Sonntag, 15. März 2026

Good Luck, Have Fun, Don’t Die (2026)

https://www.imdb.com/title/tt1341338/

Ein seltsam gekleideter Mann betritt ein Diner in Los Angeles und behauptet, aus einer dystopischen Zukunft zu stammen, in der eine Künstliche Intelligenz die Menschheit versklavt hat. Er erklärt den irritierten Gästen, er müsse genau die "richtige Kombination" von Personen rekrutieren, um in dieser Nacht die Entstehung jener KI zu beeinflussen und damit die Apokalypse zu verhindern - es sei bereits sein 117. Versuch, weil alle vorherigen Zeitreisen gescheitert sind. Nach anfänglichem Spott und Unglauben zwingt er einige der Anwesenden - darunter Mark und Janet, ein Lehrer-Ehepaar, sowie Susan und Ingrid - mit der Drohung, das Diner in die Luft zu sprengen, sich ihm anzuschließen, während andere freiwillig mitkommen. Als die Polizei das Lokal umstellt und ein Gast getötet wird, gelingt der Gruppe zusammen mit dem Mann aus der Zukunft die Flucht durch einen Service-Tunnel. Die Mission der Gruppe besteht darin, einen neunjährigen Jungen zu finden, der kurz davorsteht, jene übermächtige KI zu erschaffen; und der Mann will ihm lediglich ein Sicherheitsprotokoll unterschieben, das die schlimmste Entwicklung verhindern soll...

Es gibt Science-Fiction-Filme, die dem Zuschauer erklären, warum die Welt untergehen wird. Dieser hier erklärt, warum man sie trotzdem noch retten wollen würde. Gore Verbinskis "Good Luck, Have Fun, Don’t Die" ist eine Mischung aus Endzeit-Vorhersage, Zeitreise-Farce und Gamer-Meta-Witz - und funktioniert, weil er mitten in seinem Chaos noch an so etwas Altmodisches glaubt wie den menschlichen Funken. Um 22:10 Uhr betritt ein Mann in transparentem Regenmantel, seltsamen Schuhwerk und etwas, das wie eine computerisierte Sprengstoffweste aussieht, ein Diner in Los Angeles. Er behauptet, aus der Zukunft zu kommen, um eine bevorstehende KI-Apokalypse zu verhindern - und genau die richtige Kombination aus Gästen rekrutieren zu müssen, um zu gewinnen. Dies sei Versuch Nummer 117; alle anderen seien gescheitert. Sam Rockwell spielt diesen "Mann aus der Zukunft" als Mischung aus Prophet, Obdachlosem und Verschwörungstheoretiker, der seine Rekruten halb mit Charisma, halb mit der sanften Drohung überzeugt, das Diner in die Luft zu jagen.  Am Ende folgen ihm widerwillig Mark (Michael Peña), Janet (Zazie Beetz), Scott (Asim Chaudhry), Susan (Juno Temple), Ingrid (Haley Lu Richardson) und andere, und der Film kippt aus der Kammerspiel-Situation in ein treibendes Actionmovie - mit Reset-Knopf am Sprenggürtel, der die Handlung in echter "Und täglich grüßt das Murmeltier"-Manier immer wieder zurückspulen kann.

Der Titel ist Programm: Der Film baut sich wie ein Koop-Videospiel auf - mit Leben, Läufen und Insider-Jokes in richtiger Party-Konstellation, die von "The Cake Is A Lie" bis zu Anspielungen auf "Mass Effect 2" reichen. Verbinski erdet zudem Genrekonzepte an einzelnen Figuren. Der Plot ist wild und oftmals schräg, aber die emotionalen Fäden sind klar: Susan, eine alleinerziehende Mutter, deren Sohn bei einem Schulmassaker starb, sucht verzweifelt nach einem Weg, ihn zurückzubekommen - erst durch einen Klon, dann durch eine virtuelle Wiederbelebungs-KI. Ingrid, die in einem zerschlissenen Prinzessinnenkleid herumläuft, hat eine physische Allergie gegen Elektronik und verlor ihren Partner Tim an eine VR-Welt, die "besser als die Realität" sein sollte. Mark und Janet, ausgerüstet mit einer Art selbstgebauten EMP-Waffen, die Handys lahmlegen, opfern sich, um eine Horde Smartphone-besessener Teenager aufzuhalten, die wie eine ferngesteuerte Masse über das Nachbarhaus herfallen, das die Quelle der KI beherbergt. Und dann ist da Sam Rockwell. Er spielt den Mann aus der Zukunft als pure Energie, ständig zwischen Euphorie, Zynismus und Zusammenbruch, halb Visionär, halb Hochstapler, und der Film lebt davon, dass man nie ganz sicher sein kann, wie sehr man ihm trauen darf. Haley Lu Richardson bringt als Ingrid eine verletzliche Erdung hinein, während Juno Temple als Susan ein absolute Fragment ist - eine fiebrige, getriebene Energie, die den Film immer wieder aus der bloßen Komik in Schmerz kippen lässt. Der Zynismus ist so grandios überbordernd, dass einem an mancher Stelle sogar das Lachen im Hals steckenbleibt, etwa, wenn Susan auf einer Selbsthilfe-Party für Hinterbliebene von Schulmassakern erfährt, dass manche schon zum vierten Mal hier sind - selbstverständlich nicht immer mit demselben Kind - , und sich langsam einen Spaß daraus machen.

