Freitag, 22. September 2017
Cinderella (2015)
Die junge, in guten Verhältnissen aufgewachsene Ella (als Mädchen: Eloise Webb, später: Lily James) verliert früh ihre Mutter (Hayley Atwell). Trotz dieser Tragödie führt sie ein zufriedenes Leben mit ihrem liebevollen Vater (Ben Chaplin), einem Großkaufmann. Als der sich mit Lady Tremaine (Cate Blanchett) eine neue Frau nimmt, heißt Ella sie mitsamt ihren Töchtern in der Familie willkommen. Doch als der Vater ebenfalls stirbt, zeigt die Stiefmutter ihr wahres Gesicht. Fortan lebt Ella als Dienstmädchen im eigenen Haus und wird "Cinderella" genannt. Abwechslung verspricht eine königliche Balleinladung, die an alle unverheirateten Damen gerichtet ist, denn der Prinz sucht eine Braut. Ella möchte am Fest teilnehmen, ihre Stiefmutter verbietet es jedoch. Das künftige Glück der jungen Frau hängt maßgeblich davon ab, ob es ihr gelingt, den Fängen Lady Tremaines zu entfliehen und doch zu dem Fest zu gelangen...
Es ist hier wie mit fast allen Kenneth Branagh-Verfilmungen. Der Regisseur und Schauspieler greift einmal mehr sehr tief in die Kitsch-Kiste, nichts Unerwartetes passiert (in diesem Fall: warum auch?), der Massengeschmack wird tangiert, bloß keine allzu komplexen Ausreißer, zahllose schablonenhafte Charaktere. Man riecht den Braten als filmkritischer Zuschauer natürlich auch... und trotzdem findet man den Streifen dann doch gar nicht mal so schlecht. Vor allem, wenn man mit dem Disney-Zeichentrick "Cinderella" aufgewachsen ist. Denn hier sind auch die Schauspieler mit wenigen Ausnahmen denkbar schlecht gewählt und Abziehbilder von dem, was man als Kenner des 1950er Zeichentricks erwarten würde. Leider muss man auch gerade das über die gute Fee (Helena Bonham Carter) sagen. Obwohl Carter eine Meisterin ihres Fachs ist, hier versagt ihre Darstellung auf allen Ebenen, vermutlich auch, weil ihre Erscheinung nicht so recht in das Bild der guten Fee passen will.
Die Geschichte wird zwar besonders anfänglich etwas ausgedehnt und Brannagh bemüht sich, die Eltern von Ella (später: Cinderella) ausgiebig vorzustellen und dem jungen Mädchen eine Motivation und Wesensbeschreibung mitzugeben, jedoch wirkt dies etwas ungelenk und aufgesetzt, vermutlich, um den Film etwas mehr Tiefe zu verleihen. Kann man wohlwollend abnicken. Aber in erster Linie gibt es hier quietschbunte Optik, die noch nahe am Trickfilm ist: alles ist schön bunt und das Kostüm-Design herausragend, Tiere, Umgebung - das passt. Gemessen an dem 1950-Zeichentrick ist dieser Film natürlich sehr viel schlechter, sowohl in der Charakterisierung, als auch in der Stringenz. Es fehlt auch ein gewisser Zauber, den CGI nun mal nicht bringen kann. Über die Story braucht man derweil kaum etwas schreiben. Entgegen einiger weltweiter Kritiken ist dieser Film aber auch keine 1:1-Umsetzung des Zeichentricks, ganz im Gegenteil - bis auf die Namen der Charaktere und den gröbsten Eckpfeilern (Disney, Putzen, Mäuse, Stiefmutter, Ball, Prinz, Schuh) haben die Filme rein gar nichts miteinander zu tun. Viel mehr füllt der Film eher einige Lücken des alten Streifens: Mutterverlust, die Beziehung zum Vater, die Ankunft der Familie Tremaine, Ballgäste, die auch was zu sagen haben, Cinderellas Wandel von der Tochter des Hauses zur Putzfrau der Familie und ihre Motivation, dort zu bleiben - hier gefällt der Film durchaus. Und unterm Strich bekommt man dann doch noch einen guten Familienfilm, besonders die Kleinsten als nicht ganz so kritisches Publikum werden wohl ihre Freude daran haben. Alle anderen sind mit dem Zeichtrick wesentlich besser beraten.
6,5/10
Donnerstag, 7. Oktober 2021
Cinderella Man - Das Comeback (2005)
Jim Braddock (Russell Crowe) galt einmal als der kommende Boxer, der das Zeug zum Weltmeister hat, aber das Schicksal hat ihm einen anderen Weg bereitet. Während der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre muss sich Braddock mit miesen Jobs durchs Leben schlagen, um sich und seine Familie halbwegs ernähren zu können. Die schwere Zeit währt für Braddock aber nicht ewig. Er bekommt eine zweite Chance im Boxring, die er auf eindrucksvolle Weise nutzt. Sein Sieg ist eine Eintrittskarte für weitere Kämpfe, die ihm einen Neustart der Boxkarriere ermöglichen. Trotz seiner bei einem zurückliegenden Autounfall in Mitleidenschaft gezogenen Händen boxt Braddock wie ein Weltmeister. Gemeinsam mit seinem Trainer Joe Gould (Paul Giamatti) plant Braddock den Angriff auf den Boxthron. Auf dem sitzt aber der harte Max Baer (Craig Bierko), gegen den kein Kraut gewachsen zu sein scheint.
Dieser Mix aus Drama, Sportfilm und Biopic, ist wunderbar inszeniertes Kino von Meisterregisseur Ron Howard. Er schickt einen herausragenden Cast in eine stets fesselnde und toll fotografierten Geschichte. Mitten in der großen Weltwirtschaftskriese als alles am Boden lag, steht ein Mann namens Jim Braddock, auf unnachahmlicher Weise, wieder auf. Sein Spitzname "Cinderella Man", so auch der originale Titel des Films, spiegelt den unfassbaren Aufstieg vom Arbeiter und Provinzkämpfer zum Boxchampion wieder.
Nachdem Clint Eastwood nur ein Jahr zuvor mit seinem "Million Dollar Baby" bei der Oscarverleihung so derartig gut abgeräumt hat, war zu erwarten dass das Genre des Boxfilmes erst mal ausgelotet sei - aber weit gefehlt. In fast genau der gleichen Filmlänge zeichnet Howard ein ausführliches Porträt eines ehrenhaften, aufrechten Mannes der sich stur und mit Einsatz nach oben kämpft - die volle Klischeekiste also, die aber in diesem Fall auf einer wahren Begebenheit beruht. Wenn das ganze schon mit der Story nicht wirklich punkten kann, was bleibt dann? Nun, genau zwei Dinge: zum einen sind die Boxszenen spektakulär, aufwendig und knallhart in Szene gesetzt dass es selbst Zuschauern, die diesem Sport kaum etwas abgewinnen können, imponiert und zum zweiten ein großartig aufspielendes Star-Eensemble. Rene Zellweger braucht zwar eigentlich nichts all zuviel zu tun, dafür glänzt Paul Giamatti als herzensguter Gehilfe und über allem steht Russel Crowe der als ehrenhafter Mann eine Leistung bringt die meilenweit über seine sturen Darstellung in "Gladiator" hinausragt.Ganz sicher einer der besten Boxfilme, auch ohne übertriebenen Pathos. "Cinderella Man" ist sehr bewegend, sehr überzeugend und schlicht ganz großes Kino. Unbedingt anschauen.
8,5/10
Quellen:
Inhaltsangabe: Universal Pictures
Freitag, 9. Mai 2025
Den Stygge Stesøsteren - The Ugly Stepsister (2025)
Im Königreich "Swedlandia", in dem Schönheit ein brutales Geschäft ist, kämpft Elvira (Lea Myren) darum, mit ihrer unglaublich schönen Stiefschwester Agnes zu konkurrieren. Nachdem Elviras Mutter Rebekka und Agnes' Vater Otto geheiratet hatten, kamen die beiden jungen Frauen anfangs eigentlich ganz gut miteinander aus, doch nach Ottos Tod ist alles anders. Rebekka muss feststellen, dass ihr neuer Mann ihr kein Geld hinterlassen hat, und so beschlagnahmt die Bank das Vermögen der Familie und lässt sie mittellos zurück. Elvira tut alles, um dies zu ändern und die Aufmerksamkeit des Prinzen zu erregen, dem begehrtesten Junggesellen des Königreichs, der alle in Frage kommenden jungen Damen der Region zu einem Ball eingeladen hat, auf dem er seine Braut auswählen möchte. Elvira hat weder einen Titel noch das Aussehen, das dem Prinzen den Kopf verdrehen würde, und so beginnt ihre Mutter Rebekka mit der Umgestaltung ihrer Tochter. Sie beauftragt den Quacksalber und Schönheitschirurgen Dr. Esthétique, die Zähne, Nase und Augen ihrer Tochter zu korrigieren. Und sie wird alles tun, um die Aufmerksamkeit des Prinzen auf sich zu ziehen...
