Sonntag, 11. Januar 2026

The Taking Of Deborah Logan (2014)

https://www.imdb.com/title/tt3387648/

Eine Gruppe von College-Studenten um Mia Medina (Michelle Ang) will eine Dokumentation über Deborah Logan (Jill Jarson) drehen, die an Alzheimer leidet. Weil Demenz ein Problem ist, das die ganze Familie der erkrankten Person betrifft, zieht das Doku-Team auch in das Haus der Logans ein, um zwei Monate den physischen und mentalen Verfallsprozess von Deborah und die entbehrungsreiche Betreuung durch ihre helfende Tochter Sarah (Anne Ramsay) aufzuzeichnen. Als die Familie und das Team Zeuge beunruhigender Ereignisse werden, installieren sie Überwachungskameras, auf denen zu erkennen ist, dass die Demente offenbar nicht an einer gewöhnlichen Krankheit leidet, sondern von einer übernatürlichen Macht besessen ist. Sie versuchen, Deborah den finsteren Parasiten auszutreiben...

"The Taking Of Deborah Logan" beginnt als scheinbar unkomplizierte Dokumentation über den Verfall durch Alzheimer, entwickelt sich aber zu einem der verstörendsten Found-Footage-Horrorfilme, der reale Angst mit übernatürlichem Wahnsinn verbindet. Auch wenn man das Genre des Found-Footage mittlerweile satt haben kann, so muss man dem Film zugestehen, dass das Format durch Handkameras und statische Überwachungskameras besticht und Deborahs unheimliches Schlafwandeln und ihre plötzlichen Erscheinungen auf eine authentisch rohe und eindringliche Weise einfängt, ähnlich wie "The Blair Witch Project", jedoch mit medizinischem Realismus. Kein Hochglanz-Hollywood-Stil - subtile Geräusche im Hintergrund und Tonstörungen bauen Spannung auf, ohne sich auf übertriebene Schockeffekte zu verlassen, obwohl einige musikalische Einlagen im Pseudo-Dokumentarfilm-Stil etwas deplatziert wirken. Mit 90 Minuten Laufzeit rast der Film unerbittlich dahin und verwandelt das alte Haus in einen Hexenkessel der Paranoia.

Was als Abschlussfilm über Demenz von Studentin Mia und ihrem Team beginnt, entwickelt sich zu einem Albtraum der Besessenheit, der mit einem kannibalischen Arzt und rituellen Opfern verknüpft ist. Deborah kanalisiert dabei einen Schlangendämon über die Leitung 337 ihrer alten Telefonanlage. Der Umschwung vom emotionalen Familientrauma - der stillen Verzweiflung der Tochter Sarah - zum rohen Horror zahlt sich in schockierenden, nachhallenden Bildern aus, wie etwa abblätternder Haut oder Gewaltausbrüchen. Der finale Höhlenangriff und die vage Erklärung des Fluchs wirken jedoch etwas überhastet. Es ist emotional packender Horror, nicht bloß billiger Schockeffekt, wodurch die Alzheimer-Maske vor der okkulten Enthüllung wirklich verstörend wirkt. 

Jill Larson dominiert als Deborah. Ihre zerbrechliche Verletzlichkeit explodiert mit unheimlicher Präzision in wilder Bedrohlichkeit - man denke an eine gealterte Regan MacNeil, die die Realität mit ihren Krallen zerreißt. Anne Ramsay verkörpert Sarah, die überforderte Tochter, mit schmerzvoller Erschöpfung, während Michelle Ang als Mia die ehrgeizige Filmemacherin, die unter dem Druck zusammenbricht, perfekt darstellt. Nebenrollen wie die des zwielichtigen Nachbarn (Ryan Cutrona) verleihen dem Film Authentizität, ohne dabei kitschig zu wirken. Die Darsteller überzeugen mit ihrem Pseudo-Dokumentarfilm-Naturalismus, ohne dass Schwächen den Gruselfaktor mindern. Dieser Film ist ein kleines Juwel für Found-Footage-Fans, die Tempo und Action lieben - zwar zweifelsfrei fehlerhaft, aber mitreißend und noch sehenswert. 

6/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Bad Hat Harry Productions/Jeff Rice Films/Casadelic Pictures

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen