Schneewittchen ist eine kleine Prinzessin, deren böse Stiefmutter sie in Lumpen hüllen und als Magd schuften ließ. Warum? Weil sie Angst hatte, dass das Mädchen eines Tages schöner sein könnte als sie selbst. Als diese Befürchtung der eitlen Königin durch ihren magischen Spiegel als wahr bestätigt wird, beauftragt sie einen Jäger, Schneewittchen im Wald zu töten. Doch der bringt den Mord nicht übers Herz und lässt das Mädchen entkommen. Schneewittchen entdeckt auf einer Lichtung ein leer stehendes Haus, in dem sie gemeinsam mit den Tieren des Waldes für Ordnung und Sauberkeit sorgt. Als die sieben Zwerge von der Arbeit heimkehren, sind sie von ihrem Hausgast schnell entzückt und nehmen Schneewittchen bei sich auf. Als die Königin erfährt, dass ihre Stieftochter noch lebt, ist sie außer sich: Mit Zauberkräften verwandelt sie sich in eine Hexe und macht sich auf den Weg in den Wald, um die böse Tat mit Hilfe eines giftigen Apfels selbst zu vollenden...
Es war der erste abendfüllende Zeichentrickfilm im klassischen Sinne: "Schneewittchen und die sieben Zwerge". Und dies ist kein bloßer Kinderfilm, sondern Walts Disneys revolutionärer Beweis, dass Animation ein vollwertiges Kunstmedium sein kann - ein 83-minütiges Märchen, das vor fast 90 Jahren die Hollywood-Welt erschütterte. Was "Schneewittchen und die sieben Zwerge" unvergesslich macht, ist Disneys Genie für Bewegung: Der Wald jagt die Flüchtende mit greifenden Ästen und leuchtenden Augen, die sich als freundliche Tiere entpuppen - ein einziges pulsierendes Lebewesen, das nie stillsteht. Die Zwerge verkörpern ihre Namen nicht nur im Titel, sondern in jeder einzelnen Geste: Brummbär brummelt mit verschränkten Armen, Seppl stolpert stumm durch die Szene, begleitet von einem Chor aus Tieren, die wie Sidekicks die Handlung spiegeln und verstärken. Lieder wie "Hi Ho" ("Heigh-Ho") und "Kommt erst mein Prinz zu mir" ("Someday My Prince Will Come") treiben die Erzählung voran, während die Königin - Disneys erster großer Schurke - in ihrer Verwandlung zur Hexe pure Grausamkeit atmet.
Anders als harmlose Gute-Nacht-Geschichten webt der Film echte Furcht ein: Die Königin, besessen von Eitelkeit, befiehlt Mord und entreißt Schneewittchen das Leben mit einem Apfel, nur um in einem Gewitter vom Felsen zu stürzen - ein Fall, der ihre Hässlichkeit enthüllt. Schneewittchen selbst, naiv und gütig, wünscht sich Erlösung, doch es sind ihre Umgebung und der Kuss, die sie retten; der Prinz wirkt blass, ein bloßes Vehikel fürs Happy End. Die Musik untermalt Höhen und Tiefen perfekt, von zarten Melodien bis zu chaotischen Stürmen. Als erster abendfüllender Zeichentrickfilm, produziert mit Multiplane-Kameras für Tiefe und über 750.000 Zeichnungen, war "Schneewittchen und die sieben Zwerge" ein Wagnis: Hollywood nannte es "Disneys Torheit" - Kritiker, Brancheninsider und sogar Walt Disneys eigene Familie und Mitarbeiter zweifelten an dem Projekt. Sie waren überzeugt, dass niemand 90 Minuten lang einen Cartoon im Kino ansehen würde, und hielten das Vorhaben für geschäftlichen Selbstmord - doch es wurde zum größten Hit der 1930er, gewann einen Ehren-Oscar und begründete das Animationszeitalter. Trotz simpler Handlung und Kindertauglichkeit ist "Schneewittchen und die sieben Zwerge" ein zeitloses Juwel, das Schrecken und Freude in perfekter Balance hält.

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