Montag, 17. August 2026

Worldbreaker (2025)

https://www.imdb.com/title/tt14264694/

Nachdem die Breakers aufgetaucht sind – Wesen, die ihre Opfer infizieren und verwandeln – bricht die bestehende Ordnung zusammen. Zunächst fallen die Männer, wodurch Frauen gezwungen sind, den bewaffneten Widerstand zu übernehmen. Willas (Billie Boullet) Mutter (Milla Jovovich) gehört zu den gefürchtetsten Kämpferinnen dieses Krieges, während ihr vom Erlebten gezeichneter Vater (Luke Evans) sich mit der Tochter auf eine abgelegene Insel zurückgezogen hat, um sie dort auf das Überleben vorzubereiten. Abgeschieden von der Außenwelt scheint ihr Alltag zunächst sicher, bis ein fremdes Mädchen an der Küste angespült wird. Aus dem Wunsch nach Nähe nimmt Willa sie heimlich bei sich auf. Als verborgene Wahrheiten ans Licht kommen, gerät der fragile Schutzraum in Gefahr.

Mit "Worldbreaker" versucht Regisseur Brad Anderson, aus einer klassischen Endzeitgeschichte über eine zerrüttete Welt, monströse Kreaturen und den Überlebenskampf einer Familie ein etwas persönlicheres Science-Fiction-Drama zu machen. Die Ausgangslage klingt durchaus reizvoll: Eine Katastrophe hat die Welt verändert, sogenannte „Breakers“ bedrohen die verbliebene Menschheit, und auf einer abgelegenen Insel bereitet ein vom Krieg gezeichneter Vater seine Tochter Willa auf das Überleben vor. Dazu kommen Milla Jovovich als kampferprobte Mutter und ein grundsätzlich interessantes Szenario, das irgendwo zwischen "Resident Evil" und klassischem Creature Feature angesiedelt ist. Leider bleibt von diesem Potenzial erstaunlich wenig übrig. Das größte Problem von "Worldbreaker" ist dabei nicht einmal sein vergleichsweise kleines Budget, sondern die Entscheidung, einen Großteil der Laufzeit nicht für das zu verwenden, was der Film seinem Publikum eigentlich verspricht. Wer aufgrund von Trailer und Prämisse einen temporeichen Endzeit-Actionfilm erwartet, muss sich zunächst auf eine lange Phase des Trainings und Zusammenlebens von Vater und Tochter einstellen. Luke Evans' Figur versucht, Willa auf die unausweichliche Konfrontation mit den Breakers vorzubereiten. Das besitzt durchaus einen nachvollziehbaren emotionalen Kern: Der Vater möchte seinem Kind die Fähigkeiten vermitteln, die es braucht, um in einer gefährlichen Welt selbstständig zu überleben. Genau diese Vater-Tochter-Beziehung gehört tatsächlich zu den interessanteren Bestandteilen des Films.

Billie Boullet ist entsprechend die große Entdeckung des Films. Als Willa vermittelt sie glaubwürdig den Übergang von einem behüteten Mädchen zu einer jungen Frau, die sich mit einer Welt auseinandersetzen muss, in der Sicherheit nur eine Illusion ist. Auch Luke Evans bringt genügend Präsenz mit, um den Vater als verletzlichen, aber entschlossenen Beschützer zu verkaufen. Ihre Chemie funktioniert besser, als das Drehbuch eigentlich verdient hätte. Milla Jovovich wiederum wird leider deutlich unter ihren Möglichkeiten eingesetzt. Wer nach ihrer jahrzehntelangen Erfahrung mit Action- und Science-Fiction-Stoffen eine zentrale Rolle erwartet, bekommt hier eher eine erweiterte Nebenfigur. Ihre Anwesenheit erinnert permanent daran, wie viel größer und spektakulärer dieser Film hätte werden können. Und damit sind wir beim eigentlichen Ärgernis: "Worldbreaker" besitzt eine Welt, die nach einem größeren Film verlangt. Die Geschichte der Breakers, der Zusammenbruch der Zivilisation, die offenbar veränderten gesellschaftlichen Machtverhältnisse und die militärischen Auseinandersetzungen werden angerissen, aber kaum vertieft. Gerade das Worldbuilding hätte dabei eine große Chance geboten. Die Breakers sind als Bedrohung grundsätzlich interessant, weil sie nicht einfach nur als weitere Zombies oder Monster gedacht sind. Doch der Film erklärt seine Welt nicht überzeugend genug und nutzt seine Kreaturen vor allem als gelegentliche Bedrohung. Statt ihre Herkunft, ihre Fähigkeiten oder die Auswirkungen ihres Auftretens wirklich auszuloten, konzentriert sich das Drehbuch auf die kleine Familiengeschichte. 