"Good Luck, Have Fun, Don’t Die" könnte man als Mischung aus "Terminator 2" und "Und täglich grüßt das Murmeltier" beschreiben. Verbinski kehrt nach fast einem Jahrzehnt Pause mit einer inszenatorischen Wucht zurück, die man aus "Fluch der Karibik" kennt: rasende Kamerafahrten, visuelle Gags im Hintergrund, eine Welt, die sich für den Mann aus der Zukunft bei jedem Reset subtil verändert, abhängig davon, wie die Figuren reagieren. In der zweiten Hälfte bekommt der Film fast die Struktur eines immer wieder neu generierten Spielelevels: Der Weg zum Ziel, in dem ein Kind sitzt, das als Vehikel für die entstehende Super-KI fungiert, ist jedes Mal anders. Mal sind es bewaffnete Maskenmänner, mal die Teenager-Masse, mal die scheinbar perfekten Eltern, die sich als feindliche Avatare entpuppen. Einmal gelingt es, einmal scheitert alles brutal - und der Mann drückt erneut auf seinen Reset-Schalter. Die Actionsequenzen sind dabei nicht nur Spektakel, sie dienen als Variationen eines Themas: Wie weit lassen sich Menschen manipulieren, wenn Algorithmen ihre Aufmerksamkeit, ihre Trauer, ihr Begehren steuern? Im Zentrum steht nämlich ein erstaunlich bitterer Gedanke für eine Sci‑Fi-Komödie: Die größte Gefahr der KI ist nicht die Explosion, sondern der Trost. Susan lässt sich auf eine Firma ein, die verspricht, ihren toten Sohn zu klonen; als der Klon sich unnatürlich verhält (und - weil sie das Werbemodell genommen hat, weil es günstiger war, immer mal wieder nicht ganz so subtile Advertisements von sich gibt), sucht sie Zuflucht bei einer alternativen KI, die ihren Sohn virtuell zurückbringt - perfekt, gefügig, nie wirklich widersprechend. Das Ende ist dann auch genau so gemein, wie es nur hätte sein können und spätestens hier kapiert der Zuschauer: In einer Welt, in der jede Utopie synthetisch generierbar ist, besteht der menschliche Akt darin, der Illusion zu misstrauen. "Good Luck, Have Fun, Don’t Die" ist sicherlich chaotisch, überladen, irgendwo lächerlich und tonal etwas zu laut, aber zugleich eben kreativ, zutiefst aufrichtig und einfach nur stark - ein Film, der seine Angst vor technologischer Überwältigung in Humor verwandelt, nicht um sie zu verharmlosen, sondern um sie erträglich zu machen. 

"Good Luck, Have Fun, Don’t Die" ist vermutlich weniger interessant als reine Genre-Spielerei, sondern eher als Film darüber, wie Menschen Geschichten benutzen, um die Angst vor dem Ende in Sichtweite zu strukturieren. Die Loops sind dabei nicht nur Zeitreise-Gags, sie sind unsere Versuche, es beim nächsten Mal besser zu machen - im Leben, im Umgang mit Technologie, in der Art, wie man mit Verlust umgeht. Rockwells Figur ist dabei grandios: ein Mann, der buchstäblich die Savegames eines gescheiterten Universums in sich trägt und trotzdem noch versucht, andere zu überzeugen, dass dieses eine Leben zählt. Und er hätte die leisen Szenen mit Susan und Ingrid bemerkt, in denen der Film plötzlich aufhört, witzig sein zu wollen - und einfach zwei Menschen zeigt, die den Sirenengesang einer Maschine widerstehen, die ihnen verspricht, den Schmerz wegzupatchen. "Good Luck, Have Fun, Don’t Die" ist ein Film wie ein überforderter Browser mit zu vielen Tabs: alles blinkt, alles schreit, und irgendwo dazwischen sitzt ein kleines, trotziges Stück Menschlichkeit. Sicher gibt es hier und da ein paar Logiklöcher und spürbare Ungereimtheiten, doch der Ritt, angefangen in der 117. Version des Diners, ist von Beginn an unterhaltsam, urkomisch und teilweise sogar mild schockierend. Und das alles in einer wunderbar einnehmenden Mischung, die einen über die knapp 2 Stunden wunderbar unterhält. 

8/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Constantin Film/Blind Wink Productions/3 Arts Entertainment

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