Die norwegische Regisseurin Emilie Blichfeldt gibt ihr Filmdebüt mit einer raffinierten, revisionistischen Body-Horror-Version von "Aschenputtel"/"Cinderella", aufwendig kostümiert und gestaltet - und bietet überdies eine ebenso explosive wie umfassende psychologische Reise durch das Universum der Schönheit. An Historienfilmen ist ja meistens toll, dass sie die Fähigkeit haben, gesellschaftliche Erwartungen, insbesondere an Frauen, zu ergründen, die auch heute noch unsere Gegenwart widerspiegeln. "The Ugly Stepsister" ist grausam und zeigt die Titelfigur, die eine Reihe schmerzhafter Prozeduren und Handlungen durchmacht, um den Prinzen zu heiraten. Der Film ist eine schmerzhafte, aber scharfsinnige Auseinandersetzung mit künstlicher Schönheit und ihren schrecklichen Folgen - ein Seitenblick geht in Richtung "The Substance". In dieser verzerrten Version von "Aschenputtel"/"Cinderella" steht Stiefschwester Elvira (Lea Myren) im Mittelpunkt. Elvira ist gerade in das Haus von Agnes’ (Thea Sofie Loch Naess) Vater gezogen, nachdem Elviras Mutter (Ane Dahl Torp) ihn geheiratet hat. Man kennt die Geschichte von dort an, doch Blichfeldt fügt ihr geschickt eine Fülle unerwarteter Aspekte hinzu - darunter Bandwürmer, ein Tanzkurs und Verfahren, die Elvira eine echte Chance geben sollen, das Herz von Prinz Julian (Isaac Calmroth) zu gewinnen, dessen Gedichte Elvira leidenschaftlich liest und der davon träumt, in seine Arme geschlossen zu werden und glücklich bis ans Ende ihrer Tage zu leben.Myren liefert in der Titelrolle eine außergewöhnliche Leistung ab. Zu Beginn des Films erleben wir Elviras Unschuld. Sie ist einfach glücklich, in einem neuen Zuhause mit einer neuen Stiefschwester zu sein. Sie ist von Weitem glücklich mit dem Prinzen verbunden. Im weiteren Verlauf des Films wird sie oft gezwungen, Verhaltensweisen an den Tag zu legen, die ihr Auftrieb und Erbauung versprechen. Elvira verliert diese Unschuld und entwickelt eine innere Hässlichkeit, die sie ästhetisch ablegen sollte. Myren bringt all diese widersprüchlichen Gefühle zum Ausdruck und entführt den Zuschauer meisterhaft in Elviras vielschichtige Welt. Die Nebendarsteller sind ebenso exzellent, und der Film besticht durch ein herausragendes Produktionsdesign, Kostüme und eine Kameraführung, die Elviras düstere, verheerende Situation widerspiegelt. Insgesamt zieht Blichfeldt für diesen Film alle Register und beschert uns ein Kinoerlebnis voller Tiefe und prägnanter Kommentare, eingebettet in eine grausige Märchenwelt, die ebenso fesselnd wie intensiv ist. Ja, Blichfeldt hat ein überaus elegantes Debüt hingelegt.
8/10
Quellen:
Inhaltsangabe: Capelight
Poster/Artwork: Scanbox Entertainment/Mer FIlms/Lava Films/Motor
Donnerstag, 14. März 2024
Damsel (2024)
Prinzessin Elodie (Millie Bobby Brown) wird eines Tages an einen Prinzen namens Henry (Nick Robinson) aus einem rivalisierenden Königreich verheiratet, ohne dass sie weiß, was sie erwartet. Eine märchenhafte Zukunft steht ihr jedoch nicht bevor, eher das Gegenteil. Der König und die Königin (Robin Wright) des Nachbarlandes haben nämlich einen perfiden Plan ausgeheckt, in dem die Prinzessin ihr Leben hergeben soll, um das Reich vor dem Zorn eines gefräßigen Drachens zu retten. Als Elodie herausfindet, dass sie dem Untier geopfert werden soll, ist sie schockiert und landet auch schon bald in der großen Höhle des Monsters. Da es weit und breit keine wahren Ritter gibt, die sie retten könnten, nimmt Elodie ihr Schicksal kurzerhand selbst in die Hand und sucht nach einem Weg in die Freiheit.
