Montag, 5. Januar 2026

Cleaner (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt27812086/

In London wird die jährliche Gala eines Energieunternehmens zum Schauplatz eines gefährlichen Konflikts, als radikale Aktivisten das Gebäude stürmen und 300 Geiseln nehmen, um die Korruption der Gastgeber ans Licht zu bringen. Was zunächst als gerechte Aktion beginnt, eskaliert, als ein Extremist in ihren Reihen die Kontrolle übernimmt. Entschlossen, seine anarchistische Botschaft mit Gewalt zu verbreiten, schreckt er auch vor einem Massaker nicht zurück. Die Rettung der Eingeschlossenen liegt in den Händen einer ehemaligen Soldatin, die inzwischen als Fensterputzerin arbeitet. Joey Locke (Daisy Ridley) hängt 50 Stockwerke hoch an der Außenfassade des Gebäudes – ihre einzige Chance, ihren jüngeren Bruder und die anderen Geiseln vor einer Katastrophe zu bewahren. In einem Wettlauf gegen die Zeit kämpft sie nicht nur gegen die Extremisten, sondern auch gegen ihre eigenen Grenzen.

"Cleaner" ist ein solider, aber letztlich nur mittelmäßiger Beitrag zum modernen Actionkino: kompetent inszeniert, thematisch aktuell, doch zu schematisch, um wirklich nachzuhallen. Der Film folgt Joanna "Joey" Locke, einer früheren Marinesoldatin, die nun als Fensterputzerin an einem Londoner Wolkenkratzer arbeitet und gleichzeitig für ihren autistischen Bruder Michael Verantwortung trägt. Während einer Aktionärsgala stürmt die Klimaaktivistengruppe "Earth Revolution" das Gebäude, nimmt Hunderte Geiseln und prangert die Umweltverbrechen eines Energiekonzerns an. Joey bleibt zunächst buchstäblich außen vor, bevor sie - von der Fassade aus - in einen Kampf gegen Terroristen, moralische Grauzonen und ihre eigene Vergangenheit hineingezogen wird.

Wie John McClane in "Stirb langsam" ist Joey eine Figur, die widerwillig zur Einzelkämpferin wird, während oben im Glasturm Symbole von Macht und Gier belagert werden. Die Blaupause ist unverkennbar: Geiselnahme im Hochhaus, politisch aufgeladene Bösewichte, ein isolierter Protagonist, der via Funk mit der Polizei verbunden ist - nur dass hier eine weibliche Heldin und Öko-Terroristen das bekannte Muster aktualisieren, ohne es wirklich zu erneuern. Der Film nimmt sich Zeit, Joeys Alltag und ihre Beziehung zu Michael zu etablieren, doch im Gegensatz zu McClane, dessen Witz die Action elektrisiert, bleibt Ridleys Figur oft mehr funktionale Projektionsfläche als charakterliches Ereignis. Der Titel spielt indes geschickt mit einer Doppelbedeutung: Joey putzt Glasfassaden, während die Aktivistengruppe vorgibt, die Umwelt und die korrupte Elite sauber zu machen. In den besten Momenten spiegelt der Film dieses Motiv visuell - die Heldin hängt außen, während drinnen ein moralisches Reinigungsritual stattfindet, das zunehmend selbst mit Blut und Lüge verschmutzt wird. Doch die politische Dimension bleibt halbherzig: Die Öko-Terroristen haben zwar Argumente, werden aber rasch zu Genre-Schurken reduziert, wodurch der vermeintliche moralische Cleanup eher wie ein dekoratives Thema wirkt als wie ein ernsthaft verhandelter Konflikt.

Martin Campbell liefert damit routinierte Hochhaus-Action, die in den Außenaufnahmen - Joeys Perspektive in schwindelerregender Höhe - ihre stärksten, physisch spürbaren Momente findet. Die Dynamik zwischen Joey, ihrem opportunistischen Kollegen Noah und dem ambivalenten Anführer Marcus deutet komplexere moralische Spannungen an, wird aber zugunsten erwartbarer Wendungen (Verrat aus den eigenen Reihen, eskalierender Fanatismus) schnell auf Genre-Normalmaß gestutzt. Am Ende ist "Cleaner" ein passabler "Die Hard"-Abkömmling, ohne jemals dessen Klasse zu erreichen, für ein ökologisch beunruhigtes Zeitalter: unterhaltsam genug für einen Abend, aber zu billig und generisch und ohne echte Wow-Momente, um sich im Gedächtnis festzusetzen.

5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: MGM/amazon studios

Sonntag, 4. Januar 2026

The Tiger (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt31495504/

An der Ostfront im Weltkriegsjahr 1943 wird die fünfköpfige Besatzung (David Schütter, Laurence Rupp, Leonard Kunz, Sebastian Urzendowsky und Yoran Leicher) eines deutschen Tiger-Panzers auf eine geheime Mission tief hinter die stark umkämpfte Frontlinie geschickt. Während sie durch das Niemandsland vorstoßen, geraten sie nicht nur immer tiefer in feindliches Gebiet, sondern müssen sich auch ihren eigenen Ängsten und inneren Abgründen stellen. Das wächst sich zu einem regelrechten Albtraum heraus, weil die fünf Wehrmachtler bis Oberkante Unterlippe voll mit Methamphetaminen sind und sich ihre Mission deshalb unweigerlich zu einer Reise ins Herz der (eigenen) Dunkelheit entwickelt...

"Der Tiger" ist ein Kriegsfilm, der die bewährte Formel von Enge, psychischem Druck und moralischer Erosion in einem Panzerkörper aufgreift - und sie zu einem erstaunlich intensiven, im Kern sehr soliden Antikriegsdrama formt. Fünf Männer in einem Tiger-Panzer, eine Mission hinter sowjetischen Linien und eine zunehmend poröse Grenze zwischen Realität, Drogenrausch und Schuld bilden die Grundlage einer Geschichte, die weit mehr an innerer Zersetzung als an äußerem Heroismus interessiert ist. Die Ausgangslage ist klassisch, beinahe schon ermüdend: 1943, Ostfront, eine fünfköpfige Tiger-Besatzung wird nach einem scheinbaren "Heldenmoment" an einer Brücke auf eine Geheimmission tief ins Niemandsland geschickt, um einen verschollenen Offizier zu finden oder zurückzubringen. Was zunächst wie vertrautes Kriegsfilmterrain wirkt, kippt glücklicherweise zunehmend in einen psychologischen Fiebertraum, in dem Methamphetamin, Trauma und moralische Verdrängung die Wahrnehmung der Figuren zersetzen.

Dass die Mission sich am Ende als eine Art Zwischenzustand aus Nahtoderfahrung, Schuldvision oder metaphysischer Reise entpuppt, verleiht der grundsätzlich konventionellen Prämisse einen überraschend reflektierten Unterton. "Der Tiger" interessiert sich weniger dafür, was militärisch erreicht wird, als für die Frage, was vom Menschen übrigbleibt, wenn Moral, Orientierung und Realität schrittweise zerfallen. Die Ensemble-Leistung ist das emotionale Herz dieses Films: David Schütter als Kommandant Gerkens trägt mit seiner Mischung aus Härte, innerer Überforderung und schleichender Desintegration die psychische Achse der Geschichte. Laurence Rupp, Leonard Kunz, Sebastian Urzendowsky und Yoran Leicher füllen die übrigen Rollen nicht mit Archetypen, sondern mit brüchigen, widersprüchlichen Figuren, in denen Angst, Aggression, Kameradschaft und Selbstbetrug permanent gegeneinander arbeiten. Die starke Ensemble-Leistung und die psychologische Glaubwürdigkeit ist beeindruckend; der Film verweigert sich patriotischem Kitsch und simplem Heldentum und zwingt seine Darsteller dazu, im beschränkten Raum des Panzers über Nuancen, Blicke und kleine Ausbrüche zu spielen. Gerade in den Momenten, in denen Droge, Müdigkeit und Schuld ineinander greifen, erreicht "Der Tiger" eine Intensität, die man in deutschen Weltkriegsfilmen dieser Größenordnung nicht selbstverständlich findet.

