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Der angesehene Anwalt und Familienvater Chris Cleek (Sean Bridgers) fängt eines Tages eine wilde, in den Wäldern lebenden Frau (Pollyanna McIntosh). Angekettet in einem Verlies in seinem Garten will er das „Monster“ zivilisieren. Mit immer brutaleren Mitteln, versucht er dieses Ziel zu erreichen und spannt dabei seine Familie ein. Während sein Sohn immer stärker in seine Fußstapfen tritt, fällt der jahrelang unterdrückten Mutter (Angela Bettis) das Schweigen immer schwerer. Tochter Peggy (Lauren Ashley Carter) zieht sich immer weiter zurück, was auch ihrer besorgten Lehrerin (Carlee Baker) auffällt. Als diese ein Gespräch sucht, überschlagen sich die Ereignisse…
Lucky McKees "The Woman" ist kein Horrorfilm, der sein Publikum gemütlich erschrecken möchte. Er will provozieren, ekeln und vor allem unangenehme Fragen stellen. Die Geschichte um den Familienvater und Anwalt Chris Cleek (Sean Bridgers), der eine verwilderte Frau (Pollyanna McIntosh) gefangen nimmt und sie in seinem Keller "zivilisieren" will, entwickelt sich vom verstörenden Hinterwäldler-Schocker zur bitterbösen Abrechnung mit patriarchaler Gewalt und familiärer Fassade. Dass der Film dabei teilweise mit dem Holzhammer arbeitet, gehört ebenso zu seinen Stärken wie zu seinen Schwächen. McKees größter Coup ist, dass die vermeintliche Bestie gar nicht das eigentliche Monster ist. Während Chris seine Gefangene kontrollieren und misshandeln lässt, offenbart sich nach und nach, wie krank seine scheinbar perfekte Familie tatsächlich ist. Die clevere Umkehrung des üblichen Horrorfilms - draußen lauert das Monster, drinnen ist die Familie sicher - macht "The Woman" wesentlich interessanter als einen gewöhnlichen Torture-Horror.
Pollyanna McIntosh Darstellung ist dabei fast vollständig nonverbal und trotzdem enorm präsent. Sean Bridgers verkörpert Chris dagegen bewusst widerlich: freundlich nach außen, selbstgerecht und kontrollierend im Privaten. Angela Bettis als Ehefrau Belle und Lauren Ashley Carter als Tochter Peggy sorgen dafür, dass die Gewalt nicht nur als Konflikt zwischen Täter und Opfer funktioniert, sondern als System, in das eine ganze Familie hineingezogen wird. Gerade die Figurenzeichnung der Cleeks gehört zu den überzeugenderen Aspekten des Films. Natürlich ist "The Woman" nicht subtil. Die feministische Botschaft wird so deutlich ausgesprochen und ausgespielt, dass man sie eigentlich nicht übersehen kann. Das Drehbuch von McKee und Jack Ketchum setzt weniger auf psychologische Feinzeichnung als auf Eskalation - und manchmal merkt man ihm seine Herkunft aus dem Exploitation-Kino deutlich an.
Dafür besitzt die Inszenierung eine unangenehme Konsequenz. McKee lässt die Gewalt nicht einfach als Schockeffekt verpuffen, sondern verbindet sie mit der Frage, wie Missbrauch innerhalb einer vermeintlich normalen Familie weitergegeben wird. Besonders im letzten Drittel zieht der Film die Schraube drastisch an und liefert eine blutige, bewusst exzessive Schlussphase. Handwerklich ist das Ganze eher dreckig als elegant. Einige Kameraperspektiven und die langsame erste Hälfte wirken gelegentlich unbeholfen, während der metallische Soundtrack und die explizite Gewalt den Film fest im Horror- und Exploitationbereich verankern. Gerade diese Mischung aus Sozialdrama, Home-Invasion-Umkehrung und Splatter macht "The Woman" aber unverwechselbar. Seine größte Schwäche bleibt, dass McKee seine Aussage mehrfach wiederholt, anstatt sie sich aus den Figuren entwickeln zu lassen. Dadurch wirkt manches konstruiert und provokativ um der Provokation willen.
"The Woman" ist unangenehm, brutal und alles andere als subtil - aber gerade deshalb bleibt er hängen. Hinter der schmutzigen Exploitation-Oberfläche steckt eine erstaunlich klare Analyse von Macht, Missbrauch und patriarchaler Kontrolle. Pollyanna McIntosh liefert eine herausragende körperliche Performance, Sean Bridgers einen herrlich abstoßenden Gegenpol, und McKee findet im letzten Akt Bilder, die man so schnell nicht vergisst. Kein perfekter Horrorfilm und sicherlich nichts für empfindliche Gemüter. Aber als wütende, blutige und bewusst überzeichnete Abrechnung mit häuslicher Gewalt funktioniert "The Woman" deutlich besser, als sein reißerisches Äußeres vermuten lässt.
6,5/10
Von CAPELIGHT PICTURES erschien die "The Woman"-Trilogie hierzulande in 4K Ultra-HD einem tollen Mediabook, welches alles drei Teile ("Beutegier", "The Woman" und "Darlin'") in ihrer ungeschnittenen Originalversion beinhaltet:
Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Modernciné




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