"Es gibt viele Rittergeschichten, in denen der heldenhafte Ritter die Jungfrau in Not rettet. Dies ist keine von ihnen." So beginnt Millie Bobby Browns prächtiger neuer Fantasyfilm, und der Zuschauer ist gleich gefesselt, denn er weiß genau, dass hier einen Prinzessin in den Kick-Ass-Modus geht. Nach einem kurzen Prolog, in dem Ritter einem feuerspeienden Drachen gegenüberstehen, sieht man schon, wie Elodie (Brown) "Jahrhunderte später in einem fernen Land" Holz hackt. Sie und ihre jüngere Schwester Floria (eine süße Brooke Carter) leben in einer abgelegenen, verschneiten Gemeinde (aka "Winterfell"), in der sich eine schwierige Lage befindet. Sie müssen die Vorhänge in ihrem Schloss gegen Lebensmittel verkaufen. Doch dann kommt ein Bote mit einem Brief, verschlossen mit einem königlichen Siegel. Eine Königin schlägt vor, dass Elodie die Braut ihres Sohnes, des Prinzen, wird, mit einer stattlichen Mitgift, die ihrem Land wieder Wohlstand verschaffen wird. Elodie zögert, ist aber bereit, alles Notwendige zu tun, um ihrem Volk zu helfen. "Ich weiß, dass du schon immer reisen wolltest.", sagt ihr Vater (Leonine Ray Winstone als Lord Bayford) und versucht, die Zwangs-Aussicht attraktiver klingen zu lassen.
Elodie und Floria sind jedoch bald beeindruckt von der Wärme, der Großzügigkeit und dem Luxus des Hauses der Königin und ermutigend über ihren Empfang. Prinz Henry (Nick Robinson) scheint so charmant zu sein, wie man es von Märchenprinzen erwartet. Seine Mutter (Robin Wright als Isabelle) ist eine andere Geschichte, königlich, aber distanziert, und weist den Freundschaftsversuch von Elodies Stiefmutter Lady Bayford (einer wenig genutzten Angela Bassett) kühl zurück. Trotz Lady Bayfords wachsender Besorgnis, dass etwas nicht stimmt, findet die Hochzeit statt, mit all dem Pomp und den Umständen, die eine königliche Fantasiehochzeit verdient. Das Produktionsdesign von Patrick Tatopoulos und die Kostüme von Amanda Monk sind durchweg großartig. Die Hochzeitsszene ist spektakulär. Man sollte an dieser Stelle auf die Momente achten, in denen gezeigt wird, wie Elodie in ihr spektakuläres Brautkleid geholfen wird. Es ist nicht der übliche Moment, bei dem ein Wildfang zur Schönheitsverjüngungskur übergeht, und seine Bedeutung wird später enthüllt.Nach der Hochzeit findet am Eingang einer Höhle eine seltsame Zeremonie statt. Unheilvollerweise sind die Höflinge maskiert. Isabelle fährt mit ihrem Dolch über die Handflächen des Brautpaares und vermischt ihr Blut. Und dann stellt sich heraus, dass Elodie dem Drachen in der Höhle geopfert werden soll, ein Teil der jahrhundertealten Vereinbarung, die den Drachen davon abhält, das Königreich in Grund und Boden zu stampfen.. Und so wechselt der Film vom "Cinderella"-(der sich übrigens wirklich, wirklich märchenhaft anfühlt) in den "Stirb langsam"-Modus in einer Höhle, während Elodie versucht, dem Drachen zu entkommen. Der Drache. Ja, der ist wiederum außergewöhnlich gut gestaltet und von Shohreh Aghdashloo mit herrlich rauchiger Bedrohlichkeit synchronisiert. Nun kommt das Kleid wieder ins Spiel, dass, so pompös es anfangs auch ausgestattet war, sich mit Geschick in alle möglichen Hilfsmittel, die Elodie benötigt, MacGyvern lässt. Es könnte genauso gut auch von James Bonds Q entworfen worden sein, denn Elodie verwandelt es in eine Überlebensausrüstung, indem sie beispielsweise einen Korsettbusch (das steife Brett, das am Oberteil festsitzt) heraustrennt und es gegen die Wand der Höhle kratzt, um daraus einen Dolch zu erschaffen. Außerdem nutzt sie einen Teil des Stoffes als Schutz und reißt einen großen Teil davon ab, um ihr mehr Bewegungsfreiheit zu verschaffen. Elodie findet in der Höhle auch einige Ressourcen sowie einige Leichen anderer Prinzessinnen. Eine ganze Wand ist mit ihren Namen bedeckt, auf denen geschrieben steht, wie verzweifelt sie an der Flucht waren. Sie entdeckt biolumineszierende Würmer, die ihr den Weg leuchten - und noch eine ganz andere Eigenschaft haben.Dieser Abschnitt des Films spielt sich wie ein Videospiel ab, in dem Elodie einem