Technisch arbeitet „Der Tiger“ mit einer bemerkenswert präzisen Kombination aus praktischen Effekten, engen Sets und Sounddesign, um den Panzer als klaustrophobisches, dröhnendes Metallgrab erfahrbar zu machen. Die Inszenierung der Gefechte und der Unterwasser-Momente des Tigers nutzt visuelle Verfremdungen und akustische Verzerrungen weniger als Spektakel, sondern als sinnliche Verlängerung des psychischen Ausnahmezustands der Figuren. Kamera und Lichtgestaltung betonen immer wieder die Grenze zwischen Außenwelt und Innenraum: Schlamm, Nebel und diffuse Landschaften draußen, stickiges, enges Stahlinterieur drinnen - ein Kontrast, der den Tiger-Panzer zur Bühne eines schleichenden psychologischen Zerfalls macht. Diese Zurückhaltung im Bombast, gepaart mit bewusst gesetzten surrealen Momenten, gibt dem Film ein eigenes Profil zwischen Kriegsrealismus und psychologischem Horror. 

In seiner Grundkonstellation - Männer in einem engen Kriegsgerät, das zur schwimmenden bzw. fahrenden Hölle wird - steht "Der Tiger" sichtbar in der Tradition von "Das Boot". Wie der Klassiker konzentriert sich auch dieser Film auf Enge, Erschöpfung, die Dynamik einer kleinen Gruppe und die zerstörerische Wirkung eines Systems, das seine Protagonisten moralisch wie körperlich verbraucht. Doch wo "Das Boot" primär im Realismus und in der minutiösen Rekonstruktion des Alltags eines Bootes wurzelt, treibt "Der Tiger" seine Figuren stärker in den Bereich des Metaphysischen: Die Mission wird zur Reise durch Schuld, Drogenrausch und Jenseits, der Panzer zum Symbol rollender Verdrängung. Der Film erreicht lange nicht die epische Wucht und historische Gravitas von "Das Boot", findet aber in seiner Mischung aus Antikriegsfilm, Kammerspiel und psychologischem Albtraum eine eigene, respektable Stimme im Kanon deutscher Kriegsfilme.

7/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: MGM/amazon studios

Spiders On A Plane (2024)

https://www.imdb.com/title/tt18076284/

Eine Gruppe junger Urlauber strandet in einem Jumbojet, der neben ihnen auch eine Ladung hochgefährlicher Spinnen transportiert. Die Spinnen wurden von einem wahnsinnigen russischen Wissenschaftler freigesetzt und beginnen, sich an Bord des Flugzeugs auszubreiten, die Passagiere zu attackieren und die Crew teils außer Gefecht zu setzen, während die Maschine auf Langstreckenflug unterwegs ist. Der Traumurlaub der Vier verwandelt sich schnell in einen alptraumhaften Überlebenskampf, als sich die Kabine langsam in ein von Giftspinnen dominiertes Todeslabyrinth verwandelt. Während Panik und Chaos ausbrechen, müssen sie sich nicht nur gegen unzählige kleinere Spinnen, sondern schließlich auch einer übergroßen Mutterspinne stellen und gleichzeitig einen Weg finden, das Flugzeug trotz angeschlagener Besatzung irgendwie sicher zu landen...

