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Donnerstag, 18. Dezember 2025

Avatar: Fire And Ash (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt1757678/

Die Sullys finde weiterhin Unterschlupf beim Clan der Metkayina an der Küste Pandoras. Dennoch tun sie sich schwer, zu einer Art Normalität zu finden, denn der Tod von Neteyam (Jamie Flatters) während des Kampfes gegen die Resources Development Administration (RDA) der Menschen wiegt immer noch schwer. Jake (Sam Worthington), Neytiri (Zoe Saldaña), Lo’ak (Britain Dalton), Tuk (Trinity Jo-Li Bliss), Spider (Jack Champion) und Kiri (Sigourney Weaver) müssen alle ihren eigenen Weg finden, mit diesem bitteren Verlust umzugehen. Schließlich entscheiden die Sullys, dass es vor allem für Spider an diesem Ort nicht mehr sicher genug ist. Er soll zurück in die Festung der Omatikaya gebracht werden. Doch auf dem Weg dahin werden sie vom Mangkwan-Clan, dem Volk der Asche, angegriffen. Der Clan hat sich von der Lebensweise der Na'vi abgekehrt, seit ein Vulkanausbruch ihre Heimat in Schutt und Asche gelegt hat. Und auch die RDA hat noch nicht das letzte Wort gesprochen...

Der dritte Teil der "Avatar"-Saga von James Cameron, "Avatar: Fire & Ash", ist ein Triumph der Form und ein Symptom der Erschöpfung zugleich. Er zeigt ein Kino, das technisch immer weiter wächst, aber erzählerisch in seinem eigenen Ökosystem gefangen bleibt. Die Geschichte wird direkt an die Ereignisse in "Avatar: The Way Of Water" angeknüpft (ursprünglich waren beide Filme sogar als ein Teil geplant, erst beim Schreiben des Drehbuchs entschied James Cameron, die Story aufzuteilen, weswegen die Filme besonders eng verbunden sind). Im Verhältnis zu "Avatar" und "Avatar: The Way Of Water" wirkt "Avatar: Fire & Ash" wie der Moment, in dem eine ursprünglich einfache Parabel unter dem Gewicht ihrer eigenen Mythologie zu knirschen beginnt. Der erste Film war im Kern eine geradlinige Kolonialismus-Geschichte: eine "Pocahontas"-Variante im Weltraum, klar, archaisch, bewusst klischeehaft, getragen von der schieren Kraft der Weltentdeckung. "Avatar: The Way Of Water" hat dieses Muster nicht aufgelöst, sondern ausgedehnt: Ein Ortswechsel (Wald zu Ozean), neue Stämme, wieder Familienbedrohung, wieder militärische Präsenz, wieder ein großes Zerstörungsfinale - aber emotional geerdet durch das Familienmotiv und gestützt von einer noch reicheren audiovisuellen Palette. "Avatar: Fire & Ash" ist nun der erste Teil der Reihe, der spürbar unter der Last der Wiederholung steht. Die Welt ist etabliert, die Technik perfektioniert, das zentrale emotionale Thema - Familie als Heiligtum - längst eingeführt. Was fehlt, ist eine echte narrative Entwicklung dieser Prämissen: Stattdessen variiert der Film bekannte Konfliktarchitekturen, verlagert sie auf neue Stämme und Schauplätze und versucht, Intensität vor allem über Quantität zu steigern.

Stärker als seine Vorgänger rückt "Avatar: Fire & Ash" die Perspektive von Spider in den Vordergrund - der menschliche Sohn zwischen den Welten, zerrissen zwischen der Na’vi-Familie, die ihn großgezogen hat, und dem Vater, der in ihm eher ein Werkzeug als ein Kind sieht. Diese Entscheidung ist klug: Sie gibt dem gigantischen Spektakel eine menschliche, verletzliche Mitte und macht einen Konflikt spürbar, der über die einfache Dichotomie "Der Mensch ist böse / die Na’vi sind gut" hinausgeht. Die Frage, was Loyalität bedeutet, wenn Herkunft und Erziehung auseinanderfallen, ist im Keim deutlich komplexer als alles, was der erste "Avatar" sich erzählerisch zugemutet hat. Doch der Film traut dieser Figur nicht immer genug. Wie schon bei Kiri im zweiten Teil wird eine interessante innere Spannung zwar eingeführt, aber selten so konsequent in dramatische Entscheidungen übersetzt, dass der Zuschauer das Gefühl hat: Ohne Spider würde die Geschichte eine andere Richtung nehmen. Stattdessen fällt der Film wieder und wieder auf vertraute Muster zurück - Entführungen, moralische Zwickmühlen, Opfergesten im Finale -, die Spiders Konflikt eher illustrieren, als ihn strukturell zu tragen. Die emotionale Achse ist da, aber sie wird nach dem Lehrbuch belastet, nicht wirklich erforscht.

James Cameron ist ein Regisseur der Klarheit: Seine besten Filme - "Aliens", "The Abyss", "Terminator 2: Tag der Abrechnung", "Titanic" - leben von einer fast brutalen Simplizität in der Dramaturgie, die in der Inszenierung zu opernhafter Größe aufgeladen wird. In "Avatar: Fire & Ash" bleibt diese Klarheit formal erhalten, doch sie kippt zunehmend in Monotonie. Der Film arbeitet wieder mit einer lang vorbereiteten Eskalationsspirale: Ein erster Angriff, ein Rückzug, ein erneuter Vorstoß, eine persönliche Geiselnahme, ein ausgedehntes Finale, das mehrfach scheinbar endet und dann noch eine Steigerungsstufe findet. Was bei "Avatar" noch wie eine klassische, fast altmodische Abenteuergeschichte wirkte und bei "Avatar: The Way Of Water" durch das Meer-Setting und die Einführung der Kinder emotional aufgefrischt wurde, fühlt sich im dritten Anlauf weniger wie Struktur als wie noch mehr Schablone an. Der Zuschauer erkennt die Mechanik: Eine Figur wird isoliert, bedroht, gerettet; ein Clan wird in die Knie gezwungen, sammelt sich, schlägt zurück; Natur und Spiritualität liefern den bildmächtigen, moralischen Unterbau. Die Dramaturgie ist effektiv, aber man spürt, dass sie sich seit Teil Eins kaum verändert hat - sie wurde nur größer, lauter, dichter.

Die größte Stärke der "Avatar"-Reihe war immer das Gefühl, in eine glaubwürdige, sinnlich überladene Welt einzutauchen, in der jedes Biolumineszenz-Partikel, jede Kreatur, jeder Stamm Teil eines konsistenten Ökosystems ist. "Avatar: Fire & Ash" erweitert diese Welt erneut - der Asche-Clan bringt eine visuelle und kulturelle Variante der Na’vi ein, die bedrohlicher, härter, roher wirkt als die bisher bekannten Stämme. Feuer, Ruß, karge Landschaften: Die Bilder stellen eine Art apokalyptisches Spiegelbild der üppigen, wasserreichen Paradiese der Vorgänger dar. Doch genau hier macht der Film seine zentrale Schwäche sichtbar: Das Worldbuilding überragt die Geschichte. Die neuen kulturellen und politischen Spannungen innerhalb der Na’vi bieten enormes Potenzial - eine Abkehr vom einfachen Kolonialismus-Schema hin zu inneren Konflikten, zu Machtverschiebungen, zu der Frage, wie eine bedrohte Kultur selbst Gewalt ausübt. Statt diese Linien konsequent durchzuziehen, nutzt der Film sie oft als Hintergrundtextur für ein vertrautes Grundmuster: Äußerer Feind, innerer Zwist, großes Bündnis im Angesicht der Vernichtung. Es entsteht der Eindruck, dass Pandora immer reicher, die Handlung aber immer dünner wird.

Darstellerisch bleibt die Reihe auf ihrem Niveau, was fast paradoxerweise die erzählerischen Defizite unterstreicht. Zoe Saldañas Neytiri ist weiterhin emotionaler Kern: Wut, Trauer, Schutzinstinkt - alles schlägt direkt durch die digitale Maske, so dass der Zuschauer kaum je vergisst, dass hier echte Körper und Gesichter performen. Stephen Langs Quaritch wird im Verlauf der Trilogie zur tragischeren, innerlich zerrissenen Figur, ohne je komplett seine Funktion als personifizierter Rachetrieb zu verlieren. Oona Chaplin als Varang bringt eine neue, kalte Intensität ins Ensemble; ihr Clan wirkt glaubhaft als Macht, die nicht nur Opfer, sondern auch Täter ist. Der Widerspruch liegt darin, dass diese komplexeren Figurenkonstellationen oft auf relativ simplen Motivketten beruhen: Rache, verletzter Stolz, Loyalität zur Familie, Misstrauen gegenüber dem Fremden. Das ist grundsätzlich nichts Schlechtes - große Mythen funktionieren seit Jahrhunderten nach solchen Schemata -, aber "Avatar: Fire & Ash" suggeriert mit seiner epischen Laufzeit und Weltfülle eine psychologische Tiefenschärfe, die das Drehbuch nicht konsequent einlöst. Man spürt, wie oft Figuren nicht handeln, weil ihre innere Logik sie dazu zwingt, sondern weil der Plot eine bestimmte Konstellation benötigt.

Camerons spätes Werk ist vom Motiv der Familie besessen. Schon in "Avatar: The Way Of Water" wurde das Mantra "Die Sullys halten zusammen" zum emotionalen Leitmotiv, und "Avatar: Fire & Ash" führt diese Linie fort und verschärft sie. Familie ist hier zugleich Schutzraum, moralischer Kompass und Achillesferse: Fast jeder dramatische Höhepunkt entsteht aus einer Bedrohung für Kinder, Partner oder Wahlverwandte. Das verleiht dem Spektakel Bodenhaftung, macht aber auch deutlich, wie eng der thematische Rahmen geworden ist. Während "Avatar" noch eine klassische Reise vom Ich zum Wir war und "Avatar: The Way Of Water" die Verantwortung des Elternseins in einer feindlichen Welt thematisierte, wirkt "Avatar: Fire & Ash" stellenweise wie eine Wiederholung derselben Lektion: Familie ist alles, die äußere Welt ist gefährlich, Loyalität wird im Blut bezahlt. Was fehlt, ist der nächste gedankliche Schritt - etwa die Frage, wann familiäre Loyalität selbst zu einem blinden Fleck wird, der kollektive Verantwortung verhindert. Der Film deutet solche Ambivalenzen an, wenn innerna’vianische Konflikte eskalieren, zieht aber selten die Konsequenz, sie auch moralisch wirklich unbequem zu machen.

Formal bleibt Cameron immerhin auf einem Niveau, das die meisten Blockbuster schlicht alt aussehen lässt: Die Organisation der Action, die räumliche Klarheit, der Einsatz von IMAX, 3D und High Frame Rate, die Präzision des Schnitts - all das ist technisch nahezu makellos. "Avatar: Fire & Ash" bietet Bilder, für die das Kino erfunden worden zu sein scheint: infernalisch leuchtende Schlachtfelder, glühende Asche über schimmernden Körpern, das Nebeneinander von Naturidylle und Kriegstrauma in einer einzigen Einstellung. Doch je weiter die Reihe fortschreitet, desto deutlicher stellt sich eine Frage: Wozu dient das alles? Beim ersten "Avatar" war die Antwort einfach: Wir schauen einem Mann zu, der eine neue Welt entdeckt und dadurch ein besserer Mensch wird. Im zweiten Film lernt eine Familie zu überleben, indem sie sich anpasst und ihre Schwächen eingesteht. Beim dritten Film ist die Antwort weniger klar. Das Spektakel ist atemberaubend, aber es erzählt zunehmend Variationen desselben Konflikts. Der Eindruck entsteht, dass die formale Innovation schneller vorankommt als die Ideen, die sie tragen sollen.

Im Kontext der ersten beiden Filme lässt sich "Avatar: Fire & Ash" als Wendepunkt lesen: Es ist der Moment, in dem die "Avatar"-Reihe endgültig zur eigenen Mythologie wird - reich an Symbolen, Stämmen, Ritualen, bedeutungsschweren Visionen -, ohne sich gleichermaßen um die innere Notwendigkeit jeder neuen Wendung zu kümmern. Die Geschichte entwickelt sich weniger organisch aus den Figuren und mehr aus der Notwendigkeit, eine übergeordnete Saga über mehrere Teile zu spannen. Das Ergebnis ist ein Film, der gleichzeitig beeindruckt und ermüdet. Er demonstriert, wie weit Blockbuster-Kino technisch gediehen ist, und erinnert doch daran, dass selbst die beeindruckendste Welt irgendwann nach einer Geschichte schreit, die mehr ist als eine weitere, wenngleich sehr kunstvoll arrangierte Belagerung. "Avatar: Fire & Ash" ist ein Film, den man sich mit offenem Mund ansieht - und dabei spürt, dass die Augen voller Wunder sind, während der Kopf sich wünscht, das Herz bekäme etwas riskanteres, unerwarteteres zu tun. Dennoch wieder visuell eine Wucht und der Gedanke, dass genau für solche Filme IMAX 3D existiert.

7,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Twentieth Century Studios/Disney

Mittwoch, 14. Dezember 2022

Avatar: The Way Of Water (2022)

https://www.imdb.com/title/tt1630029/

Mehr als zehn Jahre nach den Ereignissen des ersten Films haben Jake (Sam Worthington) und Neytiri (Zoe Saldana) eine Familie gegründet. Ihre Kinder sind Neteyam (Jamie Flatters), Lo'ak (Britain Dalton) und Tuktirey (Trinity Bliss), der adoptierte Menschenjunge Miles "Spider" Socorro (Jack Champion) und die adoptierte Na'vi-Teenagerin Kiri (Sigourney Weaver). Doch ihre Heimat ist weiterhin nicht sicher vor den Machenschaften der Resources Development Administration (RDA), die fremde Planeten ausbeutet und dort für die Menschen wichtige Ressourcen abbaut. Nach dem Tod von Colonel Miles Quaritch (Stephen Lang) hat nun General Ardmore (Edie Falco) die Kontrolle über die RDA übernommen. Bald sehen sich Neytiri, Jake und ihre Familie gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen und beim Na'vi-Stamm der Metkayina Zuflucht zu suchen, der an den Küsten und Meeren des Mondes Pandora lebt und von der schwangeren Ronal (Kate Winslet) und ihrem Mann Tonowari (Cliff Curtis) angeführt wird...

Bereits 2006 kündigte James Cameron an, dass er "Avatar" gern als Trilogie herausbringen würde, falls der erste Teil erfolgreich sein sollte. Doch nachdem die Fortsetzung ursprünglich 2015 in die Kinos kommen sollte und das Produktionsstudio Twentieth Century Fox im April 2014 den Kinostart für 2016 ankündigte, gab Cameron im Januar 2015 bekannt, dass sich die Veröffentlichung der Fortsetzung bis Ende 2017 verschieben würde. Nach der Bekanntgabe, dass die Reihe auf eine Tetralogie erweitert wird, wurde bekannt, dass alle drei Fortsetzungen gemeinsam produziert werden sollen, da die Geschichte zwischen allen Filmen geschlossen sei, so Cameron. Später wurde die Filmreihe um einen weiteren Film erweitert, was sie zu einer Pentalogie macht. Und nun standen die Filmfans in den Startlöchern und wussten irgendwann nichtmehr, ob sich die Ankündigungen tatsächlich bewahrheiten sollten. 

Das Budget des Films wird auf rund 250 Millionen geschätzt. Offizielle Angaben zum tatsächlichen Budget gibt es nicht. Auf die Frage, wie teuer der Film gewesen sei, sagte Regisseur James Cameron zum Magazin GQ "very fucking [expensive]," according to Cameron, who told me he’d informed the studio that the film represented "the worst business case in movie history." In order to be profitable, he'd said, “you have to be the third or fourth highest-grossing film in history. That’s your threshold. That’s your break even." Gegenüber dem Produktionsstudio soll Cameron also gesagt haben, dass der Film mindestens auf Platz drei oder vier der finanziell erfolgreichsten Filme aller Zeiten landen müsse, um überhaupt profitabel zu sein. Damit müsste "Avatar: The Way Of Water" über zwei Milliarden US-Dollar einspielen. Das muss man mit einem Film, der 190 Minuten, und damit ca. 20 Minuten länger als der "Extended Collector's Cut" des ersten "Avatar", läuft, erst einmal schaffen. Und zu diesem Zeitpunkt bleibt diese Frage offen. Doch was man sagen kann, ist, dass allein das Bild bahnbrechend ist. So bahnbrechend, dass selbst die in 3D gezeigten Trailer schon eine spürbar andere Bildqualität besaßen als andere, die ebenfalls gezeigt worden. 3D ist tot - aber eben nur im Heimkino. Und man darf durchaus hoffen, dass zumindest "Avatar: The Way Of Water" den Weg auf 3D-Disc findet. Zu wünschen wäre es.

Eines muss man Regisseur James Cameron ja zugute halten: er schafft es immer, dass die Zuschauer vollständig in seine Welten eintauchen. So tief, das sie glauben, dass Aliens außerirdische Killermaschinen sind, dass ein Mensch einen zeitreisende Cyborgs besiegen kann und dass ein Film einen inmitten einer bedeutende historischen Katastrophe versetzen kann. In vielerlei Hinsicht ist der Planet Pandora in "Avatar" seine bislang ehrgeizigste Art, diesen Glauben an die Macht des Kinos zu vermitteln. Kann man alles in seinem Leben hinter sich lassen und einen Film auf eine Art und Weise erleben, die im Zeitalter der Ablenkung immer schwieriger geworden ist? Mit dem technologischen Fortschritt hat Cameron die Grenzen seiner Überzeugungskraft noch weiter ausgedehnt und mit 3D, High Frame Rate und anderen Spielzeugen gespielt, die zu Beginn seiner Karriere noch nicht verfügbar waren. Der Erfolg seines Filmes von 2009 hat die Richtung des digitalen Filmemachens und des Vertriebs stark beeinflusst, und obwohl sich die Welt in den 13 Jahren bis zu dieser Fortsetzung sehr verändert hat, gibt es Dinge, die sich nie ändern - wie zum Beispiel die Art und Weise, wie James Cameron, wenn er sich für eine Fortsetzung entscheidet, die vorangegangene Geschichte auf überraschende und fesselnde Weise erweitert und ausschmückt. "Avatar: The Way Of Water" scheut sich nicht, verdammt schräg zu sein, da er die nackte Sentimentalität des ersten Films verdoppelt, die Handlung auf interessantere Charaktere konzentriert und, ja, es muss gesagt werden, die Höchstmarke für visuelle Effekte im Film wieder einmal setzt. Zusätzlich ist eines der vielen Dinge, die an "Avatar: The Way Of Water" so faszinierend sind, ist die Art und Weise, wie sich Camerons Glaube in Themen manifestiert, die er schon so oft erforscht hat. Dieser äußerst unterhaltsame Film ist keine Neuauflage von "Avatar", sondern ein Film, in dem Fans thematische und sogar visuelle Elemente von "Titanic", "Aliens", "The Abyss" und "The Terminator"-Filmen erkennen können. Es ist, als ob Cameron für immer nach Pandora umgezogen ist und alles mitgebracht hat, was ihm wichtig ist. (Cameron lädt die Zuschauer mit so vielen eindrucksvollen Bildern und phänomenal inszenierten Actionszenen in diese vollständig realisierte Welt ein, dass alles andere in den Hintergrund tritt.

Vielleicht nicht sofort. "Avatar: The Way Of Water" kämpft zu Anfang damit, Fuß zu fassen, und wirft den Zuschauer auf eine erzählerisch schwerfällige Weise zurück in die Welt von Pandora. Man merkt, dass Cameron der Aufbau der Welt in der Mitte des Films am meisten am Herzen liegt, was eine seiner größten Leistungen ist, und so überstürzt er einige der Vorbereitungen, um zu den wesentlichen Dingen zu kommen. Man erfährt, dass Jake Sully (Sam Worthington), der einst den Avatar nur steuerte, nun ein Vollzeit-Na'vi ist und mit Neytiri (Zoe Saldana) zusammenlebt, mit der er eine Familie gegründet hat. Sie haben zwei Söhne namens Neteyam (Jamie Flatters) und Lo'ak (Britain Dalton) und eine Tochter namens Tuk (Trinity Jo-Li Bliss), und sie sind die Vormünder von Kiri (Sigourney Weaver), dem Nachwuchs von Weavers Figur aus dem ersten Film. Das Familienglück wird jäh gestört, als die "Himmelsmenschen" zurückkehren, darunter eine Avatar-Na'vi-Version von Colonel Miles Quaritch (Stephen Lang), der gekommen ist, um zu beenden, was er begonnen hat, einschließlich der Rache an Jake für den Tod seiner menschlichen Gestalt. Er kehrt mit einer Gruppe ehemaliger menschlicher und jetziger Na'vi-Soldaten zurück, die die Hauptgegner des Films sind. Aber sie sind nicht die einzigen. "Avatar: The Way Of Water" stellt einmal mehr die militärischen, planetenzerstörenden Menschen dieses Universums als seine wahren Bösewichte dar, aber die Motive der Bösewichte sind manchmal etwas unklar (bis auf das Rache-Element). Es wird dem Zuschauer auch nicht wirklich klar, warum Quaritch so versessen darauf ist, Jake und seine Familie zu jagen, außer dass es für die Handlung zwingend nötig ist und Lang wirklich verdammt gut darin ist, verrückt zu spielen.

Der größte Teil von "Avatar: The Way Of Water" dreht sich damit um die gleiche Frage, die sich Sarah Connor in den "Terminator"-Filmen stellt - fliehen oder kämpfen, um die Familie zu schützen? Jake entscheidet sich zunächst für Ersteres und führt seine Fmailie in einen anderen Teil von Pandora, wo der Film durch eine von Camerons langjährigen Obsessionen eröffnet wird: Wasser. Und damit wird die Luftaction des ersten Films durch Unterwasseraction in einer Region ersetzt, die von Tonowari (Cliff Curtis), dem Anführer eines Clans namens Metkayina, regiert wird. Als Familienvater - seine Frau wird von Kate Winslet gespielt - ist Tonowari verständlicherweise über die Gefahr besorgt, die von den neuen Na'vi-Besuchern ausgehen könnte, möchte sie aber auch nicht abweisen. Auch hier spielt Cameron mit moralischen Fragen über die Verantwortung im Angesicht eines mächtigen Übels, etwas, das in einer Gruppe von kommerziellen Wilderern von der Erde wiederkehrt. Sie wagen es, heilige Wassertiere in atemberaubenden Sequenzen zu jagen, bei denen man sich immer wieder vor Augen führen muss, dass nichts von dem, was man sieht, real ist.

Obwohl man sich kurz in den Wäldern des ersten Films aufhält, spielt sich der größte Teil von "Avatar: The Way Of Water" im Gebiet der Metkayina ab, und das lebendige Unterwasser-Ökosystem ist eine noch traumhaftere Palette, mit der Cameron arbeiten kann. Die biolumineszierenden Regenbögen der Flora in der Tiefe brechen sich durch die sich bewegende Oberfläche wie das Polarlicht, die Sonnenuntergänge am weiten Horizont prallen an den Wellen ab und tauchen die Ufer in einen violetten Farbton, und die durchdacht gestalteten Meeresbewohner verstärken das Gefühl, dass Pandora eine lebendige, atmende Welt ist, noch mehr als es bei "Avatar" der Fall war. Doch wenn es an der Zeit ist, all diese Ruhe zugunsten von Blockbuster-Action zu zerstören, sollte es nicht überraschen, dass Cameron einfach nur liefert. Selbst die chaotischsten Actionsequenzen sind gut überschaubar, spannend inszeniert und vor allem so, dass man den Blick nicht abwenden kann. Bei einem frühen Überfall auf eine RDA-Ladung entgleist ein Zug, und treibt dem Zuschauer aufgrund der krassen Zerstörungsorgie ein Grinsen ins Gesicht.

In der Mitte des Films verlagert sich der Fokus von Sully/Quaritch auf die Kinder der Region, während Jakes Jungs die Lebensweise des Wasserclans erlernen. Schließlich hat man das Gefühl, dass sich die Welt von Avatar" auf eine Weise ausdehnt, wie es im ersten Film nicht der Fall war. Während sich jener Film mehr auf eine einzige Geschichte konzentrierte, verknüpft Cameron hier mehrere Geschichten auf eine weitaus ehrgeizigere und letztlich lohnendere Weise miteinander. Während einige der Ideen und Handlungsentwicklungen - wie die Verbindung zwischen Kiri und Pandora oder die Entwicklung eines neuen Charakters namens Spider (Jack Champion) - vor allem Vorarbeiten für künftige Filme sind, wird das gesamte Projekt durch die Schaffung einer größeren Leinwand für seine Erzählung bereichert. Man könnte zwar argumentieren, dass in einem Film, in dem Jake und Quaritch über weite Strecken nicht vorkommen, eine stärkere Protagonisten-Antagonisten-Linie nötig ist, aber man könnte dem entgegenhalten, dass diese Begriffe hier absichtlich vage sind. Der Protagonist ist die gesamte Familie und sogar der Planet, auf dem sie leben, und der Antagonist ist alles, was versucht, die natürliche Welt und die mit ihr verbundenen Wesen zu zerstören. Das ist alles nicht neu. Ja. Das hat man schon tausend Mal gesehen. Ja. Jemand kommt in zerstörerischer Absicht, die Protagonisten fliehen, werden widerwillig aufgenommen und am Ende kämpft und besiegt man den einst übermächtigen Feind. Fein. Aber Cameron erzählt diese altbackene Geschichte hier einfach gut.

Da die Sully-Kinder im Mittelpunkt stehen, wird die Rolle von Jake und Neytiri in der Geschichte proportional verkleinert, und das ist auch in Ordnung. Jake ist kein interessanterer Charakter als beim letzten Mal, aber er ist hier als Vaterfigur nützlich. Neytiri fühlt sich an wie die Figur aus einem Vermächtnis, die am wenigsten zu tun hat und sich hauptsächlich für ihre Kinder gegenüber einem kämpfenden Jake einsetzt. Die Anführer des Metkayina-Stammes sind aus einem ganz ähnlichen Holz geschnitzt wie Jake und Neytiri und wirken dadurch oft überflüssig.

Bei einer Laufzeit von 190 Minuten findet "Avatar: The Way Of Water" also fast immer die Zeit, die wichtigsten Handlungselemente zu wiederholen, aber das bedeutet, dass man manchmal nach dem Namen einer Figur oder ihrem Platz in der sozialen Hierarchie suchen muss. Cameron setzt darauf, dass der Zuschauer von dem, was ein Jahrzehnt des technologischen Fortschritts für die Umsetzung von Pandora auf der Leinwand geleistet hat, überwältigt sein werden, und die Ergebnisse sprechen für sich. Man sollte allerdings auch gewarnt sein, denn Camerons Gespür für Dialoge ist nicht besser geworden. Es gibt ein paar Zeilen über die man ungewollt lachen kann, aber sein Ansatz für die Charaktere hat fast etwas Charmantes an sich, der altmodisches Geschichtenerzählen mit bahnbrechender Technologie verknüpft. Massive Blockbuster überladen ihre Welten oft mit unnötigen Mythologien oder Hintergrundgeschichten, während Cameron gerade genug liefert, um sicherzustellen, dass diese unmögliche Welt glaubwürdig bleibt. Seine tieferen Themen über den Umweltschutz und der Kolonialisierung könnten verständlicherweise für einige Zuschauer zu oberflächlich sein - und die Art und Weise, wie er Elemente der indigenen Kultur aufgreift, könnte als problematisch angesehen werden, wogegen nichts einzuwenden ist. Aber wenn eine Familie den Film als Ausgangspunkt für Gespräche über diese Themen nutzt, dann ist er unter dem Strich positiver als die meisten Blockbuster, die überhaupt keine Denkanstöße liefern. Und es ist irgendwie schön, nach Pandora zurückzukehren, nun, da die Superhelden seit einem Jahrzehnt das kino dominieren.

Unterm Strich ist "Avatar: The Way Of Water" eine durchdachte, pompöse Rückkehr nach Pandora, die sowohl die im ersten Film etablierte Mythologie als auch den Platz der Familie Sully darin weiter ausbaut. Es ist vielleicht nicht die beste Fortsetzung, die James Cameron je gemacht hat (was eine sehr hohe Messlatte ist), aber es ist mit Abstand die deutlichste Verbesserung gegenüber dem Vorgängerfilm. Die einfache Geschichte lässt einen vielleicht "Klischee" schreien, aber als Vehikel, um einen in eine andere Welt zu entführen, ist sie erneut gut genug, um ihren Zweck zu erfüllen. "Avatar: The Way Of Water" ist ein James Cameron-Blockbuster, durch und durch. Und letztlich nichts weniger als ein guter, altmodischer Blockbuster, voll von filmischem Spektakel und Herz, und eine leichte Empfehlung für jeden, der für ein dreistündiges Abenteuer in eine andere Welt entkommen möchte.

7,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Twentieth Century Fox
Poster/ArtworkTwentieth Century Fox

Montag, 2. November 2020

Terminator 2: Judgment Day - Terminator 2: Tag der Abrechnung (Director's Cut / Special Edition) (1991)

http://www.imdb.com/title/tt0103064/

Zehn Jahre sind vergangen, seit Sarah Connor (Linda Hamilton) den ersten Terminator zerstörte. Die Ereignisse haben Spuren hinterlassen, und die Paranoide Kämpferin muss in einer psychiatrischen Klinik ausharren, während ihr John Connor (Edward Furlong) bei einer Pflegefamilie untergebracht ist. Da John Connor nach dem Krieg gegen die Maschinen die Widerstandsbewegung gegen die künstliche Intelligenz ‘Skynet’ anführen wird, Schickt diese das neue Terminator-Modell T-1000 (Robert Patrick) in unsere Gegenwart, um ihn schon als teenager ermorden zu lassen. Die menschliche Widerstandsarmee hingegen entsendet ein umprogrammiertes Terminatormodell T-800 (Arnold Schwarzenegger) um John Connor zu beschützen und den Plan von Skynet zu vereiteln. John und Sarah Connor müssen bald erkennen, dass ihr einstiger Todfeind der einzige ist, der ihr Leben retten kann. Gemeinsam beschließen sie, die Zukunft neu zu schreiben.

Einfach und schlicht: der perfekte Actionfilm. Ein Film, der kaum Lauflängen aufweist, egal, ob man ihn in der Kinofassung (mit noch stolzen 137 Minuten am kürzesten), der hier besprochenen Special Edition, dem eigentlichen Director's Cut (153 Minuten) oder der Extended Spacial Edition (156 Minuten) genießt. Hier passt alles. Angefangen mit dem perfekt gewählten Cast. Arnold Schwarzenegger und Linda Hamilton, die hier schon zum zweiten Mal zusammen vor der Kamera standen und in ihre ikonischen Rollen schlüpfen, werden bestens von Edward Furlong als John Connor und Robert Patrick als bösartiger und wandlungsfähiger T-1000, der ultimativen Killermaschine vervollständigt. Auch das Pacing passt. Angefangen von der düsteren, dystopischen Zukunftsvision, die es unter allen Umständen zu verhindern gilt, mal ganz abgesehen von diversen Zeitparadoxa, die daraufhin enstehen müssten. Die Story, so simpel sie auf dem Papier klingen mag, ist hervorragend umgesetzt und lässt durch geschickt eingewobene Actionszenen immer wieder die Muskeln spielen. Für 1991er Verhältnisse sieht man hier CGI-Effekte, die bahnbrechend waren. Nicht umsonst ist "Terminator 2: Tag der Abrechnung" der erste Film, dessen Produktionskosten die 100-Millionen-Dollar-Marke durchbrachen.


Auch heute noch, fast 30 Jahre nach Veröffentlichung reißt einen der Film mit. Und das, obwohl man ihn sicher schon asuwenig kennt, diverse Szenen mitsprechen könnte und die Actionszenen, sowie die zahlreichen Filmfehler aus dem FF kennt. Letztere ließen sich wohl kaum vermeiden, angesichts der Effekte und der Machbarkeit der Umsetzung, viele sind aber einfach nur auf pure Schlampigkeit zurückzuführen. Satte 135 Filmfehler konnten identifiziert werden und diese tragen ironischerweise sogar noch ein wenig zum Charme der Verfilmung bei. Die zweineinhalb Stunden vergehen wie im Flug, während man in actionreichen Sequenzen voller Spannung verfolgt, wie der unaufhaltame T-1000 den technisch unterlegenen T-800, John Connor und dessen Mutter Sarah jagt, über die Zerstörung Skynets, der Firma, die für den Bau des ersten Supercomputers und damit des Terminators verantwortlich zeichnete, bis hin zum Ende im glühend heißen Stahlwerk, dessen Hitze man förmlich schmecken kann. Hier könnte man etwas Kritik an der schon damals zu schnell voranschreitenden technischen Entwicklung ausmachen, eine Denkweise, die in vielen Branchen bis in jüngste Zeit anhält und die erst heute beginnt, sich über die Konsequenzen ihres Handelns Gedanken zu machen. Dabei geht es natürlich nicht um Killer-Cyborgs, die die Menschheit unterjochen will, doch Umwelt, Ressourcen und Auswirkungen sind duchaus erkennbare Motive. Dem zum Trotz ist "Terminator 2: Tag der Abrechnung" in erster Linie ein Actionfilm, der unterhalten will. Und das kann er, verdammt nochmal, unglaublich gut. Ein Film zum immer wieder Ansehen, ein Film der nie langweilig wird. So muss Kino sein.