Hindernis nach dem anderen gegenübersteht und einige Fortschritte macht, wie eine Art Quests, die interessanter und interessanter wird. Brown ist über weite Strecken auf sich allein gestellt und schafft es, Angst und Entschlossenheit abzuwechseln. Es gibt einige gruselige Überraschungen, insbesondere nachdem andere Charaktere in der Höhle ankommen. Auch helfen ihrem Charakter die Züge, die ihr die Drehbuchautoren auf den Leib geschrieben haben: Demütigkeit, Scharfsinn und eine Gespür für Gerechtigkeit. Es ist daher eigentlich sogar schade, dass "Damsel" nicht auf einer großen Leinwand gezeigt wird, denn die Schauplätze sind voller verlockender Details, die einige der Schwächen des Drehbuchs verdecken. Aber selbst auf der kleineren Leinwand ist die frische, von Frauen geführte Interpretation der traditionellen Geschichte, einschließlich einer kleinen Wendung, die Schwesternschaft ist mächtig, am Ende äusserst sehenswert.7,5/10
Quellen:
Inhaltsangabe: Netflix
Poster/Artwork: Netflix
Sonntag, 7. Mai 2023
Peter Pan & Wendy (2023)
Ihr wohlbehütetes Londoner Zuhause verlässt die junge Wendy (Ever Anderson) eigentlich nur ungern. Doch alles ändert sich, als sie Bekanntschaft mit dem abenteuerlustigen Peter Pan (Alexander Molony) macht, der irgendwann einfach beschlossen hat, nicht erwachsen zu werden, und obendrein sogar fliegen kann! Peter und die kleine Fee Glöckchen (Yara Shahidi) laden Wendy und ihre Brüder Michael (Jacobi Jupe) und John (Joshua Pickering) ins magische Nimmerland ein, wo sie ein Abenteuer erwartet, das ihre Leben für immer verändern wird. Allerdings lauern hier auch einige Gefahren, allen voran der böse Piraten-Kapitän Hook (Jude Law), der noch eine offene Rechnung mit Peter hat...
Die Live-Action-Remakes von Disneys Zeichentrick-Klassikern kann man durchaus mit gemischten Gefühlen betrachten. Viele von ihnen - wie "Der König der Löwen" (2019) oder "Die Schöne und das Biest" (2017) - sind beinahe identisch mit den jeweiligen Original-Zeichentrickfilmen und scheinen nur deshalb zu existieren, um die Zuschauer daran zu erinnern, dass sie die Zeichentrickversionen dieser Geschichten geliebt haben. Die besten Neuverfilmungen nehmen aber einen Klassiker, den man kennt und mit dem man wahrscheinlich auch aufgewachsen ist, und nutzen die Gelegenheit, um einen neuen Blickwinkel auf diese zeitlosen Geschichten zu werfen. "Cinderella" aus dem Jahr 2015 brachte dem Zuschauer die Wut der bösen Stiefmutter näher, die beiden "Maleficent"-Verfilmungen aus dem Jahr 2014 und 2019 zeigte die Ursprünge und Fortgänge einer der kultigsten Bösewichte Disneys, und selbst "Aladdin" aus dem Jahr 2019 fand neue Wege, diese Figuren zu erweitern und ihnen mehr Handlungsmöglichkeiten zu geben als ihre animierten Gegenstücke.
Ob man diese Filme nun gut oder schlecht findet oder bewertet liegt daher auch immer an der Erwartungshaltung. Will man "nur" etwas Altbekanntes in neuem Gewand sehen, sind die Realverfilmungen oft perfekt, bei Neuinterpretationen oder gar Erweiterungen der etablierten Story scheiden sich die Geister. "Cruella" war beispielsweise eine grandiose Erzählung, die sich lediglich im Universum der "101 Dalmatiner" bewegte. Aber die vielleicht beste dieser Live-Action-Remake war bisher "Elliot, der Drache" von 2016, bei dem ebenso wie hier David Lowery Regie führte und das Drehbuch schrieb, nachdem er zuletzt "The Green Knight" drehte. Lowery zeigte schon damals, dass selbst geliebte Werke verbessert und zu neuen Klassikern für eine neue Generation gemacht werden können. Lowery wusste, dass sie nur dann so unvergesslich werden wie die Disney-Zeichentrickfilme, wenn man etwas wagt und etwas Neues ausprobiert - auch wenn es sich um Geschichten handelt, mit denen man vielleicht seit seiner Kindheit aufgewachsen ist. Lowerys zweites Disney-Remake, "Peter Pan & Wendy", lässt Peter Pan wieder auferstehen - eine Geschichte, die im Laufe der Jahre schon viele Remakes erlebt hat - und schafft es tatsächlich, einer Geschichte, die man schon unzählige Male gehört hat, neues Leben einzuhauchen.
