Dienstag, 25. August 2026

Michael (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt11378946/
https://letterboxd.com/film/michael-2026/

Der junge Michael Jackson (Juliano Krue Valdi) wird als achtes von zehn Kindern unter der strengen Führung seines Vaters Joe (Colman Domingo) früh für eine Musikkarriere gedrillt wird. Mit der Familienband Jackson Five feiert er erste Erfolge, im Alter von 13 Jahren startet er bereits die Solokarriere. Auch im Erwachsenenalter (Jaafar Jackson) ist sein Leben von der Musik dominiert. Ende der 1970er-Jahre lernt er bei Filmarbeiten Diana Ross (Kat Graham) und den Produzenten Quincy Jones (Kendrick Sampson) kennen, was seine musikalische Ausrichtung grundlegend verändert. Das von Jones produzierte Album "Off the Wall" (1979) wird ein großer Erfolg, der 1982 durch die bahnbrechende und meistverkaufte Platte "Thriller" noch übertroffen wird. Parallel zu diesem Aufstieg kommt es zum Bruch mit seinem Vater Joe, den Jackson als Manager entlässt und durch den Anwalt John Branca (Miles Teller) ersetzt.

Bei dem Namen Antoine Fuquas denkt man stets zuerst an Actionfilme. Doch dass Herr Fuqua auch anders kann, beweist er mit "Michael", ein Film, der gleichzeitig beeindruckt und frustriert. Er erzählt die Karriere Michael Jacksons von den frühen Jahren bei den Jackson 5 bis zur "Bad"-Ära - und konzentriert sich dabei ganz auf die Musik, den Aufstieg zum Weltstar und die außergewöhnliche Bühnenpräsenz. Das funktioniert als großes Popkino hervorragend, als Biografie bleibt der Film jedoch auffällig vorsichtig. Die größte Überraschung ist Jaafar Jackson. Michael Jacksons Neffe spielt seinen Onkel nicht nur äußerlich verblüffend ähnlich, sondern entwickelt eine eigene Präsenz, die besonders in den nachgestellten Auftritten funktioniert. Sobald Jaafar tanzt oder singt, wird aus dem eher konventionellen Biopic plötzlich ein faszinierendes Konzertfilm-Erlebnis. Auch Colman Domingo als Joe Jackson und Nia Long als Katherine Jackson sorgen für darstellerisches Gewicht. Vor allem Domingo vermittelt eindringlich, wie sehr Michaels außergewöhnliches Talent aus einem familiären Umfeld hervorging, das zugleich Förderung und psychischer Druck war. Der Film zeigt diese Vater-Sohn-Dynamik durchaus deutlich - allerdings bleibt sie letztlich Teil einer klassischen Aufstiegsgeschichte: Trauma, Talent, Durchbruch, nächster Hit.

Handwerklich ist "Michael" dagegen ausgesprochen hochwertig. Fuqua inszeniert die Konzertsequenzen mit Energie und großer Liebe zum Detail, während Kostüme, Ausstattung und Choreografie darauf ausgerichtet sind, die verschiedenen Phasen von Jacksons Karriere möglichst authentisch nachzubilden. Gerade die Rekonstruktion bekannter Auftritte besitzt eine fast hypnotische Qualität. Wer Jacksons Musik liebt, dürfte an diesen Passagen kaum vorbeikommen. Das Problem ist das Drehbuch von John Logan. Statt die Widersprüche seiner Hauptfigur wirklich auszuhalten, ordnet es Michaels Leben häufig in bekannte Biopic-Bausteine ein. Jackson wird zum genialen, verletzlichen Künstler, der von der Welt missverstanden wird. Das ergibt ein emotional zugängliches Porträt, ist aber auch auffällig glatt. Noch problematischer ist, was "Michael" nicht erzählt. Der Film endet bereits 1988 und berührt damit die späteren Kontroversen um Jacksons Leben kaum. Das ist keine bloße dramaturgische Entscheidung, sondern verändert zwangsläufig das gesamte Bild der Person. Die künstlerische Größe und die schwerwiegenden Vorwürfe gegen Jackson existieren historisch nebeneinander - der Film entscheidet sich jedoch weitgehend dafür, nur eine Seite zu zeigen.


Damit wird "Michael" letztlich eher zum "Musikfilm über Michael Jackson" als zu einer umfassenden Biografie. Das muss nicht automatisch schlecht sein. Ein Biopic darf einen bestimmten Lebensabschnitt fokussieren. Problematisch wird es dort, wo die Auslassungen den Eindruck erzeugen, der Film wolle seinem Gegenstand nicht wirklich widersprechen. Gerade deshalb ist der Film interessanter, wenn man ihn nicht als endgültige Wahrheit über Michael Jackson betrachtet. Fuqua rekonstruiert eine öffentliche Figur: den begabten Jungen, den außergewöhnlichen Tänzer, den Perfektionisten und den Popstar, der die Grenzen zwischen Musik, Tanz und Performance neu definierte. In diesen Momenten versteht der Film sehr gut, warum Jackson zu einer der prägendsten Figuren der Popgeschichte werden konnte. Und dann gibt es Jaafar Jackson. Seine Besetzung erweist sich rückblickend als der größte Glücksgriff des Films. Er trägt die schwierige Aufgabe, eine Ikone nachzuahmen, ohne bloß zur Imitation zu werden. Wenn er auf der Bühne steht, verschwinden die Schwächen des Drehbuchs für einige Minuten vollständig. Dann wird "Michael" zu dem, was Jackson selbst immer war: pure Performance.

"Michael" ist ein technisch beeindruckendes und musikalisch mitreißendes Biopic, dessen größte Stärke gleichzeitig seine größte Schwäche ist. Jaafar Jackson ist sensationell, die Konzertsequenzen sind hervorragend und Fuqua beherrscht das große Popkino. Doch die Dramaturgie bleibt konventionell, manche Figuren werden zu Funktionsträgern und die problematischen Kapitel von Jacksons Leben werden so konsequent ausgespart, dass ein deutlich zu einseitiges Bild entsteht. Als musikalische Zeitreise funktioniert "Michael" deshalb erstaunlich gut. Als vollständiges Porträt des Menschen hinter dem Mythos bleibt er deutlich unvollständig. 

7,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkLionsgate/GK Films/Optimum Productions

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