9,5/10

Diesen Teil gibt es in einem optisch passenden und schicken, wattiertem Mediabook mit einer Blu-ray, auf der alle drei(!) Filmversionen (Kinofassung / Special Edition Director's Cut und Extended Special Edition) per Seamless Branching enthalten sind. Dazu die 3D-Version, massenweise Bonusmaterial und Hintergrundinfos. Ein tolles Teil!


Quellen
Inhaltsangabe: Studiocanal

Donnerstag, 10. September 2020

The Abyss - Abyss: Abgrund des Todes (Extended Version) (1989)

https://www.imdb.com/title/tt0096754/

Nach einem Zusammenstoß mit einem unbekannten Objekt sinkt das amerikanische Atom-U-Boot USS Montana auf den Meeresgrund. Die Armee schickt ein Team vier speziell ausgebildeter Navy Seals auf eine Rettungsmission. Die Zeit drängt, da sich feindliche U-Boote auf dem Weg zur Unglücksstelle befinden und ein Hurrikan aufzieht. Unter Führung von Lieutenant Hiram Coffey (Michael Biehn) begibt sich das Team zusammen mit der Ingenieurin Lindsey Brigman (Mary Elizabeth Mastrantonio) auf eine unterseeische Bohrplattform, die für die Mission als Basis dienen soll. Dabei kommt es jedoch nicht nur zu Konflikten mit Brigmans geschiedenem Mann (Ed Harris), der die Plattform betreibt, auch die Navy Seals haben Schwierigkeiten mit der Drucksituation umzugehen. Hinzu kommt das Mysterium des unbekannten Objektes, das wieder auftaucht...

James Cameron weiß wie es ist, wenn das Meer langsam sein strahlendes Blau verliert und das bedrohliche Tiefschwarz der Meeresgräben das schummerige Scheinwerferlicht vollends verschlingt. Seine Begeisterung für die Ozeanografie ist weitreichend bekannt, er selbst darf sich sogar zu den wenigen Menschen zählen, die in das westpazifische Challengertief im Marianengraben hinuntergetaucht sind - dem tiefsten Punkt der Weltmeere, dem letzten unerschlossenen Territorium unseres Planeten. Und selbstverständlich versteht auch James Cameron das Meer in all seiner einschüchternden Anmut als transzendente Erfahrung. Der Nachweis dafür lässt sich in seinem Film "The Abyss" erkennen, der durchweg deutlich macht, welch inbrünstige Kräfte die maritimen Weiten mit sich bringen, da ist der Druck auf den Ohren des Zuschauers über die 170-minütige Laufzeit der "Extended Version" eine Garantie.

Es war der letzte der groß angelegten Abenteuerfilme des Sommers 1989. James Cameron, der mit "Aliens" und "Terminator" bereits Kassenschlager in die Kinos brachte, zeigte nun sein nächstes Mammutprojekt, 'The Abyss''. Ein gigantisches Unterwasserabenteuer über Beziehungen, Tod, Atomkrieg und außerirdische Lebensformen. Und trotz des bis heute anhaltendes Hypes um diesen Film ist er letztlich mit wenigen Worten beschrieben: "E.T." unter Wasser. Und die wohl beste Art und Weise, diesen überwältigenden Abenteuer-Actionfilm zu genießen, ist es, sich ihm mit dem Hintergrundwissen, dass er spektakulär albern ist, zu ergeben - etwas, das der Autor und Regisseur James Cameron bis heute nicht zugibt. Glücklicherweise gleicht Cameron seine anspruchsvollen Themen mit leuchtenden Unterwasseraufnahmen, außergewöhnlichen Spezialeffekten und unzähligen Beinahe-Katastrophen aus. Aber ''The Abyss'' beweist auch, dass viele intensive, gleichzeitig ablaufende Plots manchmal weniger effektiv sind als ein scharf fokussiertes Ziel. Die Prämisse von 'The Abyss'' ist dabei etwas verworren und der Zuschauer braucht eine kleine Weile, um sich zurecht zu finden. Vielleicht macht das den Film aber auch so interessant. Ein hoch gepokertes Kalkül, welches allerdings ohne weitere Fragen aufgeht.

Der wirkliche Hauptdarsteller ist das Set-Desing. Die Optik ist bahnbrechend. Während die Figuren in das Wrack eintauchen oder in ihren kleinen Mini-U-Booten (wie Kisten auf Pontons, mit Sondierungsscheinwerfern) durch den dunklen Ozean fahren, scheint der gesamte Film von einem unheimlichen blauen Leuchten und einer Aura des Geheimnisvollen durchdrungen. "The Abyss" vermittelt glaubwürdig die beklemmende Enge, Dunkelheit und Kälte der Tiefsee. Ein Großteil der Handlung wurde in einem Tank gedreht, der Millionen von Gallonen Wasser enthält, und Cameron vermittelt dem Zuschauer schnell das Gefühl, zusammen mit der Crew in einem unheilvollen, mächtigen und gleichwohl unergründlichen Meer zu schweben. Aber die Unterwasserfotografie wird nur eine weitere Kulisse, wenn irgendwann fremde Meeresbewohner in verschiedenen Formen auftauchen. Manchmal ist diese intelligente Lebensform ein glühender Ball aus violettem Licht, ein anderes Mal hat sie das aus "E.T." und "Unheimliche Begegnung der dritten Art" bekannte längliche Gesicht und erscheint von orchestraler Musik untermalt in der Szenerie. In seiner originellsten Form tritt es als eine riesige Schlange aus dem Meerwasser in die Station "Deepcore" ein und verwandelt sich in eine transparente Maske aus Lindseys Gesicht und dann in das von Bud. Und trotz aller weiteren spektakulären Unterwassereffekte ist diese computergenerierte Wasserschlange der verblüffendste (und zu dem Zeitpunkt sicher innovativste) Effekt. Er wurde die Blaupause des T-1000 in "Terminator 2".

Handwerklich ein Meisterwerk seiner Zeit, aber in der zweiten Hälfte wird mir die Story zu langgezogen und kitschig. Der Überlebenskampf ist plötzlich vergessen, stattdessen sind wieder alle Ressourcen frei um waghalsige Stunts aller Art auszuführen und noch mehr kaputt zu machen. Die Story ist vor allem am Ende eher banal, aber Action, Darsteller und Musik stimmen, womit "The Abyss" prächtig zu unterhalten weiß. Aufgesetzt ist hingegen die etwas gar träumerische Alien-Romantik mit ihrer infantilen Aussage. James Cameron allerdings offenbart nämlich in seinem harmonieheischenden Habitus eine überraschend rührselige Nähe zum Kino des Steven Spielberg und lässt es sich sogar nicht nehmen, zur plakativen Vermittlung pazifistischer Werten überzugehen, während "The Abyss" im Kern eine Liebesgeschichte erzählt: Und die Unter-Wasser-Tour-de-Force ist natürlich ein komfortabler Austragungsort, um die zwischenmenschlichen Wogen der krisengeschüttelten Partnerschaft nach und nach zu glätten. Es sind indes seine formalen Attribute, die wirklich einnehmen, die klaustrophobische Stimmung, die exquisit konzipierten Spannungsmomente, in denen durchweg alles auf dem Spiel steht, und der überirdische Überbau, der "The Abyss" einen flirrend-mystischen Anstrich verleiht. Angesichts dieser Bilder ist man beinahe schon gewillt, darüber hinwegzusehen, dass James Cameron der Emanzipation der Frau doch nicht ganz über den Weg traut und sie lieber dem heldenhaften Schatten eines Ed Harris unterwirft.

Aber über die alberne Überfrachtung des Films zu lachen, bedeutet, gegen Mr. Camerons humorlosen Versuch, Wunder und Angst zu erzeugen, anzukämpfen. Und das sollte man nicht tun. Wenn er seine Prämisse fallen lässt, treibt Cameron die Figuren gekonnt an den Rand des Todes. Aber er verliert sich an Überlängen und einem etwas zu kitschig-plastischen Ende. Cameron ist kein großer Geschichtenerzähler, bietet dafür aber jedem Zuschauer optisch brachiale Unterhaltung, mit Satire und geradlinig-gnadenlosem Thrill. Hier findet er meiner Meinung nach nicht die richtige Mischung und versinkt ein wenig selbst im Abgrund seiner Fantasien. "The Abyss" ist Camerons wohl größter Film, aber nicht sein bester. Selbst wenn die "Extended Version" die "rundere" Fassung ist.

8/10

Quellen
Inhaltsangabe: Twentieth Century Fox

Dienstag, 8. Januar 2019

True Lies - True Lies: Wahre Lügen (1994)

https://www.imdb.com/title/tt0111503/
Harry Tasker (Arnold Schwarzenegger) führt schon seit 15 Jahren ein Doppelleben: Während seine Frau Helen (Jamie Lee Curtis) und seine Tochter Dana (Eliza Dushku) annehmen, er wäre ein langweiliger Computerfachverkäufer, operiert er als Geheimagent der Organisation "Omega Sector" weltweit gegen den Terrorismus. Seine ständige Abwesenheit von Zuhause - selbst an seinem eigenen Geburtstag - trägt Helen mit Fassung, fühlt sich von ihrem Ehemann aber zunehmend vernachlässigt. Harrys neuester Auftrag: Arabische Terroristen sind in den Besitz von vier russischen Atomsprengköpfen gelangt und wollen damit die Freilassung inhaftierter Gesinnungsgenossen erzwingen. Zusammen mit seinem Partner Albert "Gib " Gibson (Tom Arnold) soll er den Extremisten das Handwerk legen. Sein einziger Anhaltspunkt ist die attraktive Kunsthändlerin Juno Skinner (Tia Carrere), die mit den Terroristen gemeinsame Sache macht. Währenddessen erwacht in seiner Frau Helen die Abenteuerlust: Sie trifft sich mit einen Mann namens Simon (Bill Paxton), der sich als Spion in geheimer Mission ausgibt. Harry kann nicht glauben, dass seine Frau eine Affäre hat und mobilisiert alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel, um sie auszuspionieren. Nun muss sich Harry an zwei Fronten beweisen: Im Kampf gegen die Terroristen und im Ehekrieg...

Die Ausflüge Arnies in das blütenreine Komödiengenre war vielleicht nicht die beste Entscheidung in seinem Leben. Sobald der Actionsuperstar sein gewohntes Terrain völlig verlassen hatte und mit "Junior" oder als weltfremder "Zwilling" neue Ufer entdecken wollte, war das Publikum nicht gerade begeistert. Selbst "Kindergarten Cop", der noch eine rühmliche Ausnahme, in dem Mr. Multiversum verschiedene Facetten abdeckte und immerhin Respektsbekundungen einheimste, darstellte, war unterm Strich eher gehobenes Mittelmaß. Dennoch mussten die Filme einen Eindruck auf Arnie hinterlassen haben, weil schon mit "Last Action Hero" Arnies Heimgenre ordentlich parodiert wurde. Mit breitem Grinsen ballerte sich die Actionikone durch alle Actionklischees der Epoche, die ihn ganz groß gemacht hatte. Und auch "True Lies" schlägt in diese Kerbe.

Allerdings sollte man einen recht robusten Sinn für Humor parat haben, weil der Vorwurf der Film sei Menschenverachtend nicht völlig verkehrt ist: die bösen Terroristen sind ein Haufen verschwitzter schnurrbärtiger Turbanträger deren einzige Aufgabe es ist, von Arnold irgendwie lustig, cool oder einfach nur brachial beseitigt zu werden – aber trotzdem machts einen Heidenspaß. Außerdem beinhaltet der Film ein paar überaus kultige Filmszenen, wie Arnolds Ritt auf einem Pferd durch ein Hotel oder den Showdown auf einem Jet, den jeder mindestens einmal gesehen hat. Doch mit James Cameron hinter der Linse sollte es keine reine Parodie geben, ohne wieder etwas Ernsthaftigkeit einzustreuen. Der Geheimagentenplot wirkt in sich brachial und vielleicht ein wenig stereotyp aufgezogen, punktet aber auch durch ausgefeilte Coolness und mehr augenzwinkerndem parodistischen Faktor denn mit überdrehtem Klamauk. Trotzdem wird hier wieder amtliches Actionkino geboten, das das Kinoherz höher schlagen lässt. Anfangs etwas entrückt wirkt dann der zweite Handlungsstrang der Geschichte um die familiären Probleme der Taskers. Darin ist dann Jamie Lee Curtis' Charakter die tragende Figur und offenbart eine sehr interessante Facette, die man im Actiongenre so noch nicht gesehen hat. Die einstige Scream-Queen schlägt hier aus jeder Szene Kapital und wirkt zu jeder Zeit äußerst glaubwürdig (und auch verdammt sexy, man denke nur an die Hotelzimmerszene), von der biederen Hausfrau bis zu ihrem Mann ebenbürtigen Konterfei. Eine Plotentscheidung, die den Film stark aufwertet. Dass diese Storyline sogar die eigentliche für mehr als 20 Minuten in die Ecke stellt, empfindet man da nicht mal als störend.

Eher störte da Tom Arnolds Gebrabbel, das gagmäßig nicht immer zündet. Hier mag man nun hin- und hergerissen sein, trotzdem wäre hier weniger mehr gewesen. Für sich betrachtet ist "True Lies" aber eine mehr als spaßige Agentenfilmparodie mit dem typisch Schwarzenegger´schem Krach-Bumm-Faktor und passenden One-Linern, wird aber durch den familiären Touch und einer schwer auftrumpfenden Jamie Lee Curtis um mehrere Punkte aufgewertet. Man muss Arnies Ausflüge ins Komödienfach nicht mögen, sollte aber anerkennen, dass er seine Erfahrungen mit in die 90er trug, um die Rückkehr ins Actiongenre mit Selbstironie zu feiern.

8,5/10

Dienstag, 29. August 2017

Terminator 2: Judgment Day - Terminator 2: Tag der Abrechnung (1991)

http://www.imdb.com/title/tt0103064/

Zehn Jahre sind vergangen, seit Sarah Connor (Linda Hamilton) den ersten Terminator zerstörte. Die Ereignisse haben Spuren hinterlassen, und die Paranoide Kämpferin muss in einer psychiatrischen Klinik ausharren, während ihr John Connor (Edward Furlong) bei einer Pflegefamilie untergebracht ist. Da John Connor nach dem Krieg gegen die Maschinen die Widerstandsbewegung gegen die künstliche Intelligenz ‘Skynet’ anführen wird, Schickt diese das neue Terminator-Modell T-1000 (Robert Patrick) in unsere Gegenwart, um ihn schon als teenager ermorden zu lassen. Die menschliche Widerstandsarmee hingegen entsendet ein umprogrammiertes Terminatormodell T-800 (Arnold Schwarzenegger) um John Connor zu beschützen und den Plan von Skynet zu vereiteln. John und Sarah Connor müssen bald erkennen, dass ihr einstiger Todfeind der einzige ist, der ihr Leben retten kann. Gemeinsam beschließen sie, die Zukunft neu zu schreiben.

"Am 29. August 1997 endeten 3 Milliarden Leben. Die Überlebenden des nuklearen Feuers nannten den Krieg den Tag des jüngsten Gerichts. Sie überlebten nur um sich einen neuen Alptraum gegenüber zu sehen. Den Krieg gegen die Maschinen..."

Der 29. August 2017 - 20 Jahre nach dem "Judgment Day", der in dem wohl ikonischsten aller Actionfilme "Terminator 2: Judgment Day" verhindert wurde - bringt als einmaliges Event den Film in 3D noch einmal auf die Leinwände der Nation. Nun mag man sich fragen, ob eine 3D-Konvertierung den Film tatsächlich besser macht. In erster Linie jedoch ist es schön, gerade diesen Film (vielleicht sogar erneut) auf der großen Leinwand zu sehen. Zum Film selbst gibt es kaum was zu sagen - fast jeder kennt ihn, fast jeder hat ihn schon einmal gesehen. Und nicht umsonst wird "Terminator2: Judgment Day" als einer der besten Actionfilme aller Zeiten behandelt, denn was 1991 auf die Leimwände kam, war ein herrliches brachiales Effektgewitter, welches zu dem Zeitpunkt in dieser Art und Weise so eigentlich noch gar nicht vorstellbar gewesen wäre. Stan Winston zeichnete verantwortlich für die vielen non-digitalen Effekte (Make-up des T-800) und erhielt dafür nicht umsonst 1992 den Oscar für "bestes Make-up". Ebenso waren die digitalen Efekte ihrer Zeit voraus, so etwa die verschiedenen Verwandlungen/Transformationen des T-1000.