"Peter Pan & Wendy" beginnt wie die meisten dieser Neuverfilmungen:
Wendy Darling (Ever Anderson) steckt zwischen ihrem aufkeimenden
Erwachsensein und dem Wunsch, so kindlich und verspielt zu bleiben, wie
es ihre Brüder Michael und John (Jacobi Jupe bzw. Joshua Pickering)
gerade sind. In der Nacht, bevor Wendy ins Internat geht, bekommt sie
Besuch von Peter Pan (Alexander Molony), von dem die Darling-Kinder
schon viele Geschichten von ihrer Mutter gehört haben, und seiner
Feenfreundin Tinker Bell (Yara Shahidi). Mit ein wenig Feenstaub und
einigen glücklichen Erinnerungen folgen die Darling-Kinder Peter Pan und
Tinker Bell zurück nach Nimmerland - einem Ort, an dem Kinder niemals
erwachsen werden und an dem Peter ständig von seinem Erzfeind Kapitän
Hook (Jude Law), seinem ersten Offizier Mr. Smee (Jim Gaffigan) und dem
Rest seiner Crew verfolgt wird.
David Lowery und Co-Autor Toby
Halbrooks erfinden das Rad mit dieser neuesten Version von J. M. Barries
klassischer Geschichte nicht unbedingt neu, aber sie machen das Rad
zumindest wieder zu etwas, das es wert ist, erkundet zu werden. Ja, es
ist die Geschichte, die man vermutlich bereits kennt, aber mit genügend
intelligenten Änderungen gegenüber dem Zeichentrick-Klassiker von 1953
und den Regieeinfällen von Lowery, damit sich der Film neu anfühlt. Der
Moment, in dem die Darling-Kinder über den Big Ben nach Nimmerland
fliegen, erinnert eher nicht gerade an ein
typisches Disney-Remake, und die schnellen Montagen, in denen Wendy sich
an ihre Jugend erinnert und sich vorstellt, wie ihr Leben als
Erwachsene aussehen könnte, wirken weitaus emotionaler und kraftvoller
als alles, was in den meisten Disney-Remakes zu sehen ist. Lowery zeigt, dass ewige Jugend zwar wunderbar sein kann, dass aber die Schönheit
eines gelebten Lebens ebenso schön ist. Oft verliert sich der Regisseur
in der Disney-Maschinerie, aber Lowery kommt auch immer ganz schnell wieder zrück auf den Boden der Tatsachen..
Lowery und sein Drehbuchautor Toby Halbrooks nehmen sich auch viel Zeit, um die
Beziehung zwischen Peter Pan und Hook zu untersuchen. Während Wendy
damit rechnet, nicht ganz ein Mädchen, noch keine Frau zu sein, sieht
sie die extremen Gegensätze vor sich: die Frustration des ewigen
Kindseins und die Gefahren, die Lebensfreude und den kindlichen Geist zu
verlieren. Wendy,
anstatt Peter, in den Mittelpunkt dieser Geschichte zu stellen, ergibt absolut Sinn, und
Andersons Darstellung schafft ein wunderbares Gleichgewicht zwischen
Wendys Wunsch, erwachsen zu werden, und der Bewahrung ihrer
Verspieltheit. "Peter Pan & Wendy" fühlt sich auch immer so an, als
würden wir Kinder beim Spielen beobachten, mit Dialogen, die andeuten,
dass das alles nur ein Spiel sein könnte, das in einem Schlafzimmer
gespielt wird, wobei eine Figur sogar fragt: "Du meinst, ich bin in
einer Geschichte?" Es gibt hier sehr wichtige Fragen über das
Erwachsenwerden, aber Lowery achtet stets darauf, dass das Spielen im
Mittelpunkt der Geschichte steht.
