Linda Liddle (Rachel McAdams) zählt zu den Angestellten, die im Unternehmen (nicht unbedingt freiwillig) unter dem Radar fliegt und deshalb kaum Beachtung findet. Ihr Alltag ändert sich jedoch von einem Moment auf den anderen, als sie gemeinsam mit ihrem Vorgesetzten Bradley Preston (Dylan O'Brien) nach einem Flugzeugabsturz auf einer einsamen Insel strandet. Als einzige Überlebende stehen die beiden nun vor der Herausforderung, sich in dieser unwirtlichen Umgebung nicht nur zurechtzufinden, sondern den Überlebenskampf sicher für sich zu entscheiden. Früh treten die alten beruflichen Spannungen und unausgefochtene Konflikte an die Oberfläche, während die beiden gezwungen sind, zusammenzuarbeiten, um Nahrung, Schutz und einen Weg zur Rettung zu finden. Doch aus dem gemeinsamen Überlebenskampf entwickelt sich ein Spiel aus Kontrolle und Misstrauen, in dem keiner bereit ist, die Oberhand zu verlieren.
"Send Help" markiert Sam Raimis Rückkehr zu jener nervösen Mischung aus Horror, Slapstick und moralischer Boshaftigkeit, die seinen Namen berühmt gemacht hat: ein zweipersoniger Überlebens-Thriller auf einer einsamen Insel, der mehr an "Misery" und "Evil Dead II" erinnert als an seine Arbeit. für das MCU. Zwei Kollegen, eine von ihrem Chef gemobbte Angestellte und ihr arrogantes Gegenüber, überleben als Einzige einen mitunter grotesken Flugzeugabsturz und verwandeln die Insel in ein Labor für Machtspiele, Ressentiments und blutig-derbe Ironie. Im Zentrum steht Linda Liddle (Rachel McAdams, und der Nachname macht schon deutlich, wo das Drehbuch ihre Position verortet), eine hochkompetente, permanent übergangene Büroangestellte, und ihr Chef Bradley, ein selbstgefälliger, misogyn gezeichneter Vorgesetzter, der sie vor dem Crash kaum ernst nimmt - und teilweise bösartig mobbt. Doch nach dem Absturz ändert sich die Hierarchie radikal: Bradley ist verletzt und auf Lindas unterdrückte Survival-Skills angewiesen, was den Film zu einem Kammerspiel im Freien macht - ein Katz-und-Maus-Spiel mit Sand, Salz und Haifischbecken aus verletzten Egos. Die Handlung folgt im Kern einer klaren Linie: Zusammenarbeit als Notwendigkeit, Misstrauen als Instinkt und schließlich ein eskalierender Machtkampf, der aber eher psychologisch ausgetragen wird.
"Send Help" wird als "Survival-Horrorthriller" beschrieben, aber der Ton ist eindeutig von Raimis Signatur geprägt: grotesker Humor, physischer Slapstick und plötzliche Ausbrüche von Sadismus, Gewalt und Jump-Scares stehen nebeneinander. Es ist eine düstere, komische Geschichte, in der die beiden Figuren in einem Willenskampf gefangen sind - mehr fiese Gesellschaftsstudie als klassischer Abenteuerfilm. Raimi inszeniert seine Protagonisten als Figuren eines modernen Märchens über Machtmissbrauch, Klassen- und Statusgefälle, wobei das Vergnügen des Publikums eng mit der Demontage des arroganten Chefs verknüpft ist. Die Gewalt wirkt dabei weniger wie nüchterner Realismus denn wie moralisch aufgeladene Übertreibung: Strafen, Demütigungen, körperliche Eskalationen, die den Zuschauer gleichzeitig zusammenzucken und lachen lassen sollen - ganz in der Tradition des Regisseurs, der jede Wunde als visuelles Ausrufezeichen begreift. Rachel McAdams als Linda ist der emotionale Anker: eine unterschätzte, nüchterne Pragmatikerin, deren stille Wut und fachliche Kompetenz sich auf der Insel in Führungsstärke verwandeln. Ihre Figur wird in der Bürowelt ignoriert, in der Wildnis wird sie aber zur einzigen Hoffnung ihres verhassten Chefs - ein Rollenwechsel, der ihr reichlich Platz für leise Ironie und latent gesammelten Zorn gibt. Dylan O’Brien als Bradley verkörpert den hassenswerten Boss, der seine Macht verliert und in Abhängigkeit gerät, was den Reiz des Films ausmacht: Das Vergnügen, einen einst dominanten Mann als hilflosen, panischen Körper zu sehen, gehört zum moralischen Kern des Films."Send Help" ist ein Film, der Gewalt und Demütigung benutzt, um eine einfache Wahrheit auszubuchstabieren - dass Machtverhältnisse brüchig sind und Respekt niemals optional sein sollte. Wie oft bei Raimi stellt sich dabei die Frage, ob der Film seine Figuren quält, um etwas über sie zu sagen, oder weil das Quälen an sich Spaß macht. "Send Help" balanciert oft (aber gekonnt) am Rand dieser Linie, besitzt aber genügend bitteren Witz und charakterbezogene Pointen, um nicht in reinen Menschenzirkus abzugleiten. Wenn der Abspann läuft, bleibt weniger die Insel in Erinnerung als der Blick auf zwei Menschen, die einander alles antun können - und trotzdem irgendwie gezwungen sind, zusammenzuhalten; ein Setting, das so menschlich wie monströs nachwirkt.


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