Die USA existieren nicht mehr. An ihrer Stelle gibt es nun die von Bürgerkriegen erschütterte Republik Gilead. Doch die Kämpfe sind bei weitem nicht das einzige Problem - daneben beschäftigt die religiös-fundamentalistische Regierung auch noch die drastisch gesunkene Fruchtbarkeit der Menschen. Kate (Natasha Richardson) will Gilead zusammen mit ihrer Tochter und ihrem Mann verlassen. Der stirbt beim Versuch, illegal die Grenze zu überschreiten, während die Tochter spurlos verschwindet. Ihrem eigenen Tod entgeht Kate, weil ein Fruchtbarkeitstest positiv auffällt. Sie wird als Gebärerin klassifiziert und muss damit nicht - wie die unfruchtbaren Frauen - sterben. Ihrem Willen zur Flucht tut das keinen Abbruch. Moira (Elizabeth McGovern), ihre neue Freundin, denkt genauso...
"Die Geschichte der Dienerin" basiert auf dem Roman " Der Report der Magd" von Margaret Atwood und spielt in einer dystopischen Zukunft. Es ist ein eindrucksvoller, aber in seiner Wirkung nicht völlig überwältigender dystopischer Film, der vor allem durch seine bedrückende Atmosphäre und starke Hauptdarstellerin überzeugt, jedoch erzählerisch gelegentlich zu schematisch bleibt. Insgesamt gelingt ein respektables, ernsthaftes Drama, das die Vorlage würdig aufgreift, ohne ihr cineastisch ganz das Wasser reichen zu können. Der Film zeichnet einen klaustrophobischen Alltag aus religiöser Rhetorik, ritualisierter Vergewaltigung und subtiler wie offener Gewalt nach, bleibt dabei aber oft nahe an konkreten Plotstationen, statt die psychologische und gesellschaftliche Dimension so radikal auszuleuchten wie es die Prämisse hergeben würde. Die späteren Flucht- und Widerstandselemente, einschließlich Kates Beziehung zum Chauffeur Nick und der Verschwörung gegen den Kommandanten, verleihen der Geschichte Spannung, wirken dramaturgisch jedoch eher konventionell als wirklich verstörend.
Natasha Richardson verankert den Film mit einer stillen, kontrollierten Darstellung, die Kates Mischung aus Traumatisierung, abgründiger Angst und beharrlichem Rest-Widerstand glaubhaft macht. Ihre Spielweise bleibt angenehm unheroisch: Kate wird nicht zur klassischen Rebellin stilisiert, sondern erscheint als verunsicherte, aber lernende Figur, die ihre Würde in einem System verteidigt, das genau diese Würde systematisch auslöschen will. In den zentralen Szenen - etwa während der ritualisierten "Zeremonien" im Schlafzimmer des Ehepaars - gelingt Richardson eine eindringliche Balance aus innerem Rückzug und leiser Empörung, was dem Film eine emotionale Tiefe verleiht, die das Drehbuch nicht immer bereitstellt. Gerade in den wortkargen Momenten, wenn Kates Blick mehr erzählt als der Dialog, zeigt sich die größte Stärke dieser Darstellung. Robert Duvall spielt den Kommandanten Fred als höflich-gefährliche Autoritätsfigur, deren bürgerliche Freundlichkeit die Gewalt des Systems nur notdürftig kaschiert. Seine Mischung aus jovialem Patron und moralisch verrottetem Machtmenschen gibt dem Film eine unheimliche Ruhe, auch wenn die Figur nie die Ambivalenz erreicht, die etwa ein wirklich komplexer Tyrann besitzen könnte. Faye Dunaway als Serena Joy wirkt zugleich verletzlich und grausam, gefangen zwischen unerfülltem Kinderwunsch, sozialem Status und einem System, das selbst die privilegierten Frauen letztlich entmündigt. Ihre Szenen mit Kate - geprägt von eisigem Ressentiment und einer fast körperlich spürbaren Eifersucht - gehören zu den eindrücklichsten Momenten und führen die Logik eines Regimes vor, das Frauen gegeneinander ausspielt, um Macht zu sichern.
"Die Geschichte der Dienerin" ist ein ernstzunehmender, atmosphärisch dichter Beitrag zum dystopischen Kino, der durch Setting, Thematik und das Ensemble lange nachhallt. Gleichzeitig bleibt die Inszenierung stellenweise zu brav und erzählerisch zu glatt, um das volle verstörende Potenzial dieser Welt auszuschöpfen, sodass am Ende ein guter, aber nicht überragender Film steht.

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