Zu dieser Ausgewogenheit tragen auch die Leistungen von Alexander Molony und Jude Law bei. Molony ist hier und da ein wenig steif, aber er schafft es, Peter sowohl als vielversprechende Möglichkeit als auch als etwas verzogene Göre darzustellen - und bleibt dabei immer sympathisch. Der eigentliche Star ist jedoch Laws Hook, der sich in der Rolle des klassischen Disney-Bösewichts sichtlich amüsiert und dieser Figur auch ein echtes Herz verleiht. Wenn man irgendwann mehr über seine Geschichte mit Peter erfährt, kann man plötzlich auch einen viel tieferen Schmerz erkennen, ein Kind, das tief im Inneren mit den Regeln von Nimmerland kämpfte und sich von einem engen Freund verraten fühlte. Auch hier fügen Lowery und Halbrooks dieser Neuverfilmung die dringend benötigten Schichten hinzu, die in zu vielen Disney-Neuverfilmungen fehlen.
Ja, in den letzten Jahren hat der Zuschauer eine absurde Anzahl von Disney-Remakes gesehen, und jedes Jahr oder so bekommt man eine oder vier weitere Nacherzählungen eines Klassikers zu sehen. Selbst die Geschichte des Peter Pan wurde schon Dutzende Male verfilmt - manche gut, manche schlecht. Aber mit "Peter Pan & Wendy" zeigt Lowery, dass es nicht falsch ist, sich eng an den Inhalt des (eigentlich recht düsteren) Buches zu halten, solange man der Geschichte eine neue Identität verleiht und dem Publikum einen Grund gibt, diese Geschichte noch einmal zu sehen. Sowohl mit "Elliot, der Drache" als auch mit "Peter Pan & Wendy" hat Lowery gezeigt, wie man eine altehrwürdige Geschichte noch einmal erzählen kann. Jon Favreau hat vielleicht einen Weg gefunden, diese Filme profitabel zu machen, aber Lowery hat genau gezeigt, wie Disney diese Projekte angehen sollte.
7,5/10
Quellen:
Inhaltsangabe: Disney
Montag, 7. Juli 2025
Snow White - Schneewittchen (2025)
Schneewittchen (Rachel Zegler) ist jung und schön. Deshalb wird ihre Stiefmutter, die böse Königin (Gal Gadot), regelrecht vom Neid zerfressen. Denn sie will um jeden Preis die schönste Frau im ganzen Land sein, doch wegen ihrer Stieftochter wird daraus eben nichts. Das lässt sie auch der magische Spiegel (Stimme im englischen Original: Patrick Page) regelmäßig wissen. Schneewittchens Leben bei der Königin wird deshalb immer unerträglicher. Also fasst sie sich eines Tages ein Herz und ergreift die Flucht. Ihr Weg führt sie tief in den Wald, wo sie schließlich auf ein Haus stößt und sich darin versteckt. Was sie jedoch nicht weiß: Dort leben die sieben Zwerge Pimpel (Stimme im englischen Original: Tituss Burgess), Chef (Jeremy Swift), Seppel (Andrew Barth Feldman), Brummbär (Martin Klebba), Happy (George Salazar), Schlafmütz (Andy Grotelueschen) und Hatschi (Jason Kravits).
Nach dem Zeichentrickklassiker "Schneewittchen und die sieben Zwerge" (1937) bringt Disney die Geschichte um das junge, schöne Schneewittchen und die neidische Stiefmutter als Realfilm zurück ins Kino. Und es gibt so Filme, die mit einer gewissen Vorbelastung ins Kino kommen - "Schneewittchen" ist zweifellos einer davon. Seit Disney seine klassische Zeichentrickbibliothek in aufwendige Realverfilmungen umwandelt, ist jede Neuerscheinung sowohl ein nostalgisches Versprechen als auch ein Wagnis. Dieses Remake ist kein einfaches Reenactment des 1937er Klassikers, sondern eine radikale Neuinterpretation mit politischem Anspruch, visueller Ambition und fragiler Emotionalität. Was man bekommt, ist ein Film, der oft schöner aussieht, als er sich anfühlt - und der gelegentlich mehr auf seine Symbolkraft vertraut als auf seine filmische Substanz. Rachel Zegler ist in der Titelrolle der klare Mittelpunkt. Sie besitzt jene schlichte Anmut, die Disney‑Prinzessinnen traditionell auszeichnet, aber kombiniert diese mit einer jungenhaften Entschlossenheit und wachsendem Selbstbewusstsein, das eher aus modernen Coming-of-Age-Dramen stammt. Ihr Schneewittchen ist keine Träumerin mehr, sondern eine junge Frau mit klarem Ziel: Die Rückgewinnung ihres Königreichs, das unter der Herrschaft einer machtgierigen Königin