"Spiders On A Plane" ist einer jener Filme, bei denen man sich weniger fragt, ob sie schlecht sind, sondern nur noch, wie weit sie die Messlatte nach unten verschieben. Was als augenzwinkerndes B-Movie-Vehikel funktionieren könnte, scheitert schon an der elementaren Aufgabe, seinen eigenen Trash-Anspruch überzeugend einzulösen. Die Effekte wirken, als seien sie mit einem mittelmäßigen Heimcomputer zusammengeschustert worden: Die Spinnen sehen selten wirklich physisch im Raum aus, kleben sichtbar auf dem Bild und lassen jede Illusion von Gefahr sofort verpuffen. Statt cleverer Kameratricks oder praktischer Effekte bekommt man generisches CGI, das jede Spannung untergräbt und aus vermeintlichem Terror unbeabsichtigte Komik macht. Die Schauspielleistungen bewegen sich überwiegend auf dem Niveau eines improvisierten Schulprojekts: Figuren schreien, stolpern und overacten, ohne jemals echte Panik, Schmerz oder Verzweiflung greifbar zu machen. Die Dialoge klingen, als hätten sie die Darsteller kurz vor dem Take zum ersten Mal gesehen, und so entsteht eher das Gefühl, einer unbeholfenen Probe beizuwohnen als einem fertig inszenierten Film. Was diesen Film letztlich so frustrierend macht, ist nicht nur seine offensichtliche Billigkeit, sondern die totale Abwesenheit von Timing, Atmosphäre und ironischem Charme, die selbst viele Low-Budget-Genreproduktionen noch retten. "Spiders On A Plane“ ist damit kein kultiger Trash, sondern ein turbulenzfreier Sinkflug ins filmische Vergessen, der höchstens als mahnendes Beispiel dafür taugt, wie wenig Einsatz man in einen Genrefilm investieren kann.

3/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Jagged Edge Productions

Samstag, 3. Januar 2026

Jeepers Creepers: Reborn (2022)

https://www.imdb.com/de/title/tt14121726/

Zum legendären Horror Hound Festival strömen hunderte Nerds, Gorehounds und Horror-Fans aus dem ganzen Land nach Louisiana - darunter auch Sam (Gabriel Freilich) und seine Freundin Laine (Sydney Craven). Doch je näher die Veranstaltung rückt, desto schlimmer werden Laines dunkle Visionen, die sie zunehmend quälen und in denen sie immer wieder mit der düsteren Legende des sogenannten "Creeper" konfrontiert wird. Als das Festival beginnt, ist sie sich schließlich sicher: Irgendeine mystische Macht wurde gerade geweckt – und sie scheint eine besondere Verbindung zu ihr zu haben…

Manchmal reanimieren Studios eine Reihe so verzweifelt, dass man sich fragt, ob nicht das wahre Monster die Kreativlosigkeit selbst ist. "Jeepers Creepers: Reborn" versucht, das Franchise nach den Skandalen um dessen Schöpfer neu zu positionieren - und liefert dabei ein Lehrstück, wie man eine einst schaurige Legende restlos entmystifiziert. Der erste "Jeepers Creepers" war immerhin ein annehmbares, atmosphärisches Low-Budget-Wunder: dichte Spannung, echte Bedrohlichkeit, ein Monster, das aus der Dunkelheit kroch wie ein biblischer Fluch. In "Jeepers Creepers: Reborn" bleibt davon nichts übrig. Die Story - irgendwas mit einem Horrorfestival, einer künstlich eingewobenen "schwangeren Auserwählten" und endlosen Selfie-Szenen - wirkt, als sei sie von einem Algorithmus mit Schlagworten gefüttert worden. Dramaturgie? Fehlanzeige. Atmosphäre? Nie vorhanden. 

Die Figuren sind so banal, dass man den Abspann herbeisehnt, nur um endlich ihre Namen vergessen zu dürfen. Dialoge klingen wie Resteverwertung aus einem schlechten Teen-Slasher der 2000er. Die Schauspielleistungen bewegen sich zwischen Laienspiel und Desinteresse; man kann förmlich sehen, wie die Darsteller nach der nächsten Schnittmarke suchen. Die Effekte sind eine eigene Tragödie: billige CGI-Blutfontänen, unlogische Beleuchtung, Greenscreen-Szenarien, die aussehen, als stamme der Creeper direkt aus einer Smartphone-App. Wo der Originalfilm mit handgemachtem Horror auf kleinen Straßen des mittleren Westens Gänsehaut erzeugte, gewinnt "Jeepers Creepers: Reborn" höchstens Mitleidspunkte - oder Gelächter. Kurzum: "Jeepers Creepers: Reborn" ist nicht Wiedergeburt, sondern postmortale Pein. Ein Franchise, das einst von Nacht und Mythos lebte, wird hier zu einem grellen, zahnlosen Scherz degradiert. Der Creeper hat das Fliegen verlernt - und seine Flügel liegen irgendwo im grünen CGI-Nebel begraben.

2/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Black Hangar Studios/Orwo Studios

Freitag, 2. Januar 2026

Breathing In (2023)

https://www.imdb.com/de/title/tt22234810/

1901, Südafrika. Während der Zweite Anglo-Buren-Krieg tobt, sucht ein verwundeter General Zuflucht in dem kleinen Haus einer Frau und ihrer kleinen Tochter. Als der verletzte Mann sich einlebt, bemerkt er, dass mit den beiden Frauen etwas nicht stimmt, vor allem mit der Tochter, und schon bald erfährt er den wahren Grund, warum sie ihn eingeladen haben und wie sie so lange allein überlebt haben.

"Breathing In" ist ein kunstvoll inszeniertes Fiasko: ein Film, der aussieht, als wüsste er genau, wohin er will - und der dann in quälenden 100 Minuten beweist, dass er keine Ahnung hat, warum das irgendjemanden interessieren sollte. Er verwechseln Stimmung mit Substanz, Verlangsamung mit Tiefe und Rätselhaftigkeit mit erzählerischer Verantwortung. Handwerklich ist "Breathing In" dabei dennoch beeindruckend: Die Bildsprache ist düster, sorgfältig komponiert, atmosphärisch dicht. Doch jede schön gerahmte Einstellung bleibt Illustration eines Drehbuchs, das sich hartnäckig weigert, Figuren, Konflikte oder echte Dramaturgie zu entwickeln - die Geschichte mäandert, statt sich zuzuspitzen, und degeneriert zu einem zähen Kammerspiel ohne erzählerische Belohnung.

Die schauspielerischen Leistungen wirken, als seien sie in einem Vakuum gefangen: Überreiztes Melodrama trifft auf Figuren, die nie zu Menschen werden dürfen. Einzelne Darstellerinnen werden gelobt, weil sie "mit dem arbeiten, was sie haben", doch genau das ist das Problem - das Skript lässt niemandem Raum für glaubwürdige Beziehungen, emotionale Fallhöhe oder nachvollziehbare Entwicklung, wodurch jede Szene wie ein isoliertes Theaterfragment wirkt. Der Film setzt auf Symbolismus, Folklore-Anmutung und psychosexuelle Andeutungen, löst aber kaum etwas sinnvoll ein. Was als rätselhafte, enigmatische Schönheit beschrieben wird, fühlt sich zunehmend wie kalkulierte Unverbindlichkeit an: Andeutungen ersetzen Aussagen, Fragen werden nur gestellt, um nie beantwortet zu werden, und je länger das dauert, desto mehr kippt die Irritation des Publikums in schlichte Ermüdung.

"Breathing In" ist kein fordernder Film im Sinne eines komplexen Werks, das Arbeit verlangt - er ist fordernd, weil er wenig investiert und viel Geduld verlangt. Die Enge des Settings, die Reduktion der Figuren, die schleppende Erzählweise: All das könnte klaustrophobisch und intensiv sein, wird hier aber zur monotonen Endlosschleife, in der Bedeutung permanent versprochen und fast nie eingelöst wird. Das Problem ist nicht, dass "Breathing In" ambitioniert ist - das Problem ist, dass die Ambition darin besteht, sich hinter Stil zu verstecken, anstatt mit Herz, Klarheit und erzählerischem Mut wirklich etwas zu sagen.

3/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Kaapland Films

The Strangers: Chapter 1 (2024)

https://www.imdb.com/de/title/tt22050754/

Jeff (Ryan Bown) und Maya (Madelaine Petsch) sind nun schon seit fünf Jahren zusammen. Das ist doch Grund genug, gemeinsam eine verlängerte Landpartie zu unternehmen. Während sie durch das provinzielle Oregon fahren und die nahezu unberührte, kaum besiedelte Natur genießen, machen sie Halt an einem Gasthof und essen einen Happen – argwöhnisch beobachtet von einigen Einheimischen. Nachdem sie fertig sind, springt dummerweise ihr Wagen nicht mehr an. Weil der Mechaniker (Ben Cartwright) der lokalen Werkstatt das zur Reparatur benötigte Ersatzteil nicht vorrätig hat, mietet das Paar spontan eine Airbnb-Unterkunft im nahegelegenen Waldstück an. Dort eingetroffen, freuen sie sich darüber, wie stilvoll die Hütte eingerichtet ist und wie viel Platz sie haben. Jeff und Maya machen es sich bequem, um einen romantischen Abend in trauter Zweisamkeit am Kamin zu verbringen. Doch da klopft es erstaunlich laut und insistierend an der Tür. Draußen steht eine in der Dunkelheit nur schemenhaft zu erkennende junge Frau, die fragt: „Ist Tamara hier?“

"The Strangers: Chapter 1" ist ein sauber inszenierter, aber überflüssiger Neustart: routiniert genug, um nicht zu nerven, zu berechenbar, um wirklich zu erschrecken. Der Horror-Film ist ein Standalone-Sequel zu "The Strangers" und "The Strangers: Opfernacht". Er ist außerdem der erste Teil einer Trilogie, die durch "The Strangers: Chapter 2" und "The Strangers: Chapter 3" komplettiert werden soll. Viele Momente funktionieren hier auch als solider Genre‑Komfort, doch fast nichts bleibt im Gedächtnis hängen. Die Prämisse - ein junges Paar, ein abgelegenes Haus, drei maskierte Eindringlinge ohne klares Motiv - wird fast beatgenau aus dem Original von 2008 übernommen, inklusive ikonischer Details wie der Frage "Ist Tamara zu Hause?". Das ergibt einen Film, der weniger wie eine eigenständige Vision wirkt als wie eine gewissenhafte Kopie mit leicht aktualisiertem Anstrich.

Regisseur Renny Harlin bringt derweil handwerkliche Routine mit: Einige Einstellungen in der Hütte sind effektiv, die Maskierten tauchen im Mittelteil geschickt im Bildhintergrund auf, und einzelne Jump Scares sitzen. Sobald die Handlung jedoch das Haus verlässt und in die schlecht ausgeleuchteten Wälder verlagert wird, verliert der Film an Klarheit, Tempo und räumlicher Spannung. Madelaine Petsch und Froy Gutierrez haben spürbare Chemie und tragen den Film emotional besser, als das simple Skript es eigentlich verdient. Gleichzeitig häufen sich genretypische, wenig nachvollziehbare Entscheidungen, die eher frustrieren, als dass sie echte Figurenpsychologie erkennen lassen.

Als "Chapter 1" endet der Film mit einem offenen Versprechen auf kommende Teile, ohne eine wirklich befriedigende eigene Dramaturgie zu liefern. Damit ist er kein vollkommen miserabler Horrorfilm - nur eben einer, der so sehr damit beschäftigt ist, das Bekannte zu wiederholen, dass er vergisst, warum diese Geschichte einst wirklich beunruhigend war.

5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Lionsgate/Fifth Element Productions/Slovenian Film Fund