wurde zum Hauptantagonisten des Films; Slaters Vorname wurde von Arno zu Jack geändert. Auch Dannys Alter wurde von 15 auf 11 Jahre herabgesetzt, da Schwarzenegger bereits in "Terminator 2: Tag der Abrechnung" mit dem Teenager John Connor (gespielt von Edward Furlong) zusammenspielte. Goldmans Drehbuch sollte von Black und Arnott nochmal leicht modifiziert werden. Laut Black habe er die Bitte vom Regisseur abgelehnt, da er zuvor gefeuert wurde und die Anfrage als "Beleidigung seines Berufsstolzes" empfand. Charles Dance schrieb viele seiner eigenen Zeilen. Die Honorare für die Drehbuchautoren beliefen sich angeblich auf mehr als 2 Millionen US-Dollar.

Im August 1992 sagte Schwarzenegger zu. Am 2. November 1992 begannen die Hauptdreharbeiten und endeten am 1. April 1993 in Los Angeles. Bei den Dreharbeiten einer aufwendigen Actionszene gingen die Fenster mehrerer benachbarter Häuser zu Bruch. Columbia Pictures übernahm die Reparaturkosten. Im Dezember 1992 kam es zu Protesten der Anwohner Nahe dem Mulholland Drive, da die Dreharbeiten bis tief in die Nacht gingen. Die Arbeitszeiten wurden daraufhin so angepasst, dass die Dreharbeiten bis Mitternacht abgeschlossen waren. Während die Stimmung unter den Schauspielern gut war, herrschte beim Filmstab große Anspannung. Denn bis zur Premiere hatte John McTiernan nur neuneinhalb Monate Zeit. Vorproduktion, Produktion und Postproduktion sollten in weniger als zehn Monaten abgeschlossen werden. McTiernan sagte rückblickend gegenüber den Empire-Magazin: "Das war ein Monat zu kurz. Im Nachhinein betrachtet, waren wir auch arrogant." McTiernan war auch nicht davon begeistert, dass das Drehbuch ungenauer wurde, je mehr daran umgeschrieben wurde: "Der Studiochef konnte sich nicht entscheiden, ob dies ein Actionfilm oder ein Kinderfilm sein sollte". Großes Misstrauen hatte McTiernan gegenüber den ehemaligen Drehbuchautoren. Für die Postproduktion plante Columbia Pictures etwa zehn Wochen ein, was für ein Spielfilm in dieser Größenordnung sehr knapp bemessen ist. Um den Plan einzuhalten, musste der Filmstab in den letzten Wochen pro Tag etwa 18 Stunden arbeiten. Nach einer missglückten Testvorführung wurde beschlossen, das Ende neu zu drehen. Panik machte sich breit. Laut McTiernan hatten sie von den letzten Dreharbeiten bis zur Premiere nur etwa drei Wochen Zeit, wodurch ganze Szenen nicht einmal richtig geschnitten wurden. Infolgedessen kursierten Gerüchte, dass der Film nicht rechtzeitig zum Kinostart fertig werden würde und sie die Filmpremiere für einige Wochen verschieben. Columbia Pictures dementierte die Gerüchte und bestand darauf, dass der Film wie geplant im Juni in den Kinos kommen wird. "Last Action Hero" wurde als einer der größten Blockbuster des Sommers angepriesen und baute auf Schwarzeneggers riesigem Erfolg als Actionstar auf. Columbia Pictures investierte daher in teure und groß angelegte Werbekampagnen, die schon vor dem Dreh des Films begannen. 