leidet - gespielt von Gal Gadot, die ihre Rolle mit einem überzeichneten Glamour versieht, der zugleich faszinierend und unterentwickelt bleibt. Gadots Königin lebt mehr von Kostüm, Maske und Blicken als von innerem Konflikt oder psychologischer Tiefe. Es ist ein schöner Auftritt - aber keiner, der haften bleibt. Zeglers Performance hingegen trägt den Film über viele seiner dramaturgischen Schwächen hinweg. Ihre Stimme, besonders in Songs wie dem melancholischen "Good Things Grow" oder dem optimistischen "Rise Above", verleiht Schneewittchens Reise eine emotionale Note, die der Film sonst oft schuldig bleibt. Man merkt, dass Zegler Erfahrung auf der Musical-Bühne hat - sie singt nicht nur, sie erzählt währenddessen. Ihre Augen sprechen in den leisen Momenten Bände, auch wenn das Drehbuch sie manchmal mit plakativen Sätzen alleine lässt.Die eigentliche Heldinnenreise ist eine Neuerung, mit der Disney bewusst bricht mit der alten Formel vom "Gerettetwerden". Hier rettet Schneewittchen sich selbst - und damit auch ihr Volk. Dabei wird die Figur aber weniger durch innere Zweifel als vielmehr durch äußere Prophezeiung motiviert. Dieser narrative Kniff erzeugt ein modernes Empowerment-Motiv, bleibt aber bis zum Schluss eher Behauptung als tief empfundene Wandlung. Visuell ist "Schneewittchen" eine zweischneidige Angelegenheit. Mandy Walkers Kameraarbeit liefert einige eindrucksvolle Kompositionen - insbesondere die Szenen im verzauberten Wald, wo das Licht wie durch flüssiges Glas fällt und Farben sich beinahe körperlich anfühlen. Doch diese Schönheit wird konterkariert von einer CGI-Ästhetik, die zwar gewollt märchenhaft sein will, aber letztlich fremd und künstlich wirkt. Und ironischerweise singt der König von Realität, während eineindeutig computeranimierter Vogel auf seiner ausgestreckten Hand landet. Die sieben Zwerge, ersetzt durch digital animierte Figuren unterschiedlichster ethnischer Herkunft, erscheinen weniger wie Charaktere und mehr wie Artefakte eines Designprozesses. Es ist eine Entscheidung, die technisch nachvollziehbar ist - politisch sensibel, aber filmisch unbefriedigend.Der Film ist außerdem musikalisch nicht so mitreißend, wie er sein müsste. Die neuen Songs stammen aus der Feder von Benj Pasek und Justin Paul, doch keiner von ihnen bleibt wirklich im Ohr. Vielmehr wirken sie wie elegante Zwischenspiele, stilvoll, aber wenig einprägsam. Nur in den letzten zehn Minuten - wenn Handlung, Musik und Bild endlich eine echte Einheit bilden - gelingt dem Film eine emotionale Pointe, die man sich früher gewünscht hätte.
Thematisch bleibt der Film in seiner feministischen Neuausrichtung recht ambivalent. Zwar spricht Schneewittchen von Selbstbestimmung und Verantwortung, doch oft scheint diese Botschaft mehr behauptet als wirklich durchdrungen. Man hat nie das Gefühl, dass die Figur einen inneren Konflikt durchlebt oder an sich selbst wächst - vielmehr wirkt sie von Anfang an wie eine "fertige Heldin". Die Spannung, die aus Widersprüchen entsteht, bleibt aus. Damit fehlt Schneewittchen jener innere Puls, der etwa "Cinderella" oder "Maleficent" gelegentlich beflügelte. Was bleibt, ist ein Film, der mit edlen Absichten, großer Ausstattung und sympathischer Hauptdarstellerin aufwartet, aber sich letztlich selbst im Wege steht. Die Modernisierungen sind mutig, aber inkonsequent. Die Bildsprache ist stark, aber nicht kohärent. Und der emotionale Kern - so wichtig für jedes Märchen - bleibt zu oft hinter Glas. "Schneewittchen" ist nicht das Desaster, zu welchem er in der Presse gemacht wurde - er ist aber auch keine Krönung. Es ist ein Film, der sich zu oft damit begnügt, bedeutungsvoll zu wirken, statt Bedeutung zu entwickeln. Und vielleicht ist das die größte Ironie: Dass ein Film, der ausgerechnet von Wahrhaftigkeit, Mut und Aufbruch erzählt, sich nicht traut, wirklich zu fühlen. Oder kurz gesprochen: Ein schöner Versuch - aber der Spiegel zeigt uns nur eine Projektion, keine Wahrheit.Quellen:


