 Die Ernüchterung - und das muss sich der Film nun mal gefallen lassen - folgt auf dem Fuße. Nicht nur, dass die 3D-Fassung nicht in der "Extended Special Edition", welche viele sinnvolle zusätzliche Szenen beinhaltet, gezeigt wurde, auch die 3D-Konvertierung macht sich nur wenig bemerkbar und nutzen die Szenerie kaum aus. Vor allem zu Beginn hat man eine grandiose Tiefenschärfe, die auf viel hoffen lässt, dieser Eindruck lässt aber im Laufe des Films mehr und mehr nach. Gerade bei einer digitalen Nachbearbeitung hätte man doch erwarten können, dass das 3D besser (aus-)genutzt wird. Zudem wurde das Bild vielleicht durch eine neue Abtastung digital verbessert was Schärfe und Farbgebung betrifft, was aber in jedem Fall verschlimmert wurde ist die Filmkörnung, denn diese ist so gut wie gar nicht mehr vorhanden. Dieser Umstand gibt dem Film einen recht glattgebügelten Look und das sichtbar eingesetzte DNR ("Digital Noise Reduction") trüben den Eindruck einer wirklichen Restauration. Auch der Ton ist geblieben wie er war - er ist immer noch etwas schwachbrüstig für 2017er Verhältnisse und die alten Synchronfehler wurden ebenso nicht behoben. Es fehlt einfach der richtige Wumms und das Gefühl des "mittendrin statt nur dabei".

Kurz und gut: man hat vielleicht Geld in die Restauration des Streifens gesteckt, aber letztlich wurde hier wieder nur "auf Kante genäht" und nur das Nötigste gemacht, um mit "Terminator 2: Judgment Day" noch einmal die Kassen klingeln zu lassen. Dem Film selbst nutzt oder schadet dies in keinster Weise, lediglich der Fan, der auf eine ultimative Version in Bild und Ton gehofft hatte, geht erneut leer aus.

9,5/10

Diesen Teil gibt es in einem optisch passenden und schicken, wattiertem Mediabook mit einer Blu-ray, auf der alle drei(!) Filmversionen (Kinofassung / Special Edition Director's Cut und Extended Special Edition) per Seamless Branching enthalten sind. Dazu die 3D-Version, massenweise Bonusmaterial und Hintergrundinfos. Ein tolles Teil!


Quellen
Inhaltsangabe: Studiocanal

Freitag, 11. September 2015

Aliens - Aliens: Die Rückkehr (Kinofassung) (1986)

http://www.imdb.com/title/tt0090605/

57 Jahre sind vergangen, als Ripleys Fluchtkapsel, mit der sie von Bord der Nostromo flüchtete, zufällig durch ein Sicherheitssystem der Gesellschaft treibt. Noch immer hat sie Albträume, noch immer den Schrecken im Hinterkopf, als das Alien ihre gesamte Crew vernichtet hat. Und nun, nachdem sie vergeblich versucht hat, die Oberhäupter der Gesellschaft von der Existenz dieser Wesen zu überzeugen und Menschen seit 20 Jahren auf LV-426 leben und arbeiten, bricht der Kontakt just in dem Moment zu dieser Kolonie ab. Ganz schön konstruiert, oder? Passt aber wunderbar, denn nun muss sich Ripley (wieder einmal mehr perfekt als Powerfrau: Sigourney Weaver) erneut den fiesen Säurespuckenden Viechern stellen. Dieses Mal sind aber auch noch ein gutes Dutzend USC Marines dabei, die mit einem ganzen Arsenal an Waffen in den errichteten Komplex von LV-426 gehen.

Nach dem etwas besseren Director's Cut des Films hier nun mal seit langer Zeit die Urform des Horrorepos - die Kinofassung. "Aliens" hat irgendetwas, was einen nicht los lässt und den Film immer und immer wieder sehenswert macht. Sei es das Design der Bodenstation, die grandiosen Hauptcharaktere, allen voran natürlich Ellen Ripley, oder die Horden an Aliens, welche den zum Einsatz gerufenen Marines ans Leder wollen... was soll man da schon schreiben? An Dramaturgie und Spannung kaum zu überbieten ist "Aliens" eben ein filmisches Meisterwerk, welches dem ersten Teil in gewisser Hinsicht locker die Show stiehlt. Natürlich gilt das Geschriebene im Review zum "Director's Cut" uneingeschränkt, aber natürlich ist die Kinofassung als "Ursprungsfassung" einfach besser im Gedächtnis geblieben. Nach wie vor regiert in "Aliens", wie im ersten Teil, eine phänomenale atmosphärische Dichte, welche die Ausweglosigkeit und die klaustrophobische Enge nahezu greifbar macht. Wo sich der erste Teil jedoch durch seine Schockmomente und die langsam aufgebauten Spannungsbögen, hauptsächlich der Methoden des Horrorfilms oder Thrillers bedient, zieht der zweite Teil alle Register des Actionhandwerks. In "Aliens" erwarten Hunderte dieser säurespuckenden Viecher unsere Helden und machen aus dem leise zuschlagendem Mythos eine unbarmherzige Katastrophe, die keiner aufzuhalten vermag. Verfolgungsjagden, Feuergefechte, zynische Oneliner - das alles gibt es hier in Top-Qualität. Wenn man dann noch das nahezu perfekte Ende, mit dem Kampf gegen die Alien-Queenüber mehrere Runden hinzunimmt hat man einen der besten Actionfilme aller Zeiten, den man getrost in einem Atemzug mit "The Terminator" oder "Die Hard" nennen darf.

Was den Streifen jedoch noch großartiger macht, ist die Tatsache, dass der Stilmittel-Bruch und der damit verbundene Genre-Wechsel im Vergleich zum ersten Teil keinesfalls eine Schwäche, sondern vielmehr eine logische Konsequenz darstellt: Gab es im ersten Teil eben "nur" ein Alien (als ob das nicht gereicht hätte) und eine kaum bewaffnete, kleine Crew, gibt es nun zig Aliens und eine kleine, bis an die Zähne bewaffnete Armee. Zugegeben, viele Sequels verfahren nach diesem Muster. Die meisten davon haben jedoch keinen James Cameron in seinen besten Jahren, der genau weiß, was der Kern von Ridley Scotts Vorlage war. Nämlich Atmosphäre und eine alles überragende Ripley, für die der Kampf mit den Aliens immer mehr zur persönlichen Angelegenheit wird. Viele dieser "Höher-Weiter-Schneller-Fortsetzungen" verkommen leider all zu oft zu seelenlosen Materialschlachten ohne Substanz. Nicht so bei "Aliens". Hier gibt es ein solides Drehbuch, welches die Story des ersten Teils konsequent weiterspinnt. Hier gibt es, für einen Actionfilm, interessante Charaktere, wie den Androiden Bishop, der den Gegenpart zu Ash aus dem ersten Teil darstellt. Oder Burke, den profitgierigen, über Leichen gehenden Geschäftsmann. Alles, für Actionkino-Verhältnisse, sehr gut gezeichnete Figuren. Einige kleinere Mankos , welche eine Höchstwertung verhindern, findet man dann aber doch noch. So sind die Schnitte und die Kameraführung bei einigen der Feuergefechte doch etwas unübersichtlich und ungenau, sodass ich es teilweise etwas anstrengend fand dem Ganzen zu folgen.

Insgesamt gilt für den Film, der dem Ersten in nichts nachsteht, nur eben anders ist: bahnbrechend, großartig, genial. Ein sanfter Beginn, fast eine Hommage an die stillen Bilder des Originals, in den Sitz drückende Beschleunigung nach merklich mehr als einer Stunde und ein absolut gelungenes Finale voller Adrenalin. Fesselnd, spannend, mitreissend und nie langweilig. Nahezu perfekt.

8,5/10

Als exklusive und auf jeweils nur 1000 Stück limitierte Ausgabe erschien 2014 bei Zavvi in Großbritannien der Film in beiden Fassungen (Kinofassung und Special Edition) im geprägten Steelbook mit einem unglaublich schönen, weil schlichtem Artwork.


Quellen:
InhaltsangabeTwentieth Century Fox
Poster/ArtworkTwentieth Century Fox

Freitag, 6. März 2015

Avatar (2009)

http://www.imdb.com/title/tt0499549/

Rund vier Jahre von der Erde entfernt liegt Pandora - ein Planet, dessen reichhaltige Unobtanium-Vorkommen die existenziellen Rohstoff-Sorgen der Menschheit im Jahr 2154 auf einen Schlag lösen würden. So bricht eine Gruppe von Wissenschaftlern auf, um mit den Ureinwohnern Pandoras, den hochgewachsenen und in Stämmen organisierten Na’vi, Verhandlungen über die Kolonisation ihrer Heimat aufzunehmen. Darunter ist der an den Rollstuhl gefesselte Ex-Marine Jake Sully (Sam Worthington). Anstelle seines verstorbenen Bruders schlüpft nun Jake in die Haut eines Avatars - eines geklonten Na’vi-Körpers, der gleichzeitig als Vehikel und als diplomatisches Instrument dient. Bei seinem ersten Ausritt in den Dschungel trifft er auf die Eingeborene Neytiri (Zoe Saldana), zu der er sofort einen Draht findet. Doch die Zeit drängt: Das Militär unter Führung von Colonel Quaritch (Stephen Lang) scharrt längst mit den Hufen...

Wenn man James Cameron's "Avatar" das erste Mal sieht, fühlt man sich in etwas so, wie wenn man zum allerersten Mal "Star Wars" sieht. Damals wie heute ging das Publikum mit gemischten Gefühlen ins Kino und vor allem auch über Camerons Film wurde im Vorfeld wild spekuliert - genau wie über sein "Titanic". Doch genau wie mit "Titanic" brachte Cameron seine Zweifler zum Schweigen, indem er schlicht einen außergewöhnlichen Film abgeliefert hat. Es gibt immer noch mindestens einen Mann in Hollywood, der weiß, wie man 237 Millionen Dollar sinnvoll ausgibt. "Avatar" ist, trotz seiner viel-kritisierten und eigentlich althergebrahcten Story, nicht einfach nur eine sensationelle Unterhaltung, er ist auch ein technischer Durchbruch. Er hat eine durch und durch grüne und Antikriegs-Botschaft. Er ist prädestiniert dafür, einen Kult zu begründen. Er enthält so viele visuelle Details, dass es sich lohnt, ihn mehrmals anzuschauen. Er erfindet eine neue Sprache, Na'vi, wie es "Herr der Ringe" tat, obwohl man gnädigerweise bezweifeln darf, dass diese Sprache von Menschen gesprochen werden kann, selbst von Teenagern. Er schafft neue Filmstars. Er ist ein Ereignis, einer jener Filme, die man unbedingt sehen muss, um mit der Unterhaltung Schritt zu halten. Da es mittlerweile 3 Fassungen von diesem grandiosen Film gibt, schaut man die Kinofassung aber eigentlich - und das muss man schmerzlich zugeben - nur noch wegen dem 3D-Wow-Effekt.

Die Geschichte spielt im Jahr 2154 und handelt von einer Mission der US-Streitkräfte zu einem erdgroßen Mond in der Umlaufbahn um einen massiven Stern. Diese neue Welt, Pandora, ist eine reiche Quelle für ein Mineral, das die Erde dringend benötigt. Pandora stellt nicht einmal eine geringe Bedrohung für die Erde dar, aber wir schicken trotzdem ehemalige Söldner, um sie anzugreifen und zu erobern. Übermütige Krieger setzen Maschinengewehre ein und steuern gepanzerte Luftschiffe auf Bombardierungsflügen. Dass Cameron dies als Allegorie auf die heutige Politik nutzt, ist nur zu offensichtlich. Pandora beherbergt einen Waldplaneten, der friedlich von den Na'vi bewohnt wird, einer blauhäutigen, goldäugigen Rasse schlanker Riesen, von denen jeder vielleicht drei Meter groß ist. Die Atmosphäre ist für Menschen nicht atembar, und die Landschaft macht den Menschen zu Pygmäen. Um in dieser Welt zu existieren, benutzen sie Avatare - Na'vi-Nachbildungen, die organisch gewachsen sind und von Menschen gesteuert werden, die in einem tranceartigen Zustand auf dem Schiff bleiben. Während sie als Avatare agieren, sehen, fürchten, schmecken und fühlen sie wie die Na'vi und verfügen über die gleichen körperlichen Fähigkeiten. Diese letzte Eigenschaft ist für den Helden Jake Sully (Sam Worthington), der querschnittsgelähmt ist, befreiend. Er wurde rekrutiert, weil er genetisch mit einem toten identischen Zwilling übereinstimmt, für den ein teurer Avatar geschaffen wurde. Im Avatar-Zustand kann er wieder gehen, und als Bezahlung für diese Aufgabe erhält er eine sehr teure Operation, um die Beweglichkeit seiner Beine wiederherzustellen. Theoretisch ist er nicht in Gefahr, denn wenn sein Avatar zerstört wird, bleibt seine menschliche Gestalt unversehrt. Theoretisch. Auf Pandora beginnt Jake als guter Soldat und wird dann zum Eingeborenen, nachdem ihm die geschmeidige und mutige Neytiri (Zoë Saldana) das Leben gerettet hat. Er stellt fest, dass es tatsächlich stimmt, was der aggressive Col. Miles Quaritch (Stephen Lang) ihnen gesagt hat, nämlich dass fast jede Lebensform hier ihn zum Mittagessen haben will. Die Na'vi überleben auf diesem Planeten, weil sie ihn gut kennen, in Harmonie mit der Natur leben und die Kreaturen, mit denen sie ihn teilen, gut kennen. In dieser und unzähligen anderen Aspekten ähneln sie den amerikanischen Ureinwohnern. Wie diese zähmen sie eine andere Spezies, um sie herumzutragen - keine Pferde, sondern anmutige, fliegende, drachenähnliche Kreaturen. Die Szene, in der Jake eines dieser großen Biester einfängt und zähmt, ist eine der großartigsten Sequenzen des Films.

Wie damals "Star Wars" und später "Herr der Ringe" setzt auch "Avatar" auf eine neue Generation von Spezialeffekten. Cameron hatte dies angekündigt, und viele haben an ihm gezweifelt. Er tut es. Pandora besteht zu einem großen Teil aus CGI. Die Na'vi werden durch Motion-Capture-Techniken überzeugend verkörpert. Sie sehen wie spezifische, überzeugende Individuen aus, umgehen aber den unheimlichen Uncanny-Valley-Effekt. Und Cameron und seine Künstler meistern die schwierige Herausforderung, Neytiri zu einer blauhäutigen Riesin mit goldenen Augen und einem langen, geschmeidigen Schwanz zu machen, und dennoch - irgendwie sexy. Mit 163 Minuten fühlt sich der Film schon in der Kinofassung nicht zu lang an. Er enthält so viel. Die menschlichen Geschichten. Die Geschichten der Na'vi, denn die Na'vi werden auch als Individuen entwickelt. Die Komplexität des Planeten, der ein globales Geheimnis birgt. Die ultimative Kriegsführung, bei der sich Jake dem Widerstand gegen seine ehemaligen Kameraden anschließt. Kleine anmutige Details wie ein schwebendes Wesen, das aussieht wie eine Kreuzung aus einem wehenden Löwenzahnsamen und einer treibenden Qualle und das Gute verkörpert. Oder erstaunliche schwebende Steininseln. "Avatar" hat zwar genau dasselbe Problem wie viele andere Filme vor ihm, nämlich das im dritten Akt keine Geschichte mehr erzählt wird, sondern nur noch Action über den Zuschauer hereinbricht. Aber bis dahin hat "Avatar" so viel in die Entwicklung seiner Figuren investiert, so dass es wichtig ist, was sie im Kampf tun und wie sie es tun. Es geht um mehr als nur darum, welche Seite gewinnt.

Schlußendlich ist es hier doch so: Jedes Detail, jeder Effekt, alles ist punktgenau eingesetzt und sorgt immer wieder für ein wohliges Gefühl, wenn man in Pandora eintaucht. Mittendrin statt nur dabei ist eindeutig die Devise gewesen und das wurde perfekt und visuell überbordernd erreicht. "Avatar" ist rein Storytechnisch immer noch kein innovativer Film; im Gegenteil. Es ist ein rein optischer und akustischer Augenschmaus. Aber das wurde schon einmal hier im Blog besprochen und das will ich nun nicht weiter ausdehnen. "Avatar" ist und bleibt ein Film zum immer wieder ansehen. Und jede Fassung hat ihre Vor- und Nachteile. Aber der 3D-Effekt hier lässt einen ab und zu doch wieder mal in Pandora reinschauen.

7,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Twentieth Century Fox
Poster/ArtworkTwentieth Century Fox