Der Film gilt als Schwarzeneggers größter Flop, konnte jedoch trotzdem einen beachtlichen Gewinn erwirtschaften. Columbia Pictures räumte ein, dass die niedrigen Zahlen auf den gigantischen Erfolg von "Jurassic Park" zurückzuführen sind, der eine Woche vor "Last Action Hero" in den US-amerikanischen Kinos kam, eine ähnliche Zielgruppe ansprach und schnell zum umsatzstärksten Film aller Zeiten wurde. Der Erfolg von "Jurassic Park" wurde unterschätzt. Auch aus Angst vor negativer Publicity verweigerte Columbia Pictures eine Verschiebung des Kinostarts, obwohl Studio-Angestellte und die Filmemacher darum baten, den eigenen Film zu verschieben. Es hätte zwei Zwecke erfüllt: Erstens wären sie Jurassic Park aus dem Weg gegangen und zweitens hätte es den Filmemachern mehr Zeit gegeben, den Film zu verbessern. Ursprünglich wollte Columbia Pictures für den Sommer 1994 eine Fortsetzung von "Last Action Hero" produzieren, aufgrund des Misserfolgs wurden die Pläne gestrichen. McTiernan geriet in eine tiefe Krise. In einem Interview von 2001 beschrieb McTiernan die persönlichen Folgen von "Last Action Hero": "Ich ging nach Hause und wollte anderthalb Jahre lang mit niemandem reden. Ich bin in Wyoming geblieben und habe das Heu gemacht. Ich musste meine Wunden lecken." Schwarzenegger, der auch als Executive Producer fungierte, soll laut McTiernan über den Misserfolg sehr enttäuscht gewesen sein: "So gründlich abgewiesen zu werden – das hat ihm irgendwie das Herz gebrochen". Zak Penn reagierte bei der Uraufführung entsetzt, als er den Film zum ersten Mal sah. Der Film konnte die hohen Erwartungen an den Kinokassen nicht erfüllen. Weltweit spielte der Film ca. 137,3 Millionen US-Dollar ein – 50 Millionen US-Dollar in den USA und 87,3 Millionen US-Dollar in anderen Ländern. "Last Action Hero" war einer der ersten großen Blockbuster, der im Ausland mehr Geld einspielte als im Inland. Columbia Pictures gab die endgültigen Produktionskosten mit 47,5 Millionen US-Dollar an. Die Fachpresse spekuliert jedoch über Zahlen zwischen 77 und 85 Millionen US-Dollar, die aufgrund hoher Produktions- und Marketingkosten zurückzuführen seien.

Es gibt eben Film, die einst überhaupt nicht gut angekommen sind, für die man aber immer eine gewisse Liebe empfindet. "Last Action Hero" ist genau so ein Film. Das ist teilweise unverständlich, denn "Last Action Hero" ist eine fantastische und selbstironische Liebeserklärung für das Actionkino und besonders Arnold Schwarzenegger beweist hier sehr viel Humor über sich selbst. Die Idee ist köstlich, bei der Umsetzung gibt es viele lustige Anspielungen und Details zu entdecken. Wo Action draufsteht, ist auch ordentliche Action drin. Nur dass das Drehbuch einige Male, von verschiedenen Autoren geändert wurde offenbart sich auch spürbar im Endprodukt. "Last Action Hero" wirkt im Ton etwas unentschlossen, der Showdown des Films-im-Film steht im dramaturgischen Konflikt mit dem Showdown in der 'echten' Welt, und die ganze Geschichte ist ein gutes Stück zu lang. Über die zahlreichen logischen Ungereimtheiten lässt sich hingegen hinwegsehen, denn der Fokus liegt klar auf augenzwinkerndem Spaß. Natürlich werden alle Actionfilm-Klischees bedient, aber das geschieht komplett absichtlich. Einzig die Darstellung der realen Welt ist stets ein wenig zu zynisch und düster. Dadurch funktioniert zwar der Kontrast zwischen der unrealistischen Filmwelt und der trostlosen Realwelt, aber wirklich glaubwürdig wirken beide Welten nicht. Auch die Cameos können sich sehen lassen: Ian McKellen, Sharon Stone, Tina Turner, James Belushi, Chevy Chase, MC Hammer, Little Richard, Robert Patrick, Maria Shriver, Jean-Claude Van Damme, Bill Murray, Dagmar Koller, Damon Wayans, Weird Al Yankovic, Danny DeVito (Stimme von Whiskers, der Zeichentrickkatze) und Angie Everhart haben jeweils einen Auftritt. Schwarzenegger selbst spielt hier fantastisch auf und nimmt sich herrlich selbst aufs Korn. Als Jack Slater spielt er den typischen Actionhelden, der alle Klischees mitbringt, die man sich überhaupt vorstellen kann und das passt einfach grandios in diese filmische Satire. Mit Austin O'Brien ist das so eine Sache. Sein Schauspiel ist schon eher zweitklassig, aber irgendwie verkörpert er so den typischen Filmnerd im Kindesalter, in den man sich letztlich doch hineinversetzen kann. Damit liefert der Film eigentlich nur, was der Zuschauer auch erwarten kann. Und für seine gut 30 Jahre, die er nun auf dem Buckel hat, macht er aber immer noch verdammt viel Spaß.

8/10

Von SONY Pictures kommt der Film in UK in 4K Ultra HD im limitierten Steelbook:

Quellen
Inhaltsangabe: Columbia Pictures / Sony
Poster/Artwork: Columbia Pictures / Sony
Textauszüge: Wikipedia