Dienstag, 18. August 2026

Ice Cream Man (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt36893729/
https://letterboxd.com/film/ice-cream-man-2026/

Ein idyllischer Sommer in der US-Kleinstadt Bayleen Bay nimmt eine unheilvolle Wendung, als ein geheimnisvoller Eisverkäufer (Ari Millen) seine Süßigkeiten an die Kinder verteilt. Was zunächst wie eine harmlose Geste wirkt, entwickelt sich schon bald zu einer tödlichen Bedrohung. Kurz nach dem Verzehr des Eises häufen sich verstörende Vorfälle, die den Alltag der Bewohner erschüttern und die friedliche Kleinstadt ins Chaos stürzen. Die Kinder, die von den Leckereien gegessen haben, verwandeln sich in mordlustige Bestien und greifen ihre Mitmenschen an. Mit jeder neuen Gewalttat wächst die Verzweiflung der Einwohner, während sich die Ereignisse immer weiter zuspitzen. Aus dem unbeschwerten Sommer wird ein Albtraum, der Bayleen Bay an den Rand des Zusammenbruchs bringt und die Bewohner mit einer kaum begreiflichen Gefahr konfrontiert.

Eli Roth hat mit "Ice Cream Man" einen Film gedreht, der eigentlich genau in seine Komfortzone passen müsste: ein idyllischer amerikanischer Vorort, ein mysteriöser Eisverkäufer, Kinder mit mörderischen Gelüsten und jede Menge Blut. Die Grundidee ist herrlich geschmacklos und klingt nach einem kleinen, dreckigen Mitternachtsfilm, der sich genüsslich über die Grenzen des guten Geschmacks hinwegsetzt. Und tatsächlich liefert Roth reichlich Splatter. Das Problem ist nur: Blut allein macht noch keinen guten Horrorfilm. Zunächst funktioniert der Film aber erstaunlich gut. Roth hat sichtbar Spaß daran, das idyllische amerikanische Vorstadtbild Stück für Stück zu zerlegen. Sonnige Straßen, fröhliche Kinder und der freundlich klingelnde Eiswagen stehen in einem bewusst grotesken Kontrast zu dem, was anschließend passiert. Gerade diese Verbindung von Unschuld und Gewalt besitzt einen gewissen schwarzen Humor. 

Die größte Stärke ist zweifellos der Gore. Roth lässt sich bei den blutigen Einfällen kaum bremsen. Aufgeschlitzte Körper, abgetrennte Gliedmaßen und allerlei groteske Todesarten gehören hier zum festen Programm. Dabei greift der Film erfreulicherweise häufig auf praktische Effekte zurück, was dem Splatter eine angenehm handgemachte Qualität verleiht. Für Freunde des härteren Horrorfilms gibt es deshalb einiges zu entdecken. Allerdings nutzt sich dieser Effekt schnell ab. Was beim ersten Mal noch schockiert oder zumindest zum Grinsen bringt, wirkt bei der nächsten Eskalation zunehmend mechanisch. Der erste Mord durch ein Kind besitzt noch einen gewissen Schockwert, doch danach wiederholt der Film im Grunde immer wieder denselben "Gag". Genau hier verliert "Ice Cream Man" seine Wirkung. Roth hat zahlreiche Ideen für blutige Effekte, aber deutlich weniger für eine Geschichte, die diese Effekte miteinander verbindet. Das zeigt sich besonders bei den Figuren. Die Kinder sind in erster Linie Bestandteile der makabren Versuchsanordnung, während die Erwachsenen häufig kaum mehr als Opfermaterial darstellen. Auch der titelgebende Eisverkäufer bleibt erstaunlich blass. Ari Millen spielt ihn mit einer unheimlich stoischen Präsenz, einem künstlichen Lächeln und fast völliger Sprachlosigkeit. Das ist visuell durchaus interessant, reicht aber nicht aus, um aus ihm eine wirklich ikonische Horrorfigur zu machen. 

Auch die satirische Ebene bleibt hinter ihren Möglichkeiten zurück. Roth deutet Themen wie Erziehung, Autorität, Kleinstadtidylle und den Konflikt zwischen Kindern und Erwachsenen an, arbeitet sie aber kaum aus. Dadurch wirkt die Gesellschaftskritik eher wie eine Beilage zum Splatter als wie ein wesentlicher Bestandteil des Films. Im Vergleich zu "Thanksgiving", der seine gesellschaftlichen Beobachtungen deutlich stärker in seine Genrehandlung integrierte, ist "Ice Cream Man" entsprechend ein wesentlich dünneres Werk. Die retrohafte Ästhetik funktioniert, und die sonnige Vorstadt bietet einen schönen Kontrast zum blutigen Geschehen. Einige Sequenzen sind durchaus kreativ inszeniert. Gleichzeitig fehlt es dem Film an wirklicher Spannung. Man wartet häufig weniger darauf, was passieren wird, als darauf, wie Roth den nächsten Erwachsenen möglichst spektakulär zerlegt. "Ice Cream Man" entscheidet sich ganz bewusst für die Splatter-Komödie. Das kann legitim sein - nur muss dann auch der Humor dauerhaft funktionieren. Und genau das gelingt nicht immer. Einige makabre Einfälle sind herrlich absurd, andere wirken schlicht wie eine Aneinanderreihung von Gore-Gags. Dadurch entsteht ein Film, der zwar selten langweilig aussieht, aber durchaus langweilig erzählt ist. Die nur rund 86 Minuten Laufzeit helfen dabei paradoxerweise kaum, denn bereits deutlich vor dem Ende hat man das Grundprinzip vollständig verstanden. 

Trotzdem wäre es unfair, "Ice Cream Man" komplett abzuschreiben. Roth besitzt weiterhin ein gutes Gespür für groteske Bilder und weiß, wie man ein eigentlich harmloses Alltagsobjekt in etwas Unheimliches verwandelt. Der Eiswagen, das Klingeln, die bunten Sorten und die fröhliche Vorstadtästhetik bilden eine reizvolle Grundlage. Für ein Publikum, das vor allem möglichst abseitigen Splatter sucht, dürfte der Film durchaus seinen Reiz haben. "Ice Cream Man" ist ein blutiger, geschmackloser und stellenweise durchaus amüsanter Eli-Roth-Film, dem leider die entscheidende Zutat fehlt: eine wirklich gute Geschichte. Die Prämisse ist stark, die Gore-Effekte sind teilweise herrlich grotesk und die retrohafte Vorstadtatmosphäre funktioniert. Doch die Figuren bleiben dünn, die Spannung verpufft schnell und die satirischen Ansätze werden kaum weiterverfolgt. Aus der hervorragenden Idee eines mörderischen Eisverkäufers hätte ein bissiger Horrorfilm werden können; letztlich bekommt man vor allem eine sehr lange Folge blutiger Gags.

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkThe Horror Section/Media Capital Technologies/Head Gear Films/Mass Appeal/Metrol Technology/dentsu/Sixth Dimension

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