Besonders enttäuschend ist deshalb die Action. Ein Film mit Milla Jovovich, Luke Evans und einer Armee monströser Kreaturen müsste eigentlich mit einigen spektakulären Setpieces aufwarten können. Stattdessen wird die Action weitgehend auf wenige Abschnitte konzentriert. Handwerklich ist das Ganze allerdings nicht völlig misslungen. Brad Anderson, der mit Filmen wie "The Machinist" und "Session 9" bewiesen hat, dass er Atmosphäre und psychologischen Druck erzeugen kann, findet auch hier gelegentlich eindrucksvolle Bilder. Die abgeschiedene Insel bietet eine natürliche Kulisse für die Geschichte, und die Kamera fängt die Landschaft mit einer gewissen Härte und Schönheit ein. Das Problem ist vielmehr, dass die Bilder kaum durch eine entsprechend interessante Dramaturgie unterstützt werden. Die Inszenierung sieht stellenweise besser aus, als sich der Film anfühlt. Auch thematisch wäre mehr möglich gewesen. "Worldbreaker" beschäftigt sich mit Elternschaft, Schutz, Selbstständigkeit und der Frage, wann Beschützen in Bevormundung umschlägt. Interessant ist außerdem die ungewöhnliche gesellschaftliche Ausgangslage: Die Katastrophe hat insbesondere Männer stark dezimiert, während Frauen zunehmend die militärische Verteidigung übernehmen. Damit eröffnet der Film eine Diskussion über traditionelle Geschlechterrollen und moderne Vorstellungen von Männlichkeit. 

Nur leider bleibt auch diese Ebene größtenteils unausgeschöpft. Der Film deutet interessante Fragen an, stellt sie aber selten wirklich zur Diskussion. Dadurch wirkt manches eher wie Hintergrundmaterial für ein größeres Franchise als wie Bestandteil eines in sich geschlossenen Films. Hinzu kommt ein erhebliches dramaturgisches Problem. Nach einer langen Phase des Trainings und des Worldbuildings kommt der Film schließlich an den Punkt, auf den er die ganze Zeit vorbereitet hat - und wickelt den großen Konflikt vergleichsweise hastig ab. Damit entsteht der paradoxe Eindruck, dass "Worldbreaker" gleichzeitig zu langsam und zu kurz erzählt ist. Die rund 95 Minuten werden nicht optimal genutzt: Für den eigentlichen Konflikt bleibt zu wenig Zeit, während die Vorbereitung unverhältnismäßig viel Raum einnimmt. Im Vergleich zu anderen Endzeitfilmen wird diese Schwäche besonders deutlich. 
Das macht die Bewertung letztlich schwierig, denn der Film ist nicht völlig ohne Qualitäten. Billie Boullet ist überzeugend, Luke Evans funktioniert als Vaterfigur, die Landschaftsaufnahmen besitzen Atmosphäre und Brad Anderson versucht immerhin, aus dem bekannten Endzeitmaterial etwas Persönliches zu machen. Doch für einen Film, der mit Endzeit, Monstern, Krieg und Milla Jovovich wirbt, ist das schlicht zu wenig. "Worldbreaker" ist kein Totalausfall, aber ein Film über Möglichkeiten, die er fast nie nutzt. Er wirkt weniger wie der Beginn einer faszinierenden neuen Science-Fiction-Welt als wie ein ausgedehnter Prolog, der irgendwann abrupt endet. Selbst die positiven Ansätze – insbesondere die Vater-Tochter-Beziehung - werden durch ein Drehbuch ausgebremst, das seine eigene Welt nicht mutig genug erkundet. Brad Anderson versucht, den üblichen Creature-Feature-Mechanismen eine emotionale Ebene entgegenzusetzen, doch dafür ist die Geschichte zu dünn und die Welt zu wenig ausgearbeitet. Was als Auftakt zu einem größeren Science-Fiction-Abenteuer durchaus funktionieren könnte, enttäuscht als eigenständiger Film.

3,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork23ten/Gramercy Park Media/Studio507/Amasia Entertainment/Peachtree Media Partners/Northern Ireland Screen/(Source Management + Production/Sugar Studios LA/Dark Castle Entertainment

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