Freitag, 28. August 2026

Sleepers (1996)

https://www.imdb.com/de/title/tt0117665/
https://letterboxd.com/film/sleepers/

New York in den sechziger Jahren: Die vier Freunde aus dem New Yorker Stadtviertel Hell's Kitchen hatten eigentlich nur einen harmlosen Streich im Sinn, ohne mit den schwerwiegenden Konsequenzen zu rechnen. Ihre Kindheit endet von einem Tag auf den anderen und sie landen im Jugendknast, wo sie der sadistische Aufseher Nokes (Kevin Bacon) auf bestialische Weise mißhandelt. Als sie die Freunde als Erwachsene wiedertreffen, wollen sie vor allem eines: Rache für ihre verlorene Jugend. In einer Bar schießen sie den verhassten Nokes nieder und es kommt zu einem aufsehenerregenden Gerichtsprozess.

Das düstere Schuld-und-Sühne-Drama "Sleepers" von Regisseur Barry Levinson, bezieht seine Wirkung vor allem aus einem erschütternden Thema und einer außergewöhnlichen Besetzung. Vier Jungen aus Hell’s Kitchen landen nach einem missglückten Streich in einer Jugendstrafanstalt, wo sie von Aufseher Nokes (Kevin Bacon) und seinen Männern brutal missbraucht werden. Jahre später begegnen sich die traumatisierten Freunde wieder - und beschließen, Vergeltung zu üben. Levinson erzählt diese Geschichte in zwei sehr unterschiedlichen Hälften: zunächst als atmosphärisches Jugenddrama über Freundschaft und das raue New York der 1960er, später als Kriminal- und Gerichtsfilm. Beide Teile funktionieren, wobei gerade der Wechsel der Perspektiven die Geschichte spannend hält. Die erwachsenen Hauptrollen mit Jason Patric, Brad Pitt, Billy Crudup und Ron Eldard werden durch Robert De Niro als Father Bobby, Dustin Hoffman als Anwalt Danny Snyder und Kevin Bacon als erschreckend nüchternen Nokes prominent ergänzt. Die Besetzung ist tatsächlich eine der größten Stärken des Films. 

Besonders stark ist die Darstellung der Folgen des Missbrauchs. "Sleepers" macht aus dem Erlebten keine bloße Vorgeschichte für einen Rachethriller, sondern zeigt, wie sehr die Vergangenheit die vier Männer geprägt hat. Gleichzeitig bleibt Levinson nicht bei einem simplen "Auge um Auge". Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Kann ein Verbrechen durch ein anderes Verbrechen gesühnt werden? Und darf eine Gesellschaft Gerechtigkeit durch Selbstjustiz ersetzen? Genau hier liegt allerdings auch die Schwäche des Films. Das Drehbuch arbeitet teilweise sehr manipulativ und erklärt seine moralischen Konflikte lieber, als sie den Zuschauer selbst entdecken zu lassen. Besonders die ausgedehnte Off-Erzählung von Shakes wirkt gelegentlich überdeutlich. Hinzu kommt die bis heute problematische Behauptung, die Geschichte beruhe auf wahren Ereignissen - eine Behauptung, die schon bei Lorenzo Carcaterras Vorlage massiv angezweifelt wurde. Trotzdem entwickelt "Sleepers" eine enorme emotionale Sogwirkung. Michael Ballhaus' Kamera verleiht dem Film eine düstere, fast klassische Optik, während Levinson die Milieus von Hell's Kitchen und der Strafanstalt überzeugend gegenüberstellt. Die Gerichtssequenzen sind vielleicht etwas konventionell, aber hervorragend besetzt und dramaturgisch effektiv. 

"Sleepers" ist damit letztlich kein makelloser Film und schon gar kein unproblematisches moralisches Lehrstück. Dafür ist die Inszenierung teilweise zu melodramatisch und die Konstruktion der Rachegeschichte zu bequem. Aber Levinson gelingt ein packendes, hervorragend gespieltes Drama über Freundschaft, Trauma, Schuld und die Sehnsucht nach Gerechtigkeit. Gerade die herausragende Besetzung und die kompromisslose Darstellung der psychischen Folgen machen den Film auch heute noch eindringlich.

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkPropaganda Films/Baltimore Pictures

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