Der romantisch geplante Urlaub der beiden Turteltauben Diego (Marco Pigossi) und Sage (Maddie Hasson) in einem abgelegenen Anwesen am See nimmt eine unerwartete Wendung, als mit Will (Alex Roe) und Cin (Andra Nechita) ein weiteres, geheimnisvolles und charismatisches Paar eintrifft, das offenbar auch das Anwesen gebucht hat. Was als harmlose und scheinbar zufällige Überschneidung beginnt, entwickelt sich schnell zu einem düsteren und verführerischen Spiel. Verborgene Geheimnisse dringen dabei an die Oberfläche, bis die Lage von prickelnder Erotik endgültig in einen blutigen Überlebenskampf umschlägt.
Dieser vergnügt-giftige Genre-Mix, der so tut, als wäre er nur ein weiteres AirBnB-from-Hell-Horrorfilmchen - und dann mit jedem Akt eine Schraube tiefer in Erotikthriller, Beziehungsdrama und blutige Survival-Fantasie dreht - ist einer dieser Filme, in denen die Figuren zwar wegfahren, um sich zu erholen, das Drehbuch aber keine Ruhe gibt: Urlaub ist hier nur das Vorspiel für Demütigung, Versuchung und Messer im Dunkeln. Das Setting ist klassisch und clever zugleich: ein abgelegenes, großzügiges Anwesen an einem See, der nicht ohne Grund "Bone Lake" heißt, weil man dort angeblich Skelette an den Ufern gefunden hat. Der Film nutzt dieses Haus wie ein verwinkeltes Funhouse - verschlossene Zimmer mit Sexspielzeug, ein Kerzen- und Ouija-Zimmer, lange Gänge und der dunkle See vor der Tür -, sodass der Schauplatz immer mehr vom Ferienidyll zur psychosexuellen Geisterbahn wird. Im Zentrum stehen Diego und Sage, ein Paar kurz vor dem nächsten Lebenskapitel: Er will an seinem Buch arbeiten, sie stellt ihre eigenen Ambitionen als Journalistin zurück, um die Vernünftige zu sein. Ihr romantischer Kurzurlaub kippt, als ein zweites Paar, Will und Cin, auftaucht und behauptet, dieselbe Luxus-Hütte gebucht zu haben - aus der Fehlbuchung wird ein erzwungenes Double-Date.
Das Drehbuch macht daraus ziemlich bald ein giftiges Experiment: Das neue Paar flirtet aggressiv, testet Grenzen, weiß überraschend viel über private Momente und legt die schwachen Stellen der Beziehung systematisch frei. Aus einer einfachen Frage wird schnell eine Spirale aus Versuchung, Gaslighting, psychologischen Spielen und schließlich offener Gewalt, die den Film irgendwo zwischen erotischem Thriller und Slasher-Spektakel landen lässt. Die Dynamik funktioniert, weil die vier Hauptdarsteller das Kammerspiel mit spürbarer Energie tragen. Maddie Hasson und Marco Pigossi (die zentrale Paar-Konstellation Diego/Sage) wirken genug wie ein echtes Paar mit kleinen Rissen, dass man an ihren Konflikten interessiert bleibt, statt sie nur als Horror-Kanonfutter zu sehen. Ihre Mischung aus Beziehungsalltag, verletztem Ego und sexueller Unsicherheit sorgt dafür, dass jede Annäherung an das andere Paar doppelt knirscht. Alex Roe und Andra Nechita als Will und Cin sind das verführerische Monster in Menschengestalt: charmant, leicht übergriffig, immer einen Schritt zu freundlich, bis man merkt, dass das Lächeln eher einem Versuchsleiter als einem Freund gehört. Je weiter der Film voranschreitet, desto mehr dürfen sie in den Wahnsinn aufdrehen, ohne die Figuren in reine Karikaturen zu verwandeln.
Horror heißt hier nicht nur Monster im Gebüsch, sondern das Ausstellen von Intimität, Eifersucht und Misstrauen unter einer Lupe. Regisseurin Mercedes Bryce Morgan setzt Gewalt und Gore dosiert ein: Der Film beginnt mit einem schockierenden Prolog - ein nacktes Paar auf der Flucht, ein unsichtbarer Jäger, drastische Tode -, um klarzumachen, dass der Film bereit ist, körperlich weh zu tun, benutzt Blut danach aber eher als Ausrufezeichen als als Dauerzustand. Der eigentliche Horrorfaktor entsteht aus der Mischung: Ein "Urlaub aus der Hölle"-Szenario, das mit klassischen Slasher- und Home-Invasion-Tropes spielt, sie aber mit der Erotik eines "falsche Freunde"-Thrillers und dem Humor eines leicht campigen Mitternachtsfilms verbindet. Manchmal kippt der Ton bewusst ins Absurde, was einzelne Spannungsmomente entschärfen kann, aber genau die anarchische Energie erzeugt, die den Film von einem bloßen Genreformular abhebt. Kein großer Horrorfilm, aber ein erfreulich gemeiner - ein Film, der seine Figuren zuerst verführt, dann verrät und das Publikum dabei mit einem Grinsen im Gesicht beobachtet.

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