Mittwoch, 14. Januar 2026

Ricochet - Ricochet: Der Aufprall (1991)

https://www.imdb.com/de/title/tt0102789/

Los Angeles, 1984: Der junge Polizist und Jurastudent Nick Styles (Denzel Washington) ist mit seinem Kollegen Larry Doyle (Kevin Pollak) unterwegs und kann den Killer Earls Talbott Blake (John Lithgow) festnehmen. Blake versucht mit Hilfe einer Geisel zu fliehen, doch Styles schafft es, den Verbrecher zu entwaffnen. Die spektakuläre Festnahme wird durch Zufall auf Video aufgezeichnet und Styles findet sich wenig später in allen Medien des Landes wieder und wird zum Helden erklärt. Sieben Jahre später gelingt Blake die Flucht aus dem Gefängnis. Er will sich an Styles, der mittlerweile Karriere gemacht hat, rächen. Blake inszeniert seinen eigenen Tod und den Tod von Stadtrat Farris. Außerdem fälscht er einen Abschiedsbrief in dem er Styles als Sexualstraftäter und Dieb darstellt. Styles gerät in einen Sumpf aus Verbrechen, Verschwörungen Lügen. In seiner Verzweiflung wendet er sich an den Drogendealer Odessa (Ice-T), der ihm sofort ein Versteck in seinem Haus anbietet. Style will alles tun, um sich von den falschen Anschuldigungen zu befreien.

Der überdrehte, schmutzig-energiegeladene Thriller fühlt sich wie ein wütender Seitenast des klassischen Joel‑Silver‑Actionkinos an - manchmal brillant, oft grotesk, aber zu keiner Sekunde langweilig. Seine größten Trümpfe sind Denzel Washingtons charismatische Präsenz und John Lithgows hemmungslos diabolischer Schurke, die den Film immer dann erden, wenn das Drehbuch längst ins Reich der Absurdität abgeprallt ist. "Ricochet - Der Aufprall" erzählt die Geschichte von Nick Styles, einem jungen Cop aus L.A., der durch die spektakuläre Festnahme des Killers Earl Talbott Blake zum Medienhelden aufsteigt und Jahre später von eben diesem Mann durch einen elaborierten Rachefeldzug systematisch demontiert wird. Dies ist im Kern ein klassisches, fast schon altmodisches Noir-Motiv: Der Aufstieg des Helden wird zum Sprungbrett für seinen Fall. Dass Styles inzwischen Staatsanwalt ist und seine Karriere auf genau jenem Triumph aufbaut, den Blake ihm nie verziehen hat, verleiht dem Plot eine schöne, beinahe ironische Symmetrie.

Regisseur Russell Mulcahy inszeniert das alles nicht als nüchternes Justizdrama, sondern als grellen Albtraum, in dem Moral, Glaubwürdigkeit und Physik regelmäßig unter die Räder geraten. Der Racheplan - inklusive Drogen, sexuell kompromittierender Falle, medialer Hinrichtung und systematischer Zerstörung von Ruf, Familie und Psyche - ist vollkommen überzogen, aber gerade dieses "zu viel" ist Teil der DNA des Films: "Ricochet" will weniger überzeugen als überwältigen. Auf der Ebene der Action arbeitet Mulcahy daher mit derselben Mischung aus Videoclip-Ästhetik und grobkörniger Härte, die schon "Highlander" geprägt hat. Die Schießereien, Explosionen und Verfolgungsjagden sind oft stilisiert, manchmal bewusst chaotisch montiert und profitieren von einer Kamera, die die Körper der Figuren wie Projektile durch den Raum schleudert. Der filmische Raum wird zur Arena, in der jeder Schuss, jeder Sturz und letztlich jeder Aufprall - der Titel ist hier Programm - physisch spürbar sein soll. Besonders das Finale an den Watts Towers, in dem Styles und Blake in luftiger Höhe gegeneinander antreten, zeigt Mulcahys Vorliebe für barocke Bildkompositionen und überdimensionierte Setpieces. Das Ende ist auch nicht subtil, aber konsequent: Der Film ist ein einziger Crescendo-Aufschrei aus Beton, Stahl und Neonlicht. Wer nach nüchterner Logik sucht, wird enttäuscht; wer bereit ist, den Film als hysterischen Action-Albtraum der frühen 90er zu akzeptieren, wird durchaus belohnt.

Denzel Washington gibt Nick Styles nicht nur das Heldengesicht, das der Film braucht, sondern auch eine moralische und emotionale Gravität, die weit über das hinausgeht, was das Drehbuch ihm anbietet. In den frühen Szenen spielt er den idealistischen Cop mit leichtem, beinahe schelmischem Selbstbewusstsein; wenn seine Figur später öffentlich gedemütigt, kriminalisiert und in die Defensive gedrängt wird, trägt Washington die Überzeichnungen der Handlung mit einer Ernsthaftigkeit, die sie zumindest emotional plausibel macht. John Lithgow dagegen genießt jede Sekunde als Blake - ein Schurke, der wie eine Kreuzung aus Comic-Bösewicht und Gefängnismonster wirkt. Seine Performance ist so bewusst theatralisch, dass sie den Film häufig zu einem Duell der Stile macht: Washington versucht, die Geschichte im Bereich menschlicher Erfahrung zu verankern, während Lithgow sie mit einem sadistischen Grinsen in Richtung Grand Guignol schiebt. In der zweiten Reihe ergänzen Ice‑T als zwielichtiger Verbündeter Odessa und Kevin Pollak als loyaler Partner die Dynamik; sie liefern solide, wenn auch weniger nuancierte Arbeit und fungieren vor allem als Resonanzkörper für Styles' moralische und berufliche Krise.

"Ricochet" ist kein Film, der sich an die Regeln des Realismus hält, aber er kennt sehr genau die Mechanik des Publikums - wann es schockiert, wann es empört, wann es zum Johlen gebracht werden soll. Die Gewalt ist gelegentlich übertrieben hart, doch in den besten Momenten gelingt Mulcahy ein nervöser, fiebriger Puls, den der hervorragende Hauptdarsteller entscheidend mitprägt. Es ist ein B‑Movie mit A‑Gesichtern: unglaubwürdig, überladen, bisweilen geschmacklos - und gerade dadurch ein ziemlich reiner Ausdruck seines Action-Jahrzehnts.

7/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts/plaion
Poster/Artwork: Warner Bros./Silver Pictures

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen